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The Rudolf Steiner Archive

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The Christ Impulse
and the Development of Self-Awareness
GA 116

2 February 1910, Berlin

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Durch ein jedes der Evangelien, so konnten wir bei einer unserer letzten Betrachtungen sagen, wird uns das große Geheimnis von Golgatha von einer besonderen Seite her dargestellt. Wir haben darauf aufmerksam gemacht, daß das Markus-Evangelium das Geheimnis von Golgatha, das Geheimnis des Christus Jesus, darlegt aus den großen kosmologischen Zusammenhängen heraus, während das Martthäus-Evangelium die Herausbildung dieses Geheimnisses darstellt aus einem Volkstum heraus, nämlich aus dem althebräischen Volkstum. Wir haben gesehen, wie nach und nach sich dieses althebräische Volkstum von Generation zu Generation seit der Zeit des Abraham entwickeln mußte, um dann als Blüte hervorzubringen dasjenige Menschenwesen, das in sich bergen konnte die Individualität des Zarathustra oder Zoroaster. Wir haben gesehen, wie alle die Eigenschaften des althebräischen Volkes, die sich nach und nach intensiver und intensiver gestalten mußten, indem sie sich von Generation zu Generation steigerten, auf dem Prinzip der physischen Vererbung beruhten. Damit haben wir den Unterschied gerade der Mission des althebräischen Volkes von den Missionen anderer Völker charakterisieren können. Die Mission des althebräischen Volkes lag darin, daß es gewisse Eigenschaften zu vererben hatte, die eben nur auf dem Wege der physischen Vererbung von den ältesten Generationen aus der abrahamitischen Zeit bis herunter zu dem Jesus sich steigernd vererben mußten. Das Matthäus-Evangelium birgt aber noch viele Geheimnisse, wie ja die anderen Evangelien auch. Und wenn wir auch im Laufe dieses Winters noch einzelne Ausblicke, einzelne Perspektiven in die Evangelien eröffnen, so kann doch das Verständnis höchstens zunächst angeregt werden. Denn um die Evangelien vollständig zu verstehen, ist eine schier nie zu endende geistige Arbeit notwendig. Heute soll von einer ganz bestimmten Seite her ein Licht zunächst auf das Matthäus-Evangelium geworfen und daran angeschlossen werden eine gewisse Nutzanwendung solcher Lehren, wie sie aus diesen Ausblicken folgen können für die heute in der anthroposophischen Geistesströmung stehenden Seelen.

[ 1 ] As we noted in one of our recent reflections, each of the Gospels presents the great mystery of Golgotha from a particular perspective. We pointed out that the Gospel of Mark presents the mystery of Golgotha—the mystery of Christ Jesus—within the context of the great cosmological interrelationships, whereas the Gospel of Matthew depicts the unfolding of this mystery within a folk tradition, namely, the ancient Hebrew folk tradition. We have seen how, little by little, this ancient Hebrew folk culture had to develop from generation to generation since the time of Abraham, in order to then bring forth, as its flowering, the human being who could embody within himself the individuality of Zarathustra or Zoroaster. We have seen how all the characteristics of the ancient Hebrew people—which had to take shape more and more intensely as they increased from generation to generation—were based on the principle of physical heredity. In this way, we have been able to characterize the distinction between the mission of the ancient Hebrew people and the missions of other peoples. The mission of the ancient Hebrew people lay in the fact that they had to pass on certain qualities, which could only be transmitted—and did so in an ever-increasing manner—through the process of physical heredity from the earliest generations of the Abrahamic era down to the time of Jesus. The Gospel of Matthew, however, still holds many mysteries, as do the other Gospels. And even if, in the course of this winter, we open up individual insights and perspectives into the Gospels, our understanding can at most be stimulated initially. For a complete understanding of the Gospels requires a spiritual effort that is virtually never-ending. Today, we shall first shed light on the Gospel of Matthew from a very specific angle, followed by a discussion of the practical application of such teachings—as they may follow from these insights—for souls who are part of the anthroposophical spiritual movement today.

[ 2 ] Wenn wir heute eine Art Rückblick tun auf mancherlei von dem, was wir im Laufe der Jahre gelernt haben, dann werden wir sagen können, daß diese Entwickelung der Menschheit, wie wir sie geisteswissenschaftlich dargestellt haben, verschiedene Krisen durchmacht, an wichtige Punkte kommt, dann eine Weile fortgeht in einer gleichmäßigeren Art, dann wiederum an einen wichtigen Punkt kommt und so weiter. Wir haben ja oft betont, daß ein solcher wichtigster Punkt in der Erdenentwickelung der Menschheit die Zeit ist, in welcher im Beginne unserer neuzeitlichen Zeitrechnung der ChristusImpuls gegeben worden ist. Wenn wir von da aus weiter zurückgehen, finden wir, verschiedenes überspringend, einen wichtigen Punkt, auf den wir immer wieder hingedeutet haben. Wenn wir die atlantische Zeit durchschreiten und in die lemurische Zeit zurückgehen, finden wir dort jenen Zeitpunkt, in dem die erste Anlage zum menschlichen Ich in die menschliche Wesenheit verpflanzt worden ist.

[ 2 ] If we take a look back today at some of what we have learned over the years, we will be able to say that this development of humanity, as we have described it from the perspective of spiritual science, goes through various crises, reaches important turning points, then proceeds for a while in a more steady manner, then reaches another important turning point, and so on. We have often emphasized that one of the most important turning points in humanity’s earthly evolution is the time when the Christ impulse was given at the beginning of our modern era. If we go further back from there, skipping over various stages, we find an important point to which we have repeatedly alluded. If we pass through the Atlantean era and go back to the Lemurian era, we find there the point in time when the first seed of the human “I” was implanted into the human being.

[ 3 ] Wenn so etwas verstanden werden soll, müssen die Worte ganz genau genommen werden. Man muß zum Beispiel genau unterscheiden, was da geschehen ist in der alten lemurischen Zeit, wenn gesagt wird: Damals ist die erste Anlage zum Ich in die Menschenwesenheit hineinversenkt worden -, und wenn gesagt wird: In der Zeit des Mysteriums von Golgatha begann die Periode, das Zeitalter, in dem sich die Menschheit dieses Ichs vollständig bewußt geworden ist. — Das ist ein bedeutsamer Unterschied: das Ich erst zu haben als Anlage, als etwas, was in dem Menschen arbeitet, oder mit seinem Wissen hingelenkt zu werden darauf, daß man dieses Ich hat. Diese Dinge muß man streng voneinander unterscheiden, sonst kommt man nicht zurecht mit den wirklichen Gesetzen der Entwickelung.

[ 3 ] If something like this is to be understood, the words must be taken very precisely. For example, one must make a precise distinction between what happened in the ancient Lemurian era—when it is said that the first seed of the “I” was implanted in the human being—and when it is said that the period, the age, in which humanity became fully conscious of this “I” began at the time of the Mystery of Golgotha. — This is a significant difference: to have the “I” only as a potential, as something at work within the human being, or to be consciously directed—through one’s knowledge—toward the fact that one possesses this “I.” These things must be strictly distinguished from one another; otherwise, one cannot come to terms with the true laws of evolution.

[ 4 ] Wir wissen, daß die Hineinverpflanzung des Ich in den Menschen begründet ist in der Gesamtentwickelung der Erde. Die Erde ging durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch und wurde dann erst jenes Gebilde, das sie heute ist. Auf dem Saturn wurde die Anlage zum physischen Leibe gelegt, auf der Sonne zum Ätherleibe, auf dem Mond zum astralischen Leibe, und auf der Erde ist die Anlage zum Ich hinzugekommen. Diese Anlage zum Ich wurde also innerhalb der Erdentwickelung gelegt in der lemurischen Zeit. Nun aber ging in diesem lemurischen Zeitalter noch etwas anderes vor sich, dasjenige nämlich, was wir immer den luziferischen Einfluß genannt haben. Es wurde also in jenem Zeitraum der Mensch auf der einen Seite begabt mit dem Keim zum Ich, der bestimmt war, im Laufe der folgenden Erdperioden immer weiter und weiter ausgebildet zu werden, und gleichzeitig wurde dem astralischen Leib eingeimpft der luziferische Einfluß. Durch diesen luziferischen Einfluß wurde ja das gesamte Menschenwesen verändert, also auch alles am Menschen, was an Kräften, an Elementen im Ätherleibe und im physischen Leibe war. Der ganze Mensch wurde dadurch in der lemurischen Zeit eben ein anderer, als er geworden wäre, wenn es keinen luziferischen Einfluß gegeben hätte. So haben wir also den Menschen in der lemurischen Zeit in zweifacher Weise einen anderen werdend: Wir haben ihn werdend zu einer Ich-Wesenheit und außerdem werdend zu einem Wesen, das in sich selber birgt das luziferische Prinzip. Wenn das luziferische Prinzip nicht gekommen wäre, so wäre der Ich-Einfluß deshalb doch eingetreten.

[ 4 ] We know that the implantation of the “I” within human beings is rooted in the overall development of the Earth. The Earth passed through the Saturn, Sun, and Moon periods and only then became the entity it is today. On Saturn, the foundation for the physical body was laid; on the Sun, for the etheric body; on the Moon, for the astral body; and on Earth, the foundation for the “I” was added. This foundation for the “I” was thus laid during Earth’s evolution in the Lemurian epoch. But something else was also taking place during this Lemurian epoch, namely what we have always called the Luciferic influence. Thus, during that period, the human being was, on the one hand, endowed with the seed of the “I,” which was destined to be developed further and further over the course of the subsequent Earth periods, and at the same time, the Luciferic influence was instilled into the astral body. Through this Luciferic influence, the entire human being was transformed—including all the forces and elements within the etheric and physical bodies. As a result, during the Lemurian epoch, the whole human being became different from what he would have become had there been no Luciferic influence. Thus, during the Lemurian epoch, we see humanity developing in two distinct ways: it was developing into an “I”-being and, at the same time, into a being that harbors the Luciferic principle within itself. Even if the Luciferic principle had not come, the influence of the “I” would still have taken effect.

[ 5 ] Was ist nun am Menschenwesen dadurch geschehen, daß sich der luziferische Einfluß in der lemurischen Zeit geltend machte?

[ 5 ] What, then, happened to human beings as a result of the Luciferic influence asserting itself during the Lemurian epoch?

[ 6 ] Wenn eine solche Sache von dieser oder jener Seite geschildert wird, so bitte ich Sie recht sehr, nehmen Sie eine solche Schilderurig niemals so, als ob gleich alles damit gegeben würde; sondern es kann immer nur ein Gesichtspunkt herausgegriffen werden. Es ist im Laufe der Jahre schon viel gesagt worden, was alles durch den luziferischen Einfluß im Laufe der Entwickelung geschehen ist. Das alles gehört auch dazu, aber das können wir jetzt nicht wiederholen. Heute werden wir nur einen Gesichtspunkt herauszuheben haben, der uns eine bestimmte Seite charakterisiert. Dieser Gesichtspunkt besteht darinnen, daß der Mensch durch diesen luziferischen Einfluß früher zu einer Entwickelungsstufe gekommen ist, als es ihm eigentlich vorausbestimmt war, als es sozusagen in der weisen Weltenlenkung für ihn vorgesehen war. Der Mensch ist durch den luziferischen Einfluß in seine drei von den früheren Verkörperungen der Erde herübergekommenen Wesensglieder, in seinen astralischen Leib, in seinen Ätherleib und in seinen physischen Leib tiefer hineingestiegen, ist mehr mit ihnen verstrickt worden, als wenn es keinen luziferischen Einfluß gegeben hätte. Der Mensch wäre mit seinem Ich sozusagen den geistigen Welten näher geblieben, hätte sich länger als ein Glied der geistigen Welt mit seinem Ich gefühlt, wenn der luziferische Einfluß nicht bewirkt hätte, daß dieses Ich tiefer hineingestiegen ist in astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib. Der Mensch ist sozusagen tiefer auf die Erde heruntergestiegen in der lemurischen Zeit durch den luziferischen Einfluß.

[ 6 ] When such a matter is described from one perspective or another, I urge you not to take such a description as if it were the whole story; rather, it can only ever highlight a single point of view. Much has already been said over the years about everything that has happened as a result of the Luciferic influence in the course of evolution. All of that is part of it, but we cannot repeat it now. Today we will focus on just one aspect that characterizes a particular aspect of this process. This aspect consists in the fact that, through this Luciferic influence, human beings reached a stage of development earlier than was actually predestined for them—earlier, so to speak, than was intended for them in the wise guidance of the world. Through the Luciferic influence, human beings have delved more deeply into their three constitutional elements—the astral body, the etheric body, and the physical body—which have carried over from the Earth’s earlier incarnations, and have become more entangled with them than they would have been had there been no Luciferic influence. Humanity would have remained, so to speak, closer to the spiritual worlds with its “I,” would have felt itself to be a member of the spiritual world with its “I” for longer, had the Luciferic influence not caused this “I” to descend more deeply into the astral body, the etheric body, and the physical body. Through the Luciferic influence, humanity descended, so to speak, deeper onto the Earth during the Lemurian epoch.

[ 7 ] Wir können den Zeitpunkt angeben, wann der Mensch -: wenn es keinen luziferischen Einfluß gegeben hätte — so weit auf die Erde oder in die physische Materie heruntergestiegen wäre als er in Wirklichkeit in der lemurischen Zeit heruntergestiegen ist durch den luziferischen Einfluß: das wäre in der Mitte der atlantischen Zeit gewesen. Mit anderen Worten: Wäre kein luziferischer Einfluß gekommen, so hätte der Mensch mit seinem Herabstieg auf die Erde bis in die Mitte der atlantischen Zeit warten müssen. Durch den luziferischen Einfluß ist er früher heruntergestiegen. Dadurch ist er dazu gekommen, ein freies, aus seinen eigenen Impulsen heraus handelndes Wesen zu werden; denn er hätte sich sonst bis in die Mitte der atlantischen Zeit in vollständiger Abhängigkeit von der geistigen Welt erhalten, hätte bis dahin niemals irgendwie selber entscheiden können zwischen dem Guten und dem Bösen, niemals irgendeinen freien Impuls entfalten können, sondern hätte aus seelischen Instinkten heraus gehandelt, das heißt aus Kräften heraus, welche die göttlichgeistigen Wesenheiten in seine Seele verpflanzt hätten. Aber die luziferischen Wesenheiten haben ihm die Möglichkeit verschafft, früher als sonst zu entscheiden zwischen dem Guten und Bösen, sich nicht bloß nach den Gesetzen der göttlich-geistigen Weltordnung instinktiv lenken zu lassen, sondern selber zu entscheiden, sich selber eine Art Gesetzmäßigkeit zu machen.

[ 7 ] We can specify the point in time when humankind—had there been no Luciferic influence—would have descended as far onto Earth or into physical matter as it actually did during the Lemurian period due to the Luciferic influence: that would have been in the middle of the Atlantean period. In other words: If there had been no Luciferic influence, humanity would have had to wait until the middle of the Atlantean epoch to descend to Earth. Because of the Luciferic influence, humanity descended earlier. As a result, humanity came to become a free being, acting out of its own impulses; for otherwise he would have remained in complete dependence on the spiritual world until the middle of the Atlantean epoch; he would never have been able to decide for himself between good and evil in any way until then, nor would he ever have been able to develop any free impulse, but would have acted out of soul instincts—that is, out of forces that the divine-spiritual beings would have implanted in his soul. But the Luciferic beings have given him the opportunity to decide between good and evil earlier than usual, not merely to be instinctively guided by the laws of the divine-spiritual world order, but to decide for himself and to establish a kind of law for himself.

[ 8 ] Diese Tatsache wird uns ja in tiefsinniger Weise ausgedrückt in der Schilderung des Sündenfalles, der in einer wunderbaren Imagination nichts anderes darstellt als das, was ich jetzt erzählt habe. Das wird im Alten Testament dargestellt, indem gesagt wird: Es wurde eingepflanzt dem Menschen die lebendige Seele von den göttlich-geistigen Wesenheiten. - Wenn diese lebendige Seele nun bloß so geblieben wäre, hätte der Mensch jetzt warten müssen, bis später durch die göttlich-geistigen Wesenheiten diese lebendige Seele, das heißt das noch unentwickelte Ich, reif geworden wäre, die Entscheidungen zu treffen. Nun kommen die luziferischen Einflüsse, in der Bibel dargestellt durch die Schlange. Dadurch kommt der Mensch dazu, nicht bloß instinktiv den Einströmungen des Jahve oder der Elohim zu folgen, sondern selber zu entscheiden über Gut und Böse. Aus einem Wesen, das bis dahin gelenkt und geleitet worden ist von den göttlich-geistigen Wesenheiten, ist der Mensch dadurch zu einem Wesen geworden, das selbst entscheiden konnte. Das wird auch in der Bibel ganz klar dargestellt, daß durch die Schlange, das heißt durch die luziferischen Wesenheiten, die Selbstentscheidung des Menschen herbeigeführt worden ist. Und dann tönen Ihnen, von Götterseite gesprochen, aus der Bibel die Worte entgegen: Der Mensch ist geworden wie einer von uns! — das heißt, von den Göttern. Oder wenn wir es radikal ausdrücken wollen: Der Mensch hat sich durch den luziferischen Einfluß etwas angeeignet, was sich bis dahin nur für Götter geziemt hat. Götter haben die Entscheidungen getroffen über Gut und Böse, nicht diejenigen Wesen, die von den Göttern abhängig waren.

[ 8 ] This fact is, in fact, expressed to us in a profound way in the account of the Fall, which, in a marvelous image, represents nothing other than what I have just described. This is depicted in the Old Testament, where it is said: The living soul was implanted in man by the divine-spiritual beings. — If this living soul had simply remained as it was, man would now have had to wait until, at a later time, through the divine-spiritual beings, this living soul—that is, the still undeveloped “I”—had matured enough to make decisions. Now come the Luciferic influences, depicted in the Bible by the serpent. Through this, human beings come to not merely follow the impulses of Yahweh or the Elohim instinctively, but to decide for themselves between good and evil. From a being that had until then been guided and directed by the divine-spiritual beings, human beings thereby became beings capable of deciding for themselves. This is also very clearly depicted in the Bible: that through the serpent—that is, through the Luciferic beings—humanity’s ability to decide for itself was brought about. And then, spoken from the perspective of the gods, the words resound from the Bible: “Man has become like one of us!”—that is, like the gods. Or, to put it more radically: Through the Luciferic influence, humanity has appropriated something that until then had been the exclusive preserve of the gods. It was the gods who made the decisions regarding good and evil, not those beings who were dependent on the gods.

[ 9 ] Nun ist der Mensch durch den luziferischen Einfluß zu einem Selbstentscheider, das heißt, zu einem solchen Wesen geworden, das göttliche Eigenschaften zu früh in sich entwickelte. So ist auf diese Weise durch den luziferischen Einfluß etwas in die Menschennatur hineingekommen, was sonst aufbewahrt geblieben wäre für die menschliche Entwickelung bis in die Mitte der atlantischen Zeit. Nun können Sie sich denken, daß der Mensch ein ganz anderer gewesen wäre, wenn ihm dieser Herunterstieg in die Materie erst in der Mitte der atlantischen Zeit beschieden gewesen wäre, denn dann wäre seine Seele reifer von diesem Herunterstieg getroffen worden. Er wäre als ein besserer, als ein reiferer Mensch in der Materie angekommen. Er hätte also in alles Physische, Ätherische und Astralische andere Eigenschaften hineingebracht und wäre ganz anders fähig geworden, zwischen dem Guten und dem Bösen zu entscheiden. Dadurch, daß sich der Mensch von der lemurischen Zeit bis zur Mitte der atlantischen Zeit zu einem Entscheider zwischen Gut und Böse gemacht hat, dadurch hat er sich schlechter gemacht, als er sonst geworden wäre, und kam dadurch in einem weniger vollkommenen Zustand an. Er hätte die ganze Zeit bis zur Mitte der atlantischen Zeit sonst in einer viel geistigeren Art durchgemacht, so aber hat er sie materieller durchlaufen. Dadurch wurde aber jetzt bewirkt, daß, wenn dem Menschen das nicht hinzugegeben worden wäre, was ihm die Götter in der Mitte der atlantischen Zeit zugedacht hatten, er dann vollständig heruntergefallen wäre.

[ 9 ] Now, through the Luciferic influence, human beings have become self-determining—that is, beings who developed divine qualities within themselves too early. In this way, through the Luciferic influence, something has entered human nature that would otherwise have been reserved for human development until the middle of the Atlantean epoch. Now you can imagine that human beings would have been quite different if this descent into the material world had not been granted to them until the middle of the Atlantean epoch, for then their souls would have been more mature when this descent occurred. They would have entered the material world as better, more mature human beings. He would thus have brought different qualities into all that is physical, etheric, and astral, and would have become capable of distinguishing between good and evil in a completely different way. By making himself a judge between good and evil from the Lemurian period through the middle of the Atlantean period, he made himself worse than he would otherwise have become, and thus arrived in a less perfect state. Otherwise, he would have lived through the entire period up to the middle of the Atlantean epoch in a much more spiritual manner; as it was, however, he lived through it in a more material way. This, however, meant that if humanity had not been given what the gods had intended for them in the middle of the Atlantean epoch, they would have fallen completely.

[ 10 ] Was wäre dem Menschen in der Mitte der atlantischen Zeit gegeben worden, wenn er bis dahin wie instinktiv von geistig-göttlichen Wesenheiten gelenkt und geleitet worden wäre?

[ 10 ] What would have been given to humankind in the middle of the Atlantean epoch if, up to that point, it had been instinctively guided and led by spiritual-divine beings?

[ 11 ] Es wäre ihm das gegeben worden, was ihm, nachdem der luziferische Einfluß einmal da war, gegeben worden ist durch das Mysterium von Golgatha! Der Christus-Impuls wäre ihm in der Mitte der atlantischen Zeit gegeben worden. Jetzt mußte er aber, weil der luziferische Einfluß da war, auf diesen Christus-Impuls so lange warten, als die Zeit betrug von dem luziferischen Einfluß bis zur Mitte der atlantischen Zeit. So viel Zeit früher, als Luzifer vor der Mitte der atlantischen Zeit an den Menschen herangetreten ist, so viel Zeit später kam der Christus-Impuls. So haben wir dadurch, daß der Mensch sich seine Gottähnlichkeit früher erworben hat als es hätte sein sollen, eine Verzögerung des Christus-Impulses zu verzeichnen. Denn der Mensch mußte erst alles durchmachen, was ihm im Erdenkarma werden mußte für das, was in ihn Schlechtes hineingekommen war durch den luziferischen Einfluß. Das mußte erst sozusagen ausgelitten werden durch die Menschheit. Der Mensch mußte warten, bis nicht nur der luziferische Einfluß ihn zu einem Entscheider gemacht hatte zwischen Gut und Böse, sondern bis im Laufe der Erdenentwickelung auch alles das eingetreten war, was als Folge dieses luziferischen Einflusses kommen mußte. Das mußte abgewartet werden. Dann erst konnte der Christus-Impuls auf die Erde herniedersteigen. Der Mensch sollte nicht etwa nach der weisen Lenkung der Welt dasjenige ewig entbehren, was ihm durch den luziferischen Einfluß geworden ist, sondern er hätte es in der Mitte der atlantischen Zeit erhalten sollen. Werden sollte es ihm also unter allen Umständen. Allerdings in der Form, in der es ihm geworden ist durch den luziferischen Einfluß, wäre es ihm im anderen Falle nicht geworden. Durch Luzifer hat der Mensch für alles, was zusammenhängt mit geistigen Dingen, nicht nur die freie Entscheidung bekommen, sondern auch die Fähigkeit, sich zu enthusiasmieren für das Gute und Edle, Weise und Große. Wie wir als Menschen heute sind, können wir nicht bloß kalt, nüchtern und trocken entscheiden zwischen Gut und Böse, sondern wir können auch für das Schöne, für das Edle, Gute und Weise entflammt werden. Das rührt davon her, daß in unseren astralischen Leib etwas hineingetragen worden ist, was sonst, wenn es erst in der Mitte der atlantischen Zeit dem Menschen zugekommen wäre, nur in das Ich, in das urteilende Ich hineingetragen worden wäre. Also alles, was wir an Gefühlen, an Idealismus, an Entflammtsein haben für das Gute, für hohe Ideale, das verdanken wir dem Umstande, daß in unseren astralischen Leib etwas hineingekommen ist, bevor uns die Gottähnlichkeit in unserm Ich, die Aufnahme des Christus in unserm Ich zuteil geworden ist. Das ist das Wesentliche, daß diese Gottähnlichkeit, diese Gottgleichheit, diese Möglichkeit, das Gute in sich selbst zu finden, über den Menschen kommen sollte. Wäre der luziferische Einfluß nicht gekommen, so wäre dieser Impuls in der Mitte der atlantischen Zeit gekommen; so ist er aber jetzt in der Zeit gekommen, in der der Christus Jesus eben gewirkt hat.

[ 11 ] He would have been given what, once the Luciferic influence was present, was given to him through the Mystery of Golgotha! The Christ impulse would have been given to him in the middle of the Atlantean epoch. But now, because the Luciferic influence was present, he had to wait for this Christ impulse for as long as the period from the onset of the Luciferic influence to the middle of the Atlantean epoch. The earlier Lucifer approached humanity—before the middle of the Atlantean epoch—the later the Christ impulse arrived. Thus, because humanity acquired its likeness to God earlier than it should have, we see a delay in the Christ impulse. For humanity first had to go through everything that was destined to be part of its earthly karma as a consequence of the evil that had entered it through the Luciferic influence. This had to be, so to speak, worked through by humanity. Humanity had to wait not only until the Luciferic influence had made them capable of choosing between good and evil, but also until, in the course of Earth’s evolution, everything that was bound to result from this Luciferic influence had come to pass. This had to be waited out. Only then could the Christ Impulse descend upon the Earth. Humanity was not, according to the wise guidance of the world, meant to be eternally deprived of what had come to it through the Luciferic influence; rather, it should have received it in the middle of the Atlantean epoch. It was therefore destined to be given to humanity under all circumstances. However, in the form in which it came to humanity through the Luciferic influence, it would not have come to it otherwise. Through Lucifer, humanity has gained not only the freedom to decide for itself regarding all matters connected with spiritual things, but also the ability to become enthusiastic for what is good and noble, wise and great. As human beings today, we are not merely able to make cold, sober, and dry distinctions between good and evil; we can also be inspired by beauty, nobility, goodness, and wisdom. This stems from the fact that something was introduced into our astral body that, had it come to humankind only in the middle of the Atlantean era, would have been introduced solely into the “I”—the judging “I.” So everything we possess in terms of feelings, idealism, and passion for the good and for lofty ideals, we owe to the fact that something entered our astral body before we were granted the likeness to God in our “I,” the reception of Christ into our “I.” This is the essential point: that this likeness to God, this equality with God, this ability to find the good within oneself, was to come upon humanity. Had the Luciferic influence not come, this impulse would have come in the middle of the Atlantean era; but as it is, it came at the very time when Christ Jesus was active.

[ 12 ] Es ist also durch den Christus-Impuls in den Menschen das Bewußstsein eingezogen, daß er in seinem Ich etwas von göttlicher Substanz und Wesenheit hat. Das liegt ja all den tieferen Aussprüchen auch des Neuen Testamentes zugrunde, daß der Mensch in seine IchWesenheit das Göttliche aufnehmen kann, und daß dieses Göttliche darin wirken und Entscheidungen treffen kann zwischen Gutem und Bösem. Wir können daher sagen, mit der Aufnahme des Christus-Impulses in das menschliche Innere kam über den Menschen die Möglichkeit, sich zu sagen: Ich bin mir Richtschnur für die Erkenntnisse meines Daseins, für die Entscheidungen über Gut und Böse.

[ 12 ] Thus, through the Christ impulse, the awareness has taken root in human beings that they possess, within their “I,” something of divine substance and essence. This, after all, underlies all the deeper teachings of the New Testament as well—that human beings can receive the divine into their “I”-being, and that this divine can act within it and make decisions between good and evil. We can therefore say that with the reception of the Christ impulse into the human inner being, the possibility arose for human beings to say to themselves: “I am my own guide for the insights into my existence and for decisions regarding good and evil.”

[ 13 ] Wenn wir nun zurückblicken auf die vorchristlichen Zeiten, müssen wir sagen: Da damals jener Impuls, der den Menschen zum wahren Entscheider macht zwischen Gut und Böse, noch nicht da war, so war die Entscheidung zwischen Gut und Böse, war das Urteil, die Erkenntnis über das Gute, Schöne und Wahre in der vorchristlichen Zeit notwendig eine mangelhafte und eine solche, die sich nicht eigentlich aus dem Innersten des Menschen heraus ergeben konnte. Der Mensch hatte auch nicht die Möglichkeit, bevor der ChristusImpuls gekommen war, aus seinem innersten Wesen heraus über das Gute und das Böse zu entscheiden. Die Entscheidung über das richtige Gute, über das richtige Wahre, über das richtige Schöne konnte in vorchristlichen Zeiten nur dadurch getroffen werden, daß einzelne Individualitäten, wie die Bodhisattvas, mit einem Teile ihres Wesens im Laufe der Zeit hinaufreichten in göttlich-geistige Welten, also die Entscheidung über Gut und Böse nicht eigentlich aus dem Innersten der Menschennatur holten, sondern aus den göttlichen Welten. Durch ihren Verkehr mit göttlich-geistigen Wesenheiten bekamen sie es und flößten es dann wie suggestiv der Menschenseele ein. Ohne solche Führer hätten die Menschen in den vorchristlichen Zeiten immer nur mangelhafte Entscheidungen treffen können über Gut und Böse. Wenn sich diese Führer auf ihr eigenes Herz verlassen hätten, so hätten sie es auch nicht gekonnt; nur dadurch, daß sie herunterstiegen in die Tiefen der Seele, die dem Menschen noch nicht beschert waren, dadurch, daß sie aus ihrer eigenen Ich-Wesenheit herausgingen in die Reiche der Himmel, bekamen sie die Impulse, welche die Menschen brauchten, um in der Zeit des mangelhaften Entscheidens über Gut und Böse dennoch das Gute vorbereitend auf die Erde zu verpflanzen.

[ 13 ] When we look back at pre-Christian times, we must say: Since that impulse—which makes human beings the true arbiters between good and evil—did not yet exist at that time, the decision between good and evil, the judgment, and the recognition of the good, the beautiful, and the true in pre-Christian times was necessarily deficient and could not truly arise from the innermost being of the human being. Nor did human beings have the ability, before the Christ impulse had come, to decide on good and evil from within their innermost being. In pre-Christian times, the decision regarding true good, true truth, and true beauty could only be made because individual beings, such as the Bodhisattvas, extended a part of their being into the divine-spiritual worlds over the course of time; thus, the decision regarding good and evil did not actually arise from the innermost core of human nature, but from the divine worlds. Through their communion with divine-spiritual beings, they acquired this knowledge and then instilled it suggestively into the human soul. Without such guides, people in pre-Christian times would have been able to make only flawed decisions regarding good and evil. If these guides had relied on their own hearts, they would not have been able to do so either; only by descending into the depths of the soul—which had not yet been granted to human beings—and by stepping out of their own ego-being into the realms of the heavens did they receive the impulses that people needed to transplant the good onto Earth, even during a time of flawed judgment regarding good and evil, thereby preparing the way for it.

[ 14 ] So war der Mensch in der vorchristlichen Zeit ein Wesen, welches sich für noch nicht genügend gereifte Eigenschaften die Gottgleichheit angeeignet hatte, für etwas, was noch gar nicht dazu geeignet war, die Gottgleichheit zu haben. Dadurch hat der Mensch seit der lemurischen Zeit alles, was er getan hat, schlechter, mangelhafter getan, als er es sonst getan haben würde. Vor allen Dingen hat er durch den luziferischen Einfluß in der vorchristlichen Zeit dasjenige schlechter und mangelhafter getan, was sich auf ihn selbst bezieht. Seinen astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib, die sonst geistiger geblieben wären, wenn nicht der luziferische Einfluß gewirkt hätte, hat er dadurch, daß das alles so gekommen ist, schlechter, materieller gestaltet. Dadurch sind aber auch alle Übel in das Menschenleben gekommen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Im Laufe einer langen Zeit haben sie sich entwickelt.

[ 14 ] Thus, in pre-Christian times, human beings were beings who had appropriated godlikeness for qualities that had not yet matured sufficiently—for something that was not yet at all suited to possessing godlikeness. As a result, ever since the Lemurian era, human beings have done everything they have done in a worse and more deficient way than they otherwise would have. Above all, due to the Luciferic influence in pre-Christian times, they have performed those actions that pertain to themselves in a worse and more deficient manner. His astral body, etheric body, and physical body—which would otherwise have remained more spiritual had the Luciferic influence not been at work—have, as a result of all this, been shaped in a poorer, more material way. Consequently, all the evils that have developed over time have also entered human life. They have developed over the course of a long period of time.

[ 15 ] Von der lemurischen Zeit bis zum Mysterium von Golgatha haben sich im physischen Leibe, im Ätherleib und im astralischen Leibe Übel entwickelt. Im astralischen Leibe hat sich ein hochgradiger Egoismus entwickelt, im Ätherleibe haben sich entwickelt die Möglichkeiten des Irrtums, wenn wir irgend etwas beurteilen wollen, und die Möglichkeit der Lüge. Wenn der Mensch unter dem Einfluß göttlich-geistiger Wesenheiten geblieben wäre, instinktiv nach ihren Impulsen gehandelt hätte, so würde er, wenn er sich heute Erkenntnisse würde erwerben wollen über die Umwelt, weder in Irrtum verfallen können, noch zur Lüge verführt werden können; so aber ist der Hang zur Lüge und die Gefahr des Irrtums in die menschliche Entwickelung hineingekommen. Und weil das Geistige immer der Verursacher ist des Physischen, und weil der luziferische Einfluß und dessen Folgen sich von Inkarnation zu Inkarnation immer mehr hineingefressen haben in den Ätherleib, so ist dadurch in den physischen Leib hineingekommen die Möglichkeit zur Erkrankung. Krankheit ist das Übel im physischen Leibe, das durch diese Entwikkelung gekommen ist.

[ 15 ] From the Lemurian era to the Mystery of Golgotha, evils have developed in the physical body, the etheric body, and the astral body. In the astral body, a high degree of selfishness has developed; in the etheric body, the potential for error when we seek to judge anything, and the potential for lying, have developed. If human beings had remained under the influence of divine-spiritual beings and acted instinctively according to their impulses, then, if they were to seek knowledge about their surroundings today, they would neither fall into error nor be led into falsehood; but as it is, the tendency toward falsehood and the danger of error have crept into human evolution. And because the spiritual is always the cause of the physical, and because the Luciferic influence and its consequences have increasingly eaten their way into the etheric body from incarnation to incarnation, the possibility of illness has thereby entered the physical body. Illness is the evil in the physical body that has come about through this development.

[ 16 ] Aber etwas noch Bedeutsameres ist gekommen. Wäre der Mensch nicht diesen Einflüssen unterlegen, hätte er sie nicht auf sich wirken lassen, so wäre auch nicht das Bewußtsein gekommen, daß in dem Moment, wo der physische Leib von uns abfällt, irgend etwas anderes geschieht, als eine Verwandlung im Leben: Das Bewußtsein des Todes wäre nicht gekommen. Denn wenn der Mensch weniger tief in die Materie heruntergestiegen wäre und die Fäden, die ihn mit dem Göttlich-Geistigen verknüpfen, behalten hätte, so würde er gewußt haben, daß mit dem Ablegen der physischen Hülle eben nur eine andere Form des Daseins beginnt. Er hätte es nicht angesehen als das Verlieren, als das Ende einer ihm lieb gewordenen Existenz. Also alle Dinge in der Entwickelung würden ein anderes Gesicht bekommen haben.

[ 16 ] But something even more significant has come to pass. If human beings had not succumbed to these influences, if they had not allowed them to take effect upon themselves, then the awareness would not have arisen that, at the moment when the physical body is shed, something other than a transformation in life takes place: The awareness of death would not have arisen. For if human beings had descended less deeply into matter and had retained the threads that connect them to the divine-spiritual, they would have known that, with the shedding of the physical shell, merely another form of existence begins. They would not have regarded it as a loss, as the end of an existence they had come to cherish. Thus, all aspects of evolution would have taken on a different character.

[ 17 ] Weil der Mensch nun tiefer hinuntergestiegen ist in die Materie, hat er sich dadurch freier und unabhängiger gemacht, aber er hat auch seine Entwickelung zu einer mangelhafteren gemacht, als sie sonst geworden wäre.

[ 17 ] Because human beings have now descended deeper into the material world, they have thereby made themselves freer and more independent, but they have also made their development more imperfect than it would otherwise have been.

[ 18 ] Das alles, was im Menschen mangelhaft geworden ist, wird durch den Christus-Impuls wiederum geheilt. Nur verlange man nicht, daß es geheilt werde in einer wesentlich kürzeren Zeit, als es bewirkt worden ist, oder gar in einer sehr kurzen Zeit. Die Zeit von der lemurischen Epoche bis zum Mysterium von Golgatha ist eine sehr lange. Und langsam und allmählich, von Verkörperung zu Verkörperung wirkend, sind gekommen Egoismus, Irrtum und Lüge, Krankheit und Todesgefühl. Dadurch, daß der Christus-Impuls in der Menschheit wirkt, werden in einer aufsteigenden Entwickelung des Menschen diese Eigenschaften alle wiederum zurück verwandelt. Der Mensch wird sozusagen mit seinen Fähigkeiten, die er sich unten erworben hat, zurückgeführt in die geistige Welt. Es wird sogar schneller geschehen, als der Herunterstieg vor sich ging. Aber man verlange nicht, daß der Mensch in ein oder zwei Inkarnationen durch das, was er durch den Christus-Impuls aufnehmen kann, imstande sein wird, die Selbstsucht zu besiegen, sich in seinem Ätherleib so zu heilen, daß keine Gefahr für Lüge und Irrtum mehr da wären, noch daß er gar bis in seinen physischen Leib hinein gesundend wirken könne. Das muß langsam und allmählich geschehen. Aber es geschieht. Gerade so, wie durch den luziferischen Einfluß der Mensch heruntergeführt worden ist zu all den geschilderten Eigenschaften, ebenso wird er wieder heraufgeführt werden durch den Christus-Impuls: Es wird die Selbstsucht in Selbstlosigkeit umgewandelt werden, die Lügenhaftigkeit wird zur Wahrhaftigkeit, die Gefahr des Irrtums wird zur Treffsicherheit und zur Wahrheit des Urteils werden. Krankheit wird zu einer Unterlage für eine um so größere Gesundheit werden. Jene Krankheiten, die wir überwunden haben, werden die Keime zu einer höheren Gesundheit sein. Und wenn der Tod allmählich so begriffen wird, daß der Tod auf Golgatha in unserer Seele selber als das Vorbild des Todes wirkt, dann wird der Tod seinen Stachel verloren haben. Der Mensch wird wissen, warum er von Zeit zu Zeit seine physische Hülle ablegen muß, um immer höher zu dringen im Laufe der Verkörperungen. Was aber insbesondere durch den Christus-Impuls eingetreten ist, das ist, daß der Anstoß gegeben worden ist, etwas gut zu machen, was insbesondere die menschliche Erkenntnis und die menschliche Beobachtung, das Wissen des Menschen von der Welt berrifft.

[ 18 ] Everything that has become deficient in human beings is healed once again through the Christ impulse. But do not expect it to be healed in a significantly shorter time than it took to come about, or even in a very short time. The period from the Lemurian epoch to the Mystery of Golgotha is a very long one. And slowly and gradually, working from incarnation to incarnation, selfishness, error, and falsehood, illness, and the sense of death have arisen. Through the Christ impulse working within humanity, all these qualities are in turn transformed back in the course of humanity’s ascending evolution. Humanity is, so to speak, led back into the spiritual world with the abilities it has acquired down here. This will even happen more quickly than the descent itself took place. But one should not expect that, in one or two incarnations, through what he can absorb via the Christ impulse, man will be able to overcome selfishness, to heal himself in his etheric body to the point where there would no longer be any danger of falsehood and error, nor that he could even exert a healing influence extending into his physical body. This must happen slowly and gradually. But it does happen. Just as human beings were led down into all the characteristics described through the Luciferic influence, so too will they be led back up again through the Christ impulse: Selfishness will be transformed into selflessness, deceitfulness into truthfulness, and the danger of error into accuracy and the truth of judgment. Illness will become the foundation for an even greater state of health. Those illnesses we have overcome will be the seeds of a higher state of health. And when death is gradually understood in such a way that the death on Golgotha acts within our own soul as the model of death, then death will have lost its sting. Human beings will know why they must shed their physical shell from time to time in order to advance ever higher in the course of their incarnations. But what has come about in particular through the Christ impulse is that the impetus has been given to make amends for something that particularly concerns human cognition and human observation—human knowledge of the world.

[ 19 ] Wir haben gesagt, daß der Mensch mehr in die Materie hineinverstrickt worden ist, sich in seinen drei Leibern mangelhafter gemacht hat, als er geworden wäre, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Dadurch ist der Mensch erfaßt worden von einem Antrieb, immer tiefer hinunterzusteigen in das materielle Dasein, immer gründlicher hineinzusausen in das bloße Materielle. Das ist ihm insbesondere mit seiner Erkenntnis passiert. Aber auch das ist langsam und allmählich gekommen. Nicht gleich, als der luziferische Einfluß gewirkt hat, ist der Mensch sozusagen so tief heruntergesunken, daß er nun alle Tore nach der geistigen Welt hinter sich zugeschlossen gehabt hätte. Der Mensch war noch lange in Verbindung mit der geistigen Welt, aus der er herausgewachsen ist, und in der er geblieben wäre mit seinem ganzen Wesen, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre. Noch lange ist der Mensch dieser geistigen Welt teilhaftig geblieben, er fühlte noch lange, wie in seine feineren geistigen Instinkte hineinführten die Fäden der göttlich-geistigen Welt. Er handelte noch lange Zeit so, daß der Impuls nicht ein bloß menschlicher war, sondern ein solcher, wie wenn die Götter hinter ihm gewirkt hätten. Das war besonders in den ältesten Zeiten so. Erst langsam wurde der Mensch hineingestoßen in das Materielle, und damit verlor er dann auch das Bewußtsein des Göttlichen.

[ 19 ] We have said that human beings have become more entangled in matter and have made themselves more imperfect in their three bodies than they would have been had there been no Luciferic influence. As a result, human beings have been seized by an impulse to descend ever deeper into material existence, to plunge ever more thoroughly into the purely material. This has happened to them particularly with regard to their knowledge. But this, too, has come about slowly and gradually. It was not immediately upon the onset of the Luciferic influence that human beings, so to speak, sank so deeply that they would have closed all the gates to the spiritual world behind them. Human beings remained connected for a long time to the spiritual world from which they had grown out, and in which they would have remained with their entire being had the Luciferic influence not come. For a long time, human beings remained part of this spiritual world; for a long time, they still felt how the threads of the divine-spiritual world led into their finer spiritual instincts. For a long time, they acted in such a way that the impulse was not merely human, but rather as if the gods were working behind them. This was especially true in the most ancient times. Only gradually was humanity thrust into the material world, and with that, humanity also lost its awareness of the divine.

[ 20 ] Diejenigen Geistesströmungen und Weltanschauungen in der Menschheit, die ein Wissen von diesen Dingen gehabt haben, haben daher immer darauf hingedeutet: Es hat ein altes Zeitalter gegeben, da war der Mensch zwar durch den luziferischen Einfluß schon etwas heruntergestoßen ins materielle Dasein, aber doch noch nicht so weit, als daß nicht dieser göttliche Einfluß noch stark in ihm gewirkt hätte. Dieses Zeitalter nannte man in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung das goldene Zeitalter. Das ist nicht irgendein Phantasieprodukt, sondern der Ausdruck «goldenes Zeitalter» ist einfach ein Ausdruck, welchen diejenigen Bekenner gebraucht haben, die in älteren Zeiten noch eine Ahnung davon hatten, daß es so etwas wie eine Urzeit der Menschheit, wie sie eben geschildert wurde, einmal gegeben hat. Dieses goldene Zeitalter, das man mit einem Ausdruck der orientalischen Philosophie als «Krita Yuga» bezeichnet, hat verhältnismäßig von all den Zeitaltern, die wir noch charakterisieren werden, am längsten gedauert.

[ 20 ] Those spiritual currents and worldviews among humankind that have possessed knowledge of these things have therefore always pointed to the following: There was an ancient age when human beings, though already somewhat cast down into material existence by the Luciferic influence, had not yet reached the point where this divine influence was no longer strongly at work within them. In the early days of human development, this age was called the Golden Age. This is not merely a figment of the imagination; rather, the term “Golden Age” is simply an expression used by those who, in earlier times, still had a sense that something like a primal age of humanity—as just described—once existed. This Golden Age, referred to in Eastern philosophy as “Krita Yuga,” lasted relatively the longest of all the ages we will yet characterize.

[ 21 ] Nach diesem goldenen Zeitalter kommt dann das sogenannte silberne Zeitalter. Da war der Mensch schon mehr heruntergestoßen in die physische Welt. Aber alles geschah langsam und allmählich. Es waren auch jetzt noch nicht die Tore gegenüber der geistigen Welt ganz zugeschlossen. Der Mensch hatte noch starke Momente, in denen er wie in einem traumhaften Hellsehen die Götter treibend hinter seinen Instinkten merkte. In diesem silbernen Zeitalter könnte man den Menschen zwar nicht mehr einen Genossen der Götter nennen, aber er merkte noch, daß Götter hinter ihm standen. Dieses Zeitalter wird mit einem Ausdruck der orientalischen Philosophie auch «Treta Yuga» genannt.

[ 21 ] Following this Golden Age came what is known as the Silver Age. By then, humankind had already been pushed further down into the physical world. But everything happened slowly and gradually. Even then, the gates to the spiritual world were not yet completely closed. Humanity still experienced powerful moments in which, as if in a dreamlike state of clairvoyance, they sensed the gods guiding them from behind their instincts. In this Silver Age, although one could no longer call humanity a companion of the gods, they still sensed that the gods stood behind them. This age is also called “Treta Yuga,” a term from Eastern philosophy.

[ 22 ] Dann kommt ein Zeitalter, das geht hinein bis in unser nachatlantisches Zeitalter; es erstreckt seine letzten Ausläufer bis in historische Zeiten hinein, wo es noch immer Menschen gegeben hat, mit altem traumhaftem, dämmerhaftem Hellsehen begabt. Aber das Bewußtsein von der geistigen Welt, aus der der Mensch herausgewachsen war, war in diesem Zeitalter nur noch wie eine Art Erinnerung vorhanden, die geblieben war aus früheren Inkarnationen. Es war so, wie wenn Sie sich heute Ihre Jugend, Ihr Kindesalter und Ihr jetziges Lebensalter denken. In unserer Kindheit haben wir die Kindheitserlebnisse unmittelbar erlebt, so haben die Menschen noch im Treta Yuga unmittelbar die Impulse der göttlich-geistigen Welt erlebt. In dem Zeitalter, das dann darauf folgte, das man auch das eherne Zeitalter nennt, da war nur mehr etwas wie eine Erinnerung daran vorhanden. Man könnte es vergleichen mit der Art, wie der erwachsene Mensch seine Kindheit betrachtet. Denn Sie werden sagen: Ich habe meine Kindheit erlebt, es ist kein Traum! So war es in dem dritten Zeitalter, da wußten die Menschen: Wir haben in früheren Zeiten den Zusammenhang mit dem Göttlichen erlebt, aber jetzt ist er nur noch wie eine Erinnerung da. — Ich habe ausführlich gezeigt, wie in der altindischen Kultur die Erinnerung an die atlantische Zeit nachwirkte; daher konnten die heiligen Rishis, weil diese Erinnerung noch nachwirkte, auch gerade damals ihre großen göttlichen Lehren verkündigen. Dieses eherne Zeitalter wird in der orientalischen Philosophie als «Dvapara Yuga» bezeichnet.

[ 22 ] Then comes an age that extends into our post-Atlantean era; its final vestiges reach into historical times, when there were still people endowed with an ancient, dreamlike, twilight-like clairvoyance. But awareness of the spiritual world from which humankind had emerged was, in this age, present only as a kind of memory that had remained from earlier incarnations. It was as if you were to think today of your youth, your childhood, and your present age. In our childhood, we experienced childhood events directly; in the same way, people in the Treta Yuga still experienced the impulses of the divine-spiritual world directly. In the age that followed—also known as the Iron Age—only a faint memory of this remained. One could compare it to the way an adult looks back on their childhood. For you will say: I lived through my childhood—it is no dream! So it was in the third age; people knew: We experienced a connection with the Divine in earlier times, but now it remains only as a memory. — I have shown in detail how the memory of the Atlantean era continued to exert an influence in ancient Indian culture; therefore, precisely because this memory was still active, the holy Rishis were able to proclaim their great divine teachings at that very time. This Age of Bronze is referred to in Eastern philosophy as the “Dvapara Yuga.”

[ 23 ] Danach kommt ein Zeitalter, in dem die Erinnerung an die göttlich-geistige Welt verlorengeht, wo der Mensch mit seinem Erkennen und Anschauen ganz herausgesetzt wird in die physische Welt. Dieses Zeitalter beginnt etwa mit dem Jahre 3101 vor unserer Zeitrechnung, vor der Geburt des Christus Jesus, und man nennt es auch mit einem Ausdruck der orientalischen Philosophie «Kali Yuga», das finstere Zeitalter, weil da der Mensch alle Zusammenhänge mit der geistigen Welt verloren hat und vollständig zusammengewachsen ist mit der physischen Welt.

[ 23 ] This is followed by an age in which the memory of the divine-spiritual world is lost, and in which human beings, with their cognition and perception, are entirely confined to the physical world. This age begins around the year 3101 B.C., before the birth of Jesus Christ, and is also called “Kali Yuga”—the dark age—in a term from Eastern philosophy, because in it human beings have lost all connection with the spiritual world and have become completely fused with the physical world.

[ 24 ] Ich bemerke ausdrücklich, daß ich diese Ausdrücke jetzt gebrauche für kleinere Zeitabschnitte; man kann sie aber auch ausdehnen über größere Zeiträume. Wir sprechen also von jener Auffassung der Zeitalter, wie sie zunächst den kleineren Zeitaltern entsprechen, und lassen Kali Yuga beginnen, wie es die indische Philosophie lehrt, mit dem Jahre 3101 vor unserer Zeitrechnung. Da bereitet sich jener Zeitraum vor, in welchem die Menschen angewiesen werden, nur dasjenige zu sehen, was wie ein Schleier, wie eine Hülle die göttlich-geistige Welt verbirgt, wo sie nur das äußere Physisch-Sinnliche wahrnehmen. Zwar sind im Anfange des Kali Yuga noch viele Menschen vorhanden, die hineinschauen oder sich erinnern können an die göttlich-geistige Welt, aber für die normale Menschheit beginnt jetzt die Zeit, wo sie nur noch Physisch-Sinnliches wahrnimmt.

[ 24 ] I expressly note that I am now using these terms to refer to shorter periods of time; however, they can also be extended to cover longer periods. We are thus speaking of that conception of the ages as it initially corresponds to the shorter ages, and we let the Kali Yuga begin, as Indian philosophy teaches, in the year 3101 B.C. This marks the beginning of that period in which human beings are led to see only that which, like a veil or a covering, conceals the divine-spiritual world—a time when they perceive only the outer physical and sensory realm. Although at the beginning of the Kali Yuga there are still many people who can look into or remember the divine-spiritual world, for ordinary humanity the time is now beginning when they perceive only the physical and sensory realm.

[ 25 ] Das war das Heruntersteigen der Menschen bis zu einem Kali Yuga. Das war die Zeit des tiefsten Herunterstieges. Da hinein mußte der Impuls fallen, wieder hinaufzusteigen. Daher kommt der Impuls wieder hinaufzusteigen, der Christus-Impuls, im Kali Yuga, im finsteren Zeitalter.

[ 25 ] That was humanity’s descent into the Kali Yuga. That was the time of the deepest descent. It was into that time that the impulse to ascend again had to fall. That is why the impulse to ascend again—the Christ impulse—arises in the Kali Yuga, in the dark age.

[ 26 ] Dieser Christus-Impuls war vorbereitet worden durch die Jahve- oder Jehova-Religion. Denn durch die Jahve-Religion war der Mensch aufmerksam gemacht worden auf das Mangelhafte seiner früheren Entscheidungen. Während des Zeitraumes von der alten lemurischen Zeit bis zur Verkündigung auf dem Sinai haben wir ja jenes Zeitalter, wo der Mensch zwar zu einem Selbstentscheider wird über Gut und Böse, wo er auf der anderen Seite aber auch in Irrtum verfällt über das Böse und Gute und immer mehr dasjenige auf die Erde bringt, was in der Bibel die Sünde genannt wird. Da frißt sich die Sünde ein in das Erdenleben. Der Mensch hat sich die Gottgleichheit angeeignet, aber er hat sie für Eigenschaften in Anspruch genommen, die durchaus nicht reif waren für die Gottgleichheit. Was mußte nun geschehen?

[ 26 ] This Christ impulse had been prepared by the Yahweh or Jehovah religion. For through the Yahweh religion, human beings had been made aware of the shortcomings of their earlier decisions. During the period from the ancient Lemurian era to the proclamation on Mount Sinai, we have that age in which human beings, while becoming self-determiners regarding good and evil, also fall into error regarding good and evil and increasingly bring onto Earth what the Bible calls sin. Thus, sin takes root in earthly life. Human beings have appropriated godlikeness, but they have applied it to qualities that were by no means ripe for godlikeness. What, then, had to happen?

[ 27 ] Zunächst mußte dem Menschen gezeigt werden, was die Gottheit von ihm verlangt, wenn er ein selbstbewußtes Ich werden sollte. Und das wurde ihm gezeigt durch die Verkündigung auf dem Sinai, durch die Verkündigung der Zehn Gebote. Da hörten die Menschen durch Moses: Was du bisher entwickelt hast über Gut und Böse, das ist mangelhaft. Ich zeige dir, wie die Gesetze lauten würden, wenn du nicht heruntergestiegen wärest und für deine mangelhaften Eigenschaften die Entscheidung über Gut und Böse in Anspruch genommen hättest! — So steht das Gesetz vom Sinai, der Dekalog, zu dem, was der Mensch geworden war, so daß ihm heruntertönt aus den geistigen Welten, was das Richtige wäre gegenüber dem, was er als mangelhaft ausgebildet hat. Als ein ehernes Gesetz stehen die Zehn Gebote da, als eine Fackel, welche dem Menschen anzeigt alles, was er nicht geworden ist. Er soll sich diesem Gesetz unterwerfen mit all dem, was er geworden ist. Der Mensch konnte sich diese Zehn Gebote zunächst nicht selbst geben, weil er in seinem Entscheiden, in seiner eigenen Gesetzgebung mangelhaft geworden war. Daher mußten ihm die Zehn Gebote durch einen Inspirierten, durch Moses gegeben werden, das heißt durch göttliche Eingebung von oben. Aber sie waren so gegeben, daß sie alle auf das Ich gerichtet waren. Sie sagten dem Menschen, wie sich ein Ich benehmen muß}, wenn es das Ziel der Menschheit erlangen soll.

[ 27 ] First, humanity had to be shown what the Deity required of it if it was to become a self-aware “I.” And this was shown to humanity through the proclamation on Mount Sinai, through the proclamation of the Ten Commandments. There, through Moses, people heard: “What you have developed so far regarding good and evil is deficient.” I will show you what the laws would be if you had not descended and claimed the right to decide between good and evil based on your deficient qualities! — Thus the Law of Sinai, the Decalogue, stands in relation to what humanity had become, so that it resounds down to them from the spiritual worlds, revealing what is right in contrast to what they have developed as deficient. The Ten Commandments stand as an ironclad law, like a torch that reveals to humankind everything it has failed to become. It must submit to this law with all that it has become. At first, humankind could not give itself these Ten Commandments because it had become flawed in its decision-making and in its own lawmaking. Therefore, the Ten Commandments had to be given to him through an inspired individual, through Moses—that is, through divine inspiration from above. But they were given in such a way that they were all directed toward the “I.” They told humanity how an “I” must behave if it is to attain the goal of humanity.

[ 28 ] In dem Vortrag über die Zehn Gebote des Moses, am 16. November 1908, ist das im einzelnen ausgeführt worden. Da ist gezeigt worden, wie das Ich zunächst sich benehmen soll zu den geistigen Welten, in den ersten drei Geboten, wie es sich verhalten soll zu den Mitmenschen in bezug auf seine Taten und Handlungen, in den nächsten Geboten und wie es sich benehmen soll in bezug auf seine Empfindungen und Gefühle, in den letzten Geboten. Die Erziehung, die Kultur des Ich wird befohlen in den Zehn Geboten. Das war die Vorbereitung dafür, daß das Ich in seinem Innersten lernen sollte, sich selber den Impuls zu geben, nachdem es in das Kali Yuga, bis in das finstere Zeitalter hinuntergestiegen ist. Es sollte den Menschen zunächst vorgeführt werden ein Gesetz von oben. Was das Gesetz des eigenen Ich werden sollte, das konnte es aber nur werden, wenn das Ich das große Vorbild von Golgatha in sich aufnahm, wenn das Ich sich sagte: Wenn ich in meine Seele ein solches Denken aufnehme, wie das Wesen gedacht hat, das sich auf Golgatha geopfert hat, wenn ich ein solches Fühlen in mich aufnehme, wie das Wesen gefühlt hat, das sich auf Golgatha geopfert hat, wenn ich ein solches Wollen in mich aufnehme, wie das Wesen gewollt hat, das sich auf Golgatha opferte, dann wird mein Wesen in sich selber die Entscheidung finden, wird die Gottgleichheit immer mehr und mehr entwikkeln, wird nicht mehr bloß zu folgen haben einem äußeren Gesetz, den Zehn Geboten, sondern einem inneren Impuls, seinem eigenen Gesetz!

[ 28 ] This was explained in detail in the lecture on the Ten Commandments of Moses, delivered on November 16, 1908. It was shown there how the “I” should first conduct itself toward the spiritual worlds, in the first three commandments; how it should conduct itself toward fellow human beings with regard to its deeds and actions, in the next commandments; and how it should conduct itself with regard to its sensations and feelings, in the final commandments. The education and cultivation of the “I” are mandated in the Ten Commandments. This was the preparation for the ego to learn, in its innermost being, to give itself the impulse after it had descended into the Kali Yuga, all the way down into the dark age. A law from above was first to be presented to humanity. But what was to become the law of one’s own ego could only come to be if the ego took the great example of Golgotha into itself, if the ego said to itself: If I take into my soul the kind of thinking that the Being who sacrificed Himself on Golgotha had, if I take into myself the kind of feeling that the Being who sacrificed Himself on Golgotha had, if I take into myself the kind of will that the Being who sacrificed Himself on Golgotha had, then my being will find the decision within itself, will develop its likeness to God more and more, and will no longer have to follow merely an external law—the Ten Commandments—but rather an inner impulse, its own law!

[ 29 ] So hat Moses zunächst das Gesetz hingestellt vor den Menschen, der Christus aber das Vorbild und die Kraft, welche die Seele aufnehmen sollte, um sich zu entwickeln. Daher mußte alles bis zur Innerlichkeit vertieft werden durch den Christus Jesus, alles bis in die tiefste Seele hineingetragen werden, was an geistigen Impulsen da war, bis in das Ich selber. Das konnte nur geschehen, wenn folgendes gedacht wurde, wenn der Christus Jesus folgendes als einen Impuls ausstreute.

[ 29 ] Thus, Moses first set forth the Law before humanity, but Christ provided the model and the power that the soul was to absorb in order to develop. Therefore, everything had to be deepened to the innermost level through Christ Jesus; all the spiritual impulses that existed had to be carried into the very depths of the soul, right into the “I” itself. This could only happen when the following was conceived, when Christ Jesus radiated the following as an impulse.

[ 30 ] Der Mensch ist heruntergestiegen bis in das finstere Zeitalter, bis in das Kali Yuga. Vor diesem finsteren Zeitalter haben die Menschen hineingesehen im dumpfen, dämmerhaften Hellsehen in die geistige Welt. Da haben sie sich nicht bloß der Instrumente des physischen Leibes bedienen können, sondern indem sie durch ihre Augen, Ohren und so weiter die physische Welt beobachtet haben, ist ihnen überall ein Geistiges erschienen: um Blumen, Pflanzen, Steine und so weiter. Diese Menschen waren reich in bezug auf ihre Beobachtung an Geist. Der Geist wurde ihnen in alten Zeiten geschenkt. Jetzt, in dem finsteren Zeitalter, sind sie Bettler geworden in bezug auf den Geist, denn der Geist wurde ihnen jetzt nicht mehr geschenkt. Arm sind sie geworden an Geist. Immer mehr und mehr war das Kali Yuga herangekommen, wo die Menschen sich sagen mußten: In den alten Zeiten war es anders; da wurde der Geist den Menschen noch geschenkt, da konnten sie hinaufschauen in eine geistige Welt, da waren sie reich an Geist, da waren ihnen die Reiche der Himmel zugänglich. Jetzt aber sind die Menschen heruntergedrängt worden in die physische Welt. Geschlossen haben sich die Tore zu der geistigen Welt vor den menschlichen Sinnen, und der physische Leib eröffnet keine Aussicht in die Reiche der Himmel.

[ 30 ] Humanity has descended into the dark age, into the Kali Yuga. Before this dark age, people were able to glimpse the spiritual world through a dim, twilight-like clairvoyance. Not only were they able to make use of the instruments of the physical body, but as they observed the physical world through their eyes, ears, and so on, the spiritual appeared to them everywhere: in flowers, plants, stones, and so on. These people were rich in spiritual perception. The spirit was bestowed upon them in ancient times. Now, in this dark age, they have become beggars in terms of the spirit, for the spirit is no longer bestowed upon them. They have become poor in spirit. The Kali Yuga had drawn ever closer, until people had to say to themselves: “In ancient times it was different; back then the Spirit was still bestowed upon people; back then they could look up into a spiritual world; back then they were rich in Spirit; back then the realms of heaven were accessible to them. But now people have been forced down into the physical world. The gates to the spiritual world have closed to human senses, and the physical body offers no view into the realms of heaven.

[ 31 ] Aber der Christus konnte sagen: Ergreift das Ich da, wo ihr es jetzt ergreifen sollt, dann sind die Reiche der Himmel nahe herbeigekommen. In eurem Ich werden sie aufgehen! Wenn auch eure Augen euch hinter dem äußeren sinnlichen Licht verschließen das geistige Licht, wenn auch eure Ohren euch hinter dem physischen Ton den geistigen verschließen, wenn ihr zu dem Christus selber euch erhebt, werdet ihr in euch finden die Reiche der Himmel! - Unselig waren die, welche durch das finstere Zeitalter arm geworden waren, Bettler geworden waren um Geist. Selig konnten sie jetzt werden, nachdem der Impuls gegeben war, daß bis in das menschliche Ich hinein der Christus dringen konnte, diejenige Wesenheit, welche ihnen Kunde geben konnte von dem Geistigen, von den Reichen der Himmel. So ist in bezug auf die Verarmung des Menschen an Geist die höchste christliche Verkündigung die: Selig können von jetzt ab sein diejenigen, die da Bettler sind um Geist, die nicht mehr den Geist geschenkt bekommen durch eine alte Anschauung; selig können sie doch werden von jetzt ab, wenn sie den Christus-Impuls aufnehmen; dann können ihnen selber werden durch die Entwickelung ihres Ich die Reiche der Himmel!

[ 31 ] But the Christ could say: If you grasp the “I” where you are now called to grasp it, then the kingdoms of heaven have drawn near. They will dawn within your “I”! Even if your eyes shut you off from the spiritual light behind the outer, sensory light, even if your ears shut you off from the spiritual sound behind the physical sound, when you rise up to the Christ Himself, you will find within yourselves the kingdoms of heaven! — Wretched were those who, through the dark age, had become poor, had become beggars for the Spirit. They could now become blessed, now that the impulse had been given for Christ—the very Being who could bring them news of the spiritual, of the realms of heaven—to penetrate even into the human self. Thus, with regard to humanity’s spiritual impoverishment, the highest Christian proclamation is this: Blessed from now on may be those who are beggars for the Spirit, who no longer receive the Spirit as a gift through an old way of thinking; yet they may still become blessed from now on if they receive the Christ impulse; then, through the development of their “I,” the realms of heaven may become their own!

[ 32 ] Gehen wir zum Ätherleib, der der Bildner des physischen Leibes ist. Was ist in ihn hineingekommen? — Im physischen Leibe drückt sich die Krankheit nur aus. Das Leiden selbst ist zuerst im Ätherleibe, und das Leid im Ätherleibe drückt sich in einer späteren Inkarnation im physischen Leibe in der Krankheit aus. Jetzt aber ist etwas in die Welt gekommen, so hatte der Christus Jesus zu sagen, wodurch im Innern ein Impuls aufgehen kann, um nach und nach hinwegzuräumen das Leid aus dem Ätherleib. Selig können jetzt, wenn sie den Christus-Impuls in sich aufnehmen, diejenigen werden, die das Leid in ihrem Ätherleibe verankert haben; denn es ist etwas in ihnen, wodurch sie das über das Leid Hinausführende, den Innentrost finden, den inneren Paraklet, den inneren Tröster finden!

[ 32 ] Let us turn to the etheric body, which is the shaper of the physical body. What has entered into it? — Illness is merely expressed in the physical body. The suffering itself is first present in the etheric body, and the suffering in the etheric body is expressed as illness in the physical body in a later incarnation. But now, as Christ Jesus said, something has come into the world through which an impulse can arise within, gradually clearing away the suffering from the etheric body. Those who have anchored suffering in their etheric bodies can now find bliss if they take the Christ impulse into themselves; for there is something within them through which they find that which leads beyond suffering—the inner comfort, the inner Paraclete, the inner Comforter!

[ 33 ] Und was war durch den luziferischen Einfluß aus dem astralischen Leib geworden? Er war mangelhafter geworden, als er früher war. Er hat die Möglichkeit, die wir als eine gute Eigenschaft haben schildern können, empfangen, für das Gute und Große sich zu entflammen, für die hehren Güter des Wahren, Schönen und Guten Enthusiasmus zu haben. Aber er hat dafür auch das andere in Kauf nehmen müssen: für die Güter der Erde in Sympathie oder Antipathie in weitgehendstem Maße sich zu entflammen. Wer den ChristusImpuls aufnimmt, der wird lernen, dieses was seinen physischen Leib in Emotion versetzt gegenüber den Gütern der Erde, den astralischen Leib, zu sänftigen, ihn unter die Gewalt des Geistigen zu stellen, und dadurch wird er glücklich oder selig werden. Selig wird der werden, der seinen astralischen Leib gleichmütig macht in bezug auf die Erdendinge; dadurch aber werden sie ihm gerade zufallen. Denn wenn er in Emotion, in Sympathie oder Antipathie für die Erdendinge entflammt wird, dann verscherzt er sich gerade das, was sie ihm werden können. Wenn der astralische Leib aber unter die Gewalt des Geistigen kommt, wenn man gleichmütig wird gegenüber den Erdendingen, dann wird einem das Erdenreich zum Lose gegeben!

[ 33 ] And what had become of the astral body as a result of the Luciferic influence? It had become more deficient than it had been before. It has acquired the capacity—which we have described as a positive quality—to be inspired by what is good and great, to feel enthusiasm for the noble values of truth, beauty, and goodness. But in exchange, it has also had to accept the flip side: to be stirred to the greatest extent by sympathy or antipathy toward the goods of the earth. Whoever takes in the Christ impulse will learn to soothe the astral body—that which stirs his physical body into emotion in response to earthly goods—and to bring it under the control of the spiritual; and through this he will become happy or blessed. Blessed will be the one who makes his astral body equanimous toward earthly things; yet through this very equanimity, they will come to him. For when one is inflamed with emotion, sympathy, or antipathy toward earthly things, one forfeits precisely what they could offer. But when the astral body comes under the control of the spiritual, when one becomes equanimous toward earthly things, then the earthly realm is given to one as a gift!

[ 34 ] Steigen wir auf zu dem, was im astralischen Leib als Empfindungsseele wirkt. Darinnen haben wir noch ein in dumpfer Weise waltendes Ich, das noch nicht so recht herausgekommen ist, und das daher noch in Leidenschaften den schlimmsten Egoismus entfaltet. So lange das Ich noch so recht in der Empfindungsseele drinnensteckt, entfaltet es den selbstsüchtigsten Egoismus. Es ist dann des Wunsches bar, den anderen Menschen dasselbe zukommen zu lassen, was ihm selber zukommt. Der Egoismus trübt den Sinn für Gerechtigkeit, weil das Ich alles selber haben will. Wenn aber jetzt das Ich sich in die Nachfolge des Christus-Impulses stellt, dann wird es zu einem solchen, das da dürstet nach Gerechtigkeit unter allen Wesen, die um uns herum sind. Selig werden diejenigen sein, welche da dürsten und hungern nach dem Gerechtigkeitsgefühl in ihrer Empfindungsseele, denn sie werden gesättigt werden. Sie werden imstande sein, auf der Erde und auf der ganzen Welt solche Zustände herbeizuführen, die in dem richtigen neuen Geist aus den Tiefen der Seele heraus solchen Zuständen der Gerechtigkeit entsprechen!

[ 34 ] Let us ascend to that which acts within the astral body as the sensory soul. Within it we still find an “I” that reigns in a dull manner, one that has not yet truly emerged, and which therefore still manifests the worst kind of selfishness in its passions. As long as the “I” is still so deeply entrenched within the soul of sensation, it manifests the most selfish form of egoism. It is then devoid of the desire to grant others the same things that it itself receives. Egoism clouds the sense of justice, because the “I” wants everything for itself. But when the “I” now places itself in the footsteps of the Christ impulse, it becomes one that thirsts for justice among all beings around us. Blessed are those who thirst and hunger for a sense of justice in their emotional soul, for they will be satisfied. They will be able to bring about conditions on earth and throughout the world that, in the right new spirit arising from the depths of the soul, correspond to such states of justice!

[ 35 ] Steigen wir weiter herauf zur Verstandes- oder Gemütsseele. Sie ist dasjenige Glied, welches das Geltenlassen von Mensch neben Mensch noch mehr bewirkt, und es nicht nur als ein Gerechtigkeitsgefühl bewirkt wie die Empfindungsseele, sondern als ein Mitgefühl, als ein wirkliches Mitfühlen von Leid und Lust des anderen. Derjenige, der den Christus-Impuls aufnimmt, erlangt ein Gefühl nicht nur für das, was er fühlt, sondern auch für das, was das andere Ich fühlt; er taucht unter in das andere Ich und wird dadurch beseligt in seiner Verstandes- oder Gemütsseele. Beseligt ist der, der da Mitgefühl entwickelt, denn nur dadurch, daß er sich in die Seele des anderen hineinfühlt, regt er auch die andere Seele an, sich in ihn hineinzufühlen. Er wird Mitgefühl bei der anderen Seele erlangen, wenn er auch Mitgefühl ausstrahlt. Selig sind die Mitfühlenden, denn mit ihnen wird gefühlt werden!

[ 35 ] Let us continue our ascent to the rational or emotional soul. It is the element that brings about even greater mutual respect among human beings, and it does so not merely as a sense of justice, as the sensory soul does, but as compassion—a genuine sharing in the suffering and joy of others. The one who receives the Christ impulse develops a sense not only of what he himself feels, but also of what the other self feels; he immerses himself in the other self and is thereby filled with bliss in his intellectual or emotional soul. Blessed is the one who develops compassion, for only by empathizing with the other’s soul does he also inspire that other soul to empathize with him. He will receive compassion from the other soul when he, too, radiates compassion. Blessed are the compassionate, for they will be met with compassion!

[ 36 ] Damit sehen Sie schon, wie wir jetzt, nachdem wir einige Zeit vorwärtsgeschritten sind in der Betrachtung dieser Zusammenhänge, in ganz anderer Weise imstande sind, die Worte des Matthäus-Evangeliums, die gewöhnlich in der «Bergpredigt» zusammengefaßt werden, aus der Tiefe der menschlichen Natur und Wesenheit heraus zu verstehen. Jeder Satz der Bergpredigt bezieht sich auf eines der neun Glieder des Menschen. Das soll das nächste Mal noch weiter ausgeführt werden. Die Bergpredigt soll durchsichtig vor unser geistiges Auge treten als diejenige Tat des Christus Jesus, durch die er das, was im alten Gesetz des Moses enthalten war, ganz verinnerlicht hat, ganz zu einem inneren Impuls gemacht hat, wodurch das Ich des Menschen wirksam wird, wie es wirksam werden muß für alle neun Wesensglieder des Menschen. Denn wenn das Ich den Christus-Impuls aufnimmt, wirkt es auf alle neun Wesensglieder des Menschen. So sehen wir, wie tief wahr das ist, was hier schon einmal angedeutet worden ist, daß der Christus im Kali Yuga das Ich des Menschen fähig gemacht hat, in der physischen Welt etwas zu finden, was den Menschen hinaufführt in die geistige Welt, in die Reiche der Himmel. Das Ich des Menschen hat der Christus zu einem Anteilnehmer an der geistigen Welt gemacht.

[ 36 ] You can already see how, now that we have made some progress in our examination of these connections, we are able to understand the words of the Gospel of Matthew—which are usually summarized as the “Sermon on the Mount”—in an entirely different way, from the depths of human nature and being. Every sentence of the Sermon on the Mount relates to one of the nine aspects of the human being. This will be elaborated on further next time. The Sermon on the Mount should appear clearly before our inner eye as the very act of Christ Jesus through which He fully internalized what was contained in the old Law of Moses, transforming it entirely into an inner impulse, whereby the human “I” becomes active, just as it must become active for all nine members of the human being. For when the “I” takes in the Christ impulse, it acts upon all nine members of the human being. Thus we see how profoundly true is what has already been hinted at here: that in the Kali Yuga, Christ enabled the human “I” to find something in the physical world that leads the human being upward into the spiritual world, into the realms of the heavens. Christ has made the human “I” a participant in the spiritual world.

[ 37 ] Auf dem alten Saturn war der physische Leib unmittelbar aus der geistigen Welt herausgenommen. Er war noch ganz in der geistigen Welt drinnen, weil damals der physische Leib geistiger noch war und nicht ein Bewußtsein hatte, so daß er sich hätte trennen können von den geistigen Welten. Auf der Sonne war der Ätherleib, auf dem Monde der astralische Leib dazugekommen, und auf der Erde erst war die Möglichkeit gegeben, durch die Ich-Entwickelung sich loszutrennen von dem Mutterschoß des Göttlich-Geistigen in der Welt. Und die Folge war, daß dieses Ich wieder zurückgeführt werden mußte, daß der Gott heruntersteigen mußte bis zum physischen Plan und auf dem physischen Plan dem Menschen zeigen mußte, wie er den Weg zu den Reichen der Himmel wieder zurückfinden kann.

[ 37 ] On ancient Saturn, the physical body was drawn directly from the spiritual world. It was still entirely within the spiritual world, because at that time the physical body was still more spiritual and lacked the consciousness that would have allowed it to separate itself from the spiritual worlds. On the Sun, the etheric body had been added; on the Moon, the astral body; and it was only on Earth that the possibility arose, through the development of the “I,” to separate from the womb of the Divine-Spiritual in the world. And the consequence was that this “I” had to be led back; that God had to descend to the physical plane and, on the physical plane, had to show human beings how they could find their way back to the realms of heaven.

[ 38 ] Was durch den Christus-Impuls geschah, war somit ein wichtigstes Ereignis. Fragen Sie aber jetzt einmal: Haben es alle Menschen dazumal gewußt, die zu der Zeit gelebt haben, als der Christus Jesus auf Erden wirkte, daß da ein so wichtiges Ereignis vorgeht? Bedenken Sie, daß der große Geschichtsschreiber Tacitus von den Christen wie von einer fast unbekannten Sekte spricht! Hundert Jahre später erzählt er von den Christen nur, es käme in einer Seitenstraße in Rom eine Sekte auf, die von einem gewissen Jesus angeführt würde, die treibe da ihr Wesen. Es glaubten ja lange Zeit nach dem ChristusEreignis noch viele Menschen in Rom, daß der Jesus ihr Zeitgenosse sei, als wenn er jetzt eben aufgetreten wäre. Kurz, es kann Wichtiges vorgehen in der Menschheitsentwickelung, ohne daß die Zeitgenossen etwas davon merken. Wichtigstes könnte sogar vorübergehen, wenn die Menschen nicht geneigt wären, sich Verständnis dafür zu verschaffen! Dann aber würde die Menschheit dieses Wichtigste nicht erleben, würde in bezug auf dieses Wichtigste verdorren und veröden. — «Ändert den Sinn, die Reiche der Himmel sind nahe herbeigekommen!» so war die Verkündigung des Täufers Johannes und des Christus Jesus selber. Damit wiesen sie hin für die, welche Ohren hatten zu hören, daß ein Wichtigstes geschähe. Daß man von einem Wichtigsten in der Welt nichts weiß, das ist kein Beweis dafür, daß es nicht da ist.

[ 38 ] What took place through the Christ Impulse was thus a most significant event. But ask yourself now: Did all the people living at the time when Christ Jesus was active on Earth know that such an important event was taking place? Consider that the great historian Tacitus speaks of the Christians as if they were an almost unknown sect! A hundred years later, he merely mentions the Christians, saying that a sect had arisen in a side street in Rome, led by a certain Jesus, and that they were carrying on their activities there. Even long after the Christ event, many people in Rome still believed that Jesus was their contemporary, as if he had just appeared. In short, significant events can occur in human development without contemporaries noticing them at all. The most important events might even pass them by if people were not inclined to seek an understanding of them! But then humanity would fail to experience these most important events; it would wither and become barren in relation to them. —“Repent, for the Kingdom of Heaven is at hand!”—this was the proclamation of John the Baptist and of Christ Jesus himself. With this, they pointed out to those who had ears to hear that something of the utmost importance was taking place. The fact that one knows nothing of something of the utmost importance in the world is no proof that it does not exist.

[ 39 ] Diejenigen, welche heute die Zeichen der Zeit zu deuten haben, die wissen, was heute geschieht, die müssen auf ein Ereignis — wenn auch nicht von schlagendster Bedeutung, so aber doch auf ein wichtiges Ereignis — hinweisen. Wahr ist es, es entwickelt sich etwas von unendlicher Bedeutung gerade in unserer Zeit! Und während dazumal auf den Christus hingewiesen wurde von dem Johannes, und wenn von ihm selber hingewiesen wurde auf das Herankommen der Reiche der Himmel, auf das Ich, so muß heute hingewiesen werden auf ein anderes wichtiges Ereignis.

[ 39 ] Those who are called upon today to interpret the signs of the times, who know what is happening today, must point to an event—if not one of the utmost significance, then at least an important one. It is true that something of infinite significance is unfolding right now in our time! And just as John pointed to Christ back then, and just as Christ himself pointed to the coming of the Kingdom of Heaven—to the “I”—so today we must point to another important event.

[ 40 ] Der Christus ist ins Fleisch nur einmal heruntergestiegen auf die Erde. Im Fleische hat er die Zeit im Beginne unserer Zeitrechnung auf der Erde verweilt. Im Fleische werden die Menschen den Christus als physisch verkörperten Menschen nach der weisen Führung unserer Weltenentwickelung nicht wiederum sehen, aber auch nicht wieder zu sehen brauchen. Denn im Fleische wird der Christus nicht wiederkommen. Dennoch müssen wir sprechen von einer neuen Beziehung der Menschen zu dem Christus. Warum? Weil dasjenige Zeitalter, das wir das finstere nennen, das Kali Yuga, abgelaufen ist gerade in unserer Zeit mit dem Ende des 19. Jahrhunderts, und weil mit dem Beginne des 20. Jahrhunderts ein neues Zeitalter beginnt, wo sich neue Fähigkeiten der Menschen vorbereiten, jene Fähigkeiten, welche in dem finsteren Zeitalter verlorengegangen sind. Langsam und allmählich bereiten sich neue Fähigkeiten vor. Bis zu dem Grade werden sich neue Fähigkeiten vorbereiten, daß einzelne Menschen da sein werden, welche dieselben als eine natürliche Anlage haben werden. Diese Fähigkeiten werden sich bei einer Anzahl von Menschen besonders zeigen zwischen den Jahren 1930 und 1940, und durch diese neuen Fähigkeiten werden neue Beziehungen zu dem Christus bei einer Anzahl von Menschen eintreten.

[ 40 ] Christ descended to Earth in the flesh only once. In the flesh, he dwelt on Earth at the beginning of our calendar. In the flesh, humanity will not see the Christ again as a physically incarnated human being, in accordance with the wise guidance of our world’s development—nor will they need to see him again. For the Christ will not return in the flesh. Nevertheless, we must speak of a new relationship between humanity and the Christ. Why? Because the age we call the dark age—the Kali Yuga—came to an end precisely in our time with the close of the 19th century, and because with the beginning of the 20th century a new age dawns, in which new human abilities are emerging—those very abilities that were lost during the dark age. Slowly and gradually, new abilities are emerging. These abilities will develop to such an extent that there will be individuals who possess them as a natural predisposition. These abilities will manifest particularly in a number of people between the years 1930 and 1940, and through these new abilities, new relationships with Christ will emerge among a number of people.

[ 41 ] Damit ist auf ein Wichtigstes in der Menschheitsentwickelung hingedeutet. Und Geisteswissenschaft ist dazu da, den Menschen das Verständnis zu eröffnen für diese neuen Fähigkeiten, die sich in der Menschenwelt zeigen werden. Nicht weil einzelne Menschen Lust und Sympathie haben, die Ergebnisse der Geistesforschung zu verbreiten, gibt es eine Geisteswissenschaft in der Welt, sondern weil Geist-Erkenntnis notwendig ist, wenn die Menschen verstehen wollen, was in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts geschieht. Denn nur durch das, was eine Geisteswissenschaft dem Menschen geben kann, wird man fähig werden zu begreifen, was in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts geschehen wird. Und wenn man fähig werden wird, dasjenige im Geiste zu erkennen, was dann geschehen wird, dann wird man auch imstande sein, die Ereignisse nicht zu verwechseln mit ihren irrtümlichen Darstellungen. Denn dadurch, daß der Materialismus sich immer mehr verbreitet, verbreitet er sich auch in die geistigen Weltanschauungen hinein, und da wirkt er besonders schlimm. Da könnte er dazu führen, daß die Menschen nicht verstehen werden dasjenige, was im Geiste erfaßt werden soll, auch wirklich im Geiste zu erfassen, daß sie es suchen werden in der materiellen Welt. Und weil eine neue Beziehung zu dem Christus eintreten soll in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts, so wird in den nächsten Jahrzehnten, bis das Ereignis geschieht, immer wieder betont werden, daß falsche Messiasse, falsche Christusse sich finden werden, die pochen werden auf diejenigen, welche auf den Gebieten der Geisteswissenschaft nur Materialisten werden können, und die sich eine neue Beziehung zu dem Christus nur so vorstellen können, daß sie ihn im Fleische vor sich haben werden. Eine Anzahl falscher Messiasse wird das benutzen und sagen: Der Christus ist im Fleische wieder da!

[ 41 ] This points to one of the most important aspects of human development. And the purpose of spiritual science is to open people’s understanding to these new abilities that will manifest in the human world. Spiritual science exists in the world not because individual people feel inclined or sympathetic toward spreading the results of spiritual research, but because spiritual insight is necessary if people are to understand what is happening in the first half of our century. For it is only through what spiritual science can offer humanity that we will become capable of comprehending what will happen in the first half of our century. And when people become capable of recognizing in the spirit what will then take place, they will also be able to distinguish these events from their erroneous representations. For as materialism spreads ever more widely, it also infiltrates spiritual worldviews, where it has a particularly harmful effect. It could lead to people failing to truly grasp in the spirit what is meant to be grasped in the spirit, and instead seeking it in the material world. And because a new relationship with the Christ is to come about in the first half of our century, it will be emphasized again and again in the coming decades—until this event takes place—that false messiahs, false Christs, will appear who will appeal to those who, in the fields of spiritual science, can become nothing but materialists, and who can conceive of a new relationship with the Christ only in terms of having him physically present before them. A number of false messiahs will exploit this and say: “Christ has returned in the flesh!”

[ 42 ] Die Beziehungen aber, welche rein durch die menschlichen Fähigkeiten zu gewinnen sein werden für die erste Hälfte unseres Jahrhunderts, die hat die anthroposophische Weisheit vorzubereiten. Damit wächst die Verantwortlichkeit des anthroposophischen Strebens ins Ungeheure, indem die Geisteswissenschaft auf ein Ereignis vorbereitet, das kommen wird, und das entweder, wenn die Geisteswissenschaft sich in die Menschenseelen einlebt, verstanden werden wird und dann für die weitere Menschheitsentwickelung fruchtbar werden wird, oder das ohne Verständnis an der Menschheit vorbeigehen wird, wenn sich die Menschen weigern werden, das Instrument anzunehmen, durch welches dieses Ereignis wird begriffen werden können: das Instrument der Geisteswissenschaft. Wenn aber die Menschen die Geisteswissenschaft so weit zurückweisen würden, daß nichts bleiben würde von ihr, dann würden sie auch nicht wissen, daß dieses Ereignis da ist, oder würden es falsch deuten. Die Frucht dieser Ereignisse würde für die Menschenzukunft verlorengehen und die Menschheit würde dadurch in ungeheures Elend gestürzt werden.

[ 42 ] But the relationships that can be attained purely through human faculties during the first half of our century—these are what anthroposophical wisdom must prepare for. Thus, the responsibility of the anthroposophical endeavor grows to immense proportions, as spiritual science prepares for an event that is to come, and which will either—if spiritual science takes root in human souls—be understood and then bear fruit for humanity’s further development, or will pass humanity by without being understood if people refuse to accept the instrument through which this event can be grasped: the instrument of spiritual science. But if people were to reject spiritual science to such an extent that nothing remained of it, then they would neither know that this event exists nor would they interpret it correctly. The fruit of these events would be lost to the future of humanity, and humanity would thereby be plunged into immense misery.

[ 43 ] Damit ist hingedeutet auf eine neue Beziehung der Menschen zu dem Christus als auf etwas, was dem Christus in einer verhältnismäßig kurzen Zeit in der Menschenseele entgegenkeimt.

[ 43 ] This points to a new relationship between human beings and Christ—one that emerges within the human soul in a relatively short time.