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The Rudolf Steiner Archive

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Egyptian Myths and Mysteries
in Relation to the Active Spiritual Forces of the Present
GA 106

8 September 1908, Leipzig

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Mancher von Ihnen wird wohl beim Nachdenken über die in den letzten Tagen angestellten Betrachtungen über die Entwickelung unserer Erde und auch im weiteren Sinne des Sonnensystems im Zusammenhang mit dem Menschen einem ihm sonderbar erscheinenden Widerspruch begegnet sein mit vielen liebgewonnenen Vorstellungen des Lebens. Mancher wird sich gesagt haben: Nun haben wir da gestern gehört, die schlechtesten Kräfte in der Evolution seien gebunden an den Mond, und erst in dem Momente, als der Mond sich trennte von der Erde, seien mit ihm die schlechtesten Kräfte herausgegangen, und es sei erst dadurch ein solcher Zustand der Erde übriggeblieben, daß der Mensch seine Evolution finden konnte. — Das alles haben wir nun gehört, wo aber bleibt alle Romantik des Mondes? Alle jene Poesie, die doch aus wahren Empfindungen entsprang, die sich bezieht auf alle die wunderbaren Wirkungen des Mondes auf den Menschen?

[ 1 ] Some of you, upon reflecting on the observations made in recent days regarding the evolution of our Earth—and, in a broader sense, of the solar system—in relation to humankind, may have encountered a contradiction that seems strange to you, one that conflicts with many cherished notions about life. Some of you may have said to yourselves: “Well, we heard yesterday that the worst forces in evolution are bound to the Moon, and that it was only at the moment the Moon separated from the Earth that these worst forces departed with it, and that it was only through this that a state of the Earth remained in which humanity could find its evolution.” — We’ve heard all that now, but where is all the romance of the moon? All that poetry, which sprang from true feelings, that relates to all the marvelous effects of the moon on human beings?

[ 2 ] Dieser Widerspruch ist nur ein scheinbarer, und er löst sich, wenn wir die Tatsachen nicht einseitig betrachten, sondern wenn wir die ganze Summe der Tatsachen vor unsere Seele stellen. Wenn wir allerdings heute den Mond auf seine physische Masse prüften, so würden wir finden, daß diese ungeeignet erscheinen würde, solches Leben, wie wir es jetzt auf der Erde haben, auf sich zu haben. Zugleich aber müssen wir auch sagen, daß auch alles das, was als Ätherisches mit dem Monde und seinen physischen Substanzen verknüpft ist, zu einem großen Teil auch solcherart ist, daß es sich als etwas sehr Minderwertiges, als dekadent ausnimmt gegenüber dem, was als Ätherisches in unserer eigenen Körperlichkeit ruht. Und wenn wir erst dasjenige, was bei den einzelnen Mondwesen — von denen wir durchaus sprechen können - als Astralisches in Betracht kommt, hellsehend betrachten würden, so würden wir uns überzeugen können, daß gegenüber dem Schlimmsten, was auf unserer Erde an niederen Gefühlen vorhanden ist, daß dem gegenüber unzählig Schlechteres und Minderwertigeres auf dem Monde ist. So dürfen wir also sowohl in bezug auf das Astralische, als auch auf das Ätherische, als auch auf das Physische des Mondes sprechen von Wesen, von Elementen, die ausgeschieden werden mußten, damit unsere Erde ihren Weg frei von schädlichen Einflüssen gehen konnte.

[ 2 ] This contradiction is only apparent, and it resolves itself when we do not view the facts one-sidedly, but rather when we consider the totality of the facts. If, however, we were to examine the Moon today in terms of its physical mass, we would find that it would appear unsuitable for sustaining the kind of life we now have on Earth. At the same time, however, we must also say that everything that is ethereal and connected to the Moon and its physical substances is, to a large extent, of such a nature that it appears to be something very inferior, even decadent, compared to what resides as the ethereal in our own physicality. And if we were to observe clairvoyantly what constitutes the astral aspect of the individual lunar beings—of whom we can certainly speak—we would be able to convince ourselves that, compared to the worst of the base emotions present on our Earth, there is something countless times worse and inferior on the Moon. Thus, with regard to the astral, the ethereal, and the physical aspects of the Moon, we may speak of beings, of elements that had to be separated so that our Earth could follow its course free from harmful influences.

[ 3 ] Nun müssen wir uns aber einer anderen Tatsache bewußt werden. Wir dürfen nicht außer acht lassen, daß wir überall bei dem Schlechten, Bösen nicht stehen bleiben dürfen. Denn alles das, was in der Evolution niedrig, böse wird, alles das unterliegt immer einer bedeutungsvollen Tatsache. So lange es irgend geht, muß alles das, was tief heruntergestiegen ist in niedere Sphären, durch andere, vollkommenere Wesen gereinigt werden, in die Höhe gebracht und geläutert werden, so daß es im Haushalt des Universums wieder verwendet werde. Wenn wir irgendwo eine Stelle im Weltall finden, wo besonders niedrige Wesen sind, so können wir sicher sein, daß mit diesen niederen Wesen andere, höhere verbunden sind, welche eine so große Macht des Guten, Schönen, Herrlichen haben, daß sie geeignet sind, auch die niedersten Kräfte noch zum Guten zu lenken. Deshalb ist es wahr, daß all das Niedere mit dem Mondendasein verknüpft ist, auf der anderen Seite aber sind mit ihm wiederum hohe, höchste Wesen verknüpft. Wir wissen ja schon, daß auf dem Monde zum Beispiel die hohe, sehr hohe geistige Wesenheit Jahve wohnt. Eine so hohe Wesenheit, mit einer solchen Macht und Herrlichkeit, hat aber unter sich in ihrer Tätigkeit große, große Scharen von dienenden Wesen guter Art. So daß wir uns vorzustellen haben, daß allerdings das Niederste aus der Erde mit dem Monde herausgegangen ist, daß aber zugleich diejenigen Wesen, die fähig sind, das Schlechte in Gutes, das Häßliche in Schönes zu verwandeln, mit dem Monde verbunden geblieben sind. Das konnten sie nicht, wenn sie das Häßliche im Erdenkörper ließen; sie mußten es herausnehmen. Warum denn aber überhaupt muß das entstehen, was da als Häßliches und Böses existiert? Es mußte entstehen, weil ohne die Einwirkung des Häßlichen und Bösen unmöglich etwas anderes hätte zustande kommen können: es hätte der Mensch niemals ein in sich gestaltetes, geschlossenes Wesen werden können. Erinnern wir uns an die vorige Betrachtung. Da haben wir gesehen, wie des Menschen niedere Natur im Wasser wurzelte, wie er zur Hälfte in die dunkle Wassererde hineinragte. Da gab es keine Knochen, da gab es keine feste Menschengestalt. Eine sich metamorphosierende Form war da, pflanzlich, blütenähnlich, die Form wechselte immerfort. So wäre der Mensch geblieben, wenn nicht die Kräfte sich so herausgebildet hätten, wie sie im Monde herausbefördert worden sind. Wäre die Erde nur einzig der Sonne ausgesetzt geblieben, es wäre die Beweglichkeit des Menschenwesens zum höchsten Grade gestiegen, die Erde hätte ein für den Menschen unmögliches Tempo eingeschlagen; der Mensch hätte in seiner heutigen Form nicht entstehen können. Würden dagegen nur die Mondeskräfte gewirkt haben, dann wäre der Mensch sofort erstarrt; seine Gestalt würde sich im Augenblick der Geburt verfestigen, er würde zur Mumie werden und so verewigt werden. Zwischen diesen zwei Extremen entwickelt sich der Mensch heute mitten darinnen: zwischen unbegrenzter Beweglichkeit und dem Erstarren in der Form. Weil in dem Monde die formenden Kräfte sind, ist auch der physische Mond zur Schlacke geworden. In diese Formen hineinwirken können nur die hohen, starken Wesen, die mit dem Monde in Verbindung sind. So wirken auf die Erde zwei Kräfte: die Sonnenkräfte und die Mondenkräfte, die einen treibend, die anderen mumifizierend. Denken Sie sich, ein riesiges Wesen schleppte die Sonne weg - in dem Augenblick würden wir auch alle schon zu Mumien erstarren, und zwar so sehr, daß wir diese Gestalt nie mehr würden verlieren können. Nehmen wir aber an, es schleppte ein Riese den Mond weg - dann würden alle die schönen, gemessenen, abgerundeten Bewegungen, die wir heute haben, zappelig werden. Wir würden innerlich ganz beweglich werden; wir würden unsere Hände sich verlängern sehen bis ins Riesenmäßige und wieder zurückschrumpfen. Die Metamorphosierungskraft würde sich bis ins Riesenmäßige steigern. Jetzt aber ist der Mensch eingeschaltet zwischen diese zwei Kräfte.

[ 3 ] Now, however, we must become aware of another fact. We must not overlook the fact that we must not dwell on the bad and the evil. For everything that becomes low and evil in the course of evolution is always subject to a significant truth. As long as it is at all possible, everything that has descended deeply into lower spheres must be purified by other, more perfect beings, raised up, and refined, so that it may be reused in the order of the universe. If we find a place in the universe where there are particularly low beings, we can be certain that these lower beings are connected to other, higher ones who possess such great power of the good, the beautiful, and the glorious that they are capable of steering even the lowest forces toward the good. Therefore, it is true that all that is low is linked to the lunar realm; on the other hand, however, high and highest beings are in turn linked to it. We already know, for example, that the high, very high spiritual being Yahweh dwells on the Moon. Such a high being, with such power and glory, however, has beneath him, in his work, vast, vast hosts of serving beings of a good nature. So we must imagine that, while the lowest elements from the Earth did indeed depart with the Moon, those beings capable of transforming the evil into good and the ugly into beautiful remained connected to the Moon. They could not have done this if they had left the ugly within the earthly body; they had to remove it. But why, then, must that which exists as ugly and evil come into being at all? It had to come into being because, without the influence of the ugly and the evil, nothing else could possibly have come into being: human beings could never have become beings that are formed and complete within themselves. Let us recall the previous consideration. There we saw how the lower nature of the human being was rooted in water, how he extended halfway into the dark water-earth. There were no bones; there was no fixed human form. There was a metamorphosing form—vegetal, flower-like—whose shape was constantly changing. Humanity would have remained in this state had the forces not developed in the way they were brought forth by the Moon. Had the Earth remained exposed solely to the Sun, the mobility of the human being would have risen to the highest degree; the Earth would have adopted a pace impossible for humanity; humanity could not have come into being in its present form. If, on the other hand, only the lunar forces had been at work, then human beings would have solidified immediately; their form would have solidified at the moment of birth, they would have become mummies and thus been immortalized. Today, human beings develop right in the middle of these two extremes: between unlimited mobility and solidification into form. Because the formative forces reside in the Moon, the physical Moon has also become a slag. Only the high, powerful beings connected to the Moon can work within these forms. Thus, two forces act upon the Earth: the solar forces and the lunar forces, the former driving, the latter mummifying. Imagine if a gigantic being were to drag the Sun away—at that very moment, we would all freeze into mummies, so completely that we would never again be able to shed this form. But suppose a giant were to drag the Moon away—then all the beautiful, measured, rounded movements we have today would become jerky. We would become completely agile on the inside; we would see our hands extend to gigantic proportions and then shrink back again. The power of metamorphosis would increase to gigantic proportions. But now, human beings are caught between these two forces.

[ 4 ] Nun ist aber auch in diesem Kosmos, nicht nur in den Gestalten und Substanzen, sondern auch in den Verhältnissen der Dinge zueinander mancherlei außerordentlich weise eingerichtet. Und wir werden nunmehr, um uns heute einmal vor die Seele zu führen, welche unendliche Weisheit im Kosmos liegt, ein Verhältnis betrachten, anknüpfend an die Osirisgestalt.

[ 4 ] But even within this cosmos—not only in the forms and substances, but also in the relationships between things—there are many aspects that are arranged with extraordinary wisdom. And now, to bring home to us today just how much infinite wisdom lies within the cosmos, we will examine a relationship connected to the figure of Osiris.

[ 5 ] In der Gestalt des Osiris sah der Ägypter die Wirkung des Sonnengestirns auf unsere Erde in der Zeit, als noch Nebeldünste um die Erde wogten, als noch keine Luft da war, und er sah, daß, als im Menschen die Luftatmung anfing, daß in dem Momente die einheitliche Wesenheit, Osiris-Set sich trennte. Set oder Typhon bewirkt, daß der Lufthauch in uns eingeht. Typhon, der Windhauch, löste sich von dem Licht der Sonne, und Osiris wirkt nur als Licht der Sonne. Es ist aber auch derselbe Moment, in dem Geburt und Tod in das Wesen des Menschen hereinzog. In das, was formend und entformend war, was bis dahin etwa so war, als ob wir einen Rock anziehen und ausziehen, war eine große Änderung getreten. Wenn der Mensch damals hätte empfinden können, in der Zeit, als noch nicht die von der Sonne ausgehenden Wirkungen die Erde selbst verlassen hatten, die Wirkungen, die von jenen hohen Wesenheiten ausgingen, die später mit der Sonne hinausgegangen sind, so hätte er mit Dankbarkeit hinaufgesehen zu diesen Sonnenwesen. Als die Sonne aber sich nunmehr immer mehr von der Erde trennte, als dann immer mehr das, was Dunstsphäre war — die allerdings damals für den Menschen das Reich seiner höheren Natur war -, sich verfeinerte, da bekam der Mensch, der immer weniger die direkte Einwirkung der Sonne wahrnehmen konnte, das Bewußtsein davon, was die Kräfte in seiner niederen Natur waren, und er kam dazu, daß er dort sein Ich erfaßte. Wenn er in seine niedere Natur untertauchte, da wurde er sich seiner selbst erst bewußt.

[ 5 ] In the form of Osiris, the Egyptians saw the effect of the sun on our Earth at a time when mists still swirled around the Earth, when there was no air yet, and they saw that when human beings began to breathe air, at that very moment the unified being, Osiris-Set, split apart. Set, or Typhon, causes the breath of air to enter us. Typhon, the breath of wind, separated from the light of the sun, and Osiris acts only as the light of the sun. But it is also the very moment when birth and death entered the human being. A great change had come over what was once a process of formation and dissolution—a process that, until then, had been much like putting on and taking off a coat. If human beings back then—at a time when the effects emanating from the sun had not yet left the earth itself, the effects that emanated from those high beings who later departed with the sun—had been able to perceive these effects, they would have looked up with gratitude toward these solar beings. But as the Sun now separated more and more from the Earth, and as the so-called “mist sphere”—which, admittedly, was then the realm of human beings’ higher nature—became increasingly refined, human beings, who were able to perceive the Sun’s direct influence less and less, became aware of the forces within their lower nature, and came to grasp their “I” there. It was only when he immersed himself in his lower nature that he became aware of himself.

[ 6 ] Warum nun ist die Wesenheit, welche wir als Osiriswesenheit kennen, verfinstert worden? Das Licht hörte mit dem Weggang der Sonne zu wirken auf, aber Jahve blieb zunächst auf der Erde, bis der Mond sich trennte. Osiris war der Geist, welcher so die Kraft des Sonnenlichtes in sich enthielt, daß er später, als der Mond sich trennte, mit dem Monde mitging, und die Aufgabe erhielt, vom Monde aus das Sonnenlicht auf die Erde zu lenken. Zuerst haben wir also die Sonne herausgehen schen; Jahve bleibt mit seiner Schar, mit Osiris in der Erde zurück. Der Mensch lernt atmen. Zugleich aber trat der Mond heraus; Osiris zieht mit dem Monde heraus und erhält die Aufgabe, das Sonnenlicht vom Monde zu reflektieren auf die Erde. Osiris wird in einen Kasten gelegt, das heißt, er zieht sich mit dem Monde zurück. Vorher hatte der Mensch die Osiriswirkung von der Sonne her; jetzt erhielt er die Empfindung, daß das, was ihm früher von der Sonne kam, ihm jetzt vom Monde zuströmte. Der Mensch sagte sich damals, wenn der Mond herunterstrahlte: Osiris, du bist es, der mir vom Monde das Licht der Sonne strahlt, das zu deinem Wesen gehött.

[ 6 ] Why, then, was the entity we know as the Osiris entity darkened? The light ceased to shine when the Sun departed, but Yahweh remained on Earth for a time, until the Moon separated. Osiris was the spirit who contained within himself the power of sunlight to such an extent that later, when the moon separated, he went with the moon and was given the task of directing the sunlight from the moon onto the earth. So first we see the sun depart; Yahweh remains on earth with his host, along with Osiris. Man learns to breathe. At the same time, however, the Moon emerged; Osiris went out with the Moon and was given the task of reflecting the sunlight from the Moon onto the Earth. Osiris is placed in a coffin—that is, he withdraws with the Moon. Previously, humankind had received the Osiris effect from the Sun; now they sensed that what had formerly come to them from the Sun was now streaming toward them from the Moon. At that time, when the moon shone down, human beings said to themselves: “Osiris, it is you who shines the light of the sun upon me from the moon, a light that belongs to your very being.”

[ 7 ] Aber dieses Licht der Sonne wird täglich in einer anderen Gestalt zurückgestrahlt. Wenn der Mond in schwacher Sichel am Himmel steht, dann haben wir die erste Gestalt; wenn er am zweiten Tage gewachsen ist, die zweite, und so durch vierzehn Tage durch haben wir vierzehn Gestalten bis zum Vollmond. Osiris wendet sich durch vierzehn Tage in den vierzehn Gestalten der beleuchteten Mondesscheibe der Erde zu. Es ist von tiefer Bedeutsamkeit, daß diese vierzehn Gestalten, vierzehn Wachstumsphasen, der Mond, das heißt, Osiris annimmt, um das Licht der Sonne uns zuzustrahlen. Dieses, was da der Mond tut, das ist im Kosmos gleichzeitig damit verknüpft, daß der Mensch atmen gelernt hat. Erst als diese Erscheinung in ihrer Art voll am Himmel war, erst da konnte der Mensch atmen, und damit war er verknüpft mit der physischen Welt, und es konnte der erste Keim des Ichs in der menschlichen Wesenheit entstehen.

[ 7 ] But this light of the sun is reflected back in a different phase each day. When the moon appears in the sky as a faint crescent, we have the first phase; when it has grown on the second day, the second phase, and so on through fourteen days, we have fourteen phases leading up to the full moon. Over the course of fourteen days, Osiris turns toward the Earth in the fourteen phases of the illuminated lunar disk. It is of profound significance that the moon—that is, Osiris—assumes these fourteen phases, these fourteen stages of growth, in order to radiate the light of the sun to us. What the Moon does here is linked in the cosmos to the fact that human beings have learned to breathe. Only when this phenomenon was fully manifest in the sky in its own way could human beings breathe; and through this, they became connected to the physical world, and the first seed of the “I” could arise within the human being.

[ 8 ] Die spätere ägyptische Erkenntnis hat das alles, was hier geschildert worden ist, empfunden und so erzählt: Osiris regierte früher die Erde, dann aber trat Typhon auf, der Wind. — Das ist die Zeit, in der die Wasser soweit herabfallen, daß die Luft auftritt, wodurch der Mensch zum Luftatmer wird. Das Osirisbewußtsein hat Typhon besiegt, er hat Osiris getötet, ihn in einen Kasten gelegt und dem Meere übergeben. Wie könnte man denn das kosmische Ereignis bedeutungsvoller ausdrücken im Bilde? Erst regiert der Sonnengott Osiris, dann wird er hinausgetrieben im Monde. Der Mond ist der Kasten, der in das Meer des Weltenraumes hinausgedrängt wird; nunmehr ist Osiris im Weltenraum. Wir erinnern uns nun aber auch daran, daß in der Sage gesagt wird, daß, als Osiris wiedergefunden wurde, als er auftauchte im Weltenraum, er in vierzehn Gestalten erschien. Die Sage erzählt: Osiris wurde in vierzehn Glieder zerstückelt und in vierzehn Gräbern begraben. Hier haben wir einen wunderbaren Hinweis in dieser tiefgründigen Sage auf den kosmischen Vorgang. Die vierzehn Gestalten des Mondes, die Mondphasen, sind die vierzehn Stücke des zerstückelten Osiris. Der ganze Osiris ist die ganze Mondscheibe.

[ 8 ] Later Egyptian understanding perceived everything described here and recounted it as follows: Osiris once ruled the Earth, but then Typhon, the wind, appeared. — This is the time when the waters recede far enough for air to emerge, causing humans to become air-breathers. The Osiris consciousness defeated Typhon; Typhon killed Osiris, placed him in a chest, and cast him into the sea. How could this cosmic event be expressed more meaningfully in imagery? First, the sun god Osiris reigns; then he is driven out into the moon. The moon is the chest that is thrust out into the sea of outer space; now Osiris is in outer space. But let us also recall that the legend states that when Osiris was found again, when he emerged in outer space, he appeared in fourteen forms. The legend tells us: Osiris was dismembered into fourteen parts and buried in fourteen tombs. Here we have a marvelous reference in this profound legend to the cosmic process. The fourteen forms of the moon—the lunar phases—are the fourteen pieces of the dismembered Osiris. The whole of Osiris is the whole lunar disk.

[ 9 ] Das erscheint ja nun zunächst so, als wenn das alles nur ein Symbolum wäre. Wir sehen aber schon, daß das seine wirkliche Bedeutung gehabt hat. Und jetzt kommen wir auf etwas, ohne das uns niemals die Geheimnisse des Kosmos klarwerden. Wenn nicht eingetreten wäre eine solche Konstellation von Sonne, Mond und Erde, wenn der Mond nicht in vierzehn Gestalten erschienen wäre, dann wäre etwas anderes nicht eingetreten, denn diese vierzehn Gestalten haben etwas ganz Besonderes bewirkt. Jede derselben hat einen großen, gewaltigen Einfluß auf den Menschen in seiner Entwickelung auf der Erde gehabt. Nun werde ich Ihnen etwas Sonderbares sagen müssen, es ist aber wahr. Damals, als das alles noch nicht geschehen war, als Osiris noch nicht hinausgegangen war, da hatte der Mensch in seiner Lichtgestalt nicht einmal der Anlage nach etwas, was heute von größter Wichtigkeit ist. Wir wissen, daß das Rückenmark sehr wichtig ist. Von ihm gehen Nerven aus. Diese waren nicht einmal der Anlage nach vorhanden in der Zeit, als der Mond noch nicht heraus war. Die vierzehn Gestalten des Mondes, in der Anordnung, wie sie aufeinander folgen, wurden die Veranlassung, daß sich vierzehn Nervenstränge an das Rückenmark des Menschen angliederten. Die kosmischen Kräfte wirkten so, daß den vierzehn Phasen oder Gestalten des Mondes diese vierzehn Nervenstränge entsprechen. Das ist die Folge der Osiriswirkung.

[ 9 ] At first glance, this might seem as if it were all just a symbol. But we can already see that it had real significance. And now we come to something without which the mysteries of the cosmos will never become clear to us. If such a constellation of the Sun, Moon, and Earth had not come to pass, if the Moon had not appeared in fourteen phases, then something else would not have come to pass, for these fourteen phases have brought about something quite special. Each one of them has had a great, powerful influence on human beings in their development on Earth. Now I must tell you something strange, but it is true. Back then, when none of this had yet happened, when Osiris had not yet departed, human beings in their luminous form did not even possess the rudiments of something that is of the utmost importance today. We know that the spinal cord is very important; nerves branch out from it. These were not even present in embryonic form at the time when the Moon had not yet emerged. The fourteen phases of the Moon, in the order in which they follow one another, were the cause of fourteen nerve tracts becoming attached to the human spinal cord. The cosmic forces acted in such a way that these fourteen nerve tracts correspond to the fourteen phases of the Moon. This is the result of the Osiris effect.

[ 10 ] Nun entspricht der Mondesentwickelung noch etwas anderes. Diese vierzehn Phasen sind ja nur die Hälfte der Erscheinungen des Mondes. Der Mond hat vierzehn Phasen vom Neumond bis zum Vollmond und vierzehn Phasen vom Vollmond bis zum Neumond. Während der vierzehn Tage, die zum Neumond gehen, ist keine Osiriswirkung da. Da wird der Mond von der Sonne so beschienen, daß er allmählich seine unbeleuchtete Fläche der Erde als Neumond zuwendet. Diese vierzehn Phasen vom Vollmond bis zum Neumond haben auch ihre Wirkung, und diese Wirkung wird für das ägyptische Bewußtsein erreicht durch die Isis. Diese vierzehn Phasen werden von der Isis regiert. Durch die Isiswirkung gehen vierzehn andere Nervenstränge vom Rückenmark aus. Das gibt im ganzen achtundzwanzig Nervenstränge, die den verschiedenen Phasen des Mondes entsprechen. Da sehen wir den Ursprung ganz bestimmter Glieder des Menschenorganismus, aus den kosmischen Ereignissen heraus. Mancher wird nun sagen: Das sind ja nicht alle Nervenstränge, das sind ja nur achtundzwanzig. — Es wären nur achtundzwanzig, wenn das Mondenjahr mit dem Sonnenjahr zusammenfiele. Das Sonnenjahr ist aber länger, und die Differenz des Sonnenjahrs gegenüber dem Mondenjahr hat die überzähligen Nervenstränge bewirkt. So ist dem Menschen eingegliedert worden in seinen Organismus von dem Monde aus die Isiswirkung und die Osiriswirkung. Damit ist aber noch etwas anderes verknüpft.

[ 10 ] Now, there is something else that corresponds to the Moon’s development. These fourteen phases are, after all, only half of the Moon’s manifestations. The Moon has fourteen phases from the new moon to the full moon and fourteen phases from the full moon to the new moon. During the fourteen days leading up to the new moon, there is no Osiris effect. During this time, the Moon is illuminated by the Sun in such a way that it gradually turns its unlit side toward the Earth as a new moon. These fourteen phases from the full moon to the new moon also have their own effect, and this effect is achieved in Egyptian consciousness through Isis. These fourteen phases are governed by Isis. Through the influence of Isis, fourteen other nerve tracts extend from the spinal cord. This makes a total of twenty-eight nerve tracts, corresponding to the various phases of the moon. Here we see the origin of very specific parts of the human organism, arising from cosmic events. Some might now say: “But that’s not all the nerve tracts—there are only twenty-eight.” — There would be only twenty-eight if the lunar year coincided with the solar year. But the solar year is longer, and the difference between the solar year and the lunar year has given rise to the additional nerve tracts. Thus, the influence of Isis and the influence of Osiris have been incorporated into the human organism from the Moon. But something else is connected to this as well.

[ 11 ] Bis zu dem Moment, als der Mond von außen zu wirken begann, gab es noch keine Zweigeschlechtlichkeit. Es gab bis dahin nur einen Menschen, der sozusagen beides war, männlich und weiblich. Jene Trennung geschah erst durch die abwechselnde Wirkung von Isis und Osiris vom Monde her, und je nachdem die Osirisnerven oder die Isisnerven eine besondere Wirkung auf den Organismus ausüben, je nachdem wird der Mensch männlich oder weiblich. Ein Organismus, in dem vorzugsweise die Isiswirkung herrscht, wird männlich, ein Leib, in dem die Ositiswirkung vorherrscht, wird weiblich. Natürlich wirken in jedem Mann und in jedem Weib beide Kräfte, Isis und Osiris, aber so, daß beim Manne der Ätherleib weiblich ist, und bei der Frau der Ätherleib männlich ist. Hier haben wir etwas von dem wunderbaren Zusammenhang, wie das Einzelwesen mit den Stellungen im Kosmos zusammenhängt.

[ 11 ] Until the moment the Moon began to exert its influence from the outside, there was no sexual dimorphism. Until then, there was only one human being who was, so to speak, both male and female. That separation occurred only through the alternating influence of Isis and Osiris emanating from the moon, and depending on whether the Osiris nerves or the Isis nerves exert a particular influence on the organism, the human being becomes either male or female. An organism in which the Isis influence predominates becomes male; a body in which the Osiris influence predominates becomes female. Of course, both forces—Isis and Osiris—are at work in every man and every woman, but in such a way that in a man, the etheric body is feminine, and in a woman, the etheric body is masculine. Here we have a glimpse of the wondrous connection between the individual being and the positions within the cosmos.

[ 12 ] Wir haben nun gefunden, daß nicht nur durch die Kräfte, sondern auch durch die Konstellationen der Weltenkörper Einwirkungen auf den Menschen stattfinden. Unter den Einflüssen dieser achtundzwanzig Nervenstränge, die vom Rückenmark ausgehen, bildete sich alles, was zum männlichen und weiblichen Organismus gehört. Nun soll noch etwas angeführt werden, womit wir weit hineinleuchten werden in den Kosmos und die Zusammenhänge mit der Entwikkelung des Menschen. Diese Kräfte formen die Gestalt des Menschen, aber der Mensch verhärtet nicht in ihr; es wird eine Gleichgewichtslage geschaffen zwischen Sonnen- und Mondenwirkung. Bei folgendem dürfen wir nicht denken, daß wir es zu tun haben mit irgendeiner Symbolik bloß, wir haben es mit realen Tatsachen zu tun.

[ 12 ] We have now discovered that influences on human beings arise not only from the forces but also from the constellations of the celestial bodies. Under the influence of these twenty-eight nerve tracts, which originate in the spinal cord, everything pertaining to the male and female organisms took shape. Now we shall mention something else that will allow us to shed light deep into the cosmos and its connections with human development. These forces shape the human form, but the human being does not become fixed in it; a state of equilibrium is created between the influences of the Sun and the Moon. In what follows, we must not think that we are dealing merely with some kind of symbolism; we are dealing with real facts.

[ 13 ] Was ist der ursprüngliche Osiris, der unzerstückelte Osiris? Was ist der zerteilte Osiris? Was vorher noch eine Einheit war im Menschen, das ist jetzt zerstückelt in die achtundzwanzig Nerven. Wir haben gesehen, wie er in uns selbst zerstückelt liegt. Ohne das hätte niemals bewirkt werden können, daß die menschliche Gestalt entstanden ist. Was hat sich aber zunächst unter dem Einfluß von Sonne und Mond gebildet? Zunächst entstand durch das Zusammenwirken aller der Nervenstränge nicht nur äußerlich Männliches und Weibliches, sondern auch im Inneren des Menschen entstand etwas durch den Einfluß des männlichen und weiblichen Prinzips. Es entstand die innerliche Isiswirkung, und diese innerliche Isiswirkung, das ist die Lunge. Die Lunge ist der Regulator der Einflüsse des Typhon oder Set. Und das, was auf den Menschen von Osiris aus wirkt, das wirkt, indem es die weibliche Wirkung anregt, in männlicher Art so, daß produktiv gemacht wird die Lunge durch den Atem. Durch die Wirkungen, die ausgehen von Sonne und Mond, wird geregelt das männliche und weibliche Prinzip: in jedem Weiblichen ein Männliches — der Kehlkopf; in jedem Männlichen ein Weibliches — die Lunge.

[ 13 ] What is the original Osiris, the undismembered Osiris? What is the dismembered Osiris? What was previously a unity within the human being is now fragmented into the twenty-eight nerves. We have seen how he lies dismembered within us. Without this, the human form could never have come into being. But what was first formed under the influence of the sun and moon? First, through the interaction of all the nerve strands, not only did male and female forms emerge externally, but something also arose within the human being through the influence of the male and female principles. The inner Isis effect came into being, and this inner Isis effect is the lung. The lung is the regulator of the influences of Typhon or Set. And what acts upon the human being from Osiris does so by stimulating the feminine effect in a masculine way, such that the lung is made productive through the breath. The male and female principles are regulated by the influences emanating from the sun and the moon: within every female there is a male element—the larynx; within every male there is a female element—the lungs.

[ 14 ] Innerlich wirkt Isis und Osiris in jedem Menschen, in bezug auf seine höhere Natur. So ist jeder Mensch doppelgeschlechtlich, denn jeder Mensch hat Lunge und Kehlkopf. Jeder Mensch, ob Weib oder Mann, hat gleich viele Nerven. Und nunmehr, nachdem sich auf diese Weise Isis und Osiris der niederen Natur entrissen haben, da haben sie den Sohn geboren, den Schöpfer des zukünftigen Erdenmenschen. Beide haben hervorgebracht den Horus. Isis und Osiris haben gezeugt das Kind, gehütet und gepflegt von der Isis: das menschliche Herz, gehütet und gepflegt von den Lungenflügeln der Mutter Isis. Hier haben wir in der ägyptischen Vorstellung etwas, was uns zeigt, daß in diesen alten Mysterienschulen das, was höhere Natur des Menschen geworden war, als Männlich-Weibliches angesehen wurde: das, was der Inder als Brahma erkannte. Dem indischen Schüler, dem wurde schon im Urmenschen gezeigt, was später einmal als jene höhere Gestalt erscheint. Horus, das Kind wurde ihm gezeigt, und es wurde ihm gesagt: das alles ist entstanden durch den Urlaut, durch die Väc, den Urlaut, der sich differenziert in viele Laute. — Und das, was der indische Schüler erlebte, das ist uns erhalten geblieben in einem merkwürdigen Spruch im Rigveda. Eine Stelle steht darinnen, die heißt: Und es kommen über den Menschen die sieben von unten, die acht von oben, die neun von hinten, die zehn aus den Gründen des Felsengewölbes und die zehn aus dem Inneren, während die Mutter sorgt für das zu tränkende Kind. — Das ist eine merkwürdige Stelle. Stellen wir uns einmal diese Isis, die ich als Lunge schilderte, diesen Osiris, den ich geschildert habe als Atmungsapparat, vor, und denken wir das alles: wie da die Stimme hineinwirkt, sich differenziert als Kehllaute, Lungenlaute, wie sie in Buchstaben sich differenziert. Diese Buchstaben kommen von verschiedenen Seiten: sieben kommen von unten aus der Kehle und so weiter. Das eigentümliche Wirken von allem, was mit unserem Luftapparat zusammenhängt, ist darin niedergelegt. Wo der Laut sich differenziert und gliedert, da ist die höhere Mutter, die das Kind hegt und pflegt — die Mutter: die Lunge; das Kind: das unter allen den Einflüssen gebildete menschliche Herz, aus dem die Impulse kommen, die Stimme zu beseelen.

[ 14 ] Isis and Osiris work within every human being, in relation to their higher nature. Thus, every human being is hermaphroditic, for every human being has lungs and a larynx. Every human being, whether woman or man, has the same number of nerves. And now, after Isis and Osiris have thus freed themselves from the lower nature, they have given birth to the son, the creator of the future earthly human being. Together they have brought forth Horus. Isis and Osiris have conceived the child, guarded and nurtured by Isis: the human heart, guarded and nurtured by the lungs of Mother Isis. Here, in the Egyptian conception, we have something that shows us that in these ancient mystery schools, what had become the higher nature of the human being was regarded as masculine-feminine: that which the Indians recognized as Brahma. To the Indian disciple, what would later appear as that higher form was already revealed in the primordial human. Horus, the child, was shown to him, and he was told: all of this came into being through the primordial sound, through the Vāc, the primordial sound that differentiates itself into many sounds. — And what the Indian student experienced has been preserved for us in a remarkable verse in the Rigveda. There is a passage in it that reads: “And upon the human being come the seven from below, the eight from above, the nine from behind, the ten from the depths of the rocky vault, and the ten from within, while the mother cares for the child to be nursed.” — This is a remarkable passage. Let us imagine this Isis, whom I described as the lung, and this Osiris, whom I described as the respiratory system, and let us consider all of this: how the voice works within them, differentiating itself as laryngeal sounds, pulmonary sounds, and how it differentiates itself into letters. These letters come from different directions: seven come from below, from the throat, and so on. The unique workings of everything connected with our respiratory system are laid out here. Where the sound differentiates and structures itself, there is the higher mother who nurtures and cares for the child—the mother: the lung; the child: the human heart, formed under all these influences, from which the impulses arise that animate the voice.

[ 15 ] So zeigte sich für den Einzuweihenden das geheimnisvolle Wirken und Weben im Inneren des Kosmos, so baute es sich auf im Laufe der Zeit. Und wir werden sehen, wie in dieses Gewebe sich die anderen Glieder des Menschen hineingebaut haben. So haben wir in dieser ägyptischen Geheimlehre auch ein Kapitel der okkulten Anatomie, wie sie getrieben wurde in einer ägyptischen Geheimschule, sofern man von kosmischen Kräften, von kosmischen Wesen und dem Zusammenhang mit dem physischen Leibe des Menschen gewußt hat.

[ 15 ] Thus the mysterious workings and interweaving within the cosmos were revealed to the initiate, and thus they unfolded over the course of time. And we shall see how the other parts of the human being have been woven into this fabric. Thus, in this Egyptian esoteric teaching, we also have a chapter on occult anatomy, as it was practiced in an Egyptian secret school, insofar as knowledge existed of cosmic forces, cosmic beings, and their connection to the human physical body.