Myths and Legends
Occult Signs and Symbols
GA 101
15 September 1907, Stuttgart
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Myths and Legends, Occult Signs and Symbols, tr. SOL
10. Okkulte Zeichen und Symbole III
10. Occult Signs and Symbols III
in ihrem Zusammenhang mit der astralen und geistigen Welt
in relation to the astral and spiritual worlds
[ 1 ] Das erste, was uns heute beschäftigen soll, ist eine Betrachtung über das, was man Zahlensymbolik nennt. Wenn man über okkulte Zeichen und Sinnbilder spricht, muß man wenigstens auch kurz jene Sinnbilder erwähnen, die sich in den Zahlen ausdrücken. Sie erinnern sich meiner vorgestrigen Ausführungen, wo die Rede war von den Zahlenverhältnissen im Universum, von den Geschwindigkeiten, mit denen sich die einzelnen Planeten bewegen. Wir haben gesehen, daß diese Zahlen und Zahlenverhältnisse sich ausdrücken in der Sphärenharmonie, die den Raum durchwogt, und daß sie eine gewisse Bedeutung haben für das Weltganze und für die Betrachtung der Welt.
[ 1 ] The first thing we will consider today is a reflection on what is known as numerical symbolism. When speaking of occult signs and symbols, one must at least briefly mention those symbols that are expressed through numbers. You will recall my remarks from the day before yesterday, when I spoke of the numerical ratios in the universe and the speeds at which the individual planets move. We have seen that these numbers and numerical ratios are expressed in the harmony of the spheres that permeates space, and that they have a certain significance for the universe as a whole and for our understanding of the world.
[ 2 ] Heute soll uns nun eine intimere Zahlensymbolik beschäftigen, eine Symbolik, die wir freilich in ihrer Bedeutung nur streifen können, denn um uns wirklich in sie zu vertiefen, würden noch viele andere Dinge notwendig sein, auf die wir uns genauer einlassen müßten. Immerhin werden Sie wenigstens eine Idee davon erhalten, was damit gemeint ist, wenn zum Beispiel in der alten pythagoreischen Geheimschule gesagt wurde, daß man sich in die Zahlen und ihre Natur vertiefen müsse, um einen Einblick in die Welt zu gewinnen. Es mag manchem trocken und öde erscheinen, daß er über Zahlen nachdenken soll. Vor allem wird es denjenigen Menschen, die von der materialistischen Bildung unserer Zeit angekränkelt sind, wie eine Spielerei erscheinen, wenn man glaubt, durch die Betrachtung der Zahlen etwas über das Wesen der Dinge ergründen zu können. Dennoch ist es tief begründet, daß der große Pythagoras zu seinen Schülern sagte, das Wissen über die Natur der Zahlen führe tief hinein in das Wesen der Dinge. Man darf nur nicht glauben, daß es genüge, über die Zahl 1 oder 3 oder 7 nachzudenken. Der wirklichen Geheimlehre ist nichts von Hexerei und Zauberei eigen, auch nichts von einem Aberglauben über die Bedeutung irgendeiner Zahl; ihr Wissen beruht auf viel tieferen Dingen. Aus der kurzen Skizze, die Sie heute von mir erhalten sollen, werden Sie sehen, daß die Zahl einen gewissen Anhaltspunkt geben kann für das Sichvertiefen, das man auch Meditieren nennt, wenn man den Schlüssel dazu hat, sich richtig in die Zahl zu vertiefen.
[ 2 ] Today we will explore a more intimate symbolism of numbers—a symbolism whose meaning we can, of course, only touch upon, for to truly delve into it would require many other considerations that we would need to examine in greater detail. At the very least, you will gain some idea of what is meant when, for example, the ancient Pythagorean secret school taught that one must delve into numbers and their nature in order to gain insight into the world. To some, the idea of reflecting on numbers may seem dry and tedious. Above all, it will seem like a mere game to those people who have been corrupted by the materialistic education of our time, if one believes that by contemplating numbers one can fathom something of the essence of things. Nevertheless, there is deep reason why the great Pythagoras told his students that knowledge of the nature of numbers leads deep into the essence of things. One must not, however, believe that it is enough to reflect on the number 1 or 3 or 7. The true Esoteric Teaching has nothing to do with witchcraft or sorcery, nor with any superstition regarding the significance of any number; its knowledge is based on much deeper things. From the brief sketch you are to receive from me today, you will see that the number can provide a certain point of reference for deepening one’s understanding—what is also called meditation—if one possesses the key to truly delving into the number.
[ 3 ] Wir müssen ausgehen von der Zahl Eins, von der Einheit. Inwiefern diese Zahl Eins wirklich das versinnbildlicht, was ich sagen werde, wird sich später bei der Betrachtung der anderen Zahlen noch deutlicher ergeben. In allem Okkultismus hat man immer mit der Zahl Eins die unzertrennliche Einheit Gottes in der Welt bezeichnet. Mit der Eins bezeichnet man den Gott. Nun darf man aber nicht glauben, daß man irgend etwas für die Welterkenntnis gewinnt, wenn man sich bloß in die Eins als Zahl vertieft; Sie werden sehen, in welcher Weise diese Vertiefung zu geschehen hat. Aber wir betrachten das weit fruchtbarer, wenn wir zunächst zu den anderen Zahlen übergehen.
[ 3 ] We must begin with the number one, with unity. The extent to which this number one truly symbolizes what I am about to say will become even clearer later when we examine the other numbers. In all occultism, the number one has always been used to denote the inseparable unity of God in the world. The number one is used to denote God. However, one must not believe that one gains anything in terms of world knowledge by merely delving into the number one; you will see how this delving must take place. But we will find this far more fruitful if we first move on to the other numbers.
[ 4 ] Die Zwei nennt man im Okkultismus die Zahl der Offenbarung. Mit der Zahl Zwei bekommen wir sozusagen schon etwas Boden unter die Füße, während wir bei der Zahl Eins noch ziemlich im Bodenlosen herumtappen. Wenn wir sagen: Zwei ist die Zahl der Offenbarung —, dann heißt das nichts anderes als: Alles, was uns in der Welt entgegentritt, was nicht in irgendeiner Beziehung verborgen ist, sondern heraustritt in die Welt, steht irgendwie in der Zweiheit. Sie werden nämlich die Zahl Zwei überall in der Natur verbreitet finden. Es kann sich nichts offenbaren, ohne die Zahl Zwei zu berühren. Licht kann sich niemals für sich allein als Einheit offenbaren. Wenn sich Licht offenbart, muß auch Schatten oder Dunkelheit dabei sein, es muß also eine Zweiheit da sein. Es könnte niemals eine Welt geben, die mit offenbartem Licht erfüllt wäre, wenn es nicht auch dementsprechenden Schatten gäbe. Und so ist es mit allen Dingen. Nie könnte sich das Gute offenbaren, wenn es nicht als Schattenbild das Böse hätte. Die Zweiheit von Gut und Böse ist eine Notwendigkeit in der offenbaren Welt. Solche Zweiheiten gibt es unendlich viele, sie erfüllen die ganze Welt, wir müssen sie nur an der richtigen Stelle aufsuchen.
[ 4 ] In occultism, the number two is called the number of revelation. With the number two, we gain a foothold, so to speak, whereas with the number one we are still groping around in the abyss. When we say: Two is the number of revelation — this means nothing other than: Everything that confronts us in the world, that is not hidden in some way but emerges into the world, exists in some form of duality. For you will find the number two widespread throughout nature. Nothing can reveal itself without touching the number two. Light can never reveal itself on its own as a unity. When light reveals itself, shadow or darkness must also be present; there must therefore be a duality. There could never be a world filled with revealed light if there were not corresponding shadows. And so it is with all things. Good could never reveal itself if it did not have evil as its shadow. The duality of good and evil is a necessity in the revealed world. There are an infinite number of such dualities; they fill the entire world; we need only seek them out in the right place.
[ 5 ] Eine wichtige Zweiheit, über die der Mensch viel nachdenken kann im Leben, ist folgende: Wir haben gestern die verschiedenen Zustände betrachtet, die der Mensch durchgemacht hat, bevor er ein Bewohner unserer heutigen Erde wurde. Wir sahen, daß er auf dem Saturn und der Sonne eine gewisse Unsterblichkeit dadurch hatte, daß er seinen Leib von außen dirigierte, daß Stücke dieses Leibes abbröckelten und neue sich wieder ansetzten, so daß der Mensch nichts von Tod und Vergehen empfand. Aber sein Bewußtsein war damals nicht so wie sein heutiges Bewußtsein, es war ein dumpfes, dämmerndes Bewußtsein. Erst auf unserer Erde hat sich der Mensch ein Bewußtsein errungen, das mit Selbstbewußtsein verbunden ist. Hier erst wurde er ein Wesen, das von sich selbst etwas wußte und sich von den Gegenständen unterscheiden konnte. Dazu mußte er nicht nur den Leib von außen dirigieren, sondern er mußte hineinschlüpfen in diesen Leib — abwechselnd —, sich in ihm empfinden, «Ich» zu ihm sagen. Nur dadurch, daß der Mensch ganz in seinem Leibe drinnensteckt, hat er sein volles Bewußtsein erringen können. Aber nun teilt er auch das Schicksal dieses Leibes. Früher, als er noch darüberstand, tat er das nicht. Erst dadurch, daß der Mensch diesen Grad des Bewußtseins errungen hat, ist er in Beziehung zu dem Tode getreten. In dem Augenblick, wo sein Leib zerfällt, fühlt er, daß sein Ich aufhört, weil er dieses mit seinem Leibe identifiziert hat. Erst allmählich, durch geistige Entwickelung, wird er sich die alte Unsterblichkeit wieder erringen, und der Leib ist da als Schule, um sie sich bewußt zu erringen. Niemals würde der Mensch auf höherer Stufe die Unsterblichkeit erringen können, wenn er sie nicht erkaufte durch den Tod, wenn er nicht die Zweiheit Leben und Tod erkennen würde. Solange der Mensch nicht Bekanntschaft gemacht hatte mit dem Tode, war ihm die Welt noch nicht offenbar, denn zur offenbaren Welt gehört die Zweiheit Leben und Tod. Und so könnten wir auf Schritt und Tritt Zweiheiten im Leben nachweisen. Sie finden in der Physik positive und negative Elektrizität, im Magnetismus Anziehungs- und Abstoßungskraft, alles erscheint in der Zweiheit. Die Zwei ist die Zahl der Erscheinung, der Offenbarung.
[ 5 ] An important duality that humans can reflect on deeply in life is the following: Yesterday we considered the various states that humans went through before becoming inhabitants of our present-day Earth. We saw that on Saturn and the Sun, humans possessed a certain immortality in that they directed their bodies from the outside, so that parts of these bodies crumbled away and new ones grew back, so that humans felt nothing of death or decay. But their consciousness at that time was not like their consciousness today; it was a dull, twilight consciousness. It was only on our Earth that human beings attained a consciousness linked to self-awareness. Only here did they become beings who knew something of themselves and could distinguish themselves from objects. To achieve this, they had to not only direct the body from the outside, but they had to slip into this body—alternately—feel themselves within it, and say “I” to it. Only by being fully immersed within his body has humanity been able to attain full consciousness. But now he also shares the fate of this body. In the past, when he still stood above it, he did not. It is only because humanity has attained this level of consciousness that it has entered into a relationship with death. At the moment his body decays, he feels that his “I” ceases to exist, because he has identified it with his body. Only gradually, through spiritual development, will he regain the old immortality, and the body is there as a school for consciously attaining it. Man would never be able to attain immortality on a higher plane if he did not earn it through death, if he did not recognize the duality of life and death. As long as man had not become acquainted with death, the world was not yet revealed to him, for the revealed world includes the duality of life and death. And so we could demonstrate dualities in life at every turn. In physics you find positive and negative electricity; in magnetism, forces of attraction and repulsion; everything appears in duality. Two is the number of appearance, of revelation.
[ 6 ] Aber es gibt keine Offenbarung, ohne daß hinter ihr das Göttliche waltet. Daher ist hinter jeder Zweiheit noch eine Einheit verborgen. Die Zahl Drei ist deshalb nichts anderes als die Zwei und die Eins, nämlich die Offenbarung und die hinter ihr stehende Göttlichkeit. Eins ist die Zahl der Einheit Gottes, Drei ist die Zahl der sich offenbarenden Göttlichkeit. Es gibt einen Satz im Okkultismus, der lautet: Niemals kann die Zwei eine Zahl für die Göttlichkeit sein. Die Eins ist eine Zahl für das Göttliche, und die Drei ist eine Zahl für das Göttliche, denn wenn es sich offenbart, offenbart es sich in der Zweiheit, und dahinter ist die Einheit. Der Mensch, der die Welt in der Zweiheit sieht, sieht sie nur im Offenbaren. Wer also sagt, in den äußeren Erscheinungen ist eine Zweiheit, der hat Recht. Wer aber sagt, daß diese Zweiheit das Ganze sei, hat immer Unrecht. Wir wollen uns das einmal an einigen wenigen Beispielen klarmachen. Es wird vielfach, auch da, wo von Theosophie die Rede ist, gegen diesen Satz des wahren Okkultismus gesündigt, daß die Zahl Zwei nur die Zahl der Offenbarung, nicht aber die Zahl der Fülle, der Vollständigkeit sei. So können Sie im populären Okkultismus von Leuten, die ihn nicht wirklich kennen, oft sagen hören, daß alle Entwickelung in Involution und Evolution verlaufe. Wir werden sehen, wie sich das in Wirklichkeit verhält. Aber zunächst wollen wir einmal untersuchen, was Involution und Evolution bedeuten. Betrachten wir einmal eine Pflanze, eine vollentwickelte Pflanze mit Wurzel, Blättern, Stengel, Blüte, Frucht, kurz mit allen Teilen, die eine Pflanze nur haben kann. Das ist das eine. Und nun betrachten Sie das kleine Samenkorn, aus dem die Pflanze wiederum entstehen kann. Wer den Samen anschaut, sieht nur ein kleines Körnchen, aber in diesem kleinen Körnchen ist die ganze Pflanze schon enthalten; sie steckt gewissermaßen eingehüllt darin. Warum steckt sie darin? Weil das Korn genommen ist von der Pflanze, weil die Pflanze alle ihre Kräfte in das Samenkorn hineingelegt hat. Deshalb unterscheidet man im Okkultismus die beiden Vorgänge: Der eine besteht darin, daß sich das Samenkorn aufrollt und zur ganzen Pflanze entfaltet — Evolution; der andere, daß sich die Pflanze zusammenfaltet, so daß ihre Gestalt gewissermaßen hineinkriecht in das Samenkorn — Involution. Wenn also irgendein Wesen, das viele Organe hat, sich so heranbildet, daß von diesen Organen nichts mehr sichtbar ist, daß sie zusammengeschrumpft sind zu einem kleinen Teil, so nennt man das eine Involution, und das Auseinandergehen, das Sichentfalten eine Evolution. Überall im Leben wechselt diese Zweiheit, aber stets nur im Offenbaren. Nicht bloß bei der Pflanze können Sie das verfolgen, auch in den höheren Gebieten des Lebens verhält es sich so.
[ 6 ] But there is no revelation without the Divine at work behind it. Therefore, behind every duality, a unity remains hidden. The number three is therefore nothing other than the two and the one—namely, the revelation and the Divinity that stands behind it. One is the number of God’s unity; three is the number of the Divinity that reveals itself. There is a saying in occultism that goes: Two can never be a number for the Divine. One is a number for the Divine, and Three is a number for the Divine, for when it reveals itself, it reveals itself in duality, and behind that lies unity. The person who sees the world in duality sees it only in its manifestation. So whoever says that there is a duality in outer appearances is right. But whoever says that this duality is the whole is always wrong. Let us clarify this with a few examples. This principle of true occultism—that the number two is only the number of manifestation, not the number of fullness or completeness—is frequently violated, even in discussions of Theosophy. Thus, in popular occultism, you often hear people who do not truly understand it say that all development proceeds through involution and evolution. We will see how this actually stands. But first, let us examine what involution and evolution mean. Let us consider a plant, a fully developed plant with roots, leaves, stem, flower, fruit—in short, with all the parts a plant can possibly have. That is one aspect. And now consider the small seed from which the plant can once again arise. Anyone looking at the seed sees only a small grain, but within this small grain the entire plant is already contained; it is, so to speak, enclosed within it. Why is it there? Because the grain is taken from the plant, because the plant has placed all its powers into the seed. That is why occultism distinguishes between the two processes: one consists of the seed uncoiling and unfolding into the whole plant—evolution; the other, of the plant folding in on itself so that its form, as it were, creeps into the seed—involution. So when any being with many organs develops in such a way that nothing of these organs is visible anymore, that they have shrunk down to a small part, this is called involution, and the spreading out, the unfolding, is called evolution. This duality alternates throughout life, but always only in the realm of manifestation. You can observe this not only in plants, but also in the higher realms of life.
[ 7 ] Verfolgen Sie zum Beispiel einmal in Gedanken die Entwickelung des europäischen Geisteslebens von Augustinus bis Calvin bis über das Mittelalter hinaus. Wenn Sie den Blick schweifen lassen über das Geistesleben dieser Zeit, so werden Sie bei Augustinus selber eine gewisse mystische Innigkeit sehen. Niemand wird seine Schriften, besonders seine «Bekenntnisse» lesen, ohne zu empfinden, wie tief innig das Gefühlsleben dieses Menschen war. Und wenn wir dann weiter hinaufsteigen in der Zeit, so finden wir eine so wunderbare Erscheinung wie Scotus Erigena, einen Mönch, der aus Schottland stammte und daher auch der schottische Johannes genannt wurde, der am Hofe Karls des Kahlen lebte. In der Kirche hat er schlecht abgeschnitten; die Sage erzählt, daß seine Ordensbrüder ihn mit Stecknadeln zu Tode gemartert hätten. Wörtlich ist das freilich nicht zu nehmen; aber wahr ist, daß er zu Tode gemartert wurde. Ein herrliches Buch ist von ihm verfaßt worden: «De devisione naturae «Über die Einteilung der Natur» —, das eine ungeheure Tiefe aufweist. Weiter finden wir die Mystiker der sogenannten deutschen Pfaffengasse, wo diese Gefühlsinnigkeit ganze Volksmassen ergriffen hat. Es waren nicht nur die Spitzen der Geistlichkeit, sondern auch das Volk; die Menschen, die auf dem Acker oder in der Schmiede arbeiteten, sie alle wurden von jener Gefühlsinnigkeit ergriffen, die sich als ein Zug der Zeit in dieser Weise auslebte. Weiter hinauf finden wir Nicolaus Cusanus, der 1400–1464 lebte. Und so können wir die Zeit hinauf verfolgen bis zum Ende des Mittelalters; immer finden wir jene Gefühlstiefe, jene Innigkeit, die sich über alle Kreise hin ausbreitete. Wenn wir nun diese Zeit vergleichen mit der späteren, die sie ablöste, mit derjenigen, die im 16. Jahrhundert beginnt und bis zu uns herauf sich erstreckt, dann bemerken wir einen gewaltigen Unterschied. Am Ausgangspunkte sehen wir Kopernikus stehen, der durch einen umfassenden Gedanken eine Erneuerung des Geisteslebens bewirkt; der diesen Gedanken so der Menschheit einverleibt, daß heute für einen Narren gilt, wer etwas anderes glaubt. Wir sehen Galilei, der an den Schwingungen einer Kirchenlampe in Pisa die Pendelgesetze entdeckt. So können wir Schritt für Schritt den Gang der Zeit verfolgen, überall würden wir den strikten Gegensatz zum Mittelalter finden. Das Gefühl nimmt immer mehr und mehr ab, die Innigkeit schwindet; der Verstand, die Intellektualität kommt mehr und mehr heraus, die Menschen werden immer klüger und gescheiter. Da folgen zwei Zeitepochen aufeinander, die genau entgegengesetzten Charakter haben. Die Geisteswissenschaft gibt uns die Erklärung beider Zeitepochen. Es gibt ein okkultes Gesetz, das besagt, daß es so sein muß. In der Zeit von Augustinus bis Calvin war die Epoche mystischer Evolution und intellektueller Involution, und seither leben wir in einer Zeit intellektueller Evolution und mystischer Involution. Was bedeutet das? Von Augustinus bis zum 16. Jahrhundert war eine Zeit der äußeren Entfaltung des mystischen Lebens, da war es draußen. Aber etwas anderes war damals erst keimhaft vorhanden: das intellektuelle Leben. Es war wie ein Same gleichsam in der geistigen Erde verborgen, um sich nach dem 16. Jahrhundert nach und nach zu entfalten. Das intellektuelle Leben war also dazumal in der Involution, so wie die Pflanze im Samen drinnen ist. Nichts in der Welt kann entstehen, wenn es nicht vorher in einer solchen Involution war. Seit dem 16. Jahrhundert ist die Intellektualität in der Evolution, das mystische Leben ist zurückgetreten, es ist in der Involution. Und jetzt ist die Zeit gekommen, wo dieses mystische Leben wieder heraustreten muß, wo es durch die theosophische Bewegung wieder zur Entfaltung, zur Evolution gebracht werden muß.
[ 7 ] For example, try to trace in your mind the development of European intellectual life from Augustine to Calvin and beyond the Middle Ages. If you let your gaze wander over the intellectual life of that era, you will see a certain mystical depth in Augustine himself. No one will read his writings, especially his Confessions, without sensing how deeply intimate this man’s emotional life was. And if we then move further forward in time, we find such a wonderful figure as Scotus Erigena, a monk who came from Scotland and was therefore also called the Scottish John, who lived at the court of Charles the Bald. He fared poorly within the Church; legend has it that his fellow monks tortured him to death with pins. This is not to be taken literally, of course; but it is true that he was tortured to death. He authored a magnificent book: “De divisione naturae” (“On the Division of Nature”), which displays tremendous depth. Further on we find the mystics of the so-called German “Pfaffengasse,” where this emotional sensibility gripped entire masses of people. It was not only the leaders of the clergy, but also the people; the men who worked in the fields or in the smithy—they were all seized by that emotional sensibility, which manifested itself in this way as a trend of the times. Further back we find Nicholas of Cusa, who lived from 1400 to 1464. And so we can trace the era back to the end of the Middle Ages; we always find that emotional depth, that intimacy, which spread across all circles. If we now compare this era with the later one that succeeded it—the one that begins in the 16th century and extends up to our own time—we notice a tremendous difference. At the starting point we see Copernicus, who, through a comprehensive idea, brings about a renewal of spiritual life; who incorporated this idea into humanity to such an extent that today anyone who believes otherwise is considered a fool. We see Galileo, who discovered the laws of the pendulum from the oscillations of a church lamp in Pisa. Thus we can follow the course of time step by step; everywhere we would find the stark contrast to the Middle Ages. Feeling diminishes more and more, intimacy fades; reason and intellectuality come to the fore more and more, people become ever wiser and more intelligent. Thus two epochs follow one another, each of precisely opposite character. Spiritual Science provides us with an explanation of both epochs. There is an occult law that states that this must be so. From the time of Augustine to Calvin was an epoch of mystical evolution and intellectual involution, and since then we have been living in a time of intellectual evolution and mystical involution. What does this mean? From Augustine to the 16th century was a time of the outward unfolding of the mystical life; it was out in the open then. But something else was only present in embryonic form back then: intellectual life. It was like a seed, so to speak, hidden in the spiritual soil, to unfold gradually after the 16th century. Intellectual life was thus in involution at that time, just as the plant is inside the seed. Nothing in the world can come into being unless it was first in such a state of involution. Since the 16th century, intellectual life has been in evolution, while mystical life has receded; it is in involution. And now the time has come when this mystical life must step forward again, when it must be brought back to unfolding, to evolution, through the Theosophical Movement.
[ 8 ] So wechselt überall im Leben Involution und Evolution ab im Offenbaren. Aber wer dabei stehenbleibt, betrachtet nur die Außenseite. Will man das Ganze betrachten, so muß noch ein Drittes hinzukommen, das hinter diesen beiden steht. Was ist dieses Dritte? Denken Sie sich einmal, Sie stünden einer Erscheinung der Außenwelt gegenüber und Sie denken darüber nach. Sie sind da, die äußere Welt ist da, und in Ihnen entstehen Ihre Gedanken. Diese Gedanken waren früher nicht da. Wenn Sie zum Beispiel den Gedanken der Rose bilden, so entsteht dieser erst in dem Augenblick, wo Sie in Beziehung zu der Rose treten; Sie waren da, die Rose war da; und wenn nun in Ihnen der Gedanke, das Bild der Rose aufsteigt, so entsteht etwas ganz Neues, noch nicht Dagewesenes. Das ist auch auf anderen Gebieten des Lebens der Fall. Stellen Sie sich den schaffenden Michelangelo vor. Michelangelo hat ja beinah nie nach Modellen gearbeitet. Wir wollen uns aber einmal vorstellen, er habe eine Gruppe von Modellen zusammengestellt. Michelangelo war da, die Modelle waren da. Aber das Bild, das Michelangelo nun von dieser Gruppe in der Seele hat, das ist neu, das ist eine völlig neue Schöpfung. Das hat nichts zu tun mit Involution und Evolution. Das ist ein völlig Neues, das entsteht aus dem Verkehr eines Wesens, das empfangen kann, mit einem Wesen, das geben kann. Solche Neuschöpfungen entstehen immer durch den Verkehr von Wesen mit Wesen. Solche Neuschöpfungen sind ein Anfang. Erinnern Sie sich an das, was wir gestern hier betrachtet haben, wie die Gedanken schöpferisch sind, wie sie die Seele veredeln können, ja später sogar an der Formung des Körpers arbeiten. Dasjenige, was irgendein Wesen einmal denkt, die Gedankenschöpfung, die Vorstellungsschöpfung, die arbeitet, die wirkt weiter. Sie ist eine Neuschöpfung und zugleich ein Anfang, aber sie zieht Folgen nach sich. Wenn Sie heute gute Gedanken haben, so sind diese Gedanken fruchtbar für die fernste Zukunft, denn Ihre Seele geht ihren eigenen Weg in der geistigen Welt. Ihr Leib geht wieder in die Elemente zurück, er zerfällt. Aber wenn auch alles zerfällt, wodurch der Gedanke entstanden ist, die Wirkung des Gedankens bleibt, der Gedanke wirkt fort. Nehmen wir noch einmal das Beispiel von Michelangelo. Seine herrlichen Bilder haben auf Millionen von Menschen erhebend gewirkt. Aber diese Bilder werden einst zu Staub zerfallen, und es wird Generationen geben, die nichts mehr von seinen Schöpfungen sehen werden. Was in Michelangelos Seele gelebt hat, bevor seine Bilder äußere Gestalt angenommen haben, was zuerst als Neuschöpfung in seiner Seele war, das lebt fort, das bleibt, und das wird in künftigen Entwickelungsstufen hervortreten und Form gewinnen. Wissen Sie, weshalb uns heute Wolken und Sterne entgegentreten? Weil es in der Vorzeit Wesen gab, die den Gedanken der Wolken und der Sterne hatten. Alles entsteht aus Gedanken-Schöpfungen, und der Gedanke ist eine Neuschöpfung. Aus Gedanken ist alles entstanden, und die größten Dinge der Welt sind hervorgegangen aus den Gedanken der Gottheit.
[ 8 ] Thus, throughout life, involution and evolution alternate in their manifestation. But those who stop there are looking only at the outer surface. If one wishes to view the whole, a third element must be added, one that lies behind these two. What is this third element? Imagine for a moment that you are faced with a phenomenon of the external world and you are reflecting on it. You are there, the external world is there, and within you thoughts arise. These thoughts were not there before. If, for example, you form the thought of a rose, it arises only at the moment when you enter into a relationship with the rose; you were there, the rose was there; and when the thought, the image of the rose, now rises within you, something entirely new, something that has not yet existed, comes into being. This is also the case in other areas of life. Create a mental image of Michelangelo at work. Michelangelo almost never worked from models. But let us imagine for a moment that he had assembled a group of models. Michelangelo was there, the models were there. But the image that Michelangelo now has of this group in his soul—that is new; it is a completely new creation. This has nothing to do with involution and evolution. It is something entirely new, arising from the interaction of a being capable of receiving with a being capable of giving. Such new creations always arise through the interaction of beings with one another. Such new creations are a beginning. Remember what we considered here yesterday: how thoughts are creative, how they can ennoble the soul, and later even work on the formation of the body. That which any being once thinks—the creation of thought, the creation of imagination—continues to work and have an effect. It is a new creation and at the same time a beginning, but it entails consequences. If you have good thoughts today, these thoughts are fruitful for the distant future, for your soul follows its own path in the spiritual world. Your body returns to the elements; it decays. But even if everything from which the thought arose decays, the effect of the thought remains; the thought continues to work. Let us take the example of Michelangelo once more. His magnificent sculptures have had an uplifting effect on millions of people. But these paintings will one day crumble to dust, and there will be generations who will see nothing more of his creations. What lived in Michelangelo’s soul before his paintings took on an outward form—what was first a new creation in his soul—that lives on, that remains, and that will emerge and take shape in future stages of development. Do you know why clouds and stars appear before us today? Because in ancient times there were beings who conceived the idea of clouds and stars. Everything arises from thought-creations, and thought is a new creation. Everything has arisen from thought, and the greatest things in the world have emerged from the thoughts of the Deity.
[ 9 ] Da haben Sie das Dritte. Im Offenbaren wechseln die Dinge zwischen Evolution und Involution. Aber dahinter steht tief verborgen das Dritte, das erst die Fülle gibt, eine Schöpfung, die eine völlige Neuschöpfung ist, die aus dem Nichts hervorgegangen ist. Dreierlei gehört also zusammen: Die Schöpfung aus dem Nichts, und dann, wenn diese offenbar wird und in der Zeit verläuft, nimmt sie die Formen des Offenbaren an: Evolution und Involution.
[ 9 ] There you have the third. In the process of revelation, things alternate between evolution and involution. But hidden deep within this lies the third, which alone provides fullness—a creation that is a complete re-creation, one that has emerged from nothing. Three things thus belong together: creation out of nothing, and then, when this becomes manifest and unfolds in time, it takes on the forms of revelation: evolution and involution.
[ 10 ] So ist es gemeint, wenn gewisse religiöse Systeme davon sprechen, daß die Welt aus dem Nichts geschaffen ist. Und wenn man heute darüber spottet, so geschieht das, weil die Menschen nicht verstehen, was in diesen Urkunden steht. Im Offenbaren — um es noch einmal zusammenzufassen — wechselt alles zwischen Involution und Evolution. Dem liegt zugrunde eine verborgene Schöpfung aus dem Nichts, die sich mit dieser Zweiheit zu einer Dreiheit vereinigt. Die Dreiheit ist die Verbindung des Göttlichen mit dem Offenbaren.
[ 10 ] This is what is meant when certain religious systems speak of the world being created out of nothing. And when people mock this today, it is because they do not understand what is written in these sacred texts. In the Manifest—to summarize once more—everything alternates between involution and evolution. Underlying this is a hidden creation out of nothing, which unites with this duality to form a trinity. The trinity is the union of the Divine with the Manifest.
[ 11 ] So sehen Sie, wie man über die Zahl Drei nachdenken kann, man darf nur nicht pedantisch darüber spintisieren. Man muß hinter der Zweiheit, die einem überall begegnen kann, die Dreiheit aufsuchen. Dann betrachtet man das Zahlensymbol in der richtigen Art im pythagoreischen Sinne, wenn man hinter der Zwei die Drei sucht. Für alle Zweiheiten kann das verborgene Dritte gefunden werden. |
[ 11 ] So you see how one can reflect on the number three; one must simply avoid speculating about it in a pedantic manner. One must seek the trinity behind the duality that can be encountered everywhere. Then one views the numerical symbol in the correct way, in the Pythagorean sense, when one seeks the three behind the two. For all dualities, the hidden third can be found. |
[ 12 ] Wir kommen jetzt zu der Zahl Vier. Die Vier ist das Zeichen des Kosmos oder der Schöpfung. Sie werden verstehen, warum man Vier die Zahl der Schöpfung nennt, wenn Sie sich daran erinnern, was schon früher gesagt wurde, daß unsere Erde — soweit wir es verfolgen können — sich in ihrer vierten Verkörperung befindet. Alles, was uns auf unserer Erde entgegentritt, auch das vierte Prinzip im Menschen, setzt voraus, daß diese Schöpfung in dem vierten Zustande ihrer planetarischen Entwickelung ist. Das ist nur ein besonderes Beispiel für alle hervortretenden Schöpfungen. Jede Schöpfung steht unter dem Zeichen der Vierheit. Im Okkultismus sagt man: Der Mensch ist heute im Mineralreich. — Was bedeutet das? Der Mensch versteht heute nur das Mineralreich, und er kann auch nur dieses beherrschen. Er kann durch Zusammenfügen von Mineralischem ein Haus bauen, eine Uhr konstruieren und anderes, weil diese Dinge den Gesetzen der mineralischen Welt unterliegen. Aber anderes vermag er noch nicht. Er kann zum Beispiel keine Pflanze aus eigenem Nachdenken heraus heute schon bilden; dazu müßte er selbst im Pflanzenreich stehen. Das wird später einmal der Fall sein. Heute ist der Mensch ein Schöpfer im Mineralreich. Diesem sind drei andere Reiche vorangegangen, man nennt sie die drei Elementarreiche; das Mineralreich ist das vierte. Im ganzen gibt es sieben solcher Naturreiche. So steht der Mensch heute in seinem vierten Reiche; da erlangt er sein eigentliches Bewußtsein nach außen hin. Auf dem Monde wirkte er noch im dritten Elementarreich, auf der Sonne im zweiten und auf dem Saturn im ersten. Auf dem Jupiter wird der Mensch im Pflanzenreich wirken können, er wird Pflanzen schaffen können, so wie er heute eine Uhr machen kann. Alles, was in der Schöpfung sichtbar hervortritt, steht im Zeichen der Vier. Es gibt viele Planeten, die Sie mit physischen Augen nicht sehen können; diejenigen Planeten, die im ersten, zweiten und dritten Elementarreiche stehen, sind für physische Augen nicht sichtbar. Erst wenn ein Planet in das vierte Reich, in das Mineralreich, eintritt, können Sie ihn erblicken. Deshalb ist Vier die Zahl des Kosmos oder der Schöpfung. Mit dem Eintritt in seinen vierten Zustand wird erst ein . Wesen voll sichtbar für Augen, die Äußeres sehen können.
[ 12 ] We now come to the number four. Four is the symbol of the cosmos or of creation. You will understand why four is called the number of creation if you recall what was said earlier, namely, that our Earth—as far as we can trace it—is in its fourth incarnation. Everything we encounter on our Earth, including the fourth principle in human beings, presupposes that this creation is in the fourth stage of its planetary development. This is merely a specific example of all prominent creations. Every creation stands under the sign of the number four. In occultism, it is said: Humanity is currently in the mineral kingdom. — What does that mean? Today, human beings understand only the mineral kingdom, and they can master only this. They can build a house, construct a clock, and do other things by assembling mineral materials, because these things are subject to the laws of the mineral world. But he is not yet capable of anything else. For example, he cannot yet form a plant through his own thinking; to do so, he would have to be in the plant kingdom himself. That will be the case at a later time. Today, humanity is a creator in the mineral kingdom. This was preceded by three other kingdoms, known as the three elemental kingdoms; the mineral kingdom is the fourth. In all, there are seven such kingdoms of nature. Thus, humanity stands today in its fourth kingdom; there it attains its true outward consciousness. On the Moon, humanity still operated in the third elemental kingdom; on the Sun in the second; and on Saturn in the first. On Jupiter, humanity will be able to operate in the plant kingdom; it will be able to create plants just as it can make a clock today. Everything that appears visibly in creation bears the sign of the number four. There are many planets that you cannot see with the physical eye; those planets that are in the first, second, and third elemental kingdoms are invisible to the physical eye. Only when a planet enters the fourth kingdom, the mineral kingdom, can you see it. That is why four is the number of the cosmos or of creation. Only upon entering its fourth state does a being become fully visible to eyes that can perceive the external world.
[ 13 ] Fünf ist die Zahl des Bösen. Das können wir uns am besten klarmachen, wenn wir wieder den Menschen betrachten. Der Mensch hat sich zu einer Vierheit entwickelt, zu einem Wesen der Schöpfung, aber auf der Erde tritt zu ihm das fünfte Glied, das Geistselbst. Wäre der Mensch nur eine Vierheit geblieben, dann würde er immer von oben, von den Göttern, zum Guten dirigiert worden sein; zur Selbständigkeit hätte er sich niemals entwickelt. Er ist dadurch frei geworden, daß er auf der Erde die Keimanlage zu dem fünften Glied, dem Geistselbst, bekommen hat. Dadurch hat er die Möglichkeit erhalten, das Böse zu tun, dadurch aber ist er auch selbständig geworden. Kein Wesen, das nicht in der Fünfheit auftritt, kann das Böse tun, und überall, wo uns ein Böses begegnet, das tatsächlich aus sich selbst verderblich wirken kann, da ist eine Fünfheit im Spiele. Das ist überall, auch draußen in der Welt, der Fall. Der Mensch beobachtet das nur nicht, und die heutige materialistische Weltanschauung hat keinen Begriff davon, daß man die Welt in dieser Weise betrachten kann. An einem Beispiel können wir sehen, wie überall da, wo die Fünf uns entgegentritt, die Berechtigung sich ergibt, von einem Bösen in irgendeinem Sinne zu reden. Wie segensreich würde es sich auswirken, wenn die Medizin sich dies einmal zunutze machen und den Verlauf von Krankheiten danach studieren würde, wie sich eine Krankheit vom Ausbruch an bis zum fünften Tage entwickelt, oder wie an den einzelnen Tagen in der fünften Stunde nach Mitternacht oder in der fünften Woche. Denn immer beherrscht die Zahl Fünf dasjenige, wo der Arzt am fruchtbarsten eingreifen kann. Vorher kann er nicht viel anderes tun, als die Natur ihren Lauf gehen lassen; aber da kann er helfend eingreifen, wenn er das Gesetz der Zahl Fünf beachtet, weil da das Prinzip der Zahl Fünf in die Tatsachenwelt einfließt, das mit Berechtigung schädigend oder böse genannt werden kann. So können wir auf vielen Gebieten zeigen, wie die Zahl Fünf eine große Bedeutung für das äußere Geschehen hat.
[ 13 ] Five is the number of evil. We can best understand this by looking again at human beings. Human beings have evolved into a fourfold being, a creature of creation, but on Earth the fifth element—the Spirit-Self—is added to them. Had the human being remained merely a fourfold being, he would always have been directed toward the good from above, by the gods; he would never have developed independence. He has become free through receiving on Earth the seed of the fifth member, the Spirit-Self. Through this, he has gained the ability to do evil, but through this he has also become independent. No being that does not appear in the fivefold nature can do evil, and wherever we encounter an evil that can actually have a corrupting effect of its own accord, a fivefold nature is at work. This is the case everywhere, even out in the world. Human beings simply do not observe this, and today’s materialistic worldview has no concept that the world can be viewed in this way. We can see from an example how, wherever the Five confronts us, there arises justification for speaking of evil in some sense. How beneficial it would be if medicine were to make use of this and study the course of diseases according to how a disease develops from its onset until the fifth day, or how it progresses on individual days in the fifth hour after midnight or in the fifth week. For the number five always governs precisely where the physician can intervene most fruitfully. Before that, he can do little else but let nature take its course; but there he can intervene helpfully if he observes the law of the number five, because there the principle of the number five flows into the world of facts, which can justifiably be called harmful or evil. Thus, in many fields, we can show how the number five has great significance for external events.
[ 14 ] Es gibt sieben Perioden im Leben des Menschen: Die erste ist die, bevor er geboren wird, die zweite dauert bis zum Zahnwechsel, die dritte bis zur Geschlechtsreife, die vierte etwa sieben bis acht Jahre weiter, die fünfte etwa bis zum dreißigsten Lebensjahr, und so fort. Wenn die Menschen einmal wissen werden, was für diese Perioden alles in Betracht kommt und was gerade in der fünften Periode am besten herantreten soll an den Menschen oder ihm fernbleiben, dann werden sie auch viel darüber wissen, wie sie sich ein gutes Alter bereiten können. Da kann für das ganze übrige Leben Gutes oder Böses bewirkt werden. Bei den ersten Perioden kann man viel tun durch Erziehung nach diesen Gesetzen. Dann aber tritt ein Wendepunkt ein in der fünften Periode des Menschenlebens, der ausschlaggebend ist für das ganze weitere Leben. Dieser Wendepunkt in der fünften Periode des Menschenlebens muß mindestens überschritten werden, bevor der Mensch sozusagen mit voller Sicherheit auf das Leben losgelassen werden kann. Der heute herrschende Grundsatz, die Menschen schon sehr früh hinauszuschicken ins Leben, ist sehr schlecht. Es ist von großer Bedeutung, solche alten okkulten Grundsätze zu beachten. Deshalb hatte man früher, auf Anordnung solcher, die etwas davon wußten, die sogenannte Lehr- und Wanderzeit zu absolvieren, ehe man als Meister bezeichnet werden konnte.
[ 14 ] There are seven periods in a person’s life: the first is before birth, the second lasts until the teeth are replaced, the third until sexual maturity, the fourth for about seven to eight years thereafter, the fifth until about the age of thirty, and so on. Once people come to understand what factors are relevant to these periods and what is best to approach or avoid during the fifth period in particular, they will also know a great deal about how to prepare for a good old age. This is where the foundations for good or evil can be laid for the rest of one’s life. During the early periods, much can be achieved through education in accordance with these laws. But then a turning point occurs in the fifth period of human life that is decisive for the rest of one’s life. This turning point in the fifth period of human life must at least be passed before a person can, so to speak, be set loose into life with complete confidence. The prevailing principle today of sending people out into life very early is very bad. It is of great importance to observe such ancient occult principles. That is why, in the past, on the instructions of those who knew something of this, one had to complete the so-called apprenticeship and journeyman period before one could be called a master.
[ 15 ] Die Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit. Sie können wiederum sich das am Menschen selber klarmachen. Er ist in der Vierzahl als Geschöpf, und er ist in der Fünfzahl, insofern er ein gutes oder ein böses Wesen sein kann. Wenn er alles ausgebildet haben wird, was im Keime in ihm enthalten ist, dann wird er ein siebengliedriges, in seiner Art vollkommenes Wesen sein. Die Siebenzahl herrscht in der Welt der Farben, im Regenbogen, sie herrscht in der Welt der Töne, in der Skala. Überall, auf allen Gebieten des Lebens können Sie die Siebenzahl als eine Art von Vollkommenheitszahl darstellen. Es steckt weder Aberglaube noch Zauberei dahinter.
[ 15 ] Seven is the number of perfection. You can see this clearly in human beings themselves. As a creature, a human being is part of the number four, and as a being capable of being good or evil, they are part of the number five. When he has developed everything that is contained within him in embryonic form, then he will be a sevenfold being, perfect in his kind. The number seven reigns in the world of colors, in the rainbow; it reigns in the world of sounds, in the scale. Everywhere, in all areas of life, you can regard the number seven as a kind of number of perfection. There is neither superstition nor magic behind it.
[ 16 ] Jetzt wollen wir noch einmal auf die Einheit zurückblicken. Dadurch, daß wir noch andere Zahlen betrachtet haben, wird das, was über die Einheit zu sagen ist, im richtigen Lichte erscheinen. Das Wesentliche der Einheit ist die Unteilbarkeit. In der Wirklichkeit kann man freilich die Einheit auch wieder teilen, zum Beispiel in 1/3 und 2/3. Nun gibt es aber etwas sehr Bedeutsames und Wichtiges, das Sie in Gedanken vollziehen können: In der geistigen Welt bleibt das Drittel, wenn Sie zwei Drittel wegnehmen, dazugehörig. Gott ist ein einheitliches Wesen. Wenn etwas von Gott herausgeteilt wird als Offenbarung, so bleibt der ganze Rest vorhanden als etwas, was dazugehört. Im pythagoreischen Sinne: Teile die Einheit, aber teile die Einheit nie anders, als daß du im Untergedanken den Rest dazu hast.
[ 16 ] Now let us look back at the unit once more. By having considered other numbers as well, what needs to be said about the unit will appear in the proper light. The essential nature of the unit is its indivisibility. In reality, of course, one can also divide the unity again, for example into 1/3 and 2/3. But there is something very significant and important that you can grasp in your mind: In the spiritual world, the one-third remains part of the whole even if you take away two-thirds. God is a unified being. When something is divided off from God as a revelation, the whole remainder remains present as something that belongs to it. In the Pythagorean sense: Divide the unity, but never divide the unity in such a way that you do not have the remainder in your underlying thought.
[ 17 ] Was heißt das eigentlich, die Einheit zu teilen? Nehmen Sie zum Beispiel ein Goldplättchen, und schauen Sie hindurch, dann erscheint Ihnen die Welt grün. Das Gold hat nämlich die Eigenschaft, wenn weißes Licht darauf fällt, die gelben Strahlen zurückzuwerfen. Wo aber kommen die anderen Farben hin, die noch im Weiß enthalten sind? Sie gehen in den Gegenstand hinein und durchdringen ihn. Ein roter Gegenstand ist deshalb rot, weil er die roten Strahlen zurückwirft und das übrige in sich aufnimmt. Man kann das Rot nicht aus dem Weißen herausziehen, ohne daß das übrige zurückbleibt. Damit streifen wir den Rand eines großen Weltgeheimnisses. Sie können die Dinge in einer bestimmten Weise anschauen. Wenn zum Beispiel das Licht auf ein rotes Tischtuch fällt, das über einen Tisch ausgebreitet ist, so empfinden wir die Farbe Rot. Die anderen im Sonnenlicht enthaltenen Farben werden «aufgesaugt», die grüne Farbe zum Beispiel wird von dem Tischtuch aufgenommen und nicht wiedergegeben. Wenn wir uns nun bemühen, gleichzeitig mit der Farbe Rot auch die Farbe Grün in unser Bewußtsein aufzunehmen, dann haben wir die Einheit wieder hergestellt. Wir haben im pythagoreischen Sinne die Einheit geteilt, so daß der Rest erhalten bleibt. Wenn man das meditativ durchführt, daß man das Geteilte stets wieder zur Einheit verbindet, so ist das eine bedeutungsvolle Arbeit, durch die man in der Entwickelung hoch aufsteigen kann. Es gibt in der Mathematik einen Ausdruck dafür, der in den okkulten Schulen überall gilt:
[ 17 ] What does it actually mean to split the unity? Take, for example, a small gold plate and look through it; the world will appear green to you. This is because gold has the property of reflecting the yellow rays when white light falls on it. But where do the other colors go that are still contained in the white light? They enter the object and penetrate it. A red object is red because it reflects the red rays and absorbs the rest. You cannot extract the red from the white without the rest remaining. With this, we touch upon the edge of a great mystery of the world. You can look at things in a certain way. For example, when light falls on a red tablecloth spread over a table, we perceive the color red. The other colors contained in the sunlight are “absorbed”; the green color, for example, is absorbed by the tablecloth and not reflected. If we now make an effort to take in the color green into our consciousness at the same time as the color red, then we have restored unity. In the Pythagorean sense, we have divided the unity so that the remainder is preserved. If one practices this meditatively—always reconnecting what has been divided back into unity—it is a meaningful work through which one can rise high in one’s development. There is an expression for this in mathematics that is universally accepted in occult schools:
$$1 = (2 + x) - (1 + x)$$$$1 = (2 + x) - (1 + x)$$[ 18 ] Das ist eine okkulte Formel, welche ausdrücken soll, wie man die Eins teilt, und wie man die Teile so darstellt, daß sie wieder die Eins ergeben. Der Okkultist soll die Teilung der Einheit so denken, daß er die Teile immer zur Einheit wieder zusammenfügt.
[ 18 ] This is an occult formula intended to express how to divide the One, and how to represent the parts in such a way that they add up to the One again. The occultist should conceive of the division of the One in such a way that he always brings the parts back together to form the One again.
[ 19 ] So haben wir heute das, was man Zahlensymbolik nennt, einer Betrachtung unterworfen und daraus gesehen, daß, wenn man die Welt meditativ unter den Gesichtspunkt der Zahlen rückt, man tief in die Weltgeheimnisse eindringen kann. Zur Ergänzung sei noch einmal gesagt: In der fünften Woche, am fünften Tage oder in der fünften Stunde ist es wichtig, darauf zu achten, daß etwas verfehlt oder gutgemacht werden kann. In der siebenten Woche, am siebenten Tage oder in der siebenten Stunde oder in einem bestimmten entsprechenden Zahlenverhältnis, zum Beispiel 3 1/2, weil darin auch die Sieben steckt —, da geschieht immer etwas durch die Sache selbst, zum Beispiel wird das Fieber am siebenten Tage einer Krankheit einen bestimmten Charakter annehmen oder auch am vierzehnten Tage. Es liegen immer Zahlenverhältnisse zugrunde, die die Struktur der Welt angeben.
[ 19 ] Today, we have examined what is known as numerical symbolism and have seen that, when one contemplates the world from the perspective of numbers, one can penetrate deeply into the mysteries of the world. To supplement this, let me say once more: In the fifth week, on the fifth day, or in the fifth hour, it is important to be mindful that something may be missed or made up for. In the seventh week, on the seventh day, or in the seventh hour, or in a specific corresponding numerical ratio—for example, 3 1/2, because the number seven is also contained within it—something always happens through the nature of the matter itself; for example, a fever will take on a certain character on the seventh day of an illness, or even on the fourteenth day. There are always numerical ratios underlying these phenomena that indicate the structure of the world.
[ 20 ] Wer sich in richtiger Weise in dasjenige vertieft, was man im pythagoreischen Sinne heißt: Studiere die Zahl —, der lernt aus dieser Zahlensymbolik heraus das Leben und die Welt verstehen. Davon sollten die heutigen Ausführungen Ihnen einen skizzenhaften Gedanken geben.
[ 20 ] Anyone who truly immerses themselves in what is referred to in the Pythagorean sense as “the study of numbers” will learn to understand life and the world through this symbolism of numbers. Today’s remarks are intended to give you a rough outline of this concept.
