The Gospel of St. John
GA 103
22 May 1908, Hamburg
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The Gospel of John, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Es dürfte aus den drei bisherigen Vorträgen einigermaßen hervorgegangen sein, daß man im Johannes-Evangelium die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten wiederzufinden in der Lage ist. Aber ebenso dürfte klar geworden sein, daß es notwendig ist, um diese Wahrheiten zu finden, jedes Wort dieses Johannes-Evangeliums wirklich auf die Goldwaage zu legen. Es kommt bei dieser religiösen Urkunde in der Tat darauf an, daß der wirkliche, echte Wortlaut absolut verstanden wird. Denn alles ist in dieser Urkunde, wie wir noch an verschiedenen Fällen sehen werden, von der denkbar tiefsten Bedeutung. Aber nicht nur der Wortlaut dieses oder jenes Satzes kommt in Betracht, sondern es kommt auch noch etwas anderes in Betracht. Das ist die Gliederung, die Komposition, die Zusammensetzung der Urkunde. Für solche Dinge hat eigentlich der heutige Mensch nicht mehr ganz die rechte Empfindung. Viel mehr von atchitektonischem Aufbau, von innerer Gliederung haben die alten — wenn wir sie so nennen dürfen - Schriftsteller in ihre Werke hineingelegt, als man gewöhnlich glaubt. Sie brauchen sich nur an einen verhältnismäßig späten Dichter zu erinnern, um das bekräftigt zu finden: an Dante. Wie ist in der « Göttlichen Komödie» alles architektonisch aufgebaut in Gliedern, denen die Dreizahl zugrunde liegt. Und nicht umsonst schließt ein jeder Teil von Dantes Komödie mit den Worten «Sterne». Das nur, um anzuführen, wie architektonisch die alten Schriftsteller ihre Sache aufgebaut haben. Und insbesondere dürfen wir bei den großen religiösen Urkunden diesen architektonischen Aufbau niemals aus den Augen verlieren, denn er bedeutet unter Umständen sehr viel. Man muß diese Bedeutung allerdings erst herausfinden.
[ 1 ] It should have become reasonably clear from the three lectures given so far that one is able to rediscover the spiritual-scientific truths in the Gospel of John. But it should also have become clear that, in order to find these truths, it is necessary to truly weigh every word of this Gospel of John on a gold scale. With this religious text, it is indeed essential that the actual, authentic wording be understood absolutely. For everything in this text—as we shall yet see in various instances—is of the deepest possible significance. But it is not only the wording of this or that sentence that matters; there is also something else to consider. That is the structure, the composition, the organization of the text. Modern people no longer have quite the right sensibility for such things. The ancient—if we may call them that—writers incorporated far more architectural structure and inner organization into their works than is commonly believed. One need only recall a relatively late poet to find this confirmed: Dante. How architecturally structured is everything in the Divine Comedy, organized into sections based on the number three. And it is no coincidence that every part of Dante’s Divine Comedy concludes with the word “stars.” This is merely to illustrate how architecturally the ancient writers structured their works. And in particular, when it comes to the great religious texts, we must never lose sight of this architectural structure, for it can, under certain circumstances, mean a great deal. One must, however, first discover this meaning.
[ 2 ] Da ist zu erinnern, daß am Ende des i0.Kapitels des JohannesEvangeliums ein Satz steht, den wir in der Erinnerung behalten wollen. Da heißt es im 41. Vers:
[ 2 ] It is worth noting that at the end of Chapter 10 of the Gospel of John there is a sentence that we should keep in mind. Verse 41 reads:
«Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes tat kein Zeichen, aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, das ist wahr.»
“And many came to him and said, ‘John performed no sign, but everything John said about this man is true.’”
[ 3 ] Das heißt, wir finden in diesem Vers des 10. Kapitels einen Hinweis darauf, daß das Zeugnis, das über den Christus Jesus abgegeben wird durch Johannes, wahr ist; es wird durch ein besonderes Wort das ausgedrückt, daß dies Zeugnis wahr ist. - Und nun kommen wir an den Schluß des Johannes-Evangeliums und finden da einen entsprechenden Vers. Da heißt es im 24. Vers des 21. Kapitels:
[ 3 ] In other words, in this verse of chapter 10 we find an indication that the testimony given by John concerning Jesus Christ is true; a specific word is used to express that this testimony is true. - And now we come to the end of the Gospel of John and find a corresponding verse there. It says in verse 24 of chapter 21:
«Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget, und hat dies geschrieben; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist.»
“This is the disciple who testifies to these things and who has written this; and we know that his testimony is true.”
[ 4 ] Da haben wir also am Schluß des Ganzen eine Angabe darüber, daß das Zeugnis dessen, der berichtet, ein wahrhaftiges ist. Solche Kongruenzen und Harmonien, daß da oder dort mit einem Wort etwas Besonderes gesagt wird, sind niemals ohne Bedeutung in den alten Schriften; und gerade hinter dieser Kongruenz verbirgt sich etwas Bedeutsames. Und wir werden unsere Betrachtungen in das rechte Licht rücken, wenn wir auf dessen Grund hinweisen.
[ 4 ] So, at the end of it all, we have an indication that the testimony of the one who is reporting is a truthful one. Such correspondences and harmonies—where a single word here or there conveys something special—are never without significance in the ancient writings; and it is precisely behind this correspondence that something significant lies hidden. And we will place our reflections in the proper light when we point to its basis.
[ 5 ] Es steht in der Mitte des Johannes-Evangeliums eine Tatsache, ohne deren Verständnis überhaupt das Johannes-Evangelium nicht begriffen werden kann. Unmittelbar hinter der Stelle, wo dieses Wort zur Bekräftigung des Wahrheitszeugnisses angeführt wird, steht das Kapitel über die Auferweckung des Lazarus. Durch dieses Kapitel über die Auferweckung des Lazarus zerfällt das ganze JohannesEvangelium in zwei Teile. Und es ist hingewiesen am Ende des ersten Teiles darauf, daß für alles dasjenige, was behauptet wird, was bekräftigt werden soll über den Christus Jesus, das Zeugnis des Täufers Johannes gelten soll; und es ist ganz am Ende darauf hingewiesen, daß für alles das, was nach dem Kapitel über die Auferweckung des Lazarus steht, das Zeugnis des Jüngers gelten soll, von dem wir öfter hören die Worte: «den der Herr lieb hatte» (13, 23). Was bedeutet denn überhaupt die «Auferweckung des Lazarus»?
[ 5 ] At the center of the Gospel of John lies a fact without an understanding of which the Gospel of John cannot be comprehended at all. Immediately following the passage where this word is cited to affirm the testimony of truth comes the chapter on the raising of Lazarus. This chapter on the raising of Lazarus divides the entire Gospel of John into two parts. And at the end of the first part, it is pointed out that for everything that is asserted and is to be affirmed concerning Jesus Christ, the testimony of John the Baptist is to be accepted; and it is pointed out at the very end that for everything that follows the chapter on the raising of Lazarus, the testimony of the disciple—of whom we often hear the words, “whom the Lord loved” (13:23)—is to be accepted. What, then, does the “raising of Lazarus” actually mean?
[ 6 ] Ich erinnere Sie daran, daß nach der Erzählung über die Auferweckung des Lazarus ein scheinbar rätselhafter Satz im JohannesEvangelium steht. Stellen Sie sich einmal die ganze Situation vor: Der Christus Jesus vollbringt das, was man im gewöhnlichen Sinne ein Wunder, im Evangelium selbst ein «Zeichen» nennt: die Auferweckung des Lazarus. Und nachher stehen mehrere Sätze, die da besagen: «Dieser Mensch tut viele Zeichen » (11, 47), und alles folgende weist darauf hin, daß die Ankläger keine Gemeinschaft mit ihm haben wollen wegen dieser Zeichen. Wenn Sie diese Worte lesen, wie sie auch immer übersetzt sein mögen - es ist auch schon in meinem «Christentum als mystische Tatsache» von mir darauf hingewiesen worden -, so müssen Sie fragen: Was liegt denn da eigentlich zugrunde? Die Auferweckung eines Menschen bestimmt gerade die Gegner, gegen den Christus Jesus aufzutreten. Warum regt die Gegner gerade die Auferweckung des Lazarus so auf? Warum beginnt gerade da die Verfolgung? — Ein jeder, der zu lesen versteht, muß einsehen, daß sich in diesem Kapitel ein Mysterium verbirgt. Dieses Mysterium, das sich dahinter verbirgt, ist nichts anderes als die Mitteilung darüber, wer eigentlich der wirkliche Autor des JohannesEvangeliums ist, wer eigentlich das alles sagt, was im JohannesEvangelium gesagt wird. Um das zu verstehen, müssen wir einmal einen Blick werfen auf das, was wir die «Einweihung» in den alten Mysterien nennen. Wie ging diese Einweihung in den alten Mysterien vor sich?
[ 6 ] I would like to remind you that, following the account of the raising of Lazarus, there is a seemingly puzzling sentence in the Gospel of John. Just imagine the whole situation: Jesus Christ performs what is commonly called a miracle, but in the Gospel itself is called a “sign”: the raising of Lazarus. And afterward there are several sentences that state: “This man is performing many signs” (11:47), and everything that follows indicates that the accusers do not want to have anything to do with him because of these signs. When you read these words—however they may be translated—as I have already pointed out in my book Christianity as a Mystical Fact—you must ask: What is actually underlying this? It is precisely the raising of a man that prompts the opponents to take a stand against Christ Jesus. Why does the raising of Lazarus particularly upset the opponents? Why does the persecution begin precisely at this point? — Anyone who can read must realize that a mystery is hidden in this chapter. This mystery, which lies behind it, is nothing other than the revelation of who the true author of the Gospel of John actually is, who is actually saying everything that is said in the Gospel of John. To understand this, we must take a look at what we call “initiation” in the ancient mysteries. How did this initiation take place in the ancient mysteries?
[ 7 ] Ein Mensch, der eingeweiht worden war, konnte selbst Erlebnisse, Erfahrungen haben in den geistigen Welten, so daß er ein Zeuge werden konnte der geistigen Welten. Diejenigen, die reif befunden wurden, eingeweiht zu werden, wurden in diese Mysterien hineingezogen. Überall - in Griechenland, bei den Chaldäern, bei den Ägyptern, bei den Indern - gab es solche Mysterien. Da wurden die Einzuweihenden lange unterrichtet ungefähr in den Dingen, die wir heute in der Geisteswissenschaft lernen; und wenn sie genügend unterrichtet waren, folgte das, was ihnen den Weg öffnete, um selbst zu schauen. Aber in den alten Zeiten konnte das auf keine andere Weise bewirkt werden als dadurch, daß der Mensch in bezug auf seine vier Glieder: physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, in einen ganz besonderen Zustand versetzt wurde. Was da geschah mit dem Einzuweihenden, war, daß er durch den Initiator, durch den Einweihenden, der die Sache verstand, dreieinhalb Tage in einen totenähnlichen Zustand versetzt wurde. Das geschah aus folgendem Grunde. Wenn der Mensch nämlich im heutigen Entwickelungszyklus im gewöhnlichen Sinne schläft, so liegen sein physischer Leib und Ätherleib im Bette, das Ich mit dem Astralleib ist herausgehoben. Der Mensch kann dann nicht irgendwelche geistigen Ereignisse um sich herum wahrnehmen, weil sein Astralleib noch nicht die geistigen Sinnesorgane hat, um in der Welt, in der der Mensch dann ist, wahrzunehmen. Erst wenn sein astralischer Leib und sein Ich wieder hineinschlüpfen in seinen physischen und Ätherleib, sich wieder der Augen und der Ohren bedienen, nimmt der Mensch wieder die physische Welt, das heißt überhaupt eine Umwelt wahr. Durch das, was die Einzuweihenden gelernt hatten, wurden sie fähig, die geistigen Sinnesorgane ihres astralischen Leibes herauszubilden. Wenn sie nun so weit waren, daß ihr astralischer Leib diese Sinnesorgane ausgebildet hatte, mußte dafür gesorgt werden, daß alles, was der astralische Leib in sich aufgenommen hatte, sich in den Ätherleib eindrückt, wie die Worte eines Petschafts sich in den Siegellack eindrücken. Das ist das, worauf es ankommt. Alle Vorbereitungen für die Einweihung beruhten darauf, daß der Mensch sich solchen inneren Vorgängen hingab, welche seinen astralischen Leib umorganisierten. Der Mensch war auch seinem physischen Leibe nach einmal so, daß er keine Augen und Ohren hatte wie heute, sondern gleichgültige Organe an dieser Stelle; wie Tiere, die nie dem Licht ausgesetzt waren, keine Augen haben. Das Licht formt heraus das Auge, der Ton bildet heraus das Ohr. Was der Mensch durch Meditation, Konzentration übt, und was er dadurch innerlich erlebt, wirkt so wie Licht auf das Auge, Ton auf das Ohr. Dadurch wird der astralische Leib umgeformt, und dadurch werden herausgeholt die Erkenntnisorgane, um zu schauen in der astralischen, der höheren Welt. Jetzt sind sie aber noch nicht fest genug in dem Ätherleibe; sie werden dadurch fest, daß das, was im astralischen Leibe zunächst sich bildet, eingeprägt wird in den Ätherleib. Solange aber der Ätherleib im physischen Leibe steckt, ist es nicht möglich, daß das, was durch die Übungen erreicht wird, sich auch wirklich abdrückt im Ätherleibe. Dazu mußte ehedem der Ätherleib herausgehoben werden aus dem physischen Leibe. Wenn also in den dreieinhalb Tagen des totenähnlichen Schlafes der Ätherleib herausgehoben war aus dem physischen Leibe, drückte sich alles das, was im Astralleibe vorbereitet war, ab. Der Mensch erlebte die geistige Welt. Wurde er dann wieder durch den PriesterInitiator zurückgerufen in den physischen Leib, so war er ein Zeuge dessen, was in den geistigen Welten vorgeht, durch sein eigenes Zeugnis.
[ 7 ] A person who had been initiated could have personal experiences in the spiritual worlds, enabling them to become a witness to those realms. Those deemed ready for initiation were drawn into these mysteries. Everywhere—in Greece, among the Chaldeans, among the Egyptians, among the Indians—such mysteries existed. There, those to be initiated were taught at length about the things we learn today in spiritual science; and when they had been sufficiently instructed, what followed opened the way for them to see for themselves. But in ancient times, this could be brought about in no other way than by placing the human being—in regard to his four members: the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—into a very special state. What happened to the initiate was that, through the initiator—who understood the process—he was placed in a death-like state for three and a half days. This was done for the following reason. For when a human being sleeps in the ordinary sense during the present cycle of evolution, his physical body and etheric body lie in bed, while the “I,” together with the astral body, is lifted out. The human being cannot then perceive any spiritual events around him because his astral body does not yet possess the spiritual sense organs necessary to perceive in the world in which he then finds himself. Only when their astral body and their I slip back into their physical and etheric bodies, once again making use of their eyes and ears, do people once more perceive the physical world—that is, their surroundings in general. Through what the initiates had learned, they became capable of developing the spiritual sense organs of their astral bodies. Once they had reached the point where their astral body had developed these sensory organs, it was necessary to ensure that everything the astral body had taken in was imprinted upon the etheric body, just as the words of a seal are imprinted upon sealing wax. That is what matters most. All preparations for initiation were based on the human being surrendering to such inner processes that reorganized his astral body. In terms of his physical body as well, the human being was once such that he had no eyes or ears as we do today, but rather rudimentary organs in their place—just as animals that have never been exposed to light have no eyes. Light shapes the eye; sound shapes the ear. What a person practices through meditation and concentration—and what they experience inwardly as a result—acts like light on the eye and sound on the ear. Through this, the astral body is transformed, and the organs of perception are brought forth to see into the astral, the higher world. At present, however, they are not yet firmly enough established in the etheric body; they become firm when what first takes shape in the astral body is imprinted upon the etheric body. But as long as the etheric body remains within the physical body, it is not possible for what is achieved through the exercises to be truly imprinted upon the etheric body. For this to happen, the etheric body had to be lifted out of the physical body. Thus, when the etheric body was lifted out of the physical body during the three and a half days of death-like sleep, everything that had been prepared in the astral body was imprinted. The person experienced the spiritual world. When he was then called back into the physical body by the priest-initiator, he became a witness to what takes place in the spiritual worlds through his own testimony.
[ 8 ] Diese Prozedur ist eben durch die Erscheinung des Christus Jesus unnötig geworden. Dieser dreieinhalb Tage lange todähnliche Schlaf kann nunmehr durch die von Christus ausgehende Kraft ersetzt werden. Denn wir werden gleich sehen, daß im Johannes-Evangelium die starken Kräfte liegen, daß heute der Astralleib, auch wenn der Ätherleib im physischen Leibe drinnen ist, die Stärke hat, trotzdem abzudrücken, was vorher in ihm vorbereitet war. Dazu mußte aber erst der Christus Jesus da sein. Vorher waren die Menschen nicht so weit, daß ohne die charakterisierte Prozedur das, was im astralischen Leibe durch Meditation und Konzentration vorgebildet war, im Ätherleibe hätte abgedrückt werden können. — Das war ein Vorgang, der sich oft in den Mysterien abgespielt hat: Ein einzuweihender Mensch wird durch den Priester-Initiator in einen todähnlichen Schlaf gebracht; darauf wird der Betreflende durch die höheren Welten geführt; dann wird er wieder zurückgerufen durch den Priester-Initiator in seinen physischen Leib, und nunmehr ist er durch sein eigenes Erlebnis ein Zeuge der geistigen Welten.
[ 8 ] This procedure has now become unnecessary precisely because of the coming of Christ Jesus. This three-and-a-half-day-long, death-like sleep can now be replaced by the power emanating from Christ. For we shall soon see that the Gospel of John contains the powerful forces that enable the astral body today—even when the etheric body is within the physical body—to have the strength to imprint what had previously been prepared within it. But for this to happen, Christ Jesus first had to be present. Previously, human beings were not advanced enough that, without the prescribed procedure, what had been preformed in the astral body through meditation and concentration could have been imprinted in the etheric body. — This was a process that often took place in the mysteries: A person to be initiated is put into a death-like sleep by the priest-initiator; the person is then guided through the higher worlds; afterward, the priest-initiator calls the person back into their physical body, and from that point on, through their own experience, they become a witness to the spiritual worlds.
[ 9 ] Das wurde immer im tiefsten Geheimnis vollbracht, und nichts wußte die äußere Welt von den Vorgängen in den alten Mysterien. Durch den Christus Jesus sollte an die Stelle der alten Einweihung eine neue treten, durch jene Kräfte hervorgebracht, von denen wir noch zu sprechen haben. Es sollte gleichsam der Schlußpunkt gemacht werden mit der alten Form der Einweihung. Aber es sollte ein Übergang gemacht werden von der alten in die neue Zeit! Für den Übergang sollte jemand noch einmal auf die alte Art eingeweiht werden, aber in die christliche Esoterik. Das konnte nur der Christus Jesus selbst tun — und es sollte der Einzuweihende jener sein, der da Lazarus genannt wird. «Diese Krankheit ist nicht zum Tode» (11, 4), heißt es da; sie ist der dreieinhalbtägige todähnliche Schlaf. Darauf wird deutlich hingewiesen. Sie werden sehen, daß es zwar in einer sehr verschleierten Darstellung geschieht, daß sie sich aber für den, welcher eine solche verschleierte Art überhaupt entziffern kann, als Einweihung darstellt.
[ 9 ] This was always carried out in the deepest secrecy, and the outside world knew nothing of what took place in the ancient mysteries. Through Christ Jesus, a new initiation was to take the place of the old one, brought about by those forces of which we are yet to speak. It was, as it were, to mark the end of the old form of initiation. But a transition was to be made from the old to the new era! For this transition, someone was to be initiated once more in the old manner—but into Christian esotericism. Only Christ Jesus himself could do this—and the one to be initiated was to be the one called Lazarus. “This sickness is not unto death” (11:4), it says there; it is the three-and-a-half-day death-like sleep. This is clearly pointed out. You will see that although it occurs in a highly veiled account, it nevertheless presents itself as an initiation to those who are able to decipher such veiled language at all.
[ 10 ] Die Individualität des Lazarus sollte so eingeweiht werden, daß dieser Lazarus ein Zeuge von den geistigen Welten werden konnte. Und es wird uns ein Wort gesagt, das in der Mysteriensprache ein sehr bedeutsames ist, es wird uns gesagt, «daß der Herr den Lazarus lieb hatte». Was bedeutet «lieb haben» in der Mysteriensprache? Es drückt aus das Verhältnis des Schülers zum Lehrer. «Den der Herr lieb hatte» ist der intimste, der eingeweihteste Schüler. Den Lazarus hat der Herr selbst eingeweiht, und als ein Eingeweihter erhob sich Lazarus aus dem Grabe, das heißt aus seiner Einweihungsstätte. Und dasselbe Wort «den der Herr lieb hatte» wird uns immer später von Johannes gesagt — oder sagen wir besser — von dem Verfasser des Johannes-Evangeliums; denn der Name «Johannes» wird nicht genannt, es ist eben derjenige, der der Lieblingsjünger ist, und auf den das Johannes-Evangelium zurückzuführen ist. Das ist der auferweckte Lazarus selbst. Und der Schreiber des Johannes-Evangeliums wollte damit sagen: Was ich zu sagen habe, habe ich zu sagen kraft der Einweihung, die mir von dem Herrn selbst zuteil geworden ist. - Daher unterscheidet der Schreiber des Johannes-Evangeliums wohl, was vor der Auferweckung des Lazarus, und das, was nach der Auferweckung des Lazarus geschieht. Vor der Auferweckung des Lazarus wird ein alter Eingeweihter angeführt, ein solcher, der gekommen ist zu der Erkenntnis des Geistes, und es wird betont, daß sein Zeugnis wahr ist. -— Was aber über die tiefsten Dinge zu sagen ist, über das Mysterium von Palästina, darüber spreche ich selbst, ich, der Auferweckte; darüber kann ich aber erst nach der Auferweckung sprechen. — Daher haben wir in dem ersten Teile des Johannes-Evangeliums das Zeugnis des alten Johannes, in dem zweiten Teil das Zeugnis des neuen Johannes, den der Herr selbst eingeweiht hat. Denn derselbe ist der auferweckte Lazarus. So erfassen wir dies Kapitel erst seinem wirklichen Sinne nach. Es steht da, weil Johannes sagen wollte: Ich berufe mich auf mein übersinnliches Sehen, nicht auf mein Wahrnehmen in der physischen Welt; ich erzähle euch, was ich gesehen habe in der geistigen Welt dadurch, daß mir der Herr die Einweihung hat zuteil werden lassen. .
[ 10 ] Lazarus’s individuality was to be initiated in such a way that he could become a witness to the spiritual worlds. And we are told a phrase that is very significant in the language of the mysteries: we are told, “that the Lord loved Lazarus.” What does “to love” mean in the language of the mysteries? It expresses the relationship between the disciple and the teacher. “The one whom the Lord loved” is the most intimate, the most initiated disciple. Lazarus was initiated by the Lord Himself, and as an initiate, Lazarus rose from the grave—that is, from his place of initiation. And the same phrase, “whom the Lord loved,” is repeated to us later by John—or rather, by the author of the Gospel of John; for the name “John” is not mentioned—it is precisely the one who is the Beloved Disciple, and to whom the Gospel of John is attributed. This is the resurrected Lazarus himself. And the writer of the Gospel of John meant to say: What I have to say, I have to say by virtue of the initiation bestowed upon me by the Lord himself. - That is why the author of the Gospel of John clearly distinguishes between what happened before the raising of Lazarus and what happened after it. Before the raising of Lazarus, an elderly initiate is introduced—one who has come to the knowledge of the Spirit—and it is emphasized that his testimony is true. — But as for what must be said about the deepest things—about the Mystery of Palestine—I myself, the one who was raised, will speak of this; yet I can speak of it only after the raising. — Therefore, in the first part of the Gospel of John we have the testimony of the old John, and in the second part the testimony of the new John, whom the Lord Himself has initiated. For he is none other than the raised Lazarus. Only then do we grasp the true meaning of this chapter. It is there because John wanted to say: I rely on my supersensible vision, not on my perceptions in the physical world; I am telling you what I have seen in the spiritual world through the initiation the Lord has bestowed upon me. .
[ 11 ] So müssen wir die Charakteristik des Christus Jesus, wie sie uns entgegentritt in den ersten Kapiteln des Johannes-Evangeliums bis zum Schluß des 10. Kapitels, zurückführen auf die Erkenntnis, die sozusagen auch einer haben konnte, der nicht im tiefsten Sinne schon eingeweiht war durch den Christus Jesus selbst.
[ 11 ] Thus, we must trace the character of Christ Jesus, as presented to us in the first chapters of the Gospel of John up to the end of chapter 10, back to the understanding that, so to speak, even someone who had not yet been initiated in the deepest sense by Christ Jesus himself could have had.
[ 12 ] Nun werden Sie sagen: Ja, wir haben doch selbst in diesen Vorträgen die tiefen Worte über den Christus Jesus gehört als den verkörperten Logos, als das Licht der Welt und so weiter. — Das ist nicht weiter verwunderlich, daß diese tiefen Worte über den Christus Jesus schon in den ersten Kapiteln ausgesprochen werden. Denn in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte. Daher nennt man die alten Eingeweihten «Propheten», weil sie über ein Künftiges zu prophezeien hatten. Darum hatten gerade die Einweihungen den Zweck, klar erkennen zu lassen, daß sich in der Zukunft der Menschheit der Christus enthüllen werde. So ging aus dem, was er damals schon wissen konnte, für den Täufer die Wahrheit hervor, die ihn prophezeien lassen konnte, daß derjenige, von dem gesprochen worden ist in den Mysterien, vor ihm stehe in dem Christus Jesus.
[ 12 ] Now you will say: Yes, we ourselves have heard in these lectures the profound words about Christ Jesus as the incarnate Logos, as the Light of the World, and so on. — It is not surprising that these profound words about Christ Jesus are already spoken in the first chapters. For in the ancient mysteries, Christ Jesus—that is, the Christ who was to appear in the world in the future—was by no means an unknown entity. And all the mysteries pointed to the One who was to come. That is why the ancient initiates are called “prophets,” because they were to prophesy about the future. That is why the initiations specifically had the purpose of making it clear that the Christ would reveal Himself in the future of humanity. Thus, from what he was already able to know at that time, the truth emerged for John the Baptist that enabled him to prophesy that the One of whom it had been spoken in the Mysteries stood before him in Christ Jesus.
[ 13 ] Wie nun das Ganze zusammenhängt, wie der sogenannte Täufer selbst zu dem Christus Jesus steht, das wird sich uns am klarsten zeigen, wenn wir uns zweierlei Fragen beantworten.
[ 13 ] How all of this fits together, and what the so-called Baptist’s own stance is toward Christ Jesus, will become clearest to us when we answer two questions.
[ 14 ] Die eine ist die: Wie stellt sich der Täufer selbst in seine Zeit hinein? Und die andere geht zurück auf die Erklärung verschiedener Dinge im Anfang des Johannes-Evangeliums.
[ 14 ] One is this: How does John the Baptist position himself within his own time? And the other goes back to the explanation of various things at the beginning of the Gospel of John.
[ 15 ] Wie stellt sich der Täufer in seine Zeit hinein? Was ist der Täufer eigentlich? Er ist einer, der — ebenso wie die anderen, die etwas in den Einweihungen gehört haben - den Hinweis erhalten hat auf den kommenden Christus, der aber als der Einzige hingestellt wird, dem gegenüber dem Christus Jesus das rechte Geheimnis aufgeht: daß der Erschienene eben der Christus ist. Nun sahen die, welche mit «Pharisäer» oder mit anderen Namen bezeichnet wurden, in dem Christus Jesus einen solchen, der eigentlich ihrem alten Einweihungsprinzip widerstrebte, der in ihren Augen etwas tat, was sie in ihrem konservativen Sinne nicht zugeben konnten. Sie sagten, weil sie eben konservativ waren: Es muß bei dem alten Einweihungsprinzip bleiben! — Und dieser Widerspruch: immer von dem zukünftigen Christus zu sprechen, aber niemals den Zeitpunkt eintreten zu lassen, wo er wirklich da sei, das ist es eben, was ihrem Konservatismus zu Grunde liegt. Daher mußten sie, als der Christus Jesus den Lazarus einweihte, es als einen Bruch mit der alten Mysterien-Tradition ansehen. «Der Mensch tut viele Zeichen!» Mit dem können wir keine Gemeinschaft haben! - Er hat nach ihrer Auffassung die Mysterien verraten, dasjenige zu einem Öffentlichen gemacht, was in den Tiefen der MysterienGeheimnisse eingeschlossen sein sollte. Und jetzt begreifen wir, daß dies ihnen wie ein Verrat war und als der Grund erschien, daß sie gegen ihn auftreten müßten. Daher beginnt damit der Umschlag, die Verfolgung des Christus Jesus.
[ 15 ] How does John the Baptist fit into his time? Who is John the Baptist, really? He is one who—just like the others who heard something during the initiations—received a hint about the coming Christ, but who is presented as the only one to whom the true mystery is revealed in the presence of Christ Jesus: that the One who has appeared is indeed the Christ. Now, those who were called “Pharisees” or by other names saw in Christ Jesus someone who actually ran counter to their old principle of initiation, someone who, in their eyes, did something they could not accept in their conservative mindset. Because they were conservative, they said: We must stick to the old principle of initiation! — And this contradiction—always speaking of the future Christ but never allowing the moment to come when he is truly present—is precisely what underlies their conservatism. Therefore, when Christ Jesus initiated Lazarus, they had to regard it as a break with the old mystery tradition. “This man performs many signs!” We cannot have fellowship with him! — In their view, he betrayed the mysteries, making public what should have remained enclosed in the depths of the mysteries. And now we understand that this was like a betrayal to them and appeared to be the reason they had to oppose him. Thus begins the turnaround, the persecution of Christ Jesus.
[ 16 ] Als was erweist sich nun der Täufer in den ersten Kapiteln des Johannes-Evangeliums?
[ 16 ] How is John the Baptist portrayed in the first chapters of the Gospel of John?
[ 17 ] Erstens als ein solcher, welcher die Mysterienwahrheit von dem Christus, der da kommen sollte, gar wohl weiß, so gut weiß, daß dies alles der Schreiber des Johannes-Evangeliums selber wiederholen kann, was auch schon der Täufer hat wissen können, wovon er sich überzeugt hat durch das, was wir kennenlernen werden.
[ 17 ] First, as one who knows the mystery of the truth about the Christ who was to come very well—so well, in fact, that the writer of the Gospel of John himself can repeat all of this, which John the Baptist must also have known, as he became convinced through what we are about to learn.
[ 18 ] Wir haben gesehen, was die allerersten Worte des Johannes-Evangeliums bedeuten. Wir wollen jetzt auf das ein wenig Rücksicht nehmen, was über den Täufer selbst gesagt wird. Legen wir es uns aber in möglichst richtiger Übersetzung noch einmal vor. Nur die ersten Worte haben wir bis jetzt gehört.
[ 18 ] We have seen what the very first words of the Gospel of John mean. Let us now consider briefly what is said about John the Baptist himself. But let us review it once more in as accurate a translation as possible. So far, we have heard only the first few words.
«Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden. In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.
Es ward ein Mensch; gesandt war er von Gott, mit seinem Namen Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, auf daß er Zeugnis ablege von dem Lichte, und daß durch ihn alle glauben sollten.
Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichtes.
Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden, aber die Welt hat es nicht erkannt.
In die einzelnen Menschen kam es (bis zu den Ich-Menschen kam es); aber die einzelnen Menschen (die Ich-Menschen) nahmen es nicht auf.
Die es aber aufnahmen, die konnten sich durch es als Gottes Kinder offenbaren.
Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, und nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geworden.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Lehre gehöret, die Lehre von dem einzigen Sohn des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit.
Johannes leget Zeugnis für ihn ab und verkündet deutlich: Dieser war es, von dem ich sagte: Nach mir wird derjenige kommen, der vor mir gewesen ist. Denn er ist mein Vorgänger.
Denn aus dessen Fülle haben wir alle genommen Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade und die Wahrheit aber ist durch Jesus Christus entstanden.
Gott hat niemand bisher mit Augen geschaut. Der eingeborene Sohn, welcher im Innern des Weltenvaters war, er ist der Führer in diesem Schauen geworden.» (1, 1-18)
“In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was God.
He was with God in the beginning.
All things were made through Him, and without Him nothing was made that has been made. In Him was life, and the life was the light of men.
And the light shone in the darkness, but the darkness did not comprehend it.
There was a man sent from God, whose name was John.
He came as a witness to bear witness to the light, so that through him all might believe.
He was not the light, but a witness to the light.
For the true light, which enlightens every person, was to come into the world.
It was in the world, and the world was made through it, but the world did not recognize it.
It came to individual people (it came even to the “I”-people); but the individual people (the “I”-people) did not receive it.
But those who did receive him were able, through him, to be revealed as children of God.
Those who trusted in his name were not born of blood, nor of the will of the flesh, nor of the will of man, but of God.
And the Word became flesh and dwelt among us, and we have heard his teaching—the teaching of the Father’s only Son, full of devotion and truth.
John bears witness to him and proclaims clearly: “This was the one of whom I said, ‘After me comes the one who was before me.’ For he is my predecessor.
For from his fullness we have all received grace upon grace.
For the Law was given through Moses, but grace and truth came through Jesus Christ.
No one has ever seen God with his own eyes. The only Son, who was in the bosom of the Father, he has made him known.” (1:1–18)
[ 19 ] Das sind diejenigen Worte, die ungefähr den Sinn dieser ersten Sätze des Johannes-Evangeliums wiedergeben. Dazu müssen wir, ehe wir an ihre Erklärung gehen, noch eines fügen. Als was erklärt sich denn Johannes selber? — Sie erinnern sich, daß geschickt wird, um auszukundschaften, wer Johannes der Täufer sei. Priester und Leviten kommen, die ihn fragen sollen, wer er sei. Warum nun die vorhergehende Antwort gegeben wird, werden wir noch sehen. Jetzt wollen wir nur berücksichtigen, was er selber sagt. Er sprach:
[ 19 ] These are the words that roughly convey the meaning of these first sentences of the Gospel of John. Before we proceed to explain them, we must add one more thing. How does John describe himself? — You will recall that messengers were sent to find out who John the Baptist was. Priests and Levites came to ask him who he was. We will see later why the preceding answer was given. For now, let us simply consider what he himself says. He said:
«Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit.» (1, 23)
“I am the voice of one crying out in the wilderness.” (1:23)
[ 20 ] Das sind die Worte, die da stehen. «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit!» In der Einsamkeit steht da — ganz wörtlich — ἐν τῇ ἐρήμῳ. Im Griechischen bedeutet das Wort «Eremit» «der Einsame». Nun werden Sie es begreifen, daß es richtiger ist, zu sagen: «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit» - als: «Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste.» Und wir werden alles, was in den Anfangsworten des Johannes-Evangeliums angeführt ist, besser verstehen, wenn wir diese Selbstcharakteristik des Johannes uns vor Augen führen. Warum nennt er sich «die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit»?
[ 20 ] These are the words that are written there. “I am the voice of one crying out in the wilderness!” It says “in the wilderness”—quite literally—ἐν τῇ ἐρήμῳ. In Greek, the word “hermit” means “the solitary one.” Now you will understand that it is more accurate to say, “I am the voice of one crying out in solitude”—rather than, “I am the voice of a preacher in the wilderness.” And we will better understand everything stated in the opening words of the Gospel of John if we keep this self-description of John in mind. Why does he call himself “the voice of one crying out in the wilderness”?
[ 21 ] In dem Entwickelungsgange der Menschheit haben wir gesehen, daß die eigentliche Erdenmission die Entwickelung der Liebe ist, daß sie aber nur denkbar ist, wenn sie als freiwillige Gabe von selbstbewußten Menschen gegeben wird, und daß sich der Mensch nach und nach sein Ich erobert und daß das Ich langsam und allmählich sich hineinsenkt in die Menschennatur. Wir wissen, daß die Tiere als solche kein einzelnes Ich haben. Wenn der einzelne Löwe «Ich» sagen könnte, wäre damit nicht das einzelne Tier gemeint, sondern das Gruppen-Ich in der astralischen Welt; alle Löwen würden dazu «Ich» sagen. So sagen ganze Gruppen von gleichgeformten Tieren zu dem im Astralischen übersinnlich-wahrnehmbaren Gruppen-Ich «Ich». Das ist der große Vorzug des Menschen vor den Tieren, daß der Mensch ein individuelles Ich hat. Aber das individuelle Ich entwickelt sich erst nach und nach. Der Mensch fing auch an mit einem Gruppen-Ich, mit einem Ich, welches einer ganzen Gruppe von Menschen angehörte.
[ 21 ] In the course of human development, we have seen that the true mission of Earth is the development of love, but that this is conceivable only if it is given as a voluntary gift by self-aware human beings, and that human beings gradually conquer their “I,” and that the “I” slowly and gradually sinks into human nature. We know that animals, as such, do not possess an individual “I.” If an individual lion could say “I,” this would not refer to the individual animal, but to the group “I” in the astral world; all lions would then say “I.” Thus, entire groups of animals of the same kind say “I” to the group “I” that is supernaturally perceptible in the astral world. This is humanity’s great advantage over animals: that human beings possess an individual “I.” But the individual “I” develops only gradually. Human beings, too, began with a group “I”—an “I” that belonged to an entire group of people.
[ 22 ] Wenn Sie zurückgehen würden zu alten Völkern, zu alten Rassen, überall würden Sie finden, daß die Menschen ursprünglich kleine Gruppen bildeten. Bei den germanischen Völkern brauchten Sie gar nicht einmal weit zurückzugehen. In den Schriften des Tacitus können Sie mit Händen greifen, daß der einzelne Germane mehr hält von seinem ganzen Stamm als von seiner Individualität. Der einzelne fühlt sich mehr als Glied des Cheruskerstammes oder des Sigambrerstammes denn als eine einzelne Persönlichkeit, und daher tritt auch der einzelne ein für das Schicksal des ganzen Stammes; es ist auch gleichgültig, wer aus dem Stamme eine Beleidigung rächt, wenn einem einzelnen Gliede oder dem Stamme eine Beleidigung widerfahren ist. Dann tritt im Laufe der Zeit das ein, daß einzelne Leute heraustreten aus der Stammeszusammengehörigkeit, so daß die Stämme durchbrochen werden und nicht mehr kompakt bleiben. Aus dem Gruppenseelencharakter hat sich auch der Mensch entwickelt und nach und nach sich hinaufgeschwungen dazu, in der Einzelpersönlichkeit das Ich zu empfinden.
[ 22 ] If you were to go back to ancient peoples, to ancient races, you would find everywhere that people originally formed small groups. With the Germanic peoples, you wouldn’t even have to go very far back. In the writings of Tacitus, it is abundantly clear that the individual Germanic person values his entire tribe more than his own individuality. The individual feels more as a member of the Cherusci tribe or the Sigambri tribe than as a single personality, and therefore the individual also stands up for the fate of the entire tribe; it makes no difference who from the tribe avenges an insult when an insult has been inflicted on an individual member or on the tribe. Then, over time, individual people begin to step outside the tribal bond, so that the tribes are broken up and no longer remain cohesive. Human beings have also developed from the group soul character and have gradually elevated themselves to the point of perceiving the “I” within the individual personality.
[ 23 ] Wir können gewisse Dinge, besonders die religiösen Urkunden, nur verstehen, wenn wir dies Geheimnis von den Gruppenseelen, von den Gruppen-Ichen wissen. Bei den Völkern, bei denen es schon zu einer gewissen Wahrnehmung des eigenen Ich gekommen war, gab es noch immer ein Ich, das sich nicht nur über räumliche, gleichzeitig lebende Gruppen, sondern auch über zeitliche Gruppen ausdehnte. Heute ist das Gedächtnis der Menschen so, daß sich der einzelne nur noch an seine Jugendzeit erinnert. Aber es gab eine Zeit, in der noch ein anderes Gedächtnis vorhanden war, wo sich der Mensch nicht nur an seine Taten erinnerte, sondern wo er sich auch an die Taten seines Vaters, seines Großvaters erinnerte wie an seine eigenen. Das Gedächtnis reichte hinüber, weit in die Blutsverwandtschaft der Ahnen bis zum Stammvater, dessen Blut herunterfloß durch die Generationen. Jahrhundertelang erhielt sich mit dem Blute das Gedächtnis, und ein Enkel oder ein Sproß eines Stammes sagte zu den Taten, zu den Gedanken seiner Vorfahren «Ich» wie zu sich selber. Man empfand sich da nicht eingeschlossen zwischen Geburt und Tod, sondern man empfand sich als Glied der Generationenreihe, deren Mittelpunkt der Ahne war. Denn das ist der Zusammenhalt des Ich, daß man sich eben der Taten des Vaters, des Großvaters und so weiter erinnerte. In alten Zeiten wurde das schon äußerlich durch die Namengebung ausgedrückt. Der Sohn erinnerte sich nicht nur an seine eigenen Taten, sondern auch an die des Vaters, Großvaters und so weiter. Das Gedächtnis ging durch die Generationen weit hinauf. Alles, was so das Gedächtnis umfaßte, hieß in alten Zeiten zum Beispiel «Noah», hieß «Adam». Damit sind nicht die einzelnen Menschen, sondern die Iche gemeint, die jahrhundertelang das Gedächtnis bewahrten. Dies Geheimnis verbirgt sich auch hinter den Patriarchennamen. Warum lebten die Patriarchen so lange? Es wäre einem in alten Zeiten gar nicht eingefallen, den einzelnen Menschen, der zwischen Geburt und Tod steht, mit einem Namen zu benennen. Adam erhielt sich jahrhundertelang im Gedächtnis, weil gerade die räumliche und zeitliche Begrenzung für die alte Namengebung gar nicht in Betracht kam.
[ 23 ] We can understand certain things—especially religious texts—only if we are aware of this mystery of group souls and group selves. Among peoples who had already attained a certain awareness of their own “I,” there still existed an “I” that extended not only across spatial groups living simultaneously but also across groups across time. Today, human memory is such that the individual remembers only his or her own youth. But there was a time when a different kind of memory existed, when a person not only remembered his or her own deeds but also remembered the deeds of his or her father and grandfather as if they were his or her own. Memory reached far back into the bloodline of the ancestors, all the way to the progenitor, whose blood flowed down through the generations. For centuries, memory was preserved along with the blood, and a grandson or a descendant of a clan would say “I” in reference to the deeds and thoughts of his ancestors just as he would to himself. One did not feel confined between birth and death, but rather saw oneself as a link in the chain of generations, with the ancestor at its center. For this is the cohesion of the “I”—that one remembered the deeds of one’s father, grandfather, and so on. In ancient times, this was already expressed outwardly through the naming of children. The son remembered not only his own deeds, but also those of his father, grandfather, and so on. Memory stretched far back through the generations. Everything that memory thus encompassed was called, in ancient times, for example, “Noah” or “Adam.” This refers not to individual human beings, but to the “I’s” that preserved memory for centuries. This mystery is also hidden behind the names of the patriarchs. Why did the patriarchs live so long? In ancient times, it would never have occurred to anyone to give a name to the individual human being who exists between birth and death. Adam was preserved in memory for centuries because the limitations of space and time were simply not a consideration in the ancient naming system.
[ 24 ] So löste sich nach und nach langsam das menschliche Einzel-Ich aus der Gruppenseele, aus dem Gruppen-Ich heraus; der Mensch kam nach und nach zum Bewußtsein seines Einzel-Ichs. Vorher fühlte er sein Ich in der Stammeszugehörigkeit, in der Gruppe von Menschen, mit denen er blutsverwandt war, entweder im Raume oder in der Zeit; daher der Ausspruch: «Ich und der Vater Abraham sind eins!», das heißt, sind es Ich. Und da fühlte sich der einzelne geborgen in einem Ganzen, weil das gemeinsame Blut durch alle Adern hinunterrollte, durch alle Mitglieder des betreffenden Volkes. Aber die Entwickelung ging vorwärts: Die Zeit wurde reif, wo gerade innerhalb dieser Völker die Menschen ihr Einzel-Ich empfinden sollten.
[ 24 ] Thus, little by little, the individual human self gradually separated from the group soul, from the group self; the human being gradually became aware of his or her individual self. Previously, he had felt his “I” within his tribal affiliation, within the group of people to whom he was related by blood, either in space or in time; hence the saying: “I and Father Abraham are one!”—that is to say, we are one. And there the individual felt secure within a whole, because the common blood flowed through all the veins, through all the members of the people in question. But evolution moved forward: The time came when, precisely within these peoples, human beings were to perceive their individual “I.”
[ 25 ] Den Menschen das zu geben, was sie brauchten, um sich sicher und fest zu fühlen in diesem einzelnen individuellen Ich, das war die Mission des Christus. So müssen wir auch das Wort auffassen, das so leicht mißverstanden werden kann: «Wer nicht verleugnet Weib und Kind, Vater und Mutter, Bruder und Schwester, der kann nicht mein Jünger sein!» (Mark. 10, 29). Das müssen wir nicht in dem trivialen Sinn auffassen, daß jemand eine Anweisung erhält, der Familie davonzulaufen; sondern es ist gemeint: Ihr sollt fühlen, daß ein jeder von euch ein Einzel-Ich ist und daß dieses Einzel-Ich unmittelbar mit dem geistigen Vater, der durch die Welt flutet, eins ist. Früher sagte der Bekenner des Alten Testaments: «Ich und der Vater Abraham sind eins», weil das Ich sich in der Blutsverwandtschaft ruhen fühlte. Jetzt sollte frei werden das Sich-eins-Fühlen mit dem geistigen Vatergrunde. Nicht mehr sollte die Blutsverwandtschaft die Gewähr bilden, daß der Mensch zu einem Ganzen gehört, sondern das Wissen von dem rein geistigen Vaterprinzip, mit dem alle eins sind.
[ 25 ] Christ’s mission was to give people what they needed to feel secure and grounded in their unique, individual selves. We must also understand the words that are so easily misunderstood: “Whoever does not renounce his wife and children, father and mother, brother and sister, cannot be my disciple!” (Mark 10:29). We must not take this in the trivial sense that someone is being instructed to run away from their family; rather, it means: You should feel that each of you is a unique self and that this unique self is directly one with the spiritual Father who floods through the world. In the past, the Old Testament prophet said: “I and Father Abraham are one,” because the self felt secure in the bond of blood. Now, the sense of oneness with the spiritual Father should become free. No longer should the bond of blood be the guarantee that a person belongs to a whole, but rather the knowledge of the purely spiritual Father principle, with which all are one.
[ 26 ] So soll uns durch das Johannes-Evangelium gesagt werden, daß der Christus der große Impulsgeber ist für das, was der Mensch braucht, um sich ewig in seinem einzelnen, individuellen Ich zu fühlen. Das ist der Umschwung von dem alten Bunde zu dem neuen Bunde, daß der alte Bund immer etwas von Gruppenseelenhaftigkeit hat, wo das eine Ich sich zugesellt fühlt zu den anderen Ichen und weder sich noch die andern Iche recht fühlt, dafür aber das, worin sie gemeinsam geborgen sind, das Volks-Ich oder Stammes-Ich mitempfindet.
[ 26 ] Thus, the Gospel of John tells us that Christ is the great source of inspiration for what human beings need in order to feel eternally at home in their own individual selves. This is the shift from the old covenant to the new covenant: the old covenant always has something of a group-soul character, in which the individual “I” feels united with the other “I’s” and does not truly feel itself or the other “I’s,” but instead empathizes with that in which they are all collectively sheltered—the national “I” or tribal “I.”
[ 27 ] Wie mußte sich denn nun ein Ich fühlen, das so weit reif geworden war, um nicht mehr den Zusammenhang mit den anderen individuellen Persönlichkeiten der Gruppenseele zu fühlen? Wie mußte das vereinzelte Ich empfinden in einer Zeit, in der man sagen konnte: Nicht mehr ist die Zeit, in der man als eine wirkliche menschliche Lebenswahrheit empfinden kann die Zusammengehörigkeit mit anderen Personen, mit allen Ichen, die zu einer Gruppenseele gehören; aber der muß erst kommen, der der Seele das geistige Lebensbrot gibt, wodurch das einzelne Ich seine Nahrung erhält. Das Einzel-Ich mußte sich einsam fühlen, und der Vorgänger des Christus mußte sagen: Ich bin ein Ich, das sich herausgeschält hat, sich einsam fühlt. Und gerade weil ich gelernt habe, mich einsam zu fühlen, fühle ich mich als ein Prophet, dem das Ich in der Einsamkeit die richtige Geistes-Nahrung gibt. — Deshalb mußte sich der Verkünder als ein Rufer in der Einsamkeit bezeichnen, das heißt als das schon vereinsamte, von der Gruppenseele vereinsamte Ich, das da schreit nach dem, wodurch das Einzel-Ich Nahrung bekommen kann. «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit.» Da hören wir wieder die tiefe Wahrheit: Jedes menschliche individuelle Ich ist ein ganz auf sich gestelltes; ich bin die Stimme des Ich, das losgelöst ist und das seinen Grund sucht, auf dem es als losgelöstes Ich stehen kann. Jetzt verstehen wir die Stelle: «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit. »
[ 27 ] How, then, must a “self” have felt that had matured to the point of no longer sensing a connection with the other individual personalities of the group soul? How must that isolated “I” have felt at a time when one could say: “Gone are the days when one could experience, as a true human reality, a sense of belonging with other people, with all the ‘I’s that belong to a group soul’; but the one must yet come who will give the soul the spiritual bread of life, through which the individual ‘I’ receives its nourishment.” The individual “I” must have felt lonely, and the forerunner of Christ had to say: “I am an ‘I’ that has emerged, that feels lonely. And precisely because I have learned to feel lonely, I feel myself to be a prophet to whom the ‘I’ in solitude provides the proper spiritual nourishment.” — That is why the herald had to describe himself as a voice crying out in the wilderness—that is, as the “I” that has already been set apart, isolated by the group soul, crying out for that through which the individual “I” can be nourished. “I am the voice of one crying out in the wilderness.” Here we hear once again the profound truth: Every individual human “I” is entirely on its own; I am the voice of the “I” that is detached and that seeks the foundation upon which it can stand as a detached “I.” Now we understand the passage: “I am the voice of a crier in the wilderness.”
[ 28 ] Um genau die Worte des Johannes-Evangeliums zu verstehen, müssen wir uns ein wenig hineinfinden in die Art und Weise, wie überhaupt damals Namen und Bezeichnungen gegeben worden sind. So abstrakt und nichtssagend wie heute war die Namengebung damals nicht. Und wenn die Ausleger der biblischen Urkunden nur ein klein wenig bedenken wollten, wieviel damit gesagt wird, dann würde manche triviale Auslegung nicht ans Tageslicht treten. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß, wenn der Christus sagt: «Ich bin das Licht der Welt» (8, 12), damit wirklich gemeint ist, daß er der erste war, der für das «Ich-bin» den Ausdruck und Impuls gegeben hat. Daher muß immer da, wo das «Ich-bin» steht in den ersten Kapiteln, dieses «Ich-bin » ganz besonders betont werden. Alle Namen und Bezeichnungen in den alten Zeiten sind in einer gewissen Weise durchaus real und zu gleicher Zeit tief symbolisch gebraucht.
[ 28 ] To understand the exact words of the Gospel of John, we need to familiarize ourselves a little with the way names and designations were given back then. Naming back then was not as abstract and meaningless as it is today. And if interpreters of the biblical texts would only give a little thought to how much is conveyed by them, then many trivial interpretations would never see the light of day. I have already pointed out that when Christ says, “I am the light of the world” (8:12), what is really meant is that he was the first to give expression and impetus to the “I am.” Therefore, wherever the “I am” appears in the first chapters, this “I am” must be emphasized very particularly. All names and designations in ancient times are, in a certain sense, entirely real and at the same time used in a deeply symbolic way.
[ 29 ] Nach zwei Richtungen hin werden hier oft gewaltige Irrtümer begangen. Nach oberflächlicher Betrachtung könnte mancher sagen: Ja, nach einer solchen Auffassung ist ja vieles symbolisch gemeint, und auf eine solche Auslegung, wo alles nur symbolisch gemeint sein soll, lassen wir uns nicht ein, da verflüchtigt ihr ja die historischen biblischen Ereignisse! Und diejenigen, die ganz und gar nichts verstehen von den geschichtlichen Ereignissen, mögen sagen: Das ist alles nur symbolisch gemeint. — Aber diejenigen, die so sprechen, verstehen eben nichts von dem Evangelium. Nicht die historische Realität wird durch eine symbolische Erläuterung geleugnet, sondern es muß betont werden, daß die esoterische Erklärung beides umfaßt: die Auffassung der Tatsachen als historische, und indem sie historisch sind, bedeuten sie selbst zugleich das, was wir ihnen beilegen. Freilich, wer nur die brutalen äußeren Tatsachen sieht, nämlich einen Menschen, der irgendwo zu einer Zeit geboren ist, der wird nicht begreifen, daß dieser Mensch noch etwas anderes ist als bloß ein Mensch mit dem betreffenden Namen, dessen Biographie man schreiben kann. Wer aber den geistigen Zusammenhang kennt, der wird verstehen lernen, daß der Mensch, der geboren ist an einem bestimmten Orte, daß dieser lebendige Mensch außerdem noch ein Symbolum für seine Zeit ist, und daß man durch seinen Namen ausdrückt seine ganze Bedeutung für die Entwickelung der Menschheit.
[ 29 ] People often make serious mistakes in two areas here. At first glance, some might say: Yes, according to such a view, much of it is meant symbolically, and we won’t go along with such an interpretation, where everything is supposed to be merely symbolic—because then you’re simply dismissing the historical biblical events! And those who understand absolutely nothing about the historical events might say: It’s all just meant symbolically. — But those who speak this way simply understand nothing of the Gospel. It is not historical reality that is denied by a symbolic explanation; rather, it must be emphasized that the esoteric explanation encompasses both: the understanding of the facts as historical, and, because they are historical, they themselves simultaneously signify what we attribute to them. Of course, anyone who sees only the crude, external facts—namely, a person born somewhere at a certain time—will not grasp that this person is something more than merely a human being with a particular name, whose biography one can write. But anyone who knows the spiritual context will come to understand that the person born in a specific place is, in addition, a symbol of his time, and that his name expresses his entire significance for the development of humanity.
[ 30 ] Symbolisch und historisch zugleich, nicht nur das eine und nicht nur das andere, das ist es, um was es sich handelt bei der wirklichen Evangelien-Erklärung. Und so werden wir bei fast allen Ereignissen und Hinweisungen sehen, daß der Johannes oder der Schreiber des Johannes-Evangeliums, der eigentlich in übersinnlichen Wahrnehmungen sieht, zugleich die Ereignisse und die Offenbarung tiefer geistiger Wahrheiten sieht: Er hat im Auge die historische Gestalt des Täufers, er sieht auf die historische Gestalt hin; zugleich ist ihm aber auch die wirkliche historische Gestalt das Symbolum für alle Menschen, die in den alten Zeiten schon berufen waren, das Ich sich einzuprägen, die aber erst auf dem Wege dazu waren, denen hineinscheinen konnte das Licht der Welt ins einzelne Ich, nicht aber für diejenigen, die noch nicht in der Lage waren, das Licht der Welt in ihrer Finsternis zu begreifen. Das, was als Leben, als Licht und Logos in dem Christus Jesus erschienen ist, es hat schon immer in der Welt geleuchtet; nicht aber haben die es erkannt, die erst im Reifwerden begriffen waren. Immer war das Licht da. Denn wäre das Licht nicht dagewesen, so hätte überhaupt nicht die Anlage zu dem Ich entstehen können. Noch auf dem Monde war von dem heutigen Menschen nur vorhanden physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib; kein Ich war darinnen. Nur weil sich das Licht so umgewandelt hat, wie es auf der Erde scheint, hatte es die Kraft, die einzelnen Iche zu entzünden und langsam zum Heranreifen zu bringen: «Das Licht schien in die Finsternis; aber die Finsternis konnte es noch nicht begreifen» (1, 5). «In die einzelnen Menschen kam es», bis zu den IchMenschen kam es; denn die Ich-Menschen hätten gar nicht entstehen können, wenn es nicht in sie durch den Logos gegossen worden wäre. «Aber die Ich-Menschen nahmen es nicht auf.» Nur einzelne nahmen es auf, die Eingeweihten; die erhoben sich zu den geistigen Welten; die trugen immer den Namen «Kinder Gottes », weil sie eine Erkenntnis hatten von dem Logos, von dem Licht und Leben, und immer davon Zeugnis ablegen konnten. Einzelne waren es, die immer schon durch die alten Mysterien wußten von den geistigen Welten. Was lebte denn in ihnen? Es lebte in ihnen dasjenige, was im Menschen ewig ist. Ganz bewußt lebte das in ihnen. Sie fühlten schon vor das große Wort: «Ich und der Vater sind Eins» (10, 30), nämlich Ich und der große Urgrund sind Eins! Und das Tiefste, was sie im Bewußtsein trugen, ihr eigenes Ich, das hatten sie nicht von Vater und Mutter, sondern sie hatten es durch die Initiation in die geistige Welt. Nicht aus dem Blute und nicht aus dem Fleische und nicht aus eines Vaters oder einer Mutter Willen, sondern «aus Gott», das heißt aus der geistigen Welthatten sie es. - Da haben Sie die Erklärung der Worte, daß die große Anzahl der Menschen, trotzdem sie schon die Anlage zum Ich-Menschen hatten, das Licht nicht aufnahmen, daß es wohl herab kam bis zu dem Gruppen-Ich, daß aber die einzelnen es nicht aufnahmen. Diejenigen, die es aber aufnahmen - das waren nur wenige -, die konnten sich durch es zu Gottes Kindern machen; die ihm aber vertrauten, sind es aus Gott geworden durch die Einweihung. Das gibt uns ein klares Bild. Damit aber alle Menschen mit Erdensinnen den daseienden Gott erkennen konnten, mußte er in der Art auf der Erde erscheinen, daß man ihn mit leiblichen Augen sieht, das heißt er mußte eine fleischliche Gestalt annehmen, weil eine solche Gestalt nur mit den leiblichen Augen gesehen werden kann. Früher konnten ihn nur die Eingeweihten in den Mysterien sehen; jetzt aber hatte er zum Heile aller Fleischgestalt angenommen: «Das Wort oder der Logos war Fleisch geworden» (1, 14). So knüpft der Schreiber des Johannes-Evangeliums die historische Erscheinung des Christus Jesus an die ganze Evolution an. «Wir haben seine Lehre gehört, die Lehre von dem eingeborenen Sohne des Vaters» (1, 14). Was ist das für eine Lehre? Was sind denn die andern Menschen für geborene?
[ 30 ] Both symbolic and historical—not just one or the other—that is what the true interpretation of the Gospels is all about. And so we will see in almost all events and references that John—or the writer of the Gospel of John, who actually perceives through supernatural insights—simultaneously sees both the events and the revelation of deeper spiritual truths: He has the historical figure of the Baptist in mind; he looks to the historical figure; but at the same time, the actual historical figure is also for him the symbol of all those who were already called in ancient times to imprint the “I” upon themselves, but who were only on the path toward this—those into whose individual “I” the Light of the World could shine—not, however, for those who were not yet able to comprehend the Light of the World in their darkness. That which appeared as life, as light, and as Logos in Christ Jesus has always shone in the world; but those who were still in the process of maturing did not recognize it. The light was always there. For if the light had not been there, the capacity for the “I” could never have arisen at all. Even on the Moon, the only aspects present in today’s human being were the physical body, the etheric body, and the astral body; there was no “I” within them. Only because the Light transformed itself in the way it shines on Earth did it have the power to kindle the individual “I”s and gradually bring them to maturity: “The light shone in the darkness; but the darkness could not yet comprehend it” (1:5). “It came into individual human beings”—it came to the “I-beings”; for the “I-beings” could never have come into being if it had not been poured into them through the Logos. “But the ‘I-beings’ did not receive it.” Only a few received it—the initiates; they ascended to the spiritual worlds; they were always called “children of God,” because they had knowledge of the Logos, of the Light and Life, and were always able to bear witness to it. It was a few individuals who had always known of the spiritual worlds through the ancient mysteries. What, then, lived within them? What lived within them was that which is eternal in the human being. It lived within them quite consciously. Even before the great words, “I and the Father are one” (10:30), they already sensed: “I and the great Source are one!” And the deepest thing they carried in their consciousness—their own “I”—they did not receive from their father and mother, but rather through initiation into the spiritual world. Not from blood, nor from the flesh, nor from the will of a father or mother, but “from God”—that is, from the spiritual world—they had received it. - There you have the explanation of the words: that the great majority of people, even though they already possessed the potential to become “I-beings,” did not receive the light—that it did indeed descend as far as the group “I,” but that the individuals did not receive it. Those who did receive it—and they were few—were able, through it, to become children of God; but those who trusted Him became children of God through initiation. This gives us a clear picture. However, so that all people with earthly senses could recognize the God who exists, He had to appear on Earth in such a way that He could be seen with physical eyes—that is, He had to take on a physical form, because such a form can only be seen with physical eyes. In the past, only those initiated into the mysteries could see him; but now, for the salvation of all, he had taken on a physical form: “The Word, or the Logos, had become flesh” (1:14). Thus, the author of the Gospel of John links the historical appearance of Christ Jesus to the entire course of evolution. “We have heard his teaching, the teaching of the only-begotten Son of the Father” (1:14). What kind of teaching is this? What, then, are the other human beings born to be?
[ 31 ] Man nannte in den alten Zeiten, in denen die Evangelien geschrieben wurden, «zweigeboren» diejenigen, die vom Fleische geboren sind. Sie nannte man zweigeboren, sagen wir durch die Vermischung des Blutes von Vater und Mutter. Was nicht aus dem Fleische geboren ist und nicht durch die Menschenwirkung und nicht durch die Vermischung des Blutes entstanden ist, das ist «aus Gott geboren»; das ist «eingeboren». Diejenigen, die früher «Gotteskinder» genannt wurden, waren immer schon in gewisser Weise die «Eingeborenen»; und die Lehre von dem Gottessohn ist die Lehre von dem «Eingeborenen». Der physische Mensch ist der «Zweigeborene», der Geistesmensch ist der «Eingeborene». Das dürfen Sie nicht so auffassen, als ob es hieße «hineingeboren», nein, eingeboren ist der Gegensatz zu zweigeboren. Und das Wort deutet darauf hin, daß der Mensch außer der physischen Geburt auch eine geistige Geburt durchmachen kann, nämlich die Vereinigung mit dem Geiste, die Geburt, durch die er eingeboren, ein Kind oder Sohn der Gottheit wird. Und eine solche Lehre - gehört werden konnte sie erst durch den, der das Fleisch gewordene Wort darstellte. Durch ihn wurde die Lehre allgemein, «die Lehre von dem eingeborenen Sohne des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit» (1, 14). «Hingabe» muß hier besser übersetzt werden, weil man es zu tun hat zwar mit einem Herausgeborenwerden aus der Gottheit, aber mit einem Zusammenbleiben und zu gleicher Zeit mit der Hinwegnahme aller Illusion. Diese letztere kommt nur aus dem Zweigeboren-sein und umschließt den Menschen mit Sinnestäuschungen, im Gegensatz zu dieser einen Lehre, die die Wahrheit bringt in dem Christus Jesus, wie er stand und wohnte unter den Menschen als der verkörperte Logos. Johannes aber nannte sich — das bedeutet es wörtlich -: der Vorläufer, Vorgänger, der, der vorangeht zur Verkündigung des Ich. Johannes bezeichnet sich selbst als den, der zwar wußte, daß dies Ich in dem einzelnen selbständig werden muß, der aber Zeugnis abzulegen hatte von dem, der da kommen wird, um dies zu bewirken. Er sagte deutlich: Der, der da kommen wird, ist das «Ich-bin», das ewig ist, das wirklich von sich sagen kann: Bevor Abraham war, war «Ich-bin ». Johannes konnte sagen: Das Ich, von dem hier die Rede ist, es ist vor mir gewesen; es ist zu gleicher Zeit, trotzdem ich sein Vorgänger bin, mein Vorgänger; ich lege Zeugnis ab von dem, was vorher in jedem Menschen war; «nach mir wird der kommen, der vor mir gewesen ist» (1, 15).
[ 31 ] In ancient times, when the Gospels were written, those who were born of the flesh were called “born twice.” They were called born twice, let us say, through the mixing of the blood of the father and mother. That which is not born of the flesh and did not come into being through human agency or through the mingling of blood is “born of God”; that is “born of the Spirit.” Those who were formerly called “children of God” have always been, in a certain sense, the “born of the Spirit”; and the doctrine of the Son of God is the doctrine of the “born of the Spirit” . The physical human being is the “twice-born”; the spiritual human being is the “born-of-God.” You must not interpret this as meaning “born into”—no, “born-of-God” is the opposite of “twice-born.” And the Word points to the fact that, in addition to physical birth, a person can also undergo a spiritual birth—namely, union with the Spirit, the birth through which he becomes “born-in,” a child or son of the Deity. And such a teaching—it could only be heard through the One who embodied the Word made flesh. Through him, the teaching became universal: “the teaching of the only-begotten Son of the Father, filled with devotion and truth” (1:14). “Devotion” must be better translated here, because although it involves being born forth from the Godhead, it also involves remaining united with it and, at the same time, the removal of all illusion. The latter arises solely from being born of two natures and envelops human beings in sensory illusions, in contrast to this one teaching, which brings the truth in Christ Jesus, as he stood and dwelt among human beings as the incarnate Logos. John, however, called himself—this is the literal meaning—the forerunner, the predecessor, the one who goes before to proclaim the “I.” John describes himself as the one who, while knowing that this “I” must become independent within the individual, was nevertheless called to bear witness to the one who is to come to bring this about. He said clearly: “The one who is to come is the ‘I Am,’ who is eternal, who can truly say of himself: ‘Before Abraham was, I Am.’” John could say: The “I” spoken of here existed before me; even though I am his predecessor, he is at the same time my predecessor; I bear witness to what was in every human being from the beginning; “After me comes the one who was before me” (1:15).
[ 32 ] Und nun werden bedeutsame Worte gesagt: «Denn aus dessen Fülle haben wir alle entnommen Gnade über Gnade» (1, 16). Viele Menschen gibt es, die sich Christen nennen und die über das Wort «Fülle » hinweglesen, die sich bei diesem Wort nichts besonders Genaues denken. «Pleroma» heißt nach dem Griechischen «die Fülle». Das steht auch im Johannes-Evangelium: «Denn aus dem Pleroma haben wir alle entnommen Gnade über Gnade!» Ich sagte, jedes Wort des Johannes-Evangeliums muß man, wenn man es überhaupt verstehen will, auf die Goldwaage legen. Was ist denn nun Pleroma, die Fülle? Nur der kann es verstehen, der da weiß, daß man in den alten Mysterien von dem Pleroma oder der Fülle als von etwas ganz Bestimmtem gesprochen hat. Denn man hat damals schon die Lehre vertreten, daß, als sich zuerst offenbarten diejenigen geistigen Wesenheiten, die bis zur Göttlichkeit aufgestiegen waren während des alten Mondes, die Elohim, einer sich von ihnen trennte: Einer blieb auf dem Mond und strahlte von dort zurück die Kraft der Liebe, bis die Menschen genügend reif waren für das Licht der übrigen sechs Elohim. So unterschied man Jahve, den Einzelgott, den Rückstrahler und die aus sechs bestehende Fülle der Gottheit, «Pleroma ». Da aber mit dem Gesamtbewußtsein des Sonnenlogos der Christus gemeint ist, mußte man, wenn man auf ihn hindeutete, sprechen von der Fülle der Götter. Diese tiefe Wahrheit verbirgt sich dahinter: «Denn aus dem Pleroma haben wir alle entnommen Gnade über Gnade.»
[ 32 ] And now some significant words are spoken: “For from his fullness we have all received grace upon grace” (1:16). There are many people who call themselves Christians and who skim over the word “fullness,” without giving it much thought. “Pleroma” means “fullness” in Greek. This is also found in the Gospel of John: “For from the Pleroma we have all received grace upon grace!” I said that every word of the Gospel of John must be weighed on a golden scale if one is to understand it at all. What, then, is Pleroma, this fullness? Only those who know that in the ancient mysteries the Pleroma—or “fullness”—was spoken of as something very specific can understand it. For even back then, the teaching was held that when those spiritual beings who had ascended to divinity during the Age of the Old Moon—the Elohim—first revealed themselves, one of them separated from the others: One remained on the Moon and radiated the power of love from there until humanity was sufficiently mature for the light of the remaining six Elohim. Thus a distinction was made between Yahweh, the singular God, the Reflector, and the sixfold fullness of the Godhead, the “Pleroma.” But since the collective consciousness of the Solar Logos is what is meant by Christ, when referring to him, one had to speak of the fullness of the gods. This profound truth lies behind it: “For from the Pleroma we have all received grace upon grace.”
[ 33 ] Nun gehen wir weiter, indem wir uns zurückversetzen in die Gruppenseelenzeit, wo der einzelne sein Ich fühlte als Gruppen-Ich. Betrachten wir nun, was als soziale Ordnung in der Gruppe lebte. Die Menschen leben ja doch, insofern sie sichtbare Menschen waren, als einzelne. Sie fühlen zwar das Gruppen-Ich, aber für die Sinne waren sie einzelne. Da sie sich noch nicht als einzelne fühlten, konnten sie auch noch nicht die Liebe in vollem Maße innerlich haben. Der eine liebt den anderen, weil er blutsverwandt mit ihm ist. Die Blutsverwandtschaft ist die Grundlage aller Liebe. Die Blutsverwandten liebten sich zuerst, und aus der Blutsverwandtschaft geht auch die Liebe hervor, sofern sie nicht Geschlechtsliebe ist. Von dieser Gruppenseelenliebe sollen sich die Menschen immer mehr und mehr befreien und die Liebe als freie Gabe des Ich darbringen. Am Ende der Erdenentwickelung werden die Menschen es erreichen, daß eine Zeit kommt, in welcher das selbständig gewordene Ich in seinem Innersten aus voller Hingabe den Impuls hat, das Rechte und das Gute zu tun. Weil das Ich diesen Impuls hat, tut es das Rechte, tut es das Gute. Wenn die Liebe so vergeistigt ist, daß niemand anderes wollen wird, als zu tun, was das Richtige ist, dann ist das erfüllt, was der Christus Jesus in die Welt bringen wollte. Denn das ist eines der Geheimnisse des Christentums, daß es lehrt: Schaut hin auf Christus, erfüllt euch mit der Kraft seiner Gestalt, versucht zu werden wie er, ihm nachzufolgen; dann wird euer befreites Ich so, daß es kein Gesetz braucht, daß es als ein in seinem Innersten freies Wesen das Gute, das Rechte tut. So ist Christus der Impulsbringer der Freiheit vom Gesetz, so daß das Gute nicht wegen des Gesetzes, sondern als Impuls der im Innern lebenden Liebe getan wird.
[ 33 ] Now let us continue by transporting ourselves back to the era of the group soul, when the individual experienced his or her “I” as a group “I.” Let us now consider what constituted the social order within the group. After all, insofar as they were visible human beings, people lived as individuals. Although they felt the group “I,” to their senses they were individuals. Since they did not yet feel themselves as individuals, they could not yet possess love to its fullest extent within themselves. One person loves another because they are blood relatives. Blood kinship is the foundation of all love. Blood relatives loved one another first, and love also arises from blood kinship, insofar as it is not sexual love. Human beings are to free themselves more and more from this group-soul love and offer love as a free gift of the “I.” At the end of Earth’s evolution, human beings will reach a point where a time will come in which the now-autonomous “I,” in its innermost being and out of complete devotion, has the impulse to do what is right and good. Because the “I” has this impulse, it does what is right; it does what is good. When love is so spiritualized that no one will desire anything other than to do what is right, then what Christ Jesus sought to bring into the world will be fulfilled. For this is one of the mysteries of Christianity: it teaches, “Look to Christ, fill yourselves with the power of his being, strive to become like him, to follow in his footsteps; then your liberated “I” will become such that it needs no law, that, as a being free in its innermost being, it does what is good and right. Thus, Christ is the source of the impulse toward freedom from the law, so that what is good is done not because of the law, but as an impulse of the love that lives within.
[ 34 ] Dieser Impuls wird aber noch den ganzen Rest der Erdenzeit zu seiner Entwickelung brauchen. Der Anfang dazu ist durch den Christus Jesus gemacht worden, und immer wird die Christusgestalt die Kraft sein, welche die Menschen dazu erziehen wird. Solange die Menschen nicht reif waren, ein selbständiges Ich zu empfangen, solange sie als Glieder einer Gruppe existierten, mußten sie durch ein äußerlich geoffenbartes Gesetz sozial geregelt werden. Und auch heute sind die Menschen noch nicht in allen Dingen über die Gruppen-Iche hinaus. In wie vielen Dingen ist der Mensch heute durchaus nicht individueller Mensch, sondern ein Gruppenwesen! Der Mensch, der heute schon ein freies Wesen wäre — man nennt ihn den «Heimatlosen» auf einer gewissen Stufe der esoterischen Schülerschaft -, der ist doch noch ein Ideal! Wer sich freiwillig hineinstellt in das Weltenwirken, der ist individuell, der wird nicht durch das Gesetz geregelt. Im Christus-Prinzip liegt die Überwindung des Gesetzes: «Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade aber durch Christus » (1, 17). Als Gnade bezeichnete man im christlichen Sinne die Fähigkeit der Seele, aus dem Innern heraus das Gute zu tun. Die Gnade und die im Innern erkannte Wahrheit ist durch Christus entstanden. Sie sehen, wie tief eingreifend dieser Gedanke für die ganze Menschheitsevolution ist.
[ 34 ] However, this impulse will still require the remainder of Earth’s history to fully develop. The beginning of this process was initiated by Christ Jesus, and the figure of Christ will always be the force that guides humanity toward this end. As long as human beings were not mature enough to receive an independent “I,” as long as they existed as members of a group, they had to be socially regulated by a law revealed from without. And even today, human beings have not yet transcended the group “I” in all respects. In how many ways is the human being today by no means an individual human being, but rather a group being! The human being who would already be a free being today—he is called the “Homeless One” at a certain stage of esoteric discipleship—is still merely an ideal! Whoever voluntarily places himself within the workings of the world is an individual; he is not governed by the law. In the Christ principle lies the overcoming of the law: “For the law was given through Moses, but grace came through Christ” (1:17). In the Christian sense, “grace” refers to the soul’s ability to do good from within. Grace and the truth recognized within have come into being through Christ. You can see how profoundly this idea affects the entire evolution of humanity.
[ 35 ] Früher wurden diejenigen, die eingeweiht wurden, zu höheren geistigen Wahrnehmungsorganen gebracht. Mit äußeren Augen hat vorher niemals einer einen Gott gesehen. Der eingeborene Sohn, der im Innern des Vaters ruht, der ist der erste, der uns dahin geführt hat, auf die Weise einen Gott zu schauen, wie Menschen auf der Erde mit Erdensinnen ihre Umgebung sehen. Vorher war der Gott unsichtbar geblieben. Er offenbarte sich im Übersinnlichen durch den Traum oder durch etwas anderes in den Einweihungsstätten. Jetzt war der Gott historisch-sinnliche Tatsache, eine fleischliche Gestalt geworden. Das liegt in den Worten: «Gott hat bisher noch niemand gesehen. Der eingeborene Sohn, welcher im Innern des Weltenvaters war, er ist der Führer in diesem Schauen geworden » (1, 18). Er hat die Menschen dazu gebracht, mit den Erdensinnen einen Gott zu sehen.
[ 35 ] In the past, those who were initiated were led to higher spiritual organs of perception. No one had ever seen a God with physical eyes before. The only-begotten Son, who rests within the Father, is the first to have led us to behold God in the same way that people on Earth perceive their surroundings with earthly senses. Before that, God had remained invisible. He revealed Himself in the supersensible realm through dreams or through other means in the places of initiation. Now God had become a historical, sensory reality, a fleshly form. This is expressed in the words: “No one has ever seen God. The only-begotten Son, who was in the bosom of the Father of the worlds, has become the guide in this beholding” (1:18). He has enabled human beings to see God with their earthly senses.
[ 36 ] So sehen wir allerdings, wie scharf und bedeutsam im JohannesEvangelium auf das historische Ereignis in Palästina hingewiesen wird und mit welch paradigmatischen, fest umrissenen Worten, die aber durchaus auf die Goldwaage gelegt werden müssen, wenn wir sie zum Verständnisse des esoterischen Christentums benutzen wollen. Und nun werden wir in den nächsten Vorträgen sehen, wie dieses Thema weiter ausgeführt und zugleich gezeigt wird, daß der Christus nicht nur der Führer derjenigen ist, die mit der Gruppenseele zusammenhängen, sondern wie er in jeden einzelnen Menschen kommt und gerade das individuelle Ich mit seinem Impuls ausstatten will. Die Blutsverwandtschaft bleibt ja bestehen, aber die Geistigkeit der Liebe tritt hinzu. Und dieser Liebe, die vom freien Ich zum freien Ich geht, gibt er den Impuls. Für den in der Einweihung Begriffenen enthüllt sich Tag für Tag eine Wahrheit nach der anderen. Eine wichtige Wahrheit enthüllt sich immer am dritten Tage. Das ist die, wo man völlig verstehen lernt, daß in der Entwickelung der Erde ein Punkt ist, wodurch sich die an das Blut geknüpfte materielle Liebe immer mehr vergeistigt. Das ist das Ereignis, das veranschaulichen soll den Übergang von der reinen Blutsliebe zu der geistigen Liebe. Darauf wird hingewiesen mit bedeutungsvollen Worten von dem Christus Jesus, wenn er sagt: Es wird eine Zeit kommen, die meine Zeit ist, wo die wichtigsten Dinge geschaffen werden durch Menschen, die nicht mehr durch Blutsverwandtschaft zusammenhängen, sondern durch solche, die als einzelne für sich stehen. Diese Zeit muß aber erst kommen. — Der Christus selber, der den ersten Impuls gibt, sagt bei einer wichtigen Gelegenheit, daß sich dieses Ideal einmal erfüllen wird, daß aber seine Zeit noch nicht gekommen ist. Er deutet prophetisch darauf hin, als die Mutter dasteht und ihn auffordert, etwas zu tun für die Menschheit, als sie gleichsam darauf anspielt, sie habe ein Recht, ihn zu veranlassen zu einer wichtigen Tat für die Menschen. Da erwidert er: Ja, was wir heute tun können, das hat noch etwas zu tun mit den Blutsbanden, mit dem Verhältnis von «mir und dir»; «denn meine Zeit ist noch nicht gekommen » (z, 4). Daß eine solche Zeit kommt, wo der Einzelne für sich stehen muß, ist mit der Erzählung der Hochzeit zu Kana ausgedrückt; und die Aufforderung «Sie haben nicht Wein!» (2, 3) wird von Jesus so beantwortet, daß er sagt: «Das ist etwas, was noch mit «mir und dir» zu tun hat; meine Zeit, die ist noch nicht gekommen.» Daher stehen da die Worte «von mir zu dir» und «meine Zeit ist noch nicht gekommen». Was da steht im Text, deutet auf dieses Geheimnis hin. Wie vieles andere ist auch diese Stelle immer recht grob übersetzt worden. Nicht «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?» sollte dastehen, sondern «Was geht da von mir zu dir?». So fein und subtil ist der Text, aber bloß verständlich für die, die ihn verstehen wollen. Wenn aber immer wieder diese religiösen Urkunden heute von allerlei Leuten erklärt werden, möchte man doch fragen: Haben denn die, welche sich Christen nenen, gar keine Empfindung dabei, wenn sie Christus — nach unrichtiger Übersetzung — den Ausspruch tun lassen: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?»
[ 36 ] Thus, however, we see how sharply and significantly the Gospel of John refers to the historical event in Palestine, and with what paradigmatic, clearly defined words—words that must, however, be weighed very carefully if we are to use them to understand esoteric Christianity. And now, in the next lectures, we shall see how this theme is further developed and, at the same time, how it is shown that Christ is not only the guide of those connected to the group soul, but how He comes into each individual human being and seeks to endow the individual “I” with His impulse. The blood relationship, of course, remains, but the spirituality of love is added to it. And he gives the impulse to this love, which flows from a free “I” to a free “I.” For those embraced by initiation, one truth after another is revealed day by day. An important truth always reveals itself on the third day. This is the one in which one comes to fully understand that there is a point in the Earth’s evolution through which the material love bound to blood becomes increasingly spiritualized. This is the event intended to illustrate the transition from pure blood-based love to spiritual love. Christ Jesus points to this with meaningful words when he says: “A time will come—my time—when the most important things will be created by people who are no longer bound by blood ties, but by those who stand on their own as individuals.” But this time must first come. — Christ himself, who gives the initial impulse, says on an important occasion that this ideal will one day be fulfilled, but that its time has not yet come. He points this out prophetically when his mother stands before him and urges him to do something for humanity, as she alludes, as it were, to her right to prompt him to perform an important deed for humankind. He replies: Yes, what we can do today still has something to do with blood ties, with the relationship of “you and me”; “for my time has not yet come” (John 2:4). The fact that such a time is coming, when the individual must stand on his own, is expressed in the story of the wedding at Cana; and Jesus responds to the plea, “They have no wine!” (2:3) by saying, “This is something that still has to do with ‘me and you’; my time has not yet come.” Hence the words “from me to you” and “my time has not yet come.” What is written there in the text points to this mystery. Like so much else, this passage has always been translated rather crudely. It should not read, “Woman, what do I have to do with you?” but rather, “What is going on between me and you?” The text is that delicate and subtle, but it is understandable only to those who wish to understand it. But when these religious documents are repeatedly interpreted today by all sorts of people, one is tempted to ask: Do those who call themselves Christians have no qualms whatsoever when they have Christ—based on an incorrect translation—say, “Woman, what do I have to do with you?”
[ 37 ] Bei vielem, was sich heute Christentum nennt und sich beruft auf das Evangelium, muß man fragen: Haben sie denn das Evangelium? Es handelt sich darum, daß man das Evangelium erst habe. Und bei einer solch tiefen Urkunde, wie es das Johannes-Evangelium ist, handelt es sich wirklich darum, daß man erst jedes Wort auf die Goldwaage legt, um es in seinem rechten Werte zu erkennen.
[ 37 ] When it comes to much of what is called Christianity today and claims to be based on the Gospel, one must ask: Do they actually have the Gospel? The point is that one must first have the Gospel. And with a text as profound as the Gospel of John, it is truly a matter of first weighing every word on a gold scale in order to recognize its true value.
