Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125

2 June 1910, Copenhagen

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Paths and Goals of Spiritual Man, tr. SOL
  1. Wege und Ziele des geistigen Menschen, 2nd ed.

3. Wege Und Ziele Des Geistigen Menschen I

3. The Paths and Goals of Spiritual Man I

[ 1 ] In diesen drei Tagen soll ein bestimmtes "Thema behandelt werden. Es soll über die Wege gesprochen werden, welche die Seele des Menschen in der Gegenwart nehmen kann im Sinne geisteswissenschaftlicher Weltanschauung, über die Ziele des theosophischen Lebens. Dazu wird im heutigen Vortrag eine Art Einleitung gegeben werden. Morgen und übermorgen wollen wir dann in das eigentliche Innere unserer Betrachtung eindringen. Heute wollen wir sozusagen den Standpunkt mehr von außen her einnehmen und uns zunächst einmal die Fragen vorlegen: Ist dasjenige, was wir als geisteswissenschaftliche Weltauffassung empfinden, etwas, was durch das Belieben einzelner Persönlichkeiten herbeigeführt worden ist, oder liegt es in der Zeitenseele selbst begründet? Haben wir etwas vor uns, was mit den tiefsten Bedürfnissen unserer Epoche zusammenhängt? — Am besten kommen wir der Beantwortung dieser Fragen nahe, wenn wir uns klar sind, daß alle diejenigen, welche aus den verschiedensten Lebensberufen zur Geisteswissenschaft kommen, ob reich oder arm, ob stark oder schwach, suchende Seelen sind. Alle sind sie suchende Seelen, welche nicht immer genau wissen, was sie suchen, aber empfinden, daß sie etwas suchen. Seelen sind es oftmals, welche die verschiedensten Wege gegangen sind und dasjenige auf sich haben wirken lassen, was die Gegenwart geben kann. Seelen, welche gesucht haben, ihre Sehnsuchten auf diesem oder jenem Gebiete der Kunst zu befriedigen, Seelen, die sich in dem umgesehen haben, was Wissenschaft geben kann; Seelen, welche mehr oder weniger dunkel, mehr oder weniger hell nach manchem mühevollem Suchen gefühlt haben, daß sie nicht in der Gegenwart finden können, was mit dem Suchen der Seele zusammentrifft. Solche Seelen werden vielfach durch das berührt, was die geisteswissenschaftliche Bewegung geben kann, und sagen: Ja, hier lebt ein Impuls, der anders ist als sonstwo, anders, als was aus dem Leben um mich herum stammt.

[ 1 ] Over the course of these three days, we will address a specific “theme.” We will discuss the paths that the human soul can take in the present, as understood from the perspective of a spiritual-scientific worldview, and the goals of the theosophical life. Today’s lecture will serve as a kind of introduction to this. Tomorrow and the day after, we will then delve into the very heart of our consideration. Today, we will, so to speak, take a more external perspective and first ask ourselves the following questions: Is what we perceive as a spiritual-scientific worldview something that has been brought about by the whims of individual personalities, or is it rooted in the soul of the age itself? Are we dealing with something that is connected to the deepest needs of our era? — We come closest to answering these questions when we realize that all those who come to spiritual science from the most diverse walks of life—whether rich or poor, strong or weak—are seeking souls. They are all seeking souls who do not always know exactly what they are seeking, but feel that they are seeking something. They are often souls who have walked the most diverse paths and have allowed upon themselves the influence of what the present can offer. Souls who have sought to satisfy their longings in this or that field of art; souls who have looked around at what science can offer; souls who, after much laborious searching, have felt—more or less dimly, more or less clearly—that they cannot find in the present what corresponds to the soul’s search. Such souls are often touched by what the spiritual science movement has to offer, and say: Yes, here lives an impulse that is different from anywhere else, different from what comes from the life around me.

[ 2 ] Was empfinden solche Seelen, oder was könnten sie empfinden, wenn sie mit dem in Berührung kommen, was man heute Theosophie nennen kann? Wir dürfen nicht glauben, daß diese suchenden Seelen, welche den Weg zur Geisteswissenschaft finden, die einzigen sind, welche suchen. Sie sind gewählt oder sie wählen sich selbst aus einer großen Schar von suchenden Seelen. Wer auf das hinhört, was aus dem tiefsten Bedürfnis unserer Zeit gesprochen wird, wird sehen, daß es viele Seelen gibt, welche sagen: Wir lechzen nach Mitteln, die großen Welträtsel gelöst zu erhalten, und wir können nicht finden, daß alles das, was die Überlieferung gebracht hat, alles das, was die moderne Wissenschaft zu sagen hat, diese Rätsel lösen können.

[ 2 ] What do such souls feel, or what might they feel, when they come into contact with what we might call theosophy today? We must not believe that these seeking souls, who find their way to spiritual science, are the only ones who seek. They are chosen, or they choose themselves from a great multitude of seeking souls. Anyone who listens to what is spoken from the deepest need of our time will see that there are many souls who say: We yearn for means to have the great mysteries of the world solved, and we cannot find that all that tradition has brought, all that modern science has to say, can solve these mysteries.

[ 3 ] Hören wir einen Augenblick dem zu, was diese Seelen, die besten unter ihnen zu sagen haben. Ungefähr folgendes sagen sie, und mit diesen Worten, die aus hunderttausenden solcher suchenden Seelen herausströmen, treffen wir etwas wie das sehnende Herz unserer Zeit: Wir blicken zurück in ferne Zeiten und sehen, wie von Jahrhunderten zu Jahrhunderten, von Jahrtausenden zu Jahrtausenden einander gefolgt sind die verschiedenen Vorstellungen über Gott und Natur, wie sie sich abgelöst haben und zum Kampf geführt haben zwischen ihren Vertretern. Vieles ist bis auf uns gekommen, Millionen von Menschen bekennen sich zu solchen Vorstellungen, hängen ihnen in aufrichtigem Wahrheitsgefühl an, aber ebensoviele können aus solchem Wahrheitsgefühl heraus sich nicht mehr zu dem bekennen, was überliefert ist, fühlen sich aus Liebe zur Wahrheit gezwungen, die alten Anschauungen fahren zu lassen.

[ 3 ] Let us listen for a moment to what these souls—the best among them—have to say. They say something like this, and in these words, which flow from hundreds of thousands of such searching souls, we encounter something like the yearning heart of our time: We look back to distant times and see how, from century to century, from millennium to millennium, various conceptions of God and nature have followed one another, how they have succeeded one another and led to conflict between their proponents. Much has come down to us; millions of people profess such ideas, clinging to them with a sincere sense of truth, but just as many, out of that same sense of truth, can no longer profess what has been handed down, feeling compelled by their love of truth to let go of the old views.

[ 4 ] Wie war es in grauer Vorzeit? Da blickten zum Beispiel die Menschen auf den Strom, der von der Höhe zu den Ebenen ging, sahen auf die segensreiche Wirkung dieses Stromes und fragten sich: Was spricht zu uns aus dem Brausen dieses Stromes? Was ist es, was in diesem Strome wirkt? — Und sie fanden darin etwas, was sie auch in sich selber fanden. Sie fanden, daß ihm zugrunde liegt ein geistiges Etwas, ein göttliches Wesen, fanden im fließenden Strom eine göttlich-geistige Macht, welche belohnte, welche dem Menschen zuführte, was er brauchte zu seinem Wohle. In dem Wehen des Windes, in dem Rollen des Donners, in dem Zucken der Blitze fanden sie eine geistige Wirksamkeit gleich derjenigen, welche dem Fließen des Stromes, dem Rauschen der Meeresbrandung zugrunde liegt. Sie sahen darin etwas, wovon sie sagten: Verwandt mit dem, was in meiner Seele lebt, ist das Murmeln des Baches, das Toben des Sturmes. Mögen sie auch anders sprechen, es ist doch etwas Ähnliches da, und ich fühle, daß ich das verstehen kann.

[ 4 ] What was it like in ancient times? For example, people would look at the river flowing down from the heights to the plains, observe the beneficial effects of this river, and ask themselves: What is speaking to us through the roar of this river? What is it that works within this river? — And they found in it something they also found within themselves. They found that underlying it was a spiritual something, a divine being; they found in the flowing river a divine-spiritual power that rewarded, that provided humanity with what it needed for its well-being. In the blowing of the wind, in the rolling of the thunder, in the flashing of the lightning, they found a spiritual power similar to that which underlies the flow of the stream, the roar of the ocean surf. They saw in it something of which they said: Related to what lives in my soul is the murmur of the brook, the raging of the storm. Even if they speak differently, there is still something similar there, and I feel that I can understand it.

[ 5 ] So ähnlich fühlten die, welchen Moses die Tafeln des Gesetzes herunterbrachte. Sie fühlten, daß daraus ein Wesen zu ihnen sprach, unendlich größer als der Vater einer Familie, aber verwandt war dennoch das, was aus dem Donner und was aus dem ehrwürdigen Haupt der Familie sprach. Den Geist fühlten sie durch. Ein lebendiges Band empfanden sie zwischen dem, was in ihnen lebte als Schmerz und Freude, und der Außenwelt. Ein Band, das dieser Mensch der Vorzeit verstehen konnte.

[ 5 ] Those to whom Moses brought down the tablets of the law felt something similar. They sensed that a being was speaking to them from them, infinitely greater than the head of a family, yet there was a kinship between what spoke from the thunder and what spoke from the venerable head of the family. They felt the Spirit deeply. They sensed a living bond between what lived within them as pain and joy, and the outside world. A bond that this man of ancient times could understand.

[ 6 ] So sprechen die Besten. Und gehen Sie da hin, wo ernste Wissenschaft spricht, nicht triviale Oberflächlichkeit, dann können Sie folgendes hören: Unsere Vorfahren haben zu geistigen Mächten aufgeschaut. Nicht nur haben sie rieselndes Wasser, wehenden Wind, Feuer des Blitzes geschaut. In diesen Naturmächten haben sie geistige Wesenheiten gesehen, Gnomen, Undinen, Sylphen, Salamander. Wie wir auch über diese Menschen denken mögen, Verständnis gewannen sie bei ihren Zeitgenossen, jene Menschen, welche hineindichteten in die Außenwelt ihren Glauben, aus dem sie Kraft und Festigkeit schöpften.

[ 6 ] This is how the best among us speak. And if you go where serious science speaks—not trivial superficiality—then you will hear the following: Our ancestors looked up to spiritual powers. They did not merely observe trickling water, blowing wind, or the fire of lightning. In these forces of nature, they saw spiritual beings: gnomes, undines, sylphs, and salamanders. Whatever we may think of these people, they found understanding among their contemporaries—those who wove their beliefs into the external world, drawing strength and steadfastness from them.

[ 7 ] Und nun fügen die besten dieser suchenden Seelen hinzu: Wir können nicht mehr an Gnomen, Undinen, Sylphen, Salamander, an geistige Wesen der Natur glauben. Denn man hat uns gelehrt, daß eherne Gesetze bis ins kleinste Atom wirken. Und als einen Aufbau davon müssen wir uns die äußere Welt denken. Nicht mehr können wir sie beleben, so wie unsere Vorfahren sie belebt haben, können nicht mehr Opferzeremonien und Kulthandlungen entfalten, welche unsere Stimmen hinaufschicken, können nicht mehr sagen, wenn Schmerz uns durchwühlt: Tröste dich, denn das Leben in der geistigen Welt wird dir desto mehr Trost geben. — Und eine große Anzahl von Menschen sagt: Unsere ganze Welt ist anders geworden. Man baut nicht mehr auf solches, worauf früher gebaut wurde. Wenn früher einem Menschen zum Beispiel ein rostiges Eisen in den Arm eingetrieben worden wäre, hätte er bei geistigen Wesen Trost gesucht. Heute tun wir besser, zum Arzt zu gehen und Mittel der äußeren Medizin zu benutzen. Damit behandeln wir heute, was früher behandelt worden ist mit dem, was in der Seele lebt.

[ 7 ] And now the best of these searching souls add: We can no longer believe in gnomes, undines, sylphs, salamanders, or the spiritual beings of nature. For we have been taught that ironclad laws govern even the smallest atom. And we must conceive of the external world as a manifestation of these laws. We can no longer bring them to life as our ancestors did; we can no longer perform sacrificial ceremonies and ritual acts that send our voices upward; we can no longer say, when pain tears us apart: Take comfort, for life in the spiritual world will give you all the more comfort. — And a great many people say: Our whole world has changed. We no longer rely on what we once relied upon. If, for example, a rusty piece of iron had been driven into a person’s arm in the past, they would have sought comfort from spiritual beings. Today we do better to go to the doctor and use the means of external medicine. Thus we treat today what was once treated with what lives in the soul.

[ 8 ] Dem wird entgegengehalten: Aber ohne den Glauben an einen Geist können wir nicht sein, wir können nicht ohne ihn auskommen. Ein Geist waltet in allen Gesetzen, wirkt im Donner wie im Atom. — Und es braucht nur jemand über die ärgsten Trivialitäten des Materialismus hinaus zu sein, um sich dieser Einsicht nicht verschließen zu können. Wenn so von suchenden Seelen das Wort Geist ausgesprochen wird, was ist damit gemeint? Was ist Geist? Wo hat er seine Wurzeln? Wie kommt der Mensch dazu, sich eine Vorstellung von Geist zu machen?

[ 8 ] The counterargument is: But we cannot exist without faith in a spirit; we cannot do without it. A spirit reigns in all laws, working in thunder as well as in the atom. — And one need only rise above the worst trivialities of materialism to be unable to close one’s mind to this insight. When the word “spirit” is uttered by such searching souls, what is meant by it? What is spirit? Where does it have its roots? How does a person come to form a conception of spirit?

[ 9 ] Eine sonderbare Anschauung wird heute verbreitet. In Amerika wird von einer neuen Religion gesprochen. Diese will nur einen Gott anerkennen, der in den Naturgesetzen wirkt, bis ins Atom hinein. Einen Gott, der Menschengestalt hat, kann sich heute kein Mensch denken - sagt der Vertreter dieser Lehre, aber ohne göttlichen Geist können wir nicht auskommen. Und so kommt diese Persönlichkeit zu einem merkwürdigen Ausspruch: Gesetze der Chemie genügen nicht. Wo aber den Inhalt für eine Vorstellung Gottes hernehmen? — Und so hören wir folgendes: Wir müssen uns den Geist, der in den Naturgesetzen waltet, so denken, daß er mit den edelsten Eigenschaften der menschlichen Seele ausgestattet ist. — Man ist also nicht bereit, sich einen Gott vorzustellen, der mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet ist, aber man möchte doch etwas haben, was dieser Gottesidee einen Inhalt gibt.

[ 9 ] A strange idea is being spread today. In America, people speak of a new religion. This religion seeks to recognize only a God who works through the laws of nature, down to the atomic level. No one today can conceive of a God in human form—says the proponent of this doctrine—but we cannot do without the divine spirit. And so this figure arrives at a curious statement: The laws of chemistry are not enough. But where, then, is the substance for a conception of God to be found? — And so we hear the following: We must conceive of the Spirit that reigns in the laws of nature as being endowed with the noblest qualities of the human soul. — People are thus not prepared to imagine a God endowed with human qualities, yet they still wish to have something that gives substance to this idea of God.

[ 10 ] Und hier haben wir das Resultat: Wir können gar nicht anders, wir können nicht anderswoher den Inhalt der Gottesvorstellung nehmen als aus dem Menschen heraus. — Und weiter macht der Vertreter dieser Weltanschauung darauf aufmerksam, daß in früheren Zeiten göttliche Wesenheiten verehrt wurden, die Inspiratoren waren, die den Menschen mit ihrer Kraft erfüllten und zu einer Aufgabe hindrängten. Jetzt können wir natürlich nicht mehr glauben, daß es übersinnliche Wesenheiten gibt, die als Inspiratoren wirken. Die Zukunft aber wird vorgeschrittene Helfer verehren, reichere Geister, die den ärmeren etwas zu geben haben.

[ 10 ] And here is the result: We have no choice; we cannot derive the content of our conception of God from anywhere other than from within human beings. — And the proponent of this worldview goes on to point out that in earlier times, divine beings were worshipped who served as inspirers, filling people with their power and urging them toward a task. Now, of course, we can no longer believe that there are supernatural beings who act as inspirers. The future, however, will revere advanced helpers, richer spirits who have something to give to the less fortunate.

[ 11 ] Sie sehen, anstelle des Früheren werden dennoch Gefühle hingesetzt, welche sich an diejenigen klammern, die Trost geben können. Nach jedem Erdbeben zum Beispiel wird es solche geben, welche den vielen Trost geben, die ihre Nächsten verloren haben. Menschliche Liebe wird es geben, wenn es nicht mehr die übersinnlichen Helfer gibt.

[ 11 ] As you can see, feelings are still being placed in the place of what came before, feelings that cling to those who can offer comfort. After every earthquake, for example, there will be those who offer comfort to the many who have lost their loved ones. Human love will exist even when the supernatural helpers are no longer there.

[ 12 ] Merken Sie nicht, daß auch hier ein sonderbarer Widerspruch vorliegt? Wir sollen auf diejenigen hinblicken, die Trost spenden. Aber wo nehmen denn diese das in ihrer Seele her, was sie brauchen, damit sie Trost und Liebe spenden können? So finden wir bei den Besten, daß zwar gesucht wird, aber daß die Seele sich vor ein Leeres gestellt fühlen muß.

[ 12 ] Don’t you notice that there is a strange contradiction here as well? We are told to look to those who offer comfort. But where do they find within their own souls what they need to be able to offer comfort and love? Thus, even among the best of people, we find that while they seek, their souls must feel confronted with a void.

[ 13 ] Und wie ist es mit der Wissenschaft? Wird dort Trost gefunden in dem, was uns die Wissenschaft gebracht hat? Wir wollen voll anerkennen die segensreichen Wirkungen der Wissenschaft, aber eines dürfen wir nicht vergessen. Wieviel von den rein physischen Schmerzen, welche der Mensch seit der Vorzeit auszustehen hatte, werden denn gelindert? Kräftiger und gesünder ist die Menschheit seither sicher nicht geworden. Gewiß, es gibt viele Mittel, welche lindern. Aber auf einen Widerspruch muß hier aufmerksam gemacht werden. Die äußere Wissenschaft glaubt, daß nichts verlorengehen kann. Zum Beispiel beim Reiben wird die Kraft als Wärme wirksam. Was verschwindet, tritt wieder als andere Kraft auf. Anästhetische Mittel lindern den Schmerz, und die Menschen reden, als ob der Schmerz verschwunden wäre. Hier liegt ein Widerspruch mit jenem einfachen Gesetz vor. Verschwindet der Schmerz, so tritt er doch an einer anderen Stelle auf. Man lindere noch so viele äußere Schmerzen, sie verwandeln sich in Seelenschmerzen. Und der Mensch weiß nicht, daß solches mit der Linderung von äußeren Schmerzen zusammenhängt. Das hindert nicht, daß wir dennoch tun sollen, was sich unserer Einsicht zur Beseitigung des äußern Schmerzes aufdrängt, aber die Zusammenhänge müssen wir erkennen lernen und uns auf geistigem Gebiet nicht Illusionen hingeben.

[ 13 ] And what about science? Can we find comfort in what science has brought us? We want to fully acknowledge the beneficial effects of science, but there is one thing we must not forget. How much of the purely physical pain that humans have had to endure since ancient times has actually been alleviated? Humanity has certainly not become stronger or healthier since then. Certainly, there are many remedies that provide relief. But attention must be drawn to a contradiction here. External science believes that nothing can be lost. For example, when friction occurs, energy is converted into heat. What disappears reappears as a different form of energy. Anesthetics alleviate pain, and people speak as if the pain had vanished. Here lies a contradiction with that simple law. If the pain disappears, it reappears in another place. No matter how much we alleviate external pain, it transforms into spiritual pain. And people do not realize that this is connected to the alleviation of external pain. This does not prevent us from doing what our insight dictates to eliminate external pain, but we must learn to recognize these connections and not succumb to illusions in the spiritual realm.

[ 14 ] Sie ahnen nicht, die suchenden Seelen, daß der Mensch, der heute in das äußere Leben hineingestellt ist, zum Beispiel in das machtvoll sich entwickelnde Gebiet der Industrie, der Technik, wohl hingerissen werden kann von dem, was sich seinen Augen darbietet. Aber diejenigen, die tiefer hineinschauen, wissen: Dieser Rausch, dieser Enthusiasmus ist mit etwas zu bezahlen. — Sie wissen, daß die Seelen immer öder und öder werden, immer weniger die Antwort auf die Rätsel des Daseins fühlen. Gewiß sollen wir in alle Gebiete hineintragen, was äußeres Leid lindern kann, aber wir sollen nicht vergessen, daß wir, auch wenn wir die äußere Physis sättigen, die Seele immer mehr verhungern lassen können, der Seele durch ungestillte Sehnsucht immer mehr Leid zufügen. Das ist die Stimmung, die denjenigen überkommt, der nicht nur liebend in das Menschengetriebe hineinblickt, sondern der den Gang überschaut, den die Zukunft nimmt.

[ 14 ] The searching souls have no idea that a person who is immersed in the outer world today—for example, in the rapidly developing fields of industry and technology—can easily be swept away by what presents itself to their eyes. But those who look more deeply know: this intoxication, this enthusiasm, comes at a price. — They know that souls are becoming ever more barren, ever less able to sense the answer to the riddles of existence. Certainly, we should bring into all spheres whatever can alleviate external suffering, but we must not forget that, even as we satisfy the physical body, we may cause the soul to starve more and more, inflicting ever greater suffering upon the soul through unfulfilled longing. This is the mood that overtakes those who not only look lovingly into the hustle and bustle of human life, but who also survey the course that the future is taking.

[ 15 ] Viel wird von Zielen geredet, die sich der Mensch setzen kann. Über dem Rausch, der seine Seele überkommt, wenn der Strudel des heutigen äußeren Lebens ihn erfaßt, merkt er nicht, daß diese Seele eine suchende bleiben muß. Und warum? Nur den tiefsten Untergrund allen Zwiespaltes im heutigen Empfinden wollen wir uns vor die Seele stellen. Wenn wir uns in den Finger schneiden und diesen mit den besten uns bekannten Mitteln wieder zur Heilung bringen, so wissen wir: Dieselben Naturgesetze walten in ihm wie im Umkreis. Wir sind herausgebildet aus der ganzen Natur, aus den Gesetzen, die um uns herum herrschen. Aber zugleich fühlen wir die Notwendigkeit, in uns noch etwas anderes zu sehen. Wir sehen, daß aus des Menschen Auge Geist blitzt, aus seiner Hand Geist spricht, aus seiner Stimme Geist ertönt. Und indem wir das erkennen, fühlen wir uns auch noch als Träger des Geistes. Zwar fühlen wir, daß wir aus der Umwelt heraus entstanden sind, aber nicht allein aus ihr. Was beherrscht diese Umwelt? Physische Gesetze, chemische Gesetze, das, was man heute als eherne Naturgesetze kennt. Das langt nicht hin, um den Geist zu erklären. Was Physik, Chemie, Biologie geben, reicht dazu nicht hin.

[ 15 ] Much is said about the goals that a person can set for themselves. In the frenzy that overtakes their soul when swept up in the whirlpool of modern external life, they fail to realize that this soul must remain a searching one. And why? Let us simply place before our souls the deepest foundation of all conflict in today’s sensibility. When we cut our finger and heal it using the best means at our disposal, we know: the same laws of nature govern it as they do the world around us. We are formed from the whole of nature, from the laws that reign around us. But at the same time, we feel the need to see something else within us. We see that spirit flashes from the human eye, that spirit speaks from the hand, that spirit resounds from the voice. And in recognizing this, we also feel ourselves to be bearers of the spirit. We do feel that we have emerged from the environment, but not solely from it. What governs this environment? Physical laws, chemical laws—what are known today as the iron laws of nature. That is not enough to explain the spirit. What physics, chemistry, and biology provide is not sufficient for this.

[ 16 ] Wo hat das seine Wurzel, was als Geist angesprochen werden kann? Darinnen ist er, in uns selbst, aber heimatlos, wurzellos. Die chemische Zusammensetzung des Blutes können wir begreifen, können genau den Verbrennungsprozeß erfassen, der in uns stattfindet, und alles das, was in der Außenwelt den physischen und chemischen Gesetzen unterliegt. Doch sobald wir die äußere Natur entgeistet sehen, ist alles wurzellos. Wir können nicht sagen: Wie das Blut den Gesetzen der Blutzirkulation unterliegt, ebenso folgt irgendein Geistiges den Gesetzen der Umwelt. Darin kann ein Geist nicht gefunden werden, so sagt sich die suchende und irrende Seele der Gegenwart. Von dorther kann mir nicht die Antwort kommen auf die Fragen, die mich quälen. Von woher wird sie mir kommen?

[ 16 ] Where does that which can be called the spirit have its roots? It is within us, yet homeless and rootless. We can understand the chemical composition of the blood, we can grasp precisely the metabolic process that takes place within us, and everything in the external world that is subject to physical and chemical laws. Yet as soon as we see external nature as devoid of spirit, everything is rootless. We cannot say: Just as blood is subject to the laws of blood circulation, so too does some spiritual entity follow the laws of the environment. No spirit can be found there, says the searching and erring soul of the present. From there, the answer to the questions that torment me cannot come to me. From where will it come to me?

[ 17 ] Nun sehen wir, wo das Übel liegt. Wir sehen, daß die Vorstellungen über die äußere Welt immer klarer werden. Aber nun will der Mensch mit seinem Geiste, mit seiner Seele in etwas wurzeln. Die Seele kann nicht anders, als das wollen. Sie kann nicht fliehen vor sich selbst in ein ödes physisch-chemisches Dasein. Da tritt nun der Zwiespalt ein. Die Seele hat das Bedürfnis, sich ein geistiges Wesen vorzustellen, aber nirgends in der äußeren Welt kann sie finden, was ihren heutigen Vorstellungen über ein geistiges Wesen entspricht. Daraus entsteht eine tiefe Unwahrheit. An Sylphen, Salamander, Undinen und Gnomen kann der heutige Mensch nicht glauben. Das aber, was ihm Befriedigung geben könnte, ist nicht vorhanden. Inhaltlos steht die Seele da.

[ 17 ] Now we see where the problem lies. We see that our conceptions of the external world are becoming ever clearer. But now the human being wants to take root in something with his spirit, with his soul. The soul cannot help but want this. It cannot flee from itself into a barren physical-chemical existence. This is where the conflict arises. The soul has a need to imagine a spiritual being, but nowhere in the external world can it find anything that corresponds to its present-day conceptions of a spiritual being. This gives rise to a profound untruth. Modern man cannot believe in sylphs, salamanders, undines, and gnomes. Yet that which could give him satisfaction does not exist. The soul stands there empty.

[ 18 ] Je tiefer das empfunden wird, desto unwahrer wird, wenn man nur von Geist redet. Entweder findet man Geist, oder man muß ihn künstlich hineinlegen. Es mag manchem so scheinen, als ob das eben Gesagte zuweit abliege vom täglichen Empfinden. Aber überall werden wir Seelen finden, deren Schmerz aus diesem Grunde herrührt. Diesem großen Suchen will das entgegenkommen, was die Geisteswissenschaft bringt. Ihr Bestreben will es sein, eine Brücke zu schlagen zwischen der Seele selbst und demjenigen, was draußen ist, sei es, daß die Seele dem Toben des Sturmes zuhört, oder den lieblichen Bewegungen der Meereswellen zuschaut. Der Mensch ist nicht mehr imstande, aus den Eigenschaften des Menschen heraus Götter zu idealisieren, die hinter Luft und Wasser wirksam sind. Verbieten muß man sich, anthropomorphisch ein Abbild von sich zu sehen in dem, was man als göttliche Wesenheit bezeichnet. Das ist die Erkenntnis der heutigen Zeit. Aber das andere ist die Ohnmacht der suchenden Seele. Von der einen Seite wird ihr gesagt: Wenn du einen Gott finden willst, darfst du ihn nicht mit menschlichen Eigenschaften ausgestalten. Andererseits ergibt sich als Resultat, daß wir nicht in der Lage sind, uns einen Ersatz zu schaffen. Weil diesen suchenden Seelen etwas fehlt, was diese wie selbstverständlich sich ergebende Tatsache rechtfertigen würde, stehen sie ratlos da. Wo finden sie den festen Grund, der ihnen Sicherheit gibt?

[ 18 ] The more deeply this is felt, the more untrue it becomes to speak only of the spirit. Either one finds the spirit, or one must artificially impose it. It may seem to some that what has just been said is too far removed from everyday experience. But everywhere we will find souls whose pain stems from this very reason. What spiritual science offers is intended to meet this great quest. Its aim is to build a bridge between the soul itself and that which lies outside, whether the soul is listening to the raging storm or watching the gentle movements of the ocean waves. Human beings are no longer able to idealize gods—who act behind air and water—based on human characteristics. We must refrain from seeing an anthropomorphic image of ourselves in what we call a divine being. That is the insight of our time. But the other aspect is the powerlessness of the seeking soul. On the one hand, it is said to them: If you want to find a God, you must not endow Him with human characteristics. On the other hand, the result is that we are unable to create a substitute for ourselves. Because these seeking souls lack something that would justify this fact, which arises as a matter of course, they stand there at a loss. Where will they find the firm ground that gives them security?

[ 19 ] Nur dadurch ist das möglich, daß der Mensch sich wieder das Recht erwirbt, Geistiges zu erforschen, daß er tiefer hineinblickt in sein Inneres. Dem früheren Menschen genügte weniger; dem heutigen genügt das Frühere nicht mehr. Die Geisteswissenschaft sagt dem heutigen Menschen: Du hast den falschen Weg eingeschlagen. Sind die Eigenschaften, die der Mensch bis jetzt gefunden hat, alle Eigenschaften? Gibt es nicht tiefere Untergründe? Finden wir nicht im Verborgenen etwas, wovon wir sagen können: Ja, dieses könnte verwandt sein mit dem, was ich als das Göttliche empfinde?

[ 19 ] This is only possible if human beings reclaim the right to explore the spiritual realm, if they look more deeply into their inner selves. People in the past were satisfied with less; people today are no longer satisfied with what came before. Spiritual science tells modern humanity: You have taken the wrong path. Are the qualities that humanity has discovered so far all there is? Are there not deeper foundations? Do we not find something hidden within that we can say: Yes, this could be related to what I perceive as the divine?

[ 20 ] Es muß etwas geben, was tiefer gegründet ist als alles, was der Mensch bis jetzt von sich erkannt hat, was ihm das Recht gibt, menschlich-seelische Eigenschaften auf Göttliches überzuführen. Wie aber den Weg zu den im eigenen Inneren verborgenen Untergründen finden?

[ 20 ] There must be something more deeply rooted than anything humans have yet come to know about themselves, something that gives them the right to elevate human-psychological qualities to the divine. But how can one find the path to the depths hidden within oneself?

[ 21 ] Da verweist uns die Geisteswissenschaft auf jene Wege, die früher nur wenige Menschen gegangen sind. Heute brauchen viele den Hinweis auf jene Wege. Zwei Wege gibt es; nämlich erstens den Weg der Mystik und zweitens den Weg des Okkultismus im wahren Sinne des Wortes.

[ 21 ] Here, spiritual science points us toward paths that few people have taken in the past. Today, many people need guidance toward these paths. There are two paths: first, the path of mysticism, and second, the path of occultism in the true sense of the word.

[ 22 ] Betrachten wir diese zwei Wege. Was ist der Weg der Mystik? Um das zu verstehen, brauchen wir uns nur einen gewissen Augenblick vor unsere Seele zu rücken. Sie alle wissen, daß wir in der Geisteswissenschaft davon sprechen, daß der Mensch im Schlaf nicht dasselbe Wesen ist wie im Wachen. Beim Einschlafen geht das Innere des Menschen heraus und beim Aufwachen steigt es wieder hinunter in den physischen Leib und den Ätherleib. Man beachtet im allgemeinen nicht, daß dabei noch etwas Besonderes vorgeht. Sehen wir je das, was hinuntersteigt, von innen? Es geht dann eine gewaltige Veränderung im Menschen vor. Im Augenblick, da er hinuntersteigt, sieht er seinen Ätherleib und seinen physischen Leib nicht von innen. Er würde sonst sehen, daß seine Leiblichkeit Illusion und Maja ist. Als gewöhnliche Menschen sehen wir die Umwelt und dasjenige von uns, was wir von außen ansehen können. Was in ihm wirkt und lebt, davon sieht der Mensch nichts. Er sieht nur das Äußere, das er auch an Steinen und Mineralien sieht. Denn abgelenkt wird sein Blick auf die äußere Welt, sobald er in seine niederen Leiber hineinsteigt. Diejenigen, welche ein bewußtes Aufwachen erstrebt haben, waren die Mystiker. Ein bewußtes Hinuntersteigen in den äußeren Menschen erlebten sie. All die Bilder des inneren Lebens, welche die Mystiker kennen, sind das, was der Mensch schauen kann, wenn er den Blick abwendet von der äußeren Welt, von dem, was sonst seinen Blick gefangen nimmt. Der Mystiker erlebt, was der Mensch ist, wenn er sich von innen anschaut. Da sieht er zum Beispiel nicht, wie das Blut umläuft, sondern er sieht, daß das Blut der Träger göttlichen Wirkens ist; er sieht, daß das Blut ein Schatten der geistigen Wirklichkeit ist. Das ist es, was der Mystiker erlebt: den geistigen Motor seines eigenen Wesens statt der äußeren Maja.

[ 22 ] Let us consider these two paths. What is the path of mysticism? To understand this, we need only bring a certain moment to mind. You all know that in spiritual science we speak of how a person is not the same being in sleep as in wakefulness. When falling asleep, the inner being leaves the person, and upon waking, it descends again into the physical body and the etheric body. People generally do not notice that something special is happening in the process. Do we ever see from within what descends? A tremendous change then takes place within the human being. At the moment it descends, the human being does not see their etheric body and physical body from within. Otherwise, they would see that their physicality is illusion and maya. As ordinary human beings, we see the environment and that part of ourselves which we can observe from the outside. Human beings see nothing of what works and lives within them. They see only the exterior, which they also see in stones and minerals. For their gaze is diverted to the outer world as soon as they descend into their lower bodies. Those who have strived for a conscious awakening were the mystics. They experienced a conscious descent into the outer human being. All the images of inner life known to the mystics are what a person can see when they turn their gaze away from the outer world, from what otherwise captures their attention. The mystic experiences what a human being is when he looks at himself from within. There he sees, for example, not how the blood circulates, but that the blood is the bearer of divine activity; he sees that the blood is a shadow of spiritual reality. This is what the mystic experiences: the spiritual motor of his own being instead of the outer Maya.

[ 23 ] Was uns die Mystiker erzählen, ist wahr. Hören wir, was sie berichten: Dieses Hinuntersteigen ist verknüpft mit dem, was wir Anfechtungen, Versuchungen nennen, Aufwachen selbstsüchtiger Triebe. Lesen Sie die Beschreibungen dessen, was die Seele an niederen Instinkten zu entfalten fähig ist. Wir müssen durch eine ganze Schichte hindurch von Leidenschaften, Begierden, selbstsüchtigen Regungen, deren wir uns kaum noch für fähig hielten. Das alles muß überwunden werden, wenn wir in die tiefen Schichten unseres eigenen Wesens hinunterdringen wollen. Daß unser Blick von unserem eigenen Inneren zunächst abgelenkt wird, ist weise eingerichtet, denn der Mensch ist nicht reif, bewußt in sein eigenes Inneres hinunterzusteigen. Bekämpfen muß er alles das, was sich in ihm aufbäumt, wenn er den Weg der Überwindung des eigenen Egoismus beschritten hat. Dann erst findet er den wahren Menschen, der im kleinsten Raum, im Ich-Punkt, zusammengezogen ist. Da erst sind wir ganz in uns selber, erkennen uns in Gut und Böse, sehen, was der Mensch wirklich ist, wenn er sich jenseits der Schicht befindet, die aus seinen Instinkten und Begierden gebildet ist, und wenn er alledem entwachsen ist, was ihm durch Erziehung und Konvention anerzogen worden ist. Durch diese Schicht müssen wir hindurch, wenn wir in unser Inneres dringen wollen.

[ 23 ] What the mystics tell us is true. Let us hear what they report: This descent is linked to what we call trials and temptations—the awakening of selfish impulses. Read the descriptions of what the soul is capable of unleashing in terms of base instincts. We must pass through a whole layer of passions, desires, and selfish impulses that we hardly thought ourselves capable of. All of this must be overcome if we wish to penetrate the deep layers of our own being. That our gaze is initially diverted from our own inner self is wisely arranged, for the human being is not yet ready to consciously descend into his own inner self. He must fight against everything that rebels within him once he has set out on the path of overcoming his own egoism. Only then does he find the true human being, who is concentrated in the smallest space, at the point of the self. Only then are we fully within ourselves, recognize ourselves in good and evil, and see what a human being truly is when he is beyond the layer formed by his instincts and desires, and when he has outgrown all that has been instilled in him through upbringing and convention. We must pass through this layer if we wish to penetrate our inner selves.

[ 24 ] Noch einen anderen Weg gibt es, um den Geist und uns selbst zu erkennen. Er ist nicht leicht zu betreten und vor den Unreifen geschützt, weil er ebenfalls seine Gefahren in sich schließt. Neben dem wichtigen Moment des Aufwachens gibt es noch den für die Betrachtung der menschlichen Wesenheit gleichfalls bedeutsamen Moment des Einschlafens. Betrachten wir ihn genauer. Im Moment des Einschlafens geht der Mensch in die geistige Welt über, in die Welt abseits der physischen Wirklichkeit. Sein Bewußtsein hört auf, es verlöscht. Der Normalmensch hat in bewußter Weise keine geistige Welt um sich. Wenn er unreif in die geistige Welt eindringen würde, so würde in ausgesprochenstem Maße für ihn geistig das geschehen, was in der physischen Welt Geblendetsein ist. Geblendet würde er durch den unmittelbaren Anblick des durch die äußere Welt ergossenen Geistigen werden.

[ 24 ] There is yet another way to come to know the spirit and ourselves. It is not an easy path to take and is protected from the immature, because it, too, harbors its own dangers. In addition to the important moment of waking, there is also the moment of falling asleep, which is equally significant for the contemplation of the human being. Let us examine it more closely. At the moment of falling asleep, the human being passes into the spiritual world, into the world beyond physical reality. Their consciousness ceases; it fades away. The average person has no spiritual world around them in a conscious sense. If they were to enter the spiritual world while still immature, what would happen to them spiritually would be, in the most extreme sense, what in the physical world is being dazzled. They would be dazzled by the immediate sight of the spiritual that pours forth through the outer world.

[ 25 ] Wiederum ist es nötig, den Menschen so stark zu machen, daß er von diesem durch die äußere Welt ergossenen Geist nicht geblendet werde. Das geschieht durch den okkulten Weg. Durch diesen findet er sein Ich, nicht im Engsten zusammengedrängt im eigenen Inneren, sondern über die ganze äußere Welt ergossen, eins mit dieser äußeren Welt. Das ist der okkulte Weg.

[ 25 ] Once again, it is necessary to make the human being strong enough not to be blinded by this spirit poured out through the external world. This is achieved through the occult path. Through this path, they find their Self, not confined within their own innermost being, but poured out over the entire outer world, one with this outer world. This is the occult path.

[ 26 ] Indem der Mensch beide Wege zu gehen lernt, den Weg der Mystik und den okkulten Weg, tritt ihm eine bedeutsame Tatsache vor das Auge. Laßt ihn den Punkt aufsuchen, wo er am meisten komprimiert, am meisten zusammengedrängt ist in seinem eigenen Inneren, und laßt ihn ergossen sein über die ganze Außenwelt, dann erlebt er zuletzt das eine Große, das Gewaltige. - Was du erlebst, wenn du in die Tiefen deines eigenen Selbst hinuntersteigst und wenn du dich ins Unendliche ergießt, ist dasselbe: Mystik und Okkultismus, sie gehen nach entgegengesetzten Richtungen, und sie führen zu demselben Ziel. Der Mensch entdeckt etwas, was in ihm geschlummert hat, was verzaubert ist in der Außenwelt, was gefunden werden kann im Tiefsten der eigenen Seele und draußen in der Welt der Erscheinungen. Er findet das, was als Geist hinter den Erscheinungen lebt, und er findet das Geistige in sich selber, wenn er sich mit dem mystischen Erkenntnisweg und mit dem okkulten Erkenntnisweg verbunden hat. Das ist dann die Brücke, durch welche der Abgrund überbrückt werden kann, vor dem die suchende Seele von heute steht, wenn sie erkennt, daß sie selbst etwas anderes ist als die Welt der Erscheinungen draußen und sich mit ihren Eigenschaften nicht verbinden kann mit dem, was sie draußen umgibt.

[ 26 ] As a person learns to walk both paths—the path of mysticism and the occult path—a significant truth comes into view. Let him seek out the point where he is most compressed, most constricted within his own inner self, and let him pour out over the entire outer world; then he will ultimately experience the one Great, the Mighty. - What you experience when you descend into the depths of your own self and when you pour yourself out into the infinite is the same: mysticism and occultism, they go in opposite directions, and they lead to the same goal. Humanity discovers something that has lain dormant within them, something enchanted in the outer world, something that can be found in the deepest recesses of one’s own soul and out in the world of phenomena. They find that which lives as spirit behind the phenomena, and they find the spiritual within themselves when they have connected with the mystical path of knowledge and with the occult path of knowledge. This is then the bridge by which the abyss can be spanned that confronts the seeking soul of today when it realizes that it is something other than the world of external phenomena and cannot, with its own characteristics, connect with what surrounds it outside.

[ 27 ] Heute gibt es die Möglichkeit, einen Weg zu finden, der zeigt, wie das, was in uns lebt, doch dasselbe ist wie das, was in der Außenwelt lebt. Die suchenden Seelen, die außerhalb unserer Bestrebungen stehen, kennen ihn noch nicht. Den Weg zeigt die Geisteswissenschaft. Ein Wegweiser für dieses Ziel will die theosophische Weltanschauung sein. Sie wird Antwort geben auf die Fragen, welche von den blutenden, ringenden Seelen von heute gestellt werden. Die Fragen werden hineintönen zu den Fenstern der Gegenwart, und die Geisteswissenschaft wird die Antwort geben. Das verleiht ihr ihre innere Berechtigung und zeigt, daß sie nicht willkürlich aus einigen Köpfen entsprungen ist, sondern aus den Bedürfnissen der Zeit. Die Geisteswissenschaft wird wieder Mittel und Wege angeben, um den Einklang zu finden zwischen dem, was in der Umwelt und was in der menschlichen Seele lebt. Sie wird uns dazu führen, die in der Natur waltenden Gesetze nicht als leere Abstraktionen, sondern als Gedanken göttlich-geistiger Wesenheiten zu erkennen. So wird sie wieder den Geist in der äußeren Welt entdecken. Daß die Seele das heute nicht kann, macht ihre Leere und Öde aus. Trost, Hilfe und Kraft kann ihr nur durch ein Aufsuchen der Wege und Ziele des geistigen Menschen werden. Das zeigt, wie tief berechtigt dieses geisteswissenschaftliche Streben ist.

[ 27 ] Today, there is an opportunity to find a path that reveals how what lives within us is, in fact, the same as what lives in the outer world. The seeking souls who stand outside our endeavors do not yet know this path. Spiritual science points the way. The theosophical worldview aims to be a guidepost toward this goal. It will provide answers to the questions posed by the suffering, struggling souls of today. These questions will resound through the windows of the present, and spiritual science will provide the answers. This gives it its inner legitimacy and shows that it has not sprung arbitrarily from a few minds, but from the needs of the times. Spiritual science will once again indicate ways and means to find harmony between what lives in the environment and what lives in the human soul. It will lead us to recognize the laws governing nature not as empty abstractions, but as the thoughts of divine-spiritual beings. Thus it will rediscover the spirit in the outer world. The fact that the soul cannot do this today is what constitutes its emptiness and desolation. Comfort, help, and strength can come to it only through seeking out the paths and goals of the spiritual human being. This shows how deeply justified this spiritual scientific endeavor is.

[ 28 ] Wenn wir die Geisteswissenschaft in ihren tiefsten Quellen verstehen, werden wir der Seele Nahrung geben, nach der sie lechzt, werden ihr Quellen geistiger Wirksamkeit erschließen, und, weil alles Außere Ausdruck des Geistigen ist, im Laufe der Zeit auch Gesundheit. Aus dem Sehnen und Suchen der heutigen Zeit werden der Geisteswissenschaft ihre Ziele gegeben.

[ 28 ] If we understand spiritual science at its deepest roots, we will provide the soul with the nourishment it craves, open up sources of spiritual activity for it, and—because everything external is an expression of the spiritual—ultimately bring about health as well. The longings and quests of our time define the goals of spiritual science.