The Gospel of St. John
GA 103
23 May 1908, Hamburg
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The Gospel of John, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Bei den Betrachtungen über das Johannes-Evangelium dürfen wir nirgends die ganz prinzipielle Auseinandersetzung außer acht lassen, die wir gestern gepflogen haben, nämlich, daß wir es in dem ursprünglichen Verfasser des Johannes-Evangeliums zu tun haben mit dem von dem Christus Jesus selbst eingeweihten Lieblingsschüler. Es könnte jemand nun natürlich fragen: Ja, ist denn, ganz abgesehen von dem okkulten Wissen, auch vielleicht ein äußeres Zeugnis dafür vorhanden, durch welches der Verfasser des Johannes-Evangeliums erraten läßt, daß er zu der höheren Art des Wissens über den Christus durch die Auferweckung, durch die Einweihung, die im sogenannten Lazaruswunder dargestellt ist, gekommen sei? — Wenn Sie das Johannes-Evangelium sorgfältig lesen, werden Sie eines bemerken. Sie werden bemerken, daß nirgends im Johannes-Evangelium, aber auch gar nirgends vor jenem Kapitel, das die Auferweckung des Lazarus behandelt, von dem Jünger, «den der Herr lieb hatte» (13, 23), die Rede ist; das heißt, der eigentliche Verfasser des JohannesEvangeliums will sagen: Dasjenige, was vorher ist, das stammt noch nicht aus dem Wissen, das mir durch die Einweihung geworden ist, da müßt ihr noch zunächst von mir absehen. Nachher erwähnt er erst den Jünger, «den der Herr lieb hatte». Dadurch also zerfällt das Johannes-Evangelium in zwei wichtige Teile: in einen ersten Teil, wo der Jünger, den der Herr lieb hatte, noch nicht erwähnt wird, weil er noch nicht eingeweiht war; und erst nach der Auferweckung des Lazarus, da wird dieser Jünger erwähnt. Nirgends in der Urkunde selbst werden Sie einen Widerspruch finden mit dem, was in den letzten Vorträgen angeführt worden ist. Natürlich liest ein das Evangelium nur äußerlich betrachtender Mensch leicht darüber hinweg, beachtet es nicht; und man muß heute, wo alles popularisiert wird, wo allerlei Weisheit zu den Menschen dringt, das eigentümliche Schauspiel erleben, daß wirklich oft recht Zweifelhaftes unter dieser Weisheit ist.
[ 1 ] In our reflections on the Gospel of John, we must not lose sight of the fundamental point we discussed yesterday, namely, that the original author of the Gospel of John was the beloved disciple whom Christ Jesus himself initiated. Now, of course, someone might ask: Yes, but setting aside occult knowledge, is there perhaps also some external evidence through which the author of the Gospel of John suggests that he attained a higher kind of knowledge about the Christ through the raising from the dead—through the initiation depicted in the so-called miracle of Lazarus? — If you read the Gospel of John carefully, you will notice something. You will notice that nowhere in the Gospel of John—nor indeed anywhere before the chapter dealing with the raising of Lazarus—is there any mention of the disciple “whom the Lord loved” (13:23); that is to say, the actual author of the Gospel of John is saying: What comes before does not yet stem from the knowledge I have gained through initiation; you must first set that aside for now. Only afterward does he mention the disciple “whom the Lord loved.” Thus, the Gospel of John is divided into two important parts: a first part, in which the disciple whom the Lord loved is not yet mentioned because he had not yet been initiated; and only after the raising of Lazarus is this disciple mentioned. Nowhere in the text itself will you find a contradiction with what has been stated in the recent lectures. Of course, a person who considers the Gospel only superficially will easily overlook this and pay it no mind; and today, when everything is being popularized and all manner of wisdom reaches people, one must witness the peculiar spectacle that there is indeed often something quite dubious among this wisdom.
[ 2 ] Wer würde es nicht als einen Segen betrachten, daß durch solche billige Literatur, wie es die «Reclamsche Universal-Bibliothek» ist, allerlei Wissen unter das Volk getragen wird. Nun ist unter den letzten Heften auch eines erschienen über «Die Entstehung der Bibel». Der Verfasser nennt sich auf dem Titel einen Doktor der Theologie, er ist also Theologe. Er meint, daß auf den Verfasser des JohannesEvangeliums eigentlich durch alle Kapitel des Johannes-Evangeliums hindurch, von dem 35.Vers an im ersten Kapitel auf den Johannes hingewiesen würde. Als mir dieses Büchlein zur Hand kam, traute ich wirklich meinen Augen nicht und sagte mir: Da muß doch eigentlich etwas ganz Sonderbares vorliegen, was gegen alle bisherigen okkulten Ansichten - daß der Lieblingsschüler nicht vor der Auferweckung des Lazarus erwähnt werde - verstößt. Aber ein Theologe sollte es doch wissen! Nun, um nicht gar zu schnell abzuurteilen, nehmen Sie das Johannes-Evangelium in die Hand und sehen Sie, was da steht: «Des andern Tages stund abermal Johannes und zween seiner Jünger» (1, 35). Johannes wird erwähnt, der Täufer, und von zweien seiner Jünger wird gesprochen. Das Günstigste, das für diesen Theologen angenommen werden kann, ist, daß sein Bewußtsein erfüllt ist von einer alten exoterischen Tradition, die da besagt: unter den zweien Jüngern sei der eine der Johannes. Diese Tradition stützt sich auf Matthäus 4, 21. Aber man darf das Johannes-Evangelium nicht durch die anderen Evangelien erklären. Ein Theologe hat es also zustande gebracht, ein direkt schädliches Buch hineinzubringen in die populäre Literatur; und wenn man weiß, wie das weiter frißt, was gerade auf diese Weise durch eine solche billige Literatur unter das Volk kommt, dann kann man den Schaden abmessen, der daraus entspringt. Das sollte nur eine Zwischenbemerkung sein, damit eine gewisse Schutzwand aufgerichtet wird gegen allerlei Einwände, die etwas anführen könnten gegen das, was hier gesagt wird.
[ 2 ] Who would not consider it a blessing that such affordable literature as the “Reclam Universal Library” brings all kinds of knowledge to the people? Now, among the latest issues, one has appeared on “The Origins of the Bible.” The author identifies himself on the title page as a Doctor of Theology; he is, therefore, a theologian. He believes that the author of the Gospel of John is actually identified as John throughout all the chapters of the Gospel of John, beginning with verse 35 of the first chapter. When this little book came into my hands, I really could not believe my eyes and said to myself: There must be something quite extraordinary here that contradicts all previous scholarly views—namely, that the beloved disciple is not mentioned before the raising of Lazarus. But a theologian should surely know better! Well, so as not to judge too quickly, pick up the Gospel of John and see what it says: “The next day John was standing there again with two of his disciples” (1:35). John the Baptist is mentioned, and two of his disciples are spoken of. The most favorable interpretation one can offer this theologian is that his mind is steeped in an ancient exoteric tradition which states that one of the two disciples is John. This tradition is based on Matthew 4:21. But one must not interpret the Gospel of John through the lens of the other Gospels. A theologian has thus managed to introduce a book that is directly harmful into popular literature; and when one considers how deeply such ideas, disseminated in this very way through such cheap literature, take root among the people, one can gauge the harm that results from it. This was meant to be merely a digression, so that a certain protective barrier might be erected against all manner of objections that might be raised against what is said here.
[ 3 ] Nun wollen wir einmal ins Auge fassen, daß das, was der Auferweckung des Lazarus vorangeht, zwar die Mitteilung ganz gewaltiger Dinge ist, daß sich aber der Verfasser erst für die Kapitel nach der Auferweckung des Lazarus die allertiefsten Dinge aufbewahrt hat. Dennoch wollte er überall darauf hinweisen, daß der Inhalt seines Evangeliums etwas ist, worüber nur derjenige Bescheid weiß, der bis zu einem gewissen Grade eingeweiht ist. Daher deutet er an verschiedenen Stellen darauf hin, daß man in den Dingen, die in den ersten Kapiteln mitgeteilt sind, es zu tun habe mit einer Art von Einweihung bis zu einem gewissen Grade. Es gibt eben Einweihungen verschiedener Grade. Man unterschied zum Beispiel in einer gewissen Form morgenländischer Einweihung sieben Grade der Einweihung, und diese sieben Grade der Einweihung benannte man mit allerlei symbolischen Namen. Der erste Grad war der Grad des «Raben», der zweite der des «Okkulten», der dritte der des «Streiters», der vierte der des «Löwen». Der fünfte Grad wird nun bei den verschiedenen Völkern, die noch eine Art von Blutzusammengehörigkeit fühlten als den Ausdruck ihrer Gruppenseele, bezeichnet mit dem Namen des Volkes; also bei den Persern zum Beispiel wird ein im fünften Grade Eingeweihter erst im okkulten Sinne ein «Perser» genannt. Wenn wir uns klarmachen, was diese Namen bedeuten, wird uns die Berechtigung dieser Benennungen bald erscheinen.
[ 3 ] Now let us consider that, while what precedes the raising of Lazarus is indeed an account of truly momentous events, the author has reserved the most profound truths for the chapters following the raising of Lazarus. Nevertheless, he wanted to indicate throughout that the content of his Gospel is something known only to those who have been initiated to a certain degree. Therefore, he hints in various places that the events described in the first chapters involve a kind of initiation up to a certain degree. There are, in fact, initiations of various degrees. For example, in a certain form of Eastern initiation, seven degrees of initiation were distinguished, and these seven degrees were designated by all manner of symbolic names. The first degree was that of the “Raven,” the second that of the “Occult,” the third that of the “Warrior,” and the fourth that of the “Lion.” The fifth degree is now designated, among the various peoples who still felt a kind of kinship through blood as the expression of their group soul, by the name of the people; thus, among the Persians, for example, one who is initiated into the fifth degree is only then called a “Persian” in the occult sense. When we understand what these names mean, the justification for these designations will soon become clear to us.
[ 4 ] Ein im ersten Grade Eingeweihter ist derjenige, der die Vermittelung zwischen dem okkulten und dem äußeren Leben bildet, der hin und her gesandt wird. Auf der ersten Stufe hat sich der Mensch noch mit voller Hingebung dem äußeren Leben zu widmen, aber das, was er erkundet, hat er hineinzutragen in die Einweihungsstätten. Von «Raben» spricht man also da, wo Worte von außen nach innen irgend etwas zu vermitteln haben. Erinnern Sie sich an die Raben des Elias oder an die Raben des Wotan, selbst noch an die Raben in der Barbarossa-Sage, wo sie erkunden sollen, ob es schon Zeit ist, herauszukommen. Der im zweiten Grade Eingeweihte stand schon voll im okkulten Leben. Einer, der im dritten Grade war, durfte für das Okkulte eintreten; der Grad des «Streiters» bedeutet nicht einen Menschen, der da streitet, sondern einen, der für die okkulten Lehren eintreten darf, für das, was das okkulte Leben zu geben vermag. Derjenige, der ein «Löwe» ist, ist ein solcher, der das okkulte Leben in sich verwirklicht; so daß er nicht bloß mit Worten für das Okkulte eintreten darf, sondern auch mit Taten, das heißt mit einer Art magischer Taten. Der sechste Grad ist der Grad des «Sonnenhelden», und der siebente Grad ist der Grad des «Vaters». Für uns kommt der fünfte Grad in Betracht.
[ 4 ] A first-degree initiate is one who serves as a mediator between the occult and the outer life, who is sent back and forth. At the first stage, a person must still devote himself fully to outer life, but he must carry what he discovers into the places of initiation. The term “ravens” is thus used wherever words have something to convey from the outside to the inside. Recall the ravens of Elijah or the ravens of Wotan, and even the ravens in the Barbarossa legend, where they are sent to find out whether it is already time to emerge. The initiate of the second degree was already fully immersed in the occult life. One who was in the third degree was permitted to advocate for the occult; the degree of the “Warrior” does not refer to a person who fights, but to one who is permitted to advocate for the occult teachings, for what the occult life has to offer. The one who is a “Lion” is one who realizes the occult life within himself; so that he is permitted to advocate for the occult not merely with words, but also with deeds—that is, with a kind of magical action. The sixth degree is the degree of the “Sun Hero,” and the seventh degree is the degree of the “Father.” For us, the fifth degree is relevant.
[ 5 ] Der Mensch stand ja besonders in alten Zeiten innerhalb seiner Gemeinschaft und fühlte sich deshalb auch, wenn er sein Ich fühlte, mehr als Mitglied einer Gruppenseele. Wer aber Eingeweihter des fünften Grades war, hatte ein gewisses Opfer dargebracht, seine Persönlichkeit so weit abgestreift, daß er in seine Persönlichkeit das Wesen des Volkes aufnahm. Wie der andere Mensch seine Seele in der Volksseele fühlte, so hatte er die Volksseele in sich aufgenommen, weil alles, was Persönlichkeit war, für ihn nicht in Betracht kam, sondern nur der allgemeine Volksgeist. Deshalb bezeichnete man einen solchen Eingeweihten mit dem Namen des betreffenden Volkes. - Nun wissen wir, daß uns im Johannes-Evangelium gesagt wird, daß unter den ersten Jüngern des Christus Jesus auch Nathanael ist. Er wird dem Christus vorgeführt. Er ist nicht so hoch eingeweiht, daß er den Christus zu durchschauen vermöchte. Der Christus ist natürlich der Geist des umfassenden Wissens, der von einem Nathanael, einem im fünften Grade Eingeweihten, nicht durchschaut werden kann. Aber der Christus durchschaut den Nathanael. Das zeigt sich durch zwei Tatsachen. Wie bezeichnet er selbst ihn?
[ 5 ] In ancient times, in particular, human beings were part of their community and therefore, even when they were aware of their “I,” felt more like members of a group soul. But anyone who was an initiate of the fifth degree had made a certain sacrifice, having shed his personality to such an extent that he had absorbed the essence of the people into his own personality. Just as other people felt their souls within the soul of the people, so had he absorbed the soul of the people into himself, because everything that constituted personality was of no consequence to him—only the general spirit of the people mattered. That is why such an initiate was designated by the name of the people in question. — Now we know that the Gospel of John tells us that Nathanael is among the first disciples of Christ Jesus. He is brought before Christ. He is not so highly initiated that he is able to see through Christ. Christ is, of course, the Spirit of all-encompassing knowledge, who cannot be fully understood by a Nathanael, an initiate of the fifth degree. But Christ sees right through Nathanael. This is evident from two facts. How does Christ himself describe him?
«Das ist ein rechter Israeliter!» (1, 47)
“This is a true Israelite!” (1:47)
[ 6 ] Da haben Sie die Bezeichnung nach dem Namen des Volkes. Wie man bei den Persern einen im fünften Grade Eingeweihten einen «Perser » nannte, so nannte man einen solchen bei den Israeliten einen «Israeliter». Daher nennt Christus den Nathanael einen «Israeliter». Und dann sagt er ihm:
[ 6 ] There you have the designation based on the name of the people. Just as the Persians called someone initiated to the fifth degree a “Persian,” so the Israelites called such a person an “Israelite.” That is why Christ calls Nathanael an “Israelite.” And then he says to him:
«Ehe denn dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warest, sah ich dich!» (1, 48)
“Before Philip called you, when you were under the fig tree, I saw you!” (1:48)
[ 7 ] Das ist eine symbolische Bezeichnung für einen Eingeweihten, geradeso wie das Sitzen Buddhas unter dem Bodhi-Baum. Der Feigenbaum ist ein Symbol der ägyptisch-chaldäischen Einweihung. Er will ihm damit sagen: Oh, ich weiß wohl, daß du ein in gewissem Sinne Eingeweihter bist und gewisse Dinge durchschauen kannst, denn ich sah dich. Und nun erkennt ihn Nathanael:
[ 7 ] This is a symbolic term for an initiate, just as Buddha’s sitting under the Bodhi tree is. The fig tree is a symbol of the Egyptian-Chaldean initiation. He wants to tell him: Oh, I know full well that you are, in a certain sense, an initiate and can see through certain things, for I saw you. And now Nathanael recognizes him:
«Nathanael antwortet und spricht zu ihm: ‹Meister, du bist Gottes Sohn und ein König in Israel.› » (1, 49)
“Nathanael answered and said to him, ‘Rabbi, you are the Son of God and a king in Israel.’ ” (1:49)
[ 8 ] Das Wort «König» bedeutet in dieser Zusammensetzung: Du bist ein Höherer als ich, denn sonst könntest du nicht sagen: «Da du unter dem Feigenbaum saßest, sah ich dich.» Und der Christus antwortet darauf:
[ 8 ] In this context, the word “King” means: You are superior to me, for otherwise you could not say, “Since you were sitting under the fig tree, I saw you.” And Christ replies:
«Du glaubest mir, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres denn das sehen.» (1, 50)
“You believe me because I told you that I saw you under the fig tree; you will see things even greater than that.” (1:50)
[ 9 ] Die Worte «wahrlich, wahrlich» werden wir noch zu besprechen haben. Dann sagt er:
[ 9 ] We will have to discuss the words “truly, truly” later. Then he says:
«Ich sage euch, ihr werdet die Engel des Himmels auf den Menschensohn auf- und niedersteigen schen!» (1, 51)
“I tell you, you will see the angels of heaven ascending and descending upon the Son of Man!” (1:51)
[ 10 ] Größeres, als sie schon gesehen haben, werden die noch sehen, die Christus zu erkennen vermögen. Was ist das wieder für ein bedeutsames Wort?
[ 10 ] Those who are able to recognize Christ will see something even greater than what they have already seen. What kind of significant statement is this again?
[ 11 ] Um es zu erklären, erinnern wir uns daran, was der Mensch zunächst eigentlich ist. Wir haben gesagt, daß der Mensch ein verschiedener ist bei Tag und bei Nacht. Bei Tag sind die vier Glieder des Menschen: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, in einer festen Verbindung miteinander. Sie wirken aufeinander. Wir dürfen sagen, wenn der Mensch wacht bei Tage, dann wird in einer gewissen Weise seine physische Körperlichkeit und seine ätherische Leiblichkeit von seinem Astralisch-Geistigen und von seinem IchGeistigen durchdrungen und versorgt. Aber wir haben auch gezeigt, wie in dem Ätherisch-Leiblichen und in dem Physisch-Körperlichen noch etwas anderes wirksam sein muß, damit der Mensch überhaupt bestehen kann in seiner heutigen Entwickelungsphase. Denn wir haben uns darauf besonnen, daß der Mensch jede Nacht dasjenige, was selbst seinen physischen Leib und seinen Ätherleib versorgt, nämlich Astralleib und Ich, herauszieht und so seinen physischen Leib und Ätherleib die ganze Nacht über ihrem eigenen Schicksale überläßt. Treulos verlassen Sie alle jede Nacht Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib. Daraus werden Sie erkennen, daß die Geisteswissenschaft mit einem gewissen Recht darauf hinweist, daß göttlichgeistige Mächte und Kräfte in der Nacht diesen physischen Leib, diesen Ätherleib durchströmen, so daß also Ihr physischer Leib und Ätherleib sozusagen in die göttlich-geistigen Kräfte und Wesenheiten eingeschaltet sind. Wir haben auch darauf hingewiesen, daß gerade, wenn der astralische Leib und das Ich in alten Zeiten - in den Zeiten, die wir die Jahve- oder Jehovazeit nannten — außerhalb des physischen Leibes und Ätherleibes waren, daß da Jehova inspirierend wirkte. Das wahre Licht aber, die Fülle der Gottheit oder der Elohim, das Pleroma, ist es, was auch den physischen Leib und den Ätherleib immer durchstrahlt; nur kann es der Mensch nicht erkennen, weil er ja von dem Christus-Prinzip noch nicht den dazu notwendigen Impuls erhalten hat vor dem Erscheinen dieses Prinzipes auf der Erde. Diejenigen Prinzipien, die im physischen Leibe zum Ausdruck kommen sollen, sie wohnen im höheren Geistigen, im Devachan. Die geistigen Wesenheiten und Mächte, die auf den physischen Leib wirken, sind zu Hause in den höheren himmlischen Sphären, in dem höheren Devachan; und diejenigen Mächte, die auf den Ätherleib wirken, sind in den niederen himmlischen Sphären zu Hause. So können wir sagen: In diesen physischen Leib hinein wirken fortwährend Wesenheiten aus den höchsten Regionen des Devachan, und auf den Ätherleib wirken fortwährend Wesenheiten aus den niederen Regionen des Devachan. Sie kann der Mensch erst erkennen, wenn er die Impulse des Christus in sich aufnimmt: Lernt ihr den Menschensohn wirklich erkennen, dann werdet ihr erkennen, wie die geistigen Kräfte am Menschen auf- und niedersteigen aus den himmlischen Sphären. Das wird euch kund werden durch den Impuls, den der Christus der Erde gibt!
[ 11 ] To explain this, let us recall what a human being actually is at the outset. We have said that a human being is different by day and by night. By day, the four constituent parts of the human being—the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—are in a firm connection with one another. They interact with one another. We may say that when a human being is awake during the day, his physical body and his etheric body are, in a certain sense, permeated and sustained by his astral-spiritual and ego-spiritual aspects. But we have also shown how something else must be at work within the etheric and physical bodies so that the human being can exist at all in his present stage of development. For we have reflected on the fact that every night the human being withdraws that which nourishes even his physical body and his etheric body—namely, the astral body and the I—and thus leaves his physical body and etheric body to their own fate throughout the night. Every night, you all faithlessly abandon your physical body and your etheric body. From this you will recognize that spiritual science points out, with some justification, that divine-spiritual powers and forces flow through this physical body and this etheric body during the night, so that your physical body and etheric body are, so to speak, connected to the divine-spiritual forces and beings. We have also pointed out that precisely when the astral body and the “I” were outside the physical body and the etheric body in ancient times—in the times we called the Yahweh or Jehovah era—Jehovah was at work as an inspiration. But the true light—the fullness of the Godhead or the Elohim, the Pleroma—is what constantly radiates through the physical body and the etheric body as well; it is just that human beings cannot perceive it, because they have not yet received the necessary impulse from the Christ principle prior to the appearance of this principle on Earth. Those principles that are to find expression in the physical body dwell in the higher spiritual realm, in Devachan. The spiritual beings and forces that act upon the physical body are at home in the higher heavenly spheres, in the higher Devachan; and those forces that act upon the etheric body are at home in the lower heavenly spheres. Thus we can say: Beings from the highest regions of Devachan are constantly acting upon this physical body, and beings from the lower regions of Devachan are constantly acting upon the etheric body. Human beings can only recognize this when they take in the impulses of Christ within themselves: If you truly come to know the Son of Man, then you will recognize how the spiritual forces ascend and descend upon human beings from the heavenly spheres. This will be revealed to you through the impulse that Christ gives to the Earth!
[ 12 ] Auf das, was nun folgt, ist schon gestern hingewiesen worden. Es ist die Hochzeit zu Kana in Galiläa, was man oft auch nennt «das erste der Wunder», besser würde man sagen «das erste der Zeichen», die der Christus Jesus tut (2, 1-11). Um nun zu verstehen das Gewaltige, das darin liegt, müssen wir vieles zusammenfassen von dem, was wir in den letzten Vorträgen gehört haben.
[ 12 ] What follows here was already mentioned yesterday. It is the wedding at Cana in Galilee, often referred to as “the first of the miracles,” though it would be more accurate to call it “the first of the signs” performed by Jesus Christ (2:1–11). To understand the profound significance of this event, we must summarize much of what we have heard in the previous lectures.
[ 13 ] Zunächst ist hier die Rede von einer Hochzeit. Warum aber eine Hochzeit in Galiläa? Wir werden verstehen, warum es eine Hochzeit in Galiläa ist, wenn wir uns die ganze Mission des Christus noch einmal vor die Seele rufen. Seine Mission besteht darin, dem Menschen die volle Kraft des Ich, die innere Selbständigkeit in die Seele zu bringen. Das einzelne Ich sollte sich in völliger Selbständigkeit und Abgeschlossenheit, in völligem Stehen-in-sich-selber fühlen, und durch die Liebe, die als eine freie Gabe gegeben wird, soll Mensch mit Mensch zusammengeführt werden. Eine Liebe also soll durch das Christus-Prinzip in die Erdenmission hineinkommen, die immer mehr und mehr über das Materielle erhaben ist und immer mehr und mehr in Geistiges aufsteigt. Ausgegangen ist die Liebe von ihrer niedersten Form, die an die Sinnlichkeit gebunden ist. Dasjenige liebte sich in den ursprünglichen Menschheitszeiten, was durch Blutsbande miteinander verbunden war, und man hielt ungemein viel darauf, daß die Liebe diese materielle Basis der Blutsverwandtschaft habe. Der Christus war gekommen, um diese Liebe zu vergeistigen, um auf der einen Seite die Liebe loszureissen von den Banden, in die sie durch die Blutsverwandtschaft hineinverschlungen wird, und auf der anderen Seite die Kraft, den Impuls zu der geistigen Liebe zu geben. Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, was wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können. Wir haben gesehen, der Ausspruch: «Ich und der Vater Abraham sind Eins» bedeutet etwas für den Bekenner des Alten Testaments; es bedeutet, sich geborgen zu fühlen in dem Bewußtsein, daß jenes Blut, welches schon geronnen hat in den Adern des Vaters Abraham, herunterrollte bis zu ihm, dem Bekenner. Da fühlte er sich in einem Ganzen geborgen; und nur diejenigen betrachtete man als zusammengehörig, welche aus einer solchen Art menschlicher Fortpflanzung hervorgegangen waren, die durch diese Blutsverwandtschaft aufrechterhalten blieb. Ganz im Anfange der Menschheitsentwickelung auf der Erde wurde überhaupt nur geheiratet in ganz engen Kreisen, in ganz blutsverwandten Familien. Die «Nah-Ehe» war das, woran man im Anfange der Menschheitsentwickelung festgehalten hat. Immer mehr erweiterten sich die engen Blutkreise. Man heiratete hinaus aus dem Stamm, aber noch nicht in ein anderes Volk hinüber. Das Volk des Alten Testamentes hielt ganz fest daran, daß die Volksblutsverwandtschaft aufrechterhalten wurde. Der ist ein «Jude», der dem Blute nach ein Jude ist.
[ 13 ] First of all, the text here speaks of a wedding. But why a wedding in Galilee? We will understand why it is a wedding in Galilee if we recall the entire mission of Christ. His mission consists in bringing into the human soul the full power of the “I,” that is, inner independence. The individual “I” should feel completely independent and self-contained, fully grounded in itself, and through love—given as a free gift—human beings are to be brought together. Thus, through the Christ principle, a love is to enter into the earthly mission that is increasingly transcending the material and rising ever higher into the spiritual. Love originated in its lowest form, which is bound to sensuality. In the earliest times of humanity, people loved one another based on blood ties, and great importance was attached to love having this material basis of kinship. Christ came to spiritualize this love—on the one hand, to tear love away from the bonds in which it is entangled through blood kinship, and on the other hand, to provide the power and the impulse for spiritual love. Among the believers of the Old Testament, we still see expressed in the fullest sense what we might call belonging to the group soul as the foundation of the individual “I” within the collective “I.” We have seen that the statement, “I and Father Abraham are one,” means something to the believer of the Old Testament; it means feeling secure in the awareness that the blood which had already congealed in the veins of Father Abraham flowed down to him, the believer. There he felt secure within a whole; and only those were regarded as belonging together who had emerged from a form of human procreation that was sustained by this blood kinship. At the very beginning of human development on Earth, marriages took place exclusively within very close circles, among families related by blood. “Close-kin marriage” was the practice adhered to at the dawn of human development. The narrow blood circles expanded more and more. People married outside their tribe, but not yet into another people. The people of the Old Testament held fast to the principle that the blood kinship of the people be maintained. A “Jew” is one who is a Jew by blood.
[ 14 ] An dieses Prinzip wendet sich der Christus Jesus nicht; er wendet sich an diejenigen, die dieses Prinzip der bloßen Blutsverwandtschaft durchbrechen, und er zeigt das Wichtige, was er zu zeigen hat, daher nicht zuerst innerhalb Judäas, sondern draußen in Galiläa. Galiläa war das Gebiet, wo Völker aus allen möglichen Stämmen und Völkern gemischt waren. Der «Galiläer» bedeutet der «Mischling». Zu den Galiläern geht der Christus Jesus, zu denen, die am meisten gemischt sind. Und aus dem, was solcher durch Mischung bewirkten Fortpflanzung der Menschheit zugrunde liegt, soll das hervorgehen, was eben nicht mehr an die materielle Grundlage der Liebe gebunden ist. Daher wird das, was er zu sagen hat, auf einer Hochzeit gesagt. Warum gerade auf einer Hochzeit? Weil durch die Hochzeit hingedeutet werden kann auf die Fortpflanzung der Menschheit. Und das, was er zeigen will, zeigt er nicht da, wo man nur heiratet in engeren Grenzen, wo man nur heiratet innerhalb der Blutsbande, sondern da, wo man unabhängig von den Blutsbanden heiratet. Deshalb wird das bei einer Hochzeit gesagt, und zwar bei einer Hochzeit in Galiläa. Und wenn wir verstehen wollen, was hier gezeigt wird, dann müssen wir wiederum einen Blick werfen auf die ganze Entwickelung der Menschheit.
[ 14 ] Christ Jesus does not address this principle; rather, he addresses those who break with this principle of mere blood kinship, and therefore he does not reveal the important truth he has to reveal first within Judea, but outside in Galilee. Galilee was the region where people from all manner of tribes and nations were intermingled. The term “Galilean” means “mixed-race.” Christ Jesus goes to the Galileans, to those who are the most mixed. And from what underlies the procreation of humanity brought about by such mixing, there shall emerge that which is no longer bound to the material foundation of love. That is why what he has to say is spoken at a wedding. Why specifically at a wedding? Because a wedding can symbolize the procreation of humanity. And what he wishes to demonstrate, he does not demonstrate where people marry only within narrow boundaries—where they marry only within blood ties—but rather where they marry independently of blood ties. That is why this is said at a wedding—specifically, at a wedding in Galilee. And if we want to understand what is being shown here, we must once again take a look at the entire development of humanity.
[ 15 ] Oft ist betont worden, daß es für den Okkultisten etwas Äußeres, bloß Materielles nicht gibt. Alles Materielle ist für ihn der Ausdruck eines Seelisch-Geistigen. Und wie Ihr Antlitz der Ausdruck für ein Seelisch-Geistiges ist, so ist das Licht der Sonne der Ausdruck für ein seelisch-geistiges Licht. Alles, was scheinbar bloß materiell geschieht, ist zu gleicher Zeit der Ausdruck tieferer geistiger Vorgänge. Der Okkultismus leugnet nicht das Materielle, ihm ist nur selbst das gröbste Materielle der Ausdruck eines Seelisch-Geistigen. So entsprechen den geistigen Entwickelungsvorgängen in der Welt immer parallel gehende materielle Tatsachen.
[ 15 ] It has often been emphasized that, for the occultist, there is no such thing as something external or merely material. For him, everything material is the expression of something soul-spiritual. And just as your face is the expression of something soul-spiritual, so the light of the sun is the expression of a soul-spiritual light. Everything that appears to be merely material is, at the same time, the expression of deeper spiritual processes. Occultism does not deny the material; for it, even the coarsest material is the expression of something soul-spiritual. Thus, spiritual processes of development in the world are always accompanied by parallel material facts.
[ 16 ] Wenn wir im Geiste zurückblicken auf die Entwickelung der Menschheit, als die Menschheit noch auf dem alten Kontinente zwischen Europa und Amerika war, auf der alten Atlantis, von da aus hinüberlebte in die spätere nachatlantische Zeit, und wie verschiedene Generationen endlich bis zu uns herauf geführt haben, dann können wir den ganzen Sinn dieser Entwickelung der Menschheit von der vierten Rasse zur fünften Rasse — wenn wir ihn vom Rassenstandpunkt aus betrachten — so ins Auge fassen, daß sozusagen aus der noch ganz und gar in die Gruppenseele getauchten Menschheit der Atlantis allmählich sich entwickeln, langsam heranreifen sollte das Einzel-Ich der menschlichen Persönlichkeit in der nachatlantischen Zeit. Was der Christus geistig brachte durch seinen mächtigen geistigen Impuls, das mußte langsam auch durch andere Impulse vorbereitet werden. Was Jahve getan hat, war, daß er in den astralischen Leib das Gruppenseelen-Ich hineingelegt und ihn so vorbereitet hat zur langsamen Reifung, um aufzunehmen das völlig selbständige «Ich-bin». Nicht anders aber konnte dieses Ich-bin von dem Menschen erfaßt werden, als wenn auch sein physischer Leib ein geeignetes Werkzeug wurde, um dieses Ich-bin zu beherbergen. Sie können sich leicht vorstellen, daß der astralische Leib noch so fähig sein könnte, ein Ich aufzunehmen — wenn der physische Leib so ist, daß er kein geeignetes Werkzeug ist, um das «Ich-bin» auch wirklich im Wachbewußtsein zu fassen, dann ist es eben nicht möglich, ein «Ich-bin» aufzunehmen. Es muß auch der physische Leib immer das geeignete Werkzeug sein für das, was sich auf Erden hier ausprägt. Also mußte der physische Leib, als der astralische Leib herangereift war, vorbereitet sein, um ein Werkzeug für das. «Ich-bin» zu werden. Und das geschah auch in der menschlichen Entwickelung.
[ 16 ] When we look back in spirit on the evolution of humanity—when humanity was still on the ancient continent between Europe and America, on ancient Atlantis, and from there carried over into the later post-Atlantean era—and consider how various generations have finally led up to us, then we can grasp the full meaning of this evolution of humanity from the fourth race to the fifth race — when viewed from the racial perspective — in such a way that, so to speak, from the humanity of Atlantis, which was still entirely immersed in the group soul, the individual “I” of the human personality was to gradually develop and slowly mature during the post-Atlantean era. What Christ brought spiritually through his powerful spiritual impulse also had to be slowly prepared through other impulses. What Yahweh did was to place the group-soul “I” within the astral body, thereby preparing it for slow maturation so that it could receive the fully independent “I Am.” But this “I Am” could not be grasped by the human being unless his physical body, too, became a suitable vessel to house this “I Am.” You can easily imagine that the astral body might still be capable of receiving an “I”—but if the physical body is such that it is not a suitable instrument for truly grasping the “I Am” even in waking consciousness, then it is simply not possible to receive an “I Am.” The physical body, too, must always be the suitable instrument for what manifests itself here on Earth. Thus, once the astral body had matured, the physical body had to be prepared to become an instrument for the “I Am.” And this is indeed what happened in human evolution.
[ 17 ] Wir können die Prozesse verfolgen, durch welche der physische Leib vorbereitet wurde, ein Träger des selbstbewußten, des «Ich-bin »begabten Menschen zu werden. Sogar in der Bibel wird uns das angedeutet: daß derjenige, der Stammvater wird in einer gewissen Beziehung in der nachatlantischen Zeit, daß Noah der erste Weintrinker ist, als erster die Wirkung des Alkohols erlebt. Da kommen wir auf ein Kapitel, das wirklich für manchen schockierend sein kann. Was in der nachatlantischen Zeit als ein besonderer Kultus hervortritt, ist der Dionysosdienst. Sie wissen alle, wie der Dionysoskult in Zusammenhang gebracht wird mit dem Wein. Dieser merkwürdige Stoff wird der Menschheit allerdings erst in der nachatlantischen Zeit zugeführt, und dieser Stoff wirkt auf die Menschheit. Sie wissen, jeder Stoff wirkt irgendwie auf die Menschen, und der Alkohol hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus. Er hatte nämlich eine Mission im Laufe der Menschheitsentwickelung; er hatte — so sonderbar das erscheint — die Aufgabe, sozusagen den menschlichen Leib so zu präparieren, daß dieser abgeschnitten wurde von dem Zusammenhang mit dem Göttlichen, damit das persönliche «Ich-bin» herauskommen konnte. Der Alkohol hat nämlich die Wirkung, daß er den Menschen abschneidet von dem Zusammenhang mit der geistigen Welt, in der der Mensch früher war. Diese Wirkung hat det Alkohol auch noch heute. Der Alkohol ist nicht umsonst in der Menschheit gewesen. Man wird in einer zukünftigen Menschheit im vollsten Sinne des Wortes sagen können, daß der Alkohol die Aufgabe hatte, den Menschen so weit in die Materie herunterzuziehen, damit der Mensch egoistisch wurde, und daß der Alkohol ihn dahin brachte, das Ich für sich zu beanspruchen und es nicht mehr in den Dienst des ganzen Volkes zu stellen. Also den entgegengesetzten Dienst, den die Gruppenseele der Menschheit geleistet hat, hat der Alkohol geleistet. Er hat den Menschen die Fähigkeit genommen, in höheren Welten sich mit einem Ganzen eins zu fühlen. Daher der Dionysoskult, der das Zusammenleben in einer Art äußeren Rausches pflegt. Ein Aufgehen in einem Ganzen, ohne zu schauen dieses Ganze. Die Entwickelung in der nachatlantischen Zeit ist deshalb mit dem Dionysoskult verbunden worden, weil dieser Kult ein Symbolum war für die Funktion und Mission des Alkohols. Jetzt, wo die Menschheit wiederum strebt, den Weg zurückzufinden, wo das Ich so weit entwickelt ist, daß der Mensch wieder den Anschluß finden kann an die göttlich-geistigen Mächte, jetzt ist die Zeit gekommen, wo, anfangs sogar aus dem Unbewußten heraus, eine gewisse Reaktion gegen den Alkohol eintritt. Diese Reaktion tritt aus dem Grunde ein, weil viele Menschen heute schon fühlen, daß so etwas, was einmal eine besondere Bedeutung hatte, nicht ewig berechtigt ist.
[ 17 ] We can trace the processes through which the physical body was prepared to become a vessel for the self-aware human being endowed with the “I am.” Even the Bible hints at this: that the one who becomes the progenitor in a certain sense in the post-Atlantean era—that Noah is the first wine-drinker, the first to experience the effects of alcohol. This brings us to a chapter that may indeed be shocking to some. What emerges as a distinctive cult in the post-Atlantean era is the worship of Dionysus. You all know how the cult of Dionysus is associated with wine. This remarkable substance, however, was not introduced to humanity until the post-Atlantean era, and it has an effect on humanity. You know that every substance affects people in some way, and alcohol has a very specific effect on the human organism. For it had a mission in the course of human development; it had—as strange as it may seem—the task, so to speak, of preparing the human body in such a way that it was cut off from its connection with the Divine, so that the personal “I am” could emerge. Alcohol has the effect of cutting people off from their connection with the spiritual world in which they once lived. Alcohol still has this effect today. It is no coincidence that alcohol has existed among humanity. In a future humanity, one will be able to say in the fullest sense of the word that alcohol had the task of pulling human beings down so far into the material world that they became selfish, and that alcohol led them to claim the “I” for themselves and no longer place it in the service of the entire people. Thus, alcohol performed the opposite service to that rendered by the group soul of humanity. It deprived humanity of the ability to feel at one with a whole in higher worlds. Hence the cult of Dionysus, which fosters communal living in a kind of external intoxication—a merging into a whole without perceiving that whole. Development in the post-Atlantean era has therefore been linked to the cult of Dionysus because this cult was a symbol of the function and mission of alcohol. Now that humanity is once again striving to find its way back to a state where the “I” is so far developed that human beings can reconnect with the divine-spiritual powers, the time has come when—initially even from the unconscious—a certain reaction against alcohol is setting in. This reaction arises because many people today already sense that something which once had special significance is not eternally justified.
[ 18 ] Es braucht niemand das, was jetzt gesagt worden ist über die Aufgabe des Alkohols in einer bestimmten Zeit, etwa als für den Alkohol gesprochen aufzufassen; sondern es geschah, um klarzumachen, daß diese Mission des Alkohols erfüllt ist und daß für die verschiedenen Zeiten sich eben Verschiedenes schickt. Aber es tauchte auch in derselben Epoche, wo die Menschheit durch den Alkohol am tiefsten in den Egoismus heruntergezogen worden ist, die stärkste Kraft auf, die dem Menschen den größten Impuls geben kann, um wieder den Zusammenschluß mit dem geistigen Ganzen zu finden. Auf der einen Seite mußte der Mensch bis zur tiefsten Stufe hinuntersteigen, um selbständig zu werden, auf der anderen Seite mußte dagegen die starke Kraft kommen, die wieder den Impuls geben konnte, um den Weg zum Ganzen zurückzufinden.
[ 18 ] No one should interpret what has just been said about the role of alcohol in a particular era as an endorsement of alcohol; rather, it was intended to make clear that this mission of alcohol has been fulfilled and that different things are appropriate for different times. But even in the very same era in which humanity was dragged down to the depths of selfishness by alcohol, the strongest force emerged—one capable of giving human beings the greatest impulse to find their way back to union with the spiritual whole. On the one hand, humanity had to descend to the lowest level in order to become independent; on the other hand, however, a powerful force had to emerge that could once again provide the impetus to find the way back to the Whole.
[ 19 ] Dies mußte der Christus andeuten in dem ersten Zeichen für seine Mission. Er mußte erstens andeuten, daß das Ich selbständig werden sollte, und sodann, daß er sich an diejenigen wendet, die sich schon losgelöst haben von den Blutszusammenhängen. Er mußte sich wenden an eine solche Hochzeit, wo die Körper unter dem Einfluß des Alkohols standen; denn bei dieser Hochzeit wird Wein getrunken. Und der Christus Jesus zeigt, wie er es hält mit seiner Mission in bezug auf die verschiedenen Erdperioden. Wie oft wird es ganz sonderbar ausgedrückt, was die Verwandlung des Wassers in Wein hier für eine Bedeutung habe. Auch sogar von Kanzeln kann man es hören, daß damit nichts anderes gemeint sei, als daß das schale Wasser des Alten Teestamentes abgelöst werden solle von dem kräftigen Wein des Neuen Testamentes. Es waren vermutlich Weinliebhaber, die diese Art der Auslegung immer wieder geliebt haben. Denn so einfach sind diese Symbole nicht. Es muß festgehalten werden, daß der Christus sagt: Meine Mission ist eine solche, daß sie in eine fernste Zukunft hinweist; und es soll den Menschen als selbständigen Menschen gebracht werden der Zusammenhang mit der Gottheit, die Liebe zur Gottheit als eine freie Gabe des selbständigen Ich. Diese Liebe soll den Menschen in Freiheit an die Gottheit binden, wie ihn früher ein innerlicher Zwangsimpuls der Gruppenseele dieser Gottheit eingegliedert hatte.
[ 19 ] This is what Christ had to imply in the first sign of his mission. He had to imply, first, that the “I” was to become independent, and second, that he was addressing those who had already detached themselves from blood ties. He had to turn to a wedding where the bodies were under the influence of alcohol; for at this wedding, wine is drunk. And Christ Jesus shows how he approaches his mission in relation to the various earthly periods. How often is the meaning of the transformation of water into wine here expressed in a most peculiar way. One can even hear from pulpit to pulpit that this is meant to signify nothing other than that the stale water of the Old Testament is to be replaced by the robust wine of the New Testament. Presumably, it was wine lovers who repeatedly favored this kind of interpretation. For these symbols are not that simple. It must be noted that Christ says: My mission is such that it points to the most distant future; and the connection with the Deity—love for the Deity as a free gift of the independent self—is to be brought to human beings as autonomous individuals. This love is to bind human beings to the Deity in freedom, just as an inner, coercive impulse of the group soul had previously integrated them into that Deity.
[ 20 ] Fassen wir jetzt im Sinne einer Stimmung auf, was so die Menschheit erlebte. Fassen wir vor allem die Gedanken, die man damals hatte. Man sagte: Der Mensch war einst mit der Gruppenseele verbunden und fühlte seinen Zusammenhang mit der Gottheit. Dann hat er sich herunterentwickelt. Das betrachtete man wie ein Verstricktwerden mit dem Materiellen, wie eine Degeneration, wie eine Art Abfall von dem Göttlichen, und man fragte: Woher ist denn das, was der Mensch jetzt hat, ursprünglich gekommen? Wovon ist er abgefallen? Je weiter wir in der Erdenentwickelung zurückgehen, desto mehr finden wir, daß die festen Stoffe immer mehr unter dem Einfluß von wärmeren Zuständen in Flüssiges übergehen. Wir wissen aber, daß damals, als die Erde noch ein flüssiger Planet war, der Mensch auch schon vorhanden war. Aber damals war der Mensch auch noch weniger von der Gottheit losgelöst als später. In demselben Maße, als sich die Erde verfestigte, vermaterialisierte sich auch der Mensch. Der Mensch war, als die Erde flüssig war, schon im Wasser enthalten; aber er konnte nur herumgehen auf einer Erde, die auch schon Festes abgesetzt hatte. Daher fühlte man das Sichverfestigen des Menschen so, daß man sagte: Aus der Erde, die noch Wasser war, wird der Mensch herausgeboren, aber da ist er noch ganz mit der Gottheit verbunden. Alles, was ihn in die Materie hineingebracht hat, hat ihn verunreinigt. Diejenigen, die sich dieses alten Zusammenhanges mit dem Göttlichen erinnern sollten, wurden mit der Wassertaufe getauft. Diese sollte das Symbolum dafür sein: Werdet euch bewußt eures alten Zusammenhanges mit der Gottheit, und daß ihr verunreinigt seid, heruntergekommen seid zu dem heutigen Zustand! - So taufte auch der Täufer, um auf diese Weise den Menschen den Zusammenhang mit der Gottheit nahezubringen. Und so war alle Taufe in den alten Zeiten gemeint. Es ist ein radikaler Ausdruck, aber ein Ausdruck, der uns das, was gemeint ist, zum Bewußtsein bringt.
[ 20 ] Let us now try to grasp, in terms of a general atmosphere, what humanity experienced at that time. Above all, let us grasp the thoughts people had back then. It was said: Human beings were once connected to the group soul and felt their connection to the Divine. Then they degenerated. This was viewed as becoming entangled with the material world, as a degeneration, as a kind of fall from the Divine, and people asked: Where did what human beings now possess originally come from? From what did they fall away? The further back we go in the Earth’s evolution, the more we find that solid substances increasingly transform into liquids under the influence of warmer conditions. We know, however, that back when the Earth was still a liquid planet, human beings already existed. But at that time, human beings were even less detached from the divine than they were later. To the same extent that the Earth solidified, human beings also became more materialized. When the Earth was liquid, humankind was already contained within the water; but humankind could only move about on an Earth that had already begun to solidify. Therefore, the solidification of humankind was perceived in such a way that it was said: Humankind is born from the Earth, which was still water, but at that stage is still entirely connected to the Divine. Everything that brought him into matter has defiled him. Those who were meant to remember this ancient connection with the Divine were baptized with water. This was meant to be the symbol: Become aware of your ancient connection with the Divine, and that you are defiled, having fallen to your present state! - Thus John the Baptist also baptized, in order to bring people closer to their connection with the Divine in this way. And this is how all baptism was intended in ancient times. It is a radical expression, but one that brings to our consciousness what is meant.
[ 21 ] Der Christus Jesus sollte mit etwas anderem taufen. Er sollte die Menschen nicht auf die Vergangenheit weisen, sondern durch die Entwickelung der Geistigkeit in ihrem Innern auf die Zukunft. Durch den «heiligen», durch den ungetrübten Geist sollte des Menschen Geistiges zusammenhängend werden mit der Gottheit. Die Wassertaufe war eine Erinnerungstaufe. Die Taufe aber mit dem «heiligen Geist» ist eine prophetische Taufe, die hinweist in die Zukunft. Jener Zusammenhang, der ganz verlorengegangen ist, an den erinnern sollte die Wassertaufe, ist mit verlorengegangen auch in dem, was ausgedrückt wurde im Symbolum des Weines, des Opferweines. Dionysos ist der zerstückelte Gott, der in die einzelnen Seelen eingezogen ist, so daß die einzelnen Teile nichts mehr voneinander wußten. In viele Stücke zersplittert, in die Materie geworfen ist der Mensch durch das, was durch den Alkohol - das Symbol für Dionysos - der Menschheit gebracht worden ist. Aber in der Hochzeit von Kana ist ein großes Prinzip festgehalten. Das ist das pädagogische Evolutionsprinzip. Es gibt zwar absolute Wahrheiten, aber sie können der Menschheit nicht ohne weiteres zu jeder Zeit überliefert werden. Jede Zeit muß ihre besonderen Verrichtungen, ihre besonderen Wahrheiten haben.
[ 21 ] Christ Jesus was to baptize in a different way. He was not to direct people toward the past, but toward the future through the development of spirituality within them. Through the “Holy,” through the unclouded Spirit, the spiritual nature of human beings was to become one with the Divinity. Water baptism was a baptism of remembrance. But baptism with the “Holy Spirit” is a prophetic baptism that points to the future. That connection—which has been completely lost and which water baptism was meant to remind people of—has also been lost in what was expressed in the symbol of wine, the sacrificial wine. Dionysus is the dismembered god who has entered into individual souls, so that the individual parts are no longer aware of one another. Shattered into many pieces and cast into matter, humanity has been reduced to this state by what has been brought to humankind through alcohol—the symbol of Dionysus. But the Wedding at Cana embodies a great principle: the pedagogical principle of evolution. While absolute truths do exist, they cannot simply be handed down to humanity at any given time. Every age must have its own particular tasks, its own particular truths.
[ 22 ] Warum dürfen wir heute über Reinkarnation und so weiter sprechen? Warum dürfen wir in einer solchen Versammlung zusammensitzen und Geisteswissenschaft pflegen? Wir dürfen das, weil alle die Seelen, die heute in Ihnen sind, in so und so vielen Körpern so und so oft auf der Erde inkarniert waren. Gar manche von den Seelen, die heute in Ihnen sind, haben einstmals gelebt innerhalb der germanischen Länder, wo die Druidenpriester unter sie getreten sind und das, was geistige Weisheit ist, in Form von Mythen und Sagen an die Seele herangebracht haben. Und weil die Seele das dazumal in jener Form aufgenommen hat, ist sie heute in der Lage, das in einer anderen Form, in anthroposophischer Form aufzunehmen. Damals im Bilde, heute in der Form der Anthroposophie. Aber nicht hätte damals die Wahrheit in der heutigen Form vorgetragen werden können. Sie dürfen nicht glauben, daß der alte Druidenpriester die Wahrheit hätte in dieser Form verkünden können, wie es heute geschieht. Aber Anthroposophie ist diejenige Form, die für die heutigen oder unmittelbar kommenden Menschen taugt. In späteren Inkarnationen wird in ganz anderen Formen die Wahrheit verkündet und für sie gewirkt werden, und das, was man heute Anthroposophie nennt, wird als eine Erinnerung erzählt werden, wie man heute die Sagen und Märchen erzählt. So unsinnig darf der Anthroposoph nicht sein, zu sagen: Es hat in alten Zeiten nur Dummheiten und kindliche Anschauungen gegeben, und «nur wir haben es heute so herrlich weit gebracht». — Das tun zum Beispiel diejenigen, die vorgeben, Monisten zu sein. Wir aber arbeiten in der Geisteswissenschaft, um die nächste Epoche vorzubereiten. Denn würde unsere Epoche nicht da sein, so würde die nächste eben auch nicht kommen. Aber auch keiner darf die Gegenwart mit der Zukunft entschuldigen. Auch mit der Reinkarnationslehre wird da viel Unfug getrieben. Es sind mir Menschen vorgekommen, die gesagt haben, sie brauchten in ihrer heutigen Inkarnation noch keine anständigen Menschen zu sein, dafür hätten sie noch später Zeit. Wenn man aber heute damit nicht beginnt, dann wird die Folge davon gerade in der nächsten Inkarnation eintreten.
[ 22 ] Why are we allowed to talk about reincarnation and such today? Why are we allowed to sit together in a gathering like this and study spiritual science? We are able to do so because all the souls that are within you today have incarnated on Earth so many times in so many bodies. Quite a few of the souls that are within you today once lived in the Germanic lands, where the Druid priests came among them and brought spiritual wisdom to the soul in the form of myths and legends. And because the soul absorbed it in that form back then, it is now able to absorb it in another form—in the form of anthroposophy. Back then through imagery; today through the form of anthroposophy. But the truth could not have been presented in today’s form back then. You must not believe that the ancient Druid priests could have proclaimed the truth in the form in which it is done today. But anthroposophy is the form that is suitable for people today or for those in the immediate future. In later incarnations, the truth will be proclaimed and worked through in entirely different forms, and what is called anthroposophy today will be recounted as a memory, just as legends and fairy tales are told today. The anthroposophist must not be so foolish as to say: “In ancient times there was nothing but foolishness and childish views, and ‘only we have made such magnificent progress today.’” — This is what those who claim to be monists do, for example. We, however, work in spiritual science to prepare for the next epoch. For if our epoch did not exist, the next one would not come either. But no one should use the present to excuse the future. A great deal of nonsense is also being peddled regarding the doctrine of reincarnation. I have encountered people who have said that they do not yet need to be decent human beings in their present incarnation; they claim they will have time for that later. But if one does not begin today, the consequences will be felt precisely in the next incarnation.
[ 23 ] So müssen wir uns klar sein, daß es etwas Absolutes in den Formen der Wahrheit nicht gibt, sondern daß jedesmal das erkannt wird, was einer gewissen Epoche der Menschheit entspricht. Es mußte sozusagen der höchste Impuls heruntersteigen bis zu den Lebensgewohnheiten der damaligen Zeit. Denn er mußte das, was höchste Wahrheit ist, in die Worte und die Verrichtungen kleiden, welche dem Verständnis der betreffenden Epoche angemessen waren. So mußte der Christus durch eine Art Dionysos- oder Weinopfer sagen, wie die Menschheit sich zur Gottheit erheben solle. Man darf nicht zelotisch sagen: Warum verwandelt Christus das Wasser in Wein? Es muß die Zeit berücksichtigt werden. Durch eine Art Dionysosopfer mußte Christus vorbereiten das, was kommen sollte. Christus geht zu den Galiläern, die zusammengewürfelt sind aus allerlei Nationen, die nicht durch Blutsbande verknüpft sind, und tut da das erste Zeichen seiner Mission; und er schickt sich so weit in ihre Lebensgewohnheiten, daß er ihnen das Wasser in Wein verwandelt.
[ 23 ] We must therefore be clear that there is nothing absolute in the forms of truth, but that what is recognized each time corresponds to a particular epoch of humanity. The highest impulse, so to speak, had to descend to the level of the customs of that time. For he had to clothe what is highest truth in the words and actions that were appropriate to the understanding of that particular epoch. Thus, through a kind of Dionysian or wine sacrifice, Christ had to show how humanity should ascend to divinity. One must not ask zealously, “Why does Christ turn water into wine?” One must take the times into account. Through a kind of Dionysian sacrifice, Christ had to prepare the way for what was to come. Christ goes to the Galileans—a motley crew drawn from all manner of nations, not bound by blood ties—and there performs the first sign of his mission; and he adapts himself so thoroughly to their way of life that he turns water into wine for them.
[ 24 ] Halten wir fest, was der Christus da eigentlich sagen will: Ich will auch diejenigen Menschen zu einem geistigen Zusammenhange führen, die herabgestiegen sind bis zu der Stufe von Materialität, welche durch das Weintrinken symbolisiert wird. Und er will nicht nur für solche da sein, die durch das Symbol der Wassertaufe sich erheben können. Es ist sehr bedeutsam, daß wir geradezu darauf hingewiesen werden, daß hier sechs Reinigungskrüge stehen (2, 6). Auf die Zahl kommen wir noch einmal zurück. «Reinigung » ist das, was durch die Taufe bewirkt wird. Man sprach in den Zeiten, aus denen das Evangelium herstammt, wenn man die Tatsache des Taufens ausdrückte, vom «Taufen» als von einer Reinigung. Man sprach aber niemals eigentlich das Wort «Taufe» aus, sondern sagte «taufen»; und das, was bewirkt wurde durch die Taufe, nannte man die «Reinigung». Niemals werden Sie in dem Johannes-Evangelium das entsprechende Wort, also AurriSewv, anders als in Form des Zeitwortes finden. Wenn es aber als Hauptwort gebraucht wird, wird immer die Reinigung, die Wirkung ausgedrückt, damit sich der Mensch an seinen Reinigungszustand erinnern soll, an seinen Zusammenhang mit der Gottheit. Also selbst in den symbolischen Krügen für das Reinigungsopfer nimmt der Christus Jesus das Zeichen vor, durch das er - der Zeitepoche entsprechend — auf seine Mission hinweist.
[ 24 ] Let us note what Christ is actually trying to say here: I also wish to lead those people to a spiritual connection who have descended to the level of materiality symbolized by the drinking of wine. And he does not wish to be there only for those who can elevate themselves through the symbol of water baptism. It is very significant that we are explicitly reminded that there are six jars of purification here (2:6). We will return to this number later. “Purification” is what is brought about through baptism. In the times from which the Gospel originates, when referring to the act of baptism, people spoke of “baptizing” as a purification. However, people never actually used the word “baptism”; instead, they said “to baptize”; and what was brought about by baptism was called “purification.” You will never find the corresponding word, AurriSewv, in the Gospel of John in any form other than as a verb. But when it is used as a noun, it always expresses the purification, the effect, so that people may remember their state of purification and their connection to the Divine. Thus, even in the symbolic jars for the purification offering, Christ Jesus performs the ritual through which he—in accordance with the era—points to his mission.
[ 25 ] So wird uns gerade etwas von der tiefsten Mission des Christus in der Hochzeit zu Kana in Galiläa ausgedrückt. Und da mußte er sagen: Es wird meine Zeit kommen in der Zukunft; jetzt aber ist sie noch nicht da. Was ich hier zu wirken habe, hängt zum Teil noch mit dem zusammen, was überwunden werden muß durch meine Mission. Er steht in der Gegenwart und weist zugleich in die Zukunft hinein und zeigt dadurch, wie er nicht im absoluten, sondern im kulturpädagogischen Sinne für die Zeit wirkt. Die Mutter ist es daher, die ihn auffordert und sagt: «Sie haben nicht Wein.» Er aber sagt: Das, was ich jetzt zu vollbringen habe, hängt noch mit den alten Zeiten zusammen, mit «mir und dir»; denn meine eigentliche Zeit,wo der Wein zurückverwandelt wird in Wasser, ist noch nicht gekommen. Wie hätte es auch überhaupt einen Sinn, zu sagen: «Weib, was habe ich mit dir zu schaflen?», wenn er dann doch das befolgt, was die Mutter gesagt hat?! Es hat nur dann einen Sinn, wenn wir darauf hingewiesen ‚werden sollen, daß durch die Blutsverwandtschaft der gegenwärtige Zustand der Menschheit herbeigeführt worden ist, und daß ein Zeichen gegeben wird im Sinne der alten Gebräuche, die noch des Einschlages des Alkohols bedürfen, um hinzudeuten auf die Zeit, da aus den Blutsbanden das selbständige Ich sich herausgestaltet, daß man also vorläufig mit dem Alten, das im Wein symbolisiert wird, noch rechnen muß, daß aber eine spätere Zeit kommen wird, die «seine Zeit» sein wird.
[ 25 ] Thus, the Wedding at Cana in Galilee reveals to us something of Christ’s deepest mission. And there he had to say: My time will come in the future; but it has not yet arrived. What I have to accomplish here is still partly connected to what must be overcome through my mission. He stands in the present and at the same time points toward the future, thereby showing how he works for his time—not in an absolute sense, but in a cultural-pedagogical sense. It is therefore the Mother who urges him, saying, “They have no wine.” But he replies: “What I must accomplish now is still connected to the old times, to ‘you and me’; for my true time—when the wine is transformed back into water—has not yet come.” After all, what sense would it make to say, “Woman, what do I have to do with you?” if he then goes ahead and does what his mother said anyway?! It only makes sense if we are to be reminded that the present condition of humanity has been brought about by blood kinship, and that a sign is given in accordance with ancient customs, which still require the influence of alcohol to point toward the time when the independent self emerges from the bonds of blood—that we must therefore, for the time being, still reckon with the old, symbolized by the wine, but that a later time will come which will be “his time.”
[ 26 ] Und Kapitel für Kapitel wird uns jetzt im Johannes-Evangelium ein Zweifaches gezeigt: erstens, daß das, was mitgeteilt wird, für diejenigen mitgeteilt wird, die in einer gewissen Weise okkulte Wahrheiten zu begreifen vermögen. Heute wird ja exoterisch Geisteswissenschaft vorgetragen, damals aber konnten geisteswissenschaftliche Wahrheiten nur diejenigen verstehen, die in einer gewissen Weise bis zu diesem oder jenem Grade wirklich eingeweiht waren. Wer konnte etwas von dem verstehen, was an tieferen Tatsachen der Christus Jesus zu sagen hatte? Derjenige nur konnte es verstehen, welcher vermochte, außerhalb des Leibes wahrzunehmen, wer heraustreten aus dem Leibe und in der geistigen Welt bewußt werden konnte. Wollte der Christus Jesus zu Menschen reden, die ihn verstehen konnten, so mußten es solche sein, die eingeweiht waren in einer gewissen Weise, die schon in einer gewissen Weise geistig sehen konnten. Wenn er zum Beispiel spricht von der Wiedergeburt der Seele in dem Kapitel über das Gespräch mit Nikodemus; da wird uns gezeigt, daß er diese Wahrheit einem solchen verkündet, der mit geistigen Sinnen sieht. Sie brauchen nur zu lesen:
[ 26 ] And chapter by chapter, the Gospel of John now reveals two things to us: first, that what is communicated is intended for those who are, in a certain sense, capable of comprehending occult truths. Today, spiritual science is presented in an exoteric manner; back then, however, spiritual scientific truths could be understood only by those who, in a certain sense, were truly initiated to one degree or another. Who could understand anything of the deeper truths that Christ Jesus had to say? Only those who were able to perceive beyond the physical body—those who could step out of the body and become conscious in the spiritual world—could understand it. If Christ Jesus wished to speak to people who could understand him, they had to be those who were initiated in a certain way, who were already able to see spiritually to some extent. When, for example, he speaks of the rebirth of the soul in the chapter on the conversation with Nicodemus, we are shown that he proclaims this truth to one who sees with spiritual senses. You need only read:
«Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden;
der kam zu Jesu bei der Nacht...» (3, 1-2)
“Now there was a man among the Pharisees named Nicodemus, a ruler of the Jews;
he came to Jesus by night...” (3:1–2)
[ 27 ] Gewöhnen wir uns nur daran, die Worte auf die Goldwaage zu legen! Es wird uns angedeutet, daß Nikodemus zu Jesu «bei der Nacht» kommt, das heißt, daß er außerhalb des physischen Leibes dasjenige aufnimmt, was ihm da der Christus Jesus mitzuteilen hat. «Bei der Nacht», -das heißt, indem er sich seiner geistigen Sinne bedient, kommt er zu dem Christus Jesus. So wie Nathanael und der Christus Jesus sich als Eingeweihte verständigen durch die Rede vom Feigenbaum, so wird auch hier eine Verständigungsfähigkeit angedeutet.
[ 27 ] Let us simply get into the habit of weighing every word carefully! We are given to understand that Nicodemus comes to Jesus “at night”—that is, that outside of his physical body, he receives what Christ Jesus has to communicate to him. “At night”—that is, by making use of his spiritual senses—he comes to Christ Jesus. Just as Nathanael and Christ Jesus communicate as initiates through the story of the fig tree, so too is a capacity for understanding implied here.
[ 28 ] Und das andere, was uns gezeigt wird, ist, daß der Christus immer eine Mission erfüllen will, die absieht von den bloßen Blutsbanden. Es wird uns das ganz deutlich gezeigt dadurch, daß er hingeht zu der Samariterin am Brunnen. Er gibt ihr die Unterweisung, die er denen geben will, deren Ich herausgehoben ist aus der Blutsgemeinschaft.
[ 28 ] And the other thing that is shown to us is that Christ always seeks to fulfill a mission that goes beyond mere blood ties. This is made very clear to us by the fact that he goes to the Samaritan woman at the well. He gives her the teaching he intends to give to those whose “I” has been lifted out of the blood community.
«Da kam er in eine Stadt Samarias, die heißet Sichar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohne Joseph gab.
Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde war. von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde.
Da kommt ein Weib aus Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken.
Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise kauften.
Spricht nun das samaritische Weib zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, so du ein Jude bist und ich ein samaritisch Weib? (Denn die Juden hatten keine Gemeinschaft mit den Samaritern).» (4, 5-9)
“He came to a town in Samaria called Sychar, near the field that Jacob had given to his son Joseph.
Now Jacob’s well was there. Since Jesus was tired from His journey, He sat down by the well; it was about the sixth hour.
A woman from Samaria came to draw water. Jesus said to her, ‘Give me a drink.’
For his disciples had gone into the town to buy food.
The Samaritan woman said to him, ‘How can you ask me for a drink, since you are a Jew and I am a Samaritan woman? (For the Jews had no dealings with the Samaritans).’” (4:5–9)
[ 29 ] Darauf wird hingewiesen, daß es etwas Besonderes ist, daß der Christus zu einem Volke geht, dessen Iche aus der Gruppenseele herausgehoben, entwurzelt sind. Das ist das Wichtige, worauf es ankommt.
[ 29 ] It is pointed out that it is something special for the Christ to come to a people whose “I”s have been lifted out of and uprooted from the group soul. That is the important point, the crux of the matter.
[ 30 ] Aus der Erzählung von dem Königischen ergibt sich weiter: Nicht nur das, was sich durch die Blutsbande zusammenschließt in Volksheiraten, sondern auch das, was nach Blutsbanden sich in Stände sondert, durchbricht der Christus. Zu denen kommt er, deren Ich sozusagen entwurzelt ist: Er heilt den Sohn des Königischen, der ihm eigentlich nach Auffassung der Juden fremd ist. Überall werden Sie darauf hingewiesen, daß Christus der Missionar ist von dem selbständigen Ich, das sich in jeder Menschenindividualität findet. Daher darf er auch sagen: Ich spreche, wenn ich von mir spreche, in höherem Sinne gar nicht von meinem in mir darin sitzenden Ich, sondern wenn ich von dem «Ich-bin» spreche, so spreche ich von einer Wesenheit, von etwas, was jeder in sich findet. Mein Ich ist eins mit dem Vater; aber das Ich überhaupt, das in jeder Persönlichkeit ist, ist eins mit dem Vater. — Das ist auch der tiefere Sinn der Unterweisung, die der Christus der Samariterin am Brunnen gibt. Ich möchte Sie vor allem an ein Wort erinnern, das Ihnen ein tiefes Verständnis eröffnen kann, wenn Sie es richtig verstehen: die Stelle des 31.bis 34. Verses im 3.Kapitel, die natürlich so gelesen werden muß, daß man sich bewußt ist, Johannes der Täufer sagt diese Worte:
[ 30 ] The story of the Royal One further reveals: Christ breaks through not only what is united by blood ties in communal marriages, but also what is divided into estates according to blood ties. He comes to those whose “I,” so to speak, has been uprooted: He heals the son of the royal family, who is actually a stranger to him according to the Jews’ view. Everywhere you are reminded that Christ is the missionary of the independent “I” found in every human individuality. That is why he can also say: When I speak of myself, in a higher sense I am not speaking at all of the “I” that resides within me; rather, when I speak of the “I Am,” I am speaking of a being, of something that everyone finds within themselves. My “I” is one with the Father; but the “I” in general, which is in every personality, is one with the Father. — This is also the deeper meaning of the teaching that Christ gave to the Samaritan woman at the well. Above all, I would like to remind you of a passage that can open up a deep understanding for you if you grasp it correctly: verses 31 through 34 of Chapter 3, which, of course, must be read with the awareness that John the Baptist is the one speaking these words:
«Der von oben herkommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über alle und zeuget, was er gesehen und gehöret hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an.
Wer es aber annimmt, der besiegelt es, daß Gott wahrhaftig sei. Denn welchen Gott gesandt hat, der redet Gottesworte; denn Gott gibt den Geist nicht nach dem Maß.»
“The one who comes from above is above all. The one who is from the earth belongs to the earth and speaks from the earth. The one who comes from heaven is above all and testifies to what he has seen and heard; yet no one accepts his testimony.
But whoever does accept it confirms that God is true. For the one whom God has sent speaks the words of God; for God does not give the Spirit by measure.”
[ 31 ] Ich möchte einmal den Menschen kennenlernen, der diese Worte nach dieser Übersetzung wirklich versteht. Was ist das für ein Gegensatz: «Der von Gott kommt, redet Gottesworte, denn Gott gibt den Geist nicht nach dem Maß!» Was ist der Sinn dieser Sätze?
[ 31 ] I’d like to meet the person who truly understands these words based on this translation. What kind of contradiction is this: “He who comes from God speaks the words of God, for God does not give the Spirit by measure!” What is the meaning of these sentences?
[ 32 ] Durch unzählige Reden will Christus sagen: Wenn ich von dem Ich spreche, so spreche ich von dem ewigen Ich im Menschen, das eins ist mit dem geistigen Urgrund der Welt. Wenn ich von diesem Ich spreche, spreche ich von etwas, was im Allerinnersten der Menschenseele wohnt. Hört mich jemand an — und jetzt redet er nur vom niederen Ich, das von dem Ewigen nichts fühlt -, der nimmt mein Zeugnis nicht an, der versteht mich gar nicht. Denn ich kann nicht von etwas sprechen, das von mir zu ihm hinüberfließt. Dann wäre er nicht selbständig. Jeder muß den Gott, den ich verkünde, in sich selbst als seinen ewigen Grund finden. - Nur ein paar Verse zurück finden Sie die Stelle:
[ 32 ] Through countless discourses, Christ seeks to convey: When I speak of the “I,” I am speaking of the eternal “I” within human beings, which is one with the spiritual source of the world. When I speak of this “I,” I am speaking of something that dwells in the very depths of the human soul. If anyone listens to me—and yet speaks only of the lower “I,” which feels nothing of the Eternal—that person does not accept my testimony and does not understand me at all. For I cannot speak of something that flows from me to him. Then he would not be independent. Everyone must find the God I proclaim within himself as his eternal foundation. - Just a few verses back, you’ll find the passage:
«Johannes aber taufte auch noch zu Enon, nahe bei Salim, denn es war viel Wassers daselbst; und sie kamen dahin und ließen sich taufen.
Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis gelegt.
Da erhub sich eine Frage unter den Jüngern des Johannes mit den Juden über die Reinigung» (3, 23-25),
“John was also baptizing at Enon, near Salim, because there was plenty of water there; and people came there to be baptized.
For John had not yet been put in prison.
Then a dispute arose among John’s disciples and the Jews concerning purification” (3:23–25),
[ 33 ] das heißt über die Form der Taufe. Wenn man eine solche Frage in diesem Kreise erhob, sprach man immer vom Zusammenhange mit dem Göttlichen und von dem Untertauchen des Menschen in die Materie, und wie man nach der alten Gottesidee mit dem Göttlichen durch die Gruppenseele verbunden war. Da kamen die anderen und sagten zu Johannes: Der Jesus tauft aber auch! Und da muß ihnen Johannes erst klarmachen, daß das, was durch den Jesus in die Welt kommt, etwas ganz Besonderes ist. Und er macht es ihnen klar dadurch, daß er sagt: Der Jesus lehrt nicht jenen Zusammenhang, der durch die alte Taufe symbolisiert wird, sondern er lehrt, wie der Mensch durch die freie Gabe des selbständig gewordenen Ichs selbst geführt wird; und jeder muß in sich selbst das «Ich-bin», den Gott, entdecken, nur dadurch kommt er in die Lage, das Göttliche in sich zu finden. - Wenn diese Worte so gelesen werden, dann wird der Zuhörer gewahr, daß Er selbst, daß das «Ich-bin» von Gott gesandt ist. Ein solcher, der von Gott gesandt ist, der entsendet wird zum Entzünden des «Gottes» in dieser Art, der verkündet auch den Gott in dem wahren Sinne, nicht mehr nach der Blutsverwandtschaft.
[ 33 ] that is, regarding the form of baptism. Whenever such a question was raised in this circle, the discussion always turned to the connection with the Divine and to the immersion of the human being into matter, and to how, according to the ancient concept of God, one was connected to the Divine through the group soul. Then the others came and said to John, “But Jesus baptizes, too!” And so John first had to make it clear to them that what comes into the world through Jesus is something quite special. And he makes this clear to them by saying: “Jesus does not teach that connection symbolized by the old baptism, but rather he teaches how human beings are guided by the free gift of the ‘I’ that has become independent; and everyone must discover within themselves the ‘I Am,’ God—only through this can they come to find the divine within themselves.” - When these words are read in this way, the listener becomes aware that He Himself—that the “I Am”—is sent by God. One who is sent by God, who is dispatched to kindle the “God” in this way, also proclaims God in the true sense, no longer according to blood kinship.
[ 34 ] Und jetzt übersetzen wir uns diese Stelle, wie sie wirklich heißt. Wir bekommen die Materialien dazu, wenn wir uns klar sind, wie die Lehren der Alten waren. Die waren in vielen Büchern kunstvoll aufgeschrieben. Wir brauchen uns nur an die Psalmen zu erinnern, wo in schön gefügten Reden im Alten Testamente das Göttliche verkündet worden ist. Da redet man nur von den alten Blutzusammenhängen als dem Zusammenhange mit einem Gotte. Man konnte alles das lernen, aber man lernte durch alles das nie mehr, als daß man mit dieser alten Gottheit zusammenhängt. Wollte man aber den Christus verstehen, so brauchte man all die alten Gesetze, alle die alten Künstlichkeiten nicht. Was der Christus lehrte, konnte man in dem Maße ergreifen, als man in sich das geistige Ich erfaßte. Dann konnte man zwar noch kein volles Wissen von der Gottheit haben, aber man konnte das verstehen, was man von den Lippen des Christus Jesus hörte. Dann hatte man die Vorbedingung zum Verständnis. Man brauchte dann alle Psalmen nicht, alle kunstvoll gefügten Lehren nicht, sondern man brauchte nur das Einfachste, und das waren lallende Ausdrücke. Man braucht nur zu lallen in seinen Worten, und man wird von dem Gotte zeugen. Das konnte man selbst in den einfachsten lallenden Worten, es brauchten nur einzelne Worte zu sein, die gar kein «Maß» haben. Wer nur lallte, wer fühlte in seinem Ich, daß er von Gott gesandt ist, der konnte das verstehen, was der Christus sprach. Wer nur den irdischen Zusammenhang mit Gott weiß, der redet im Versmaß der Psalmen, aber all sein Metrum führt ihn zu nichts anderem als zu den alten Göttern. Derjenige aber, der sich in den geistigen Welten gegründet fühlt, der ist über alle, und er kann Zeugnis geben von dem, was er gesehen und gehört hat in den geistigen Welten. Aber sein Zeugnis nehmen diejenigen, die nur in der gewohnten Weise ein Zeugnis annehmen, nicht an. Wenn es solche gibt, die es annehmen, dann zeigen sie eben durch ihre Annahme, daß sie als gottgesandt sich fühlen. Sie glauben nicht nur, sie verstehen, was ihnen der andere sagt, und sie besiegeln durch ihr Verstehen selbst ihre Worte. «Wer das Ich fühlt, offenbart selbst im Lallen Gottes Worte.» Das bedeutet es. Denn der Geist, der hier gemeint ist, braucht sich durch kein Metrum, durch kein Silbenmaß auszusprechen; sondern in der einfachsten lallenden Weise kann er sich ausdrücken. Es werden leicht solche Worte als Freibrief genommen für ein Recht auf Unweisheit. Wer aber die Weisheit ablehnt, weil sich nach seiner Meinung die höchsten Geheimnisse in der schlichtesten Form aussprechen lassen müssen, der tut dies - allerdings oft unbewußt nur aus einem gewissen Hang zur seelischen Bequemlichkeit. Wenn gesagt wird: «Gott gibt den Geist nicht nach dem Maß», so ist eben nur gemeint, daß das Maß nicht zum Geist verhilft; wo aber der Geist wirklich ist, da entsteht auch das Maß. Nicht ein jeder, der das Maß hat, hat den Geist; wer aber den Geist hat, kommt gewiß zum Maß. Man darf natürlich gewisse Dinge nicht umkehren: Es ist nicht schon ein Zeichen für das Geisthaben, wenn man #ein Maß hat, obschon auch umgekehrt das Maßhaben nicht ein Zeichen für den Geist ist. Wissenschaft ist sicherlich kein Zeichen für Weisheit, aber Unwissenheit sicherlich auch nicht.
[ 34 ] And now let’s translate this passage as it truly is. We’ll find the materials for this once we understand what the teachings of the ancients were like. They were artfully recorded in many books. We need only recall the Psalms, where the divine was proclaimed in beautifully crafted passages in the Old Testament. There, one speaks only of the ancient blood ties as the connection to a God. One could learn all of that, but through all of it, one never learned anything more than that one is connected to this ancient deity. But if one wanted to understand Christ, one did not need all those ancient laws or all that ancient artifice. What Christ taught could be grasped to the extent that one grasped the spiritual self within oneself. Then, although one could not yet have full knowledge of the divinity, one could understand what one heard from the lips of Christ Jesus. Then one had the prerequisite for understanding. One no longer needed all the psalms, nor all the artfully crafted teachings; instead, one needed only the simplest things—and those were stammering expressions. One need only babble in one’s words, and one will bear witness to God. This was possible even in the simplest, babbling words—they need only be individual words that have no “rhythm” at all. Whoever merely babbled, whoever felt within their inner self that they were sent by God, could understand what Christ spoke. Whoever knows only the earthly connection with God speaks in the meter of the Psalms, but all his meter leads him to nothing other than the old gods. But the one who feels grounded in the spiritual worlds is above all, and he can bear witness to what he has seen and heard in the spiritual worlds. But those who accept testimony only in the customary way do not accept his testimony. If there are those who do accept it, then they show, precisely through their acceptance, that they feel themselves to be sent by God. They do not merely believe; they understand what the other person is telling them, and through their understanding they themselves confirm his words. “Whoever feels the ‘I’ reveals God’s words even in babbling.” That is what it means. For the spirit referred to here does not need to express itself through any meter or syllabic measure; rather, it can express itself in the simplest, most babbling manner. Such words are easily taken as a license for a right to ignorance. But whoever rejects wisdom because, in his opinion, the highest mysteries must be expressed in the simplest form, does so—though often unconsciously—merely out of a certain inclination toward spiritual complacency. When it is said, “God does not give the Spirit according to measure,” it simply means that measure does not aid the Spirit; but where the Spirit truly is, there measure also arises. Not everyone who possesses measure possesses the Spirit; but whoever possesses the Spirit will certainly attain measure. Of course, one must not reverse certain things: possessing measure is not in itself a sign of possessing the Spirit, although, conversely, possessing measure is not a sign of the Spirit either. Science is certainly no sign of wisdom, but neither is ignorance.
[ 35 ] So wird uns also gezeigt, daß der Christus an das selbständig gewordene Ich in jeder Menschenseele appelliert. «Maß» müssen Sie hier ähnlich nehmen wie «Silbenmaß», wie kunstvoll aufgebaute Sprache. - Und der vorhergehende Satz heißt wörtlich: «Der, der Gott im «Ich-bin» erfaßt, bezeugt selbst im Lallen göttliche oder Gottes Sprache und findet den Weg zum Gotte.»
[ 35 ] Thus we are shown that Christ appeals to the “I” that has become independent within every human soul. You should understand “meter” here in a similar way to “syllabic meter”—that is, as artfully constructed language. — And the preceding sentence literally reads: “He who grasps God in the ‘I Am’ bears witness to the divine language—or God’s language—even in babbling, and finds the way to God.”
