The East in the Light of the West
The Children of Lucifer and the Brothers of Christ
GA 113
25 August 1909, Munich
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The East in the Light of the West, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Wir haben uns vor die Seele geführt, wohin derjenige dringt, welcher die Methoden der menschlichen Entwickelung in die übersinnlichen Welten hinein auf sich anwendet. Wir haben dabei aufmerksam gemacht, daß es eine gewisse Stufe der Entwickelung gibt, durch welche dem Menschen das, was sonst in der äußeren Welt uns entgegentritt als Wärme, als Luft, als Wasser und so weiter, anfängt zu leben und durchgeistigt zu sein. Wir haben gesagt, daß man das nennen kann das Sichhineinleben in die Welt der Elementengeister. Ich bitte diejenigen, die sich seit längerer Zeit mit Geisteswissenschaft befassen, jedes Wort, das gesagt wird, recht auf die Waagschale zu legen und zu berücksichtigen, daß die Worte gebraucht werden nicht annähernd, sondern ganz genau. Ich sagte nicht Elementargeister, sondern ich sagte Elementengeister; und es ist immer nur die Rede von demjenigen, das gerade an der betreffenden Stelle genannt wird.
[ 1 ] We have shown the soul where one arrives who applies the methods of human development to the supersensible worlds. We have pointed out that there is a certain stage of development through which what otherwise appears to us in the outer world as heat, air, water, and so on, begins to come alive and be imbued with spirit. We have said that this can be called “immersing oneself” into the world of the elemental spirits. I ask those who have been engaged in spiritual science for some time to weigh every word that is spoken carefully and to bear in mind that the words are used not approximately, but with complete precision. I did not say “elemental spirits,” but rather “spirits of the elements”; and we are always speaking only of whatever is specifically mentioned in the passage in question.
[ 2 ] Es wird nun heute unsere Aufgabe sein, uns mit einigen Eigentümlichkeiten bekanntzumachen, die sich dem Betrachter der höheren Welten bieten. Da ist vor allen Dingen darauf aufmerksam zu machen, daß sich beim Aufstieg ins Übersinnliche zu unserer gewöhnlichen Welt, die wir mit unseren Sinnesorganen erleben, andere Welten, von denen zunächst zwei genannt sein sollen, hinzugesellen, Welten, die hinter denen stehen, die man mit den Sinnen wahrnehmen und mit dem Verstande begreifen kann. Es sollen einige hervorragende Charaktereigentümlichkeiten genannt werden, welche hinweisen können auf die Unterschiede unserer gewöhnlichen Welt und den beiden nächsthöheren. Die nächste Welt, die sich hinter unserer Welt verbirgt, nennt man ja, wie Sie alle wissen, die astralische Welt, und diejenige, die noch tiefer verborgen ist hinter dieser, bezeichnen wir gewöhnlich nach unserem Sprachgebrauch als die geistige Welt. Man könnte auch die astralische Welt das Seelenland oder die Seelenwelt und die andere als das Geisterland oder die geistige Welt bezeichnen. Wollen wir einen der vielen Unterschiede angeben, der uns zunächst einmal wichtig sein wird für unsere folgenden Betrachtungen, so können wir sagen: In unserer physischen Welt herrscht als eines der umfassendsten Gesetze dasjenige des Entstehens und Vergehens. Überall finden wir in unserer physischen Welt den Wechsel von Geburt und Tod, von Entstehen und Vergehen, Betrachten Sie, wo Sie wollen, unsere physische Welt, gerade bei ihren höchsten Wesenheiten finden Sie das Charakteristische, daß sie geboren werden und sterben innerhalb der physischen Welt. Eine scheinbare Dauer innerhalb der physischen Welt gaukelt dem Menschen höchstens dasjenige vor, was den niedrigen Naturreichen angehört: das tote Steinreich. Aber auch das ist nur scheinbar. Würde man die Betrachtung der Gesteinswelt über lange Zeiten ausdehnen, so sähe man, daß sich auch da das Gesetz des Entstehens und Vergehens geltend macht.
[ 2 ] Our task today will be to familiarize ourselves with some of the peculiarities that present themselves to the observer of the higher worlds. First and foremost, it should be noted that as we ascend into the supersensible realm, our ordinary world—which we experience through our sense organs—is joined by other worlds, of which two will be mentioned here, worlds that lie beyond those which can be perceived by the senses and comprehended by the intellect. We shall mention a few distinctive characteristics that may point to the differences between our ordinary world and the two worlds immediately above it. The next world, which lies hidden behind our world, is, as you all know, called the astral world, and the one that lies even deeper behind this one we usually refer to, in accordance with our linguistic usage, as the spiritual world. One could also refer to the astral world as the “land of souls” or the “world of souls,” and the other as the “land of spirits” or the “spiritual world.” If we wish to point out one of the many differences that will be important to us for our subsequent considerations, we can say: In our physical world, one of the most comprehensive laws is that of arising and passing away. Everywhere in our physical world we find the alternation of birth and death, of coming into being and passing away. Look wherever you will in our physical world; even among its highest beings, you will find the characteristic that they are born and die within the physical world. Any apparent permanence within the physical world merely gives humans the illusion of what belongs to the lower kingdoms of nature: the dead kingdom of stone. But even that is only apparent. If one were to extend the observation of the mineral world over long periods of time, one would see that the law of arising and passing away applies there as well.
[ 3 ] Für den Betrachter nun der astralischen Welt drängt sich vor allen Dingen das auf, daß — ebenso hervorragend wie für die physische Welt das Entstehen und Vergehen - für diese astralische Welt die Verwandlungsfähigkeit ist, die Metamorphose. Und hier verknüpft sich das, was jetzt zu sagen ist, mit einem Hinweis, der schon gestern gegeben worden ist und der uns in der mannigfaltigsten Weise immer konkreter beschäftigen wird. In der astralischen Welt haben wir es zu tun mit beweglichen Gebilden, mitGebilden, die sich ineinander so umwandeln, daß sie bald das eine, bald das andere sein können. Schon der uns ja aus dem Astralischen zunächstliegende menschliche astralische Leib, der wie eine Art von Aura — dem Hellseher sichtbar — wolkig umwallt und umwogt den physischen Leib, hat die Eigentümlichkeit einer fortwährenden Verwandlungsfähigkeit. Fast in jedem Augenblick ist das, was als eine astralisch-aurische Wolke den Menschen einhüllt und durchdringt, anders, je nachdem der Mensch in sich höhere oder niedrigere Triebe entwickelt, wildere, stürmischere oder ruhigere Leidenschaften in sich erlebt, diese oder jene Gedanken hegt. Je nachdem er diese oder jene Willensimpulse hat, zeigen sich in dieser aurisch-astralischen Wolke die mannigfaltigsten Gebilde und Einschlüsse; und da der Mensch in seinem Seelenleben fortwährend diese oder jene Gedanken aufsteigen und abwogen läßt, so kann man diese Wolke in jedem Augenblick in bezug auf Farbe und Form als etwas anderes abbilden, wenn auch ein gewisser Grundcharakter, sagen wir eine gewisse Grundfarbe in der astralischen Aura eines jeden Menschen erhalten bleibt, die seinem mehr oder weniger dauernden Charakterzug entspricht. So haben wir schon in dem astralischen Leib des Menschen das sich Verwandelnde darinnen. Gestern ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß dieselben Wesenheiten, die dem Menschen zunächst entgegentreten, wenn er das astralische Gebiet als ein Erschaubares erlebt, dann, wenn er in die Erleuchtung vorrückt und ihm das Astralische erkennbar wird, ihm entgegentreten können, je nach seiner eigenen Vorbereitung, als gute und als böse. So stark ist die Verwandlungsfähigkeit dessen, was für das Schauen nicht heruntersteigt bis zum physischen Plan, sondern bleibt in denRegionen der höheren Welten und nur bis zum astralischen Plane heruntersteigt, sich verwandeln kann von dem Guten in das Böse, von dem Lichten in das Finstere. Also wir haben Metamorphose, Verwandlungsfähigkeit als Charakteristikum in dieser Welt.
[ 3 ] For the observer of the astral world, what stands out above all else is that—just as the processes of coming into being and passing away are central to the physical world—the defining characteristic of this astral world is its capacity for transformation, its metamorphosis. And here, what I am about to say connects with a point that was already made yesterday and that will occupy us in ever more concrete ways in the most diverse of ways. In the astral world, we are dealing with fluid forms—forms that transform into one another in such a way that they can be one thing one moment and another the next. Even the human astral body—which is, after all, the aspect of the astral world closest to us—surrounds and swirls around the physical body like a kind of aura—visible to the clairvoyant—and possesses the characteristic of a constant capacity for transformation. At almost every moment, what envelops and permeates the human being as an astral-auric cloud is different, depending on whether the person develops higher or lower impulses within themselves, experiences wilder, more tempestuous, or calmer passions, or harbors this or that thought. Depending on whether the person has this or that impulse of will, the most diverse formations and inclusions appear in this astral-auric cloud; and since a person continually allows this or that thought to arise and subside in their soul life, this cloud can be depicted at every moment as something different in terms of color and form, even though a certain basic character—let us say a certain basic color—in the astral aura of every person remains, corresponding to their more or less enduring character trait. Thus, we already find within the human astral body that which is in a state of transformation. Yesterday it was pointed out that the same beings who first appear to a person when they experience the astral realm as something visible can then, as they advance toward enlightenment and the astral becomes discernible to them, appear to them—depending on their own preparation—as either good or evil. So great is the capacity for transformation of that which does not descend to the physical plane for the beholder, but remains in the regions of the higher worlds and descends only as far as the astral plane—it can transform from good to evil, from light to darkness. Thus, we have metamorphosis, the capacity for transformation, as a characteristic of this world.
[ 4 ] In der eigentlich geistigen Welt tritt uns eine, wenn auch nur relative Dauer entgegen, ein Bleiben. Daher muß zum Beispiel des Menschen innerste Wesenheit, wenn sie sich erhalten will, wenn sie dauern will von einer Inkarnation zur anderen, durchgehen durch die geistige Welt, weil nur diese Welt die Eigentümlichkeit der, wenn auch nicht ewigen, so doch in gewisser Beziehung relativen Dauer hat.
[ 4 ] In the true spiritual world, we encounter a form of permanence—albeit only relative—a continuity. Therefore, for example, the innermost essence of a human being, if it wishes to preserve itself, if it wishes to endure from one incarnation to the next, must pass through the spiritual world, because only this world possesses the characteristic of duration—which, while not eternal, is nonetheless relative in a certain sense.
[ 5 ] Entstehen und Vergehen ist also hauptsächlichste Eigentümlichkeit der physischen Welt;. Verwandlung von einer Form in die andere ist eine Eigentümlichkeit der astralischen Welt; Dauer ist eine Eigentümlichkeit der geistigen Welt. Zunächst müssen wir uns klar sein, daß die Materialien zum Aufbau des Menschen aus diesen Welten entnommen sind, daß der Mensch aus diesen Welten herausgebaut ist. Die physische Welt liegt ihm zunächst vor; in die anderen Welten arbeitet er sich durch die sogenannte Einweihung oder Initiation, das heißt durch die Vorbereitung. und Entwickelung zum übersinnlichen Schauen hinauf. Da lernt er erst das kennen, was sich ihm entzieht in der gewöhnlichen Welt, was aber ebenso vorhanden ist wie diese gewöhnliche Welt.
[ 5 ] Coming into being and passing away are thus the most fundamental characteristics of the physical world; transformation from one form to another is a characteristic of the astral world; permanence is a characteristic of the spiritual world. First of all, we must be clear that the materials used to construct the human being are drawn from these worlds, that the human being is built from these worlds. The physical world is initially before him; he works his way up into the other worlds through what is called “initiation,” that is, through preparation and development toward supersensory perception. Only then does he come to know what is hidden from him in the ordinary world, yet which exists just as much as that ordinary world.
[ 6 ] Nun müssen wir uns bekannt machen mit noch etwas anderem. Wir haben gesagt, daß uns zum Beispiel im Element des Feuers oder der Wärme auf einer gewissen Stufe der Entwickelung Lebendiges entgegentritt, etwas das Feuer Durchlebendes, oder in bezug auf die Luft etwas die Luft Durchlebendes. Für das gewöhnliche Leben ist nun die Sache so, daß jedesmal, wenn eine äußere Umhüllung, ein äußeres Kleid, ein Ausdruck auftritt für irgendeine Wesenheit, diese selbst für den Menschen sich in eine höhere Welt zurückzieht. Der Mensch lernt in der physischen Welt das physische Feuer kennen. Weil er das physische Feuer, den Ausdruck gewisser geistiger Wesenheiten, die im Feuer walten, in der physischen Welt kennenlernt, so muß er, um diese Wesenheiten selbst kennenzulernen, von der physischen zu höheren Welten aufsteigen. Niemals findet man in derselben Welt diejenigen Wesenheiten, bei denen der Ursprung und Urquell einer Erscheinung für eine andere Welt ist. Dasjenige, was Ursache und Urquell des Feuers zum Beispiel ist, kann man erst finden, wenn man von der physischen Welt zur nächsthöheren aufsteigt, weil die betreffenden Wesenheiten in die niedere Welt hinuntersenden ihren Ausdruck und ihre Wesenheit selbst zurückbehalten in der höheren Welt. Das gilt nun nicht nur für die Erscheinungen, die uns sozusagen auf dem äußeren Teppich der physischen Welt entgegentreten. Die Geister des Feuers, die Geister der Luft, des Wassers, der Erde, sie verhüllen sich für die physische Welt und sind in den höheren Welten, weil sie ihre Ausdrücke in die physische hinuntersenden. Das gilt aber nicht nur für dasjenige, was uns entgegentritt außer uns, sondern für alles dasjenige, was in uns selber zunächst in der physischen Welt lebt. In dieser leben ja für uns nicht nur die Erscheinungen der Außenwelt, nicht nur die buntfarbige und tonreiche, die gerucherfüllte, geschmackerfüllte Welt, sondern da leben zunächst für uns auch unsere Gefühle, unsere Empfindungen und Gedanken. Alles, was der Mensch hier in dieser Verkörperung, in der Inkarnation ist, lebt in der physischen Welt, was es auch immer ist. Dessen müssen wir uns klar sein. So daß also auch jedes Gefühl, das wir zwischen der Geburt und dem Tode erleben, jeder Gedanke, den wir fassen, jede Idee und so weiter eine Erscheinung der physischen Welt ist. Und ebenso wie hinter den äußeren Erscheinungen, den Farben, Tönen, Gerüchen und so weiter, oder wie wir sagen in der Geisteswissenschaft, dem Feuer, derLuft, dem Wasser und so weiter göttlich-geistige Wesenheiten dahinter stehen, ebenso leben göttlich-geistige Wesenheiten hinter unseren Empfindungen, unseren Gefühlen, unserer ganzen Seelenwelt. Unsere ganze Seelenwelt hat göttlich-geistige Wesenheiten hinter sich. Und das, was wir gewöhnlich als unser Ich, als unser Selbst erleben innerhalb der physischen Welt, das ist noch nicht unser wahres Selbst, das ist noch nicht dasjenige, was wir unser höheres Selbst nennen. Unser höheres Selbst steht in einer übersinnlichen Welt, es lebt hinter unseren Gefühlen und Empfindungen. Daher wird im wahren Sinne dieses höhere Selbst erst erlebt durch die Entwickelung in die übersinnlichen Welten hinauf. Da zeigt es sich noch in ganz anderer Gestalt als in der physischen Welt.
[ 6 ] Now we must familiarize ourselves with something else. We have said that, for example, in the element of fire or heat, at a certain stage of development, we encounter something living—something that lives through the fire—or, with regard to air, something that lives through the air. In ordinary life, the situation is such that every time an outer covering, an outer garment, or an expression appears for a certain being, that being itself withdraws into a higher world from human perception. In the physical world, a person comes to know physical fire. Because they come to know physical fire—the expression of certain spiritual beings that reign within the fire—in the physical world, they must ascend from the physical world to higher worlds in order to come to know these beings themselves. One never finds in the same world those entities whose origin and source of a phenomenon lie in another world. That which is the cause and source of fire, for example, can only be found by ascending from the physical world to the next higher one, because the entities in question send their expression down into the lower world while retaining their very essence in the higher world. This applies not only to the phenomena that, so to speak, confront us on the outer surface of the physical world. The spirits of fire, the spirits of air, water, and earth—they conceal themselves from the physical world and dwell in the higher worlds because they send their expressions down into the physical world. But this applies not only to what confronts us outside of ourselves, but to everything that lives within us first and foremost in the physical world. For us, this world is inhabited not only by the phenomena of the external world—not only by the world rich in colors and sounds, filled with smells and tastes—but it is also where our feelings, our sensations, and our thoughts first and foremost live. Everything that a human being is here in this embodiment, in this incarnation, lives in the physical world, whatever it may be. We must be clear about this. Thus, every feeling we experience between birth and death, every thought we form, every idea, and so on, is a manifestation of the physical world. And just as behind the outer phenomena—colors, sounds, smells, and so on—or, as we say in spiritual science, behind fire, air, water, and so on, there are divine-spiritual beings, so too do divine-spiritual beings exist behind our sensations, our feelings, and our entire soul life. Our entire soul world has divine-spiritual beings behind it. And what we usually experience as our “I,” as our “self,” within the physical world—that is not yet our true self; that is not yet what we call our higher self. Our higher self exists in a supersensible world; it lives behind our feelings and sensations. Therefore, in the true sense, this higher self is only experienced through development into the supersensible worlds. There it reveals itself in a form quite different from that in the physical world.
[ 7 ] An einem besonderen Beispiele möchte ich Ihnen anführen, wie sich dieses in der physischen Welt lebende Selbst des Menschen verhält zu seinem höheren Selbst, und zwar möchte ich es Ihnen anführen für unsere heutigen Verhältnisse, denn derjenige, der in die geistigen Welten kineinschaut, weiß, daß sich diese Dinge im Laufe der Zeiten ändern. Derjenige, der zum Beispiel einem anderen Menschen ein Unrecht zugefügt hat, der kann in sich selber das erleben, was man Gewissensbisse nennt. Man kommt da auf jene eigentümlichen Seelenerlebnisse, die man gewöhnlich zusammenfaßt unter dem Wort Gewissen, Sie wissen alle, daß man im gewöhnlichen Leben mit diesem Worte Gewissen bezeichnet eine Art innerer Stimme, welche den Menschen treibt, von ihm begangenes Unrecht wieder gutzumachen. Die meisten Menschen werden in ihrem ganzen Leben wenig dazu kommen, darüber nachzudenken, was das Wesen dieses Gewissens ist; sie bleiben eben dabei stehen, sich zu sagen: Gewissen ist etwas, das man fühlt. Ein inneres Gefühl hat man, daß man begangenes Unrecht wieder gutmachen muß; es quält einen in der Seele, wenn man solches Unrecht nicht gutgemacht hat. Das Gewissen ist zunächst für den Menschen in der physischen Welt ein inneresErlebnis, ein Seelenerlebnis. Fragen Sie nun den Geistesforscher, wie es sich damit verhält, dann muß dieser folgende Beobachtung anstellen: er muß den Betreffenden, der ein Unrecht begangen hat, beobachten in bezug auf sein Leben in der astralischen Welt. Derjenige nun, der für sich selbst innerlich Gewissensbisse erlebt, der ist für den Geistesforscher umringt von merkwürdigen astralen Gestalten, die sonst nicht da sind, wenn nicht Gewissensbisse in der Seele leben. Alles das, was sozusagen im Gewissen rumort und von der Seele, die in der physischen Welt lebt, nur gefühlt wird, das zeigt sich der geistigen Beobachtung wie gewisse Gestalten, die den Menschen umschwirren, die in seiner Umwelt leben. Und wenn wir uns fragen: Wie zeigt sich für die Geistesforschung das Entstehen dieser Gestalten, dann bietet sich folgendes: Nehmen wir an, jemand hat solch ein Unrecht begangen, dann bilden sich aus den Gedanken, die das Unrecht herbeigeführt haben, andere Gedankenformen, die Metamorphosen der ersten sind. Alles das, was der Mensch denkt, empfindet und fühlt, lebt ja in seiner astralischen Aura als eine Form, als eine Gedanken- oder Empfindungs- oder Gefühlsform. Man kann einen Gedanken, der — sagen wir klar ist, in einer scharf umrissenen Gedankenform, wie umschwebend den Menschen, abbilden; ebenso einen wilden, einen wüsten Gedanken, diese oder jene Leidenschaft durch verworrene Formen. Das sind alles Gestalten, die den Menschen umgeben. Während nun der Mensch ein Unrecht begeht an einem anderen, denkt und empfindet er dies oder jenes. Diese Gedanken- oder Empfindungsformen treten dann aus ihm heraus, sind in der Umgebung; aber sie bleiben nicht bloß Gedankenformen, das ist das Wesentliche und Wichtige. Sie bleiben nicht etwas, was sich vom Menschen abgesondert hat, sondern sie finden Nahrung aus gewissen Welten. Es brausen gleichsam, wie der Wind in einen Hohl“raum, der sich ihm darbietet, hineinbraust, in diese Gedankenformen, die ausgeschieden werden durch die Gewissensbisse, gewisse Wesenheiten aus ganz bestimmten Welten -— wir werden darüber noch sprechen — hinein, und die eigenen Gedankenformen des Menschen sind dann ausgefüllt mit einer Wesenssubstanz aus diesen Welten. Der Mensch hat Veranlassung gegeben durch seine Gedankenformen dazu, daß in seiner Umgebung nun andere Wesenheiten leben. Diese Wesenheiten sind in Wahrheit das Quälende der Gewissensbisse. Wären sie nicht da, so quälten dieGewissensbisse nicht. Erst in dem Moment, wo derMensch unbewußt diese Wesenheiten fühlt, beginnt das Nagende und Zehrende des schlechten Gewissens.
[ 7 ] I would like to use a specific example to illustrate how a person’s physical self—which lives in the physical world—relates to their higher self, and I would like to apply this to our current circumstances, for anyone who looks into the spiritual worlds knows that these things change over time. For example, someone who has wronged another person may experience within themselves what is called a pang of conscience. This brings us to those peculiar soul experiences that are usually summarized under the term “conscience.” You all know that in everyday life, the word “conscience” refers to a kind of inner voice that drives a person to make amends for the wrong they have committed. Most people will rarely take the time in their entire lives to reflect on the nature of this conscience; they simply stop at telling themselves: Conscience is something one feels. One has an inner feeling that one must make amends for wrongs committed; it torments one’s soul if such wrongs have not been rectified. For human beings in the physical world, the conscience is, first and foremost, an inner experience, an experience of the soul. If you ask a spiritual researcher how this works, they must make the following observation: they must observe the person who has committed a wrong in relation to their life in the astral world. Now, the person who experiences inner pangs of conscience is, to the spiritual researcher, surrounded by strange astral figures that are not otherwise present unless pangs of conscience dwell in the soul. Everything that, so to speak, stirs within the conscience—and is merely sensed by the soul living in the physical world—manifests to spiritual observation as certain figures that swarm around the person and inhabit their environment. And when we ask ourselves: How does the emergence of these figures manifest itself from the perspective of spiritual research? The following explanation presents itself: Let us assume that someone has committed such a wrong; then, from the thoughts that brought about the wrong, other thought-forms are formed—metamorphoses of the first. Everything a person thinks, senses, and feels lives, after all, in their astral aura as a form—a form of thought, sensation, or emotion. One can visualize a thought that is—let’s say—clear as a sharply defined thought form, as if hovering around the person; likewise, a wild or frenzied thought, or this or that passion, through tangled forms. These are all forms that surround the human being. Now, when a person commits an injustice against another, he thinks and feels this or that. These thought- or feeling-forms then emerge from him and are present in the surroundings; but they do not remain mere thought-forms—this is the essential and important point. They do not remain something that has been separated from the human being, but rather they draw nourishment from certain worlds. Just as the wind rushes into a hollow space that presents itself to it, so do certain beings from very specific worlds—we will speak of this later—rush into these thought-forms that are expelled through pangs of conscience, and the person’s own thought-forms are then filled with a substantial essence from these worlds. Through his thought-forms, the human being has given rise to the presence of other entities in his environment. These entities are, in truth, the source of the torment of remorse. If they were not there, remorse would not torment him. Only at the moment when the human being unconsciously senses these entities does the gnawing and consuming nature of a guilty conscience begin.
[ 8 ] Sie können nun an diesem Beispiele sehen, daß für die geistige Beobachtung eine ganz andere Realität vorliegt als für die nicht geistige. Für die letztere ist das Gewissen nur ein inneres Erlebnis; für die geistige Beobachtung ist das Gewissen eine Summe von Wesenheiten, die den Menschen umgibt, eine geistig-astralische Realität um ihn herum. Warum nun sieht der Mensch diejenigen Wesenheiten, die ich Ihnen eben beschrieben habe — die dadurch entstehen, daß sich gewisse geistige Wesenheiten mit seinen eigenen Gedanken umhüllen wie mit Häuten, wie mit Bälgen —, im gewöhnlichen Leben nicht? Gerade aus demselben Grunde, warum er zum Beispiel Geister des Feuers nicht sieht. Er sieht in der physischen Welt das physische Feuer; hinter dem physischen Feuer verbirgt sich das, was geistig ist im Feuer; und er muß erst durch das Feuer hindurchschauen in höhere Welten hinauf, wenn er das Geistige im Feuer sehen will. Ebenso muß der Mensch geistig durch das Gewissen durchschauen, wenn er Geister des Gewissens kennenlernen will, wenn er Bekanntschaft machen will mit den quälenden, auf dem astralischen Plane zunächst lebenden Wesenheiten, die auf diejenige Weise entstanden sind, die ich Ihnen beschrieben habe.
[ 8 ] You can now see from this example that spiritual observation deals with a reality quite different from that of non-spiritual observation. For the latter, conscience is merely an inner experience; for spiritual observation, conscience is a sum of entities surrounding the human being—a spiritual-astral reality around him. Why, then, does a person not see in ordinary life those entities I have just described to you—which arise when certain spiritual entities envelop themselves in his own thoughts as if in skins, as if in bellows? Precisely for the same reason that, for example, they do not see spirits of fire. In the physical world, they see physical fire; hidden behind the physical fire is what is spiritual in fire; and they must first look through the fire and up into higher worlds if they wish to see the spiritual in fire. Likewise, a person must look through the conscience spiritually if they wish to become acquainted with spirits of the conscience, if they wish to make the acquaintance of those tormenting beings who initially dwell on the astral plane and who came into being in the manner I have described to you.
[ 9 ] Nun könnten diejenigen, welche Tatsachen, die in den verschiedensten Vorträgen und Vortragszyklen erwähnt worden sind, zusammenhalten, hier einen Schluß ziehen, den ich nun gleich selber ziehen will. Sie wissen ja, daß das menschliche Seelenleben sich im Laufe langer Zeiträume geändert hat. Alle kennen Sie diese Tatsache aus meinen verschiedensten Vorträgen. Sie wissen, daß wenn wir heute dasjenige, was wir menschliches Bewußtsein nennen, beschreiben, etwas anderes herauskommt als das Bewußtsein, sagen wir, zum Beispiel bei den alten Indern in der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit; daß anders war dieses Bewußtsein namentlich in der atlantischen Zeit. Sie wissen alle, daß das menschliche Bewußtsein sich von einem dumpfen, ursprünglichen Hellsehen hindurchentwickelt hat zum heutigen klaren, tagwachen Bewußtsein für die physische Welt. Je weiter wir zurückgehen in der Entwickelung, desto mehr finden wir, daß die Menschen ein ursprüngliches Hellsehen, ein gewisses primitives Hellsehen hatten. Wir brauchen gar nicht weit zurückzugehen, verhältnismäßig nur wenige Jahrtausende, da finden wir noch zahlreiche Völker, welche nicht etwa bloß das physische Feuer sahen, sondern imstande waren, durch dieses physische Feuer hindurch zu den Elementengeistern des Feuers zu schauen. Das hat sich nach und nach entwickelt im menschlichen Bewußtsein, daß gleichsam eine höhere Welt sich zurückgezogen hat vor dem Menschen, und dieser beschränkt worden ist auf die physische Welt. Das gilt aber eben nicht bloß für die äußere Welt, für den Teppich der Sinnenwelt, der um uns herum ausgebreitet ist, sondern auch für das im Physischen sich offenbarende menschliche Seelenleben. Nun können Sie den Schluß ziehen: Wenn du uns eine solche Erscheinung nennst, wie das Gewissen es ist, und behauptest, daß der heutige Geistesforscher für das, was man dasGewissen nennt, um den Menschen herum astralisch-geistige Gestalten erlebt, so müßten ja die Vorfahren der heutigen Menschen diese astralisch-geistigen Gestalten gesehen haben; sie waren ja hellseherisch, müßten also auch das gesehen haben, was heute der Geistesforscher erbildet. - Nun, ebenso wie das Feuer die Geister des Feuers verdeckt, ebenso verdeckt das menschliche Gewissen — diese innere Stimme, wie wir sie nennen — zunächst die Welt, die ich eben beschrieben habe, die Welt der quälenden und nagenden Gewissensgeister. Also müßte in der Vorzeit gesehen worden sein von den Menschen dasjenige, was ich eben beschrieben habe als eine astralische Erscheinung. Aber die Bedingung dazu wäre gewesen, daß die Menschen dazumal noch nicht das innerliche Gewissen gehabt hätten, daß das noch nicht entwickelt gewesen wäre, daß also dasjenige, was wir heute die Seelenerscheinung des Gewissens nennen, einmal bei unseren Vorfahren nicht da gewesen wäre, daß dafür aber unsere Vorfahren gesehen hätten, was heute nur der Geistesforscher in der astralischen Umhüllung erblickt, während heute für die Menschen, da sie die innere Stimme des Gewissens empfinden, durch diese innere Stimme verdeckt werden die äußeren Geister — sagen wir des Gewissens.
[ 9 ] Now, those who have been following the facts mentioned in my various lectures and lecture series might draw a conclusion here—one that I myself will now draw. As you know, human spiritual life has changed over the course of long periods of time. You are all familiar with this fact from my various lectures. You know that when we describe today what we call human consciousness, the result is something different from the consciousness, say, for example, of the ancient Indians in the first cultural epoch of the post-Atlantean era; that this consciousness was different, particularly in the Atlantean era. You all know that human consciousness has evolved from a dull, primordial clairvoyance into today’s clear, waking consciousness of the physical world. The further back we go in evolution, the more we find that people possessed a primordial clairvoyance, a certain primitive form of clairvoyance. We need not go back very far—only a relatively small number of millennia—to find numerous peoples who did not merely see physical fire, but were able to look through this physical fire to the elemental spirits of fire. Gradually, the realization has developed in human consciousness that, as it were, a higher world has withdrawn from humanity, and that humanity has been restricted to the physical world. But this applies not only to the external world—to the tapestry of the sensory world spread out around us—but also to the life of the human soul as it manifests in the physical realm. Now you can draw the conclusion: If you name a phenomenon such as conscience and claim that today’s spiritual researchers perceive astral-spiritual forms around human beings in connection with what is called conscience, then the ancestors of today’s human beings must have seen these astral-spiritual forms; since they were clairvoyant, they must also have seen what today’s spiritual researchers perceive. - Well, just as fire conceals the spirits of fire, so too does the human conscience—that inner voice, as we call it—initially conceal the world I have just described, the world of the tormenting and gnawing spirits of conscience. Thus, in ancient times, people must have seen what I have just described as an astral phenomenon. But the condition for this would have been that people back then had not yet possessed an inner conscience, that it had not yet developed—that is, what we today call the soul phenomenon of conscience would not have existed among our ancestors; instead, our ancestors would have seen what today only the spiritual researcher perceives in the astral sheath, whereas today, since people perceive the inner voice of conscience, this inner voice conceals from them the outer spirits—let us say, the spirits of conscience.
[ 10 ] Ich habe absichtlich dieses Beispiel angeführt, weil an ihm die Bekräftigung der Sache wie mit Händen zu greifen ist. Man kann ganz genau auf den Zeitpunkt hinweisen, äußerlich historisch hinweisen, in dem der Übergang stattgefunden hat von dem Schauen der äußeren Gewissensgeister durch die Menschen zu der Erweckung der inneren Stimme des Gewissens. Sie brauchen nämlich nur einmal denkerisch sich zu betrachten die Orestie des Aschylos und brauchen diese zu vergleichen mit demselben Stoffe bei dem nur kurze Zeit danach lebenden griechischen Tragiker Euripides. Da haben Sie bei einem Übergang im Verlauf von wenigen Jahrzehnten von Äschylos bis Euripides herauf die Erfüllung und Bestätigung dessen, was ich Ihnen erzählt habe. Sehen Sie sich den Orest des Äschylos an; führen Sie sich vor die Seele, was da ungefähr geschieht! Agamemnon kehrt heim nach dem Kriege. Er wird ermordet von seinem ehebrecherischen Weibe. Der Sohn Orest, der abwesend ist, kommt heim und nimmt Rache an der Mutter. Er nimmt Rache für den Tod des Vaters, weil sogar die Stimme eines der verehrten Götter selbst ihn zu dieser Sache auffordert; er nimmt Rache im Einklang sogar mit dem damaligen Volksgefühl. Das Volk sagt eben, es ist richtig, daß er so gehandelt hat, er hat nur etwas Gerechtes ausgeführt. Er aber, er sieht als eine Folge des Muttermordes an sich herankommen die Erinnyen, die Rachegöttinnen. Nichts anderes sind die Erinnyen, die Rachegöttinnen der Mythologie, als die bildliche Ausgestaltung dessen, was ich Ihnen eben beschrieben habe als Tatsache der geistigen Beobachtung. Und versuchen Sie jetzt zu prüfen in diesem älteren Drama, ob da irgend etwas vorkommt, was Sie bezeichnen können mit dem modernen Wort Gewissen; nicht einmal ein Wort ist in der älteren Zeit vorhanden für das, was wir mit dem Namen Gewissen bezeichnen, und zwar, wie die Forscher beweisen können, in keiner Sprache des Altertums ist ein Wort dafür vorhanden. Vergleichen Sie jetzt aber dieselbe Sache bei demjenigen Dichter, der denselben Stoff um einige Jahrzehnte später behandelt hat, bei Euripides. Da haben Sie nichts mehr von den Furien, von den Erinnyen; da haben Sie schon den Menschen, der die innere Stimme des Gewissens vernimmt. In der Zwischenzeit — das läßt sich mit Händen greifen — geschieht die Entwickelung des Gewissens. Vorher war im wesentlichen im Verlaufe der Menschheitsentwickelung die hellseherische Beobachtung so stark, daß die Menschen die Empfindung nach einer begangenen schlechten Tat ganz anders hatten als später. Was empfand ein Mensch der älteren Zeit, wenn er eine schlechte Tat begangen hatte? Das hellseherische Auge war noch geweckt; er sah das, was ich beschrieben habe, in seiner Umgebung - in Griechenland nannte man es die Erinnyen. Und was entstand jetzt in seinem Inneren für eine Empfindung, da er dieses Gesicht der Erinnyen fortwährend vor sich hatte? Es entstand eine Empfindung, die ganz entsprechend den Eigentümlichkeiten der astralischen Welt war, die Empfindung: umzuwandeln, zu metamorphosieren die Gestalten, die er da um sich herum hatte. In der astralischen Welt herrscht Verwandlungsfähigkeit. Wenn der Mensch ausgelöscht hat die schlechte Tat, sie in eine gute verwandelt hat, dann verwandeln sich die Erinnyen der Mythologie in die wohlwollenden Eumeniden. Hier haben Sie Verwandlungsfähigkeit. Da war es also etwas, was der Mensch so erlebte, daß er sich sagte: Ich habe eine schlechte Tat begangen; furchtbar ist dasjenige, was sichtbar ist in der astralischen Welt; das muß umgewandelt werden; ich muß dasjenige tun, was die Metamorphose herbeiführt. Es war eine Korrespondenz des menschlichen Handelns mit demjenigen, was in der Umgebung war. Von dem, was innere Stimme des Gewissens ist, war noch nichts da.
[ 10 ] I deliberately cited this example because it makes the point so clear it’s as if you could touch it with your own hands. One can pinpoint the exact moment—historically speaking—when the transition took place from people’s perception of the external spirits of conscience to the awakening of the inner voice of conscience. For you need only reflect on Aeschylus’s Oresteia and compare it with the same subject matter as treated by the Greek tragedian Euripides, who lived only a short time afterward. There, in a transition spanning just a few decades from Aeschylus to Euripides, you will find the fulfillment and confirmation of what I have told you. Consider Aeschylus’s Oresteia; bring to mind what roughly takes place there! Agamemnon returns home after the war. He is murdered by his adulterous wife. His son Orestes, who had been away, returns home and takes revenge on his mother. He avenges his father’s death because even the voice of one of the revered gods himself urges him to do so; he takes revenge in accordance with the prevailing public sentiment of the time. The people say, in fact, that it is right that he acted this way; he has merely carried out what is just. He, however, sees the Erinyes—the goddesses of vengeance—approaching him as a consequence of the matricide. The Erinyes, the goddesses of vengeance in mythology, are nothing other than the figurative embodiment of what I have just described to you as a fact of spiritual observation. And now try to examine this older drama to see if there is anything in it that you could describe with the modern word “conscience”; not even a single word existed in earlier times for what we call “conscience”—and, as researchers can demonstrate, there is no word for it in any language of antiquity. But now compare the same subject in the work of the poet who dealt with the same material a few decades later—Euripides. There you no longer find the Furies or the Erinyes; there you already find the human being who hears the inner voice of conscience. In the meantime—and this is plain to see—the development of conscience takes place. Previously, throughout the course of human evolution, clairvoyant perception was so strong that people experienced the feeling of having committed a wrong deed quite differently than they did later. What did a person in earlier times feel when he had committed a wrong deed? The clairvoyant eye was still awake; he saw what I have described in his surroundings—in Greece they called them the Erinyes. And what kind of feeling arose within them now, since they constantly had this vision of the Erinyes before them? A feeling arose that was entirely in keeping with the characteristics of the astral world—the feeling of transforming, of metamorphosing, the figures they saw around them. The astral world is characterized by the capacity for transformation. When a person has atoned for a bad deed and transformed it into a good one, then the Erinyes of mythology are transformed into the benevolent Eumenides. Here you have the capacity for transformation. So there was something that a person experienced in such a way that he said to himself: I have committed a bad deed; what is visible in the astral world is terrible; this must be transformed; I must do what brings about the metamorphosis. It was a correspondence between human action and what was in the surroundings. There was still nothing there of what constitutes the inner voice of conscience.
[ 11 ] Alles in der Welt, auch das innere Seelenleben, entwickelt sich. So hat sich auch das entwickelt, was wir Gewissen nennen. Und derjenige würde fehlgehen, der etwa Jahrtausende zurückgehen würde und das, was heute in derSeele lebt als eine selbstverständlicheErscheinung, auch in den älteren Zeiten suchen würde. Und sogar das ist der Fall, daß sich auf dem betreffenden Gebiete, wo das geschehen soll, dieDinge ziemlich rasch ändern. Wie die Pflanze von Blatt zu Blatt wächst und dann wie im Sprunge zur Blüte übergeht, so ist es in der geistigen Entwickelung. Das törichte Wort, die Natur mache keine Sprünge, ist Unwahrheit; die Natur macht fortwährend Sprünge. An den entscheidenden Punkten geschehen fortwährend die Sprünge. Wie vom grünen Laubblatt zur Blüte ein Sprung in der Pflanze ist, so können wir im geistigen Leben auch solche Sprünge beobachten: durch Jahrhunderte, durch Jahrtausende hindurch entwickeln sich die Dinge langsam und allmählich; dann aber geht es so rasch wie es mit dem Gewissen gegangen ist hier in der Zeit, die hineinfällt in das fünfte Jahrhundert vor Christus, so daß ein früherer Tragiker noch nichts hineinmischt in sein Drama vom Gewissen, während der einige Jahrzehnte nach ihm kommende es hineinmischt zum ersten Male und dann auch ein Wort hat für das, was wir heute als Gewissen bezeichnen. Damit ist nun wiederum verknüpft, daß gerade die hellseherische Beobachtung der Gewissensgeister, der Erinnyen, für den Menschen verschwindet. Diese geistigen Wesenheiten sind solche, daß sich vor sie hinstellt unser inneres Erlebnis des Gewissens, wie sich vor die Geister des Feuers der äußere Ausdruck des Feuers hinstellt.
[ 11 ] Everything in the world, including the inner life of the soul, evolves. So, too, has that which we call conscience evolved. And anyone who were to go back millennia and seek, in earlier times, what today lives in the soul as a natural phenomenon would be mistaken. And it is even the case that, in the specific area where this is to take place, things change quite rapidly. Just as a plant grows from leaf to leaf and then, as if in a leap, transitions to flowering, so it is in spiritual development. The foolish saying that nature makes no leaps is untrue; nature is constantly making leaps. At decisive points, leaps occur continuously. Just as there is a leap in the plant from the green leaf to the flower, so too can we observe such leaps in spiritual life: over centuries, over millennia, things develop slowly and gradually; but then it happens as rapidly as it did with conscience here in the period falling within the fifth century B.C., so that an earlier tragedian does not yet incorporate anything into his drama of conscience, whereas the one coming a few decades after him incorporates it for the first time and then also has a word for what we today call conscience. Linked to this, in turn, is the fact that it is precisely the clairvoyant observation of the spirits of conscience—the Erinyes—that disappears for human beings. These spiritual beings are such that our inner experience of conscience stands before them, just as the outer expression of fire stands before the spirits of fire.
[ 12 ] So sieht man, daß man sozusagen nach zwei Richtungen hin bis an ein Ufer des Erlebens kommt in der physischen Welt. Die eine der Richtungen ist die: wenn wir den Teppich der Sinnenwelt betrachten um uns herum und die Erscheinungen der Farben- und Formenwelt draußen, da kommen wir an die Grenze, an welcher, wir können sagen, die äußeren Geisterwesen. Aber auch, wenn wir in unser Inneres hineingehen, wenn wir die Erscheinungen des Gewissens, des Gedächtnisses, des Gefühls- und Willens-, des Gedankenlebens betrachten, da müssen wir auch in diesen Erscheinungen zunächst etwas ganz ähnliches Innerliches betrachten, so wie wir Feuer, Luft, Wasser, Erde betrachten. Diese Dinge stellen sich hin und verdecken das, was geistig hinter ihnen ist. Als das Gewissen sich geltend machte wie eine Stimme in der menschlichen Seele, wie ein inneres Erlebnis in der physischen Welt, da stellte es sich vor die Welt der Erinnyen, der Furien hin und verdeckte sie für die menschliche Beobachtung. Erst dann, wenn man das geschichtliche Leben der Menschheit von diesem innerlichen Gesichtspunkte aus betrachtet, wird es erklärlich. Nichts verstehen die Menschen von demjenigen, was geschehen ist, wenn sie nicht an der Hand der geistigen Tatsachen das Werden, die Entwickelung betrachten können. Wir haben also geistige Wesenheiten sozusagen, die hinter dem Rot und Blau, hinter dem Ton, hinter dem äußeren Geruch und so weiter sind, die draußen in der Welt leben, die uns umgeben, und die wie durch einen Schleier verhüllt werden durch dasjenige, was wir sehen und hören und durch den Verstand begreifen. Wir haben aber auch solche Wesenheiten, die hinter dem liegen, was wir Seelen- und Gemütsleben nennen. Da ist nun die Frage berechtigt: wie verhalten sich diese zwei geistigen Reiche zueinander?
[ 12 ] Thus we see that, so to speak, we arrive at a shore of experience in the physical world by following two paths. One of these directions is this: when we look at the tapestry of the sensory world around us and the phenomena of the world of colors and forms outside, we reach the boundary where, we might say, the outer spiritual beings begin. But even when we turn inward, when we observe the phenomena of conscience, memory, and the life of feeling, will, and thought, we must first observe something quite similar within these phenomena—just as we observe fire, air, water, and earth. These things stand in the way and obscure what lies spiritually behind them. When conscience asserted itself as a voice in the human soul, as an inner experience in the physical world, it stood before the world of the Erinyes, the Furies, and concealed them from human observation. Only when one views the historical life of humanity from this inner perspective does it become understandable. People understand nothing of what has happened unless they can observe the process of becoming and development in the light of spiritual facts. So we have, so to speak, spiritual beings that lie behind the red and blue, behind sound, behind external smells, and so on—beings that live out there in the world that surrounds us and that are veiled, as it were, by what we see and hear and comprehend through our intellect. But we also have such beings that lie behind what we call the life of the soul and the life of the mind. The question is therefore justified: How do these two spiritual realms relate to one another?
[ 13 ] Wenn wir das verstehen wollen, müssen wir uns wiederum einiges von dem vor die Seele führen, was Ihnen ja bekannt ist. Sie wissen alle, daß die Gliederung der menschlichen Natur in vier Glieder, in den physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib und das Ich zerfällt, und daß diese Viergliedrigkeit der menschlichen Natur zurückzuführen ist auf die ganze Entstehung, auf das ganze Werden des Menschen. Wir wissen, daß der Mensch, wenn wir ihn als Ganzes betrachten, seinen Anfang nicht erst auf derErde genommen hat, sondern daß dieser Erde andere Verkörperungen vorangegangen sind. Wir blicken zurück von der Erde auf eine vorhergehende Verkörperung derselben, die wir den alten Mond nennen; wir blicken weiter zurück auf eine noch frühere Verkörperung der Erde, auf die alte Sonne, und noch weiter zurück auf den alten Saturn. Wir sagen: bevor unsere Erde entstanden ist, gab es in der Welt eine uralte planetarische Gestaltung, die wir den alten Saturn nennen. Dazumal entstand auf diesem die allererste Anlage unseres heutigen physischen Körpers; auf der alten Sonne kam hinzu der Atherleib und auf dem alten Monde der astralische Leib. Erst auf der Erde gliederte sich dieser vorher dreigliederigen Menschennatur ein das Ich, so daß wir den Keim zu unserem physischen Leib dem alten Saturn, den Keim zu unserem Ächerleib der alten Sonne, den Keim zu unserem astralischen Leibe dem alten Monde und den Keim zu unserem Ich der Erde verdanken. Nun wissen wir aber auch schon aus verschiedenen Vorträgen, daß diese Entwickelung keineswegs so einfach vor sich gegangen ist, daß etwa zuerst einfach der Saturn dagewesen wäre, dieser sich dann verwandelt hätte in die Sonne, aus dieser der Mond entstanden wäre und aus diesem die Erde, sondern wir wissen, daß diese Entwickelung einen viel komplizierteren Charakter trägt. Wenn wir uns zunächst sagen: es war der Saturn da, der hat sich in die alte Sonne verwandelt und diese in den Mond — wenn wir dabei zunächst bleiben, weil es annähernd richtig ist für unsere Verhältnisse -, so dürfen wir nicht dabei bleiben bei der Mondentwickelung selber, die unserer Erde unmittelbar vorangegangen ist. Sie sind darauf aufmerksam gemacht worden von mir, daß zur Zeit der Mondentwickelung eintrat eine Trennung zwischen der Erde und der Sonne — die Erde war damals Mond -, also mit anderen Worten zwischen Mond und Sonne. Während wir reden von Saturn und Sonne als ungeteilten Körpern, müssen wir von der Mondentwickelung sagen: es tritt der eine Körper auseinander in zwei Körper, so daß damals vorhanden war eine Zeitlang der alte Mond und gleichzeitig die alte Sonne. Dann verbanden sich beide wieder, gingen durch einen Zwischenzustand hindurch und traten als Erdenentwickelung wiederum auf. Und während der frühesten Erdenentwickelung, da waren vereint die Substanzen und Wesenheiten, die heute in der Sonne und im Monde sind, mit der Erde selber; erst in einer späteren Zeit trennte sich das, was heute in der Sonne lebt, von der Erde ab. Es blieb zuerst die Erde zurück mit dem heutigen Monde. In einer späteren Zeit spaltete sich der Mond von der Erde ab, und die Erde blieb zwischen der Sonne und dem Monde zurück. Diese drei Körper also waren zuerst eins; Sonne und Mond haben sich erst später aus der Erde herausgebildet.
[ 13 ] If we want to understand this, we must once again bring to mind certain things that are already familiar to you. You all know that human nature is divided into four parts—the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—and that this fourfold nature of the human being can be traced back to the entire process of human origin and development. We know that the human being, when viewed as a whole, did not begin on Earth, but that other incarnations preceded this one on Earth. We look back from Earth to a previous incarnation of it, which we call the ancient Moon; we look further back to an even earlier incarnation of Earth, the ancient Sun, and even further back to ancient Saturn. We say: before our Earth came into being, there was in the world an ancient planetary formation that we call the Old Saturn. At that time, the very first rudiment of our present physical body arose on it; on the Old Sun, the etheric body was added, and on the Old Moon, the astral body. It was only on Earth that the “I” became integrated into this previously threefold human nature, so that we owe the seed of our physical body to the ancient Saturn, the seed of our etheric body to the ancient Sun, the seed of our astral body to the ancient Moon, and the seed of our “I” to the Earth. However, we already know from various lectures that this evolution did not proceed in such a simple manner—that is, that Saturn simply existed first, then transformed into the Sun, from which the Moon arose, and from the Moon the Earth—but rather we know that this evolution has a much more complex character. If we first say to ourselves: Saturn was there, it transformed into the ancient Sun, and the Sun into the Moon—if we stick to this for now, because it is approximately correct for our purposes—then we must not stop at the development of the Moon itself, which immediately preceded our Earth. I have drawn your attention to the fact that, at the time of the Moon’s evolution, a separation occurred between the Earth and the Sun—the Earth was the Moon at that time—in other words, between the Moon and the Sun. While we speak of Saturn and the Sun as undivided bodies, we must say of the Moon’s evolution: the single body splits into two bodies, so that for a time the old Moon and the old Sun existed simultaneously. Then the two united again, passed through an intermediate state, and reappeared as the Earth’s development. And during the earliest stage of the Earth’s development, the substances and beings that are now in the Sun and the Moon were united with the Earth itself; it was only at a later time that what now lives in the Sun separated from the Earth. At first, the Earth remained behind with what is now the Moon. At a later time, the Moon split off from the Earth, and the Earth remained between the Sun and the Moon. These three bodies were thus originally one; the Sun and the Moon only later emerged from the Earth.
[ 14 ] Nun fragen wir uns: Was ist der Sinn dieser Trennung im geistigen Leben? Wir wollen absehen von der ersten Trennung in der alten Mondenzeit und wollen nur jene Trennungen betrachten, die während der eigentlichen Erdenentwickelung stattgefunden haben. Gerade so wie auf unserer Erde gewisse Wesenheiten ihre Entwickelung finden, gerade so finden auf der Sonne und durch den Mond andere Wesenheiten ihre Entwickelung. Wesenheiten, welche ihr Fortkommen nicht auf der Erde hätten finden können, weil sie eine andere Entwickelungsstufe hatten als der Mensch, die trennten sich mit der Sonne von der Erde ab; sie sind sozusagen nicht mit der Erdenentwickelung weitergegangen, sondern mußten auf einem Schauplatz abseits von der Erde, eben auf der Sonne ihre Entwickelung fortsetzen, so daß wir also in dem Zeitpunkt der Sonnentrennung von der Erde die Tatsache vorliegen haben, daß der Mensch auf der Erde zurückgelassen wird als ein Wesen, welches die Bedingungen der Erdenentwickelung brauchte zu seiner eigenen Entwickelung. Andere Wesenheiten aber, welche nicht auf der Erde sich weiterentwickeln konnten, die trennten sich die Substanzen, die sie brauchten, ab und bildeten sich den Sonnenwohnplatz. Sie wirkten dann von der Sonne aus auf die Erde ein. Denn wie die physischen Sonnenstrahlen auf die Erde fallen und die Erde erleuchten und erwärmen, so strahlen die Taten, die Wirkungen der Geister der Sonne auf unsere Erde herab. Die physischen Sonnenstrahlen sind nur der äußere körperhafte Ausdruck der Taten der geistigen Sonnenwesen. Das war der Sinn der Sonnentrennung.
[ 14 ] Now let us ask ourselves: What is the purpose of this separation in spiritual life? Let us set aside the first separation that occurred during the ancient Lunar Age and consider only those separations that took place during the actual development of the Earth. Just as certain beings find their development on our Earth, so too do other beings find their development on the Sun and through the Moon. Beings who could not have found their path on Earth—because they were at a different stage of development than human beings—separated themselves from the Earth along with the Sun; they did not, so to speak, continue with Earth’s development, but had to carry on their development in a setting apart from Earth—namely, on the Sun—so that at the moment of the Sun’s separation from Earth, we are faced with the fact that humanity was left behind on Earth as a being that required the conditions of Earth’s development for its own evolution. Other beings, however, who could not continue their development on Earth, separated the substances they needed and established their dwelling place on the Sun. They then exerted their influence on Earth from the Sun. For just as the physical rays of the Sun fall upon the Earth, illuminating and warming it, so do the deeds and effects of the spirits of the Sun radiate down upon our Earth. The physical rays of the sun are merely the outer, corporeal expression of the deeds of the spiritual beings of the sun. That was the meaning of the separation of the sun.
[ 15 ] Was war denn nun der Sinn der Mondentrennung? Wenn die Sonne mit der Erde verbunden geblieben wäre, dann hätten die Wesen, die später auf der Sonne wohnten, ihr gutes Fortkommen finden können, der Mensch aber nimmermehr. Der Mensch hätte nicht Schritt halten können mit dem Entwickelungstempo der Sonnenwesen; er hätte sich viel schneller entwickeln müssen, wenn nicht die Sonnenwesen aus der Erde hinausgegangen wären und von außen schwächer gewirkt hätten. Dadurch also ist das Entwickelungstempo auf der Erde verlangsamt worden, daß die Sonne sich abgetrennt hat. Aber es war noch nicht das dem Menschenwesen angemesseneEntwickelungstempo; es war zu langsam. Der Mensch wäre verhärtet, mumifiziert, wenn der Mond, der ja damals noch mit der Erde verbunden war, mit ihr verbunden geblieben wäre. Es würde sich der Mensch entwickelt haben nicht als eine Wesenheit wie er heute ist, der aus dem äußeren physischen Leib und dem inneren Geist-Seelenleben besteht, sondern der Mensch würde sich verhärtet, mumifiziert haben. Es lag dadurch, daß der Mond mit der Erde verbunden war, in dieser die Tendenz, den Menschen und die Erde sozusagen zu verhärten, zu vertrocknen, zu verholzen. Die Erde wäre nach und nach ein Weltenkörper geworden, aus dem heraus sich wie tote Mumien die Gestalten des Menschen gebildet hätten. Es mußte der Mond getrennt werden von der Erde. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben worden, gerade das richtige Tempo der Entwickelung einzuhalten. Was zu langsam war, konnte beschleunigt werden. So wurde der Mensch, was seinem Wesen entspricht; während er zu einem äußeren Leben und zu einer äußeren Regsamkeit, die er nicht hätte vertragen können, angeregt worden wäre durch das Verbleiben der Sonne bei der Erde. Wenn der Mond bei der Erde verblieben wäre, so wäre der Mensch gar nicht angeregt worden, er wäre vertrocknet, es wäre ihm genommen worden die Möglichkeit sich zu beleben. Die Anregung, die der Mensch durch das Sonnenleben erhalten hat, war eine äußere. Die Sonne hätte gewirkt anregend auf alles menschliche Leben, allerdings in einem zu schnellen Tempo. So wie die Sonne anregend wirkt auf das Leben der Blumen des Feldes von außen, so wäre der Mensch, wenn die Sonne verbunden geblieben wäre mit der Erde, angeregt worden zu allem Fühlen, Denken und Wollen von außen, aber in so schneller Weise, daß er sozusagen verbrannt wäre in dem physischen und geistigen Sonnenfeuer. Aber die Anregerin, die von außen wirkt, war hinausgegangen, war ferngerückt und daher in ihrer Wirkung abgeschwächt worden. Sie war aber zunächst durch dasjenige, was die Erde in sich selber an verhärtenden Tendenzen hatte, zu schwach, und es mußte ein Teil dieser verhärtenden Tendenzen in Form des Mondes herausgeholt werden. Dadurch kam in die Erdenentwickelung und in den Menschen ein neues, belebendes Prinzip hinein, und dieses wirkte in genau entgegengesetzter Weise anregend als die Sonne. Während die Sonnenanregung von außen wirkt, wirkt das, was jetzt eintritt, von innen belebend. Alles dasjenige, was Seelenleben in der physischen Welt ist, so wie es auf der Erde erlebt wird, konnte nur dadurch sich entwickeln, daß der Mensch vor dieser Verhärtung, vor dieser Mumifizierung gerettet worden ist durch das Hinausgehen des Mondes. Alles innere Leben, alle innere Regsamkeit, alles dasjenige, was beschrieben werden kann als Gefühle, Empfindungen, als Gewissen und Gedanken, alle diese Lebensquellen des Innern, sie machten sich von innen heraus geltend durch die Abtrennung des Mondes von der Erde; sie wären sonst versiegt in der menschlichen Natur, sie wären untätig geblieben.
[ 15 ] So what, then, was the purpose of the separation of the Moon? If the Sun had remained connected to the Earth, the beings who later dwelt on the Sun would have been able to thrive, but humankind never would have been able to. Humanity would not have been able to keep pace with the rate of development of the solar beings; it would have had to develop much more rapidly had the solar beings not left the Earth and exerted a weaker influence from the outside. Thus, the rate of development on Earth was slowed by the Sun’s separation. But this was still not the rate of development appropriate for human beings; it was too slow. Humanity would have become hardened, mummified, if the Moon—which was still connected to the Earth at that time—had remained connected to it. Humanity would not have developed into the being it is today, consisting of the outer physical body and the inner life of spirit and soul, but would instead have become hardened and mummified. Because the Moon was connected to the Earth, there was a tendency within the Earth to, so to speak, harden, dry out, and lignify both humankind and the Earth itself. The Earth would gradually have become a cosmic body from which human forms would have emerged like dead mummies. The Moon had to be separated from the Earth. This made it possible to maintain precisely the right pace of development. What was too slow could be accelerated. Thus, human beings became what corresponds to their nature; whereas, had the Sun remained with the Earth, they would have been stimulated toward an outer life and an outer activity that they could not have endured. If the Moon had remained with the Earth, human beings would not have been stimulated at all; they would have withered away, and the possibility of coming to life would have been taken from them. The stimulation that human beings received through the life of the Sun was an external one. The Sun would have had a stimulating effect on all human life, though at too rapid a pace. Just as the Sun acts from the outside to stimulate the life of the flowers of the field, so too would human beings—had the Sun remained connected to the Earth—have been stimulated from the outside to all feeling, thinking, and willing, but in such a rapid manner that they would, so to speak, have been burned up in the physical and spiritual fire of the Sun. But the stimulating force acting from the outside had departed, had moved away, and had thus been weakened in its effect. At first, however, it was too weak due to the Earth’s own hardening tendencies, and a part of these hardening tendencies had to be brought out in the form of the Moon. Through this, a new, life-giving principle entered into the Earth’s evolution and into human beings, and this principle had a stimulating effect that was exactly the opposite of that of the Sun. While the Sun’s stimulation acts from the outside, what now enters acts from within, giving life. Everything that constitutes soul life in the physical world, as it is experienced on Earth, could only develop because humanity was saved from this hardening, from this mummification, by the Moon’s departure. All inner life, all inner activity, everything that can be described as feelings, sensations, conscience, and thoughts—all these inner sources of life—asserted themselves from within through the separation of the Moon from the Earth; otherwise, they would have dried up in human nature and remained dormant.
[ 16 ] Fragen Sie also denjenigen, der mit geistigem Blick unseren Kosmos durchmißt: Woher kommt die Fähigkeit, daß wir irgend etwas ÄAußerliches wahrnehmen, irgend etwas schauen oder sehen, daß der Mensch zum Schauen angeregt wird? Sie müssen sich sagen: Von dem, was physisch oder geistig in der Sonne vorhanden ist. Fragen Sie aber: Woher kommen die Gründe des innerer Erlebens, die Gründe des Denkens, die Gründe des Fühlens, die Gründe zum Beispiel für das Gewissen und so weiter? Dann müssen Sie dankbar hinaufblicken zum Mond und sich sagen: Dank den Wesenheiten, die hinweggenommen haben seine Substanzen aus der Erdensubstanz. Die Mondensubstanzen in der Erde hätten die innere Regsamkeit des Seelenlebens verhindert.
[ 16 ] So ask the one who surveys our cosmos with a spiritual gaze: Where does the ability come from that allows us to perceive anything external, to look at or see anything—that inspires human beings to look? You must tell yourself: From what is physically or spiritually present in the sun. But ask: Where do the grounds for inner experience come from—the grounds for thinking, the grounds for feeling, the grounds, for example, for conscience, and so on? Then you must look up gratefully toward the Moon and say to yourself: Thanks to the beings who have drawn its substances from the substance of the Earth. The Moon’s substances in the Earth would have prevented the inner activity of the soul life.
[ 17 ] Wir müssen aber nicht nur in dem Menschen allein für die Weltentwickelung die Gründe suchen, sondern in gewisser Weise auch bei den geistigen Wesenheiten, die den höheren Welten angehören. Es war nicht bloß gut für den Menschen, daß die Sonne und der Mond sich von ihm abgespalten haben, sondern es war auch gut für diejenigen Wesenheiten, die dazumal mit dem Menschen in ihrer Entwickelung verbunden waren. Geistige Wesenheiten trennten sich mit der Sonne von der Erde und machten die Sonne zu ihrem Wohnplatz. Wie der Mensch sich nicht hätte entwickeln können, wenn dieSonne mit derErde verbunden geblieben wäre, so wenig hätten sich diese Wesenheiten auf der Erde entwickeln können, wenn sich nicht die Trennung vollzogen hätte. Sie konnten sich nur entwickeln dadurch, daß sie in die Sonne hinein die Substanzen zogen, die vorher mit der Erde vereinigt waren. Da konnten sie abseits von den verhärtenden Substanzen der Erde ihre Entwickelungsbedingungen finden. So blicken wir hinauf zu den Wesenheiten, die sich in der Sonne entwickeln und sagen: Da oben wohnen diejenigen Wesenheiten, die geradeso ihre Sonne zur Entwickelung brauchten wie wir die Erde zu der unsrigen. Sie hätten sozusagen zugrunde gehen müssen, wenn sie mit der Erde verbunden geblieben wären. So aber, nachdem alles so eingetreten ist, wie gesagt, konnten diese geistigen Wesenheiten die Möglichkeit finden, ihre wohltätigen Wirkungen hinunterzuschicken auf die Erde, das heißt sich selbst dazu entwickeln, den Wesen der Erde von außen in der entsprechenden Weise zu helfen. Die Sonnengeister wären keine Helfer der Erde, wenn sie auf dieser geblieben wären. Erst nach der Trennung der Sonne von der Erde haben nach und nach die dort befindlichen Wesenheiten die Stufen erlangt, auf denen sie Helfer der Erde werden konnten. Wenn der Geistesforscher in seiner Beobachtung hinausblickt in das Licht und auf die Dinge der Außenwelt, so kann er sich auf bestimmter Stufe seiner Entwickelung sagen: Hinter dem, was mir da als Farbe oder Ton physisch entgegentritt, sind die Wesenheiten, die wir als Sonnenwesenheiten betrachten können.So aber wie uns dieSonnenwesenheiten heute in der geistigen Betrachtung entgegentreten, so sind sie erst einmal geworden. Nach diesem Werden erscheinen sie uns als die hohen, als die oberen Geistwesen, als diejenigen, die uns entgegentreten, wenn wir hinausblicken aus der Sinneswelt.
[ 17 ] However, we must not seek the reasons for the world’s development solely in human beings, but also, in a certain sense, in the spiritual beings that belong to the higher worlds. It was not only good for humankind that the sun and the moon separated from it, but it was also good for those beings who were connected to humankind in their development at that time. Spiritual beings separated from the Earth along with the Sun and made the Sun their dwelling place. Just as human beings could not have developed if the Sun had remained connected to the Earth, so too could these beings not have developed on Earth if the separation had not taken place. They were able to develop only by drawing into the Sun the substances that had previously been united with the Earth. There, far from the hardening substances of the Earth, they were able to find the conditions necessary for their development. Thus we look up to the beings developing in the Sun and say: Up there dwell those beings who needed their Sun for their development just as we needed the Earth for ours. They would, so to speak, have perished had they remained connected to the Earth. But now that everything has unfolded as described, these spiritual beings have been able to send their beneficent influences down to Earth—that is, to develop themselves in such a way as to assist the beings of Earth from the outside in the appropriate manner. The sun spirits would not have been helpers to Earth if they had remained on it. It was only after the sun’s separation from Earth that the beings there gradually attained the stages at which they could become helpers to Earth. When the spiritual researcher looks out in his observation toward the light and the things of the external world, he can say to himself at a certain stage of his development: Behind what physically appears to me as color or sound are the beings we can regard as solar beings. But the way the solar beings appear to us today in spiritual contemplation is only how they have come to be. Following this process of becoming, they appear to us as the high, the higher spiritual beings—those who meet us when we look out from the sensory world.
[ 18 ] Und jetzt fragen wir uns: Wer hat denn bewirkt, daß die andere Entwickelungsmöglichkeit eintrat, jene, die die Anregung von innen gab, die dem Menschen das Verhärten vertrieb? Da mußten Wesenheiten da sein, welche im geeigneten Zeitpunkt aus der Erdensubstanz die Mondensubstanz heraushoben. Wenn wir uns also, ich möchte sagen populär, vielleicht sogar trivial ausdrücken wollen, so können wir sagen: Es mußten geistige Wesenheiten da sein, die sich in einem gewissen Zeitpunkt der Erdenentwickelung folgendes sagten: Wir haben jetzt verfolgt die Entwickelung der Erde, die Erde, erst vorhanden als ein Wesen im Weltraum, das da bestand aus Sonne, Mond und Erde. Drei waren da vereinigt in einem. — Dann haben sie gesehen, daß es andere Wesenheiten gibt, welche nicht ihr Fortkommen finden konnten, wenn sie mit der Erde verbunden blieben. Sie haben gesehen, wie die Sonnengeister die Sonne abtrennen, wie sie hinausgeherf aus der Erde und auf einem anderen Schauplatz ihr Fortkommen finden. Dann haben sie gesehen, daß der Mensch nun verhärten, verholzen würde, und daß doch nicht das würde aus dem Menschen, was werden sollte aus ihm. Daher haben sie sich gesagt: Wir dürfen es nicht bei dem, was dieSonnengeister getan haben, bewenden lassen, wir müssen noch etwas anderes tun, wir müssen jetzt die Erde vor der Verhärtung schützen. Jetzt griffen sie ein und trennten den Mond aus der Erde heraus. Das war eine Tat von Wesenheiten, die in einer gewissen Beziehung höher waren als die Sonnengeister. Letztere mußten sich, als die Sonne noch mit der Erde eins war, sagen: Wir finden keine Entwickelungsmöglichkeit mehr auf derErde, wir brauchen einen anderenSchauplatz. — Diese anderen Wesenheiten aber konnten sich sagen: Wir werden unser Fortkommen auch auf der Erde finden. - Sie ließen die Sonnengeister mit der Sonne herausgehen und blieben selbst mit der Erde verbunden. Dadurch aber, daß sie mit der Erde verbunden blieben, bot sich ihnen die Möglichkeit, in einem gewissen Zeitpunkt dadurch Retter der Menschheitsentwickelung zu werden, daß sie den Mond aus der Erde herauszogen. In einer gewissen Weise waren das also höhere Wesenheiten als die Sonnengeister. Sie konnten ruhig sagen: Lassen wir die Verhärtung der Erde über uns kommen, gehen wir nicht mit den Sonnengeistern, bewahren wir uns aber dafür auf, eine Tat zu tun, welche die Sonnengeister nicht tun können, nämlich den Mond herauszuziehen aus der Erde. - Es gab also Wesenheiten, welche eine Tat begehen konnten, die zwar eine verhältnismäßig schlechtere Substanz aus der Erde herausgesondert hat, während sich die Sonnengeister die edlere Substanz genommen haben, welche aber dadurch, daß sie Zügler und Beherrscher eines Schlechteren wurden, ihre stärkere Macht bewiesen. Denn nicht der ist der Stärkere, der die Guten beherrscht und vielleicht ein wenig besser macht, sondern der ist der Stärkere, dem es gelingt die Bösen in Gute umzuwandeln.
[ 18 ] And now we ask ourselves: Who was responsible for bringing about the other possible course of development—the one that provided the inner impetus which dispelled the hardening in human beings? There must have been beings who, at the appropriate moment, extracted the lunar substance from the earthly substance. So if we want to express this—I would say—in popular, perhaps even trivial terms, we can say: There must have been spiritual beings who, at a certain point in the Earth’s development, said to one another: We have now observed the development of the Earth—the Earth, which initially existed as a single being in outer space, consisting of the Sun, the Moon, and the Earth. Three were united as one. — Then they saw that there were other beings who could not make progress if they remained connected to the Earth. They saw how the solar spirits separated the Sun, how they went forth from the Earth and found their path forward in another realm. Then they saw that humanity would now harden and become rigid, and that humanity would not become what it was meant to be. Therefore, they said to themselves: We must not leave it at what the Sun Spirits have done; we must do something else; we must now protect the Earth from hardening. Now they intervened and separated the Moon from the Earth. This was an act carried out by beings who, in a certain sense, were higher than the Sun Spirits. The latter, when the Sun was still one with the Earth, had to say to themselves: “We can no longer find any possibility for development on Earth; we need another arena.” — These other beings, however, were able to say to themselves: “We will also find our way forward on Earth.” - They allowed the sun spirits to depart with the Sun and remained connected to the Earth themselves. But because they remained connected to the Earth, they were given the opportunity, at a certain point in time, to become saviors of human evolution by drawing the Moon out of the Earth. In a certain sense, therefore, these were higher beings than the Sun Spirits. They could calmly say: “Let the hardening of the Earth come upon us; let us not go with the Sun Spirits, but let us reserve ourselves instead to perform an act that the Sun Spirits cannot do—namely, to draw the Moon out of the Earth.” - There were, then, beings who could perform an act that, while separating a relatively inferior substance from the Earth—whereas the Sun Spirits took the nobler substance—demonstrated their greater power by becoming the restraints and masters of that which was inferior. For the stronger one is not the one who rules over the good and perhaps makes them a little better, but rather the one who succeeds in transforming the evil into the good.
[ 19 ] So sehen wir also, daß nach der Sonnentrennung geistige Wesenheiten in die Erdenentwickelung eingreifen, denen eine hohe, eine bedeutsame Tat aufgespart war. Diese Wesenheiten stehen ebenso hinter den Erscheinungen unseres Seelenlebens, wie die Geister der Sonne hinter den Erscheinungen unserer äußeren Beobachtung stehen. Blicken Sie durch Ihre Augen, hören Sie durch Ihre Ohren, begreifen Sie durch Ihren Verstand die äußeren Dinge, da können Sie sagen: Hinter all dem, was ich sehe, höre, begreife mit dem Verstand, liegen jene Wesenheiten, die ihre eigentliche Wohnstätte auf der Sonne haben, die in der Sonne leben, die sich damals abgesondert haben, als die Sonne sich trennte von der Erde. — Blickt man aber zurück in das eigene Innere, läßt man den Blick fallen auf dasjenige, was man Denken, Fühlen und Wollen, Empfinden, Gewissen nennt, so sieht man das Innenleben, das möglich geworden ist dadurch, daß gewisse geistige Wesenheiten sich aufgespart hatten und dann den Mond von der Erde herausgetrennt haben. Sie haben in ihremReich alles das, was hinter den Erscheinungen desSeelenlebens liegt. Und ebenso wahr wie es ist, daß, wenn der Geistesforscher hinter das physische Feuer sieht und dessen Geister wahrnimmt, er da in Wahrheit einen Geist sieht, der auf der Sonne seinen eigentlichen Schauplatz hat, so sieht er, wenn er hinter das Gewissen schaut, die Gewissensgeister, die zu denen gehören, welche die Mondsubstanz herausgeholt haben aus der Erde. Von dorther kommen die geistigen Wesenheiten, welche sich wie in eine Haut hineinbegeben in die Gedankenformen, die an eine schlechte Tat sich knüpfen. Mögen sie sonst viel oder wenig wert sein, die Geister, die den Menschen als Gewissenswesenheiten umschweben, sie kommen aus dem Mondenreich und sie gehören einem Geistgebiet an, das in gewisser Beziehung ein mächtigeres ist, ein übergeordneteres gegenüber dem Sonnenreich.
[ 19 ] We see, then, that after the separation from the Sun, spiritual beings intervened in Earth’s evolution, and a lofty, significant deed was reserved for them. These beings are just as much behind the phenomena of our soul life as the spirits of the Sun are behind the phenomena of our external observations. When you look through your eyes, listen through your ears, and comprehend external things through your intellect, you can say: Behind everything I see, hear, and comprehend with my intellect lie those beings who have their true home on the Sun, who live in the Sun, and who separated themselves when the Sun separated from the Earth. — But if one looks back into one’s own inner being, if one turns one’s gaze to what is called thinking, feeling, and willing—to sensation and conscience—one sees the inner life that has become possible because certain spiritual beings had set themselves aside and then separated the Moon from the Earth. In their realm they possess everything that lies behind the phenomena of soul life. And just as it is true that when the spiritual researcher looks beyond the physical fire and perceives its spirits, he truly sees a spirit whose proper domain is the Sun, so too, when he looks beyond the conscience, he sees the spirits of conscience, who belong to those who extracted the lunar substance from the Earth. From there come the spiritual beings who, as if slipping into a skin, enter the thought-forms associated with a bad deed. Whatever their value may be, the spirits that hover around human beings as beings of conscience come from the lunar realm and belong to a spiritual realm that, in a certain sense, is more powerful and superior to the solar realm.
[ 20 ] Aus der ganzen Art der Darstellung, die ich Ihnen heute gegeben habe, können Sie ermessen, daß tatsächlich diese Wesenheiten, die hinter unseren seelischen Erscheinungen stehen, einem Reiche angehören, das übergeordnet ist dem geistigen Reiche, welches hinter der äußeren Maja steht. Eine zweifache Maja haben wir: die äußere Maja der Sinnenwelt und die innere Maja des Seelenlebens. Hinter der ersteren stehen diejenigen geistigen Wesenheiten, die ihren Mittelpunkt in der Sonne haben, hinter der Maja unseres Innenlebens stehen die anderen, die einem mächtigeren, einem umfassenderen Reich angehören. Derjenige, welcher geistig diese Dinge übersieht, der kann wissen, daß die geistigen Wesenheiten, die hinter der äußeren Sinneswelt stehen, von einer ganz anderen Seite herkommen als die geistigen Wesenheiten, die hinter den Gefühlen und Empfindungen, hinter dem Gewissen sind. Diese Wesenheiten, die dem Gewissen zum Beispiel entsprechen, sie nennt die griechische Mythologie die Erinnyen. Und sehen Sie sich einmal diese Mythologie an, wie wahr sie ist, wenn sie sagt: der Orestes hört von den Göttern, die da herrschen, daß er eine gute Tat begangen habe, aber andere Wesenheiten, eben die Erinnyen, kommen an ihn heran, und die Mythologie hat die Empfindung: das sind ältere Wesenheiten als diejenigen, die dem Zeusreiche angehören; die machen sich geltend als die rächenden selbst da, wo die äußeren Götter des Sonnenreiches, des Zeusreiches, die Tat erlauben und gestatten. So treten dem Menschen gegenüber Wesenheiten eines älteren Geistergeschlechtes, die gleichsam korrigierend eingreifen in das, was er, geleitet und gelenkt von den Wesenheiten, die sich mit der Sonne abgetrennt haben, unternimmt. Hier sehen wir ein wunderbares Beispiel, wie uns die Mythologie und die Weisheitsanschauungen der alten Völker wiedergeben dasjenige, was die geistige Beobachtung heute in anderer Art erkennen kann.
[ 20 ] From the entire nature of the presentation I have given you today, you can surmise that these beings, who stand behind our soul phenomena, actually belong to a realm that is superior to the spiritual realm that lies behind the outer Maya. We have a twofold Maya: the outer Maya of the sensory world and the inner Maya of the soul life. Behind the former stand those spiritual beings whose center is in the Sun; behind the Maya of our inner life stand the others, who belong to a more powerful, more comprehensive realm. Anyone who spiritually surveys these things can know that the spiritual beings behind the outer sensory world come from an entirely different source than the spiritual beings behind feelings and sensations, behind the conscience. These beings, which correspond to the conscience, for example, are called the Erinyes in Greek mythology. And just take a look at this mythology—how true it is when it says: Orestes hears from the gods who reign there that he has performed a good deed, but other beings—namely the Erinyes—approach him, and the mythology conveys the sense that these are older beings than those belonging to the realm of Zeus; they assert themselves as avengers even where the outer gods of the solar realm—the realm of Zeus—allow and permit the deed. Thus, human beings are confronted by beings of an older spiritual lineage who, as it were, intervene correctively in what he undertakes, guided and directed by the beings who have separated themselves from the Sun. Here we see a wonderful example of how mythology and the wisdom traditions of the ancient peoples reflect to us what spiritual observation can now perceive in a different way.
[ 21 ] Nehmen Sie das alles zusammen, was ich Ihnen heute gesagt habe — wir werden es in den nächsten Vorträgen noch wetter ausführen -, und Sie werden mancherlei Fragen finden, die sich Ihnen selber wie Gewissensfragen an die besprochene Sache knüpfen. Manches wird Ihnen heute unaufgeklärt sein dadurch, daß wir in einer gewissen Weise die Wesen, die da eingegriffen haben bei der Mondentrennung, als mächtiger betrachtet haben als die Wesenheiten des Sonnenreiches; das wird sich aufklären, denn Sie werden sehen, wie relativ die Dinge in den höheren Welten sind. Eines aber bitte ich Sie halb wie eine Frage heute hinzunehmen. Wir haben gesehen, daß die Erde verhärtet, verholzt wäre, wenn nicht die Mondentrennung stattgefunden hätte; daß das Seelenleben dadurch seine innere Regsamkeit erhalten hat, daß gewisse mächtige Wesenheiten den Mond herausgeworfen haben aus der Erde.
[ 21 ] Take everything I have told you today—we will go into greater detail in the upcoming lectures—and you will find various questions that arise for you personally, like matters of conscience, in connection with the topic discussed. Some things may remain unclear to you today because, in a certain sense, we have regarded the beings who intervened during the separation of the Moon as more powerful than the beings of the solar realm; this will become clear, for you will see how relative things are in the higher worlds. But there is one thing I ask you to accept today, almost as a question. We have seen that the Earth would have hardened and become woody had the separation of the Moon not taken place; that the life of the soul has retained its inner vitality because certain powerful beings cast the Moon out of the Earth.
[ 22 ] Solche Dinge der Entwickelung geschehen nicht auf einmal, solche Dinge geschehen nach und nach. Auch die wohltätigen Wirkungen, die von der Sonne ausgehen, sie machten sich nicht etwa auf einmal geltend, sie waren nicht plötzlich da in ihrer Fülle, sondern nach und nach machten sie sich geltend. Und nun bitte ich Sie zu berücksichtigen, daß in einem Zeitpunkt der Erdenentwickelung eine geistige Wesenheit, die vorher mit der Sonne in Verbindung war, die wir als das ChristusWesen bezeichnen, in der Zeit des Lebens des Jesus von Nazareth von der Sonne auf die Erde herabgestiegen ist und sich mit der Erde vereinigt hat. Die Christus-Wesenheit dringt ein in den Leib des Jesus von Nazareth. Hier haben wir eine ganz eigenartige Erscheinung vor uns. Diese Erscheinung dürfen Sie nicht - und der nächste Vortrag wird das klar machen - in denselben Zusammenhang stellen, in den wir alles andere gestellt haben, von dem wir heute gesprochen haben. Wir haben gesagt: nach der Abtrennung der Sonne von der Erde hätte sich die Erde verhärtet, wenn nicht der Mond aus ihr herausgeworfen worden wäre; die Menschenwesen hätten sich mumifiziert. — Das gilt für eine weite Summe des Erdenlebens, aber es gilt nicht für das gesamte Erdenleben. Trotz aller Sonnen- und Mondentrennung wäre in der Erde etwas dem Tode Verfallendes geblieben, wenn nicht das ChristusEreignis eingetreten wäre. War die Abtrennung des Mondes die Ermöglichung des inneren Seelenlebens, so kam die Anregung - die neuerliche Anregung dieses inneren Seelenlebens — jetzt wiederum von der Sonne durch den von dieser herabsteigenden Christus. Was der Christus auf die Erde gebracht hat, das wäre, wenn der Christus nicht gekommen wäre, seelisch totes Produkt, geistige Mumie geblieben.
[ 22 ] Such developments do not happen all at once; they occur gradually. Even the beneficial effects emanating from the sun did not make themselves felt all at once; they were not suddenly present in their fullness, but rather made themselves felt gradually. And now I ask you to consider that at a certain point in the Earth’s evolution, a spiritual being who had previously been connected to the sun—whom we call the Christ Being—descended from the sun to Earth during the lifetime of Jesus of Nazareth and united with the Earth. The Christ Being entered the body of Jesus of Nazareth. Here we are faced with a most peculiar phenomenon. You must not—and the next lecture will make this clear—place this phenomenon in the same context as everything else we have discussed today. We have said: after the separation of the Sun from the Earth, the Earth would have hardened if the Moon had not been cast out of it; human beings would have mummified. — This applies to a large part of earthly life, but it does not apply to all of earthly life. Despite the separation of the sun and the moon, something subject to decay would have remained on Earth had the Christ event not taken place. If the separation of the Moon made inner soul life possible, then the impetus—the renewed impetus for this inner soul life—came once again from the Sun through Christ, who descended from it. What Christ brought to Earth would, had Christ not come, have remained a spiritually dead product, a spiritual mummy.
[ 23 ] Was stellt sich dem Geistesforscher dar, wenn er auf die Zeit blickt, die dem Christus-Ereignis vorangegangen ist? Etwas höchst Eigentümliches stellt sich ihm dar. Wenn das Geistesauge zurückblickt in alte Zeiten, dann verschwindet die äußere Erdengestalt, wie sie sich den physischen Sinnen darbietet, die ja nur Maja ist, und es stellt sich an Stelle dessen etwas dar, was man vergleichen könnte mit der Form des Menschen, aber nur mit dieser, mit der Gestalt des Menschen. Für den geistigen Blick verwandelt sich die Erde — ich sage ausdrücklich die Erde — aus der äußeren Majagestalt in die Erdengestalt des Menschen, der in Kreuzesform die Arme ausgebreitet hat, der allerdings in dieser Gestalt dann männlich-weiblich ist. Der Geistesforscher sieht die Erde der Zeit, bevor Christus herabgestiegen war, in Kreuzesform, und zwar wie einen Menschen. Wir werden da an das wunderbare Wort des Plato erinnert, der es aus den Mysterien heraus gebildet hat, daß die Weltenseele am Kreuze des Weltenleibes gekreuzigt ist. Das ist nichts anderes als die Wiedergabe der Erscheinung, die sich dem geistigen Blick darbietet. Der Christus am Kreuz starb; und dadurch ging die Erde von der bloßen Form ins Leben über. Für die Zeit vor Christus stellt sich dem geistigen Blick die Erde als bloße Form dar; für die nachchristliche Zeit stellt sich die Erde dar als von dem Christus-Prinzip neu belebt. Damals also, als das Christus-Prinzip in die Erde eingetreten ist, ist etwas ähnliches geschehen wie bei der Mondentrennung; es ist in etwas, was sonst Form geblieben wäre, Leben hineingetreten. Auf das ChristusEreignis wiesen — richtig betrachtet — alle alten Zeiten hin. Wie der heutige Mensch zurückweist auf den Christus als auf ein Wesen, das in einem bestimmten Zeitpunkt eingetreten ist in die Menschheitsentwickelung, so wiesen die Eingeweihten der vorchristlichen Zeit immer darauf hin, daß der Christus kommen werde; und sie zeigten das, was auf den Christus hinwies, was gleichsam den Christus vorherverkündete. Nichts hat den Christus mehr vorherverkündet als jene gewaltige Erscheinung, die sich dem geistigen Blick unter gewissen Bedingungen darbot, für den die Erde in ihrer physischen Form verschwand und das Geistesauge hinblickte auf die Weltenseele gekreuzigt am Weltenleibe. In grauer indischer Vorzeit haben die Weisen erzählt, daß in dem Augenblicke, wenn ihnen der hellseherische Blick aufging, sie dann fanden tief, tief unter den Bergen der Erde, nahe dem Mittelpunkte der Erde, ein Kreuz, darauf einen männlich-weiblichen Menschen hängend, eingezeichnet auf der rechten Seite das Symbolum der Sonne, auf der linken Seite das Symbolum des Mondes, auf dem übrigen Leib die Länder und einzelnen Meeres- und Landesgestaltungen der Erde. Das war eine hellseherische Vision, welche die alten Weisen Indiens gehabt haben von jener Gestalt, die da wartete auf unsere Erde, um belebt zu werden von dem Christus-Prinzip. Und diese alten Weisen Indiens haben damit, daß sie hingewiesen haben auf die wichtigste prophetische Voranzeige des Christus-Ereignisses, bewiesen, daß, wo sie tiefer schauten, sie sagen konnten: Der Christus wird kommen, denn das, was auf ihn hinweist, ist da. — Deshalb ist die älteste Weisheit da, wo sie in die höchsten Regionen hinaufsteigt, Prophetie; sie blickt auf etwas, was da kommen wird in der Zukunft. Alles das, was in der Zukunft ist, ist Wirkung der Gegenwart. Was aber als geistig Bedeutsames geschieht in der Zukunft, kann so sein Dasein bereits für den geistigen Blick in der Gegenwart andeuten. Das Christus-Ereignis wurde nicht etwa in äußerlich abstrakter Weise, es wurde für den geistigen Blick angedeutet dadurch, daß für das Leben des Christus, das sich in einem bestimmten Zeitpunkt mit dem Leben der Erde verband, sich vorher die Form, die Gestalt der Weltenseele am Kreuze des Weltenleibes darbot. Die Weisheit aller Zeiten zeigt sich in innerer Harmonie, wenn man die Dinge bis zum Grund betrachtet. So werden wir, von dem Besprochenen ausgehend, die Weisheiten der verschiedenen Zeiten betrachten müssen und streben, das Licht auf sie fallen zu lassen, durch das sie in ihrer wahren Gestalt erscheinen können.
[ 23 ] What does the spiritual researcher perceive when he looks back at the time that preceded the Christ event? Something most peculiar presents itself to him. When the spiritual eye looks back to ancient times, the outer form of the Earth, as it presents itself to the physical senses—which is, after all, merely Maya—disappears, and in its place appears something that could be compared to the form of a human being, but only to that—the form of a human being. To the spiritual gaze, the Earth—I say explicitly the Earth—is transformed from its outer form of Maya into the earthly form of a human being who has spread his arms in the shape of a cross, though in this form he is both male and female. The spiritual researcher sees the Earth of the time before Christ descended in the shape of a cross, specifically as a human being. We are reminded here of the wondrous words of Plato, who derived from the Mysteries the idea that the world soul is crucified on the cross of the world body. This is nothing other than a depiction of the phenomenon that presents itself to the spiritual gaze. Christ died on the cross; and through this, the Earth passed from mere form into life. For the time before Christ, the Earth appears to the spiritual gaze as a mere form; for the post-Christian era, the Earth appears as having been newly enlivened by the Christ principle. Thus, when the Christ principle entered the Earth, something similar to the separation of the Moon took place; life entered into something that would otherwise have remained a form. Viewed correctly, all of ancient times pointed toward the Christ event. Just as people today point to the Christ as a being who entered human evolution at a specific point in time, so the initiates of the pre-Christian era always pointed out that the Christ would come; and they pointed to what pointed toward the Christ—what, as it were, foreshadowed the Christ. Nothing foreshadowed the Christ more than that mighty vision that presented itself to the spiritual gaze under certain conditions, when the earth in its physical form vanished and the spiritual eye beheld the world soul crucified upon the world body. In ancient Indian times, the sages recounted that at the moment when their clairvoyant vision opened, they then found, deep, deep beneath the mountains of the Earth, near the center of the Earth, a cross upon which hung a human figure of both male and female, with the symbol of the Sun inscribed on the right side, the symbol of the Moon on the left side, and the lands and individual sea and land formations of the Earth depicted on the rest of the body. This was a clairvoyant vision that the ancient sages of India had of that figure who was waiting for our Earth to be enlivened by the Christ principle. And by pointing to the most important prophetic foreshadowing of the Christ event, these ancient sages of India proved that, where they looked more deeply, they could say: The Christ will come, for that which points to him is already there. — That is why the oldest wisdom, when it ascends to the highest regions, is prophecy; it looks toward something that will come in the future. Everything that lies in the future is an effect of the present. But what occurs in the future as something spiritually significant can already hint at its existence to the spiritual gaze in the present. The Christ event was not foreshadowed in some outwardly abstract way; rather, it was foreshadowed for the spiritual gaze by the fact that, prior to the life of Christ—which united with the life of the Earth at a specific point in time—the form, the shape of the world soul presented itself on the cross of the world body. The wisdom of all ages reveals itself in inner harmony when one considers things to their very core. Thus, building on what has been discussed, we must examine the wisdom of the various ages and strive to shed light upon them, so that they may appear in their true form.
