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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Christian Mystery
GA 97

4 April 1906, Düsseldorf

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16. Die Kinder des Luzifer

16. The Children of Lucifer

Die Ablösung Der Blutsliebe Durch Die Geistige Liebe

The Replacement of Blood Ties with Spiritual Love

[ 1 ] Wir können sagen, daß es auf der Erde zweierlei Arten von Menschen gibt. Zwei große geistige Strömungen sind in der Menschheit zu erkennen. Der Unterschied zwischen den beiden liegt darin: Die einen streben mehr dahin, alles im Lichte der Erkenntnis zu sehen, die andern möchten in einer gewissen Beziehung geführt werden. Gerade die Art der Aufnahme der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung zeigt, daß das Streben, nach hellem, klarem Licht zu suchen, nicht sehr verbreitet ist. Die Mehrzahl der Menschen ist noch nicht so weit, von allem etwas wissen zu wollen. Vielen ist eine Umnebelung recht und lieb, es geniert sie, wenn sie in irgendeiner Sache vollständige Klarheit bekommen sollen. Es muß aber alldem entsagt werden, was zu einer Umnebelung des Bewußtseins führen kann. Das gilt auch für die ganze Lebensführung. So muß der Mensch auch in bezug auf seine Nahrung enthaltsam sein und alles vermeiden, was das Bewußtsein umdunkelt, wie es zum Beispiel beim Alkohol der Fall ist. Es gibt noch unzählige andere Dinge, die den Menschen von der Klarheit wegführen. Die Entsagung von diesen Dingen macht den Menschen auch praktischer im täglichen Leben. Auch Autoritätsglauben führt zu einer Umdunkelung. Nur anregen soll man sich lassen, aber nicht auf die Autorität bauen.

[ 1 ] We can say that there are two kinds of people on Earth. Two major spiritual currents can be discerned within humanity. The difference between the two lies in this: Some strive more to see everything in the light of knowledge, while others wish to be guided in a certain sense. The very way in which the spiritual-scientific worldview is received shows that the striving to seek bright, clear light is not very widespread. The majority of people are not yet ready to want to know something about everything. Many are quite content with a haze of confusion; it embarrasses them when they are expected to attain complete clarity on any given matter. However, one must renounce everything that can lead to a clouding of consciousness. This also applies to one’s entire way of life. Thus, a person must also practice moderation in regard to their diet and avoid everything that clouds consciousness, as is the case, for example, with alcohol. There are countless other things that lead people away from clarity. Renouncing these things also makes people more practical in their daily lives. Blind faith in authority also leads to a clouding of the mind. One should allow oneself to be inspired, but not rely on authority.

[ 2 ] Was wir hier unter Klarheit zu verstehen haben, ist am wenigsten verbunden mit einer untergeordneten Art, die höheren Welten zu sehen. Eine solche untergeordnete Art ist in der Tat mit einer seelischen Umdämmerung des Bewußtseins verbunden. Ein derartiger Zustand war in den früheren Zeiten der Menschheitsgeschichte allgemein verbreitet. In der Zeit der Atlantier war das Bewußtsein des Menschen viel weniger klar als jetzt. Jetzt sind sogar die wildesten Völkerschaften weit hinausgerückt über den Bewußtseinszustand der Atlantier. Wenn wir immer weiter zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, kommen wir immer mehr in Zustände, wo der Mensch von innen heraus sieht, aber nicht mit dem Verstande begreift. Bei der atlantischen Rasse dämmert der Verstand zum ersten Male auf. An der Stätte, die das heutige Irland einnimmt, lebten zu einer gewissen Zeit die Atlantier. Wenn dem Atlantier sich ein anderer Mensch näherte, so stiegen in ihm astrale Bilder auf. Nachdenken konnte der Atlantier noch nicht. Erst wenn das Vorderhirn entwickelt ist, kann der Mensch zu sich «Ich» sagen. In dem Teil der Atlantis, der an der Stelle des heutigen Irlands lag, fingen die Menschen zuerst an, das Ich-Bewußtsein auszubilden. Von dieser Stelle aus verbreiteten sich die Atlantier über Europa hin nach Asien. Die Menschenknochen, welche man im Neandertal gefunden hat, sind solche, welche von den Nachkommen der Atlantier herrühren, sie haben noch eine weit zurückliegende Stirn. Der Mensch lernte von der damaligen Zeit an ganz langsam, verstandesmäßig zu denken und das Ich-Bewußtsein auszubilden. In dem Moment, wo der Mensch hier auf der Erde sein mit dem Geiste befruchtetes Dasein anfing, war er schon weit über das Tier hinaus, konnte aber noch nicht sprechen und denken.

[ 2 ] What we mean here by “clarity” has very little to do with a lower form of perceiving the higher worlds. Such a lower form is, in fact, associated with a spiritual dimming of consciousness. This kind of state was widespread in the early periods of human history. In the time of the Atlanteans, human consciousness was far less clear than it is now. Today, even the most primitive peoples have far surpassed the Atlanteans’ state of consciousness. As we go further and further back in human evolution, we encounter states in which people perceive from within but do not comprehend with the intellect. With the Atlantean race, the intellect began to dawn for the first time. At one time, the Atlanteans lived in the region that is now Ireland. When another person approached an Atlantean, astral images would arise within him. The Atlantean was not yet capable of reflection. Only when the forebrain is developed can a person say “I” to himself. In the part of Atlantis that lay where Ireland is today, human beings first began to develop self-consciousness. From this location, the Atlanteans spread across Europe and on into Asia. The human bones found in the Neander Valley are those of the descendants of the Atlanteans; they still have a receding forehead. From that time onward, human beings very slowly learned to think rationally and to develop a sense of the “I.” At the moment when human beings began their spirit-enriched existence here on Earth, they had already far surpassed the animal realm, but were not yet able to speak or think.

[ 3 ] Damals waren göttliche Wesen da, die man die Devas nennt, die keinen physischen Leib brauchten, die im Astralraum schwebten. Was sie durch einen physischen Leib erwerben konnten, hatten sie auf dem Monde durchgemacht. Es waren aber auch noch andere Wesenheiten da, die auf dem Monde ihre Evolution nicht beendet hatten, die damit nicht fertig geworden waren. Dies sind die luziferischen Wesenheiten, die gegenüber den Devas zurückgeblieben waren. Die Götter oder Devas lebten von dem auf der Erde, was eine Eigenschaft der Menschen geworden war, von der zweigeschlechtlichen Liebe. Die Liebe der Menschen ist die Luft oder auch die Nahrung, welche die Götter genießen. Man bezeichnete sie in der griechischen Mythologie als Nektar und Ambrosia.

[ 3 ] At that time, there were divine beings known as the Devas, who did not need a physical body and who soared through the astral realm. Whatever they could gain through a physical body, they had already experienced on the Moon. But there were also other beings who had not completed their evolution on the Moon, who had not finished that process. These are the Luciferic beings who had fallen behind the Devas. The gods, or Devas, lived on what had become a characteristic of human beings on Earth: love between the sexes. Human love is the air—or the nourishment—that the gods enjoy. In Greek mythology, these were referred to as nectar and ambrosia.

[ 4 ] Solange die Menschen noch somnambul waren, hatten die Scharen des Luzifer keine rechte Aufgabe in der Menschheit. Daß sie den Menschen so recht zu ihrem eigenen Kinde machten, das bildete sich erst in der fünften Wurzelrasse aus. Menschliches Denken ist noch gar nicht so sehr alt. Was man uralte Weisheit nennt, war bei den ältesten Völkern heimisch. Diese uralte Weisheit ist alte Priesterweisheit, die von innen heraus geoffenbart ist. Richtiges Erkennen ist aber erst ein paar Jahrhunderte vor Christi Geburt entstanden, etwa um 600 vor Christus. Auch die Urteilskraft hat sich erst nachträglich in der Welt entwickelt.

[ 4 ] As long as human beings were still in a somnambulistic state, the hosts of Lucifer had no real role to play in humanity. It was not until the fifth root race that they truly became, so to speak, the children of humanity. Human thinking is not all that old. What is called ancient wisdom was native to the most ancient peoples. This ancient wisdom is the wisdom of the priests, revealed from within. True knowledge, however, did not emerge until a few centuries before the birth of Christ, around 600 B.C. The power of judgment, too, developed only later in the world.

[ 5 ] Da kommen wir an ein wichtiges Mysterium mit einer Tatsache, die man bei alten Völkern findet. Nur wer hineinleuchten kann in die seelische Welt, ist imstande, diese Tatsache zu begreifen. Bei einem nordamerikanischen Indianerstamm findet man eigentümliche Benennungen für die Familienbeziehungen. Geschwisterkinder nannten sich bei den Irokesen «Geschwister» — doch nur die Kinder von Brüdern, nicht die von Schwestern. Das ist noch ein Relikt aus der alten Atlantis. In dieser frühen Zeit der Menschheitsgeschichte war der Familienzusammenhang das einzig Geltende. Die Frau hatte mehrere Männer, und man konnte nicht bezeichnen, wer der Vater der Kinder war. Alle Völker hatten ursprünglich Vorfahren, welche nicht so sehr darauf gesehen haben, keine nahen Verwandten zu heiraten. Eine nahe Blutsverwandtschaft war keineswegs ein Hindernis für die Ehe. Man sagte, daß solche Kinder, die von am nächsten verwandten Eltern abstammten, am meisten erleuchtet waren: sie waren somnambul. Die weitere Evolution geht nun immer mehr und mehr dahin, daß sich solche Menschen verbinden, die nicht blutsverwandt sind. Es ist ein Gesetz, daß sich durch die Verbindung Fernerstehender der Ätherleib der Menschen herauslockert aus dem physischen Leib. Bei den blutsverwandten Ehen saß bei den Nachkommen der Ätherleib fest. Er wurde von innen heraus erleuchtet. Sie dachten noch mehr mit dem Sonnengeflecht, aber sie hatten nicht Urteilskraft. Diese wächst durch Fernehen und tritt in demselben Maße auf, wie die alten blutsverwandten Ehen zurückgehen. Es schwindet dann das alte somnambule Anschauen, und es tritt eine neue Art des Anschauens auf, die Urteilskraft. Man bezeichnet diese neue Epoche mit dem Aufkommen des dionysischen Prinzips. Dionysos wird zerstückelt, nur das Herz wird gerettet. Als das Dionysische auftrat, wurden die Menschen zerstückelt und dann wieder aufs neue zusammengeführt durch das Herz, die seelische Verwandtschaft, die mit einer vollständigen Veränderung des sexuellen Lebens zusammenhängt. Der Verstand ist umgewandelte frühere Verwandtensexualität.

[ 5 ] This brings us to an important mystery involving a fact found among ancient peoples. Only those who can shed light on the spiritual world are able to comprehend this fact. Among a North American Indian tribe, one finds peculiar terms for family relationships. Among the Iroquois, siblings called each other “siblings”—but only the children of brothers, not those of sisters. This is yet another relic from ancient Atlantis. In this early period of human history, family ties were the only thing that mattered. A woman had several husbands, and it was impossible to determine who the father of the children was. All peoples originally had ancestors who did not pay much attention to avoiding marriage with close relatives. A close blood relationship was by no means an obstacle to marriage. It was said that children descended from the closest relatives were the most enlightened: they were somnambulists. Further evolution is now increasingly leading toward unions between people who are not blood relatives. It is a law that, through the union of distantly related individuals, the etheric body of human beings becomes detached from the physical body. In marriages between blood relatives, the etheric body remained firmly attached to the physical body in the offspring. It was illuminated from within. They still thought primarily with the solar plexus, but they lacked the power of judgment. This power grows through marriage between distant relatives and emerges in direct proportion to the decline of the old blood-related marriages. The old somnambulistic way of perceiving then fades, and a new kind of perception emerges: the power of judgment. This new epoch is marked by the emergence of the Dionysian principle. Dionysus is dismembered; only the heart is spared. When the Dionysian emerged, people were dismembered and then brought together anew through the heart—the spiritual kinship associated with a complete transformation of sexual life. The intellect is transformed former kinship-based sexuality.

[ 6 ] Die früheren Entwickelungszustände der Menschheit werden nun im einzelnen Menschenleben noch einmal in Siebenjahresrhythmen wiederholt. Vom ersten bis siebenten Jahr tritt der Ätherleib des Kindes noch ganz zurück. Man soll daher vor dem siebenten Jahr noch nicht das Gedächtnis ausbilden, sondern nur die Sinne. Man kann dann auf die Sinne wirken, und die inneren Kräfte werden mit Hilfe der Sinne geweckt. Man soll diese Kräfte dadurch anregen, daß man den Kindern Spielzeuge gibt, bei denen die Phantasie tätig sein kann, etwa einen Holzklotz mit angemalten Punkten als Augen und so weiter, aber keine fertigen Puppen, bei denen das Kind gar nichts mehr durch seine Phantasie hinzufügen kann. Vom siebenten bis zum vierzehnten Jahr muß man bei den Kindern hauptsächlich feste Gewohnheiten ausbilden, die ihnen dann im späteren Leben einen bestimmten Halt geben. In diesen Jahren muß alles Gedächtnismäßige an den Menschen herantreten. Daher ist es besser, wenn man in diesem Lebensabschnitt nicht auf die Urteilskraft wirkt. Das Kind soll dann Autorität um sich haben, aber nicht selbst Autorität sein. Man soll durch Erzählungen auf das Kind wirken, nicht Moral predigen, sondern hinweisen auf große Beispiele, auf Vorbilder. Für die Moral würde es nötig sein, daß man dann in der alten pythagoreischen Form das Gefühl dafür ausbildet. Pythagoras sagte zu seinen Schülern: Du sollst nicht mit dem Schwerte ins Feuer schlagen -, ein Bild dafür, daß man nutzlose Dinge nicht tun soll. Ein anderes derartiges pythagoreisches Wort war: Du sollst auf deinem Wege nicht umkehren, ehe du ans Ende gekommen bist. -— Erst nach der Geschlechtsreife soll der Mensch selbst urteilen lernen. Der Ätherkörper wird zu diesem Zeitpunkt gelockert, und der Astralkörper ist erst jetzt bereit, nach außen tätig zu sein.

[ 6 ] The earlier stages of human development are repeated once more in the individual human life in seven-year cycles. From the first to the seventh year, the child’s etheric body is still largely in the background. Therefore, before the age of seven, one should not yet develop the memory, but only the senses. One can then work on the senses, and the inner powers are awakened with the help of the senses. These powers should be stimulated by giving children toys that allow the imagination to be active—for example, a wooden block with painted dots for eyes and so on—but not ready-made dolls, to which the child can add nothing more through their imagination. From the seventh to the fourteenth year, one must primarily develop firm habits in children that will then provide them with a certain foundation in later life. During these years, everything related to memory must come to the fore in a person. Therefore, it is better not to influence the child’s power of judgment during this stage of life. The child should then be surrounded by authority, but should not be an authority figure themselves. One should influence the child through stories, not by preaching morality, but by pointing to great examples and role models. For morality, it would be necessary to cultivate a sense of it in the old Pythagorean manner. Pythagoras said to his students: “You shall not strike the fire with a sword”—an image illustrating that one should not do useless things. Another such Pythagorean saying was: “You shall not turn back on your path until you have reached the end.” — Only after reaching sexual maturity should a person learn to judge for themselves. At this point, the etheric body becomes more flexible, and only now is the astral body ready to act outwardly.

[ 7 ] Diese Entwickelung, die also heute der einzelne Mensch in Siebenjahresrhythmen durchmacht, hat die Menschheit als solche im Lauf ihrer großen Entwickelungsepochen absolviert. Ein Teil der untergeordneten Kräfte im Menschen wurde heraufgehoben zur Ausbildung der Urteilskraft. Da konnten erst die Scharen des Luzifer eingreifen. In dem selbständigen Urteil des Menschen äußert sich diese luziferische Kraft. In diesen Zeiten des Eingreifens des luziferischen Prinzips traten zum ersten Mal eigene menschliche Arbeiten auf. Wenn man die alten Zeiten verfolgt, kann man sich sagen: Es hat sich damals nur das zusammengefunden, was eine Familie bildet. Die anstelle der Blutsverwandtschaft das rein Geistige setzen wollten, waren diejenigen, welche im Namen Luzifers arbeiteten. Die Kirche bildete sich als Fortsetzung der alten Priesterweisheit heraus. Daneben entstand aber die Strömung, die selbst nach Licht suchte, die luziferischen Menschen wie zum Beispiel die Tempelritter. Sie sagten, man müsse sich selbst Licht und Wahrheit suchen. Es gab im Mittelalter eine Sekte, die dies verstand. Ihre Mitglieder nannten sich Luziferianer. Sie sagten: Wenn der Mensch noch so selig werden kann, aber ohne das Licht der Erkenntnis, so ist dies nicht unsere Sache — wir wollen uns zum Licht durchringen.

[ 7 ] This development, which the individual human being today undergoes in seven-year cycles, has been completed by humanity as a whole in the course of its great epochs of development. A portion of the lower forces within the human being was elevated to develop the power of judgment. Only then were the hosts of Lucifer able to intervene. This Luciferic force finds expression in human independent judgment. It was during these times of the Luciferic principle’s intervention that truly human endeavors first emerged. If one traces back to ancient times, one might say: Back then, only what constitutes a family had come together. Those who sought to replace blood kinship with the purely spiritual were the ones who worked in the name of Lucifer. The Church emerged as a continuation of the ancient priestly wisdom. Alongside it, however, arose a movement that sought light on its own—the Luciferic people, such as the Knights Templar. They said that one must seek light and truth for oneself. There was a sect in the Middle Ages that understood this. Its members called themselves Luciferians. They said: “Even if a person can attain bliss without the light of knowledge, that is not our concern—we want to strive toward the light.”

[ 8 ] Dies sind die zwei Strömungen in der Menschheit. Die eine Strömung ist die, welche nur selig werden will, die andern wollen das Licht dabei. Die, welche vor der Erkenntnis Furcht haben, betrachten Luzifer als den Bösen. Aber für die andern ist Luzifer der Lichtträger, der Lichtbringer. In einem Manuskript im Vatikan steht davon, aber es wird von der Kirche geheimgehalten und diese kirchliche Richtung warnt die Menschen vor Luzifer.

[ 8 ] These are the two currents within humanity. One current consists of those who merely seek salvation; the others seek the light in the process. Those who fear knowledge regard Lucifer as the Evil One. But for the others, Lucifer is the bearer of light, the bringer of light. There is a manuscript in the Vatican that mentions this, but it is kept secret by the Church, and this branch of the Church warns people against Lucifer.

[ 9 ] Dogmatik kann durchaus Wahrheit enthalten. So ist der pythagoreische Lehrsatz für den, der ihn nicht eingesehen hat, ein Dogma. Wenn er ihn aber versteht, so wird er für ihn helle, klare Erkenntnis. Die Dogmen sind als auf Autorität begründet hingestellt. Wenn man sie versteht, so werden sie auch klare Erkenntnis.

[ 9 ] Dogma can certainly contain truth. For example, the Pythagorean theorem is a dogma to those who have not grasped it. But once they understand it, it becomes clear and lucid knowledge to them. Dogmas are presented as being based on authority. Once understood, they, too, become clear knowledge.

[ 10 ] In der Zeit, da Paulus lebte, war das Christentum so, daß es zur allgemeinen Menschenliebe führen sollte. Aus einer Stammes- und Volksreligion sollte eine Weltreligion entstehen. An der Blutsgemeinschaft hängt der Offenbarungsglaube. Feste Gesetze werden gegeben von Moses. Christus gibt nicht feste Gesetze, sondern anstelle des Gesetzes tritt die Gnade. Es ist das Aufleben des Innersten in der menschlichen Seele.

[ 10 ] In Paul’s time, Christianity was intended to lead to universal love for humanity. A world religion was to emerge from a tribal and national religion. Faith in revelation is rooted in kinship. Fixed laws were given by Moses. Christ does not give fixed laws; rather, grace takes the place of the law. It is the awakening of the innermost being in the human soul.

[ 11 ] Eine absteigende Welle ist es, die in der Kirchenorganisation angestrebt wird, und eine aufsteigende Welle in dem Anstreben der Freiheit der Meinungen. Es gibt solche Bestrebungen in bestimmten Bruderschaften, so bei den Tempelrittern, die nach dem Licht streben. Dies Geschlecht, das nach dem Lichte ringt, das sind die Kinder des Luzifer.

[ 11 ] It is a downward wave that is sought within the church organization, and an upward wave in the pursuit of freedom of opinion. Such aspirations exist in certain brotherhoods, such as among the Knights Templar, who strive for the light. This lineage, which strives for the light, are the children of Lucifer.

[ 12 ] An den Zeitpunkt, als das Christentum anfängt sich stramm zu organisieren, versetzte Edouard Schuré das Drama «Die Kinder des Luzifer». Da ist eine kirchliche Strömung, und daneben die andere, das luziferische Prinzip. Die Kinder des Luzifer sind die Kinder des inneren Lichtes, nicht des Offenbarungsglaubens. Diese, die der Zukunft zustreben, müssen sich in geniöser Weise verwandt fühlen. In unserer Zeit ist durch die geisteswissenschaftliche Bewegung das ausgesprochen worden, daß man durch eigenes Streben zum Licht kommen soll. Tief innerste Freiheit soll innerhalb der menschlichen Seele entwickelt werden.

[ 12 ] Edouard Schuré set his play The Children of Lucifer at the time when Christianity began to organize itself strictly. There is one ecclesiastical current, and alongside it another: the Luciferian principle. The Children of Lucifer are the children of the inner light, not of revelational faith. Those who strive toward the future must feel a kinship with one another in a profound way. In our time, the spiritual science movement has articulated that one should come to the light through one’s own striving. The deepest inner freedom is to be developed within the human soul.

[ 13 ] Mit Absicht ist die theosophische Zeitschrift «Luzifer» genannt worden. Sie hängt zusammen mit dem innersten Wesen der theosophischen Bewegung. Es sollte einmal dokumentiert werden, daß in bewußter Weise das luziferische Prinzip in die Welt hineingeworfen worden ist. Als die katholische Kirche das Dogma der Infallibilität aufstellte, trat als entgegenstrebender Pol die Betonung des luziferischen Prinzips auf. Oder umgekehrt kann man sagen: Daß die Theosophie die geistige Freiheit proklamierte, das erzeugte als andern Pol das Dogma der Infallibilität, weil die Kirche sich nur dadurch retten konnte.

[ 13 ] The Theosophical magazine was deliberately named “Luzifer.” This name is connected to the innermost essence of the Theosophical movement. It was intended to document that the Luciferic principle had been deliberately cast into the world. When the Catholic Church established the dogma of infallibility, the emphasis on the Luciferic principle emerged as a countervailing force. Or, to put it another way: the fact that Theosophy proclaimed spiritual freedom gave rise, as a countervailing force, to the dogma of infallibility, because that was the only way the Church could save itself.