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The Rudolf Steiner Archive

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The Christian Mystery
GA 97

14 March 1906, Stuttgart

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23. Erkenntnisse und Lebensfrüchte der Geisteswissenschaft das Karmagesetz als Wirkung des Tatenlebens die Ursachen von Krankheit und Vererbung

23. Insights and Fruits of Spiritual Science: The Law of Karma as the Consequence of One’s Actions; The Causes of Illness and Heredity

[ 1 ] Wir wollen heute vom Karmagesetz des Menschen im einzelnen sprechen. Sie wissen, daß dasselbe durch die einzelnen Menschenleben hindurchwirkt. Eine jede noch so genaue Auseinandersetzung dieses Gesetzes ist natürlich immer lückenhaft, denn der Okkultist soll nicht von ausgedachten Fällen reden, sondern von Erfahrungen, die auf diesem Gebiete gemacht worden sind und von denen er wirklich Bestimmtes weiß, zum Beispiel durch Beobachtung eines Menschen, der so und so war und dessen verschiedene Leben man verfolgt. Wir fragen nun: Wie kommt das Lebensschicksal zustande, wie die Stellung, die der Mensch im Leben einnimmt, wie sein Charakter, seine Neigungen, Gewohnheiten und so weiter? Der eine wird mit einem heftigen, zornigen Charakter geboren, der andere als milder, sanfter Mensch. Dem einen wird ein gutes Schicksal zuteil, der andere steht in fortwährendem Kampf. Not und Sorge begleiten ihn.

[ 1 ] Today we want to discuss the law of karma as it applies to human beings in detail. You know that this law operates throughout each individual human life. Any examination of this law, no matter how precise, is of course always incomplete, for the occultist should not speak of hypothetical cases, but rather of experiences that have been made in this field and about which he has definite knowledge—for example, through observing a person who was such-and-such and whose various lives one has traced. We now ask: How does one’s fate come about—the position a person occupies in life, their character, their inclinations, habits, and so on? One person is born with a fierce, angry temperament; another as a mild, gentle person. One is granted a good fate; the other faces a constant struggle. Hardship and worry accompany them.

[ 2 ] Vor allem müssen wir die verschiedenen Leiber der Menschen berücksichtigen und fragen, wie die karmischen Ursachen in den drei Leibern, dem physischen, ätherischen und astralischen im Menschen wirken. Wir betrachten zuerst wieder den physischen Leib und was durch denselben geschieht. Vor allen Dingen ist er der Faktor, durch den unsere Taten in der Welt ausgeführt werden, denn was wir tun, geschieht durch Bewegungen, die unser physischer Leib macht. Von diesem unserem Tun hängt unser äußeres Schicksal in der nächsten Inkarnation ab. Ob wir arm oder reich, an diesem Ort oder jenem, in dieser Umgebung oder jener geboren werden, ist das Resultat der Taten unseres physischen Leibes in früheren Leben. Begehen wir schlechte Taten, so werden wir in eine schlechte Umgebung geboren, gute Taten erwirken uns eine gute Umgebung. Dies ist das erste Gesetz.

[ 2 ] Above all, we must take into account the various bodies of human beings and ask how karmic causes operate in the three bodies—the physical, etheric, and astral—within a person. Let us first consider the physical body again and what happens through it. Above all, it is the factor through which our actions are carried out in the world, for what we do occurs through the movements that our physical body makes. Our outer destiny in the next incarnation depends on these actions of ours. Whether we are born poor or rich, in this place or that, in this environment or that, is the result of the actions of our physical body in past lives. If we commit evil deeds, we will be born into a bad environment; good deeds bring us a good environment. This is the first law.

[ 3 ] Nun kommt das zweite Gesetz. Wir kommen da am leichtesten zum Verständnis, wenn wir uns einmal in unsere eigene Kindheit hineinversetzen. Wir alle werden finden, daß wir seitdem viele neue Begriffe und Vorstellungen in uns aufgenommen und daß wir vieles gelernt haben. Wir zum Beispiel, die wir zur Geisteswissenschaft gekommen sind, haben allein dadurch schon viele neue Begriffe in uns aufgenommen. Denn, was lernen wir nicht alles durch sie, und welch neue Gedankengänge gibt sie uns! Der Inhalt dessen, was wir lernen und in unser Gedankenleben aufnehmen, geschieht durch den Astralleib. Es entstehen dadurch Veränderungen an demselben, und da dieser vergleichsweise der dünnste und feinste der Leiber ist, die der Mensch hat, so reagiert er auch am schnellsten auf jede Beeinflussung. Aber nicht nur in unseren Begriffen und Vorstellungen haben wir uns seit unserer Kindheit verändert, auch unser Temperament, unsere Neigungen, Gewohnheiten und unser Charakter sind anders geworden. Wir entsinnen uns, daß diese letztgenannten Eigenschaften durch die Einflüsse auf den Ätherleib beim Kinde gebildet wurden.

[ 3 ] Now we come to the second law. The easiest way to understand this is to put ourselves back in our own childhood. We will all find that since then we have absorbed many new concepts and ideas and that we have learned a great deal. We, for example, who have come to spiritual science, have already absorbed many new concepts simply through that experience. For what do we not learn through it, and what new trains of thought does it give us! The content of what we learn and take into our life of thought is received through the astral body. This brings about changes in it, and since this is, comparatively speaking, the thinnest and most subtle of the bodies that a human being possesses, it also reacts most quickly to any influence. But it is not only in our concepts and ideas that we have changed since childhood; our temperament, our inclinations, our habits, and our character have also changed. We recall that these latter qualities were formed in the child through influences on the etheric body.

[ 4 ] Dadurch nun, daß der Ätherleib ein viel dichterer Körper als der Astralleib ist, erhalten sich diese Gewohnheiten viel zäher und viel länger; ja, falls nicht bewußt auf sie eingewirkt wird, fast das ganze Leben hindurch. Die Vorstellungen und Begriffe, die wir aufnehmen und die die Veränderungen am Astralleib ausmachen, gestalten mit Riesenschritten denselben um, im Vergleich zu den sich langsam verändernden Charaktereigenschaften, die dadurch auch allmählich den Ätherleib umgestalten. Wir können es mit den beiden Uhrzeigern, dem großen und dem kleinen, vergleichen: Der große läuft schnell, der kleine langsamer. So ist es mit den raschen Veränderungen am Astralleib, mit den langsameren am Ätherleib.

[ 4 ] Because the etheric body is a much denser body than the astral body, these habits persist much more tenaciously and for much longer; indeed, unless they are consciously addressed, they can last almost an entire lifetime. The ideas and concepts we absorb—which bring about changes in the astral body—transform it in giant leaps, in contrast to the slowly changing character traits, which in turn gradually reshape the etheric body. We can compare this to the two clock hands, the large one and the small one: the large one moves quickly, the small one more slowly. So it is with the rapid changes in the astral body and the slower ones in the etheric body.

[ 5 ] Am physischen Leib, der ja der gröbste ist, gehen natürlich die Veränderungen noch langsamer vor sich, er ist der am langsamsten arbeitende. Wir werden noch an den weiteren Abenden hören, daß der Einzuweihende lernt, mit vergrößerter Geschwindigkeit an seinem Astral- und Ätherleib und zuletzt sogar an seinem physischen Leib zu arbeiten. Ja, er wird schließlich einmal so weit kommen, daß er seinen Pulsschlag ändern kann. Jetzt freilich sind wir noch nicht so weit, sondern was wir in diesem Leben lernen, wird erst im nächsten Leben die entsprechenden Veränderungen hervorrufen. Die Änderung, die der Astralleib in diesem Leben erfährt, tritt in der nächsten Inkarnation am Ätherleib auf, indem sie gestaltend auf ihn einwirkt. Gute Taten geben Neigungen zu guten Taten im nächsten Leben. Wir müssen unsere Gewohnheiten jetzt vorbereiten für das folgende Leben, damit wir dort die Wirkung haben. Will jemand etwa im nächsten Leben mit einem guten Gedächtnis geboren werden, so soll er bemüht sein, sich möglichst an alles zu erinnern, und alles, was er erlebt, sich ins Gedächtnis zurückzurufen. Er soll zum Beispiel am Abend daran denken, was er heute getan hat, und dann weiter, was er gestern, vor einem Monat, im letzten Jahr, was er in den vergangenen Jahren getan und erlebt hat. So bildet man das Gedächtnis aus. Menschen, die nur achtlos durch die Welt rasen, werden mit Neigungen geboren werden, die es unmöglich machen, daß irgend etwas, was ihnen begegnet, haften bleibt. Natürlich kann auch jemand gezwungen sein zu rasen, ich meinte das vorher Gesagte nur in bezug auf das oberflächliche Hinwegblicken über alles, was er erlebt.

[ 5 ] In the physical body—which is, after all, the coarsest—changes naturally take place even more slowly; it is the one that works the slowest. We will hear in the coming evenings that the initiate learns to work with increasing speed on his astral and etheric bodies, and ultimately even on his physical body. Indeed, he will eventually reach the point where he can alter his pulse rate. Of course, we are not yet at that stage; rather, what we learn in this life will only bring about the corresponding changes in the next life. The change that the astral body undergoes in this life manifests in the etheric body in the next incarnation by exerting a formative influence upon it. Good deeds give rise to a tendency toward good deeds in the next life. We must prepare our habits now for the next life so that we may reap the benefits there. If, for example, someone wishes to be born with a good memory in the next life, they should strive to remember everything as much as possible and to recall everything they have experienced. For instance, in the evening, they should reflect on what they did today, and then go on to think about what they did yesterday, a month ago, last year, and what they have done and experienced in past years. This is how one develops one’s memory. People who merely rush thoughtlessly through life will be born with dispositions that make it impossible for anything they encounter to stick with them. Of course, someone may also be forced to rush; I meant what I said earlier only in reference to superficially glancing over everything they experience.

[ 6 ] Wir alle kennen die Temperamente. Der Choleriker mit seinem stark wirkenden Willen und dem Drang, recht viel zu tun, der sich schon beim Kinde zeigt, will herrschen und den Ton unter seinen Kameraden angeben. Er ist mutig, kühn, tatendurstig. Cholerische Naturen waren Napoleon, Cäsar, Hannibal. Das melancholische Kind hingegen sondert sich ab, es ist mißtrauisch, möchte am liebsten seine Sachen unter Schloß und Riegel halten und schaut seinen Kameraden nach, wenn sie gegangen, ob sie nichts mitgenommen haben. Es beschäftigt sich viel mit sich selbst. Es ist dies der Mensch der Betrachtung und nicht der Tat. Das phlegmatische Kind zeigt kein besonderes Interesse. Es sucht in gewisser Weise alles auf, aber nichts macht einen großen Eindruck auf seine Seele. Es träumt viel, ist untätig und sucht den Sinnengenuß. Das sanguinische Temperament zeigt wohl Interesse für alles, aber dieses Interesse hält nicht an, sondern ist bald verflogen. Doch kann man die Menschen nicht in die verschiedenen Temperamente rubrizieren. In jedem ist meist nur als ein Grundton ein Temperament vertreten, aber die anderen spielen mit hinein. Diese vier Temperamente drücken sich im Ätherleib als vier verschiedene Arten aus und sind im Astralleib als vier verschiedene Grundfärbungen zu erkennen. Das melancholische Temperament wird bei der nächsten Inkarnation hervortreten, wenn jemand jetzt die Neigung hat, im engsten und stillsten Kreise zu leben und sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Der andere jedoch, der mit vielen Dingen zusammengekommen ist, ihnen auf den Grund ging und viele Erlebnisse, auch schwere durchmachte, wird als Choleriker geboren werden. Wer ein angenehmes Leben, ohne viel Kampf und Mühsal hatte, wird ein Sanguiniker oder Phlegmatiker. Was dem Astralleib in diesem Leben geschieht, geht karmisch im nächsten Leben als Grundwesen auf den Ätherkörper über.

[ 6 ] We are all familiar with the temperaments. The choleric person, with his strong will and urge to be very active—traits that are already evident in childhood—wants to dominate and set the tone among his peers. He is courageous, bold, and eager for action. Napoleon, Caesar, and Hannibal were choleric by nature. The melancholic child, on the other hand, keeps to himself; he is distrustful, would prefer to keep his belongings under lock and key, and checks to see if his peers have taken anything with them after they’ve left. He is very preoccupied with himself. This is the contemplative person, not the man of action. The phlegmatic child shows no particular interest. In a certain sense, they explore everything, but nothing makes a deep impression on their soul. They daydream a lot, are inactive, and seek sensory pleasure. The sanguine temperament does show interest in everything, but this interest does not last; it soon fades away. Yet one cannot categorize people strictly into the various temperaments. In each person, usually only one temperament is present as a fundamental tone, but the others also play a role. These four temperaments express themselves in the etheric body as four distinct forms and can be recognized in the astral body as four distinct fundamental hues. The melancholic temperament will come to the fore in the next incarnation if a person now has a tendency to live within the narrowest and quietest circle and to concern themselves only with themselves. The other person, however, who has encountered many things, explored them thoroughly, and gone through many experiences—including difficult ones—will be born as a choleric. Those who have had a pleasant life without much struggle or hardship will become a sanguine or a phlegmatic. What happens to the astral body in this life is karmically transferred to the etheric body in the next life as a fundamental quality.

[ 7 ] In den Einweihungsschulen wird nun bewußt nach dieser Erkenntnis an den verschiedenen Körpern gearbeitet, und zwar früher noch mehr als heute. Das hängt mit der zyklischen Entwickelung zusammen. Heute hat die Geheimlehre eine ganz andere Art zu lehren als vor fünftausend Jahren. Damals mußte man mehr an Menschengruppen arbeiten. Man arbeitete bewußt daran, daß ganze Kategorien von Menschen im nächsten Leben harmonisch zusammenstimmen konnten. In Indien wurde die gesamte Bevölkerung in vier Kasten geteilt und nun so an ihnen gearbeitet, daß die Menschen im nächsten Leben in eine bestimmte Kaste hineinpaßten. Die Ausbildung des Menschen war systematisch darauf eingerichtet, für Jahrtausende zu sorgen, auf Jahrtausende hinaus das Weltbild zu formen. Gerade das gab den okkulten Führern ihre große Macht. Jetzt ist das alles ganz anders geworden. Die fortschreitende Entwikkelung des Menschen löst ihn los aus diesen Gruppen, diesen Kasten, er kann nicht mehr gewissermaßen en gros erzogen werden. Der Mensch wird und soll immer individualisierter werden.

[ 7 ] In the schools of initiation, work is now consciously carried out on the various bodies in accordance with this insight—and this was done even more so in the past than it is today. This is related to cyclical development. Today, the Esoteric Teaching has a completely different way of teaching than it did five thousand years ago. Back then, it was necessary to work more with groups of people. Conscious effort was made to ensure that entire categories of people could harmonize with one another in their next lives. In India, the entire population was divided into four castes, and work was done on them in such a way that people would fit into a specific caste in their next lives. Human education was systematically designed to ensure the future for millennia, to shape the worldview for millennia to come. It was precisely this that gave the occult leaders their great power. Now, all of that has changed completely. The ongoing development of the human being is detaching him from these groups, these castes; he can no longer, so to speak, be educated en masse. The human being is becoming—and should become—increasingly individualized.

[ 8 ] Wie wirkt nun der Mensch im Hinblick auf das nächste Leben auf seinen Ätherleib ein? Alle Neigungen und Gewohnheiten des jetzigen Ätherleibes geben im nächsten Leben die Disposition zu Gesundheit oder Krankheit. Aus dem, was sich jetzt als bestimmte Gewohnheiten, sowohl gute wie schlechte, am Ätherleib langsam entwickelt, kristallisiert sich nach und nach der gute oder schlechte Charakter eines Menschen im kommenden Leben. Zum Beispiel, der eine Mensch sucht seinen Fleiß zu kultivieren, oder der andere arbeitet daran, seinen Zorn abzulegen. Wieder ein anderer gewöhnt sich den Trunk an, wodurch sein Wille schwach wird. Der andere wird faul und so weiter. Was nun in den Ätherleib durch ein Lebensdasein hineingelegt wird, erlangt im darauffolgenden im physischen Leib seinen Ausdruck. Eine schlechte Gewohnheit im vorhergehenden Leben ist eine Ursache zur Krankheit im nächsten, eine gute Gewohnheit ist natürlich eine Ursache zur Gesundheit. Eine bestimmte Leidenschaft bringt uns eine bestimmte Krankheit für das nächste Leben. Man könnte sehen, wie die Disposition eines Menschen zu Infektionskrankheiten auf diese Weise erworben wird. Wir wissen gut, daß jemand zu allen Menschen, an alle Orte hingehen kann, wo Epidemien oder ansteckende Krankheiten herrschen, ohne daß er sich gefährdet und diese Krankheiten bekommt. Der andere liest sie gleichsam auf der Straße auf und steckt sich gleich an. Es hängt nur von seiner Disposition ab, ob er angesteckt wird oder nicht. Nun wissen die Eingeweihten ganz genau, daß die Disposition, die zu Infektionskrankheiten führt, auf einem im vorigen Leben ausgeprägten egoistischen Erwerbssinn beruht, der in selbstischer Weise daran denkt, für sich Reichtümer zu sammeln. Wer in einem Leben reich werden will, schädigt sich für seine nächstkommende Inkarnation. Dieser egoistische Drang nach Erwerb und Reichtum ist eine Eigenschaft des Ätherkörpers, die im nächsten Leben als Disposition für Infektionskrankheiten hervortritt.

[ 8 ] How, then, does a person influence their etheric body with regard to the next life? All the inclinations and habits of the present etheric body determine a person’s predisposition toward health or illness in the next life. From what is now slowly developing in the etheric body as specific habits—both good and bad—a person’s good or bad character in the coming life gradually crystallizes. For example, one person seeks to cultivate diligence, while another works to overcome anger. Yet another becomes accustomed to drinking, which weakens his will. Another becomes lazy, and so on. Whatever is imprinted in the etheric body during one lifetime finds its expression in the physical body in the next. A bad habit in a previous life is a cause of illness in the next; a good habit is, of course, a cause of health. A particular passion brings us a particular illness in the next life. One could see how a person’s predisposition to infectious diseases is acquired in this way. We know very well that someone can go to all kinds of people, to all places where epidemics or contagious diseases are rampant, without putting themselves at risk of contracting these diseases. Another person, however, picks them up, as it were, right off the street and becomes infected immediately. Whether or not he becomes infected depends solely on his predisposition. Now the initiates know very well that the predisposition leading to infectious diseases is based on a pronounced, selfish drive for acquisition in a previous life—a drive that thinks in a self-centered way about amassing wealth for oneself. Anyone who seeks to become rich in one lifetime harms themselves for their next incarnation. This selfish drive for acquisition and wealth is a quality of the etheric body that manifests in the next life as a predisposition to infectious diseases.

[ 9 ] Wenn man sich über Gesundheit und Krankheit informieren will, so muß man allerdings bedenken, daß da viele Dinge zusammenwirken. Die Ursachen von Krankheiten brauchen nicht bloß im Einzelkarma zu liegen. Es gibt auch in bezug auf Krankheiten ein Volkskarma. Das kann ein Beispiel lehren, das man beobachtet hat. Dieser Fall betrifft gewisse Gesundheitsverhältnisse der Rassen und ganzer Völker. Wir alle kennen die Völkerwanderung und deren Geschichte. Wir wissen, daß damals von Osten her verschiedene Stämme, die Hunnen, Mongolen, sich aufmachten und nach Europa kamen. Sie ergossen sich von Asien her über das Land und stießen mit den Germanen zusammen. Diese Hunnen, wie überhaupt die mongolische Rasse, waren Nachzügler der Atlantier - darauf deutet schon der Name Attila oder Atli -, Zurückgebliebene dieser großen Rasse. Während die Germanen, Perser und Inder die vorgeschritteneren Rassen repräsentierten, waren die Mongolen, die auf einer bestimmten Stufe stehengebliebenen Atlantier, im Verfall. Während der große Menschheitsstrom sich nach vorwärts entwickelt, bleiben solche einzelnen niederen Völkerrassen zurück und gliedern sich ab. Die Astralleiber dieser zurückgebliebenen Rassen tragen nun astralische Verwesungsstoffe in sich. Natürlich kamen solche in großen Mengen mit zu uns herüber. Die Europäer gerieten in Furcht und Schrecken durch diese ansturmenden Massen, und durch diese Furcht und den Schrecken, den sie empfanden, gediehen die astralischen Verwesungsstoffe noch besser, denn Furcht und Schrecken sind Eigenschaften des Astralleibes, die günstig auf das Gedeihen dieser schädlichen Einflüsse wirken. Die europäischen Astralleiber wurden infiziert, und diese Infektion zeigte sich in den späteren Generationen als Aussatz, jene schreckliche Krankheit, die solche Verheerungen im Mittelalter anrichtete. Dies war die physische Folge des Einflusses der mongolischen Astralleiber auf die europäischen, und der Leitungsstrom gewissermaßen, auf dem dieser Einfluß sich in die europäischen Leiber ergoß, war die Furcht und der Schrekken, der die Germanen erfüllte vor den verheerenden Scharen, die ihr Land überfluteten. Man sieht, wie hier Krankheiten im Volkskarma entstehen, und wie diese sich von Generation auf Generation vererben. Die Vorfahren erlebten geistig die Krankheit, und sie ging bei den späteren Generationen ins Physische über. So und nicht anders ist auch der Bibelspruch gemeint: «Die Sünden der Väter suche ich heim an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied.» Wir können dies ganz wörtlich nehmen. Es ist damit diese Art von Volkskarma gemeint.

[ 9 ] If one wishes to learn about health and illness, one must, however, bear in mind that many factors interact here. The causes of illness do not necessarily lie solely in individual karma. There is also such a thing as collective karma when it comes to illness. An observed example can illustrate this. This case concerns certain health conditions among races and entire peoples. We are all familiar with the Migration Period and its history. We know that at that time various tribes—the Huns and Mongols—set out from the East and came to Europe. They poured across the land from Asia and clashed with the Germanic peoples. These Huns, like the Mongol race in general, were stragglers of the Atlanteans—as the name Attila or Atli already suggests—those left behind from this great race. While the Germanic peoples, Persians, and Indians represented the more advanced races, the Mongols—the Atlanteans who had remained stagnant at a certain stage—were in decline. As the great stream of humanity continues to evolve forward, such individual, lower racial groups lag behind and become separated. The astral bodies of these lagging races now carry within them astral substances of decay. Naturally, large numbers of them came over to us. The Europeans were seized by fear and terror at the sight of these surging masses, and because of this fear and terror they felt, the astral substances of decay flourished even more, for fear and terror are qualities of the astral body that favor the proliferation of these harmful influences. The European astral bodies became infected, and this infection manifested in later generations as leprosy, that terrible disease that wreaked such havoc in the Middle Ages. This was the physical consequence of the influence of the Mongol astral bodies on the European ones, and the channel, so to speak, through which this influence poured into the European bodies was the fear and terror that filled the Germanic peoples in the face of the devastating hordes that flooded their land. One can see how diseases arise here within the collective karma of a people, and how these are passed down from generation to generation. The ancestors experienced the disease spiritually, and it manifested physically in later generations. This—and nothing else—is the meaning of the biblical saying: “I will punish the children for the sins of the fathers to the third and fourth generations.” We can take this quite literally. This is the kind of national karma that is meant here.

[ 10 ] Überhaupt werden die religiösen Urkunden viel zu wenig wörtlich genommen. Zuerst ist der Mensch ein Naiver, wie zum Beispiel heute noch vielfach die Leute auf dem Lande. Dort nehmen die Menschen die Bibelsprüche buchstäblich. Dann wird der Mensch gescheit und damit negierend. Er wirft alles Altüberlieferte über Bord, das ist die zweite Stufe. Als dritte Stufe kommen die modernen Freidenker, die alles nur noch als Symbol ansehen wollen. Hier kann Bruno Wille als Beispiel gelten. Nun hängt aber viel davon ab, wie gescheit ein solcher Auslegender ist, denn der eine findet ein noch besseres Symbol als der andere und glaubt nun, seines als das allein richtige der Welt verkünden zu müssen. Da wird aber viel unterlegt und nicht nur ausgelegt. Es gibt aber noch eine vierte Stufe: Die Geheimwissenschaft. Sie lehrt uns, die religiösen Urkunden wieder wörtlich zu verstehen und aufzufassen. Zuletzt wird man Geheimschüler, nachdem man erst naiver Mensch und dann Freidenker und Symboliker war.

[ 10 ] In general, religious texts are taken far too lightly. At first, a person is naive—as is still often the case today, for example, among people in rural areas. There, people take Bible verses literally. Then a person becomes wise and, as a result, skeptical. They cast aside all traditional teachings—that is the second stage. The third stage is marked by modern freethinkers, who wish to view everything solely as a symbol. Bruno Wille can serve as an example here. However, much depends on how wise such an interpreter is, for one may find an even better symbol than another and then believe they must proclaim theirs as the only correct one in the world. But here, much is imposed rather than merely interpreted. There is, however, a fourth stage: Esoteric Science. It teaches us to understand and interpret religious texts literally once again. Finally, one becomes an initiate, having first been a naive person, then a freethinker, and then a symbolist.

[ 11 ] Bei unserer Betrachtung des Krankheitskarmas, sowohl des einzelnen als auch ganzer Stämme, haben wir gesehen, daß dasjenige, was vorher geistig vorbereitet gewesen ist, später im physischen Leben sich wieder geltend macht. Sorgen wir deshalb für gute Erziehung und gute Gewohnheiten der Menschheit, dann werden wir da“durch auch die Gesundheit fördern! Nicht nur das sittliche Element wird durch gute Neigungen gefördert, sondern faktisch auch die Gesundheit, da eine schlechte Gewohnheit eine Krankheit fürs nächste Leben schafft. Die Nervosität, diese eigentlich heute am weitesten verbreitete Krankheitsform, ist die Folge einer bestimmten Geistesverfassung in einer früheren Zeit. Niemals würde sie aufgetreten sein, wenn nicht die materialistische Weltanschauung mit ihren Denkgewohnheiten herrschend geworden wäre. Würde diese Geistesrichtung fortdauern, so würde sie verheerend auf die Volksgesundheit wirken und die Menschheit dem Irrsinn nahebringen. Kinder würden schon zitternd vor Nervenschwäche geboren werden, ja eine Irrsinnsepidemie würde durch zunehmenden Materialismus zu befürchten sein, und die Menschen würden aus jeder Empfindung heraus ein peinigendes Schmerzgefühl haben. Das ist der furchtbare Einfluß des Materialismus, wie er sich physisch ausleben wird, nachdem er die Geister infiziert hat.

[ 11 ] In our examination of the karma of illness—both that of individuals and of entire tribes—we have seen that what has been spiritually prepared beforehand manifests itself later in physical life. If we therefore ensure a good upbringing and good habits for humanity, we will thereby also promote health! Not only is the moral element fostered by good inclinations, but in fact health is as well, since a bad habit creates a disease for the next life. Nervousness, which is actually the most widespread form of illness today, is the consequence of a certain mental disposition in a previous life. It would never have arisen had the materialistic worldview, with its patterns of thought, not become dominant. If this mindset were to persist, it would have a devastating effect on public health and drive humanity to the brink of insanity. Children would be born already trembling from nervous weakness; indeed, an epidemic of insanity would be to be feared as a result of increasing materialism, and people would experience an agonizing sense of pain in every sensation. This is the terrible influence of materialism, as it will manifest itself physically after it has infected the minds.

[ 12 ] Dies Weltenbild der Zukunft war nun die wahre Ursache, warum sich die okkulten Führer der Menschheit in die Notwendigkeit versetzt sahen, etwas aus dem Schatz der spirituellen Wahrheiten in die Welt einfließen zu lassen. Denn nur durch eine spirituelle Weltanschauung, die, losgelöst von den Fesseln des Materialismus, aufschaut zu den höchsten Lebensströmen der Menschheit und sie in sich einfließen laßt, nur durch sie kann den kommenden Generationen auch eine gute Gesundheitsanlage wiedergegeben werden. Die Gründe, weshalb unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung heute verbreitet wird, gehen viel tiefer, als mancher denkt, und in ihr und durch sie kann jeder mit seinem Teil an dieser Gesundung der Menschen mitarbeiten. Früher hatte das Wort «nervös» eine ganz andere Bedeutung als heute. Es hieß: muskelstark, Nerven wie Stricke haben. Man sieht schon aus dieser Umwandlung des Wortsinns, wie etwas ganz Neues in die Welt gekommen ist.

[ 12 ] This vision of the future was, in fact, the true reason why the occult leaders of humanity felt compelled to allow some of the treasure of spiritual truths to flow into the world. For only through a spiritual worldview—one that, freed from the shackles of materialism, looks up to the highest currents of life within humanity and allows them to flow into itself—only through such a worldview can a sound constitution be restored to future generations. The reasons why our spiritual-scientific worldview is being disseminated today run much deeper than many realize, and within it and through it, everyone can play their part in this healing of humanity. In the past, the word “nervous” had a completely different meaning than it does today. It meant: muscular, having nerves of steel. One can already see from this shift in the word’s meaning how something entirely new has come into the world.

[ 13 ] Wir wollen uns noch der Frage zuwenden: Wie steht es mit der Einzelvererbung beim Kinde, geistig sowie physisch, und wie mit dem Karma? Wir wissen, daß sowohl Eigenschaften, wie Ähnlichkeiten vom Vater, der Mutter, dem Onkel, der Tante, den Großeltern vererbt werden. Ein Kind sieht seinem Vater, das andere der Mutter ähnlich. Die musikalische Veranlagung zum Beispiel kann sich durch Generationen hindurch vererben. In der Familie Bach gab es etwa achtundzwanzig Musiker im Laufe von zweihundertfünfzig Jahren, wenn auch nur einen ganz berühmten darunter, und in der Mathematikerfamilie Bernoulli acht bedeutende Mathematiker. Es gibt viele Beispiele, wo die Vererbung eine große Rolle spielt. Man muß aber im wahren Sinn die Bedeutung von Karma und Reinkarnation verstehen, dann erst begreift man richtig die Vererbung, denn die Vererbungstheorie der materialistischen Wissenschaft ist nur zum Teil wahr und manches dabei verzerrt gesehen. Zum bedeutenden Musiker zum Beispiel gehört nicht nur die musikalische Anlage in der Seele. Diese allein könnte sich nicht auswirken, wenn sich diese Seele nicht verkörpern könnte in einem Leib, der mit einem musikalisch konstruierten Ohre versehen ist. Was nun in einer solchen Musikerfamilie physisch ist, diese guten und fein konstruierten Gehörorgane, die vererben sich von Eltern auf Kinder, und ein Menschenkeim, der aus dem Devachan kommt und einer neuen Verkörperung entgegeneilt, wird sich hingezogen fühlen zu einer solchen Familie, in der seine musikalische Seele sich in gutgebildeten musikalischen Organen ausleben kann. Wie der Pol die Magnetnadel anzieht, so wird ein solches Kind hineingeboren in eine Familie, wo seine persönlichen Anlagen die besten physischen Vorbedingungen vorfinden. Es stimmt eben alles ganz ausgezeichnet. Ein astralischer Menschenkeim wird zu einer Familie hingetrieben, die physisch zu ihm paßt. Das banale Sprichwort: Man muß vorsichtig in der Wahl seiner Eltern sein -, ist deshalb nicht ganz so unsinnig, wie es klingen mag. Nicht das Kind sieht den EItern ähnlich, sondern es wird von denjenigen Eltern geboren, die ihm am ähnlichsten sind, die es schon vorher liebt. Die tiefste Sympathie besteht schon vor der Geburt, das Kind fühlt sich schon zu der Mutter hingezogen. Die Mutterliebe ist die sekundäre Liebe, sie ist die Erwiderung der schon vorher vorhandenen Kindesliebe.

[ 13 ] Let us now turn to the question: What about the individual inheritance of a child—both mental and physical—and what about karma? We know that both characteristics and physical resemblances are inherited from the father, the mother, the uncle, the aunt, and the grandparents. One child resembles his father, another his mother. A musical aptitude, for example, can be passed down through generations. In the Bach family, there were about twenty-eight musicians over the course of two hundred and fifty years—though only one of them was truly famous—and in the Bernoulli family of mathematicians, there were eight notable mathematicians. There are many examples where heredity plays a major role. However, one must understand the true meaning of karma and reincarnation; only then can one properly comprehend heredity, for the theory of heredity in materialistic science is only partially true and, in some respects, presents a distorted view. For example, a great musician is not defined solely by a musical predisposition in the soul. This alone could not have an effect if that soul were unable to incarnate in a body endowed with a musically attuned ear. As for the physical aspects in such a musical family—these well-developed and finely constructed auditory organs—they are inherited from parents to children; and a human germ that comes from Devachan and is hastening toward a new incarnation will feel drawn to such a family, where its musical soul can express itself through well-formed musical organs. Just as a pole attracts a magnetic needle, so such a child is born into a family where its personal aptitudes find the best physical conditions. Everything simply fits together perfectly. An astral human germ is drawn to a family that is physically suited to it. The trite saying—“One must be careful in the choice of one’s parents”—is therefore not quite as nonsensical as it may sound. It is not the child who resembles the parents, but rather the child is born to the parents who are most like it, whom it already loves. The deepest sympathy already exists before birth; the child already feels drawn to the mother. A mother’s love is the secondary love; it is the response to the child’s love that already existed.