Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125
17 September 1910, Basel
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7. Über Selbsterkenntnis
7. On Self-Awareness
anknüpfend an das Rosenkreuzermysterium «Die Pforte der Einweihung»
Following on from the Rosicrucian mystery “The Gate of Initiation”
[ 1 ] Die meisten der Anwesenden wissen, daß wir uns in München bemüht haben, außer der Wiederholung der vorjährigen Vorstellung des Dramas «Die Kinder des Lucifer» ein Rosenkreuzermysterium aufzuführen, das mancherlei von dem in der verschiedensten Weise sich darzustellen bemüht, was mit unserer Bewegung zusammenhängt. Dieses Rosenkreuzermysterium soll auf der einen Seite gewissermaßen davon eine Probe sein, wie in Kunst ausfließen kann das, was alles anthroposophische Leben bewegt. Auf der anderen Seite aber soll auch nicht vergessen werden, daß dieses Rosenkreuzermysterium vieles von unseren geisteswissenschaftlichen Lehren in einer solchen Weise enthält, wie man es vielleicht erst im Laufe der Jahre herausfinden wird. Und namentlich ist nicht mißzuverstehen, daß, wenn man sich einigermaßen Mühe geben würde, die Dinge zu lesen, die darin liegen — nicht zwischen den Zeilen, sie sind schon, wenn auch auf spirituelle Weise, in den Worten —, wenn man also sich Mühe geben würde, das Rosenkreuzermysterium so. aufzufassen, daß man diese Dinge in den nächsten Jahren aufsuchen würde, dann wäre es auf viele Jahre hinaus nicht nötig, daß ich irgendwelche Vorträge halten müßte. Es würde sich darin vieles von dem finden, was ich sonst über irgendein Thema vortrage. Es wird sich aber praktischer gestalten, wenn wir es gemeinsam heraussuchen, als wenn dies ein einzelner tut. In gewisser Weise ist es gut, daß auch in solcher Form vorhanden ist, was in der Geisteswissenschaft lebt.
[ 1 ] Most of those present know that in Munich we endeavored, in addition to repeating last year’s performance of the drama The Children of Lucifer, to stage a Rosicrucian Mystery Play that seeks to portray in various ways much of what is connected with our movement. On the one hand, this Rosicrucian Mystery Play is, in a sense, an attempt to show how everything that animates anthroposophical life can flow into art. On the other hand, however, we must not forget that this Rosicrucian Mystery Play contains much of our teachings in Spiritual Science in a way that may only become apparent over the course of the years. And in particular, it must not be misunderstood that if one were to make a reasonable effort to read the things contained therein—not between the lines, for they are already present, albeit in a spiritual sense, within the words—if, then, one were to make an effort to understand the Rosicrucian Mystery in this way, to understand the Rosicrucian Mystery in such a way that one would seek out these things in the coming years, then for many years to come it would not be necessary for me to give any lectures. Much of what I otherwise lecture on regarding any given topic would be found there. But it will prove more practical if we explore it together than if a single person were to do so. In a certain sense, it is good that what lives in Spiritual Science is also available in this form.
[ 2 ] So möchte ich heute, anknüpfend an das Rosenkreuzermysterium, über gewisse Eigentümlichkeiten der menschlichen Selbsterkenntnis sprechen. Dazu ist aber nötig, daß wir uns daran — charakterisierend — erinnern, wie im Rosenkreuzermysterium die Individualität im Leibe des Johannes Thomasius wirkt. Daher möchte ich, daß dieser Vortrag, der über Selbsterkenntnis handeln soll, mit einer Rezitation derjenigen Partien aus dem Rosenkreuzermysterium beginnt, welche die Selbsterkenntnis des Johannes bedeuten.
[ 2 ] Today, building on the Rosicrucian Mystery Play, I would like to speak about certain peculiarities of human self-knowledge. To do so, however, we must recall—in a way that captures its essence—how individuality operates within the body of Johannes Thomasius in the Rosicrucian Mystery Play. Therefore, I would like this lecture—which is to deal with self-knowledge—to begin with a recitation of those passages from the Rosicrucian Mystery Play that symbolize Johannes’s self-knowledge.
Zweites Bild
Gegend im Freien, Felsen, Quellen; die ganze Umgebung ist in der Seele des Johannes Thomasius zu denken, das Folgende als Inhalt seiner Meditation; später Maria.
(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
Johannes:
So hör? ich sie seit Jahren schon,
Die inhaltschweren Worte.
Sie tönen mir aus Luft und Wasser,
Sie klingen aus dem Erdengrund herauf,
Und wie ins kleine Samenkorn geheimnisvoll
Der Rieseneiche Bau sich drängt,
So schließt zuletzt sich ein
n dieser Worte Kraft,
Was von der Elemente Wesen,
Von Seelen und von Geistern,
Von Zeitenlauf und Ewigkeit
Begreiflich meinem Denken ist.
Die Welt und meine Eigenheit,
Sie leben in dem Worte:
O Mensch, erkenne dich!(Aus Quellen und Felsen tönt es: O Mensch, erkenne dich!)
Und jetzt! — es wird
Im Innern mir lebendig fürchterlich.
Es webt um mich das Dunkel,
Es gähnt in mir die Finsternis;
Es tönt aus Weltendunkel,
Es klingt aus Seelenfinsternis:
O Mensch, erkenne dich!(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
Es raubt mich jetzt mir selbst.
Ich wechsle mit des Tages Stundenlauf
Und wandle mich in Nacht.
Der Erde folge ich in ihrer Weltenbahn.
Ich rolle in dem Donner,
Ich zucke in den Blitzen.
Ich bin. - O schon entschwunden
Dem eignen Wesen fühl’ ich mich.
Ich sehe meine Leibeshülle;
Sie ist ein fremdes Wesen außer mir,
Sie ist ganz fern von mir.
Da schwebt heran ein andrer Leib.
Ich muß mit seinem Munde sprechen:
«Er hat mir bittre Not gebracht;
Ich habe ihm so ganz vertraut.
Er ließ im Kummer mich allein,
Er raubte mir die Lebenswärme
Und stieß in kalte Erde mich.»
Die ich verließ, die Arme,
Ich war sie eben selbst.
Ich muß erleiden ihre Qual.
Erkenntnis hat mir Kraft verliehn,
Mein Selbst in andres Selbst zu tragen.
O grausam Wort!
Dein Licht verlöscht durch eigne Kraft.
O Mensch, erkenne dich!(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
Du führst zurück mich wieder
In meines eignen Wesens Kreise.
Doch wie erkenne ich mich wieder!
Mir ist verloren Menschenform.
Ein wilder Wurm erschein’ ich mir,
Aus Lust und Gier geboren.
Und klar empfinde ich,
Wie eines Wahnes Nebelbild
Die eigne Schreckgestalt
Bisher verborgen mir gehalten hat.
Verschlingen muß mich eignen Wesens Wildheit.
Ich fühle als verzehrend Feuer
Durch meine Adern rinnen jene Worte,
Die mir so urgewaltig sonst
Der Sonnen und der Erden Wesen offenbarten.
Sie leben in den Pulsen,
Sie schlagen mir im Herzen;
Und selbst im eignen Denken fühle ich
Die fremden Welten schon als wilde Triebe lodern.
Das sind des Wortes Früchte:
O Mensch, erkenne dich!(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
Da, aus dem finstern Abgrund, —
Welch Wesen glotzt mich an?
Ich fühle Fesseln,
Die mich an dich gefesselt halten.
So fest war nicht Prometheus
Geschmiedet an des Kaukasus Felsen,
ie ich an dich geschmiedet bin.
Wer bist du, schauervolles Wesen?(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
Oh, ich erkenne dich.
Ich bin es selbst.
Erkenntnis schmiedet an dich verderblich Ungeheuer(Maria tritt ein, wird von Johannes zunächst nicht bemerkt.)
Mich selbst verderblich Ungeheuer.
Entfliehen wollt’ ich dir.
Geblendet haben mich die Welten,
In welche meine Torheit floh,
Um von mir selber frei zu sein.
Geblendet bin ich wieder in der blinden Seele:
O Mensch, erkenne dich!(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
Johannes:
(wie wenn er zu sich käme, erblickt Maria. Die Meditation geht in innere Realität über)
O Freundin, du bist hier!
Maria:
Ich suchte dich, mein Freund;
Obwohl bekannt mir ist,
Wie lieb dir Einsamkeit,
Nachdem so vieler Menschen Meinungen
Die Seele dir durchfluter.
Und weiß ich auch,
Daß ich durch meine Gegenwart dem Freund
In dieser Zeit nicht helfen kann,
So drängt ein dunkles Streben
In diesem Augenblick mich doch zu dir,
Da Benedictus’ Worte dir statt Licht
So schweres Leid
Aus deines Geistes Tiefen lockten.Johannes:
Wie lieb mir Einsamkeit!
- - - - - - - - -
Ich habe sie so oft gesucht,
In ihr mich selbst zu finden,
Wenn in Gedankenlabyrinthe mich
Der Menschen Leid und Glück getrieben hatten.
O Freundin, das ist nun vorbei.
Was Benedictus’ Worte erst
Mir aus der Seele holten,
Was durch der Menschen Reden
Ich erleben mußte,
Gering nur scheint es mir,
Vergleich dem Sturm ich dies,
Den Einsamkeit mir dann gebracht
In dumpfem Brüten.
O diese Einsamkeit!
Sie hetzte mich in Weltenweiten.
Entrissen hat sie mich mir selbst.
In jenem Wesen, dem ich Leid gebracht,
Erstand ich als ein andrer.
Und leiden mußte ich den Schmerz,
Den ich erst selbst bewirkt.
Die grausam finstre Einsamkeit,
Sie gab mich dann mir selber wieder.
Doch nur, zu schrecken mich
Durch meines eignen Wesens Abgrund.
Mir ist des Menschen letzte Zuflucht,
Mir ist die Einsamkeit verloren.Maria:
Ich muß das Wort dir wiederholen:
Nur Benedictus kann dir helfen.
Die Stützen, die uns fehlen,
Wir müssen beide sie von ihm erhalten.
Denn wisse, auch ich kann länger nicht
Ertragen meines Lebens Rätsel,
Wenn nicht durch seinen Wink
Die Lösung sich mir zeigt.
Die hohe Weisheit, daß stets über alles Leben
Nur Schein und Trug sich breitet,
Wenn unser Denken seine Oberfläche bloß ergreift,
Ich habe sie recht oft mir vorgehalten.
Und immer wieder sprach sie:
Du mußt erkennen, wie dich Wahn umfängt,
So oft es dir auch Wahrheit dünkt,
Es könnte schlimme Frucht erstehn,
Wenn du erwecken willst in andern Licht,
Das in dir selber lebt.
In meiner Seele bestem Teil ist mir bewußt,
Daß auch der schwere Druck,
Den dir, mein Freund,
Das Leben hat gebracht an meiner Seite,
Ein Teil des Dornenweges ist,
Der zu dem Licht der Wahrheit führt.
Erleben mußt du alle Schrecken,
Die aus dem Wahn erstehen können,
Bevor der Wahrheit Wesen sich dir offenbart.
So spricht dein Stern.
Doch auch erscheint mir durch dies Sternenwort,
Daß wir vereint die Geisteswege wandeln müssen.
Doch such’ ich diese Wege,
So breitet sich vor meinem Blicke finstre Nacht.
Und schwärzer wird die Nacht durch vieles noch,
Was ich erleben muß
Als Früchte meines Wesens.
Wir müssen beide Klarheit in dem Lichte suchen,
Das wohl dem Aug’ entschwinden,
Doch nie erlöschen kann.Johannes:
Maria, ist dir denn bewußt,
Was meine Seele eben durchgerungen?
Ein schweres Los fürwahr
Ist dir geworden, edle Freundin.
Doch ferne liegt ja deinem Wesen jene Macht,
Die mich so ganz zerschmettert hat.
Du kannst in hellste Wahrheitshöhen steigen,
Du kannst die sichern Blicke
In Menschenwirrnis richten,
Du wirst in Licht und Finsternis
Dich selbst bewahren.
Mir aber kann ein jeder Augenblick
Mich selber rauben.
Ich mußte in die Menschen untertauchen,
Die sich vorhin in Worten offenbarten.
Ich folgt’ dem einen in die Klostereinsamkeit,
Ich hörte in des andern Seele
Felicias Märchen.
Ich war ein jeder,
Nur selbst erstarb ich mir.
Ich müßte glauben können,
Daß Nichts der Wesen Ursprung sei,
Wenn ich die Hoffnung hegen sollte,
Daß aus dem Nichts in mir
Ein Mensch je werden könne,
Mich führt aus Furcht in Finsternis
Und jagt durch Finsternis in Furcht
Der Weisheit Wesenswort:
O Mensch, erkenne dich!(Aus Quellen und Felsen tönt es: O Mensch, erkenne dich!)
(Der Vorhang fällt)
Neuntes Bild
Dieselbe Gegend wie im zweiten Bild. Johannes, später Maria.
(Es tönt aus Felsen und Quellen: O Mensch, erlebe dich!)
Johannes:
O Mensch, erlebe dich!
Ich habe sie drei Jahre lang gesucht,
Die mutbeschwingte Seelenkraft,
Die Wahrheit gibt dem Worte,
Durch das der Mensch, sich selbst befreiend, siegen
Und sich besiegend, Freiheit finden kann:O Mensch, erlebe dich!
(Aus Felsen und Quellen tönt: O Mensch, erlebe dich!)
Sie kündigt sich im Innern an,
Nur leise fühlbar meinem Geistgehör.
Sie birgt in sich die Hoffnung,
Daß wachsend sie den Menschengeist
Aus engem Sein in Weltenfernen führt,
So wie geheimnisvoll sich weitet
Das kleine Samenkorn
Zum stolzen Leib der Rieseneiche. — —
Es kann der Geist in sich beleben,
Was in der Luft und was im Wasser webt,
Und was den Erdengrund gefestigt.
Es kann der Mensch ergreifen,
Was in den Elementen,
In Seelen und in Geistern,
In Zeitenlauf und Ewigkeit
Des Daseins sich bemächtigt hat.
Es lebt das ganze Weltenwesen in dem Seelensein,
Wenn solche Kraft im Geiste wurzelt,
Die Wahrheit gibt dem Worte:
O Mensch, erlebe dich!(Aus Felsen und Quellen tönt: O Mensch, erlebe dich!)
Ich fühle — wie es tönt in meiner Seele,
Sich regend kraftverleihend.
Es lebt in mir das Licht,
Es spricht um mich die Helligkeit,
Es keimt in mir das Seelenlicht,
Es schafft in mir die Weltenhelle:
O Mensch, erlebe dich!(Aus Felsen und Quellen tönt: O Mensch, erlebe dich!)
Ich finde mich gesichert überall,
Wohin mir folgt des Wortes Kraft.
Sie wird mir leuchten in der Sinnesdunkelheit
Und mich erhalten in den Geisteshöhen.
Sie wird mich mit dem Seelensein erfüllen
Für alle Zeitenfolgen.
Ich fühle Weltensein in mir,
Und finden muß ich mich in allen Welten.
Ich schau’ mein Seelenwesen
Durch Eigenkraft belebt in mir.
Ich ruhe in mir selber.
Ich blicke nach den Felsen und den Quellen;
Sie sprechen meiner Seele eigne Sprache.
Ich finde mich in jenem Wesen wieder,
Das ich in bittre Not gebracht.
Heraus aus ihm ruf’ ich mir selber zu:
«Du mußt mich wieder finden
Und mir die Schmerzen lindern.»
Das Geisteslicht, es wird mir Stärke geben,
Das andre Selbst im eignen Selbst zu leben.
O hoffnungsvolles Wort,
Du strömst mir Kraft aus allen Welten zu:
O Mensch, erlebe dich!(Aus Felsen und Quellen tönt: O Mensch, erlebe dich!)
Du läßt mich meine Schwachheit fühlen
Und stellst mich neben hohe Gottesziele;
Und selig fühle ich
Des hohen Zieles Schöpfermacht
In meinem schwachen Erdenmenschen.
Und offenbaren soll sich aus mir selbst,
Wozu der Keim in mir geborgen ist.
Ich will der Welt mich geben
Durch Leben meines eignen Wesens.
Empfinden will ich alle Macht des Wortes,
Das mir erst leise klingt;
Es soll mir wie belebend Feuer sein
In meinen Seelenkräften,
Auf meinen Geisteswegen.
Ich fühle, wie mein Denken dringt
In tief verborgne Weltengründe;
Und wie es leuchtend sie durchstrahlt.
So wirkt die Keimkraft dieses Wortes:
O Mensch, erlebe dich!(Aus Quellen und Felsen: O Mensch, erlebe dich!)
Aus lichten Höhen leuchtet mir ein Wesen,
Ich fühle Schwingen,
Zu ihm mich zu erheben,
Ich will mich selbst befrei’n
Wie alle Wesen, die sich selbst besiegt.(Aus Quellen und Felsen: O Mensch, erlebe dich!)
Ich schaue jenes Wesen,
Ich will ihm gleich in Zukunftzeiten werden.
Der Geist in mir wird sich befrei’n
Durch dich, erhabnes Ziel.
Ich will dir folgen.(Maria kommt hinzu.)
Das Seelenauge haben mir erweckt
Die Geisteswesen, die mich aufgenommen.
Und sehend in den Geisteswelten
Erfühle ich in meinem Selbst die Kraft:
O Mensch, erlebe dich!(Aus Quellen und Felsen: O Mensch, erlebe dich!)
O meine Freundin, du bist hier!
Maria:
Mich trieb meine Seele hierher.
Ich konnte deinen Stern erschauen.
Er strahlt in voller Kraft.Johannes:
Erleben kann ich diese Kraft in mir.
Maria:
So eng sind wir verbunden,
Daß deiner Seele Leben
Sein Licht in meiner Seele leuchten läßt.Johannes:
O Maria, so ist dir bewußt,
Was sich mir eben offenbarte?
Mir ist des Menschen erste Zuversicht,
Mir ist die Wesenssicherheit gewonnen.
Ich fühle ja des Wortes Kraft,
Die überall mich leiten kann:
O Mensch, erlebe dich!(Aus Felsen und Quellen: O Mensch, erlebe dich!)
(Vorhang fällt)
Second Scene
An open-air setting, rocks, springs; the entire surroundings are to be imagined in the soul of Johannes Thomasius as the subject of his meditation; later, Mary.
(It resounds from springs and rocks: O man, know thyself!)
Johannes:
This is how I have heard them for years now,
These words, so rich in meaning.
They resound to me from the air and water,
They ring out from the depths of the earth,
And just as, mysteriously, within the tiny seed
The structure of the giant oak takes shape,
So, ultimately, within
the power of these words,
lies all that is comprehensible to my mind
about the nature of the elements,
about souls and spirits,
about the passage of time and eternity.
The world and my own individuality,
they live in these words:
O man, know thyself!(From springs and rocks it echoes: O man, know thyself!)
And now! — it becomes
Terribly alive within me.
Darkness weaves around me,
Gloom yawns within me;
It resounds from the darkness of the world,
It echoes from the gloom of the soul:
O human, know thyself!(It resounds from springs and rocks: O man, know thyself!)
It now robs me of myself.
I shift with the passing of the day
And transform into night.
I follow the Earth in its orbit.
I roll in the thunder,
I flicker in the lightning.
I am. — Oh, already vanished
I feel myself estranged from my own being.
I see my physical shell;
It is a foreign being outside of me,
It is far, far from me.
Then another body floats toward me.
I must speak through his mouth:
“He has brought me bitter distress;
I trusted him so completely.
He left me alone in my grief,
He robbed me of the warmth of life
And cast me into the cold earth.”
The one I left behind, the poor one,
I was that very one myself.
I must endure her torment.
Knowledge has given me the strength
To carry my self into another’s self.
O cruel word!
Your light is extinguished by its own power.
O human, know thyself!(It resounds from springs and rocks: O man, know thyself!)
You lead me back once more
Into the circles of my own being.
But how I recognize myself!
I have lost my human form.
I appear to myself as a wild worm,
Born of lust and greed.
And I clearly sense
How, like a foggy vision of delusion
My own terrifying form
Has hitherto remained hidden from me.
The wildness of my own being must devour me.
I feel, like a consuming fire
Those words flowing through my veins,
Which otherwise revealed to me with such primal force
The essence of the sun and the earth.
They live in my pulses,
They beat in my heart;
And even in my own thoughts I feel
Those foreign worlds already blazing as wild impulses.
These are the fruits of the word:
O man, know thyself!(It resounds from springs and rocks: O man, know thyself!)
There, from the dark abyss, —
What creature stares at me?
I feel chains,
That bind me to you.
Not even Prometheus
Was chained so tightly to the rocks of the Caucasus,
As I am chained to you.
Who are you, dreadful being?(It resounds from springs and rocks: O man, know thyself!)
Oh, I recognize you.
It's me.
Recognition forges in you a destructive monster(Maria enters; Johannes doesn't notice her at first.)
I, a monstrous being, do myself harm.
I wanted to escape you.
I was blinded by the worlds
into which my folly fled,
to be free from myself.
I am blinded once more in my blind soul:
O human, know thyself!(It resounds from springs and rocks: O man, know thyself!)
Johannes:
(as if coming to his senses, he catches sight of Mary. The meditation gives way to an inner reality)
Oh, my friend, you're here!
Maria:
I sought you, my friend;
Though I know full well,
How much you love solitude,
After so many people’s opinions
Have flooded your soul.
And though I also know,
That by my presence I cannot help my friend
At this time,
Yet a dark longing
Drives me to you at this very moment,
Since Benedictus’s words, instead of light
Brought such heavy suffering
From the depths of your spirit.Johannes:
How dear to me is solitude!
- - - - - - - - -
I have sought it so often,
To find myself in it,
When, in labyrinths of thought,
Human suffering and happiness had driven me.
O friend, that is now over.
What Benedictus’ words first
Drew from my very soul,
What I had to endure
Through the talk of men,
Seems trivial to me now,
Compared to the storm
That solitude then brought me
In gloomy brooding.
O this solitude!
It drove me across the vastness of the world.
It tore me away from myself.
In that being to whom I had caused suffering,
I emerged as another.
And I had to suffer the pain
That I myself had first brought about.
That cruel, dark solitude,
It then returned me to myself.
But only to terrify me
Through the abyss of my own being.
Man’s last refuge is lost to me,
Solitude is lost to me.Maria:
I must repeat these words to you:
Only Benedictus can help you.
The support we lack,
We must both receive it from him.
For know this: I, too, can no longer
Bear the mystery of my life,
Unless, through his sign,
The solution reveals itself to me.
The profound wisdom that over all life
only illusion and deceit spread,
when our thinking grasps merely its surface,
I have often held it before myself.
And time and again it spoke:
You must recognize how delusion envelops you,
no matter how often it seems like truth to you,
It could bear bitter fruit,
If you wish to awaken in another light,
That lives within yourself.
In the best part of my soul, I am aware
That even the heavy burden
That life has brought upon you, my friend,
By my side,
Is part of the thorny path
Which leads to the light of truth.
You must experience all the horrors,
That can arise from delusion,
Before the essence of truth reveals itself to you.
So speaks your star.
Yet it also seems to me through these words of the star,
That we must walk the paths of the spirit together.
Yet as I seek these paths,
A dark night spreads before my eyes.
And the night grows even darker because of many things yet to come,
Which I must experience
As the fruits of my being.
We must both seek clarity in the light,
Which may well vanish from the eye,
But can never be extinguished.Johannes:
Maria, are you aware
Of what my soul has just endured?
A heavy burden indeed
Has fallen upon you, noble friend.
Yet far removed from your nature is that power
That has shattered me so completely.
You can ascend to the brightest heights of truth,
You can direct your steady gaze
Amid the turmoil of humanity,
You will preserve yourself
In both light and darkness.
But for me, every single moment
Can rob me of myself.
I had to immerse myself among the people
Who had just revealed themselves in words.
I followed one into the solitude of the monastery,
I heard in the other’s soul
Felicita’s fairy tale.
I was each one,
Yet I myself died within myself.
I would have to be able to believe,
That Nothing is the origin of beings,
If I were to cherish the hope,
That out of the nothingness within me
A human being might ever become,
Out of fear, it leads me into darkness
And chases me through darkness in fear
The essence of wisdom:
O human, know thyself!(From springs and rocks it echoes: O man, know thyself!)
(The Curtain Falls)
Ninth Image
The same area as in the second picture. Johannes, later Maria.
(It echoes from the rocks and springs: O human, experience yourself!)
Johannes:
O human, experience yourself!
I have sought it for three years,
That courage-filled strength of the soul,
That gives truth to words,
Through which a person, freeing themselves, can triumph
And, by conquering themselves, find freedom:Oh, human, experience yourself!
(From rocks and springs resounds: O human, experience yourself!)
It announces itself within,
Barely perceptible to my inner ear.
It holds within itself the hope
That, as it grows, it will lead the human spirit
From a narrow existence to worlds far away,
Just as the tiny seed mysteriously expands
The tiny seed
Into the proud trunk of the giant oak. — —
The spirit can enliven within itself
What weaves in the air and in the water,
And what strengthens the earth’s foundation.
Humanity can grasp
What in the elements,
In souls and in spirits,
In the flow of time and in eternity
Has taken hold of existence.
The whole being of the world lives in the soul,
When such power takes root in the spirit,
Giving truth to the words:
O human being, experience yourself!(From rocks and springs comes the call: O human, experience yourself!)
I feel—how it resounds in my soul,
Stirring, bestowing strength.
The light lives within me,
Brightness surrounds me,
The light of the soul sprouts within me,
It creates the radiance of the world within me:
O human, experience yourself!(From rocks and springs comes the call: O human, experience yourself!)
I find myself secure everywhere,
Wherever the power of the Word follows me.
It will shine for me in the darkness of the senses
And sustain me in the heights of the spirit.
It will fill me with the essence of the soul
For all time to come.
I feel the essence of the world within me,
And I must find myself in all worlds.
I behold my soul’s essence
Enlivened within me by my own power.
I rest within myself.
I gaze upon the rocks and the springs;
They speak the language of my soul.
I find myself again in that being,
Whom I have brought into bitter distress.
From within it, I call out to myself:
“You must find me again
And soothe my pain.”
The light of the spirit will give me strength,
To live the other self within my own self.
O hopeful word,
You pour strength upon me from all worlds:
O human, experience yourself!(From rocks and springs comes the call: O human, experience yourself!)
You make me feel my weakness
And place me alongside God’s lofty goals;
And I feel, with bliss,
The creative power of that lofty goal
Within my weak, earthly self.
And from within myself, it shall be revealed,
What the seed within me holds.
I will give myself to the world
Through the life of my own being.
I will feel all the power of the Word,
Which at first sounds soft to me;
It shall be like an invigorating fire to me
In the powers of my soul,
On the paths of my spirit.
I feel how my thinking penetrates
into the deeply hidden foundations of the world;
and how it radiantly illuminates them.
Thus does the germinative power of this word work:
O human being, experience yourself!(From Springs and Rocks: O Human, Experience Yourself!)
From luminous heights, a being shines upon me,
I feel wings,
To rise up to him,
I want to free myself
Like all beings who have conquered themselves.(From Springs and Rocks: O Human, Experience Yourself!)
I gaze upon that being,
I wish to become like it in times to come.
The spirit within me will be set free
Through you, sublime goal.
I will follow you.(Maria joins them.)
The eye of the soul was awakened in me
By the spiritual beings who welcomed me.
And as I behold the spiritual worlds
I feel the power within myself:
O human, experience yourself!(From Springs and Rocks: O Human, Experience Yourself!)
Oh, my friend, you're here!
Maria:
My soul drew me here.
I could see your star.
It shines with all its might.Johannes:
I can experience this power within me.
Maria:
We are so closely connected,
That the life of your soul
Lets its light shine within my soul.Johannes:
O Mary, are you aware
Of what has just been revealed to me?
I have found man’s first confidence,
I have gained inner certainty.
I feel the power of the Word,
Which can guide me everywhere:
O human, experience yourself!(From Rocks and Springs: O Human, Experience Yourself!)
(The curtain falls)
[ 3 ] In den beiden Bildern: «O Mensch, erkenne dich» und «O Mensch, erlebe dich» treten vor unsere Seele zwei Stadien, zwei Entwickelungsstufen der Entfaltung unserer Seele.
[ 3 ] In the two images, “O Human, Know Thyself” and “O Human, Experience Thyself,” two stages, two levels of development in the unfolding of our soul, appear before our soul.
[ 4 ] Nun bitte ich Sie, es durchaus nicht sonderbar zu finden, wenn ich sage, daß ich eigentlich nichts dagegen habe, dieses Rosenkreuzermysterium so zu interpretieren, wie ich in unseren Kreisen auch schon bisweilen andere Dichtungen interpretiert habe. Denn in gewissem Sinne darf wohl gesagt werden, daß uns an diesem Rosenkreuzermysterium in lebendiger, unmittelbarer Weise vor die Seele treten kann, was ich öfters in Anknüpfung an andere Dichtungen gesagt habe, die ich interpretieren durfte. Ich habe niemals zurückgehalten zu sagen: So wenig die Pflanze, die Blume weiß, was derjenige, der die Blume betrachtet, darin findet, so ist dennoch das in der Blume enthalten, was er darin findet. — Ich führte aus, als ich die Dichtung des «Faust» interpretieren sollte, daß der Dichter beim Niederschreiben nicht notwendig unmittelbar alle Dinge selber gewußt, selber empfunden hat in Worten, die dann später darin gefunden worden sind. Ich kann die Versicherung geben, daß nichts von dem, was ich hinterher an dieses Mysterium anknüpfen werde, und von dem ich doch weiß, daß es darin ist, mir bewußt war, als die einzelnen Bilder gestaltet wurden. Die Bilder wuchsen so aus sich heraus wie die Blätter einer Pflanze. Man kann gar nicht solch eine Gestalt vorher dadurch hervorbringen, daß man zuerst die Idee hat und diese dann in die äußere Gestalt umsetzt. Es war mir immer recht interessant, wenn so Bild für Bild geworden ist, und Freunde, welche die einzelnen Szenen kennengelernt haben, sagten, es sei merkwürdig, daß es doch immer anders komme, als man es sich vorgestellt habe.
[ 4 ] Now I ask you not to find it at all strange when I say that I actually have no objection to interpreting this Rosicrucian mystery in the same way that I have occasionally interpreted other works of poetry in our circles. For in a certain sense, it may well be said that this Rosicrucian mystery can bring to life before our souls, in a vivid and immediate way, what I have often said in connection with other works of poetry that I have had the privilege of interpreting. I have never hesitated to say: Just as the plant, the flower, knows nothing of what the observer finds in it, so too is what the observer finds in the flower contained within it. — When I was asked to interpret the poem Faust, I explained that the poet, while writing it down, did not necessarily know or feel all things directly himself in the words that were later found within it. I can assure you that nothing of what I will later connect to this mystery—and of which I nevertheless know it is there—was conscious to me as the individual images took shape. The images grew out of themselves just as the leaves of a plant do. One cannot produce such a form in advance by first having the idea and then translating it into an outward form. I always found it quite interesting when the paintings took shape one by one, and friends who had seen the individual scenes said it was remarkable that the result always turned out differently than one had formed a mental image of.
[ 5 ] So steht dieses Mysterium da wie ein Bild der Menschheitsevolution in der Entwickelung eines einzelnen Menschen. Ich betone: für das konkrete Gefühl ist es ausgeschlossen, in Abstraktionen sich zu hüllen, um Anthroposophie darzustellen, weil eine jede Menschenseele anders ist als die andere und im Grunde, da sie ihre Entwickelung selbst erlebt, auch anders sein muß. Bei alldem, was als allgemeine Lehre gegeben wird, können wir nur Richtlinien empfangen. Daher kann man die vollständige Wahrheit nur dann geben, wenn man an eine individuelle Seele anknüpft, an eine Seele, die ihre menschliche Individualität mit aller Eigentümlichkeit darstellt. Wenn daher jemand Johannes Thomasius so betrachtet, daß er das, was im Konkreten von ihm gesagt wird, umsetzen würde in Theorien der menschlichen Entwickelung, so würde er etwas ganz Falsches machen. Wenn er glaubte, er werde ganz genau dasselbe erleben, was Johannes 'Thomasius erlebt hat, so würde er sich sehr irren. Denn das, was Johannes Thomasius in großen Richtungslinien zu erleben hat, gilt für jeden Menschen, aber um es so in seiner ganzen Eigenart zu erleben, dazu muß man eben Johannes Thomasius sein. Und jeder ist in seiner Art ein «Johannes Thomasius».
[ 5 ] Thus, this mystery stands as a reflection of human evolution in the development of a single human being. I emphasize: it is impossible for concrete feeling to cloak itself in abstractions in order to represent anthroposophy, because every human soul is different from the next and, fundamentally, since it experiences its own development, must also be different. In all that is presented as a general teaching, we can receive only guidelines. Therefore, the complete truth can be conveyed only when one connects with an individual soul—a soul that embodies its human individuality with all its unique characteristics. If, therefore, someone were to view Johannes Thomasius in such a way as to translate what is said about him in concrete terms into theories of human development, they would be doing something entirely wrong. If they believed they would experience exactly the same thing that Johannes Thomasius experienced, they would be very much mistaken. For what Johannes Thomasius is to experience in broad outlines applies to every human being, but to experience it in all its particularity—well, for that one must be Johannes Thomasius. And everyone is, in their own way, a “Johannes Thomasius.”
[ 6 ] So ist alles in ganz individueller Weise dargestellt. Dadurch ist aber auch in Anknüpfung an die besondere Gestalt in so wahrer Weise wie nur möglich das gegeben, was die Entwickelung des Menschen in seiner Seele ist. Dazu mußte auch diese breite Basis geschaffen werden, daß Thomasius erst auf dem physischen Plan gezeigt wird, daß auf einzelne Seelenerlebnisse hingewiesen wird, so auf jenes, das bedeutsam sein muß, wo er in einer Zeit, die nicht zu fern ist, ein Wesen, das ihm in treuer Liebe ergeben war, verlassen hat. Das geschieht oft, aber dieses individuelle Ereignis wirkt anders auf den, der bestrebt ist, eine Entwickelung durchzumachen. Es ist eine tiefe Wahrheit, daß der, der eine Entwickelung durchmacht, Selbsterkenntnis nicht durch Hineinbrüten in sich selbst erlangt, sondern durch Untertauchen in einzelne Wesenheiten. Wir müssen durch Selbsterkenntnis erfahren, daß wir aus dem Kosmos herkommen. Nur dann können wir untertauchen, wenn wir uns in ein anderes Selbst verwandeln. Wir werden zuerst in das verwandelt, was uns im Leben einmal nahe war.
[ 6 ] Thus, everything is presented in a completely individual way. But this also ensures—in connection with the particular form—that the development of the human soul is portrayed as truthfully as possible. To this end, it was also necessary to lay this broad foundation: that Thomasius is first depicted on the physical plane, and that reference is made to individual soul experiences—such as the one that must be significant, when, not too long ago, he left a being who was devoted to him in faithful love. This happens often, but this individual event has a different effect on one who is striving to undergo a process of development. It is a profound truth that the one undergoing such a process does not attain self-knowledge by brooding within oneself, but by immersing oneself in individual beings. Through self-knowledge, we must come to realize that we come from the cosmos. We can immerse ourselves only when we transform ourselves into another self. We are first transformed into that which was once close to us in life.
[ 7 ] Es ist ein Exempel des Erlebens des eigenen Selbstes im anderen, wenn Johannes zuerst, da er tiefer in sein Selbst gekommen ist, mit diesem in Selbsterkenntnis untertaucht in ein anderes Wesen, in das Wesen, dem er bitteren Schmerz gebracht hat. So sehen wir, wie in dieser Selbsterkenntnis Thomasius untertaucht. Theoretisch sagt man: Willst du die Blüte erkennen, so mußt du hinuntertauchen in die Blüte. - Aber am besten ist die Selbsterkenntnis zu erlangen, wenn wir in die Begebenheiten untertauchen, in denen wir auf andere Weise selber darin gestanden haben. Solange wir im eigenen Selbst sind, machen wir die äußeren Erlebnisse durch. Wahrer Selbsterkenntnis gegenüber wird das Abstraktion, was wir anderen Wesen nachdenken.
[ 7 ] It is an example of experiencing one’s own self in another when John, having delved deeper into his own self, immerses himself—through self-knowledge—into another being, the very being to whom he has caused bitter pain. Thus we see how Thomasius immerses himself in this self-knowledge. Theoretically, it is said: If you want to recognize the flower, you must immerse yourself in the flower. — But the best way to attain self-knowledge is when we immerse ourselves in the circumstances in which we ourselves have been present in a different way. As long as we remain within our own selves, we go through external experiences. In the face of true self-knowledge, what we think about other beings becomes mere abstraction.
[ 8 ] Für Thomasius wird zunächst das, was andere Menschen erlebt haben, ein Eigenerlebnis. Da war einer, Capesius, der seine Erlebnisse geschildert hat. Diese Erlebnisse sind so, daß man erkennen kann, wie sie im Leben darin stehen. Aber Thomasius nimmt anderes auf. Er hört zu. Sein Zuhören aber ist — später wird es im achten Bild charakterisiert - ein anderes. Es ist so, wie wenn mit dem gewöhnlichen Selbst der Mensch gar nicht dabei wäre. Eine andere, tiefere Kraft zeigt sich da, wie wenn er selber es wäre, der in die Seele des Capesius hineinkriecht und das erlebt, was da vorgeht. Daher wird es so unendlich bedeutsam, daß er da sich selbst entfremdet wird. Es ist von Selbsterkenntnis nicht zu trennen, daß man sich losreißt von sich selbst und im anderen aufgeht. Deshalb ist es für 'Thomasius so bedeutsam, daß er, nachdem er diesen Reden [im ersten Bild] zugehört hat, sagen muß:
[ 8 ] For Thomasius, what other people have experienced first becomes his own experience. There was a man, Capesius, who described his experiences. These experiences are such that one can see how they fit into life. But Thomasius takes in something else. He listens. His listening, however—as will be characterized later in the eighth scene—is of a different kind. It is as if, with his ordinary self, the person were not even present. Another, deeper force reveals itself there, as if it were he himself who were creeping into Capesius’s soul and experiencing what is taking place there. That is why it becomes so infinitely significant that he becomes estranged from himself in that moment. It is inseparable from self-knowledge that one detaches oneself from oneself and becomes absorbed in the other. That is why it is so significant for Thomasius that, after listening to these words [in the first scene], he must say:
Ein Spiegelbild des vollen Lebens,
Das mich so klar mir selbst gezeigt.
Die hohe Geistesoffenbarung
Hat mich dazu geführt, zu fühlen,
Wie eine Seite nur des Menschen
So mancher in sich birgt,
Der ganz sich glaubt als Wesenheit.
Die vielen Seiten zu vereinen
In meinem eignen Selbst,
Betrat ich kühn den Weg,
Der hier gewiesen ist.
Er hat ein Nichts aus mir gemacht.
A reflection of life in its fullness,
Which revealed me so clearly to myself.
That lofty spiritual revelation
Led me to feel
How even those who believe themselves to be
Complete beings
Hide within themselves
But a single facet of humanity.
To unite these many facets
Within my own self,
I boldly set out on the path
That is shown here.
It has turned me into nothing.
[ 9 ] Warum hat er ein Nichts aus ihm gemacht? Weil er durch Selbsterkenntnis untergetaucht ist in diese anderen Wesen. Das Brüten ins eigene Innere macht den Menschen stolz, hochmütig. Wahre Selbsterkenntnis führt zunächst dadurch, daß wir untertauchen in fremdes Selbst, zu dem Leid. Johannes folgt [im ersten Bild] den Menschen so, daß er dem Capesius zuhört und in dieser anderen Seele die Worte der Felicia erfährt. Dem Strader folgt er in seine Klostereinsamkeit. Das ist die Abstraktion zunächst. Da ist er noch nicht dahin gekommen, wozu er jetzt [im zweiten Bild] durch den Schmerz geführt wird. Die Selbsterkenntnis vertieft sich in der Meditation im inneren Selbst. Und das, was im ersten Bild gezeigt worden ist, zeigt die vertiefte Selbsterkenntnis [im zweiten Bild], die aus der Abstraktion das Konkrete vorstellt. Und die gewöhnlichen Worte, die wir durch Jahrhunderte als Merkworte des Delphischen Orakels ertönen hören, gewinnen ein neues Leben für den Menschen, aber zunächst ein Leben der Entfremdung von sich selbst.
[ 9 ] Why did he reduce him to nothing? Because, through self-knowledge, he has immersed himself in these other beings. Brooding over one’s own inner self makes a person proud and arrogant. True self-knowledge leads, first of all, through our immersion in another’s self, to suffering. In the first scene, Johannes follows the characters by listening to Capesius and, through this other soul, hearing Felicia’s words. He follows Strader into his monastic solitude. That is abstraction at first. He has not yet reached what he is now led to [in the second scene] through suffering. Self-knowledge deepens through meditation on the inner self. And what was shown in the first scene reveals the deepened self-knowledge [in the second scene], which creates a mental image of the concrete emerging from abstraction. And the familiar words that we have heard resound for centuries as the maxims of the Delphic Oracle take on a new life for humanity—but at first, a life of alienation from the self.
[ 10 ] Johannes geht als Sich-selbst-Erkennender in allen äußeren Wesen unter. Er lebt in Luft und Wasser, in Felsen und Quellen, aber nicht in sich selber. All die Worte, die man nur von außen tönen lassen kann, sind eigentlich Worte der Meditation. Und schon wenn der Vorhang aufgeht, haben wir uns die Worte vorzustellen, die bei jeder Selbsterkenntnis viel lauter ertönen, als man es auf der Bühne darzustellen in der Lage ist. Dann taucht der Selbsterkennende unter in die verschiedenen anderen Wesen; dadurch lernt er die Dinge kennen, in die er untertaucht. Und dann tritt ihm dasselbe Erlebnis, das er schon früher gehabt hat, in furchtbarer Weise vor Augen.
[ 10 ] Johannes, as one who recognizes himself, merges into all external beings. He lives in air and water, in rocks and springs, but not within himself. All the words that can only be uttered from the outside are, in fact, words of meditation. And even as the curtain rises, we must create a mental image of the words that, with every act of self-knowledge, resound much louder than can be portrayed on stage. Then the self-aware being immerses himself in the various other beings; through this, he comes to know the things into which he immerses himself. And then the very same experience he had earlier presents itself to him in a terrifying way.
[ 11 ] Das ist durchaus tiefe Wahrheit, daß diese Selbsterkenntnis, wenn sie in dieser Weise verläuft, wie es eben charakterisiert worden ist, dazu führt, uns ganz anders anzuschauen, als wir uns vorher angesehen haben. Sie führt uns dazu, daß wir sozusagen unser Ich als fremdes Wesen empfinden lernen.
[ 11 ] It is indeed a profound truth that this self-knowledge, when it proceeds in the manner just described, leads us to view ourselves in a completely different way than we did before. It leads us, so to speak, to learn to perceive our “I” as a foreign being.
[ 12 ] Für den Menschen ist eigentlich seine äußere Hülle das Nächste. Mit dieser wird der Mensch in unserer Zeit sich viel mehr verbunden fühlen, wenn er sich in den Finger schneidet, als wenn etwa ein falsches Urteil des Nebenmenschen ihm wehe tut. Wieviel mehr tut es dem heutigen Menschen weh, wenn er sich in den Finger schneidet, als wenn er ein falsches Urteil hört! Und dennoch schneidet es nur in seine Leibeshülle. Daß wir aber das fühlen, daß wir unseren Leib fühlen wie ein Werkzeug, das ergibt sich erst in Selbsterkenntnis.
[ 12 ] For human beings, their outer shell is actually what is closest to them. In our time, a person will feel much more connected to this shell when they cut their finger than when, for example, a false judgment by a fellow human being causes them pain. How much more does it hurt people today when they cut their finger than when they hear a false judgment! And yet it cuts only into their physical body. But the fact that we feel this—that we perceive our body as a tool—only becomes apparent through self-knowledge.
[ 13 ] Der Mensch kann seine Hand schon annähernd als Werkzeug fühlen, wenn er einen Gegenstand ergreift. Aber dasselbe lernt man fühlen mit diesem oder jenem Teil des Gehirns. Dieses innerliche Fühlen des Gehirns als Instrument stellt sich ein auf einer gewissen Stufe der Selbsterkenntnis. Da lokalisiert sich das einzelne. Wenn wir einen Nagel einschlagen, wissen wir, daß wir das mit einem Werkzeug tun. Wir wissen aber auch, daß wir diese oder jene Gehirnpartie dazu benützen. Dadurch, daß die Dinge uns objektiv fremd werden, lernen wir unser Gehirn als etwas von uns Abgesondertes kennen. Selbsterkenntnis fördert diese Objektivität unserer Hülle, und dann ist uns zuletzt unsere Hülle so fremd, wie uns unsere äußeren Werkzeuge fremd sind. Dadurch beginnen wir wirklich in der Außenwelt zu leben, wenn wir anfangen, unser Leibliches als ein Objektives zu fühlen.
[ 13 ] A person can already sense their hand as a tool, to some extent, when they grasp an object. But one learns to sense the same thing with this or that part of the brain. This inner sense of the brain as an instrument emerges at a certain stage of self-awareness. That is when the individual parts become localized. When we hammer in a nail, we know that we are doing so with a tool. But we also know that we are using this or that part of the brain to do so. As things become objectively foreign to us, we come to recognize our brain as something separate from ourselves. Self-awareness fosters this objectivity of our physical shell, and eventually our shell becomes as foreign to us as our external tools are. Through this, we truly begin to live in the external world when we start to perceive our physical self as something objective.
[ 14 ] Weil der Mensch nur seine Leibeshülle fühlt, ist er sich nicht klar darüber, daß eine Grenze ist zwischen der Luft da draußen und der Luft in seiner Lunge. Trotzdem sagt er, da drinnen sei dieselbe Luft wie draußen. Wenn wir den Stoff der Luft nehmen, dann ist er drinnen und draußen. So ist es mit allem, mit dem Blut, mit allem, was leiblich ist. Leiblich kann er aber nicht innen oder außen sein, das ist nur Maja. Gerade dadurch, daß das leibliche Innere ein Äußeres wird, setzt es sich wahrheitsgemäß in die übrige Welt und den Kosmos fort.
[ 14 ] Because humans are only aware of their physical bodies, they do not realize that there is a boundary between the air outside and the air in their lungs. Nevertheless, they say that the air inside is the same as the air outside. If we consider the substance of air, it is both inside and outside. So it is with everything—with blood, with everything that is physical. Physically, however, it cannot be inside or outside; that is merely maya. It is precisely because the physical interior becomes an exterior that it truthfully extends into the rest of the world and the cosmos.
[ 15 ] Der Schmerz des Sich-fremd-Fühlens sollte dargestellt werden in der ersten heute rezitierten Szene. Schmerz des Sich-fremd-Werdens dadurch, daß man sich findet in allem Äußeren. Die eigene Leibeshülle des Johannes Thomasius ist wie ein Wesen, das außer ihm ist. Dafür aber, daß er den eigenen Leib draußen fühlt, sieht er herankommen den anderen Leib, den Leib des Wesens, das er verlassen hat. Das kommt an ihn heran, und er hat gelernt, mit den eigenen Worten dieses Wesens zu sprechen. Es sagt zu ihm - sein Selbst hat sich zu ihm erweitert —:
[ 15 ] The pain of feeling alienated was to be portrayed in the first scene recited today. The pain of becoming alienated by finding oneself in everything external. Johannes Thomasius’s own physical body is like a being that exists outside of him. But just as he feels his own body outside himself, he sees the other body approaching—the body of the being he has left behind. It draws near to him, and he has learned to speak with this being’s own words. It says to him—his self has expanded to include it—:
Er hat mir bittre Not gebracht;
Ich habe ihm so ganz vertraut.
Er ließ im Kummer mich allein,
Er raubte mir die Lebenswärme
Und stieß in kalte Erde mich.
He brought me bitter sorrow;
I trusted him so completely.
He left me alone in my grief,
He robbed me of the warmth of life
And cast me into the cold earth.
[ 16 ] Dann aber erst kommt der Vorwurf lebendig in die Seele, wenn das fremde Leid, mit dem wir unser eigenes Selbst verknüpft haben, ausgesprochen werden muß, weil das eigene Selbst in ein anderes Selbst untergetaucht ist. Das ist eine Vertiefung. Da ist Johannes wirklich in dem Leid, weil er es verursacht hat. Er fühlt sich darin ausgeflossen und wieder aufgewacht. Was erlebt er da eigentlich?
[ 16 ] But it is only then that the accusation truly comes alive in the soul—when the suffering of another, to which we have bound our own self, must be articulated, because our own self has submerged itself into another self. This is a deepening. Johannes is truly present in that suffering because he caused it. He feels as if he has flowed into it and awakened anew. What is he actually experiencing there?
[ 17 ] Wenn wir alles zusammennehmen, finden wir, daß der gewöhnliche, normale Mensch ein ähnliches nur erlebt in dem Zustand, den wir Kamaloka nennen. Der Einzuweihende muß das, was der normale Mensch in der geistigen Welt erlebt, schon in dieser Welt erleben. Er muß das, was Kamaloka-Erlebnisse sind, was sonst außerhalb des physischen Leibes erlebt wird, innerhalb des physischen Leibes erleben. Daher sind alle Eigenschaften, die man als Kamaloka-Eigenschaften aufnehmen kann, als Erlebnisse der Initiation da. So wie Johannes untertaucht in die Seele, der er Leid gebracht hat, so muß der normale Mensch im Kamaloka in die Seelen untertauchen, denen er Schmerz gebracht hat. Wie wenn ihm eine Ohrfeige zurückgegeben wird, so muß er Schmerz empfinden. Diese Dinge sind nur mit dem Unterschied behaftet, daß der Initiierte sie im physischen Leib erlebt, der andere Mensch nach dem Tode. Wer sie hier erlebt, lebt in ganz anderer Weise dann im Kamaloka. Aber auch das, was der Mensch im Kamaloka erleben kann, kann so erlebt werden, daß er sozusagen noch nicht wirklich frei geworden ist. Und das ist eine schwierige Aufgabe, völlig frei zu werden. Der Mensch fühlt sich wie gefesselt an die physischen Verhältnisse.
[ 17 ] When we take everything into account, we find that the ordinary, average person experiences something similar only in the state we call Kamaloka. The initiate must experience in this world what the ordinary person experiences in the spiritual world. He must experience within the physical body what Kamaloka experiences are—things that are otherwise experienced outside the physical body. Therefore, all the qualities that can be perceived as Kamaloka qualities are present as experiences of initiation. Just as John plunges into the soul to whom he has caused suffering, so must the ordinary person in the Kamaloka plunge into the souls to whom he has caused pain. Just as if a slap were returned to him, so must he feel pain. The only difference is that the initiate experiences these things within the physical body, while the ordinary person experiences them after death. Whoever experiences them here lives in a completely different way than in the Kamaloka. But even what a person can experience in the Kamaloka can be experienced in such a way that he has not, so to speak, yet truly become free. And that is a difficult task—to become completely free. The person feels as if he were bound to physical circumstances.
[ 18 ] In unserer Zeit gehört es zu den wichtigsten Entwickelungserlebnissen — in der griechisch-lateinischen Zeit war es noch nicht so, es ist erst jetzt besonders wichtig geworden —, daß der Mensch erleben kann, wie unendlich schwierig es ist, von sich loszukommen. Daher ist ein wichtiges Initiationserlebnis ausgedrückt in den Worten, wo sich Johannes an den eigenen niederen Leib gefesselt fühlt, wo sein eigenes Wesen ihm erscheint wie ein Wesen, an das er angeschmiedet ist:
[ 18 ] In our time, one of the most important experiences of development—which was not yet the case in the Greco-Roman era but has only now become particularly important—is that a person can experience how infinitely difficult it is to detach oneself from one’s own self. Therefore, an important initiatory experience is expressed in the words where John feels bound to his own lower body, where his own being appears to him as a being to which he is chained:
Ich fühle Fesseln,
Die mich an dich gefesselt halten.
So fest war nicht Prometheus
Geschmiedet an des Kaukasus Felsen,
Wie ich an dich geschmiedet bin.
I feel chains,
That bind me to you.
Not even Prometheus
Was chained so tightly to the rocks of the Caucasus,
As I am chained to you.
[ 19 ] Das ist etwas, was mit Selbsterkenntnis verbunden ist, ein Geheimnis der Selbsterkenntnis. Wir müssen es nur im richtigen Sinn auffassen.
[ 19 ] This is something connected with self-knowledge, a mystery of self-knowledge. We just have to understand it in the right way.
[ 20 ] Die Frage nach diesem Geheimnis könnte auch so geschildert werden: Sind wir eigentlich dadurch, daß wir Erdenmenschen geworden sind, daß wir in unsere Erdenhüllen untergetaucht sind, bessere Menschen geworden, oder wären wir bessere Menschen, wenn wir allein in unserem Inneren sein könnten, wenn wir einfach die Hüllen abwerfen könnten? Die Triviallinge, die dem geistigen Leben gegenübertreten, können leicht fragen: Wozu erst untertauchen in den Erdenleib? Das einfachste wäre, man bliebe oben, dann würde man nicht die ganze Misere haben, unterzutauchen.
[ 20 ] The question of this mystery could also be phrased this way: Have we actually become better people by becoming earthly human beings—by immersing ourselves in our earthly bodies—or would we be better people if we could remain solely within our inner selves, if we could simply cast off these bodies? Those who are trivial-minded and opposed to the spiritual life might easily ask: Why bother entering the earthly body in the first place? The simplest thing would be to remain above; then one would not have to endure the whole ordeal of entering it.
[ 21 ] Wozu haben uns die weisen Mächte des Schicksals untergetaucht? Empfindungsgemäß kann man da wenig erklären, wenn man sagt, an diesem Erdenleib haben göttlich-geistige Kräfte durch Jahrmillionen und Jahrmillionen gearbeitet. Wir sollten gerade dadurch, daß es so ist, mehr aus uns machen, als wir Kräfte haben. Unsere inneren Kräfte reichen nicht hin. Wir können nicht jetzt schon so viel sein, wie die Götter gemacht haben, wenn wir bloß das sein wollen, was wir in unserem Inneren sind, wenn wir nicht korrigiert werden durch unsere Hüllen. Das Leben stellt sich so dar: Hier auf Erden ist der Mensch versetzt in seine Leibeshüllen; diese sind von Wesen durch drei Welten zubereitet. Der Mensch soll erst das Innere heranbilden. Zwischen Geburt und Tod ist er ein böses, im Devachan ist er wieder ein besseres Wesen, aufgenommen von göttlich-geistigen Wesen, die ihn mit ihren eigenen Kräften durchgießen. Später, in der Vulkanzeit, wird er dann ein vollkommenes Wesen sein. Jetzt auf Erden ist er ein Wesen, das dieser oder jener Lust frönt. Das Herz zum Beispiel ist so weise eingerichtet, daß es Jahrzehnte standhält gegen die Anstürme, die der Mensch gegen es richtet mit seinen Exzessen, zum Beispiel mit dem Kaffee. So, wie der Mensch heute durch eigene Kraft sein kann, zieht er nun durch Kamaloka. Da soll er kennenlernen, was er durch eigene Kraft sein kann. Und das ist wahrhaft nichts Gutes. Der Mensch kann, wenn er sich selbst bezeichnen soll, sich nicht bezeichnen mit dem Prädikat der Schönheit. Da muß er sich schon so bezeichnen, wie dies Johannes [im zweiten Bild] tut:
[ 21 ] Why have the wise powers of fate hidden us away? Intuitively, there is little to be explained by saying that divine-spiritual forces have been at work on this earthly body for millions and millions of years. Precisely because this is so, we should make more of ourselves than our powers allow. Our inner powers are not sufficient. We cannot yet be as much as the gods have made us to be if we merely wish to be what we are within ourselves, if we are not corrected by our physical forms. Life presents itself as follows: Here on Earth, human beings are placed within their physical forms; these have been prepared by beings across three worlds. Humanity must first develop its inner self. Between birth and death, a person is an evil being; in Devachan, they are once again a better being, received by divine-spiritual beings who infuse them with their own powers. Later, in the volcanic age, they will then become a perfect being. Now, on Earth, they are a being who indulges in this or that pleasure. The heart, for example, is so wisely designed that it withstands for decades the assaults that human beings direct against it through their excesses—such as coffee. Just as human beings are today by their own power, so they now pass through Kamaloka. There they are to learn what they can be by their own power. And that is truly nothing good. If a person were to describe himself, he could not describe himself with the attribute of beauty. He must describe himself as John does [in the second image]:
Doch wie erkenne ich mich wieder!
Mir ist verloren Menschenform.
Ein wilder Wurm erschein’ ich mir,
Aus Lust und Gier geboren.
Und klar empfinde ich,
Wie eines Wahnes Nebelbild
Die eigne Schreckgestalt
Bisher verborgen mir gehalten hat.
But how I recognize myself!
I have lost my human form.
I appear to myself as a wild worm,
Born of lust and greed.
And I clearly sense
How, like a misty image of delusion,
My own terrifying form
Has been kept hidden from me until now.
[ 22 ] Unser Inneres wird wie elastisch ausgespannt in unsere Leibeshüllen und verbirgt sich uns. Wir lernen uns tatsächlich kennen wie eine Art wilder Wurm, wenn wir die Initiation kennenlernen. Und daher sind diese Worte nun aus tiefster Empfindung heraus geschöpft, die Worte der Selbsterkenntnis, nicht der Selbstbebrütung sind:
[ 22 ] Our inner self is stretched out, as if elastic, within our physical bodies and remains hidden from us. We actually come to know ourselves as a kind of wild worm when we experience initiation. And that is why these words are now drawn from the deepest feelings—words of self-knowledge, not of self-absorption:
Ich bin es selbst.
Erkenntnis schmiedet an dich verderblich Ungeheuer
Mich selbst verderblich Ungeheuer.
It is I myself.
Insight forges you into a destructive monster
I myself, a destructive monster.
[ 23 ] Im Grunde genommen sind beide dasselbe, einmal als Objekt, das andere Mal als Subjekt.
[ 23 ] Essentially, both are the same thing—in one case as an object, in the other as a subject.
Entfliehen wollt’ ich dir.
I wanted to escape from you.
[ 24 ] Aber dieses Entfliehen führt den Menschen gerade nur zu sich selbst.
[ 24 ] But this escape leads people only back to themselves.
[ 25 ] Und dann kommt jene Gesellschaft, die da auftaucht, in der wir darinnen sind, wenn wir wirklich in uns hineinblicken. Diese Gesellschaft, die wir in uns finden, sind unsere eigenen Begierden und Leidenschaften, das, was früher nicht bemerkt wurde, weil jedesmal, wenn wir in uns hineinblicken wollten, der Blick abgelenkt wurde auf unsere Umgebung. Denn im Vergleich zu dem, in das wir so hineinblicken wollten, ist die Welt eine wunderschöne Welt. Da, in der Illusion, der Maja des Lebens, hört man auf, in sich hineinzusehen. Wenn aber die Menschen allerlei dummes Zeug um uns herum reden, und wenn es uns zuviel geworden ist, dann fliehen wir in die Einsamkeit. Und dies ist für gewisse Stufen der Entwickelung sehr wichtig. Da kann und soll man sich sammeln. Das ist ein gutes Mittel der Selbsterkenntnis. Aber es gibt dennoch Erlebnisse, daß wir in Gesellschaften kommen, daß wir nicht mehr einsam sein können, daß gerade da jene Wesen auftreten — in uns oder außer uns, das ist einerlei —, die uns nicht einsam sein lassen. Dann kommt jenes Erlebnis, das man haben soll. Diese Einsamkeit bringt eben die schlimmste Gesellschaft:
[ 25 ] And then there is that society that emerges—the one we find ourselves in when we truly look within. This society we find within ourselves consists of our own desires and passions—things that went unnoticed before because every time we tried to look within, our gaze was diverted to our surroundings. For compared to what we were trying to look into, the world is a wonderful place. There, in that illusion—the maya of life—we stop looking within ourselves. But when people around us spout all sorts of nonsense, and when it becomes too much for us, we flee into solitude. And this is very important for certain stages of development. There, one can and should gather one’s thoughts. This is a good means of self-knowledge. But there are still experiences when we find ourselves in company, when we can no longer be alone, when precisely there those beings appear—within us or outside us, it makes no difference—who do not let us be alone. Then comes that experience one is meant to have. This solitude brings with it the worst kind of company:
Mir ist des Menschen letzte Zuflucht,
Mir ist die Einsamkeit verloren.
I have lost man's final refuge,
I have lost solitude.
[ 26 ] Das sind wirkliche Erlebnisse. Aber lassen Sie sich die Intensität, die Stärke dieser Erlebnisse nicht selber eine Anfechtung sein. Glauben Sie nicht, wenn solche Erlebnisse in starker Intensität vorgeführt werden, daß man Angst und Furcht haben soll. Glauben Sie nicht, daß das beitragen soll, jemanden abzulenken, selbst unterzutauchen in diese Fluten. Man erlebt sie nicht gleich in dieser Stärke wie Johannes, weil er es zu bestimmtem Ziele so erleben sollte, in gewisser Weise sogar verfrüht. Die reguläre Selbstentwickelung geht einen anderen Gang. Deshalb ist das als individuell aufzufassen, was bei Johannes tumultuarisch eintritt. Weil er diese Individualität ist, die Schiffbruch erlitten hat, kann bei ihm, da er diese Gesetze durchmacht, alles viel tumultuarischer erfolgen. Er lernt sie so kennen, daß sie ihn tief aus dem Gleichgewicht bringen. Aber dadurch, daß es hier für Johannes geschildert ist, sollte eines erweckt werden, nämlich das Gefühl, daß mit irgendwelchen trivialen Phrasen wahre Selbsterkenntnis nichts zu tun hat, daß wahre Selbsterkenntnis nicht anders kann, als zuerst durch Schmerz und Leid zu führen.
[ 26 ] These are real experiences. But do not let the intensity and power of these experiences become a source of doubt for you. Do not think, when such experiences are presented with such intensity, that you should feel fear or dread. Do not think that this is meant to distract anyone or to draw them into these torrents themselves. You do not experience them immediately with the same intensity as John did, because he was meant to experience them for a specific purpose—in a certain sense, even prematurely. Normal self-development follows a different course. Therefore, what occurs tumultuously in John’s case should be understood as an individual phenomenon. Because he is this individual who has suffered shipwreck, everything can unfold much more tumultuously in his case as he goes through these laws. He comes to know them in such a way that they throw him deeply off balance. But by describing this here in relation to Johannes, one thing is meant to be brought to light: namely, the realization that true self-knowledge has nothing to do with trivial platitudes, and that true self-knowledge cannot help but lead first through pain and suffering.
[ 27 ] Dinge, die vorher eine Erquickung für Menschen sind, gewinnen ein anderes Antlitz, wenn sie auf dem Felde der Selbsterkenntnis auftreten. Einsamkeit können wir uns erflehen, gewiß, wenn wir auch schon Selbsterkenntnis gefunden haben. Aber in gewissen Momenten der Selbsterkenntnis kann Einsamkeit das sein, was wir verlieren, wenn wir sie in unserer vorher bekannten Weise suchen, in Momenten, wo wir dann ausfließen in die objektive Welt, wo der Einsame gerade die schwersten Schmerzen erleidet.
[ 27 ] Things that were once a source of refreshment for people take on a different aspect when they appear in the realm of self-knowledge. We can certainly yearn for solitude, even if we have already found self-knowledge. But in certain moments of self-knowledge, solitude can be what we lose when we seek it in the way we knew before—in moments when we then flow out into the objective world, where the solitary person suffers the most intense pain.
[ 28 ] Dieses Sich-Hinausergießen in andere Wesenheiten müssen wir in richtiger Weise empfinden lernen, wenn wir das, was in das Drama gelegt ist, fühlen wollen. Es ist ein gewisses ästhetisches Gefühl durchgeführt, alles darin ist spirituell-realistisch. Wer realistisch denkt - ein echt ästhetisch fühlender Realist -, empfindet gewisse Schmerzen bei einer unrealistischen Darstellung. Auch das, was auf einer gewissen Stufe große Befriedigung geben kann, kann auf anderer Stufe eine Quelle des Schmerzes sein. Das hängt von dem Weg der Selbsterkenntnis ab. Ein Shakespeare-Drama zum Beispiel, etwas also, was schon eine große Leistung der Außenwelt ist, kann ein Quell der ästhetischen Befriedigung sein. Aber ein gewisser Moment der Entwickelung kann eintreten, wo man nicht mehr davon befriedigt sein kann, weil man sein Inneres zerrissen fühlt, wenn man von Szene zu Szene geht, weil man keine Notwendigkeit mehr sieht, daß eine Szene an die andere gereiht ist. Man kann dies als unnatürlich empfinden, daß eine Szene neben die andere gestellt ist. Warum unnatürlich? Weil nichts zwei Szenen zusammenhält als der Schreiber Shakespeare und der Zuschauer. In der Szenenfolge ist ein abstraktes Prinzip der Kausalität, nicht ein konkret Wesenhaftes. Das ist das Charakteristische der Dramen Shakespeares, daß nichts angedeutet ist, was sie karmisch durchwirkt und zusammenhält.
[ 28 ] We must learn to perceive this pouring out into other beings in the right way if we are to feel what is contained in the drama. A certain aesthetic sensibility pervades it; everything in it is spiritually realistic. Anyone who thinks realistically—a realist with a genuine aesthetic sensibility—feels a certain pain when confronted with an unrealistic portrayal. Even that which can provide great satisfaction at one level may be a source of pain at another. This depends on the path of self-knowledge. A Shakespearean drama, for example—something that is already a great achievement of the external world—can be a source of aesthetic satisfaction. But a certain moment in one’s development may arise when one can no longer be satisfied by it, because one feels one’s inner self torn apart as one moves from scene to scene, because one no longer sees the necessity for one scene to follow another. One may find it unnatural for one scene to be placed next to another. Why unnatural? Because nothing holds the two scenes together except the writer Shakespeare and the audience. In the sequence of scenes, there is an abstract principle of causality, not a concrete, essential one. This is the defining characteristic of Shakespeare’s plays: nothing is suggested that karmically interweaves and holds them together.
[ 29 ] Das Rosenkreuzerdrama ist realistisch geworden, spirituell-realistisch. Es stellt große Anforderungen an Johannes Thomasius. Ohne daß er in irgendeiner wichtigen Eigenschaft aktiv mittut, ist er auf der Szene. Er ist es, in dessen Seele sich alles abspielt, und was da geschildert wird, ist die Entwickelung der Seele, das reale Erlebnis dessen, was in der Entwickelung der Seele erlebt wird.
[ 29 ] The Rosicrucian drama has become realistic—spiritually realistic. It places great demands on Johannes Thomasius. Although he does not actively participate in any significant role, he is present on the stage. It is within his soul that everything unfolds, and what is depicted there is the development of the soul—the real experience of what is experienced in the soul’s development.
[ 30 ] Die Seele des Johannes spinnt realistisch das eine Bild aus dem anderen Bild heraus. Da sehen wir, daß realistisch und spirituell einander nicht widersprechen. Materialistisches und Spirituelles brauchen sich nicht, aber können sich widersprechen. Aber es braucht sich auch Realistisches und Spirituelles nicht zu widersprechen, und es kann etwas spirituell Realistisches von einem Materialisten ganz bewundert werden. Die Dramen Shakespeares können in bezug auf ein ästhetisches Prinzip durchaus realistisch gedacht werden. Aber Sie können auch begreifen, daß eine Kunst, die Hand in Hand geht mit Geisteswissenschaft, zuletzt dahin führt, daß für den, der sein Selbst im Kosmos erlebt, der ganze Kosmos zu einer Ich-Wesenheit wird. Dann können wir es auch nicht ertragen, daß ihm irgend etwas entgegentritt im Kosmos, was nicht in Beziehung steht zur Ich-Wesenheit. Die Kunst wird in dieser Beziehung etwas lernen, was sie zum Ich-Prinzip kommen läßt, weil der Christus uns zuerst einmal das Ich gebracht hat. Auf den verschiedensten Gebieten wird sich dieses Ich ausleben.
[ 30 ] Johannes’s soul realistically weaves one image out of another. Here we see that the realistic and the spiritual do not contradict each other. The materialistic and the spiritual do not need each other, but they can contradict each other. But the realistic and the spiritual need not contradict each other either, and something that is spiritually realistic can be greatly admired by a materialist. Shakespeare’s plays can certainly be conceived of as realistic in terms of an aesthetic principle. But you can also understand that an art that goes hand in hand with Spiritual Science ultimately leads to a point where, for the one who experiences his or her self within the cosmos, the entire cosmos becomes an “I”-being. Then we cannot bear it when anything in the cosmos stands in the way of this “I”-being. In this regard, art will learn something that will lead it to the “I” principle, because Christ first brought us the “I.” This “I” will find its full expression in the most diverse fields.
[ 31 ] Aber noch in anderer Weise zeigt sich dieses konkrete Menschliche in der Seele und das Wiederum-Verteiltsein draußen. Wenn einen damals jemand gefragt hat: Welche Person ist Atma, welche ist Buddhi, welche Manas? - Es wäre eine gräßliche Kunst, eine fürchterliche Kunst, wenn man die Darstellung so interpretieren müßte: Diese Gestalt ist eine Personifikation von Manas. — Es gibt theosophische Unarten, die sich bemühen, alles in dieser Richtung auszulegen. Von dem Kunstwerk, das sich so interpretieren lassen müßte, könnte man sagen: Armes Kunstwerk! — Gegenüber Shakespeares Dramen jedenfalls wäre dies grundfalsch und lächerlich.
[ 31 ] But this concrete human aspect manifests itself in the soul in yet another way, and is again distributed outward. If someone had asked back then: Which person is Atma, which is Buddhi, which is Manas? — It would be a dreadful art, a terrible art, if one were forced to interpret the depiction in this way: “This figure is a personification of Manas.” — There are theosophical bad habits that strive to interpret everything in this way. Of a work of art that had to be interpreted in this way, one might say: “Poor work of art!” — In any case, when compared to Shakespeare’s plays, this would be fundamentally wrong and ridiculous.
[ 32 ] Solche Dinge sind Kinderkrankheiten der theosophischen Entwickelung. Man wird sie sich schon abgewöhnen. Aber es ist doch notwendig, daß auf diese Dinge auch einmal aufmerksam gemacht wird. Es könnte sogar vorkommen, daß sich jemand daran macht, die neun Glieder der menschlichen Natur in der Neunten Symphonie Beethovens aufzusuchen.
[ 32 ] Such things are teething problems in the development of theosophy. People will eventually outgrow them. But it is nevertheless necessary to draw attention to these matters at some point. It might even happen that someone sets out to find the nine aspects of human nature in Beethoven’s Ninth Symphony.
[ 33 ] Und dennoch ist es in gewisser Weise richtig, daß das, was einheitliche menschliche Natur ist, sich wiederum verteilt auf verschiedene Menschen. Ein Mensch hat diese besondere Seelenfärbung, ein anderer jene. So können wir Menschen vor uns sehen, die verschiedene Seiten der menschlichen Gesamtnatur darstellen. Aber das muß realistisch gedacht sein, muß aus der Natur des Menschen heraus kommen. Wie uns Menschen in der Welt entgegentreten, darin stellen sie die verschiedenen Seiten der menschlichen Natur dar. Und indem wir uns durchentwickeln von Inkarnation zu Inkarnation, werden wir eine Totalität. Wenn das betreffende Faktum, das zugrunde liegt, dargestellt werden soll, dann muß das ganze Leben aufgelöst werden.
[ 33 ] And yet, in a certain sense, it is true that what constitutes a unified human nature is, in turn, distributed among different people. One person has this particular spiritual coloring, another that one. Thus, we can see people before us who represent different aspects of the totality of human nature. But this must be conceived realistically; it must arise from human nature itself. The way people appear to us in the world is how they represent the various aspects of human nature. And as we evolve from incarnation to incarnation, we become a totality. If the underlying fact in question is to be represented, then the whole of life must be unfolded.
[ 34 ] So ist im Rosenkreuzermysterium das, was in gewisser Weise Maria darstellen soll, aufgelöst in den anderen Figuren, die als Begleiter um sie herum sind, die mit ihr eine Ichheit ausmachen. Man kann insbesondere Eigenschaften der Empfindungsseele in der Philia sehen, Eigenschaften der Verstandes- oder Gemütsseele in Astrid, Eigenschaften der Bewußtseinsseele in Luna. Daraufhin sind schon die Namen geprägt. Alle Namen sind so, daß sie für die einzelnen Wesenheiten ganz wesenhaft geprägt sind. Nicht nur in den Worten, sondern in der Art, wie die Worte gesetzt sind, namentlich wo wirken soll das Spirituelle im Devachan, im siebenten Bild, da ist das, was die drei Gestalten der Philia, Astrid und Luna charakterisieren soll, genau abgestuft. Das, womit da das siebente Bild beginnt, ist eine bessere Charakteristik von Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, als man sonst in Worten geben kann. Da kann man den Menschen zeigen, was Empfindungsseele, was Verstandesseele, was Bewußtseinsseele ist. In der Kunst kann man die Stufen zeigen in der Art, wie diese drei Gestalten dastehen. In der menschlichen Wesenheit fließen sie ineinander. Werden sie voneinander gelöst, dann stellen sie sich so dar, wie Philia sich hineinstellt in das Weltenall, wie Astrid sich hineinstellt in die Elemente, wie Luna ausfließt in Selbsttat und Selbsterkenntnis. Und weil sie sich da so hineinstellen, ist in der Devachanszene alles enthalten, was im wahren Sinne Alchimie ist. Die ganze Alchimie ist darin. Man muß sie nur nach und nach herausfinden.
[ 34 ] Thus, in The Rosicrucian Mystery, the figure who is meant to represent Mary in a certain sense is dissolved into the other characters who surround her as companions, together forming a single “I” with her. In particular, one can see qualities of the sensitive soul in Philia, qualities of the intellectual or emotional soul in Astrid, and qualities of the conscious soul in Luna. The names themselves already reflect this. All the names are such that they are imprinted in a way that is entirely essential to the individual beings. Not only in the words themselves, but in the way the words are arranged—particularly where the spiritual is to take effect in Devachan, in the seventh image—there, what is meant to characterize the three figures of Philia, Astrid, and Luna is precisely graded. What the seventh image begins with is a better characterization of the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul than can usually be conveyed in words. There, one can show people what the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul are. In art, one can illustrate these stages through the way these three figures are depicted. In the human being, they flow into one another. When they are separated from one another, they present themselves just as Philia places herself within the universe, just as Astrid places herself within the elements, and just as Luna flows out into self-action and self-knowledge. And because they place themselves there in this way, the Devachan scene contains everything that is alchemy in the true sense. The whole of alchemy is contained within it. One need only discover it little by little.
[ 35 ] Sie ist aber nicht nur in dem abstrakten Inhalt gegeben, sondern in dem Weben und Wesen der Worte. Deshalb sollen Sie nicht nur hören, was gesagt wird, und namentlich nicht bloß, was der einzelne spricht, sondern wie die Seelenkräfte im Verhältnis zueinander sprechen. Die Empfindungsseele schiebt sich hinein in den Astralleib, wir haben es mit webender Astralität zu tun. Die Verstandesseele schiebt sich hinein in den Ätherleib, wir haben es also mit webender Atherwesenheit zu tun. Wir sehen, wie sich wie mit innerer Festigkeit die Bewußtseinsseele in den physischen Leib hineinergießt. So ist das, was seelenhaft wirkt wie Licht in der Seele, in den Worten der Philia gegeben; was ätherisch objektiv wirkt, so daß man den wahren Dingen gegenübersteht, das ist in Astrid gegeben; was innere Festigkeit gibt, so daß es mit dem physischen Leib verbunden ist, das ist in Luna gegeben. Das müssen wir erfühlen. Hören wir die Seelenkräfte im siebenten Bild:
[ 35 ] But it is not found merely in the abstract content, but in the interweaving and essence of the words. Therefore, you should not only hear what is said—and especially not merely what the individual speaks—but how the soul forces speak in relation to one another. The feeling soul pushes its way into the astral body; we are dealing with a weaving astral presence. The intellectual soul pushes its way into the etheric body; we are thus dealing with a weaving etheric presence. We see how the conscious soul pours itself into the physical body with inner firmness. Thus, that which acts in a soulful way, like light within the soul, is expressed in the words of Philia; that which acts in an ethereal, objective way, so that we stand face to face with true things, is expressed in Astrid; that which provides inner steadfastness, connecting us to the physical body, is expressed in Luna. We must feel this. Let us listen to the soul forces in the seventh image:
Philia: (Empfindungsseele)
Philia: (Soul of Feeling)
Ich will erfüllen mich
Mit klarstem Lichtessein
Aus Weltenweiten,
Ich will eratmen mir
Belebenden Klangesstoff
Aus Ätherfernen,
Daß dir, geliebte Schwester,
Das Werk gelingen kann.
I want to fill myself
With the clearest light-being
From the vastness of the worlds,
I want to breathe into myself
Life-giving sound-substance
From the distant ether,
So that you, beloved sister,
May succeed in your work.
Astrid: (Verstandesseele)
Astrid: (Mind-Soul)
Ich will verweben
Erstrahlend Licht
Mit dämpfender Finsternis,
Ich will verdichten
Das Klangesleben.
Es soll erglitzernd klingen,
Es soll erklingend glitzern,
Daß du, geliebte Schwester,
Die Seelenstrahlen lenken kannst.
I want to weave together
Radiant light
With subduing darkness,
I want to condense
The life of sound.
It shall ring out sparkling,
It shall sparkle as it rings out,
So that you, beloved sister,
May guide the rays of the soul.
Luna: (Bewußtseinsseele)
Luna: (Consciousness Soul)
Ich will erwärmen Seelenstoff
Und will erhärten Lebensäther.
Sie sollen sich verdichten,
Sie sollen sich erfühlen,
Und in sich selber seiend
Sich schaffend halten,
Daß du, geliebte Schwester
Der suchenden Menschenseele
Des Wissens Sicherheit erzeugen kannst.
I want to warm the substance of the soul
And I want to strengthen the ether of life.
They shall condense,
They shall sense one another,
And, existing within themselves,
Sustain themselves,
So that you, beloved sister,
Of the seeking human soul,
May bring forth the certainty of knowledge.
[ 36 ] Ich mache darauf aufmerksam, daß wir haben bei der Philia: «Daß dir, geliebte Schwester... .», daß wir bei Astrid in das Dumpfere, in das Dichtere hineinkommen: «Daß du, geliebte Schwester .. .», «Daß dir...», «Daß du...». Und jetzt haben wir es bei Luna verwoben mit dem noch schwerer Wiegenden: «Der suchenden Menschenseele». Da ist das U so verwoben mit den benachbarten Konsonanten, daß es noch festere Dichtigkeit erlangt.
[ 36 ] I would like to point out that in Philia we have: “That you, beloved sister…,” whereas in Astrid we move into something more subdued, more profound: “That you, beloved sister…,” “That you…,” “That you…”. And now, with Luna, we have interwoven it with something even more deeply resonant: “The seeking human soul.” Here, the “U” is so intricately woven with the neighboring consonants that it attains an even greater density.
[ 37 ] Das sind die Dinge, die man tatsächlich charakterisieren kann. Auf das Wie kommt es an, das muß festgehalten werden. Vergleichen wir die Worte, die Philia weiter spricht:
[ 37 ] These are the things that can actually be characterized. It depends on the “how”—that must be noted. Let’s compare the words Philia goes on to say:
Ich will erbitten von Weltengeistern,
Daß ihres Wesens Licht
Entzücke Seelensinn,
Und ihrer Worte Klang
Beglücke Geistgehör
I pray to the spirits of the worlds,
That the light of their being
May delight the soul’s senses,
And the sound of their words
May bring joy to the spirit’s ear
mit den ganz anders gearteten, die Astrid spricht:
compared to the very different ones that Astrid speaks:
Ich will die Liebesströme,
Die Welt erwarmenden,
Zu Herzen leiten
Dem Geweihten
I want the currents of love,
That warm the world,
To flow into the heart
Of the consecrated one
[ 38 ] so ist gerade da, wo diese Worte durchgeführt sind, das innere Weben und Wesen des devachanischen Weltelementes durchgeführt.
[ 38 ] It is precisely where these words are carried out that the inner weaving and essence of the Devachanic world element are realized.
[ 39 ] Wir müssen uns klarmachen an solchen Dingen, und deshalb erwähne ich es, daß, wenn Selbsterkenntnis anfängt aufzugehen in äußerem Weltenweben und Weltenwesen, es darauf ankommt, alle Einseitigkeit aufzugeben, und daß wir fühlen lernen, wie wir sonst nur in Philisterart erleben können, was in jedem Punkte des Daseins vorhanden ist. Das macht uns Menschen zu starren Wesen, daß wir an den Punkt im Raume gebannt sind und glauben, mit Worten Wahrheiten aussprechen zu können. Aber Worte sind das, was weniger gut die Wahrheit aussprechen kann, weil es an den physischen Klang gebunden ist. Wir müssen, ich möchte sagen, den Ausdruck mitfühlen. Daher kommt es darauf an, daß ein solcher wichtiger Vorgang wie der Selbsterkenntnisvorgang des Johannes Thomasius nur so richtig erlebt werden kann, wenn er dann die Selbsterkenntnis mutvoll erringt und ergreift. Das ist der nächste Akt, nachdem die Selbsterkenntnis uns niedergeschmettert hat, daß wir anfangen, das, was wir draußen gelernt haben, indem wir den Kosmos als uns verwandt begriffen haben, nachdem wir das Wesen der Wesen erkannt haben, in uns jetzt hereinzunehmen, daß wir uns mutvoll erkühnen, das zu leben, was wir erkannt haben. Nur die Hälfte der Sache ist es, daß wir untertauchen wie Johannes in ein Wesen, dem wir Leid gebracht haben, das wir in die kalte Erde hinuntergestoßen haben. Denn wir empfinden jetzt anders. Wir fassen Mut, den Schmerz auszugleichen. Dann tauchen wir unter in dieses Leben und sprechen im eigenen Wesen anders. Das wird zunächst dasjenige, was uns im neunten Bild entgegentritt. Während im zweiten Bild das Wesen dem Johannes zurief:
[ 39 ] We must realize this about such things—and that is why I mention it—that when self-knowledge begins to dawn in the outer fabric of the world and its beings, it is essential to abandon all one-sidedness and to learn to feel what is present in every aspect of existence, which we would otherwise only be able to experience in a philistine manner. What makes us human beings rigid beings is that we are bound to a point in space and believe we can express truths through words. But words are the very thing least capable of expressing the truth, because they are bound to physical sound. We must—I would say—empathize with the expression. Therefore, it is essential that a process as significant as Johannes Thomasius’s process of self-knowledge can only be truly experienced when he then courageously attains and seizes that self-knowledge. This is the next step after self-knowledge has struck us down: that we begin to take into ourselves what we have learned from the outside—by understanding the cosmos as akin to us, after we have recognized the essence of all beings—and that we courageously dare to live out what we have recognized. It is only half the story that we immerse ourselves, like John, in a being to whom we have caused suffering, whom we have cast down into the cold earth. For we now feel differently. We gather the courage to make amends for the pain. Then we immerse ourselves in this life and speak differently within our own being. This is, at first, what confronts us in the ninth image. Whereas in the second image, the being called out to John:
Er hat mir bittre Not gebracht;
Ich habe ihm so ganz vertraut.
Er ließ im Kummer mich allein,
Er raubte mir die Lebenswärme
Und stieß in kalte Erde mich
He brought me bitter sorrow;
I trusted him so completely.
He left me alone in my grief,
He robbed me of the warmth of life
And cast me into the cold earth
[ 40 ] rief dasselbe Wesen im neunten Bild, nachdem Johannes sich da erlebt hatte, wohin jede Selbsterkenntnis drängt, ihm zu:
[ 40 ] the same being in the ninth vision, after John had found himself in the place toward which all self-knowledge leads, called out to him:
Du mußt mich wieder finden
Und mir die Schmerzen lindern.
You must find me again
And ease my pain.
[ 41 ] Das ist die andere Seite: erst das Niederschmetternde, dann das Ausgleichende des Erlebens. Da ruft ihm das andere Wesen zu:
[ 41 ] That is the other side: first the devastating aspect, then the balancing aspect of the experience. Then the other being calls out to him:
Du mußt mich wieder finden.
You have to find me again.
[ 42 ] Es könnte das anders nicht dargestellt werden, dieses Heraufheben des Erlebens der Welt, dieses Sich-Ausfüllen mit dem Erleben der Welt. Wahre Selbsterkenntnis im Auftauchen innerhalb des Kosmos könnte nicht geschildert werden, wenn nicht mit den Worten, mit denen Johannes aufwacht. Selbstverständlich muß sie so beginnen, im zweiten Bild:
[ 42 ] There is no other way to describe this elevation of the experience of the world, this filling of oneself with the experience of the world. True self-knowledge in emerging within the cosmos could not be described except with the words with which John awakens. Of course, it must begin this way, in the second image:
So hör’ ich sie seit Jahren schon,
Die inhaltschweren Worte.
That’s how I’ve been hearing them for years now,
Those words so full of meaning.
[ 43 ] Dann, nachdem er untergetaucht ist in den Erdengrund, nachdem er mit dem Erdengrund vereinigt ist, entsteht in der Seele die Kraft, die Worte so entstehen zu lassen. Das ist das Wesentliche im neunten Bild:
[ 43 ] Then, after it has sunk into the earth’s depths, after it has become one with the earth’s depths, the power arises within the soul to bring forth words in this way. That is the essence of the ninth image:
Ich habe sie drei Jahre lang gesucht,
Die mutbeschwingte Seelenkraft,
Die Wahrheit gibt dem Worte,
Durch das der Mensch, sich selbst befreiend, siegen
Und sich besiegend, Freiheit finden kann.
I have sought it for three years,
That courage-filled strength of the soul,
Which gives truth to words,
Through which a person, by liberating themselves, can triumph
And, by conquering themselves, find freedom.
[ 44 ] Das sind die Worte: «O Mensch, erlebe dich!» im Gegensatz zu den Worten im zweiten Bild: «O Mensch, erkenne dich!» So tritt uns immer wiederum dasselbe Bild entgegen. Während das eine Mal das Bild hinunterführt:
[ 44 ] These are the words: “O human being, experience yourself!” in contrast to the words in the second image: “O human being, recognize yourself!” Thus, the same image confronts us again and again. While at one point the image leads downward:
Die Welt und meine Eigenheit,
Sie leben in dem Worte:
O Mensch, erkenne dich!
The World and My Individuality,
They live in these words:
O man, know thyself!
[ 45 ] ist es dann umgekehrt. Das wechselt. Das Bild gibt den Seelenvorgang wieder.
[ 45 ] then it's the other way around. It changes. The image reflects the inner process.
[ 46 ] So haben Sie auch gehört das furchtbar niederschmetternde Wort:
[ 46 ] So you, too, have heard those terribly devastating words:
Maria, ist dir denn bewußt,
Was meine Seele eben durchgerungen?
- - - - - - - - - -
Mir ist des Menschen letzte Zuflucht,
Mir ist die Einsamkeit verloren.
Maria, are you aware
Of what my soul has just endured?
- - - - - - - - - -
I have lost man’s final refuge,
I have lost my solitude.
[ 47 ] Dann wird im neunten Bild gezeigt, wie das Wesen erst Zuversicht und dann Sicherheit gewinnt. Das ist die Kongruenz. Nicht Konstruktionen, sondern selbstverständliche Erlebnisse müssen es sein. Dadurch sollen wir fühlen, wie in einer solchen Seele, wie der des Johannes 'Thomasius, Selbsterkenntnis sich abklärt zum Selbsterleben. Wir sollen auch fühlen, wie sich verteilt dieses Erlebnis des Johannes Thomasius auf einzelne Menschen und damit seine eigene Erkenntnis über die gesamten Menschen, in denen sich in den einzelnen Inkarnationen ein Teil seiner Wesenheit ausprägt. Zuletzt steht da im Sonnentempel eine ganze Gesellschaft, alle wie ein Tableau, und alle zusammen sind ein einzelner Mensch. Auf alle sind Eigenschaften eines einzigen Menschen verteilt; es ist im Grunde genommen ein einzelner Mensch. Aber ein pedantischer Mensch müßte sagen: Es sind ja zu viele Teile, es müßten neun statt zwölf sein. — So schafft aber die Wirklichkeit nicht, daß sie im Einklang steht mit den Theorien. Und dennoch steht sie mehr im Einklang mit der Wahrheit, als wenn man in regulärer Weise die einzelnen Glieder der menschlichen Wesenheit aufmarschieren ließe.
[ 47 ] Then, in the ninth image, we see how the being first gains confidence and then certainty. That is congruence. It must not be mere constructs, but rather natural experiences. Through this, we are to feel how, in a soul such as that of Johannes Thomasius, self-knowledge crystallizes into self-experience. We are also to feel how this experience of Johannes Thomasius extends to individual human beings—and thus how his own insight encompasses all of humanity, in whom a part of his being manifests itself in individual incarnations. Finally, there stands a whole community in the Temple of the Sun, all arranged like a tableau, and all together they form a single human being. The qualities of a single human being are distributed among them all; it is, in essence, a single human being. But a pedantic person would have to say: There are too many parts; there should be nine instead of twelve. — Yet reality does not arrange itself so as to be in harmony with theories. And yet it is more in harmony with the truth than if one were to line up the individual members of the human being in a regular fashion.


[ 48 ] Versetzen wir uns jetzt in diesen Sonnentempel. Da sind die einzelnen Menschen, die so hineingestellt worden sind, wie sie wirklich karmisch zusammengehören, wie Karma sie im Leben zusammengestellt hat. Aber wenn wir uns jetzt den Johannes hier denken und uns eines jeden einzelnen Charakter so gespiegelt denken in der Seele des Johannes und jeden Menschen als Seeleneigenschaft des Johannes - was ist denn dann, wenn wir das als Realität fassen, geschehen? Da hat Karma tatsächlich wie in einem Knotenpunkt diese Menschen zusammengebracht. Nichts ist absichtslos, zwecklos, ziellos, sondern was einzelne Menschen getan haben, bedeutet nicht nur ein Einzelereignis, es bedeutet jeder ein Seelenerlebnis des Johannes 'Thomasius. Es spielt sich alles zweimal ab: im Makrokosmos und im Mikrokosmos der Seele des Johannes. Das ist seine Initiation. Wie Maria zum Beispiel zu ihm selber steht, so steht ein wichtiges Glied seiner Seele zu einem anderen Glied der Seele. Das sind absolute Kongruenzen, streng durchgeführt. Was äußerliche Handlung ist, ist in Johannes innerlicher Entwickelungsvorgang. Es will da geschehen, was der Hierophant ausdrückt im dritten Bild:
[ 48 ] Let us now imagine ourselves in this Temple of the Sun. There are individual people who have been placed there exactly as they truly belong together karmically—just as karma has brought them together in life. But if we now imagine Johannes here and picture each individual’s character reflected in Johannes’s soul—and each person as a quality of Johannes’s soul—what then happens when we grasp this as reality? Here, karma has indeed brought these people together, as if at a crossroads. Nothing is without intention, purpose, or goal; rather, what individual people have done does not merely constitute a single event—each one represents a soul experience of Johannes Thomasius. Everything unfolds twice: in the macrocosm and in the microcosm of Johannes’s soul. This is his initiation. Just as Maria, for example, relates to him, so does one important aspect of his soul relate to another aspect of the soul. These are absolute congruences, strictly carried out. What is an external action is, within Johannes, an inner process of development. What the Hierophant expresses in the third image is meant to happen there:
Es formt sich hier in diesem Kreise
Ein Knoten aus den Fäden,
Die Karma spinnt im Weltenwerden.
Here, within this circle,
A knot is forming from the threads
That Karma weaves as the world comes into being.
[ 49 ] Er hat sich geformt. Und dieser so recht geschürzte Knoten zeigt, wozu alles führt. Auf der einen Seite absolute Realität, wie Karma spinnt, aber nicht ein zweckloses Spinnen. Wir haben den: Knoten als den Initiationsvorgang in der Seele des Johannes, und wir haben das Ganze so, daß doch noch eine menschliche Individualität steht über all diesen Menschen: der Hierophant, der eingreift, der die Fäden lenkt. Wir brauchen nur an den Hierophanten und sein Verhältnis zu Maria zu denken.
[ 49 ] It has taken shape. And this knot, tied so tightly, shows where it all leads. On the one hand, absolute reality—how karma weaves—but not a purposeless weaving. We have this knot as the process of initiation in the soul of John, and we have the whole picture such that a human individuality still stands above all these people: the Hierophant, who intervenes, who directs the threads. We need only think of the Hierophant and his relationship to Mary.
[ 50 ] Aber gerade daran können wir ersehen, daß dieser Vorgang etwas ist, was Selbsterkenntnis erleuchten kann, an dieser Stelle im dritten Bild. Ein Spaß ist dieses Heraussteigen aus dem Selbst nicht. Ein ganz realer Vorgang ist es, ein Verlassenwerden der menschlichen Hüllen von der inneren Kraft. Dann bleiben diese menschlichen Hüllen übrig und werden ein Kampfplatz für untergeordnete Mächte. Wo Maria den Strahl der Liebe zum Hierophanten herunterschickt, das kann nicht anders dargestellt werden als: Da unten der Leib, der ergriffen wird von der Macht des Widersachers und das Gegenteil sagt von dem, was da oben vorgeht. Da oben strahlt ein Strahl der Liebe herunter, da unten entsteht ein Fluch. Das sind die kontrastierenden Szenen: Im Devachan, wo Maria schildert, was sie wirklich getan hat, und im dritten Bild, wo sich unten beim Verlassen des Leibes das Fluchen der dämonischen Mächte gegen den Hierophanten abspielt. Da haben wir zwei sich ergänzende Bilder. Es würde wirklich ganz schlimm werden, wenn man sie erst so konstruieren müßte.
[ 50 ] But it is precisely here that we can see that this process is something that can shed light on self-knowledge, at this point in the third image. Stepping out of the self is no joke. It is a very real process: the inner force leaving the human shell. Then these human shells remain and become a battleground for subordinate forces. When Maria sends down the ray of love to the Hierophant, it cannot be depicted any other way than this: down below, the body is seized by the power of the adversary and says the opposite of what is happening up above. Up above, a ray of love shines down; down below, a curse arises. These are the contrasting scenes: in Devachan, where Mary describes what she actually did, and in the third image, where, below, as the body is being left, the cursing of the demonic forces against the Hierophant takes place. Here we have two complementary images. It would truly be quite terrible if one had to construct them from scratch.
[ 51 ] So habe ich dem heutigen Vortrag eine Seite dieses Mysteriendramas zugrunde gelegt, und ich hoffe, daß wir gerade daran einige besondere Charakteristika anknüpfen konnten, wie sie der Initiation zugrunde liegen.
[ 51 ] Thus, I have based today’s lecture on a page from this mystery drama, and I hope that we have been able to draw on it to highlight some of the specific characteristics that underlie initiation.
[ 52 ] Es darf der Umstand, daß manches scharf betont werden mußte, wenn wirkliche Vorgänge der Einweihung dargestellt werden sollen, Sie nicht mutlos, kleinmütig machen gegenüber dem Streben nach der geistigen Welt. Die Schilderung der Gefahren hat nur den Zweck, den Menschen zu stählen gegenüber den Gewalten. Die Gefahren sind da, die Schmerzen und Leiden stehen uns bevor. Es wäre wahrhaftig ein schlechtes Streben, wenn wir nur sozusagen in der bequemsten Weise hinaufrücken wollten in die höheren Welten. So bequem, wie in modernen Eisenbahnzügen sich hinrollen zu lassen, wie die äußere materielle Kultur es in bezug auf das äußere Leben macht, läßt es sich noch nicht machen in bezug auf das Erreichen der geistigen Welten. Nicht mutlos machen soll das hier Geschilderte, sondern gerade durch das Sich-Bekanntmachen in gewisser Weise mit den Gefahren der Initiation soll der Mut gestählt werden.
[ 52 ] The fact that certain things had to be strongly emphasized in order to describe the actual events of the initiation should not discourage you or make you lose heart in your pursuit of the spiritual world. The description of the dangers serves only to steel people against these forces. The dangers are real; pain and suffering lie ahead of us. It would truly be a misguided endeavor if we were to seek to ascend to the higher worlds, so to speak, in the most comfortable way possible. It is not yet possible to reach the spiritual worlds as comfortably as one might roll along in a modern train—as external material culture does with regard to outward life. What is described here is not meant to discourage you; rather, it is precisely by becoming acquainted, in a certain sense, with the dangers of initiation that your courage is to be steeled.
[ 53 ] Gerade wie bei Johannes 'Thomasius, den seine Neigung unfähig gemacht hat, den Pinsel zu führen, sich das umsetzt in Schmerz, dann aber Schmerz in Erkenntnis, so wird alles, was Leid und Schmerz erregt, sich in Erkenntnis umsetzen. Wir müssen diesen Weg aber ernsthaft suchen. Dies können wir nur, wenn wir einmal versuchen, uns vor Augen zu führen, daß doch die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten nicht so einfach sind. So tiefe Lebenswahrheiten sind das, daß man niemals fertig werden kann damit, sie. genau. zu fassen. Gerade das Beispiel im Leben gestattet uns, die Welt zu erfassen, und noch viel genauer kann man sprechen über die Bedingungen der Entwickelung, wenn man die Entwickelung des Johannes darstellt, als wenn man überhaupt die Entwickelung eines Menschen darstellt. In dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist die Entwickelung dargestellt, wie sie bei jedem Menschen sein kann, also einzig die Möglichkeit, wie sie real sein kann. Wenn man Johannes 'Thomasius darstellt, schildert man einen einzelnen Menschen. Aber dadurch beraubt man sich der Möglichkeit, die Entwickelung im allgemeinen zu schildern.
[ 53 ] Just as with Johannes Thomasius, whose condition rendered him unable to wield a paintbrush—a condition that translates into pain, but then transforms that pain into insight—so too will everything that causes suffering and pain be transformed into insight. But we must earnestly seek this path. We can only do this if we try to realize that the truths of Spiritual Science are not so simple. These are such profound truths of life that one can never fully grasp them with precision. It is precisely the example of life that allows us to grasp the world, and one can speak even more precisely about the conditions of development when describing the development of Johannes than when describing the development of any human being in general. In the book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, development is described as it can occur in any human being—that is, solely as a possibility that can be realized. When one portrays Johannes Thomasius, one is describing a single individual. But in doing so, one deprives oneself of the opportunity to describe development in general.
[ 54 ] Ich hoffe, Sie werden möglichst Veranlassung nehmen, zu sagen, daß ich im Grunde genommen die Wahrheit doch noch nicht gesagt habe. Wir haben zwei Extreme und müssen die Abstufungen zwischen beiden finden. Ich kann immer nur einige Anregungen geben. Diese müssen dann weiterleben in den Herzen und Seelen.
[ 54 ] I hope you will take the opportunity, if possible, to point out that, strictly speaking, I have not yet told the whole truth. We have two extremes and must find the nuances between them. I can only offer a few suggestions. These must then live on in people’s hearts and souls.
[ 55 ] In den Anregungen, die ich über das Matthäus-Evangelium gab, habe ich gesagt: Suchen Sie sich nicht zu erinnern an den Wortlaut, sondern suchen Sie, wenn Sie hinausgetreten sind in die Welt, in Herz und Seele zu schauen, was da die Worte geworden sind. Suchen Sie nicht nur zu lesen in Zyklen, sondern auch wirklich ernstlich in Ihrer Seele zu lesen.
[ 55 ] In the reflections I shared on the Gospel of Matthew, I said: Do not try to remember the exact wording, but rather, once you have stepped out into the world, look into your heart and soul to see what those words have become. Do not merely read the text in cycles, but also read it with true earnestness in your soul.
[ 56 ] Dazu muß aber erst etwas von außen gegeben werden, muß erst etwas hineingegangen sein. Das andere wäre ein Selbstbetrug der Seele. Verstehen Sie das in der Seele zu lesen, und Sie werden sehen, daß, was von außen geklungen hat, in viel anderer Weise noch innen klingen wird. Das würde erst das richtige anthroposophische Bestreben sein, wenn jedesmal das, was gesprochen wird, auf so viele Arten verstanden würde, als Zuhörer da sind.
[ 56 ] But for this to happen, something must first be given from the outside; something must first have entered within. Anything else would be a self-deception of the soul. Understand how to read this in the soul, and you will see that what has resounded from the outside will still resound within in many other ways. That would be the true anthroposophical endeavor: for what is spoken to be understood in as many ways as there are listeners.
[ 57 ] Niemals kann derjenige, der über Geisteswissenschaft sprechen will, versuchen, nur auf eine Art verstanden zu sein. Er möchte auf so viele Arten verstanden sein, als Seelen da sind. Anthroposophie verträgt dies schon. Aber eines ist notwendig. Ich sage das nicht, um etwas Nebensächliches zu sagen. Eines ist nötig, daß jede einzelne Art des Verstehens richtig und wahr ist. Individuell kann sie sein, aber wahr muß sie sein. Manchmal besteht das Individuelle der Auffassung darin, daß das Gegenteil dessen, was gesagt wird, aufgefaßt wird.
[ 57 ] No one who wishes to speak about Spiritual Science can ever try to be understood in only one way. They wish to be understood in as many ways as there are souls. Anthroposophy can certainly accommodate this. But one thing is necessary. I am not saying this to make a trivial point. One thing is necessary: that every single way of understanding be correct and true. It may be individual, but it must be true. Sometimes the individual nature of a conception consists in the opposite of what is said being understood.
[ 58 ] So müssen wir uns, wenn wir von Selbsterkenntnis sprechen, auch das vor Augen führen, daß es nützlicher ist, so zu sprechen, daß wir die Fehler in uns und das Wahre außer uns suchen.
[ 58 ] Thus, when we speak of self-knowledge, we must also bear in mind that it is more useful to speak in such a way that we seek our faults within ourselves and the truth outside ourselves.
[ 59 ] Es wird nicht gesagt: Suche in dir selbst das Wahre! - Das Wahre findet man in der Tat draußen. Man findet, daß es ausgegossen ist in die Welt. Wir müssen durch Selbsterkenntnis von uns frei werden, müssen durch solche Seelenstadien durchgehen. Einsamkeit kann ein ganz schlechter Gesellschafter sein. Aber wir können auch unsere ganze Schwäche fühlen, wenn wir die Größe des Kosmos, aus dem wir geboren sind, in unserer Seele nachfühlen. Dann aber fassen wir Mut. Erkühnen wir uns, das, was wir erkennen, zu erleben.
[ 59 ] It does not say: “Seek the truth within yourself!”—The truth is, in fact, to be found outside. One finds that it is poured out into the world. We must free ourselves from ourselves through self-knowledge; we must pass through such stages of the soul. Solitude can be a very poor companion. But we can also feel all our weakness when we sense in our soul the vastness of the cosmos from which we were born. Then, however, we take courage. Let us dare to experience what we recognize.
[ 60 ] Dann werden wir finden, daß in der Tat aus dem Verlust der letzten Zuversicht unseres Lebens heraussprießen wird des Lebens erste und letzte Zuversicht, jene Zuversicht, die uns, indem wir uns im Kosmos wiederfinden, uns selbst überwinden und uns aufs neue finden läßt:
[ 60 ] Then we will find that, in fact, from the loss of the last hope of our lives will spring forth the first and last hope of life—that hope which, as we find ourselves in the cosmos, allows us to transcend ourselves and find ourselves anew:
O Mensch, erlebe die Welt in dir!
Dann hast du dich,
Über dich selbst hinausschreitend,
Erst recht in deinem wahren Selbst gefunden.
O human, experience the world within yourself!
Then you will have found yourself,
transcending yourself,
and truly discovered your true self.
[ 61 ] Fühlen wir diese Worte als Erlebnisse, dann werden sie uns Etappen der Entwickelung.
[ 61 ] If we experience these words as lived experiences, they become stages of our development.
