The Christian Mystery
GA 97
30 November 1906, Cologne
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Christian Mystery, tr. SOL
19. Der Jogapfad, die Christlich-Gnostische Einweihung und die Esoterik der Rosenkreuzer
19. The Yoga Path, Christian-Gnostic Initiation, and Rosicrucian Esotericism
[ 1 ] Durch die Einweihung wird der Mensch zur Erkenntnis höherer Welten befähigt. Sie besteht in einem intimen Entwickelungsgang unserer Seele. Die Wege dazu sind bei den verschiedenen Menschen verschieden, aber die Wahrheit ist überall dieselbe. Wenn man erst auf dem Gipfel eines Berges steht, hat man nach allen Seiten eine freie Aussicht. Aber es wäre ein großer Unsinn, wenn wir nicht den nächsten Weg von dem Punkte aus gehen wollten, wo wir gerade sind, um den Gipfel zu erreichen. So ist es auch mit der Einweihung. Wenn wir am Ziel angekommen sind und wirklich die freie Aussicht der Erkenntnis errungen haben, dann ist diese Erkenntnis für alle dieselbe.
[ 1 ] Initiation enables a person to gain insight into higher worlds. It consists of an intimate process of development within our soul. The paths to it differ from person to person, but the truth is the same everywhere. Once you stand on the summit of a mountain, you have an unobstructed view in every direction. But it would be utter nonsense if, having reached the summit, we did not take the nearest path from where we are to reach the summit. So it is with initiation. Once we have reached the goal and truly attained the unobstructed view of knowledge, that knowledge is the same for everyone.
[ 2 ] Es ist aber nicht gut, wenn der Mensch einen andern Entwickelungsweg geht als den, der seiner Natur angemessen ist. Eigentlich müßte es für einen jeden Menschen einen besonderen Einweihungsweg geben. Alle Wege gehen aber auf drei verschiedene Typen zurück: Auf den Jogaweg, die christlich-gnostische Einweihung und die christlich-rosenkreuzerische Einweihung. Einen dieser drei verschiedenen Wege kann man also beschreiten. Sie sind deshalb verschieden, weil es drei Gattungen von Menschen gibt. Unter den europäischen Menschen findet man nur wenige, welche den orientalischen Jogaweg gehen können. Daher ist es für den Europäer im allgemeinen nicht richtig, wenn er den Jogaweg geht. Denn im Orient leben die Menschen in einem ganz andern Klima, unter einem ganz andern Sonnenlichte. Die Verschiedenheit des Orientalen vom Europäer wird die Anatomie nicht so leicht nachweisen können, aber es ist unter ihnen ein tiefer seelischer und geistiger Unterschied, und dieser muß berücksichtigt werden, da die innere Entwickelung tief eingreift in die seelische und geistige Natur des Menschen. Die feinere Struktur des Hindugehirns ist für den Anatomen nicht wahrnehmbar. Aber wenn man dem Europäer das zumutete, was man dem Inder zumuten kann, dann würde man ihn zugrunde richten. Man kann dem Inder gewisse Verrichtungen vorschreiben, die dem Europäer gar nichts nutzen oder ihm sogar schlecht bekommen. Der Jogaweg stellt vor allen Dingen an den Schüler eine Grundforderung, ohne deren Erfüllung es gar nicht möglich ist, diesen Weg zu beschreiten. Er fordert die strenge Autorität eines Lehrers, eines sogenannten Guru. Wer ihn gehen will, muß sich bis in die Einzelheiten des Lebens hinein den Anordnungen des Guru fügen. Abgesehen davon ist der indische Jogaweg kaum zu gehen, wenn man sich nicht aus den äußeren Lebensverhältnissen herausreißt. Es ist nämlich notwendig, daß die verschiedensten äußeren Maßnahmen getroffen werden, um die vorgeschriebenen Übungen zu unterstützen. Wenn man gewisse Erlebnisse hat, die auf die Gefühlswelt einen Eindruck machen, so wird dies, wenn man eine innere okkulte Entwickelung durchmacht, einen tiefgehenden Einfluß haben. Darum muß der orientalische Jogaschüler in allen Einzelheiten des Lebens den Guru fragen. Wenn man irgendwelche Veränderungen im Leben vornehmen will, so muß man sich von dem Guru dazu die Richtung weisen lassen. Also ist der Jogaweg ein solcher, der die absolute Unterwerfung unter den Guru voraussetzt. Man muß lernen, mit den Augen des Guru zu sehen, und lernen, wie er zu fühlen. Man kann diesen Weg nicht gehen ohne tiefes Vertrauen, ohne vollkommene Liebe, vereint mit uneingeschränktem Vertrauen und bedingungsloser Hingabe, die alles andere übersteigt.
[ 2 ] However, it is not good for a person to follow a path of development other than the one appropriate to their nature. In fact, there should be a specific path of initiation for each individual. All paths, however, trace back to three different types: the path of yoga, Christian-Gnostic initiation, and Christian-Rosicrucian initiation. One can therefore follow one of these three different paths. They are different because there are three types of people. Among Europeans, there are only a few who can follow the Eastern path of yoga. Therefore, it is generally not appropriate for a European to follow the path of yoga. For in the East, people live in a completely different climate, under a completely different kind of sunlight. Anatomy will not be able to easily demonstrate the difference between Orientals and Europeans, but there is a profound psychological and spiritual difference between them, and this must be taken into account, since inner development profoundly affects the psychological and spiritual nature of human beings. The finer structure of the Hindu brain is imperceptible to the anatomist. But if one were to expect a European to do what one can expect of an Indian, one would ruin him. One can prescribe certain practices for the Indian that are of no use whatsoever to the European or may even be harmful to him. Above all, the path of yoga places a fundamental requirement on the student, without the fulfillment of which it is simply impossible to walk this path. It demands the strict authority of a teacher, a so-called guru. Anyone who wishes to follow it must submit to the guru’s instructions down to the minutest details of daily life. Apart from that, the Indian path of yoga is virtually impossible to follow unless one detaches oneself from external circumstances. For it is necessary to take a wide variety of external measures to support the prescribed exercises. If one has certain experiences that make an impression on one’s emotional world, this will have a profound influence when one is undergoing inner occult development. That is why the Eastern yoga student must consult the guru on every detail of life. If one wishes to make any changes in one’s life, one must let the guru guide one in that direction. Thus, the path of yoga is one that requires absolute submission to the guru. One must learn to see through the guru’s eyes and learn to feel as he does. One cannot walk this path without deep trust, without perfect love, combined with unrestricted trust and unconditional devotion that surpasses all else.
[ 3 ] Bei dem christlich-gnostischen Weg gibt es nur einen großen Lehrer, den zentralen Guru. Erforderlich ist da der Glaube an den Christus Jesus selbst, nicht nur an seine Lehren. Der christlich-gnostische Schüler muß glauben können, daß in dem Christus Jesus die einzige hohe göttliche Individualität inkarniert war, eine Individualität, die nicht zu vergleichen ist mit irgendeiner andern, selbst der höchsten Individualität. Alle andern Individualitäten haben auf dieser Erde auf einer niedrigeren Stufe angefangen und sind dann aufgestiegen, wie Buddha, Hermes, Zoroaster, Pythagoras, so daß ihre geistige Gestalt das Ergebnis vieler vorhergehender Inkarnationen ist. Bei dem Christus Jesus ist das nicht der Fall. Er läßt sich nicht vergleichen mit irgendeiner andern Individualität, mit irgend etwas anderem auf der Erde. Ohne diesen Glauben würde man den rein christlich-gnostischen Weg nicht gehen können.
[ 3 ] In the Christian-Gnostic path, there is only one great teacher, the central guru. What is required here is faith in Christ Jesus himself, not merely in his teachings. The Christian-Gnostic disciple must be able to believe that in Jesus Christ the one supreme divine individuality was incarnated—an individuality that cannot be compared to any other, not even the highest individuality. All other individualities on this earth began at a lower level and then ascended—such as Buddha, Hermes, Zoroaster, and Pythagoras—so that their spiritual form is the result of many previous incarnations. This is not the case with Christ Jesus. He cannot be compared to any other individuality, to anything else on Earth. Without this belief, one would not be able to follow the purely Christian-Gnostic path.
[ 4 ] Ein dritter Weg ist der christlich-rosenkreuzerische. Da ist der Lehrer der Ratgeber, der seinen Rat vorzugsweise auf die Maßnahmen der geistigen Entwickelung selbst beschränkt. Diese geistige Entwickelung muß so eingerichtet werden, daß sie einen durchgreifenden Einfluß auf das Leben des Menschen hat. Ein Lehrer muß bei der Einweihung immer da sein. Eine ernsthafte Einweihung , ohne Lehrer gibt es nicht. Wer das behaupten wollte, würde etwas ebenso Törichtes sagen wie jemand, der die Geburt eines Kindes ohne das Zusammenwirken der beiden Geschlechter als möglich erachtete. Die Einweihung ist ein geistiger Befruchtungsprozeß. Wenn dieser nicht in dem Dualverhältnis zwischen Lehrer und Schüler herbeigeführt würde, so wäre er sogar ein schädlicher Vorgang.
[ 4 ] A third path is that of the Christian Rosicrucians. Here, the teacher is a guide who limits his advice primarily to the practices of spiritual development itself. This spiritual development must be structured in such a way that it has a profound influence on a person’s life. A teacher must always be present during the initiation. There is no such thing as a serious initiation without a teacher. Anyone who claimed otherwise would be saying something just as foolish as someone who considered the birth of a child possible without the interaction of the two sexes. Initiation is a process of spiritual fertilization. If this were not brought about within the dual relationship between teacher and student, it would in fact be a harmful process.
[ 5 ] Der indische Jogaweg unterscheidet sieben Stufen. Aber sie folgen nicht immer alle nacheinander in derselben Reihenfolge. Die Stufen, die aufgezählt werden, können in einer gewissen Weise untereinander gemischt werden. Es ist nicht notwendig, die erste bis zur siebenten Stufe nach der Reihe durchzugehen. Es kann sein, daß man dazu angehalten wird, etwas aus den sieben Stufen vorwegzunehmen und dann nach Maßgabe der Individualität eine Übung aufgegeben bekommt, die einer ganz andern Stufe entspricht. Vielleicht macht der Schüler das in einigen Jahren durch, vielleicht auch in einigen Monaten. Auf die Frage, wie lange man zur Einweihung braucht, hat Subba Row gesagt: Es kann siebzig Inkarnationen dauern oder auch sieben Inkarnationen, bei manchen dauert es sieben Jahre, bei andern sieben Monate oder nur sieben Tage oder auch nur sieben Stunden. — Das hängt ganz von der geistigen Reife ab, die ein Mensch schon erlangt hat. Die geistige Reife kommt bei dem einen schneller, bei einem andern langsamer zum Vorschein. Das hängt vom Karma ab. Man kann wohl die Frage aufwerfen, wie es kommt, daß ein bestimmter Mensch nicht hervortritt, obwohl er in einem früheren Dasein geistig sehr hoch stand. Vielleicht sind Hindernisse in seiner körperlichen und seelischen Anlage vorhanden. Darin liegt hauptsächlich die Aufgabe des Lehrers, diese Hindernisse fortzuräumen. Nicht ist maßgebend, welche äußere Physiognomie jemand im gewöhnlichen Leben besitzt. Es kann eine frühere Einweihung tief verborgen in der Seele ruhen und nur wegen irgendwelcher Hindernisse nicht hervorkommen.
[ 5 ] The Indian path of yoga distinguishes seven stages. However, they do not always follow one another in the same order. The stages listed can, to a certain extent, be intermixed. It is not necessary to progress through the first through seventh stages in sequence. It may be that one is encouraged to anticipate something from the seven stages and is then, depending on one’s individuality, assigned a practice that corresponds to an entirely different stage. Perhaps the student will go through this in a few years, or perhaps in a few months. When asked how long it takes to reach initiation, Subba Row said: It can take seventy incarnations or as few as seven; for some it takes seven years, for others seven months, or just seven days, or even as little as seven hours. — That depends entirely on the spiritual maturity a person has already attained. Spiritual maturity manifests more quickly in some and more slowly in others. That depends on karma. One might well ask why a certain person does not stand out, even though they were spiritually very advanced in a previous life. Perhaps there are obstacles in their physical and psychological constitution. The teacher’s main task lies in removing these obstacles. A person’s outward appearance in everyday life is not the determining factor. A previous initiation may lie deeply hidden in the soul and fail to emerge solely because of certain obstacles.
[ 6 ] Die erste Stufe der indischen Jogaschulung ist Yama. Das heißt etwa Unterlassung, Nichtvollziehung. Der Inder versteht darunter: nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen, nicht ausschweifen, nicht begehren. Wenn wir aber tiefer eindringen wollen in das, was der Inder damit meint, so müssen wir es in seinem ganzen Umfange nehmen. Wenn wir zum Beispiel auch Vegetarier werden, so haben wir uns das Töten doch noch nicht abgewöhnt. Unser Leben ist ohne Töten gar nicht möglich. Schon durch das Atmen töten wir dadurch, daß wir Kohlensäure ausatmen. Wenn nicht die grüne Pflanzendecke der Erde fortwährend die Kohlensäure aufnahme und den Sauerstoff zurückgäbe, so könnten Menschen und Tiere nicht leben. Ein Teil der Jogaübungen besteht darin, sich gerade dieses Töten abzugewöhnen. Der Inder nimmt diesen Punkt sehr wichtig. Er würde auch zahlreiche Verkettungen in unserem heutigen sozialen Leben so auffassen, daß sie für ihn unter den Begriff des Stehlens fallen.. Ein jeder von uns muß in irgendeiner Weise Geld einnehmen. Damit er dieses Geld bekommt, sind viele Bedingungen notwendig. Wenn wir einen Rock kaufen, können wir nicht wissen, ob nicht an dem Rock menschliches Blut hängt. Der Mensch denkt wenig darüber nach, wie er in sozialen Zusammenhängen steht und mitverantwortlich ist für das, was er tut. Wenn man die Dinge ernst nimmt, dann muß man sich für das verantwortlich fühlen, was durch einen selbst geschieht.
[ 6 ] The first stage of Indian yoga training is yama. This roughly means “abstention” or “refraining from.” Indians understand this to mean: do not kill, do not lie, do not steal, do not engage in sexual misconduct, and do not covet. But if we want to delve deeper into what the Indians mean by this, we must consider it in its entirety. For example, even if we become vegetarians, we have not yet broken the habit of killing. Our very existence is impossible without killing. Even through breathing, we kill by exhaling carbon dioxide. If the Earth’s green vegetation were not constantly absorbing carbon dioxide and releasing oxygen, humans and animals could not live. Part of the yoga practice consists precisely in breaking the habit of this killing. The Indian considers this point very important. He would also view numerous interconnections in our modern social life as falling under the concept of stealing. Each of us must earn money in some way. Many conditions are necessary for us to obtain this money. When we buy a coat, we cannot know whether human blood is involved in its production. People give little thought to their place in social contexts and to their shared responsibility for their actions. If one takes these matters seriously, then one must feel responsible for what happens through one’s own actions.
[ 7 ] Dadurch hilft man den Mitmenschen am meisten, daß man bedürfnislos wird. Mehr als der Philanthrop hilft den Mitmenschen der, der bedürfnislos wird. Wenn man zum Beispiel keine unnötigen Briefe schreibt, so erspart das einigen Menschen vielleicht, viele Treppen hinaufsteigen zu müssen. Man ist sehr im Irrtum, wenn man glaubt, daß man den Menschen hilft, indem man größere Ansprüche hat und auf diese Weise für mehr Arbeit sorgt. Man vermehrt nicht im geringsten das, was die Menschen brauchen, wenn man ihnen Arbeit gibt. Unter den komplizierten Verhältnissen, die in Europa herrschen, wird es immer schwieriger, die von dem Orientalen geforderten Dinge durchzuführen, um den Jogaweg zu gehen. In einem Lande, wo es keine Banken gibt, wo die Kulturverhältnisse zu übersehen sind, da kann man den Jogaweg in seiner strengen Weise gehen.
[ 7 ] The best way to help others is to become free from needs. One who becomes free from needs helps others more than a philanthropist does. For example, if one refrains from writing unnecessary letters, this might spare some people from having to climb many flights of stairs. It is a grave mistake to believe that one helps people by having greater demands and thereby creating more work. One does not in the least increase what people need by giving them work. Under the complicated conditions prevailing in Europe, it is becoming increasingly difficult to carry out the practices required of Easterners in order to follow the path of yoga. In a country where there are no banks, where cultural conditions are negligible, one can follow the path of yoga in its strictest form.
[ 8 ] Das zweite ist Nyana, die Pflege eines Rituals. Das fordert der indische Jogaweg durchaus, daß der Mensch ein Ritual hat, daß er die Lehre mit einem Kultus verbindet. Von jedem, der den Jogaweg geht, wird streng verlangt, daß ein Ritual befolgt wird. Man muß die Dinge in Handlungen sichtbar vor sich haben. So wie es bei der Kunst auf wirkliche Ausprägung in äußeren Objekten ankommt, so kommt es bei dieser Einweihung darauf an, daß die Dinge im Ritual vorgeführt werden.
[ 8 ] The second is Nyana, the practice of a ritual. The Indian path of yoga definitely requires that a person have a ritual, that they combine the teaching with a form of worship. It is strictly required of everyone who follows the path of yoga that they observe a ritual. One must have these things visibly before oneself in actions. Just as art depends on actual expression in external objects, so this initiation depends on the things being demonstrated in the ritual.
[ 9 ] Das dritte ist Asana, die Übereinstimmung der menschlichen Körperhaltung mit gewissen Strömungen im Kosmos. Wo man noch ein Gefühl für solche Dinge gehabt hat, hat man beispielsweise in Kultbauten immer den Hauptaltar nach Osten gebaut. Bei der feinen Organisation der Inder ist es von Bedeutung, in welcher Richtung er steht. Es gibt tatsächlich einen andern Strom von Norden nach Süden als von Osten nach Westen. Bei der Joga-Einweihung kommt es darauf an, wie die Körperhaltung ist, weil der orientalische Leib viel weicher ist und es sich in ihm viel mehr ausprägt, wenn er eine bestimmte Lage annimmt. Wollte der Europäer den orientalischen Jogaweg gehen, dann müßte er alle diese Dinge mitmachen.
[ 9 ] The third is asana, the alignment of the human posture with certain cosmic currents. Where people still had a sense of such things, they would, for example, always build the main altar facing east in religious structures. Given the Indians’ meticulous organization, the direction in which it faces is significant. There is, in fact, a different current flowing from north to south than from east to west. In yoga initiation, the physical posture is crucial, because the Eastern body is much more supple and the experience manifests itself much more strongly within it when it assumes a specific position. If a European were to follow the Eastern path of yoga, he would have to practice all these things.
[ 10 ] Das vierte ist Pranayama, die Rhythmisierung des Atmungsprozesses. Das wird uns am leichtesten verständlich, wenn wir daran denken, daß der Mensch durch seinen Atem in gegenwärtigen Verhältnissen tötet. Der Lehrer gibt dem Schüler die Vorschrift: Du sollst wenigstens eine gewisse Zeit nach den Regeln, die dir der Lehrer gibt, den Atmungsprozeß regeln. Würde man den Atem untersuchen, dann würde man sehen, daß die ausgeatmete Luft bei einem Jogaschüler eine ganz andere Zusammensetzung hat, einen ganz andern Gehalt an Kohlensäure als beim gewöhnlichen Menschen. Es trifft infolgedessen zu, daß er durch die Regelung des Atmungsprozesses tatsächlich auf die zukünftige Entwickelung der Erde einwirkt. Steter Tropfen höhlt den Stein. Man kann das nicht von heute auf morgen sehen. Aber das summiert sich und wird im Verlauf langer Zeiträume etwas ganz Bestimmtes bedeuten.
[ 10 ] The fourth is Pranayama, the regulation of the breathing process. This becomes easiest to understand when we consider that, under present conditions, humans kill through their breath. The teacher instructs the student: “You must regulate your breathing for at least a certain period of time according to the rules the teacher gives you.” If one were to examine the breath, one would see that the exhaled air of a yoga student has a completely different composition—a completely different carbon dioxide content—than that of an ordinary person. It is therefore true that, by regulating the breathing process, the student actually influences the future development of the Earth. Constant dripping wears away the stone. This cannot be seen overnight. But it adds up and, over the course of long periods of time, will mean something very specific.
[ 11 ] Die Rhythmisierung des Atmungsprozesses läßt auch der rosenkreuzerische Lehrer zu einer bestimmten Zeit vornehmen. Was bewirkt der Atmungsprozeß? Der physische Mensch ist ohne die Pflanzen nicht denkbar. Wir atmen Sauerstoff ein, der wird in der Lunge mit Kohlenstoff verbunden, und wir atmen Kohlensäure aus. Die Pflanze tut gerade das Umgekehrte. Ein fortwährender Kreislauf findet zwischen den Menschen einerseits und den Pflanzen andererseits statt. In fernen Zeiten wird der Mensch in sich selbst ein Organ ausbilden, welches das besorgen kann, was heute die Pflanze besorgt. Er wird imstande sein, die Kohlensäure in sich zu verarbeiten. Dies wird durch ein Organ ermöglicht werden, durch das der Mensch den Kohlenstoff loslöst vom Sauerstoff und ihn mit sich selbst vereint. Was wir heute zum Aufbau des Leibes mit der Nahrung aufnehmen, werden wir dann bewußt in uns selbst vollziehen. Dadurch werden wir die Kohlensäure wieder zu Sauerstoff verwandeln. Dieser Prozeß wird tatsächlich gefördert durch die Rhythmisierung des Atmungsprozesses. Im 14. Jahrhundert wurde dies in den Rosenkreuzerschulen ausführlich gelehrt. Durch Verrat von einigen solchen Geheimnissen ist manches davon in die populäre Literatur gekommen. In einer Schrift des 18. Jahrhunderts steht etwas von dem Stein der Weisen. Was da steht, ist wörtlich richtig. Der Schreiber selbst hat aber wahrscheinlich gar nicht gewußt, worum es sich real handelt. Der ganze Mensch muß sich umändern, wenn er das vollziehen soll, was jetzt die Pflanze für ihn vollzieht. Sein physischer Leib wird dann selbst Kohlenstoff, aber das wird kein schwarzer Kohlenstoff sein, auch kein harter Diamant, der ja lediglich das Symbol für den Stein der Weisen ist. Unter diesem Stein der Weisen versteht man jenen Leib, der durchsichtig ist, in den die andern Organe eingegliedert sind. Er wird aus einer Masse von geleeartigem Kohlenstoff, ähnlich wie Eiweiß, bestehen. Der Mensch ist auf einer Bahn, in der er sich einstmals zu dieser wunderbaren Glorie entwickeln wird. Das rhythmische Atmen, welches dazu führt, nennt man Alchimie. Den Stein der Weisen nennt man Lapis philosophorum. Der Mann, der davon geschrieben hat, hat selbst nicht gewußt, was er schrieb.
[ 11 ] The Rosicrucian teacher also recommends synchronizing the breathing process at specific times. What does the breathing process accomplish? The physical human being is inconceivable without plants. We inhale oxygen, which is combined with carbon in the lungs, and we exhale carbon dioxide. The plant does exactly the opposite. A continuous cycle takes place between humans on the one hand and plants on the other. In the distant future, human beings will develop an organ within themselves capable of performing the function that plants perform today. They will be able to process carbon dioxide within themselves. This will be made possible by an organ through which human beings separate carbon from oxygen and unite it with themselves. What we currently take in through food to build our bodies, we will then consciously carry out within ourselves. Through this, we will transform carbon dioxide back into oxygen. This process is in fact facilitated by the rhythmic regulation of the breathing process. In the 14th century, this was taught in detail in the Rosicrucian schools. Due to the betrayal of some of these secrets, much of this information has found its way into popular literature. An 18th-century text mentions the Philosopher’s Stone. What it says is literally correct. The author himself, however, probably had no idea what it was really about. The whole human being must transform himself if he is to accomplish what the plant now accomplishes for him. His physical body will then itself become carbon, but this will not be black carbon, nor will it be a hard diamond, which is, after all, merely the symbol of the Philosopher’s Stone. By the Philosopher’s Stone, one means that body which is transparent and into which the other organs are integrated. It will consist of a mass of gelatinous carbon, similar to egg white. Humanity is on a path that will one day lead it to develop into this wondrous glory. The rhythmic breathing that leads to this is called alchemy. The Philosopher’s Stone is called Lapis philosophorum. The man who wrote about it did not himself know what he was writing.
[ 12 ] Die fünfte Stufe des Jogapfades ist Pratyahara. Sie besteht darin, daß man imstande ist, die Eindrücke der äußeren Sinne zu unterdrücken. Wir müssen uns klarmachen, was unsere eigentliche Seelenwelt ist, und alles weglassen, was von außen auf uns eingedrungen ist. Das meiste, was der Mensch denkt, ist von außen in ihn hineingekommen. Wenn der Mensch sich bewußt dem inneren Gedanken hinzugeben vermag, wenn er sich blind und taub für seine Umgebung machen kann, und dabei doch innerlich wach ist, wenn er einen Gedanken haben kann, ohne daß er auf Äußeres reflektiert, dann wird sein Schlaf von Träumen erfüllt, dann übt er Pratyahara.
[ 12 ] The fifth stage of the path of yoga is pratyahara. It consists of being able to suppress the impressions of the external senses. We must realize what our true inner world is, and set aside everything that has penetrated us from the outside. Most of what a person thinks has come to them from the outside. When a person is able to consciously devote themselves to inner thought, when they can make themselves blind and deaf to their surroundings while remaining inwardly awake, when they can have a thought without reflecting on external things, then their sleep is filled with dreams, and they are practicing Pratyahara.
[ 13 ] Auf der sechsten Stufe hat man nicht nur das, was Augen sehen und Ohren hören können, völlig zu absorbieren, sondern auch innere Vorstellungen zu unterdrücken, die aus der Seele selbst aufsteigen. Nachdem man alles aus der Seele entfernt hat, was durch das Leben hineingekommen ist, stellt man eine Vorstellung in das Innere der Seele. Diese gibt einem der Guru. Das können etwa solche Vorstellungen sein, wie sie in den vier ersten Lehren von «Licht auf den Weg» enthalten sind. .Die besten Seeleninhalte sind die, die einem ein spezieller Lehrer geben kann.
[ 13 ] At the sixth stage, one must not only completely absorb what the eyes can see and the ears can hear, but also suppress inner images that arise from the soul itself. After removing from the soul everything that has entered it through life, one places a concept within the soul. This is given by the guru. These concepts may be similar to those contained in the first four teachings of Light on the Path. The best contents of the soul are those that a special teacher can give one.
[ 14 ] Nachdem ein solcher Seeleninhalt eine Zeitlang gewirkt hat, laßt man denselben fallen, ohne das Bewußtsein zu verlieren. Man hat dann noch die Funktion des Geisteslebens als solche, ohne den Inhalt des Denkens. Ist diese siebente Stufe erreicht, so dringt die geistige Welt in uns ein. Diesen Zustand nennt man Samadi.
[ 14 ] After such a mental content has been active for a while, one lets it go without losing consciousness. One then retains the function of spiritual life as such, without the content of thought. Once this seventh stage is reached, the spiritual world enters within us. This state is called samadhi.
[ 15 ] Ebenso wie der Jogaweg hat auch die Schulung der christlichen Gnosis sieben Stufen. Diese Methode rechnet schon mit einem etwas vergröberten Leibe und ist besonders auf die Gefühls- und Empfindungswelt abgestellt. Der christliche Lehrer muß die Gefühls- und Empfindungswelt des Schülers leiten. Die sieben Stufen der christlichen Einweihung sind: Erstens die Fußwaschung, zweitens die Geißelung, drittens die Dornenkrönung, viertens die Kreuzigung, fünftens der mystische Tod am Kreuz, sechstens die Grablegung, siebentens die Himmelfahrt.
[ 15 ] Just like the path of yoga, the training in Christian gnosis also has seven stages. This method already takes into account a somewhat coarsened body and is geared specifically toward the world of feelings and sensations. The Christian teacher must guide the student’s world of feelings and sensations. The seven stages of Christian initiation are: first, the washing of the feet; second, the scourging; third, the crowning with thorns; fourth, the crucifixion; fifth, the mystical death on the cross; sixth, the burial; and seventh, the ascension.
[ 16 ] Am besten ist es, daß wir diese sieben Stufen so durchnehmen, daß wir beschreiben, wie sich das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler abspielt. Der Lehrer sagt dem Schüler etwa: Sieh dir die Pflanze an! Sie wurzelt und wächst im Gesteinsreich. Sie müßte, wenn sie sich an das Gesteinsreich wendet, zu ihm sprechen: Dir verdanke ich mein Dasein, nur durch dich kann ich leben - ich danke dir! — Ebenso müßte das Tier zum Pflanzenreich sprechen: Dir verdanke ich mein Dasein, nur durch dich kann ich leben. Und wenn der Mensch die Natur um sich her und die Menschen, die noch unter ihm stehen, ansieht, so muß eine ähnliche Empfindung seine Seele durchziehen. Keine höhere Stufe kann sich entwickeln und erreicht werden, ohne daß die niederen Stufen da sind. Darum müssen die Menschen, die in einer höheren sozialen Lage sind, auch herniedersteigen zu den Tieferstehenden und ihnen danken. Dies hat der Christus Jesus in der Fußwaschung dadurch angedeutet, daß er sich zu den Jüngern niederbeugte und ihre Füße wusch. Von dieser Empfindung der Dankbarkeit gegen alles unter ihm Stehende muß sich der Schüler auf der ersten Stufe der christlichen Einweihung ganz durchdringen. Was er erreicht, wird sich in zwei Symptomen zeigen. Erstens wird er in einer astralen Vision sich selbst in der Situation der Fußwaschung sehen. Das tritt bei jedem auf, der dies richtig durchmacht. Zweitens wird er ein Gefühl haben, als ob Wasser seine Füße umspülte.
[ 16 ] The best approach is to go through these seven stages by describing how the relationship between teacher and student unfolds. The teacher might say to the student: Look at the plant! It takes root and grows in the mineral kingdom. If it were to turn to the mineral kingdom, it would have to say to it: “I owe my existence to you; only through you can I live—I thank you!” — Likewise, the animal would have to say to the plant kingdom: “I owe my existence to you; only through you can I live.” And when a person looks at the nature around them and at the people who stand below them, a similar feeling must fill their soul. No higher level can develop or be attained without the lower levels being present. That is why people who are in a higher social position must also descend to those who are lower and thank them. Christ Jesus symbolized this in the washing of the feet by bending down to the disciples and washing their feet. On the first stage of Christian initiation, the disciple must allow himself to be completely imbued with this feeling of gratitude toward all who stand below him. What he achieves will manifest in two signs. First, in an astral vision, he will see himself in the situation of the washing of the feet. This occurs in everyone who goes through this process correctly. Second, he will have a sensation as if water were washing over his feet.
[ 17 ] Auf der zweiten Stufe muß der Schüler alle Leiden des Lebens, die sich fortwährend um ihn herum abspielen, ertragen lernen. Er muß aufrechtstehen, auch wenn er die größten Schmerzen zu erdulden hat. Das Symptom ist, daß er in der astralen Vision sich selbst gegeißelt sieht und daß er an seinem Körper an verschiedenen Stellen etwas wie Nadelstiche fühlt.
[ 17 ] At the second stage, the student must learn to endure all the sufferings of life that are constantly unfolding around him. He must stand firm, even when he has to endure the greatest pain. The symptom is that, in astral vision, the student sees himself being flogged and feels something like pinpricks in various places on his body.
[ 18 ] Die dritte Stufe ist die Erlangung der Fähigkeit, zu ertragen, daß das Heiligste, was wir kennen, mit Spott und Hohn überschüttet wird. Der Lehrer sagt dem Schüler: Wenn du die Verhöhnung dessen, was dir das Heiligste ist, ertragen kannst und gleichwohl dafür eintrittst, dann bist du fähig, die Dornenkrone zu tragen. Der Schüler wird eine besondere Art von Kopfschmerz empfinden, wenn er diese Stufe erreicht hat.
[ 18 ] The third stage is acquiring the ability to endure seeing the holiest thing we know showered with scorn and derision. The teacher says to the student: If you can endure the mockery of what is most sacred to you and still stand up for it, then you are capable of bearing the crown of thorns. The student will experience a special kind of headache when he has reached this stage.
[ 19 ] Auf der vierten Stufe muß er lernen, den Leib als etwas ganz Äußerliches anzusehen, den Leib herumzutragen, wie wir sonst ein Instrument, einen Hammer oder ein anderes Werkzeug herumtragen. In manchen Schulen lernen die Schüler so von ihrem Leibe zu sprechen, daß sie sagen: Mein Leib geht durch die Tür - und dergleichen. Der Betreffende sieht sich auf dieser Stufe in der astralen Anschauung ans Kreuz geschlagen. Er bekommt die Wundmale Christi an Händen und Füßen und an der rechten Seite des Leibes. Da treten in dem Moment seiner Meditation und Konzentration rote Stigmata auf.
[ 19 ] On the fourth stage, he must learn to regard the body as something entirely external, to carry the body about just as we would otherwise carry an instrument, a hammer, or some other tool. In some schools, students learn to speak of their bodies in such a way that they say: “My body walks through the door”—and the like. At this stage, the individual sees himself nailed to the cross in astral vision. He receives the wounds of Christ on his hands and feet and on the right side of his body. At that moment of meditation and concentration, red stigmata appear.
[ 20 ] Die fünfte Stufe ist der mystische Tod. Auf dieser Stufe hat der Mensch das Erlebnis, als ob sich ein Schleier zwischen ihn und die übrige Welt legte, wie ein schwarzer Vorhang. Dann erfährt er innerlich, was alles schlecht sein kann in der Welt. Das Hinabsteigen in die Hölle, das ist der mystische Tod. Darauf zeigt eine Vision das Zerreißen dieses Vorhangs.
[ 20 ] The fifth stage is the mystical death. At this stage, a person experiences it as if a veil were being drawn between them and the rest of the world, like a black curtain. Then they experience inwardly all that is evil in the world. The descent into hell—that is mystical death. Then a vision reveals the tearing of this curtain.
[ 21 ] Auf der sechsten Stufe erlangt man dann eine Empfindung, als ob alles andere der eigene Leib wäre. Man wird dann mit der Erde vereinigt. Das ist die Grablegung.
[ 21 ] At the sixth stage, one then experiences a sensation as if everything else were one's own body. One is then united with the earth. This is the burial.
[ 22 ] Die siebente Stufe, die Auferstehung, kann nicht mit Worten geschildert werden. Wer solche Gefühle in sich durchmacht, erlangt den Einblick in die geistige Welt.
[ 22 ] The seventh stage, the Resurrection, cannot be described in words. Whoever experiences such feelings within themselves gains insight into the spiritual world.
[ 23 ] Die dritte Art der Einweihung ist die rosenkreuzerische, die seit dem 14. Jahrhundert in Europa auftritt. Sie rechnet vor allem mit der Stärkung und Kräftigung des inneren Willens. Legt die orientalische Schulung das Schwergewicht auf das Denken, die christlich-gnostische auf das Fühlen, so ist die rosenkreuzerische Schulung auf die Ausbildung des Willens gerichtet. Die Stufen dieser Schulung sind: Erstens das Studium, zweitens die Imagination, drittens das Erlernen der okkulten Schrift, viertens die Rhythmisierung des Lebens, fünftens das Verstehenlernen der Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos, sechstens die Kontemplation oder das Versenken in den Makrokosmos, siebentens die Gottseligkeit.
[ 23 ] The third type of initiation is the Rosicrucian initiation, which has been practiced in Europe since the 14th century. It focuses primarily on strengthening and fortifying the inner will. While the Eastern tradition places its emphasis on thinking and the Christian-Gnostic tradition on feeling, the Rosicrucian tradition is directed toward the training of the will. The stages of this training are: first, study; second, imagination; third, the study of occult texts; fourth, the rhythmic structuring of life; fifth, learning to understand the correspondence between the microcosm and the macrocosm; sixth, contemplation or immersion in the macrocosm; and seventh, godliness.
[ 24 ] Das Studium erfordert, daß der Schüler die Geduld hat, gewisse Begriffe über die Welt zu gewinnen. Zunächst muß er von seinem Lehrer Lehren aufnehmen. Er muß zum Beispiel hingebungsvoll studieren, was die elementare Theosophie ihm als Lehren in die Hand geben kann. Er muß versuchen, diese Lehren zu durchdringen, so gut er kann. Das geduldige Aneignen von Begriffen ist notwendig für jeden, der höher hinaufdringen will. Es ist dazu eine gewisse Trainierung des Denkens erforderlich, eine Angewöhnung, im reinen Elemente des Denkens zu leben und zu weben. Für die, welche die rosenkreuzerische Einweihung erlangen und den Geist trainieren wollen, sind solche Bücher geschrieben wie «Die Philosophie der Freiheit» und «Wahrheit und Wissenschaft». Es kommt darauf an, die für manche unendlichen Schwierigkeiten zu überwinden, den Gedanken zu verfolgen und zu erkennen, wie ein Gedanke sich aus dem andern mit Notwendigkeit herausspinnt. Bei der orientalischen Schulung ist eine strenge Unterwerfung unter den Guru erforderlich. Bei der christlich-gnostischen Schulung muß der Schüler in das Zentrum des Strebens den Christus stellen. In der christlich-rosenkreuzerischen Schulung steht der Lehrer ihm als Freund und Ratgeber zur Seite.
[ 24 ] The study requires that the student have the patience to gain certain insights into the world. First, he must absorb teachings from his teacher. For example, he must study with dedication the teachings that elementary theosophy can offer him. He must try to grasp these teachings as best he can. The patient assimilation of concepts is necessary for anyone who wishes to ascend to higher levels. This requires a certain training of the mind—an accustoming oneself to living and weaving within the pure elements of thought. Books such as The Philosophy of Freedom and Truth and Science have been written for those who wish to attain Rosicrucian initiation and train the mind. It is essential to overcome the difficulties—which may seem insurmountable to some—to follow the train of thought and recognize how one thought necessarily unfolds from another. In Eastern training, strict submission to the guru is required. In Christian-Gnostic training, the student must place Christ at the center of his or her striving. In Christian-Rosicrucian training, the teacher stands by the student as a friend and advisor.
[ 25 ] In den höheren Gebieten kann man viel leichter straucheln, deshalb muß man eine innere Sicherheit haben. Im gewöhnlichen Leben rückt uns das Leben selbst zurecht. Manchmal korrigiert das Leben unsere Irrtümer in furchtbarer Weise. Diese Korrektur hat man nicht, wenn man in die höheren Welten aufsteigt. Darum muß man in der orientalischen Schulung mit den Augen des Guru sehen, durch ihn fühlen. Einen Ratgeber hat man an dem europäischen Lehrer. Beim Hinaufsteigen in die höheren Welten braucht man jedenfalls noch eine andere Richtschnur. In der astralen Welt sind ganz andere Wahrnehmungen als in der physischen Welt; ebenso in der devachanischen Welt geht uns eine neue Welt von Wahrnehmungen auf. In bezug auf die Eindrücke sind die drei Welten ganz verschieden. Aber eins ist bei allen gleich: das logische Denken. Das kann uns ein sicherer Führer sein auf dem Astralplan und dem Devachanplan. Wenn man durch das Studium gelernt hat, folgerichtig zu denken, so kann man sich auch auf dem Astral- und Devachanplan helfen. Für den Buddhiplan gilt die Logik des physischen Planes allerdings nicht mehr.
[ 25 ] In the higher realms, it is much easier to stumble, which is why one must have inner certainty. In ordinary life, life itself sets us straight. Sometimes life corrects our mistakes in a terrible way. This correction is not available when one ascends to the higher worlds. That is why, in Eastern training, one must see through the eyes of the guru and feel through him. The European teacher serves as a guide. When ascending into the higher worlds, however, one certainly needs another guiding principle. In the astral world, perceptions are entirely different from those in the physical world; likewise, in the Devachanic world, a new realm of perceptions opens up to us. In terms of impressions, the three worlds are quite different. But one thing is the same in all of them: logical thinking. This can be a reliable guide for us on the astral and devachanic planes. If, through study, one has learned to think logically, one can also help oneself on the astral and devachanic planes. However, the logic of the physical plane no longer applies to the buddhic plane.
[ 26 ] Die zweite Stufe der Rosenkreuzerschulung ist die Imagination. Diese soll bei dem europäischen Schüler nicht übereilt angestrebt werden, weil er leicht straucheln kann. Der Mensch muß lernen, ein moralisches Verhältnis zu den Dingen einzugehen. Man hat in allen vergänglichen Dingen ein Gleichnis für ein Ewiges zu sehen. Schauen wir in diesem Sinne die Natur an, so wird beispielsweise die Herbstzeitlose für uns das Sinnbild für eine einsame Wesenheit, die in Melancholie aufwärtsstrebt. Das Veilchen ist dann ein Symbol für etwas, was in anspruchsloser, ruhiger Schönheit sein Dasein erfüllt. Jeder Stein regt in uns Gedanken an - er ist ein Gleichnis für etwas, was dahintersteht. Dadurch wird die Welt um uns reicher. Die Dinge verraten uns ihr innerstes Wesen. Die eine Blume wird dann zur Träne, durch welche die Erde ihr Leid ausspricht, die andere zum Ausdruck der Freude. Betrachten wir etwa ein Reiskörnchen, so können wir beobachten, wie eine kleine Flamme daraus hervorwächst. Die kleine Flamme wird zum Bilde für das, was nachher als Halm daraus emporsprießt.
[ 26 ] The second stage of Rosicrucian training is imagination. European students should not rush into this stage, because they can easily stumble. One must learn to establish a moral relationship with things. One must see in all transitory things a parable for something eternal. If we look at nature in this light, the autumn crocus, for example, becomes for us the symbol of a solitary being striving upward in melancholy. The violet is then a symbol of something that fulfills its existence in unassuming, tranquil beauty. Every stone stirs thoughts within us—it is a parable for something that lies beyond. This enriches the world around us. Things reveal their innermost essence to us. One flower then becomes a tear through which the earth expresses its sorrow; another becomes an expression of joy. If we consider, for example, a grain of rice, we can observe how a small flame grows from it. The small flame becomes an image of what later sprouts from it as a stalk.
[ 27 ] Drittens kommt eine Stufe, wo aus allen Wesen eine ganze geistige Welt aufgeht. Es schwebt über den Dingen ihre geistige Wesenheit, ihr geistiger Inhalt. Die ganze astralische Welt wird sichtbar. Man befindet sich dann wie in der Mitte von Meeresfluten und hat das Erlebnis, als ob man in einem Meer schwimmen würde. Man sieht wie herausgehoben die Farbe einer Tulpe und erkennt, daß diese das Gewand einer astralischen Wesenheit bildet. Auf dieser dritten Stufe folgt für den Schüler das Erlernen der okkulten Schrift. Wenn wir in der Astralwelt wirklich leben wollen, dann müssen wir die okkulte Schrift kennen. In der Welt sind viele Dinge zum Beispiel nach der Figur des Wirbels gebaut:
[ 27 ] Third, there comes a stage where an entire spiritual world emerges from all beings. Their spiritual essence, their spiritual content, hovers above all things. The entire astral world becomes visible. One then finds oneself as if in the midst of ocean waves and has the experience of swimming in the sea. One sees how vivid the color of a tulip is and recognizes that it forms the garment of an astral being. At this third stage, the student proceeds to learn the occult script. If we truly wish to live in the astral world, then we must know the occult script. In the world, many things are constructed, for example, in the shape of a vortex:


[ 28 ] Diese Spirale finden wir sowohl im Orionnebel wie auch bei der Gestaltung von lebendigen Wesen. Die Menschen- und Tierkeime haben in einem früheren Stadium eine Spiralform. Der eine Teil verbildlicht das Physische, der andere Teil, der sich hineinschlingt, das Astrale. Auch der Anbruch eines neuen Stadiums in der Menschheitsgeschichte wird durch das Zeichen zweier ineinander verschlungener Wirbel symbolisiert. Es ist dies das Tierkreiszeichen des Krebses. Als nach Untergang der alten Atlantis mit der urindischen Unterrasse die nachatlantische Epoche ihren Anfang nahm, ging die Sonne bei Frühlingsanbruch im Tierkreiszeichen des Krebses auf. Wenn man die okkulte Schrift kennt, lernt man sich in der Astralwelt orientieren.
[ 28 ] We find this spiral both in the Orion Nebula and in the structure of living beings. Human and animal embryos have a spiral shape in an early stage. One part represents the physical, while the other part, which winds its way into it, represents the astral. The dawn of a new stage in human history is also symbolized by the sign of two intertwined spirals. This is the zodiac sign of Cancer. When the post-Atlanic epoch began after the downfall of ancient Atlantis with the Proto-Indian subrace, the sun rose in the zodiac sign of Cancer at the onset of spring. If one is familiar with occult writings, one learns to orient oneself in the astral world.
[ 29 ] Als vierte Stufe folgt das Erlernen des Lebensrhythmus. Der Schüler bekommt die Anweisung zu einer bestimmten Regelung des Atmens. In der Natur verläuft alles rhythmisch. Eine jede Pflanze blüht rhythmisch zu derselben Zeit. Auch im Tierreich kann man den Rhythmus verfolgen. So ist das Tier nur zu bestimmten Zeiten des Jahres befruchtungsfähig. Beim Menschen aber geht der Rhythmus ins Chaos über. Der Mensch muß einen neuen Rhythmus für sein Leben schaffen. Bei vielen Menschen gibt es nur einen erzwungenen Rhythmus. Im allgemeinen gibt es bei den Menschen keinen freiwilligen Rhythmus. Für die Rhythmisierung des Lebens muß der Rosenkreuzer sorgen. In den Atmungsprozeß wird man durch die spezielle Anweisung des Lehrers Rhythmus hineinbringen.
[ 29 ] The fourth stage involves learning the rhythm of life. The student is instructed to follow a specific breathing pattern. In nature, everything proceeds rhythmically. Every plant blooms rhythmically at the same time. This rhythm can also be observed in the animal kingdom; for example, animals are fertile only at certain times of the year. In humans, however, this rhythm descends into chaos. Human beings must create a new rhythm for their lives. For many people, there is only a forced rhythm. In general, people do not have a voluntary rhythm. The Rosicrucian must ensure that life is brought into rhythm. Rhythm is introduced into the breathing process through the teacher’s specific instructions.
[ 30 ] Das fünfte ist die Erlernung der Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos. Es gibt ein gewisses Band zwischen dem Menschen und allen Dingen der Welt um ihn her. Bei dem gewöhnlichen Menschen kommt das nur heraus in der Liebe zwischen den zwei Geschlechtern, in dem Gefühl, wie der eine in dem andern gerade das findet, was ihm verwandt, vertraut ist, was zu ihm gehört. Auf diesem geheimnisvollen Verhältnis der Welt zum Menschen beruht aber vieles. Darauf beruht zum Beispiel, daß Paracelsus herausfand, wie gewisse Pflanzen in Beziehung zum Menschen stehen. Ebenso das Verhältnis anderer Substanzen zum Menschen lernte er durch diese Fähigkeit kennen. Er nannte einen Cholerakranken einen Arsenicus, weil Arsenik bei dem gesunden Menschen gerade dieselben Symptome eintreten läßt, wie sie sich bei einem Cholerakranken zeigen. Man kann ein persönliches Verhältnis, ein Liebeverhältnis zu allen Dingen in ganz rein geistiger Beziehung haben. Das muß besonders geübt werden. Man kommt dazu, wenn man ganz bestimmte Anweisungen befolgt. Wenn man mit einem bestimmten Wort an den Punkt zwischen den Augenbrauen über der Nasenwurzel denkt, kommt man dazu, daß einem nach einiger Zeit die Erkenntnis eines ganz bestimmten Vorganges in der Welt aufgeht. Durch das Denken an das Innere des Auges erlangt man Kenntnis von der Natur der Sonne, von den Vorgängen, die sich abspielten, als Sonne und Erde noch einen Himmelskörper bildeten. Durch eine andere Übung erkennt der Mensch, was der Mond geistig ist, oder, was für einen Zustand die Erde vor achtzehn Millionen Jahren gehabt hat.
[ 30 ] The fifth is learning about the correspondence between the microcosm and the macrocosm. There is a certain bond between human beings and all things in the world around them. In ordinary people, this manifests only in the love between the two sexes, in the feeling that one finds in the other precisely what is kindred, familiar, and belongs to them. Yet much is based on this mysterious relationship between the world and human beings. It is on this, for example, that Paracelsus based his discovery of how certain plants relate to human beings. He also came to understand the relationship of other substances to human beings through this ability. He called a patient suffering from cholera an “Arsenicus,” because arsenic induces precisely the same symptoms in a healthy person as those exhibited by a patient with cholera. One can have a personal relationship—a loving relationship—with all things on a purely spiritual level. This requires special practice. One attains it by following very specific instructions. If one thinks of the point between the eyebrows above the bridge of the nose while focusing on a specific word, one will, after some time, gain insight into a very specific process in the world. By thinking of the innermost part of the eye, one gains knowledge of the nature of the Sun and of the processes that took place when the Sun and Earth still formed a single celestial body. Through another exercise, a person recognizes what the Moon is in a spiritual sense, or what state the Earth was in eighteen million years ago.
[ 31 ] Dann folgt das Versenken in die Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos. Durch Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen über der Nasenwurzel kann man eindringen in die Zeit, als das Ich in den Menschen hineinzog. Dann wächst der Mensch mit seinem Bewußtsein in den Makrokosmos hinein. Das muß er eine ganz bestimmte Zeit hindurch üben und so in alle Dinge hineinwachsen, ob sie fern oder nah sind.
[ 31 ] This is followed by immersion in the correspondence between the microcosm and the macrocosm. By concentrating on the point between the eyebrows above the bridge of the nose, one can penetrate into the time when the “I” entered into human beings. Then the human being grows, with his consciousness, into the macrocosm. He must practice this for a very specific period of time and thus grow into all things, whether they are far or near.
[ 32 ] Siebentens folgt. die Stufe der Gottseligkeit, wo man herauswächst aus der begrenzten leiblichen Hülle und mit dem Makrokosmos zu leben vermag.
[ 32 ] Seventh is the stage of godliness, where one outgrows the limited physical shell and is able to live in harmony with the macrocosm.
[ 33 ] Die Lehren werden dem Schüler gegeben nach dem okkulten Befund seines Wesens. Wenn der Schüler diese Stufen im realen Erleben durchgemacht hat, dann hat er den Gipfel der Erkenntnis höherer Welten erlangt.
[ 33 ] The teachings are given to the student according to the occult nature of his being. When the student has passed through these stages in real experience, he has attained the pinnacle of knowledge of the higher worlds.
