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Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140

13 May 1913, Strasburg

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18. Das Leben nach dem Tode

18. Life After Death

[ 1 ] Die ganze Bedeutung und Aufgabe der spirituellen Weltanschauung tritt uns entgegen, wenn wir das Leben des Menschen in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ins Auge fassen. Es gibt Menschen, besonders in unserer materialistischen Zeit gibt es viele solcher Menschen, die sagen: Warum sollte der Mensch sich eigentlich kümmern um das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt oder — wenn sie nicht von wiederholten Erdenleben sprechen wollen — um das Leben, das nach dem Tode liegt, denn wir können ja warten, bis der Tod eingetreten sein wird, und werden dann schon sehen, was auf den Tod folgt. Das sagen diejenigen Menschen in der Gegenwart, die noch nicht ganz die Empfindung für die geistige Welt verloren haben, aber doch nicht die nötige Seelenstärke haben, um sich Begriffe und Empfindungen von der übersinnlichen Welt verschaffen zu können. Solche Menschen sagen: Wir tun hier auf Erden unsere Pflicht, dann werden wir schon in entsprechender Weise erleben können, was uns nach dem Tod erwartet.

[ 1 ] The full significance and purpose of the spiritual worldview becomes clear to us when we consider human life in the period between death and a new birth. There are people—especially in our materialistic age, there are many such people—who say: Why should a person actually concern themselves with the life between death and a new birth, or—if they do not wish to speak of repeated earthly lives—with the life that lies beyond death, for we can simply wait until death has occurred, and then we will see what follows. This is what people today say who have not yet completely lost their sense of the spiritual world, but who lack the necessary strength of soul to form concepts and impressions of the supersensible world. Such people say: We do our duty here on earth, and then we will be able to experience in an appropriate way what awaits us after death.

[ 2 ] Nun zeigt ein wirkliches Verhältnis zu dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt uns aber so recht, wie falsch eine solche Auffassung ist und wie wichtig es für die Menschen im physisch-sinnlichen Dasein ist, in diesem Leben schon einen Zusammenhang zu haben mit den Lebensformen, die der Mensch zu durchleben hat zwischen Tod und neuer Geburt.

[ 2 ] However, a genuine understanding of the life between death and a new birth clearly shows us just how mistaken such a view is, and how important it is for people in their physical, sensory existence to already have a connection in this life with the forms of life that a human being must experience between death and a new birth.

[ 3 ] Es ist sehr schwierig, in Worten, die unserer gewöhnlichen Sprache entnommen sind, über dieses Leben zu sprechen, denn diese Worte sind ja für diejenige Welt gebildet, die zwischen Geburt und Tod verläuft, und beziehen sich auf die Dinge dieser Welt. Deshalb können wir in der Regel nur mehr oder weniger indirekt andeuten dasjenige, was sich zwischen Tod und neuer Geburt abspielt, was ja in seinem Wesen so verschieden ist von allem, was wir hier erleben können zwischen der Geburt und dem Tode. Man muß sich vorstellen, daß alles, was der Mensch hier in der sinnlichen Welt wahrnimmt, was gewissermaßen seine Welt ist, nicht seine Welt sein kann nach dem Tode, denn es fehlen ihm dann die Organe des physisch-sinnlichen Daseins. Auch der Verstand, der an das menschliche Gehirn gebunden ist, hört mit dem Tode auf. Nur gewissermaßen in scheuer Weise können wir uns heranwagen an die Schilderung eines Lebens, das so ganz anders ist als das Leben hier auf Erden, und in gewissem Sinne sind die Worte des gewöhnlichen Lebens nur vergleichsweise zu gebrauchen. Aber die Geisteswissenschaft lehrt uns die Worte auch auf das Spirituelle zu beziehen und nimmt mit den Worten etwas auf, was sich auch ausgießen kann über das Verständnis der übersinnlichen Welt.

[ 3 ] It is very difficult to speak about this life using words drawn from our everyday language, for these words were created for the world that exists between birth and death and refer to the things of this world. That is why, as a rule, we can only more or less indirectly hint at what takes place between death and a new birth—which is, in its very nature, so different from everything we can experience here between birth and death. One must create a mental image of a world in which everything a person perceives here in the sensory world—which is, in a sense, their world—cannot be their world after death, for they will then lack the organs of physical-sensory existence. The intellect, too, which is bound to the human brain, ceases with death. Only in a somewhat tentative way can we venture to describe a life that is so entirely different from life here on earth, and in a certain sense, the words of ordinary life can only be used comparatively. But Spiritual Science teaches us to apply these words to the spiritual realm as well, and through these words captures something that can also shed light on our understanding of the supersensible world.

[ 4 ] Hier in der physischen Welt bezeichnen wir als den Menschen dasjenige Physische, was innerhalb der Haut eingeschlossen ist, das übrige betrachten wir als unsere Umgebung. Was der Mensch erlebt, hängt ab von den Funktionen der Sinnesorgane, auch von Herz, Lungen und so weiter. Das alles verschwindet aber auf dem Wege, den wir gehen zwischen Tod und neuer Geburt. Unser seelisch-geistiger Teil ist während des Erdenlebens gleichsam eingebettet in unseren physischen Leib, und jener lebt von den Tätigkeiten der genannten Organe. Nach dem Tode vergrößert sich dasjenige, was den physischen und den Ätherleib verläßt, immer mehr und mehr, und es kommt eine Zeit, in der das, was sonst an die Grenze unserer Haut gebunden ist, sich so weit ausbreitet, daß es den ganzen Umkreis der Mondbahn erfüllt. Dann wächst das Geistig-Seelische allmählich bis zur Merkur-, Venus-Sphäre, dann zur Mars-, Jupiter-, Saturnsphäre heran und sogar darüber hinaus in den Weltenraum hinein. Nachher zieht es sich wieder zusammen und verbindet sich als kleiner Geistkeim mit dem Strom der Vererbungskräfte, die ihm den physischen Leib durch Vater und Mutter zubereiten. Diese Schilderung stimmt überein mit dem, was in der «Theosophie» geschrieben ist; bei der Mars-Sphäre beginnt das Geisterland.

[ 4 ] Here in the physical world, we refer to the physical aspect enclosed within the skin as the human being; we regard everything else as our surroundings. What a person experiences depends on the functions of the sense organs, as well as the heart, lungs, and so on. However, all of this disappears on the path we take between death and rebirth. During our earthly life, our soul-spiritual part is, as it were, embedded in our physical body, and that body lives through the activities of the aforementioned organs. After death, that which leaves the physical and etheric bodies expands more and more, and a time comes when what is otherwise bound to the boundary of our skin spreads so far that it fills the entire orbit of the Moon. Then the spiritual-soul aspect gradually grows to the sphere of Mercury and Venus, then to the sphere of Mars, Jupiter, and Saturn, and even beyond into outer space. Afterward, it contracts again and connects as a small spiritual germ with the stream of hereditary forces that prepare the physical body for it through the father and mother. This description corresponds to what is written in “Theosophy”; the realm of the spirits begins at the sphere of Mars.

[ 5 ] Aus dem Gesagten folgt schon, daß alle Menschen, die durch die Pforte des Todes gehen, in denselben kosmischen Raum hineinwachsen, so daß wir also nach dem Tode gewissermaßen alle ineinanderstecken. Dennoch sind die toten Menschen nicht alle zusammen, denn das Zusammensein hängt nach dem Tode von etwas ganz anderem ab als hier auf Erden. In der geistigen Welt sind wir zwar räumlich alle beisammen, können aber in Wirklichkeit nur zusammensein, wenn wir geistige Beziehungen zu anderen Menschen haben. Nehmen wir als einen extremen Fall einmal einen Menschen an, der auf Erden ganz und gar sowohl in seinen Gedanken wie auch in seinen Empfindungen die geistige Welt verleugnet hat. Nun gibt es zwar viele theoretische Materialisten, die die geistige Welt leugnen, die aber doch mit ihren Empfindungen irgendwie mit der geistigen Welt zusammenhängen. Solche Menschen, die ganz und gar die geistige Welt verleugnen, gibt es also in Wirklichkeit kaum, und das Furchtbare, was jetzt beschrieben werden soll, tritt daher nie so ganz ein. Nehmen wir an, zwei solcher Menschen sterben, die sich hier auf Erden gut gekannt haben. Dann werden sie nach dem Tode in demselben Raum darinnen sein, aber nichts voneinander wissen, denn für die Welt nach dem Tode ist die Empfindung für das Geistige entsprechend dem, was hier zum Beispiel die Augen sind. Ohne Augen kein Licht — ohne Empfindung für das Spirituelle keine Wahrnehmung der geistigen Welt. Sogar ein noch schrecklicheres Schicksal als das Nichtwahrnehmen der geistigen Welt würde solchen Menschen bevorstehen, denn da die Seelen, die durch die Pforte des Todes gehen, selber geistiger Natur sind, würde eine solche Seele überhaupt nichts von Menschenseelen wahrnehmen können; wie ein gähnender Abgrund würde es sich um solche Menschenseelen ausbreiten. Man könnte fragen: Was nimmt ein solcher Mensch nach dem Tode denn überhaupt wahr? Auch nicht sich selbst, so wie er nach dem Tode ist, kann er wahrnehmen, denn das klare Selbstbewußtsein fehlt ihm. Was ihm noch bleibt, das wird sich uns aus dem Folgenden ergeben.

[ 5 ] It follows from what has been said that all people who pass through the gate of death enter the same cosmic space, so that after death we are, in a sense, all intertwined. Nevertheless, the dead are not all together, for being together after death depends on something quite different than it does here on Earth. In the spiritual world, we are indeed all together spatially, but in reality we can only be together if we have spiritual relationships with other people. Let us take as an extreme case a person who, on earth, completely denied the spiritual world in both their thoughts and their feelings. Now, there are indeed many theoretical materialists who deny the spiritual world, yet whose feelings are somehow connected to it. Such people who completely deny the spiritual world hardly exist in reality, and the terrible scenario that is about to be described therefore never fully comes to pass. Let us suppose that two such people die who knew each other well here on Earth. Then, after death, they will be in the same space there, but will know nothing of one another, for in the world after death, the sense of the spiritual corresponds to what, for example, the eyes are here. Without eyes, no light—without a sense of the spiritual, no perception of the spiritual world. An even more terrible fate than the failure to perceive the spiritual world would await such people, for since the souls that pass through the gate of death are themselves of a spiritual nature, such a soul would be unable to perceive anything at all of human souls; it would spread out around such human souls like a yawning abyss. One might ask: What does such a person perceive at all after death? Nor can he perceive himself as he is after death, for he lacks clear self-awareness. What remains for him will become clear to us from what follows.

[ 6 ] Hier auf Erden stehen wir sozusagen auf einem Punkt der Erdoberfläche da und haben unsere Organe in uns, während wir die Himmelskörper außer uns haben. Nach dem Tode ist es gerade umgekehrt. Der Mensch wächst dann zu einer kosmischen Größe. Wenn er bis zur Mondsphäre gewachsen ist, dann wird der Mond, das Geistige, was zum Monde gehört, ein Organ in ihm und wird dasselbe für ihn nach dem Tode, was hier auf Erden das Gehirn für uns als physische Menschen ist. So wird jeder Planetenkörper ein Organ für uns nach dem Tode, je nachdem wir zu ihm hinwachsen. Es wird die Sonne für uns zum Herzen. So wie wir hier das physische Herz in uns tragen, tragen wir dann den geistigen Teil der Sonne in uns. Der Unterschied besteht nur darin, daß wir hier als physische Menschen erst dann vollkommene Menschen sind, wenn wir nach der Embryonalentwickelung schon gleich all unsere Organe ausgebildet haben; sie sind sozusagen alle gleichzeitig da. Nach dem Tode erhalten wir diese Organe allmählich, eins nach dem anderen. In dieser Hinsicht sind wir, äußerlich betrachtet, dann ganz ähnlich einem Pflanzenwesen, das auch seine Organe nacheinander ausbildet. Ein Organ zum Beispiel, das sich vergleichen läßt mit unseren Lungen und unserem Kehlkopf, erhalten wir auf dem Mars und so weiter.

[ 6 ] Here on Earth, we stand, so to speak, at a single point on the Earth’s surface and have our organs within us, while the celestial bodies are outside of us. After death, it is exactly the opposite. The human being then grows to a cosmic magnitude. When he has grown to the sphere of the Moon, the Moon—the spiritual aspect that belongs to the Moon—becomes an organ within him and becomes for him after death what the brain is for us here on Earth as physical human beings. Thus, every planetary body becomes an organ for us after death, depending on how we grow toward it. The Sun becomes our heart. Just as we carry the physical heart within us here, we then carry the spiritual part of the Sun within us. The only difference is that here, as physical human beings, we are only fully human once we have already developed all our organs following embryonic development; they are all present, so to speak, at the same time. After death, we receive these organs gradually, one after the other. In this respect, viewed from the outside, we are then quite similar to a plant being, which also develops its organs one after the other. An organ, for example, that can be compared to our lungs and our larynx, we receive on Mars, and so on.

[ 7 ] Nach dem Tode wachsen wir so hinein in dasjenige, wovon wir hier den physischen Teil abgelegt haben, und der geistige Teil der kosmischen Organe ist dann in uns. Was ist dann also für uns eine Außenwelt? Dasjenige, was jetzt unsere Innenwelt ist, dasjenige, was wir mit Hilfe unserer Organe erleben, die uns zum physischen Erdenmenschen machen, und was wir mit Hilfe dieser Organe getan haben.

[ 7 ] After death, we grow into that which we have shed here in its physical aspect, and the spiritual aspect of the cosmic organs is then within us. What, then, is the external world for us? That which is now our inner world, that which we experience with the help of our organs—which make us physical human beings on Earth—and what we have done with the help of these organs.

[ 8 ] Nehmen wir noch einmal jenen extremen Fall von einem Menschen, der ganz und gar keine Beziehungen mit der geistigen Welt angeknüpft hat. Für ihn ist nach dem Tode seine Außenwelt dasjenige, was er auf Erden vermöge seiner physischen Organe erlebt hat. Für solch einen radikalen Atheisten bleibt die Welt nach dem Tode ganz ohne Menschenseelen, und er muß zurückschauen auf sein Erdenleben, auf das, was seine Welt war, was er umfaßt hat mit seinen Taten und Erlebnissen. Das ist dann seine Außenwelt: nichts anderes als das, was ihm als Erinnerung bleibt von dem Leben zwischen Geburt und Tod, und das ist keine ausreichende Welt für die Erlebnisse, die der Mensch braucht im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. In dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, wenn der Mensch außerhalb seiner Haut ist, sieht nämlich das Leben zwischen Geburt und Tod ganz anders aus. Hier auf Erden stehen wir zum Beispiel einem Menschen gegenüber, gegen den wir Antipathie haben, mit dem wir Streit gehabt haben, dem wit Beleidigungen und Schmerzen bereitet haben. Wir stecken im Affekt darinnen in bezug auf einen solchen Menschen; wir würden das nicht tun, wenn uns nicht in gewissem Sinne doch wohl wäre bei einer solchen Tat. Vielleicht hat man etwas Reue darüber, dann vergißt man es wieder. Nach dem Tode trifft man diesen Menschen wieder, aber man hat dann das Gegenteil der Befriedigung von dem Erlebnis. Man empfindet dann dieses: Hätten wir das nicht getan, so wären wir vollkommenere Menschen gewesen, also ist unsere Seele in diesem Punkte unvollkommen. — Diese Unvollkommenheit ist der Seele geblieben und muß ihr so lange bleiben, bis die Tat ausgeglichen ist. Wir schauen weniger die Tat als den Makel in unserer Seele: der muß ausgelöscht werden. Das fühlen wir als eine Kraft in uns, die uns führt, eine Gelegenheit zu suchen, um die Tat wieder auszulöschen. Bei einer antispirituellen Seele würde noch dieses dazukommen, daß sie fühlt: Von der Seele, der ich unrecht getan habe, bin ich geschieden; ich muß warten, bis ich ihr wieder einmal begegne, um den Flecken auszuwischen. — Als Empfindung des notwendigen Karma ergibt sich der Rückblick auf das vorige Leben. Mahnend steht das Akasha-Chronik-Bild der anderen Seele vor uns; in lauter solchen Akasha-Chronik-Bildern leben wir dann.

[ 8 ] Let us consider once again that extreme case of a person who has established absolutely no connection with the spiritual world. For such a person, the external world after death is what they experienced on earth through their physical senses. For such a radical atheist, the world after death remains entirely devoid of human souls, and they must look back on their earthly life—on what constituted their world, on what they encompassed through their deeds and experiences. That is then his external world: nothing other than what remains to him as a memory of the life between birth and death, and that is not a sufficient world for the experiences that a person needs in the life between death and new birth. In the life between death and new birth, when a person is outside their own body, the life between birth and death looks quite different. Here on earth, for example, we face a person toward whom we feel antipathy, with whom we have quarreled, whom we have caused to suffer insults and pain. We are caught up in emotion regarding such a person; we would not do this if, in a certain sense, we did not actually feel a sense of satisfaction from such an act. Perhaps one feels some remorse about it, then forgets it again. After death, one meets this person again, but one then derives the opposite of satisfaction from the experience. One then feels this: Had we not done that, we would have been more perfect human beings; thus, our soul is imperfect in this regard. — This imperfection has remained with the soul and must remain with it until the deed is balanced out. We look less at the deed than at the blemish in our soul: that must be erased. We feel this as a force within us that guides us to seek an opportunity to erase the deed once more. In the case of an anti-spiritual soul, this would be compounded by the feeling: I am separated from the soul to whom I have done wrong; I must wait until I meet it again to wipe away the stain.” — As a sense of necessary karma, the recollection of the previous life arises. The Akashic Record image of the other soul stands before us as a warning; we then live amidst such Akashic Record images.

[ 9 ] Solche extreme Fälle gibt es nun aber eigentlich nicht. Der Seher, der mit den Seelen der Gestorbenen in Verbindung tritt, kann folgende Erfahrung haben. Er finder eine ihm bekannte Seele, die aus einem männlichen Leibe in den Tod gegangen ist, Weib und Kind zurückgelassen hat. Die Seele sagt ihm: Ich habe Weib und Kinder zurückgelassen, mit denen ich zusammenlebte. Jetzt habe ich nur die Bilder von dem, was wir zusammen erlebt haben. Die Meinen sind auf Erden, wo ich sie aber nicht sehen kann. Ich fühle mich von ihnen getrennt — ja, vielleicht ist auch schon einer von ihnen gestorben, und den kann ich auch nicht finden. — Das ist der Jammer der Seele, die in einer Umgebung gelebt hat, die keinen Umgang pflegte mit dem geistigen Leben. Darum bleiben diese Seelen im Dunklen mit Bezug auf die geistige Welt, und sie können von der geistigen Welt aus nicht gesehen werden.

[ 9 ] However, such extreme cases do not actually exist. The seer who communicates with the souls of the deceased may have the following experience. He encounters a soul he knows who has passed away from a male body, leaving behind a wife and child. The soul tells him: I have left behind a wife and children with whom I lived. Now I have only the images of what we experienced together. My loved ones are on Earth, but I cannot see them there. I feel separated from them—yes, perhaps one of them has already died, and I cannot find that one either. —This is the sorrow of the soul who lived in an environment that had no connection with spiritual life. That is why these souls remain in darkness with regard to the spiritual world, and they cannot be seen from the spiritual world.

[ 10 ] Wenn der Seher dagegen Seelen aufsucht, die in der physischen Welt andere Seelen zurückgelassen haben, die hier auf Erden das geistige Leben pflegen, wie zum Beispiel die Geisteswissenschaft, dann findet er, daß diese Seelen nach dem Tode solche anderen Seelen wahrnehmen und mit ihnen Umgang haben können im Leben nach dem Tode. — Die sogenannten Toten brauchen die Lebenden, denn sonst würden sie nichts anderes auf Erden schauen können als sich selbst, das heißt ihr eigenes abgelaufenes Leben. Darauf beruht die Wohltat, die wir den gestorbenen Seelen erweisen können, wenn wir ihnen geistig vorlesen — nicht laut, sondern in Gedanken, während wir zugleich die Toten in Gedanken vor uns haben. Wir können in dieser Weise verschiedenen Toten zu gleicher Zeit vorlesen, sei es mit oder ohne Buch, und ihnen damit eine große Wohltat erweisen. Die Gedanken aber müssen auf etwas Geistiges Bezug haben; anderes hat für den Toten keine Bedeutung. Durch diese Gedanken schaffen wir dem Toten eine Außenwelt, etwas, was er wahrnimmt. Chemische Gesetze und so weiter zu denken hat gar keinen Sinn, da diese Gesetze keine Bedeutung haben für die geistige Welt.

[ 10 ] When, on the other hand, the seer seeks out souls who have left behind other souls in the physical world—souls who here on earth cultivate spiritual life, such as through Spiritual Science—he finds that these souls are able to perceive such other souls after death and interact with them in the life after death. — The so-called dead need the living, for otherwise they would be able to see nothing on earth but themselves—that is, their own past lives. This is the basis of the benefit we can bestow upon departed souls when we read to them spiritually—not aloud, but in thought, while at the same time keeping the dead in mind before us. In this way, we can read to various deceased individuals at the same time, whether with or without a book, and thereby do them a great service. But the thoughts must relate to something spiritual; nothing else has any meaning for the deceased. Through these thoughts, we create an external world for the deceased, something they can perceive. Thinking about chemical laws and the like makes no sense at all, since these laws have no meaning for the spiritual world.

[ 11 ] Man kann auch nicht nach dem Tode in der geistigen Welt noch Geisteswissenschaft lernen, wie man vielleicht glauben könnte, weil Geisteswissenschaft doch geistige Gedanken enthalte. Seelen, die hier schon etwas von Geisteswissenschaft gehört haben, können wir große Dienste erweisen, indem wir ihnen Zyklen vorlesen. Solche Seelen sind zwar imstande, eine geistige Welt wahrzunehmen, aber sie können deshalb doch nicht die Begriffe und Ideen bilden, die nur hier erlangt werden können.

[ 11 ] One cannot study Spiritual Science in the spiritual world after death, as one might perhaps believe, simply because Spiritual Science does indeed contain spiritual thoughts. We can be of great service to souls who have already heard something about Spiritual Science here by reading cycles to them. Although such souls are capable of perceiving a spiritual world, they cannot therefore form the concepts and ideas that can only be acquired here.

[ 12 ] Nehmen wir ein Beispiel. Es gibt Wesenheiten, die man Bodhisattvas nennt, hohe, vorgerückte menschliche Wesenheiten, die sich immer wieder auf Erden verkörpern, bis sie zum Buddha-Dasein aufgestiegen sind. Solange ein Bodhisattva in seinem physischen Leibe ist, lebt er als Mensch unter Menschen, als geistiger Wohltäter der Menschen. Aber schon hier auf Erden hat er eine besondere Aufgabe, nicht nur die in Leibern Lebenden zu lehren, sondern er lehrt auch die Toten, ja auch sogar Wesenheiten der höheren Hierarchien. Das rührt davon her, daß der Inhalt der irdischen Theosophie nur auf Erden erlangt werden kann, in einem physischen Leibe. Dann kann sie in der geistigen Welt gebraucht werden, aber erworben muß sie werden in einem physischen Leibe. Nur ausnahmsweise können Bodhisattvas andere Wesen nach dem Tode weiterbringen, die schon hier den Funken des geistigen Lebens aufgenommen haben. Durch die geistige Welt selber entsteht nicht Theosophie; sie entsteht nur auf Erden und kann dann durch die Menschen in die geistige Welt hinaufgetragen werden. Das ist zu verstehen, wenn man bedenkt, daß zum Beispiel die Tiere alles auf Erden schauen so wie die Menschen, aber es nicht verstehen können. So können die übersinnlichen Wesen die übersinnliche Welt nur schauen, aber nicht verstehen. Begriffe und Ideen von der übersinnlichen Welt können nur auf Erden entstehen und strahlen von dort wie ein Licht auf die geistige Welt aus. Daraus versteht man so recht die Bedeutung der Erde. Sie ist nicht bloß eine Durchgangsstufe oder ein Jammertal, sondern sie ist da, damit hier ein geistiges Wissen entwickelt werden kann, das dann hinaufgetragen werden kann in die geistigen Welten.

[ 12 ] Let us take an example. There are beings called Bodhisattvas, high, advanced human beings who incarnate on Earth time and again until they have ascended to Buddhahood. As long as a Bodhisattva is in his physical body, he lives as a human among humans, as a spiritual benefactor to humanity. But even here on Earth, he has a special task: not only to teach those living in physical bodies, but also to teach the dead, and even beings of the higher hierarchies. This stems from the fact that the content of earthly theosophy can only be attained on Earth, in a physical body. It can then be used in the spiritual world, but it must be acquired in a physical body. Only in exceptional cases can Bodhisattvas help other beings after death who have already received the spark of spiritual life here. Theosophy does not arise from the spiritual world itself; it arises only on Earth and can then be carried up into the spiritual world by human beings. This can be understood when one considers that, for example, animals see everything on Earth just as humans do, but cannot understand it. In the same way, the supersensible beings can only perceive the supersensible world, but cannot understand it. Concepts and ideas of the supersensible world can arise only on Earth and radiate from there like a light into the spiritual world. From this one truly understands the significance of the Earth. It is not merely a transitional stage or a vale of tears, but it exists so that spiritual knowledge may be developed here, which can then be carried upward into the spiritual worlds.