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The East in the Light of the West
The Children of Lucifer and the Brothers of Christ
GA 113

29 August 1909, Munich

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The East in the Light of the West, tr. SOL
  1. Der Orient im Lichte des Okzidents, 5th ed.

Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Aus dem, was in den beiden letzten Vorträgen hier gesagt worden ist, werden Sie entnehmen, daß es gewisse Tatsachen in der Entwickelung der Menschheit gibt, die im äußeren Leben kaum beachtet werden, durch deren Nichtbeachtung aber vieles mißverstanden wird, was in den geistigen Grundlagen dieser Entwickelung sich vollzieht. Sie können ja aus dem Schlusse des gestrigen Vortrages sehen, daß das, was man das mystische Christus-Erlebnis nennen kann, das Erlebnis, das der Mensch haben kann, wenn er durch Versenkung in sein Inneres seine Seelenerlebnisse durchdringt mit dem, was wir die ChristusSubstanz genannt haben, nicht immer da war, sondern daß es sich entwickelt hat im Laufe der Zeit. Ja, man kann sehen, daß das historische Ereignis des Abstieges des Christus notwendig war als eine Voraussetzung für die Anwesenheit des mystischen Christus in der Seele, so daß man also nicht sagen darf, daß das mystische Christus-Erlebnis auch in der vorchristlichen Zeit für menschliche Seelen immer möglich gewesen wäre; ein Meister Eckart oder ähnliche Persönlichkeiten mit ihren inneren mystischen Erlebnissen sind nur in der christlichen Zeitrechnung möglich, vorher nicht. Ein abstraktes Denken wird von vornherein das gar nicht einsehen, nur ein konkretes, geistig-realistisches Denken, das auf die Tatsachen geht. Auch das, was über die Beziehungen der luziferischen Wesenheiten und der Christus-Wesenheit gesagt worden ist, ist nur verständlich, wenn man voraussetzt, daß eine zwar für die äußeren Sinne und den äußeren Verstand unwahrnehmbare, aber deshalb nicht minder radikale Veränderung der ganzen menschlichen Organisation sich vollzogen hat durch die Jahrtausende vor der Erscheinung des Christus und durch die Jahrhunderte nach dieser. Die Menschen haben sich seit der atlantischen Katastrophe wesentlich gewandelt. Und wenn im gegenwärtigen Menschheitszyklus alles für die äußere Lebenserfahrung darauf ankommt, daß der Mensch, wenn er in seine Inkarnation eintritt, durch die Instrumente, die ihm zur Verfügung stehen in den drei Hüllen, im physischen, ätherischen und astralischen Leib, die Welt wahrnimmt, so hängt es von den Veränderungen ab, welche die Organisation dieser Hüllen durchmacht, wie er die Welt in den aufeinanderfolgenden Zeitepochen wahrnimmt. Eine absolut wahre Anschauung für alle Zeiten gibt es nicht. Die Menschen können die Welt nur anschauen, wie es ihrer Organisation entsprechend ist.

[ 1 ] From what has been said here in the last two lectures, you will gather that there are certain facts in the development of humanity that are scarcely noticed in outer life, but whose neglect leads to many misunderstandings regarding what takes place in the spiritual foundations of this development. As you can see from the conclusion of yesterday’s lecture, what might be called the mystical Christ experience—the experience a person can have when, through deep contemplation within, they permeate their soul experiences with what we have called the Christ substance—has not always existed, but has developed over the course of time. Indeed, one can see that the historical event of Christ’s descent was necessary as a prerequisite for the presence of the mystical Christ in the soul; thus, one cannot say that the mystical Christ experience would have always been possible for human souls even in pre-Christian times; a Meister Eckhart or similar figures with their inner mystical experiences are possible only within the Christian era, not before. Abstract thinking will not grasp this at all from the outset; only concrete, spiritually realistic thinking that focuses on the facts can do so. Likewise, what has been said about the relationships between the Luciferic beings and the Christ Being can only be understood if one assumes that a transformation—imperceptible to the external senses and the external intellect, yet no less radical—of the entire human organization took place over the millennia preceding the appearance of the Christ and throughout the centuries following it. Human beings have undergone a fundamental transformation since the Atlantean catastrophe. And while in the present human cycle everything in external life experience depends on the fact that, when a human being enters into incarnation, they perceive the world through the instruments available to them in the three bodies—the physical, etheric, and astral bodies, the way they perceive the world depends on the changes that the organization of these bodies undergoes. There is no single, absolutely true way of perceiving the world that applies to all times. People can only perceive the world in a way that corresponds to their own organization.

[ 2 ] Nun wollen wir uns einmal die radikalste Veränderung in der Menschennatur vor die Seele rücken, die sich zugetragen hat seit der atlantischen Katastrophe, durch die erste große Menschheitskultur in der nachatlantischen Zeit, durch das alte Indertum, und durch das Urpersertum hindurch, durch die chaldäisch-ägyptische, durch die griechisch-lateinische Kulturepoche bis in unsere Zeit herein. Sie wissen, daß vor der atlantischen Katastrophe der ganze Zusammenhang der einzelnen Glieder der Menschennatur ein anderer war als später. Das Zusammenwirken des Ätherleibes und des physischen Leibes war nicht so vor der großen atlantischen Katastrophe wie nachher. Der Atherleib des Kopfes zum Beispiel war gegenüber dem physischen Kopfe mächtiger ausgebildet und loser mit diesem verbunden. Gerade darin drückt sich die Fortentwickelung aus, daß der Zusammenhang zwischen dem ätherischen Leib und dem physischen Leib immer intensiver wird und daß beide einander immer ähnlicher werden. Nun liegen alle Kräfte zur Organisation des physischen Leibes, zur Zusammenfügung und Harmonisierung der Glieder des physischen Leibes im Atherleib. Man kann also sagen: In der atlantischen Menschheit war die Sache so, daß von einem Ätherleib, der ja außerhalb des physischen Leibes namentlich in bezug auf den Kopf gelegen hat, wie von außen hereinwirkten die Kräfte, die den physischen Leib konstruierten. Dann zogen sich diese Kräfte in den Raum des physischen Leibes hinein und wirken heute mehr im Innern belebend und erregend. Das aber hat sich erst herausgebildet. Ein langsames Hineinschlüpfen des Ätherleibes in den physischen Leib hat stattgefunden. - Und will man die alte indische Kultur verstehen, so muß man sich klar darüber sein, daß damals die Sache noch anders lag als während der chaldäisch-ägyptischen Zeit. In den Menschen aber der griechisch-lateinischen Zeit war schon eine vollständige Durchdringung des Ätherleibes und physischen Leibes erreicht, so daß für das schauende Bewußtsein auf keiner Stelle der menschlichen Organisation der Ätherleib weit hinausgereicht hätte über den physischen Leib.

[ 2 ] Let us now bring to mind the most radical change in human nature that has taken place since the Atlantean catastrophe—through the first great human civilization of the post-Atlantean era, through ancient India, and through ancient Persia, through the Chaldean-Egyptian and Greek-Latin cultural epochs, right up to the present day. You know that before the Atlantean catastrophe, the entire relationship between the individual components of human nature was different than it was later. The interaction between the etheric body and the physical body was not the same before the great Atlantean catastrophe as it was afterward. The etheric body of the head, for example, was more powerfully developed in relation to the physical head and more loosely connected to it. It is precisely in this that the process of evolution is expressed: the connection between the etheric body and the physical body is becoming ever more intense, and the two are becoming ever more alike. Now, all the forces for the organization of the physical body—for the assembly and harmonization of the physical body’s members—reside in the etheric body. One can therefore say: In Atlantean humanity, the situation was such that the forces that constructed the physical body acted from the outside, as it were, from an etheric body that was located outside the physical body—particularly in relation to the head. Then these forces withdrew into the space of the physical body and today act more from within, animating and stimulating it. But this has only recently come into being. A slow slipping of the etheric body into the physical body has taken place. — And if one wishes to understand ancient Indian culture, one must be clear that at that time the situation was still different from what it was during the Chaldean-Egyptian period. In the people of the Greco-Latin period, however, a complete interpenetration of the etheric body and the physical body had already been achieved, so that to the clairvoyant consciousness, the etheric body would not have extended far beyond the physical body at any point in the human organism.

[ 3 ] Bei den Indern war das noch nicht der Fall. Da würde sich dem schauenden Blick überall gezeigthaben, wie noch der Ätherleib, namentlich in bezug auf den Kopf, herausragte über den physischen Leib. Daher kam es, daß der Angehörige des alten indischen Volkes die Welt anders sah als der Angehörige des ägyptischen. Der Angehörige des griechisch-lateinischen Volkes hat im wesentlichen schon so gesehen wie wir heute, er sah eben die Welt ausgebreitet als den Sinnenteppich der Farben, Töne, Formen und so weiter. Fein durchsetzt aber war diese ganze Welt, die da ausgebreitet ist in den heutigen sinnlichen Wahrnehmungen, für den indischen Geist der ältesten Zeit noch von dem, was man nennen könnte Nebelwolken ätherischer Natur, die sich aus allen Dingen heraus erheben, wie wenn alle Dinge brennen würden und ein feiner Nebelrauch aus jeder Form hervorströmte. Man schaute ein ätherisches Element, das über alle Dinge gelegt war wie feiner Tau oder Reif. Diese eigentümliche Art des Anschauens war damals die natürliche. Sie kann sich heute die Menschenseele nur erwerben durch geisteswissenschaftliche Übungen. Das ist der Sinn der Fortentwickelung der Menschheit durch die verschiedenen Kulturepochen, daß der ätherische Leib immer tiefer und tiefer hineinsteigt in den physischen Leib. Damit ändert sich das menschliche Anschauen, da dieses abhängt von der Art, wie der Ätherleib organisiert ist. Und dies wieder hängt damit zusammen, daß die luziferischen Wesenheiten von solcher Art, die sich innerirdisch und innerseelisch offenbart, aufsteigen zu kosmischen Daseinsstufen, und daß die Christus-Wesenheit, die vorher eine kosmische ist und heruntersteigt bis zur Inkarnation im Menschenleibe, nun eine solche wird, die sich innerirdisch und innerseelisch offenbart. Diese Durchdringung des apollinischen mit dem dionysischen Prinzipe, dieses gleichsam übereinander Hinwegschreiten der luziferischen und der Christus-Wesenheit war nur möglich geworden dadurch, daß die menschliche Organisation sich in dieser Weise geändert hat. Aber sie hat sich nicht nur geändert für die Beurteilung der Vergangenheit, sondern auch für die Vorbereitung der Zukunft. Wir leben jetzt in der Tat in dem Zeitalter, in dem die innigste Durchdringung zwischen dem Ätherleib und dem physischen Leib schon hinter uns liegt; wir leben jetzt schon wiederum in der umgekehrten Entwickelungsrichtung. Wir leben in einer Zeit, in der der Ätherleib langsam herausrückt aus dem physischen Leib. Das ist normale Menschheitsentwickelung in die Zukunft hinein, daß der Atherleib nach und nach wiederum den physischen Leib verläßt; und Zeiten werden kommen, in denen sich die menschliche Organisation wiederum so anschauen wird, wie sie sich angesehen hat in grauer Vorzeit, sodaß wir wiederum empfinden werden, wie der Atherleib hervorragt über den physischen. Wir sind mitten drinnen in diesem Vorgange, und mancherlei von den feineren Krankheitserscheinungen der Gegenwart würde man verstehen, wenn man das wüßte. Das alles aber entspricht großen kosmischen Gesetzen. Der Mensch könnte nicht sein Entwickelungsziel erreichen, wenn er nicht in dieser Weise gleichsam eine Kreuzung seiner Organisationsglieder durchmachte. Aber alles das, was in uns ist, das ist durchdrungen von unserer ganzen Umgebung; das ist durchdrungen von den göttlich-geistigen Wesenheiten, die in der geistigen Welt sind und die ihre Ströme in uns senden, so wie die physischen Elemente der Erde in unseren physischen Organismus ihre Ströme senden. Damals, als der Atherleib außer dem physischen war, da strömten in diesen Ätherleib fortwährend Strömungen hinein, die der Mensch bewußt empfand und die er als kosmische Offenbarungen erlebte. Der Mensch fühlte das wie etwas, was seiner Innerlichkeit sich offenbarte. Was da an Strömungen aus der geistigen Welt sich in seinen Ätherleib hineinsenkte, das war es auch, was an der Ausbildung des physischen Leibes arbeitete.

[ 3 ] This was not yet the case with the Indians. There, the observant eye would have seen everywhere how the etheric body—particularly in relation to the head—protruded beyond the physical body. This is why the members of the ancient Indian people viewed the world differently from the members of the Egyptian people. The members of the Greco-Latin people essentially already saw the world as we do today; they saw it spread out as a tapestry of colors, sounds, forms, and so on. Yet this entire world, as it is spread out in today’s sensory perceptions, was, for the Indian mind of the earliest times, still finely interwoven with what one might call clouds of etheric mist rising from all things, as if all things were burning and a fine mist of smoke were streaming forth from every form. People perceived an ethereal element that lay over all things like fine dew or frost. This peculiar way of perceiving was natural at that time. Today, the human soul can acquire it only through spiritual scientific exercises. This is the meaning of humanity’s evolution through the various cultural epochs: that the etheric body sinks ever deeper and deeper into the physical body. This changes human perception, since it depends on the way the etheric body is organized. And this, in turn, is connected to the fact that the Luciferic beings—of the kind that reveal themselves within the earth and within the soul—ascend to cosmic levels of existence, and that the Christ Being, which was previously a cosmic Being and descended to incarnate in the human body, now becomes one that reveals itself within the earth and within the soul. This interpenetration of the Apollonian and Dionysian principles—this, as it were, overlapping of the Luciferic and Christ-beings—had become possible only because the human constitution had changed in this way. But it has changed not only for the purpose of assessing the past, but also for preparing for the future. We are indeed now living in an age in which the most intimate interpenetration between the etheric body and the physical body is already behind us; we are now once again moving in the opposite direction of development. We are living in a time when the etheric body is slowly withdrawing from the physical body. This is the normal course of human evolution into the future—that the etheric body gradually leaves the physical body once more; and times will come when the human organism will once again view itself as it did in ancient times, so that we will once again perceive how the etheric body protrudes beyond the physical. We are right in the midst of this process, and many of the finer symptoms of illness today would be understood if one knew this. All of this, however, corresponds to great cosmic laws. Human beings could not reach their evolutionary goal if they did not, as it were, undergo a kind of cross-fertilization of their organizational elements in this way. But everything that is within us is permeated by our entire environment; it is permeated by the divine-spiritual beings who dwell in the spiritual world and who send their currents into us, just as the physical elements of the earth send their currents into our physical organism. Back when the etheric body existed apart from the physical body, currents constantly flowed into this etheric body; human beings perceived these consciously and experienced them as cosmic revelations. Human beings felt this as something that revealed itself to their inner being. The currents from the spiritual world that sank into their etheric bodies were also what worked to shape the physical body.

[ 4 ] Wenn man das, was in den letzten Tagen hier gesagt worden ist, jetzt charakterisiert von der äußeren Seite, so kann man sagen: Das, was sich in den Ätherleib des Menschen hineingesenkt hatte und was der Mensch als innerstes Element erlebt hatte, das waren die Einflüsse der luziferischen Welt. Es hatte sich der Mensch seit den alten Zeiten der voratlantischen Entwickelung ein Erbstück mitgebracht: die luziferischen Einflüsse, die in seinen Ätherleib hineinströmten. Daß diese luziferischen Einflüsse sich verdunkelten, daß der Mensch gerade in der Zeit, da Christus erscheint, nichts von ihnen vernimmt, wenn er nicht in hohem Grade eingeweiht ist, das erklärt sich daraus, daß der Atherleib immer mehr und mehr in den physischen Leib hineinrückt, eins mit ihm wird, und er immer mehr und mehr sich bedienen lernt der physischen Organe, Daher war es für ihn notwendig, daß die göttliche Wesenheit, die auf der Erde erscheinen sollte, in einer physisch wahrnehmbaren Gestalt erschien, physisch verkörpert wie andere physische Wesenheiten auf der Erde war. Es konnte die damalige Menschheit nur Verständnis haben für einen im Leibe erscheinenden Gott, weil sie gewohnt worden war, das Wahre dasjenige zu nennen, was man durch die Instrumente des physischen Leibes sieht. Es mußte in der Menschheit dies so sein, damit diejenigen, die um den Christus waren, sprechen konnten zur Bekräfligung dessen, was geschehen war: Wir haben unsere Hände in seine Wunden gelegt und unsere Finger in seine Nägelmale. — Diese sinnliche Gewißheit, die mußte wie ein Gefühl in den Menschen leben, wie ein Gefühl, das, wenn es vorhanden ist, zur Bewahrheitung der Sache beiträgt. Darauf hätte ein Mensch in der alten indischen Zeit nichts gegeben, er hätte gesagt: Das Geistige, sinnlich wahrgenommen, sagt mir nicht viel; wenn du das Geistige wahrnehmen willst, so mußt du zu irgendeinem Grade von schauender Erkenntnis aufsteigen. Das Verständnis also für Christus mußte sich erst entwickeln, wie alles in der Welt.

[ 4 ] If we now characterize from an external perspective what has been said here in recent days, we can say: What had sunk into the human etheric body and what the human being had experienced as the innermost element were the influences of the Luciferic world. Since the ancient times of pre-Atlantean evolution, human beings had carried with them a legacy: the Luciferic influences that flowed into their etheric bodies. The fact that these Luciferic influences became obscured—that, precisely at the time of Christ’s appearance, a human being perceives nothing of them unless he or she is highly initiated—is explained by the fact that the etheric body is increasingly merging with the physical body, becoming one with it, and that the human being is learning more and more to make use of the physical organs; Therefore, it was necessary for humanity that the divine being who was to appear on Earth should appear in a physically perceptible form, physically embodied just like other physical beings on Earth. Humanity at that time could only understand a God appearing in a body because it had become accustomed to calling “true” that which is seen through the instruments of the physical body. This had to be the case for humanity so that those who were with Christ could speak to confirm what had happened: “We have placed our hands in his wounds and our fingers in the marks of his nails.”—This sensory certainty had to live within people as a feeling, a feeling that, when present, contributes to the truth of the matter. A person in ancient India would not have attached any importance to this; he would have said: “The spiritual, when perceived through the senses, does not mean much to me; if you wish to perceive the spiritual, you must rise to some degree of intuitive knowledge.” Thus, understanding of Christ had to develop first, just as everything else in the world does.

[ 5 ] Das aber, was der Mensch als den luziferischen Einschlag hatte in seinem Ätherleib, was er sich mitbrachte aus uralten Zeiten, wo sein Atherleib noch nicht ganz im physischen Leibe lebte, wo er noch draußen war und mit den äußeren Teilen die Einflüsse Luzifers empfing, das verschwand, das wurde allmählich aufgebraucht. Damit, daß der Atherleib in den physischen Leib hineinschlüpfte, verlor der Mensch die Fähigkeit, mit seinen ätherischen Organen die höheren Welten wahrzunehmen. So kann man von einer gewissen Zeit, in die man zurückblickt, von den menschlichen Vorfahren sagen: Die haben noch in die höheren Welten hineingesehen; was sie gesehen haben, ist in den Schriftwerken aufbewahrt. — Wie auf eine uralte Weisheit kann man hinweisen. Die aber war später nicht mehr unmittelbar ergreifbar, weil in demselben Maße, in dem der Ätherleib in den physischen Leib hineinrückt, der Mensch sich nur seiner physischen Sinne und seines physischen Verstandes bedienen kann, und die schauende Kraft gelähmt wird. Die Möglichkeit des Hineinschauens in die geistige Welt, die ist dann nur möglich beim Eingeweihten, der durch systematische Schulung zu den übersinnlichen Welten hinaufsteigt.

[ 5 ] But that which the human being had in his etheric body as the Luciferic influence—which he brought with him from time immemorial, when his etheric body did not yet dwell entirely within the physical body, when it was still outside and received the influences of Lucifer through its outer parts—that disappeared; it was gradually exhausted. As the etheric body slipped into the physical body, human beings lost the ability to perceive the higher worlds with their etheric organs. Thus, looking back to a certain time, one can say of our human ancestors: They were still able to look into the higher worlds; what they saw is preserved in the sacred texts. — One can point to this as an ancient wisdom. But later on, this wisdom was no longer directly accessible, because to the same extent that the etheric body moves into the physical body, human beings can make use only of their physical senses and their physical intellect, and the power of vision is paralyzed. The ability to look into the spiritual world is then possible only for the initiate who, through systematic training, ascends to the supersensory worlds.

[ 6 ] Nun sagte ich Ihnen: Der umgekehrte Prozeß vollzieht sich jetzt. Die Menschheit tritt in ein Stadium ein, wo der Ätherleib in gewisser Weise wiederum sich aus dem physischen herausbildet; aber Sie dürfen nicht glauben, daß er das nun alles von selbst erhält, was er als ein altes Erbstück sich von früher mitgebracht hatte. Der Atherleib des Menschen würde, wenn nichts geschehen würde, als daß er herausrückt aus dem physischen Leibe, eben herausrücken. Er würde nichts von den Kräften in sich enthalten, die er einmal gehabt hat. Er wird ja in Zukunft herausgeboren aus dem menschlichen physischen Leibe. Gibt ihm der menschliche physische Leib nichts mit, dann ist er leer, dann ist er öde. Das wird die Zukunft der Menschheitsentwickelung sein, daß die Menschen sozusagen aus ihrer physischen Leiblichkeit ihren Ätherleib entlassen und ihn eventuell leer hinaussenden können. Was würde das bedeuten? Der Ätherleib ist der Kraftträger, der Erreger alles dessen, was im physischen Leibe vorgeht. Er muß nicht nur dann, wenn er ganz in dem physischen Leibe steckt, den physischen Leib mit Kräften versehen, er muß ihn jederzeit versehen; er wird ihn auch versehen müssen, wenn er wieder einmal teilweise außerhalb des physischen Leibes ist. Lassen Sie ihn leer, den Atherleib, geben Sie ihm nichts mit, dann kann er nicht auf den physischen Leib zurückwirken, denn dann hat er nicht die Kraft, wodurch er zurückwirken kann. Der ÄAtherleib muß, nachdem er durch den physischen Leib durchgegangen ist, innerhalb des physischen Leibes seine Kräfte gewinnen. Von da aus müssen sie ihm mitgegeben werden, damit er, wenn er draußen ist, auf den physischen Leib zurückwirken kann. Es ist die Aufgabe der gegenwärtigen Menschheit, das aufzunehmen in sich, was nur aufgenommen werden kann innerhalb des Wirkens im physischen Leib. Was da erarbeitet wird innerhalb des physischen Leibes, das geht mit der Entwickelung mit, und wenn der Mensch in künftigen Inkarnationen in solchen Organisationen leben wird, wo der Ätherleib entlassen ist bis zu einem gewissen Grad aus dem physischen Leib, dann wird es im Bewußtsein gewissermaßen alsErinnerung durch den teilweise frei gewordenen Ätherleib leben.

[ 6 ] Now I told you: The reverse process is now taking place. Humanity is entering a stage in which the etheric body, in a certain sense, is once again forming itself out of the physical body; but you must not believe that it now retains, of its own accord, everything it had brought with it from the past as an old heirloom. If nothing were to happen other than the etheric body emerging from the physical body, it would simply emerge. It would contain none of the forces it once possessed. In the future, it will be born out of the human physical body. If the human physical body imparts nothing to it, then it is empty; then it is barren. This will be the future of human development: that human beings will, so to speak, release their etheric body from their physical embodiment and may eventually send it forth empty. What would that mean? The etheric body is the bearer of forces, the initiator of everything that takes place in the physical body. It must supply the physical body with forces not only when it is fully within the physical body, but at all times; it will also have to supply it when it is once again partially outside the physical body. If you leave the etheric body empty—if you give it nothing to carry with it—then it cannot exert a return influence on the physical body, for then it lacks the power by which it can do so. After passing through the physical body, the etheric body must draw its forces from within the physical body. From there, these forces must be imparted to it so that, when it is outside, it can exert a return influence on the physical body. It is the task of present-day humanity to take into itself that which can only be taken in through activity within the physical body. What is developed within the physical body progresses with evolution, and when, in future incarnations, human beings live in such organizations where the etheric body is, to a certain degree, released from the physical body, then it will live on in consciousness, as it were, as a memory through the etheric body that has become partially free.

[ 7 ] Nun kann man fragen: Was ist denn das, was den physischen Leib befähigt, etwas als Erbstück mitzugeben dem Ätherleib? Was befähigt den Menschen, Kräfte hineinzusenden in seinen Ätherleib, so daß er einstmals imstande sein wird, einen solchen Atherleib zu tragen, der nun von außen herein wiederum gewisse Kräfte sendet? Wenn der Mensch nur so gelebt hätte, sagen wir, vom Jahre dreitausend vor Christus bis zu dessen Zeit und wiederum drei Jahrtausende nach Christus, daß nichts eingetreten wäre für ihn, als was ohne das Christus-Ereignis dagewesen ist, dann würde der Mensch im physischen Körper nichts erlebthaben, was mitgehen kann alsKraft für den Ätherleib, wenn dieser sich vom physischen loslöst. Das, was der Mensch mitgeben kann, das ist, was er durch das Christus-Erlebnis innerhalb der physischen Welt gewinnen kann. Aller Zusammenhang mit dem Christus-Prinzip, mit den Erlebnissen, die man haben kann an der Christus-Erscheinung, das senkt sich so in die Erlebnisse der Seele innerhalb der physischen Welt, daß diese Seele und damit auch alles Leibliche so vorbereitet wird, daß es in den Atherleib das hineingießen kann, was dieser in der Zukunft braucht. Somußte das Christus-Erlebnis kommen, so mußte es die Menschenseele durchdringen, damit die Menschen für die Zukunft verstehen können ihre Entwickelung. Was heute im physischen Leibe ist, das sendet die Kräfte hinaus in den Atherleib; und dieser wird, wenn er gleichsam gespeist wird von dem, was der physische Leib an der Erscheinung des Christus erlebt, die Kräfte empfangen, um wiederum hellstrablend zu werden und Lebenskraft zu haben, um den physischen Leib zu erhalten in der Zukunft. Was die Menschen also am Christus erlebten durch jene Umkehrung der Prinzipien, das hat seinen guten Sinn für die Zukunft der Menschheitsentwickelung.

[ 7 ] Now one might ask: What is it that enables the physical body to pass something on as a legacy to the etheric body? What enables a person to send forces into their etheric body so that they will one day be able to bear such an etheric body, which in turn sends certain forces back from the outside? If a person had lived, let us say, from the year 3000 B.C. up to that time and again for three millennia after Christ, in such a way that nothing had happened to him other than what existed prior to the Christ event, then that person would have experienced nothing in the physical body that could carry over as a force for the etheric body when it detaches itself from the physical body. What a human being can carry with them is what they can gain through the Christ experience within the physical world. All connection with the Christ principle—with the experiences one can have through the appearance of Christ—sinks so deeply into the soul’s experiences within the physical world that this soul, and with it the entire physical being, is prepared in such a way that it can pour into the etheric body what the latter will need in the future. Since the experience of Christ had to come, it had to permeate the human soul so that people might understand their own development in the future. What is in the physical body today sends out forces into the etheric body; and this etheric body, when it is nourished, as it were, by what the physical body experiences at the time of the Christ event, will receive the forces to become radiant once more and possess the life force necessary to sustain the physical body in the future. What human beings thus experienced in Christ through that reversal of principles has its positive significance for the future of human evolution.

[ 8 ] Aber dieses Ereignis würde allein nicht genügen. Denn denken Sie doch daran, daß Sie, dadurch daß Sie das Christus-Erlebnis in der eigenen Seele durchmachen, dadurch daß der Christus Ihnen immer vertrauter wird, immer mehr und mehr zusammenwächst mit den eigenen Erlebnissen der Seele, allerdings den Atherleib beeinflussen, Kraftströmungen in Ihren Ätherleib hineingießen. Wenn dieser Ätherleib nun aber hinausrückt und in ein falsches Element hineinkommt, wenn er draußen nicht die Kräfte trifft, die auch wiederum unterhaltend und belebend wirken können auf das, was als Christus-Prinzip in ihn hineingezogen ist, dann wird der Ätherleib, wenn er teilweise frei wird, zwar die Christus-Kraft haben, aber in ein Element dringen, wo er nicht leben kann. Er würde durch die äußeren Kräfte zerstört werden. Er würde, weil er durchchristet ist, in einem ihm ungeeigneten Elemente seiner Zerstörung entgegengehen und zerstörend zurückwirken auf den physischen Leib. Was ist das Zweite, was notwendig ist? Das ist, daß dieser Atherleib sich geeignet macht, wiederum zu empfangen das Licht aus Luzifers Reich. So muß der Mensch, während er früher den Luzifer als ein inneres Erlebnis auftauchen sah durch den Schleier seines Seelenlebens, sich nun so vorbereiten, daß er den Luzifer als kosmische Wesenheit in seiner Umgebung erleben kann. Von einer unterirdischen Gottheit zu einer kosmischen wird Luzifer; und der Mensch muß sich vorbereiten, um seinen Atherleib mit solchen Kräften auszustatten, daß der Luzifer ein befruchtendes, ein förderndes Element sein kann und kein zerstörendes. Es muß der Mensch durch das Christus-Erlebnis durchgehen, aber so, daß er empfänglich wird, in dieser Welt zu sehen die geistigen Grundlagen, die Grundlagen der geistigen Geschehnisse, aus denen die Welt entsprungen ist. Also der Mensch geht durch das Christus-Erlebnis durch, und es ist berechtigt in der ganzen Natur der Entwickelung, daß die geisteswissenschaftliche Schulung die Menschen vorbereitet, wiederum zu verstehen das Licht aus Luzifers Reich, weil der menschliche Atherleib nur dadurch seine entsprechenden Lebenskräfte erhalten kann. Der Mensch ist auch schon von Christus beeinflußt gewesen, ehe dieser erschienen ist auf der Erde. Schon als Zarathustra hinaufgewiesen hat zu Ahura Mazdao, strahlte die Kraft des Christus herunter. Und von der anderen Seite strahlte ein die Kraft des Luzifer. Das kehrt sich um. In der Zukunft wird von außen einstrahlen die Kraft des Luzifer, im Innern wird der Christus leben. Die menschliche Organisation muß wieder von zwei Seiten beeinflußt werden. Der alte Inder empfand auf der einen Seite: Das bist du - und auf der anderen Seite: Ich bin das All; er empfand, daß das, was er nach außen sah, dieselbe Welt war wie die nach innen. Das empfand man in Altindien als eine abstrakte Wahrheit; das wird man als ein konkretes Erlebnis dann auf der Erde seelisch haben, wenn die Zeiten dazu erfüllt sein werden, wenn in neuer Gestalt durch die entsprechenden Vorbereitungen das wiederum auflebt, was, wie vorher verkündend, sich gezeigt hat in Altindien. So ist der Gang der Menschheitsentwickelung in der nachatlantischen Zeit.

[ 8 ] But this event alone would not be enough. For do consider that, by undergoing the Christ experience within your own soul—as Christ becomes ever more familiar to you and increasingly merges with your soul’s own experiences—you do indeed influence the etheric body, pouring streams of energy into it. But if this etheric body now moves outward and enters an inappropriate element—if, once outside, it does not encounter the forces that can in turn have a sustaining and enlivening effect on what has been drawn into it as the Christ principle—then, when the etheric body becomes partially free, it will indeed possess the Christ force, but it will penetrate an element where it cannot live. It would be destroyed by external forces. Because it is permeated by Christ, it would meet its destruction in an element unsuitable for it and would have a destructive effect on the physical body. What is the second thing that is necessary? It is that this etheric body make itself fit to receive once again the light from Lucifer’s realm. Thus, whereas human beings once saw Lucifer emerge as an inner experience through the veil of their soul life, they must now prepare themselves so that they can experience Lucifer as a cosmic being in their surroundings. Lucifer is transforming from an underground deity into a cosmic one; and human beings must prepare themselves to endow their etheric bodies with such powers that Lucifer can be a fertilizing, a fostering element—and not a destructive one. Human beings must pass through the Christ experience, but in such a way that they become receptive to seeing, in this world, the spiritual foundations—the foundations of the spiritual events—from which the world has sprung. Thus, human beings pass through the Christ experience, and it is justified within the very nature of evolution that spiritual scientific training prepares people to once again understand the light from Lucifer’s realm, because only in this way can the human etheric body receive its corresponding life forces. Humanity had already been influenced by Christ even before He appeared on Earth. Even when Zarathustra pointed upward toward Ahura Mazda, the power of Christ shone down. And from the other side, the power of Lucifer shone. This is reversed. In the future, the power of Lucifer will shine in from the outside, while Christ will live within. The human organism must once again be influenced from two sides. The ancient Indian perceived, on the one hand: “This is you”—and on the other hand: “I am the universe”; he perceived that what he saw outwardly was the same world as that within. In ancient India, this was perceived as an abstract truth; it will then be experienced as a concrete spiritual reality on Earth when the time is ripe, when—through the appropriate preparations—what was previously revealed in ancient India revives in a new form. Such is the course of human development in the post-Atlantean era.

[ 9 ] Nunmehr sieht man daraus, daß die Entwickelung der Menschheit keine geradlinige ist, daß sie ähnlich verläuft wie alles in der Natur. Ich habe Ihnen das Beispiel gegeben an der Pflanze, die heranwächst, aber nicht die Frucht entfalten könnte, wenn die Entwickelung nicht einen neuen Einschlag bekäme. Hier haben Sie ein Bild, das Ihnen zeigt, daß andere Einflüsse von der Seite kommen müssen. Eine geradlinige Entwickelung gibt es nicht. So mußten sozusagen übereinandertreten das luziferische und das Christus-Prinzip. Wer nur die Entwickelung in gerader Linie sucht, der kann die wirkliche Weltenentwickelung niemals begreifen; nur wer die getrennten Strömungen erfaßt und dann sieht, wie sich die Ströme gegenseitig befruchten, nur der kann wirklich das sich Entwickelnde verstehen. In der Zeit, in welcher während der altindischen Kultur die Menschen in einer gewissen Weise noch anders organisiert waren als später, war dies menschliche Anschauen anders. Wie dieses menschliche Anschauen damals war, davon kann eine bestimmte Erfahrung nur derjenige heute haben, der sie sich durch die Methoden der geisteswissenschaftlichen Forschung, die den heutigen Zeiten angemessen sind, erwirbt. Man kann dies heute nur künstlich erwerben, einstmals war das eine natürliche Fähigkeit. Sogar für einen gut vorbereiteten Bekenner der Geisteswissenschaft ist es schwer ver ständlich, wie die Seelenerlebnisse anders waren in der altindischen Zeit als später, und man kann nur versuchen in annähernder Weise in Worte zu kleiden, wie sie anders waren.

[ 9 ] It is now clear from this that the development of humanity is not linear, but follows a course similar to that of everything in nature. I gave you the example of the plant that grows but could not bear fruit unless its development took a new turn. Here you have an image that shows you that other influences must come from the side. There is no such thing as linear development. Thus, the Luciferic and Christ principles had to, so to speak, overlap. Anyone who seeks only linear development can never comprehend the true development of the world; only those who grasp the separate currents and then see how the currents mutually enrich one another—only they can truly understand what is developing. In the era of ancient Indian culture, when human beings were, in a certain sense, organized differently than they were later, this human perception was different. Only those who acquire it today through the methods of spiritual scientific research appropriate to our times can gain a concrete experience of what this human perception was like back then. Today, this can only be acquired artificially; in the past, it was a natural ability. Even for a well-prepared adherent of spiritual science, it is difficult to understand how soul experiences differed in ancient India from those of later times, and one can only attempt to put into words, in an approximate way, how they were different.

[ 10 ] Wenn heute der Mensch in die Welt hinausschaut, so nimmt er die Welt wahr durch seine verschiedenartigen Sinne. Wir können heute nicht eingehen auf alles, was im Sinne der modernen Wissenschaft über die Sinnesempfindungen zu sagen ist. Das braucht uns auch heute nicht zu interessieren; wir können bei den gewöhnlichen Vorstellungen stehenbleiben, daß der Mensch durch seine verschiedenen Sinne die äußere Welt wahrnimmt und die verschiedenen Eindrücke zusammenfaßt mit dem Geistesvermögen, das an das physische Gehirn gebunden ist. Sie werden, wenn Sie darüber nachdenken, allerdings sich klar darüber sein können, daß innerhalb der Sinnesempfindungen in bezug auf deren ganze Wesenheit doch ein gewaltiger Unterschied ist. Vergleichen Sie zum Beispiel das Gehör, die Empfindung des Gehörs, mit der Sinnesempfindung des Gesichtes. Nicht wahr, für das Gehör ist es ziemlich einleuchtend, daß in der Außenwelt, wenn wir suchen nach den entsprechenden Tatsachen, für das, wie wir hören, eine Bewegungsform der Materie existiert, regelmäßig bewegte Luft. Das finden wir draußen; wenn wir das Instrument unseres Gehörs dieser regelmäßig bewegten Luft entgegenhalten, so haben wir das erlebt, was wir die Gehörsempfindung nennen. Doch sind zwei ganz verschiedene Dinge das innere Gehörerlebnis und das, was man außen als bewegte Luft hat. Wenn Sie den Gesichtssinn nehmen, so werden Sie einsehen können, daß die Sache so einfach nicht liegt wie beim Gehör. Die moderne Physik hat es sich einfach gemacht. Sie hat analog sich gedacht: Nehmen wir einen feineren Stoff an, der sich ebenso bewegt wie die Luft draußen. — Der große Unterschied ist für den realistischen Denker der, daß man sich sehr leicht überzeugen kann von dem, was draußen schwingt, in bezug auf das Ohr. Man kann leicht darauf kommen, daß draußen sich wirklich etwas bewegt - wo es sich um den Gehörvorgang handelt -—, wenn man auf einer Saite Papierreiterchen setzt und die Saite anstreicht. Was aber im Äther schwingt, von dessen Dasein kann sich kein Mensch überzeugen; das ist Hypothese, das ist nur für die physikalische Theorie vorhanden. Für das realistische Denken ist das nicht vorhanden. Die Sinnesempfindung des Gesichtes ist etwas wesentlich anderes als die des Gehörs. Wenn wir sprechen von der Lichtempfindung, so liegt für uns sozusagen das, was wir wahrnehmen, viel objektiver da als das, was wir wahrnehmen durch den Gehörsinn. Wir nehmen das Licht als Farbe wahr, nehmen es ausgebreitet im Raume wahr, aber wir können nicht in derselben Weise in die äußere Welt hinausgehen und objektive Vorgänge suchen, wie beim Schall. Solche Unterschiede sind es, über die der moderne Mensch so leicht hinweggeht. Mit seinem feineren Bewußtsein von der ganzen Außenwelt konnte der alte Inder über so etwas nicht hinwegsehen. Der nahm alle diese feinen äußeren Unterschiede wahr.

[ 10 ] When people today look out into the world, they perceive it through their various senses. We cannot go into everything there is to say about sensory perceptions from the perspective of modern science. Nor does that need to concern us today; we can stick to the common understanding that human beings perceive the external world through their various senses and synthesize the various impressions using the mental faculties that are bound to the physical brain. If you think about it, however, you will surely realize that there is a tremendous difference within sensory perceptions with regard to their entire nature. Compare, for example, hearing—the sensation of hearing—with the sensory experience of sight. Isn’t it quite obvious, when it comes to hearing, that in the external world—if we look for the corresponding facts—there exists a form of motion of matter that corresponds to how we hear: regularly moving air. We find this outside; when we hold the instrument of our hearing up to this regularly moving air, we experience what we call the auditory sensation. Yet the inner auditory experience and what exists externally as moving air are two entirely different things. If you take the sense of sight, you will be able to see that the matter is not as simple as it is with hearing. Modern physics has taken the easy way out. It has reasoned analogously: Let us assume a finer substance that moves just like the air outside. — For the realistic thinker, the major difference is that one can very easily verify what is vibrating outside in relation to the ear. It is easy to conclude that something is actually moving out there—when it comes to the process of hearing—if one places small pieces of paper on a string and plucks it. But as for what vibrates in the ether, no one can verify its existence; that is a hypothesis, something that exists only for the sake of physical theory. For realistic thinking, it does not exist. The sensory perception of sight is something fundamentally different from that of hearing. When we speak of the perception of light, what we perceive is, so to speak, much more objective to us than what we perceive through the sense of hearing. We perceive light as color; we perceive it as extending throughout space; but we cannot go out into the external world in the same way and seek objective processes as we do with sound. These are the kinds of differences that modern people so easily overlook. With his more refined awareness of the entire external world, the ancient Indian could not overlook such things. He perceived all these subtle external differences.

[ 11 ] Ich wollte nur hinweisen darauf, daß es zwischen den einzelnen Sinnesgebieten ihrer Wesenheit nach charakteristische Unterschiede gibt. Wenn Sie die deutsche Sprache beobachten, so kann Ihnen da auffallen, daß man bezeichnet mit demselben Worte ein inneres Seelenerlebnis und - ich gebe ja zu, es geschieht das bei ungenauem Sprechen auch einen Eindruck, der in einer gewissen Weise von außen kommt. Das ist das Wort Gefühl. Sie wissen, wenn man von den fünf Sinnen spricht, zählt man auf Gesichts-, Gehör-, Geruch-, Geschmacks- und Gefühlssinn; im trivialen Sinne Gefühlssinn; man meint damit den Tastsinn, spricht aber von Gefühl und zählt das, was dieser Sinn erlebt, zu den äußeren Sinneserlebnissen — nennt es Gefühl. Man bezeichnet aber auch, und zwar in einer viel, viel geistvolleren Weise, als man gewöhnlich denkt, aus dem Sprachgenius heraus ein innerliches Seelenerlebnis als Gefühl. Wenn Sie Freude haben, Schmerz empfinden, bezeichnen Sie das als Gefühl. Dieses Gefühl, von dem jetzt die Rede ist, ist ein intimes Seelenerlebnis; bei dem anderen, das durch den Tastsinn vermittelt wird, ist immer ein äußerer Gegenstand vorhanden, der die Veranlassung ist. Das andere Gefühl knüpft sich vielleicht an den äußeren Gegenstand, aber schon daraus können Sie sehen, daß der nicht die einzige Veranlassung ist, weil es bei dem einen Menschen anders auftreten kann als bei dem anderen. Der Sprachgenius, sagte ich, wirkt hier wirklich genial. Wir haben zwei Erlebnisse; eines als etwas, was an den äußeren Sinn gebunden ist, und eines, was an das Innere gebunden ist. Die zwei stehen sich scheinbar recht entfernt für das heutige Erleben. Das war nun nicht immer so. Und hier kommen wir zu einer anderen Ansicht dessen, was wir vorhin von außen charakterisiert haben. Wir haben das Hineinschlüpfen des Atherleibes charakterisiert und das Herausgehen. Das ist verknüpft damit, daß auch im Inneren des Menschen etwas vor sich geht. Heute sind diese beiden Erlebnisse, das Gefühlserlebnis im Innern und das Gefühlserlebnis, das wir eben auch mit dem Worte Gefühl bezeichnen, und das durch den äußeren Gegenstand mit Hilfe des Tastsinnes veranlaßt ist, zwei Dinge, die voneinander abliegen. Je weiter wir in der Entwickelung der Menschheit zurückgehen, das heißt, je weiter der Ätherleib aus dem physischen Leibe draußen ist, desto näher rücken sich diese beiden Erlebnisse. Heute nur sind sie für den Menschen weit auseinander liegend. In der indischen Zeit noch war dieser Unterschied nicht in derselben Weise berechtigt wie heute. Da standen sich das innere Gefühlserlebnis und das äußere noch unendlich viel näher. Ja, wie das?

[ 11 ] I just wanted to point out that there are characteristic differences in the nature of the individual sensory realms. If you observe the German language, you may notice that the same word is used to describe both an inner psychological experience and—I admit, this does happen in imprecise speech—an impression that, in a certain sense, comes from the outside. That word is “Gefühl.” As you know, when we speak of the five senses, we list sight, hearing, smell, taste, and the sense of feeling; in the trivial sense, the “sense of feeling”; by this we mean the sense of touch, but we speak of “Gefühl” and count what this sense experiences among the external sensory experiences—we call it “Gefühl.” But we also describe—and in a much, much more spiritual way than is commonly thought, stemming from the genius of language—an inner experience of the soul as a “feeling.” When you feel joy or pain, you describe that as a feeling. This feeling we are now discussing is an intimate experience of the soul; in the other case, mediated by the sense of touch, there is always an external object that serves as the cause. The other feeling may be linked to the external object, but you can already see from this that it is not the sole cause, because it can manifest differently in one person than in another. The genius of language, as I said, truly works its magic here. We have two experiences: one bound to the external senses, and one bound to the inner self. In today’s experience, the two seem quite distant from one another. This was not always the case. And here we come to a different perspective on what we characterized earlier as coming from the outside. We described the slipping in of the etheric body and its slipping out. This is connected to the fact that something is also taking place within the human being. Today, these two experiences—the inner emotional experience and the emotional experience that we also describe with the word “feeling,” which is elicited by an external object through the sense of touch—are two distinct things. The further back we go in human evolution—that is, the further the etheric body is outside the physical body—the closer these two experiences come together. Only today are they far apart for human beings. In the Indian era, this distinction was not as valid as it is today. Back then, the inner emotional experience and the outer one were still infinitely closer to one another. Yes, how so?

[ 12 ] Wenn Sie heute einem Menschen entgegentreten, und er hegt gegen Sie einen schlimmen Gedanken, sagen wir, Sie seien ihm unsympathisch, und er bringt Ihnen demgemäß seine Empfindungen entgegen, ja, Sie werden, wenn Sie zunächst nur ausgerüstet sind mit äußeren Sinnen und dem physischen Gehirne, in der Regel nicht viel merken von seinen Gefühlen, Sympathien und Antipathien. Wenn er Sie schlägt, dann werden Sie es merken, dann merkt es Ihr Gefühlssinn. Das war eben in der altindischen Zeit noch anders. Da war der Mensch noch so organisiert, daß er nicht nur das, was für den heutigen groben Tastsinn wirkt, empfand, sondern auch das, was heute sich schon in das Innere zurückgezogen hat; daß er das noch empfinden konnte, was ihm ein anderer innerlich entgegenbrachte. In seiner Seele entstand ebenso ein Erlebnis, wie Sie es heute durch den Tastsinn haben, durch das, was an Sympathie im anderen lebte. Er fühlte, was physischseelisch vorging. Dafür war aber auch in jenen Zeiten noch nicht in einer solch inneren Weise ausgebildet, was wir unser inneres Gefühlsleben nennen; das war auch noch mehr mit der Außenwelt verbunden. Noch nicht zog sich der Mensch so in sein Inneres zurück wie heute. Er hatte Schmerzen und Freuden, die in vieler Beziehung mehr den Geschehnissen der Außenwelt entsprachen als unsere heutigen; er konnte sich gar nicht so zurückziehen in sein Inneres wie wir heute. Heute ist das innere Seelenerlebnis viel mehr herausgerissen aus der ganzen Umgebung als ehedem. Heute kann der Mensch sogar dahin kommen, daß er außen umgeben ist von Umständen, die gar nicht besser sein könnten; weil aber sein inneres Seelenleben herausgerissen ist aus der Umgebung, fühlt er vielleicht innerlich Schmerz durch die Art, wie er sich zur Welt stellt, ohne daß er recht Veranlassung dazu hat. Unmöglich wäre das gewesen zur Zeit der altindischen Kulturepoche. Da war das, was im Innern vorging, so, daß es ein viel treueres Spiegelbild dessen war, was sich in der äußeren Umgebung abspielte. Der Mensch lebte viel mehr mit seinem Gefühle in der Umgebung. Wodurch kam das? Dadurch, daß der Mensch in jenen alten Zeiten in einem ganz anderen Verhältnisse zum Beispiel zum Lichte stand durch seine Organisation. Das Licht, das uns umflutet, hat nicht nur seine physische Außenseite, sondern alles, was physisch ist, hat auch Seelisches und Geistiges in sich. Nun ging die menschliche Entwickelung dahin, daß das Seelische und Geistige der Außenwelt sich immer mehr und mehr von dem Menschen in diesen Erlebnissen zurückzog, es wurde immer mehr und mehr nur das Physische wahrnehmbar. Der Mensch nahm nun das Licht wahr in seiner Wirkung auf das Auge. Er nahm es wahr in älteren Zeiten, wie wenn es von allen Seiten in seine Organisation wie ein Fluidum sich einsenkte, und in das ihn durchströmende Licht fühlte er die Seele hinein. Heute macht die Seele des Lichtes Halt vor der menschlichen Haut. Durchflutet von dem, was als Seele im Lichte lebt, war noch die indische Organisation; und der Mensch nahm wahr, was als Lichtseele das Licht durchflutete, Das war der Träger dessen, was man wahrnehmen konnte als Sympathien und Antipathien in anderen Wesen, die sich heute mit der Seele des Lichtes von dem Menschen zurückziehen. Das war mit anderen Erlebnissen verbunden. Heute atmen Sie Ihren Atem aus und ein. Sie lernen Ihren Atem höchstens an seinen mechanischen Wirkungen kennen. Wenn er irgend so wirkt, daß er sich abkühlt, da sehen Sie ihn an dem Wässerigwerden. Das ist eine mechanische Art, den Atem zu sehen. So unwahrscheinlich es für den heutigen Menschen klingt, so ist es doch Wahrheit, daß man zum Beispiel bei den meisten Menschen des alten Indiens durch die geisteswissenschaftliche Forschung heute konstatieren kann, daß sie ihren Atem noch ganz anders wahrgenommen haben. Es hatte sich noch nicht aus dem, was um die damaligen Menschen vorging, die Seele des Lichtes zurückgezogen; so nahmen sie wahr die ein- und ausgeatmete Luft in verschieden hellen und dunkeln Farbennuancen. Sie sahen wie in Feuerstrahlen einströmen die Luft und wiederum hinausgehen. So können Sie also sagen: Im Grunde genommen ist auch die Luft sogar durch das, was sich alles geändert hat für die menschliche Anschauung etwas ganz anderes geworden. — Die Luft ist heute etwas, was der Mensch im Grunde genommen wahrnimmt nur mechanisch durch den Widerstand, den sie ihm bietet, weil er die Seele des Lichtes, die die Luft durchdringt, nicht unmittelbar wahrnimmt. Auch aus diesem letzten Rest des instinktiven Schauens ist der Mensch herausgegangen. Der alte Inder würde daher nicht einfach Luft genannt haben, was aus- und eingeatmet wird, sondern Feuerluft, weil er es in verschiedenen Graden des feurigen Erstrahlens wahrgenommen hat. Damit aber haben Sie zugleich die Möglichkeit gegeben, zu begreifen, daß überhaupt die ganze Umgebung des Luftkreises für den alten Inder etwas anderes war als für den heutigen Menschen. Der heutige Mensch sieht die Luft durchsichtig, sieht nicht die umgebende Inhaltlichkeit der Luft. Wenn ein Luftzug durch den Raum geht, so nimmt er ihn nur wahr am Widerstand, den er ihm bietet. Das altindische Bewußtsein sah feurige Massen durch die Luft dahinziehen.

[ 12 ] If you encounter someone today and they harbor a negative thought toward you—let’s say they find you unlikable—and they express their feelings toward you accordingly, well, if you are initially equipped only with your external senses and your physical brain, you will generally not notice much of their feelings, sympathies, and antipathies. If they strike you, then you will notice it; your sense of feeling will register it. Things were different in ancient India. Back then, human beings were still organized in such a way that they perceived not only what corresponds to today’s coarse sense of touch, but also what has now retreated into the inner self; they were still able to sense what another person was conveying to them inwardly. An experience arose in their soul, just as you have it today through the sense of touch, through the sympathy that lived within the other person. They felt what was happening physically and emotionally. However, in those times, what we call our inner emotional life had not yet developed in such an inward way; it was still more connected to the external world. People did not yet withdraw into their inner selves as much as they do today. They experienced pains and joys that, in many respects, corresponded more closely to the events of the external world than ours do today; they were not at all able to withdraw into their inner selves as we do today. Today, the inner experience of the soul is much more detached from the entire environment than it used to be. Today, a person may even find themselves surrounded by circumstances that could not be better; yet because their inner life of the soul is detached from their surroundings, they may feel inner pain due to the way they relate to the world, without having any real cause for it. That would have been impossible during the era of ancient Indian culture. Back then, what took place within was such that it was a much more faithful reflection of what was unfolding in the external environment. People lived much more in harmony with their feelings within their surroundings. Why was that? Because in those ancient times, due to their physical constitution, people had a completely different relationship to, for example, light. The light that floods around us has not only its physical aspect, but everything that is physical also contains a soul-and-spiritual aspect within it. Now, human development proceeded in such a way that the soul-and-spiritual aspects of the external world withdrew more and more from human beings in these experiences; increasingly, only the physical became perceptible. Human beings now perceived light through its effect on the eye. In earlier times, they perceived it as if it were sinking into their organism from all sides like a fluid, and in the light streaming through them, they sensed the soul. Today, the soul of light stops at the human skin. The Indian constitution was still permeated by what lives as the soul within the light; and human beings perceived what, as the soul of light, permeated the light. This was the bearer of what could be perceived as sympathies and antipathies in other beings—qualities that today, along with the soul of light, are withdrawing from human beings. This was connected to other experiences. Today you breathe in and out. At most, you come to know your breath through its mechanical effects. If it has any effect that causes it to cool, you perceive it as becoming watery. That is a mechanical way of perceiving the breath. As improbable as it may sound to people today, it is nevertheless true that, for example, spiritual scientific research can now confirm that most people in ancient India perceived their breath quite differently. The soul of light had not yet withdrawn from what was happening around the people of that time; thus, they perceived the inhaled and exhaled air in various light and dark shades of color. They saw the air flowing in as if in rays of fire and flowing out again. So you can say: Essentially, even the air has become something entirely different to human perception, despite all that has changed. — Today, air is something that people essentially perceive only mechanically through the resistance it offers them, because they do not directly perceive the soul of light that permeates the air. Humanity has also moved beyond this last remnant of instinctive perception. The ancient Indian, therefore, would not simply have called what is inhaled and exhaled “air,” but rather “fire-air,” because he perceived it in varying degrees of fiery radiance. But in saying this, you have also made it possible to understand that, in general, the entire atmosphere surrounding the air was something different for the ancient Indian than it is for people today. Modern humans see the air as transparent; they do not perceive the surrounding substance of the air. When a draft passes through a room, they perceive it only through the resistance it offers. The ancient Indian consciousness saw fiery masses moving through the air.

[ 13 ] Da haben Sie wiederum ein Beispiel, wie selbst in den äußeren Erlebnissen sich die Umwandlung der menschlichen Organisation im Entwicklungslaufe zeigt. Das sind die intimen Vorgänge der Menschheitsentwickelung, und wir können niemals das begreifen, was in den Veden steht, wenn wir nicht wissen, wie die Worte gebraucht werden. Wenn wir die Worte da lesen und wissen nicht, daß die Worte das bezeichnet haben, was man damals gesehen hat, so verlieren die Worte allen Sinn, und wir interpretieren ganz falsch. Man muß immer die Realitäten in Betracht ziehen, wenn man an alte Urkunden herangeht.

[ 13 ] Here you have yet another example of how the transformation of human organization over the course of development is reflected even in external experiences. These are the inner processes of human evolution, and we can never understand what is written in the Vedas unless we know how the words are used. If we read those words without realizing that they described what people actually saw at that time, the words lose all meaning, and we interpret them completely wrong. One must always take the realities into account when approaching ancient texts.

[ 14 ] Es ändert sich eben das, was in der Menschenseele lebt, im Laufe der Zeiten. Und jetzt werden Sie eine Tatsache verstehen, die, wenn man diese Voraussetzungen nicht hat, welche ganz unabhängig sind von den durch die physische Forschung festzustellenden Belegen, Sie auf der bloßen Grundlage dieser Belege nicht verstehen können. Sehen Sie sich um in den morgenländischen Schriften, wie da die Elemente aufgezählt werden. Es wird aufgezählt: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Ather. Erst von der griechischen Zeit an finden wir die andere Aufzählung, die uns heute selbstverständlich ist und die wir zugrunde legen müssen allem Begreifen, nämlich: Erde, Wasser, Luft, Feuer und die anderen Ätherarten. Warum ist das so? Das altindische Bewußtsein sah geradeso wie der heutige Mensch draußen die Dinge, die sich manifestieren durch das Feste, was man das Erdige nennt, sah durch das Flüssige, was man geistig gesprochen das Wasser nennt. Was wir aber heute Luft nennen, das war ihm schon Feuer, denn da sah man schon das Feuer in der Luft, und bezeichnete das, was man sah, als Feuer. Wir sehen dies Feuer nicht mehr, wir fühlen es als Wärme. Und erst, wenn sie etwas höher hinaufrückten in der Elementenreihe, rückten die Inder in ein Element ein, wo sich für die Menschheit, weil sich alles gewandelt hat seit dem vierten Zeitraum der nachatlantischen Zeit, das herausstellte, was wir heute die vom Lichte durchdrungene, aber nicht das Licht zeigende Luft nennen. In Feuer und Luft hat sich die ganze Anschauung der Menschen umgedreht. Das, was wir für Christus und Luzifer gesagt haben, daß sie übereinandergeschritten sind, daß Christus von einer kosmischen zu einer innermenschlichen Wesenheit, Luzifer von einer innermenschlichen zu einer kosmischen Wesenheit geworden ist, das hat sich vollzogen für alle Gebiete des Lebens, so daß das, was noch in der ersten nachatlantischen Zeit das war, was wir Feuer nennen, von uns heute als Luft wahrgenommen wird, und daß das, was von uns als Feuer wahrgenommen wird, damals als Luft wahrgenommen wurde. Nicht nur im großen, sondern auch im kleinen drückt sich aus, was der Menschheitsentwickelung zugrunde liegt. Man darf diese Dinge nicht auf Zufälligkeiten zurückführen. Sie sehen, wie tief man hineinschauen kann in das, was geschieht im Laufe der Menschheitsentwickelung, wenn man die Dinge betrachtet vom einzig realen Gesichtspunkte, vom geisteswissenschaftlichen aus. Ein solches Bewußtsein, wie es der alte Inder hatte, das ist also ein Bewußtsein, welches etwas, was im Innern der Seele liegt und was außerhalb der Seele liegt, noch mehr wie eine Einheit empfand; daher lebte der Inder noch mehr in seiner ganzen Umgebung. Letzte Nachklänge davon, von seinem noch vorhanden gewesenen, gewissermaßen instinktiv schauenden Zustande, sind vorhanden im rudimentären heutigen Hellsehen derjenigen Menschen, die das haben, was wir namentlich als zweites Gesicht bezeichnen. Wenn Sie irgendwo auf der Straße gehen, und es taucht Ihnen der Gedanke an einen Menschen auf, den Sie physisch in diesem Augenblick nicht sehen können, und Sie gehen weiter und nach einiger Zeit tritt er Ihnen entgegen; warum haben Sie im Bewußtsein den Gedanken an ihn, bevor Sie ihn gesehen haben? Weil eben die Wirkung von ihm in Ihr Unterbewußtsein eingetreten ist, dann ins Bewußtsein gestiegen als fertiger Gedanke. Heute hat der Mensch nur noch so etwas Rudimentäres von einem früheren Bedeutsameren. Früher war eine intimere Verbindung des inneren und des äußeren Gefühls vorhanden. Das sind nur weitere Ausführungen dessen, was oftmals vor Sie hingestellt worden ist so, daß gesagt werden konnte: Die Menschheit hat sich vom alten, dumpfen Hellsehen zum heutigen Sinnesbewußtsein entwickelt und wird hineinwachsen in einen vollbewußten schauenden Zustand. Dieser wird erreicht werden so, daß der Mensch bewußt ihn erleben wird, so daß er weiß, sein Ätherleib geht heraus, und er kann sich der Organe des Atherleibes so bedienen wie der physischen.

[ 14 ] It is precisely what lives in the human soul that changes over the course of time. And now you will understand a fact which, if you do not have these prerequisites—which are entirely independent of the evidence established by physical research—you cannot understand based solely on that evidence. Take a look at the Eastern writings to see how the elements are listed there. They are listed as: earth, water, fire, air, and ether. It is only from the Greek period onward that we find the other list, which we take for granted today and which we must take as the basis for all understanding, namely: earth, water, air, fire, and the other types of ether. Why is that so? Ancient Indian consciousness perceived things just as modern humans do: it saw the things that manifest through the solid—what is called the earthly—and through the liquid—what is spiritually speaking called water. But what we call air today was already fire to them, for they already saw fire in the air and designated what they saw as fire. We no longer see this fire; we feel it as warmth. And only when they moved somewhat higher up in the series of elements did the Indians enter an element where—because everything has changed since the fourth period of the post-Atlantean era—what emerged for humanity was what we today call air: air permeated by light, but not itself manifesting light. In fire and air, the entire human worldview was transformed. What we have said about Christ and Lucifer—that they have transcended one another, that Christ has evolved from a cosmic to an inner-human being, and Lucifer from an inner-human to a cosmic being—this has taken place in all areas of life, so that what was still, in the first post-Atlantean epoch, what we call fire is perceived by us today as air, and what is perceived by us as fire was perceived back then as air. What underlies human development is expressed not only on a grand scale but also on a small one. One must not attribute these things to mere chance. You can see how deeply one can look into what happens in the course of human development when one views things from the only real perspective—that of spiritual science. A consciousness such as that of the ancient Indian is, therefore, a consciousness that perceived what lies within the soul and what lies outside the soul even more as a unity; hence, the Indian lived even more fully within his entire surroundings. The last echoes of this—of their once-existing, instinctive state of perception—can be found in the rudimentary clairvoyance of those people today who possess what we specifically call “second sight.” When you are walking down the street somewhere, and the thought of a person whom you cannot physically see at that moment occurs to you, and you continue walking and after some time he comes toward you—why did you have the thought of him in your consciousness before you saw him? Because his influence had entered your subconscious and then risen into your consciousness as a fully formed thought. Today, human beings have only a rudimentary remnant of what was once more significant. In the past, there was a more intimate connection between inner and outer sensation. These are merely further elaborations on what has often been presented to you, so that it could be said: Humanity has evolved from the old, dull form of clairvoyance to today’s sensory consciousness and will grow into a fully conscious state of perception. This will be achieved in such a way that the human being will consciously experience it, so that he knows his etheric body is going out, and he can make use of the organs of the etheric body just as he does those of the physical body.

[ 15 ] Die Menschen haben aber in den früheren, noch spirituelleren Zeiten, in denen sie weiser waren als die heutige abstrakt materialistische Wissenschaft ist, immer ein Bewußtsein davon gehabt, daß ein altes Schauen, ein Durchschauen der Welt vorhanden war, daß die Menschen herausgetreten sind aus diesem alten Schauen und in die gegenwärtigen Zustände hineingetreten sind. Die Menschen haben früher nicht in abstrakten Formeln und Theorien das ausgedrückt, was sie gewußt haben, sondern durch mächtige farbenreiche Bilder; und die Mythen sind ja nicht ausgedachte Dinge, ausgeklügelte, phantastische Bilder, wie eine phantastische Gelehrsamkeit vom grünen Tisch heute meint, sondern Ausdrücke tiefer, ursprünglicher, durch geistige Anschauung erworbener Weisheit. Es war das Bewußtsein vorhanden in alten Zeiten und hat sich in Mythen zum Ausdruck gebracht, daß die Menschen einstmals die Welt umfänglicher durchfühlt haben. Das Hellfühlen der alten Inder war ein letzter Rest eines ursprünglichen, dämmerhaften Hellsehens. Das hat man ehemals gewußt; man hat aber auch gewußt, daß dieses Hellsehen — nennen wir .es summarisch so — immer mehr und mehr zurückgeht, immer mehr und mehr dem äußeren Leben, das auf die Sinneswelt beschränkt ist, Platz machen muß. Gerade diese Tatsache brachte man in den maßgebenden Mythen zum Ausdruck. Man wußte zum Beispiel folgendes: Es gibt Mysterienstätten — wir haben gestern davon gesprochen -, in denen der Weg zu den unterirdischen Geistern führte, und es gab andere Mysterien, in denen der Weg hinaufführte zu den kosmischen Geistern. Das alles war scharf voneinander unterschieden worden. Davon wußte nichts derjenige, der nicht eingeweiht war, wie heute der nichts ahnt, daß es eine Mysterienweisheit gibt, der nicht die rechten Wege dazu sucht. Aber es war sozusagen mehr oder weniger Kunde davon in die äußere Welt hinausgedrungen. Auch von den Mysterien ist zu sagen, daß ihre Glanzzeit um so bedeutungsvoller uns entgegentritt, je weiter wir in die alte Zeit zurückgehen. Die griechischen Mysterien sind schon nicht mehr die glanzvollsten. Auch das Mysterienwesen war einem Verfall unterworfen. Dennoch aber wußten die Leute, daß das, was von den Orten kommt, wo schauendes Bewußtsein noch wirkt, zusammenhängt mit der geistigen Substanz, die die Welt durchflutet und durchlebt; und sie wußten, daß man da, wo schauendes Bewußtsein waltet, noch etwas erfahren kann über Weltzusammenhänge, von denen man sonst nichts wissen kann. Und wenn auch schon in der Verfallsperiode, so waren doch die Orakelstätten solche Orte, in denen schauendes Bewußtsein gepflegt, und für die Menschen das verkündet wurde, was man durch gewöhnliche Sinnesanschauung und durch die menschliche Anschauung, die an die Sinne gebunden ist, nicht erfahren kann. Aber man wußte da auch, daß der Mensch sich entwickelt, daß das, was man durch das alte Schauen hat erlangen können, nur etwas taugt und anwendbar ist für alte Urzeiten, nicht aber für die neuen Zeiten.

[ 15 ] In earlier, even more spiritual times—when people were wiser than today’s abstract, materialistic science—people were always aware that an ancient way of seeing, a way of perceiving the world, had existed; that people had stepped away from this ancient way of seeing and entered into the present-day conditions. In the past, people did not express what they knew through abstract formulas and theories, but through powerful, colorful images; and myths are not, after all, invented things—elaborate, fantastical images, as a fantastical, armchair scholarship of today would have us believe—but rather expressions of deep, primordial wisdom acquired through spiritual insight. In ancient times, there was an awareness—expressed in myths—that people once perceived the world more comprehensively. The clairvoyance of the ancient Indians was a last remnant of a primal, twilight-like clairvoyance. This was known in the past; but it was also known that this clairvoyance—let us call it that for the sake of brevity—was steadily declining, having to give way more and more to external life, which is limited to the sensory world. It was precisely this fact that was expressed in the authoritative myths. For example, it was known that there were mystery sites—we spoke of them yesterday—where the path led down to the subterranean spirits, and there were other mysteries where the path led up to the cosmic spirits. All of this had been sharply distinguished from one another. Those who were not initiated knew nothing of this, just as today those who do not seek the right paths to it have no inkling that there is such a thing as mystery wisdom. But word of it had, so to speak, more or less found its way out into the outer world. It must also be said of the mysteries that their golden age appears all the more significant to us the further back we go in time. The Greek mysteries are no longer the most glorious. The mystery tradition, too, was subject to decline. Nevertheless, people knew that what comes from places where visionary consciousness still operates is connected to the spiritual substance that permeates and animates the world; and they knew that where visionary consciousness reigns, one can still gain insight into the interrelationships of the world that cannot otherwise be known. And even though they were already in a period of decline, the oracle sites were still places where intuitive consciousness was cultivated, and where what could not be known through ordinary sensory perception or through human perception bound to the senses was proclaimed to the people. But it was also understood there that human beings evolve, and that what could be attained through the old forms of vision is only useful and applicable to ancient times, but not to the new era.

[ 16 ] So hat man bei den Griechen ein tiefes Bewußtsein davon, daß das, was von den Orakeln kommt, zwar die Neugierde der Menschen anregt, daß die Menschen gerne etwas wissen möchten über geheimnisvolle Zusammenhänge der Welt, daß man aber auch schon herausgewachsen war aus der richtigen Handhabung solcher hellseherischer Ergebnisse; daß man jetzt in einer anderen Weise darinnensteht in der Welt wie früher und daher nicht das Richtige anfangen kann, wenn man sich an die Ergebnisse des alten Hellsehens hält. Für die alten Menschen hat es gepaßt, für die neueren paßt es nicht mehr. Das wollte man sagen, und man sagte es in grandiosen Bildern. Ein Bild ist zum Beispiel das, welches uns gegeben wird in der Odipus-Sage. Es wird durch ein Orakel, das heißt von einer Stätte her, wo man geheimnisvolle Zusammenhänge hellseherisch erschaut, die sich dem menschlichen Blicke schon entziehen, dem Vater gesagt, daß, wenn er einen Sohn bekommt, dieser Sohn Unheil bringen werde; er werde den Vater morden und die Mutter heiraten. Er bekommt diesen Sohn. Er versucht sogar das zu tun, was dazu führen könnte, daß das, was hellseherisch erschaut ist, sich nicht vollziehen solle. Der Sohn wird ausgesetzt, in eine ganz andere Gegend gebracht. Der Sohn erfährt das Orakel, das heißt, in seine Seele zieht etwas ein, was nur durch hellseherisches Schauen erkundet werden kann. Das griechische Bewußtsein wollte sagen: Zwar ragt so etwas aus alten Zeiten herein, aber die menschliche Organisation ist schon so weit gekommen, daß sie nicht mehr taugt für diese Art des Hellsehens, daß diese ihr nichts mehr nutzt. Odipus legt das Orakel wegen des gewandelten Bewußtseins so aus, daß es sich erst recht erfüllt, das heißt der Mensch kann nicht mehr das, was das hellseherische Bewußtsein ist, in der richtigen Weise handhaben; es hat sich eben die geistige, spirituelle Welt von ihm zurückgezogen; es nutzt ihm das alte Hellsehen nichts mehr. Aber auch davon ist immer ein Bewußtsein vorhanden gewesen, daß diese Dinge sich wieder umkehren werden, daß wieder das, was aus solchen Welten kommt, etwas werden wird für die Menschheit, daß nur für eine Weile sozusagen eine Schicht des Erlebens hinüber sich breiten soll über das, was aus solchen Welten kommt. Auch davon war ein Bewußtsein vorhanden, auch das haben die mythebildenden Kräfte der Menschheitsentwickelung zum Ausdruck gebracht. Die Christus-Tatsache war in der Menschheitsentwickelung das Maßgebende dafür, daß die beiden Kräfte, das Luzifer-Prinzip und das Christus-Prinzip, übereinandergetreten sind. Da war also der entscheidende Wendepunkt, wo von einer anderen Seite, dem Kosmos her, das, was aus den geistigen Quellen kommt, wie ein Ferment sich hineinergießen sollte in die Menschhettsentwickelung. Verlorengegangen war es, aber es soll wiederum wie ein Ferment hineingegossen werden. Was der Menschheit schädlich geworden war, was ihr selbst zu einem Bösen ausgeschlagen hat, soll wie ein Ferment hineingegossen und umgewandelt werden in das Gute. Das Böse soll hineinfallen in die fruchtbringende geistige Kraft der Menschheitsentwickelung und mitwirken am Guten. Auch das ist in der Mythologie zum Ausdruck gekommen.

[ 16 ] Thus, the Greeks had a deep awareness that, while the messages from the oracles stimulate people’s curiosity—and people are eager to learn about the mysterious connections of the world—they had already outgrown the proper use of such clairvoyant insights; that they now stand within the world in a different way than before and therefore cannot proceed correctly if they adhere to the results of the old clairvoyance. It suited the ancient people; it no longer suits the modern ones. That is what they wanted to say, and they expressed it in magnificent imagery. One such image, for example, is the one presented to us in the Oedipus myth. An oracle—that is, a place where mysterious connections are clairvoyantly perceived, connections that are already hidden from human sight—tells the father that if he has a son, this son will bring disaster; he will murder his father and marry his mother. He has this son. He even tries to do what might prevent what was clairvoyantly perceived from coming to pass. The son is abandoned and taken to a completely different region. The son learns of the oracle—that is, something enters his soul that can only be fathomed through clairvoyant insight. Greek consciousness sought to say: Although such things reach back from ancient times, human organization has already advanced so far that it is no longer suited to this kind of clairvoyance, that it is of no further use to it. Because of this changed consciousness, Oedipus interprets the oracle in such a way that it is all the more fulfilled—that is, human beings can no longer handle clairvoyant consciousness in the proper way; the spiritual world has simply withdrawn from him; the old clairvoyance is of no use to him anymore. But there has always been an awareness that these things will reverse themselves again, that what comes from such worlds will once more become meaningful for humanity, that only for a while, so to speak, a veil of experience is to spread over what comes from such worlds. There was also an awareness of this, and the myth-forming forces of human development have expressed this as well. The Christ event was the decisive factor in human development that caused the two forces—the Lucifer principle and the Christ principle—to clash. This, then, was the decisive turning point, when—from another side, from the cosmos—that which comes from the spiritual sources was to pour into human development like a leaven. It had been lost, but it was to be poured in again like a leaven. What had become harmful to humanity, what had turned into evil within humanity itself, is to be poured in like a leaven and transformed into good. Evil is to fall into the fruitful spiritual power of human development and contribute to the good. This, too, has found expression in mythology.

[ 17 ] Es gibt eine andere Sage, die etwa folgendermaßen lautet: Es wurde einem Elternpaar von einem Orakel geweissagt, daß es einen Sohn bekommen werde, daß der Sohn werde Unheil bringen über sein ganzes Volk. Dieser Sohn wird seinen Vater ermorden und seine Mutter heiraten. Die Mutter bekam diesen Sohn. Da dieser Spruch vorlag, setzte man auch diesen Sohn aus, man setzte ihn auf die Insel Kariot, und es fand ihn die Königin der Insel Kariot. Und weil dieses Elternpaar keinen Sohn hatte, nahmen sie ihn auf. Später aber bekamen sie einen Sohn. Da glaubte sich der Findling schlecht behandelt und tötete den wirklichen Sohn. Da mußte er fliehen von der Insel Kariot. Er floh und kam an den Hof des Pilatus in Palästina, wo er ein Amt bekam als Aufseher im Hauswesen des Pilatus. Er bekam Streit mit seinem Nachbar, von dem er nichts weiter wußte, als daß es eben sein Nachbar war. Im Streite erschlug er ihn und heiratete später dessen Gattin. Dann erst erfuhr er, daß das sein wirklicher Vater war, den er erschlagen hatte, und daß er also seine Mutter geheiratet hatte. Die Sage sagt uns, daß es dem, der jetzt alles das hat über sich hereinbrechen sehen, nicht ähnlich erging wie dem Odipus, sondern daß ihn Reue überkam, und daß er hinging zu dem Christus, und der Christus nahm ihn auf; denn das war der Judas aus Kariot. Und das, was hier in dem Judas lebte, dieses Böse, das verleibt sich ein wie ein Ferment der ganzen Menschheitsentwickelung. Denn die Tat von Palästina hat etwas zu tun mit dem Verrate des Judas; er gehört zum Ganzen, er gehört zu den Zwölfen, die sind gar nicht ohne ihn zu denken. Hier zeigte sich, daß der Orakelspruc sich zwar erfüllte, und daß sein Inhalt sich einverleibt der Menschheitsentwickelung wie das Böse, das umgewandelt wird und weiter lebt im guten Sinne. In bedeutungsvoller Weise weist die Sage, die wahrhaftig weiser ist als die äußere Wissenschaft, darauf hin, daß es eine solche Umwandlung in der Menschennatur im Laufe der Zeit gibt, daß man selbst über das gleiche Ding in verschiedenen Zeiten in der verschiedensten Weise denken muß. Wie sich ein Orakelspruch erfüllt, darf man nicht in derselben Weise erzählen, wenn man von der Odipus-Zeit spricht und von der Christus-Zeit. Dieselbe Tatsache wird einmal zur Ödipus-Sage, das andere Mal in der christlichen Zeit zur Judas-Sage. Erst dann, wenn man die geistigen, der Welt- und Menschheitsentwickelung zugrunde liegenden Tatsachen kennt, versteht man das, was sich als eine Folge davon dem äußeren Auge, der äußeren geschichtlichen Anschauung zeigt. Was in der Sinneswelt da ist, äußere Sinneseindrücke oder Hervorbringungen der menschlichen Seele, alles das verstehen wir, wenn wir die geistigen Grundlagen, die darunter liegen, verstehen. Das, was der Erforscher der geistigen Welten findet, das übergibt er gerne als Anregung denen, die es von ihm entgegennehmen, und die untersuchen die äußeren bestätigenden Tatsachen. Ich habe auf diesen Zusammenhang geistiger und materieller Forschung oft hingewiesen. Wenn das, was in der geistigen Welt gefunden wird, wahr ist, dann bestätigt es sich in der physischen Welt. Das aber wird Ihnen jeder wahre Erforscher des Geisteslebens sagen: er gibt hin das, was er weiß aus der höheren Welt, und er fordert dann auf, alle äußeren Tatsachen zu prüfen an der Hand dieser Angaben. Man versuche, was von mir über die Wiederverkörperung des Zarathustra zum Beispiel gesagt worden ist, mit der äußeren Geschichte zu vergleichen. Man wird sehen, daß das über diese Tatsachen Gesagte jede Probe aushält, wenn man nur genau genug nach Vorgängen in der äußeren Geschichte sucht. Das Äußere wird nur verständlich dadurch, daß man das Innere, das Geistige kennt.

[ 17 ] There is another legend that goes something like this: An oracle prophesied to a couple that they would have a son, and that this son would bring disaster upon his entire people. This son would murder his father and marry his mother. The mother gave birth to this son. Because of this prophecy, they abandoned him as well, leaving him on the island of Kariot, where he was found by the queen of Kariot. And since this couple had no son of their own, they took him in. Later, however, they had a son of their own. The foundling then felt he was being mistreated and killed the biological son. He was then forced to flee the island of Kariot. He fled and arrived at Pilate’s court in Palestine, where he was given a position as an overseer in Pilate’s household. He got into a quarrel with his neighbor, about whom he knew nothing more than that he was simply his neighbor. In the altercation, he killed him and later married his wife. Only then did he learn that the man he had killed was his real father, and that he had thus married his own mother. The legend tells us that the man who now saw all this come crashing down upon him did not fare like Oedipus, but that remorse overcame him, and that he went to Christ, and Christ took him in; for this was Judas of Kariot. And what lived within Judas—this evil—permeates the entire development of humanity like a leaven. For the events in Palestine have something to do with Judas’s betrayal; he is part of the whole, he belongs to the Twelve, who cannot be conceived of without him. Here it became evident that the oracle’s prophecy was indeed fulfilled, and that its content is incorporated into human development like the evil that is transformed and lives on in a positive sense. In a significant way, the legend—which is truly wiser than external science—points out that such a transformation occurs in human nature over the course of time, so that one must think about the same thing in very different ways at different times. One must not recount how an oracle’s prophecy is fulfilled in the same way when speaking of the Oedipus era as when speaking of the Christ era. The same fact becomes the Oedipus legend in one era and the Judas legend in the Christian era. Only when one knows the spiritual facts underlying the development of the world and humanity can one understand what appears as a consequence of this to the external eye, to the external historical perspective. Whatever exists in the sensory world—whether external sensory impressions or the products of the human soul—we understand all of this when we understand the spiritual foundations that underlie it. What the researcher of the spiritual worlds discovers, he gladly offers as inspiration to those who receive it from him, and they, in turn, investigate the external facts that confirm it. I have often pointed out this connection between spiritual and material research. If what is found in the spiritual world is true, then it is confirmed in the physical world. But every true researcher of spiritual life will tell you this: he shares what he knows from the higher world, and then he urges others to examine all external facts in light of this information. Try, for example, to compare what I have said about the reincarnation of Zarathustra with external history. You will see that what has been said about these facts stands up to any test, provided one searches carefully enough for events in external history. The external becomes understandable only through knowledge of the inner, the spiritual.