Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125
17 September 1910, Basel
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Three Lectures on the Mystery Dramas, tr. Pusch
7. Über Selbsterkenntnis
Self-Knowledge as Portrayed in the Rosicrucian Mystery, The Portal of Initiation
anknüpfend an das Rosenkreuzermysterium «Die Pforte der Einweihung»
Not translated
[ 1 ] Die meisten der Anwesenden wissen, daß wir uns in München bemüht haben, außer der Wiederholung der vorjährigen Vorstellung des Dramas «Die Kinder des Lucifer» ein Rosenkreuzermysterium aufzuführen, das mancherlei von dem in der verschiedensten Weise sich darzustellen bemüht, was mit unserer Bewegung zusammenhängt. Dieses Rosenkreuzermysterium soll auf der einen Seite gewissermaßen davon eine Probe sein, wie in Kunst ausfließen kann das, was alles anthroposophische Leben bewegt. Auf der anderen Seite aber soll auch nicht vergessen werden, daß dieses Rosenkreuzermysterium vieles von unseren geisteswissenschaftlichen Lehren in einer solchen Weise enthält, wie man es vielleicht erst im Laufe der Jahre herausfinden wird. Und namentlich ist nicht mißzuverstehen, daß, wenn man sich einigermaßen Mühe geben würde, die Dinge zu lesen, die darin liegen — nicht zwischen den Zeilen, sie sind schon, wenn auch auf spirituelle Weise, in den Worten —, wenn man also sich Mühe geben würde, das Rosenkreuzermysterium so. aufzufassen, daß man diese Dinge in den nächsten Jahren aufsuchen würde, dann wäre es auf viele Jahre hinaus nicht nötig, daß ich irgendwelche Vorträge halten müßte. Es würde sich darin vieles von dem finden, was ich sonst über irgendein Thema vortrage. Es wird sich aber praktischer gestalten, wenn wir es gemeinsam heraussuchen, als wenn dies ein einzelner tut. In gewisser Weise ist es gut, daß auch in solcher Form vorhanden ist, was in der Geisteswissenschaft lebt.
Many of you know that recently in Munich we repeated last year's performance of Schuré's drama, The Children of Lucifer. We also put our efforts into the production of a Rosicrucian Mystery in which we tried in a variety of ways to bring to expression what is living in our movement. For one thing, it was meant to show how the life of anthroposophy and its impulses can flow into art, into artistic form. Besides that, we should be aware that this Rosicrucian Mystery contains many of our spiritual scientific teachings that perhaps only in future years will be discerned. Please do not misunderstand me when I say that if people would exert themselves to some degree to read what is in it—not between the lines but right in the words themselves, though certainly in a spiritual sense—if people would exert themselves during the next few years to try to work with the drama, I would not have to give any more lectures for a long time. Much could be discovered in it that otherwise I would have to put forth as one or another theme in lectures. It is much more practical, however, to do this together as a group rather than as single individuals. It is fortunate in one sense that everything that lives in spiritual science also exists in such a form.
[ 2 ] So möchte ich heute, anknüpfend an das Rosenkreuzermysterium, über gewisse Eigentümlichkeiten der menschlichen Selbsterkenntnis sprechen. Dazu ist aber nötig, daß wir uns daran — charakterisierend — erinnern, wie im Rosenkreuzermysterium die Individualität im Leibe des Johannes Thomasius wirkt. Daher möchte ich, daß dieser Vortrag, der über Selbsterkenntnis handeln soll, mit einer Rezitation derjenigen Partien aus dem Rosenkreuzermysterium beginnt, welche die Selbsterkenntnis des Johannes bedeuten.
In relation to the Rosicrucian Mystery I should today like to speak about certain peculiarities of human self- knowledge. For this we will have to remind ourselves how the individuality living in the body of Johannes Thomasius brings about a characterization of himself. Therefore, I wish to start my lecture with a recitation of the scenes from the Rosicrucian Mystery that portray the self-knowledge of Johannes.
Zweites Bild
Scene Two
Gegend im Freien, Felsen, Quellen; die ganze Umgebung ist in der Seele des Johannes Thomasius zu denken, das Folgende als Inhalt seiner Meditation; später Maria.
A place in the open; rocks and springs. The whole surroundings are to be thought of as within the soul of Johannes Thomasius. What follows is the content of his meditation.
(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, know thou thyself.
Johannes:
Johannes:
So hör? ich sie seit Jahren schon,
Die inhaltschweren Worte.
Sie tönen mir aus Luft und Wasser,
Sie klingen aus dem Erdengrund herauf,
Und wie ins kleine Samenkorn geheimnisvoll
Der Rieseneiche Bau sich drängt,
So schließt zuletzt sich ein
n dieser Worte Kraft,
Was von der Elemente Wesen,
Von Seelen und von Geistern,
Von Zeitenlauf und Ewigkeit
Begreiflich meinem Denken ist.
Die Welt und meine Eigenheit,
Sie leben in dem Worte:
O Mensch, erkenne dich!
For many years these words
of weighty meaning I have heard.
They sound to me from air and water;
they echo up from depths of earth.
And just as in the acorn secretly
the structure of the mighty oak is pressed,
within the power of these words
there is contained
all that my thought can comprehend
about the nature of the elements,
of souls as well as spirits,
of time and of eternity.
The world and my own nature
are living in the words:
O man, know thou thyself!
(Aus Quellen und Felsen tönt es: O Mensch, erkenne dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, know thou thyself.
Und jetzt! — es wird
Im Innern mir lebendig fürchterlich.
Es webt um mich das Dunkel,
Es gähnt in mir die Finsternis;
Es tönt aus Weltendunkel,
Es klingt aus Seelenfinsternis:
O Mensch, erkenne dich!
And now!—within me
it is becoming terribly alive.
Around me darkness weaves,
within me blackness yawns;
out of the world of darkness it resounds,
out of soul-blackness it rings forth:—
O man, know thou thyself!
(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
(There sounds from springs and rocks:)
O man, know thou thyself.
Es raubt mich jetzt mir selbst.
Ich wechsle mit des Tages Stundenlauf
Und wandle mich in Nacht.
Der Erde folge ich in ihrer Weltenbahn.
Ich rolle in dem Donner,
Ich zucke in den Blitzen.
Ich bin. - O schon entschwunden
Dem eignen Wesen fühl’ ich mich.
Ich sehe meine Leibeshülle;
Sie ist ein fremdes Wesen außer mir,
Sie ist ganz fern von mir.
Da schwebt heran ein andrer Leib.
Ich muß mit seinem Munde sprechen:
«Er hat mir bittre Not gebracht;
Ich habe ihm so ganz vertraut.
Er ließ im Kummer mich allein,
Er raubte mir die Lebenswärme
Und stieß in kalte Erde mich.»
Die ich verließ, die Arme,
Ich war sie eben selbst.
Ich muß erleiden ihre Qual.
Erkenntnis hat mir Kraft verliehn,
Mein Selbst in andres Selbst zu tragen.
O grausam Wort!
Dein Licht verlöscht durch eigne Kraft.
O Mensch, erkenne dich!
And now it robs me of myself.
I change with every hour of the day.
I melt into the night.
The earth I follow in her cosmic course.
I rumble in the thunder,
I flash within the lightning,
I am.—But oh, I feel
already separated from my being.
I see my body's shell.
It is an alien being outside myself;
it is remote from me.
There hovers nearer now another body
and with its mouth I have to speak:
'He brought me bitter sorrow;
I gave him all my trust.
He left me in my grief alone.
He robbed me of the warmth of life
and thrust me deep into cold earth.'
She, whom I left, unhappy one,
I was now she herself,
and I must suffer her despair.
Self-knowledge lent me strength
to pour myself into another self.
O cruel words!
Your light is quenched by its own power.
O man, know thou thyself!
(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
(There sounds from springs and rocks:)
O man, know thou thyself.
Du führst zurück mich wieder
In meines eignen Wesens Kreise.
Doch wie erkenne ich mich wieder!
Mir ist verloren Menschenform.
Ein wilder Wurm erschein’ ich mir,
Aus Lust und Gier geboren.
Und klar empfinde ich,
Wie eines Wahnes Nebelbild
Die eigne Schreckgestalt
Bisher verborgen mir gehalten hat.
Verschlingen muß mich eignen Wesens Wildheit.
Ich fühle als verzehrend Feuer
Durch meine Adern rinnen jene Worte,
Die mir so urgewaltig sonst
Der Sonnen und der Erden Wesen offenbarten.
Sie leben in den Pulsen,
Sie schlagen mir im Herzen;
Und selbst im eignen Denken fühle ich
Die fremden Welten schon als wilde Triebe lodern.
Das sind des Wortes Früchte:
O Mensch, erkenne dich!
You guide me back again
into the spheres of my own being.
Yet how do I behold myself!
My human form is lost;
as raging dragon I must see myself,
begot of lust and greed.
I clearly sense
how an illusion's cloud
has hid from me till now
my own appalling form.
The fierceness of my being will devour me.
And running like consuming fire
through all my veins I feel those words,
which hitherto with elemental power
revealed to me the truth of suns and earths.
They live within my pulse,
they beat within my heart,
and even in my thought itself I feel
those unfamiliar worlds flare up as wild desires.
This is the fruitage of the words:
O man, know thou thyself.
(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
(There sounds from springs and rocks:)
O man, know thou thyself.
Da, aus dem finstern Abgrund, —
Welch Wesen glotzt mich an?
Ich fühle Fesseln,
Die mich an dich gefesselt halten.
So fest war nicht Prometheus
Geschmiedet an des Kaukasus Felsen,
ie ich an dich geschmiedet bin.
Wer bist du, schauervolles Wesen?
There from the dark abyss,
what being gloats on me?
I feel the chains
that hold me fettered fast to you.
Prometheus was not chained so fast
upon the cliffs of Caucasus
as I am chained to you.
Who are you, horrifying being?
(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
(There sounds from springs and rocks:)
O man, know thou thyself.
Oh, ich erkenne dich.
Ich bin es selbst.
Erkenntnis schmiedet an dich verderblich Ungeheuer
Oh, now I recognize you.
It is myself.
So knowledge chains to you, pernicious monster,
(Maria tritt ein, wird von Johannes zunächst nicht bemerkt.)
(Maria Enters, but is not noticed
By Johannes for the time being)
Mich selbst verderblich Ungeheuer.
Entfliehen wollt’ ich dir.
Geblendet haben mich die Welten,
In welche meine Torheit floh,
Um von mir selber frei zu sein.
Geblendet bin ich wieder in der blinden Seele:
O Mensch, erkenne dich!
me, myself, pernicious monster.
I sought to flee from you.
The worlds wherein my folly fled,
in order to be free from my own self,
have dazzled and have blinded me.
And blind I am once more within the blinded soul.
O man, know thou thyself!
(Es tönt aus Quellen und Felsen: O Mensch, erkenne dich!)
(There sounds from springs and rocks:)
O man, know thou thyself.
Johannes:
Johannes
(wie wenn er zu sich käme, erblickt Maria. Die Meditation geht in innere Realität über)
(as if coming to himself, sees Maria. The meditation passes over into inner reality.)
O Freundin, du bist hier!
Maria, you are here!
Maria:
Maria
Ich suchte dich, mein Freund;
Obwohl bekannt mir ist,
Wie lieb dir Einsamkeit,
Nachdem so vieler Menschen Meinungen
Die Seele dir durchfluter.
Und weiß ich auch,
Daß ich durch meine Gegenwart dem Freund
In dieser Zeit nicht helfen kann,
So drängt ein dunkles Streben
In diesem Augenblick mich doch zu dir,
Da Benedictus’ Worte dir statt Licht
So schweres Leid
Aus deines Geistes Tiefen lockten.
I've looked for you, my friend,
although I know
how dear to you is solitude,
now that so many people's views
have flooded through your soul.
And I know, too, that at this time
my presence cannot help my friend.
An urge that is obscure
is driving me to you this very moment
when words of Benedictus have called up, instead of light, such bitter grief
out of your spirit depths.
Johannes:
Johannes
Wie lieb mir Einsamkeit!
- - - - - - - - -
Ich habe sie so oft gesucht,
In ihr mich selbst zu finden,
Wenn in Gedankenlabyrinthe mich
Der Menschen Leid und Glück getrieben hatten.
O Freundin, das ist nun vorbei.
Was Benedictus’ Worte erst
Mir aus der Seele holten,
Was durch der Menschen Reden
Ich erleben mußte,
Gering nur scheint es mir,
Vergleich dem Sturm ich dies,
Den Einsamkeit mir dann gebracht
In dumpfem Brüten.
O diese Einsamkeit!
Sie hetzte mich in Weltenweiten.
Entrissen hat sie mich mir selbst.
In jenem Wesen, dem ich Leid gebracht,
Erstand ich als ein andrer.
Und leiden mußte ich den Schmerz,
Den ich erst selbst bewirkt.
Die grausam finstre Einsamkeit,
Sie gab mich dann mir selber wieder.
Doch nur, zu schrecken mich
Durch meines eignen Wesens Abgrund.
Mir ist des Menschen letzte Zuflucht,
Mir ist die Einsamkeit verloren.
How dear to me is solitude!
How often have I sought it out,
to find in it myself,
whenever pain and joy of men have driven me
into the labyrinths of thought.
Maria, that is past.
What Benedictus' words at first
drew forth out of my soul,
and what I then lived through
from everything those people said,
seems little to me now
if I compare it to the storm
which solitude has brought
into my heavy brooding.
O this solitude!
It drove me into cosmic spaces;
it tore me from myself.
Within that being to whom I brought such grief
I rose again but as another,
and had to bear the pain
which I myself had caused.
The fierce, dark solitude
then gave me back myself
but only to appall me
at the abyss of my own being.
-----------------------
For me, man's final refuge,
for me, my solitude is lost.
Maria:
Maria
Ich muß das Wort dir wiederholen:
Nur Benedictus kann dir helfen.
Die Stützen, die uns fehlen,
Wir müssen beide sie von ihm erhalten.
Denn wisse, auch ich kann länger nicht
Ertragen meines Lebens Rätsel,
Wenn nicht durch seinen Wink
Die Lösung sich mir zeigt.
Die hohe Weisheit, daß stets über alles Leben
Nur Schein und Trug sich breitet,
Wenn unser Denken seine Oberfläche bloß ergreift,
Ich habe sie recht oft mir vorgehalten.
Und immer wieder sprach sie:
Du mußt erkennen, wie dich Wahn umfängt,
So oft es dir auch Wahrheit dünkt,
Es könnte schlimme Frucht erstehn,
Wenn du erwecken willst in andern Licht,
Das in dir selber lebt.
In meiner Seele bestem Teil ist mir bewußt,
Daß auch der schwere Druck,
Den dir, mein Freund,
Das Leben hat gebracht an meiner Seite,
Ein Teil des Dornenweges ist,
Der zu dem Licht der Wahrheit führt.
Erleben mußt du alle Schrecken,
Die aus dem Wahn erstehen können,
Bevor der Wahrheit Wesen sich dir offenbart.
So spricht dein Stern.
Doch auch erscheint mir durch dies Sternenwort,
Daß wir vereint die Geisteswege wandeln müssen.
Doch such’ ich diese Wege,
So breitet sich vor meinem Blicke finstre Nacht.
Und schwärzer wird die Nacht durch vieles noch,
Was ich erleben muß
Als Früchte meines Wesens.
Wir müssen beide Klarheit in dem Lichte suchen,
Das wohl dem Aug’ entschwinden,
Doch nie erlöschen kann.
I must repeat my words to you:
no one but Benedictus can now help you.
The firm support we lack,
we both must have from him.
For know, I also can no longer bear
the riddle of my life,
unless some sign from him
can make the answer clear to me.
The lofty wisdom, pointing out
that only semblance and illusion
are spread out over all our life
as long as human thinking grasps alone its surface,
I've often held it up before my mind.
And every time it says:
you must be clear that an illusion
is shrouding you, though often it may seem the truth:
that evil fruit could come from your desire
to wake that light in others
which lives in you yourself.
My soul's best part can see
that heavy feelings of oppression
in you, my friend,
from living at my side
are too a portion of the thorny path
that leads you to the light of truth.
You must live through each terror
to which illusion can give birth
before the truth reveals itself to you:
thus speaks your star.
Yet through this starry word is also clear to me
that we must wander on the spirit paths together.
But when I seek these paths,
there spreads itself before my gaze dark night.
And blacker still becomes this night
through much which I must meet
as fruit of my own being.
We both must look for clarity in that light,
which for the eye can vanish
but never be extinguished.
Johannes:
Johannes
Maria, ist dir denn bewußt,
Was meine Seele eben durchgerungen?
Ein schweres Los fürwahr
Ist dir geworden, edle Freundin.
Doch ferne liegt ja deinem Wesen jene Macht,
Die mich so ganz zerschmettert hat.
Du kannst in hellste Wahrheitshöhen steigen,
Du kannst die sichern Blicke
In Menschenwirrnis richten,
Du wirst in Licht und Finsternis
Dich selbst bewahren.
Mir aber kann ein jeder Augenblick
Mich selber rauben.
Ich mußte in die Menschen untertauchen,
Die sich vorhin in Worten offenbarten.
Ich folgt’ dem einen in die Klostereinsamkeit,
Ich hörte in des andern Seele
Felicias Märchen.
Ich war ein jeder,
Nur selbst erstarb ich mir.
Ich müßte glauben können,
Daß Nichts der Wesen Ursprung sei,
Wenn ich die Hoffnung hegen sollte,
Daß aus dem Nichts in mir
Ein Mensch je werden könne,
Mich führt aus Furcht in Finsternis
Und jagt durch Finsternis in Furcht
Der Weisheit Wesenswort:
O Mensch, erkenne dich!
Maria, are you then aware
through what my soul has fought its way?
A heavy load indeed
has fallen upon you, dear friend.
Yet foreign to your being is that power
which has so wholly shattered me.
You can ascend to brightest heights of truth;
you can direct your steady gaze
at men's confusion.
In light, in darkness,
you will affirm yourself.
But every moment can
deprive me of myself.
I had to plunge into those people
who through their words revealed themselves just now.
I followed one into the cloister's loneliness,
I heard within the other's soul
Felicia's tales.
I was each one,
but for myself I died.
I'd have to have the faith
that beings spring from nothingness,
if I should cherish any hope
that from the nothingness in me
a human being ever could be born.
They force me out of fear into the darkness,
and hunt me through the darkness into fear,
these words imbued with wisdom:
O man, know thou thyself!
(Aus Quellen und Felsen tönt es: O Mensch, erkenne dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, know thou thyself.
(Der Vorhang fällt)
Not translated
Neuntes Bild
Scene Nine
Dieselbe Gegend wie im zweiten Bild. Johannes, später Maria.
The same placed as in Scene Two
(Es tönt aus Felsen und Quellen: O Mensch, erlebe dich!)
From the springs and rocks resounds: O man, unfold your being..
Johannes:
Johannes
O Mensch, erlebe dich!
Ich habe sie drei Jahre lang gesucht,
Die mutbeschwingte Seelenkraft,
Die Wahrheit gibt dem Worte,
Durch das der Mensch, sich selbst befreiend, siegen
Und sich besiegend, Freiheit finden kann:
O man, unfold your being!
For three years now I've sought
for power of soul, with wings of courage,
to give these words their truth.
Through them a man who frees himself can conquer,
and conquering himself, can find his freedom.
O Mensch, erlebe dich!
O man, unfold your being!
(Aus Felsen und Quellen tönt: O Mensch, erlebe dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, unfold your being..
Sie kündigt sich im Innern an,
Nur leise fühlbar meinem Geistgehör.
Sie birgt in sich die Hoffnung,
Daß wachsend sie den Menschengeist
Aus engem Sein in Weltenfernen führt,
So wie geheimnisvoll sich weitet
Das kleine Samenkorn
Zum stolzen Leib der Rieseneiche. — —
Es kann der Geist in sich beleben,
Was in der Luft und was im Wasser webt,
Und was den Erdengrund gefestigt.
Es kann der Mensch ergreifen,
Was in den Elementen,
In Seelen und in Geistern,
In Zeitenlauf und Ewigkeit
Des Daseins sich bemächtigt hat.
Es lebt das ganze Weltenwesen in dem Seelensein,
Wenn solche Kraft im Geiste wurzelt,
Die Wahrheit gibt dem Worte:
O Mensch, erlebe dich!
This power of soul is rising from within me
but only gently touching spirit hearing.
It harbours in itself the hope
that, growing, it will lead the human spirit
from narrowness far out to distant worlds,
just as the tiny acorn
mysteriously can expand
into the giant body of the noble oak.
The spirit in itself can bring to life
what weaves in air and water,
what has condensed to earth beneath.
For man can grasp
what has been taking hold of life
within the elements, in souls and spirits,
in time and in eternity.
The whole world-being lives within my soul,
when in the spirit there has taken root
the power that gives these words their truth:
O man, unfold your being!
(Aus Felsen und Quellen tönt: O Mensch, erlebe dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, unfold your being..
Ich fühle — wie es tönt in meiner Seele,
Sich regend kraftverleihend.
Es lebt in mir das Licht,
Es spricht um mich die Helligkeit,
Es keimt in mir das Seelenlicht,
Es schafft in mir die Weltenhelle:
O Mensch, erlebe dich!
I feel them sounding in my soul,
rousing themselves to give me strength.
There lives in me the light,
there speaks around me brightness,
there germinates in me the light of soul,
there works in me world-radiance.
O man, unfold your being!
(Aus Felsen und Quellen tönt: O Mensch, erlebe dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, unfold your being.
Ich finde mich gesichert überall,
Wohin mir folgt des Wortes Kraft.
Sie wird mir leuchten in der Sinnesdunkelheit
Und mich erhalten in den Geisteshöhen.
Sie wird mich mit dem Seelensein erfüllen
Für alle Zeitenfolgen.
Ich fühle Weltensein in mir,
Und finden muß ich mich in allen Welten.
Ich schau’ mein Seelenwesen
Durch Eigenkraft belebt in mir.
Ich ruhe in mir selber.
Ich blicke nach den Felsen und den Quellen;
Sie sprechen meiner Seele eigne Sprache.
Ich finde mich in jenem Wesen wieder,
Das ich in bittre Not gebracht.
Heraus aus ihm ruf’ ich mir selber zu:
«Du mußt mich wieder finden
Und mir die Schmerzen lindern.»
Das Geisteslicht, es wird mir Stärke geben,
Das andre Selbst im eignen Selbst zu leben.
O hoffnungsvolles Wort,
Du strömst mir Kraft aus allen Welten zu:
O Mensch, erlebe dich!
I find myself secure on every side,
wherever these words' power follows me.
It will illuminate for me the senses' darkness
and will uphold me in the spirit heights.
It will enfill me with soul-substance
throughout all course of time.
The essence of the world I feel in me
and I must find myself in every world.
I see the being of my soul enlivened
through power that is my own.
I rest within myself.
I gaze on rocks and springs;
they speak the very language of my soul.
I find myself again within that being
to whom I brought such bitter grief,
and out of her I call out to myself:
'Oh, you must find me once again
and ease my suffering.'
The spirit's light will give me strength
to live the other self within myself.
O words of hope,
you stream forth power to me from all the worlds:
O man, unfold your being.
(Aus Felsen und Quellen tönt: O Mensch, erlebe dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, unfold your being.
Du läßt mich meine Schwachheit fühlen
Und stellst mich neben hohe Gottesziele;
Und selig fühle ich
Des hohen Zieles Schöpfermacht
In meinem schwachen Erdenmenschen.
Und offenbaren soll sich aus mir selbst,
Wozu der Keim in mir geborgen ist.
Ich will der Welt mich geben
Durch Leben meines eignen Wesens.
Empfinden will ich alle Macht des Wortes,
Das mir erst leise klingt;
Es soll mir wie belebend Feuer sein
In meinen Seelenkräften,
Auf meinen Geisteswegen.
Ich fühle, wie mein Denken dringt
In tief verborgne Weltengründe;
Und wie es leuchtend sie durchstrahlt.
So wirkt die Keimkraft dieses Wortes:
O Mensch, erlebe dich!
You let me feel my weakness
and place me close to lofty aims of gods,
and blissfully I feel
such lofty aims' creative might
within my frail earth form.
Out of myself shall be revealed the purpose
for which the seed lies hidden in me.
And to the world I'll give myself
by living out my very being.
I want to feel these words' full power,
although they sound so gently.
They shall become for me a quickening fire
in my soul forces
and on my spirit paths.
I feel now how my thinking penetrates
deep hidden grounds of worlds
and how its radiant light illumines them.
Such is the germinating power of these words:
O man, unfold your being.
(Aus Quellen und Felsen: O Mensch, erlebe dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, unfold your being.
Aus lichten Höhen leuchtet mir ein Wesen,
Ich fühle Schwingen,
Zu ihm mich zu erheben,
Ich will mich selbst befrei’n
Wie alle Wesen, die sich selbst besiegt.
From light-filled heights a Being shines on me,
and wings I feel
that lift me up to him.
I too will free myself, as every being does
who overcomes himself.
(Aus Quellen und Felsen: O Mensch, erlebe dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, unfold your being.
Ich schaue jenes Wesen,
Ich will ihm gleich in Zukunftzeiten werden.
Der Geist in mir wird sich befrei’n
Durch dich, erhabnes Ziel.
Ich will dir folgen.
I see that Being.
I shall become like him in future times.
The spirit will then free itself in me
through you, exalted goal of man.
I will now follow you.
(Maria kommt hinzu.)
(Maria enters)
Das Seelenauge haben mir erweckt
Die Geisteswesen, die mich aufgenommen.
Und sehend in den Geisteswelten
Erfühle ich in meinem Selbst die Kraft:
O Mensch, erlebe dich!
My eye of soul has been awakened
by spirit beings who have welcomed me.
And as I gaze into the worlds of spirit,
I feel within myself that power:
O man, unfold your being.
(Aus Quellen und Felsen: O Mensch, erlebe dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, unfold your being.
O meine Freundin, du bist hier!
Maria, you are here?
Maria:
Maria
Mich trieb meine Seele hierher.
Ich konnte deinen Stern erschauen.
Er strahlt in voller Kraft.
My soul has led me here.
I could behold your star:
it shines in its full power.
Johannes:
Johannes
Erleben kann ich diese Kraft in mir.
I can unfold that power from within me.
Maria:
Maria
So eng sind wir verbunden,
Daß deiner Seele Leben
Sein Licht in meiner Seele leuchten läßt.
So closely are we linked
that your soul's life
lets its light shine into my soul.
Johannes:
Johannes
O Maria, so ist dir bewußt,
Was sich mir eben offenbarte?
Mir ist des Menschen erste Zuversicht,
Mir ist die Wesenssicherheit gewonnen.
Ich fühle ja des Wortes Kraft,
Die überall mich leiten kann:
O Mensch, erlebe dich!
Maria, you are then aware
of what has just revealed itself?
For me, man's core of confidence,
for me, the certainty of being has been won.
I feel indeed the power of the words
which everywhere can guide me:
O man, unfold your being!
(Aus Felsen und Quellen: O Mensch, erlebe dich!)
(From the springs and rocks resounds:)
O man, know thou thyself.
(Vorhang fällt)
Not translated
[ 3 ] In den beiden Bildern: «O Mensch, erkenne dich» und «O Mensch, erlebe dich» treten vor unsere Seele zwei Stadien, zwei Entwickelungsstufen der Entfaltung unserer Seele.
In these scenes two levels of development, two steps in the unfolding of our souls, are shown.
[ 4 ] Nun bitte ich Sie, es durchaus nicht sonderbar zu finden, wenn ich sage, daß ich eigentlich nichts dagegen habe, dieses Rosenkreuzermysterium so zu interpretieren, wie ich in unseren Kreisen auch schon bisweilen andere Dichtungen interpretiert habe. Denn in gewissem Sinne darf wohl gesagt werden, daß uns an diesem Rosenkreuzermysterium in lebendiger, unmittelbarer Weise vor die Seele treten kann, was ich öfters in Anknüpfung an andere Dichtungen gesagt habe, die ich interpretieren durfte. Ich habe niemals zurückgehalten zu sagen: So wenig die Pflanze, die Blume weiß, was derjenige, der die Blume betrachtet, darin findet, so ist dennoch das in der Blume enthalten, was er darin findet. — Ich führte aus, als ich die Dichtung des «Faust» interpretieren sollte, daß der Dichter beim Niederschreiben nicht notwendig unmittelbar alle Dinge selber gewußt, selber empfunden hat in Worten, die dann später darin gefunden worden sind. Ich kann die Versicherung geben, daß nichts von dem, was ich hinterher an dieses Mysterium anknüpfen werde, und von dem ich doch weiß, daß es darin ist, mir bewußt war, als die einzelnen Bilder gestaltet wurden. Die Bilder wuchsen so aus sich heraus wie die Blätter einer Pflanze. Man kann gar nicht solch eine Gestalt vorher dadurch hervorbringen, daß man zuerst die Idee hat und diese dann in die äußere Gestalt umsetzt. Es war mir immer recht interessant, wenn so Bild für Bild geworden ist, und Freunde, welche die einzelnen Szenen kennengelernt haben, sagten, es sei merkwürdig, daß es doch immer anders komme, als man es sich vorgestellt habe.
Now please do not find it strange when I say that I do not mind interpreting this Rosicrucian Mystery just as I have interpreted other pieces of literature in our group. What I have often said about other poetry can also be brought before our souls in a lively, spontaneous way by this drama. In fact, I have never failed to point out that a flower knows little, indeed, of what someone who is looking at it will find in it; yet, whatever he finds is contained in it. And in speaking about Faust, I explained that the poet did not necessarily know or feel everything in the words he was writing down that later would be discovered in them. I can assure you that nothing of what afterward I could say about the Rosicrucian Mystery, and that I know now is in it, was in my conscious mind as I wrote down the various scenes. The scene-pictures grew one by one, just like the leaves of a plant. One cannot bring forth a character by first having an idea and then turning this into a concrete figure. It was continually interesting to me how each scene grew out of the others preceding it. Friends who knew the earlier parts said that it was remarkable how everything came about quite differently from what one could have imagined.
[ 5 ] So steht dieses Mysterium da wie ein Bild der Menschheitsevolution in der Entwickelung eines einzelnen Menschen. Ich betone: für das konkrete Gefühl ist es ausgeschlossen, in Abstraktionen sich zu hüllen, um Anthroposophie darzustellen, weil eine jede Menschenseele anders ist als die andere und im Grunde, da sie ihre Entwickelung selbst erlebt, auch anders sein muß. Bei alldem, was als allgemeine Lehre gegeben wird, können wir nur Richtlinien empfangen. Daher kann man die vollständige Wahrheit nur dann geben, wenn man an eine individuelle Seele anknüpft, an eine Seele, die ihre menschliche Individualität mit aller Eigentümlichkeit darstellt. Wenn daher jemand Johannes Thomasius so betrachtet, daß er das, was im Konkreten von ihm gesagt wird, umsetzen würde in Theorien der menschlichen Entwickelung, so würde er etwas ganz Falsches machen. Wenn er glaubte, er werde ganz genau dasselbe erleben, was Johannes 'Thomasius erlebt hat, so würde er sich sehr irren. Denn das, was Johannes Thomasius in großen Richtungslinien zu erleben hat, gilt für jeden Menschen, aber um es so in seiner ganzen Eigenart zu erleben, dazu muß man eben Johannes Thomasius sein. Und jeder ist in seiner Art ein «Johannes Thomasius».
This Mystery Drama exists now as a picture of human evolution in the development of a single person. I want to emphasize that true feeling makes it impossible to throw a cloak of abstractions around oneself in order to present anthroposophy; every human soul is different from every other and, at its core, must be different, because each one undergoes the experience of his own development. For this reason, instruction to the many can provide only general directions. One can give the complete truth only by applying it to a single human soul, to a soul that reveals its human individuality in all its uniqueness. If, therefore, anyone should consider the figure of Johannes Thomasius in such a way as to transfer the specific description of that figure to general theories of human development, it would be absolutely incorrect. If he believed that he would experience exactly what Johannes Thomasius experienced, he would be quite mistaken. For while in the widest sense what Johannes Thomasius had to undergo is valid for everyone, in order to have the same specific experiences one would have to be Johannes Thomasius. Each person is a “Johannes Thomasius” in his own fashion.
[ 6 ] So ist alles in ganz individueller Weise dargestellt. Dadurch ist aber auch in Anknüpfung an die besondere Gestalt in so wahrer Weise wie nur möglich das gegeben, was die Entwickelung des Menschen in seiner Seele ist. Dazu mußte auch diese breite Basis geschaffen werden, daß Thomasius erst auf dem physischen Plan gezeigt wird, daß auf einzelne Seelenerlebnisse hingewiesen wird, so auf jenes, das bedeutsam sein muß, wo er in einer Zeit, die nicht zu fern ist, ein Wesen, das ihm in treuer Liebe ergeben war, verlassen hat. Das geschieht oft, aber dieses individuelle Ereignis wirkt anders auf den, der bestrebt ist, eine Entwickelung durchzumachen. Es ist eine tiefe Wahrheit, daß der, der eine Entwickelung durchmacht, Selbsterkenntnis nicht durch Hineinbrüten in sich selbst erlangt, sondern durch Untertauchen in einzelne Wesenheiten. Wir müssen durch Selbsterkenntnis erfahren, daß wir aus dem Kosmos herkommen. Nur dann können wir untertauchen, wenn wir uns in ein anderes Selbst verwandeln. Wir werden zuerst in das verwandelt, was uns im Leben einmal nahe war.
Everything in the drama is presented, therefore, in a completely individual way. Through this, the truth portrayed by the particular figures brings out as clearly as possible the development of the soul of a human being. At the beginning, Thomasius is shown in the physical world, but certain soul-happenings are hinted at that provide a wide basis for such development, particularly an experience at a somewhat earlier time when he deserted a girl who had been lovingly devoted to him. Such things do take place, but this individual happening has a different effect on a man who has resolved to undertake his own development. There is one deep truth necessary for him who wants to undergo development: self-knowledge cannot be achieved by brooding within oneself but only through diving into the being of others. Through self- knowledge we must learn that we have emerged from the cosmos. Only when we give ourselves up can we change into another Self. First of all, we are transformed into whatever was close to us in life.
[ 7 ] Es ist ein Exempel des Erlebens des eigenen Selbstes im anderen, wenn Johannes zuerst, da er tiefer in sein Selbst gekommen ist, mit diesem in Selbsterkenntnis untertaucht in ein anderes Wesen, in das Wesen, dem er bitteren Schmerz gebracht hat. So sehen wir, wie in dieser Selbsterkenntnis Thomasius untertaucht. Theoretisch sagt man: Willst du die Blüte erkennen, so mußt du hinuntertauchen in die Blüte. - Aber am besten ist die Selbsterkenntnis zu erlangen, wenn wir in die Begebenheiten untertauchen, in denen wir auf andere Weise selber darin gestanden haben. Solange wir im eigenen Selbst sind, machen wir die äußeren Erlebnisse durch. Wahrer Selbsterkenntnis gegenüber wird das Abstraktion, was wir anderen Wesen nachdenken.
When at first Johannes sinks more deeply into himself and then plunges in self-knowledge into another person, into the one to whom he has brought bitter pain, we see this as an example of the experience of oneself within another, a descent into self-knowledge. Theoretically, one can say that if we wish to know the blossom, we must plunge into the blossom, and the best method of acquiring self-knowledge is to plunge again, but in a different way, into happenings we once took part in. As long as we remain in ourselves, we experience only superficially whatever takes place. In contrast to true self-knowledge, what we think of other persons is then mere abstraction.
[ 8 ] Für Thomasius wird zunächst das, was andere Menschen erlebt haben, ein Eigenerlebnis. Da war einer, Capesius, der seine Erlebnisse geschildert hat. Diese Erlebnisse sind so, daß man erkennen kann, wie sie im Leben darin stehen. Aber Thomasius nimmt anderes auf. Er hört zu. Sein Zuhören aber ist — später wird es im achten Bild charakterisiert - ein anderes. Es ist so, wie wenn mit dem gewöhnlichen Selbst der Mensch gar nicht dabei wäre. Eine andere, tiefere Kraft zeigt sich da, wie wenn er selber es wäre, der in die Seele des Capesius hineinkriecht und das erlebt, was da vorgeht. Daher wird es so unendlich bedeutsam, daß er da sich selbst entfremdet wird. Es ist von Selbsterkenntnis nicht zu trennen, daß man sich losreißt von sich selbst und im anderen aufgeht. Deshalb ist es für 'Thomasius so bedeutsam, daß er, nachdem er diesen Reden [im ersten Bild] zugehört hat, sagen muß:
For Thomasius at first, what other people have lived through becomes a part of him. One of them, Capesius, describes some of his experiences; we can observe that they are rooted in real life. But Thomasius takes in more. He is listening. His listening is singular; later, in SceneEight, we will be able to characterize it. It is really as if Thomasius' ordinary Self were not present. Another deeper force appears, as though Thomasius were creeping into the soul of Capesius and were taking part in what is happening from there. That is why it is so absolutely important for Thomasius to be estranged from himself. Tearing the Self out of oneself and entering into another is part and parcel of self-knowledge. It is noteworthy, therefore, that what he has listened to in Scene One, Thomasius says, reveals:
Ein Spiegelbild des vollen Lebens,
Das mich so klar mir selbst gezeigt.
Die hohe Geistesoffenbarung
Hat mich dazu geführt, zu fühlen,
Wie eine Seite nur des Menschen
So mancher in sich birgt,
Der ganz sich glaubt als Wesenheit.
Die vielen Seiten zu vereinen
In meinem eignen Selbst,
Betrat ich kühn den Weg,
Der hier gewiesen ist.
Er hat ein Nichts aus mir gemacht.
... A mirrored image of the whole of life,
that showed me clearly to myself.
What is revealed to us out of the spirit
has led me to perceive how many men,
who think themselves a whole, in fact
hear in themselves one single facet only.
In order to unite within myself
all these divergent sides,
I started boldly on the path taught here—
and it has made of me a nothing.
[ 9 ] Warum hat er ein Nichts aus ihm gemacht? Weil er durch Selbsterkenntnis untergetaucht ist in diese anderen Wesen. Das Brüten ins eigene Innere macht den Menschen stolz, hochmütig. Wahre Selbsterkenntnis führt zunächst dadurch, daß wir untertauchen in fremdes Selbst, zu dem Leid. Johannes folgt [im ersten Bild] den Menschen so, daß er dem Capesius zuhört und in dieser anderen Seele die Worte der Felicia erfährt. Dem Strader folgt er in seine Klostereinsamkeit. Das ist die Abstraktion zunächst. Da ist er noch nicht dahin gekommen, wozu er jetzt [im zweiten Bild] durch den Schmerz geführt wird. Die Selbsterkenntnis vertieft sich in der Meditation im inneren Selbst. Und das, was im ersten Bild gezeigt worden ist, zeigt die vertiefte Selbsterkenntnis [im zweiten Bild], die aus der Abstraktion das Konkrete vorstellt. Und die gewöhnlichen Worte, die wir durch Jahrhunderte als Merkworte des Delphischen Orakels ertönen hören, gewinnen ein neues Leben für den Menschen, aber zunächst ein Leben der Entfremdung von sich selbst.
Why has it made a “nothing” of him? Because through self-knowledge he has plunged into these other persons. Brooding in your own inner self makes you proud, conceited. True self-knowledge leads, first of all, by having to plunge into a strange Self, into suffering. In Scene One Johannes follows each person so strongly that when he listens to Capesius he becomes aware of the words of Felicia within the other soul. He follows Strader into the loneliness of the cloister, but at first this has the character of something theoretical. He cannot reach as far as he is later led, in Scene Two, through pain. Self-knowledge is deepened by the meditation within his inner Self. What was shown in Scene One is shown changed in Scene Two through self-knowledge intensified from abstraction to a concrete imagination. Those well-known words, which we have heard through the centuries as the motif of the Delphic Oracle, bring about a new life for this man Johannes, though at first it is a life of estrangement from himself.
[ 10 ] Johannes geht als Sich-selbst-Erkennender in allen äußeren Wesen unter. Er lebt in Luft und Wasser, in Felsen und Quellen, aber nicht in sich selber. All die Worte, die man nur von außen tönen lassen kann, sind eigentlich Worte der Meditation. Und schon wenn der Vorhang aufgeht, haben wir uns die Worte vorzustellen, die bei jeder Selbsterkenntnis viel lauter ertönen, als man es auf der Bühne darzustellen in der Lage ist. Dann taucht der Selbsterkennende unter in die verschiedenen anderen Wesen; dadurch lernt er die Dinge kennen, in die er untertaucht. Und dann tritt ihm dasselbe Erlebnis, das er schon früher gehabt hat, in furchtbarer Weise vor Augen.
Johannes enters, as a knower-of-himself, into all the outer phenomena. He finds his life in the air and water, in the rocks and springs, but not in himself. All the words that we can let sound on stage only from outside are actually the words of his meditation. As soon as the curtain rises, we have to confront these words, which would sound louder to anyone through self-knowledge than we can dare to produce on the stage. Thereafter, he who is learning to know himself dives into the other beings and elements and thus learns to know them. Then in a terrible form the same experience he has had earlier appears to him.
[ 11 ] Das ist durchaus tiefe Wahrheit, daß diese Selbsterkenntnis, wenn sie in dieser Weise verläuft, wie es eben charakterisiert worden ist, dazu führt, uns ganz anders anzuschauen, als wir uns vorher angesehen haben. Sie führt uns dazu, daß wir sozusagen unser Ich als fremdes Wesen empfinden lernen.
It is a deep truth that self-knowledge, when it progresses in the way we have characterized, leads us to see ourselves quite differently from the way we ever saw ourselves before. It teaches us to perceive our “I” as a strange being.
[ 12 ] Für den Menschen ist eigentlich seine äußere Hülle das Nächste. Mit dieser wird der Mensch in unserer Zeit sich viel mehr verbunden fühlen, wenn er sich in den Finger schneidet, als wenn etwa ein falsches Urteil des Nebenmenschen ihm wehe tut. Wieviel mehr tut es dem heutigen Menschen weh, wenn er sich in den Finger schneidet, als wenn er ein falsches Urteil hört! Und dennoch schneidet es nur in seine Leibeshülle. Daß wir aber das fühlen, daß wir unseren Leib fühlen wie ein Werkzeug, das ergibt sich erst in Selbsterkenntnis.
Man believes his own outer physical sheath to be the closest thing to himself. Nowadays, when he cuts a finger, he is much more connected with the painful finger than when, for instance, a friend hurts him with an unjust opinion. How much more does it hurt a modern person to cut his finger than to hear an unjust opinion! Yet he is only cutting into his bodily sheath. To feel our body as a tool, however, will come about only through self- knowledge.
[ 13 ] Der Mensch kann seine Hand schon annähernd als Werkzeug fühlen, wenn er einen Gegenstand ergreift. Aber dasselbe lernt man fühlen mit diesem oder jenem Teil des Gehirns. Dieses innerliche Fühlen des Gehirns als Instrument stellt sich ein auf einer gewissen Stufe der Selbsterkenntnis. Da lokalisiert sich das einzelne. Wenn wir einen Nagel einschlagen, wissen wir, daß wir das mit einem Werkzeug tun. Wir wissen aber auch, daß wir diese oder jene Gehirnpartie dazu benützen. Dadurch, daß die Dinge uns objektiv fremd werden, lernen wir unser Gehirn als etwas von uns Abgesondertes kennen. Selbsterkenntnis fördert diese Objektivität unserer Hülle, und dann ist uns zuletzt unsere Hülle so fremd, wie uns unsere äußeren Werkzeuge fremd sind. Dadurch beginnen wir wirklich in der Außenwelt zu leben, wenn wir anfangen, unser Leibliches als ein Objektives zu fühlen.
Whenever a person grasps an object, he can feel his hand to some degree as a tool. This, too, he can learn to feel with one or another part of his brain. The inward feeling of his brain as instrument comes about at a certain level of self-knowledge. Specific places within the brain are localized. If we hammer a nail, we know we are doing it with a tool. We know that we are also using as tool one or another part of the brain. Through the fact that these things are objective and can become separate and strange to us, we come to know our brain as something quite separate from us. Self-knowledge requires this sort of objectivity as regards our body; gradually our outer sheath becomes as objective to us as the ordinary tools we use. Then, as soon as we have made a start at feeling our bodily sheath as separate object, we truly begin to live in the outside world.
[ 14 ] Weil der Mensch nur seine Leibeshülle fühlt, ist er sich nicht klar darüber, daß eine Grenze ist zwischen der Luft da draußen und der Luft in seiner Lunge. Trotzdem sagt er, da drinnen sei dieselbe Luft wie draußen. Wenn wir den Stoff der Luft nehmen, dann ist er drinnen und draußen. So ist es mit allem, mit dem Blut, mit allem, was leiblich ist. Leiblich kann er aber nicht innen oder außen sein, das ist nur Maja. Gerade dadurch, daß das leibliche Innere ein Äußeres wird, setzt es sich wahrheitsgemäß in die übrige Welt und den Kosmos fort.
Because a person feels only his body, he is not clear about the boundary between the air outside and the air in his lungs. All the same, he will say that it is the same air, outside and inside. So it is with everything, with the blood, with everything that belongs to the body. But what belongs to the body cannot be outside and inside—that is mere illusion. It is only through the fact that we allow the internal bodily nature to become outward that in truth it finds a further life out in the rest of the world and the cosmos.
[ 15 ] Der Schmerz des Sich-fremd-Fühlens sollte dargestellt werden in der ersten heute rezitierten Szene. Schmerz des Sich-fremd-Werdens dadurch, daß man sich findet in allem Äußeren. Die eigene Leibeshülle des Johannes Thomasius ist wie ein Wesen, das außer ihm ist. Dafür aber, daß er den eigenen Leib draußen fühlt, sieht er herankommen den anderen Leib, den Leib des Wesens, das er verlassen hat. Das kommt an ihn heran, und er hat gelernt, mit den eigenen Worten dieses Wesens zu sprechen. Es sagt zu ihm - sein Selbst hat sich zu ihm erweitert —:
In the first scene recited today there was an effort to express the pain of feeling estranged from oneself—the pain of feeling estranged because of being outside and within all the other things. Johannes Thomasius' own bodily sheath seems like a person outside himself. But just because of that—that he feels his own body outside—he can see the approach of another body, that of the young girl he once deserted. It comes toward him; he has learned how to speak with the very words of the other being. She says to him, whose Self has widened out to her:
Er hat mir bittre Not gebracht;
Ich habe ihm so ganz vertraut.
Er ließ im Kummer mich allein,
Er raubte mir die Lebenswärme
Und stieß in kalte Erde mich.
He brought me bitter sorrow;
I gave him all my trust.
He left me in my grief alone.
He robbed me of the warmth of life
and thrust me deep into cold earth.
[ 16 ] Dann aber erst kommt der Vorwurf lebendig in die Seele, wenn das fremde Leid, mit dem wir unser eigenes Selbst verknüpft haben, ausgesprochen werden muß, weil das eigene Selbst in ein anderes Selbst untergetaucht ist. Das ist eine Vertiefung. Da ist Johannes wirklich in dem Leid, weil er es verursacht hat. Er fühlt sich darin ausgeflossen und wieder aufgewacht. Was erlebt er da eigentlich?
Then guilt, very much alive, rises up in the soul when, plunging our own Self into another and attaching ourselves to the pain of this other being, the pain is spoken out. This is a deepening, an intensifying. Johannes is truly within the pain, because he has caused it. He feels himself dissolving into it and then waking up again. What is he actually experiencing?
[ 17 ] Wenn wir alles zusammennehmen, finden wir, daß der gewöhnliche, normale Mensch ein ähnliches nur erlebt in dem Zustand, den wir Kamaloka nennen. Der Einzuweihende muß das, was der normale Mensch in der geistigen Welt erlebt, schon in dieser Welt erleben. Er muß das, was Kamaloka-Erlebnisse sind, was sonst außerhalb des physischen Leibes erlebt wird, innerhalb des physischen Leibes erleben. Daher sind alle Eigenschaften, die man als Kamaloka-Eigenschaften aufnehmen kann, als Erlebnisse der Initiation da. So wie Johannes untertaucht in die Seele, der er Leid gebracht hat, so muß der normale Mensch im Kamaloka in die Seelen untertauchen, denen er Schmerz gebracht hat. Wie wenn ihm eine Ohrfeige zurückgegeben wird, so muß er Schmerz empfinden. Diese Dinge sind nur mit dem Unterschied behaftet, daß der Initiierte sie im physischen Leib erlebt, der andere Mensch nach dem Tode. Wer sie hier erlebt, lebt in ganz anderer Weise dann im Kamaloka. Aber auch das, was der Mensch im Kamaloka erleben kann, kann so erlebt werden, daß er sozusagen noch nicht wirklich frei geworden ist. Und das ist eine schwierige Aufgabe, völlig frei zu werden. Der Mensch fühlt sich wie gefesselt an die physischen Verhältnisse.
When we try to put all this together, we will find that the ordinary, normal human being undergoes something similar only in the condition we call kamaloka. The initiate, however, has to experience in this world what the normal person experiences in the spiritual world. Within the physical body he must go through what ordinarily is experienced outside the physical body. All the elements of kamaloka have to be undergone as the elements of initiation. Just as Johannes dives into the soul to whom he has brought such grief, so must the normal human being in kamaloka dive into the souls to which he has brought pain. It is just as if a slap in the face has to come back to him; he has to feel the same pain. The only difference is that the initiate experiences this in the physical body, and other people after death. The one who goes through this here will afterward live otherwise in kamaloka. But even all that one undergoes in kamaloka can be so experienced that one does not become entirely free. It is a most difficult task to become completely free. A man feels as if he were chained to his physical conditions.
[ 18 ] In unserer Zeit gehört es zu den wichtigsten Entwickelungserlebnissen — in der griechisch-lateinischen Zeit war es noch nicht so, es ist erst jetzt besonders wichtig geworden —, daß der Mensch erleben kann, wie unendlich schwierig es ist, von sich loszukommen. Daher ist ein wichtiges Initiationserlebnis ausgedrückt in den Worten, wo sich Johannes an den eigenen niederen Leib gefesselt fühlt, wo sein eigenes Wesen ihm erscheint wie ein Wesen, an das er angeschmiedet ist:
In our time one of the most important elements for our development—not yet so much in the Greco-Roman epoch but especially important nowadays—is that the human being must experience how infinitely difficult it is to become free of himself. Therefore, a notable initiation experience is described by Johannes as feeling chained to his own lower nature; his own being seems to be a creature to which he is firmly fettered:
Ich fühle Fesseln,
Die mich an dich gefesselt halten.
So fest war nicht Prometheus
Geschmiedet an des Kaukasus Felsen,
Wie ich an dich geschmiedet bin.
I feel the chains
that hold me fettered fast to you.
Prometheus was not chained so fast
upon the cliffs of Caucasus
as I am chained to you.
[ 19 ] Das ist etwas, was mit Selbsterkenntnis verbunden ist, ein Geheimnis der Selbsterkenntnis. Wir müssen es nur im richtigen Sinn auffassen.
This belongs to self-knowledge; it is a secret of self- knowledge. We should try to understand it correctly.
[ 20 ] Die Frage nach diesem Geheimnis könnte auch so geschildert werden: Sind wir eigentlich dadurch, daß wir Erdenmenschen geworden sind, daß wir in unsere Erdenhüllen untergetaucht sind, bessere Menschen geworden, oder wären wir bessere Menschen, wenn wir allein in unserem Inneren sein könnten, wenn wir einfach die Hüllen abwerfen könnten? Die Triviallinge, die dem geistigen Leben gegenübertreten, können leicht fragen: Wozu erst untertauchen in den Erdenleib? Das einfachste wäre, man bliebe oben, dann würde man nicht die ganze Misere haben, unterzutauchen.
A question about this secret could be phrased like this: have we in some way become better human beings by becoming earth dwellers, by entering into our physical sheaths, or would we be better by remaining in our inner natures and throwing off those sheaths? Superficial people, taking a look at life in the spirit, may well ask: why ever do we have to plunge down into a physical body? It would be much easier to stay up there and not get into the whole miserable business of earthly existence.
[ 21 ] Wozu haben uns die weisen Mächte des Schicksals untergetaucht? Empfindungsgemäß kann man da wenig erklären, wenn man sagt, an diesem Erdenleib haben göttlich-geistige Kräfte durch Jahrmillionen und Jahrmillionen gearbeitet. Wir sollten gerade dadurch, daß es so ist, mehr aus uns machen, als wir Kräfte haben. Unsere inneren Kräfte reichen nicht hin. Wir können nicht jetzt schon so viel sein, wie die Götter gemacht haben, wenn wir bloß das sein wollen, was wir in unserem Inneren sind, wenn wir nicht korrigiert werden durch unsere Hüllen. Das Leben stellt sich so dar: Hier auf Erden ist der Mensch versetzt in seine Leibeshüllen; diese sind von Wesen durch drei Welten zubereitet. Der Mensch soll erst das Innere heranbilden. Zwischen Geburt und Tod ist er ein böses, im Devachan ist er wieder ein besseres Wesen, aufgenommen von göttlich-geistigen Wesen, die ihn mit ihren eigenen Kräften durchgießen. Später, in der Vulkanzeit, wird er dann ein vollkommenes Wesen sein. Jetzt auf Erden ist er ein Wesen, das dieser oder jener Lust frönt. Das Herz zum Beispiel ist so weise eingerichtet, daß es Jahrzehnte standhält gegen die Anstürme, die der Mensch gegen es richtet mit seinen Exzessen, zum Beispiel mit dem Kaffee. So, wie der Mensch heute durch eigene Kraft sein kann, zieht er nun durch Kamaloka. Da soll er kennenlernen, was er durch eigene Kraft sein kann. Und das ist wahrhaft nichts Gutes. Der Mensch kann, wenn er sich selbst bezeichnen soll, sich nicht bezeichnen mit dem Prädikat der Schönheit. Da muß er sich schon so bezeichnen, wie dies Johannes [im zweiten Bild] tut:
For what reason have the wise powers of destiny thrust us down here? Perhaps it helps our feelings a little to say that for millions and millions of years the divine, spiritual powers have worked on the physical body. Because of this, we should make more out of ourselves than we have the strength to do. Our inner forces are not enough. We cannot yet be what the gods have intended for us if we wish to be only what is in our inner nature, if our outer sheaths do not work some corrections in us. Life shows us that here on earth man is put into his physical sheaths and that these have been prepared for him by the beings of three world epochs. Man has now to develop his inner nature. Between birth and death, he is bad; in Devachan he is a better creature, taken up by divine, spiritual beings who shower him with their own forces. Later on, in the Vulcan epoch, he will be a perfect being. Now on the earth he is a being who gives way to this or that desire. Our hearts, for one thing, are created with such wisdom that they can hold out for decades against the excesses we indulge in, such as drinking coffee. What man can be today through his own will is the way he travels through kamaloka. There he has to learn what he can be through his own will, and that is certainly nothing very good. Whenever man is asked to describe himself, he cannot use the adjective “beautiful.” He has to describe himself as Johannes does in Scene Two:
Doch wie erkenne ich mich wieder!
Mir ist verloren Menschenform.
Ein wilder Wurm erschein’ ich mir,
Aus Lust und Gier geboren.
Und klar empfinde ich,
Wie eines Wahnes Nebelbild
Die eigne Schreckgestalt
Bisher verborgen mir gehalten hat.
Yet how do I behold myself!
My human form is lost;
as raging dragon I must see myself,
begot of lust and greed.
I clearly sense
how an illusion's cloud
has hid from me till now
my own appalling form.
[ 22 ] Unser Inneres wird wie elastisch ausgespannt in unsere Leibeshüllen und verbirgt sich uns. Wir lernen uns tatsächlich kennen wie eine Art wilder Wurm, wenn wir die Initiation kennenlernen. Und daher sind diese Worte nun aus tiefster Empfindung heraus geschöpft, die Worte der Selbsterkenntnis, nicht der Selbstbebrütung sind:
Our inner nature stretches flexibly within our bodily sheaths and is hidden from us. When we approach initiation, we learn really to see ourselves as a kind of raging dragon. Therefore, these words are drawn up out of the deepest perception; they are words of self-knowledge, not of self-brooding:
Ich bin es selbst.
Erkenntnis schmiedet an dich verderblich Ungeheuer
Mich selbst verderblich Ungeheuer.
It is myself.
So knowledge chains to you, pernicious monster,
me myself, pernicious monster.
[ 23 ] Im Grunde genommen sind beide dasselbe, einmal als Objekt, das andere Mal als Subjekt.
At bottom, they are both the same, one the subject, the other the object.
Entfliehen wollt’ ich dir.
I sought to flee from you.
[ 24 ] Aber dieses Entfliehen führt den Menschen gerade nur zu sich selbst.
This flight, however, merely leads the human being directly to himself.
[ 25 ] Und dann kommt jene Gesellschaft, die da auftaucht, in der wir darinnen sind, wenn wir wirklich in uns hineinblicken. Diese Gesellschaft, die wir in uns finden, sind unsere eigenen Begierden und Leidenschaften, das, was früher nicht bemerkt wurde, weil jedesmal, wenn wir in uns hineinblicken wollten, der Blick abgelenkt wurde auf unsere Umgebung. Denn im Vergleich zu dem, in das wir so hineinblicken wollten, ist die Welt eine wunderschöne Welt. Da, in der Illusion, der Maja des Lebens, hört man auf, in sich hineinzusehen. Wenn aber die Menschen allerlei dummes Zeug um uns herum reden, und wenn es uns zuviel geworden ist, dann fliehen wir in die Einsamkeit. Und dies ist für gewisse Stufen der Entwickelung sehr wichtig. Da kann und soll man sich sammeln. Das ist ein gutes Mittel der Selbsterkenntnis. Aber es gibt dennoch Erlebnisse, daß wir in Gesellschaften kommen, daß wir nicht mehr einsam sein können, daß gerade da jene Wesen auftreten — in uns oder außer uns, das ist einerlei —, die uns nicht einsam sein lassen. Dann kommt jenes Erlebnis, das man haben soll. Diese Einsamkeit bringt eben die schlimmste Gesellschaft:
But then the crowd turns up, the crowd we find ourselves in when we really look into ourselves. We find ourselves to be a collection of lusts and passions we had not noticed earlier, because each time we wanted to look into ourselves our eyes were distracted to the world outside. Indeed, compared to what we would have seen inside, the world outside is wonderfully beautiful. Out there, in the illusion, in the maya of life, we stop looking at ourselves inwardly. When people around us, however, begin to talk all kinds of stupidity and we cannot stand it, we escape to where we can be alone. This is quite important at some levels of development. We can and should collect ourselves; it is a good means of self-knowledge. But it can happen that, coming into a crowd of people, we can no longer be alone; those others appear, either within us or outside us, no matter; they do not allow us to be alone. Then comes the experience we must have: solitude actually brings forth the worst kind of fellowship.
Mir ist des Menschen letzte Zuflucht,
Mir ist die Einsamkeit verloren.
For me, man's final refuge,
for me, my solitude is lost.
[ 26 ] Das sind wirkliche Erlebnisse. Aber lassen Sie sich die Intensität, die Stärke dieser Erlebnisse nicht selber eine Anfechtung sein. Glauben Sie nicht, wenn solche Erlebnisse in starker Intensität vorgeführt werden, daß man Angst und Furcht haben soll. Glauben Sie nicht, daß das beitragen soll, jemanden abzulenken, selbst unterzutauchen in diese Fluten. Man erlebt sie nicht gleich in dieser Stärke wie Johannes, weil er es zu bestimmtem Ziele so erleben sollte, in gewisser Weise sogar verfrüht. Die reguläre Selbstentwickelung geht einen anderen Gang. Deshalb ist das als individuell aufzufassen, was bei Johannes tumultuarisch eintritt. Weil er diese Individualität ist, die Schiffbruch erlitten hat, kann bei ihm, da er diese Gesetze durchmacht, alles viel tumultuarischer erfolgen. Er lernt sie so kennen, daß sie ihn tief aus dem Gleichgewicht bringen. Aber dadurch, daß es hier für Johannes geschildert ist, sollte eines erweckt werden, nämlich das Gefühl, daß mit irgendwelchen trivialen Phrasen wahre Selbsterkenntnis nichts zu tun hat, daß wahre Selbsterkenntnis nicht anders kann, als zuerst durch Schmerz und Leid zu führen.
Those are genuine experiences. Do not let the strength, the intensity, of the happenings trouble you. You do not have to believe that such strength and intensity as described must necessarily lead to anxiety or fear. It should not prevent anyone from also plunging into these waters. No one will experience all this as swiftly or with such vehemence as Johannes does; it had to come about for him in this way for a definite purpose, even prematurely, too. A normal self-development proceeds differently. Therefore, what occurs in Johannes so tumultuously must be understood as an individual happening. Because he is this particular individual, who has suffered a kind of shipwreck, everything he undergoes takes place much more tempestuously than it otherwise would. He is confronted by the laws of self-development in such a way that they throw him completely off balance. As for us, one thing should be awakened by this description of Johannes, that is, the perception that true self-knowledge has nothing to do with trite phrases, that true self- knowledge inevitably leads us into pain and sorrow.
[ 27 ] Dinge, die vorher eine Erquickung für Menschen sind, gewinnen ein anderes Antlitz, wenn sie auf dem Felde der Selbsterkenntnis auftreten. Einsamkeit können wir uns erflehen, gewiß, wenn wir auch schon Selbsterkenntnis gefunden haben. Aber in gewissen Momenten der Selbsterkenntnis kann Einsamkeit das sein, was wir verlieren, wenn wir sie in unserer vorher bekannten Weise suchen, in Momenten, wo wir dann ausfließen in die objektive Welt, wo der Einsame gerade die schwersten Schmerzen erleidet.
Things that once were a source of delight can assume a different face when they appear in the realm of self- knowledge. We can long for solitude, no doubt, when we have already found self-knowledge. But in certain moments of self-development it is solitude we have lost when we look for it as we did earlier, in moments when we flow out into the objective world, when in loneliness we have to suffer the sharpest pain.
[ 28 ] Dieses Sich-Hinausergießen in andere Wesenheiten müssen wir in richtiger Weise empfinden lernen, wenn wir das, was in das Drama gelegt ist, fühlen wollen. Es ist ein gewisses ästhetisches Gefühl durchgeführt, alles darin ist spirituell-realistisch. Wer realistisch denkt - ein echt ästhetisch fühlender Realist -, empfindet gewisse Schmerzen bei einer unrealistischen Darstellung. Auch das, was auf einer gewissen Stufe große Befriedigung geben kann, kann auf anderer Stufe eine Quelle des Schmerzes sein. Das hängt von dem Weg der Selbsterkenntnis ab. Ein Shakespeare-Drama zum Beispiel, etwas also, was schon eine große Leistung der Außenwelt ist, kann ein Quell der ästhetischen Befriedigung sein. Aber ein gewisser Moment der Entwickelung kann eintreten, wo man nicht mehr davon befriedigt sein kann, weil man sein Inneres zerrissen fühlt, wenn man von Szene zu Szene geht, weil man keine Notwendigkeit mehr sieht, daß eine Szene an die andere gereiht ist. Man kann dies als unnatürlich empfinden, daß eine Szene neben die andere gestellt ist. Warum unnatürlich? Weil nichts zwei Szenen zusammenhält als der Schreiber Shakespeare und der Zuschauer. In der Szenenfolge ist ein abstraktes Prinzip der Kausalität, nicht ein konkret Wesenhaftes. Das ist das Charakteristische der Dramen Shakespeares, daß nichts angedeutet ist, was sie karmisch durchwirkt und zusammenhält.
Learning to perceive in the right way this outpouring of the Self into other beings will help us feel what has been put into the Mystery Drama: a certain artistic element has been created in which everything is spiritually realistic. One who thinks realistically—a genuine, artistic, sensitive realist—undergoes at unrealistic performances a certain amount of suffering. Even what at a certain level can provide great satisfaction is at another level a source of pain. This is due to the path of self- development. A play by Shakespeare, for instance, an immense achievement in the physical world, can be an occasion for artistic pleasure. But a certain moment of development can arrive when we are no longer satisfied by Shakespeare because we seem inwardly torn to pieces. We go from one scene to the next but no longer see the necessity that has ordered one scene to follow another. We begin to find it unnatural that a scene follows the one preceding it. Why unnatural? Because nothing holds two scenes together except the dramatist Shakespeare and his audience. His scenes follow the abstract principle of cause and effect but not a concrete reality. It is characteristic of Shakespeare's drama that nothing of underlying karma is hinted at; this would tie the scenes together more closely.
[ 29 ] Das Rosenkreuzerdrama ist realistisch geworden, spirituell-realistisch. Es stellt große Anforderungen an Johannes Thomasius. Ohne daß er in irgendeiner wichtigen Eigenschaft aktiv mittut, ist er auf der Szene. Er ist es, in dessen Seele sich alles abspielt, und was da geschildert wird, ist die Entwickelung der Seele, das reale Erlebnis dessen, was in der Entwickelung der Seele erlebt wird.
The Rosicrucian drama grew into a realistic, spiritually realistic one. It makes huge demands on Johannes Thomasius, who is constantly on stage without taking part actively or showing a single important dramatic characteristic. He is the one in whose soul everything takes place, and what is described is the development of that soul, the real experience of the soul's development.
[ 30 ] Die Seele des Johannes spinnt realistisch das eine Bild aus dem anderen Bild heraus. Da sehen wir, daß realistisch und spirituell einander nicht widersprechen. Materialistisches und Spirituelles brauchen sich nicht, aber können sich widersprechen. Aber es braucht sich auch Realistisches und Spirituelles nicht zu widersprechen, und es kann etwas spirituell Realistisches von einem Materialisten ganz bewundert werden. Die Dramen Shakespeares können in bezug auf ein ästhetisches Prinzip durchaus realistisch gedacht werden. Aber Sie können auch begreifen, daß eine Kunst, die Hand in Hand geht mit Geisteswissenschaft, zuletzt dahin führt, daß für den, der sein Selbst im Kosmos erlebt, der ganze Kosmos zu einer Ich-Wesenheit wird. Dann können wir es auch nicht ertragen, daß ihm irgend etwas entgegentritt im Kosmos, was nicht in Beziehung steht zur Ich-Wesenheit. Die Kunst wird in dieser Beziehung etwas lernen, was sie zum Ich-Prinzip kommen läßt, weil der Christus uns zuerst einmal das Ich gebracht hat. Auf den verschiedensten Gebieten wird sich dieses Ich ausleben.
Johannes' soul spins one scene realistically out of the one before it. Through this we see that realistic and spiritual do not contradict each other. Materialistic and spiritual things do not need each other, and they can contradict each other. But realistic and spiritual are not opposites; it is quite possible for spiritual realism to be admired even by a materialistic person. In regard to artistic principles, the plays of Shakespeare can be thought of as realistic. You will understand, however, how far the art that goes hand in hand with a science of the spirit must finally lead. For the one who finds his Self out in the cosmos, the whole cosmos becomes an ego being. We cannot bear then anything coming toward us that is not related to the ego being. Art will gradually learn something in this direction; it will come to the ego principle, because the Christ has brought us our ego for the first time. In the most various realms will this ego be alive.
[ 31 ] Aber noch in anderer Weise zeigt sich dieses konkrete Menschliche in der Seele und das Wiederum-Verteiltsein draußen. Wenn einen damals jemand gefragt hat: Welche Person ist Atma, welche ist Buddhi, welche Manas? - Es wäre eine gräßliche Kunst, eine fürchterliche Kunst, wenn man die Darstellung so interpretieren müßte: Diese Gestalt ist eine Personifikation von Manas. — Es gibt theosophische Unarten, die sich bemühen, alles in dieser Richtung auszulegen. Von dem Kunstwerk, das sich so interpretieren lassen müßte, könnte man sagen: Armes Kunstwerk! — Gegenüber Shakespeares Dramen jedenfalls wäre dies grundfalsch und lächerlich.
In still another way can the specific human entity be shown within the soul and also divided into its various components outside. If someone asked which person represents Atma, which one Buddhi, which one Manas? ... if someone in the audience could exclaim, “O yes, that figure on the stage is the personification of Manas!” ... it would be a horrible kind of art, a dreadful kind of art. It is a bad theosophical habit to try to explain everything like this. One would like to say, “Poor thing!” of a work of art that has to be “explained.” If it were to be attempted with Shakespeare's plays, it would indeed be absurd and downright wrong.
[ 32 ] Solche Dinge sind Kinderkrankheiten der theosophischen Entwickelung. Man wird sie sich schon abgewöhnen. Aber es ist doch notwendig, daß auf diese Dinge auch einmal aufmerksam gemacht wird. Es könnte sogar vorkommen, daß sich jemand daran macht, die neun Glieder der menschlichen Natur in der Neunten Symphonie Beethovens aufzusuchen.
These habits are the childhood diseases of the theosophical movement. They will gradually be cured. But for once at least, it is necessary to point them out. It might even happen that someone tries to look for the nine members of the human organization in the Ninth Symphony of Beethoven!
[ 33 ] Und dennoch ist es in gewisser Weise richtig, daß das, was einheitliche menschliche Natur ist, sich wiederum verteilt auf verschiedene Menschen. Ein Mensch hat diese besondere Seelenfärbung, ein anderer jene. So können wir Menschen vor uns sehen, die verschiedene Seiten der menschlichen Gesamtnatur darstellen. Aber das muß realistisch gedacht sein, muß aus der Natur des Menschen heraus kommen. Wie uns Menschen in der Welt entgegentreten, darin stellen sie die verschiedenen Seiten der menschlichen Natur dar. Und indem wir uns durchentwickeln von Inkarnation zu Inkarnation, werden wir eine Totalität. Wenn das betreffende Faktum, das zugrunde liegt, dargestellt werden soll, dann muß das ganze Leben aufgelöst werden.
On the other hand, it is correct to some extent to say that the united elements of human nature can be assigned to different characters. One person has this soul coloring, a second person another; we can see characters on the stage who present different sides of the whole unified human being. The people we encounter in the world usually present one or another particular trait. As we develop from incarnation to incarnation, we gradually become a whole. To show this underlying fact on the stage, our whole life has somehow to be separated into parts.
[ 34 ] So ist im Rosenkreuzermysterium das, was in gewisser Weise Maria darstellen soll, aufgelöst in den anderen Figuren, die als Begleiter um sie herum sind, die mit ihr eine Ichheit ausmachen. Man kann insbesondere Eigenschaften der Empfindungsseele in der Philia sehen, Eigenschaften der Verstandes- oder Gemütsseele in Astrid, Eigenschaften der Bewußtseinsseele in Luna. Daraufhin sind schon die Namen geprägt. Alle Namen sind so, daß sie für die einzelnen Wesenheiten ganz wesenhaft geprägt sind. Nicht nur in den Worten, sondern in der Art, wie die Worte gesetzt sind, namentlich wo wirken soll das Spirituelle im Devachan, im siebenten Bild, da ist das, was die drei Gestalten der Philia, Astrid und Luna charakterisieren soll, genau abgestuft. Das, womit da das siebente Bild beginnt, ist eine bessere Charakteristik von Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, als man sonst in Worten geben kann. Da kann man den Menschen zeigen, was Empfindungsseele, was Verstandesseele, was Bewußtseinsseele ist. In der Kunst kann man die Stufen zeigen in der Art, wie diese drei Gestalten dastehen. In der menschlichen Wesenheit fließen sie ineinander. Werden sie voneinander gelöst, dann stellen sie sich so dar, wie Philia sich hineinstellt in das Weltenall, wie Astrid sich hineinstellt in die Elemente, wie Luna ausfließt in Selbsttat und Selbsterkenntnis. Und weil sie sich da so hineinstellen, ist in der Devachanszene alles enthalten, was im wahren Sinne Alchimie ist. Die ganze Alchimie ist darin. Man muß sie nur nach und nach herausfinden.
In this Rosicrucian Mystery, we will find that everything that Maria is supposed to be is dispersed among the other figures who are around her as companions. They form with her what might be called an “egoity.” We find special characteristics of the sentient soul in Philia, of the intellectual soul in Astrid, of the consciousness soul in Luna. It was for this reason that their names were chosen. The names of all the characters and beings were given according to their natures. In Devachan, Scene Seven, particularly, where everything is spirit, not only the words but also the placing of the words is meant to characterize the three figures of Philia, Astrid, and Luna in their exact relationships. The speeches at the beginning of Scene Seven are a better description of sentient soul, intellectual soul, and consciousness soul than any number of words otherwise could achieve. Here one can really demonstrate what each soul is. One can show in an artistic form the relationship of the three souls by means of the levels at which the figures stand. In the human being they flow into one another. Separated from each other, they show themselves clearly: Philia as she places herself in the cosmos; Astrid as she relates herself to the elements; Luna as she directs herself into free deed and self-knowledge. Because they show themselves so clearly in the Devachan scene, everything in it is alchemy in the purest sense of the word; all of alchemy is there, if one can gradually discover it.
[ 35 ] Sie ist aber nicht nur in dem abstrakten Inhalt gegeben, sondern in dem Weben und Wesen der Worte. Deshalb sollen Sie nicht nur hören, was gesagt wird, und namentlich nicht bloß, was der einzelne spricht, sondern wie die Seelenkräfte im Verhältnis zueinander sprechen. Die Empfindungsseele schiebt sich hinein in den Astralleib, wir haben es mit webender Astralität zu tun. Die Verstandesseele schiebt sich hinein in den Ätherleib, wir haben es also mit webender Atherwesenheit zu tun. Wir sehen, wie sich wie mit innerer Festigkeit die Bewußtseinsseele in den physischen Leib hineinergießt. So ist das, was seelenhaft wirkt wie Licht in der Seele, in den Worten der Philia gegeben; was ätherisch objektiv wirkt, so daß man den wahren Dingen gegenübersteht, das ist in Astrid gegeben; was innere Festigkeit gibt, so daß es mit dem physischen Leib verbunden ist, das ist in Luna gegeben. Das müssen wir erfühlen. Hören wir die Seelenkräfte im siebenten Bild:
Not only as abstract content is alchemy in the scene but in the weaving essence of the words. Therefore, you should listen not merely to what is said, nor indeed only to what each single character speaks, but particularly to how the soul forces speak in relation to one another. The sentient soul pushes itself into the astral body; we can perceive weaving astrality there. The intellectual soul slips itself into the etheric body; there we perceive weaving ether being. We can observe how the consciousness soul pours itself with inner firmness into the physical body. Soul endeavor that has an effect like light is contained in Philia's words. In Astrid is contained what brings about the etheric-objective ability to confront the very truth of things. Inner resolve connected at first with the firmness of the physical body is given in Luna. We must begin to be sensitive to all this. Let us listen to the soul forces in Scene Seven:
Philia: (Empfindungsseele)
Philia (Sentient soul)
Ich will erfüllen mich
Mit klarstem Lichtessein
Aus Weltenweiten,
Ich will eratmen mir
Belebenden Klangesstoff
Aus Ätherfernen,
Daß dir, geliebte Schwester,
Das Werk gelingen kann.
I will imbue myself
with clearest essence of the light
from worldwide spaces.
I will breathe in sound-substance,
life-bestowing,
from far ethereal regions,
that you, beloved sister, with your work
may reach your goal.
Astrid: (Verstandesseele)
Astrid (Intellectual soul)
Ich will verweben
Erstrahlend Licht
Mit dämpfender Finsternis,
Ich will verdichten
Das Klangesleben.
Es soll erglitzernd klingen,
Es soll erklingend glitzern,
Daß du, geliebte Schwester,
Die Seelenstrahlen lenken kannst.
And I will weave
into the radiant light
the clouding darkness.
I will condense
the life of sound,
that glistening it may ring
and ringing it may glisten,
that you, beloved sister,
may guide the rays of soul.
Luna: (Bewußtseinsseele)
Luna (Consciousness soul)
Ich will erwärmen Seelenstoff
Und will erhärten Lebensäther.
Sie sollen sich verdichten,
Sie sollen sich erfühlen,
Und in sich selber seiend
Sich schaffend halten,
Daß du, geliebte Schwester
Der suchenden Menschenseele
Des Wissens Sicherheit erzeugen kannst.
I will enwarm soul-substance
and will make firm life-ether.
They shall condense themselves,
they shall perceive themselves,
and in themselves residing
guard their creative forces,
that you, beloved sister,
within the seeking soul
may quicken certainty of knowledge.
[ 36 ] Ich mache darauf aufmerksam, daß wir haben bei der Philia: «Daß dir, geliebte Schwester... .», daß wir bei Astrid in das Dumpfere, in das Dichtere hineinkommen: «Daß du, geliebte Schwester .. .», «Daß dir...», «Daß du...». Und jetzt haben wir es bei Luna verwoben mit dem noch schwerer Wiegenden: «Der suchenden Menschenseele». Da ist das U so verwoben mit den benachbarten Konsonanten, daß es noch festere Dichtigkeit erlangt.
I would like to draw your attention to the words of Philia, Dass dir, geliebte Schwester, Das Werk gelingen kann, that you, beloved sister, with your work may reach your goal.) and to those of Astrid that carry the connotation of something heavier, more compact, Dass du, geliebte Schwester ... “Dass dir,” “Dass du,” and then we have the “Du” again in Luna's speech woven together with the still heavier, weighty Der suchenden Menschenseele (within the seeking soul) There the “u” is woven into its neighboring consonants, so that it can take on a still firmer compactness.1In the English translation of The Portal of Initiation these three sound distinctions could not be kept, except in the word “soul” at the end of Luna's speech, in which the (spoken) diphthong possesses a nuance of “u.”
[ 37 ] Das sind die Dinge, die man tatsächlich charakterisieren kann. Auf das Wie kommt es an, das muß festgehalten werden. Vergleichen wir die Worte, die Philia weiter spricht:
These are the things that one can actually characterize. Please remember, it all depends on the “How.” Let us compare the words Philia speaks next:
Ich will erbitten von Weltengeistern,
Daß ihres Wesens Licht
Entzücke Seelensinn,
Und ihrer Worte Klang
Beglücke Geistgehör
I will entreat the spirits of the worlds
that they, with light of being,
enchant soul feeling,
that they, with tone of words,
charm spirit hearing,
mit den ganz anders gearteten, die Astrid spricht:
with the rather different ones of Astrid:
Ich will die Liebesströme,
Die Welt erwarmenden,
Zu Herzen leiten
Dem Geweihten
I will guide streams of love
that fill the world with warmth,
into the heart
of him, the consecrated one.
[ 38 ] so ist gerade da, wo diese Worte durchgeführt sind, das innere Weben und Wesen des devachanischen Weltelementes durchgeführt.
Just here, where these words are spoken, the inner weaving essence of the world of Devachan has been achieved.
[ 39 ] Wir müssen uns klarmachen an solchen Dingen, und deshalb erwähne ich es, daß, wenn Selbsterkenntnis anfängt aufzugehen in äußerem Weltenweben und Weltenwesen, es darauf ankommt, alle Einseitigkeit aufzugeben, und daß wir fühlen lernen, wie wir sonst nur in Philisterart erleben können, was in jedem Punkte des Daseins vorhanden ist. Das macht uns Menschen zu starren Wesen, daß wir an den Punkt im Raume gebannt sind und glauben, mit Worten Wahrheiten aussprechen zu können. Aber Worte sind das, was weniger gut die Wahrheit aussprechen kann, weil es an den physischen Klang gebunden ist. Wir müssen, ich möchte sagen, den Ausdruck mitfühlen. Daher kommt es darauf an, daß ein solcher wichtiger Vorgang wie der Selbsterkenntnisvorgang des Johannes Thomasius nur so richtig erlebt werden kann, wenn er dann die Selbsterkenntnis mutvoll erringt und ergreift. Das ist der nächste Akt, nachdem die Selbsterkenntnis uns niedergeschmettert hat, daß wir anfangen, das, was wir draußen gelernt haben, indem wir den Kosmos als uns verwandt begriffen haben, nachdem wir das Wesen der Wesen erkannt haben, in uns jetzt hereinzunehmen, daß wir uns mutvoll erkühnen, das zu leben, was wir erkannt haben. Nur die Hälfte der Sache ist es, daß wir untertauchen wie Johannes in ein Wesen, dem wir Leid gebracht haben, das wir in die kalte Erde hinuntergestoßen haben. Denn wir empfinden jetzt anders. Wir fassen Mut, den Schmerz auszugleichen. Dann tauchen wir unter in dieses Leben und sprechen im eigenen Wesen anders. Das wird zunächst dasjenige, was uns im neunten Bild entgegentritt. Während im zweiten Bild das Wesen dem Johannes zurief:
I am mentioning all this, because the scenes should make it clear that when self-knowledge begins to unfold into the outer cosmic weaving and being, we have to give up everything that is one-sided. We have to learn, too, to be aware—as we otherwise do only in a quite superficial, pedestrian way—of what is at hand at every point of existence. We become inflexible creatures, we human beings, when we stay rooted to only one spot in space, believing that our words can express the truth. But words, limited as they are to physical sound, are not what best will communicate truth. I would like to put it like this: we have to become sensitive to the voice itself. Anything as important as Johannes Thomasius' path to self-knowledge can be rightfully experienced—it depends on this—only when he struggles courageously for that self-knowledge and holds on to it. When self-knowledge has crushed us, the next stage is to begin to draw into ourselves, to harbor inwardly what was our outer experience, learning how closely the cosmos is related to ourselves (for this comes to us after we understand the nature of the beings around us); now we must attempt courageously to live with our understanding. It is only one half of the matter to dive down like Johannes into a being to whom we have brought sorrow and have thrust into cold earth. For now, we have begun to feel differently. We summon up our courage to make amends for the pain we have caused. Now we can dive into this new life and speak out of our own nature differently. This is what confronts us in Scene Nine. In Scene Two the young girl cried out to Johannes:
Er hat mir bittre Not gebracht;
Ich habe ihm so ganz vertraut.
Er ließ im Kummer mich allein,
Er raubte mir die Lebenswärme
Und stieß in kalte Erde mich
He brought me bitter sorrow;
I gave him all my trust.
He left me in my grief alone.
He robbed me of the warmth of life
and thrust me deep into cold earth.
[ 40 ] rief dasselbe Wesen im neunten Bild, nachdem Johannes sich da erlebt hatte, wohin jede Selbsterkenntnis drängt, ihm zu:
In Scene Nine, however, after Johannes has undergone what every path to self-knowledge demands, the same being calls to him:
Du mußt mich wieder finden
Und mir die Schmerzen lindern.
O you must find me once again
and ease my suffering.
[ 41 ] Das ist die andere Seite: erst das Niederschmetternde, dann das Ausgleichende des Erlebens. Da ruft ihm das andere Wesen zu:
This is the other side of the coin: first the devastation and despair, and now the return to equilibrium. The being calls to him:
Du mußt mich wieder finden.
O you must find me once again ...
[ 42 ] Es könnte das anders nicht dargestellt werden, dieses Heraufheben des Erlebens der Welt, dieses Sich-Ausfüllen mit dem Erleben der Welt. Wahre Selbsterkenntnis im Auftauchen innerhalb des Kosmos könnte nicht geschildert werden, wenn nicht mit den Worten, mit denen Johannes aufwacht. Selbstverständlich muß sie so beginnen, im zweiten Bild:
It could not have been described otherwise, this lifting into perception of the world, this replenishing of himself with life experience. True self-knowledge through perception of the cosmos could only have been described with the words Johannes uses when he comes to himself. It has begun, of course, in Scene Two:
So hör’ ich sie seit Jahren schon,
Die inhaltschweren Worte.
For many years these words
of weighty meaning I have heard.
[ 43 ] Dann, nachdem er untergetaucht ist in den Erdengrund, nachdem er mit dem Erdengrund vereinigt ist, entsteht in der Seele die Kraft, die Worte so entstehen zu lassen. Das ist das Wesentliche im neunten Bild:
Then—after he has dived down into deep earth, after he has united himself with it—the power is born in his soul to let the words arise that express the essence of Scene Nine:
Ich habe sie drei Jahre lang gesucht,
Die mutbeschwingte Seelenkraft,
Die Wahrheit gibt dem Worte,
Durch das der Mensch, sich selbst befreiend, siegen
Und sich besiegend, Freiheit finden kann.
For three years now I've sought
for power of soul, with wings of courage,
to give these words their truth.
Through them a man who frees himself can conquer
and, conquering himself, can find his freedom.
[ 44 ] Das sind die Worte: «O Mensch, erlebe dich!» im Gegensatz zu den Worten im zweiten Bild: «O Mensch, erkenne dich!» So tritt uns immer wiederum dasselbe Bild entgegen. Während das eine Mal das Bild hinunterführt:
The words, “O man, unfold your being!” are in direct contrast to the words of Scene Two, “O man, know thou thyself!” There appears to us once and again the very same scene. It leads the first time downward to:
Die Welt und meine Eigenheit,
Sie leben in dem Worte:
O Mensch, erkenne dich!
The world and my own nature
are living in the words:
O man, know thou thyself!
[ 45 ] ist es dann umgekehrt. Das wechselt. Das Bild gibt den Seelenvorgang wieder.
Then afterward it is the opposite; it has changed. The scene characterizes soul development.
[ 46 ] So haben Sie auch gehört das furchtbar niederschmetternde Wort:
You have also heard the devastating words:
Maria, ist dir denn bewußt,
Was meine Seele eben durchgerungen?
- - - - - - - - - -
Mir ist des Menschen letzte Zuflucht,
Mir ist die Einsamkeit verloren.
Maria, are you then aware
through what my soul has fought its way?
-------------------
For me, man's final refuge,
for me, my solitude is lost.
[ 47 ] Dann wird im neunten Bild gezeigt, wie das Wesen erst Zuversicht und dann Sicherheit gewinnt. Das ist die Kongruenz. Nicht Konstruktionen, sondern selbstverständliche Erlebnisse müssen es sein. Dadurch sollen wir fühlen, wie in einer solchen Seele, wie der des Johannes 'Thomasius, Selbsterkenntnis sich abklärt zum Selbsterleben. Wir sollen auch fühlen, wie sich verteilt dieses Erlebnis des Johannes Thomasius auf einzelne Menschen und damit seine eigene Erkenntnis über die gesamten Menschen, in denen sich in den einzelnen Inkarnationen ein Teil seiner Wesenheit ausprägt. Zuletzt steht da im Sonnentempel eine ganze Gesellschaft, alle wie ein Tableau, und alle zusammen sind ein einzelner Mensch. Auf alle sind Eigenschaften eines einzigen Menschen verteilt; es ist im Grunde genommen ein einzelner Mensch. Aber ein pedantischer Mensch müßte sagen: Es sind ja zu viele Teile, es müßten neun statt zwölf sein. — So schafft aber die Wirklichkeit nicht, daß sie im Einklang steht mit den Theorien. Und dennoch steht sie mehr im Einklang mit der Wahrheit, als wenn man in regulärer Weise die einzelnen Glieder der menschlichen Wesenheit aufmarschieren ließe.
But Scene Nine shows how the being of the girl attains first hope and then security. That is the turning point. It cannot be constructed haphazardly; it is actual experience. Through it we can sense how self-knowledge in a soul like Johannes Thomasius can ascend into a self- unfolding. We should perceive, too, how his experience is distributed among many single persons in whom one characteristic has been formed in each incarnation. At the end of the drama a whole community stands there in the Sun Temple, like a tableau, and the many together are a single person. The various characteristics of a human being are distributed among them all; essentially there is one person there. A pedant might like to object. “Are there not too many different members of the whole? Surely nine or twelve would be the correct number!” But reality does not always work in such a way as to be in complete agreement with theory. This way it corresponds more nearly with the truth than if we had all the single constituents of man's being marching up in military rank and file.


[ 48 ] Versetzen wir uns jetzt in diesen Sonnentempel. Da sind die einzelnen Menschen, die so hineingestellt worden sind, wie sie wirklich karmisch zusammengehören, wie Karma sie im Leben zusammengestellt hat. Aber wenn wir uns jetzt den Johannes hier denken und uns eines jeden einzelnen Charakter so gespiegelt denken in der Seele des Johannes und jeden Menschen als Seeleneigenschaft des Johannes - was ist denn dann, wenn wir das als Realität fassen, geschehen? Da hat Karma tatsächlich wie in einem Knotenpunkt diese Menschen zusammengebracht. Nichts ist absichtslos, zwecklos, ziellos, sondern was einzelne Menschen getan haben, bedeutet nicht nur ein Einzelereignis, es bedeutet jeder ein Seelenerlebnis des Johannes 'Thomasius. Es spielt sich alles zweimal ab: im Makrokosmos und im Mikrokosmos der Seele des Johannes. Das ist seine Initiation. Wie Maria zum Beispiel zu ihm selber steht, so steht ein wichtiges Glied seiner Seele zu einem anderen Glied der Seele. Das sind absolute Kongruenzen, streng durchgeführt. Was äußerliche Handlung ist, ist in Johannes innerlicher Entwickelungsvorgang. Es will da geschehen, was der Hierophant ausdrückt im dritten Bild:
Let us now put ourselves into the Sun Temple. There are various persons standing in the places they belong to karmically, just as their karmas have brought them together in life. But when we think of Johannes here in the middle and think, too, that all the other characters are mirrored in his soul, each character as one of his soul qualities—what is happening there if we can accept it as reality? Karma has actually brought these persons together as in a focal point. Nothing is without intention, plan, or reason; what the single individualities have done not only has meaning for each one himself, but each is also a soul experience for Johannes Thomasius. Everything is happening twice: once in the macrocosm, a second time in the microcosm, in the soul of Johannes. This is his initiation. Just as Maria, for example, has a special connection with him, so, too, there is an important part of his soul with a similar connection to another part of his soul. Those are absolute correspondences, embodied in the drama uncompromisingly. What one sees as outer stage- happening is, in Johannes, an inner happening in his development. There has to come about what the Hierophant has described in Scene Three:
Es formt sich hier in diesem Kreise
Ein Knoten aus den Fäden,
Die Karma spinnt im Weltenwerden.
There forms itself within this circle
a knot out of the threads
which karma spins in world becoming.
[ 49 ] Er hat sich geformt. Und dieser so recht geschürzte Knoten zeigt, wozu alles führt. Auf der einen Seite absolute Realität, wie Karma spinnt, aber nicht ein zweckloses Spinnen. Wir haben den: Knoten als den Initiationsvorgang in der Seele des Johannes, und wir haben das Ganze so, daß doch noch eine menschliche Individualität steht über all diesen Menschen: der Hierophant, der eingreift, der die Fäden lenkt. Wir brauchen nur an den Hierophanten und sein Verhältnis zu Maria zu denken.
It has already formed itself, and this truly entangled knot shows what everything is leading toward. There is absolute reality as to how karma spins its threads; it is not an aimless spinning. We experience the knot as the initiation event in Johannes' soul, and the whole scene shows us a certain individuality actually standing above the others, that is, the Hierophant, who is directing, who is guiding the threads. We need only think of the Hierophant's relationship to Maria.
[ 50 ] Aber gerade daran können wir ersehen, daß dieser Vorgang etwas ist, was Selbsterkenntnis erleuchten kann, an dieser Stelle im dritten Bild. Ein Spaß ist dieses Heraussteigen aus dem Selbst nicht. Ein ganz realer Vorgang ist es, ein Verlassenwerden der menschlichen Hüllen von der inneren Kraft. Dann bleiben diese menschlichen Hüllen übrig und werden ein Kampfplatz für untergeordnete Mächte. Wo Maria den Strahl der Liebe zum Hierophanten herunterschickt, das kann nicht anders dargestellt werden als: Da unten der Leib, der ergriffen wird von der Macht des Widersachers und das Gegenteil sagt von dem, was da oben vorgeht. Da oben strahlt ein Strahl der Liebe herunter, da unten entsteht ein Fluch. Das sind die kontrastierenden Szenen: Im Devachan, wo Maria schildert, was sie wirklich getan hat, und im dritten Bild, wo sich unten beim Verlassen des Leibes das Fluchen der dämonischen Mächte gegen den Hierophanten abspielt. Da haben wir zwei sich ergänzende Bilder. Es würde wirklich ganz schlimm werden, wenn man sie erst so konstruieren müßte.
But it is just there that we can realize how self- knowledge can illuminate what happens to Maria in Scene Three. It is not at all pleasant, this emerging out of the Self. It is a thoroughly real experience, a forsaking of the human sheaths by our inner power; the sheaths left behind become then a battleground for inferior powers. When Maria sends down a ray of love to the Hierophant, it can only be portrayed in this way: down below, the physical body, taken over by the power of the adversary, speaks out the antithesis of what is happening above. From above a ray of love streams down, and below arises a curse. Those are the contrasting scenes: Scene Seven inDevachan, where Maria describes what she has actually brought about, and Scene Three, where, from the deserted body, the curses of the demonic forces are directed toward the Hierophant. Those are the two corresponding scenes. They complete each other. If they had had to be “constructed” theoretically from the beginning, the end result would have been incredibly poor.
[ 51 ] So habe ich dem heutigen Vortrag eine Seite dieses Mysteriendramas zugrunde gelegt, und ich hoffe, daß wir gerade daran einige besondere Charakteristika anknüpfen konnten, wie sie der Initiation zugrunde liegen.
I therefore have based today's lecture on one aspect of this Mystery Drama, and I should like to extend this to include certain special characteristics that underlie initiation.
[ 52 ] Es darf der Umstand, daß manches scharf betont werden mußte, wenn wirkliche Vorgänge der Einweihung dargestellt werden sollen, Sie nicht mutlos, kleinmütig machen gegenüber dem Streben nach der geistigen Welt. Die Schilderung der Gefahren hat nur den Zweck, den Menschen zu stählen gegenüber den Gewalten. Die Gefahren sind da, die Schmerzen und Leiden stehen uns bevor. Es wäre wahrhaftig ein schlechtes Streben, wenn wir nur sozusagen in der bequemsten Weise hinaufrücken wollten in die höheren Welten. So bequem, wie in modernen Eisenbahnzügen sich hinrollen zu lassen, wie die äußere materielle Kultur es in bezug auf das äußere Leben macht, läßt es sich noch nicht machen in bezug auf das Erreichen der geistigen Welten. Nicht mutlos machen soll das hier Geschilderte, sondern gerade durch das Sich-Bekanntmachen in gewisser Weise mit den Gefahren der Initiation soll der Mut gestählt werden.
Although it has been necessary to bring out rather sharply what has just been shown as the actual events of initiation, it should not let you lose courage or resolve in your own striving toward the spiritual world. The description of dangers was aimed at strengthening a person against powerful forces. The dangers are there; pain and sorrow are the prospect. It would be a poor sort of effort if we proposed to rise into higher worlds in the most convenient way. Striving to reach the spiritual worlds cannot yet be as convenient as rolling over the miles in a modern train, one of those many conveniences our materialistic culture has put into our everyday lives. What has been described should not make us timid; to a certain extent the very encounter with the dangers of initiation should steel our courage.
[ 53 ] Gerade wie bei Johannes 'Thomasius, den seine Neigung unfähig gemacht hat, den Pinsel zu führen, sich das umsetzt in Schmerz, dann aber Schmerz in Erkenntnis, so wird alles, was Leid und Schmerz erregt, sich in Erkenntnis umsetzen. Wir müssen diesen Weg aber ernsthaft suchen. Dies können wir nur, wenn wir einmal versuchen, uns vor Augen zu führen, daß doch die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten nicht so einfach sind. So tiefe Lebenswahrheiten sind das, daß man niemals fertig werden kann damit, sie. genau. zu fassen. Gerade das Beispiel im Leben gestattet uns, die Welt zu erfassen, und noch viel genauer kann man sprechen über die Bedingungen der Entwickelung, wenn man die Entwickelung des Johannes darstellt, als wenn man überhaupt die Entwickelung eines Menschen darstellt. In dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist die Entwickelung dargestellt, wie sie bei jedem Menschen sein kann, also einzig die Möglichkeit, wie sie real sein kann. Wenn man Johannes 'Thomasius darstellt, schildert man einen einzelnen Menschen. Aber dadurch beraubt man sich der Möglichkeit, die Entwickelung im allgemeinen zu schildern.
Johannes Thomasius' disposition made him unable to continue painting; this grew into pain, and the pain grew into perception. So, it is that everything that arouses pain and sorrow will transform itself into perception. But we have to search earnestly for this path, and our search will be possible only when we realize that the truths of spiritual science are not at all simple. They are such profound truths for our whole life that no one will ever understand them perfectly. It is just the single example in actual life that helps us to understand the world. One can speak about the conditions of a spiritual development much more exactly when one describes the development of Johannes, rather than when one describes the development of human beings in general. In the book, Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment,2Rudolf Steiner, Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, Anthroposophic Press, Inc., Spring Valley, NY, reprinted 1983. the development that every human being can undertake is described, simply the concrete possibility as such. When we portray Johannes Thomasius, we look at a single individuality. But therewith we lose the opportunity of describing such development in a general way.
[ 54 ] Ich hoffe, Sie werden möglichst Veranlassung nehmen, zu sagen, daß ich im Grunde genommen die Wahrheit doch noch nicht gesagt habe. Wir haben zwei Extreme und müssen die Abstufungen zwischen beiden finden. Ich kann immer nur einige Anregungen geben. Diese müssen dann weiterleben in den Herzen und Seelen.
I hope you will be induced to say that I have not yet spoken out the essential truth of the matter. For we have described two extremes and must find the various gradations between them. I can give only a few suggestive ideas, which should then begin to live in your hearts and souls.
[ 55 ] In den Anregungen, die ich über das Matthäus-Evangelium gab, habe ich gesagt: Suchen Sie sich nicht zu erinnern an den Wortlaut, sondern suchen Sie, wenn Sie hinausgetreten sind in die Welt, in Herz und Seele zu schauen, was da die Worte geworden sind. Suchen Sie nicht nur zu lesen in Zyklen, sondern auch wirklich ernstlich in Ihrer Seele zu lesen.
When I gave you some indications about the Gospel of St. Matthew,3Rudolf Steiner, The Gospel of St. Matthew, Rudolf Steiner Press, London, 1965. I asked you not to try to remember the very words but to try—when you go out into life—to look into your heart and soul to discover what the words have become. Read not only the printed lectures, but read also in a truly earnest way your own soul.
[ 56 ] Dazu muß aber erst etwas von außen gegeben werden, muß erst etwas hineingegangen sein. Das andere wäre ein Selbstbetrug der Seele. Verstehen Sie das in der Seele zu lesen, und Sie werden sehen, daß, was von außen geklungen hat, in viel anderer Weise noch innen klingen wird. Das würde erst das richtige anthroposophische Bestreben sein, wenn jedesmal das, was gesprochen wird, auf so viele Arten verstanden würde, als Zuhörer da sind.
For this to happen, however, something must have been given from outside, something has first to enter into us; otherwise, there could be self-deception of the soul. If you can begin to read in your soul, you will notice that what comes to you from outside re-echoes quite differently within. A true anthroposophical effort would be first of all to understand what is said in as many different ways as there are listeners.
[ 57 ] Niemals kann derjenige, der über Geisteswissenschaft sprechen will, versuchen, nur auf eine Art verstanden zu sein. Er möchte auf so viele Arten verstanden sein, als Seelen da sind. Anthroposophie verträgt dies schon. Aber eines ist notwendig. Ich sage das nicht, um etwas Nebensächliches zu sagen. Eines ist nötig, daß jede einzelne Art des Verstehens richtig und wahr ist. Individuell kann sie sein, aber wahr muß sie sein. Manchmal besteht das Individuelle der Auffassung darin, daß das Gegenteil dessen, was gesagt wird, aufgefaßt wird.
No one speaking about spiritual science could wish to be understood in only one sense. He would like to be understood in as many ways as there are souls present to understand him. Anthroposophy can tolerate this. One thing is needed, however, and this is not an incidental remark; one thing is needed: every single kind of understanding should be correct and true. Each one may be individual, but it must be true. Sometimes it seems that the uniqueness of the interpretation lies in being just the opposite of what has been said.
[ 58 ] So müssen wir uns, wenn wir von Selbsterkenntnis sprechen, auch das vor Augen führen, daß es nützlicher ist, so zu sprechen, daß wir die Fehler in uns und das Wahre außer uns suchen.
When then we speak of self-knowledge, we should realize how much more useful it is to come to it by looking for mistakes within ourselves and for the truth outside.
[ 59 ] Es wird nicht gesagt: Suche in dir selbst das Wahre! - Das Wahre findet man in der Tat draußen. Man findet, daß es ausgegossen ist in die Welt. Wir müssen durch Selbsterkenntnis von uns frei werden, müssen durch solche Seelenstadien durchgehen. Einsamkeit kann ein ganz schlechter Gesellschafter sein. Aber wir können auch unsere ganze Schwäche fühlen, wenn wir die Größe des Kosmos, aus dem wir geboren sind, in unserer Seele nachfühlen. Dann aber fassen wir Mut. Erkühnen wir uns, das, was wir erkennen, zu erleben.
It shall not be said, “Search within yourself for the truth!” Indeed, truth is to be found outside ourselves. We will find it poured out over the world. Through self- knowledge we must become free of ourselves and undergo those various gradations of soul experience. Loneliness can become a horrid companion. We can also perceive our terrible weakness when we sense with our feelings the greatness of the cosmos out of which we have been born. But then through this we take courage. And we can make ourselves courageous enough to experience what we perceive.
[ 60 ] Dann werden wir finden, daß in der Tat aus dem Verlust der letzten Zuversicht unseres Lebens heraussprießen wird des Lebens erste und letzte Zuversicht, jene Zuversicht, die uns, indem wir uns im Kosmos wiederfinden, uns selbst überwinden und uns aufs neue finden läßt:
Then we will finally discover that, after the loss of all the certainty we had in life, there will blossom for us the first and last certainty of life, the confidence that finding ourselves in the cosmos allows us to conquer and find ourselves anew.
O Mensch, erlebe die Welt in dir!
Dann hast du dich,
Über dich selbst hinausschreitend,
Erst recht in deinem wahren Selbst gefunden.
O man, experience the world within yourself!
For then—in striding forth beyond your self—
You will find yourself at last
Within you own true Self.
[ 61 ] Fühlen wir diese Worte als Erlebnisse, dann werden sie uns Etappen der Entwickelung.
Let us feel these words as genuine experience. They will gradually become for us steps in our development.
