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Spiritual-Scientific Anthropology
GA 107

16 November 1908, Berlin

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Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Vorschreitend von dem Beginn, den wir heute vor acht Tagen mit der Betrachtung der Krankheitsformen und des Gesundheitslebens des Menschen gemacht haben, werden wir im Verlaufe dieses Winters immer genauer und genauer eingehen auf damit zusammenhängende Dinge. Alle unsere Betrachtungen werden dann gipfeln in einer Erkenntnis der menschlichen Natur überhaupt, die genauer ist, als wir sie schon mit den bisherigen Mitteln der Anthroposophie haben konnten. Heute muß sich in unsere Betrachtungen eine Auseinandersetzung über das Wesen und die Bedeutung der Zehn Gebote des Moses einreihen, denn wir werden das später brauchen. Wir werden ja demnächst zu sprechen haben über die tiefe Bedeutung solcher Begriffe wie Erbsünde, Erlösung und dergleichen, und wir werden sehen, daß diese Begriffe im Lichte unserer neuesten, auch wissenschaftlichen Errungenschaften ihre Bedeutung wieder erhalten. Dazu müssen wir aber einmal das Grundwesen dieses merkwürdigen Dokumentes näher untersuchen, das aus den Urzeiten der israelitischen Geschichte herüberragt und das uns wie einer der bedeutendsten Bausteine an dem Tempel erscheint, der als eine Art Vorhalle zum Christentum errichtet worden ist. Gerade bei einem solchen Dokument kann es immer mehr anschaulich werden, wie wenig eigentlich diejenige Gestalt, in der der Mensch die Bibel heute kennen kann, diesem Dokument selbst entspricht. Aus den Einzelheiten, die in den letzten beiden öffentlichen Vorträgen über «Bibel und Weisheit» besprochen worden sind, werden Sie das Gefühl erhalten haben, daß es nicht richtig wäre, wenn jemand meinte: Ach, das sind ja doch alles nur einzelne [herausgehobene Stellen in] den Übersetzungen, auf solche Genauigkeiten wird es dabei doch nicht ankommen! Es wäre sehr oberflächlich geurteilt, diese Dinge so zu behandeln! Erinnern Sie sich nur einmal daran, daß darauf aufmerksam gemacht werden konnte, daß der vierte Vers des zweiten Kapitels in der Genesis, richtig übersetzt, eigentlich heißt: «Dieses Folgende wird erzählen die Geschlechter oder das, was hervorgeht aus Himmel und Erde», und daß in der Genesis dasselbe Wort hier gebraucht wird für sozusagen «die Nachkommen von Himmel und Erde» wie dort, wo später gesagt wird: «Dies ist das Buch über die Geschlechter - oder die Nachkommenschaft - des Adam.» In beiden Fällen steht dasselbe Wort. Und es bedeutet viel, daß da, wo der Hervorgang des Menschen aus Himmel und Erde geschildert wird, mit demselben Wort gesprochen wird wie später, wo von der Nachkommenschaft des Adam die Rede ist. Solche Dinge sind nicht etwa bloß eine Verbesserung pedantischer Art, die ein wenig die Übersetzung zurechtrücken würde, sondern solche Sachen greifen an den Nerv nicht nur unserer Übersetzung, sondern des Verständnisses dieses Urdokumentes der Menschheit. Und man spricht eigentlich sozusagen aus den Lebensquellen unserer anthroposophischen Weltanschauung heraus, wenn man sagt, daß es zu den wichtigsten Aufgaben dieser Weltanschauung, ja der Anthroposophie selbst gehöre, die Bibel in einer wahren Gestalt der Menschheit wiederzugeben. Vor allem interessiert uns hier das, was im allgemeinen gesagt worden ist, nunmehr in bezug auf die Zehn Gebote.

[ 1 ] Building on the starting point we established eight days ago with our examination of the forms of illness and the healthy life of human beings, we will delve more and more deeply into related topics as this winter progresses. All of our reflections will then culminate in an understanding of human nature as a whole that is more precise than we have been able to achieve thus far through the means of anthroposophy. Today, our reflections must include an examination of the nature and significance of the Ten Commandments of Moses, for we will need this later. We will soon have to discuss the profound significance of concepts such as original sin, redemption, and the like, and we will see that these concepts regain their meaning in the light of our latest scientific achievements. To do this, however, we must first examine more closely the fundamental nature of this remarkable document, which dates back to the earliest times of Israelite history and appears to us as one of the most significant building blocks of the temple that was erected as a kind of vestibule to Christianity. It is precisely with such a document that it can become increasingly clear how little the form in which people today know the Bible actually corresponds to this document itself. From the details discussed in the last two public lectures on “The Bible and Wisdom,” you will have gained the sense that it would be incorrect for anyone to say: “Oh, but those are all just isolated [highlighted passages in] the translations; such details surely don’t matter!” It would be a very superficial judgment to treat these matters in this way! Just recall that it was pointed out that the fourth verse of the second chapter of Genesis, when correctly translated, actually reads: “The following will recount the generations—or that which comes forth from heaven and earth,” and that in Genesis the same word is used here for, so to speak, “the descendants of heaven and earth” as it is later where it is said: “This is the book of the generations—or the descendants—of Adam.” The same word appears in both cases. And it is significant that where the origin of humankind from heaven and earth is described, the same word is used as later, when the offspring of Adam is discussed. Such matters are not merely a pedantic correction that would slightly refine the translation, but they strike at the heart not only of our translation but also of our understanding of this primordial document of humanity. And one speaks, so to speak, from the very sources of life of our anthroposophical worldview when one says that it is among the most important tasks of this worldview—indeed, of anthroposophy itself—to render the Bible in a form that truly reflects humanity. Above all, we are interested here in what has been said in general terms, now in relation to the Ten Commandments.

[ 2 ] Diese Zehn Gebote werden heute eigentlich von der Mehrzahl der Menschen so genommen, als wenn es Gesetzesbestimmungen wären so, wie auch von irgendeinem modernen Staate Gesetze gegeben werden. Man wird ja zugeben, daß diese Gesetze, die in den Zehn Geboten enthalten sind, umfassender, allgemeiner sind und daß sie unabhängig von diesem Ort und dieser Zeit gelten. Man wird sie also für allgemeinere Gesetze halten, aber man hat dabei im Bewußtsein, daß sie doch nur die Wirkung oder dasselbe Ziel haben sollen wie die Gesetze, die heute von einer Gesetzgebung gegeben werden. Dadurch aber verkennt man den eigentlichen Lebensnery, der in diesen Zehn Geboten lebt. Und wie man ihn verkannt hat, zeigt sich eben darin, daß alle Übersetzungen, die der heutigen Menschheit zugänglich sind, schon unbewußt eine wesentlich oberflächliche, gar nicht in den Geist dieser Zehn Gebote eingehende Erklärung der Sache in sich aufgenommen haben. Wenn wir in diesen Geist eingehen, dann werden Sie sehen, wie sich der Sinn dieser Zehn Gebote einreiht in die Betrachtungen, die wir eben jetzt begonnen haben und in bezug auf welche es scheint, als wenn wir einen gar nicht dazugehörigen Seitensprung machen würden, wenn wir die Zehn Gebote betrachten.

[ 2 ] Today, the majority of people actually regard these Ten Commandments as if they were legal provisions, just as laws are enacted by any modern state. One must admit that these laws, contained in the Ten Commandments, are more comprehensive and general, and that they apply regardless of place or time. People therefore regard them as more general laws, but they do so with the understanding that they are intended to have the same effect or achieve the same goal as the laws enacted by modern legislatures today. In doing so, however, they fail to recognize the very lifeblood that animates these Ten Commandments. And the extent to which it has been misunderstood is evident precisely in the fact that all translations accessible to humanity today have, without even realizing it, incorporated a fundamentally superficial explanation of the matter—one that does not penetrate the spirit of these Ten Commandments at all. If we enter into this spirit, then you will see how the meaning of these Ten Commandments fits into the reflections we have just begun—and in relation to which it seems as though we were making a completely irrelevant digression when we consider the Ten Commandments.

[ 3 ] Vor allem lassen Sie uns, wie eine Art von Einleitung, einen Versuch machen, wenigstens in einer einigermaßen entsprechenden Weise die Zehn Gebote in deutscher Sprache zu geben, und erst dann vor die Sache hintreten. An dieser, wenn man es so nennen will, Übersetzung der Zehn Gebote wird noch mancherlei gefeilt werden müssen. Aber der Lebensnerv, der eigentliche Sinn, soll zunächst einmal mit dieser Form der Zehn Gebote in deutscher Sprache getroffen werden, wie wir gleich nachher sehen werden. Wenn man sie sinngemäß übersetzt so, daß man nicht das Lexikon aufschlägt und Wort für Wort übersetzt - wobei natürlich nur das Allerschlechteste herauskommen kann, denn es kommt auf den Wortwert und den ganzen Seelenwert an, den die Sache zu seiner Zeit hatte -, wenn man also den Sinn herausnimmt, dann würden sich diese Zehn Gebote so darstellen:

[ 3 ] First of all, by way of an introduction, let us attempt to present the Ten Commandments in German in at least a reasonably accurate manner, and only then move on to the main topic. This—if one may call it that—translation of the Ten Commandments will still require some refinement. But the essence, the true meaning, should first be captured in this version of the Ten Commandments in German, as we shall see shortly. If one translates them according to their meaning—that is, without consulting a dictionary and translating word for word (which, of course, can only result in the very worst outcome, since what matters is the literal meaning and the full spiritual significance the text held in its time)—if, then, one captures the essence, these Ten Commandments would read as follows:

[ 4 ] Erstes Gebot. Ich bin das ewig Göttliche, das du in dir empfindest. Ich habe dich aus dem Lande Ägypten geführt, wo du nicht Mir in dir folgen konntest. Fortan sollst du andere Götter nicht über Mich stellen. Du sollst nicht als höhere Götter anerkennen, was dir eine Abbildung zeigt von etwas, das oben am Himmel scheint, das aus der Erde heraus oder zwischen Himmel und Erde wirkt. Du sollst nicht anbeten, was von alledem unter dem Göttlichen in dir ist. Denn Ich bin das Ewige in dir, das hineinwirkt in den Leib und daher auf die kommenden Geschlechter wirkt. Ich bin ein fortwirkendes Göttliches. Wenn du Mich nicht in dir erkennst, werde Ich als dein Göttliches verschwinden bei Kindern und Enkeln und Urenkeln, und deren Leib wird veröden. Wenn du Mich in dir erkennst, werde Ich bis ins tausendste Geschlecht als Du fortleben, und die Leiber deines Volkes werden gedeihen.

[ 4 ] First Commandment. I am the eternal Divine that you feel within yourself. I brought you out of the land of Egypt, where you could not follow Me within yourself. From now on, you shall not set other gods above Me. You shall not acknowledge as higher gods that which an image shows you—whether it shines in the heavens above, works from within the earth, or acts between heaven and earth. You shall not worship that which, of all these things, is beneath the Divine within you. For I am the Eternal One within you, who works within the body and thus influences future generations. I am a Divine Presence that continues to act. If you do not recognize Me within yourself, I, as your Divine Presence, will disappear from your children, grandchildren, and great-grandchildren, and their bodies will wither away. If you recognize Me within yourself, I will live on as you into the thousandth generation, and the bodies of your people will flourish.

[ 5 ] Zweites Gebot. Du sollst nicht im Irrtum von Mir in dir reden; denn jeder Irrtum über das Ich in dir wird deinen Leib verderben.

[ 5 ] Second Commandment. You shall not speak of Me within you in error; for every error concerning the Self within you will corrupt your body.

[ 6 ] Drittes Gebot. Du sollst Werktag und Feiertag scheiden, auf daß dein Dasein Bild Meines Daseins werde. Denn was als Ich in dir lebt, hat in sechs Tagen die Welt gebildet und lebte in sich am siebenten Tage. Also soll dein Tun und deines Sohnes Tun und deiner Tochter Tun und deiner Knechte Tun und deines Viehes Tun und dessen, was sonst bei dir ist, nur sechs Tage dem Äußeren zugewandt sein; am siebenten Tage aber soll dein Blick Mich in dir suchen.

[ 6 ] Third Commandment. You shall distinguish between workdays and holidays, so that your existence may become a reflection of My existence. For that which lives within you as I formed the world in six days and dwelt within itself on the seventh day. Therefore, your actions—and those of your son, your daughter, your servants, your livestock, and all that is with you—shall be directed outward for only six days; but on the seventh day, your gaze shall seek Me within you.

[ 7 ] Viertes Gebot. Wirke fort im Sinne deines Vaters und deiner Mutter, damit dir als Besitztum verbleibt das Eigentum, das sie sich durch die Kraft erworben haben, die Ich in ihnen gebildet habe.

[ 7 ] Fourth Commandment. Continue to act in the spirit of your father and mother, so that the property they have acquired through the strength I have formed within them may remain yours as an inheritance.

[ 8 ] Fünftes Gebot. Morde nicht.

[ 8 ] Fifth Commandment. You shall not murder.

[ 9 ] Sechstes Gebot. Brich nicht die Ehe.

[ 9 ] Sixth Commandment. Do not commit adultery.

[ 10 ] Siebentes Gebot. Stehle nicht.

[ 10 ] Seventh Commandment. You shall not steal.

[ 11 ] Achtes Gebot. Setze den Wert deines Mitmenschen nicht herab, indem du Unwahres von ihm sagst.

[ 11 ] Eighth Commandment. Do not disparage your fellow human being by speaking untruths about him or her.

[ 12 ] Neuntes Gebot. Blicke nicht mißgönnend auf das, was dein Mitmensch besitzt als Eigentum.

[ 12 ] Ninth Commandment. Do not look with envy upon what your fellow human being possesses as property.

[ 13 ] Zehntes Gebot. Blicke nicht mißgönnend auf das Weib deines Mitmenschen und auch nicht auf die Gehilfen und die anderen Wesen, durch die er sein Fortkommen findet.

[ 13 ] Tenth Commandment. Do not look with envy upon your neighbor’s wife, nor upon his servants or the other beings through whom he finds his livelihood.

[ 14 ] Nun fragen wir uns: Was zeigen uns diese Zehn Gebote vor allen Dingen? Wir werden sehen, sie zeigen uns überall, nicht nur in dem ersten Teil, sondern auch in dem letzten Teil, wo es scheinbar verborgen ist, daß durch Moses zu dem jüdischen Volke gesprochen wird in dem Sinne, daß jene Macht nunmehr bei dem jüdischen Volke sein soll, die sich im brennenden Dornbusch dem Moses angekündigt hat mit den Worten als der Bezeichnung seines Namens: «Ich bin der Ich bin!» - «Ehjeh asher ehjeh!» Hingewiesen ist darauf, daß die anderen Völker in der Entwicklung unserer Erde jenes «Ich bin», den eigentlichen Urgrund des vierten Teiles der menschlichen Wesenheit, nicht so intensiv, so klar haben erkennen können, wie das jüdische Volk das erkennen soll. Jener Gott, der einen Tropfen seines Wesens in den Menschen gegossen hat, so daß das vierte Glied der menschlichen Wesenheit der Träger dieses Tropfens wurde, der Ich-Träger, jener Gott wird zum ersten Male seinem Volke bewußt durch Moses. Wir können daher sagen: Es liegt den Zehn Geboten die Auffassung zugrunde: zwar hat jener Jahve-Gott gearbeitet und gewirkt an der Hinaufentwicklung der Menschheit auch bis dahin. Aber die geistigen Wesenheiten wirken früher, als sie in Klarheit erkannt werden. Dasjenige, was bei den alten Völkern der vormosaischen Zeit gewirkt hat, war zwar ein Wirkendes, ein Arbeitendes, aber als Begriff, als Vorstellung, als eigentlich wirksame Kraft im Innern der Menschenseele wurde es zuerst durch Moses seinem Volke verkündet. Und es handelte sich nun darum, daß diesem Volke klargemacht wurde, welches die ganze umfassende Wirkung dessen sei, sich als ein Ich in dem Maße zu fühlen, wie das beim jüdischen Volke der Fall war. Bei diesem Volke haben wir das Jahve-Wesen als eine Art Übergangswesen zu betrachten: Jahve ist einmal diejenige Wesenheit, welche den Tropfen in die eigene Individualität des Menschen gießt. Aber er ist zu gleicher Zeit Volksgott. Der einzelne Jude fühlte sich in einer Beziehung noch verbunden mit dem Ich, das in Abrahams Inkarnation auch lebte und das durch das ganze jüdische Volk hinuntergeströmt ist. Das jüdische Volk fühlte sich verbunden mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Es war eine Übergangszeit. Das sollte ja erst durch die Verkündigung des Christentums anders werden. Aber was durch Christus auf die Erde kommen soll, wird vorherverkündigt durch die alttestamentlichen Verkündigungen, vor allem durch das, was Moses seinem Volke zu sagen hat. So sehen wir langsam sich ergießen die volle Kraft der Ich-Erkenntnis in das jüdische Volk im Verlaufe jener Geschichte, die uns das Alte Testament schildert. Es sollte dem jüdischen Volke voll zum Bewußtsein gebracht werden, welche Wirkung es auf des Menschen ganzes Leben hat, wenn er nicht mehr in einer gewissen Unbewußtheit über das Ich lebt, sondern wenn er gelernt hat, das Ich in sich zu fühlen, den Gottesnamen «Ich bin der Ich bin» in seiner Wirkung auf das Innerste seiner Seele zu empfinden.

[ 14 ] Now let us ask ourselves: What do these Ten Commandments show us above all else? We shall see that they show us everywhere—not only in the first part, but also in the last part, where it seems to be hidden—that Moses is speaking to the Jewish people in the sense that the power which revealed itself to Moses in the burning bush with the words denoting His name: “I am who I am!” is now to be with the Jewish people. - “Ehjeh asher ehjeh!” It is pointed out that, in the course of our Earth’s development, the other peoples have not been able to recognize that “I Am”—the very foundation of the fourth aspect of human beinghood—as intensely or as clearly as the Jewish people are meant to recognize it. That God, who poured a drop of His being into human beings so that the fourth aspect of human existence became the bearer of this drop—the bearer of the “I”—that God became known to His people for the first time through Moses. We can therefore say: The Ten Commandments are based on the following understanding: although that God, Yahweh, had been working and active in the upward development of humanity up to that point as well, But spiritual beings are at work even before they are clearly recognized. What was at work among the ancient peoples of the pre-Mosaic era was indeed an active, working force, but as a concept, as an idea, as an actually effective power within the human soul, it was first proclaimed to his people by Moses. And the task at hand was to make clear to this people what the full, comprehensive effect of feeling oneself as an “I” — to the extent that this was the case with the Jewish people — actually was. In the case of this people, we must regard the Yahweh entity as a kind of transitional being: Yahweh is, on the one hand, the entity that pours the “drop” into the human being’s own individuality. But at the same time, he is the God of the people. The individual Jew still felt connected, in a certain sense, to the “I” that also lived in Abraham’s incarnation and that flowed down through the entire Jewish people. The Jewish people felt connected to the God of Abraham, Isaac, and Jacob. It was a transitional period. This was to change only with the proclamation of Christianity. But what is to come to earth through Christ is foreshadowed by the Old Testament proclamations, above all by what Moses has to say to his people. Thus we see the full power of ego-knowledge slowly pouring into the Jewish people in the course of the history described to us in the Old Testament. The Jewish people were to be made fully aware of the effect it has on a person’s entire life when they no longer live in a certain unconsciousness regarding the “I,” but have learned to feel the “I” within themselves, to sense the divine name “I Am Who I Am” in its effect upon the innermost depths of their soul.

[ 15 ] Heute empfindet man über diese Dinge abstrakt. Heute bleibt es ein Wort, wenn man von dem Ich und über das, was damit zusammenhängt, spricht. In der Zeit, als dieses Ich zuerst in der Gestalt des alten Jahve-Gottes dem jüdischen Volke verkündet worden ist, empfand man dieses Ich als den Einschlag einer Kraft, die in den Menschen hineinkommt und das ganze Gefüge seines astralischen Leibes, seines ätherischen Leibes und seines physischen Leibes verändert. Und man mußte diesem Volke sagen: Anders sind die Bedingungen deines Lebens und deiner Gesundheit gewesen, als das Ich noch nicht in deiner Seele als Erkenntnis lebte; vorher waren die Bedingungen von Krankheit und Gesundheit für dein ganzes Leben andere, als sie jetzt werden. Daher kam es darauf an, dem jüdischen Volke zu sagen, in welche neuen Bedingungen es dadurch einrückte, daß es nicht mehr hinaufschauen sollte bloß zum Himmel, hinunterschauen sollte bloß zur Erde, wenn es von Göttern spricht, sondern hineinschauen soll in die eigene Seele. Das der Wahrheit gemäße Hineinschauen in die eigene Seele bringt ein richtiges Leben, bis hinunter in die Gesundheit. Dieses Bewußtsein liegt durchaus den Zehn Geboten zugrunde, während ein falsches Auffassen dessen, was als Ich in die Seele eingezogen ist, den Menschen nach Leib und Seele verdorren macht, ihn zerstört. Man braucht wirklich nur dokumentarisch vorzugehen, und man kann bemerken, wie wenig diese Zehn Gebote bloß äußere Gesetze sein sollen, wie sie tatsächlich das sein sollen, was eben auseinandergesetzt worden ist: etwas, was für Gesundheit und Heil vom astralischen, ätherischen und physischen Leibe von der einschlagendsten Bedeutung ist. Aber wo liest man denn heute Bücher richtig und genau? Man brauchte nur einige Seiten weiterzublättern und würde finden, daß in einer weiteren Auslegung der Zehn Gebote dem jüdischen Volke gesagt worden ist, welches die Wirkung der Zehn Gebote auf den ganzen Menschen ist. Da heißt es: «Ich entferne jede Krankheit aus deiner Mitte, es wird keine Fehlgeburt noch Unfruchtbarkeit in deinem Lande sein, und ich werde die Zahl deiner Tage voll werden lassen.»

[ 15 ] Today, people think of these things in abstract terms. Today, when we speak of the “I” and what is connected with it, it remains merely a word. In the time when this “I” was first proclaimed to the Jewish people in the form of the ancient God Yahweh, people experienced this “I” as the impact of a force that enters into the human being and transforms the entire structure of his astral body, his etheric body, and his physical body. And it was necessary to tell this people: The conditions of your life and health were different when the “I” had not yet taken root in your soul as a realization; before that, the conditions of illness and health for your entire life were different from what they are now. Therefore, it was essential to tell the Jewish people what new conditions they were entering into: that when speaking of gods, they should no longer look up merely to heaven or down merely to the earth, but should look inward into their own souls. Looking into one’s own soul in accordance with the truth brings about a right way of life, extending all the way down to physical health. This awareness is fundamentally at the heart of the Ten Commandments, whereas a false understanding of what has entered the soul as the “I” causes a person to wither away in body and soul and ultimately destroys them. One need only proceed in a documentary manner to realize how little these Ten Commandments are meant to be merely external laws, but rather—as has just been explained—something of the utmost importance for the health and well-being of the astral, etheric, and physical bodies. But where does one read books correctly and carefully these days? One need only turn a few more pages to find that, in a further exposition of the Ten Commandments to the Jewish people, the effect of the Ten Commandments on the whole human being is described. It says: “I will remove every disease from your midst; there will be no miscarriage or infertility in your land, and I will fulfill the number of your days.”

[ 16 ] Das heißt: Wenn das Ich sich so auslebt, daß es sich durchdringt mit dem Wesen der Zehn Gebote, so wird unter anderm das eintreten, daß du nicht in der Blüte deiner Jahre dahinsterben kannst, sondern durch das richtig erfaßte Ich kann in die drei Leiber, astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib, etwas einströmen, was die Zahl deiner Jahre voll werden läßt, was dich bis ins höchste Alter gesund leben läßt. Das wird ganz deutlich gesagt. Aber es ist notwendig, ganz tief in diese Dinge einzudringen. Das können allerdings moderne Theologen nicht so leicht. Denn ein populäres Büchlein, das auch sonst recht geeignet ist, Ärgernis zu erregen, weil es für ein paar Pfennige zu haben ist, sagt über die Zehn Gebote auch den Satz: Man kann ja leicht sehen, daß in den Zehn Geboten die hauptsächlichsten menschlichen Gesetze gegeben sind, in der einen Hälfte die Gebote gegen Gott, in der andern Hälfte die Gebote gegen die Menschen. Damit er nicht zu sehr danebenhaut, sagt der betreffende Verfasser, das vierte Gebot müsse man noch zu der ersten Hälfte hinzunehmen, die sich auf Gott bezieht. Wie es der Herr dann zuwege bringt, daß vier die eine Hälfte, sechs die andere Hälfte ist, das sei nur ein kleines Zeichen dafür, wie man heute zu Werke geht. Alles andere in diesem Buche entspricht auch der schönen Gleichung: Vier ist gleich sechs.

[ 16 ] This means: When the “I” lives out its life in such a way that it becomes imbued with the essence of the Ten Commandments, one of the results will be that you will not die in the prime of your life, but rather, through the correctly grasped “I,” something will flow into the three bodies— the astral body, the etheric body, and the physical body—that will allow you to live to a ripe old age in good health. This is stated quite clearly. But it is necessary to delve very deeply into these matters. Modern theologians, however, cannot do this so easily. For a popular little book—which is otherwise quite capable of causing offense because it can be had for a few pfennigs—also says the following about the Ten Commandments: “One can easily see that the Ten Commandments contain the most fundamental human laws, with the first half consisting of the commandments regarding God and the second half consisting of the commandments regarding fellow human beings.” So as not to be too far off the mark, the author in question says that the fourth commandment must still be added to the first half, which refers to God. How the Lord then manages to make four constitute one half and six the other is just a small sign of how things are done today. Everything else in this book also corresponds to the lovely equation: Four equals six.

[ 17 ] Wir haben es mit der Erklärung zu tun, die dem jüdischen Volke gegeben wird über die richtige Einlebung des Ichs in die drei Leiber des Menschen. Da handelt es sich vor allem darum, daß gesagt wird - und das tritt uns gleich im ersten Gebot entgegen -: Wenn du dir dieses Ichs als eines Funkens der Göttlichkeit bewußt wirst, so bist du so, daß du im Ich einen Funken, einen Ausfluß der höchsten, mächtigsten Göttlichkeit, die an dem Schaffen der Erde beteiligt ist, zu empfinden hast.

[ 17 ] We are dealing with the explanation given to the Jewish people regarding the proper integration of the “I” into the three bodies of the human being. The main point here—and this is immediately evident in the first commandment—is that when you become aware of this “I” as a spark of divinity, you are then in a state where you must perceive within the “I” a spark, an emanation of the highest, most powerful divinity that participates in the creation of the earth.

[ 18 ] Erinnern wir uns, was wir über die Entwicklungsgeschichte des Menschen haben sagen können. Wir haben sagen können, daß der physische Leib des Menschen während des uralten Saturndaseins entstanden ist. Da haben Götter daran gearbeitet. Dann ist auf der Sonne der Ätherleib dazugekommen. Wie beide Leiber weiter verarbeitet worden sind, das ist wieder das Werk von geistig-göttlichen Wesenheiten. Dann auf dem Monde hat sich der Astralleib eingegliedert, alles als das Werk göttlich-geistiger Wesenheiten. Was dann den Menschen zum Menschen im heutigen Sinne gemacht hat, das war auf der Erde die Eingliederung seines Ichs. Dabei hat die höchste Göttlichkeit mitgewirkt. Solange sich daher der Mensch nicht dieses vierten Gliedes seiner Wesenheit voll bewußt werden konnte, konnte er auch nicht eine Ahnung haben von dem höchsten Göttlichen, das an seinem Werden beteiligt und in ihm vorhanden ist. Der Mensch muß sich sagen: An meinem physischen Leib haben Göttlichkeiten gearbeitet, die aber niedriger sind als diejenige Göttlichkeit, die mir jetzt das Ich geschenkt hat. Ebenso ist es mit dem Ätherleib und dem astralischen Leib. Also mußte dem jüdischen Volke, das zuerst die prophetische Kunde erhielt von diesem Ich, gesagt werden: Werde dir bewußt, daß die Völker um dich herum Götter verehren, die nach ihrer gegenwärtigen Stufe am astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib mitwirken können. Aber sie können nicht mitwirken an dem Ich. Dieser Gott, der im Ich wirkt, war zwar immer da; er hat sich angekündigt durch sein Wirken und Schaffen. Seinen Namen aber verkündet er dir jetzt.

[ 18 ] Let us recall what we have been able to say about the history of human development. We have been able to say that the human physical body came into being during the ancient Saturn period. Gods worked on it then. Then, on the Sun, the etheric body was added. The further development of both bodies was again the work of spiritual-divine beings. Then, on the Moon, the astral body was incorporated—all as the work of divine-spiritual beings. What then made human beings human in the modern sense was the incorporation of the “I” on Earth. The highest Divinity was active in this process. Therefore, as long as human beings could not become fully conscious of this fourth aspect of their being, they could not have even a glimmer of the highest divinity that participated in their becoming and is present within them. Human beings must say to themselves: Divinities have worked on my physical body, but they are lower than the divinity that has now bestowed the “I” upon me. The same is true of the etheric body and the astral body. Thus, the Jewish people, who were the first to receive the prophetic message about this “I,” had to be told: “Become aware that the peoples around you worship gods who, according to their present level of development, can act upon the astral body, the etheric body, and the physical body. But they cannot influence the “I.” This God, who works within the “I,” has indeed always been there; He has revealed Himself through His actions and creations. But now He proclaims His name to you.

[ 19 ] Durch die Anerkennung der andern Götter ist der Mensch kein freies Wesen. Da ist er ein Wesen, welches die Götter seiner niederen Glieder anbetet. Wenn der Mensch aber den Gott bewußt erkennt, von dem ein Teil in seinem Ich ist, dann ist er ein freies Wesen, ein Wesen, das sich als freies Wesen seinen Mitmenschen gegenüberstellt. Der Mensch steht heute nicht so zu seinem astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib, wie er zu seinem Ich steht. In diesem Ich ist er drinnen. Es ist ihm unmittelbar das nächste, dem er gegenübersteht. Zu seinem astralischen Leib wird er erst so stehen, wenn er ihn zum Manas umgewandelt hat, und zu seinem Ätherleib erst, wenn er ihn zur Budhi umgestaltet, wenn er ihn von seinem Ich aus zu einem Göttlichen entwickelt hat. Wenn das Ich auch zuletzt entstanden ist, es ist doch das, worin der Mensch lebt. Und wenn er das Ich erfaßt, so erfaßt er daher das, in dem ihm das Göttliche in seiner unmittelbaren Gestalt entgegentritt, in seiner ureigenen Gestalt, während diejenigen Formen seines astralischen Leibes, Ätherleibes und physischen Leibes, die er heute an sich hat, von vorhergehenden Göttern gebildet sind. So verehrten die umliegenden Völker im Gegensatz zu dem israelitischen Volke diejenigen Gottheiten, die an diesen niederen Wesensgliedern des Menschen gearbeitet haben. Und wenn ein Bild gemacht wurde von diesen niederen Gottheiten, so wurde dieses Bild irgendeiner Form, die auf der Erde oder am Himmel oder zwischen Himmel und Erde war, ähnlich. Denn alles, was der Mensch in sich hat, ist ja in der ganzen übrigen Natur ausgebreitet. Macht sich der Mensch Bilder aus dem Mineralreiche, so können sie ihm nur diejenigen Gottheiten vorstellen, die am physischen Leibe gearbeitet haben. Macht er sich Bilder aus dem Pflanzenreiche, so können sie ihm nur die Gottheiten vorstellen, die an dem Ätherleib gearbeitet haben, denn den Ätherleib hat der Mensch gemeinschaftlich mit der Pflanzenwelt. Und Bilder aus dem Tierreich können ihm nur diejenigen Gottheiten symbolisieren, die an dem astralischen Leibe gearbeitet haben. Das aber, wodurch der Mensch die Krone der Erdenschöpfung ist, ist das, was er in seinem Ich erfaßt. Das kann kein äußeres Bild ausdrücken. Und in aller Schärfe mußte daher dem jüdischen Volke klargemacht und betont werden: Es ist etwas in dir, das der unmittelbare Ausfluß des gegenwärtig höchsten der Götter ist. Das kann nicht symbolisiert werden durch ein Bild aus dem Mineralreich, Pflanzenreich oder Tierreich, und wäre es ein noch so erhabenes. Alle Götter, denen auf diese Weise gedient wird, sind niederere Götter als der Gott, der in deinem Ich lebt. Willst du diesen Gott in dir verehren, dann müssen die andern zurücktreten, dann hast du die gesunde, wahre Kraft deines Ich in dir.

[ 19 ] By acknowledging other gods, human beings are not free beings. They are beings who worship the gods of their lower faculties. But when a person consciously recognizes the God of whom a part resides in his “I,” then he is a free being, a being who stands before his fellow human beings as a free being. Today, a person does not relate to his astral body, etheric body, and physical body in the same way that he relates to his “I.” He is within this “I.” It is the closest thing to him, the one he faces directly. He will only stand in this way toward his astral body once he has transformed it into Manas, and toward his etheric body only once he has transformed it into Budhi—once he has developed it from his “I” into something divine. Even though the “I” arose last, it is nevertheless that in which the human being lives. And when he grasps the “I,” he therefore grasps that in which the Divine confronts him in its immediate form, in its very own form, whereas those forms of his astral body, etheric body, and physical body that he possesses today were formed by previous gods. Thus, in contrast to the Israelite people, the surrounding peoples worshiped those deities who had worked on these lower aspects of the human being. And when an image was made of these lower deities, that image took on the likeness of some form that existed on earth, in the heavens, or between heaven and earth. For everything that human beings possess within themselves is, after all, spread throughout the rest of nature. If human beings create images from the mineral kingdom, these can represent to them only those deities who have worked on the physical body. If they create images from the plant kingdom, these can represent to them only those deities who have worked on the etheric body, for human beings share the etheric body with the plant world. And images from the animal kingdom can symbolize for him only those deities who have worked on the astral body. But what makes human beings the crown of earthly creation is that which they grasp in their “I.” No external image can express this. And so it had to be made clear and emphasized to the Jewish people in the strongest terms: There is something within you that is the direct emanation of the highest of the gods at present. This cannot be symbolized by an image from the mineral, plant, or animal kingdoms, no matter how sublime it may be. All gods who are worshiped in this way are inferior to the God who lives within your “I.” If you wish to worship this God within yourself, then the others must take a back seat; then you will possess the healthy, true power of your “I” within yourself.

[ 20 ] Also es hängt zusammen mit den tiefsten Geheimnissen der Menschheitsentwicklung, was uns gleich im ersten der Zehn Gebote gesagt wird: «Ich bin das ewig Göttliche, das du in dir empfindest. Die Kraft, die Ich in dein Ich gelegt, wurde der Antrieb, die Kraft, durch die du aus dem Lande Ägypten entflohest, wo du nicht Mir in dir folgen konntest.»

[ 20 ] So what is told to us right in the first of the Ten Commandments is connected to the deepest mysteries of human development: “I am the eternal Divine that you feel within yourself. The power that I have placed within your self became the driving force, the power through which you fled from the land of Egypt, where you could not follow Me within yourself.”

[ 21 ] Da heraus hat Moses auf die Weisung des Jahve hin sein Volk geführt. Und um uns das ganz deutlich zu machen, wird noch besonders darauf hingewiesen, daß der Gott Jahve sein Volk zu einem Volk von Priestern machen wollte. Bei den andern Völkern waren diejenigen, die dem Volke als die Freien gegenüberstanden, die Priester-Weisen. Das waren die Freien, die um das große Geheimnis des Ich wußten, die auch den unbildlichen Ich-Gott kannten. So daß man in diesen Ländern sich gegenüberstehend hatte diese wenigen Ich-bewußten Priester-Weisen und die große unfreie Masse, die sozusagen nur hören konnte auf das, was die Priester-Weisen aus den Mysterien unter der strengsten Autorität herausfließen ließen. Nicht der einzelne aus dem Volke hatte ein solches unmittelbares Verhältnis, sondern die Priester-Weisen hatten es für die einzelnen vermittelt, Daher hing alles Wohl, alles Heil von diesen Priester-Weisen ab: Wie sie die Einrichtungen schufen, alles organisierten, davon hing Heil und Gesundheit ab. Viel müßte ich Ihnen erzählen, wenn ich Ihnen den tieferen Sinn des ägyptischen Tempelschlafes und seine Wirkung auf die Volksgesundheit schildern wollte, wenn ich schildern wollte, was einfach an Volks-Heilmitteln für die Gesundheit ausfloß durch einen solchen Kultus, wie es zum Beispiel der Apis-Kultus war. In einem solchen Volke war die ganze Lenkung und Leitung des Volkes darauf bedacht, daß unter der Führung der Eingeweihten aus diesen Kultusstätten heraus die Fluida für die Gesundheit kamen. Das sollte nun anders werden. Zu einem Volke von Priestern sollten die Juden werden. Jeder einzelne sollte in sich einen Funken dieses Jahve-Gottes fühlen und ein unmittelbares Verhältnis zu ihm erhalten. Nicht mehr sollte der Priester-Weise der einzige Vermittler sein. Daher mußte man dem Volke auch dafür Anweisung geben. Es mußte darauf aufmerksam gemacht werden, daß die falschen Bilder, also die niedrigeren Bilder des höchsten Gottes, auch ungesund wirken. Da kommen wir auf ein Kapitel, von dem sich der heutige Mensch nicht leicht ein Bewußtsein wird verschaffen können. Heute wird ja in dieser Beziehung Ungeheures gesündigt.

[ 21 ] From there, Moses led his people at the command of Yahweh. And to make this perfectly clear to us, it is specifically pointed out that the God Yahweh wanted to make his people a nation of priests. Among the other nations, those who stood in contrast to the people as the free were the priestly sages. These were the free ones who knew the great mystery of the “I,” who also knew the formless “I”-God. Thus, in those lands, there stood in opposition to one another these few “I”-conscious priest-sages and the great, unfree mass, which, so to speak, could only listen to what the priest-sages revealed from the mysteries under the strictest authority. It was not the individual among the people who had such a direct relationship, but rather the priest-sages who mediated it for the individuals. Therefore, all well-being, all salvation depended on these priest-sages: how they established the institutions and organized everything—salvation and health depended on that. I would have much to tell you if I were to describe the deeper meaning of Egyptian temple sleep and its effect on public health, or if I were to describe the simple folk remedies for health that flowed from such a cult as, for example, the Apis cult. In such a people, the entire governance and leadership of the nation was directed toward ensuring that, under the guidance of the initiates, the healing forces for health emanated from these places of worship. This was now to change. The Jews were to become a nation of priests. Each individual was to feel within himself a spark of this God Yahweh and establish a direct relationship with him. The priest-sage was no longer to be the sole mediator. Therefore, the people also had to be instructed accordingly. Attention had to be drawn to the fact that false images—that is, inferior representations of the supreme God—also have an unhealthy effect. This brings us to a subject of which modern people will find it difficult to gain awareness. Today, indeed, monstrous sins are committed in this regard.

[ 22 ] Nur wer in die Geisteswissenschaft eindringen kann, der weiß, auf welche geheimnisvolle Art Gesundheit und Krankheit sich entwickeln. Wenn Sie durch die Straßen einer Stadt gehen und da die Scheußlichkeiten an den Anschlagsäulen und in den Schaufenstern vor die Seele geführt bekommen, übt das einen schaurigen Einfluß aus. Die materialistische Wissenschaft hat keine Ahnung davon, wie viel an Krankheitskeimen in diesen Scheußlichkeiten liegt. Man sucht bloß die Krankheitserreger in den Bazillen und weiß nicht, wie auf dem Umwege durch die Seele Gesundheit und Krankheit in den Körper geführt werden. Hier wird erst eine mit der Geisteswissenschaft bekannte Menschheit wissen, welche Bedeutung es hat, wenn der Mensch diese oder jene bildlichen Vorstellungen in sich aufnimmt.

[ 22 ] Only those who can penetrate the spiritual sciences know the mysterious way in which health and illness develop. When you walk through the streets of a city and are confronted with the horrors on the bulletin boards and in the store windows, it exerts a chilling influence. Materialistic science has no idea how many germs of disease lie within these abominations. It merely searches for pathogens in bacteria and does not know how health and illness are conveyed to the body indirectly through the soul. Only when humanity becomes acquainted with spiritual science will it understand the significance of a person taking in this or that visual image.

[ 23 ] Vor allen Dingen wird in dem ersten Gebote gesagt, es müsse nunmehr der Mensch sich eine Vorstellung davon machen können, daß über alles hinaus, was durch ein Bildliches geistig ausgedrückt werden kann, es noch einen Impuls geben kann, der unbildlich ist, der an diesem Punkt des Ich an das Übersinnliche angrenzt. «Fühle stark dieses Ich in dir, und fühle es so, daß in diesem Ich ein Göttliches dich durchwebt und durchwallt, das höher ist als alles, was du durch ein Bild ausdrücken kannst; dann hast du in einem solchen Gefühl eine Kraft der Gesundheit, die deinen physischen Leib, deinen Ätherleib und deinen astralischen Leib gesund machen wird!» Es sollte ein starker Ich-Impuls dem jüdischen Volke mitgeteilt werden, der gesund macht. Wird dieses Ich in richtiger Weise erkannt, dann wird dadurch der astralische, der ätherische und der physische Leib wohl gebildet, und das schafft eine starke Lebenskraft und eine starke Gesundheitskraft, die sich, von einem jeden ausgehend, dem ganzen Volke mitteilt. Da man ein Volk durch tausend Geschlechter zählte, so sagte der Jahve-Gott dieses Wort, daß durch die richtige Einprägung des Ichs der Mensch selbst zu einem Quell der ausstrahlenden Gesundheit wird, so daß das ganze Volk, wie es ausgedrückt ist, «bis ins tausendste Geschlecht hinein» ein gesundes Volk sein wird. Wird aber das Ich nicht in der richtigen Weise verstanden, so verdorrt der Leib, wird siech und krank. Stellt sich der Vater das Wesen des Ichs nicht in der richtigen Weise in seine Seele hinein, so wird sein Leib siech und krank, das Ich zieht sich langsam zurück; der Sohn wird noch siecher, der Enkel noch siecher, und zuletzt haben wir nur noch eine Hülle, aus der der Jahve-Gott gewichen ist. Was den Ich-Impuls nicht aufkommen läßt, das bringt allmählich bis ins vierte Glied hinein den Leib zum Verdorren.

[ 23 ] Above all, the first commandment states that human beings must now be able to conceive of the idea that, beyond everything that can be spiritually expressed through imagery, there may still be an impulse that is non-figurative—one that, at this point of the “I,” borders on the supersensible. “Feel this ‘I’ strongly within you, and feel it in such a way that within this ‘I’ a divine presence interweaves and surges through you—one that is higher than anything you can express through an image; then, in such a feeling, you will have a healing power that will restore your physical body, your etheric body, and your astral body to health!” A strong “I” impulse was to be imparted to the Jewish people, one that brings healing. If this “I” is recognized in the right way, then the astral, etheric, and physical bodies will be well-formed as a result, and this creates a strong life force and a strong healing power that, emanating from each individual, spreads to the entire people. Since a people was counted through a thousand generations, the God Yahweh spoke these words: that through the proper instillation of the “I,” the human being himself becomes a source of radiating health, so that the entire people, as it is expressed, “down to the thousandth generation,” will be a healthy people. But if the “I” is not understood in the right way, the body withers, becomes frail, and falls ill. If the father does not imprint the essence of the “I” correctly upon his soul, his body becomes frail and ill, and the “I” slowly withdraws; the son becomes even more frail, the grandson even more so, and in the end we are left with nothing but a shell from which the God Yahweh has departed. Whatever prevents the “I” impulse from arising gradually causes the body to wither away, right down to the fourth generation.

[ 24 ] So sehen wir, daß es die Lehre von der richtigen Wirkung des Ichs ist, die in dem ersten der Zehn Gebote vor das Volk des Moses hingestellt wird:

[ 24 ] Thus we see that it is the teaching about the proper function of the self that is presented to the people of Moses in the first of the Ten Commandments:

[ 25 ] «Ich bin das ewig Göttliche, das du in dir empfindest. Ich habe dich aus dem Lande Ägypten geführt, wo du nicht Mir in dir folgen konntest. Fortan sollst du andere Götter nicht über Mich stellen. Du sollst nicht als höhere Götter anerkennen, was dir eine Abbildung zeigt von etwas, das oben am Himmel scheint, das aus der Erde heraus oder zwischen Himmel und Erde wirkt. Du sollst nicht anbeten, was von alledem unter dem Göttlichen in dir ist. Denn Ich bin das Ewige in dir, das hineinwirkt in den Leib und daher auf die kommenden Geschlechter wirkt. Ich bin ein fortwirkendes Göttliches — nicht: «Ich bin ein eifriger Gotv, denn das sagt hier nichts. - Wenn du Mich nicht als dein Göttliches erkennst, werde Ich als dein Ich verschwinden bei Kindern, Enkeln und Urenkeln, und ihr Leib wird veröden. Wenn du Mich in dir erkennst, werde Ich bis ins tausendste Geschlecht als Du fortleben, und die Leiber deines Volkes werden gedeihen.»

[ 25 ] “I am the eternal Divine that you feel within yourself. I have led you out of the land of Egypt, where you could not follow Me within yourself. From now on, you shall not place other gods above Me. You shall not acknowledge as higher gods that which an image shows you—whether it shines high in the heavens, works from within the earth, or acts between heaven and earth. You shall not worship that which, of all these things, is beneath the Divine within you. For I am the Eternal One within you, who works within the body and thus influences future generations. I am a Divine Being whose work endures—not: “I am a zealous God,” for that means nothing here. — If you do not recognize Me as your Divine, I will disappear as your “I” in your children, grandchildren, and great-grandchildren, and their bodies will wither away. If you recognize Me within yourself, I will live on as “you” down to the thousandth generation, and the bodies of your people will flourish.”

[ 26 ] Da sehen wir, daß nicht bloß ein Abstraktes gemeint ist, sondern ein lebendig Wirksames, das bis in die Volksgesundheit hineinwirken soll. Zurückgeführt wird der äußere Gesundheitsprozeß auf das Geistige, das darin liegt und das stufenweise der Menschheit verkündet wird. Darauf wird im besonderen noch hingedeutet im zweiten Gebot, wo ausdrücklich gesagt wird: Du sollst dir keine falschen Vorstellungen von meinem Namen, von dem, was als Ich in dir lebt, machen; denn eine richtige Vorstellung macht dich gesund und lebenskräftig und ist dir zum Heil, eine falsche Vorstellung aber läßt deinen Leib veröden! - So wurde jeder Angehörige des mosaischen Volkes im besonderen darauf hingewiesen, daß jedesmal, wenn der Gottes-Name ausgesprochen wird, er sich dieses eine Warnung sein lassen soll: Ich soll den Namen dessen, was in mir eingezogen ist, so wie es in mir lebt, erkennen, denn das ist Anregung zur Gesundung.

[ 26 ] Here we see that what is meant is not merely something abstract, but something alive and active that is intended to have an impact on public health. The external process of health is traced back to the spiritual element inherent in it, which is gradually being revealed to humanity. This is specifically alluded to in the second commandment, where it is explicitly stated: You shall not form false conceptions of my name, of that which lives within you as “I”; for a correct conception makes you healthy and full of vitality and is for your salvation, but a false conception causes your body to wither away! - Thus, every member of the Mosaic people was specifically reminded that every time the name of God is spoken, they should take this as a warning: I must recognize the name of that which has taken up residence within me, just as it lives within me, for this is the impetus for healing.

[ 27 ] «Du sollst nicht im Irrtum von Mir in dir reden; denn jeder Irrtum über das Ich in dir wird deinen Leib verderben!»

[ 27 ] “You must not speak of Me within you in error; for every error concerning the ‘I’ within you will destroy your body!”

[ 28 ] Und dann im dritten Gebot der deutliche strenge Hinweis darauf, wie der Mensch, wenn er ein wirkendes, ein schaffendes Ich ist, ein wirklicher Mikrokosmos ist, gleich wie der Jahve-Gott sechs Tage geschaffen hat und am siebenten Tage ruhte und damit das Urbild hinstellte, das der Mensch in seinem Schaffen nachbilden soll. Es wird im dritten Gebot ausdrücklich darauf hingewiesen: Du Mensch, du sollst, indem du ein richtiges Ich bist, auch ein Abbild deines höchsten Gottes sein, und in deinen Taten so wirken wie dein Gott! - Es ist also die Aufforderung, dem Gotte, der sich dem Moses im brennenden Dornbusch geoffenbart hat, immer ähnlicher zu werden.

[ 28 ] And then, in the third commandment, there is a clear and stern reminder that when a human being is an active, creative “I”—a true microcosm—just as Yahweh God created for six days and rested on the seventh day, thereby establishing the archetype that humanity is to emulate in its own creative work. The third commandment explicitly states: You, as a human being—by being a true “I”—shall also be an image of your highest God, and in your actions shall act as your God does!—It is thus a call to become ever more like the God who revealed Himself to Moses in the burning bush.

[ 29 ] «Du sollst Werktag und Feiertag scheiden, auf daß dein Dasein Bild Meines Daseins werde. Denn was als Ich in dir lebt, hat in sechs Tagen die Welt gebildet und lebte in sich am siebenten Tage. Also soll dein Tun und deines Sohnes Tun und deiner Tochter Tun und deiner Knechte Tun und deines Viehes Tun und dessen, was sonst bei dir ist, nur sechs Tage dem Äußeren zugewandt sein; am siebenten Tage aber soll dein Blick Mich in dir suchen.»

[ 29 ] “You shall distinguish between weekdays and holidays, so that your existence may become a reflection of My existence. For that which lives within you as I formed the world in six days and dwelt within itself on the seventh day. Thus, your actions, and the actions of your son, your daughter, your servants, your livestock, and all that is with you, shall be directed outward for only six days; but on the seventh day, your gaze shall seek Me within you.”

[ 30 ] Nun geht das Zehn-Gebote-Werk immer mehr auf das einzelne über. Aber immer ist im Hintergrund dabei der Gedanke, daß es die fortwirkende Kraft ist, die als Jahve oder Jehova wirkt. Es wird im vierten Gebote der Mensch hinausgeleitet von den Beziehungen zu dem Übersinnlichen zu dem äußerlich Sinnlichen. Es wird auf etwas sehr Wichtiges in diesem vierten Gebot hingewiesen, und das muß verstanden werden. Da, wo der Mensch als ein selbstbewußtes Ich ins Dasein tritt, da tritt er so in dieses Dasein ein, daß er äußere Mittel braucht, um dieses Dasein ins Werk zu setzen. Er entwikkelt das, was man einzelnes, individuelles Eigentum und Besitztum nennt. Wenn wir zurückgingen in die alte ägyptische Zeit, würden wir bei der großen Masse des Volkes ein solches individuelles Besitztum noch nicht finden. Wir würden finden, daß die, welche über das Besitztum zu entscheiden haben, auch die Priester-Weisen sind. Jetzt aber, wo jeder ein individuelles Ich entwickeln soll, wird er in die Notwendigkeit versetzt, in das Äußere einzugreifen, etwas Eigenes um sich herum zu haben, um sein Ich in der Außenwelt dazustellen. Es wird deshalb im vierten Gebot darauf hingewiesen, daß derjenige, der das individuelle Ich in sich wirken läßt, Besitztum erwirbt, daß aber dieses Besitztum an die Kraft des Ichs gebunden bleibt, das fortlebt im jüdischen Volke und von Vater auf Sohn und Enkel sich fortpflanzen soll, und daß das Eigentum, das der Vater gehabt hat, nicht unter der starken Kraft des Ichs stände, wenn der Sohn das Werk seines Vaters nicht fortführen würde unter der Kraft des Vaters. Es wird daher gesagt: Lasse das Ich in dir so stark werden, daß es hinunter dauert und daß der Sohn mit den Mitteln, die er vom Vater ererbt, auch die Mittel zum äußeren Einleben in die äußere Umgebung erhalten kann.

[ 30 ] Now the work of the Ten Commandments increasingly focuses on the individual. But always in the background is the idea that it is the enduring power that acts as Yahweh or Jehovah. In the fourth commandment, humanity is led away from its connections to the supersensible toward the outwardly sensible. Something very important is pointed out in this fourth commandment, and this must be understood. When human beings enter into existence as self-conscious “I”s, they enter into this existence in such a way that they need external means to bring this existence into being. They develop what is called individual property and possessions. If we were to go back to ancient Egyptian times, we would not yet find such individual property among the vast majority of the people. We would find that those who decide matters of property are also the priest-sages. But now, when everyone is to develop an individual “I,” they are compelled to intervene in the external world, to have something of their own around them, in order to establish their “I” in the external world. The Fourth Commandment therefore points out that the one who allows the individual “I” to work within himself acquires property, but that this property remains bound to the power of the “I,” which lives on in the Jewish people and is to be passed down from father to son and grandson, and that the property the father possessed would not be subject to the strong power of the “I” if the son did not continue his father’s work under the father’s power. It is therefore said: Let the “I” within you become so strong that it endures, and that the son, with the means he inherits from the father, may also receive the means to integrate himself into the external environment.

[ 31 ] So bewußt wird der Konservatismus des Eigentumsgeistes in dieser Zeit dem Volke des Moses gegeben. Es liegt auch in den folgenden Gesetzen noch durchaus das Bewußtsein zugrunde, daß okkulte Kräfte hinter allem stehen, was in der Welt geschieht. Während man heute nur ganz äußerlich abstrakt das Vererbungsrecht ansieht, waren sich diejenigen, die das vierte Gebot richtig verstanden haben, dessen bewußt, daß geistige Kräfte sich fortpflanzen mit dem Eigentum von Generation zu Generation, hinüberleben von einem Geschlecht zum anderen, daß sie die Ich-Kraft erhöhen und daß dadurch der IchKraft der einzelnen Individualität etwas zufließt, was ihr zugeführt wird von der Ich-Kraft des Vaters. Man kann das vierte Gebot nicht grotesker übersetzen, als es gewöhnlich geschicht; denn der Sinn ist der folgende: oll in dir die starke Ich-Kraft entwickelt werden, die über dich hinauslebt, und das soll übergehen auf den Sohn, damit seiner Ich-Kraft etwas zuwachse, was als das Eigentum seiner Vorfahren in ihm fortwirken kann.

[ 31 ] This is how the conservatism of the spirit of property was consciously instilled in the people of Moses during this period. The following laws are also fundamentally based on the awareness that occult forces underlie everything that happens in the world. While today we view inheritance law only in a very external and abstract way, those who correctly understood the Fourth Commandment were aware that spiritual forces are passed down with property from generation to generation, survive from one generation to the next, that they enhance the “I”-force, and that through this, the “I”-force of the individual receives a contribution from the “I”-force of the father. One cannot translate the Fourth Commandment more grotesquely than is usually done; for the meaning is as follows: May the strong “I”-force be developed within you, which lives on beyond you, and may this pass on to the son, so that his “I”-force may be enriched by something that can continue to work within him as the heritage of his ancestors.

[ 32 ] «Wirke fort im Sinne deines Vaters und deiner Mutter, damit dir als Besitztum verbleibt das Eigentum, das sie sich durch die Kraft erworben haben, die Ich in ihnen gebildet habe.»

[ 32 ] “Continue to act in the spirit of your father and mother, so that the possessions they acquired through the strength I formed within them may remain yours.”

[ 33 ] Und weiter liegt allen folgenden Gesetzen zugrunde, daß die IchKraft des Menschen erhöht wird durch die richtige Anwendung des Ich-Impulses, daß sie aber durch seine falsche Anwendung zugrunde gerichtet wird. Das fünfte Gebot sagt etwas, was eigentlich im richtigen Sinne nur aus der Geheimwissenschaft heraus zu verstehen ist. Alles, was mit Töten, mit der Vernichtung fremden Lebens zusammenhängt, schwächt die selbstbewußte Ich-Kraft im Menschen. Man kann dadurch im Menschen die schwarzmagischen Kräfte erhöhen; da erhöht man aber nur unter Umgehung der Ich-Kraft die astralischen Kräfte im Menschen. Was als Göttliches im Menschen ist, das wird vernichtet durch jedes Töten. Daher spielt dieses Gesetz nicht nur auf etwas Abstraktes an, sondern auch auf etwas, wodurch dem Menschen in seinem Ich-Impuls okkulte Kraft zuströmt, wenn er Leben erhöht, Leben gedeihen macht, Leben nicht vernichtet. Das wird als ein Ideal für die Erhöhung der individuellen Ich-Kraft hingestellt, und nur auf weniger stark betonten Gebieten wird dasselbe gefordert im sechsten und siebenten Gebot.

[ 33 ] Furthermore, underlying all the following laws is the principle that a person’s ego-power is enhanced through the proper application of the ego-impulse, but is destroyed through its improper application. The Fifth Commandment expresses something that, in the true sense, can only be understood through esoteric science. Everything connected with killing—with the destruction of other life—weakens the self-aware “I”-force within human beings. Through this, one can increase the forces of black magic within a person; however, in doing so, one merely increases the astral forces within the person by bypassing the “I”-force. Whatever is divine within a person is destroyed by every act of killing. Therefore, this law refers not only to something abstract, but also to something through which occult power flows into a person’s ego impulse when they elevate life, allow life to flourish, and do not destroy life. This is presented as an ideal for the elevation of the individual ego force, and only in less strongly emphasized areas is the same requirement set forth in the sixth and seventh commandments.

[ 34 ] Durch die Ehe wird ein Zentrum für die Ich-Kraft begründet. Wer die Ehe zerstört, wird daher in demjenigen geschwächt, was der Ich-Kraft zufließen soll. Ebenso schwächt derjenige seine Ich-Kraft, der etwas von des anderen Ich-Kraft nehmen und durch Wegnehmen, Stehlen und so weiter Besitztum erwerben will. Es liegt auch da durchaus der führende Gedanke zugrunde, daß das Ich sich nicht schwächen soll. Und jetzt wird in den letzten drei Geboten sogar darauf hingewiesen, wie der Mensch durch eine falsche Richtung seiner Begierden seine Ich-Kraft schwächt. Das Begierdenleben hat eine große Bedeutung für die Ich-Kraft. Die Liebe erhöht die Kraft des Ichs, die Mißgunst, der Haß läßt die Ich-Kraft verdorren. Wenn also der Mensch seinen Mitmenschen haßt, wenn er seinen Wert herabsetzt, indem er etwas Falsches von ihm sagt, so schwächt er dadurch die Ich-Kraft, macht alles, was um ihn herum ist, an Gesundheit und an Lebenskraft geringer. Ebenso ist es mit der Mißgunst auf das Besitztum des anderen. Schon die Begierde nach dem Gute des Nächsten macht seine Ich-Kraft schwach. Und ebenso ist es im zehnten Gebote: Wenn der Mensch neidisch hinschaut auf die Art und Weise, wie der andere sein Fortkommen sucht, und nicht nach der Liebe zum andern strebt und dadurch seine Seele erweitert und die Kraft seines Ichs hervorsprießen läßt. Nur dann, wenn wir die besondere Kraft des Jahve-Gottes darunter verstehen und seine Art der Offenbarung dem Moses gegenüber ins Auge fassen, können wir begreifen, was jetzt als ein besonderes Bewußtsein in das Volk einfließen soll, und es wird überall zugrunde gelegt, daß nicht abstrakte Gesetze gegeben werden, sondern gesunde, für Leib, Seele und Geist im weitesten Sinne heilsame Verordnungen. Wer diese Gebote nicht in abstrakter, sondern in lebendiger Weise hält, der wirkt auf das ganze Heil und den ganzen Fortschritt des Lebens. Es konnte in dem Zeitpunkt das auch gar nicht anders geoffenbart werden, als daß zugleich Vorschriften gegeben wurden, in welcher Art diese Gebote auch zu befolgen sind. Denn die andern Völker lebten dem jüdischen Volke gegenüber in einer ganz andern Weise; sie brauchten solche Gebote mit solchem Sinn nicht.

[ 34 ] Marriage establishes a center for the ego force. Anyone who destroys marriage is therefore weakened in that which is meant to flow into the ego force. Likewise, anyone who seeks to take something from another’s ego force—and thereby acquire possessions through taking, stealing, and so on—weakens their own ego force. Here, too, the underlying guiding principle is that the “I” must not be weakened. And now, the last three commandments even point out how a person weakens their “I-force” by directing their desires in the wrong way. The life of desire is of great significance for the “I-force.” Love increases the power of the ego, while envy and hatred cause the ego-force to wither away. So when a person hates his fellow human beings, when he belittles their worth by saying something false about them, he thereby weakens the ego-force and diminishes the health and vitality of everything around him. The same is true of envy toward another’s possessions. Even the mere desire for one’s neighbor’s possessions weakens one’s “I” force. And so it is in the Tenth Commandment: When a person looks on enviously at the way another seeks to advance in life, rather than striving for love of the other—and thereby expanding his soul and allowing the power of his “I” to spring forth. Only when we understand this in terms of the special power of Yahweh-God and contemplate His manner of revelation to Moses can we grasp what is now to flow into the people as a special consciousness; and it is established throughout that what is given are not abstract laws, but wholesome ordinances that are beneficial to body, soul, and spirit in the broadest sense. Whoever keeps these commandments not in an abstract way but in a living way contributes to the overall well-being and progress of life. At that time, it could not have been revealed in any other way than by simultaneously providing instructions on how these commandments were to be observed. For the other nations lived in a completely different way from the Jewish people; they had no need for such commandments with such meaning.

[ 35 ] Wenn unsere Gelehrten heute die Zehn Gebote nehmen, sie lexikographisch übersetzen und sie vergleichen mit andern Gesetzen, zum Beispiel mit dem Gesetz des Hammurabi, so heißt das eben, daß sie keine Ahnung haben von dem Impuls, auf den es ankommt. Nicht auf das «Du sollst nicht stehlen!» oder «Du sollst diese oder jene Feiertage heiligen!» kommt es an, sondern darauf, welcher Geist durch diese Zehn Gebote hindurchströmt und wie dieser Geist mit dem Geiste dieses Volkes, aus dem heraus das Christentum geschaffen wurde, zusammenhängt. So müßte man alles, was man empfinden und fühlen könnte in dem Selbständigwerden, das Priesterwerden jedes einzelnen in diesem Volke, nachfühlen können, wenn man überhaupt dieses Zehn-Gebote-Werk verstehen will. Es ist heute noch gar nicht die Zeit, dieses so konkret zu fühlen, wie es die Glieder jenes Volkes haben empfinden können. Daher wird heute auch alles mögliche hineinübersetzt, was im Lexikon steht, was aber nicht dem Geist der Sache entspricht. Kann man es doch immer lesen, daß das Volk des Moses hervorgegangen wäre aus einem Beduinenvolk und daß daher nicht Gebote wie bei einem Ackerbau treibenden Volke gegeben werden konnten. Und daher - so schließen die Gelehrten — müßten die Zehn Gebote später gegeben worden sein und wären nachher zurückdatiert worden. Wenn die Zehn Gebote das wären, was die Herren darunter verstehen, dann hätten sie damit recht. Aber sie verstehen es eben nicht. Gewiß, die Juden waren vorher eine Art Beduinenvolk. Aber diese Gebote wurden ihm eben gegeben, damit das Volk unter dem Impuls der Ich-Kraft einer ganz neuen Zeit entgegengehen sollte. Daß Völker sich aus dem Geiste heraus bilden, dafür ist das gerade der beste Beweis. Es gibt kaum ein so großes Vorurteil, als wenn gesagt wird: Ja, zur Zeit des Moses war das jüdische Volk noch ein wanderndes Beduinenvolk; was hätte es da für einen Sinn gehabt, diesem Volk die Zehn Gebote zu geben! - Es hat einen Sinn gehabt, solche Gesetze dem jüdischen Volke zu geben, damit eben der Ich-Impuls mit aller Kraft dem Volke eingeprägt werden konnte. Es hat sie bekommen, weil es durch diese Gebote seinem äußeren Leben eine ganz neue Form geben sollte, weil vom Geiste aus ein ganz neues Leben geschaffen werden sollte.

[ 35 ] When our scholars today take the Ten Commandments, translate them in a lexicographical manner, and compare them with other laws—for example, the Code of Hammurabi—it simply means that they have no idea of the impulse that really matters. It is not the “Thou shalt not steal!” or “Thou shalt keep this or that holy day!” that matters, but rather the spirit that flows through these Ten Commandments and how this spirit is connected to the spirit of the people from whom Christianity was born. Thus, if one wishes to understand this work of the Ten Commandments at all, one must be able to empathize with everything that could be sensed and felt in the process of becoming self-reliant—the process of each individual in this people becoming a priest. Today is not yet the time to feel this as concretely as the members of that people were able to. That is why all sorts of things are interpreted into it today—things found in dictionaries—which, however, do not correspond to the spirit of the matter. After all, one can always read that the people of Moses are said to have emerged from a Bedouin people and that, therefore, commandments could not have been given as they would have been to an agrarian people. And therefore—so the scholars conclude—the Ten Commandments must have been given later and were subsequently backdated. If the Ten Commandments were what these gentlemen understand them to be, then they would be right. But they simply do not understand. Certainly, the Jews were previously a kind of Bedouin people. But these commandments were given to them precisely so that the people, driven by the power of the “I,” might move toward a completely new era. This is the very best proof that peoples are formed out of the spirit. There is hardly a greater prejudice than when people say: “Yes, in Moses’ time the Jewish people were still a nomadic Bedouin people; what sense would it have made to give the Ten Commandments to such a people!”—It did make sense to give such laws to the Jewish people, precisely so that the “I” impulse could be imprinted upon the people with all its power. They received them because these commandments were meant to give their external life an entirely new form, because a completely new life was to be created from the spirit.

[ 36 ] So haben in der Tat die Zehn Gebote fortgewirkt, und in diesem Sinn sprechen auch noch die verständnisvollen Angehörigen der ersten Zeit des Christentums von dem Gesetz des Moses. Sie finden daher, daß der Ich-Impuls ein anderer wird durch das Mysterium von Golgatha, als er es in den Zeiten des Moses war. Sie sagten sich: Der Ich-Impuls ist durchtränkt worden durch das Zehn-Gebote-Werk; dadurch wurde das Volk stark, wenn es die Zehn Gebote befolgte. Jetzt ist ein anderes da. Jetzt ist die Gestalt da, die dem Mysterium von Golgatha zugrunde liegt. Jetzt kann dieses Ich hinschauen auf das, was so verborgen durch die Zeiten gegangen ist, es kann hinblicken auf das Größte, was es sich erwerben kann, was es stark und kräftig macht durch die Nachfolge dessen, der auf Golgatha gelitten hat und der das größte Vorbild des werdenden Menschen in der Zukunft ist. Dadurch trat der Christus für die, welche das Christentum wirklich verstanden, an die Stelle jener Impulse, die vorbereitend in dem Alten Testament gewirkt haben.

[ 36 ] Thus, in fact, the Ten Commandments have continued to exert their influence, and it is in this sense that even the discerning members of early Christianity speak of the Law of Moses. They therefore found that, through the Mystery of Golgotha, the “I” impulse had become different from what it was in the time of Moses. They said to themselves: The “I” impulse had been imbued with the work of the Ten Commandments; through this, the people became strong when they obeyed the Ten Commandments. Now something else is present. Now the form that underlies the Mystery of Golgotha is present. Now this “I” can look upon what has remained hidden throughout the ages; it can look toward the greatest thing it can attain—that which makes it strong and powerful through following the One who suffered on Golgotha and who is the greatest model for the human being of the future. Through this, for those who truly understood Christianity, Christ took the place of those impulses that had worked preparatorily in the Old Testament.

[ 37 ] So also sehen wir, wie es tatsächlich eine tiefere Auffassung der Zehn Gebote gibt.

[ 37 ] So, then, we see that there is indeed a deeper understanding of the Ten Commandments.