The East in the Light of the West
The Children of Lucifer and the Brothers of Christ
GA 113
26 August 1909, Munich
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The East in the Light of the West, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Es ist in den beiden vorhergehenden Vorträgen dieses Zyklus betont worden, daß die übersinnliche Anschauung hinter den Einzelheiten des Sinnenteppichs, der vor uns ausgebreitet ist, die geistigen Wesenheiten zu schauen vermag, daß sich also von einer bestimmten Stufe der geistigen Entwickelung an oder sagen wir der Initiation, der Einweihung an dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben nennt feurige, luftförmige, flüssige Körper und so weiter, verwandelt in Lebendiges, Regsames, in Geistiges. Und gestern haben wir noch im besonderen erwähnt, daß auch hinter den Erscheinungen und Tatsachen unseres eigenen Seelenlebens, insofern sich dieses in der physischen Welt abspielt, geistige Wesenheiten verborgen sind. Sie können sich nun die Frage vorlegen: Ist denn die Sache so, daß das übersinnliche Bewußtsein da, wo die gewöhnliche Sinnesanschauung, sagen wir Wärme, Farbe und dergleichen wahrnimmt, geistige Wesenheiten sieht, so daß wir dann die Welt in zwei Formen vor uns hätten, einmal als äußere Sinneswelt und ein anderes Mal als geistige Welt? Und wiederum in bezug auf das Innere: Ist die Sache so, daß wir in unserem Seelenleben Empfindungen, Gefühle, Gewissenstatsachen, Gedankentatsachen haben und dahinter stehend geistige Wesenheiten? Oder ist es anders? Das heißt: Deckt sich vielleicht nicht vollständig die geistige Welt in ihrem äußeren Ausdruck mit der Sinneswelt? — Wir könnten die Frage auch so stellen: Finden wir alle möglichen geistigen Wesenheiten, wenn wir ausgehen von dem, was der äußere Ausdruck in der physischen Welt ist, oder gibt es noch andere geistige Wesenheiten, die gar keinen Ausdruck haben in der physischen Welt? Diese Frage könnten wir aufwerfen, und sie beantwortet sich nun in der folgenden Weise für das übersinnliche Bewußtsein: Zwar ist das so, daß für jede äußere Wahrnehmung hinter ihr eine geistige Wesenheit oder auch geistige Tatsache steht, daß aber für das übersinnliche Bewußtsein bei seinem Aufsteigen in die höheren Welten es auch geistige Wesenheiten und Tatsachen gibt, die keinen Ausdruck in der physischen Welt haben. Also, es gibt noch andere Erfahrungen für den Eingeweihten, als nur solche, die ihre Projektion, ihr Schattenbild herunterwerfen in die physische Welt. Und ebenso gibt es geistige Wesenheiten und Tatsachen, die nicht in unser Seelenleben hinein ihren Schatten werfen, die also keinen Ausdruck in Gewissenstatsachen, in Gedankentatsachen, in Gefühlen und Empfindungen und so weiter finden. Wollen wir das, was da gesagt worden ist, zusammenfassend ausdrücken, so können wir sagen: Die geistige Welt stellt sich für das höhere Bewußtsein als eine weit reichere Welt dar, als ihr äußerer Ausdruck in der physischen Welt ist. — Das ist ja wahrscheinlich für die meisten von Ihnen keine sonderlich verwunderliche Tatsache, aber sie muß doch einmal klar vor die Seele gerückt werden. Es muß klar sein, daß es nicht nur verhüllte geistige Erscheinungen und Wesenheiten gibt, wie etwa das Feuer die dahinterstehenden Elementengeister des Feuers verhüllt, sondern daß es auch verborgene geistige Wesenheiten und Tatsachen gibt. Und zwischen denen müssen wir unterscheiden, wenn wir jetzt fortfahren wollen in unserer Betrachtung und einiges noch genauer vor unsere Seele rücken wollen, was schon gestern berührt worden ist.
[ 1 ] In the two previous lectures of this series, it has been emphasized that supersensible perception is able to see the spiritual beings behind the details of the tapestry of sensory impressions spread out before us; that is to say, from a certain stage of spiritual development—or, let us say, from initiation— initiation, what is commonly called fiery, airy, liquid bodies, and so on, is transformed into something living, active, and spiritual. And yesterday we specifically mentioned that spiritual beings are also hidden behind the phenomena and facts of our own soul life, insofar as this takes place in the physical world. You may now ask yourselves: Is it the case that supersensible consciousness, where ordinary sensory perception perceives—let us say—heat, color, and the like, actually sees spiritual beings, so that we would then have the world before us in two forms—on the one hand as the outer sensory world and on the other as the spiritual world? And again, with regard to the inner world: Is it the case that in our soul life we have sensations, feelings, facts of conscience, and facts of thought, with spiritual beings standing behind them? Or is it different? That is to say: Does the spiritual world, in its outward expression, perhaps not completely coincide with the sensory world? — We could also pose the question this way: Do we find all possible spiritual entities when we start from what the outer expression in the physical world is, or are there other spiritual entities that have no expression at all in the physical world? We could raise this question, and it is answered in the following way for the supersensible consciousness: It is true that behind every external perception there lies a spiritual being or a spiritual fact; however, as the supersensible consciousness ascends into the higher worlds, it also encounters spiritual beings and facts that have no expression in the physical world. Thus, there are other experiences for the initiate besides those that cast their projection—their shadow image—down into the physical world. And likewise, there are spiritual beings and realities that do not cast their shadow into our soul life—that is, they find no expression in facts of conscience, in facts of thought, in feelings and sensations, and so on. If we wish to summarize what has been said, we can say: To the higher consciousness, the spiritual world presents itself as a far richer world than its outward expression in the physical world. — This is probably not a particularly surprising fact for most of you, but it must nonetheless be brought clearly before the soul. It must be clear that there are not only veiled spiritual phenomena and beings—just as fire veils the elemental spirits of fire that lie behind it—but that there are also hidden spiritual beings and realities. And we must distinguish between them if we are to continue our consideration and bring certain aspects that were already touched upon yesterday into even sharper focus in our souls.
[ 2 ] Wir haben gestern darauf hingewiesen, daß es allerdings geistige Wesenheiten gibt, die dem entsprechen, was man Gewissen nennt. So gibt es für alle inneren Tatsachen geistige Wesenheiten. Und am Schluß des gestrigen Vortrages konnte ich noch bemerken, wie die griechische Mythe eine klare Einsicht darin hatte, daß diejenigen geistigen Wesenheiten, die sich so offenbaren, gleichsam als die Beleber und Erreger unseres inneren Seelenlebens bildlich in den Erinnyen dargestellt werden, und daß diese einem älteren Götter- oder Geistergeschlechte angehören als diejenigen, die hinter den äußeren Sinneserscheinungen uns entgegentreten. Daher sagten diejenigen, die von den Erinnyen sprachen, daß sie einem älteren Göttergeschlecht angehören als die Volksgötter der Griechen, welche die Rache des Orest für richtig befunden haben. Aus einer höheren Einsicht gleichsam wurden die Erinnyen abgeschickt, um das zu korrigieren, was die Volksgötter, die nichts anderes waren als mythische Ausdrücke für Wesenheiten hinter der Sinneswelt, für richtig befanden. Damit haben wir auf eine sehr wichtige Tatsache der gesamten Menschheits- und Weltevolution hingewiesen, und diese Tatsache muß uns heute etwas intimer beschäftigen.
[ 2 ] Yesterday we pointed out that there are, in fact, spiritual entities that correspond to what is called the conscience. Thus, there are spiritual entities for all inner realities. And at the end of yesterday’s lecture, I was able to note how the Greek myth had a clear insight into the fact that those spiritual beings who reveal themselves in this way are figuratively depicted in the Erinyes as, so to speak, the animators and instigators of our inner soul life, and that these belong to an older race of gods or spirits than those who appear to us behind the outer sensory phenomena. Therefore, those who spoke of the Erinyes said that they belong to an older race of gods than the folk gods of the Greeks, who had deemed Orestes’s revenge to be just. As it were, from a higher insight, the Erinyes were sent to correct what the folk gods—who were nothing more than mythical expressions for entities behind the sensory world—had deemed right. In this way, we have pointed to a very important fact concerning the entire evolution of humanity and the world, and this fact must occupy us more intimately today.
[ 3 ] Werfen Sie noch einmal einen Blick zurück auf all das, was der Entwickelung unserer Erde vorangegangen ist. Sie wissen, unsere Erde war, bevor sie Erde geworden ist, alter Saturn, alte Sonne und alter Mond. Diejenigen von Ihnen, welche früher Auseinandersetzungen über diesen Gegenstand verfolgt haben, werden sich sagen: Beialledem, was im Verlauf unserer Erdenentwickelung in den vier Reichen, im Menschenreich, im Tierreich, im Pflanzen- und Mineralreich geschieht, ist geradezu ein Heer von geistigen Wesenheiten im Spiel, und diese stehen auf den verschiedensten Stufen ihrer Entwickelung. Diejenigen Wesenheiten, welche von der Sonne ihre wohltätigen Wirkungen heruntersenden, stehen auf einer gewissen Stufe der Entwickelung, und hinter der Erdenentwickelung stehen andere Wesenheiten, die den Mond zur rechten Zeit herausgetrennt haben. Alle diese Wesenheiten greifen irgendwo ein ins Gefüge der Erdenentwickelung, ins Gefüge der Reiche, die zur Erdenentwickelung gehören, so daß das, was hinter den Erscheinungen, die uns umgeben, steht, ein reich gegliedertes Geistiges ist. Nun können Sie sich leicht denken, daß es ja ebenso reich gegliederte geistige Reiche gegeben hat während der alten Saturn-, während der Sonnen-, während der Mondenentwickelung. Alle diese Reiche darf man nicht etwa in der Weise verstehen wollen, daß man Namen erfindet, die nun für die eine oder die andere Wesenheit immer gelten sollen. Die Namen, die man gebrauchen kann, sind zumeist nicht Namen, die Individualitäten bezeichnen, sondern Namen, die gleichsam Würden oder Ämter bezeichnen. Wenn man also einen Namen nennt für eine Wesenheit, die während der Sonnenzeit gewirkt hat, so kann man denselben Namen nicht mehr gebrauchen, wenn man diese Wesenheit bezeichnen will in bezug auf ihr Erdenwirken, denn da ist sie weiter fortgeschritten. Sie sehen, daß man sehr genau sprechen muß, wenn man die Wirklichkeit in den geistigen Gebieten treffen will.
[ 3 ] Take another look back at everything that preceded the development of our Earth. As you know, before it became Earth, our planet was Old Saturn, the Old Sun, and the Old Moon. Those of you who have previously followed discussions on this subject will say to yourselves: In everything that happens in the course of our Earth’s evolution across the four kingdoms—the human, animal, plant, and mineral kingdoms—a veritable host of spiritual beings is at work, and these beings are at various stages of their own evolution. The beings who send down the Sun’s beneficial influences are at a certain stage of development, and behind Earth’s evolution stand other beings who separated the Moon at the right time. All these beings intervene in some way in the fabric of Earth’s evolution, in the fabric of the kingdoms that belong to Earth’s evolution, so that what lies behind the phenomena that surround us is a richly structured spiritual realm. Now you can easily imagine that there were equally richly structured spiritual kingdoms during the ancient Saturn, Solar, and Lunar evolutions. One must not attempt to understand all these realms by inventing names that are then supposed to apply permanently to one entity or another. The names that can be used are, for the most part, not names that denote individualities, but names that denote, as it were, ranks or offices. So if one uses a name for a being who was active during the Solar Age, one cannot use the same name when referring to that being in connection with its earthly activity, for there it has advanced further. You see that one must speak very precisely if one wishes to grasp reality in the spiritual realms.
[ 4 ] So gingen unserer Erdenentwickelung nicht nur voran drei Verkörperungen dieser unserer Erdenkugel, sondern drei geistige Welten, drei mächtige Weltenreiche. Und diese drei mächtigen Weltenreiche unterscheiden sich sehr wesentlich voneinander, wenn man sie mit übersinnlichem Bewußtsein untersucht. Wenn man die alte Saturn-, die alte Sonnen- und die alte Mondenentwickelung untersucht, so stellt sich etwas dar, was sich eigentlich gar nicht vergleichen läßt mit alledem, was wir imstande sind auf unserer Erde mit Namen zu belegen. Wir können da nur vergleichsweise sprechen.
[ 4 ] Thus, the evolution of our Earth was preceded not only by three incarnations of our Earth, but also by three spiritual worlds, three mighty world realms. And these three mighty world realms differ very significantly from one another when examined with supersensible consciousness. When one examines the ancient Saturn, Sun, and Moon evolutions, what emerges is something that cannot really be compared to anything we are able to name on our Earth. We can only speak in relative terms here.
[ 5 ] Sie erinnern sich, wie von mir gesagt worden ist, daß die alte Saturnentwickelung im wesentlichen Wärmeentwickelung, Feuerentwickelung war; daß auf der Sonne sich die Wärme zur Luft verdichtet hat, auf dem alten Monde die Luft zum Wasser und auf der Erde erst die «Erde» zum Vorschein kommt. Wenn Sie aber das, was Sie heute mit dem Begriffe Feuer oder Wärme verbinden, unmittelbar anwenden wollten auf die Wärme- oder Feuerentwickelung des alten Saturn, so gäbe das nicht eine ganz richtige Vorstellung, denn jenes Saturnfeuer unterscheidet sich wesentlich von unserem Erdenfeuer. Sie können dieses Saturnfeuer gar nicht vergleichen mit dem Feuer, das Sie erhalten, wenn Sie Holz anzünden, oder mit jenem Feuer, das Sie gebrauchen, wenn Sie Metall schmelzen und dergleichen, sondern es gibt nur ein einziges, womit sich einigermaßen das alte Saturnfeuer heute vergleichen läßt, und das ist jenes Feuer, das als Wärme Ihr eigenes Blut durchströmt. In diesem, man könnte sagen lebendigen Feuer, in dieser Wärme, das zu gleicher Zeit das Belebende in Ihnen ist, haben Sie etwas, was Sie vergleichen können mit der Substanz, aus der der alte Saturn einzig und allein bestanden hat, während das, was heute physisches Feuer ist, schon ein Abkömmling, ein spätes Produkt ist des alten Saturnfeuers, und diese Form, wie Sie sie draußen in dem Raume sehen mit physischen Augen, eigentlich erst auf der Erde entstanden ist. Nur noch unsere Blutwärme erinnert uns physisch an das, was während der physischen Entwickelungszeit auf dem alten Saturn vorhanden war. So also sehen Sie, daß es nur weniges gibt, das sich innerhalb unserer heutigen Erfahrung vergleichen läßt mit den Eigenschaften, die in diesen früheren Entwickelungszuständen vorhanden gewesen sind, so daß wir drei sehr von unserem heutigen Erdenzustand verschiedene Vorfahrenzustände vorfinden: den alten Saturnzustand, den alten Sonnenzustand, den alten Mondenzustand.
[ 5 ] You will recall that I have said that the ancient development of Saturn was essentially a development of heat and fire; that on the Sun, heat condensed into air; on the ancient Moon, air condensed into water; and on Earth, the “Earth” itself first came into being. But if you were to apply what you associate today with the concepts of fire or heat directly to the heat or fire development of ancient Saturn, that would not give you a completely accurate picture, for that Saturn fire differs fundamentally from our earthly fire. You cannot compare this Saturn fire at all to the fire you obtain when you light wood, or to the fire you use when melting metal and the like; rather, there is only one thing with which the ancient Saturn fire can be somewhat compared today, and that is the fire that flows through your own blood as heat. In this—one might say—living fire, in this warmth that is at the same time the life-giving force within you, you have something that can be compared to the substance of which the ancient Saturn consisted solely, whereas what is physical fire today is already a descendant, a later product of the ancient Saturn fire, and this form, as you see it out there in space with your physical eyes, actually first arose on Earth. Only the warmth of our blood physically reminds us of what existed on ancient Saturn during the period of physical development. So you see that there is very little within our present-day experience that can be compared to the qualities that existed in these earlier stages of development, so that we find three ancestral states very different from our present-day earthly condition: the ancient Saturn state, the ancient Sun state, and the ancient Moon state.
[ 6 ] Nun müssen Sie sich aber klar darüber sein, daß im Grunde genommen in unserer Erdenentwickelung alles das wiederum in einer gewissen Weise enthalten ist, was während des alten Saturn-, des Sonnen- und des Mondenzustandes vorhanden war; es hat sich nur verändert. Es steckt gewissermaßen dasjenige, was im alten Saturn zuerst als Keim veranlagt war und sich durch Sonne und Mond weiter entwickelt hat, in unserer Erdenentwickelung drinnen, und wir sehen alles das, was durch diese drei aufeinanderfolgenden Zustände sich entwickelt hat, zwar verändert innerhalb unserer Erdenentwickelung, aber wir können aus den veränderten Zuständen immer angeben, was von den früheren Entwickelungszuständen zugrunde liegt. Es ist gleichsam der alte Saturn, die alte Sonne, der alte Mond in unsere Erde hineingeheimnißt.
[ 6 ] Now, however, you must be clear that, fundamentally speaking, everything that existed during the ancient Saturn, Sun, and Moon stages is, in a certain sense, contained within our Earth’s evolution; it has merely changed. In a sense, what was first laid down as a seed in the ancient Saturn and subsequently developed through the Sun and Moon is contained within our Earth’s evolution, and we see all that has developed through these three successive stages—albeit transformed within our Earth’s evolution—but we can always discern from the transformed states what underlies them from the earlier stages of development. It is, as it were, the old Saturn, the old Sun, and the old Moon that are enshrined within our Earth.
[ 7 ] Nun wollen wir uns ein wenig genauer damit beschäftigen, wie diese Dinge in unsere Erdenentwickelung hineingeheimnißt sind. Wenn Sie sich das vor die Seele rücken, was in den vorhergehenden Vorträgen gesagt worden ist, so können Sie sich sagen, daß dieErde mitSonne und Mond zusammen einmal ein Körper war. Damals war in dieser Erde darinnen alles an geistigen Wesenheiten, an physischen Substanzen, was vorhanden war während der alten Saturn-, der alten Sonnen- und der alten Mondenzeit, aber auch alles, was von geistigen Wesenheiten tätig war während dieser Zeiten. Das wohnte im Beginne der Erdenzeit in der Erde zusammen. So daß wir diesen Beginn der Erdenzeit so kennzeichnen können: die Erde beginnt damit, daß sie in sich aufgenommen hat drei vorhergehende Entwickelungszustände mit all den Entwickelungsstufen der geistigen Wesenheiten, die vorangegangen sind. Das alles lebte in unserer Erde darinnen. Wenn Sie sich aber vorstellen, daß diese Wesenheiten verschiedene Entwickelungsstufen haben, so müssen Sie sich sagen: Es muß also jemand, der diese Erde betrachtet, unterscheiden können zwischen diesen drei verschiedenen geistigen Wesenheiten und Substanzen; er muß sich für den Beginn der Erdenentwickelung sagen können: Hier ist etwas, das konnte nur entstehen dadurch, daß eimal die Saturnentwickelung unserer Erdenentwickelung voranging, hier ist etwas, das konnte nur entstehen dadurch, daß einmal die Sonnenentwickelung voranging, und hier etwas, das konnte nur entstehen dadurch, daß einmal die Mondenentwickelung unserer Erdenentwickelung voranging. — So daß also unserer Erdenentwickelung drei Zustände vorangingen, die sich im Beginne der Erdenentwickelung in diesem Erdenkörper wiederfinden.
[ 7 ] Now let us examine a little more closely how these things are woven into the development of our Earth. If you reflect on what has been said in the previous lectures, you can conclude that the Earth, together with the Sun and the Moon, was once a single body. At that time, this Earth contained within it all the spiritual beings and physical substances that existed during the ancient Saturn, Sun, and Moon eras, as well as all the spiritual beings that were active during those times. All of this dwelt together within the Earth at the beginning of the Earth’s history. Thus we can characterize this beginning of the Earth’s history as follows: the Earth begins by having absorbed within itself three preceding stages of development, along with all the developmental stages of the spiritual beings that preceded them. All of this lived within our Earth. But if you imagine that these beings have different stages of development, you must realize: Anyone observing this Earth must therefore be able to distinguish between these three different spiritual beings and substances; they must be able to say, regarding the beginning of Earth’s development: Here is something that could only have come into being because the Saturn evolution once preceded our Earth’s evolution; here is something that could only have come into being because the Sun evolution once preceded it; and here is something that could only have come into being because the Moon evolution once preceded our Earth’s evolution. — Thus, our Earth’s evolution was preceded by three states, which are reflected in this Earth body at the beginning of Earth’s evolution.
[ 8 ] Die Tatsache, die ich Ihnen eben jetzt vor das geistige Auge gerückt habe, die stand den Menschen, die in einem alten instinktiven Bewußtsein einen Zusammenhang hatten mit den Geheimnissen der geistigen Welt, immer vor Augen. Und wenn die Dreizahl als eine charakteristische Zahl für höhere Welten besonders genannt wird, so stand denjenigen, die das Konkrete, nicht das Abstrakte, die die Sache, nicht die Begriffe im Auge haben, immer vor der Seele die Tatsache, daß unsere Erde in sich enthielt wie in ihrem Schoß, was vom alten Saturn, von der alten Sonne, von dem alten Monde herkam. Das ist die sogenannte höhere, die vorirdische Dreiheit. Zurückgeblickt haben auf uralte Zeiten, wo alles Irdische noch geistig war, die alten Eingeweihten, und haben gesagt: Demjenigen, was erst auf der Erde fest geworden ist, gingen andere elementare Zustände voran. Als die Erde sich noch nicht als vierter hinzugesellt hatte den drei vorhergehenden Zuständen, da gingen voran diese drei Zustände: das Vorirdische, dem alles Irdische sein Dasein verdankt. Eine Dreiheit, die wir in den uns geläufigen Ausdrücken mit Saturn, Sonne und Mond bezeichnen, geht unserer Erde voran. Und wie ist es jetzt mit unserer Erdenentwickelung? Diese Dreiheit hat sich weiter entwickelt, eben zu unserer Erde selber. Spricht man also von der sogenannten höheren Dreiheit, so meint man im Konkreten die drei vorirdischen Zustände; spricht man von der Vierheit, so meint man diese drei Zustände, wie sie sich allmählich verändert haben so, daß sie die Erde selbst noch aufnehmen konnten. Deshalb empfanden alle die Menschen, die mit den Tatsachen der geistigen Welt durch ein instinktives Bewußtsein in Verbindung standen, das Geheimnis des Erdenwerdens in dem Verhältnis von der Drei zur Vier; sie sagten sich: Unsere Erde ist die vierte Verkörperung unserer Weltenentwickelung; sie hat, indem sie die vierte Verkörperung ist, aufgenommen die drei früheren Verkörperungen, die sich hinentwickelt haben bis zu ihrem Erdenzustand, aber drei davon mußten zu immer höheren Stufen schon in der vorirdischen Zeit sich entwickeln. — So blickte man von dem, was die Vier geworden ist, zur Drei hinauf mit heiliger Scheu und sagte: Die Drei — Saturn, Sonne und Mond - liegen zugrunde der Vier, die unsere Erdenentwickelung ausdrückt. Es ist selbstverständlich, daß die Ausdrücke Saturn, Sonne und Mond meine heutigen sind für andere des instinktiven Bewußtseins.
[ 8 ] The fact that I have just brought to your mind’s eye was always present to the people who, through an ancient instinctive consciousness, had a connection to the mysteries of the spiritual world. And when the number three is specifically mentioned as a characteristic number for higher worlds, those who focus on the concrete rather than the abstract, on the thing itself rather than concepts, always had before their souls the fact that our Earth contained within itself—as in its bosom—what came from the ancient Saturn, the ancient Sun, and the ancient Moon. This is the so-called higher, pre-earthly triad. The ancient initiates looked back to time immemorial, when everything earthly was still spiritual, and said: What later became solid on Earth was preceded by other elemental states. Before the Earth had yet joined the three preceding states as the fourth, these three states preceded it: the pre-earthly, to which all earthly existence owes its being. A trinity—which, in the terms familiar to us, we designate as Saturn, the Sun, and the Moon—precedes our Earth. And what of our Earth’s development now? This trinity has evolved further, precisely into our Earth itself. Thus, when we speak of the so-called higher trinity, we specifically mean the three pre-Earth states; when we speak of the quaternity, we mean these three states as they have gradually transformed themselves so that they could still accommodate the Earth itself. That is why all people who were connected to the realities of the spiritual world through an instinctive awareness perceived the mystery of the Earth’s becoming in the relationship between the three and the four; they said to themselves: Our Earth is the fourth embodiment of our world’s evolution; as the fourth embodiment, it has incorporated the three earlier embodiments, which evolved up to their Earthly state, but three of them had to develop to ever higher stages even in the pre-Earth era. — Thus, looking up from what has become the Four toward the Three with sacred awe, people said: The Three—Saturn, the Sun, and the Moon—lie at the foundation of the Four, which expresses our earthly evolution. It goes without saying that the terms Saturn, Sun, and Moon are my present-day expressions for others of the instinctive consciousness.
[ 9 ] Wenn wir nun diese unsere Erdenentwickelung selbst verfolgen, dann können wir uns fragen: Wie beteiligen sich denn die einzelnen geistigen Wesenheiten an deren weiterem Fortgang? Dieser Fortgang besteht darin, daß sich die Sonne von der Erde loslöste, und dann der Mond. Bei diesen Vorgängen sind geistige Wesenheiten beteiligt; die leiten diese Vorgänge. Geistige Wesenheiten ziehen die Sonne von der Erde heraus, und ebensolche ziehen den Mond aus der Erde heraus. Wie beteiligen sich denn die einzelnen geistigen Wesenheiten des alten Saturn, die der alten Sonne, die des alten Mondenreiches an den verschiedenen Vorgängen? Sie stehen ja auf verschiedenen Entwickelungsstufen; sie werden sich also in verschiedener Weise daran beteiligen. Da haben wir zunächst eine Gruppe von geistigen Wesenheiten — das sind diejenigen, die vorzugsweise während der alten Sonnenentwickelung eine gewisse Entwickelung durchgemacht haben, eine Entwickelung, die für sie so wichtig war wie für den Menschen die Erdenentwickelung ist —, Wesenheiten also, welche eine solche Entwickelung durchgemacht haben, daß geradezu die alte Sonne ausersehen war, ihnen den Schauplatz zu bieten für sie, die gleichsam angepaßt sind der alten Sonne, die zusammengehören mit ihr. Das sind diejenigen Wesenheiten, die auch während der Erdenentwickelung die Sonne aus der Erde herausgeholt haben, weil sie schon während der alten Sonne so weit waren, daß sie damals so mit dieser verbunden waren wie die Menschheit jetzt mit der Erde verbunden ist. Sie sind so weit, daß sie die Sonne brauchen zu ihrem weiteren Fortkommen. Mit der Abtrennung der Sonne gingen auch die Sonnengeister von der Erde heraus, um von außen auf unsere Erde hereinzuwirken. Nun blieben bei der Erde noch, da die Sonnengeister weggegangen waren, die Saturngeister und die Mondengeister. Von diesen zwei Gruppen von geistigen Wesenheiten sind es nun die Saturngeister, welche so weit waren in ihrer Entwickelung, daß sie leiten und lenken konnten das Hinaustreten des Mondes aus unserer Erde. Diese Geister waren dadurch reif für diese Tat, daß sie in einer gewissen Beziehung vorangegangen waren in ihrer Reife den Sonnengeistern, daß sie schon während der Saturnzeit durchgemacht haben das, was die Sonnengeister während der Sonnenzeit durchgemacht haben. Daher waren sie fähig, den Mond herauszutreiben aus der Erde und die innere Entwickelung des Menschen anzuregen, den Menschen, der sonst verhärtet, mumifiziert wäre, von innen heraus zu beleben. So kann man sagen: Es haben die Tat der Sonnentrennung die Sonnengeister, die Tat der Mondentrennung die Saturngeister bewirkt. -— Die Sonne ist kosmisches Symbolum für die Tat der Sonnengeister, der Mond ist kosmisches Symbolum für die Tat der Saturngeister. Was bleibt der Erde selber? Was eigentlich alte Mondengeister waren, die bleiben der Erde selber.
[ 9 ] If we now trace the development of our Earth ourselves, we may ask: How do the individual spiritual beings participate in its further progression? This progression consists in the Sun separating from the Earth, and then the Moon. Spiritual beings are involved in these processes; they guide them. Spiritual beings draw the Sun out of the Earth, and the same kind of beings draw the Moon out of the Earth. How, then, do the individual spiritual beings of the ancient Saturn, of the ancient Sun, and of the ancient Moon realm participate in these various processes? They are, after all, at different stages of development; they will therefore participate in different ways. First, we have a group of spiritual beings—these are the ones who underwent a certain development primarily during the evolution of the ancient Sun, a development that was as important to them as the Earth’s evolution is to human beings— that is, beings who have undergone such a development that the ancient Sun was, as it were, destined to provide them with a setting—beings who are, so to speak, attuned to the ancient Sun and belong to it. These are the beings who, even during the Earth’s evolution, brought the Sun forth from the Earth, because they had already reached such a stage during the ancient Sun that they were connected to it at that time just as humanity is now connected to the Earth. They have reached a stage where they need the Sun for their further progress. With the separation of the Sun, the Sun spirits also left the Earth to work upon our Earth from the outside. Now that the Sun spirits had departed, the Saturn spirits and the Moon spirits remained with the Earth. Of these two groups of spiritual beings, it was the Saturn spirits who had advanced so far in their development that they were able to guide and direct the Moon’s emergence from our Earth. These spirits were ready for this task because, in a certain sense, they had preceded the Sun spirits in their maturity; they had already undergone during the Saturn era what the Sun spirits would undergo during the Sun era. Therefore, they were able to drive the Moon out of the Earth and stimulate the inner development of the human being—to enliven from within a human being who would otherwise have become hardened and mummified. Thus one can say: The Sun spirits brought about the act of the Sun’s separation, and the Saturn spirits brought about the act of the Moon’s separation. — The Sun is the cosmic symbol of the deeds of the Sun Spirits; the Moon is the cosmic symbol of the deeds of the Saturn Spirits. What remains with the Earth itself? What were actually the ancient Moon Spirits—they remain with the Earth itself.
[ 10 ] Für die nächsten Tage wird es nützlich sein, einen ganz bestimmten Moment der Erdenentwickelung ins Auge zu fassen. Ich meine den, wo eben gerade der Mond aus der Erde herausgegangen war. Da war die Erde zurückgeblieben. Die Sonne war schon früher fortgegangen. Die Erde ist jetzt in einem ganz bestimmten Zustand, sie ist dazumal noch nicht so wie heute. Wäre die Erde bei der Mondentrennung schon so gewesen wie sie heute ist, dann wäre der ganze Geschichtsverlauf nicht notwendig gewesen. Die Erde war also nicht so; sie war im Verhältnis zu ihrem heutigen Zustand, wo sie bedeckt ist mit einem heutigen mineralischen, mit einem heutigen pflanzlichen, mit einem tierischen und physisch-menschlichen Reiche, in einem unvollkommenen Zustand. Alles das war noch nicht klar hervorgetreten. Es waren noch nicht die einzelnen Kontinente voneinander geschieden. Alles war in einem, man könnte sagen, Wirrwarr. Das spätere mußte sich erst entwickeln. Sie würden vergebens suchen, wenn Sie mit übersinnlichem Schauen den Entwickelungsverlauf überblickten, beim damaligen Erdenzustand etwa eine Pflanzendecke und Mineralien wie die heutigen; vergebens würden Sie suchen solche tierische und menschliche Gestalten, wie die heutigen sind. Wodurch hat sich denn das alles erst gebildet? Dadurch, daß von außen Sonne und Mond gewirkt haben. Die waren ja dazu hinausgegangen, daß sie von auswärts auf die Erde wirken konnten. Hervorgezaubert hat unsere Erde dasjenige, was durch Hereinwirken von Sonne und Mond hat entstehen können: alles das, was wir heute um uns herum auf der Erde sehen. So müssen wir also eine unvollkommene, chaotische Erde uns vor die Seele rücken, wenn wir sprechen von dem Zeitpunkte, wo der Mond hinausgegangen war, und müssen sagen: Nach und nach bedeckte sich die Erde mit denjenigen Gebilden, die wir heute um uns wahrnehmen, mit der Pflanzendecke, mit den verschiedenen Tiergruppen, den Menschenrassen im heutigen physischen Sinne. Das alles sprießt und sproßt durch die Einwirkung der Wesenheiten, die von der Sonne und dem Monde her wirken. Von denjenigen Wesenheiten, die von der Sonne her wirken, sind namentlich die äußeren Gestaltungen hervorgerufen, die Gestaltungen der Mineralien, der Pflanzen, der Tiere und der physischen Menschen; von den Wesenheiten, die vom Monde her wirken, wird insbesondere das seelische Leben angeregt in den Tieren und Menschen. So also schaffen von außen her diese Wesenheiten an unserer Erdenentwickelung. Das, was ich Ihnen jetzt dargestellt habe, ist ungefähr in ganz wenigen Worten das Bild, welches die Erdenentwickelung charakterisiert von der sogenannten lemurischen Zeit an bis in die atlantische hinein. Erst während der atlantischen Zeit stellt sich ganz langsam und allmählich das Bild der Erde so, wie wir es jetzt erblicken in unserer Umgebung. So müssen wir unterscheiden sozusagen im Laufe der Erdenentwickelung seit der Mondentrennung zwischen einer chaotischen und einer geordneten Erde, einer Erde, welche die Wirkungen der geistigen Wesenheiten ihrer Umgebung bereits erfahren hat.
[ 10 ] Over the next few days, it will be helpful to focus on a very specific moment in the Earth’s evolution. I am referring to the moment when the Moon had just separated from the Earth. At that time, the Earth was left behind. The Sun had already departed earlier. The Earth is now in a very specific state; back then, it was not yet as it is today. If the Earth had already been as it is today at the time of the Moon’s separation, then the entire course of history would not have been necessary. So the Earth was not like that; compared to its present state—in which it is covered by the present mineral, plant, animal, and physical-human kingdoms—it was in an imperfect state. None of this had yet clearly emerged. The individual continents had not yet been separated from one another. Everything was, one might say, in a state of chaos. What came later had to develop first. You would search in vain if, using supersensible vision, you were to survey the course of development and look for, in the Earth’s state at that time, a plant cover and minerals like those of today; you would search in vain for animal and human forms such as those that exist today. How, then, did all this first come into being? It was brought about by the influence of the Sun and the Moon from outside. They had, after all, moved out so that they could act upon the Earth from the outside. Our Earth conjured forth that which could come into being through the influence of the Sun and the Moon: everything we see around us on Earth today. So we must picture an imperfect, chaotic Earth in our minds when we speak of the time when the Moon had moved away, and we must say: Little by little, the Earth became covered with the forms we perceive around us today—the vegetation, the various groups of animals, and the human races in the present-day physical sense. All of this sprouts and grows through the influence of the beings that act from the Sun and the Moon. The beings acting from the Sun are responsible, in particular, for the outer forms—the forms of minerals, plants, animals, and physical human beings; the beings acting from the Moon, in particular, stimulate the soul life in animals and human beings. Thus, these beings contribute to the development of our Earth from the outside. What I have now described to you is, in very few words, the picture that characterizes the development of the Earth from the so-called Lemurian period into the Atlantean period. It was not until the Atlantean period that the image of the Earth as we now perceive it in our surroundings began to take shape, very slowly and gradually. Thus, in the course of Earth’s evolution since the separation from the Moon, we must distinguish, so to speak, between a chaotic Earth and an ordered Earth—an Earth that has already experienced the influences of the spiritual beings in its surroundings.
[ 11 ] Das alles, was ich gesagt habe, ist das Ergebnis, das man nicht zu holen braucht aus dieser oder jener historisch überlieferten Lehre. Nehmen Sie an, durch irgendein Ereignis wäre alles das verlorengegangen, was die Eingeweihten des, sagen wir alten, ehrwürdigen Indiens geschaffen haben; es wären verlorengegangen die Erkenntnisse der persischen Magier, die Erkenntnisse der Chaldäer, der ägyptischen Eingeweihten, die Erkenntnisse der Mysterien Griechenlands, nehmen Sie an, alles bis auf unsere Tage wäre an äußeren Dokumenten verlorengegangen, wir hätten kein Schriftstück, das uns mitteilte, was jemals gelehrt worden ist über die geistigen Grundlagen unserer Erdenentwickelung! Nicht verlorengegangen wäre uns die Möglichkeit, heute selber das übersinnliche Bewußtsein zu entwickeln. So kann alles, was jetzt erzählt worden ist, gefunden werden ohne irgendein historisches Dokument durch übersinnliche Forschung. Wir haben also damit erwas vor uns, was im heutigen Entwickelungsmoment geradeso aus dem Ursprünglichen heraus gelernt werden kann, wie etwa die Mathematik aus dem Ursprünglichen heraus gelernt werden kann.
[ 11 ] Everything I have said is a conclusion that need not be drawn from this or that historically transmitted teaching. Suppose that, due to some event, everything created by the initiates of—let us say—ancient, venerable India had been lost; suppose the insights of the Persian magi, the insights of the Chaldeans, the Egyptian initiates, and the insights of the Greek mysteries had all been lost; suppose everything up to the present day had been lost in terms of external documents—we would have no written record telling us what was ever taught about the spiritual foundations of our Earth’s evolution! What would not have been lost to us is the possibility of developing supersensory consciousness ourselves today. Thus, everything that has now been recounted can be discovered—without any historical document—through supersensory research. We therefore have before us something that, at this present stage of development, can be learned directly from the original source, just as mathematics, for example, can be learned directly from the original source.
[ 12 ] Jetzt versuchen wir einmal, nachdem wir sozusagen ein kleines Kapitel der umfassenden Geisteswissenschaft vor uns hingestellt haben, irgendwo anzuknüpfen, um zu sehen, wie das, was wir heute konstatieren können durch die übersinnliche Forschung, gelebt hat in vergangenen Zeiten. Gewiß, es könnte auch eine andere Methode eingeschlagen werden, aber für diesen Zyklus ist einmal als Methode in Aussicht genommen, daß wir dasjenige, was wir ohne historische Urkunden finden können, vergleichen mit dem, was uns durch diese oder jene Urkunde überliefert ist. Da wollen wir nicht einmal besonders weit zurückgehen, wir wollen zurückgehen zu einer historischen Persönlichkeit, welche gelebt hat in verhältnismäßig alten Zeiten der griechischen Geistesentwickelung, zu jener Persönlichkeit, von der äußerlich-geschichtlich sehr wenig, nicht einmal die Jahreszahl ihres Lebens so recht bekanntgeworden ist. Wir wollen zurückgehen zu jener Persönlichkeit, die den anderen griechischen Weisen in gewisser Beziehung vorangegangen ist, zu Pherekydes von Syros. Der hat gelebt in der Zeit der griechischen Geistesentwickelung, die man die Zeit der sieben Weisen nennt, die also vorangeht all dem, was sonst aus der griechischen Philosophie geschichtlich mitgeteilt wird. Es wird nur weniges äußerlich in der Geschichte von diesem Pherekydes von Syros erzählt. Es ist aber genügend interessant, einmal an das heranzutreten, was von ihm erzählt wird. Er wird unter anderem auch genannt als Lehrer des Pythagoras. Auf ihn sind zurückzuführen viele der Lehren, die Sie bei Heraklit, bei Plato, bei späteren Weisen finden. Er gehörte der älteren Zeit der griechischen Entwickelung an, von der man sagt, daß sie sieben Weise hatte, wie man sagt, daß die alten Inder sieben Rishis hatten. Zur Zeit dieser sieben Weisen Griechenlands hat Pherekydes von Syros gelebt. Von ihm wird nun erzählt, daß er gelehrt habe, daß unserer ganzen Entwickelung drei Prinzipien zugrunde liegen, und diese drei Prinzipien nennt er den Zeus, den Chronos und die Chthon. Was sind das für drei Bezeichnungen? Wenn man genauer prüft, was mit diesen drei Bezeichnungen gemeint ist, so ist es das folgende: Erstens werden Sie ohne weiteres wissen, daß ja Chronos nur eine andere Bezeichnung für den alten Saturn ist; das ist ein und dasselbe. So haben wir in dem einen Prinzip bei Pherekydes von Syros in dem Chronos diejenige Summe von görtlich-geistigen Wesenheiten, die wir zum Reiche des Saturn rechnen, Alles dasjenige, was wir zum Reiche des alten Saturn rechnen, alles, was dann wieder in der Erdenentwickelung gewirkt hat als Wesen, die imstande waren den Mond herauszutrennen, die haben wir in Chronos-Saturn. Und weiter, Zeus! Zeus ist ein Wort, ein Name, der schwankend ist, wenn er gebraucht wird in älteren Zeiten. Man gebraucht ihn für geistige Individualitäten auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung. Diejenigen aber, die im älteren Griechenland etwas gewußt haben von Einweihung, die haben in Zeus gesehen den ihnen erkennbaren Anführer der Sonnengeister. Zeus ist dasjenige, was lebt in den Wirkungen, die von der Sonne auf die Erde ausgeübt werden. So haben wir das zweite Reich, das Reich der Sonnengeister als das Zeusreich von Pherekydes von Syros bezeichnet. Chthon, was ist das? Das ist nun nichts anderes als eine Bezeichnung für jenen Zustand unserer Erde, in dem diese war in dem Augenblicke, als sich der Mond losgetrennt hatte, nämlich in einer Art chaotischem Zustande, wo noch nicht die Pflanzen, noch nicht die Tier- und Menschenrassengestalten die Erde bedeckten. Und nun finden Sie ein merkwürdiges Wort bei Pherekydes von Syros; er sagte: Es liegen also diese drei Prinzipien, Zeus, Chronos und Chthon unserer Erdenentwickelung zugrunde. Das, was die Erde geworden ist, ist sie erst geworden durch das Zusammenwirken dieser drei Prinzipien, jener heiligen ursprünglichen Dreiheit, die herübergekommen ist von vorirdischen Zuständen. —Die kennt also auch dieser alte griechische Weise und das bezeichnet er mit den ihm geläufigen drei Namen. Nun erzählt er, wie das weitergegangen ist. Es war aber in alten Zeiten nicht üblich, daß man solche Dinge mit solch trockenen, brutalen Begriffen bezeichnete wie heute, sondern da gebrauchte man farbige Vorstellungen für das, was man im Geiste erschaut und erkennt. Und da sagte Pherekydes von Syros: Chthon wurde zur Gäa, zur Erde, zu dem, was man heute Erde nennt, dadurch, daß ihr Zeus das Ehrengeschenk überreicht hatte und sie dadurch mit dem Gewande überzogen wurde. — Ein wunderschönes Wort für diejenige Entwickelung, die ich Ihnen eben in wenigen Worten zusammengefaßt habe. Die Erde stand allein; draußen waren Sonne und Mond, die geistigen Reiche des Zeus und des Chronos. Da fing die ja zuerst hinausgegangene Sonne an, auf die Erde zu wirken. Es war wie eine Befruchtung der Erde in ihrem chaotischen Zustande; also, um mit dem alten griechischen Weisen zu sprechen: es war wie eine Befruchtung der Chthon durch den Zeus. Heruntergesendet wurden im Physischen die Sonnenwärme und das Sonnenlicht, heruntergesendet wurden in der Sonnenwärme und in dem Sonnenlicht die wohltätigen Wirkungen des Zeusreichs, das alles befruchtete. Da wurde der Erde gegeben das Ehrengeschenk. Die Erde bedeckte sich mit dem Gewande, und das Gewand ist nun nichts anderes als der Teppich von Pflanzen- und Tiergestalten und Gestalten der physischen Menschen, mit denen sich jetzt die Erde umspannte. Die Chthon wurde zur Gäa dadurch, daß ihr Zeus das Ehrengeschenk bescherte und sie sich dadurch mit dem Gewande überzog.
[ 12 ] Now that we have, so to speak, laid out before us a small chapter of the comprehensive science of the spirit, let us try to pick up the thread somewhere to see how what we can establish today through supersensible research was lived in times past. Certainly, another method could be adopted, but for this lecture series we have adopted the approach of comparing what we can discover without historical documents with what has been handed down to us through this or that document. We do not even want to go particularly far back; but rather to a historical figure who lived in the relatively early days of Greek spiritual development—a figure about whom very little is known from an external, historical perspective, not even the exact dates of his life. Let us go back to the figure who, in a certain sense, preceded the other Greek sages: Pherecydes of Syros. He lived during the period of Greek spiritual development known as the time of the Seven Sages, which thus precedes everything else that is historically recorded about Greek philosophy. Very little is told in history about this Pherecydes of Syros. But it is interesting enough to take a closer look at what is said about him. Among other things, he is also mentioned as the teacher of Pythagoras. Many of the teachings you find in Heraclitus, Plato, and later sages can be traced back to him. He belonged to the earlier period of Greek development, which is said to have had seven sages, just as the ancient Indians are said to have had seven rishis. Pherecydes of Syros lived during the time of these seven sages of Greece. It is said of him that he taught that our entire development is based on three principles, and he calls these three principles Zeus, Chronos, and Chthon. What do these three terms mean? If one examines more closely what is meant by these three terms, it is as follows: First, you will readily know that Chronos is simply another name for the ancient Saturn; they are one and the same. Thus, in the principle of Chronos as described by Pherecydes of Syros, we find that sum of celestial-spiritual beings which we count among the realm of Saturn—everything we count among the realm of the ancient Saturn, everything that subsequently acted in Earth’s evolution as beings capable of separating the Moon—all of this we find in Chronos-Saturn. And furthermore, Zeus! Zeus is a word, a name, that is ambiguous when used in ancient times. It is used to refer to spiritual individualities at the most diverse stages of development. But those in ancient Greece who knew something of initiation saw in Zeus the leader of the sun spirits, as they perceived him. Zeus is that which lives in the effects exerted by the sun upon the earth. Thus we have designated the second realm—the realm of the sun spirits—as the “realm of Zeus” as described by Pherecydes of Syros. Chthon—what is that? It is nothing other than a term for the state of our Earth at the moment the Moon separated from it—namely, a kind of chaotic state in which neither plants nor animal and human species yet covered the Earth. And now you will find a curious statement by Pherekydes of Syros; he said: “These three principles—Zeus, Chronos, and Chthon—form the foundation of our Earth’s development. The Earth became what it is only through the interplay of these three principles, that sacred, primordial Trinity that has come down from pre-earthly states.” —So this ancient Greek sage is also familiar with it, and he designates it by the three names familiar to him. Now he recounts how things proceeded from there. In ancient times, however, it was not customary to describe such things with such dry, blunt terms as we do today; rather, people used vivid imagery for what they beheld and recognized in their minds. And so Pherekydes of Syros said: Chthon became Gaia, the Earth, what we call Earth today, because Zeus had bestowed upon her the gift of honor, thereby clothing her in that garment. — A beautiful way of describing the development I have just summarized for you in a few words. The Earth stood alone; outside were the Sun and the Moon, the spiritual realms of Zeus and Cronus. Then the Sun, which had gone out first, began to act upon the Earth. It was like a fertilization of the Earth in its chaotic state; thus, to speak in the words of the ancient Greek sages: it was like a fertilization of Chthon by Zeus. Sent down in the physical realm were the sun’s warmth and sunlight; sent down within the sun’s warmth and sunlight were the beneficial effects of the realm of Zeus, which fertilized everything. Thus the Earth was given the gift of honor. The Earth covered itself with a garment, and this garment is now nothing other than the tapestry of plant and animal forms and the forms of physical human beings with which the Earth is now enveloped. Chthon became Gaia through Zeus bestowing upon her the gift of honor, and through her thereby covering herself with this garment.
[ 13 ] So sehen wir in merkwürdigen bildlichen Ausdrücken, in einer schönen Sprache wiederum dasjenige, was heute das übersinnliche Bewußtsein finden kann, in der Zeit, als die sieben Weisen Griechenlands lebten, als Pherekydes von Syros wirkte, von dem kaum viel mehr als das Äußerliche erhalten ist, das ich Ihnen jetzt erzählt habe. Derjenige aber, der diese Dinge, die bei diesem Weisen vorkommen, mit jenem Lichte beleuchtet, das uns heute die übersinnliche Forschung geben kann, der wird sich sagen: Man könnte so etwas nicht so treffend ausdrücken, daß es durch die heutige übersinnliche Forschung bestätigt wird, wenn man nicht selber von allen diesen Dingen etwas gewußt hätte. - Und wenn wir uns nun weiter fragen: Woher rührte das Wissen des Pherekydes von Syros? - so kommen wir darauf, daß er sich erfreuen konnte einer sogenannten phönizischen Einweihung. Wir sehen also in ihm einen Menschen, welcher in den Tempeln des alten phönizischen Landes eingeweiht worden ist, und welcher das, was er sagen durfte, aus diesen phönizischen Tempeln nach Griechenland herübergebracht und da gelehrt hat. So ist aus dem Orient herübergeflossen mancherlei von dem, was dort im Einklang mit der übrigen orientalischen Weisheit vorhanden war.
[ 13 ] Thus, in remarkable figurative expressions and beautiful language, we see once again what supersensible consciousness can discover today—from the time when the seven sages of Greece lived, when Pherecydes of Syros was active, of whom little more than the external details I have just recounted to you have been preserved. But anyone who illuminates these things associated with this sage with the light that supersensory research can provide us today will say to himself: One could not express such things so aptly—in a way confirmed by today’s supersensory research—unless one had known something of all these things oneself. - And if we now ask ourselves further: Where did the knowledge of Pherekydes of Syros come from? — we come to the conclusion that he was able to undergo a so-called Phoenician initiation. We thus see in him a person who was initiated in the temples of the ancient Phoenician land, and who brought what he was permitted to say from these Phoenician temples to Greece and taught it there. Thus, much of what existed there in harmony with the rest of Eastern wisdom flowed over from the East.
[ 14 ] Ich wollte Ihnen damit nur ein Beispiel geben, und wir könnten viele solche Beispiele anführen, wie wir das, was heute ohne alle historische Tradition gefunden werden kann, wenn wir es richtig zu lesen verstehen, bei den alten Weisen wiederfinden. Wir sind hiermit nicht weit zurückgegangen in der Menschheitsgeschichte. Man kann an vielem sehen, daß man die Lehren, die heute als ursprüngliche gefunden werden können, in entsprechender Weise in alten Zeiten, wenn man nur die Ausdrücke zu entziffern vermag, finden kann. Dennoch dürfen Sie nicht verkennen, daß es ein ganz falsches Prinzip wäre, wenn wir eine Beleuchtung der orientalischen Weisheit durch dasjenige, was auch heute in der westlichen Welt gewonnen werden kann, damit erschöpft glaubten, daß wir einfach sagten: Das oder jenes finden wir im Orient für die Weltenentwickelung als Meinung; und so sprechen wir heute. — Das finden wir aber in derselben Weise auch bei Pherekydes von Syros meinetwegen, das finden wir auch in der ägyptischen Zeit, in der chaldäischen Magierzeit, in der altindischen Zeit. Man könnte dann, wenn man dieses für das einzig Mögliche hielte, sagen: Also finden wir heute eine Weisheit, die in den verschiedensten Formen allüberall, wo die Menschen nach Weisheit gestrebt haben, vorhanden war: Eine und dieselbe Weisheit allüberall! — Nicht das geringste kann gegen diese Behauptung in ihrer abstrakten Form eingewender werden, denn die Tatsache steht einfach so; aber das muß gesagt werden, daß dieses nur ein Teil der Wahrheit ist. So wie die Entwickelung der Pflanze nicht darin besteht, daß die Pflanze von ihrem untersten Wurzelpunkte aus bis zur Frucht immer dieselben Organe hervorbringt, sondern hervorbringt die grünen Pflanzenblätter, die farbigen Blütenblätter, die Staubgefäße, den Stempel und so weiter, so wie die Pflanze also verändert die Gestalt ihrer Hervorbringungen, sie zu immer Höherem und Höherem treibt, so ist es auch mit dem Fortschritt des Menschenlebens auf der Erde. Wenn es ganz richtig ist, daß sozusagen in den verschiedensten Formen dieselben Weistümer immer wieder erscheinen, so gibt es doch eine Entwickelung dieser Weistümer; und es ist einfach nicht richtig, daß etwa schon in der altindischen Zeit dasselbe dagewesen wäre, was heute da ist. Geradesowenig wäre das richtig, wie dasandere, daß an der Pflanze dasselbe ist, wenn die Blüte aufgebaut ist, wie in dem — meinetwillen sagen wir - Wurzelpunkt. Es ist sozusagen dieselbe Kraft darinnen; aber diese kann man nur in ihrer Realität erkennen, wenn man die wirkliche Entwickelung verfolgt, so daß man einen Fortschritt erkennt in den Geheimnissen, welche der Menschheitsentwickelung zugrunde liegen. Dasjenige, was in der ersten Zeit nach der großen atlantischen Katastrophe gelehrt worden ist auf der Erde, kann heute noch gelehrt werden; was Pherekydes von Syros gelehrt hat, kann heute noch gelehrt werden; aber die Erdenentwickelung ist für den Menschen auch bereichert worden, sie hat neue Einschläge bekommen.
[ 14 ] I simply wanted to give you an example of this—and we could cite many such examples—of how what can be found today without any historical tradition can, if we know how to interpret it correctly, be traced back to the ancient sages. We have not gone very far back in human history with this. It is evident from many things that the teachings which can be found today as primordial can also be found in a corresponding form in ancient times, if one is only able to decipher the expressions. Nevertheless, you must not fail to recognize that it would be a completely mistaken principle to believe that our understanding of Eastern wisdom, as illuminated by what can also be gained in the Western world today, is exhausted by simply saying: “We find this or that in the East as a view regarding the development of the world,” and so we speak today. — But we find this in exactly the same way in, say, Pherecydes of Syros; we find it also in the Egyptian era, in the era of the Chaldean magi, and in ancient India. If one were to regard this as the only possibility, one might then say: So today we find a wisdom that existed in the most diverse forms everywhere where people have sought wisdom: one and the same wisdom everywhere! — Not the slightest objection can be raised against this assertion in its abstract form, for the fact simply stands as such; but it must be said that this is only part of the truth. Just as the development of a plant does not consist in the plant producing the same organs from its lowest root tip all the way to the fruit, but rather in it producing green leaves, colorful petals, stamens, the pistil, and so on, just as the plant thus changes the form of what it produces, driving it toward ever higher and higher levels, so it is with the progress of human life on Earth. While it is quite true that, so to speak, the same forms of wisdom appear again and again in the most diverse forms, there is nevertheless a development of these forms of wisdom; and it is simply not true that, for example, what exists today was already present in ancient Indian times. That would be just as incorrect as the claim that the plant is the same when the flower is fully formed as it is at—let us say, for the sake of argument—the root tip. The same force is at work there, so to speak; but one can only recognize this force in its reality by tracing its actual development, so that one perceives progress in the mysteries that underlie human evolution. What was taught on Earth in the early period following the great Atlantean catastrophe can still be taught today; what Pherecydes of Syros taught can still be taught today; but Earth’s evolution has also been enriched for humankind—it has taken on new dimensions.
[ 15 ] Wir haben gestern auf den wichtigen Zeitpunkt des christlichen Einschlags für die Menschheitsentwickelung hingewiesen. Damit ist etwas gekommen, womit sich nichts Ähnliches vergleichen läßt, etwas, was ganz einzig dasteht in der Erdenentwickelung. Es ist mir schon zu Ohren gekommen, daß jemand gesagt hat: Ja, es wäre doch eine Ungerechtigkeit innerhalb der Menschheitsentwickelung, wenn soundsoviele Jahrtausende vor dem Erscheinen des Christus dem Menschen nicht die volle Weisheit hätte mitgeteilt werden können. Wie kamen denn die Menschen der vorchristlichen Zeit dazu, daß ihnen etwas vorenthalten werden konnte? Wir müssen aus der allgemeinen Weltgerechtigkeit heraus annehmen — so sagen manche -, daß sich zwar die Formen der Wahrheit ändern, daß aber nicht neue Wahrheiten zu den alten hinzukommen, sonst müßte man behaupten, daß für die Menschen, die aufbewahrt geblieben sind in ihrem Leben für die nachchristliche Zeit, etwas Höheres zubereitet worden wäre als für die vorchristlichen Menschen. —- Wenn es nicht wirklich zuweilen ausgesprochen würde, so brauchte das hier gar nicht erwähnt zu werden, denn man kann verstehen, daß diese Sache ausgesprochen wird sonst irgendwo, nur nicht unter geisteswissenschaftlich Strebenden. Warum nicht? Nun, weil ja die Menschen, die in der nachchristlichen Zeit verkörpert sind, dieselben sind wie diejenigen, die vorher gelebt haben; weil die Menschen durch die wiederholten Verkörperungen durchgehen und dasjenige, was sie vor dem Erscheinen des Christus auf Erden noch nicht haben lernen können, eben berufen sind, nachher zu lernen. Derjenige, der glaubt, daß der Mensch sich immer und immer wieder verkörpert, damit ihm nur dasselbe aufgetischt werde, der glaubt nicht im Ernste, nicht seinen Gefühle und dem ganzen Seelenleben nach an die Wiederverkörperung; denn im Ernste an sie glauben, heißt ihr Ziel, ihren Sinn einsehen, heißt einsehen, daß es nicht vergeblich ist, immer wieder und wieder zu kommen, sondern daß dies geschieht, damit man immer Neues erfahren könne auf der Erde. Ist dies aber so, dann muß dieser Erde immer neues und neues Leben zufließen; man muß auf der Erde Neues sehen, wenn man wieder auf ihr ankommt. Es ist eine Abstraktion zu sagen: Dieselben Weistümer kehren in den verschiedenen Weltanschauungen immer wieder. — Es ist aber das Konkrete, das Wahre, daß sich die Weistümer entwickeln, daß sie immer höhere und höhere Gestaltungen annehmen, bis dann das erscheinen wird auf der Erde, was reif ist, in einen anderen Zustand überzugehen, wie Saturn-, Sonnen-, Mondzustand in den Erdenzustand übergegangen sind. Keine bloße Wiederholung, ein wirklicher Fortschritt! Das ist das, um was es sich handelt.
[ 15 ] Yesterday we pointed out the significance of the Christian era for the development of humanity. With it came something to which nothing else can be compared, something that stands entirely alone in the history of the Earth. I have already heard someone say: “Yes, it would be an injustice within the development of humanity if, so many millennia before the appearance of Christ, full wisdom could not have been imparted to humankind.” How, then, did it come to pass that something could be withheld from the people of the pre-Christian era? We must assume—as some say—on the basis of universal justice that while the forms of truth may change, no new truths are added to the old; otherwise, one would have to claim that something higher had been prepared for the people who were preserved in their lives for the post-Christian era than for the pre-Christian people. —- If it were not actually stated from time to time, there would be no need to mention it here at all, for one can understand that this matter is discussed elsewhere, just not among those striving for spiritual science. Why not? Well, because the people who are incarnated in the post-Christian era are the same as those who lived before; because people pass through repeated incarnations and are called upon to learn afterward precisely what they were not yet able to learn before the appearance of Christ on earth. Anyone who believes that human beings incarnate over and over again merely to be served the same thing does not believe in reincarnation in earnest—not with their feelings or their entire soul life; for to believe in it earnestly means to understand its purpose and meaning—to realize that coming back again and again is not in vain, but that it happens so that one may always experience something new on Earth. But if this is the case, then new life must constantly flow into this Earth; one must see something new on Earth when one returns to it. It is an abstraction to say: The same forms of wisdom recur again and again in the various worldviews. — But the concrete, true reality is that these teachings evolve, that they take on ever higher and higher forms, until what is ripe to pass into a different state appears on Earth—just as the Saturn, Sun, and Moon states have passed into the Earth state. Not mere repetition, but real progress! That is what this is all about.
[ 16 ] Und da liegt auch, was den Unterschied zwischen östlicher und westlicher Denkungsweise ausmacht. Die westliche Denkungsweise kann sich der ganzen Aufgabe und Mission des Westens nach niemals trennen von einer wirklich konkreten geschichtlichen Auffassung unserer Erdenentwickelung. Und geschichtliche Auffassung ist nur diejenige, die Fortschritt sieht, nicht Wiederholung des Gleichen. Der Begriff der Geschichte ist der, der erst durch den Westen eingetreten ist in die Menschheitsentwickelung. Man hat da erst gelernt, wirklich die Dinge geschichtlich aufzufassen, nicht bloß eine Wiederholung des Gleichen zu sehen. Und wenn irgendwo unter uns irgend jemand auftritt, der nicht ganz durchdrungen ist von dem Begriffe des geschichtlichen Fortschrittes, und dann sich hingibt in einem besonderen Maße orientalischer Denkungsweise, deren Wahrheit damit nicht im geringsten angezweifelt wird, von der alles unterschrieben wird, trotzdem gesagt wird, daß die geschichtliche Auffassung hinzukommen muß, dann stellt sich leicht ein, daß ihm der Begriff der Geschichte abhanden kommt und daß für ihn eine merkwürdige Frage entstehen kann: Wozu eigentlich diese ewige Wiederholung des Gleichen? Das war zum Beispiel die Frage, die Schopenhauer aufgestellt hat, dem der Begriff der Geschichte im eigentlichen Sinne gemangelt hat, und der innerhalb unseres Geisteslebens einer derer war, die viel für die äußere Exoterik aufgenommen haben aus dem orientalischen Leben. Dadurch, daß irgendeine höhere Wahrheit aufgestellt wird, wird die niedrigere Wahrheit in keinerlei Weise angetastet; es wird zu allem Ja gesagt, was von dem unhistorischen Standpunkte aus behauptet wird; es wird nur eine niedere Denkweise in ein höheres Reich heraufgehoben, das heißt, es wird beleuchtet in unserem Falle die orientalische Denkungsweise mit dem Lichte des Westens.1Diese Darstellung, die an sich etwas weitschweifig erscheint, rechtfertigt sich wohl dadurch, daß sie gegen die in mystischen Weltanschauungen oft auftretende Behauptung gerichtet werden muß, daß im Grunde die verschiedenen aufeinanderfolgenden Religionen und so weiter nur die Umgestaltungen Einer Urweisheit seien.
[ 16 ] And therein lies the difference between Eastern and Western ways of thinking. Given the West’s overall task and mission, the Western way of thinking can never be separated from a truly concrete historical understanding of our Earth’s development. And a historical understanding is only one that sees progress, not the repetition of the same. The concept of history is one that was first introduced into human development by the West. It was only there that people learned to truly view things historically, rather than merely seeing a repetition of the same. And if anyone among us appears who is not fully imbued with the concept of historical progress, and then devotes themselves to an Oriental way of thinking to a particular degree—the truth of which is not in the least doubted, and to which everything is attributed— yet it is still said that the historical perspective must be added—then it is easy for the concept of history to elude him, and a curious question may arise for him: What, after all, is the point of this eternal repetition of the same? That, for example, was the question posed by Schopenhauer, who lacked the concept of history in the proper sense and who, within our intellectual life, was one of those who absorbed much of the outward, exoteric aspects of Eastern life. The fact that some higher truth is established does not in any way undermine the lower truth; everything asserted from the ahistorical standpoint is affirmed; it is merely a matter of elevating a lower mode of thought into a higher realm—that is, in our case, illuminating the Eastern way of thinking with the light of the West. 1This exposition, which in itself seems somewhat rambling, is justified by the fact that it must counter the assertion often found in mystical worldviews that, fundamentally, the various successive religions and so on are merely transformations of a single primordial wisdom.
[ 17 ] Dasjenige, was ich Ihnen jetzt in abstracto gesagt habe, das möchte ich Ihnen durch ein Beispiel belegen. Sie haben aus dem Gesagten schon herausfühlen können, daß wir die Ergebnisse der übersinnlichen Forschung der Gegenwart in andrer Form in alten Zeiten finden, wenn wir sie suchen. Licht werfen auf die Vorzeit können wir nur dann, wenn wir dieses Licht eben aus der Gegenwart nehmen. Wir knüpfen dabei nochmals an, sagen wir, an eine ganz bestimmte geistige Persönlichkeit, geistige Individualität. Später werden wir aus diesem Gebiete verschiedene Einzelheiten noch zu besprechen haben, heute soll nur noch eines herausgehoben werden. Wenn Sie zurückgehen in die Zeit, in der man in den Veden niedergelegt hat dasjenige, was in einer gewissen Beziehung als Nachklang vorhanden war der hohen, hehren Rishiweisheit, so finden Sie unter mancherlei Benennungen für die göttlichen Wesenheiten die Benennung des /Indra. Wenn ich Ihnen vom Gesichtspunkte der übersinnlichen Forschung der Gegenwart aus auf die Frage antworten soll: Was ist dasfür ein Wesen, zudem man in der Vedenzeit Indra gesagt hat? - so tue ich es am besten, indem ich Ihnen wiederum charakterisiere, wie sich ein heutiger Mensch durch übersinnliche Forschung eine Anschauung von dieser Wesenheit, die wirklich vorhanden ist, verschaffen kann.
[ 17 ] I would like to illustrate what I have just told you in the abstract with an example. You have already been able to sense from what has been said that, if we look for them, we can find the results of present-day supersensible research in a different form in ancient times. We can shed light on the past only if we draw that light from the present. In doing so, we turn once again to, let us say, a very specific spiritual personality, a spiritual individuality. Later we will have to discuss various details from this area; today, however, only one point is to be highlighted. If you go back to the time when the Vedas recorded what, in a certain sense, was an echo of the high, noble wisdom of the Rishis, you will find, among the various names for divine beings, the name “Indra.” If I am to answer the question from the perspective of present-day supersensory research—namely, “What kind of being was referred to as Indra in the Vedic era?”—I can best do so by describing how a person today can, through supersensory research, gain a conception of this being, which truly exists.
[ 18 ] Wir haben ja hervorgehoben, daß hinter allem, was uns äußerlich in der Welt umgibt, hinter dem Feuer, der Luft, dem Wasser, der Erde geistige Wesenheiten sind. Wenn wir das, was Feuer oder Luft ist, auf uns wirken lassen, zunächst auf unsere Sinne, so haben wir den äußeren Ausdruck für geistige Wesenheiten, die hinter dem Feuer oder der Luft stehen. Wir können für das, was wir im gewöhnlichen Leben physisch wahrnehmen, dasjenige suchen, was dahintersteht, indem wir uns durch übersinnliches Schauen erheben von der physischen Welt zur seelischen. Da finden wir für das, was sich äußerlich in der Luft ausdrückt, viele Wesenheiten; das heißt, es arbeiten viele geistige Wesenheiten zusammen in unserer geistigen Umgebung, um dasjenige zustande zu bringen, was sich uns äußerlich in den physischen Lufterscheinungen ausdrückt. Fragen wir uns: Wie stellt sich das geistige Reich hinter der Luft dar, wenn wir es in der seelischen Welt betrachten? Die Antwort ist: Wir kommen zu einer Anzahl von geistigen Wesenheiten, die nicht bis zur physischen Welt heruntersteigen, die sich in dieser durch die Luft ausdrücken und die uns in der Seelenwelt als Individualitäten entgegentreten. Und die mächtigste dieser Wesenheiten ist eine ganz bestimmte. Die finden wir noch heute; die ist diejenige, welche im alten Indien mit dem Worte Indra benannt worden ist. Sie ist zu gleicher Zeit diejenige, die beteiligt ist an der ganzen Einrichtung unseres Atmungsprozesses. Daß wir überhaupt so atmende Wesenheiten geworden sind, wie wir es sind, das verdanken wir der Tätigkeit dieser Wesenheit. Zu dieser Wesenheit kann man beständig emporblicken und sagen: «Dir, o Indra, verdanke ich die Möglichkeit, ein solches Atmungswerkzeug zu haben, wie wir es als Menschen haben.» — Aber die Tätigkeiten wiederum solcher Wesenheiten beschränken sich nicht nur auf eines, sie sind verzweigt. Dieser selben Wesenheit verdankt der Mensch noch manches andere. Darum kann er sagen: «Dir, Gott Indra, dem ich verdanke die Möglichkeit so zu atmen, Dir kann ich auch verdanken die Kraft, die zum Beispiel durch meine Muskeln strömen soll, wenn ich meine Feinde im Kriege besiegen soll.» So kann er zu diesem Indra beten um Kraft, seine Feinde zu besiegen; denn es ist sozusagen die Funktion dieser selben Wesenheit übertragen. Dieser selben Wesenheit, für die wir gar keinen Namen brauchen, wenn wir nur wissen, daß sie da ist, ist es auch zuzuschreiben, daß der Blitz durch die Wolken zuckt, und der Donner rollt, und daß die segnenden Wirkungen entstehen, welche die Gewittererscheinungen begleiten. Auch für diese Erscheinungen kann man sozusagen die Gebete hinaufschicken, wenn man überhaupt an solches Beten zu den Göttern denkt.
[ 18 ] We have, after all, emphasized that behind everything that surrounds us externally in the world—behind fire, air, water, and earth—there are spiritual beings. When we allow what is fire or air to act upon us—initially upon our senses—we have the outward expression of spiritual beings that stand behind the fire or the air. We can seek what lies behind what we physically perceive in ordinary life by raising ourselves, through supersensible perception, from the physical world to the soul world. There we find many beings corresponding to what is outwardly expressed in the air; that is to say, many spiritual beings work together in our spiritual environment to bring about what is outwardly expressed to us in the physical phenomena of the air. Let us ask ourselves: How does the spiritual realm behind the air present itself when we observe it in the soul world? The answer is: We encounter a number of spiritual beings who do not descend into the physical world, who express themselves in it through the air, and who appear to us in the soul world as individualities. And the most powerful of these beings is a very specific one. We still find this being today; it is the one who was named Indra in ancient India. It is also the one involved in the entire mechanism of our breathing process. The fact that we have become breathing beings at all, as we are, we owe to the activity of this being. We can constantly look up to this being and say: “To you, O Indra, I owe the ability to have such a breathing apparatus as we humans possess.” — But the activities of such beings, in turn, are not limited to just one thing; they are multifaceted. Human beings owe many other things to this very same being. Therefore, they can say: “To you, God Indra, to whom I owe the ability to breathe in this way, I also owe the strength that, for example, must flow through my muscles when I am to defeat my enemies in war.” Thus, he can pray to this Indra for the strength to defeat his enemies; for this is, so to speak, the function entrusted to this very same entity. It is also to this very same entity—for which we need no name at all, so long as we know that it exists—that we must attribute the fact that lightning flashes through the clouds, that thunder rolls, and that the beneficial effects accompanying thunderstorms come into being. One can, so to speak, send up prayers for these phenomena as well, if one even thinks of praying to the gods in this way.
[ 19 ] So sehen wir, daß in der Seelenwelt einegewisse Wesenheit vorhanden ist, die einfach in der alten vedischen Zeitmit dem Namen Indra bezeichnet worden ist. Indra ist für uns ebenso da wie für die damalige Zeit.
[ 19 ] Thus we see that in the spiritual world there exists a certain being who was simply referred to as Indra in the ancient Vedic period. Indra is just as present for us as he was for the people of that time.
[ 20 ] Und jetzt kommt das andere. Nehmen Sie diese Wesenheit des Indra, nehmen Sie sie so, wie sie der alte indische Eingeweihte wirklich gesehen hat, wenn er das geistige Auge nach der Seelenwelt hingerichtet hat, nehmen Sie das und fragen Sie jetzt: Sieht der heutige Eingeweihte diesen Indra in derselben Weise? — so müssen wir antworten: Er sieht alles dasjenige, was man damals gesehen hat an diesem Indra, alles das, aber er sieht noch etwas anderes an diesem Indra.- Wenn Sie einen Menschen ansehen in seinem vierzigsten Lebensjahre, der Fritz Müller heißt, so können Sie sich sagen: Das ist derselbe Mensch, den ich vor dreißig Jahren als Zehnjährigen gesehen habe, der schon damals so geheißen hat; aber er ist in einer gewissen Weise etwas anderes geworden. Und Sie werden eine schlechte Beschreibung von diesem Fritz Müller geben in seinem vierzigsten Jahre, wenn Sie jemandem sagen, wie er ausgesehen hat in seinem zehnten Jahre. Sie sagen da ganz Richtiges über den Fritz Müller, was Sie in diesem Falle sagen, aber er hat während der dreißig Jahre eine Entwickelung durchgemacht, und Sie müssen das bedenken, wenn Sie über seinen jetzigen Zustand reden. Meinen Sie nun, daß zwar die Menschen auf der Erde in ihren einzelnen Leben und auch von Leben zu Leben sich fortwährend entwickeln, und daß es just den Geisteswesen so gehen sollte, daß sie heute noch auf demselben Standpunkt stehen wie damals, als im alten Indien das schauende Bewußtsein zu ihnen emporgerichtet worden ist? Sollen die Götter bloß diejenigen sein, die durch Tausende von Jahren dasselbe sind? Das sind sie eben nicht. Wir können füglich sagen, daß Indra sich entwickelt hat seit jener Zeit, wo hinaufgesehen haben zu ihm die Hellseher des alten Indiens. Was ist denn nun mit ihm geschehen? Wie stellt sich uns seine Entwickelung dar?
[ 20 ] And now comes the other point. Take this being of Indra—take him as the ancient Indian initiate truly saw him when he directed his spiritual eye toward the world of souls—take that, and now ask: Does today’s initiate see this Indra in the same way? — We must answer: He sees everything that was seen in this Indra back then, all of that, but he also sees something else in this Indra. — If you look at a man in his fortieth year named Fritz Müller, you can say to yourself: This is the same person I saw thirty years ago as a ten-year-old, who was already called that back then; but in a certain sense he has become something different. And you will give a poor description of this Fritz Müller in his fortieth year if you tell someone what he looked like when he was ten. What you say about Fritz Müller in this instance is entirely correct, but he has undergone a development over the course of those thirty years, and you must bear that in mind when you speak of his present condition. Do you now believe that, while human beings on Earth are constantly evolving in their individual lives and also from life to life, spiritual beings should remain exactly as they were back when, in ancient India, the contemplative consciousness was directed toward them? Are the gods merely those who have remained the same for thousands of years? They are not. We can rightly say that Indra has evolved since the time when the clairvoyants of ancient India looked up to him. What, then, has become of him? How does his evolution appear to us?
[ 21 ] Wenn wir das schauende Bewußtsein zurückrichten auf die Gestalt des alten Indra, wie stellt sich uns diese Gestalt dar? Da zeigt sich folgendes: Es gibt einen gewissen Zeitpunkt in der Entwickelung, da sieht man etwas Merkwürdiges in bezug auf diesen Indra. Um es recht anschaulich vor uns zu haben, wiederholen wir: wir richten also das schauende Bewußtsein in der Seelenwelt nach dem alten indischen Gotte Indra und verfolgen ihn durch die Jahrtausende herauf. Da finden wir einen Zeitpunkt, wo es so erscheint, als wenn von einem ganz anderen geistigen Wesen Lichtstrahlen hinfielen auf den Indra; und durch dieses Licht, das auf den Indra fällt, wird dieser selbst beleuchtet; er wird dadurch zu einer höheren Stufe seiner Entwickelung emporgehoben. Es ist gerade so, wie wenn Sie in einem bestimmten Lebensalter Ihrer Entwickelung erwas Wichtiges lernen, wodurch Sie ein ganz anderer Mensch werden. So geschah es eines Tages für den Indra: es fiel von einer anderen geistigen Wesenheit das Geisteslicht auf diesen Indra, und seit jener Zeit strahlt dasjenige von dem Indra auf uns, was auch schon im alten Indra da war, aber bereichert noch durch das Geisteslicht einer anderen Wesenheit. Auf den Moment in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit, wo das geschehen ist, was ich jetzt beschrieben habe, auf den können wir genau hinweisen. Der Gott Indra ist da in der Seelenwelt in der Zeit, in der für die Erdenentwickelung noch nicht der Christus wahrnehmbar ist, wo aber doch schon das Licht, das von dem Christus ausgeht, auf den Indra fällt. Das Licht, das geistige Licht, das von dem Christus ausgeht, fällt erst später auf den Indra. Und es kann jemand, der die Fähigkeit dazu hat, hinschauen zu dem Indra und er wird sagen: Dieser Indra offenbart mir jetzt etwas anderes, als er früher geoffenbart hat, denn früher strahlte nicht von ihm das Christus-Licht zurück. — Derjenige, der dazu berufen ist, das der Menschheit zu verkündigen, der sagt: Da gab es den alten Indra, uns interessiert das, was er früher war; jetzt aber interessiert uns auch das, was er uns zurückstrahlt, was von ihm jetzt zu uns herstrahlt. - So wie der Mond das Sonnenlicht zurückwirft, so wirft seit jenem Zeitpunkt der Indra nicht sein eigenes Licht in die geistige Erdenentwickelung herein, sondern strahlt zurück das Christus-Licht. Dieses Licht, das selbst noch nicht auf die Erde fällt, das erst von Indra zurückgestrahlt wird, das also den Christus nicht direkt erkennen läßt, sondern so, wie wir das Sonnenlicht, wenn es vom Mond herstrahlt, erkennen, war dasjenige, was verkündete der Moses seinem Volke; und er nannte das Christus-Licht, das so zurückgestrahlt ist wie das Sonnenlicht von dem Monde, Jahve oder Jehova. Und hier haben Sie das, was ich öfter in den Vorträgen über das Johannes-Evangelium in einer anderen Form betont habe: Der Christus verkündigt sich vor, und Jahve oder Jehova ist der Name für das von einer alten Gottheit zunächst zurückgestrahlte, reflektierte Christus-Licht, der prophetisch vorherverkündete Christus.
[ 21 ] When we direct our observing consciousness back to the figure of the ancient Indra, how does this figure appear to us? The following becomes apparent: There is a certain point in his development where something remarkable can be observed regarding this Indra. To visualize this clearly, let us repeat: we direct our observing consciousness in the world of the soul toward the ancient Indian god Indra and trace him back through the millennia. There we find a point in time when it appears as if rays of light were falling upon Indra from a completely different spiritual being; and through this light that falls upon Indra, he himself is illuminated; he is thereby raised to a higher stage of his development. It is just as if, at a certain stage in your life’s development, you were to learn something important that transforms you into a completely different person. This is precisely what happened one day to Indra: the spiritual light of another spiritual being fell upon him, and ever since that time, what was already present in the ancient Indra—but now enriched by the spiritual light of another being—has been radiating from him toward us. We can pinpoint the exact moment in the historical development of humanity when what I have just described took place. The god Indra exists in the soul world at a time when Christ is not yet perceptible to earthly development, yet the light emanating from Christ already falls upon Indra. The light—the spiritual light—that emanates from the Christ falls upon Indra only later. And someone who has the ability to do so can look at Indra and say: This Indra now reveals something different to me than he revealed before, for in the past the light of the Christ did not radiate back from him. — The one who is called to proclaim this to humanity says: There was the old Indra; we are interested in what he used to be; but now we are also interested in what he reflects back to us, what now radiates from him toward us. - Just as the moon reflects the sunlight, so from that point on Indra no longer casts his own light into the spiritual development of the Earth, but reflects back the light of Christ. This light, which does not yet fall upon the Earth itself, which is first reflected back by Indra—and which therefore does not allow us to perceive the Christ directly, but rather in the same way that we perceive sunlight when it shines from the moon—was what Moses proclaimed to his people; and he called the Christ-light, reflected back in this way like sunlight from the moon, Yahweh or Jehovah. And here you have what I have often emphasized in a different form in my lectures on the Gospel of John: Christ announces himself in advance, and Yahweh or Jehovah is the name for the Christ-light that is initially reflected back by an ancient deity—the Christ who was prophetically foretold.
[ 22 ] So ist es, wie wenn im Laufe der Erdenentwickelung der alte Indra aufgenommen worden wäre von dem Christus-Licht, und nun dieses Christus-Licht von sich auf die Erde zurückstrahlte. Damit, daß er berührt worden ist von diesem Christus-Licht, hat der Gott Indra selber eine Entwickelung durchgemacht. Er ist natürlich nicht zum Jehova geworden. Sie dürfen nicht sagen: Jehova ist Indra. Aber Sie werden es begreiflich finden, daß ebenso wie sich Indra in Blitz und Donner offenbarte, ebenso Jahve oder Jehova sich darinnen offenbarte, weil zurückgestrahlt werden kann nur nach Maßgabe der rückstrahlenden Wesenheit. Daher offenbarte sich Jahve in Blitz und Donner. Hier haben Sie ein Beispiel davon, daß sich sozusagen die geistige Entwickelung in ihrer Welt vollzieht wie die menschliche in der ihrigen, und wie sich nicht derselbe Anblick darbietet, wenn wir nach Jahrtausenden die geistigen Wesenheiten betrachten. Es geht etwas vor in der geistigen Welt, es ist Geschichte darinnen; und dasjenige, was Erdengeschichte ist, ist der äußere Ausdruck der Geschichte in der geistigen Welt. Wahrhaftig, alles was hier auf der Erde geschieht, hat seine Ursachen in Geschehnissen der geistigen Welt; und wir müssen im einzelnen verstehen und begreifen lernen, was für Ereignisse hinter unseren Erdenereignissen als ihre Grundlagen stehen.
[ 22 ] It is as if, in the course of Earth’s evolution, the ancient Indra had been embraced by the Christ-light, and now this Christ-light were radiating back down to Earth from him. By being touched by this Christ-light, the god Indra himself has undergone a process of evolution. Of course, he did not become Jehovah. You must not say: Jehovah is Indra. But you will find it understandable that just as Indra revealed himself in lightning and thunder, so too did Yahweh or Jehovah reveal himself therein, because the light can only be reflected back in accordance with the nature of the reflecting being. That is why Yahweh revealed himself in lightning and thunder. Here you have an example of how, so to speak, spiritual evolution unfolds in its world just as human evolution does in ours, and how the same picture does not present itself when we observe spiritual beings after millennia have passed. Something is taking place in the spiritual world; there is history within it; and what constitutes Earth’s history is the outward expression of the history in the spiritual world. Truly, everything that happens here on Earth has its causes in events of the spiritual world; and we must learn to understand and grasp in detail what kinds of events lie behind our earthly events as their foundations.
[ 23 ] Damit habe ich Ihnen an einem Beispiele gezeigt, was es heißt, von dem heutigen Gesichtspunkte aus jene alten Welten zu beleuchten. Dazu ist notwendig, daß wir den Begriff der Geschichte ganz im Ernste aufnehmen und uns fragen: Wenn wir dieselbe Wesenheit, die vor Jahrtausenden da war, heute aufsuchen, wie stellt sie sich uns heute verändert dar, und was hat diese Veränderung herbeigeführt? An einem besonderen Beispiele wollte ich Ihnen die Geschichte des geistigen Lebens erläutern. Wenn Sie festhalten daran, daß es Weisheiten gibt, die wir heute finden und die wir wieder finden wenn wir zurückblicken, nur mit anderen Namen und Formen und anderem Ausdruck, und zu gleicher Zeit festhalten, daß eine geschichtliche Entwickelung, ein Fortschritt ist im geistigen Leben, das dem physischen zugrunde liegt, dann haben Sie auch die zwei rechten Prinzipien, die aller Geisteswissenschaft, die in die Menschenzukunft hineinwirken will, die fortschreiten will, zugrunde liegen müssen.
[ 23 ] With this example, I have shown you what it means to shed light on those ancient worlds from today’s perspective. To do this, we must take the concept of history very seriously and ask ourselves: When we look at the same entity that existed millennia ago, how does it appear to us today—how has it changed—and what has brought about this change? I wanted to use a specific example to explain the history of spiritual life to you. If you hold fast to the idea that there are forms of wisdom we find today and that we rediscover when we look back—only under different names, in different forms, and expressed differently—and at the same time hold fast to the idea that historical development, progress in spiritual life—which underlies physical life—then you also have the two correct principles that must underlie all spiritual science that seeks to influence humanity’s future and to advance.
[ 24 ] Von der Offenbarung des einen göttlichen Lebens in seinen verschiedenen Formen, von der Erkenntnis des Fortschreitens des göttlichen Lebens zu immer höheren und höheren Gestaltungen, zum Heranreifen der eigentlichen Früchte des Weltendaseins, davon soll morgen gesprochen werden.
[ 24 ] Tomorrow we will speak of the revelation of the one divine life in its various forms, of the realization of the divine life’s progression toward ever higher and higher forms, and of the ripening of the true fruits of existence in this world.
