Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Christ Impulse
and the Development of Self-Awareness
GA 116

8 February 1910, Berlin

Translate the original German text into any language:

Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Der Gegenstand unserer heutigen Betrachtung ist ja schon das letzte Mal angedeutet worden. Wir haben heute noch einmal hinzuweisen auf jene bedeutsame Urkunde, welche in den Sätzen der Bergpredigt enthalten ist, um dann von dieser Urkunde aus auf unsere Gegenwart und auf die nächste Zukunft der Menschheit einen Blick zu werfen.

[ 1 ] The subject of our discussion today was, in fact, already touched upon last time. Today we would like to once again draw attention to that significant message contained in the words of the Sermon on the Mount, and then, based on this message, take a look at our present and the near future of humanity.

[ 2 ] Die Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums kann nur verstanden werden, wenn man sie in ihrem ganzen Geiste erfaßt und sie begreift aus dem Geiste der Entwickelung der ganzen Menschheit. Wenn wir noch einmal kurz überblicken, was schon das letzte Mal vor unsere Seele getreten ist, daß das alte dämmerhafte Hellsehen des Menschen allmählich zurückgegangen ist, daß die menschlichen Fähigkeiten, die menschliche Erkenntnis immer mehr und mehr sich beschränken mußte auf den physischen Plan, und daß aus diesem Grunde der Zusammenhang des Menschen mit den geistigen Welten aus einem Ereignis des physischen Planes heraus begründet werden mußte, wenn wir das alles zusammenhalten, werden wir verstehen, daß jenes göttlich-geistige Wesen, das wir als das hohe Sonnenwesen, als den Christus charakterisiert haben, in einer Zeit, als die Menschen in ihrer Wahrnehmung auf den physischen Plan beschränkt waren, sich eben in einem physischen Leib verkörpern mußte. Das geschah aus dem Grunde, damit man erzählen konnte sozusagen das Wesentlichste des Lebens dieser göttlich-geistigen Wesenheit mit Ausdrükken, mit Worten, die auf den physischen Plan bezüglich sind. Denn nicht allein darauf kommt es an, daf jene im Verhältnis zur ganzen Menschheit Wenigen, die eine leibliche Anschauung und Beobachtung von dem Christus Jesus gewinnen konnten, diese Anschauung auf dem physischen Plane hatten, sondern darauf kommt es an, daß dasjenige, was man von dem Christus Jesus erzählen kann, solche Darstellungen sind, die Ereignisse des physischen Planes wiedergeben.

[ 2 ] The Sermon on the Mount in the Gospel of Matthew can only be understood if one grasps its full spirit and comprehends it from the perspective of the evolution of all humanity. If we briefly review once more what has already come to mind from our last discussion—that humanity’s ancient, twilight-like clairvoyance has gradually diminished, that human abilities and human knowledge have had to be increasingly confined to the physical plane, and that for this reason, humanity’s connection to the spiritual worlds had to be grounded in an event on the physical plane—if we hold all this together, we will understand that the divine-spiritual being whom we have characterized as the high solar being, as the Christ, had to incarnate in a physical body at a time when human perception was limited to the physical plane. This happened so that one could recount, so to speak, the very essence of the life of this divine-spiritual being using expressions and words that pertain to the physical plane. For what matters is not merely that those few—in relation to all of humanity—who were able to gain a physical perception and observation of Christ Jesus had this perception on the physical plane, but rather that what can be told about Christ Jesus consists of descriptions that reflect events of the physical plane.

[ 3 ] Denn von allem, was man früher über andere göttlich-geistige Wesenheiten zu erzählen hatte, konnte man nicht sagen, daß die Erzählung, welche die Worte des physischen Planes nimmt, sich deckt mit den wirklichen Ereignissen. Alles, was auf die höchsten göttlichen Wesenheiten bezüglich erzählt wurde, muß so aufgefaßt werden, daß die Worte nur als Hindeutungen gelten konnten, daß aber das, was geschehen ist, nur verstanden werden kann von demjenigen, der die Worte anwenden kann auf die Vorgänge der höheren Plane. Das Leben des Christus Jesus aber, wie es sich abgespielt hat, kann jeder verstehen, der auch nur imstande ist, das, was erzählt wird, anzuwenden auf Vorgänge des physischen Planes. Und in dieser Richtung kann man sagen: Die Christus-Wesenheit ist heruntergestiegen bis in eine physische Verkörperung, vollständig bis zum Leben in einem physischen Leibe. Das mußte also geschehen, weil die menschlichen Fähigkeiten dazumal diesen Charakter trugen, weil in der damaligen Zeit sich das menschliche Ich als solches seiner Wesenheit bewußt werden sollte und mußte, wenn die Entwickelung der Menschheit in der entsprechenden Weise vor sich gehen sollte.

[ 3 ] For of all that was previously told about other divine-spiritual beings, it could not be said that the account—which relies on the language of the physical plane—corresponds to the actual events. Everything that was told regarding the highest divine beings must be understood in such a way that the words could only serve as hints, but that what actually happened can only be understood by those who are able to apply the words to the events of the higher planes. The life of Christ Jesus, however, as it actually unfolded, can be understood by anyone who is even slightly capable of applying what is recounted to events on the physical plane. And in this regard, one can say: The Christ Being descended into a physical embodiment, fully taking on life in a physical body. This had to happen, therefore, because human capacities at that time were of this nature; because in those days the human “I” as such was to become—and had to become—aware of its own essence if the evolution of humanity was to proceed in the appropriate manner.

[ 4 ] Wir haben schon gesehen, daß der bedeutendste Vermittler des Ereignisses von Palästina aus der Reihe der älteren Individualitäten der Zarathustra oder Zoroaster war. Damit er aber das werden konnte, was er in jener Zeit werden mußte, dazu mußte ein Körper geschaffen werden, der wie einen Extrakt in sich selber alles enthielt, was einem ganzen Volke gegeben war, einem solchen Volke, das der Menschheit diejenigen Fähigkeiten zu geben hatte, welche durch physische Vererbung vermittelt werden müssen. Das haben wir als das Wesentliche des althebräischen Volkes von Abraham bis zu Jesus anzusehen, daß von Generation zu Generation sich diejenigen Fähigkeiten entwickeln mußten, die von Vater auf Sohn, von Sohn auf Enkel und so weiter sich immer steigernd, vererbt werden mußten, damit sie dann in ihrer höchsten und brauchbarsten Ausbildung erschienen in jenem Leibe, der eben vererbt war von Abraham an über Salomo herunter auf den Jesus, der der Träger des Zarathustra war. Es wird noch viel, viel dazu gehören, daß wir in der Lage sein werden durch unsere Betrachtungen, die hier in der Zukunft noch gepflegt werden, die ganze Mission des althebräischen Volkes in allen Einzelheiten zu verstehen. Denn dazu gehört, daß wir wirklich nach und nach verstehen lernen werden, wie von Geschlecht zu Geschlecht immer mehr veredelt wurden jene Eigenschaften, die der Körper des Jesus brauchte. Es mußte dieser Körper zu seinem welthistorischen Beruf so fähig wie möglich gemacht werden. Das war nur dadurch möglich, daß alles, was zu diesem Leibe des salomonischen Jesus gehörte, in bezug auf jene Fähigkeiten selber so vollkommen war als möglich.

[ 4 ] We have already seen that the most significant mediator of the events in Palestine was Zarathustra, or Zoroaster, from among the older individualities. But in order for him to become what he had to become at that time, a body had to be created that contained within itself, like an extract, everything that had been given to an entire people—a people that was to provide humanity with those abilities that must be transmitted through physical heredity. We must regard this as the essence of the ancient Hebrew people from Abraham to Jesus: that from generation to generation those abilities had to develop—passed down from father to son, from son to grandson, and so on, ever increasing— so that they might then appear in their highest and most useful form in that very body that had been passed down from Abraham through Solomon to Jesus, who was the bearer of Zarathustra. It will take much, much more before we are able, through our reflections—which will continue to be cultivated here in the future—to understand the entire mission of the ancient Hebrew people in all its details. For this requires that we truly learn, step by step, how those qualities needed by the body of Jesus were increasingly refined from generation to generation. This body had to be made as capable as possible for its world-historical calling. This was possible only because everything that belonged to this body of the Solomonic Jesus was itself as perfect as possible in terms of those very abilities.

[ 5 ] Nun wissen wir, daß an jedem menschlichen Leibe tätig waren seit uralten Zeiten die vier Glieder der menschlichen Natur, der physische Leib, der Ätherleib, der Astralleib und das Ich, und daß in die Zukunft hinein tätig sein werden Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Aber wir dürfen das nicht so ansehen, als ob da plötzlich etwa die Tätigkeit zum Beispiel des Astralleibes aufhörte und gar nicht sich vorbereiten würde das Spätere in dem Früheren. In gewisser Beziehung muß sich alles Spätere im Früheren vorbereiten. Der Mensch kann zwar aus eigener Kraft heute nicht so an sich arbeiten, daß zum Beispiel auch der Lebensgeist in ihm besonders zum Ausdruck käme; aber andere, göttlich-geistige Wesenheiten arbeiten mit einer solchen Tätigkeit im Menschen, die eine Tätigkeit des Lebensgeistes genannt werden kann. Das gilt auch in bezug auf den Geistesmenschen. Es mußten also alle sieben Glieder des Leibes des Jesus von Nazareth oder vielmehr der menschlichen Organisation des Jesus von Nazareth in bezug auf die Eigenschaften, die in Betracht kamen, veredelt werden. Dazu brauchte es einer ganz besonderen Vorbereitung. Diese Vorbereitung soll uns heute zunächst eine Ahnung davon verschaffen, welche Geheimnisse in der Entwickelung der Menschheit und der Erde eigentlich verborgen sind.

[ 5 ] We now know that, since time immemorial, the four aspects of human nature—the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I”—have been active in every human body, and that the spiritual self, the life spirit, and the spiritual human will be active in the future. But we must not view this as if, for example, the activity of the astral body were to suddenly cease, and as if what comes later were not at all being prepared within what came before. In a certain sense, everything that comes later must be prepared within what came before. It is true that human beings cannot, through their own efforts today, work on themselves in such a way that, for example, the life spirit within them would be particularly expressed; but other, divine-spiritual beings work within human beings with an activity that can be called the activity of the life spirit. This also applies to the spiritual human being. All seven members of the body of Jesus of Nazareth—or rather, of the human constitution of Jesus of Nazareth—had to be refined with regard to the qualities in question. This required a very special preparation. This preparation is intended to give us, for now, a glimpse of the mysteries that are actually hidden in the evolution of humanity and the Earth.

[ 6 ] Es mußten die Keime zu jener Vollkommenbheit des Leibes des Jesus von Nazareth von langer Hand her vorbereitet werden. Wir haben gesehen, wie in der Zeit von Abraham bis zu Salomo oder David die erste Periode gerade so arbeitete an den Geschlechtern, wie sonst am einzelnen Menschen in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Zahnwechsel gearbeitet wird am Physischen. Die Arbeit wurde nun so verrichtet von den hinter der Entwickelung tätigen Kräften, daß tatsächlich in einer gewissen Zeit ein Vorfahre des Jesus da war, der schon die Anlage enthielt zu den möglichst vollkommensten Fähigkeiten, die dann herauskamen in dem Leibe, der der Träger des Zarathustra wurde. Also in einem Vorfahren des Jesus war sozusagen die Anlage vorhanden zu einer richtigen Ausbildung aller sieben Glieder der menschlichen Natur. Mit anderen Worten: Wenn wir in der Vorfahrenreihe des Jesus von Nazareth heraufgehen, müssen wir einen solchen Vorfahren finden, der die Keime der siebengliedrigen Menschennatur, wenn auch nicht so vollkommen ausgebildet wie in dem Leibe des Jesus von Nazareth, so doch in der Anlage zu dieser Vollkommenheit, enthielt. Wenn das auch nicht in der äußeren Überlieferung ausgedrückt ist, die althebräische Geheimlehre kannte diese Tatsache. Sie wußte, daß einmal ein Mensch gelebt hat, von dem man sagen muß, in ihm wirkten die sieben menschlichen Glieder so, daß man sie als ganz besonders bemerkenswerte zu bezeichnen hat. So deuten tatsächlich die Eingeweihten auch der althebräischen Geheimlehre auf einen Vorfahren des Jesus von Nazareth hin, bei dem sie sich bewußt waren: Wir müssen in diesem Vorfahren die sieben menschlichen Glieder in einer ganz besonderen Weise ansehen.

[ 6 ] The seeds for that perfection of the body of Jesus of Nazareth had to be prepared well in advance. We have seen how, from the time of Abraham to that of Solomon or David, the first period worked upon the lineages in exactly the same way that, in the period from birth to the loss of baby teeth, work is otherwise done on the physical body of an individual. The work was carried out by the forces active behind evolution in such a way that, after a certain period of time, there was indeed an ancestor of Jesus who already possessed the potential for the most perfect abilities possible—abilities that would later manifest in the body that became the vessel of Zarathustra. Thus, in an ancestor of Jesus, the potential existed, so to speak, for the proper development of all seven members of human nature. In other words: If we trace the lineage of Jesus of Nazareth back through his ancestors, we must find such an ancestor who contained the seeds of the sevenfold human nature—even if not as perfectly developed as in the body of Jesus of Nazareth, yet possessing the potential for that perfection. Even if this is not expressed in the external tradition, the ancient Hebrew esoteric teaching was aware of this fact. It knew that there once lived a human being of whom one must say that the seven human members were at work within him in such a way that they must be described as particularly remarkable. Indeed, the initiates of the ancient Hebrew esoteric teaching also point to an ancestor of Jesus of Nazareth, regarding whom they were aware: “We must regard the seven human members in this ancestor in a very special way.”

[ 7 ] Und so nannten sie denn bei diesem Vorfahren das Ich «Itiel», um damit anzudeuten, daß in diesem Vorfahren das Ich jene Kraft haben mußte — denn das Wort «kiel» würde ungefähr heißen «Kraftbesitzer» —, jene Kraft, jene Kühnheit haben mußte, die, wenn sie sich durch die Geschlechter vererbte, der richtige Ich-Träger werden konnte für jene hohe Wesenheit, die dann wiedererscheinen sollte in dem Jesus von Nazareth. So nannten sie den Astralleib jenes Vorfahren «Lamuel»; das würde ungefähr bezeichnen einen astralischen Leib, der so entwickelt ist, daß er das Gesetz, die Gesetzmäßigkeit nicht allein außerhalb seiner, sondern als in sich tragend fühlt. So nannten sie den Ätherleib dieses Vorfahren «Ben Jake»; das würde heißen: ein solcher Ätherleib, der möglichst in sich durchgearbeitet worden ist und in gewisser Vollkommenheit Gewohnheiten in sich aufnehmen kann. Und den physischen Leib dieses Vorfahren nannten sie «Agur», aus dem Grunde, weil die physische Tätigkeit, die Fähigkeit dieses Vorfahren auf dem physischen Plan darinnen bestanden hat, daß er das, was an alten Überlieferungen vorhanden war, sammelte; denn «Agur» würde heißen «der Sammler». Wie dann durch das, was im Leibe des Jesus vorgegangen ist, gesammelt wurden alle alten Lehren der Welt, so hat sich das schon als Anlage bei diesem Vorfahren durch das Sammeln der alten Urkunden entwikkelt. Und was wie Atma oder Geistesmensch in diesem Vorfahren arbeitete, das nannten sie, weil mit einer besonderen Sorgfalt sozusagen die Liebe der göttlich-geistigen Wesenheiten an dieser Anlage zum Geistesmenschen arbeitete, mit einem Wort, das ungefähr «der Liebling Gottes» bedeuten würde, «Jedidjah». Und was als Buddhi oder Lebensgeist hineinwirkte in diesen Vorfahren, wovon sie sagten: In diesem Vorfahren muß ein solcher Lebensgeist wirken, daß er wie ein Lehrer des ganzen Volkes wirken kann, damit sich ausgiefen kann, was dieser Lebensgeist enthält, auf das ganze Volk -, das bezeichneten sie als «Kohelet». Und endlich nannten sie Manas oder Geistselbst dieses Vorfahren — weil sie sagten, ein solches Geistselbst muß die Anlage in sich enthalten innerlich abgeschlossen zu sein, in sich im Gleichgewicht zu sein -, mit einem Wort, das da bedeutet «inneres Gleichgewicht», «Salomo».

[ 7 ] And so they named the “I” in this ancestor “Itiel,” to indicate that in this ancestor the “I” must have possessed that power—for the word “kiel” would roughly mean “possessor of power” —that power, that boldness which, if passed down through the generations, could become the true bearer of the “I” for that high being who was then to reappear in Jesus of Nazareth. So they named the astral body of that ancestor “Lamuel”; which would roughly denote an astral body so developed that it feels the law, the regularity, not only outside itself but as something it carries within itself. Thus they called the etheric body of this ancestor “Ben Jake”; this would mean: an etheric body that has been refined as much as possible and can assimilate habits within itself with a certain degree of perfection. And they called the physical body of this ancestor “Agur,” for the reason that the physical activity—the capacity of this ancestor on the physical plane—consisted in gathering what existed in ancient traditions; for “Agur” would mean “the gatherer.” Just as all the ancient teachings of the world were gathered through what took place in the body of Jesus, so too had this already developed as a predisposition in this ancestor through the gathering of ancient documents. And what worked within this ancestor as Atma or the spiritual man—because the love of the divine-spiritual beings worked with special care, so to speak, on this predisposition toward the spiritual man—they called, in a word, “Jedidjah,” which roughly means “the beloved of God.” And what acted within this ancestor as Buddhi or life spirit—of which they said: “Such a life spirit must be at work in this ancestor that he may act as a teacher to the entire people, so that what this life spirit contains may be imparted to the entire people”—they designated as “Kohelet.” And finally, they called the Manas, or spiritual self, of this ancestor—because they said that such a spiritual self must possess the inherent capacity to be internally complete and to be in balance within itself—by a word that means “inner balance”: “Solomon.”

[ 8 ] So hat denn dieser Vorfahre, den man gewöhnlich nur kennt unter dem Namen «Schelomo», «Schlomo» oder «Salomo», die drei Hauptnamen: Jedidjah, Kohelet, Salomo; und er hat die vier Nebennamen Agur, Ben Jake, Lamuel, Itiel, weil diese Namen die vier Hüllen bedeuten, während die drei ersten Namen das göttliche Innerliche bezeichnen. Sieben Namen hat für die althebräische Geheimlehre diese Persönlichkeit.

[ 8 ] Thus, this ancestor, who is usually known only by the names “Schelomo,” “Schlomo,” or “Salomo,” has three main names: Jedidiah, Kohelet, Solomon; and he has the four secondary names Agur, Ben Jake, Lamuel, and Itiel, because these names signify the four outer shells, while the first three names denote the divine inner essence. This figure has seven names in the ancient Hebrew esoteric teachings.

[ 9 ] Und wenn später sozusagen die Menschen, auch gewisse Sekten unter den Juden selber, nicht zufrieden waren mit Salomo — ob mit Recht oder Unrecht, soll hier nicht untersucht werden -, so kann das dadurch erklärt werden, daß in diesem Salomo hohe, ganz große, bedeutsame Anlagen waren, die sich zu dem angegebenen Ziel dann weiter verpflanzen sollten, und daß der einzelne Mensch auf einer bestimmten Stufe der Entwickelung in seinem äußeren Leben durchaus nicht immer das darzustellen braucht, was er als Anlage vererben soll auf seine Nachkommen, daß er vielleicht gerade deshalb, weil hohe Kräfte in ihm sind, mehr der Möglichkeit ausgesetzt ist, gegen die Richtung solcher Kräfte zu fehlen, als ein anderer, der solche Kräfte nicht in sich hat. Was man als moralische Fehler bei Salomo bemerken würde, das würde nicht in Widerspruch stehen mit dem, was die althebräische Geheimlehre in Salomo sieht, sondern es würde sich sogar im Gegenteil gerade aus dieser Tatsache heraus das Fehlerhafte an Salomo erklären.

[ 9 ] And if later on, so to speak, people—including certain sects among the Jews themselves—were dissatisfied with Solomon—whether rightly or wrongly is not to be examined here—this can be explained by the fact that Solomon possessed lofty, truly great, and significant potential, which was then to be further channeled toward the stated goal, and that an individual at a certain stage of development does not always need to manifest in his outer life what he is meant to bequeath as a predisposition to his descendants; that perhaps precisely because he possesses high powers within him, he is more prone to err against the direction of such powers than another who does not possess such powers. What one might perceive as moral failings in Solomon would not contradict what the ancient Hebrew esoteric teaching sees in him; on the contrary, it is precisely this fact that would explain the flaws in Solomon.

[ 10 ] So blickte die althebräische Geheimlehre auf einen Vorfahren des Jesus hin, von dessen Bedeutung sie in bezug auf die ganze Mission des althebräischen Volkes sich vollständig bewußt war. Alles, was in dieser Persönlichkeit veranlagt war, verpflanzte sich dann weiter herunter und erschien in der Essenz dann, als es im weltgeschichtlichen Verlauf gebraucht worden ist. Das ist etwas, was uns eine Ahnung verschaffen soll, welche gesetzmäßigen Geheimnisse sich hinter der Entwickelung der Menschheit verbergen.

[ 10 ] Thus, the ancient Hebrew esoteric teaching looked to an ancestor of Jesus, fully aware of his significance in relation to the entire mission of the ancient Hebrew people. Everything inherent in this figure was then passed down through the generations and manifested in its essence when it became necessary in the course of world history. This is meant to give us a glimpse of the lawful mysteries hidden behind the development of humanity.

[ 11 ] Wenn nun so die Mission des althebräischen Volkes vornehmlich darinnen bestand, daß gleichsam hineingeimpft wurde in das Blut, in die physische Vererbung, was durch dieses Volk an Fähigkeiten der Menschheit aus den geistigen Welten gegeben werden sollte, so war eben zur Zeit des Auftretens des Täufers Johannes und des Jesus von Nazareth die Menschheit so weit, daß sie durch diese veredelten Eigenschaften aufnehmen sollte den Impuls, wiederum hinaufzusteigen in die geistige Welt, mit anderen Worten, aufnehmen sollte den Christus-Impuls. Deshalb wurde das gesagt, um anzudeuten, was alles für Veranstaltungen notwendig waren, um innerhalb der physischen Menschheitsentwickelung eine solche Hülle zu schaffen, die umschließen durfte das Christus-Wesen.

[ 11 ] If, then, the mission of the ancient Hebrew people consisted primarily in having what this people was to bestow upon humanity from the spiritual worlds—in the form of abilities—as it were, grafted into the blood, into the physical inheritance, then at the time of the appearance of John the Baptist and Jesus of Nazareth, humanity had reached the point where, through these ennobled qualities, it was to receive the impulse to ascend once more into the spiritual world—in other words, to receive the Christ impulse. That is why this was said—to indicate all the events that were necessary to create, within the physical development of humanity, a vessel capable of containing the Christ Being.

[ 12 ] Nun fühlen und empfinden wir vielleicht auch das Radikale des Fortschrittes für die Menschheitsmission durch diese bis ins Physische herabgetragene göttliche Mission des jüdischen Volkes, fühlen, wie bis in die physische Materie das Göttliche am tiefsten herabgetragen worden ist, damit von diesem Wendepunkt aus die Menschheit um so mehr wieder hinaufsteigen kann von dem verfeinerten Physischen ins Geistige. Der Aufstieg ins Geistige mußte eben von jener Zeit an beginnen. Dazu aber mußte nunmehr ein solcher Impuls der Menschheit gegeben werden, der gewissermaßen alles, was die Menschheit wollen soll und erwarten soll von der Weltentwickelung, wirklich in jenes tiefste Zentrum des Menschen legte, das mit dem Ich zu bezeichnen ist. In das tiefste Innere des Menschen sollte der Impuls durch Christus hineingehen. Aus dem Leibe des Christus heraus sprach ein solcher Impuls, der an das tiefste Wesen der menschlichen Natur appellierte. Was also sollte unter diesem Impuls anders werden?

[ 12 ] Now, perhaps, we can also sense and feel the radical nature of progress for humanity’s mission through this divine mission of the Jewish people, which has been carried down into the physical realm; we can feel how the divine has been carried down to the very depths of physical matter, so that from this turning point humanity may ascend all the more from the refined physical realm into the spiritual. The ascent into the spiritual realm simply had to begin at that very time. But for this to happen, humanity now had to be given an impulse that, in a sense, truly placed everything that humanity is meant to desire and expect from world development into that deepest center of the human being, which is designated as the “I.” The impulse through Christ was to penetrate into the innermost being of the human being. From the body of Christ came such an impulse that appealed to the deepest essence of human nature. So what was to change under this impulse?

[ 13 ] Bevor dieser Impuls gekommen war, war es so, daß die Menschen das, was sie am meisten beglückte, am meisten selig oder gotterfüllt machte, in gewisser Weise von außen empfingen oder erwarteten. Wenn man nicht die Weltgeschichte bloß nach den äußeren Urkunden betrachtet, sondern nach dem, was die geistigen Urkunden geben können, so muß man sich sagen: Wir blicken zurück in alte Zeiten, wo der Mensch dadurch in das Reich der geistigen Wesenheiten aufstieg, daß in ihm, sei es mehr oder weniger normal, die Hellsehergabe erwachte. Aber diese Hellsehergabe erwachte traumhaft, während göttlich-geistige Kräfte in ihm wirkten und das Ich heruntergedrückt war. Der Mensch war mehr oder weniger außerhalb des Ich. War er schon im normalen Zustand sich dieses Ich nicht so sehr bewußt als in späteren Zeiten, so war er in den Zeiten, wo der Geist in ihm wirkte und ihn hinauftrug in die geistige Welt, ganz außer sich, ganz außer seinem Ich. Er war völlig hingegeben entweder an das äußere Göttlich-Geistige oder an das Göttlich-Geistige in seiner Seele. Aber in diesen Augenblicken der Ekstase, der Begeisterung war er sich seines Zustandes gar nicht bewußt. Das sollte ja eben kommen, daß der Mensch eine Verbindung finden sollte zum Geistigen aus seinem Ich heraus und von da aus den tiefsten Kern seines Wesens durchdringen konnte mit dem Bewußtsein: Ich gehöre einem göttlich-geistigen Reiche an. —- Das konnte nur dadurch geschehen, daß der Christus auf der Erde lebte, sein Wesen den Erdenwesen einflößte, und daß das Ich sich mit dem durchdringen konnte, was sich als das Vorbild des Christus ergab. Dadurch konnte sich der Mensch sa gen: Ich bin jetzt mit meinem Ich im geistigen Reiche, in den Reichen der Himmel, so wie früher die Menschen außer dem Ich in den Reichen der Himmel waren. «Die Reiche der Himmel sind nahe herbeigekommen!», das war die neue Lehre. Dazu sollte die Seelenverfassung, der Sinn der Menschen geändert werden, um nicht mehr zu glauben, daß man außerhalb des Ich, nur im Zustande der Ekstase, hinaufgetragen werden könnte in die geistige Welt, sondern im Zustande des vollen Ich-Bewußtseins seine Verbindung finden kann mit den Reichen der Himmel.

[ 13 ] Before this impulse arose, people tended to receive or expect from outside sources, in a certain sense, the things that brought them the greatest happiness, made them feel most blissful, or filled them with a sense of the divine. If one considers world history not merely on the basis of external records, but according to what spiritual records can reveal, one must conclude: We are looking back to ancient times when human beings ascended into the realm of spiritual beings through the awakening within them—whether to a greater or lesser degree—of the gift of clairvoyance. But this gift of clairvoyance awakened in a dreamlike state, while divine-spiritual forces were at work within him and the “I” was suppressed. The human being was, to a greater or lesser extent, outside of the “I.” Even in a normal state, he was not as conscious of this “I” as he would be in later times; but in those moments when the spirit worked within him and carried him up into the spiritual world, he was completely beside himself, entirely outside of his “I.” He was completely absorbed either in the outer divine-spiritual or in the divine-spiritual within his soul. But in these moments of ecstasy and rapture, he was not at all aware of his condition. It was precisely meant to happen that human beings would find a connection to the spiritual from within their “I” and, from there, be able to penetrate the deepest core of their being with the awareness: “I belong to a divine-spiritual realm.” —- This could only happen because Christ lived on earth, imbued earthly beings with his essence, and because the “I” could permeate itself with what emerged as the Christ-model. Through this, a person could say to himself: “I am now, with my ‘I,’ in the spiritual realm, in the realms of heaven, just as people used to be in the realms of heaven apart from their ‘I.’” “The realms of heaven have drawn near!”—that was the new teaching. To this end, the state of the soul and the mindset of human beings were to be transformed, so that they would no longer believe that one could be carried up into the spiritual world only outside the “I,” in a state of ecstasy, but rather that one could find connection with the realms of heaven in a state of full “I”-consciousness.

[ 14 ] Daß das geschehen mußte, das kann man noch dadurch einsehen, daß sich der Zustand des alten Hellsehens im Laufe der Jahrtausende immer mehr verschlechtert hat. Während in alten Zeiten der Mensch in seinen ekstatischen Zuständen zu den guten göttlichgeistigen Mächten hinaufstieg, in seine göttlich-geistige Heimat hineinstieg, war das, was dem Menschen in der Zeit der Begründung des Christentums noch geblieben war von ekstatischen Zuständen, so, daß er jetzt, wenn er außerhalb seiner war, nicht mehr zu den guten geistigen Mächten, sondern zu den schlimmen, bösen geistigen Mächten geführt wurde. Das ist überhaupt der große Unterschied zwischen diesen zwei Entwickelungszuständen: Wenn in uralten Zeiten der Mensch mit Unterdrückung des Ich, was wir heute medial nennen würden, sich traumhaft erhob zu den geistigen Welten, dann war er mit guten geistigen Wesenheiten in Gemeinschaft. Das hatte sich aber geändert in jener Zeit, als der Mensch durch das Ich das Band zu den Reichen der Himmel finden sollte; und wenn er jetzt die ekstatischen Zustände suchte oder entwickelte, dann wurden sie bezeichnet als Zustände der «Besessenheit», welche den Menschen mit bösen, ihm feindlichen geistigen Mächten in Verbindung brachten. So mußte in der Zeit, als der Christus Jesus auftrat, geradezu als heilsame Lehre verkündet werden: Es ist nicht richtig, daß ihr versucht, unter Ausschluß eures Ich in Zustände zu kommen, wo ihr die geistigen Welten wahrnehmt, sondern jetzt ist es richtig, daß ihr in eurem tiefsten Wesenskern das Band sucht zu den göttlichgeistigen Reichen!

[ 14 ] That this had to happen can also be understood from the fact that the state of ancient clairvoyance has steadily deteriorated over the course of millennia. Whereas in ancient times, when a person was in a state of ecstasy, they ascended to the good divine-spiritual powers and entered their divine-spiritual homeland, what remained of such ecstatic states for people at the time of Christianity’s founding was such that, when they were outside of that state, they no longer ascended to the good spiritual powers but to the evil, evil spiritual powers. This is, in fact, the great difference between these two stages of development: In ancient times, when a person, through the suppression of the “I”—what we would today call a mediumistic state—rose in a dreamlike manner to the spiritual worlds, they were in communion with good spiritual beings. But this had changed by the time when human beings were to find the connection to the heavenly realms through the “I”; and when they now sought or developed ecstatic states, these were described as states of “possession,” which brought human beings into contact with evil spiritual powers hostile to them. Thus, at the time when Jesus the Christ appeared, it had to be proclaimed as a truly healing teaching: It is not right for you to try, by excluding your “I,” to enter states in which you perceive the spiritual worlds; rather, it is now right for you to seek, in the deepest core of your being, the connection to the divine-spiritual realms!

[ 15 ] Diese Lehre liegt im wesentlichen beschlossen in der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums. In alten Zeiten, so könnte man umschreiben, gab es ein traumhaftes Hellsehen. Da wurde der Mensch hinaufversetzt durch Ekstase in geistige Welten. Damals war er reich an geistigem Leben, er war kein Bettler um Geist, wie er es geworden ist in der Zeit, als das Christentum begründet wurde. Wenn er in alten Zeiten durchdrungen war von Geist, von dem, was man im Griechischen «Pneuma» nennt, dann wurde er hinaufentrückt in göttlich-geistige Welten. Jetzt konnte der Christus nicht sagen: Gotterfüllt sind die, welche durch ekstatische Zustände reich werden an Geist! — denn die mußten gerade geheilt werden als die Besessenen. Daher wird vorher von der Heilung der Besessenen gesprochen. Jetzt mußte er verkünden: Die Zeit ist gekommen, wo gotterfüllt sind diejenigen, welche geworden sind Bettler um Geist! — das heißt solche, die sich nicht mehr erheben können zu ekstatischen, zu traumhaft hellseherischen Zuständen, sondern die angewiesen sind, in sich selber das Reich der Himmel zu suchen, von ihrem Ich aus.

[ 15 ] This teaching is essentially encapsulated in the Sermon on the Mount in the Gospel of Matthew. In ancient times, one might say, there was a dreamlike form of clairvoyance. There, through ecstasy, human beings were lifted up into spiritual worlds. Back then, they were rich in spiritual life; they were not beggars for the Spirit, as they had become by the time Christianity was founded. When, in ancient times, they were permeated by the Spirit—what the Greeks called “pneuma”—they were raptured into divine-spiritual worlds. Now Christ could not say: “Those who become rich in spirit through ecstatic states are filled with God!”—for it was precisely these people who had to be healed as the possessed. That is why the healing of the possessed is mentioned first. Now he had to proclaim: The time has come when those who have become beggars for the Spirit are filled with God! — that is, those who can no longer rise to ecstatic, dreamlike, clairvoyant states, but who are compelled to seek the Kingdom of Heaven within themselves, from their own “I.”

[ 16 ] Wenn der Mensch früher hineinversetzt war in das Erdenleid und in den Erdenschmerz, dann brauchte er, weil es für ihn ja in seiner Wesenheit einen Zustand gab, durch den er entrückt werden konnte zu den göttlich-geistigen Welten, diesen Zustand nur in sich hervorzurufen. Er brauchte das Leid nicht zu ertragen, sondern wenn Leid ihn befiel, konnte er jenen Zustand aufsuchen, wo er geist- oder gotterfüllt war, und konnte in diesem Zustand, in einem Entrücktsein von seinem Ich, Heilung finden von den Leiden und Schmerzen der Erde. Aber auch diese Zeit mußte von dem Christus Jesus als eine solche bezeichnet werden, die vorüber ist. Jetzt sollen gotterfüllt werden diejenigen, die nicht mehr imstande sind, den Beistand im Leid von außen zu erfahren, sondern die durch Stärkung ihres eigenen Ich die Kraft im Innern suchen; die den Paraklet im Innern finden. Gotterfüllt sind die, die das Leid nicht verscheuchen durch ekstatische Erhebung zum Gott, sondern die es tragen und die Kraft des Ich entwickeln, wodurch sie in sich finden den Paraklet, den man später den «Heiligen Geist» nannte, der sich durch das Ich offenbart.

[ 16 ] When human beings were once immersed in earthly suffering and pain, they needed only to evoke within themselves that state—since, in their very nature, there existed a state through which they could be transported to the divine-spiritual worlds. They did not need to endure the suffering; rather, when suffering befell them, they could seek out that state in which they were filled with the spirit or with God, and in this state—in a state of being transported beyond their ego—they could find healing from the sufferings and pains of the earth. But even this time had to be designated by Christ Jesus as one that has passed. Now those who are no longer able to experience external support in suffering, but who seek inner strength by fortifying their own “I”—those who find the Paraclete within—are to be filled with God. Those are filled with God who do not drive away suffering through ecstatic elevation to God, but who bear it and develop the strength of the “I,” through which they find within themselves the Paraclete—later called the “Holy Spirit”—who reveals himself through the “I.”

[ 17 ] Noch der Buddha hatte nicht empfohlen, das Leid zu tragen, son dem das Leid abzustreifen, mit allem Erdendurst abzustreifen. Noch sechshundert Jahre vor dem Christus Jesus hat Buddha gerade das als schlimme Folge des Durstes nach Dasein bezeichnet, was als Leid auf der Erde ist. Sechshundert Jahre später sprach es der Christus im zweiten Satz der Bergpredigt aus, daß das Leid nicht in dieser Weise abgestreift werden sollte, sondern getragen werden soll, auf daß es eine Prüfung sei, damit das Ich jene Kraft entwickelt, die es in sich selber finden kann: den inneren Beistand, den «Paraklet». Das ist wörtlich im zweiten Satz der Bergpredigt enthalten bis auf den Ausdruck «Paraklet». Man muß nur die Dinge in der richtigen Weise lesen. Das ist ja gerade die Aufgabe in unserer Zeit, aus dem, was uns die Geisteswissenschaft gibt, die großen, ebenfalls geisteswissenschaftlichen Urkunden lesen zu lernen.

[ 17 ] Even the Buddha had not recommended bearing suffering, but rather shedding it—shedding it along with all earthly thirst. Six hundred years before Jesus Christ, the Buddha had described precisely what constitutes suffering on earth as the dire consequence of the thirst for existence. Six hundred years later, Christ stated in the second sentence of the Sermon on the Mount that suffering should not be cast off in this way, but should be borne so that it might serve as a trial, enabling the “I” to develop the strength it can find within itself: the inner support, the “Paraklet.” This is literally contained in the second sentence of the Sermon on the Mount, with the exception of the term “Paraklet.” One need only read these things in the right way. This, indeed, is precisely the task of our time: to learn, from what spiritual science gives us, to read the great documents that are themselves products of spiritual science.

[ 18 ] Ein drittes ist dies: Wenn in alten Zeiten die Menschen sich durchdringen konnten mit dem, was aus der Ekstase kommt, was man im Griechischen als «Pneuma», Geist, bezeichnet, dann wurden sie instinktiv ihre Bahn geleitet. Alle Impulse, Handlungen, Leidenschaften, Triebe und Begierden, kurz alles, was im astralischen Leib des Menschen ist, das wurde instinktiv geleitet; es wurde zum Guten geleitet, wenn der Mensch imstande war, sich zu guten geistigen Wesenheiten zu erheben. Aber es war noch nicht von dem Ich ausgegangen die innere Kraft, Leidenschaften, Triebe und so weiter zu zähmen, zu läutern und ins Gleichgewicht zu bringen. Jetzt aber war die Zeit gekommen -— das mußte wiederum der Christus verkünden -, wo die Menschen, wenn sie zähmen und läutern, gleichmütig machen die Leidenschaften, Triebe, Begierden ihres Astralleibes, durch sich selber erreichen, was das Ziel der gegenwärtigen Menschheit ist und was man dadurch ausdrückt, daß man hinweist auf den grofßen Fortgang der Entwickelung. Dieser Fortgang der Entwickelung hat sich uns oft in folgender Weise dargestellt. Der Mensch begann sein Dasein auf dem alten Saturn, setzte es fort durch Sonnenund Mondendasein und bekam auf der Erde sein Ich zuerteilt. Aber nur wenn er sich seines Ich bewußt wird, wenn er das, was ihm in seinem astralischen Leib noch auf dem Monde gegeben ward, zähmt, gleichmütig macht, kann er das Ziel der Erdenmission wirklich erreichen. Diejenigen können durch den Christus-Impuls gotterfüllt werden, die ihre Triebe und Begierden im astralischen Leib zähmen, gleichmütig machen. Dadurch werden sie durch sich selber finden die Erde. — So ist im dritten Satz der Bergpredigt dieses, was eigentlich immer mit einem unsinnigen Wort übersetzt wird, gesagt: Diejenigen, welche gleichmütig machen — nicht: sanftmütig — ihre Triebe, Begierden und Leidenschaften, werden als ein Los zugeteilt erhalten, oder man kann auch sagen, erben die Erde.

[ 18 ] A third point is this: In ancient times, when people were able to immerse themselves in what arises from ecstasy—what is called “pneuma,” or spirit, in Greek—they were instinctively guided along their path. All impulses, actions, passions, instincts, and desires—in short, everything within the human astral body—was instinctively guided; it was guided toward the good when the human being was able to elevate themselves to good spiritual beings. But the inner strength to tame, purify, and bring into balance passions, drives, and so on had not yet emanated from the “I.” Now, however, the time had come—and this, too, had to be proclaimed by the Christ—when human beings, by taming, purifying, and bringing into balance the passions, drives, and desires of their astral body, achieve through their own efforts what is the goal of present-day humanity and what is expressed by pointing to the great progress of evolution. This progress of evolution has often been presented to us in the following way. Human beings began their existence on ancient Saturn, continued it through solar and lunar existence, and were endowed with their “I” on Earth. But only when they become conscious of their “I,” when they tame and bring into equanimity what was given to them in their astral body while still on the Moon, can they truly attain the goal of the Earth mission. Those who tame and bring their instincts and desires in the astral body into equanimity can be filled with the divine through the Christ impulse. Through this, they will find the Earth through themselves. — Thus, in the third sentence of the Sermon on the Mount, what is actually always translated with a nonsensical word is stated as follows: Those who make their drives, desires, and passions serene—not “meek”—will be allotted the earth as their lot, or one might also say, will inherit the earth.

[ 19 ] Da haben wir die drei ersten Sätze der Bergpredigt in ihrer ganzen weltgeschichtlichen Bedeutung vor uns stehen: Was im Physischen durch eine besondere Ausbildung des physischen Leibes in alten Menschheitszeiten möglich war, daß die Menschen in hellseherisch-traumhaften Zuständen das Geistige sahen, das ist im ersten Satz der Bergpredigt für den physischen Leib ausgesprochen, der jetzt verarmt ist an innerer Geisterfülltheit. Für den Ätherleib, durch den das Leid bewußt wird, wenn es auch zunächst im astralischen Leib bewußt wird, ist angedeutet, daß die Menschen in sich selber eine Kraft entwickeln müssen, um einen Beistand zu finden gegen das Leid, das sie als Prüfung tragen. Dann haben wir für den astralischen Leib angeführt, daß der Mensch durch Zähmung und Läuterung seiner Triebe, Leidenschaften und so weiter jene starke Kraft in seinem Innern findet, wodurch er ein eigentliches Ich wird und die Mission der Erde als sein Los zugeteilt erhält.

[ 19 ] Here we have the first three sentences of the Sermon on the Mount in all their significance for world history: What was possible in the physical realm in ancient times through a special training of the physical body—namely, that people could perceive the spiritual in clairvoyant, dreamlike states—is expressed in the first sentence of the Sermon on the Mount for the physical body, which is now impoverished in terms of inner spiritual fullness. For the etheric body—through which suffering becomes conscious, even if it is first experienced in the astral body—it is indicated that human beings must develop a power within themselves to find support against the suffering they bear as a trial. We have also noted, with regard to the astral body, that by taming and purifying their instincts, passions, and so on, human beings find within themselves that strong power through which they become a true “I” and are assigned the mission of the Earth as their destiny.

[ 20 ] Wenn wir jetzt zu dem Ich hinauf kommen, so wissen wir, daß dieses Ich arbeitet in der Empfindungsseele, in der Verstandesseele und in der Bewußstseinsseele. Das Ich arbeitet in der Empfindungsseele, das heißt, es vergeistigt die Empfindungsseele. Dadurch wird für den Menschen in der äußeren Welt dasjenige zu einer wichtigen Angelegenheit, was gerade durch das Christentum verbreitet werden soll: die Allgerechtigkeit ausgießende menschliche Bruderliebe. Was sonst die Empfindungsseele nur im Physischen empfindet, Durst und Hunger, das muß sie durch das Christentum in bezug auf das Geistige zu empfinden lernen: Durst und Hunger nach der allwaltenden Gerechtigkeit. Diejenigen, welche so das Zentrum des Menschen im Ich finden, werden dadurch, daß sie an sich selber arbeiten, befriedigt werden für ihr Verlangen in der Empfindungsseele nach allwaltender irdischer Gerechtigkeit. Gotterfüllt werden sie sein, die durch den Christus-Impuls lernen nach Gerechtigkeit zu dürsten und zu hungern, wie man nach physischer Nahrung hungert und dürstet, denn durch die starke Kraft in ihrem Innern werden sie dadurch, daß sie arbeiten an der Gerechtigkeit in der Welt, in sich selber finden die Sattheit für diese Eigenschaft!

[ 20 ] When we now ascend to the “I,” we know that this “I” is at work in the soul of feeling, in the soul of understanding, and in the soul of consciousness. The “I” is at work in the soul of feeling; that is to say, it spiritualizes the soul of feeling. As a result, what Christianity is meant to spread—human brotherly love that pours forth universal justice—becomes a matter of great importance for human beings in the outer world. What the soul of feeling otherwise perceives only in the physical realm—thirst and hunger—it must learn, through Christianity, to perceive in relation to the spiritual: thirst and hunger for universal justice. Those who thus find the center of the human being in the “I” will, by working on themselves, find satisfaction for their longing in the feeling soul for all-pervading earthly justice. They will be filled with God—those who, through the Christ impulse, learn to thirst and hunger for justice as one thirsts and hungers for physical nourishment; for through the powerful force within them, by working for justice in the world, they will find within themselves the fulfillment of this quality!

[ 21 ] Nun kommen wir zur Verstandesseele. Wir haben öfter betont: Während in der Empfindungsseele das Ich noch dumpf brütet, glänzt es zuerst auf als eigentliches menschliches Ich in der Verstandesseele, um sich dann voll bewußt zu werden in der Bewußtseinsseele und da erst ein reines Ich zu werden. Da ist also etwas ganz Eigentümliches vorhanden: Das menschliche Ich, dasjenige, wodurch wir allen Menschen gleich sind, was ein jeder in sich trägt, glänzt auf in der Verstandesseele. Wo wir auch einen Menschen finden in der Welt, er ist dadurch ein Mensch und unseresgleichen, daß in seiner Verstandesseele ein Ich aufglänzt. Dadurch werden wir zu unseren Mitmenschen in ein richtiges Verhältnis kommen, daß uns gerade in der. Verstandesseele etwas aufgeht, das wir so, wie wir es empfangen können, in die Außenwelt hinaustragen sollen. In der Verstandesseele sollen wir etwas entwickeln, was wir so in die Umgebung hinausfließen lassen, wie es wieder zu uns zurückfließen soll. Daher ist es in der Bergpredigt das einzige Mal, daß das Subjekt des Satzes dem Prädikat gleich ist: Gotterfüllt, oder selig, sind die, die da Liebe entfalten; denn durch das Ausstrahlen der Liebe wird ihnen wieder Liebe. — Darinnen sehen Sie die unendliche Tiefe einer solchen geistigen Urkunde, daß sie selbst in ihrer Satzfügung bis in solche Einzelheiten hinein verstanden werden kann, wenn man nach und nach durch Jahre hindurch zusammengetragen hat, was Geisteswissenschaft geben kann, um den Menschen und die Welt zu begreifen. Den fünften Satz der Bergpredigt kann man gar nicht verstehen in seinem Unterschiede zu den anderen Sätzen, die alle ein anderes Prädikat als Subjekt haben, wenn man nicht den Hinweis dieses Satzes kennt gerade auf die Verstandes- oder Gemütsseele.

[ 21 ] Now we come to the intellectual soul. We have often emphasized: While the “I” is still simmering dimly in the sensitive soul, it first shines forth as the true human “I” in the intellectual soul, only to become fully conscious in the conscious soul and only there to become a pure “I.” There is, therefore, something quite distinctive here: the human “I”—that which makes us all equal to one another, which everyone carries within themselves—shines forth in the intellectual soul. Wherever we find a human being in the world, that person is a human being and our equal precisely because an “I” shines forth in their intellectual soul. This is how we come into a proper relationship with our fellow human beings—because something dawns upon us in the intellectual soul that we are meant to carry out into the outer world, just as we are able to receive it. In the intellectual soul, we are to develop something that we allow to flow out into our surroundings just as it is meant to flow back to us. That is why the Sermon on the Mount is the only instance where the subject of the sentence is identical to the predicate: “Blessed are those who show love”; for through the radiant expression of love, love returns to them. —In this you see the infinite depth of such a spiritual document, that even its sentence structure can be understood down to such minute details when one has gradually gathered, over the course of years, what spiritual science has to offer for understanding humanity and the world. The fifth sentence of the Sermon on the Mount cannot be understood at all in its distinction from the other sentences—which all have a predicate different from the subject—unless one is aware of this sentence’s specific reference to the intellectual or emotional soul.

[ 22 ] Jetzt gehen wir hinauf zur Arbeit des Ich an der Bewußtseinsseele. Da wird das Ich sozusagen erst rein, kann sich seiner selbst erst vollständig bewußt werden. Das wird in der Bergpredigt sehr schön dadurch ausgedrückt, daß gesagt wird: Nur im Ich kann es sein, wo die göttliche Substanz dem Menschen aufgeht. Gotterfüllt sind die, die in ihrem Blute oder Herzen — was der Ausdruck des Ich ist — rein sind, die nichts hineinkommen lassen als das, was die reine Ichheit ist, denn sie werden darinnen den Gott erkennen, den Gott schauen!

[ 22 ] Now let us turn to the work of the “I” on the soul of consciousness. It is there, so to speak, that the “I” first becomes pure and can become fully conscious of itself. This is beautifully expressed in the Sermon on the Mount, which states: “It is only in the ‘I’ that the divine substance can be revealed to the human being.” God-filled are those who are pure in their blood or heart—which is the expression of the “I”—those who let nothing enter except what is pure “I-ness,” for within it they will recognize God, they will behold God!

[ 23 ] Jetzt kommen wir hinauf zu demjenigen in der Bergpredigt, was schon nach dem Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen hin gerichtet ist. Da kann der Mensch nicht mehr bloß durch sich selber arbeiten, da muß er auf der jetzigen Entwickelungsstufe appellieren an die göttlich-geistigen Welten, die gerade durch den Christus in Verbindung mit der Erde gebracht worden sind, da muß er mit seinem Ich aufschauen zu den erneuerten göttlich-geistigen Welten. Während früher in die Menschheit hineingekommen ist, und auch heute noch hineinkommt Streit und Disharmonte durch die Ichheit, soll sich durch den Christus-Impuls über die Erde ausgießen Friede. Und diejenigen, welche den Christus-Impuls aufnehmen, werden in jenem Teil der Menschennatur, der sich erst nach und nach in der Zukunft als Geistselbst entwickelt, Friedenstifter werden; und sie werden dadurch in einem neuen Sinne «Söhne Gottes» werden, indem sie den Geist aus den geistigen Reichen heruntertragen. Gotterfüllt sind die, die da Frieden oder Harmonie bringen in die Welt; dadurch sind sie Söhne Gottes! — Denn so müssen die genannt werden, die wirklich innerlich erfüllt sind von einem Geistselbst, das Frieden und Harmonie bringen soll über die Erde.

[ 23 ] Now we come to that part of the Sermon on the Mount which is already directed toward the Spirit Itself, the Spirit of Life, and spiritual human beings. Here, human beings can no longer work solely through themselves; at this stage of development, they must appeal to the divine-spiritual worlds that have been brought into connection with the Earth precisely through Christ; they must look up with their “I” toward the renewed divine-spiritual worlds. Whereas strife and disharmony caused by egoism have entered humanity in the past—and continue to do so today—peace is to be poured out over the Earth through the Christ impulse. And those who receive the Christ impulse will become peacemakers in that part of human nature which will develop only gradually in the future as the spiritual self; and through this they will become “sons of God” in a new sense, by bringing down the Spirit from the spiritual realms. Those who bring peace or harmony into the world are filled with God; thereby they are Sons of God! — For this is how those must be called who are truly filled within by a spiritual self that is to bring peace and harmony to the earth.

[ 24 ] Nun müssen wir uns klar sein, daß von allem, was sich auf der Erde entwickelt, Restliches aus früheren Zeiten zurückbleibt in spätere Zeiten hinein. Dieses Restliche ist in gewisser Weise demjenigen feindlich, was sich als Keim immer hineinstellt in die späteren Zeiten. So wird dasjenige, was der Christus-Impuls bringt, hineingestellt in die ganze Menschheitsentwickelung, aber nicht auf einmal, sondern so, daß Reste vorhanden bleiben von dem, was die frühere Menschheitsentwickelung gebracht hat. Da ist es notwendig, daß die, welche diesen Christus-Impuls zuerst verstehen, feststehen auf dem Boden desselben, ganz innerlich durchdrungen sind von seiner Kraft. Und wenn sie innerlich durchdrungen sind von der Kraft, die von dem Samen ausgeht, der durch den Christus gekommen ist, und wenn sie feststehen auf diesem Boden, dann werden sie gerade dadurch, daß sie die Kraft der Festigkeit entwickeln, im neuen Sinne gotterfüllt sein. Gotterfüllt sind die, die unter der neuen Ordnung, die unter dem Christus steht, Verfolgung erleiden von dem, was noch aus der alten Ordnung hereinragt! — Und der letzte Satz der Bergpredigt weist direkt auf den Christus-Impuls selber hin, indem er zu den Aposteln sagt: Und gotterfüllt sollt ihr sein, die ihr besonders berufen seid, den Namen des Christus in die Welt zu tragen! So sehen wir, wie aus den großen kosmologischen und Menschheitslehren heraus in der Bergpredigt direkt das Christentum abgeleitet wird, und daß überall hingewiesen wird auf jene Kraft des Innern, die im Ich selber ihren Mittelpunkt finden muß. Das muß durchaus verstanden werden. Das muß bis heute verstanden werden, und es muß bis heute so verstanden werden, daß nicht diejenigen glauben, im echten Sinne christlich zu sein, welche etwa in irgendwelchen dogmatischen Nebenbedeutungen das Christentum suchen, sondern gerade diejenigen sind im echten Sinne christlich, welche die Bedeutung des Satzes verstehen: Ändert die Seelenverfassung oder den Sinn, denn die Reiche der Himmel sind bis ins Ich hineingestiegen! — Die sind im echten Sinne christlich zu nennen, die darinnen das Wesentliche sehen, und die auch weiter verstehen, daß dasjenige, was im wahren Sinne christlich ist, anders ausgesprochen werden mußte im Beginne unserer Zeitrechnung und anders ausgesprochen werden muß heute!

[ 24 ] Now we must be clear that, of everything that develops on Earth, remnants from earlier times carry over into later times. In a certain sense, these remnants are hostile to that which always plants itself as a seed within later times. Thus, what the Christ impulse brings is introduced into the entire course of human development—not all at once, but in such a way that remnants of what earlier human development has brought about remain present. It is therefore necessary that those who first understand this Christ impulse stand firmly on its ground and be completely imbued with its power from within. And when they are imbued from within with the power that emanates from the seed brought by the Christ, and when they stand firmly on this ground, then precisely by developing the power of steadfastness they will be filled with God in a new sense. Filled with God are those who, under the new order that stands under Christ, suffer persecution from what still protrudes from the old order! — And the last sentence of the Sermon on the Mount points directly to the Christ impulse itself, saying to the apostles: “And you who are specially called to carry the name of Christ into the world shall be filled with God!” Thus we see how, from the great cosmological and anthropological teachings, Christianity is directly derived in the Sermon on the Mount, and that reference is made throughout to that inner force which must find its center in the “I” itself. This must be thoroughly understood. This must still be understood today, and it must be understood today in such a way that those who seek Christianity in some dogmatic secondary meanings do not believe themselves to be Christian in the true sense; rather, those who understand the meaning of the statement, “Change the state of your soul or your mindset, for the kingdoms of heaven have descended into the ‘I’!” are precisely those who are Christian in the true sense. — Those who see the essential in this and who also understand that what is Christian in the true sense had to be expressed differently at the beginning of our era and must be expressed differently today are to be called Christian in the true sense!

[ 25 ] Es ist ein schlimmes Mißverständnis des Christentums, wenn man glauben wollte, daß das, was als christlich mit den Worten der Zeit von vor zwei Jahrtausenden bezeichnet wurde, sich bis heute nicht weiter entwickelt hätte. Man müßte das Christentum als eine tote Kulturströmung bezeichnen, wenn man heute ebenso reden müßte wie vor zweitausend Jahren. Das Christentum ist ein lebendiges! Es entwickelt sich und wird sich immer weiter entwickeln. Und so wahr es ist, daß das Christentum seinen Ausgangspunkt nehmen mußte von der Zeit, in der die Menschen heruntergestiegen sind bis auf den physischen Plan, seinen Ausgangspunkt nehmen mußte von einer Vermenschlichung eines Gotteswesens in einem physischen Menschenleib, ebenso wahr ist es, daß die Menschen gerade in unserer Zeit lernen müssen, sich hinauf zu erheben, um das Christentum “und die Christus-Wesenheit selber wieder zu verstehen von einem höheren geistigen Standpunkt aus. Was heißt das?

[ 25 ] It is a grave misunderstanding of Christianity to believe that what was described as “Christian” in the language of two millennia ago has not evolved further to this day. One would have to describe Christianity as a dead cultural movement if one were to speak today in exactly the same way as two thousand years ago. Christianity is alive! It is evolving and will continue to evolve. And just as it is true that Christianity had to take its starting point from the time when human beings descended to the physical plane—from the incarnation of a divine being in a physical human body— it is equally true that people, especially in our time, must learn to rise up in order to understand Christianity—and the Christ-essence itself—once again from a higher spiritual standpoint. What does that mean?

[ 26 ] So wahr die alten traumhaft hellseherischen Kräfte sich verloren haben, so daß zur Zeit des Christus nicht mehr die als gotterfüllt bezeichnet werden konnten, die im alten Sinne geisterfüllt waren, sondern die, die in sich selber fanden die Reiche der Himmel, so wahr ist es, daß mit diesem vollen Bewußtsein des Ich die Menschen wieder hinaufsteigen in die geistige Welt und sich wieder neue Kräfte und Fähigkeiten entwickeln werden. Und so wahr zur Zeit des Täufers die Zeit gekommen war, wo die Menschen jene Fähigkeiten gerade zu einer Krisis gebracht hatten, die auf den physischen Plan herunterführen, so wahr ist es, daß wir gegenwärtig in einer wichtigsten Zeit stehen. Was man das finstere Zeitalter nennt, das begonnen hat mit dem Jahre 3101 vor Christus, und das seinen Höhepunkt erreicht hatte, als sich der Christus verkörperte, das hat sein Ende erreicht am Ausgang des 19. Jahrhunderts. Das Kali Yuga hat sein Ende erreicht im Jahre 1899, und wir gehen einer Zeit entgegen, in welcher sich auf natürliche Weise unter den Menschen neue Kräfte und Fähigkeiten entwickeln, die sich noch in der ersten Hälfte unseres jetzigen Jahrhunderts klar und deutlich zeigen werden. Diese neuen Kräfte und Fähigkeiten wird man verstehen müssen. Insbesondere diejenige Menschheit, welche die Aufgabe der Geisteswissenschaft begriffen hat, wird verstehen müssen, daß ein solches Erheben zum Geistigen wieder möglich ist. Denn in den wichtigen Zeiten, die auf das Jahr 1930 folgen werden, werden einzelne Menschen wie aus ihrer Natur heraus fähig werden, höhere Kräfte zu entwikkeln, wodurch sichtbar werden wird, was wir den Ätherleib nennen. Ätherisch hellseherische Kräfte werden sich entwickeln bei einer Anzahl von Menschen.

[ 26 ] Just as the ancient, dreamlike clairvoyant powers have been lost—so that by the time of Christ, it was no longer those who were spirit-filled in the old sense who could be called God-filled, but rather those who found the realms of heaven within themselves—so it is true that with this full consciousness of the “I,” human beings will once again ascend into the spiritual world and develop new powers and abilities. And just as, in the time of John the Baptist, the time had come when human beings had driven those abilities to a crisis that led down to the physical plane, so it is true that we are currently standing at a most crucial juncture. What is called the Dark Age—which began in the year 3101 B.C. and reached its peak when Christ incarnated—came to an end at the close of the 19th century. The Kali Yuga came to an end in the year 1899, and we are moving toward a time in which new powers and abilities will develop naturally among human beings, powers that will manifest themselves clearly and distinctly even in the first half of our present century. These new powers and abilities will need to be understood. In particular, those members of humanity who have grasped the task of spiritual science will need to understand that such an ascent to the spiritual realm is once again possible. For in the significant times that will follow the year 1930, individual people will, as if by their very nature, become capable of developing higher powers, through which what we call the etheric body will become visible. Etheric clairvoyant powers will develop in a number of people.

[ 27 ] Zweierlei wird dann möglich sein. Entweder der Materialismus unseres Zeitalters geht weiter: Dann wird man, wenn solche Kräfte sich zeigen, nicht verstehen, daß sie hinaufführen in die geistigen Welten; man wird sie mißverstehen, und dadurch werden sie unterdrückt werden. Wenn das geschähe, würde das nicht dazu berechtigen, daß die Menschen aus dem materialistischen Sinne heraus am Ende des Jahres 1940 etwa sagten: Nun seht, was das für phantastische Propheten waren am Anfange des 20. Jahrhunderts! Nichts hat sich erfüllt! — Denn wenn die neuen Fähigkeiten nicht da sein werden, wird das keine Widerlegung dessen sein, was jetzt gesagt werden kann und muß, sondern es wird nur ein Beweis dafür sein, daß die unverständige Menschheit diese Fähigkeiten im Keime erstickt und sich dadurch etwas genommen haben wird, was die Menschheit wird haben müssen, wenn sie in ihrer Entwickelung nicht verdorren und veröden will. Das ist die große Verantwortung der Anthroposophie. Die Anthroposophie ist entsprungen aus der Erkenntnis der Notwendigkeit, daß vorgearbeitet werden muß für etwas, was kommen wird, und das auch übersehen und unterdrückt werden könnte. Vorzuarbeiten hat die Anthroposophie für das Verständnis geistig sich entwickelnder Kräfte der Menschheit. Werden diese Kräfte unterdrückt werden, dann wird die Menschheit weiter in den Sumpf des Materialismus hineingehen.

[ 27 ] Two things will then be possible. Either the materialism of our age will continue: In that case, when such forces manifest themselves, people will not understand that they lead upward into the spiritual worlds; they will misunderstand them, and as a result, they will be suppressed. If that were to happen, it would not justify people, speaking from a materialistic perspective at the end of 1940, saying something like: “Now look what fantastic prophets they were at the beginning of the 20th century! Nothing has come true!” — For if these new abilities do not come to pass, this will not be a refutation of what can and must be said now; rather, it will merely be proof that an uncomprehending humanity has nipped these abilities in the bud and thereby deprived itself of something that humanity will need if it is not to wither and become barren in its development. This is the great responsibility of anthroposophy. Anthroposophy arose from the realization of the necessity to lay the groundwork for something that is to come—something that could otherwise be overlooked or suppressed. Anthroposophy must lay the groundwork for an understanding of humanity’s spiritually evolving forces. If these forces are suppressed, humanity will sink further into the quagmire of materialism.

[ 28 ] Das andere ist, daß die Anthroposophie Glück hat mit ihren Lehren zur Verbreitung eines Verständnisses für die Erhebung der Menschen in die geistige Welt, daß sie Glück hat mit dem Herausheben der Menschen aus materialistischer Gesinnung. Dann aber wird jetzt etwas eintreten müssen aus der anthroposophischen Geistesbewegung heraus, was in früheren Jahrhunderten sich vorbereitet hat, was aber jetzt in unserer Zeit an einem besonders wichtigen Wendepunkt sich voll entwickeln muß.

[ 28 ] The other point is that anthroposophy is fortunate in that its teachings help spread an understanding of how to elevate human beings into the spiritual world, and that it is fortunate in lifting people out of a materialistic mindset. But now something must emerge from the anthroposophical spiritual movement—something that has been in the making for centuries but must now fully develop in our time at a particularly important turning point.

[ 29 ] Die früheren Jahrhunderte waren dazu geeignet, den materialistischen Sinn der Menschheit immer mehr zu pflegen. Daher konnte man früher unter dem materialistischen Einfluß glauben, daß der Christus-Impuls und die Christus-Wesenheit mit der Erde dadurch in eine Beziehung treten werde, daß sie sich noch einmal oder vielleicht noch öfter in einen physischen Leib, in einen materiellen Leib hinein verkörpern werde. Statt sich Klarheit darüber zu verschaffen, daß die Menschen hinaufwachsen werden mit ihren Fähigkeiten, um in größerer Anzahl, und zuletzt alle, das Ereignis von Damaskus zu erleben, das heißt, den Christus in der Erdenatmosphäre zu erleben, ihn im Ätherleibe zu schauen, statt dessen hat man immer geglaubt, der Christus werde wieder heruntersteigen in einen physischen Leib, damit er befriedigen könne den materialistischen Sinn der Menschen, die nicht glauben wollen an den Geist, an das, was Paulus gesehen hat in dem Freignis von Damaskus: Der Christus ist in der Erdenatmosphäre, er ist immer da! «Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!» — Wer sich durch die Methoden des Hellsehens hinaufentwickelt zum Schauen in der geistigen Welt, der findet das, was in der vorchristlichen Zeit nicht zu finden war in den geistigen Welten: den Christus in seinem Ätherleibe. Das ist der wichtige Fortschritt in der Menschheitsentwickelung, daß noch bevor die erste Hälfte unseres Jahrhunderts abgelaufen sein wird, bei vielen Menschen sich wie auf natürliche Art jene Fähigkeit entwickeln wird, durch die sie das Ereignis von Damaskus zu einer persönlichen Erfahrung machen und den Christus in seinem Ätherleib schauen werden. Nicht heruntersteigen ins Fleisch wird der Christus, sondern hinaufsteigen werden die Menschen, wenn sie sich Verständnis für den Geist erworben haben.

[ 29 ] The earlier centuries were conducive to increasingly fostering humanity’s materialistic outlook. Consequently, under the influence of materialism, people used to believe that the Christ impulse and the Christ being would enter into a relationship with the Earth by incarnating once more—or perhaps even more often—into a physical body, a material body. Instead of gaining clarity about the fact that human beings would grow in their abilities so that, in greater numbers—and ultimately all of them—might experience the Damascus event, that is, to experience the Christ in the Earth’s atmosphere, to behold him in his etheric body—instead, people have always believed that the Christ would descend once more into a physical body so that he might satisfy the materialistic sensibilities of those who refuse to believe in the spirit, in what Paul saw in the vision at Damascus: Christ is in the earthly atmosphere; he is always there! “I am with you always, even unto the end of the world!” — Whoever develops through the methods of clairvoyance to the point of seeing into the spiritual world will find what could not be found in the spiritual worlds in pre-Christian times: Christ in his etheric body. This is the significant advance in human evolution: even before the first half of our century has come to an end, many people will naturally develop the ability through which they will make the event at Damascus a personal experience and behold Christ in his etheric body. Christ will not descend into the flesh; rather, human beings will ascend once they have acquired an understanding of the spirit.

[ 30 ] Das bedeutet das Wiederkommen des Christus in unserem Zeitalter, weil in diesem 20. Jahrhundert die Menschen sich herausarbeiten müssen aus dem Kali Yuga zu einem hellseherischen Zeitalter, zu dem die ersten Keime gelegt werden müssen in diesem Jahrhundert. Hinaufsteigen werden die Menschen durch die Fähigkeiten, die da kommen werden, zu dem Christus, der da ist, und der gesehen werden kann von der Vorhut derjenigen Menschen, die durch die anthroposophische Verkündigung zu dem geführt werden, was im Laufe der nächsten 2500 Jahre mehr oder weniger alle Menschenseelen erleben werden.

[ 30 ] This signifies the return of Christ in our age, because in this 20th century, humanity must work its way out of the Kali Yuga and into an age of clairvoyance, for which the first seeds must be sown in this century. Through the abilities that are to come, human beings will ascend to the Christ who is already here and who can be seen by the vanguard of those who, through the anthroposophical message, are being led to what more or less all human souls will experience over the course of the next 2,500 years.

[ 31 ] Das ist das große Ereignis, was der Menschheit für die nächste Zukunft bevorsteht, daß wiederum gotterfüllt sein werden diejenigen, die sich jetzt mit vollem Ich-Bewußtsein hinauferheben zum ätherischen Sehen des Christus in seinem Ätherleib. Dazu muß aber der materialistische Sinn gründlich überwunden werden und die Menschheit Verständnis gewinnen für spirituelle Lehren, für spirituelles Leben.

[ 31 ] This is the great event that lies ahead for humanity in the near future: that those who now, with full self-awareness, rise up to the etheric vision of Christ in his etheric body will once again be filled with God. To achieve this, however, the materialistic mindset must be thoroughly overcome, and humanity must gain an understanding of spiritual teachings and spiritual life.

[ 32 ] In den verflossenen Jahrhunderten war es verhältnismäßig unschädlich, wenn die Menschen aus dem Materialismus immer wieder irregeführt werden konnten in bezug auf das sogenannte Wiederkommen des Christus. Gerade in Zeiten, in denen in geringerem Maße eine Übergangszeit vorhanden war, wo sich vorbereitete, was heute als materialistischer Sinn auf einem Höhepunkt angelangt ist, da wurde zum Beispiel in weiten Kreisen Frankreichs verkündet, daß im Jahre 1137 ein Messias erscheinen werde. Ein Messias ist dazumal auch aufgetreten, der aber die Menschen irregeführt hat, weil der Glaube an ihn herausgeboren war durch den materialistischen Sinn, weil man glaubte, der Messias müßte im Fleische erscheinen. Dreißig Jahre früher erschien ein anderer Messias in Spanien; auch da wurde prophetisch vorherverkündet, es würde ein Messias im Fleische erscheinen. Und ungefähr um dieselbe Zeit erschien ein anderer neuer Messias in Nordafrika. Auch da war prophezeit worden, er werde von Osten kommen und im Fleische erscheinen. Und die ganze Zeit über, wo der materialistische Sinn sich vorbereitet hat dadurch, daß die höchsten Dinge von ihm ergriffen wurden, erschienen derartige prophetische Vorhersagungen, die durchaus für den, der die Zeiten kennt, etwas Bekanntes sind, bis hinein in das 17. Jahrhundert, wo weit und breit gepredigt wurde, es werde eine Art Christus, ein Messias, erscheinen, Das fand wiederum Glauben bei dem materialistischen religiösen Sinn der Menschen. Daher konnte, fußend auf dieser Prophezeihung, ein falscher Messias im Jahre 1667 in Smyrna auftreten, mit dem Namen Schabbathai Zewi. Er schrieb damals von Smyrna aus Episteln und Briefe, welche die Welt ebenso erschütterten, trotzdem sie gar nichts waren als trügerische Dinge, weil sie im materialistischen Sinne gehalten waren als trügerische Dinge, weil sie im materialistischen Sinne gehalten waren, wie einstmals die Paulus-Briefe die Welt erschütterten. Im 17. Jahrhundert verbreitete sich von Smyrna aus die Kunde: Es lebt dort ein Messias im Fleisch! -— Und Schabbathai Zewi der «Gerechte Gottes», wurde so angesehen, daß man sagte, es werde jetzt die ganze Weltenzeitrechnung eine ganz andere Gestalt annehmen: Er wird mit seinen Getreuen durch die Welt ziehen, und an ihn sollen glauben alle, die die Wahrheit sehen wollen, die den Christus im Fleische sehen wollen! — Gepredigt wurde ihnen, daß sein physischer Geburtstag als das größte Fest der Menschheit und der Erde gefeiert werden müsse! Ganze Scharen von Menschen pilgerten dahin, nicht nur aus Asien und Afrika, sondern auch aus Polen, Rußland, Spanien, Frankreich und so weiter. Ganze Züge von Wallfahrern gingen nach Smyrna zu Schabbathai Zewi, der als Christus im Fleische auftrat, bis die Sache einen zu großen Umfang annahm und Schabbathai Zewi vom Sultan gefangen gesetzt wurde. Da sagten die Leute: Das ist nur die ErfülJung einer Prophezeiung, denn es ist vorhergesagt, daß er neun Monate in Gefangenschaft sitzen werde. — Da wußte der Sultan sich nicht anders zu helfen, als daß er Schabbathai Zewi unbekleidet aufstellen ließ und sagte: Ich will an dir erproben, ob du wirklich ein Messias, ein Christus im Fleische bist, ich will nach dir schießen lassen! — Und da gestand endlich Schabbathai Zewi, daß er nur ein gewöhnlicher Rabbi sei.

[ 32 ] In past centuries, it was relatively harmless when people could repeatedly be misled by materialism regarding the so-called return of Christ. Especially in times when there was, to a lesser extent, a transitional period—a time when the groundwork was being laid for what has now reached its peak as materialistic thinking—it was proclaimed, for example, in wide circles of France that a Messiah would appear in the year 1137. A Messiah did indeed appear at that time, but he misled people because faith in him had sprung from materialistic thinking—because people believed the Messiah had to appear in the flesh. Thirty years earlier, another Messiah appeared in Spain; there, too, it had been prophetically foretold that a Messiah would appear in the flesh. And around the same time, another new Messiah appeared in North Africa. There, too, it had been prophesied that he would come from the East and appear in the flesh. And throughout the entire period in which the materialistic mindset prepared itself by appropriating the highest spiritual realities, such prophetic predictions—which are certainly familiar to anyone who understands the times—continued to appear right up into the 17th century, when it was widely preached that a kind of Christ, a Messiah, would appear. This, in turn, found credence among people’s materialistic religious mindset. Consequently, based on this prophecy, a false Messiah was able to appear in Smyrna in 1667, bearing the name Shabbatai Zevi. At that time, he wrote epistles and letters from Smyrna that shook the world, even though they were nothing but deceptive things—because they were conceived in a materialistic sense—just as the letters of Paul had once shaken the world. In the 17th century, the news spread from Smyrna: A Messiah in the flesh lives there! — And Shabbatai Zevi, the “Righteous One of God,” was held in such high regard that people said the entire chronology of the world would now take on a completely different form: He would travel through the world with his faithful followers, and all who wished to see the truth—all who wished to see the Christ in the flesh—were to believe in him! — It was preached to them that his physical birthday must be celebrated as the greatest festival of humanity and the earth! Whole multitudes of people made pilgrimages there, not only from Asia and Africa, but also from Poland, Russia, Spain, France, and so on. Entire trains of pilgrims traveled to Smyrna to see Shabbatai Zevi, who appeared as Christ in the flesh, until the matter took on too great a scale and Shabbatai Zevi was imprisoned by the sultan. Then the people said: “This is merely the fulfillment of a prophecy, for it has been foretold that he would spend nine months in captivity.” — Then the sultan saw no other recourse but to have Shabbatai Zevi stripped naked and stand before him, saying: “I will test you to see if you are truly a Messiah, a Christ in the flesh; I will have you shot!” — And then Shabbatai Zevi finally confessed that he was only an ordinary rabbi.

[ 33 ] Solche Versuchungen gehen hervor aus dem materialistischen Sinn unserer Zeit. Und dergleichen wird wiederkommen, denn den materialistischen Sinn werden die Menschen benutzen. Es wird oft und oft in den nächsten Jahrzehnten gesagt werden, was jetzt ausgesprochen worden ist, daß sich die menschlichen Fähigkeiten bis zum ätherischen Anblick des Christus hinaufentwickeln werden, an dessen Realität die Menschen dann ebenso sicher glauben können, wie Paulus selbst daran geglaubt hat! Das ist die nächste Zukunft der Menschheit, zu der heute die Geisteswissenschaft die Menschen vorbereiten soll. Aber es wird durch den materialistischen Sinn der Menschen auch die Zeit der starken Versuchung kommen, wo falsche Messiasse wieder erscheinen werden im Fleische. Dann wird es sich zeigen, ob die Theosophen die Theosophie richtig verstanden haben werden! Die sie nicht richtig verstanden haben, die werden vom materialistischen Sinn so durchkränkelt sein, daß sie der Versuchung verfallen werden. Trotzdem sie an den Christus glauben, werden sie an einen Christus im Fleische glauben. Die aber, welche Verständnis für wirkliches geistiges Leben gewonnen haben, die werden verstehen, daß das «Wiederkommen des Christus» in unserem Jahrhundert, als das größte Ereignis, bedeutet: Der Christus kommt zu den Menschen im Geiste, weil die Menschen durch ihre Entwickelung zum Geistigen hin sich bis zum Christus entwickelt haben! Und dadurch erfährt in unserem Jahrhundert die Bergpredigt eine völlige Modifikation. Alles wird sozusagen neugestaltet werden. Gotterfüllt oder selig werden die sein, die durch ihr Betteln um Geist in den verflossenen Inkarnationen so weit gekommen sein werden, daß sie hinaufgestiegen sein werden in jene Region der Reiche der Himmel, wo ihnen der Christus vor das geistige Auge tritt!

[ 33 ] Such temptations arise from the materialistic mindset of our time. And such things will return, for people will continue to rely on that materialistic mindset. It will be said time and again in the coming decades—as has now been stated—that human faculties will evolve to the point of etheric vision of the Christ, in whose reality people will then be able to believe just as surely as Paul himself believed in it! This is the near future of humanity, for which spiritual science is meant to prepare people today. But because of people’s materialistic mindset, a time of great temptation will also come, when false messiahs will reappear in the flesh. Then it will become clear whether the theosophists have truly understood theosophy! Those who have not understood it correctly will be so corrupted by the materialistic mindset that they will succumb to temptation. Even though they believe in Christ, they will believe in a Christ in the flesh. But those who have gained an understanding of true spiritual life will realize that the “Second Coming of Christ” in our century, as the greatest event, means this: Christ comes to humanity in the Spirit, because humanity, through its development toward the spiritual, has evolved to the level of Christ! And through this, the Sermon on the Mount will undergo a complete transformation in our century. Everything will, so to speak, be reshaped. Those who, through their seeking of the Spirit in past incarnations, have progressed so far that they have ascended into that region of the heavenly realms where Christ appears before their spiritual eyes will be filled with God or blessed!

[ 34 ] So könnte jeder einzelne Satz der Bergpredigt in seiner neuen Gestalt in diesem Sinne wiedergegeben werden. Das Christentum wird nur seine Urkunden wiedererobern können, wenn man es lebendig erfaßt, wenn man weiß, daß es kein Totes, sondern ein Lebendiges ist. In jener Zeit — und es ist unsere Zeit —, in der sozusagen die materialistische Forschung dem Menschen das Evangelium und die Überlieferung von dem Christus nimmt, wird, das ist oft betont worden, die geistige Forschung die Evangelien den Menschen wiedergeben. Das ist ein Zusammentreffen, das nicht zufällig, sondern notwendig ist. Mögen in unserer Zeit, weil ihr materialistischer Sinn, der bis ins höchste gestiegen ist, an eine Krisis gekommen ist, immerhin gewisse arme Menschen auftreten, die aus einer irregeleiteten Philosophie zu der sonderbaren Anschauung kommen können, daß es Wirkungen ohne Ursachen gibt, daß es keinen historischen Christus Jesus gegeben hat; das ist etwas, was dem Anthroposophen begreiflich sein soll. Er soll mit einem gewissen Mitleid sogar zu blicken wissen auf jene armen Menschen, die trotz ihrer Philosophie so in den materialistischen Sinn hineinverstrickt sind, daß sie sich überhaupt die Fähigkeit abgewöhnt haben, den Geist zu ahnen und daher immerfort dem Satz, den sie sonst immer zugeben, ins Gesicht schlagen: Es gibt keine Wirkung ohne Ursache. Das Christentum als Wirkung kann nicht da sein ohne Ursache! Anthroposophie wird es sein, die den Menschen aus der Geistesforschung heraus den Christus in jener Gestalt, in der er lebendig ist, lehren wird, wenn diese Menschen diesen Lehren nur Verständnis entgegenbringen wollen, Verständnis selbst so weit, daß man klar erkennt: Der Christus wird wiederkommen, aber in einer höheren Realität, als die physische ist, in einer solchen Realität, zu der man nur wird aufschauen können, wenn man sich erst den Sinn und das Verständnis für das geistige Leben wird erworben haben.

[ 34 ] In this sense, every single sentence of the Sermon on the Mount could be rendered in its new form. Christianity will only be able to reclaim its original texts if it is understood as something alive, if we recognize that it is not something dead but something living. In that time—and it is our time—when, so to speak, materialistic research is taking the Gospel and the tradition of Christ away from humanity, spiritual research, as has often been emphasized, will restore the Gospels to humanity. This is a convergence that is not accidental but necessary. Even if, in our time—because its materialistic mindset, having risen to the highest levels, has reached a crisis—certain poor souls may appear who, out of a misguided philosophy, arrive at the strange view that there are effects without causes, that there was no historical Jesus Christ; this is something the anthroposophist should be able to understand. He should even be able to look upon those poor people with a certain compassion—people who, despite their philosophy, are so entangled in materialistic thinking that they have completely lost the ability to sense the spirit and thus constantly contradict the very principle they otherwise always acknowledge: There is no effect without a cause. Christianity, as an effect, cannot exist without a cause! It will be anthroposophy that, through spiritual research, will teach people about the Christ in the form in which he lives—provided these people are willing to show understanding for these teachings, an understanding that goes so far as to clearly recognize: Christ will return, but in a reality higher than the physical one—a reality toward which one will be able to look up only after first having acquired the sense and understanding of spiritual life.

[ 35 ] Schreiben Sie sich in Ihr Herz, was Anthroposophie sein soll: eine Vorbereitung für die große Epoche der Menschheit, die uns bevorsteht. Lassen Sie es sich dabei nicht als etwas Wesentliches erscheinen, ob die Seelen, die heute hier verkörpert sind, dann noch im physischen Leibe verkörpert sein werden, wenn der Christus in der geschilderten Weise wiederkommt, oder ob sie bereits durch die Pforte des Todes gegangen sind und in jenem Leben stehen, das zwischen Tod und der neuen Geburt abläuft. Denn was im 20. Jahrhundert geschieht, hat eine Bedeutung nicht nur für die physische Welt, sondern für alle Welten, mit denen der Mensch in Beziehung steht. Und ebenso wie die Menschen, die verkörpert sein werden zwischen den Jahren 1930 und 1950, erleben werden das Hinaufschauen zu dem ätherischen Christus, ebenso wird ein gewaltiger Umschwung eintreten in der Welt, in der der Mensch lebt zwischen Tod und Geburt. Gerade so wie der Christus nach dem Mysterium von Golgatha heruntergestiegen ist in die Reiche der Unterwelt, so gehen die Wirkungen der Ereignisse, die in unserer Zeit geschehen für die Bewohner des physischen Planes, hinauf in die geistigen Welten. Und den Menschen, die sich nicht durch Geisteswissenschaft vorbereiten werden auf das große Ereignis, denen entgeht in jener Zeit das Gewaltige, das sich auch vollziehen wird in den geistigen Welten, in denen der Mensch dann lebt. Diese Menschen müssen dann warten bis zu einer neuen Verkörperung, um dann auf der Erde zu erfahren, was sie fähig macht, den neuen Christus-Impuls zu empfangen. Denn zu allen Christus-Impulsen, wenn sie uns auch noch so hoch hinauftragen, müssen wir uns die Fähigkeit erringen auf dem physischen Plan. Nicht umsonst ist der Mensch so in die physische Welt hinunterversetzt worden: Hier müssen wir uns das aneignen, was zum Verständnis des Christus-Impulses führt! Für alle Seelen, die leben, ist Geistesforschung die Vorbereitung auf das Christus-Ereignis, das uns in der nächsten Zukunft bevorsteht. Diese Vorbereitung ist notwendig. Und auf dieses Christus-Ereignis werden in den Vorgängen der Menschheitsentwickelung andere folgen. Daher wird es gerade ein wichtiges Versäumnis sein für die Menschen, die sich nicht zu dem Christus-Ereignis erheben wollen in unserem Jahrhundert, wo sie dazu Gelegenheit haben.

[ 35 ] Take to heart what anthroposophy is meant to be: a preparation for the great epoch of humanity that lies ahead of us. Do not regard it as essential whether the souls incarnated here today will still be incarnated in physical bodies when Christ returns in the manner described, or whether they will have already passed through the gate of death and be in that life that unfolds between death and the new birth. For what is happening in the 20th century has significance not only for the physical world, but for all the worlds with which human beings are connected. And just as the people who will be incarnated between the years 1930 and 1950 will experience the act of looking up to the etheric Christ, so too will a tremendous upheaval occur in the world in which human beings live between death and birth. Just as Christ descended into the realms of the underworld after the Mystery of Golgotha, so do the effects of the events taking place in our time—for the inhabitants of the physical plane—ascend into the spiritual worlds. And those who do not prepare themselves through spiritual science for the great event will, at that time, miss the tremendous transformation that will also take place in the spiritual worlds where humanity will then dwell. These people will then have to wait until a new incarnation to experience on Earth what will enable them to receive the new Christ impulse. For all Christ impulses—no matter how high they may carry us—we must earn the ability to receive them on the physical plane. It is not for nothing that human beings have been sent down into the physical world: here we must acquire what leads to an understanding of the Christ impulse! For all living souls, spiritual research is the preparation for the Christ Event that lies ahead of us in the near future. This preparation is necessary. And in the course of human development, other events will follow this Christ Event. Therefore, it will be a particularly grave omission on the part of those who do not wish to rise to the Christ Event in our century, when they have the opportunity to do so.

[ 36 ] Wenn wir so die Geisteswissenschaft betrachten und uns in die Seele schreiben, dann erst fühlen wir, was sie jeder einzelnen Menschenseele ist, und was sie sein soll der gesamten Menschheit.

[ 36 ] When we look at spiritual science in this way and let it sink into our souls, only then do we feel what it means for each individual human soul and what it is meant to be for all of humanity.