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The Rudolf Steiner Archive

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The East in the Light of the West
The Children of Lucifer and the Brothers of Christ
GA 113

27 August 1909, Munich

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The East in the Light of the West, tr. SOL
  1. Der Orient im Lichte des Okzidents, 5th ed.

Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] In den vorangehenden Vorträgen ist gezeigt worden, inwiefern die Außenwelt als eine Illusion wirkt und hinter sich die geistige Welt verbirgt. Wenn also das schauende Bewußtsein durch den Schleier der Illusion durchdringt, so dringt es ein in die geistige Welt. Und derjenige, der dieses Erlebnis hat, kann dann sagen, für ihn sei durchsichtig geworden der äußere Sinnenschleier, und er sehe durch ihn durch in die geistige Welt hinein. Man könnte sagen, das sei der eine Weg zu der geistigen Welt. Es ist aber auch gezeigt worden, wie vom eigenen inneren Seelenleben alles dasjenige, was man Gedanken, Gefühle, Empfindungen nennt, ja wie auch die komplizierteren Erscheinungen dieses Seelenlebens, das Gewissen und so weiter eine Art Schleier ist, der eine geistige Welt verhüllt. Und wenn das schauende Bewußtsein durch diesen Schleier hindurchdringt, so kommt es wieder in eine geistige Welt. Diese zwei verschiedenen Wege in die geistige Welt hinein hat man zu allen Zeiten gekannt. Den Menschen, die die Einweihung gesucht haben, war die Tatsache bekannt, daß man die Geisteswelt trifft, wenn man einerseits den äußeren Schleier und andererseits den inneren Schleier durchdringt. Deshalb finden wir bei den alten Völkern der Erde die Unterscheidung zwischen oberen Göttern und unteren Göttern; und in den Mysterien aller Zeiten wurde gesagt, daß man auf einer bestimmten Stufe der Einweihung vor die unteren und oberen Götter hintrete; aber es wurde auch immer in einer ganz verschiedenen Weise behandelt die Welt der oberen Götter und die Welt der unteren Götter. Man kann begreifen, daß diese Annahme zweier Wege in die geistigen Welten berechtigt ist, wenn man folgendes bedenkt: Auf die Art, wie dem Menschen die Außenwelt entgegentritt, in dem bunten Teppich von Farbeneindrücken, Wärmeeindrücken und so weiter, also in dem bunten Teppich der Elemente des Feuers, der Luft, des Wassers und der Erde, da ist der Mensch zunächst ohne Einfluß. Es geht morgens die Sonne auf; sie sendet ihre Lichtstrahlen über die verschiedenen Dinge der Erde, und nach den verschiedenen Verhältnissen, die sich da ausgestalten, stellt sich die äußere Sinneswelt dar; und wenn der Mensch diese Verhältnisse durchdringt, so dringt er in die geistige Welt ein. Der Mensch ist also nicht imstande, weil er ohne Einfluß ist auf die äußere Sinneswelt, durch seinen eigenen Inhalt diese Sinneswelt, die ihn umgibt, zu verderben; sie ist ihm gleichsam hingestellt von den geistigen Wesenheiten, die sich in ihr offenbaren, und er kann sie durch seine eigene Macht nicht verschlechtern. So daß es sich also für den Menschen, wenn er eingeweiht wird, darum handeln kann, daß er den Schleier der Sinneswelt durchdringt, aber er muß den Schleier der Sinneswelt so lassen, wie ihn geistige Wesenheiten ausgearbeitet haben.

[ 1 ] In the preceding lectures, it has been shown to what extent the external world appears as an illusion and conceals the spiritual world behind it. So when the observing consciousness penetrates the veil of illusion, it enters the spiritual world. And the person who has this experience can then say that, for them, the outer veil of the senses has become transparent, and they see through it into the spiritual world. One might say that this is one path to the spiritual world. However, it has also been shown how, within one’s own inner soul life—everything we call thoughts, feelings, and sensations, and indeed even the more complex phenomena of this soul life, such as conscience and so on—constitutes a kind of veil that conceals a spiritual world. And when the contemplative consciousness penetrates through this veil, it enters once again into a spiritual world. These two different paths into the spiritual world have been known throughout the ages. Those who sought initiation were aware of the fact that one encounters the spiritual world by penetrating, on the one hand, the outer veil and, on the other hand, the inner veil. That is why we find among the ancient peoples of the earth the distinction between higher gods and lower gods; and in the mysteries of all ages it was said that at a certain stage of initiation one stands before the lower and higher gods; but the world of the higher gods and the world of the lower gods were also always treated in quite different ways. One can understand that this notion of two paths into the spiritual worlds is justified when one considers the following: In the way the external world presents itself to human beings—in the colorful tapestry of color impressions, warmth impressions, and so on, that is, in the colorful tapestry of the elements of fire, air, water, and earth—human beings initially have no influence. In the morning the sun rises; it sends its rays of light over the various things on earth, and according to the various conditions that take shape there, the outer sensory world presents itself; and when a person penetrates these conditions, he enters the spiritual world. Human beings are therefore unable—because they have no influence over the outer sensory world—to corrupt this sensory world that surrounds them through their own inner nature; it is, as it were, set before them by the spiritual beings who reveal themselves within it, and they cannot degrade it through their own power. Thus, when a person is initiated, the task at hand may be to penetrate the veil of the sensory world, but they must leave the veil of the sensory world just as the spiritual beings have fashioned it.

[ 2 ] In einer anderen Lage ist der Mensch seiner eigenen inneren Welt gegenüber. Wie der Mensch empfindet und fühlt, wie er will, wie er denkt, wie er seine Gewissensempfindungen ausbildet, das hängt davon ab, ob der Mensch mehr oder weniger vollkommen ist, mehr oder weniger an seinem Seelenleben gearbeitet hat. Der Mensch kann sozusagen nicht ein gutes und ein schlechtes Rot oder Grün hervorrufen an der Morgenröte oder an einer Pflanze; er kann aber dadurch, daß er sein eigenes Seelenleben verdirbt, sinnwidrige Empfindungen, böse moralische Urteile in sich erzeugen; der Mensch kann mehr oder weniger sich hingeben der Stimme seines Gewissens; er kann in bezug auf seine Vorstellungen sich Schönem und Häßlichem hingeben, wahren und falschen Gedankengebilden. Den Schleier also, welchen unsere Seele in ihrem Innenleben hinbreitet über die geistige Welt, den verändert der Mensch durch sein eigenes Verhalten. Und da zuletzt das, was wir hinter dem Schleier unseres eigenen Seelenlebens sehen, davon abhängt, ob dieser Schleier selbst richtig oder verdorben ist, so ist es leicht einzusehen, daß bei einem verdorbenen, unvollkommenen, wenig entwickelten Innern auch beim Aufsteigen in die geistige Welt oder beim Hinabsteigen zu den unteren geistigen Wesenheiten Zerrbilder geschaffen werden können, falsche, sinnwidrige, widernatürliche Vorstellungen und Kräfte.

[ 2 ] A person is in a different position when it comes to their own inner world. How a person perceives and feels, how they will, how they think, and how they develop their moral sensibilities depends on whether they are more or less perfect, and whether they have worked more or less on their inner life. A person cannot, so to speak, produce a “good” and a “bad” red or green in the dawn or in a plant; but by corrupting his own inner life, he can generate senseless perceptions and evil moral judgments within himself; a person can yield more or less to the voice of their conscience; with regard to their perceptions, they can yield to the beautiful and the ugly, to true and false mental constructs. Thus, the veil that our soul spreads over the spiritual world in its inner life is altered by a person’s own behavior. And since, ultimately, what we see behind the veil of our own inner life depends on whether this veil itself is sound or corrupted, it is easy to see that with a corrupted, imperfect, underdeveloped inner life, distorted images can be created even when ascending into the spiritual world or descending to the lower spiritual beings— false, absurd, and unnatural ideas and forces.

[ 3 ] Daher kam es, daß man durch alle Zeiten hindurch unterschied zwischen dem Aufstieg zu den oberen Göttern und dem Hinabstieg zu den unteren Göttern, und daß man das Hinabsteigen als etwas wesentlich Gefährlicheres ansah als das Hinaufsteigen zu den oberen Göttern, daß man deswegen bei diesem Wege in die geistige Welt ganz besonders hohe Anforderungen stellte an die Zöglinge der Mysterien, der Geheimwissenschaft.

[ 3 ] Thus, throughout the ages, a distinction was made between the ascent to the higher gods and the descent to the lower gods, and the descent was regarded as far more dangerous than the ascent to the higher gods; for this reason, particularly high demands were placed on the initiates of the mysteries, the secret science, when they embarked on this path into the spiritual world.

[ 4 ] Dies mußte einmal erwähnt werden aus dem Grunde, weil diese zwei Wege in die geistige Welt hinein in der Tat eine große Rolle spielen in der Menschheitsentwickelung, und weil man die Gegeneinanderstellung des Orients und des Okzidents nur dadurch gut verstehen und das Verhältnis der «Kinder des Luzifer» und der «Brüder Christi» auffassen kann, daß man sich diese zwei Wege vor Augen führt. In der Außenwelt, die dem Menschen für den äußeren Blick sehr häufig erscheinen kann wie ein buntes Gewirr der mannigfaltigsten Tatsachen, ist gar nichts, was nicht in einer weisen Art gelenkt wäre, nichts, wobei nicht geistige Wesenheiten, geistige Kräfte und geistige Tatsachen im Spiele wären; und man versteht alles, was da geschieht, nur, wenn man einsehen lernt, wie sich die geistigen Geschehnisse gruppiert haben unter der Lenkung jener Mächte, die charakterisiert worden sind von den verschiedensten Seiten her. Man muß, wenn man verstehen will, warum eine bestimmte Form von Weisheit gerade im Osten aufgeblüht ist, und warum wiederum die Zukunft der Christlichkeit gerade von der Ausbildung der westlichen Kräfte abhängt, auf den Ursprung, auf den geschichtlichen Hergang der beiden Welten den Blick richten.

[ 4 ] This had to be mentioned because these two paths into the spiritual world do indeed play a major role in human evolution, and because one can only truly understand the contrast between the East and the West—and grasp the relationship between the “Children of Lucifer” and the “Brothers of Christ”—by keeping these two paths in mind. In the outer world, which to the human eye very often appears as a colorful jumble of the most diverse facts, there is nothing that is not wisely guided, nothing in which spiritual beings, spiritual forces, and spiritual realities are not at work; and one can understand everything that happens there only by learning to see how spiritual events have grouped themselves under the guidance of those powers that have been characterized from a wide variety of perspectives. If one wishes to understand why a particular form of wisdom flourished specifically in the East, and why, in turn, the future of Christianity depends specifically on the development of Western forces, one must turn one’s gaze to the origins and the historical course of the two worlds.

[ 5 ] Aus verschiedenen Vorträgen, die Sie von mir gehört haben, wissen Sie, daß unser gesamtes jetziges Geistesleben herstammt aus jenem Gebiete, das wir die alte Atlantis nennen; daß sich entwickelt hat ein uraltes Geistesleben auf einem Gebiete im Westen zwischen dem heutigen Europa und Amerika und daß, was wir an asiatischer, afrikanischer, amerikanischer Kultur antreffen, letzten Endes Abkömmlinge sind der alten atlantischen Kultur. Dort haben wir den Vater- und Mutterboden alles unseres Kulturlebens zu suchen. Es waren vor jener gewaltigen Katastrophe, welche das Antlitz der Erde so verändert hat, daß die gegenwärtige Gestalt derselben zustande gekommen ist, innerhalb der alten Atlantis von den gegenwärtigen ganz verschiedene Menschenarten vorhanden, geleitet von hohen Eingeweihten, von Führern der Menschheit. Da entwickelte sich eine Kultur, welche im wesentlichen unter dem Einflusse eines alten Hellsehens stand, so daß die Menschen jener Zeit die instinktartige Fähigkeit hatten, sowohl durch den äußeren Schleier der Sinneswelt zu der oberen Geistwelt hindurchzuschauen, wie auch durch ihr eigenes Seelenleben hindurch zu den unteren Göttern zu blicken. Das war damals natürlich. Wie es den heutigen Menschen natürlich ist, mit ihren Augen zu sehen, mit ihren Ohren zu hören und so weiter, so war es den damaligen Menschen natürlich, nicht nur draußen in der Welt zu sehen Farben, zu hören Töne und so weiter, sondern hinter den Farben und Tönen und so weiter geistige Wesenheiten zu sehen. Ebenso war es ihnen natürlich, nicht nur die Stimme des Gewissens zu vernehmen, sondern zum Beispiel dasjenige, was die Griechen Erinnyen genannt haben. Das haben sie als geistige Wesenheiten wahrgenommen. So also waren die alten Atlantier instinktartig bekannt mit einer geistigen Welt.

[ 5 ] From various lectures you have heard me give, you know that our entire present spiritual life originates from that region we call ancient Atlantis; that an ancient spiritual life developed in a region in the West between present-day Europe and America; and that the Asian, African, and American cultures we encounter are ultimately descendants of the ancient Atlantean culture. It is there that we must seek the fertile soil from which all our cultural life springs. Before that immense catastrophe—which so transformed the face of the Earth that it took on its present form—there existed within ancient Atlantis human races quite different from those of today, guided by high initiates, by leaders of humanity. There, a culture developed that was essentially under the influence of an ancient form of clairvoyance, so that the people of that time possessed an instinctive ability both to see through the outer veil of the sensory world into the higher spiritual world and to look through their own soul life down to the lower gods. That was natural back then. Just as it is natural for people today to see with their eyes, hear with their ears, and so on, so it was natural for the people of that time not only to see colors, hear sounds, and so on out in the world, but also to see spiritual beings behind the colors and sounds and so on. Likewise, it was natural for them not only to hear the voice of conscience but also, for example, what the Greeks called the Erinyes. They perceived these as spiritual beings. Thus, the ancient Atlanteans were instinctively familiar with a spiritual world.

[ 6 ] Es ist der Sinn der Menschheitsentwickelung, daß die Menschen allmählich sozusagen herausstiegen aus diesem alten instinktartigen, aber geistschauenden Bewußtsein und vorrückten zu demjenigen, was unserer heutigen Zeit eigen ist. Durch diese Stufe des Lebens auf dem physischen Plane mußten die Menschen hindurchgehen. Nun wäre es nicht möglich gewesen, die ganze Entwickelung der Menschheit von der geistigen Welt aus etwa einfach so zu leiten, daß man einen Strom von Menschheit herübergeschickt hätte von der alten Atlantis über die Gegenden Europas, Afrikas, nach Asien hinein, und daß sich alles sozusagen gradlinig entwickelt hätte. —- Die Entwickelung besteht niemals bloß darin, daß sich etwas aus einem Keim heraus gestaltet und dann in gerader Linie fortschreitet, sondern überall, wo es Entwickelung gibt, da muß noch etwas anderes eintreten. Sie können sich zunächst an einem sehr gewöhnlichen Beispiele klar machen, daß die Entwickelung niemals das Fortschreiten in gerader Linie ist, so daß etwa immer eine Sache die andere hervortreibt, sondern daß noch etwas anderes zur Entwickelung gehört. Betrachten Sie die Pflanze! Sie werfen das Samenkorn in die Erde und Sie sehen, wie aus diesem Samenkorn hervorsprießen die Organe der Pflanze, die Blätter, wie später die Kelchblätter hervorkommen, Staubgefäße, Stempel und so weiter entstehen. Nun ist ja im heutigen normalen Pflanzenleben notwendig, wenn die Entwickelung vorwärtsschreiten soll, etwas andres, etwas, was sozusagen nicht in der geraden Linie des Fortschreitens liegt. Zur Fruchtbildung ist notwendig die Befruchtung. Es müssen die Befruchtungssubstanzen von einer Pflanze auf die andere hinüberfließen, damit die Blüte sich zur Frucht entwickele, und es würde aus der Blüte heraus die Frucht sich nicht in gerader Linie entwickeln können, sondern es muß ein Strom von Einflüssen von außen hinzukommen, damit durch diesen Einfluß, der von der Seite herkommt, die Entwickelung vorwärts schreitet. Das, was Sie an der Pflanze sehen können, das ist ein Bild für das gesamte Weltleben, und das gibt Ihnen auch einen Hinweis darauf, wie es im geistigen Leben ist. Es ist durchaus falsch zu glauben, daß man im geistigen Leben zum Zielekommt, wenn man annimmt,daßirgendwoeineKulturströmung hervortrete und daß sie immer Neues und Neues nur aus sich hervortreibe. Das kann eine Weile so fortgehen, aber es würde nicht genügen, es würde ebensowenig das hervorbringen, was geschehen soll, wie die Blüte ohne Befruchtung die Frucht hervorbringen könnte. Es muß immer an einem bestimmten Punkte der Entwickelung ein seitlicher Einfluß kommen, in der Menschheitsentwickelung gleichsam eine geistige Befruchtung. Wenn sich eine Kulturströmung eine Weile gradlinig fortgepflanzt hat, dann muß von der Seite her irgendein Einfluß kommen. So wie sich getrennt voneinander entwickelt im Pflanzenleben das weibliche und das männliche Element, so mußte auch in der fortschreitenden Entwickelung der Menschen seit der Atlantis nicht ein einfacher Strom sich bilden, der von dem Westen nach dem Osten hinging, sondern es mußten im wesentlichen zwei Hauptströmungen von der alten Atlantis nach dem Osten hinüberziehen, die eine Weile getrennt voneinander sich entwickeln und dann nach einer bestimmten Zeit zusammentreffen, sich gegenseitig befruchten mußten, damit das Richtige eintreten konnte. Und diese zwei Strömungen der Menschheitsentwickelung können wir verfolgen, wenn wir in der richtigen Weise die Urkunden der Geistesschau prüfen. Da haben wir einen Strom der Menschheitsentwickelung, der dadurch zustande kommt, daß sich gewisse Völker herüberschieben von dem alten atlantischen Lande mehr in einem nördlichen Gebiete, so daß sie die Gegenden berühren, die heute England, Nordfrankreich umfassen, dann nach dem heutigen Skandinavien, Rußland bis nach Asien hinein, bis nach Indien hinunterziehen. Da bewegt sich einStrom von Völkern der verschiedensten Art, der ein bestimmtes geistiges Leben trägt. Ein anderer Strom der Menschheitsentwickelung geht einen anderen Weg; er geht mehr südlich, geht so, daß wir heute seinen Weg etwa suchen müßten herein vom Atlantischen Ozean durch Südspanien, durch Afrika bis hinüber nach Ägypten, dann nach Arabien. Zwei Ströme, große Völkerwanderungen gleichsam ergießen sich aus der alten Atlantis nach Osten hinüber. Jeder dieser Kulturströme macht zunächst seinen eigenen Weg durch, bis sie sich gegenseitig befruchten in einem späteren Zeitpunkt.

[ 6 ] The purpose of human evolution is for people to gradually, so to speak, emerge from this old, instinct-like yet spiritually perceptive consciousness and advance toward what is characteristic of our present age. Human beings had to pass through this stage of life on the physical plane. Now, it would not have been possible to guide the entire development of humanity from the spiritual world simply by sending a stream of people from ancient Atlantis across the regions of Europe and Africa into Asia, and for everything to have developed, so to speak, in a straight line. —- Development never consists merely in something taking shape from a seed and then proceeding in a straight line; rather, wherever there is development, something else must also come into play. You can first illustrate this with a very ordinary example: development is never a straight-line progression in which one thing simply drives the next, but rather something else is part of the development. Consider a plant! You plant the seed in the ground and watch as the plant’s organs sprout from it—the leaves, and later the sepals, stamens, pistil, and so on. Now, in the normal life of plants today, if development is to move forward, something else is necessary—something that, so to speak, does not lie along the straight line of progress. Fertilization is necessary for fruit formation. The fertilizing substances must flow from one plant to another so that the flower can develop into fruit; the fruit could not develop in a straight line from the flower alone, but a stream of influences from the outside must be added so that, through this influence coming from the side, development can proceed. What you can see in the plant is a metaphor for all life on Earth, and it also gives you a clue as to how things are in spiritual life. It is entirely wrong to believe that one can reach one’s goal in spiritual life by assuming that a cultural current emerges somewhere and that it constantly drives forth something new and ever-new from within itself. This may continue for a while, but it would not be enough; it would be just as incapable of bringing about what is to happen as a flower without fertilization could be of producing fruit. At a certain point in development, a lateral influence must always come into play—a kind of spiritual fertilization, so to speak, in the development of humanity. When a cultural current has been propagating in a straight line for a while, some influence must come from the side. Just as the female and male elements develop separately from one another in plant life, so too, in the progressive development of humanity since Atlantis, it was not a single current that formed, flowing from the West to the East; rather, essentially two main currents had to move eastward from ancient Atlantis, developing separately from one another for a time and then, after a certain period, converging and mutually fertilizing one another so that the right outcome could come to pass. And we can trace these two currents of human development if we examine the records of spiritual vision in the proper way. There we have a current of human development that arises as certain peoples migrate from the ancient Atlantean land more toward the north, so that they reach the regions that today comprise England and northern France, then move on to present-day Scandinavia, Russia, and into Asia, all the way down to India. Here a stream of peoples of the most diverse kinds is moving, carrying a specific spiritual life within it. Another stream of human development follows a different path; it heads more to the south, so that today we would have to trace its route roughly from the Atlantic Ocean through southern Spain, through Africa, across to Egypt, and then on to Arabia. Two currents—great migrations of peoples, as it were—flow eastward from ancient Atlantis. Each of these cultural currents initially follows its own path until they mutually enrich one another at a later stage.

[ 7 ] Worin nun besteht der Unterschied dieser beiden Kulturströmungen? Darinnen, daß der Strom, der sich mehr im Norden bewegte, solche Menschen in sich schloß, welche mehr geeignet waren, ihre äußeren Sinne und die äußere Anschauung zu gebrauchen, welche mehr geneigt waren, den Blick auf den Teppich oder Schleier der Umwelt zu richten. Es hatten diese Menschen, die da mehr im Norden zogen, solche Eingeweihte, die ihnen den Weg zeigten zu jenen geistigen Welten, die man nannte die oberen Götter, jene Götter, welche man findet, wenn man den Schleier der äußeren Sinneswelt durchdringt. Solcher Art sind diejenigen Wesenheiten, welche als germanisch-nordische Götter verehrt werden. Odin, Thor und so weiter sind Namen für solche göttlichgeistige Wesenheiten, die man findet, wenn man den äußeren Schleier der Sinneswelt durchdringt. Eine andere Organisation hatten die Menschen des anderen Völkerstromes. Diese Menschen, die in einem südlichen Gebiete herüberzogen von der alten Atlantis nach Asien hinein, die hatten mehr die Anlage, einzutauchen in ihr Seelenleben, in ihr Inneres. Man möchte sagen — nehmen Sie das Wort nicht mit abfälligem Beigeschmack — die nordischen Völker hatten mehr das Talent, hinauszuschauen in die Welt, die südlichen Völker aber hatten mehr das Talent, hineinzubrüten in ihr eigenes Seelenleben und durch den Schleier ihres eigenen Seelenlebens die geistige Welt zu suchen. Daher wird es Sie nicht verwundern, daß die Nachkömmlinge der südlichen Völker Götter hatten, die sozusagen zu den unterirdischen gehörten, die mehr das Seelenleben beherrschen. Sie brauchen sich nur das Beispiel des ägyptischen Osiris vor Augen zu stellen. Osiris ist jene Gottheit, welche der Mensch findet, wenn er durch die Pforte des Todes durchgegangen ist. Er ist der Gott, der in der äußeren Sinneswelt nicht leben kann. In alten Zeiten nur hat er da gelebt; und als die neuen Zeiten heranrückten, da wurde er gleich überwunden von den Mächten der Sinneswelt, von dem bösen Seth; und seither lebt er in derjenigen Welt, die der Mensch betritt nach dem Tode, also in einer Welt, die man nur finden kann, wenn man sich versenkt in dasjenige, was am Menschen das Unsterbliche, das Dauernde ist, das von Inkarnation zu Inkarnation geht; in das, was menschliches Innenleben ist. Daher fühlten die Menschen auch vorzugsweise dieses Innenleben mit Osiris verbunden.

[ 7 ] What, then, is the difference between these two cultural currents? It lies in the fact that the current that moved more toward the north included people who were better suited to using their external senses and external perception, who were more inclined to focus their gaze on the tapestry or veil of the external world. Among these people, who moved further north, there were initiates who showed them the way to those spiritual worlds known as the higher gods—those gods one encounters when one penetrates the veil of the outer sensory world. The beings venerated as Germanic-Nordic gods are of this nature. Odin, Thor, and so on are names for such divine-spiritual beings that one finds when one penetrates the outer veil of the sensory world. The people of the other ethnic stream had a different constitution. These people, who migrated from ancient Atlantis into Asia via a southern route, were more inclined to immerse themselves in their soul life, in their inner world. One might say—please do not take this term with a derogatory connotation—that the Nordic peoples had a greater talent for looking out into the world, while the southern peoples had a greater talent for brooding over their own inner life and seeking the spiritual world through the veil of their own inner life. Therefore, it will not surprise you that the descendants of the southern peoples had gods who, so to speak, belonged to the underworld—gods who rule more over the life of the soul. You need only consider the example of the Egyptian Osiris. Osiris is the deity whom a person encounters after passing through the gate of death. He is the god who cannot live in the outer sensory world. He lived there only in ancient times; and as the new ages dawned, he was immediately overcome by the powers of the sensory world, by the evil Seth; and ever since then he has lived in the world that human beings enter after death—that is, in a world that can only be found by immersing oneself in that which is immortal and enduring within the human being, that which passes from incarnation to incarnation; in what constitutes the human inner life. That is why people felt this inner life to be particularly connected to Osiris.

[ 8 ] Das war der Unterschied in den Charakteranlagen der nördlichen und der südlichen Völker. Nur eine Volksgemeinschaft gab es, die in einer gewissen Weise in der ersten Epoche der nachatlantischen Zeit nach der großen atlantischen Katastrophe beide Anlagen in sich vereinigte. Dieses Volk war besonders dazu ausersehen, beide Wege, die in die geistige Welt hineinführen, zu gehen und auf beiden Wegen ein Fruchtbares, ein Richtiges für die damalige Zeit zu finden. Während die nordischen Völker nämlich in die Welt des äußeren Sinnesteppichs blikten und die südlichen hineinbrüteten in das eigene Innere ihres Seelenlebens, war eine Volksgemeinschaft da, die sowohl die Fähigkeit hatte, durchzudringen durch die äußere Sinnenwelt und hinaufzusteigen in die geistigen Welten dahinter, wie auch hinein sich zu leben in das eigene Innere, in die tiefsten Untergründe der mystischen Versenkung, und durch den Schleier des eigenen Seelenlebens die geistigen Welten zu finden. Das war eine Fähigkeit, die allerdings in der alten atlantischen Zeit, wenigstens in deren ersten Epochen, bei allen Menschen vorhanden war. Diese Fähigkeit aber, nach außen und nach innen zu finden, ist mit einem anderen Erlebnis verbunden, mit einem Erlebnis, das ganz eigenartig dasteht im Menschenleben. Wer nur die Fähigkeit hat, durch den äußeren Schleier der Sinnenwelt zu dringen und da die geistige Welt, die oberen Götter, zu finden, und dann hört, daß irgendwo anders auf der Erde es andere Gottheiten gibt, der versteht die letzteren nicht recht. Wer aber die beiden Fähigkeiten miteinander verbindet, wer durch den Schleier der äußeren Sinnenwelt ebenso dringen kann wie durch den Schleier des eigenen Seelenlebens, der macht zuletzt eine eminent wichtige Entdeckung, nämlich diese, daß dasjenige, was wir finden, wenn wir durch den Schleier des Seelenlebens dringen, seinem Wesen nach dasselbe ist wie dasjenige, was wir finden, wenn wir durch den Schleier der äußeren Sinnenwelt dringen. Denn es offenbart sich uns eine einheitliche Geisteswelt, das eine Mal von außen, das andere Mal von innen. Lernt man die geistige Welt auf beiden Wegen kennen, dann erkennt man die Einheit derselben. Wer auf dem Wege innerer Versenkung zu den geistigen Welten vordringt, der findet sie hinter dem Schleier des Seelenlebens; und wenn er auch noch die Fähigkeit hat, durch die Entwickelung der übersinnlichen Kräfte auch durch den Schleier der äußeren Sinneswelt zu dringen, dann weiß er, daß dasjenige, was er im Inneren gefunden hat, dasselbe ist wie dasjenige, was er nach außen gehend erschaut hat. In dieser Lage, jenes große Erlebnis zu haben von der Einheit des Geisteslebens, war die alte indische Volksgemeinschaft. Wenn der übersinnliche Blick des alten Inders sich nach außen gerichtet hat, dann erblickte er da die die Welterscheinungen zusammenhaltenden und gestaltenden äußeren geistigen Wesenheiten. Wenn er sich in sein Inneres versenkte, dann fand er durch diese mystische Versenkung in sich selber sein Brahman; und er wußte, daß dieses, was er hinter dem Schleier des Seelenlebens fand, dasselbe ist, das mit dem großen gewaltigen Flügelschlag, der durch den Kosmos ging, auch die äußere Welt geschaffen und geordnet hat.

[ 8 ] That was the difference in the character traits of the northern and southern peoples. There was only one ethnic group that, in a certain sense, united both traits within itself during the first epoch of the post-Atlantean era following the great Atlantean catastrophe. This people was specially chosen to walk both paths leading into the spiritual world and to find on both paths something fruitful and appropriate for that time. For while the Nordic peoples gazed out into the world of the outer sensory realm and the Southern peoples brooded inward into the inner life of their souls, there existed a community of people who possessed both the ability to penetrate the outer sensory world and ascend into the spiritual worlds beyond it, as well as to live their way into their own innermost being, into the deepest depths of mystical contemplation, and to find the spiritual worlds through the veil of their own soul life. This was an ability that, admittedly, was present in all human beings during the ancient Atlantean era, at least in its early epochs. But this ability to find both outward and inward is connected to another experience—one that stands quite uniquely in human life. Anyone who has only the ability to penetrate the outer veil of the sensory world and find there the spiritual world—the higher gods—and then hears that there are other deities somewhere else on Earth, does not truly understand the latter. But whoever combines these two abilities—who can penetrate the veil of the outer sensory world just as easily as the veil of their own soul life—will ultimately make an eminently important discovery, namely, that what we find when we penetrate the veil of our inner life is, in its essence, the same as what we find when we penetrate the veil of the outer sensory world. For a unified spiritual world reveals itself to us—in one case from the outside, in the other from the inside. If one comes to know the spiritual world through both paths, one recognizes its unity. Whoever advances toward the spiritual worlds through the path of inner contemplation finds them behind the veil of the life of the soul; and if he also has the ability, through the development of supersensory powers, to penetrate the veil of the outer sensory world, then he knows that what he has found within is the same as what he has beheld by looking outward. The ancient Indian community was in this position, having that great experience of the unity of spiritual life. When the supersensible gaze of the ancient Indian turned outward, he beheld there the outer spiritual beings that hold together and shape the phenomena of the world. When he immersed himself in his inner being, through this mystical contemplation he found his Brahman within himself; and he knew that what he found behind the veil of soul life was the very same force that, with the great, mighty beat of its wings sweeping through the cosmos, had also created and ordered the outer world.

[ 9 ] Das ist das Mächtige und Gewaltige, was aus diesen alten Zeiten auf uns wirkt, daß hier etwas aufbewahrt ist, was als uralte Kultur vorhanden war in der alten atlantischen Zeit und was sich als Rest herein erhalten hat in die nachatlantische Zeit. Die Entwickelung aber schreitet nicht dadurch vorwärts, daß das Alte sich umgestaltet oder erhalten bleibt, sondern daß neue Entwickelungsströme entstehen, die sich dann gegenseitig befruchten. Wenn wir den nördlichen Entwickelungsstrom verfolgen, der von der alten Atlantis durch Europa bis nach Asien hinübergegangen ist, finden wir im alten indischen Volke den vorgeschobensten Posten, der nach seiner Vereinigung mit anderen Elementen die altindische Kultur gebildet hat. Wenn wir aber etwas weiter nach Norden, wenn wir zum Gebiete der Perser gehen, dann finden wir die urpersische Kultur, diejenige, die uns in späterer geschichtlicher Zeit als Zarathustrakultur entgegentritt. Diese Zarathustrakultur zeigt uns bereits, wenn wir sie mit den Mitteln des übersinnlichen Schauens prüfen, jene Eigentümlichkeit, daß die Menschen mehr nach der Außenwelt schauten und den Schleier der Außenwelt zu durchdringen suchten, um so zur oberen geistigen Welt vorzuschreiten. Aus dieser Eigentümlichkeit des persischen Volkscharakters werden Sie es begreifen, daß der Zarathustra, der Führer dieser urpersischen Kultur, zunächst weniger Wert legte auf die innere mystische Versenkung, daß er sogar in einem gewissen Gegensatze stand zu dieser; daß er aber mehr den Blick lenkte in die äußere Sinneswelt; zunächst zur Sinnessonne hinauf, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, daß hinter der Sinnessonne etwas steht wie eine geistige Sonnenwesenheit, daß hinter ihr steht Ahura Mazdao. Da haben Sie bereits vollständig ausgeprägt den Weg, den die Eingeweihten der nördlichen Völker machten. Und gerade in der altpersischen Kultur unter der Führung des ältesten Zarathustra bildete sich die höchste Form dieser Anschauung der geistigen Welt nach außen hin. Unvollkommener wurde diese Form des äußeren Anschauens um so mehr, je weiter die Völker sozusagen zurückgeblieben waren hinter den alten Persern,2Es sind hier nicht die geschichtlichen Perser gemeint, sondern uralte vorgeschichtliche Völkerschaften in dem Gebiet, das später das persische wurde. die bis nach Vorderasien vorgedrungen waren. Es waren hinter den Urpersern andere Völkerschaften in Asien und Europa zurückgeblieben. Alle diese Völkerschaften hatten aber die Eigentümlichkeit, daß ihr Blick mehr nach außen gerichtet war. Alle Eingeweihten dieser Völkerschaften wählten den Weg, ihre Angehörigen auf die geistige Welt, die hinter dem Schleier der Sinnenwelt liegt, zu weisen. Innerhalb Europas haben wir noch, wenn wir mit den Mitteln der geistigen Forschung prüfen, in jener wunderbaren Kultur, die sozusagen auf dem Grunde aller anderen europäischen Kulturen lag, in der keltischen Kultur, die Überbleibsel alles dessen, was durch das Zusammenwirken von Volksgemüt und Eingeweihtenforschung entstanden ist; dasjenige, was zum großen Teil heute verloren ist und nur noch für den, der die Wege kennt, um zu suchen durch Geistesschau, aus der äußeren Sinneswelt noch einigermaßen zu enträtseln ist. Alles das, was wir altkeltisches Element nennen können — wo es uns auch immer herausleuchtet als der Grundboden der anderen europäischen Kulturen -, alles das sind Nachklänge noch älterer Kulturen Europas, die in einer gewissen Weise zurückgeblieben waren hinter der großen, erhabenen Zarathustrakultur, die aber im Gründe genommen denselben Weg gingen je nach dem Charakter der Völker. Die Völker waren in gewisser Weise so verteilt worden, daß sie je nach der äußeren Ausbreitung in verschiedener Weise den Weg zum Geistigen gehen konnten. Je nach den verschiedenen Orten, auf denen diese Völker wohnten, gingen sie diesen Weg in einer mehr oder weniger vollkommenen Art.

[ 9 ] This is the powerful and mighty force that influences us from those ancient times: that something has been preserved here that existed as an ancient culture in the old Atlantean era and has survived as a remnant into the post-Atlantean era. But evolution does not advance through the transformation or preservation of the old, but rather through the emergence of new currents of development that then mutually enrich one another. If we trace the northern current of development that extended from ancient Atlantis through Europe to Asia, we find in the ancient Indian people the most advanced outpost, which, after its union with other elements, gave rise to ancient Indian culture. But if we go a little further north, to the region of the Persians, we find the primordial Persian culture—the one that appears to us in later historical times as the Zoroastrian culture. This Zoroastrian culture already reveals to us, when we examine it through the means of supersensible perception, the characteristic that people looked more toward the external world and sought to penetrate the veil of the external world in order to advance into the higher spiritual world. From this characteristic of the Persian national character, you will understand that Zoroaster, the leader of this primordial Persian culture, initially placed less emphasis on inner mystical contemplation—indeed, he even stood in a certain contrast to it—but rather directed his gaze more toward the outer sensory world; initially upward toward the sensory sun, to draw people’s attention to the fact that behind the sensory sun there stands something like a spiritual solar being—that behind it stands Ahura Mazdao. Here you already have, in its fully developed form, the path taken by the initiates of the northern peoples. And it was precisely in ancient Persian culture, under the leadership of the earliest Zarathustra, that the highest form of this view of the spiritual world took shape outwardly. This form of external perception became all the more imperfect the further the peoples had, so to speak, lagged behind the ancient Persians,2This does not refer to the historical Persians, but to ancient prehistoric peoples in the region that later became Persia. who had advanced as far as the Near East. Other peoples in Asia and Europe had remained behind the primordial Persians. All these peoples, however, shared the characteristic that their gaze was directed more outward. All the initiates of these peoples chose the path of guiding their people toward the spiritual world that lies beyond the veil of the sensory world. Within Europe, if we examine it through the means of spiritual research, we still find, in that wondrous culture—which, so to speak, lay at the foundation of all other European cultures—the Celtic culture, the remnants of everything that arose through the interplay of the national spirit and the research of the initiates; that which is largely lost today and can only be unravelled to some extent from the external sensory world by those who know the paths to seek through spiritual vision. All that which we may call the ancient Celtic element—wherever it shines forth to us as the bedrock of the other European cultures—is the echo of even older European cultures, which in a certain sense had lagged behind the great, sublime Zoroastrian culture, yet which, in essence, followed the same path, each according to the character of its people. In a certain sense, the peoples had been distributed in such a way that, depending on their geographical spread, they could follow the path to the spiritual in different ways. Depending on the various places where these peoples lived, they followed this path to a greater or lesser degree of perfection.

[ 10 ] Nun müssen Sie sich klarmachen, daß der Verkehr, den der Mensch pflegt mit der Außenwelt, sei sie die geistige, sei sie die sinnliche Außenwelt, für ihn selber eine Wirkung hat; daß die Erlebnisse nicht etwas sind, was sozusagen wie ein Weltspiegel da ist, nur damit der Mensch etwas erfährt, sondern, was in solcher Art geschieht, ist dazu da, daß der Mensch in einer ganz bestimmten Weise in seiner Entwickelung vorwärtskommt. Was ist denn eigentlich der Mensch einer gewissen Zeit? Er ist dasjenige, wozu ihn die Weltenkräfte, die in seiner Umgebung leben, organisieren. Wir sind ein Ergebnis dessen, was die Weltenkräfte aus uns geformt haben. Je nachdem diese Weltenkräfte in uns eindringen, werden wir gebildet. Derjenige, welcher gesunde Luft einatmet, bildet nicht nur seine Organe in der entsprechenden Weise aus, sondern auch derjenige, welcher diese oder jene Art des geistigen Lebens aufnimmt, bildet seinen geistigen Organismus, und, weil der körperliche Organismus nur die Wirkung des geistigen ist, auch den körperlichen in entsprechender Weise aus. Der Mensch entwickelt sich fortwährend. Daher werden Sie es begreiflich finden, daß bei all den Völkerschaften dieser nordischen Strömung, weil vorzugsweise in sie die Kräfte der Außenwelt einströmten, vorzugsweise auch die äußeren körperlichen Eigenschaften zur Entfaltung kamen, alles das, was den Menschen von außen bilden kann. Es wurde durch die äußeren Kräfte das entwickelt, was man am Menschen auch äußerlich sehen und wirksam empfinden konnte. Sie finden daher nicht nur die kriegerischen Eigenschaften bei diesen Völkern ausgebildet, sondern auch ein immer vollkommener und vollkommener werdendes Instrument, um die Außenwelt zu durchdringen; das Gehirn selbst wird immer vollkommener unter der Einwirkung der äußeren Kräfte. Daher sind in den Menschen dieses Völkerstromes die Keime zum Begreifen der äußeren Welt vorhanden. Nur aus diesem Völkerstrom konnte das hervorgehen im Geistesleben, was endlich zur Beherrschung der äußeren Naturkräfte und Naturmächte führte. Man möchte sagen, diese Völkermassen legten den Hauptwert darauf, das äußere Instrument des Menschen, dasjenige, was man von ihm nach außen hin sehen kann, immer vollkommener zu machen, nicht nur physisch, sondern auch intellektuell, moralisch und ästhetisch. Immer mehr und mehr wurde vom Geiste hineingegossen in die äußere Körperlichkeit. Die physische Körperlichkeit wurde vollkommener und vollkommiener gemacht, so daß die einzelne Seele, wenn sie von einer Inkarnation zur anderen lebte, bei der nächstfolgenden Verkörperung in der Regel eine bessere Körperlichkeit, vor allen Dingen nicht nur im physischen Sinne, sondern auch im moralischen Sinne finden konnte. Dasjenige also, was den Menschen nach außen hin vergeistigt, was seinen physischen Leib vergeistigt, das konnte unter solchen Einflüssen insbesondere zur Entwickelung kommen.

[ 10 ] Now you must realize that the interaction a person has with the outside world—whether it be the spiritual or the sensory world—has an effect on the person himself; that these experiences are not something that simply exists, so to speak, like a mirror of the world, merely for the sake of the human being gaining knowledge; rather, what happens in this way serves to advance the human being in a very specific manner in his or her development. What, then, is the human being of a given time? He or she is that which the world forces living in his or her environment have organized him or her to be. We are the result of what the world forces have shaped us into. We are shaped according to how these world forces penetrate us. Just as one who breathes in fresh air develops his or her organs accordingly, so too does one who absorbs this or that kind of spiritual life shape his or her spiritual organism—and, because the physical organism is merely the effect of the spiritual one, the physical organism is also shaped accordingly. Human beings are constantly evolving. You will therefore find it understandable that among all the peoples of this Nordic current—because the forces of the external world flowed into them preferentially—it was primarily the external physical characteristics that came to the fore: everything that can shape a human being from the outside. What could be seen externally in a human being and felt as an active force was developed by these external forces. You will therefore find not only warlike qualities developed in these peoples, but also an ever more perfect instrument for penetrating the external world; the brain itself becomes ever more perfect under the influence of external forces. Therefore, the seeds for understanding the external world are present in the people of this ethnic current. It was only from this stream of peoples that what ultimately led to the mastery of the external forces and powers of nature could emerge in spiritual life. One might say that these masses of peoples placed the greatest value on making the human being’s external instrument—that which can be seen outwardly—ever more perfect, not only physically, but also intellectually, morally, and aesthetically. More and more, the spirit was poured into the outer physical body. The physical body was made more and more perfect, so that the individual soul, as it lived from one incarnation to the next, could generally find a better physical form in the next incarnation—above all, not only in the physical sense but also in the moral sense. Thus, that which spiritualizes human beings outwardly—that which spiritualizes their physical body—was able to develop particularly under such influences.

[ 11 ] Fragen wir uns jetzt, was insbesondere bei denjenigen Völkern, welche den anderen Weg einschlugen, zur Entwickelung kommen mußte, so werden Sie sich sagen: Bei ihnen mußte die Verfeinerung des Seelenlebens zur Entfaltung kommen. Versuchen Sie daher aufzusuchen den Begriff des Gewissens in alten Zeiten bei jenen Völkermassen, die ich Ihnen eben charakterisiert habe, die sozusagen die äußere Leiblichkeit vergeistigten. Sie finden bei ihnen den Begriff des Gewissens nicht. Er taucht auf bei den Völkern, welche den südlichen Weg gegangen sind. Bei ihnen tauchen die feineren Erlebnisse der Seele auf; da wird das innere Seelenleben mit Begriffen und Ideen bereichert, so daß es sich endlich zu jenem Reichtume entwickeln konnte, der heute noch so angestaunt wird, zu der alten, geheimnisvollen hermetischen Wissenschaft der alten Ägypter. Die von allen Kennern dieser Dinge so sehr verehrte Weisheit der Ägypter konnte sich nur entwickeln, weil innerhalb dieses Völkerstromes das innere Seelenleben zur Entwickelung kam. All die Künste, die Weisheit, welche von innen heraus den Menschen einentwickelt werden mußten, all die kamen bei dieser Strömung der Menschheitsentwickelung zum Vorschein. So sehen wir, daß innerhalb dieses Menschenstromes ein geringerer Wert darauf gelegt wird, die äußere Körperlichkeit zu vergeistigen, dagegen ein um so höherer Wert darauf, die inneren Kräfte der Seele zu vergeistigen, immer feiner und feiner auszubilden.

[ 11 ] If we now ask ourselves what developments were bound to take place, particularly among those peoples who took the other path, you will say to yourselves: Among them, the refinement of the inner life was bound to unfold. Therefore, try to trace the concept of conscience in ancient times among those peoples I have just described—those who, so to speak, spiritualized their outward physicality. You will not find the concept of conscience among them. It emerges among the peoples who took the southern path. Among them, the finer experiences of the soul emerge; there, the inner life of the soul is enriched with concepts and ideas, so that it could finally develop into that wealth which is still so marveled at today—the ancient, mysterious Hermetic science of the ancient Egyptians. The wisdom of the Egyptians, so highly revered by all connoisseurs of these matters, could only develop because the inner life of the soul came to fruition within this stream of human development. All the arts, all the wisdom that had to be developed within human beings from within—all of these came to the fore in this current of human evolution. Thus we see that within this stream of humanity, less emphasis is placed on spiritualizing the outer physical body, whereas all the greater emphasis is placed on spiritualizing the inner powers of the soul, developing them ever more finely and subtly.

[ 12 ] Sehen Sie sich einmal die griechische Plastik an! Wenn sie darstellen wollte den durchgeistigten, veredelten physischen Leib, dann stellte sie den Angehörigen von Völkermassen der nördlichen Strömung dar. All die Gestalten des Zeus, der Aphrodite, der Pallas Athene sind in ihrer äußeren Konfiguration der Rassentypus der nördlichen Völkermassen. Da, wo hingewiesen werden sollte auf die innere Entwickelung des Seelenlebens, hatte man das Bedürfnis zu zeigen, daß die Kräfte, die sich entwickeln, unsichtbar in der Seele sich entwickeln; da stellte man eine solche Figur hin wie den Hermes, den Merkur. Er ist anders gestaltet wie die anderen Götter; er ist so gestaltet wie die afrikanischen Völker gestaltet sind. Ganz andere Ohren, anderen Haarcharakter, geschlitzte Augen statt der nordischen Augen. Dafür wußte man, daß in diesem Menschheitstypus der Träger gegeben ist der Wissenschaftlichkeit, der Weisheit, alles dessen, was auf die Seele des Menschen wirkt. Das verband man mit dem Begriff des Boten zu der unteren Götterwelt, mit Hermes oder Merkur.

[ 12 ] Just take a look at Greek sculpture! When it sought to depict the spiritualized, ennobled physical body, it portrayed the members of the northern peoples. All the figures of Zeus, Aphrodite, and Pallas Athena reflect, in their outward form, the racial type of the northern peoples. Where the aim was to point to the inner development of the soul life, there was a need to show that the forces developing within the soul do so invisibly; there, a figure such as Hermes, or Mercury, was depicted. He is shaped differently from the other gods; he is shaped in the same way as the African peoples are shaped. Completely different ears, a different hair type, slanted eyes instead of the Nordic eyes. Yet it was known that this human type is the bearer of scientific knowledge, wisdom, and everything that affects the human soul. This was associated with the concept of the messenger to the lower world of the gods, with Hermes or Mercury.

[ 13 ] Man kann den Unterschied der beiden Völkerströmungen in der Weise charakterisieren, daß man sagt: die nördliche Völkerströmung arbeitet darauf hin, einen äußeren Menschen hinzustellen, der in seiner äußeren Leiblichkeit den Geist wie im Abbilde darlebt; der anderen Völkerströmung kam es darauf an, die unsichtbar sich zeigende Seele, dasjenige also, was nur, wenn man den Blick nach innen wendet, empfindbar wird, auszugestalten. So schuf die nördliche Völkerströmung das Ebenbild der Gottheit im Menschen, wie es äußerlich erscheint; es schuf die südliche Völkerströmung das seelische Ebenbild der Gottheit, das unsichtbar im Inneren wirkende und webende Seelenebenbild der Gottheit. Getrennt zunächst, wie die männliche und weibliche Befruchtungssubstanz der Pflanze, entwickeln sich diese beiden Völkerströmungen; der eine Völkerstrom, so weit er gehen konnte zur Verinnerlichung, der andere, so weit er gehen konnte zum Ausdruck des Geistigen im Äußeren. Und dann, als der richtige Zeitpunkt gekommen war, mußten sich diese beiden Völkerströmungen gegenseitig befruchten. Wir mögen den einen oder den anderen Völkerstrom in Betracht ziehen, wir werden überall auch in dem, was uns äußerlich, geschichtlich entgegentritt, dasjenige bestätigt finden, was eben gesagt worden ist.

[ 13 ] The difference between the two streams of humanity can be characterized as follows: the northern stream of humanity works toward presenting an external human being who, in his external physicality, embodies the spirit as if in an image; the other cultural current, on the other hand, was concerned with giving form to the soul that reveals itself invisibly—that is, to that which can only be sensed when one turns one’s gaze inward. Thus, the northern cultural current created the image of the deity in the human being, as it appears outwardly; the southern cultural current created the soul image of the deity—the soul image of the deity that works and weaves invisibly within. Initially separate, like the male and female reproductive substances of a plant, these two cultural currents developed; one cultural current, as far as it could go toward internalization, the other, as far as it could go toward the expression of the spiritual in the external world. And then, when the right time had come, these two cultural currents had to fertilize one another. Whether we consider one or the other of these national currents, we will find confirmation of what has just been said everywhere, even in what confronts us externally and historically.

[ 14 ] So blieben die Götter der südlichen Völkerschaften mehr oder weniger unsichtbare Götter, denen man sich im eigenen Innern verband, Götter, vor denen man in gewisser Beziehung Furcht und Schrecken haben konnte, vor denen man in anderer Beziehung aber wiederum so dastehen konnte, daß man mit einer gewissen menschlichen Zuversicht zu ihnen emporblickte. Es ist ja angedeutet worden, daß man diese Götter der Innenwelt sieht, wie man selbst ist. Ist man selbst moralisch gestaltet, bringt man moralische Seelenqualitäten der inneren Götterwelt entgegen, dann zeigen sich diese Götter in einem wahren Bilde; es fließt ihr Wesen in den Menschen ein; er fühlt sich von ihnen innerlich erleuchtet, innerlich verklärt. Ist man selbst unmoralisch, ist man mit schlechten, unwahren, häßlichen Vorstellungen begabt, dann verzerrt sich das Bild dieser Götterwelt, dann erscheint sie in furchtbaren, dämonischen Gestalten, so wie das schönste Gesicht verzerrt und karikaturenhaft aussehen kann, wenn man es in einem Spiegel betrachtet, der wie eine Gartenkugel ist. Es konnten, wenn sie den im Innern erschauten Göttern gegenübertraten, die Menschen die Empfindung haben: Oh, das sind unsere guten Freunde, unsere intimsten geistigen Genossen, das sind diejenigen, zu denen wir aufblicken, und die uns die Kräfte hineingießen in das intimste Innere unseres Seelenlebens; das ist etwas, was im Innersten zu uns gehört. — Und erleuchtet und gestärkt und verklärt konnte sich der Mensch fühlen durch diese göttlichen Wesenheiten. Er konnte aber auch, wenn er durch seine eigenen Qualitäten hindurch in Zerrbildern sie erschaute, mit Schaudern und Schrecken auf sie blicken; sie konnten ihn quälen, verfolgen, in die wüstesten Ausschreitungen des Lebens hineinjagen, weil sie sich eben im Zerrbild seiner niederen Leidenschaften zeigten. Daraus können Sie ermessen, wie man darauf gesehen hat, daß kein Mensch. in unvorbereitetem Zustande gerade diesen Göttern gegenübertrat, sondern man stellte da, wo man dem Menschen den Zugang zur geistigen Welt eröffnete, im strengsten Sinne die Anforderung einer erst vor sich gehenden seelisch-moralischen Vervollkommnung, einer außerordentlich guten Vorbereitung; und man wurde nicht müde, zu warnen davor, in dem Zustande einer schwachen Seele den Göttern gegenüberzutreten.

[ 14 ] Thus, the gods of the southern peoples remained more or less invisible deities with whom one connected within oneself—gods whom one might, in a certain sense, fear and dread, but before whom, in another sense, one could stand in such a way as to look up to them with a certain human confidence. It has, after all, been suggested that one sees these gods of the inner world as one is oneself. If one is morally developed and brings moral qualities of the soul to bear upon the inner world of the gods, then these gods reveal themselves in their true form; their essence flows into the human being; he feels inwardly enlightened and transfigured by them. If one is immoral oneself, if one is endowed with evil, untrue, and ugly ideas, then the image of this world of gods becomes distorted; it appears in terrible, demonic forms, just as even the most beautiful face can become distorted and look like a caricature when viewed in a mirror shaped like a garden globe. When facing the gods they beheld within themselves, people could have the feeling: Oh, these are our good friends, our closest spiritual companions; these are the ones we look up to, and who pour their powers into the innermost depths of our spiritual life; this is something that belongs to us in our very core. — And through these divine beings, a person could feel enlightened, strengthened, and transfigured. But they could also, when they perceived them as distorted images through their own qualities, look upon them with shudder and dread; these beings could torment them, pursue them, and drive them into the wildest excesses of life, precisely because they appeared as distorted images of their lower passions. From this you can gauge how it was understood that no human being faced these very gods in an unprepared state; rather, wherever access to the spiritual world was granted to a person, the requirement—in the strictest sense—was for prior spiritual and moral perfection, an exceptionally thorough preparation; and warnings were never ceasingly given against approaching the gods in a state of spiritual weakness.

[ 15 ] Wenn wir nun diese geistige Welt, die wir auf diesem Wege zunächst bei den Völkern des südlichen Völkerstromes gefunden sehen, überblicken, wenn wir sie ihrem ganzen Charakter, sozusagen nach ihren Herrschern charakterisieren wollen, dann nennen wir sie, weil sie diejenige göttlich-geistige Welt ist, welche den Menschen innerlich erleuchtet mit jenem Lichte, das äußerlich nicht sichtbar werden kann, mit jenem Lichte, das er sich durch eigene Vervollkommnung erkämpfen muß, die Welt des Luzifer, die Welt des Lichtträgers. Dieser südliche Völkerstrom fand die Welt des Luzifer auf diesem Wege.

[ 15 ] If we now survey this spiritual world, which we have thus far found among the peoples of the southern ethnic stream, and if we wish to characterize it in its entirety—so to speak, according to its rulers—then we call it the divine spiritual world that inwardly enlightens human beings with that light which cannot become visible outwardly—the light that they must strive to attain through their own self-perfection—we call it the world of Lucifer, the world of the Light-Bearer. This southern stream of peoples discovered the world of Lucifer in this way.

[ 16 ] Der andere Völkerstrom, der führte dazu, den äußeren Menschen, den Menschen, der da lebt zwischen Geburt und Tod in sinnlicher Verkörperung, dahin zu bringen, ein möglichst treues Abbild der Gottheit zu sein in bezug auf die äußere Gestalt. Was konnte auf diesem Gebiete das Ideal nur sein der Volksentwickelung? Dieses Ideal konnte nur sein, eben ein Höchstes in dieser Art zu schaffen, konnte nur sein, alles dasjenige zu tun, was wenigstens einmal auf der Erde einen so vollkommenen, einen so durchgeistigten äußeren Leib hervorbrachte, daß er imstande war nicht nur ein Ebenbild der Gottheit zu werden, sondern daß er aufnehmen konnte diese Gottheit selber. Mit anderen Worten: Es mußte das Ideal in diesem anderen Völkerstrom dieses ‚sein, eine Menschenindividualität zu veranlassen, sich so weit zu vervollkommnen, zu vergeistigen, zu veredeln in bezug auf alles das, was der Mensch zwischen Geburt und Tod hat, daß dieser äußere Leib ein edles Gefäß sei zur Aufnahme des höchsten Geistigen. Und demjenigen, der in der vollkommensten Art hingewiesen hat auf die geistige Welt, die hinter dem Schleier des Sinnenteppichs steht, Zarathustra,3Mit «Zarathustra» ist hier natürlich nicht die bekannte geschichtliche Gestalt, sondern ein alter vorgeschichtlicher Vorfahr gemeint. Es wird dabei der Gedanke zugrunde gelegt, daß sich die Nachfahren einer großen Individualität durch lange Zeiten deren Namen beilegten. So war es nämlich Sitte in alten Zeiten. dem ging auch zunächst der große Gedanke auf: Es muß eine äußerliche Körperlichkeit geschaffen werden durch eine solche moralische, intellektuelle und spirituelle Kraft, daß diese Körperlichkeit so vergeistigt ist, wie sie nur vergeistigt sein kann. Weil dem Zarathustra dieser Gedanke zuerst aufgegangen ist, deshalb sorgte er dafür, sich so zu vervollkommnen von Inkarnation zu Inkarnation, daß mit jeder Inkarnation er in einem edleren, moralischeren, ästhetischeren, intellektuelleren Leibe wohnte. So sehen wir die Individualität, die als Zarathustra zuerst auftritt im alten Persien, an sich so arbeiten, daß sie in immer edleren physischen Leiblichkeiten erscheint, bis sie so weit ist, daß sie diese Veredlung der physischen Leiblichkeit so weit gebracht hat, daß in dem Leibe das edle Gefäß gegeben war, das nicht nur war ein Abbild der göttlich-geistigen Welt, sondern in das sich hineinsenkte die Gottheit, die man sonst nur hinter dem Schleier der äußeren Sinnenwelt gesehen hat. Dasjenige, worauf der alte Zarathustra gewiesen hat als die Welt der Sonnengeister, die hinter der physischen Sonne stehen, worauf er hingewiesen hat als auf den verborgenen Geist des Guten, den Ahura Mazdao, das sollte eine Stätte finden, indem es sich immer mehr und mehr näherte der Erde, in der es als in einer vollkommenen, vergeistigten Leiblichkeit wohnen konnte. So erschien der Zarathustra in einer seiner Verkörperungen im Leibe des Jesus von Nazareth; und der Leib des Jesus von Nazareth war so weit durchgeistigt, so weit veredelt, daß er in seine äußere Leiblichkeit hinein diejenige Geistigkeit nehmen konnte, die man sonst hinter dem Schleier der Sinnenwelt fand. Diese Geistigkeit konnte sich in diesen Leib hineinergießen.4Man wird hieraus ersehen, wie es eine törichte Entstellung ist, wenn gesagt wird, der Sprecher des obigen Vortrags habe jemals den Christus mit dem Zarathustra identifiziert. Er hat dies ebensowenig getan, wie er ihn mit Buddha für eins erklärt hat. Den Menschenleib, den man gerade in der nördlichen Völkerströmung immer gepflegt hat durch die Richtung des Blickes hinaus in die geistige Welt, hatte man dazu präpariert, selber zum Träger zu werden derjenigen Geistigkeit, die sich hinter der äußeren Sinneswelt verbirgt. So hatte man das große, gewaltige Ereignis vorbereitet, die geistige Welt, die hinter dem Schleier der Sinneswelt verborgen ist, die man nirgends sehen kann mit dem gewöhnlichen Auge, die man nur sehen kann mit dem geistigen Auge, diese Geistigkeit in einem Leibe, in dem Leibe des Jesus von Nazareth durch drei Jahre auf der Erde zu haben. So bildete sich durch drei Jahre jene Geistigkeit als das Christus-Prinzip aus in dem zubereiteten Leib des Jesus von Nazareth.

[ 16 ] The other stream of peoples led to the goal of enabling the outer human being—the human being who lives between birth and death in a physical body—to become as faithful a reflection of the deity as possible in terms of outward form. What could the ideal of human development be in this realm? This ideal could only be to create the very highest of its kind; it could only be to do everything that would, at least once on Earth, bring forth an outer body so perfect and so imbued with spirit that it was capable not only of becoming a likeness of the Deity, but also of receiving the Deity itself. In other words: The ideal in this other stream of peoples had to be “to cause a human individuality to perfect, spiritualize, and ennoble itself to such an extent—with regard to everything a human being possesses between birth and death—that this physical body might become a noble vessel capable of receiving the highest spiritual reality.” And to the one who, in the most perfect way, pointed toward the spiritual world that lies behind the veil of the sensory realm—Zarathustra,3By “Zarathustra” here, of course, we do not mean the well-known historical figure, but rather an ancient, prehistoric ancestor. This is based on the idea that the descendants of a great individual would adopt that person’s name over the course of long ages. For such was the custom in ancient times. It was to him, too, that the great thought first dawned: An outer physicality must be created through such moral, intellectual, and spiritual power that this physicality is as spiritualized as it can possibly be. Because this thought first occurred to Zarathustra, he ensured that he perfected himself from incarnation to incarnation so that with each incarnation he dwelt in a nobler, more moral, more aesthetic, and more intellectual body. Thus we see the individuality that first appeared as Zarathustra in ancient Persia working upon itself in such a way that it appears in ever nobler physical forms, until it has reached the point where it has brought about such a refinement of the physical form that the body became the noble vessel—not merely a reflection of the divine spiritual world, but into which the divinity—which one had otherwise seen only behind the veil of the external sensory world—descended. That which the ancient Zarathustra pointed to as the world of the sun spirits standing behind the physical sun—that which he referred to as the hidden spirit of goodness, Ahura Mazdao—was to find a place by drawing ever closer to the Earth, where it could dwell as in a perfect, spiritualized physical form. Thus Zarathustra appeared in one of his incarnations in the body of Jesus of Nazareth; and the body of Jesus of Nazareth was so thoroughly spiritualized, so thoroughly ennobled, that it could take into its outer physicality that very spirituality which was otherwise found behind the veil of the sensory world. This spirituality was able to pour itself into this body.4One can see from this how foolish a distortion it is to say that the speaker of the above lecture ever identified Christ with Zarathustra. He did this no more than he declared Christ and Buddha to be one and the same. The human body—which, particularly within the northern cultural current, has always been cultivated through the direction of the gaze outward into the spiritual world—had been prepared to become the very vehicle of that spirituality hidden behind the outer sensory world. Thus had the great, momentous event been prepared: to have the spiritual world—which lies hidden behind the veil of the sensory world, which cannot be seen anywhere with the ordinary eye, but only with the spiritual eye—to have this spirituality present in a body, in the body of Jesus of Nazareth, for three years on Earth. Thus, over the course of three years, that spirituality took shape as the Christ principle within the prepared body of Jesus of Nazareth.

[ 17 ] So war in der nördlichen Völkerströmung nicht nur allein geschaut worden, was hinter der äußeren Sinneswelt stand, sondern es war vorbereitet worden die Möglichkeit, dieses Geistige auch hereinströmen zu lassen in die Erdenwelt, auf daß das, was man vorher nur hinter der Sonne sah, auch wandeln konnte durch drei Jahre innerhalb unserer Erdenmenschheit. So war der Luzifer sozusagen eingezogen in der südlichen Völkerströmung in die Menschheit, so war der Christus eingezogen in der nördlichen Völkerströmung, beide in Gemäßheit des Charakters dieser Völkerströmungen. Und wir leben in der Zeit, in welcher sich diese beiden Völkerströmungen miteinander verbinden müssen, wie die männlichen und weiblichen Befruchtungssubstanzen sich gegenseitig durchdringen müssen. Wir leben in der Zeit, wo der Christus, der von außen hereingezogen ist als eine objektive Wesenheit in den veredelten Körper des Jesus von Nazareth, verstanden werden muß dadurch, daß die Seele in sich selbst sich immer mehr und mehr versenkt und sich vereinigt mit der Welt des Geistigen, die im Innern gefunden werden kann, mit der Welt, die aus Luzifers Reich stammt. So wird die Befruchtung dieser beiden Völkerströmungen nach und nach geschehen. Sie hat bereits begonnen; sie hat begonnen in demjenigen Augenblicke, der uns dadurch angedeutet wird, daß uns gesagt wird, wie das Opferblut des Christus, das vom Kreuze floß, aufgesammelt wurde in der heiligen Schale des Gral; wie diese heilige Schale des Gral herübergebracht wurde nach dem Westen, vom Osten her, wo man sich vorbereitet hatte zu verstehen die Christus-Tat dadurch, daß man in einer ganz bestimmten Weise das Licht des Luzifer gepflegt hat. Und so wird immer mehr und mehr fortschreitend die Vereinigung dieser beiden Strömungen, die in der Menschheit selbst gegeben sind, vor sich gehen. Was auch die Menschen der Gegenwart machen wollen, es wird sich in der Zukunft zum Heile der Menschheit erfüllen, daß innerhalb der Kultur, in der zusammenfließen die eine und die andere Strömung, das große, die Welt- und Menschheitsentwickelung lenkende ChristusWesen verstanden werden wird durch das Licht, das die Seele von innen empfängt aus dem Reiche des Luzifer,5Man wird — nach bisherigen Erfahrungen kann dies gesagt werden — aus der obigen Stelle das Mißurteil prägen: ich sehe in der menschlichen Seele eine Verbindung des Christus mit Luzifer. Wenn man dabei unterschieben wird, was man sich selbst unter Luzifer vorstellt, so wird dieses Mißurteil eine Verlogenheit darstellen. Nur, wenn man auf die Luziferkraft, die im Sinne dieser Vorträge von mir selbst gemeint ist, sich bezieht, wird man das Richtige treffen, damit aber auch keinen Anlaß zur Verdächtigung haben. Christus wird die Substanz, Luzifer wird die Form geben. Und aus dem, was die beiden miteinander werden, werden die Einschläge kommen, die sich in die Menschheits-Geistesentwickelung hineinsenken und alles das herbeiführen werden, was zum Heil und zum Segen der Menschheit die Zukunft bringen wird.

[ 17 ] Thus, in the northern stream of peoples, attention had not been focused solely on what lay beyond the outer sensory world; rather, the groundwork had been laid for allowing this spiritual reality to flow into the earthly world, so that what had previously been seen only behind the sun could also walk among humanity on Earth for three years. Thus, Lucifer had, so to speak, entered humanity through the southern stream of peoples, just as Christ had entered through the northern stream of peoples, both in accordance with the character of these streams. And we live in a time when these two streams of peoples must unite, just as the male and female fertilizing substances must interpenetrate one another. We live in an age in which Christ—who entered from without as an objective being into the ennobled body of Jesus of Nazareth—must be understood through the soul’s ever-deepening immersion within itself and its union with the spiritual world that can be found within, with the world that originates in Lucifer’s realm. Thus will the fertilization of these two national currents gradually take place. It has already begun; it began at the very moment indicated to us by the account of how the sacrificial blood of Christ, which flowed from the cross, was collected in the sacred Grail; how this holy Grail was brought over to the West from the East, where people had prepared themselves to understand the Christ event by cultivating the light of Lucifer in a very specific way. And so the union of these two currents, which exist within humanity itself, will proceed more and more progressively. Whatever people of the present may choose to do, it will come to pass in the future for the salvation of humanity that, within the culture where these two currents converge, the great Christ Being—who guides the development of the world and humanity—will be understood through the light that the soul receives from within, from the realm of Lucifer,5Based on past experience, it can be said that people will draw the following erroneous conclusion from the passage above: I see in the human soul a union of Christ with Lucifer. If one projects onto this what one personally imagines Lucifer to be, this erroneous conclusion will amount to a falsehood. Only by referring to the Luciferic force—which, in the context of these lectures, is what I myself mean—will one arrive at the correct understanding, and thus have no cause for suspicion. Christ will provide the substance; Lucifer will provide the form. And from what the two of them become together will come the influences that will sink into the spiritual development of humanity and bring about everything that the future will hold for the salvation and blessing of humanity.