Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125
26 August 1910, Munich
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Paths and Goals of Spiritual Man, tr. SOL
6. Der Heutige Stand Der Philosophie Und Wissenschaft
6. The Current State of Philosophy and Science
[ 1 ] Wenn ich heute den Versuch machen will, mit einigen skizzenhaften Strichen auf den gegenwärtigen Stand von Philosophie und Wissenschaft hinzuweisen, so liegt der Grund darin, daß im weitesten Umkreis geisteswissenschaftlicher Anschauungen nicht überall Klarheit darüber herrscht, wie man als Anthroposoph sich in ein richtiges Verhältnis zu dem setzen kann, was sonst in der Gegenwart existiert an geistigen, an wissenschaftlichen Bestrebungen. Ich habe ein paarmal in die Kurse geisteswissenschaftlicher Vorträge Philosophisches eingefügt, anknüpfend an Spezialgebiete. Ich habe im speziellen über die Philosophie Hegels und ihren Zusammenhang mit der Gegenwart gesprochen. Ich möchte heute das Thema etwas ausgedehnter nehmen und im allgemeinen über die gegenwärtige Lage von Philosophie und Wissenschaft sprechen. Da ich Ihnen das Thema angekündigt habe und die Teilnehmer an meinen Kursen schon über die Gestalt unterrichtet sind, die solche philosophischen Einstreuungen haben, so werden Sie sich nicht wundern, wenn ich von vornherein sage, daß ich mir in bezug auf Popularität keinen besonderen Zwang auferlegen werde. Ich will mehr das Gefühl hervorrufen, wie man als streng wissenschaftlicher Mensch die Beziehungen von der Geisteswissenschaft zu anderen geistigen Bestrebungen der Gegenwart finden kann. Daß schließlich auf dem Gebiet der theosophischen Literatur nicht viel Bewußtsein davon vorhanden ist — was in einem Vortrag, wie der heutige es ist, gesagt werden muß -, das ist ja nicht zu verwundern. In der Regel sind die theosophischen Schriftsteller nicht eigentlich Philosophen und kennen gar nicht jene Schwierigkeiten, die dem Philosophen erwachsen, wenn er mit seinem wissenschaftlichen Grundcharakter an das geisteswissenschaftliche Feld herantreten will. |
[ 1 ] If I wish to attempt today to sketch out the current state of philosophy and science with a few rough strokes, it is because, within the broadest circle of spiritual-scientific views, there is not always clarity regarding how one, as an anthroposophist, can establish a proper relationship to the spiritual and scientific endeavors that otherwise exist in the present. I have occasionally included philosophical elements in my courses on spiritual science, relating them to specific fields. In particular, I have spoken about Hegel’s philosophy and its connection to the present. Today I would like to take the topic a bit more broadly and speak generally about the current state of philosophy and science. Since I have announced the topic to you and the participants in my courses are already familiar with the nature of such philosophical interludes, you will not be surprised if I say from the outset that I will not impose any particular constraints on myself regarding accessibility. I wish rather to evoke a sense of how, as a strictly scientific person, one might discover the connections between spiritual science and other spiritual endeavors of the present day. That there is ultimately little awareness of this in the realm of theosophical literature—which must be stated in a lecture such as today’s—is, of course, not surprising. As a rule, theosophical writers are not actually philosophers and are completely unaware of the difficulties that arise for the philosopher when he seeks to approach the field of spiritual science with his fundamentally scientific mindset. |
[ 2 ] Natürlich kann ich nur einzelne Dinge herausgreifen, aber ich will sie so herausgreifen, daß Sie, wenn ich zu Ende gekommen bin, ein Gefühl haben können, wie das angedeutete Verhältnis etwa zu denken ist. Da will ich zunächst sagen, daß es auf eine empfängliche Seele von vornherein einen gewissen Eindruck machen kann, wenn auf dem Feld der Geisteswissenschaft gesprochen wird von übersinnlichen Erkenntnissen, von dem Hinaufschreiten der seherischen Forschung zur übersinnlichen Erkenntnis. Demjenigen, der da glaubt, aus den Voraussetzungen der Philosophie der Gegenwart heraus an diese Dinge heranschreiten zu müssen, dem kann und muß aber sogleich, wenn überhaupt von so etwas die Rede ist, der Gedanke kommen, daß die Einwendungen, welche die Philosophie gegen mancherlei zu machen hat, was sie unmittelbare Erfahrung, unmittelbare Wahrnehmung nennt, in derselben Weise gelten müssen auch für alles das, was wir sozusagen auf geisteswissenschaftlichem Felde produzieren. Solange wir zum Beispiel unsere seherischen Erlebnisse in solche Worte kleiden, daß wir beim Aussprechen - vielleicht bemerken Sie es gar nicht-uns räumlicher oder zeitlicher Vorstellungen bedienen, sobald uns nachgewiesen werden kann, daß wir das tun, sobald wir nicht in der Lage sind, unsere Terminologie so auszugestalten, daß wir an den entsprechenden Stellen nicht versteckterweise Raum- und Zeitvorstellungen in unsere Feststellungen hineinfügen, so lange kann immer ein Kantianer oder irgendein anderer Erkenntnistheoretiker der Gegenwart kommen und einwenden — entweder in der alten Form oder in den verschiedenen Formen, welche diese Theorien in der neueren Zeit angenommen haben -, daß erkenntnistheoretisch feststehe, Raum und Zeit selber seien bloße Kategorien oder Formen unseres Vorstellens. Wenn wir auch unsere seherischen Ergebnisse in solche Formen einkleiden, die von Zeit und Raum hergenommen sind, gäben wir dennoch schon dadurch etwas, was an unsere Vorstellungsfähigkeit gebunden ist. Also im Grunde - ich weiß, daß der Ausdruck hier anfechtbar ist — drückten wir doch dann mit allen unseren seherischen Ergebnissen nur etwas Subjektives aus. Das ist ein möglicher Einwand, der immer gemacht werden kann. Ich will ihn erwähnen als ein Beispiel von zahlreichen anderen Einwänden, die aus erkenntnistheoretischen Voraussetzungen heraus mit Recht formuliert werden können.
[ 2 ] Of course, I can only pick out individual points, but I want to highlight them in such a way that, by the time I have finished, you will have a sense of how the relationship I have hinted at might be understood. I would like to begin by saying that it can make a certain impression on a receptive soul from the very outset when, in the field of spiritual science, one speaks of supersensible knowledge, of the ascent of clairvoyant research toward supersensible knowledge. But to those who believe they must approach these matters from the premises of contemporary philosophy, the thought can and must immediately occur—if such a thing is even being discussed— the thought must immediately occur that the objections which philosophy raises against various aspects of what it calls direct experience or direct perception must apply in the same way to everything we produce, so to speak, in the field of spiritual science. As long as we, for example, clothe our clairvoyant experiences in such words that, in uttering them—perhaps you do not even notice it—we make use of spatial or temporal concepts, as soon as it can be demonstrated to us that we do so, as soon as we are not in a position to formulate our terminology in such a way that we do not covertly insert concepts of space and time into our statements at the relevant points, as long as that is the case, a Kantian or any other contemporary epistemologist can always come along and object—either in the old form or in the various forms these theories have taken in more recent times—that it is epistemologically established that space and time themselves are mere categories or forms of our imagination. Even if we were to clothe our intuitive findings in forms derived from time and space, we would nevertheless, by doing so, be offering something that is bound to our capacity for imagination. So, in essence—I know that the expression is debatable here—we would then be expressing, through all our intuitive findings, only something subjective. This is a possible objection that can always be raised. I mention it as an example of numerous other objections that can rightly be formulated on the basis of epistemological premises.
[ 3 ] Wenn wir solche Einwände uns als Geisteswissenschafter selber sachgemäß machen können, dann haben wir erst das volle innere Recht errungen, gewisse Aufstellungen zu machen. Das begründet nicht, daß wir uns nicht aus dem inneren Wahrheitssinn heraus gewissen Mitteilungen hingeben sollen. Das sollen wir, denn der innere Wahrheitssinn kann uns in richtiger Art führen. Aber gegenüber der Geistesbewegung der Gegenwart sind wir erst dann gewappnet, wenn wir uns solche Einwendungen selber machen und — wenigstens innerhalb unserer eigenen Ausarbeitung — diese Einwände bewältigen können.
[ 3 ] If we, as scholars of the humanities, can properly address such objections ourselves, only then have we truly earned the full inner right to make certain assertions. This does not mean that we should not, out of our inner sense of truth, engage with certain ideas. We should do so, for our inner sense of truth can guide us in the right way. But we are only truly equipped to face the spiritual movement of the present when we raise such objections ourselves and—at least within our own work—are able to overcome them.
[ 4 ] Wir müssen zwischen zweierlei Einwendungen einen Unterschied machen. Gewiß, die Einwände gegen die Geisteswissenschaft werden nur so hageln von allen Seiten. Wenn wir in der Lage sind, was da heranhagelt, selber zu wissen, selber ausmachen zu können, und dann einfach mit dem, was wir darüber zu sagen haben, nicht gehört werden, dann liegt die Schuld an den anderen, dann können wir es abwarten — wie wir es auch müssen -, bis die Menschen reif geworden sind, unsere Aufstellungen zu verstehen. Tragen aber unsere Aufstellungen den Charakter des Dilettantismus gegenüber den geistigen Bewegungen der Gegenwart, dann liegt die Schuld an uns, wenn wir nicht in der entsprechenden Weise unser Lehrgebäude festigen können. Dazu müssen wir imstande sein: zu unterscheiden zwischen dem, wobei die Schuld an uns ist — und sie ist auf vielen, vielen Gebieten lediglich an uns, sie liegt in der theosophischen Literatur, liegt in der Leichtigkeit, mit der mancher glaubt, in das geisteswissenschaftliche Feld sich hineinfinden zu sollen -, wir müssen also unterscheiden zwischen dem, wobei die Schuld uns trifft, und dem, wo wir ruhig abwarten können, weil wir uns genau das sagen können, was die geistigen Bewegungen der Gegenwart von ihrem Standpunkt aus einzuwenden haben. Wenn wir aber so etwas wollen, dann müssen wir vor allen Dingen uns selber klar sein, worin eigentlich die Unzulänglichkeit der geistigen Bewegungen der Gegenwart liegt. Wir müssen uns ein wenig fragen können, wie sich diese Geistesbewegungen der Gegenwart entwickelt haben.
[ 4 ] We must distinguish between two kinds of objections. Certainly, objections to the science of the spirit will come pouring in from all sides. If we are able to know for ourselves what is coming at us, to discern it for ourselves, and then simply are not heard with what we have to say about it, then the fault lies with the others; then we can wait—as we must—until people have matured enough to understand our propositions. But if our positions bear the stamp of dilettantism in relation to the spiritual movements of the present, then the fault lies with us if we cannot consolidate our body of teaching in the appropriate manner. To do this, we must be able to distinguish between what is our fault—and in many, many areas it is solely our fault; it lies in theosophical literature, in the ease with which some believe they should find their way into the field of spiritual science— we must therefore distinguish between what is our fault and what we can calmly wait out, because we can tell ourselves exactly what the spiritual movements of the present have to object to from their standpoint. But if we want to do this, then we must first and foremost be clear to ourselves as to where the actual inadequacy of the spiritual movements of the present lies. We must be able to ask ourselves to some extent how these contemporary spiritual movements have developed.
[ 5 ] Sie wissen aus meinen Vorträgen, daß ich nicht gern meine Meinungen zu Markte trage. Die Meinungen eines einzelnen haben im Grunde eigentlich wenig Wert. Ich bin immer bestrebt, auch auf dem Felde der Geisteswissenschaft, rein die Tatsachen durch sich selber sprechen zu lassen. Deshalb möchte ich auch heute nicht Theorien, die in Meinungen wurzeln, vortragen, sondern die Tatsachen sprechen lassen. Ich möchte eine Tatsache vorführen, an welcher wir uns veranschaulichen können, wie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die denkerische Unzulänglichkeit heraufentwickelt hat, in gewisser tieferer Art hineinzudringen in das, was das Denken doch geben kann, wenn es nur genügend eindringlich, wirklich scharf, wirklich durch seine Voraussetzungen gegebene Konsequenzen zieht. Die Theosophie erweist sich oft so mattherzig gegen die Einwände, die ihr gemacht werden, weil ihre denkerischen Waffen stumpf geworden sind.
[ 5 ] You know from my lectures that I do not like to parade my opinions in public. The opinions of a single individual are, after all, of little value. I always strive, even in the field of spiritual science, to let the facts speak for themselves. That is why I do not wish to present theories rooted in opinions today, but rather to let the facts speak. I would like to present a fact that illustrates how, over the course of the 19th century, intellectual inadequacy has developed—an inability to penetrate in a certain deeper way into what thought can indeed offer, provided it draws conclusions that are sufficiently incisive, truly sharp, and truly grounded in its premises. Theosophy often proves so feeble in the face of the objections raised against it because its intellectual weapons have become blunt.
[ 6 ] Wenn wir bloß vom Denkerischen sprechen — ich weiß alles, was eingewendet werden kann gegen das, was jetzt gesagt wird, aber die Sache wird sich für jeden, der in die Geistesentwickelung des 19. Jahrhunderts eindringt, doch so darstellen -, wenn wir vom rein Denkerischen zunächst ausgehen, dann müssen wir sagen, daß in bezug auf die Schärfe des Denkens, in bezug auf Gedankenkristallisation in der Seele ein gewisser Höhepunkt philosophischer Entwickelung doch durch Hegel erreicht worden ist. Man mißversteht Hegel, wenn man so leichtfertig über ihn redet, wie es seine Gegner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts getan haben. Sie haben sich vorgestellt, daß Hegel darauf ausgehe, alles aus dem reinen Gedanken an Inhalt herauszuspinnen, was er über die Welt zu sagen hat. Sie haben nur nicht berücksichtigt: Hegel erhebt nirgends die Prätention, daß das menschliche Subjekt irgend etwas von wirklichem Weltinhalt aus dem reinen Gedanken herausheben wolle. Man muß berücksichtigen: Hegel steht durchaus auf dem Standpunkt, daß der Gedanke selbst, der innerlich lebendige Gedanke, der regsame und produktive Gedanke es ist, der aus sich heraus den Welteninhalt holt, und daß wir mit unserem Erkenntnissubjekt nichts anderes sind als der Schauplatz, auf dem der Gedanke arbeitet. Wenn wir die Sache so, wie sie sich tatsächlich im Verlauf des geistigen Lebens darstellt, nehmen, so müssen wir sagen: In dieser Tendenz Hegels liegt seine ganze monumentale Größe. Aber auch: es liegt die ganze Schwäche der Hegelschen Philosophie darin. Die Größe darin, daß Hegel für jeden, der sich wirklich mit ihm durchdringen will, in einer vorher schier ungeahnten Weise der Lehrer für eine Disziplin des Denkens werden kann, wie wir sie uns auf keinem anderen Weg erwerben können. Gerade der Theosoph sollte sich diese starke Disziplin des Denkens aneignen. Kommt doch eine Unsumme von Irrtümern, von unrichtigen Überzeugungen einfach dadurch zustande, daß unser Denken es nicht bis zur kristallenen Klarheit einer denkerischen Disziplin bringen kann, wie man durch das Hegelsche System sie lernen kann. Man kann sich durch das Hegelsche System erziehen. Man sollte sozusagen in jedem Vortrag, wo man die Verantwortung gegenüber Erkenntnis und Wahrheit fühlt, von den Ergebnissen solcher denkerischen Disziplin durchdrungen sein. Man sollte sich angewöhnen, an keiner Stelle ein Wort zu gebrauchen, das nicht seinem vollen Umfang und Inhalt nach von uns zuerst empfunden und erlebt worden ist. Wenn man, vordringend durch das, was manchem so abstrakt, so trocken und nüchtern erscheint, vordringend durch die Hegelsche Logik, sich diese Disziplin des Denkens einimpft, dann kommt man dazu, niemals zu sprechen von dem Wort Sein, Werden, Dasein als an solchen Stellen, wo in dem gesamten Gefüge des Vortrags diese Worte eingefügt werden dürfen, weil man zuerst den ganzen Werdegang des Inhaltes solcher Begriffe, von den einfachsten, leersten Begriffen bis zu den inhaltsvollsten verfolgt hat. Von dieser inneren Disziplin des Gedankens ist im Grunde genommen auch der philosophisch Vortragende von heute und die ganze heutige Literatur ungeheuer weit entfernt. Ich könnte Ihnen leicht den Nachweis führen, daß in weltberühmten philosophischen Büchern der Gegenwart die Autoren nicht einmal in der Lage sind, über drei Zeilen hin prägnant und genau den Inhalt eines Begriffes festzuhalten und nach drei Zeilen bereits einen Begriff, den sie vorher gebraucht haben, in ganz anderer Art wieder gebrauchen. Daß dann eine innere Verworrenheit des ganzen Gebäudes eintreten muß, welches unsere Gedanken darstellen, erscheint ganz selbstverständlich. Es wäre, wie gesagt, ein leichtes, Ihnen das an weltberühmten philosophischen Büchern der Gegenwart nachzuweisen.
[ 6 ] If we speak purely in terms of thought—I am aware of every possible objection that could be raised against what has just been said, but the matter will present itself in this way to anyone who delves into the intellectual development of the 19th century— —if we start from the purely intellectual realm, then we must say that, in terms of the sharpness of thought and the crystallization of thought in the soul, a certain high point of philosophical development was indeed reached by Hegel. One misunderstands Hegel if one speaks of him so lightly, as his opponents did in the second half of the 19th century. They imagined that Hegel intended to spin everything he had to say about the world out of pure thought. They simply failed to take into account: Hegel nowhere claims that the human subject seeks to extract anything of real worldly content from pure thought. One must bear in mind: Hegel certainly takes the position that it is thought itself—the inwardly living thought, the active and productive thought—that draws the content of the world out of itself, and that we, with our cognitive subject, are nothing other than the stage upon which thought works. If we take the matter as it actually presents itself in the course of spiritual life, we must say: In this tendency of Hegel lies his entire monumental greatness. But also: the entire weakness of Hegelian philosophy lies therein. The greatness lies in the fact that Hegel, for anyone who truly wishes to penetrate his thought, can become, in a previously almost unimaginable way, the teacher of a discipline of thought that we cannot acquire by any other means. Theosophists, in particular, should acquire this rigorous discipline of thought. After all, a vast number of errors and erroneous convictions arise simply because our thinking cannot attain the crystalline clarity of a discipline of thought, as one can learn it through the Hegelian system. One can educate oneself through the Hegelian system. One should, so to speak, be imbued with the results of such intellectual discipline in every lecture where one feels a responsibility toward knowledge and truth. One should accustom oneself to never using a word at any point that has not first been fully grasped and experienced by us in all its scope and content. If, by penetrating what seems to many so abstract, so dry, and so sober—by penetrating Hegel’s logic—one instills this discipline of thought in oneself, then one comes to never speak of the word “Being,” Becoming, or Existence in such contexts where, within the overall structure of the lecture, these words may be inserted, because one has first traced the entire development of the content of such concepts, from the simplest, most empty concepts to the most substantial ones. In essence, today’s philosophical lecturer and all of contemporary literature are also immensely far removed from this inner discipline of thought. I could easily demonstrate to you that in world-famous contemporary philosophical books, the authors are not even capable of concisely and accurately capturing the content of a concept over the course of three lines, and after three lines already reuse a concept they previously employed in an entirely different manner. That an inner confusion must then arise in the entire edifice that our thoughts represent seems quite natural. As I said, it would be easy to demonstrate this to you using world-famous contemporary philosophical books.
[ 7 ] Nun haben die Gegner Hegels geglaubt, ihn in leichter Art aus dem Felde schlagen zu können dadurch, daß sie dieses Weben und Wesen des Gedankens auf dem Schauplatz unseres Erkenntnissubjektes nicht verstanden haben, sondern daß sie geglaubt haben — was Hegel nie eingefallen ist -, er wolle den Welteninhalt sozusagen aus dem unmittelbaren Gedankeninhalt des Erkenntnissubjektes herausspinnen. Daß das nicht sein kann, daß man niemals irgendeinen substantiellen Erkenntnisinhalt aus dem jeweiligen Erkenntnissubjekt, wenn dieses nur in Begriffen bleibt, herausspinnen kann, dessen muß man sich nur klar sein. Daher mußte die Hegelsche Philosophie in bezug auf den produktiven Fortgang des Geisteslebens — und das ist ihre Schwäche — eben aus dem Grund unproduktiv bleiben, weil ihr Grundgedanke, daß der Gedanke selbst es ist, der aus sich herausarbeitet, richtig sein kann, weil aber daraus nicht folgt, daß das Erkenntnissubjekt selber den objektiven Welteninhalt herausproduzieren müsse. Wodurch ist nur möglich, daß das Erkenntnissubjekt Erkenntnisinhalt aus sich heraus gewinnt? Das ist nur möglich, wenn das Erkenntnissubjekt sich selber befruchtet, sich selber fähig macht, Erkenntnisinhalt zu produzieren. Aber dieses Sich-Befähigen kann niemals auf dem Plan des bloßen Denkens erfolgen. Durch das bloße Denken gewinnt man eine Art Überschau, eine Art größere Rückschau über das, was der Menschengeist im welthistorischen Werdegang produziert hat. Man kann von einem gewissen Mittelpunkt aus Umschau über die produzierten Gedanken halten. Man kann aber nicht neuen Erkenntnisinhalt gewinnen. Das fühlten die Gegner Hegels. Nur hatten sie ihre Gegnerschaft durchaus von falschen Voraussetzungen aus genommen. Darauf beruht es aber, daß mit dem bloßen Hegeltum zweierlei erreicht ist: eine schier unermeßlich großartige Disziplin des Denkens, daß aber nicht erreicht werden kann produktiver Erkenntnisinhalt. Mit anderen Worten: die Hegelsche Philosophie kann durch sich selber nicht produktiv fortwirken. Hier liegt es, wo die produktiven Erkenntniskräfte einsetzen müssen, wo auch das bis zur Gedankenhöhe heraufgehobene Erkenntnissubjekt Hegels sich entschließen muß, einströmen zu lassen, was Sie zum Beispiel als Befruchtungsmittel des Erkenntnissubjektes in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt finden.
[ 7 ] Now, Hegel’s opponents believed they could easily defeat him by failing to understand this weaving and essence of thought within the realm of our knowing subject, but rather by believing—something that never occurred to Hegel— he wanted to spin the content of the world, so to speak, out of the immediate content of thought of the subject of cognition. One need only be clear that this cannot be the case, that one can never spin any substantial content of cognition out of the respective subject of cognition, if the latter remains solely in concepts. Therefore, Hegel’s philosophy—and this is its weakness—had to remain unproductive with regard to the productive progress of spiritual life, precisely because its fundamental idea, that it is thought itself that works itself out, may be correct, but because it does not follow from this that the subject of knowledge itself must produce the objective content of the world. How is it possible for the subject of knowledge to derive the content of knowledge from within itself? This is possible only if the subject of knowledge fertilizes itself, makes itself capable of producing the content of knowledge. But this self-empowerment can never take place on the level of mere thinking. Through mere thinking, one gains a kind of overview, a kind of broader retrospective view of what the human spirit has produced in the course of world history. One can survey the thoughts that have been produced from a certain vantage point. But one cannot gain new content of knowledge. Hegel’s opponents sensed this. Yet they had based their opposition entirely on false premises. It is on this, however, that the fact rests that mere Hegelianism achieves two things: an almost immeasurably magnificent discipline of thought, but that productive content of knowledge cannot be attained. In other words: Hegelian philosophy cannot continue to have a productive effect through itself. This is where the productive powers of knowledge must come into play, where even Hegel’s subject of knowledge—raised to the height of thought—must resolve to allow to flow in what you will find described, for example, as the fertilizing agent of the subject of knowledge in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*
[ 8 ] So möchte ich sagen: Wenn man ausgeht vom unmittelbar sinnfälligen Dasein und von jener Bearbeitung, welche der menschliche Verstand mit diesem vornimmt, kommt man bis zu jener Höhe, die man bezeichnen kann als das Leben und Weben des Erkenntnissubjektes in dem Bereich des Gedankenplanes. Dann aber ist ein weiterer Fortschritt nur möglich, wenn von der anderen Seite herein, von der dem sinnenfälligen Dasein entgegengesetzten Seite herein, die Befruchtung durch jene Mittel kommt, welche in diesem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt sind. Sie finden nun in der Literatur, mit welcher ich versuchte, auf diese Dinge nach und nach hinzuweisen — zunächst wie vorbereitet durch meine vorhergehenden Schriften, zusammengefaßt zuletzt in meiner «Philosophie der Freiheit» —, einen Weg, den man nehmen kann von der äußeren Sinneswahrnehmung, von der äußeren Bearbeitung des Daseinsmaterials bis herauf zum Schauplatz des Gedankens. Sie finden da auch noch die Eigentümlichkeiten sowohl des Schauplatzes des Gedankens wie auch die Tragweite des reinen Denkens für das Erkenntnissubjekt charakterisiert. In den folgenden Schriften, die auf dem eigentlich geisteswissenschaftlichen Gebiet liegen, finden Sie die andere Seite der Welt mit ihren die Erkenntnis befruchtenden Kräften charakterisiert. Sie finden erkenntnistheoretisch charakterisiert die seherische Forschung, die Tragweite der seherischen Forschung, welche also gleichsam von der anderen Seite her zufließt.
[ 8 ] I would like to say this: If one starts from immediately sensible existence and from the way the human mind processes it, one reaches a level that can be described as the life and activity of the knowing subject within the realm of the plane of thought. But then further progress is possible only if, from the other side—the side opposed to sensually perceptible existence—there comes the inspiration through those means described in this book, *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. You will now find in the literature with which I have sought to point to these things step by step—prepared, as it were, by my earlier writings and summarized most recently in my Philosophy of Freedom—a path that can be taken from external sensory perception, from the external processing of the material of existence, up to the realm of thought. There you will also find characterized the peculiarities of both the realm of thought and the significance of pure thinking for the subject of knowledge. In the following writings, which lie within the proper realm of spiritual science, you will find the other side of the world characterized with its forces that fertilize knowledge. You will find the clairvoyant research characterized epistemologically, the scope of the clairvoyant research, which thus flows in, as it were, from the other side.
[ 9 ] Wollten wir uns die Sache zeichnen, so könnten wir sagen: Wenn wir uns den Gedankenplan mit dem Erkenntnissubjekt auf diesem Gedankenplan charakterisieren, so fließt von der Seite der Sinneswahrnehmung alles das, was an äußerem, sinnenfälligem Daseinsmaterial durch die Sinne gewonnen werden kann. Innerhalb des Gedankenplanes spüren wir das Hegelsche Selbst weben, das, was man die Dialektik des reinen Denkens nennt. Dann aber müssen wir, wenn wir bloß diesen Weg nehmen, stehenbleiben. Wir müssen abwarten, bis wir in der Lage sind, von der anderen Seite her dasjenige in uns einfließen zu lassen, was wir auf dem Wege empfangen können, der durch meine Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» charakterisiert ist. So sehen Sie, daß sich diese Dinge zusammenschließen, und daß das Hegelsche System für einen gewissen Zeitpunkt ein wunderbares Resümee des Menschengeistes war, daß aber, als dieses gegeben war, ganz sachgemäß das einmal eintreten mußte, wozu sich das Hegelsche System nicht erheben kann. Der Plan steht fix, wo das Erkenntnissubjekt stehen muß; der kann nicht heraufgehoben werden, der kann nur beschrieben werden von der anderen Seite mit dem, was ebenso erkenntnistheoretisch sichergestellt werden kann. So daß wir nicht einseitig bleiben, sondern uns die Möglichkeit aneignen, die strikte erkenntnistheoretische Methode auch da einzusehen, wo die bloße Sinnlichkeit verlassen wird.
[ 9 ] If we were to sketch this out, we could say: When we characterize the plane of thought along with the subject of cognition on this plane, everything that can be apprehended through the senses—all the external, sensually perceptible material of existence—flows in from the side of sensory perception. Within the plane of thought, we sense the Hegelian Self weaving, that which is called the dialectic of pure thought. But then, if we take only this path, we must come to a standstill. We must wait until we are in a position to allow that which we can receive on the path characterized by my writing “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” to flow into us from the other side. Thus you see that these things come together, and that the Hegelian system was, for a certain period, a wonderful summary of the human spirit; but that, once this was established, what the Hegelian system cannot rise to must quite appropriately come to pass. The plan is fixed as to where the subject of knowledge must stand; it cannot be elevated, it can only be described from the other side with what can likewise be established epistemologically. So that we do not remain one-sided, but acquire the ability to recognize the strict epistemological method even where mere sensibility is left behind.
[ 10 ] Wenn wir das alles ins Auge fassen, können wir fragen: Wie kommt es denn, daß sich die Philosophie selber so abgeneigt zeigt, auf jene logischen Formen einzugehen, durch welche ebenso festgestellt werden kann das, was von der anderen Seite kommt, wie erkenntnistheoretisch festgestellt werden kann dasjenige, was von der einen Seite kommt? — Das kommt davon her, daß diese Philosophie des 19. Jahrhunderts und in das 20. Jahrhundert herein bis jetzt versäumt hat, den Schritt zu machen, der aus dem richtig verstandenen Hegeltum heraus hätte gemacht werden sollen. Und so kommt es, daß diese Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts keinen Anschluß finden konnte an das, was jenseits des Gedankenplanes liegt. Allerdings ist der tiefere Grund darin zu suchen, daß die Hegelsche Philosophie von der weiter sich fortentwickelnden Philosophie wenig verstanden worden ist. Denn wenn man sich zum reinen Gedankenplan herauferhebt, dann ist es ganz. unumgänglich — weil man an der Grenze der übersinnlichen Welt steht —, daß man auch jene logischen Begründungen fühlen kann, die als etwas Berechtigtes das Einfließen der übersinnlichen Welt erkennen lassen. Das können Sie so recht fühlen, wenn Ihnen in den gar nicht genug zu schätzenden Vorträgen unseres lieben Dr. Unger entgegentritt dieses Erheben der menschlichen Erkenntniskraft zum reinen Gedanken und dann das Hereinleuchtenlassen der höheren Welten. Daher muß betont werden: Es gereicht zum größten Segen, daß wir in der Lage sind, eine solche Kraft unter uns zu haben, wie Dr. Unger es ist, der auf diesem spirituell-philosophischen Gebiet in der Lage ist, die Erkenntnistheorie des reinen Denkens des Erkenntnissubjektes, welches als Ich auf dem Gedankenplan liegt, im einzelnen auszuarbeiten, auszuführen. Und so haben Sie gerade in diesen Vorträgen das gegeben, was Ihnen Anhaltspunkte geben kann, um Festigkeit zu gewinnen im Verhalten zwischen der Geisteswissenschaft und den anderen geistigen Bestrebungen.
[ 10 ] When we consider all of this, we may ask: How is it that philosophy itself seems so reluctant to engage with those logical forms through which what comes from the other side can be established just as surely as what comes from this side can be established epistemologically? — This stems from the fact that this philosophy of the 19th century and into the 20th century has, up to now, failed to take the step that should have been taken based on a correct understanding of Hegelianism. And so it is that this philosophy of the 19th and 20th centuries has been unable to connect with what lies beyond the realm of thought. However, the deeper reason lies in the fact that Hegelian philosophy has been little understood by the philosophy that has continued to develop. For when one rises to the realm of pure thought, it is quite inevitable—because one stands at the threshold of the supersensible world—that one can also sense those logical justifications which, as something legitimate, reveal the inflow of the supersensible world. You can truly feel this when, in the invaluable lectures of our dear Dr. Unger, you encounter this elevation of human cognitive power to pure thought and then the letting in of the light of the higher worlds. Therefore, it must be emphasized: It is a great blessing that we are in a position to have among us a figure such as Dr. Unger, who, in this spiritual-philosophical realm, is capable of elaborating and expounding in detail the epistemology of pure thought of the knowing subject, which lies as the “I” on the plane of thought. And so, in these very lectures, you have been given what can serve as a guide to help you gain firmness in your approach to the relationship between spiritual science and other spiritual endeavors.
[ 11 ] Wenn Sie diese Philosophie verfolgen, die zum Teil schon in Dr. Ungers Ausführungen gewonnen ist, zum Teil noch gewonnen werden wird, und wenn auf dem eingeschlagenen Wege weitergeschritten wird, dann werden Sie sehen, daß diese Philosophie als Philosophie einen ganz anderen Charakter tragen wird als das, was heute als zeitgenössische Philosophie existiert. Ein wirklich nicht unbeträchtlicher Denker hat erst vor kurzem von letzterer etwas gesagt, was im Grunde gar nicht angefochten werden kann. Wenn man unbefangen den Blick auf das schweifen läßt, was in Deutschland und anderen Ländern zutage gefördert wird, dann sieht man, daß es sich wirklich bewahrheitet, was dieser Denker gesagt hat, nämlich: wir hätten heute eine Metaphysik ohne transzendentale Überzeugung, eine Erkenntnistheorie ohne objektive Bedeutung, eine Logik ohne Inhalt, eine Psychologie ohne Seele, eine Ethik ohne Verbindlichkeit und eine Religion ohne Vernunftgrundlage. — Das ist eine Charakteristik unserer Zeit aus der unmittelbaren Empfindung eines nicht unbeträchtlichen Philosophen der Gegenwart. Wie gesagt, ich möchte Tatsachen sprechen lassen, sprechen lassen das, was geschieht. Ob gesagt werden muß, daß er nicht Lust hat, sich auf den geisteswissenschaftlichen Weg zu begeben, oder ob er es nach seinen Gedankensuggestionen nicht kann, mag dahingestellt bleiben — aber gesagt werden muß, daß so derjenige denken kann, der voll im zeitgenössischen Getriebe steht, der aber aus dem Element des Denkens heraus nicht den Ausweg finden kann zu einem übersinnlichen Inhalt. Da müssen gewisse denkerische Voraussetzungen erfüllt werden, wie sie sich eigentlich heute in keiner anderen Philosophie finden als in dem, was ich versuchte in meinem Buch über «Wahrheit und Wissenschaft» zu begründen, in dem, was in der «Philosophie der Freiheit» gegeben ist und in den sorgfältig ausgeführten Gedankenoperatiönen Dr. Ungers. Da ist aus dem geisteswissenschaftlichen Feld heraus der Ansatz zu einer tatkräftigen Philosophie gegeben, welche es vermeidet, überall das Theosophische hineinzumischen in ihre Ausführungen, welche streng philosophisch sein will und gerade durch diese strenge Wissenschaftlichkeit ihre Aufgabe in die Zukunft hinein erfüllen wird.
[ 11 ] If you follow this philosophy—which has already been developed in part through Dr. Unger’s writings and will be further developed in the future—and if you continue along the path you have chosen, you will see that this philosophy, as a philosophy, will have a character quite different from what exists today as contemporary philosophy. A truly not insignificant thinker recently said something about the latter that, in essence, cannot be disputed. If one lets one’s gaze wander impartially over what is being brought to light in Germany and other countries, then one sees that what this thinker said is truly coming to pass, namely: we have today a metaphysics without transcendental conviction, an epistemology without objective meaning, a logic without content, a psychology without a soul, an ethics without binding force, and a religion without a rational foundation. — This is a characterization of our time drawn from the immediate perception of a not insignificant contemporary philosopher. As I said, I would like to let the facts speak for themselves, let what is happening speak for itself. Whether it must be said that he has no desire to embark on the path of the humanities, or whether, according to his own intellectual suggestions, he is unable to do so, may be left open—but it must be said that this is how one who is fully immersed in the contemporary maelstrom might think, yet who, from within the realm of thought, cannot find a way out to a supersensory content. Certain intellectual prerequisites must be fulfilled here, such as those found today in no other philosophy than in what I attempted to establish in my book on “Truth and Science,” in what is presented in “The Philosophy of Freedom,” and in the carefully elaborated thought processes of Dr. Unger. Here, from the field of the spiritual sciences, the foundation is laid for an active philosophy that avoids mixing theosophy into its expositions at every turn, that aims to be strictly philosophical, and that will fulfill its task into the future precisely through this rigorous scientific approach.
[ 12 ] Nun fragen wir uns aber: Woher kommt es denn, daß, nachdem geglaubt worden ist, das Hegeltum abgetan zu haben, das Denken des 19. Jahrhunderts sich in allen Kulturländern nicht aufschwingen konnte zu einer solchen philosophischen Verarbeitung des Denkerischen in unserem Erkenntnissubjekt - woher kommt das? Es kann nicht meine Aufgabe sein, auf die tiefen kulturhistorischen Gründe einzugehen — an manchen Stellen tue ich das -, ich möchte heute auf dem Gebiet des rein philosophischen Charakterisierens bleiben. Das kommt daher, daß sich Tatsachen vollzogen haben, daß dem, der den Gang des Geisteslebens der fünfziger, sechziger, siebziger, achtziger Jahre aufmerksam verfolgt, nicht entgehen kann, wie im Grunde genommen nur auf einem einzigen Gebiet in der Geistesentwickelung des 19. Jahrhunderts das Denken selber stark geblieben ist, wie es sonst überall zu stumpf geworden ist, um die in ihm selbst gelegenen Konsequenzen jeweilig zu‘ ziehen. Nur auf einem einzigen Gebiet fordert auch dem strengen Denken des Geistesforschers die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts die höchste Achtung ab, und dies ist kein anderes als die Mathematik. Alles, was auf dem Umfang des mathematischen Gebietes geleistet worden ist, trägt doch die Spuren eines scharfen, durchdringenden Denkens in sich. Daher konnte auch der, welcher zum Beispiel seine naturwissenschaftlich theoretischen Studien etwa in der theoretischen Physik und Chemie gegen das Ende des 19. Jahrhunderts machte, so sehr das Gefühl haben: an den Mathematikern liegt es nicht, was uns da überliefert wird an komplizierten Formeln, die man hat absolvieren müssen, wenn man beispielsweise an die Wärmelehre herangetreten ist, an die Vibrationstheorie, an die Clausiussche Theorie und so weiter. Wenn man das durchgemacht hatte, es philosophisch in sich hatte, hatte man das Gefühl: an den Mathematikern liegt es nicht — die Mathematik ist ein wunderbares Instrument geworden, um alles in fein ziselierten Systemen auszuarbeiten; stumpf waren aber die denkerischen Waffen. So konnte man das Gefühl haben, wenn man mit den mathematischen Formeln auf den verschiedenen Gebieten der Physik und Chemie arbeitete: soweit man rein innerhalb des Mathematischen bleibt, fühlt man überall Sicherheit, sobald man zur philosophischen Charakteristik dessen kommt, was man eigentlich berechnet, ist der Boden überall schwankend. So erwies er sich aus den Köpfen derer heraus, die dazumal philosophisch sprachen. Da war nichts anderes zu spüren als der reinste philosophische Dilettantismus, der sich besonders dann zeigte, wenn Naturforscher anfingen zu philosophieren, wie etwa Da Bois-Reymond in seinen «Sieben Welträtseln» oder in seinem Vortrag «Über die Grenzen des Naturerkennens». Das ist aber nicht besser geworden. So dürfen wir denn sagen: Wir haben die eigentümliche Erscheinung erlebt, daß das Denkerische, so wie es notwendig von der Geisteswissenschaft verlangt werden muß, stark und exakt nur innerhalb der Mathematik geblieben ist. — Die strengen Anforderungen an das Denken werden heute nicht befriedigt auf irgendeinem anderen Gebiet der Forschung - die strengen Anforderungen, die wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus stellen — als auf dem mathematischen Gebiet.
[ 12 ] But let us ask ourselves: Why is it that, after believing that Hegelianism had been discarded, 19th-century thought in all civilized countries was unable to rise to such a philosophical elaboration of the intellectual aspect of our cognitive subject—why is that? It cannot be my task to go into the deep cultural-historical reasons—though I do so in some places—; today I wish to remain within the realm of purely philosophical characterization. This is because certain facts have come to pass; anyone who closely follows the course of intellectual life in the 1850s, 1860s, 1870s, and 1880s cannot fail to notice how, in the development of the spirit in the 19th century, thinking itself has remained strong in essentially only a single field, while everywhere else it has become too dull to draw the consequences inherent within it. In only one single field does the science of the 19th century and the early 20th century command the highest respect even from the rigorous thinking of the spiritual researcher, and this is none other than mathematics. Everything that has been accomplished within the scope of the mathematical field bears the marks of sharp, penetrating thought. Hence, even those who, for example, pursued their theoretical scientific studies in theoretical physics and chemistry toward the end of the 19th century could feel so strongly: it is not the mathematicians’ fault that we are handed down these complicated formulas that one had to work through when approaching, for example, the theory of heat, the theory of vibrations, Clausius’s theory, and so on. Once one had gone through that, once one had it philosophically within oneself, one had the feeling: it is not the mathematicians’ fault—mathematics has become a wonderful instrument for working everything out in finely chiseled systems; but the intellectual weapons were blunt. So one could have the feeling, when working with mathematical formulas in the various fields of physics and chemistry: as long as one remains purely within the realm of mathematics, one feels secure everywhere; but as soon as one comes to the philosophical characterization of what one is actually calculating, the ground is shaky everywhere. This is how it appeared from the minds of those who spoke philosophically at the time. There was nothing to be felt there but the purest philosophical dilettantism, which was particularly evident when natural scientists began to philosophize, such as Da Bois-Reymond in his “Seven World Riddles” or in his lecture “On the Limits of Knowledge of Nature.” But this has not improved. We may therefore say: We have witnessed the peculiar phenomenon that thinking, as it must necessarily be demanded by the humanities, has remained strong and precise only within mathematics. — The strict demands on thinking are not met today in any other field of research—the strict demands we make from the standpoint of the humanities—except in the field of mathematics.
[ 13 ] Nun möchte ich mich hier nicht auf gewisse Beiträge einlassen — auf die Charakteristik derselben -, die gerade vom mathematischen Standpunkt aus auch auf das Erkenntnisgebiet gebracht werden können. Ich will nur auf das Symptomatische dieser Dinge hinweisen, darauf hinweisen, daß gerade auf dem Gebiet, das sich seine wunderbare innere Stärke bewahrt hat, auf dem mathematischen Gebiete, am klarsten hervorgetreten ist, wie das Denken des 19. Jahrhunderts durch sich selbst reif ist, die Hülle zu sprengen, welche das menschliche Erkenntnissubjekt gegenüber der übersinnlichen Welt abschließt. Und wenn es auch nur Hypothesen sind, manchmal waghalsig behauptet, die rein rechnerisch betrieben worden sind, so müssen wir das, was auf mathematischem Gebiet geschehen ist, doch so nehmen, daß es ein Ausdruck ist für die Sehnsucht des menschlichen Erkennens, hinaus aus der sinnlichen Welt. Und da haben wir gerade auf mathematischem Gebiet diese Sehnsucht sich verwirklichen sehen. Hat doch überhaupt die Mathematik in ihren Formen, wo man sie Geometrie nennt, seit dem alten Euklid gewisse Dinge für unerschütterlich gehalten! Wer konnte denn zum Beispiel glauben, daß es irgend etwas Unerschütterlicheres gibt als den Satz: Die drei Winkel des Dreiecks sind gleich 180 Grad -, oder den anderen Satz: Wenn Sie hier eine gerade Linie haben und neben dieser einen Punkt, so können Sie im Sinne der Euklidischen Geometrie durch diesen Punkt nur eine einzige Parallele zu der Geraden ziehen. — Das heißt im Sinne der Euklidischen Geometrie ist die Summe der Winkel eines Dreiecks gleich 180 Grad, und in ihrem Sinn kann man nur eine einzige Parallele zu dieser Geraden ziehen. Das folgt aus den Voraussetzungen der Euklidischen Geometrie. Wer könnte nun glauben, daß das anders sein könnte! Dennoch, und das ist das Bedeutsame — wie gesagt, ich könnte gegen das Inhaltliche manches Pro und Kontra sagen, aber ich gehe nur auf das Symptomatische daran ein, auf die Sehnsucht: heraus aus dem sinnlichen Gebiet; ich will nur charakterisieren -, da ist das Eigentümliche, daß wir im 19. Jahrhundert andere Geometrien haben heraufsteigen sehen, als die Euklidische ist. Also es versuchte die innere Schärfe des Denkens mit dem, was man denkerisch bei der Herausmeißelung geometrischer Wahrheiten zugrunde legt, es versuchte dieses Denken aus sich selber heraus zu kristallisieren eine Geometrie — oder Geometrien, die für etwas anderes gelten als für unseren gewöhnlichen Sinnesraum, denn für diesen gilt es, daß man die drei Winkel eines Dreiecks als zusammen 180 Grad ansprechen muß, daß man durch einen Punkt neben einer Geraden nur eine Parallele ziehen kann. Und wir haben im 19. Jahrhundert Geometrien bekommen, die nicht für unseren Sinnesraum nur gelten wollen, nein. Die Riemannsche und die Lobatschewskijsche Geometrie sind zwei wirkliche Geometrien, herausgeboren aus dem menschlichen Denken nach strengen mathematischen Gesetzen.
[ 13 ] Now, I do not wish to delve here into certain contributions—or their characteristics—which, from a purely mathematical standpoint, can also be applied to the realm of knowledge. I merely wish to point out the symptomatic nature of these things, to point out that it is precisely in the field that has retained its wonderful inner strength—the field of mathematics—that it has become most clearly evident how the thinking of the 19th century has, through its own development, matured to the point of shattering the shell that separates the human subject of knowledge from the supersensible world. And even if they are only hypotheses, sometimes boldly asserted, that have been pursued purely mathematically, we must nevertheless regard what has happened in the mathematical realm as an expression of the human spirit’s yearning to reach beyond the sensory world. And it is precisely in the field of mathematics that we have seen this longing come to fruition. After all, mathematics in its forms—where it is called geometry—has, since the time of the ancient Euclid, held certain things to be unshakable! Who, for example, could believe that there is anything more unshakable than the theorem: “The three angles of a triangle are equal to 180 degrees”—or the other theorem: If you have a straight line here and a point next to it, then, in the sense of Euclidean geometry, you can draw only a single parallel line to the straight line through that point. — That is to say, in the sense of Euclidean geometry, the sum of the angles of a triangle is equal to 180 degrees, and in its sense, one can draw only a single parallel line to this straight line. This follows from the premises of Euclidean geometry. Who could possibly believe that it could be any other way! Nevertheless—and this is the significant point—as I said, I could raise many arguments for and against the content itself, but I am addressing only the symptomatic aspect of it, the longing: to break out of the realm of the sensory; I merely wish to characterize—the peculiar thing is that in the 19th century we saw geometries emerge other than the Euclidean one. Thus, the inner sharpness of thought, with what one intellectually takes as the foundation for chiseling out geometric truths, it attempted to crystallize from this thinking itself a geometry—or geometries—that apply to something other than our ordinary sensory space, for in this space it holds that the three angles of a triangle must together total 180 degrees, that through a point adjacent to a line one can draw only a parallel. And in the 19th century we acquired geometries that do not merely apply to our sensory space—no. Riemannian and Lobachevskian geometry are two genuine geometries, born of human thought according to strict mathematical laws.
[ 14 ] Im Sinne der Lobatschewskijschen Theorie sind die drei Winkel eines Dreiecks zusammen stets kleiner als 180 Grad, im Sinne der Riemannschen stets größer als 180 Grad. Im Sinne der letzteren können Sie auch durch einen Punkt keine einzige parallele Gerade zu einer anderen Geraden ziehen, im Sinne der ersteren zwei Geraden. Und diese Dinge sind nicht etwa so leicht zu nehmen. Denn wenn der Mathematiker in gewissen Formeln, durch die man jedes spezielle Verhältnis ausdrücken kann, das in der Lobatschewskijschen Theorie gegeben ist, eine gewisse Konstante gleich Null setzt, so bekommt er die Euklidische Geometrie als einen Spezialfall der Lobatschewskijschen Geometrie. Sie können die Euklidische Geometrie herausschälen aus der Lobatschewskijschen Geometrie.
[ 14 ] In Lobachevsky’s theory, the sum of the three angles of a triangle is always less than 180 degrees; in Riemann’s theory, it is always greater than 180 degrees. In the latter theory, you cannot draw a single straight line through a point that is parallel to any other line; in the former, you can draw two such lines. And these things are not so easy to accept. For if the mathematician sets a certain constant equal to zero in certain formulas—through which one can express every specific ratio given in Lobachevsky’s theory—he obtains Euclidean geometry as a special case of Lobachevsky’s geometry. You can extract Euclidean geometry from Lobachevsky’s geometry.
[ 15 ] Ich will nicht darauf hinweisen, daß mit den Ergebnissen des seherischen Forschertums die Festsetzungen weder. der einen noch der anderen der beiden Geometrien stimmen. Sie sind nur ein Beweis, daß die Gedankenoperationen hinausführen können über das Gebiet, das zunächst unseren Raum umschließt. Aber das muß man sagen: Wenn man diese Geometrien in ihrer Tragweite einsieht, so kann man sich Vorstellungen davon machen, daß ganz andere Tatsachenzusammenhänge vorhanden sind als in der Sinneswelt. Denn letztere drückt sich letztlich in den Formeln der Geometrie aus. Gelten nun für eine Welt andere Formeln als die der Euklidischen Geometrie, so ist diese Welt eine andere Welt als unsere. Und wir können sagen: Mit der Riemannschen und der Lobatschewskijschen Geometrie ist die Sehnsucht der Geometer gegeben, über die Sinneswelt hinauszukommen, gedanklich etwas zu erfassen, was gar nicht im Bereich der sinnlichen Welt liegt. Deshalb sind diese Nichteuklidischen Geometrien symptomatisch bedeutsam für unser Jahrhundert.
[ 15 ] I do not wish to point out that the findings of clairvoyant research do not correspond to the postulates of either of the two geometries. They are merely proof that mental operations can extend beyond the realm that initially encompasses our space. But this must be said: If one grasps the scope of these geometries, one can conceive that there are entirely different factual relationships than those in the sensory world. For the latter is ultimately expressed in the formulas of geometry. If, then, different formulas than those of Euclidean geometry apply to a world, that world is a world other than our own. And we can say: Riemannian and Lobachevskian geometry embody the geometer’s longing to transcend the sensory world, to grasp intellectually something that lies entirely outside the realm of the sensory world. That is why these non-Euclidean geometries are symptomatically significant for our century.
[ 16 ] Und nicht minder bedeutsam ist, daß der Franzose Poincare diese verschiedenen Theorien sehr geistvoll erkenntnistheoretisch verarbeitet hat. Dadurch allerdings kommt man, wenn man bei der bloßen Verwertung dieser außereuklidischen Festsetzungen bleibt, ohne den Schritt machen zu wollen ins Gebiet der Geisteswissenschaft, eben zu dem, wozu Poincaré gekommen ist: in allen unseren geometrischen Feststellungen nichts anderes zu sehen als Formeln, die unser Erkenntnisvermögen hat, um in möglichst bequemer Weise die Tatsachen zu umfassen. Und das ist bei Poincaré sehr klar herausgearbeitet. Und auch der Deutsche hat Gelegenheit, durch die verdienstvollen Übersetzungen dieser Bücher, die der Münchner Mathematiker Lindemann besorgt hat, sich eine Erkenntnis zu verschaffen von der Bedeutung dessen, was der ganzen Sache eigentlich zugrunde liegt.
[ 16 ] And no less significant is the fact that the Frenchman Poincaré has treated these various theories with great intellectual rigor from an epistemological perspective. However, if one limits oneself to merely applying these non-Euclidean postulates without wishing to venture into the realm of the humanities, one arrives precisely at what Poincaré arrived at: seeing nothing in all our geometric statements but formulas that our cognitive faculties have devised to grasp the facts in the most convenient way possible. And this is very clearly elaborated in Poincaré’s work. And Germans, too, have the opportunity, through the commendable translations of these books provided by the Munich mathematician Lindemann, to gain an understanding of the significance of what actually underlies the whole matter.
[ 17 ] So müssen wir sagen, wenn wir darauf auch nur hindeuten können, daß wirklich in unserer Zeit auf einem Gebiete die Schärfe des Denkens sich doch ausgelebt hat und daß diese Schärfe des Denkens charakteristisch genug in solchen Versuchen — mögen sie dem einzelnen mit Recht öde und auch noch so hypothetisch erscheinen — gegeben ist: eine Erkenntnissehnsucht aus der uns unmittelbar vorliegenden Welt hinaus.
[ 17 ] Thus, we must say—if we can even hint at the fact that, in our time, the sharpness of thought has indeed found its full expression in a particular field, and that this sharpness of thought is sufficiently evident in such attempts—however dreary and hypothetical they may rightly appear to the individual—that there is a thirst for knowledge reaching beyond the world immediately before us.
[ 18 ] Es ist überhaupt nützlich, wenn man wenigstens jene Strenge kennt, welche sich der Mensch durch mathematische Schulung aneignen kann. Denn alles, was mit Berechtigung auf geisteswissenschaftlichem Gebiet produziert wird, muß, insofern ein denkerisches Element dabei in Betracht kommt, von diesem streng disziplinierten Denken durchtränkt sein. Das mag hinter den Tatsachen verschwinden; aber wer geisteswissenschaftlich produziert, sollte sich bewußt sein, daß dieses Denken im Hintergrunde stehen sollte. Sonst wird Geisteswissenschaft etwas sein, das leicht von dem, der außer dem Geistigen lebt, zu Tode getreten werden kann. Und man wird nicht überall sagen können, daß böser Wille vorliegt, wenn wir nicht verstanden werden. Das muß nämlich auf geisteswissenschaftlichem Gebiet immer mehr und mehr hervortreten, daß wir an unser eigenes Denken die Anforderungen stellen, die, man möchte sagen, der strengste Mathematiker an sich stellt. Dadurch, daß uns die seherische Forschung zu Gebote steht, werden wir davor geschützt sein, gleichsam in den Wind hinein mathematische Gebäude zu bauen. Ich sage das, weil eben auch manches Kontra gegen das Gebäude der Riemannschen und Lobatschewskijschen Geometrie zu sagen ist. Ich wollte nur die Erkenntnissehnsucht charakterisieren. Daß es aber nützlich wäre, mit mathematischem Gefüge bekannt zu sein, das versuchte ich in meiner «Philosophie der Freiheit» zu zeigen. Darin ist ein Kapitel, das ich nennen möchte «Über den Lustwert des Lebens». Bis zu dem Augenblick, in dem ich dieses Kapitel über den Lustwert des Lebens geschrieben hatte, sprach man in philosophischen Kreisen viel von der Lustbilanz des Lebens, und man setzte in eine scheinbar mathematische Formel, welche die Lustbilanz geben sollte, die 'Tatsachenwelt so ein, daß man meinetwillen alle Lust eines Lebens summierte zu einem a und alle Unlust desselben Lebens zu einem b, und die Differenz etwa die Lustbilanz nannte, den Überschuß von Lust über Unlust. Man hat, wenn man Lust und Unlust so in eine Formel bringt, eine Differenz gewählt, dasjenige gewählt, was man die mathematische Formel der Subtraktion nennen kann. Das Wesentliche in jenem Kapitel ist, daß ich gezeigt habe, wie es unmöglich ist, Lust und Unlust so zusammenzufassen, daß sie in ein Verhältnis von Minuend und Subtrahend gebracht werden. Was man da herausbringt, wird mit der wirklichen Erfahrung niemals stimmen. Ich habe gezeigt, daß man den Lustwert nur dann bekommt, wenn man es so macht: Wenn man das a dividiert durch das 5, dann gibt das c als Quotient den Lustwert:
[ 18 ] It is generally useful to be familiar with at least the rigor that one can acquire through mathematical training. For everything that is legitimately produced in the field of the humanities must, insofar as a cognitive element is involved, be imbued with this strictly disciplined thinking. This may disappear behind the facts; but anyone who produces work in the field of spiritual science should be aware that this thinking should be present in the background. Otherwise, spiritual science will be something that can easily be trampled to death by those who live outside the spiritual realm. And one will not be able to claim everywhere that there is ill will at play when we are not understood. For in the field of spiritual science, it must become increasingly evident that we impose upon our own thinking the demands that, one might say, the strictest mathematician imposes upon himself. Because we have clairvoyant research at our disposal, we will be protected from, so to speak, building mathematical structures into the wind. I say this because there is indeed much to be said against the edifice of Riemannian and Lobachevskian geometry. I merely wished to characterize the thirst for knowledge. However, I attempted to show in my *Philosophy of Freedom* that it would be useful to be familiar with mathematical structures. There is a chapter in it that I would like to call “On the Pleasure Value of Life.” Up until the moment I had written this chapter on the pleasure value of life, there was much talk in philosophical circles of the pleasure balance of life, and one would insert the “real world” into a seemingly mathematical formula intended to yield the pleasure balance in such a way that, for my sake, one would sum all the pleasures of a life to an “a” and all the displeasures of the same life to a “b,” and call the difference the pleasure balance—the surplus of pleasure over displeasure. When one expresses pleasure and displeasure in a formula in this way, one has chosen a difference, that which one might call the mathematical formula of subtraction. The essential point in that chapter is that I have shown how it is impossible to summarize pleasure and displeasure in such a way that they are brought into a relationship of minuend and subtrahend. Whatever one derives from this will never correspond to actual experience. I have shown that one obtains the pleasure value only if one proceeds as follows: If one divides a by 5, then c, as the quotient, gives the pleasure value:
$$c = \frac{a}{b}$$$$c = \frac{a}{b}$$[ 19 ] Wenn Sie gewissenhaft die Tatsachen des Lebens erforschen, werden Sie das überall bewahrheitet finden. Um das zu können, was in abstrakter Weise über eine Tatsache des Lebens in dieser Formel ausgedrückt ist, muß man wenigstens ein wenig das überschauen, was aus mathematischem Gefüge folgen kann.
[ 19 ] If you carefully examine the facts of life, you will find this to be true everywhere. In order to grasp what is expressed in abstract terms about a fact of life in this formula, one must have at least a basic understanding of what can be derived from mathematical structures.
[ 20 ] Nehmen Sie einmal die Frage: Wodurch kann denn der Lustwert — wenn die Formel so liegt - zur Null werden, wodurch kann, mit anderen Worten, der völlige Überdruß am Leben entstehen? — Durch keine andere Tatsache, als wenn der Bruch zu seinem Nenner - in seinem \(b\) - ein Unendliches hat. Denn indem Sie einen Quotienten bilden, können Sie nur eine Null kriegen, wenn im Nenner Unendlich steht, solange im Zähler auch nur \(1\) steht. Das heißt, es stimmt diese Voraussetzung in ganz anderer Weise mit den Tatsachen des Lebens. Letzteres zeigt Ihnen — wenn sich der Mensch auch Illusionen hingibt — überall eine gewisse Lebenslust. Sie ist vorhanden, wo Leben überhaupt ist.
[ 20 ] Consider the question: How can the pleasure value—if the formula holds true—become zero; in other words, how can complete weariness of life arise? — By no other fact than when the fraction has an infinite value in its denominator—in its \(b\). For when you form a quotient, you can only get a zero if the denominator is infinite, as long as the numerator is even just \(1\). That is to say, this premise corresponds to the facts of life in a completely different way. The latter shows you—even if people indulge in illusions—a certain zest for life everywhere. It is present wherever life exists at all.
[ 21 ] So sehen wir, wie es nützlich sein kann, in richtiger Weise arithmetische Formeln anzuwenden. Wenn Sie die falsche Formel der Differenz anwenden, dann können Sie leicht irgendeinen Überschuß der Unlust bekommen und können sagen: Der Lebensüberdruß ist als eine Größe berechtigt. Da sehen Sie auch, wie nützlich es ist, sich die strenge mathematische Logik gleichsam zum Ideal machen zu können.
[ 21 ] Thus we see how useful it can be to apply arithmetic formulas correctly. If you apply the wrong formula for the difference, you can easily develop a certain excess of discontent and say: Weariness of life is justified as a quantity. There you also see how useful it is to be able to make strict mathematical logic, so to speak, your ideal.
[ 22 ] Wenn wir von der Mathematik absehen und auf die verschiedenen Einzelgebiete der Philosophie blicken, dann müssen wir sagen: Wir finden überall — suchen Sie auf dem Gebiet der Logik, wenn sie auch einige Befruchtung wieder von mathematischer Seite her durch die Wahrscheinlichkeitstheorie erlangt hat — die Unmöglichkeit, daß das in sich geschlossene Denken seine eigenen Konsequenzen zieht. Und dabei möchte ich Sie auf das wichtigste Faktum in der Entwickelung an einem Beispiel in der Entwickelung unseres geistigen Lebens das 19. Jahrhundert hindurch - hinweisen, auf ein geisteswissenschaftliches Faktum, das sich mit einer gewissen Tragkraft im geistigen Leben um die Mitte des 19. Jahrhunderts zugetragen hat.
[ 22 ] If we set mathematics aside and look at the various individual fields of philosophy, we must say: Everywhere we look—even in the field of logic, which has, admittedly, been enriched once again by mathematics through the theory of probability—we find that self-contained thought is incapable of drawing its own conclusions. And in this context, I would like to draw your attention to the most important fact in the development of our spiritual life throughout the 19th century—a fact in the field of the humanities that occurred with a certain significance in spiritual life around the middle of the 19th century.
[ 23 ] Dazumal hat Julius Robert Mayer, dann unabhängig von ihm Helmholtz das gefunden, was man seither die Lehre vom mechanischen Wärmeäquivalent genannt hat, von der sogenannten Erhaltung der lebendigen Kraft. Nun hat, bald nachdem das geschehen war, Helmholtz auf diese Theorie von der Erhaltung der lebendigen Kraft eine andere gebaut, die dann auch weithin angenommen worden ist, die heute noch vielen als unanfechtbar gilt: diese nämlich, daß in dem Wechselspiel von der lebendigen Kraft im Weltall fortwährend Umsetzungen stattfinden von irgendwelchen anderen, sagen wir von Verrichtungen in den weltführenden lebendigen Kräften, seien es die Kräfte des Magnetismus oder der Elektrizität, seien es andere rein mechanische Kräfte die Umsetzung solcher Kräfte in Wärme. Nun ist es im Sinne des sogenannten Carnotschen Satzes niemals möglich, in vollständiger Weise den Umwandlungsprozeß von Kraft in Wärme unter Aufrechterhaltung desselben Kraftquantums zu vollziehen. Man muß sagen: Es ist niemals möglich, alle Wärme wieder zurückzuverwandeln in lebendige Kraft. - Wollte ich übrigens diesen sogenannten zweiten Hauptsatz der Wärmetheorie beschreiben, so müßte ich ein paar Vorlesungen darüber halten. Ich will aber heute nur charakterisieren. Es kommt dabei nicht darauf an, daß alles einzelne, was Sie sich darüber aneignen können, auch hier gesagt werde. Im Sinne des zweiten Hauptsatzes der mechanischen Wärmetheorie und im Sinne dessen, was in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Hermann Helmholtz daraus gemacht hat, liegt es also, daß bei allen Prozessen unseres Daseins zuletzt bei der Umwandlung von Wärme in Kraft ein Wärmequantum da sein muß, das nicht mehr zurückverwandelt werden kann in eine andere Kraft. Infolgedessen müssen alle unsere physikalisch-mechanischen Prozesse zuletzt so verlaufen, daß ihre Kräfte sich in Wärme umsetzen. Und da immer ein Rückstand von Wärme bleibt, so müssen diese Prozesse endlich in ein Ziel auslaufen, welches darin besteht, daß alle andere Kraft in Wärme umgewandelt worden ist, daß sozusagen alle lebendigen Kräfte zuletzt in Wärme umgewandelt sein werden. Wir würden damit das gegeben haben, was wir den Wärmetod unserer Erde nennen können. Da könnte natürlich kein anderer Prozeß erfolgen, wenn alles in Wärme umgewandelt wäre. So läuft sozusagen das physikalische Denken bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in dieses Gesetz ein, läuft ein in die Aussage, die, wenn man das, was dazumal physikalisch gedacht werden konnte, zu Rate zog, eigentlich ganz richtig war: sie läuft ein in die Konstatierung des Wärmetodes unserer Erde. Und der einzige Trost, den Helmholtz fand, war der: Es ist noch lange hin, und keiner hat sich zu fürchten, daß ihn so bald der Wärmetod treffen werde. Und alles, was wir verfolgen können, zeigt uns in so geringem Maße diesen Prozeß, daß wir hoffen können, es werde noch durch Jahrmillionen das Leben flott so fortgehen, ohne daß die Erde der Wärmetod treffen werde. — Für denjenigen, der in der Erkenntnis gründlicher vorgeht, bleibt das eben nur ein philiströser Trost.
[ 23 ] At that time, Julius Robert Mayer, and later Helmholtz independently of him, discovered what has since been called the theory of the mechanical equivalent of heat, or the so-called conservation of vital force. Now, shortly after that happened, Helmholtz built upon this theory of the conservation of vital force to develop another theory, which was then widely accepted and is still considered by many to be indisputable: namely, that in the interplay of vital forces in the universe, transformations are constantly taking place—from some other processes, let us say, in the world-governing vital forces, be they the forces of magnetism or electricity, or other purely mechanical forces—into heat. Now, in accordance with the so-called Carnot’s theorem, it is never possible to carry out the process of conversion from force to heat in a complete manner while maintaining the same quantity of force. One must say: It is never possible to convert all heat back into active force. — Incidentally, if I were to describe this so-called second law of thermodynamics, I would have to give a few lectures on the subject. But today I only wish to outline it. It is not essential that every single detail you might wish to learn about it be stated here. In the sense of the second law of mechanical thermodynamics and in the sense of what Hermann Helmholtz derived from it in the 1850s, it follows that in all processes of our existence, ultimately in the conversion of heat into force, there must be a quantum of heat that can no longer be reconverted into another form of force. Consequently, all our physical-mechanical processes must ultimately proceed in such a way that their forces are converted into heat. And since there is always a residual amount of heat, these processes must ultimately culminate in a state where all other forms of energy have been converted into heat—where, so to speak, all living forces will ultimately be converted into heat. We would thus have arrived at what we might call the heat death of our Earth. Naturally, no other process could take place once everything has been converted into heat. Thus, so to speak, physical thinking up to the mid-19th century converges on this law, converges on the statement which, when one consulted what could be conceived physically at the time, was actually quite correct: it converges on the assertion of the heat death of our Earth. And the only consolation Helmholtz found was this: It is still a long way off, and no one need fear that the heat death will befall them so soon. And everything we can observe reveals this process to us in such a minor degree that we can hope life will continue undisturbed for millions of years to come, without the Earth being struck by the heat death. — For those who proceed more thoroughly in their understanding, this remains nothing more than a philistine consolation.
[ 24 ] Ich habe aber damit nur charakterisieren wollen, was ich an .zahlreichen anderen Beispielen charakterisieren könnte: wie sozusagen aus dem Fortgang des wissenschaftlichen Denkens bis dahin — der Vortrag, in welchem Helmholtz die Sache darlegte, ist etwa 1852 gehalten worden - die Konfiguration des Denkens zu gewissen Resultaten hat kommen müssen.
[ 24 ] However, I merely wanted to illustrate what I could have illustrated using numerous other examples: how, so to speak, the progression of scientific thought up to that point—the lecture in which Helmholtz presented his ideas was given around 1852—must have led to certain results.
[ 25 ] Gegen diesen Vortrag wandte sich dazumal (1856) ein Hegelianer: Karl Rosenkranz. Dieser ließ nun an Waffen alles das auffahren, was er aus dem Arsenal der Hegelschen Philosophie hat gewinnen können. Und derjenige, der Karl Rosenkranz, den innigen, man darf sagen, herzlich innigen Hegelianer etwas genauer kennt, weiß, daß Karl Rosenkranz doch nicht so leicht zu nehmen ist, als man ihn sehr häufig nehmen will. Er ließ auffahren alles, was er aus dem Arsenal der Hegelschen Schule aufbringen konnte. Wir haben also da die andere Strömung, die nämlich, welche in der Gedankenlinie erfolgte. Diese lief in dieser Richtung, wie ich es habe zeigen wollen. Wozu das physikalische Denken gekommen ist, kann bei Helmholtz gezeigt werden; wohin das philosophische Denken gelangt ist, bei Rosenkranz. Da sehen wir, daß wichtige Einwendungen gegen die mechanische Wärmetheorie gemacht werden. Rosenkranz rügt, daß Helmholtz eigentlich nur nach Analogien denke. Sein Gesetz müsse man abstrahieren von den Prozessen, die sich an der Uhr, an der Windbüchse oder an anderen Dingen vollziehen. Es ist richtig für die Dampfmaschine, daß von lebendigen Kräften, die wir hervorrufen, etwas an die Umgebung verlorengeht, was nicht wieder zurückgebracht werden kann. Solange wir von solchen, ich möchte sagen, von allen Seiten mit endlichen Umgebungen versehenen Vorgängen ausgehen, so lange ist bei dem, was wir da gewinnen, nicht fernzuhalten, daß solche Resultate erzielt werden, wie sie Helmholtz erzielt hat in seiner Abhandlung über die mechanische Wärmetheorie. Da weist dann Karl Rosenkranz mit Recht darauf hin, wie es durchaus nicht folgt, sobald wir über die unmittelbaren Erdenverhältnisse hinausgehen, daß keine Möglichkeit vorhanden wäre, daß die in den Weltenraum hinauserstrahlte Wärme in derselben Weise verlorengehen müßte wie bei der Dampfmaschine. Ganz andere Tatbestände könnten da vorliegen. Ich kann heute nicht eingehen auf das, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, wo sie auf die Wärmetheorie zu sprechen kommt. Da erst liegt jener sichere Boden, den ich Ihnen charakterisieren konnte in den Vorträgen, die ich jetzt über die biblische Schöpfungsgeschichte gehalten habe. Der Hegelianer blieb unfruchtbar, weil er den Übergang zu diesem Boden nicht finden konnte. So blieb ihm die Wärme auch nichts anderes als ein innerer Erzitterer. Dennoch, mit den Begriffen, die einfach gegeben sind, wenn man im streng disziplinierten Denken von der sogenannten endlichen Mechanik, die nur für die unmittelbare Umgebung gilt mit all ihren Formeln, einschließlich der Formeln
[ 25 ] At the time (1856), a Hegelian—Karl Rosenkranz—took issue with this lecture. He brought to bear every weapon he could muster from the arsenal of Hegelian philosophy. And anyone who knows Karl Rosenkranz—a devoted, one might say, deeply devoted Hegelian—a little better knows that Karl Rosenkranz is not as easy to dismiss as people very often try to do. He brought out everything he could muster from the arsenal of the Hegelian school. So we have here the other current, namely the one that developed along the line of thought. This ran in the direction I have sought to show. Where physical thinking has arrived can be seen in Helmholtz; where philosophical thinking has arrived, in Rosenkranz. There we see that important objections are raised against the mechanical theory of heat. Rosenkranz criticizes Helmholtz for thinking, in essence, only in terms of analogies. His law, he argues, must be abstracted from the processes that take place in a clock, a wind box, or other objects. It is true of the steam engine that some of the living forces we generate are lost to the environment and cannot be recovered. As long as we proceed from such processes—I would say, processes surrounded on all sides by finite environments—it cannot be ruled out that the results we obtain will be similar to those Helmholtz arrived at in his treatise on the mechanical theory of heat. Karl Rosenkranz then rightly points out that it by no means follows, as soon as we go beyond the immediate conditions on Earth, that there would be no possibility that the heat radiated out into space would be lost in the same way as with the steam engine. Entirely different circumstances could be at play there. I cannot go into today what spiritual science has to say when it comes to the theory of heat. It is only there that we find the solid ground I was able to describe to you in the lectures I have recently given on the biblical story of creation. The Hegelian remained unproductive because he could not find the transition to this ground. Thus, heat remained for him nothing more than an inner tremor. Nevertheless, with the concepts that are simply given when one thinks in the strictly disciplined manner of so-called finite mechanics—which applies only to the immediate surroundings with all its formulas, including the formulas
$$\frac{mv^2}{2}$$$$\frac{mv^2}{2}$$[ 26 ] — all diese Formeln gelten für unsere unmittelbaren Verhältnisse —, mit diesen Begriffen wendet er sich zur absoluten Mechanik. Hegel hat im Aufsteigen seines wissenschaftlichen Systems den Gang durchgemacht von der sogenannten endlichen Mechanik zur absoluten Mechanik, die er anwendet auf dieBewegung der Himmelskörper. Da verwandeln sich die Formeln, so daß man einfach die Formeln, die man an der Dampfmaschine gewinnt, an unseren gewöhnlichen Wärmeverhältnissen im Helmholtzschen Sinne, gar nicht anwenden dürfte auf die Prozesse, die größere Entitäten des Raums umfassen. Aber um solch einen Gedanken schon einzusehen, die Möglichkeit einzusehen, daß man von einer endlichen Mechanik zu einer absoluten aufsteigen kann, dazu gehört eine innerlich sich selbst dirigierende Logik, die eben der Philosophie des 19. Jahrhunderts und auch Karl Rosenkranz fehlte. Denn durch seine ganzen Einwendungen hindurch geht die immerwährende starke Suggestion, der er auch hingegeben ist, welche ausgeht von den überwältigenden naturwissenschaftlichen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts. Die kriegen vieles Denken unter. — Dazu gehört wirklich sich selbst dirigierendes Denken, wenn man durch diese naturwissenschaftlichen Anschauungen durchstechen will. Ich könnte leicht nachweisen, daß bis in das Gesetz von der sogenannten Erhaltung der Materie hinein, das eine so große Rolle spielt, das Richtige nur bekannt werden kann, wenn man das innere Gefüge des Denkens kennt. Ich könnte den Nachweis führen, daß dieses Gesetz, wie es heute in der Physik vorhanden ist, nichts anderes ist als ein Hinausprojizieren von eigenen Denkgesetzen in den Raum, wobei das Denken noch dazu mit stumpfen Waffen arbeitet. Wir sehen hier dasjenige, was wir auf geisteswissenschaftlichem Gebiete heute kennen: daß in höheren Gebieten objektiv uns erscheint, was in uns selbst ist - ich will gar nicht sprechen von der Erhaltung der Kraft -, daß in weiterem Sinn noch gilt, was ich selber jetzt angeführt habe in bezug auf die Erhaltung der Materie. So sehen wir, wie durch die Suggestion der naturwissenschaftlichen Feststellungen, denen gegenüber man auf rein tatsächlichem Boden bleiben sollte, auf diesem Gebiete das denkerische Element des Menschen sich stumpf erwiesen hat, weil die Philosophie nicht in der Lage war, die Decke zu durchstechen, die gebildet wird nicht aus der naturwissenschaftlichen Tatsachenforschung, sondern aus der Auslegung der erforschten Tatsachen. Geisteswissenschaft steht voll auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Tatsachen. Ich würde es als einen der größten Mängel der Geisteswissenschaft ansehen, wenn sie nicht Hand in Hand gehen wollte mit einer wirklichen naturwissenschaftlichen Tatsachenforschung. Aber etwas anderes ist die Auslegung der erforschten Tatsachen. Wenn uns die Naturforscher das erzählen, was sie im Laboratorium zustande bringen an Tatsachenobjekten, dann müssen wir dankbar ihre Feststellungen entgegennehmen, dann nehmen wir die Aussprüche der Natur selber entgegen, und leugnen wir sie, dann sind wir in einem Unsinn befangen. Geben wir uns ihnen nicht hin, dann zeigen wir, daß wir keinen Wahrheitssinn haben. Wollten wir aber auch die sogenannten monistischen Erwägungen nehmen und uns aufdrängen lassen, daß das Tatsachen sind, dann würden wir die Meinungen der Menschen als Tatsachen nehmen. Das geschieht aber dadurch, daß sich die Meinungen der Menschen tückisch, möchte ich sagen — aber keinen trifft die Schuld als Fanatiker -, in die populäre Literatur eingeschlichen haben. Wir können um eine Mark zwanzig nicht nur naturwissenschaftliche Tatsachen überliefert erhalten, sondern auch die Meinungen, die so auftreten, als wenn sie Tatsachen wären, die sozusagen so unterstrichen sind, daß, wenn der Mensch nicht an sie glaubt, er nicht an die naturwissenschaftlichen Ergebnisse glaubt. Man kann aber an letzteren festhalten und trotzdem sagen, daß die Auslegungen nichts anderes sind als Interpretationen, von stumpfen Denkerwaffen vorgenommen.
[ 26 ] — all these formulas apply to our immediate circumstances —; using these concepts, he turns to absolute mechanics. In the development of his scientific system, Hegel has made the transition from so-called finite mechanics to absolute mechanics, which he applies to the motion of celestial bodies. There the formulas transform in such a way that one simply cannot apply the formulas derived from the steam engine—in the Helmholtzian sense of our ordinary thermal conditions—to the processes that encompass larger entities in space. But to even grasp such a thought—to grasp the possibility that one can ascend from finite mechanics to absolute mechanics—requires an internally self-directing logic, which was precisely what the philosophy of the 19th century, and also Karl Rosenkranz, lacked. For running through all his objections is the ever-present, powerful suggestion to which he, too, is devoted—a suggestion stemming from the overwhelming scientific conceptions of the 19th century. These subdue much thought. —This truly requires self-directing thought if one is to penetrate these scientific views. I could easily demonstrate that even regarding the law of the so-called conservation of matter, which plays such a major role, the truth can only be known if one understands the inner structure of thought. I could prove that this law, as it exists in physics today, is nothing other than a projection of one’s own laws of thought into space, whereby thought, moreover, operates with blunt instruments. Here we see what we know today in the field of spiritual science: that in higher realms, what is within us appears to us as objective—I do not even wish to speak of the conservation of energy—and that, in a broader sense, what I myself have just cited regarding the conservation of matter still holds true. Thus we see how, through the suggestion of scientific findings—toward which one ought to remain on purely factual ground—the human element of thought has proved blunt in this realm, because philosophy was unable to pierce the veil formed not by scientific fact-finding, but by the interpretation of the facts that have been investigated. Spiritual science stands firmly on the ground of scientific facts. I would regard it as one of the greatest shortcomings of spiritual science if it were unwilling to go hand in hand with genuine scientific fact-finding. But the interpretation of the researched facts is another matter. When natural scientists tell us what they have produced in the laboratory in terms of factual objects, then we must gratefully accept their findings; then we accept the utterances of nature itself, and if we deny them, then we are caught up in nonsense. If we do not submit to them, then we show that we have no sense of truth. But if we were also to accept the so-called monistic considerations and allow ourselves to be persuaded that these are facts, then we would be taking people’s opinions as facts. This happens, however, because people’s opinions have insidiously—I would say—crept into popular literature, though no one is to blame for this as a fanatic. For twenty pfennigs, we can obtain not only scientific facts handed down to us, but also opinions that appear as if they were facts, so to speak, so strongly emphasized that if a person does not believe in them, he does not believe in the scientific findings. One can, however, hold fast to the latter and still say that the explanations are nothing more than interpretations, made with blunt intellectual weapons.
[ 27 ] Ebenso wie dieses Denken in bezug auf die einfachsten physikalisch-chemischen Dinge stumpf ist, so muß sich natürlich um so mehr dieses Denken stumpf erweisen, wenn höhere Gebiete in Betracht kommen, etwa die der Physiologie. Die Zeiten sind längst vorüber, wo ein so geistvoller Anatom wie der alte Hyrtl seinen Schülern das anatomische Gefüge des Menschen in den ersten Jahren ihres medizinischen Studiums lebendig machen konnte. Wir haben es heute mit einem Betriebe zu tun, der sich vor allen Dingen einer Sache gar nicht bewußt ist. Um diese Sache zu charakterisieren, möchte ich ihr ein etwas anderes Kleid geben.
[ 27 ] Just as this way of thinking is blunt when applied to the simplest physical and chemical phenomena, it must naturally prove even more blunt when higher fields are considered, such as physiology. The days are long gone when a brilliant anatomist like the late Hyrtl could bring the anatomical structure of the human body to life for his students in the early years of their medical studies. Today we are dealing with an institution that, above all, is completely unaware of one thing. To characterize this thing, I would like to present it in a slightly different light.
[ 28 ] Es wäre im Sinne dessen, was ich selbst als geisteswissenschaftliche Bewegung ansehen muß, mein dringendster Wunsch, daß diejenigen, welche eine physiologisch-ärztliche Vorbildung haben, sich soweit mit den Tatsachen der Geisteswissenschaft bekanntmachen, daß sie in bezug auf ihren Tatsachencharakter die Ergebnisse der Physiologie einmal durcharbeiten können. Ich werde selbst im nächsten Frühling nur höchstens die Grundlinien dieser geisteswissenschaftlichen Physiologie ziehen können. Da muß viel gearbeitet werden. In unserer physiologischen Literatur liegt das wunderbarste Material vor, das man nur kennen muß, aber man muß daneben auch die Grenzgebiete kennen, und man muß wiederum kennen, wie die Physiologie beeinflußt wird von einer wahren Psychologie, die heute sehr im Schutt begraben liegt. Da wäre es eine Sehnsucht der Geistesforschung, daß die physiologisch Gebildeten unter uns die streng exakte Umschau hielten über gewisse physiologisch-anatomische Ergebnisse der letzten Zeiten. Allerdings, wer das Tatsachenmaterial kennt, weiß, daß auf gewissen Gebieten, die man dann gerade brauchen würde, noch nichts getan ist. Das kann aber dann derjenige mit leichten Mitteln tun, der sich das aneignet, was auf diesem Gebiete schon geleistet ist; der es sich aneignet so, daß er es sich produktiv aneignet. Dann wird er, wenn er zu gleicher Zeit von Geist-Erkenntnis durchdrungen ist, nicht in die Lage kommen, eine solche Grundlage der Physiologie zu schaffen, wo man gleichsam in der Zergliederung des Organismus ein jedes Organ als gleichwertig betrachtet. Was ist das Wesentliche, das die heutige Physiologie nicht hochkommen läßt? Das ist es, daß man den Organismus zergliedert. Man hat Herz, Lunge, Leber und so weiter; man studiert sie alle, als wenn sie als gleichberechtigte organische Glieder nebeneinander lägen. Das ist aber nicht der Fall. Alle diese einzelnen Glieder haben verschiedene Antezedenzien ihrer Werte. Und man hat in einem Stück Leber nicht dieselbe Materie in der Hand, die man in einem Stück aus dem Herzmuskel und dergleichen hat. Da handelt es sich darum, daß man zu dem, was der rein äußere Sinnesbestand gibt, einen gewissen Faktor hinzufügt, den ich nicht anders bezeichnen kann als eine gewisse objektive Wertigkeit des betreffenden Organes. Dies wird sich ergeben für den Physiologen, wenn er einmal die Arbeit unternimmt, genau ein Organ in dem vollgestalteten menschlichen Organismus zu vergleichen mit einer wirklichen Embryologie. Da wird er darauf kommen, daß die Embryologie heute so einseitig arbeitet, weil sie gewissermaßen nur einen aufsteigenden Prozeß verfolgt und nicht einen damit parallel gehenden absteigenden. In der richtigen Weise geht man erst vor, wenn man in jedem Stadium der embryologischen Entwickelung etwas herausbringt, worin wie in einer mathematischen Funktion enthalten ist ein Faktor der Dekadenz und ein anderer Faktor der Produktivität. Und wenn man in die Lage kommt, das, was man so an Feststellungen der Wertigkeit gewonnen hat, anwenden zu können auf das Organ in seiner Vollgestaltigkeit im Organismus, wenn man nicht einfach nebeneinanderstellt Herz und Leber als gleichwertige Organe — sie sind von einer verschiedenen qualitativen Wertigkeit -, dann wird man vor dem Augenblick stehen, wo gerade die großartigen Ergebnisse unserer physiologischen Tatsachenwelt das größte Licht empfangen werden.
[ 28 ] In keeping with what I myself must regard as the spiritual science movement, it is my most urgent wish that those with a background in physiology and medicine familiarize themselves with the facts of spiritual science to such an extent that they can work through the findings of physiology in light of their factual nature. Next spring, I myself will be able to outline at most the basic principles of this spiritual-scientific physiology. There is much work to be done. Our physiological literature contains the most wonderful material—one only needs to be familiar with it—but one must also be familiar with the borderline areas, and one must, in turn, understand how physiology is influenced by a true psychology, which today lies largely buried in the rubble. It would be a desire of spiritual research that those among us with a background in physiology take a strictly exact look at certain recent physiological and anatomical findings. Admittedly, anyone familiar with the factual material knows that in certain areas—which we would need most at this very moment—nothing has yet been done. But this can be accomplished with relative ease by those who assimilate what has already been achieved in this field; who assimilate it in such a way that they make productive use of it. Then, if at the same time they are imbued with spiritual insight, they will not end up creating a foundation for physiology where, as it were, in the dissection of the organism, every organ is regarded as equal. What is the essential point that modern physiology fails to recognize? It is that the organism is dissected. One has the heart, lungs, liver, and so on; one studies them all as if they were equal organic parts lying side by side. But that is not the case. All these individual parts have different antecedents of their values. And in a piece of liver, one does not have the same matter at hand as one has in a piece of heart muscle and the like. The point here is that one must add a certain factor to what the purely external sensory data provides, a factor I can only describe as a certain objective value of the organ in question. This will become clear to the physiologist once he undertakes the task of comparing a single organ in the fully developed human organism with actual embryology. He will then realize that embryology today operates in such a one-sided manner because it, so to speak, follows only an ascending process and not a descending one that runs parallel to it. One proceeds correctly only when, at every stage of embryological development, one brings out something that contains, as in a mathematical function, a factor of decay and another factor of productivity. And when one is able to apply what one has thus gained in terms of value assessments to the organ in its full form within the organism—when one does not simply place the heart and liver side by side as organs of equal value (they are of different qualitative value)—then one will stand at the moment when precisely the magnificent results of our physiological world of facts will receive the greatest illumination.
[ 29 ] Was ich so für die Physiologie charakterisiert habe, könnte ich Ihnen für die Biologie, für die Geschichte und Kulturgeschichte charakterisieren. Da sehen Sie ein Arbeitsfeld, das vor uns liegt, das bebaut werden muß. Da sehen Sie lebendig die Lage der gegenwärtigen Philosophie und Wissenschaft gegenüber dem, was wir, ich möchte sagen, durch die Gunst der Verhältnisse, durch unser Menschheitskarma an positiven Ergebnissen haben. Rund um uns herum sind durch die Tatsachenforschung die schönsten Ergebnisse. Wer sich mit diesen Tatsachen bekanntmacht, erblickt einen wunderbaren Werdegang. Woran es fehlt, das ist die scharfe Eindringlichkeit, die Energie des philosophischen Denkens, das doch erst, wenn es angewendet wird - aber mutvoll angewendet wird auf die Tatsachen -, dann diese Tatsachen in ihrem richtigen Licht darstellen kann. Das lag erkenntnistheoretisch ausgesprochen in meiner grundlegenden erkenntnistheoretischen Schrift «Wahrheit und Wissenschaft». Da finden Sie hingewiesen auf jene Art von Erkenntnistheorie, welche damit rechnet, daß unsere Erkenntnistheorie nicht ohne objektive Bedeutung bleibt, sondern so auftreten muß, daß in den erkenntnistheoretischen Ergebnissen Befruchtung unseres Erkenntnissubjektes liegt, so daß dieses untertauchen kann in das, was uns durch die sonstige Lage der Wissenschaft gegeben ist. Wenn wir aus den Anfängen, die sich aus unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung herausentwickeln sollten auf diesem Gebiete, auf allen Gebieten der Wissenschaft in der richtigen Weise mit Ernst und Würde arbeiten, wenn wir nicht bei einem gewissen theosophischen Dilettantismus bleiben, sondern uns streng hineinversenken in das, was auch wissenschaftlich gegeben ist, werden wir dazu kommen - statt, wie es wirklich heute der Fall ist, eine Metaphysik ohne transzendentale Überzeugung zu haben -, eine Metaphysik zu haben, welche durch die Waffen, die ihr geprägt werden von einer produktiven Erkenntnistheorie, eindringt durch das äußere Feld der Sinnlichkeit in das Übersinnliche. Dann wird sie eine Überzeugung haben, weil sie ruhen wird auf einer Erkenntnistheorie, weil sie das menschliche Erkenntnissubjekt wird befruchten können. Logik wird ihren Inhalt bekommen, weil die Denkgesetze sich als Weltgesetze ergeben werden. Es wird Ethik auch das haben können, was man Verbindlichkeit wird nennen können, weil das produktive Erkennen sich in unsere Impulse ergießt. Wir werden eine Ethik mit Verbindlichkeit haben. Dann werden wir auch das haben, was nicht eine Psychologie ohne Seele, sondern eine Psychologie mit der Seele ist, denn auf die Fragen nach der Seele und ihrem Schicksal in der Welt geht doch die menschliche Erkenntnissehnsucht.
[ 29 ] What I have described in this way for physiology, I could describe for biology, for history, and for cultural history. There you see a field of work that lies before us, one that must be cultivated. There you see, in living color, the situation of contemporary philosophy and science in relation to what we have—I would say—through the favor of circumstances, through our human karma, in terms of positive results. All around us, thanks to empirical research, are the most beautiful results. Anyone who familiarizes themselves with these facts beholds a marvelous development. What is lacking is the sharp incisiveness, the energy of philosophical thought, which can only—when applied, but applied courageously to the facts—present these facts in their proper light. This was expressed epistemologically in my foundational epistemological work *Truth and Science*. There you will find a reference to that kind of epistemology which anticipates that our epistemology does not remain without objective significance, but must take such a form that the epistemological results serve to enrich our subject of knowledge, so that it can immerse itself in what is given to us by the current state of science. If we work in the right way, with seriousness and dignity, in all fields of science—starting from the beginnings that should develop from our spiritual-scientific movement in this area—if we do not remain stuck in a certain theosophical dilettantism but instead immerse ourselves rigorously in what is scientifically given, we will arrive at —instead of having, as is truly the case today, a metaphysics without transcendental conviction—to have a metaphysics that, through the tools shaped for it by a productive theory of knowledge, penetrates through the outer realm of the sensory into the supersensory. Then it will have conviction, because it will rest on a theory of knowledge, because it will be able to enrich the human subject of cognition. Logic will gain its content, because the laws of thought will emerge as laws of the world. Ethics, too, will be able to possess what one might call a sense of obligation, because productive cognition pours into our impulses. We will have an ethics with a sense of obligation. Then we will also have what is not a psychology without a soul, but a psychology with a soul, for the human thirst for knowledge is directed toward the questions of the soul and its fate in the world.
[ 30 ] Das sollte ein schwacher Versuch sein, Ihnen zu zeigen, wo wir eigentlich stehen, wenn wir den Blick schweifen lassen von dem, was wir spirituell in uns fühlen können, zu dem Umkreis des Erforschten, des wissenschaftlich um uns Bestehenden. Wenn ich alles einzelne, was wissenschaftlich besteht, Ihnen charakterisieren wollte, müßte ich viele Vorträge halten. Aber es wird sich im Laufe der Zeit noch mancherlei ergeben. Ich wollte nur zeigen, welche 'Tendenz in unserer Geisteswissenschaft liegen kann, wenn die in ihr liegenden Möglichkeiten nicht bloß aus egoistischen Gründen — um die allernächsten persönlichen Ziele zu befriedigen — gesucht werden, sondern wenn sie gesucht werden, um mitzuarbeiten an dem Geist, an dem Kulturprozeß der Menschheit.
[ 30 ] This was meant to be a modest attempt to show you where we actually stand when we shift our gaze from what we can feel spiritually within ourselves to the realm of what has been researched, of what exists scientifically around us. If I were to describe to you every single aspect of what exists scientifically, I would have to give many lectures. But many things will emerge in the course of time. I only wanted to show what kind of ‘tendency’ may lie within our spiritual science if the possibilities it holds are sought not merely for selfish reasons—to satisfy the most immediate personal goals—but if they are sought in order to contribute to the spirit, to the cultural process of humanity.
