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The Rudolf Steiner Archive

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The Gospel of St. John
GA 103

27 May 1908, Hamburg

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Wir haben gesehen, daß man sich dem tiefen Sinne des JohannesEvangeliums am besten dadurch nähert, daß man den Zugang dazu von verschiedenen Seiten her zu gewinnen sucht; und wir haben ja gestern von einer gewissen Seite her auf eines der bedeutsamsten Geheimnisse des Johannes-Evangeliums hindeuten dürfen. Nun wird es nötig sein, damit wir nach und nach zu einem vollen Verständnisse gerade des gestern angeführten Mysteriums kommen können, daß wir die Erscheinung des Christus Jesus in unserer nachatlantischen Zeit als solcher betrachten. Wir haben das Mannigfaltigste zusammengetragen, um die Entwickelung des Menschen und innerhalb dieser das Christus-Prinzip zu verfolgen. Wir werden heute versuchen zu begreifen, warum Christus gerade in dem Zeitpunkt unserer Entwickelung als Mensch aufgetreten ist, in dem er auf der Erde gewandelt ist. Da werden wir an dasjenige anzuknüpfen haben, was wir teilweise in den letzten Vorträgen schon gehört haben, und werden namentlich die Entwickelung unserer Menschheit in der nachatlantischen Zeit ins Auge fassen müssen.

[ 1 ] We have seen that the best way to approach the deeper meaning of the Gospel of John is to seek to gain access to it from various angles; and yesterday we were able to point to one of the most significant mysteries of the Gospel of John from a certain perspective. Now, in order that we may gradually arrive at a full understanding of precisely the mystery mentioned yesterday, it will be necessary for us to consider the appearance of Christ Jesus in our post-Atlantean era as such. We have gathered a wide variety of material in order to trace the development of the human being and, within that, the Christ principle. Today we will attempt to understand why Christ appeared as a human being precisely at that point in our development when he walked the earth. In doing so, we will have to build upon what we have already heard in part during the previous lectures, and we will need to focus specifically on the development of humanity in the post-Atlantean era.

[ 2 ] Wir haben wiederholt erwähnt, daß unsere Vorfahren in einer weit zurückliegenden Zeit drüben im Westen auf einem Erdgebiete gewohnt haben, das heute eingenommen wird vom Atlantischen Ozeane. Auf der alten Atlantis haben unsere Vorfahren gelebt. Wir haben vorgestern namentlich auf die Art und Weise hindeuten können, wie die äußere Körperlichkeit dieser unserer atlantischen Vorfahren ausgesehen hat. Wir haben gesehen, daß dasjenige, was heute vom Menschen mit äußeren Sinnen wahrgenommen wird, der physische Leib, eigentlich erst langsam und nach und nach zu der fleischlichen Dichte gekommen ist, die er heute hat.

[ 2 ] We have repeatedly mentioned that, in a time long past, our ancestors lived over in the West on a landmass that is now covered by the Atlantic Ocean. Our ancestors lived on ancient Atlantis. The day before yesterday, we were able to point out specifically what the outer physical form of these Atlantean ancestors of ours looked like. We have seen that what is perceived today by human beings through their outer senses—the physical body—actually only slowly and gradually attained the physical density it possesses today.

[ 3 ] Wir konnten sagen, daß erst im letzten Teile der atlantischen Zeit der Mensch einigermaßen der heutigen Gestalt ähnelte. Aber auch gegen das letzte Drittel der atlantischen Zeit war der Mensch noch wesentlich anders, wenn er auch für die äußeren Sinne sich nicht viel unterschied. Wir können uns am besten begreiflich machen, welchen Fortschritt der Mensch gemacht hat, wenn wir den heutigen Menschen vergleichen mit irgendeinem der lebenden höheren Tiere. Uns muß ja schon aus verschiedenen Gründen klar geworden sein, wodurch der Mensch sich im wesentlichen unterscheidet von einem heute selbst noch so hochstehenden Tiere. Bei jedem Tiere finden wir, daß auf dem physischen Plane oder in der physischen Welt die Wesenheit dieses Tieres besteht aus dem physischen Leibe, dem Äther- oder Lebensleibe und dem astralischen Leibe, daß diese drei Bestandteile aber das Wesen des Tieres in der physischen Welt ausmachen. Sie dürfen nun nicht glauben, daß in der physischen Welt etwa nur Physisches vorkommt. Es wäre ein großer Irrtum, wenn Sie etwa alles Ätherische oder namentlich alles Astralische in der übersinnlichen Welt suchen würden. Freilich können Sie mit physischen Sinnen in der physischen Welt nur Physisches sehen. Aber das ist nicht deshalb etwa, weil in der physischen Welt nur Physisches vorhanden wäre. Nein, beim Tier ist in der physischen Welt ein Ätherleib und ein astralischer Leib vorhanden, und der hellseherisch begabte Mensch sieht diesen Ätherleib und diesen astralischen Leib des Tieres. Erst wenn er zu dem eigentlichen Ich des Tieres kommen will, kann er nicht in der physischen Welt bleiben, da muß er hinaufsteigen in die astralische Welt. Da ist die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich der Tiere. Und der Unterschied des Menschen vom Tiere besteht darin, daß beim Menschen das Ich auch hier unten in der physischen Welt ist. Das heißt, der Mensch besteht in der physischen Welt aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, obwohl die drei höheren Glieder, vom Ätherleib an, nur für das hellseherische Bewußtsein erkennbar sind.

[ 3 ] We could say that it was not until the final phase of the Atlantean epoch that human beings began to resemble their present form to some extent. But even toward the last third of the Atlantean epoch, human beings were still substantially different, even if they did not appear much different to the external senses. The best way to understand the progress humanity has made is to compare modern humans with any of the living higher animals. For various reasons, it must already have become clear to us in what ways human beings differ fundamentally from even the most highly developed animals of today. In every animal, we find that on the physical plane—or in the physical world—the being of that animal consists of the physical body, the etheric or life body, and the astral body; and that these three components constitute the essence of the animal in the physical world. You must not, however, believe that only physical phenomena exist in the physical world. It would be a great mistake to assume that everything ethereal—or, more specifically, everything astral—is to be found in the supersensible world. Of course, with your physical senses, you can see only physical phenomena in the physical world. But that is not because only physical phenomena exist in the physical world. No, in the case of animals, an etheric body and an astral body are present in the physical world, and a person with clairvoyant abilities can see this etheric body and this astral body of the animal. Only when he wishes to reach the animal’s true “I” can he not remain in the physical world; he must ascend into the astral world. There lies the group soul or the group “I” of the animals. And the difference between humans and animals lies in the fact that, in humans, the “I” is also present here below in the physical world. This means that, in the physical world, a human consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I,” although the three higher members—starting with the etheric body—are perceptible only to clairvoyant consciousness.

[ 4 ] Nun drückt sich dieser Unterschied des Menschen vom Tiere auch in einer gewissen Weise hellseherisch aus. Nehmen Sie an, ein Hellseher beobachtet ein Pferd und einen Menschen. Da findet er, daß außerhalb des bis zur Schnauze verlängerten Pferdekopfes ein ätherischer Ansatz ist, und er sagt sich: Da ragt über dem physischen Kopfe des Pferdes der Ätherkopf heraus und ist mächtig organisiert. Diese beiden decken sich aber nicht beim Pferde. Beim heutigen Menschen findet man hellseherisch das, was Ätherkopf ist, ungefähr in Form und Größe mit dem physischen Kopfe übereinstimmend. Besonders grotesk sieht hellseherisch betrachtet der Elefant aus, der einen merkwürdig großen Ätherkopf hat; so daß dieser Elefant, hellseherisch gesehen, ein ganz, ganz groteskes Tier wird. Aber beim heutigen Menschen deckt sich physischer Kopf und Ätherkopf, sie sind nach Form und Größe ziemlich gleich. Das war nicht immer so beim Menschen. Im letzten Drittel der atlantischen Zeit finden wir es erst so. Der alte Atlantier hatte den Ätherkopf mächtig hervorragend über dem physischen Kopfe. Dann wuchsen diese beiden immer mehr zusammen, und es war im letzten Drittel der atlantischen Zeit, als physischer und Ätherkopf zur Deckung kamen. Im Gehirn gibt es einen Punkt - in der Nähe der Augen -, der deckt sich heute mit einem ganz bestimmten Punkte des Ätherkopfes. Diese Punkte waren in alter Zeit getrennt. Der Ätherpunkt war außerhalb des Gehirns. Diese beiden wichtigen Punkte haben sich zusammengeschoben. Als diese beiden Punkte zusammengefallen sind, da war es erst, daß der Mensch lernte, zu sich «Ich» zu sagen, da ist das hervorgetreten, was wir gestern die Bewußtseinsseele genannt haben. Durch diese Deckung von Ätherkopf und physischem Kopf des Menschen änderte sich sein Kopf in ganz beträchtlicher Weise. Denn dieses menschliche Haupt hat beim alten Atlantier doch noch wesentlich anders ausgesehen als beim heutigen Menschen. Wenn wir verstehen wollen, wie die heutige Entwickelung möglich geworden ist, so müssen wir auch ein wenig die physischen Verhältnisse in der alten Atlantis ins Auge fassen.

[ 4 ] Now, this difference between humans and animals is also expressed in a certain way through clairvoyance. Suppose a clairvoyant observes a horse and a human being. He finds that, extending beyond the horse’s head—which extends down to its muzzle—there is an etheric protrusion, and he says to himself: “The etheric head protrudes above the horse’s physical head and is powerfully organized.” In the horse, however, these two do not coincide. In modern humans, clairvoyant observation reveals that what constitutes the etheric head corresponds in shape and size to the physical head. Viewed clairvoyantly, the elephant looks particularly grotesque, as it has a remarkably large etheric head; so that, seen clairvoyantly, this elephant becomes a very, very grotesque animal. But in modern humans, the physical head and the etheric head coincide; they are quite similar in shape and size. This was not always the case with humans. We first find this to be the case in the last third of the Atlantean epoch. The ancient Atlantean had the etheric head protruding powerfully above the physical head. Then these two grew closer and closer together, and it was in the last third of the Atlantean epoch that the physical and etheric heads came to coincide. There is a point in the brain—near the eyes—that today coincides with a very specific point on the etheric head. In ancient times, these points were separate. The etheric point was outside the brain. These two important points have moved closer together. It was only when these two points coincided that human beings learned to say “I” to themselves; that is when what we called the “consciousness soul” yesterday emerged. Through this convergence of the etheric head and the physical head of the human being, the human head underwent a very significant change. For the head of the ancient Atlantean looked quite different from that of modern humans. If we wish to understand how today’s development became possible, we must also consider to some extent the physical conditions in ancient Atlantis.

[ 5 ] Wenn Sie durch die alte Atlantis drüben im Westen gegangen wären, hätten Sie eine solche Verteilung von Regen, Nebel, Luft und Sonnenschein, wie Sie es jetzt auf unseren heutigen Ländergebieten haben, nicht erlebt. Namentlich die nördlichen Gegenden westlich von Skandinavien waren damals durchzogen von Nebel. Die Menschen, die dort lebten, wo heute Irland ist - und weiter westlich davon -, haben niemals in der Weise Regen und Sonnenschein verteilt gesehen in der alten Atlantis, wie es heute der Fall ist. Sie waren immer eingebettet in Nebel, und erst mit der atlantischen Flut kam die Zeit heran, wo die Nebelmassen sich auch aus der Luft ablösten und sich niederschlugen. Sie hätten die ganze alte Atlantis durchforschen können, und Sie würden eine Erscheinung da nicht gefunden haben, die Ihnen allen heute als eine wunderbare Naturerscheinung bekannt ist — unmöglich würden Sie den Regenbogen finden! Der ist nur möglich bei einer solchen Verteilung von Regen und Sonnenschein, wie sie heute in der Atmosphäre sein kann. In der Atlantis, vor der atlantischen Flut, finden Sie keinen Regenbogen. Erst allmählich, nach der atlantischen Flut, trat die Erscheinung des Regenbogens ein, das heißt, sie wurde physikalisch möglich. Wenn Sie dies nun aus der Geheimwissenschaft mitgeteilt erhalten und sich erinnern, daß die atlantische Flut in den verschiedenen Sagen und Mythen als Sintflut erhalten ist, daß Noah hervortritt und nach der Sintflut zuerst den Regenbogen sieht, dann werden Sie einen Begriff bekommen, wie tief wahr, buchstäblich wahr die religiösen Urkunden sind. Wahr ist es, daß erst nach der atlantischen Flut die Menschen zum ersten Male ansichtig wurden des Regenbogens. — Das sind so die Erlebnisse, die der haben kann, der den Okkultismus durcherlebt und dann Stück für Stück erst begreifen lernt, wie buchstäblich man die religiösen Urkunden nehmen darf, freilich: wie man zuvor diesen Buchstaben verstehen lernen muß.

[ 5 ] If you had walked through ancient Atlantis over there in the West, you would not have experienced the same distribution of rain, fog, air, and sunshine that you see today across our present-day landmasses. The northern regions west of Scandinavia, in particular, were shrouded in fog at that time. The people who lived where Ireland is today—and further west—never saw rain and sunshine distributed in ancient Atlantis the way they are today. They were always shrouded in fog, and it was not until the Atlantean flood that the time came when the masses of fog also separated from the air and fell to the ground. You could have searched all of ancient Atlantis, and you would not have found there a phenomenon that is known to all of you today as a marvelous natural phenomenon—it would have been impossible to find a rainbow! It is only possible with such a distribution of rain and sunshine as exists in the atmosphere today. In Atlantis, before the Great Flood, you will find no rainbow. Only gradually, after the Great Flood, did the phenomenon of the rainbow emerge—that is, it became physically possible. If you now receive this information from esoteric science and recall that the Atlantic Flood is preserved in various legends and myths as the Great Flood, and that Noah emerges and is the first to see the rainbow after the Great Flood, then you will gain an understanding of how profoundly true—literally true—the religious records are. It is true that it was only after the Atlantic Flood that human beings saw the rainbow for the first time. — These are the kinds of experiences one can have who lives through occultism and then, bit by bit, begins to understand how literally the religious texts may be taken—though, of course, one must first learn to understand the literal meaning.

[ 6 ] Gegen das Ende der atlantischen Zeit hin stellt es sich heraus, daß die äußeren und inneren Verhältnisse für den Menschen am günstigsten waren auf einem bestimmten Gebietsteile unserer Erdoberfläche, der sich in der Nähe des heutigen Irlands befand. Heute ist das betreffende Landgebiet mit Wasser bedeckt. Damals waren dort ganz besonders günstige Verhältnisse; und dort bildete sich innerhalb der atlantischen Völker das begabteste Volk aus, das am meisten Veranlagung dazu hatte, zum freien menschlichen Selbstbewußtsein aufzusteigen. Und der Führer dieses Volkes, das man gewohnt worden ist in der theosophischen Literatur die «Ursemiten» zu nennen, war ein großer Eingeweihter, der, wenn man trivial sprechen darf, sich die fortgeschrittensten Individuen dieses Volksteiles aussuchte und mit ihnen nach dem Osten zog, durch Europa bis nach Asien hinüber in die Gegend des heutigen Tibet. Dahin zog ein verhältnismäßig kleiner, aber namentlich geistig, spirituell sehr weit fortgeschrittener Bruchteil der atlantischen Bevölkerung.

[ 6 ] Toward the end of the Atlantean era, it became apparent that the external and internal conditions were most favorable for human beings in a specific region of our Earth’s surface, located near present-day Ireland. Today, that landmass is covered by water. At that time, conditions there were particularly favorable; and it was there that, among the Atlantean peoples, the most gifted people emerged—those most predisposed to ascend to free human self-consciousness. And the leader of this people—who in theosophical literature has come to be known as the “Proto-Semites”—was a great initiate who, to put it simply, selected the most advanced individuals from among this group and journeyed with them eastward, across Europe and into Asia, to the region of present-day Tibet. A relatively small but, especially in spiritual terms, highly advanced fraction of the Atlantean population migrated there.

[ 7 ] Innerhalb der letzten atlantischen Zeit war es ja so gekommen, daß nach und nach die westlichen Gegenden der Atlantis verschwanden, sich mit Meer bedeckten. Europa trat in seiner heutigen Gestalt immer mehr hervor. Asien war noch so, daß die große sibirische Ländermasse noch bedeckt war mit weiten Wassermassen; aber namentlich die südlichen Gegenden Asiens waren, anders gestaltet, schon vorhanden. Die weniger fortgeschrittenen Volksmassen gliederten sich zum Teil an diesen Kern des Volkes an, der von Westen nach Osten zog; manche zogen weiter, manche weniger weit mit. Aber auch die alte europäische Bevölkerung kam zum großen Teile dadurch zustande, daß aus der Atlantis herüber Völkermassen zogen, sich dort niederließen und das alte Europa bevölkerten. Früher schon hinausgeschobene Völkermassen, zum Teil auch solche, die von anderen Gebieten der Atlantis, auch vom alten Lemurien, nach Asien gekommen waren, trafen bei diesem Völkerzuge zusammen. So daß Volksmassen verschiedenster Begabung und verschiedenster geistiger Fähigkeiten in Europa und Asien sich niederließen. Der kleine Bruchteil, der geführt wurde von jener großen spirituellen Individualität, ließ sich drüben in Asien nieder, um dort die damals mögliche höchste Geistigkeit zu pflegen. Von diesem Kulturgebiete aus gingen die Kulturströmungen nach den verschiedensten Gebieten der Erde und zu den verschiedenen Völkern.

[ 7 ] During the last Atlantean period, the western regions of Atlantis gradually disappeared, becoming submerged by the sea. Europe began to emerge more and more in its present form. Asia was still such that the vast Siberian landmass was still covered by extensive bodies of water; but the southern regions of Asia, in particular, already existed, albeit in a different form. The less advanced populations partly joined this core group of people, which was moving from west to east; some went further, others followed only a short distance. But the ancient European population also came into being largely as a result of masses of people migrating from Atlantis, settling there, and populating ancient Europe. Masses of people who had been driven out earlier—including, in part, those who had come to Asia from other regions of Atlantis, as well as from ancient Lemuria—joined this migration. Thus, masses of people with the most diverse talents and spiritual abilities settled in Europe and Asia. The small fraction led by that great spiritual individuality settled over in Asia to cultivate the highest spirituality possible at that time. From this cultural center, cultural currents spread to the most diverse regions of the earth and to the various peoples.

[ 8 ] Die erste Kulturströmung ging herunter nach Indien, und dort bildete sich durch den Einschlag, den die geistige Gesandtschaft der großen Individualität ihm gab, das heraus, was wir nennen die uraltindische Kultur. Wir sprechen da nicht von jener indischen Kultur, von der uns Reste in den wunderbaren Büchern der Veden geblieben sind, auch nicht von dem, was später durch Tradition auf die Nachwelt gekommen ist. Allem, was man von dieser äußeren Kultur wissen kann, ging eine viel herrlichere ältere Kultur voran, die Kultur der alten heiligen Rishis, jener großen Lehrer, die in weit zurückliegenden Zeiten der Menschheit die erste nachatlantische Kultur gegeben haben.

[ 8 ] The first cultural current flowed down to India, and there, through the influence exerted by the spiritual mission of the great individuality, what we call ancient Indian culture took shape. We are not speaking here of that Indian culture of which remnants have been preserved for us in the wondrous books of the Vedas, nor of what was later passed down to posterity through tradition. Everything that can be known about this outer culture was preceded by a far more magnificent earlier culture—the culture of the ancient holy Rishis, those great teachers who, in the distant past of humanity, bestowed the first post-Atlantean culture.

[ 9 ] Versetzen wir uns einmal in die Seele dieser ersten Kulturströmung der nachatlantischen Zeit. Diese erste Kultur der nachatlantischen Menschheit war die erste eigentlich religiöse Kultur der Menschheit. Die vorhergehenden atlantischen Kulturen waren im eigentlichen Sinne des Wortes keine religiösen Kulturen. «Religion» ist im Grunde eine Eigentümlichkeit der nachatlantischen Zeit. Warum? Nun, wie lebten die Atlantier? Dadurch, daß der Ätherkopf noch außerhalb des physischen Kopfes war, hatte sich noch nicht vollständig verloren das alte dämmerhafte Hellsehen. Im weitesten Umfange sah der Mensch, wenn er des Nachts aus dem physischen Leibe heraus war, hinein in die geistige Welt. Während er bei Tage, wenn er untertauchte in seinen physischen Leib, hier in der physischen Welt physische Dinge sah, sah er noch bis zu einem gewissen Grade nachts die Gefilde der geistigen Welt. - Versetzen Sie sich einmal in die Mitte oder in das erste Drittel der atlantischen Zeit. Wie war es da mit dem Menschen? Er wachte des Morgens auf. Sein astralischer Leib zog sich hinein in seinen physischen Leib und Ätherleib. So deutlich und scharf umrissen wie heute waren noch nicht die Gegenstände der physischen Welt. Wenn eine Stadt in Nebel eingehüllt ist und Sie des Abends die Laternen wie mit Farbenauren umgeben sehen, so undeutlich mit Säumen und Farbenstrahlen — das gibt Ihnen ein Bild, wie es in dieser Zeit in der Atlantis ausgesehen hat -, nicht mit deutlichen Umrissen, sondern so, wie wenn Sie heute die Laternen draußen im Nebel sehen würden. Dafür gab es aber auch nicht eine so scharfe Trennung zwischen hellem Tagesbewußtsein und nächtlicher Bewußtlosigkeit, wie es erst nach der atlantischen Zeit aufgetreten ist. Es schlüpfte zwar während der Nacht der astralische Leib heraus aus Ätherleib und physischem Leib; aber während der Ätherleib zum Teil noch verbunden blieb mit dem astralischen Leibe, gab es immer Reflexe der geistigen Welt. Der Mensch konnte immer ein dämmerhaftes Hellsehen haben, lebte sich in die geistige Welt hinein, sah um sich geistige Wesenheiten, geistige Vorgänge.

[ 9 ] Let us now immerse ourselves in the spirit of this first cultural movement of the post-Atlantean era. This first culture of post-Atlantean humanity was humanity’s first truly religious culture. The preceding Atlantean cultures were not religious cultures in the true sense of the word. “Religion” is essentially a characteristic of the post-Atlantean era. Why? Well, how did the Atlanteans live? Because the etheric head was still separate from the physical head, the old, twilight-like clairvoyance had not yet been completely lost. To the greatest extent, when a person was out of their physical body at night, they could see into the spiritual world. While during the day, when they were immersed in their physical body, they saw physical things here in the physical world, at night they could still perceive, to a certain degree, the realms of the spiritual world. - Imagine yourself in the middle or the first third of the Atlantean epoch. What was life like for human beings then? They would wake up in the morning. Their astral body would withdraw into their physical body and etheric body. The objects of the physical world were not yet as clear and sharply defined as they are today. When a city is shrouded in fog and you see the streetlights in the evening surrounded by halos of color—so indistinct, with fringes and beams of color—that gives you a picture of what it looked like in Atlantis during that time—not with clear outlines, but as if you were seeing the streetlights outside in the fog today. On the other hand, there was also not such a sharp separation between bright daytime consciousness and nocturnal unconsciousness as emerged only after the Atlantean era. Although the astral body slipped out of the etheric body and the physical body during the night, the etheric body remained partially connected to the astral body, so there were always reflections of the spiritual world. Human beings could always experience a twilight form of clairvoyance; they lived within the spiritual world and perceived spiritual beings and spiritual processes all around them.

[ 10 ] Dasjenige, was Sie zum Beispiel lesen als germanische Mythen und Göttersagen, davon sagen Ihnen die Gelehrten vom grünen Tische: Das haben einmal die Leute aus dem Volke aus der Volksphantasie heraus gedichtet! Wotan und Thor und alle die Götter, das seien Personifizierungen von Naturkräften usw. Es gibt ganze mythologische Theorien, wo so von der schaflenden Volksphantasie die Rede ist. Wenn man das hört, dann kann man leicht die Meinung bekommen, ein solcher Gelehrter wäre wie der Homunculus des Goetheschen Faust aus der Retorte herausgeboren und hätte nie einen wirklichen Menschen gesehen. Denn wer das Volk wirklich gesehen hat, dem vergeht wahrhaftig die Möglichkeit, so von der schaffenden Volksphantasie zu reden. Diese Göttersagen sind nichts anderes als die Überbleibsel von wirklichen Vorgängen, welche die Menschen in früheren Zeiten hellscherisch wirklich gesehen haben. Diesen Wotan hat es gegeben! Des Nachts wandelte der Mensch unter Göttern in der geistigen Welt und kannte dort den Wotan und Thor ebensogut, wie er heute seinesgleichen aus Fleisch und Blut kennt. Was damals primitive Naturen noch lange dämmerhaft hellseherisch gesehen haben, ist der Inhalt der Mythen und Sagen, namentlich der germanischen.

[ 10 ] What you read, for example, as Germanic myths and tales of the gods—scholars sitting at their desks tell you: “Those were once made up by ordinary people out of the popular imagination!” Wotan and Thor and all the gods, they say, are personifications of natural forces, and so on. There are entire mythological theories that speak of the “fecund folk imagination” in this way. When you hear this, it’s easy to get the impression that such a scholar was born from a test tube, like the homunculus in Goethe’s Faust, and has never seen a real human being. For anyone who has truly observed the people would certainly be unable to speak in such terms of a “creative popular imagination.” These tales of the gods are nothing other than the remnants of real events that people in earlier times actually witnessed with their own eyes. This Wotan really existed! At night, humans walked among the gods in the spiritual world and knew Wotan and Thor there just as well as they know their flesh-and-blood counterparts today. What primitive natures continued to perceive through clairvoyance for a long time back then is the content of myths and legends, particularly the Germanic ones.

[ 11 ] Diejenigen Menschen, welche damals herübergezogen sind vom Westen nach dem Osten in die Gegenden, die man später Germanien nannte, das waren Menschen, die sich bis zu einem gewissen Grade — der eine mehr, der andere weniger - noch ein gewisses Hellsehen bewahrt hatten, so daß sie wenigstens zu gewissen Zeiten noch hineinsehen konnten in die geistige Welt. Und während der höchste Eingeweihte mit seinen Schülern hinüberzog nach Tibet und von dort die erste Kulturkolonie hinunterschickte nach Indien, waren überall bei den Völkern in Europa Eingeweihte zurückgeblieben, die in den Mysterien das Geistige pflegten. Mysterien waren bei diesen Völkern zum Beispiel die Druidenmysterien, die Drottenmysterien, von denen die Menschheit heute nichts mehr zu melden weiß - denn was sie zu melden weiß, ist phantastisches Zeug. Wichtig aber ist es, daß, wenn man von höheren Welten damals sprach unter den Druiden oder unter den Menschen des westrussischen Gebietes und Skandinaviens, wo die Drottenmysterien waren, es immer eine Anzahl von Menschen gab, die von geistigen Welten wußten. Wenn man von Wotan sprach oder von dem Ereignis, das sich zwischen Baldur und Hödur abspielte, dann sprach man nicht von etwas, was ihnen ganz unbekannt war. Viele hatten selbst noch solche Ereignisse erlebt in besonderen Bewußtseinszuständen, und die es nicht erlebt hatten, hörten es von ihrem Nachbar, der ihnen glaubwürdig genug war.

[ 11 ] The people who migrated at that time from the West to the East, into the regions later called Germania, were people who, to a certain degree—some more, some less—had retained a certain degree of clairvoyance, so that at least at certain times they could still see into the spiritual world. And while the highest initiate moved with his disciples to Tibet and from there sent the first cultural colony down to India, initiates had remained behind among the peoples of Europe, cultivating the spiritual through the mysteries. Among these peoples, the mysteries included, for example, the Druidic mysteries and the Drotten mysteries, of which humanity today knows nothing—for what it does know is nothing but fantastical nonsense. What is important, however, is that when people spoke of higher worlds back then among the Druids or among the people of western Russia and Scandinavia, where the Drotten mysteries were practiced, there were always a number of people who knew about spiritual worlds. When people spoke of Wotan or of the event that took place between Baldur and Hödur, they were not speaking of something that was entirely unknown to them. Many had themselves experienced such events in special states of consciousness, and those who had not experienced them heard about them from a neighbor whom they considered credible enough.

[ 12 ] Und wo Sie auch hingehen mögen in Europa, gab es noch eine lebendige Erinnerung an das, was in der Atlantis vorhanden war. Was war da vorhanden? Etwas, was man nennen kann ein Zusammenleben des Menschen, ein naturgemäßes Zusammenleben des Menschen mit der geistigen Welt, mit dem, was man heute den Himmel nennt. Der Mensch trat ja fortwährend ein in die geistige Welt und lebte darinnen. Mit anderen Worten, er brauchte durch keine besondere Religion hingewiesen zu werden auf das Dasein einer geistigen Welt. Was heißt denn Religion? Religion heißt «Verbindung », Verbindung der physischen mit der geistigen Welt. Damals brauchte er keine besondere Verbindung mit der geistigen Welt, denn sie war eine Erfahrungswelt. Wie Ihnen kein Mensch den Glauben beizubringen braucht an die Blumen der Wiese, an die Tiere des Waldes, weil Sie sie sehen, so glaubte der Atlantier an die Götter und Geister — nicht aus Religion, sondern weil er sie erlebte.

[ 12 ] And wherever you might go in Europe, there was still a vivid memory of what existed in Atlantis. What existed there? Something that could be called a coexistence of human beings—a natural coexistence of human beings with the spiritual world, with what we today call heaven. Human beings constantly entered the spiritual world and lived within it. In other words, they did not need any particular religion to point out the existence of a spiritual world. What, then, does religion mean? Religion means “connection”—a connection between the physical and the spiritual world. Back then, people did not need a special connection to the spiritual world, for it was a world of experience. Just as no one needs to teach you to believe in the flowers of the meadow or the animals of the forest—because you see them—so too did the Atlanteans believe in the gods and spirits—not out of religion, but because they experienced them.

[ 13 ] Mit der fortschreitenden Menschheit gestaltete sich nun die Sache so, daß der Mensch das helle Tagesbewußtsein erlangt hatte. Die nachatlantische Zeit ist also die, während der der Mensch das helle Tagesbewußtsein erlangt. Und er erlangte es dadurch, daß er das alte hellseherische Bewußtsein hingeben mußte. Das wird ihm in der Zukunft wiederum werden, zu seinem heutigen hellen Tagesbewußtsein hinzu. — Bei unseren Vorfahren hier in Europa war es vielfach so, daß in den Sagen und Mythen Erinnerungsbilder an die alte Zeit gegeben wurden. Aber was war denn gerade das Wesen der Fortgeschrittensten? So sonderbar es klingen mag: die Allerfortgeschrittensten, die der Führer nach dem Osten hinüberführte bis nach Tibet, sie waren darin am meisten fortgeschritten, daß sie das alte träumerische, hellseherische Bewußtsein verloren hatten. Was heißt denn fortschreiten von der vierten Rasse in die fünfte hinein? Tagsichtig werden, das alte Hellsehen verlieren, heißt es. Weggeführt hat der große Eingeweihte und Führer die Angehörigen seines Häufleins, damit sie nicht unter denen leben mußten, die noch auf den Stufen des alten atlantischen Volkes standen; und unter den ersteren konnten nur diejenigen in die höheren Welten hinaufgeführt werden, die künstlich sich trainierten, die künstlich eine okkulte Schulung durchmachten.

[ 13 ] As humanity progressed, things developed in such a way that human beings attained clear daytime consciousness. The post-Atlantean epoch is thus the period during which human beings attained clear daytime consciousness. And he attained it by having to relinquish the old clairvoyant consciousness. This will be restored to him in the future, in addition to his present clear daytime consciousness. — Among our ancestors here in Europe, it was often the case that legends and myths preserved memories of the ancient times. But what, exactly, was the essence of the most advanced among them? As strange as it may sound: the most advanced of all—those whom the leader led eastward as far as Tibet—were most advanced in that they had lost the old dreamy, clairvoyant consciousness. What does it mean, then, to progress from the fourth race into the fifth? It means becoming clear-eyed, losing the old clairvoyance. The great Initiate and Guide led the members of his small group away so that they would not have to live among those who still stood on the stages of the old Atlantean people; and among the former, only those who trained themselves deliberately, who deliberately underwent occult training, could be led up into the higher worlds.

[ 14 ] Was war dem Menschen der ersten nachatlantischen Zeit denn geblieben von dem alten Zusammenleben mit der geistig-göttlichen Welt? Die Sehnsucht danach! Denn wie zugeschlossen hatte sich ihm das Tor zur geistigen Welt, die Sehnsucht aber war geblieben. Jener Mensch empfand das ungefähr so - er hörte aus den Sagen und Traditionen heraus -: Da gab es eine Zeit, wo unsere Vorfahren hineinschauten in die geistige Welt, wo sie lebten mit Geistern und Göttern, wo sie in der tieferen geistigen Wirklichkeit drinnen steckten. Oh, könnten wir auch da hinein! — So sagten sie sich. Und aus dieser Sehnsucht heraus wurde die altindische Methode der Einweihung geschaffen, die aus der Sehnsucht nach dem Verlorenen hervorgegangen ist und darauf beruht, daß der Mensch das errungene helle Tagesbewußtsein für eine Zeit verläßt, um sich zurückzuschrauben in seinem Bewußtsein zu dem früheren Zustand. Yoga ist die Methode der altindischen Einweihung, die durch ihre Technik, ihre Praxis erlangte, daß künstlich hergestellt wurde, was dem Menschen auf natürlichem Wege abhanden gekommen war. — Denken Sie sich einmal einen solchen alten Atlantier, der noch seinen Ätherkopf weit herausstehen hatte über dem physischen Kopfe. Wenn dann der astralische Leib herausging, war ein großer Teil des Ätherkopfes mit dem astralischen Leibe noch verbunden, und da konnte sich das, was der astralische Leib erlebte, hineindrücken in den Ätherleib; dadurch konnte man sich seine Erlebnisse zum Bewußtsein bringen. Als nun in der letzten atlantischen Zeit der Ätherteil des Kopfes sich ganz zurückzog in den physischen Kopf, da kam der astralische Leib jede Nacht ganz aus dem Ätherleib heraus. Man mußte also in der alten Einweihung versuchen, den Ätherleib künstlich herauszuholen, das heißt, man mußte den Menschen in eine Art lethargischen Zustand, in eine Art Todesschlaf bringen, der ja dreieinhalb Tage dauerte, währenddem der Ätherleib herausragte aus dem physischen Leibe, gelockert war, so daß das, was der Astralleib erlebte, sich einprägte in den Ätherleib. Und wenn dann der Ätherleib wieder zurückgeführt wurde in den physischen Leib, wußte der Mensch, was er in der geistigen Welt erlebt hatte.

[ 14 ] What, then, remained for the people of the early post-Atlantean era of their former connection with the spiritual-divine world? A longing for it! For although the gate to the spiritual world had closed to them, the longing remained. Those people felt it something like this—as they gathered from legends and traditions—: There was a time when our ancestors looked into the spiritual world, when they lived with spirits and gods, when they were immersed in the deeper spiritual reality. Oh, if only we could enter there too! — That is what they said to themselves. And out of this longing arose the ancient Indian method of initiation, which emerged from the yearning for what had been lost and is based on the idea that a person temporarily leaves behind the bright, clear consciousness of the day in order to wind back their consciousness to its former state. Yoga is the method of ancient Indian initiation, which, through its technique and practice, achieved the artificial recreation of what humanity had lost through natural processes. — Just imagine such an ancient Atlantean, whose etheric head still protruded far above the physical head. When the astral body then emerged, a large part of the etheric head remained connected to the astral body, and thus whatever the astral body experienced could be imprinted into the etheric body; in this way, one could bring those experiences into consciousness. When, in the late Atlantean period, the etheric part of the head withdrew completely into the physical head, the astral body emerged entirely from the etheric body every night. In the ancient initiation, therefore, one had to attempt to bring the etheric body out artificially; that is to say, one had to induce a kind of lethargic state in the person—a sort of death-like sleep that lasted three and a half days—during which the etheric body protruded from the physical body and was loosened, so that what the astral body experienced was imprinted upon the etheric body. And when the etheric body was then guided back into the physical body, the person knew what they had experienced in the spiritual world.

[ 15 ] Das war die alte Einweihungsmethode, die Yoga-Einweihung, wodurch sich der Mensch sozusagen heraushob aus der Welt, in die er jetzt versetzt war, um sich in die geistige Welt wieder zurückzuversetzen. Und die Kulturstimmung, die aus dieser Einweihung hervorging, ist diejenige, die ihre Nachklänge in der späteren indischen Kultur gefunden hat. Es war die Stimmung, wo der Mensch sich sagte: Wahrheit, Realität, Wirklichkeit, Wesenheit ist allein in der geistigen Welt, in jener geistigen Welt, in die der Mensch hineinkommt, wenn er sich der physisch-sinnlichen Welt entzieht. Jetzt ist der Mensch in den Reichen der physischen Welt, umgeben vom Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich. Das aber ist nicht die Wahrheit, was den Menschen so umgibt, das ist nur äußerer Schein; er hat die Wahrheit seit uralten Zeiten verloren und lebt jetzt in einer Welt des Scheins, der Illusion, der Maja. -— Und so wurde die Welt des Physischen die Welt der Maja für die altindische Kultur. Das muß man gemäß jener Kulturstimmung erfassen, wie man damals gefühlt hat, und nicht als graue Theorie. Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion; die wahre Welt ist für ihn dann vorhanden, wenn er sich aus dieser physischen Welt zurückzieht, wenn er - durch Yoga — wiederum in der Welt leben darf, in der die Vorfahren noch in der atlantischen Zeit gelebt haben.

[ 15 ] That was the ancient method of initiation, the yoga initiation, through which a person, so to speak, detached himself from the world into which he had now been placed, in order to return to the spiritual world. And the cultural atmosphere that emerged from this initiation is the one that found its echoes in later Indian culture. It was the atmosphere in which a person told himself: Truth, reality, actuality, and essence exist solely in the spiritual world—that spiritual world into which a person enters when he withdraws from the physical-sensory world. Now human beings are in the realms of the physical world, surrounded by the mineral, plant, and animal kingdoms. But what surrounds human beings in this way is not the truth; it is only outward appearance; they have lost the truth since time immemorial and now live in a world of appearance, of illusion, of Maya. — And so the physical world became the world of Maya for ancient Indian culture. This must be understood in accordance with the cultural spirit of that time—as people felt it then—and not as a dry theory. To the ancient Indian, especially one who seeks to be particularly holy, the world of Maya is worthless. This physical world is an illusion to him; the true world exists for him when he withdraws from this physical world, when—through yoga—he is allowed to live once again in the world where his ancestors lived during the Atlantean era.

[ 16 ] Der Sinn der Weiterentwickelung besteht aber darin, daß der Mensch sich allmählich gewöhnt, die physische Welt, die ihm in der nachatlantischen Kultur angewiesen wird, nach ihrem Werte, nach ihrer Bedeutung zu schätzen. Einen Schritt weiter als das alte Indertum ist schon die zweite Kulturepoche, ebenfalls eine vorhistorische Kultur, die wir aber nach den Völkern benennen, die später in diesen Gebieten gelebt haben; wir nennen sie die uralt-persische Kultur. Wieder haben wir dabei nicht die spätere persische Kultur im Auge, sondern eine vorhistorische Kultur.

[ 16 ] The purpose of this further development, however, is that human beings gradually become accustomed to appreciating the physical world—which is presented to them in post-Atlantean culture—according to its value and significance. The second cultural epoch, which goes a step further than the ancient Indian culture—and is also a prehistoric culture, though we name it after the peoples who later lived in these regions—is the ancient Persian culture. Again, we are not referring here to the later Persian culture, but to a prehistoric culture.

[ 17 ] Die zweite Periode unterscheidet sich schon ganz wesentlich in der Stimmung, in ihrem Gefühlsinhalt von der uralt-indischen Zeit. Immer schwerer wurde es, den Ätherleib herauszulösen, aber möglich war es doch noch, und in einer gewissen Weise wurde es immer noch vollzogen bis zu dem Christus Jesus hin. Eines aber hatten diese Menschen der uralt-persischen Kultur erreicht: sie hatten angefangen, Maja oder die Illusion zu schätzen, als etwas Wertvolles zu betrachten. Der Inder fühlte sich wohl, wenn er der Illusion entfliehen konnte; dem Perser war sie ein Arbeitsfeld geworden. Zwar war sie ihm immer noch als etwas Gegnerisches erschienen, aber als etwas, was bezwungen werden mußte, woraus später hervorging der Kampf zwischen Ormuzd und Ahriman, wo sich der Mensch verbindet mit den guten Göttern gegen die in der Materie steckenden Mächte der bösen Götter. Hieraus bildete sich die Stimmung, die man damals hatte. Lieb war dem Perser diese Wirklichkeit immer noch nicht; aber er floh sie nicht mehr, wie der alte Inder es tat, er bearbeitete sie, betrachtete sie als einen Schauplatz, auf dem man arbeiten konnte, wo etwas war, was man zu überwinden hatte. Einen Schritt in der Eroberung der physischen Welt hatte man in dieser zweiten Kulturstufe gemacht.

[ 17 ] The second period differs quite significantly in mood and emotional content from the ancient Indian era. It became increasingly difficult to detach the etheric body, but it was still possible, and in a certain sense it continued to be accomplished right up to the time of Christ Jesus. But there was one thing these people of the ancient Persian culture had achieved: they had begun to appreciate Maya, or illusion, and to regard it as something valuable. The Indian felt at ease when he could escape from illusion; for the Persian, it had become a field of work. Admittedly, it still appeared to him as something adversarial, but as something that had to be conquered—from which later emerged the struggle between Ormuzd and Ahriman, in which humanity unites with the good gods against the powers of the evil gods entrenched in matter. This gave rise to the prevailing mood of that time. The Persian still did not love this reality; but he no longer fled from it, as the ancient Indian did; rather, he worked on it, viewing it as a stage on which one could work, where there was something to be overcome. A step had been taken toward the conquest of the physical world in this second cultural stage.

[ 18 ] Dann kam die dritte Kulturstufe, und wir kommen immer mehr dem Geschichtlichen näher. Wir bezeichnen sie in der Geheimwissenschaft als die chaldäisch-babylonisch-assyrisch-ägyptische Kultur. Alle diese Kulturen wurden begründet durch Kolonien, die ausgesandt wurden unter der Leitung von großen Führern. Die erste Kolonie begründete die Kultur des alten Indiens, die zweite begründete das, was wir eben als das alt-persische Kulturzentrum geschildert haben, und eine dritte Kulturströmung ging noch weiter nach Westen und begründete dort das, was der babylonisch-chaldäisch-assyrisch-ägyptischen Kultur zugrunde lag. Dadurch war ein wichtiger Schritt gemacht worden in der Eroberung der physischen Welt. Dem Perser erschien sie noch wie eine ungefüge Masse, die man bearbeiten mußte, wenn man in ihr wirken wollte, mit dem, was man sich als die guten Geister der wahren geistigen Wirklichkeit dachte. Jetzt war man familiärer, intimer geworden mit der physischen Wirklichkeit. — Sehen Sie sich die alte chaldäische Astronomie an, die zu den merkwürdigsten und großartigsten Erzeugnissen des nachatlantischen Menschengeistes gehört! Da sehen Sie, wie die Bahnen der Sterne erforscht werden, wie die Gesetze des Himmels durchforscht werden. Der alte Inder hatte noch hinaufgesehen zu diesem Himmel und gesagt: Wie auch die Sterne gehen und was sich auch für Gesetze darin ausdrücken mögen, es ist nicht der Mühe wert, diese Gesetze zu erforschen! — Einem Angehörigen der dritten Kulturepoche war es schon sehr wichtig, diese Gesetze zu durchdringen. Dem Angehörigen der ägyptischen Kultur war es sogar sehr wichtig, daß er die Verhältnisse der Erde besonders durchforschte und die Geometrie ausbildete. Maja wurde erforscht, die äußere Wissenschaft entstand. Der Mensch studiert die Gedanken der Götter, und er fühlt, daß er einen Zusammenhang schaffen muß zwischen seinem eigenen Schaffen und dem, was er als die Schrift der Götter innerhalb der Materie eingeschrieben findet. Einen anderen Begriff von einem Staatswesen würden Sie bekommen, wenn Sie die früheren Zustände des ägyptisch-chaldäischen Staatslebens durchforschten, als ihn die Menschen heute haben können. Denn die Individualitäten, die solche Staatswesen lenkten und leiteten, waren solche Weisen, die zu gleicher Zeit die Gesetze der Sternenbahnen, nach denen sich die Weltkörper bewegen, kannten und sich klar waren, daß sich im Weltenall alles gegenseitig entsprechen muß. Sie hatten die Bahnen der Sterne studiert und wußten, daß ein Einklang da sein muß zwischen dem, was am Himmel, und dem, was auf der Erde geschah. Nach Ereignissen am Himmel schrieben sie vor, was sich im Laufe der Zeit auf der Erde abzuspielen habe. Selbst in der ältesten römischen Zeit, der vierten Kulturepoche, hatte man noch ein Bewußtsein dafür, daß das, was auf der Erde vorgeht, dem entsprechen muß, was am Himmel sich darstellt.

[ 18 ] Then came the third cultural stage, and we are drawing ever closer to historical times. In Esoteric Science, we refer to it as the Chaldean-Babylonian-Assyrian-Egyptian culture. All of these cultures were founded by colonies sent out under the leadership of great leaders. The first colony established the culture of ancient India; the second established what we have just described as the ancient Persian cultural center; and a third cultural current went even further west and established there what formed the foundation of the Babylonian-Chaldean-Assyrian-Egyptian culture. This marked an important step forward in the conquest of the physical world. To the Persians, it still appeared as a formless mass that had to be shaped if one wished to work within it using what they conceived as the good spirits of true spiritual reality. Now they had become more familiar, more intimate with physical reality. — Consider ancient Chaldean astronomy, which ranks among the most remarkable and magnificent achievements of the post-Atlantean human spirit! There you can see how the orbits of the stars were explored, how the laws of the heavens were investigated. The ancient Indian had still looked up at this sky and said: “No matter how the stars move or what laws may be expressed in them, it is not worth the effort to investigate these laws!” — For a member of the third cultural epoch, it was already very important to fathom these laws. For a member of Egyptian culture, it was even very important to investigate the conditions of the Earth in particular and to develop geometry. Nature was studied, and external science emerged. Human beings study the thoughts of the gods, and they feel that they must establish a connection between their own creative work and what they find inscribed within matter as the “script of the gods.” You would gain a different conception of a state if you were to investigate the earlier conditions of Egyptian-Chaldean state life than the one people can have today. For the individuals who governed and guided such states were sages who, at the same time, knew the laws of the celestial orbits by which the celestial bodies move and were fully aware that everything in the universe must correspond with one another. They had studied the paths of the stars and knew that there must be harmony between what happened in the heavens and what happened on Earth. Based on events in the heavens, they prescribed what was to unfold on Earth over time. Even in the earliest Roman period, the fourth cultural epoch, people were still aware that what takes place on Earth must correspond to what is revealed in the heavens.

[ 19 ] In den alten Mysterien hat man am Ausgangspunkte einer neuen Epoche für lange Zeiten gewußt, welche Ereignisse in der kommenden Zeit geschehen werden. Man wußte aus der Mysterienweisheit heraus — zum Beispiel am Ausgangspunkt der römischen Geschichte -: Es wird eine Zeit auf uns folgen, da werden sich die mannigfachsten Geschicke ergeben, die man wird eintreten lassen in der Gegend von Alba longa. - Für den, der da lesen kann, ist es klar, daß hier auf einen tief symbolischen Ausdruck hingedeutet wird, daß Priesterweisheit sozusagen die Kultur des alten Roms absteckte. «Alba longa» ist das lange Priesterkleid. In diesen alten Gebieten wurden also in dieser Weise die künftigen Dinge der Geschichte - wenn man so sagen darf, um einen technischen Ausdruck zu gebrauchen - abgesteckt. Man sagte sich: Sieben Epochen müssen aufeinander folgen; man teilte die Zukunft nach der Siebenzahl ein, und man gab den Grundriß der Geschichte vorher. Und ich könnte Ihnen leicht zeigen, wie in den sieben römischen Königen, die schon bei dem Ausgangspunkt der römischen Zeit in den «Sibyllinischen Büchern» eingeschrieben waren, prophetische Geschichtstabellen hineingeheimnißt sind. Damals hatten aber die Menschen auch gewußt: Das haben wir auszuleben, was da hineingeschrieben ist. - Und bei gewichtigen Ereignissen hat man in den heiligen Büchern nachgeschaut; daher die Heilighaltung und auch Geheimhaltung der Sibyllinischen Bücher.

[ 19 ] In the ancient mysteries, at the dawn of a new epoch, it was known for long periods of time what events would unfold in the future. Through the wisdom of the mysteries—for example, at the dawn of Roman history—it was known: A time will follow in which the most varied destinies will unfold, and these will take root in the region of Alba Longa. - For anyone who can read between the lines, it is clear that this alludes to a deeply symbolic expression, that priestly wisdom, so to speak, laid out the framework of ancient Roman culture. “Alba longa” is the long priestly robe. In these ancient regions, therefore, the future events of history were—if one may say so, to use a technical term—laid out in this way. People said to one another: Seven epochs must follow one another; they divided the future according to the number seven, and they laid out the outline of history in advance. And I could easily show you how prophetic historical tables are encoded within the seven Roman kings, who were already inscribed in the Sibylline Books at the very beginning of the Roman era. But back then, people also knew: We must live out what is written there. — And whenever momentous events occurred, they consulted the sacred books; hence the reverence and secrecy surrounding the Sibylline Books.

[ 20 ] So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist. Unzählige geschichtliche Zeugnisse dafür verbergen sich in dem Werdegang der Epoche dieser dritten Kulturströmung, der assyrisch-babylonisch-chaldäisch-ägyptischen Kultur.

[ 20 ] Thus, the human being of the third cultural epoch worked the spirit into matter and permeated the outer world with the spirit. Countless historical testimonies to this are hidden in the development of the era of this third cultural current—the Assyrian-Babylonian-Chaldean-Egyptian culture.

[ 21 ] Man versteht unsere Zeit nur, wenn man weiß, welche wichtigen Beziehungen herrschen zwischen unserer und jener Zeit. Auf eine Beziehung zwischen diesen beiden Epochen möchte ich jetzt hinweisen, damit Sie sehen, wie wunderbar die Dinge zusammenhängen für den, der tiefer hineinsehen kann, der weiß, daß das, was man Egoismus und das Nützlichkeitsprinzip nennt, heute seinen Höhepunkt erreicht hat. So bloß egoistisch, so unidealistisch wie heute war die Kultur noch nie, und sie wird es noch immer mehr werden in der nächsten Zeit. Denn heute ist der Geist ganz heruntergestiegen in die materielle Kultur. Ungeheure Geisteskraft hat die Menschheit aufwenden müssen in den großen Erfindungen und Entdeckungen der neueren Zeit, namentlich des neunzehnten Jahrhunderts. Wie viele geistige Kraft liegt in Telephonen, Telegraphen, Eisenbahnen und so weiter! Wieviel Geisteskraft ist materialisiert, kristallisiert in den Handelsbeziehungen der Erde! Wieviel Geisteskraft gehörte dazu, sich eine Summe Geldes, meinetwegen in Tokio, auszahlen zu lassen auf Grund eines hier geschriebenen Stück Papiers, eines Schecks. Und so fragt man sich: Ist diese Geisteskraft im Sinne des geistigen Fortschrittes angewendet? — Wer die Sache recht ins Auge faßt, sagt sich: Ihr baut wohl Eisenbahnen, aber ihr fahrt nur das, was ihr für den Magen braucht; und wenn ihr selbst fahrt, so fahrt ihr doch nur zu dem, was im Zusammenhang steht mit euren Bedürfnissen. — Macht es einen Unterschied für die Geisteswissenschaft, ob der Mensch durch ein paar Steine sein Getreide sich mahlt oder ob er sich durch Telegraphen, Dampfschiffe usw. sein Getreide von weit her verschafft? Ungeheure Geisteskraft ist aufgewendet, aber in einem durchaus persönlichen Sinne verwendet worden. Was wird der ganze Sinn dessen sein, was sich die Menschen dabei vermitteln? Wahrscheinlich nicht Anthroposophie, das heißt geistige Wahrheiten! Wenn sie 'Telegraphen und Dampfschiffe anwenden, wird es sich in erster Linie darum handeln, wieviel Baumwolle man von Amerika nach Europa befördern will usw., das heißt, was zum persönlichen Bedürfnis gehört. Die Menschen sind sogar bis in die tiefsten Tiefen des persönlichen Bedürfnisses, der materiellsten Persönlichkeit heruntergestiegen. Aber ein solches egoistisches Nützlichkeitsprinzip mußte einmal kommen, weil dadurch um so besser im Gange der ganzen Menschheitsentwikkelung der Aufstieg sein wird.

[ 21 ] One can only understand our time if one knows what important connections exist between our time and that time. I would now like to point out a connection between these two eras so that you can see how wonderfully things are interconnected for those who can look more deeply, who know that what is called egoism and the principle of utility has reached its peak today. Culture has never been as purely egoistic, as unidealistic as it is today, and it will become even more so in the near future. For today the spirit has descended entirely into material culture. Humanity has had to expend immense spiritual power on the great inventions and discoveries of modern times, particularly those of the nineteenth century. How much spiritual power lies in telephones, telegraphs, railroads, and so on! How much spiritual power has been materialized, crystallized in the world’s commercial relations! How much spiritual power was required to have a sum of money paid out—say, in Tokyo—on the basis of a piece of paper written here, a check. And so one asks oneself: Is this spiritual power being applied in the sense of spiritual progress? — Anyone who really looks at the matter closely says to themselves: You may build railroads, but you only transport what you need to fill your stomachs; and even when you travel yourselves, you still only go where your needs take you. — Does it make a difference to spiritual science whether a person grinds his grain with a few stones or obtains his grain from far away via telegraphs, steamships, and so on? Enormous spiritual energy is expended, but it has been used in a thoroughly personal sense. What will be the whole point of what people are conveying to one another in this process? Probably not anthroposophy—that is, spiritual truths! When they use “telegraphs and steamships,” the primary concern will be how much cotton one wants to transport from America to Europe, and so on—that is, matters pertaining to personal need. People have even descended into the deepest depths of personal need, of the most materialistic personality. But such an egoistic principle of utility was bound to emerge, because it will make the ascent in the course of humanity’s entire development all the more effective.

[ 22 ] Was war denn aber geschehen, daß der Mensch so viel auf seine Persönlichkeit gibt, wodurch fühlt er sich gar so sehr als Einzelpersönlichkeit, und wodurch ist denn das vorbereitet worden, daß der Mensch sich heute gegenüber der geistigen Welt so stark fühlt in seinem Dasein, das eingeschlossen ist zwischen Geburt und Tod?

[ 22 ] But what has happened that causes human beings to place so much importance on their personality? What makes them feel so strongly that they are unique individuals, and what has led to the situation today where human beings feel so strongly, in their existence confined between birth and death, that they stand in opposition to the spiritual world?

[ 23 ] Präpariert worden ist das Wichtigste dazu in der dritten Kulturepoche, wo man über den Tod hinaus in der Mumie die Form des einen physischen Körpers erhalten wollte, in einem einbalsamierten Körper die Form durchaus nicht zerrinnen lassen wollte. Da prägt sich das Festhalten an der Einzelpersönlichkeit so ein, daß es heute bei der Wiederverkörperung wieder herauskommt als das Persönlichkeitsgefühl. Daß dieses Persönlichkeitsgefühl heute so stark ist, ist eine Folge davon, daß man die Körper in der ägyptischen Zeit mumifiziert hat. So hängt alles in der menschlichen Entwickelung zusammen. Die Ägypter balsamierten die Körper der Verstorbenen ein, damit die Menschen in der fünften Epoche ein möglichst großes Persönlichkeitsbewußtsein haben sollten. Es gibt tiefe Mysterien innerhalb der Menschheitsentwickelung!

[ 23 ] The most important aspects of this were developed during the third cultural epoch, when people sought to preserve the form of the physical body beyond death in a mummy, determined not to let that form dissolve in an embalmed body. This led to such a deep-seated attachment to the individual personality that it reemerges today in reincarnation as a sense of personality. The fact that this sense of personality is so strong today is a consequence of the mummification of bodies during the Egyptian era. Thus, everything in human evolution is interconnected. The Egyptians embalmed the bodies of the deceased so that people in the fifth epoch might have the greatest possible sense of personality. There are profound mysteries within human development!

[ 24 ] So sehen Sie, wie die Menschen immer mehr in die Maja heruntersteigen und die Materie durchdringen mit dem, was der Mensch erringen kann. In der vierten Kulturepoche, der griechisch-lateinischen, setzt der Mensch zunächst sein inneres Wesen in die Außenwelt hinaus. Da sehen Sie zunächst, wie in Griechenland der Mensch sich selbst in der Materie, in den Formen objektiviert. Der Mensch geheimnißt seine eigene Form in die griechischen Göttergestalten hinein. Bei Äschylos klingt es in der Dramatik noch nach, wie der Mensch seine eigene Individualität künstlerisch verwerten will. Er tritt selbst in den physischen Plan hinaus und schafft ein Abbild seiner selbst. Und in der römischen Kultur schafft der Mensch in den staatlichen Institutionen ein Abbild seiner selbst. Es ist der ärgste Dilettantismus, wenn das, was man heute Jurisprudenz nennt, weiter zurückgeführt wird als bis in die römische Zeit. Was vorher ist, ist dem Begriffe nach etwas ganz anderes als «Jus», als Recht. Denn der Begriff des Menschen als einer äußeren Persönlichkeit, der Rechtsbegriff vom Menschen bestand früher noch nicht. Im alten Griechenland ist es die «Polis», der kleine Stadtstaat, und der Mensch fühlt sich als ein Glied des kleinen Stadtstaates. In dieses Bewußtsein der griechischen Epoche wird sich heute ein Mensch schwer hineinfinden können. In der römischen Kultur wird die physische Welt so weit betreten, daß die einzelne menschliche Persönlichkeit — als römischer Bürger - auch rechtlich erscheint. So geht alles stufenweise vorwärts, und wir werden des weiteren zu verfolgen haben, wie die Persönlichkeit immer mehr heraustritt und damit die physische Welt immer mehr und mehr erobert wird. Der Mensch taucht immer tiefer unter in die Materie.

[ 24 ] Thus you can see how human beings descend further and further into the Maya and permeate matter with what the human being is capable of achieving. In the fourth cultural epoch, the Greco-Latin epoch, the human being first projects his inner being out into the external world. There, you see first how, in Greece, human beings objectify themselves in matter, in forms. Human beings enshrine their own form in the figures of the Greek gods. In Aeschylus’s dramas, there is still an echo of how human beings seek to artistically express their own individuality. They step out onto the physical plane themselves and create an image of themselves. And in Roman culture, human beings create an image of themselves within the institutions of the state. It is the worst kind of dilettantism to trace what is today called jurisprudence back further than to Roman times. What came before is, by definition, something entirely different from “jus,” from law. For the concept of the human being as an external personality—the legal concept of the human being—did not yet exist in earlier times. In ancient Greece, it is the “polis,” the small city-state, and the individual feels himself to be a member of that small city-state. It would be difficult for a person today to relate to this consciousness of the Greek era. In Roman culture, the physical world is entered to such an extent that the individual human personality—as a Roman citizen—also emerges legally. Thus, everything progresses step by step, and we will have to continue to trace how the personality increasingly comes to the fore and, with it, the physical world is increasingly conquered. Human beings are delving ever deeper into matter.

[ 25 ] Unsere Kultur ist die erste Kultur nach der griechisch-lateinischen Epoche, also die fünfte der nachatlantischen Zeit; dann folgt eine sechste und sodann eine siebente Kulturepoche. Die vierte Kultur, die griechisch-lateinische, ist die mittlere - und innerhalb der Zeit dieser mittleren der nachatlantischen Kulturen tritt der Christus Jesus auf der Erde auf. Vorbereitet wird dies Ereignis innerhalb der dritten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit, weil alles in der Welt sich vorzubereiten hat. Es wurde innerhalb der dritten Epoche dasjenige vorbereitet, was als das größte Ereignis der Erde während der vierten nachatlantischen Epoche auftreten sollte, wo die Menschen so weit in der Persönlichkeit vorgerückt waren, daß sie sich selbst hinausstellten, daß sie ihre Götter den Menschen ähnlich machten. In der griechischen Zeit schafft sich der Mensch eine Götterwelt in seiner Kunst nach seinem eignen Spiegelbilde. Im Staate schafft er dann eine Wiederholung. Der Mensch ist heruntergelangt bis zum Begreifen der Materie, bis zu der Ehe zwischen der Maja und dem Geiste. Es ist der Zeitpunkt, wo der Mensch auch bis zum Begreifen der Persönlichkeit gekommen war. Sie werden verstehen, daß dies auch die Zeit war, wo er den Gott als persönliche Erscheinung begreifen konnte, wo auch der zur Erde gehörige Geist bis zur Persönlichkeit fortschritt. So sehen wir, wie in der Mitte der nachatlantischen Kultur der Gott selbst als Mensch, als Einzelpersönlichkeit auftritt. Man möchte sagen, wie im Bilde erscheint es einem, was damals geschah, wenn wir sehen, wie der Mensch in den griechischen Kunstwerken ein Abbild seiner selbst schafft. Ist es denn nicht eigentlich so, wenn wir von der griechischen Kultur herüberkommen zur römischen und sehen die Typen des großen Römertums, als ob die griechischen Götterbilder heruntergestiegen wären von ihren Postamenten und herumwandelten in ihrer Toga! Man sieht sie förmlich!

[ 25 ] Our culture is the first culture following the Greco-Latin epoch, that is, the fifth of the post-Atlantean era; this is followed by a sixth and then a seventh cultural epoch. The fourth culture, the Greco-Latin one, is the middle one—and it is within the time of this middle post-Atlantean culture that Christ Jesus appears on Earth. This event is prepared for within the third cultural epoch of the post-Atlantean era, because everything in the world must be prepared. It was during the third epoch that the groundwork was laid for what was to become the greatest event on Earth during the fourth post-Atlantean epoch, when human beings had advanced so far in their development of personality that they projected themselves outward, making their gods in the likeness of human beings. In the Greek era, human beings created a world of gods in their art according to their own reflection. They then created a repetition of this in the state. Humanity had descended to the point of comprehending matter, to the union of Maya and the Spirit. This was the moment when humanity had also reached an understanding of the individual personality. You will understand that this was also the time when humanity could comprehend God as a personal manifestation, when even the Spirit belonging to the Earth had advanced to the level of the individual personality. Thus we see how, in the midst of post-Atlantean culture, God Himself appears as a human being, as an individual personality. One might say that what happened back then appears to us as in a picture when we see how human beings create an image of themselves in Greek works of art. Is it not actually the case that, as we move from Greek culture to Roman culture and observe the archetypes of great Roman civilization, it seems as though the Greek images of the gods had descended from their pedestals and were walking about in their togas! One can practically see them!

[ 26 ] So war der Mensch vorgeschritten von der Zeit an, wo er sich als Glied der Gottheit fühlte, bis zum Fühlen seiner selbst als Persönlichkeit. Da konnte er selbst die Gottheit als Persönlichkeit begreifen, die heruntergestiegen war und unter den Menschen im Fleisch verkörpert wohnte.

[ 26 ] Thus, humanity had progressed from the time when it felt itself to be a part of the Godhead to the point of perceiving itself as a personality. At that point, it was able to comprehend the Godhead itself as a personality who had descended and dwelt among humankind in the flesh.

[ 27 ] Das wollen wir uns vor die Seele malen, warum der Christus Jesus gerade in dieser Zeit der Menschheitsentwickelung aufgetreten ist. Wie sich dieses Mysterium weiter entwickelte, wie es in den Zeiten der früheren Entwickelung prophetisch vorleuchtete und wie es prophetisch vorwirkt auf ferne, kommende Zeiten, davon das nächste Mal.

[ 27 ] Let us take this to heart: why Christ Jesus appeared precisely at this stage in humanity’s development. How this mystery unfolded further, how it shone forth prophetically in earlier stages of development, and how it continues to exert a prophetic influence on distant, future times—we will discuss this next time.