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The Rudolf Steiner Archive

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Spiritual-Scientific Anthropology
GA 107

8 December 1908, Berlin

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Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] Wir werden unserem angegebenen Programm treu bleiben und im Laufe dieses Winters hier in diesen Zweigversammlungen eine Reihe von scheinbar weit auseinanderliegenden Einzelheiten über das menschliche gesunde und kranke Leben zusammentragen. Und diese Einzelheiten werden sich uns später zusammengliedern zu einem Ganzen, um dann in einer bestimmten Erkenntnis zu gipfeln, zu der wir uns allmählich hinaufarbeiten. Wir haben in dem ersten der für diese Serie in Betracht kommenden Vorträge eine Art Einteilung des Krankheitswesens gegeben, und wir haben uns dann das letztemal vor die Seele zu führen versucht, was wir eigentlich nur bezeichnen dürfen als den Wortlaut der Zehn Gebote. Alles Weitere, was über den Wortlaut hinausgeht, wird sich uns schon im Verlaufe der nächsten Zweigversammlungen ergeben. Das letztemal handelte es sich vor allem darum, daß wir den Inhalt und die eigentliche Tendenz der Gebote kennenlernten. Heute wollen wir über andere Einzelheiten sprechen, die kaum einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Vorhergehenden und Späteren zeigen werden, denn es ist ein Zusammentragen von Einzelheiten, deren umfassender Sinn uns erst später aufgehen soll.

[ 1 ] We will remain faithful to our stated program and, over the course of this winter, gather here in these branch meetings a series of seemingly disparate details concerning healthy and diseased human life. And these details will later coalesce into a whole, culminating in a specific insight toward which we are gradually working our way. In the first of the lectures planned for this series, we presented a kind of classification of the nature of disease, and last time we attempted to bring to mind what we can really only describe as the wording of the Ten Commandments. Everything else that goes beyond the wording will become clear to us in the course of the next branch meetings. Last time, the main focus was on becoming familiar with the content and the actual intent of the Commandments. Today we want to discuss other details that will show little direct connection to what came before or what will follow, for this is a compilation of details whose broader meaning will only become clear to us later.

[ 2 ] Zunächst werden wir es heute zu tun haben mit einem Hinblick auf einen bedeutungsvollen Moment in der menschlichen Erdenentwicklung. Diejenigen, welche längere Zeit schon innerhalb der anthroposophischen Bewegung gearbeitet haben, sind damit längst vertraut; die anderen werden sich erst nach und nach in diese Gedankengänge hineinleben.

[ 2 ] To begin with, today we will be looking at a significant moment in human evolution on Earth. Those who have been active within the anthroposophical movement for some time are already familiar with this; others will gradually come to understand these lines of thought.

[ 3 ] Der Moment in der menschlichen Evolution, an den wir uns erinnern wollen, liegt weit zurück. Wenn wir durch die nachatlantische Zeit, durch die atlantische Zeit bis in die alte lemurische Zeit zurückgehen, so begegnen wir da jenem Moment, wo für das Menschenreich unserer Erde die Teilung in die Geschlechter eingetreten ist. Sie wissen, daß man vorher von einer solchen Teilung in Geschlechter im menschlichen Reich nicht sprechen kann. Ausdrücklich sei darauf aufmerksam gemacht, daß wir jetzt nicht etwa sprechen von einem allerersten Auftreten des zweigeschlechtlichen Wesens überhaupt in der Erdentwicklung oder in unserer ganzen Entwicklung, sofern sie unsere uns umgebenden Reiche umfaßt. Erscheinungen, die zu der Zweigeschlechtlichkeit gerechnet werden müssen, treten schon früher auf. Aber das, was wir heute Menschenreich nennen, spaltet sich erst in der lemurischen Zeit in die beiden Geschlechter. Vorher haben wir es zu tun mit einer anders geformten Menschengestalt, die in einer gewissen Weise die beiden Geschlechter undifferenziert in sich enthalten hat. Wir können uns äußerlich den Übergang von der Doppelgeschlechtlichkeit zu der Teilung in die zwei Geschlechter so vorstellen, daß wir uns denken, allmählich bildete sich die frühere doppelgeschlechtliche Menschengestalt so aus, daß eine Gruppe von Individuen die Merkmale des einen Geschlechtes, des weiblichen, mehr ausgestaltete, die andere Gruppe hingegen mehr die Merkmale des männlichen Geschlechtes herausbildete. Damit ist aber noch lange nicht die Teilung in die Geschlechter gegeben, sondern erst durch eine immer noch zunehmende Ausbildung der Einseitigkeit, und zwar in einer Zeit, als die Menschheit noch in einer sehr dünnen Stofflichkeit lebte.

[ 3 ] The moment in human evolution that we wish to recall lies far in the past. As we trace our way back through the Post-Atlantean era, through the Atlantean era, and on into the ancient Lemurian era, we encounter the moment when the division into the sexes first occurred within the human realm on our Earth. You know that one cannot speak of such a division into sexes in the human kingdom prior to that time. It should be expressly noted that we are not now speaking of the very first appearance of the two-sexed being in Earth’s evolution or in our entire evolution, insofar as it encompasses the kingdoms surrounding us. Phenomena that must be counted among the two-sexed nature appear even earlier. But what we today call the human kingdom did not divide into the two sexes until the Lemurian period. Before that, we are dealing with a differently formed human figure that, in a certain sense, contained both sexes undifferentiated within itself. We can picture the transition from hermaphroditism to the division into the two sexes in the following way: gradually, the earlier hermaphroditic human form developed such that one group of individuals more fully developed the characteristics of one sex—the female—while the other group, in contrast, more fully developed the characteristics of the male sex. However, this alone is far from establishing the division into the sexes; rather, it was brought about only through an ever-increasing development of one-sidedness, and specifically during a time when humanity still lived in a very subtle material realm.

[ 4 ] Wenn wir diesen Zeitpunkt uns zunächst vor die Seele gerückt haben, so geschieht es namentlich aus dem Grunde, weil wir uns heute nach dem Sinn der Entstehung der beiden Geschlechter fragen wollen. Nur wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, kann man nach einem solchen Sinn fragen, denn der physischen Entwicklung kommt ihr Sinn aus den höheren Welten zu. Solange wir in der physischen Welt stehen und die physische Welt auch, meinetwillen, philosophisch betrachten, ist es eine gewisse kindliche Anschauung, von Zwecken zu sprechen, und Goethe hat sich mit Recht mit noch anderen darüber lustig gemacht, wenn man so über die Zwecke in der Natur spricht, daß man sagt, die Natur habe in ihrer Weisheit den Kork entstehen lassen, damit sich der Mensch Stöpsel daraus machen könne. Solch eine Betrachtung ist eine kindliche Betrachtung, und die kann nur dazu führen, daß wir über das Wesentliche, worauf es dabei ankommt, uns hinwegtäuschen. Es wäre eine solche Betrachtung gerade so, wie wenn wir eine Uhr betrachteten und uns da kleine dämonische Wesen dahinter denken würden, die weisheitsvoll die Uhrzeiger vorwärtsbewegen. In Wahrheit müssen wir aber, wenn wir die Uhr erkennen wollen, zu dem Geist, der die Uhr hervorgebracht hat, gehen, zu dem Uhrmacher. Und ebenso müssen wir, wenn wir die Zweckmäßigkeit in unserer Welt einsehen wollen, die physische Welt überschreiten und in das Geistige hineingehen. Also Zweck und Sinn und Ziel sind Worte, die wir erst dann auf die Entwicklung anwenden dürfen, wenn wir sie von dem Boden der Geisteswissenschaft aus betrachten. In dieser Weise stellen wir die Frage: Welchen Sinn hat es, daß sich die beiden Geschlechter nach und nach ausbildeten und in Wechselwirkung miteinander kamen?

[ 4 ] If we have first brought this point to mind, it is specifically because we wish to inquire today into the meaning behind the origin of the two sexes. Only by standing on the ground of spiritual science can one inquire into such a meaning, for the meaning of physical development comes to it from the higher worlds. As long as we remain in the physical world—and even if we view the physical world philosophically, for my part—it is a somewhat childish perspective to speak of purposes. Goethe was right to mock this view, along with others, when people speak of purposes in nature in such a way as to say that nature, in its wisdom, created cork so that humans could make stoppers out of it. Such a view is a childish one, and it can only lead us to lose sight of what is truly essential here. It would be just as if, when looking at a clock, we imagined little demonic beings behind it, wisely moving the clock hands forward. In truth, however, if we wish to understand the clock, we must turn to the spirit that brought it into being—the clockmaker. And likewise, if we wish to comprehend the purposefulness in our world, we must transcend the physical world and enter into the spiritual realm. Thus, “purpose,” “meaning,” and “goal” are terms that we may apply to evolution only when we view it from the perspective of spiritual science. In this way, we ask: What is the meaning of the fact that the two sexes gradually developed and came into interaction with one another?

[ 5 ] Der Sinn wird Ihnen klar werden, wenn man in Betracht zieht, wie dasjenige, was man Befruchtung nennt, was man den gegenseitigen Einfluß der Geschlechter nennen kann, vorher durch etwas anderes ersetzt war. Man darf nicht etwa glauben, daß mit dem Zeitpunkt, wo in der Menschheitsentwicklung die Teilung in die Geschlechter sich vollzog, auch erst dasjenige aufgetreten wäre, was man die Befruchtung nennen kann. Das ist nicht der Fall. Nur müssen wir uns vorstellen, daß in den Zeiten, die der Zweigeschlechtlichkeit vorausgehen, diese Befruchtung auf eine ganz andere Weise geschah. Dem hellseherisch rückblickenden Bewußtsein zeigt es sich, daß es eine Zeit in der irdischen Menschheitsentwicklung gab, wo Befruchtung schon geschah im Zusammenhange mit der Ernährung, so daß die Wesenheiten, die in einer früheren Zeit männlich und weiblich zugleich waren, mit der Ernährung gleichzeitig die Kräfte zur Befruchtung aufnahmen. Wenn also in dieser Zeit, wo natürlich die Ernährung auch noch eine viel feinere war, die Menschenwesen sich ernährten, so war in den Ernährungssäften gleichzeitig das enthalten, was den Wesen die Möglichkeit gab, ein Wesen gleicher Art aus sich selbst hervorzubringen. Das eine allerdings müssen Sie dabei in Betracht ziehen, daß die Nahrungssäfte, die aus der umgebenden Materie genommen wurden, diese Befruchtungssäfte nicht immer enthielten, sondern nur zu ganz bestimmten Zeiten. Das hing ab von den Veränderungen, die da vorgingen und die wir heute vergleichen könnten mit den Veränderungen in dem Ablauf eines Jahres, mit Klimawechsel und so weiter. Zu ganz bestimmten Zeiten hatten die Nahrungssäfte, die aus der Umgebung entnommen wurden von den doppelgeschlechtlichen Wesen, gleichzeitig die Kraft der Befruchtung.

[ 5 ] The meaning will become clear to you when you consider how what is called fertilization—what might be called the mutual influence of the sexes—was previously replaced by something else. One must not assume that what we call fertilization first arose at the very moment when the division into the sexes took place in human evolution. That is not the case. We must simply imagine that in the times preceding the emergence of the two sexes, this fertilization took place in an entirely different way. To the clairvoyant consciousness looking back, it becomes evident that there was a time in the earthly development of humanity when fertilization already took place in connection with nutrition, so that the beings—who in an earlier time were both male and female—absorbed the forces necessary for fertilization at the same time as they took in nourishment. Thus, during this period—when, of course, nutrition was also much more refined—whenever human beings took in food, the nutritional juices simultaneously contained what enabled them to bring forth a being of the same kind from within themselves. You must, however, take into account that the food juices taken from the surrounding matter did not always contain these fertilizing juices, but only at very specific times. This depended on the changes taking place there, which we could compare today to the changes in the course of a year, with shifts in climate and so on. At very specific times, the nourishing juices extracted from the environment by the hermaphroditic beings also possessed the power of fertilization.

[ 6 ] Wenn wir mit dem hellseherischen Bewußtsein weiter zurückblikken in diese Zeiten, dann finden wir eine andere Eigentümlichkeit der alten Fortpflanzung. Was Sie heute kennen als die Verschiedenheit der einzelnen Menschen, was sich heute auswirkt als die Individualität der einzelnen Menschen, auf der die Vielgestaltigkeit des Lebens für unseren gegenwärtigen Menschheitszyklus beruht, diese Mannigfaltigkeit war vor der Entstehung der Geschlechter nicht vorhanden. Da war eine große Einförmigkeit. Die Wesen, die entstanden, waren sich untereinander ähnlich, und auch ihren Vorfahren waren sie Ähnlich. Alle diese Wesen, die noch nicht in die zwei Geschlechter geteilt waren, boten äußerlich einen ähnlichen Anblick dar, und auch innerlich hatten sie sogar alle einen ziemlich gleichen Charakter. Und daß die Menschen so einander ähnlich waren, hatte für jene Zeiten nicht denselben Nachteil, den es für unsere Gegenwart haben würde. Denken Sie sich, wenn heute die Menschen so zur Welt kämen, daß sie alle gleiche Gestalt und auch gleichen Charakter hätten, wie unendlich langweilig wäre das Menschenleben dann, wie wenig könnte im menschlichen Leben eigentlich geschehen, da doch ein jeder dann dasselbe wollen würde wie der andere. Aber das war in den alten Zeiten nicht der Fall. Als der Mensch sozusagen noch ätherischer, geistiger war, noch nicht so dicht in die Stofflichkeit hineinverflochten, da waren wirklich die Menschen, wenn sie geboren wurden und auch noch durch eine gewisse Kindheit hindurch, einander schr gleich, und die Erzieher hätten damals gar nicht nötig gehabt, darauf zu achten, ob das eine ein wilder Range und das andere ein sanftes Wesen ist. Die Menschen waren ja in verschiedenen Zeiten von verschiedenem Charakter, aber sie waren in gewisser Weise doch grundähnlich. Während des Lebens der einzelnen Menschen aber blieb es nicht so. Der Mensch war dadurch, daß er noch in einer weicheren, geistigeren Körperlichkeit war, viel mehr zugänglich den fortdauernden Einflüssen, die aus seiner Umgebung kamen, so daß er sich unter diesen Einflüssen in dieser alten Erdenzeit ungeheuer veränderte. Es individualisierte sich der Mensch in einer gewissen Weise dadurch, daß er eine, man könnte sagen, wachsartig weiche Natur hatte, Er wurde dadurch mehr oder weniger ein Abdruck seiner Umgebung. Insbesondere trat in einer ganz bestimmten Zeit des Lebens, die heute mit der Geschlechtsreife zusammenfallen würde, die Möglichkeit ein, alles, was in seiner Umgebung vorging, auf sich einwirken zu lassen. Die Verschiedenheit der einzelnen Zeiten, die wir heute mit der Verschiedenheit der Jahreszeiten vergleichen könnten, war damals eine große, und ob der Mensch auf dem einen ‚oder auf dem anderen Stück der Erde lebte, war für ihn von großer Bedeutung. Wenn der Mensch dazumal nur einen kurzen Weg über die Erde machte, so war das von einem bedeutsamen Einfluß für ihn. Heute, wenn die Menschen weite Reisen machen und noch so viel sehen, im großen ganzen kommen sie doch so zurück, wie sie fortgegangen sind, oder der Mensch müßte schon eine ganz besondere Eindrucksfähigkeit haben. Das war in alten Zeiten nicht so. Da war alles noch für den Menschen von größtem Einfluß, so daß die Menschen, solange sie in der weichen Materialität waren, tatsächlich sich erst nach und nach im Leben individualisieren konnten. Diese Möglichkeit hörte dann auf.

[ 6 ] If we look back even further into those times with clairvoyant awareness, we find another distinctive feature of ancient reproduction. What you know today as the diversity of individual human beings—what manifests today as the individuality of each person, upon which the diversity of life in our present human cycle is based—this diversity did not exist before the emergence of the sexes. There was great uniformity. The beings that came into being were similar to one another, and they were also similar to their ancestors. All these beings, who were not yet divided into the two sexes, presented a similar appearance outwardly, and inwardly, too, they all had a character that was quite similar. And the fact that human beings were so similar to one another did not present the same disadvantage in those times as it would for us today. Just imagine if people today were born all having the same form and the same character—how infinitely boring human life would be then, how little could actually happen in human life, since everyone would want the same things as everyone else. But that was not the case in ancient times. When human beings were, so to speak, still more ethereal and spiritual—not yet so tightly interwoven with the material world—people were indeed similar to one another when they were born and even throughout a certain part of childhood, and educators back then would not have needed to pay attention to whether one child was a wild rambler and another a gentle soul. People did, of course, have different characters at different times, but in a certain sense they were fundamentally similar. However, this did not remain the case throughout the life of each individual. Because human beings were still in a softer, more spiritual physical state, they were much more receptive to the ongoing influences coming from their surroundings, so that under these influences they changed enormously during that ancient era on Earth. In a certain sense, human beings became individualized because they possessed, one might say, a waxy, soft nature; as a result, they became, to a greater or lesser extent, a reflection of their surroundings. In particular, during a very specific period of life—which today would coincide with sexual maturity—the possibility arose for everything happening in their surroundings to exert an influence upon them. The diversity of the individual periods—which we might compare today to the diversity of the seasons—was great back then, and whether a person lived in one part of the Earth or another was of great significance to them. If a person traveled even a short distance across the Earth in those days, it had a significant influence on them. Today, when people take long journeys and see so much, on the whole they still return just as they left—unless a person possesses a very special capacity to absorb impressions. That was not the case in ancient times. Back then, everything still had a profound influence on people, so that as long as they remained in the soft material realm, they were in fact only able to gradually develop their individuality in life. This possibility eventually came to an end.

[ 7 ] Etwas Weiteres, was sich uns zeigt, ist, daß die Erde selbst immer mehr an Dichtigkeit zunahm, und in demselben Maße, als die Stofflichkeit, sagen wir das Erdenartige der Erde, intensiver wurde, wurde diese Einförmigkeit schädlich. Denn damit trat immer mehr und mehr für die Menschen die Möglichkeit zurück, sich im Leben noch zu verändern. Er wurde sozusagen ungeheuer dicht geboren. Das ist ja der Grund, warum sich die Menschen heute während des Lebens so wenig ändern. Das hat auch Schopenhauer dazu geführt, daß er meinte, im Grunde könnten sich die Menschen in ihrem Charakter überhaupt nicht ändern. Das hat seinen Grund darin, daß die Menschen in einer so dichten Materie sind. Sie können die Materie nicht so leicht bearbeiten und ändern. Würden die Menschen noch, wie es damals der Fall war, ihre Glieder ändern können, zum Beispiel nach Belieben, wie sie es brauchen, ein Glied kurz oder lang machen, dann würde natürlich der Mensch noch sehr starker Eindrücke fähig sein. Dann würde er im Grunde genommen dasjenige in seine eigene Individualität aufnehmen, was ihm gestattete, in sich selber eine Veränderung mit sich vorzunehmen. Immer steht der Mensch in einem innigen Kontakt mit der Umgebung, insbesondere mit der menschlichen Umgebung. Damit wir uns ganz genau verstehen, möchte ich Ihnen etwas sagen, was Sie vielleicht noch nicht beachtet haben, was aber durchaus der Fall ist.

[ 7 ] Another thing that becomes apparent to us is that the Earth itself became increasingly dense, and as its material nature—let’s say, its “earthy” quality—became more intense, this uniformity became harmful. For this meant that the possibility for human beings to change in the course of their lives receded more and more. They were, so to speak, born into an immensely dense state. That is, after all, the reason why people today change so little during their lives. This also led Schopenhauer to believe that, fundamentally, human beings cannot change their character at all. The reason for this is that human beings exist within such dense matter. They cannot easily shape or alter this matter. If people were still able, as was the case in the past, to change their limbs—for example, at will, according to their needs, making a limb short or long—then, of course, human beings would still be capable of very powerful impressions. Then, in essence, they would incorporate into their own individuality that which allowed them to bring about a change within themselves. Human beings are always in close contact with their surroundings, especially with their human environment. So that we understand each other perfectly, I would like to tell you something that you may not have noticed yet, but which is certainly the case.

[ 8 ] Nehmen Sie an, Sie sitzen einem Menschen gegenüber und sprechen mit ihm. Wir erzählen das jetzt für den gewöhnlichen normalen Verlauf des Lebens und für den Verkehr der Menschen untereinander im gewöhnlichen Leben, also nicht etwa für den Fall, daß jemand tief okkult geschult ist. Es sitzen also zwei Menschen sich gegenüber; der eine redet, der andere hört nur zu. Da glaubt man gewöhnlich, der andere, der zuhört, tut nichts. Das ist nicht richtig. An solchen Dingen zeigt sich noch immer, wie der Einfluß der Umgebung ist. Für das äußere Wahrnehmen ist es nicht bemerkbar, aber für das innere Leben ist es sehr deutlich, auffällig sogar, daß von einem, der nur zuhört, alles mitgemacht wird, was der andere tut, sogar die Bewegungen der physischen Stimmbänder werden nachgemacht, und der Zuhörende spricht das mit, was der andere sagt. Alles, was Sie anhören, sprechen Sie mit einer leisen Bewegung der Stimmbänder und des anderen Apparates, der beim Reden in Betracht kommt, mit. Und es ist ein großer Unterschied, ob derjenige, der da spricht, eine krächzende Stimme hat und Sie dann die entsprechenden Bewegungen mitmachen, oder ob er eine angenehme Stimme hat. In dieser Beziehung macht der Mensch alles mit, und da das im Grunde genommen fortwährend geschieht, so ist es auch von einem großen Einfluß auf die ganze Bildung des Menschen, allerdings nur in diesen engen Beziehungen. Wenn Sie sich dies, was als ein letzter Rest geblieben ist vom Mitleben der Umgebung, nun in ausgiebigstem Maße denken, dann haben Sie eine Vorstellung davon, wie der Mensch in alten Zeiten mit seiner Umgebung mitlebte und empfand. Da war zum Beispiel das Nachahmungsvermögen der Menschen ganz grandios ausgebildet. Wenn der eine eine Bewegung machte, so machten alle sie durchaus mit. Es sind ja nur noch auf ganz bestimmten Gebieten unbedeutende Dinge heute davon übrig geblieben: Wenn der eine gähnt, gähnen die anderen auch. Aber erinnern Sie sich, daß es sich dabei in diesen alten Zeiten durchaus um ein dämmerhaftes Bewußtsein handelt, und damit ist ein solches Imitationsvermögen verbunden.

[ 8 ] Suppose you are sitting across from someone and talking to them. We are describing this in terms of the ordinary, normal course of life and how people interact with one another in everyday life—not, for example, in the case of someone who has undergone deep occult training. So two people are sitting across from each other; one is speaking, the other is just listening. People usually think that the one who is listening isn’t doing anything. That’s not true. Such things still reveal the nature of the influence of the surroundings. It is not noticeable to the outer senses, but in inner life it is very clear—even striking—that the one who is merely listening mimics everything the other person does; even the movements of the physical vocal cords are imitated, and the listener repeats along with what the other person is saying. Everything you hear, you repeat with a slight movement of the vocal cords and the other apparatus involved in speech. And there is a great difference between whether the person speaking has a hoarse voice—in which case you mimic the corresponding movements—or whether they have a pleasant voice. In this regard, a person mimics everything, and since this essentially happens continuously, it also has a major influence on a person’s overall development—albeit only within these narrow contexts. If you now imagine this—what remains as a final remnant of living in harmony with one’s surroundings—to the fullest extent, then you will have an idea of how people in ancient times lived in harmony with and perceived their surroundings. For example, people’s capacity for imitation was developed to a truly magnificent degree. If one person made a movement, everyone else would follow suit without fail. Today, only insignificant remnants of this remain in very specific areas: when one person yawns, the others yawn as well. But remember that in those ancient times this was a matter of a twilight consciousness, and such an ability to imitate is connected to it.

[ 9 ] Indem sich nun die Erde mit allem, was darauf ist, immer mehr und mehr verdichtete, wurde der Mensch immer weniger fähig, sich selbst umzubilden unter dem Einfluß seiner Umgebung. Ein Sonnenaufgang zum Beispiel war noch in verhältnismäßig gar nicht so alten Zeiten der Atlantis eine gewaltig bildende Kraft für den Menschen, weil dieser eben ganz unter seinem Einfluß stand und innerlich großartige Erlebnisse hatte, die, wenn sie immer wieder auftraten, ihn im Laufe seines Lebens sehr veränderten. Das alles wurde immer geringer und verschwand nach und nach, je weiter die Menschheit vorwärtsschritt.

[ 9 ] As the Earth, with everything on it, became increasingly dense, human beings became less and less capable of transforming themselves under the influence of their environment. A sunrise, for example, was still a powerful formative force for human beings in the relatively recent times of Atlantis, because they were entirely under its influence and had profound inner experiences which, as they recurred time and again, transformed them greatly over the course of their lives. All of this grew weaker and weaker and gradually disappeared as humanity progressed further.

[ 10 ] In der lemurischen Zeit, bevor der Mond sich herausbewegte aus der Erde, war eine große Gefahr für die Menschen vorhanden. Es war die Gefahr, ganz zu erstarren, zu mumifizieren. Durch das nach und nach geschehende Herausrücken des Mondes aus unserer Erdenentwicklung wurde diese Gefahr hintangehalten. Gleichzeitig aber mit dem Hinausgang des Mondes ging die Trennung in die Geschlechter vor sich, und mit dieser Trennung in die Geschlechter ist ein neuerlicher Impuls für die Individualisierung der Menschen gegeben. Wenn es möglich gewesen wäre, daß sich die Menschheit ohne die zwei Geschlechter hätte fortpflanzen können, dann würde sie nicht in diese Individualisierung eingetreten sein. Dem Zusammenwirken der Geschlechter ist es zu verdanken, daß die heutige Art der Verschiedenheit der Menschen eingetreten ist. Würde das bloß Weibliche wirken, so würde die Individualität der Menschen ausgelöscht werden, die Menschen würden alle gleich werden. Durch das Dazuwirken des Männlichen werden die Menschen von der Geburt an als individuelle Charaktere geboren. So ist der Sinn des Zusammenwirkens der Geschlechter eigentlich dadurch gegeben, daß mit dem Auftreten, mit dem Absondern des männlichen Elementes die Individualisierung von Geburt aus an die Steile der alten Individualisierung getreten ist. Was früher ringsherum die ganze Umgebung bewirkt hatte, wurde zusammengedrängt in die gegenseitige Einwirkung der Geschlechter, so daß die Individualisierung zurückgedrängt wird bis zur Entstehung des physischen Menschen, bis zur Geburt. Das ist der Sinn des Zusammenwirkens der beiden Geschlechter. Individualisierung geschieht durch die Einwirkung des männlichen Geschlechts auf das weibliche.

[ 10 ] During the Lemurian epoch, before the Moon separated from the Earth, there was a great danger facing humanity. It was the danger of becoming completely frozen, of mummifying. As the Moon gradually withdrew from our Earth’s evolution, this danger was averted. At the same time, however, as the Moon withdrew, the separation into the sexes took place, and with this separation into the sexes came a new impulse for the individualization of human beings. If it had been possible for humanity to reproduce without the two sexes, then it would not have entered into this process of individualization. It is thanks to the interaction of the sexes that the present-day diversity of human beings has come about. If only the feminine were at work, human individuality would be extinguished; people would all become the same. Through the contribution of the masculine, human beings are born as individual characters from the moment of birth. Thus, the purpose of the interaction between the sexes is, in fact, that with the emergence and separation of the masculine element, individualization from birth on has taken the place of the old form of individualization. What had previously been brought about by the entire surrounding environment was condensed into the mutual interaction of the sexes, so that individualization is pushed back to the emergence of the physical human being, to birth. This is the purpose of the interaction between the two sexes. Individualization occurs through the influence of the male sex on the female.

[ 11 ] Nun wurde aber damit etwas anderes für den Menschen in Kauf genommen, und wenn das, was da in Kauf genommen wurde, geschildert wird, so bitte ich, es ganz genau als für die Menschheit charakteristisch zu betrachten, denn wenn wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, dürfen wir es nicht in gleicher Art für die Menschen wie für die Tiere ansehen. Gesundheit und Krankheit unterliegen in ihren feineren Kräften bei den Tieren ganz anderen Ursachen als bei den Menschen. Also das, was gesagt wird, gilt ausschließlich für die Menschen, und es werden uns da die feineren Verhältnisse zunächst vor die Seele zu treten haben.

[ 11 ] However, this entailed accepting something else for human beings, and when what was accepted there is described, I ask that it be regarded precisely as characteristic of humanity; for if we stand on the ground of spiritual science, we must not view it in the same way for human beings as we do for animals. In animals, health and illness are subject to entirely different causes in their finer forces than in human beings. Therefore, what is said applies exclusively to human beings, and the finer relationships must first come to the forefront of our consciousness.

[ 12 ] Versetzen Sie sich so recht in jene alte Zeit, wo der Mensch ganz und gar hingegeben war seiner Umgebung, wo die Umgebung den Menschen durchdrang und ihm auf der einen Seite durch die Nahrungssäfte, die sie ihm bot, die Befruchtung gab, während er auf der anderen Seite durch die Wirkung der Umgebung individualisiert wurde. Nun wissen wir ja, wenn wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, daß alles, was um uns herum ist, was auf uns einwirkt, gleichgültig ob Licht oder Ton, Wärme oder Kälte, Härte oder Weiche, diese oder jene Farbe, alles, was auf uns einwirkt, die Offenbarung, der äußere Ausdruck eines Geistigen ist. Und in jenen alten Zeiten nahm der Mensch gar nicht die äußeren Sinneseindrücke wahr, sondern er nahm das Geistige wahr. Wenn er zur Sonne emporblickte, erblickte er nicht den physischen Sonnenball, sondern das, was in der persischen Religion als «Ahura Mazdao», als die «Große Aura», sich erhalten hat. Das Geistige, die Summe der geistigen Sonnenwesen erschien ihm, und so war es in Luft und Wasser und in der ganzen Umgebung. Wenn Sie heute die Schönheit eines Bildes einsaugen, können Sie etwas wie ein Destilliertes davon haben, nur war es damals vollsaftiger. Wollten wir in dem alten Sinne sprechen, so dürften wir nicht sagen: Dieses oder jenes schmeckt so ‚oder so; sondern wir müßten sagen: Dieser oder jener Geist tut mir wohl! - So war es, wenn die Menschen sich essend - was eine ganz andere Tätigkeit war, als es heute ist - mit ihrer Umgebung auseinandersetzten, und ebenso war die Zeit, wo die Befruchtungskräfte aufgenommen wurden, etwas ganz anderes: eine Erscheinung der geistigen Umgebung. Geister kamen über den Menschen, überschatteten ihn und regten ihn an, seinesgleichen hervorzubringen, und das wurde auch als ein solcher geistiger Vorgang erlebt und beobachtet.

[ 12 ] Try to truly imagine that ancient time when human beings were completely immersed in their surroundings, when the surroundings permeated them and, on the one hand, nourished them through the nutrients they provided, while on the other hand, the influence of the surroundings shaped their individuality. Now, if we stand on the ground of spiritual science, we know that everything around us—everything that acts upon us, whether light or sound, warmth or cold, hardness or softness, this or that color—everything that acts upon us is a revelation, the outward expression of something spiritual. And in those ancient times, human beings did not perceive external sensory impressions at all, but rather perceived the spiritual. When they looked up at the sun, they did not see the physical sun, but rather what has been preserved in the Persian religion as “Ahura Mazda,” the “Great Aura.” The spiritual realm—the sum of the spiritual solar beings—appeared to them, and so it was in the air, in the water, and in the entire environment. When you take in the beauty of a painting today, you can derive something like a distilled essence from it, though back then it was far more vibrant. If we were to speak in the old sense, we should not say, “This or that tastes such-and-such,” but rather we would have to say: ‘This or that spirit does me good!’—That is how it was when people, while eating—which was a completely different activity than it is today—engaged with their surroundings; and likewise, the time when the fertilizing forces were absorbed was something entirely different: a manifestation of the spiritual environment. Spirits came upon people, overshadowed them, and inspired them to bring forth their own kind, and this was also experienced and observed as such a spiritual process.

[ 13 ] Nun trat ja immer mehr und mehr für den Menschen die Unmöglichkeit ein, das Geistige seiner Umgebung zu schen. Das verhüllte sich immer mehr, namentlich im Tagesbewußtsein. Nach und nach nahm der Mensch nicht mehr die geistigen Hintergründe wahr, die hinter den Dingen sind, sondern nur die äußeren Gegenstände, die der äußere Ausdruck dafür sind, und er lernte vergessen, was als Geistiges dahinter ist. Und indem er sich immer mehr in der Gestalt verdichtete, wurde auch der geistige Einfluß immer geringer. Der Mensch wurde durch diese Verdichtung immer mehr ein selbständiges Wesen und schloß sich dadurch ab von seiner geistigen Umgebung. Je weiter wir zurückgehen in diesen alten Zeiten, desto mehr ist auch dieser Einfluß, der von der Umgebung geschieht, ein geistig-göttlicher. Die Menschen waren wirklich so organisiert, daß sie ein Abbild und ein Ebenbild der Umgebung waren, der um sie herumschwebenden geistigen Wesenheiten, Abbilder von Göttern, die in den alten Zeiten der Erde vorhanden waren.

[ 13 ] Now, it became increasingly impossible for human beings to perceive the spiritual aspect of their surroundings. This aspect became more and more veiled, especially in everyday consciousness. Gradually, human beings ceased to perceive the spiritual realities underlying things, focusing instead only on the external objects that serve as their outward expression, and they learned to forget what lies behind them as spiritual reality. And as they became increasingly condensed in form, the spiritual influence also grew ever weaker. Through this densification, human beings became increasingly independent beings and thereby cut themselves off from their spiritual environment. The further back we go in these ancient times, the more this influence emanating from the environment was of a spiritual-divine nature. Human beings were truly organized in such a way that they were a reflection and likeness of their surroundings—of the spiritual beings hovering around them—reflections of the gods who existed in the ancient times of the Earth.

[ 14 ] Das ging immer mehr verloren insbesondere durch das Zusammenwirken der beiden Geschlechter. Dadurch zog sich die geistige Welt vor dem Anblick der Menschen zurück. Die Menschen sahen immer mehr und mehr in die Sinneswelt hinein. Wir müssen uns dieses Verhältnis ganz lebhaft vorstellen: Denken Sie sich, der Mensch wurde in jenen alten Zeiten aus der göttlich-geistigen Welt heraus befruchtet. Die Götter selber waren es, die ihre Kräfte hergaben und den Menschen sich ähnlich machten. Dadurch war in jener alten Zeit nicht vorhanden das, was man Krankheit nennt. Innere Krankheitsanlage gab es nicht, die konnte nicht da sein, weil alles, was im Menschen vorhanden war und an ihm arbeitete, von dem gesunden göttlich-geistigen Kosmos kam. Die göttlich-geistigen Wesenheiten sind gesund, und sie machten dazumal den Menschen zu ihrem Abbild. Der Mensch war gesund. Je mehr er aber dem Zeitpunkt entgegenlebte, wo das Zusammenwirken der Geschlechter eintrat und damit das Zurückziehen der geistigen Welten, je mehr der Mensch selbständig und individuell wurde, zog sich auch die Gesundheit der göttlich-geistigen Wesenheiten von ihm zurück und es trat nun etwas anderes an dessen Stelle. Es geschah ja, daß in der Tat diese Aufeinanderwirkung der Geschlechter eingehüllt, begleitet wurde von Leidenschaften und Instinkten, wie sie angeregt wurden in der physischen Welt. Namentlich müssen wir diese Anregung aus der physischen Welt suchen, nachdem die Menschen so weit gekommen waren, daß sich die beiden Geschlechter gefielen, physisch-sinnlich sich gefielen. Das war ja noch lange nicht da, als die Geschlechter schon vorhanden waren. Die Wirkung der beiden Geschlechter aufeinander - auch noch in der atlantischen Zeit - geschah dann, wenn das physische Bewußtsein eigentlich schlief, sozusagen in der nachtschlafenden Zeit. Erst in der Mitte der atlantischen Zeit trat das ein, was wir das Gefallen der Geschlechter, die leidenschaftliche Liebe nennen könnten, also alles das, was sich an sinnlicher Liebe beimischte der reinen übersinnlichen Liebe, wenn wir es so nennen wollen - der Ausdruck ist heute abgebraucht, aber er brauchte es nicht zu sein -: der platonischen Liebe. Die platonische Liebe wäre in einem viel größeren Maße vorhanden, wenn sich nicht die sinnliche Liebe beimischte. Und während früher alles, was an dem Menschen gestaltend wirkte, eine Folge der geistig-göttlichen Umgebung war, wurde es jetzt mehr eine Folge der Leidenschaften und Triebe der beiden Geschlechter, die aufeinander wirkten. Es ist mit dem Zusammenwirken der beiden Geschlechter die sinnliche Begierde verknüpft worden, die angeregt wurde durch das äußere Auge, durch das äußere Sehen des andersgeschlechtlichen Wesens. Daher wurde dem Menschen mit seiner Geburt etwas einverleibt, was mit der besonderen Art der Leidenschaften und Gefühle der Menschen, die im physischen Leben stehen, zusammenhängt. Während früher der Mensch das, was in ihm war, noch von den geistig-göttlichen Wesen seiner Umgebung erhielt, bekam er jetzt durch den Befruchtungsakt etwas mit, was er als ein in sich selbständiges, abgeschlossenes Wesen aus der Sinneswelt in sich aufgenommen hatte.

[ 14 ] This was increasingly lost, particularly through the interaction of the two sexes. As a result, the spiritual world withdrew from human sight. People turned their gaze more and more toward the sensory world. We must vividly imagine this relationship: Consider that in those ancient times, human beings were imbued with life from the divine-spiritual world. It was the gods themselves who bestowed their powers and made human beings in their own image. Consequently, what we call “illness” did not exist in those ancient times. There was no inner predisposition to illness; it could not exist, because everything that was present within the human being and active within them came from the healthy divine-spiritual cosmos. The divine-spiritual beings are healthy, and in those days they fashioned human beings in their own image. Human beings were healthy. But the more they approached the point in time when the interaction of the sexes began—and with it the withdrawal of the spiritual worlds—the more human beings became independent and individual, the more the health of the divine-spiritual beings withdrew from them, and something else took its place. It was indeed the case that this interaction between the sexes was enveloped and accompanied by passions and instincts as they were stimulated in the physical world. Specifically, we must look for this stimulation from the physical world after human beings had reached the point where the two sexes found physical and sensual pleasure in one another. This was still a long way off when the sexes already existed. The interaction of the two sexes—even in the Atlantean epoch—occurred when physical consciousness was actually asleep, so to speak, during the hours of night sleep. It was not until the middle of the Atlantean era that what we might call the attraction between the sexes—passionate love—began to emerge; that is, everything that mingled sensual love with pure supersensory love—if we wish to call it that—the term is worn out today, but it need not be—: Platonic love. Platonic love would be present to a much greater extent if sensual love were not mixed in. And whereas in earlier times everything that had a formative effect on human beings was a consequence of the spiritual-divine environment, it now became more a consequence of the passions and drives of the two sexes interacting with one another. Sensual desire has become linked to the interaction of the two sexes; this desire was stimulated by the external eye, by the external sight of a being of the opposite sex. Thus, at birth, something was incorporated into the human being that is connected to the particular nature of the passions and feelings of human beings living in the physical world. Whereas in the past human beings still received what was within them from the spiritual-divine beings in their surroundings, they now, through the act of conception, took in something they had absorbed from the sensory world as an independent, self-contained entity.

[ 15 ] Nachdem die Menschen in die Zweigeschlechtlichkeit eingetreten waren, gaben sie das, was sie selber erlebten in der Sinneswelt, ihren Nachkommen mit. Da haben wir also jetzt zwei Menschenwesen. Diese zwei Menschenwesen leben in der physischen Welt und nehmen die Welt durch die Sinne wahr, entwickeln dadurch diese oder jene durch Äußerliches angeregten Triebe und Begierden, insbesondere entwickeln sie Triebe und Leidenschaften durch ihre eigene, von außen angeregte, sinnliche Neigung zueinander. Was jetzt von außen an die Menschen herantritt, ist in die Sphäre des selbständigen Menschen herabgezogen, ist nicht mehr im vollen Einklang mit dem göttlich-geistigen Kosmos. Das wird dem Menschen mitgegeben durch den physischen Befruchtungsakt, das impft sich in die Menschen ein. Und dieses ihr eigenes weltliches Leben, das sie nicht aus den göttlichen Welten haben, sondern aus der Außenseite der göttlichgeistigen Welt, das geben die Menschen durch die Befruchtung ihren Nachkommen mit. Ist ein Mensch in dieser Beziehung schlechter, so gibt er schlechtere Qualitäten seinen Nachkommen mit als der andere, der rein und gut ist.

[ 15 ] Once human beings had entered into the two-sex system, they passed on to their descendants what they themselves experienced in the sensory world. So now we have two human beings. These two human beings live in the physical world and perceive the world through the senses; through this, they develop various drives and desires stimulated by external influences; in particular, they develop drives and passions through their own, externally stimulated, sensual attraction to one another. What now approaches human beings from the outside has been drawn down into the sphere of the autonomous human being; it is no longer in full harmony with the divine-spiritual cosmos. This is imparted to the human being through the physical act of conception; it becomes ingrained in human beings. And this worldly life of their own—which they do not derive from the divine worlds but from the outer realm of the divine-spiritual world—is what human beings pass on to their offspring through fertilization. If a person is inferior in this regard, they pass on worse qualities to their offspring than another who is pure and good.

[ 16 ] Und damit haben wir jetzt das, was wir uns im echten, wahren Sinne vorzustellen haben unter der «Erbsünde». Das ist der Begriff der Erbsünde. Die Erbsünde wird dadurch herbeigeführt, daß der Mensch in die Lage kommt, seine individuellen Erlebnisse in der physischen Welt auf seine Nachkommen zu verpflanzen. Jedesmal, wenn die Geschlechter in Leidenschaften erglühen, mischen sich in den aus der astralischen Welt herabkommenden Menschen die Ingredienzien der beiden Geschlechter hinein. Wenn sich ein Mensch inkarniert, kommt er aus der devachanischen Welt herunter und bildet sich seine astralische Sphäre nach der Eigenart seiner Individualität. Dieser eigenen astralischen Sphäre mischt sich etwas bei aus dem, was den astralischen Leibern, den Trieben, Leidenschaften und Begierden der Eltern eigen ist, so daß dadurch der Mensch das mitbekommt, was seine Vorfahren erlebt haben. Was so durch die Generationen geht, was so innerhalb der Generationen wirklich menschlich erworben ist und als solches sich vererbt, das ist es, was unter dem Begriff der Erbsünde zu verstehen ist. Und jetzt kommen wir zu etwas anderem noch: Ein ganz neues Moment trat ein in die Menschheit durch die Individualisierung des Menschen.

[ 16 ] And with that, we now have what we must conceive of, in the true and genuine sense, as “original sin.” This is the concept of original sin. Original sin arises from the fact that human beings are able to transmit their individual experiences in the physical world to their descendants. Every time the sexes are consumed by passion, the elements of both sexes intermingle within the human being descending from the astral world. When a human being incarnates, they descend from the Devachanic world and form their own astral sphere according to the nature of their individuality. Into this personal astral sphere is blended something of what is inherent in the astral bodies, the drives, passions, and desires of the parents, so that through this the human being inherits what their ancestors have experienced. What is passed down through the generations in this way—what is truly acquired as human within the generations and is inherited as such—is what is meant by the concept of original sin. And now we come to something else: a completely new element entered humanity through the individualization of the human being.

[ 17 ] Früher bildeten die göttlich-geistigen Wesenheiten, und die waren ganz gesund, den Menschen zu ihrem Ebenbilde. Jetzt aber gliederte sich der Mensch als selbständiges Wesen aus der Gesamtharmonie der göttlich-geistigen Gesundheit heraus. Er widersprach in gewisser Beziehung in seiner Eigenheit dieser ganzen geistig-göttlichen Umgebung. Denken Sie, Sie haben ein Wesen, das sich nur unter den Einflüssen der Umgebung ausbildet. Da zeigt es das, was diese Umgebung ist. Denken Sie sich aber, es schließt sich ab mit einer Haut, dann hat es zu den Eigenschaften seiner Umgebung auch noch seine eigenen Eigenschaften. Als die Menschen mit der Teilung in die Geschlechter individuell wurden, entwickelten sie also ihre eigenen Eigenheiten in sich selber. Dadurch war ein Widerspruch vorhanden zwischen der großen, in sich gesunden göttlich-geistigen Harmonie und dem, was als Individuelles in dem Menschen war. Und indem dieses Individuelle fortwirkt, ein real wirksamer Faktor wird, gliedert sich in die Menschheitsentwicklung überhaupt erst die Möglichkeit einer innerlichen Erkrankung ein. Jetzt haben wir den Moment erfaßt, wo überhaupt in der Menschheitsentwicklung die Möglichkeit der Erkrankung auftritt, denn sie ist gebunden an die Individualisierung der Menschen. Vorher, als der Mensch mit der geistig-göttlichen Welt noch in Zusammenhang stand, gab es diese Möglichkeit der Erkrankung nicht. Sie trat mit der Individualisierung ein, und das ist der gleiche Zeitpunkt wie die Trennung in die Geschlechter. Das gilt für die Menschheitsentwicklung, und Sie dürfen das nicht in gleicher Weise auf die Tierwelt übertragen.

[ 17 ] In the past, the divine-spiritual beings—who were completely healthy—formed humankind in their own image. But now, as an independent being, humankind has separated itself from the overall harmony of divine-spiritual health. In a certain sense, its individuality contradicted this entire spiritual-divine environment. Imagine you have a being that develops solely under the influences of its environment. It then reflects the nature of that environment. But imagine that it is enclosed by a skin; then, in addition to the characteristics of its environment, it also possesses its own characteristics. When human beings became individuals through the division into the sexes, they thus developed their own distinctive traits within themselves. As a result, a contradiction arose between the great, inherently healthy divine-spiritual harmony and what existed as the individual within the human being. And as this individual aspect continues to exert its influence, becoming a genuinely active factor, the possibility of inner illness is introduced into human development for the first time. We have now identified the moment when the possibility of illness first arises in human development, for it is linked to the individualization of human beings. Previously, when human beings were still connected to the spiritual-divine world, this possibility of illness did not exist. It arose with individualization, and this coincides with the separation into the sexes. This applies to human development, and you must not apply it in the same way to the animal kingdom.

[ 18 ] Die Krankheit ist in der Tat eine Wirkung dieser Ihnen eben geschilderten Vorgänge, und namentlich können Sie sehen, daß es im Grunde genommen der astralische Leib ist, der ursprünglich auf diese Art beeinflußt wird. Dem astralischen Leib, den sich der Mensch zunächst selbst eingliedert, wenn er aus der devachanischen Welt herunterkommt, wird dasjenige entgegengebracht, was durch die Wirkung der beiden Geschlechter in ihn einfließt. Der astralische Leib ist also der Teil, der am schärfsten das Ungöttliche zum Abdruck bringt. Göttlicher ist schon der Ätherleib, denn auf den hat der Mensch keinen so großen Einfluß, und am göttlichsten ist der physische Leib, dieser Tempel Gottes, denn der ist zu gleicher Zeit dem Einfluß des Menschen gründlich entzogen worden. Während der Mensch in seinem astralischen Leib alle möglichen Genüsse sucht und alle möglichen Begierden haben kann, die in schädlicher Weise auf den physischen Leib wirken, hat er seinen physischen Leib heute noch als ein so wundervolles Instrument, daß es jahrzehntelang den Herzgiften und den sonstigen störenden Einflüssen des astralischen Leibes widerstehen kann. Und so müssen wir sagen, daß der menschliche astralische Leib durch alle diese Vorgänge das Schlechteste am Menschen geworden ist. Wer tiefer hineingeht in die menschliche Natur, wird die tiefsten Krankheitsursachen im astralischen Leib und in den schlechten Einflüssen des astralischen Leibes auf den Ätherleib finden, und dann erst auf dem Umwege durch den Ätherleib in dem physischen Leib. Jetzt werden wir manches verstehen, was sonst nicht verstanden werden kann. Ich will jetzt von gewöhnlichen mineralischen Heilmitteln reden.

[ 18 ] Illness is, in fact, a consequence of the processes I have just described to you, and in particular, you can see that it is essentially the astral body that is initially influenced in this way. The astral body—which a person initially incorporates into themselves when they descend from the Devachan world—is confronted with what flows into it through the interaction of the two sexes. The astral body is thus the part that most acutely reflects the ungodly. The etheric body is already more divine, for a person has less influence over it, and the most divine of all is the physical body—this temple of God—for it has been thoroughly removed from human influence. While a person may seek all manner of pleasures in their astral body and harbor all manner of desires that have a harmful effect on the physical body, they still possess their physical body today as such a marvelous instrument that it can withstand the poisons of the heart and other disruptive influences of the astral body for decades. And so we must say that, through all these processes, the human astral body has become the worst aspect of the human being. Anyone who delves deeper into human nature will find the deepest causes of illness in the astral body and in the harmful influences of the astral body on the etheric body, and only then, indirectly through the etheric body, in the physical body. Now we will understand many things that otherwise cannot be understood. I would now like to speak about common mineral remedies.

[ 19 ] Ein Heilmittel aus dem Mineralreich wirkt zunächst auf den physischen Leib des Menschen. Welchen Sinn hat es nun, daß der Mensch seinem physischen Leib ein mineralisches Heilmittel übergibt? Also, beachten Sie wohl: Nicht von irgendwelchen pflanzlichen Heilmitteln soll jetzt gesprochen werden, sondern von rein mineralischen, was an Metallen, Salzen und so weiter verabreicht wird. Nehmen Sie an, der Mensch nimmt irgendein mineralisches Heilmittel zu sich. Dann bietet sich dem hellseherischen Bewußtsein etwas ganz Merkwürdiges dar. Das hellseherische Bewußtsein kann dann nämlich folgendes Kunststück ausführen: Es hat ja immer die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit von etwas abzulenken. Sie können von dem ganzen physischen Menschenleib die Aufmerksamkeit ablenken. Sie sehen dann noch den Ätherleib, den astralischen Leib und die Ich-Aura. Den physischen Leib haben Sie sich also absuggeriert durch eine starke negative Aufmerksamkeit. Wenn nun jemand irgendein mineralisches Heilmittel zu sich genommen hat, dann können Sie alles aus Ihrer Aufmerksamkeit herausrücken und bloß auf das Mineral oder das Metall, das jetzt in ihm ist, Ihre hellseherische Aufmerksamkeit richten. Also Sie suggerieren sich ab, was an Knochen, Muskeln, Blut und so weiter in ihm ist, und wenden Ihre Aufmerksamkeit nur auf das, was ihn als eine bestimmte mineralische Substanz durchdrungen hat. Da tritt für das hellseherische Bewußtsein etwas ganz Merkwürdiges auf: Diese mineralische Substanz hat sich ganz fein verteilt und hat selber die Gestalt des Menschen angenommen. Sie haben eine menschliche Gestalt vor sich, ein menschliches Phantom, aus der Substanz bestehend, die der Mensch eingenommen hat. Nehmen Sie an, der Mensch hätte das Metall Antimon zu sich genommen, dann haben Sie eine menschliche Gestalt aus ganz fein verteiltem Antimon vor sich und so ist es bei jedem mineralischen Heilmittel, das der Mensch zu sich nimmt. Sie machen einen neuen Menschen in sich selber, der aus dieser mineralischen Substanz besteht; den gliedern Sie sich ein. Nun fragen wir uns: Was hat denn das für einen Zweck und für einen Sinn?

[ 19 ] A remedy from the mineral kingdom initially acts on the human physical body. What, then, is the purpose of a person administering a mineral remedy to their physical body? So, please note: We are not speaking here of any kind of herbal remedy, but of purely mineral ones—those administered in the form of metals, salts, and so on. Suppose a person ingests some mineral remedy. Then something quite remarkable presents itself to the clairvoyant consciousness. The clairvoyant consciousness can then perform the following feat: It always has the ability to divert attention away from something. You can divert your attention away from the entire physical human body. You will then still see the etheric body, the astral body, and the “I” aura. You have thus “suggested” the physical body away through strong negative attention. Now, if someone has ingested any kind of mineral remedy, you can push everything else out of your attention and focus your clairvoyant attention solely on the mineral or metal that is now within them. In other words, you suggest away what is within them in terms of bones, muscles, blood, and so on, and direct your attention only to what has permeated them as a specific mineral substance. Here, something quite remarkable occurs to the clairvoyant consciousness: this mineral substance has dispersed very finely and has itself taken on the form of a human being. You have a human form before you—a human phantom—consisting of the substance that the person has ingested. Suppose the person has ingested the metal antimony; then you have before you a human form made of very finely dispersed antimony, and this is the case with every mineral remedy that a person ingests. You create a new human being within yourself, consisting of this mineral substance; you incorporate it into yourself. Now we ask ourselves: What is the purpose and meaning of this?

[ 20 ] Der Sinn ist der folgende: Wenn Sie den Menschen, der so etwas nötig hat, so ließen, wie er ist, wenn Sie ihm das Heilmittel nicht geben würden und er es wirklich nötig hat, da würde es geschehen, weil gewisse schlechte Kräfte in seinem Astralleib sind, daß der Astralleib auf den Ätherleib und der Ätherleib auf den physischen Leib wirkte und diesen nach und nach zerstörte. Jetzt haben Sie den physischen Leib mit einem Doppelgänger durchsetzt. Der wirkt so, daß der physische Leib den Einflüssen des astralischen Leibes nicht folgt. Denken Sie, Sie haben eine Bohnenpflanze: Wenn Sie ihr einen Stock geben, so windet sie sich daran herauf und folgt nun nicht mehr den Bewegungen des Windes. So ein Stock ist dieser Doppelgänger für den Menschen aus der eingegliederten Substanz. Das hält den physischen Leib an sich und entzieht ihn den Einflüssen vom astralischen und Ätherleib. Auf diese Weise machen Sie den Menschen seinem physischen Leibe nach sozusagen unabhängig von seinem astralischen und seinem Ätherleib. Das ist die Wirkung eines mineralischen Heilmittels. Aber Sie werden auch gleich das Schlimme der Sache einsehen, denn es hat das auch eine sehr schlimme Gegenseite. Da Sie künstlich den physischen Leib aus dem Zusammenhange mit den anderen Leibern herausgenommen haben, so haben Sie den Einfluß des astralischen Leibes und des Ätherleibes auf den physischen Leib geschwächt, haben den physischen Leib verselbständigt, und je mehr Sie Ihrem Körper solche Heilmittel zuführen, desto mehr schwindet auch der Einfluß des astralischen Leibes und des Ätherleibes dahin, und der physische Leib wird ein in sich verhärtetes und in sich verselbständigtes Wesen, das dann seinen eigenen Gesetzen unterliegt. Denken Sie nun, was die Menschen tun, die ihr ganzes Leben lang ihrem Körper solche verschiedenen mineralischen Heilmittel zuführen. Ein Mensch, der nach und nach viel an mineralischen Heilmitteln zu sich genommen hat, trägt dann in sich das Phantom dieser Mineralien; er hat ein ganzes Dutzend von mineralischen Heilmitteln in sich. Die halten den physischen Leib wie in festen Wänden. Ja, was soll denn da noch der astralische Leib und der Ätherleib auf ihn für einen Einfluß haben? Ein solcher Mensch schleppt in der Tat seinen physischen Leib mit sich herum und ist ziemlich machtlos gegen ihn. Versucht dann ein solcher Mensch, der lange Zeit so mediziniert hat, an einen anderen zu kommen, der ihn psychisch behandeln will, der besonders auf die feineren Leiber wirken will, da erfährt dann der Betreffende, daß er für psychische Einflüsse mehr oder weniger unempfänglich geworden ist. Denn er hat seinen physischen Leib erst verselbständigt und ihm die Möglichkeit entzogen, daß das, was in den feineren Leibern geschehen könnte, bis in den physischen Leib hineinwirkt. Und das ist namentlich dadurch geschehen, daß der Mensch so viele Phantome in sich hat, die dann gar nicht zusammenstimmen, das eine zerrt ihn dahin, das andere dorthin. Wenn der Mensch sich die Möglichkeit entzogen hat, vom geistig-seelischen Teile aus zu wirken, dann braucht er sich gar nicht zu wundern, wenn dann auch eine geistige Heilkur von geringerem Erfolge ist. Daher müssen Sie, wenn es sich um psychische Einwirkungen handelt, immer in Erwägung ziehen, was das für ein Mensch ist, der da kuriert werden soll. Hat der Mensch seinen astralischen Leib oder seinen Ätherleib in die Machtlosigkeit versetzt, indem er den physischen Leib in die Selbständigkeit versetzte, dann ist es sehr schwer geworden, einem solchen Menschen durch eine spirituelle Kur beizukommen.

[ 20 ] The point is this: If you were to leave a person who needs such a remedy just as they are—if you were not to give them the remedy and they truly need it—then, because of certain negative forces in their astral body, the astral body would act upon the etheric body, and the etheric body upon the physical body, gradually destroying it. Now you have interwoven the physical body with a double. This double acts in such a way that the physical body does not follow the influences of the astral body. Imagine you have a bean plant: if you give it a stake, it winds its way up it and no longer follows the movements of the wind. This double, made of the incorporated substance, serves as such a stake for the human being. This holds the physical body in place and shields it from the influences of the astral and etheric bodies. In this way, you make the human being, as far as his physical body is concerned, independent, so to speak, of his astral and etheric bodies. This is the effect of a mineral remedy. But you will also immediately see the downside of this, for it has a very serious reverse side as well. Since you have artificially removed the physical body from its connection with the other bodies, you have weakened the influence of the astral body and the etheric body on the physical body; you have made the physical body independent, and the more you administer such remedies to your body, the more the influence of the astral body and the etheric body also fades away, and the physical body becomes a being hardened within itself and existing independently, which is then subject to its own laws. Now consider what happens to people who administer such various mineral remedies to their bodies throughout their entire lives. A person who has gradually ingested large amounts of mineral remedies then carries within them the phantom of these minerals; they have a whole dozen mineral remedies within them. These hold the physical body as if within solid walls. Indeed, what influence could the astral body and the etheric body possibly still have on them? Such a person, in fact, drags his physical body around with him and is quite powerless against it. If such a person—who has been taking these remedies for a long time—then tries to seek out someone else who wants to treat him psychically, who wants to act specifically on the finer bodies, the person in question will discover that he has become more or less impervious to psychic influences. For they have first made their physical body independent and deprived it of the possibility that what might happen in the finer bodies could have an effect extending into the physical body. And this has happened specifically because the person has so many phantoms within them that are not at all in harmony—one pulls them in one direction, another in another. If a person has deprived themselves of the ability to act from the spiritual-soul aspect, then they should not be at all surprised if even a spiritual healing treatment proves less successful. Therefore, when dealing with psychological influences, you must always take into consideration what kind of person is to be treated. If a person has rendered their astral body or etheric body powerless by making their physical body independent, then it has become very difficult to help such a person through spiritual treatment.

[ 21 ] So also verstehen wir jetzt, wie mineralische Substanzen auf den Menschen wirken. Sie erzeugen in ihm Doppelgänger, die seinen physischen Leib konservieren und ihn den Einflüssen seines Astralleibes oder Ätherleibes, die schädlich sein könnten, entziehen. Fast alle unsere Medizin geht heute darauf hinaus, weil diese materialistische Medizin die feineren Glieder des Menschen nicht kennt, nur den physischen Leib in irgendeiner Weise zu behandeln.

[ 21 ] So now we understand how mineral substances affect human beings. They create double bodies within them that preserve their physical body and shield it from the influences of their astral or etheric bodies, which could be harmful. Almost all of our medicine today boils down to treating only the physical body in one way or another, because this materialistic medicine is unaware of the finer aspects of the human being.

[ 22 ] Wir haben das heute zunächst einmal für die Einflüsse der mineralischen Stoffe betrachtet. Wir werden einmal zu sprechen haben von den Einflüssen der pflanzlichen Heilkräfte und von den Einflüssen der tierischen Stoffe auf den menschlichen Organismus, und dann werden wir übergehen zu denjenigen Einflüssen, zu den Heilmitteln, die von Wesen zu Wesen psychisch, also spirituell sein können. Sie sehen aber, daß es notwendig ist, für unsere Betrachtungen erst wieder einmal solche Begriffe zu bekommen wie den Begriff der Erbsünde, und ihn richtig zu verstehen. Gewisse Dinge sind heute durchaus so, daß die Menschen darüber hinweglesen und kein Verständnis dafür haben.

[ 22 ] Today, we have first considered the effects of mineral substances. We will have to discuss the effects of plant-based healing powers and the effects of animal substances on the human organism, and then we will move on to those influences—those remedies—that can be psychic, that is, spiritual, from being to being. But you can see that, for our considerations, it is necessary to first reacquaint ourselves with concepts such as original sin and to understand it correctly. Certain things today are such that people simply skim over them and have no understanding of them.