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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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From the Pictorial Script
of the Apocalypse of John
GA 104a

1 May 1907, Munich

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Vor acht Tagen haben wir zunächst einiges vorgebracht zum Verständnis der Sprache des Johannes: wie die Apokalypse zu lesen ist, was sich hinter manchem geheimnisvollen Ausdruck verbirgt, zum Beispiel hinter dem Lamm als dem Tier mit den sieben Augen und den sieben Hörnern. Dann haben wir zu erklären versucht das Tier, welches zwei Hörner und die Zahl 666 hat, als Beispiel dafür, wie wir uns hineinleben müssen in dieses geheimnisvolle Buch. Heute wollen wir uns noch einmal den Sinn dieses Buches vor Augen rücken.

[ 1 ] Eight days ago, we began by discussing how to understand the language of John: how to read the Apocalypse, and what lies behind certain mysterious expressions—for example, the Lamb as the beast with seven eyes and seven horns. Then we tried to explain the beast with two horns and the number 666 as an example of how we must immerse ourselves in this mysterious book. Today, let’s once again bring the meaning of this book into focus.

[ 2 ] Die Urkunden des Neuen Testamentes sind Initiationsurkunden. An dem Beispiel einzelner Gleichnisse haben wir gesehen, was für einen tiefen Sinn sie enthalten. An all den Gleichnissen hat sich uns gezeigt, daß der denkbar tiefste Sinn über Weltentwickelung in bildlicher Form in den Evangelien ausgesprochen ist. Es könnte jemandem einfallen zu fragen, warum Widersprüche in den einzelnen Evangelien sind, warum sie nicht einander gleichen. In meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» ist bereits das darüber Nötige ausgeführt. Die Evangelien sind nicht Urkunden der Biographie des Christus Jesus, sondern Urkunden über die Einweihung. Die Apokalypse aber ist die tiefste Urkunde. Ein Wort, das Augustinus gebraucht hat, ist: Dasjenige, was man jetzt die «Christliche Religion» nennt, ist die uralte wahre Religion. Was die wahre Religion war, das nennt man jetzt christliche Religion.

[ 2 ] The writings of the New Testament are initiatory texts. Using individual parables as examples, we have seen what profound meaning they contain. All these parables have shown us that the deepest conceivable meaning regarding the evolution of the world is expressed in figurative form in the Gospels. It might occur to someone to ask why there are contradictions in the individual Gospels, why they do not agree with one another. The necessary explanations regarding this have already been set forth in my book Christianity as a Mystical Fact. The Gospels are not biographical records of Jesus Christ, but records of initiation. The Apocalypse, however, is the most profound record. A phrase used by Augustine is: What is now called the “Christian religion” is the ancient, true religion. What was the true religion is now called the Christian religion.

[ 3 ] Wir verstehen dieses Wort, wenn wir uns den Kernsatz des Christentums vor Augen rücken: «Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben.» (Joh. 20, 29) Dadurch ist durch das Christentum etwas ganz Neues in die Welt gekommen. Die Lehren sind auch in anderen Religionssystemen enthalten. Aber niemals wurde in den Kreisen, die verstanden, was der «Christus» ist, auf den Inhalt der Lehre der Hauptwert gelegt. Man kann den Inhalt der Lehre auch nachweisen aus anderen Urkunden früherer Zeiten; es handelt sich beim Christus gerade darum, was diese Individualität der Menschheit bedeutet. Wir verschaffen uns am leichtesten Verständnis dafür, wenn wir einen Blick hineinwerfen in die alten Initiationsstätten.

[ 3 ] We understand this word when we consider the central tenet of Christianity: “Blessed are those who have not seen and yet have believed.” (John 20:29) Through this, Christianity has brought something entirely new into the world. These teachings are also found in other religious systems. But never, in the circles that understood what “Christ” is, was the main emphasis placed on the content of the teaching. The content of the teaching can also be verified from other ancient documents; with Christ, it is precisely a matter of what this individuality of humanity signifies. We can most easily gain an understanding of this by taking a look into the ancient places of initiation.

[ 4 ] Bis zur Zeit des Christus Jesus waren es nur wenige Auserwählte, die initiiert wurden. Nach schweren Proben wurden sie zugelassen zu den Lehren von den höheren Welten, wie sie jetzt in meinem Buch «Theosophie» stehen. Lange mußte man verweilen, bis man hineingeführt wurde in die höheren Grade des Schauens. Nur die Allereingeweihtesten kannten die Tradition vom Vollzug der Einweihung. Wenn jemand Schüler werden sollte, mußte er als ersten Schritt diesen tun, als zweiten Schritt diesen und so weiter. Die Einweihung schloß damit ab, daß der Schüler durchgemacht hatte die vorbereitenden Stadien und durch den Weisen hinaufgeführt wurde in die Mysterien selbst. Das geschah in einer Art Bewußtseinszustand, den man «Ekstase» nannte, in einem Verweilen außerhalb des physischen Leibes. Er war verknüpft mit einer Herabdämpfung des Bewußtseins, aber zugleich verknüpft mit einem Schauen der geistigen Welten. Durch eine innere Schulung, die durch Willensimpulse, Meditationen, Läuterung der Leidenschaften herbeigeführt wurde, war der Schüler so weit gebracht, daß er den letzten Schritt tun konnte. Dann wurde er von dem Initiator dreiundeinhalb Tage lang in einen Zustand versetzt, wie er bei uns eintritt, wenn wir des Abends einschlafen. Die äußeren Sinneseindrücke verschwanden. Bei uns tritt abends nichts an Stelle dessen, was da verschwindet an Seh- und Hör-Eindrücken; es trat aber bei dem Einzuweihenden eine neue Welt auf. Er war umgeben von einer neuen Welt, einer Welt des astralen Lichtes. Nicht das Dunkle, nichts von dem, was der heutige Mensch während des Schlafes empfindet, trat da auf. Das Dunkle war durchsetzt von einem geistigen Lichte und Wesen, die sich innerhalb des geistigen Lichtes verkörpern. Diese Wesen wurden sichtbar im Astrallicht. Dann, nach einiger Zeit, fing die von Licht durchflossene astralische Welt an, in der Sphärenharmonie zu erklingen. Was früher bloß geschaut werden konnte, das fing an, gehört zu werden; es war eine rein geistige Musik. Die äußere Musik ist nur ein schattenhaftes Abbild der Sphärenklänge, welche der Seher vernimmt, der auch das Innere der geistigen Wesenheiten wahrnimmt. Wenn wir in einen Saal treten und Menschen da sind, die dann anfangen zu sprechen, verraten sie uns ihr Inneres. So ist es in geistigen Welten. Zuerst werden die Wesen sichtbar, dann spricht das Innere der Wesen zu uns. Das ist die Sphärenharmonie.

[ 4 ] Until the time of Christ Jesus, only a select few were initiated. After undergoing severe trials, they were admitted to the teachings of the higher worlds, as they now appear in my book Theosophy. One had to wait a long time before being introduced to the higher degrees of vision. Only the most highly initiated knew the tradition regarding the performance of the initiation. If someone was to become a disciple, he had to take this first step, then this second step, and so on. The initiation concluded when the disciple had passed through the preparatory stages and was led by the sage into the mysteries themselves. This took place in a state of consciousness called “ecstasy,” a state of dwelling outside the physical body. It was associated with a dimming of consciousness, yet at the same time with a vision of the spiritual worlds. Through inner training—brought about by impulses of the will, meditation, and the purification of the passions—the initiate had been brought to the point where he could take the final step. Then, for three and a half days, the initiator placed him in a state similar to the one we experience when we fall asleep in the evening. External sensory impressions vanished. For us, nothing takes the place of the visual and auditory impressions that disappear in the evening; but for the initiate, a new world appeared. He was surrounded by a new world, a world of astral light. Not darkness, nor anything that modern human beings experience during sleep, appeared there. The darkness was permeated by a spiritual light and by beings who incarnate within that spiritual light. These beings became visible in the astral light. Then, after some time, the astral world, permeated by light, began to resound with the harmony of the spheres. What had previously only been visible began to be heard; it was purely spiritual music. External music is merely a shadowy reflection of the sounds of the spheres, which the seer perceives, along with the inner nature of the spiritual beings. When we enter a room and there are people there who then begin to speak, they reveal their inner selves to us. So it is in the spiritual worlds. First, the beings become visible; then the inner being of these beings speaks to us. This is the harmony of the spheres.

[ 5 ] Dann, wenn der Initiierte zum physischen Schauen zurückgeführt wurde, dann empfand er sich völlig verwandelt als ein neuer Mensch. Jeder, der so zurückkehrte, hat dann einen bestimmten Satz geäußert, der typisch war. Er lautete: «Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verherrlicht!» (Vgl. Mt. 27, 46 u. Mk. 15, 34)

[ 5 ] Then, when the initiate was brought back to physical perception, he found himself completely transformed, a new person. Everyone who returned in this way then uttered a specific phrase that was characteristic. It was: “My God, my God, how have you glorified me!” (See Matt. 27:46 and Mark 15:34)

[ 6 ] So kam er wieder, ein Künder der geistigen Welt aus eigener Erfahrung, aus eigenen Erlebnissen heraus. Er wurde dann angesehen als ein Bote aus den geistigen Welten. Was sie erlebt hatten, bis sie eintraten in geistige Welten, war Stufe für Stufe genau vorgeschrieben.

[ 6 ] And so he returned—a messenger from the spiritual world, speaking from his own experience and personal encounters. He came to be regarded as a messenger from the spiritual worlds. What they had experienced up until they entered the spiritual worlds was precisely prescribed, step by step.

[ 7 ] Wenn auch die Einweihungsriten nicht genau aufgeschrieben waren, so gab es doch solche Einweihungskanons, worin all die Stufen vorgeschrieben waren. Ob nach der ägyptischen Hermesschulung, ob nach der persischen Schule, ob nach den griechischen Mysterien, ob bei den Druiden- oder Drottenmysterien, überall waren typische, traditionelle Vorschriften über das, was der zu erleben hatte, der ein Eingeweihter werden sollte: Erleben sollte er nämlich, daß das Leben im Geiste den Tod besiegen wird. Diese Einweihungsbücher enthielten das, was durchzumachen war.

[ 7 ] Although the initiation rites were not recorded in detail, there were initiation canons in which all the stages were prescribed. Whether according to the Egyptian Hermetic tradition, the Persian school, the Greek Mysteries, or the Druidic or Drotten Mysteries, everywhere there were typical, traditional prescriptions regarding what one who was to become an initiate had to experience: namely, that life in the spirit would triumph over death. These initiation texts contained what one had to go through.

[ 8 ] Wo das Leben der großen Religions- und Weltanschauungs-Apostel geschildert wird, treten immer typische, ähnliche Züge auf. Das Leben des Orpheus, des Pythagoras, des Hermes, des Buddha, haben viele gemeinsame Züge, auf die es ankommt bei allen großen Religionshelden. Woher kommt das? Die äußeren Forscher haben geglaubt, daß einer von den anderen entlehnt habe. Aber so war es nicht. Jedoch alle diese typischen Religionshelden hatten diese Stufen durchgemacht bis zur höchsten Einweihungsstufe. In alten Zeiten gab es keine Biographien, wo man auf das äußere Leben Rücksicht nimmt. Je weiter wir hinter die Zeitenwende zurückgehen, desto weniger finden wir Wert gelegt auf das Äußere. Bei den allergrößten Helden der Menschheit erzählte man überhaupt nicht, was sie äußerlich auf dem physischen Plan erlebten. Ihr Leben war ganz und gar der Einweihung gewidmet. Erzählte man die Einweihung, so erzählte man ihr Leben. Die Hauptsache bei einem Hermes, einem Buddha war dasjenige, was er bis zur Einweihung erlebte. Da die Stufen der Einweihung sich überall ähnlich waren, mußte man eine geistige Beschreibung des Lebens der großen Eingeweihten bekommen.

[ 8 ] Whenever the lives of the great apostles of religion and worldviews are described, typical, similar traits always emerge. The lives of Orpheus, Pythagoras, Hermes, and the Buddha share many common traits that are essential to all great religious heroes. Where does this come from? Secular scholars have believed that one borrowed from the others. But that was not the case. However, all these typical religious heroes had passed through these stages up to the highest level of initiation. In ancient times, there were no biographies that focused on the outer life. The further back we go beyond the turn of the era, the less emphasis we find placed on the outer aspects. In the case of humanity’s greatest heroes, there were no accounts at all of what they experienced outwardly on the physical plane. Their lives were entirely devoted to initiation. To recount the initiation was to recount their lives. The main thing about a Hermes or a Buddha was what he experienced up to the point of initiation. Since the stages of initiation were similar everywhere, one had to obtain a spiritual description of the lives of the great Initiates.

[ 9 ] Was früher nur erlebt war im Geheimen, das war im Christentum geschichtliche Tatsache geworden. Hermes hatte durchlebt, was man von ihm beschreiben konnte, in den inneren Mysterien, in Stätten, die sich dem profanen Blick entzogen.

[ 9 ] What had once been experienced only in secret had become a historical fact in Christianity. Hermes had lived through what could be described of him in the inner mysteries, in places hidden from the profane gaze.

[ 10 ] Im Christentum war nun zum ersten Male erlebt worden als ein äußeres physisches Ereignis, was sich sonst in den Mysterienstätten vollzogen hatte. Der Christus-Lebensgang ist derselbe Lebensgang, der von allen Eingeweihten erlebt worden war, als sie zuerst den Ätherleib aus dem physischen Leibe herausgehoben gehabt hatten. Alles das, was physisch erlebt wurde von dem Christus Jesus auf dem physischen Plan, hatten sie im Ätherischen erlebt. Die letzten Worte waren auch bei diesen: «Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verherrlicht!» Sie hatten früher im Ätherleib das erlebt, was der Christus Jesus nun im physischen Leibe erlebte. So war es geschehen, daß die Weissagungen der Propheten erfüllt waren. Dieses einmalige Freignis bildet den größten Einschnitt in unsere Weltgeschichte und teilt sie in zwei Teile.

[ 10 ] In Christianity, what had previously taken place in the mystery schools was now experienced for the first time as an external, physical event. The life of Christ is the same life that all initiates had experienced when they first separated the etheric body from the physical body. Everything that Christ Jesus physically experienced on the physical plane, they had experienced in the etheric. Their final words were also: “My God, my God, how have you glorified me!” They had previously experienced in the etheric body what Christ Jesus was now experiencing in the physical body. Thus it came to pass that the prophecies of the prophets were fulfilled. This unique event marks the greatest turning point in our world history and divides it into two parts.

[ 11 ] Die Evangelisten haben nicht eine äußere Biographie geschrieben, sondern die vorhandenen kanonischen Einweihungsbücher genommen. Alle vier Evangelien sind als Initiationsschriften anzusehen, von vier verschiedenen Seiten her. Da aber die Initiation überall gleich geschildert ist, stimmen die vier Evangelien in den wichtigsten Dingen überein. Das Leben des Eingeweihten können wir beschreiben, wenn wir es betrachten als ein Leben, das der Einweihung gewidmet war. Unheilig wäre es den Evangelisten erschienen, von dem Christus Jesus eine äußere historische Biographie zu geben. Die Bausteine zu ihren Schriften mußten sie nehmen aus den Mysterienbüchern selber. So war in gewissem Grade erfüllt, was die Propheten hatten voraussagen können.

[ 11 ] The evangelists did not write an external biography, but rather drew upon the existing canonical initiation texts. All four Gospels should be regarded as initiation texts, each from a different perspective. However, since the initiation is described in the same way throughout, the four Gospels agree on the most important points. We can describe the life of the initiate if we regard it as a life dedicated to initiation. It would have seemed unholy to the evangelists to present an external, historical biography of Christ Jesus. They had to draw the building blocks for their writings from the mystery texts themselves. Thus, to a certain degree, what the prophets had foretold was fulfilled.

[ 12 ] Die Apokalypse stellt in einer gewissen Beziehung eine neue Art der Einweihung dar, stellt dar, wie die alten Mysterien verwandelt wurden in die christlichen. Wenn wir in die alten Mysterien zurückblicken, so sehen wir in ihnen einen mehr oder weniger einheitlichen Zug. Der bestand in folgendem: Ob wir hinübergehen nach Ägypten, oder nach Persien, oder nach Indien, ob wir uns vertiefen in die orphischen oder die eleusinischen Mysterien, wir finden da Übereinstimmung in einem Zug: einen prophetischen Hinweis auf Einen, der kommen soll. Auch bei den nordischen europäischen Mysterien war dieser Zug: Es war ein uralter Eingeweihter, den man dort mit dem Namen «Sig» bezeichnete. Die Drottenmysterien, die in Rußland und Skandinavien waren, die Druidenmysterien in Germanien, alle stammten ab von einem Eingeweihten mit dem Namen Sig, der da war der Begründer der nordischen Mysterien. Was in den Mysterien geschehen ist, hat sich erhalten in den verschiedenen Mythen und Sagen des deutschen Volkes und anderer germanischer Völker. Die Mythen und Sagen sind bildliche Darstellungen von dem, was das erlebt worden ist. In der Siegfriedsage zeigt sich am ausgeprägtesten jener Zug, der hinzielt nach einem Ende. Er drückt sich aus, mythologisiert, in der Götterdämmerung. Das ist der Zug in allen nordischen Mysterien.

[ 12 ] In a certain sense, the Apocalypse represents a new kind of initiation; it illustrates how the ancient mysteries were transformed into Christian ones. When we look back at the ancient mysteries, we see a more or less consistent theme running through them. It consisted of the following: Whether we turn to Egypt, Persia, or India, whether we delve into the Orphic or the Eleusinian mysteries, we find a common thread: a prophetic reference to One who is to come. This thread was also present in the Nordic European mysteries: there was an ancient initiate whom they called “Sig.” The Drotten mysteries, which existed in Russia and Scandinavia, and the Druidic mysteries in Germania—all descended from an initiate named Sig, who was the founder of the Nordic mysteries. What took place in the mysteries has been preserved in the various myths and legends of the German people and other Germanic peoples. The myths and legends are pictorial representations of what was actually experienced. In the Siegfried saga, the trait that points toward an end is most pronounced. It finds its expression, mythologized, in Götterdämmerung. This is the underlying theme in all the Nordic mysteries.

[ 13 ] In aller Mystik wurde für die Seele das Bild des Weiblichen gebraucht, das Goethe auch gebraucht im «Chorus mysticus». Es ist das Ewige im Menschen, die göttliche Seele, die den Menschen hinanzieht. Wie im alten Ägypten und Persien die Einweihung beschrieben wurde als die Vereinigung der Seele mit dem Geistigen, so wurde es auch hier im Norden geschildert. Hier im Norden verstand man am besten, daß der Mensch seinen Mann auf dem Kampffelde stellt. Bei denen, die etwas galten im Norden, war es so, daß man sie ehrte als Krieger, die auf dem Kampffelde fielen; das waren die, die ins ewige Leben eingingen, die anderen starben den Strohtod, Die gefallenen Krieger wurden empfangen von den Walküren, der eigenen Seele; die Vereinigung mit der Walküre war die Vereinigung mit dem Ewigen. Von Siegfried nun erzählt man, er habe sich hier auf Erden schon mit der Walküre vereinigt; das zeigt an, daß er ein Eingeweihter war. Der Sinn der Erzählung, daß Siegfried die Vereinigung mit der Walküre schon auf Erden erlebt, ist, daß er ein Eingeweihter war. Eines kündet uns diese Sage bei dem 'Tode Siegfrieds. Wenn man in den alten Mysterien die Einweihung erlebte, wurde einem gesagt: Wir können dich bis zu einem gewissen Punkt bringen... weiter kann dich nur ein anderer bringen — dieser andere ist der Christus Jesus -; alles, was wir dir geben können, wird verdunkelt werden, wenn der kommt, der die neue Einweihung bringt. — Siegfried ist auf dem Rücken verwundbar für Hagen, weil da noch nicht dasjenige gelegen hat, was an jener Stelle liegen wird bei dem, der ablösen wird die alte Einweihung. Diese Stelle wird einst unverwundbar gemacht werden, wenn das Kreuz darauf gelegen haben wird. So wies man in den nordischen Mysterien auf den Christus Jesus hin.

[ 13 ] In all forms of mysticism, the image of the feminine has been used to represent the soul—an image that Goethe also employs in the “Chorus mysticus.” It is the eternal aspect of the human being—the divine soul—that draws people upward. Just as initiation was described in ancient Egypt and Persia as the union of the soul with the spiritual, so too was it depicted here in the North. Here in the North, people understood best that a man must prove himself on the battlefield. Among those who were held in high esteem in the North, it was the case that they were honored as warriors who fell on the battlefield; these were the ones who entered eternal life, while the others died a meaningless death. The fallen warriors were received by the Valkyries, their own souls; union with the Valkyrie was union with the Eternal. As for Siegfried, it is said that he had already united with the Valkyrie here on earth; this indicates that he was an initiate. The meaning of the story—that Siegfried experienced union with the Valkyrie while still on earth—is that he was an initiate. This legend reveals one thing to us in connection with “Siegfried’s death.” When one underwent initiation in the ancient mysteries, one was told: “We can bring you up to a certain point… only another can take you further—that other is Jesus Christ—; everything we can give you will be obscured when the one who brings the new initiation arrives.” — Siegfried is vulnerable to Hagen’s attack from behind because what is to be placed at that spot in the one who will supersede the old initiation has not yet been placed there. That spot will one day be made invulnerable when the cross has been placed upon it. This is how the Nordic mysteries pointed to Jesus Christ.

[ 14 ] In allen alten Mysterien sah man hin auf den, der da kommen sollte, der da leben wird auf dem physischen Plan, um eine neue Weltordnung zu begründen. Was geschehen sollte durch die Impulse, die er gegeben hat, das ist die neue Einweihung. Davon finden wir eine Darstellung in der Apokalypse. Sie sagt, wie die Einweihung sich abspielen wird, bis der Christus Jesus wiederkehren wird in einer neuen Gestalt. Die Apokalypse ist ein Hinweis auf die Zeit, wo das Organ für die Aufnahme des Christus entwickelt sein wird. Die Zeit bis zu dem wiederherankommenden Christus Jesus wird geschildert in der Apokalypse. Wir verstehen die einzelnen Worte, wenn wir uns versetzen in die Gesinnung dessen, der eine solche Einweihung erlebt hat. Erinnern wir uns hier an das Christus-Wort — wenn wir das verstehen, dann werden wir auch die Apokalypse verstehen -, es ist das Wort: «Ehe Abraham ward, bin ich.» (Joh. 8, 58) - Der Christus richtet seinen Blick von der Vergangenheit zur Gegenwart hinüber, weil für ihn eine ewige Gegenwart besteht.

[ 14 ] In all the ancient mysteries, people looked forward to the One who was to come, who would live on the physical plane to establish a new world order. What is to come about through the impulses He has given is the new initiation. We find a description of this in the Book of Revelation. It describes how the initiation will unfold until Christ Jesus returns in a new form. The Book of Revelation points to the time when the organ for receiving Christ will be developed. The time leading up to the return of Christ Jesus is described in the Book of Revelation. We understand the individual words when we put ourselves in the mindset of one who has experienced such an initiation. Let us recall here the word of Christ—if we understand this, then we will also understand the Book of Revelation—it is the word: “Before Abraham was, I am.” (John 8:58) — Christ turns his gaze from the past to the present, because for him there is an eternal present.

[ 15 ] Wenn wir verstehen wollen, was damit gemeint ist, brauchen wir uns nur an den viergliedrigen Menschen zu erinnern. Der besteht aus den vier Gliedern: dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich. Wenn das Ich aufglänzt im Laufe der Entwickelung, dann verändert sich der Astralleib und der Ätherleib und zuletzt auch der physische Leib: dieses Ich ist für die Ewigkeit da; es ist herausgeboren aus dem Schoß der höheren Geistigkeit. Ob wir in die Vergangenheit oder in die Zukunft blicken, dieses Ich ist das Ewige. Betrachten wir den einzelnen Menschen, so können wir uns fragen: Welche Wandlungen hat wohl sein Ich durchgemacht? Wenn wir zurückblicken zur großen atlantischen Flut, und dann weiter zurück, finden wir nicht das Ich in einem solchen Leibe, wie der jetzige ist; es war damals ein Zustand, in dem wir noch nicht so gut denken konnten wie jetzt. Wenn wir in die Zukunft blicken, so finden wir das Ich in immer vollkommeneren Leibern, die wir uns jetzt durch unser Denken noch gar nicht in ihrer Vollkommenheit vorstellen können. Von der Vollkommenheit des Denkens, der Reinheit des Fühlens und so weiter in den zukünftigen Leibern können wir uns jetzt keine Vorstellung machen. Diejenigen, die Eingeweihte sind, müssen ja die Gestaltung des Menschen benützen, so wie sie gerade zu der Zeit ist. Auch der Christus mußte die Gestalt benutzen, die damals die übliche war; doch wenn wir tiefer dahinter blicken, so sehen wir in ihm eine Entwickelungsstufe, welche die Menschheit erst in ferner Zukunft erreichen wird. Der Christus Jesus war der Erstgeborene unter denen, die den Tod überwinden können.

[ 15 ] If we want to understand what this means, we need only recall the fourfold nature of the human being. It consists of four members: the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I.” As the “I” shines forth in the course of development, the astral body and the etheric body change, and ultimately the physical body as well: this “I” exists for eternity; it is born from the womb of higher spirituality. Whether we look to the past or to the future, this “I” is the eternal. When we consider the individual human being, we may ask ourselves: What transformations has his “I” undergone? If we look back to the great Atlantean Flood, and then further back, we do not find the “I” in a body such as the present one; at that time, it was a state in which we were not yet able to think as well as we do now. When we look to the future, we find the “I” in ever more perfect bodies, the perfection of which we cannot even imagine through our thinking at this time. We cannot yet conceive of the perfection of thought, the purity of feeling, and so on, in the future bodies. Those who are initiates must, of course, make use of the human form as it is at any given time. Christ, too, had to use the form that was customary at that time; yet if we look more deeply behind it, we see in him a stage of development that humanity will not reach until the distant future. Christ Jesus was the firstborn among those who can overcome death.

[ 16 ] Vergleichen wir die zwei Entwickelungsarten. Jetzt wird der Mensch geboren, geht durch einen Lebenslauf hindurch, stirbt, geht durch einen astralen Zustand hindurch, durch das Devachan, und wird dann wiedergeboren. Wenn wir zu den Wesen zurückgehen, die vor der Mitte der lemurischen Zeit da waren, so sind es Wesen, die nicht sterben und wiedergeboren werden. Sie tauschen fortwährend die Hüllen um, wie wir es tun zwischen der physischen Geburt und dem physischen Tode. Dann tritt eine gewisse Revolution ein. Es wechselt das geistige und das physische Leben ab beim jetzigen Menschen. Bei den Gruppenseelen der Tiere ist es so, daß sie die einzelnen Tiere abwerfen, sie selbst vergehen aber nicht.

[ 16 ] Let us compare the two modes of evolution. Today, a human being is born, goes through a life cycle, dies, passes through an astral state and through Devachan, and is then reborn. If we go back to the beings that existed before the middle of the Lemurian period, they are beings that do not die and are not reborn. They continually change their bodies, just as we do between physical birth and physical death. Then a certain revolution takes place. In modern humans, spiritual and physical life alternate. As for the group souls of animals, they shed the individual animals, but they themselves do not perish.

[ 17 ] Wenn wir das allerhöchste Wesen, dasjenige, welches im Anfang so hoch entwickelt war, wie die andern am Ende der Entwickelung sein werden, uns vorzustellen suchen, dann haben wir das Bild des Christus: Er war das Ich, das schon im Anfang so vollkommen war, wie es der Mensch am Ende sein wird. «Gnade sei mit euch, und Friede von dem, der da ist, und der da war, und der da kommt...» (Apk. 1, 4) Er ist der Erste und der Letzte.

[ 17 ] When we try to imagine the Supreme Being—the One who, in the beginning, was as highly developed as others will be at the end of their evolution—we are presented with the image of Christ: He was the “I” who, even in the beginning, was as perfect as humanity will be at the end. “Grace be with you, and peace, from him who is, and who was, and who is to come...” (Rev. 1:4) He is the First and the Last.

[ 18 ] So wird der beschrieben, der die Offenbarung dem Johannes gibt. Es ist ein christliches Buch; das beweist jene Stelle, die da heißt: «...und von Jesu Christo, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborne von den Toten und der Fürst der Könige auf Erden. Der uns geliebet hat und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut, und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott und seinem Vater, demselbigen sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.» (Apk. 1,5 u. 6)

[ 18 ] This is how the one who gives the Revelation to John is described. It is a Christian book; this is proven by the passage that reads: “...and of Jesus Christ, who is the faithful witness, the firstborn from the dead, and the ruler of the kings of the earth. He loved us and washed us from our sins with his blood, and has made us kings and priests before God, his Father; to him be glory and power from everlasting to everlasting! Amen.” (Rev. 1:5–6)

[ 19 ] Das Christentum stellt dar die höchstmögliche Individualisierung des Menschen, die Freiheit des Menschen als Individuum. Am Anfang des Menschengeschlechtes erblicken wir kleine Gemeinschaften, die durch Blutsbande verbunden sind. Was gleiches Blut hat, das liebt sich. Nun kommt der Christus Jesus und dehnt alle Volksgemeinschaften aus über die ganze Menschheit. Alle Volksreligionen werden durch ihn überwunden. Das Christentum ist Weltreligion. In ihm gibt es nur Menschen; das Christentum kennt nur Menschen. Das Christentum würde niemals sprechen können von der Gemeinschaft der Religionen, sondern von der Gemeinschaft der Menschen. Es fing eine Zeit an, wo allen zugänglich wurden die geheimen Mysterien durch das Mysterium von Golgatha, das hingestellt ist in den Mittelpunkt der Welt. Es hören allmählich auf zu bestehen alle diejenigen, die als auserwählte Priester und Könige da sind. Es wird hingewiesen auf einen Endzustand, in dem jeder Priester und König ist, auf einen Zustand, der alle Unterschiede hinwegfegt, der die Menschen einander gleich macht. Deshalb spricht die Apokalypse davon: «... und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott und seinem Vater...» (Apk. 1, 6)

[ 19 ] Christianity represents the highest possible degree of individualization of human beings—the freedom of the human being as an individual. At the dawn of humanity, we see small communities bound by blood ties. Those of the same blood love one another. Then Jesus Christ comes and expands all ethnic communities to encompass all of humanity. All ethnic religions are overcome through him. Christianity is a world religion. In it, there are only human beings; Christianity knows only human beings. Christianity could never speak of a community of religions, but only of a community of human beings. An era began in which the secret mysteries became accessible to all through the Mystery of Golgotha, which stands at the center of the world. Gradually, all those who exist as chosen priests and kings are ceasing to exist. This points to a final state in which everyone is a priest and a king—a state that sweeps away all differences and makes all people equal. That is why the Book of Revelation says: “... and has made us kings and priests before God and his Father...” (Rev. 1:6)

[ 20 ] Das Buch stellt eine wirkliche Einweihung dar, ein Hinaufsteigen zunächst durch Lernen auf dem physischen Plan. Diese Stufe wird dargestellt, wo gesprochen wird von den sieben Briefen an die sieben Gemeinden. Die sieben Briefe stellen dar, was man zuerst zu lernen hat. Dann folgt eine Anzahl von Bildern; die führen uns hin auf den Astralplan. Dann sieht man Gruppen von Wesenheiten, die sich im Astrallicht verwandeln: «...und der da saß, war gleich anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder; und ein Regenbogen war um den Stuhl, gleich anzusehen wie ein Smaragd.» (Apk. 4, 3) - «Und vor dem Stuhl war ein gläsern Meer, gleich dem Kristall...» (Apk. 4, 6) Durch das Transparente wird angedeutet das Wesen des Astrallichtes. Im Astrallicht sieht man durch die Gegenstände hindurch, sie erscheinen gläsern. Die ganze Astralwelt ist wie ein gläsernes Meer.

[ 20 ] The book represents a true initiation, an ascent that begins with learning on the physical plane. This stage is depicted in the section that discusses the seven letters to the seven churches. The seven letters represent what one must first learn. This is followed by a series of images that lead us to the astral plane. Then one sees groups of beings transforming in the astral light: “...and the one who sat there was like jasper and sardius in appearance; and a rainbow was around the throne, like an emerald in appearance.” (Rev. 4:3) — “And before the throne was a sea of glass, like crystal...” (Rev. 4:6) The transparency symbolizes the nature of astral light. In astral light, one can see right through objects; they appear glass-like. The entire astral world is like a sea of glass.

[ 21 ] Dann folgen die vier Tiere; die sollen darstellen die menschlichen Gruppenseelen. Sie waren außen und inwendig voll Augen und hatten keine Ruhe Tag und Nacht...: weil im Astralen fortwährende Bewegung ist und weil die astralen Augen überall sind und alles durchsichtig ist für sie, inwendig und ringsherum.

[ 21 ] Then come the four living creatures; these are said to represent the human group souls. They were full of eyes, both inside and out, and never rested, day or night...: because there is constant movement in the astral realm, and because the astral eyes are everywhere and everything is transparent to them, both within and all around.

[ 22 ] Wir sehen also, wie zunächst die Geheimnisse des physischen Planes geschildert werden und dann aus dem verschlossenen Buche heraus die astralen Imaginationen. Sie treten uns in Bildern entgegen.

[ 22 ] We see, then, how the mysteries of the physical plane are first described, and then, from the sealed book, the astral imaginings. They come to us in images.

[ 23 ] Wenn der Seher die geistigen Wesenheiten eine Zeitlang im Astrallicht wahrgenommen hat, dann fangen sie an zu tönen. Als das sechste Siegel eröffnet wird, wird das geschildert in dem Ertönen der Posaunen. Das ist der devachanische Zustand: Der Seher wird hellhörend, sein hellhörendes Ohr wird aufgeschlossen.

[ 23 ] Once the seer has perceived the spiritual beings in the astral light for a time, they begin to sound. When the sixth seal is opened, this is described as the sounding of the trumpets. This is the devachanic state: The seer becomes clairaudient; his clairaudient ear is opened.

[ 24 ] Dann folgt die Stufe, wo der Schauende sein Bewußtsein über die ganze Welt erweitert. Dies wird angedeutet im Verschlingen des Buches. Es drückt aus das Hinaufsteigen in die Region der höheren geistigen Welten.

[ 24 ] Next comes the stage where the beholder expands his consciousness to encompass the entire world. This is symbolized by the devouring of the book. It expresses the ascent into the realm of the higher spiritual worlds.