The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146
5 June 1913, Helsinki
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Occult Foundations of the Bhagavad Gita, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] Die Schlußpartien der Bhagavad Gita werden durchströmt von Empfindungen und Gefühlen, die durchdrungen sind von Sattva-, Rajas- und Tamasbegriffen. Es muß in diesen letzten Partien der Bhagavad Gita gleichsam das ganze auffassende Empfinden eingestellt sein darauf, die Dinge, die einem da entgegentreten, im Sinne der Ideen von Rajas, Sattva und Tamas aufzufassen. Im vorigen Vortrage versuchte ich mehr mit Zuhilfenahme von Erlebnissen der Gegenwart diese drei wichtigen Begriffe zu zeichnen. Derjenige freilich, der die Bhagavad Gita vornimmt und sich in all das vertieft, der muß sich klar sein darüber, daß seit jener Zeit, in welcher die Bhagavad Gita entstanden ist, sich die Begriffe etwas verschoben haben. Aber es würde dennoch nicht richtig gewesen sein, rein aus den wörtlichen Übertragungen der Bhagavad Gita die Begriffe Sattva, Rajas, Tamas zu charakterisieren, aus dem einfachen Grunde, weil ja unsere Empfindungen verschieden sind von jenen und man doch nicht sich die ganz anderen Empfindungen aneignen kann. Wenn man so charakterisieren wollte, so würde man doch das Unbekannte durch das Unbekannte charakterisieren.
[ 1 ] The final sections of the Bhagavad Gita are permeated by sentiments and emotions that are imbued with the concepts of sattva, rajas, and tamas. In these final sections of the Bhagavad Gita, one must, as it were, adopt a comprehensive sensibility attuned to perceiving the things one encounters there in terms of the concepts of rajas, sattva, and tamas. In the previous lecture, I attempted to outline these three important concepts more with the aid of contemporary experiences. Of course, anyone who undertakes the study of the Bhagavad Gita and immerses themselves in it must be aware that since the time when the Bhagavad Gita was written, these concepts have shifted somewhat. Nevertheless, it would not have been correct to characterize the concepts of Sattva, Rajas, and Tamas purely on the basis of the literal translations of the Bhagavad Gita, for the simple reason that our perceptions differ from those of the past, and one cannot simply adopt those entirely different perceptions. If one were to attempt such a characterization, one would be characterizing the unknown through the unknown.
[ 2 ] So werden Sie finden, daß in bezug auf das Essen zum Beispiel in der Bhagavad Gita ein wenig verschoben sind die Begriffe, die wir im vorigen Vortrage entwickelt haben, weil alles das, was für den heutigen Menschen von der Pflanzennahrung gilt, für den Inder von jener Nahrung galt, die Krishna die milde sanfte Nahrung nennt, während die Rajasnahrung, die wir als die mineralische Nahrung charakterisierten, wie es für den jetzigen Menschen richtig ist — Salz gibt zum Beispiel den Charakter einer Rajasnahrung —, der Inder zur Bhagavad Gita-Zeit als das Sauere, das Scharfe bezeichnete. Und Tamasnahrung ist für unsere Organisation im wesentlichen die Fleischnahrung. Der Inder bezeichnete damit eine Nahrung, die in unserer Zeit überhaupt nicht recht als Nahrung aufzufassen ist, die allerdings eine gute Vorstellung gibt, wie anders die Menschen damals waren: Der Inder bezeichnete als Tamasnahrung das Faulgewordene, Abgestandene, Stinkende. Für unsere heutige Inkarnation würden wir nicht mehr gut das als Tamasnahrung bezeichnen können, denn die Organisation des Menschen hat sich bis in die Physis hinein verändert.
[ 2 ] Thus, you will find that, with regard to food, for example, the concepts we developed in the previous lecture are somewhat shifted in the Bhagavad Gita, because everything that applies to plant-based food for modern humans applied to that food for the Indians, which Krishna calls the mild, gentle food, whereas the rajasic food—which we characterized as mineral food, as is correct for modern humans—such as salt, which gives the character of rajasic food—was described by the Indians of the Bhagavad Gita era as sour and pungent. And tamasic food is, for our constitution, essentially meat. The Indians used this term to describe food that in our time cannot really be considered food at all, though it does give a good mental image of how different people were back then: the Indians described as tamasic food that which had gone rotten, stale, or stinking. In our present incarnation, we could no longer really call that tamasic food, for the human constitution has changed right down to the physical level.
[ 3 ] So müssen wir gerade zum besseren Verständnis dieser Grundempfindungen der Bhagavad Gita von Sattva, Rajas und Tamas auf unsere Verhältnisse reflektieren. Und wenn wir dann uns einlassen auf dasjenige, was eigentlich Sattva ist, so nehmen wir am besten zunächst den augenfälligsten Begriff von Sattva: Es ist der Mensch ein Sattvamensch, der in unserer Zeit sich hingeben kann einer Erkenntnis, die so eindringlich ist wie eine Erkenntnis des mineralischen Reiches heute. Für den Inder war ein Sattvamensch nicht ein solcher, der diese Art Erkenntnisse hat, sondern einer, der verständnisvoll, klug im gewöhnlichen Sinne, mit Kopf und Herz durch die Welt geht. Jemand, der unbefangen und vorurteilsfrei das aufnimmt, was ihm die Welterscheinungen darbieten, jemand, der so durch die Welt geht, daß er all sein Gehen durch die Welt mit dem verständnisvollen Auffassen dieser Welt begleitet, indem er das Licht der Begriffe und Ideen, das Licht der Gefühle und Empfindungen, das von aller Schönheit und Herrlichkeit der Welt ausgeht, aufnimmt, jemand, der allem Häßlichen der Welt ausweicht, der eben in richtiger Weise sich ausbildet, jemand, der das tut der physischen Welt gegenüber, ist ein Sattvamensch. Auf leblosem Gebiete zum Beispiel ist ein Sattvaeindruck der Eindruck einer nicht zu grellen Fläche, so beleuchtet, daß sie uns unterscheiden läßt die Einzelheiten der Farben in einer richtigen Helligkeit und dabei hellfarbig ist. Eine solche Fläche wäre der Sattvaeindruck von der Außenwelt. Rajaseindruck ist derjenige, wo der Mensch in einer gewissen Weise gehindert ist, durch seine eigenen Emotionen, durch seine Affekte und Triebe, oder auch durch die Sache selber, vollständig in die Sache einzudringen, in das, was er um sich hat, so daß er sich nicht hineinbegibt in den Eindruck, sondern ihm gegenübertritt mit dem, was er ist. Er lernt zum Beispiel das Pflanzenreich kennen: er kann das Pflanzenreich bewundern, aber er bringt seine Emotionen dem Pflanzenreiche entgegen und kann deshalb nicht in die Untergründe des Pflanzenreiches eindringen. Tamas ist da, wenn der Mensch ganz hingegeben ist dem Leben seiner Leiblichkeit, stumpf und apathisch ist demjenigen gegenüber, was um ihn ist, so stumpf und apathisch, wie wir einem anderen Bewußstsein gegenüber hier auf dem physischen Plan sind. Wir wissen nichts von dem Bewußtsein eines Hundes, eines Pferdes, solange wir auf dem physischen Plan verweilen, auch nicht einmal von dem Bewußtsein eines anderen Menschen. Da ist der Mensch im allgemeinen stumpf, da zieht er sich sozusagen in seine eigene Leiblichkeit zurück, da ist er in Tamaseindrücken. Der Mensch muß allmählich so stumpf werden der physischen Welt gegenüber, damit er die geistigen Welten hellsehend aufnehmen kann. So werden sich uns die Begriffe von Sattva, Rajas, Tamas am besten ergeben. In der äußeren Natur wäre ein Rajaseindruck der Eindruck einer mäßig hellen Fläche, nicht in heller Farbe, sondern etwa grün, eine gleichmäßig grüne Nuance. Eine dunkle Fläche mit dunklen Farben wäre ein Tamaseindruck. Da, wo der Mensch in die äußerste Finsternis des Weltenraumes hinausschaut, bringt er es, selbst wenn sich ihm der herrliche Anblick des freien Himmelsgewölbes darbietet, zu nichts anderem als zu der blauen, fast Tamasfarbe. Durchdringen wir uns mit den Empfindungen, die diese Ideenbestimmungen darbieten, dann können wir sie auf alles, was uns umgibt, anwenden, nicht nur in dem einen oder anderen Gebiete. Tatsächlich sind diese Ideen umfassend. Und das bedeutet für den Inder der Bhagavad Gita-Zeit nicht nur ein gewisses Verständnis der Außenwelt selber, sondern auch ein gewisses Beleben des menschlichen Innenkernes: Bescheid zu wissen über die Sattva-, Rajas- und Tamasnatur der Umgebung.
[ 3 ] To better understand these fundamental concepts of Sattva, Rajas, and Tamas in the Bhagavad Gita, we must reflect on how they apply to our own circumstances. And when we then engage with what Sattva actually is, it is best to start with the most obvious definition of Sattva: A Sattva person is one who, in our time, can devote themselves to a realization as vivid as the realization of the mineral kingdom today. For the Indian, a Sattva person was not one who possessed this kind of insight, but rather one who goes through the world with understanding, wise in the ordinary sense, using both head and heart. Someone who takes in, without bias or prejudice, what the phenomena of the world present to him; someone who goes through the world in such a way that he accompanies all his journey through the world with an understanding perception of this world, by taking in the light of concepts and ideas, the light of feelings and sensations, which emanates from all the beauty and splendor of the world; someone who avoids all that is ugly in the world, who educates himself in the right way, someone who does this in relation to the physical world, is a Sattva person. In the inanimate realm, for example, a Sattva impression is the impression of a surface that is not too glaring, illuminated in such a way that it allows us to distinguish the details of the colors in the correct brightness while still being brightly colored. Such a surface would be the Sattva impression of the external world. A Rajas impression is one in which the human being is, in a certain way, hindered—by his own emotions, by his affections and drives, or even by the thing itself—from fully penetrating the thing, into what surrounds him, so that he does not enter into the impression but confronts it with what he is. For example, they become acquainted with the plant kingdom: they can admire the plant kingdom, but they project their emotions onto the plant kingdom and therefore cannot penetrate into the depths of the plant kingdom. Tamas is present when a person is wholly devoted to the life of their physicality, dull and apathetic toward what is around them, as dull and apathetic as we are toward another consciousness here on the physical plane. We know nothing of the consciousness of a dog or a horse as long as we remain on the physical plane, not even of the consciousness of another human being. Here the human being is generally dull; here he withdraws, so to speak, into his own physicality; here he is immersed in Tamasic impressions. Human beings must gradually become so dull toward the physical world that they can perceive the spiritual worlds with clairvoyance. This is how the concepts of Sattva, Rajas, and Tamas will best reveal themselves to us. In the external natural world, a Rajasic impression would be the impression of a moderately bright surface, not in a bright color, but perhaps green, a uniform green hue. A dark surface with dark colors would be a Tamasic impression. When a person looks out into the utter darkness of outer space, even if the magnificent sight of the open sky presents itself to them, they perceive nothing other than the blue, almost Tamasic color. If we immerse ourselves in the sensations these conceptual definitions evoke, we can apply them to everything around us, not just in one or another specific area. In fact, these ideas are comprehensive. And for the Indian of the Bhagavad Gita era, this means not only a certain understanding of the external world itself, but also a certain enlivening of the human inner core: knowing about the Sattva, Rajas, and Tamas nature of the environment.
[ 4 ] Der Inder empfand ungefähr in der folgenden Weise. Durch einen Vergleich will ich das klarmachen: Nehmen wir an, ein einfacher, primitiver Mensch vom Lande sieht um sich herum die Natur, die Schönheit der Morgenröte, die Schönheit der Sonne, der Sterne, all dessen, was er eben sehen kann, aber er denkt nicht darüber nach, er macht sich keine Vorstellungen und Begriffe der Welt; gleichsam im innigsten Einklang mit dem, was ihn umgibt, lebt er dahin. Wenn er anfängt sich zu unterscheiden mit seiner Seele von dem, was ihn umgibt, wenn er anfängt sich als Eigenwesen zu empfinden, dann muß er das dadurch erreichen, daß er durch Vorstellungen von der Umgebung verstehen lernt seine Umgebung, daß er lernt sich abzusondern von der Umgebung. Es ist immer eine Art von Ergreifen der Wirklichkeit des eigenen Wesens, wenn man objektiv die Umgebung hinstellt. Der Inder der Bhagavad Gita-Zeit sagte: Solange man nicht durchschaut Sattva-, Rajas- und Tamaszustände der Umgebung, solange lebt man noch in seiner Umgebung, solange ist man in seinem Eigenwesen nicht selbständig da, solange ist man verbunden mit der Umgebung, solange hat man sich nicht ergriffen in seinem Eigenwesen. Wenn aber einem die Umgebung so objektiv wird, daß man sie überall verfolgt: das ist ein Sattvazustand, das ist ein Rajaszustand, und das ist ein Tamaszustand, dann wird man auch von ihr freier und immer freier und daher selbständiger in seinem Wesen. Daher ist es ein Mittel zum Selbständigwerden, in aller äußeren Natur, in allem, was außerhalb des Geistes und der menschlichen Seele lebt, diese drei Zustände kennenzulernen. Ein Mittel, den Zustand des Selbstbewußtseins herbeizuführen, ist, zu begreifen in allem, was uns umgibt, Sattva, Rajas, Tamas. Und im Grunde genommen kommt es dem Krishna darauf an, frei zu bekommen des Arjuna Seele von dem, was den Arjuna gerade in der entsprechenden Zeit umgibt. «Sieh einmal an», so will Krishna klarmachen, «was da alles lebt auf dem blutigen Schlachtfelde, wo Brüder den Brüdern gegenüberstehen. Du fühlst dich mit alle dem verbunden, verschmolzen und dazugehörig. Lerne erkennen, daß alles, was da draußen ist, sich abspielt in Sattva-, Rajas- und Tamaszuständen. Dadurch wirst du dich davon abheben, unterscheiden, dadurch wirst du wissen, daß du nicht mit deinem höchsten Selbst dazugehörst, dadurch wirst du dein besonderes, von allem abgesondertes Wesen in dir erleben, du wirst den Geist in dir erleben.»
[ 4 ] The Indian felt something like this. Let me illustrate this with a comparison: Suppose a simple, primitive person from the countryside looks around at nature—the beauty of the dawn, the beauty of the sun, the stars, everything he can see—but he does not reflect on it; he does not form mental images or concepts about the world; he lives his life, as it were, in the most intimate harmony with his surroundings. When he begins to distinguish himself with his soul from what surrounds him, when he begins to perceive himself as a separate being, then he must achieve this by learning to understand his surroundings through mental images of them, by learning to separate himself from his surroundings. It is always a kind of grasping of the reality of one’s own being when one objectively sets the surroundings aside. The Indian of the Bhagavad Gita era said: As long as one does not see through the Sattva, Rajas, and Tamas states of the environment, one still lives within one’s environment; one is not yet independent in one’s own being; one remains connected to the environment; one has not yet grasped one’s own being. But when one’s surroundings become so objective that one can discern them everywhere—this is a Sattva state, this is a Rajas state, and this is a Tamas state—then one also becomes freer and ever freer from them, and thus more independent in one’s being. Therefore, it is a means to becoming independent to recognize these three states in all of external nature, in everything that exists outside the mind and the human soul. A means to bring about the state of self-awareness is to perceive Sattva, Rajas, and Tamas in everything that surrounds us. And fundamentally, what matters to Krishna is to free Arjuna’s soul from whatever surrounds Arjuna at that particular moment. “Look,” Krishna wants to make clear, “at everything that lives on that bloody battlefield, where brothers face off against brothers. You feel connected to all of this, merged with it, and part of it. Learn to recognize that everything out there unfolds in states of Sattva, Rajas, and Tamas. Through this, you will set yourself apart from it, distinguish yourself; through this, you will know that you do not belong there with your highest Self; through this, you will experience your unique, separate essence within yourself—you will experience the Spirit within you.”
[ 5 ] Das gehört wieder zu den Schönheiten der kompositionellen Steigerung der Bhagavad Gita, daß wir am Anfange eingeführt werden, um mehr abstrakte Begriffe zu erfahren, daß diese abstrakten Begriffe aber immer lebendiger und lebendiger werden und sich auf den verschiedensten Gebieten in Sattva-, Rajas- und Tamasbegriffen lebendig gestalten, und dann die Absonderung des Seelenwesens von Arjuna sich gleichsam vor unserem geistigen Auge vollzieht. So erklärt Krishna dem Arjuna, man müßte loskommen von alledem, was in diesen drei Zuständen verläuft, loskommen von alledem, worin sonst die Menschen verschlungen und verwoben sind. Sattvamenschen gibt es, die sind mit dem Dasein so verwoben, daß sie an demjenigen hängen, was sie aus der Umwelt ziehen an glückbringender Seligkeit. Diese Sattvamenschen durcheilen die Welt so, daß sie durch ihre glückliche Seligkeit saugen können aus allen Dingen, was sie selig macht. Rajasmenschen sind Menschen, die fleißig sind, Taten tun, aber sie tun diese Taten, weil eine gute Tat oder diese oder jene Tat diese oder jene Folgen hat; sie hängen an den Folgen der Tat, sie hängen an der Tatenlust, das heißt an dem Eindruck, den die Tat macht. Die Tamasmenschen hängen an der Nachlässigkeit, Bequemlichkeit, Faulheit; sie wollen eigentlich nichts tun. — So teilen sich die Menschen, und diejenigen Menschen, die mit ihrem Geiste, mit ihrer Seele verwoben sind in die äußeren Zustände, gehören zu einer dieser Gruppen. Aber du sollst einen Einblick erhalten in das anbrechende Zeitalter des Selbstbewußtseins, du sollst absondern lernen deine Seele, du sollst weder ein Sattvamensch, noch ein Rajasmensch, noch ein Tamasmensch sein. — Dadurch ist der Krishna in der Bhagavad Gita der große Lehrer des menschlichen selbständigen Ich, daß er so vorführt die Absonderung des Ich von den Zuständen der Umgebung. Und auch gewisse Seelenbetätigungen erklärt der Krishna dem Arjuna, nach den Zuständen Sattva, Rajas und Tamas verlaufend. Wenn aber der Mensch seinen Glauben hinauflenkt zu demjenigen, was die schöpferischen Gottwesen der Welt sind, so ist er ein Sattvamensch. Aber gerade in der damaligen Zeit, in welcher die Bhagavad Gita entstand, gab es Menschen, die gewissermaßen gar nichts wußten von den führenden göttlich-geistigen Wesenheiten, die ganz hingen an den sogenannten Naturgeistern, an jenen Geistern, die hinter den unmittelbaren Naturwesenheiten stehen: das sind die Rajasmenschen, die nur bis zu den Naturgeistern kommen. Die Tamasmenschen sind diejenigen, die in ihrer Weltkenntnis kommen zu dem, was man gespenstisch nennen kann, das dem Materiellen in seiner Geistigkeit am nächsten steht.
[ 5 ] This is yet another of the beauties of the Bhagavad Gita’s compositional progression: we are introduced at the beginning to more abstract concepts, but these abstract concepts become increasingly vivid and take on life in the most diverse spheres through the concepts of sattva, rajas, and tamas, and then the separation of Arjuna’s soul takes place, as it were, before our inner eye. Thus Krishna explains to Arjuna that one must detach oneself from all that unfolds within these three states, detach oneself from all that otherwise engulfs and entangles human beings. There are Sattva people who are so interwoven with existence that they cling to the blissful happiness they draw from their surroundings. These Sattva people move through the world in such a way that, through their blissful happiness, they can draw from all things whatever makes them happy. Rajasic people are those who are diligent, who perform actions, but they perform these actions because a good deed or this or that deed has this or that consequence; they cling to the consequences of the deed, they cling to the desire to act, that is, to the impression the deed makes. Tamasic people cling to negligence, comfort, laziness; they actually want to do nothing. — Thus are people divided, and those people whose minds and souls are entangled in external conditions belong to one of these groups. But you are to gain insight into the dawning age of self-awareness; you are to learn to separate your soul; you are to be neither a sattvic person, nor a rajasic person, nor a tamasic person. — Thus, in the Bhagavad Gita, Krishna is the great teacher of the independent human self, demonstrating the separation of the self from the conditions of the environment. And Krishna also explains to Arjuna certain activities of the soul, proceeding according to the states of Sattva, Rajas, and Tamas. But when a person directs his faith upward toward those who are the creative divine beings of the world, he is a Sattva person. But precisely in the time when the Bhagavad Gita was written, there were people who, in a sense, knew nothing at all of the leading divine-spiritual beings, who were entirely attached to the so-called nature spirits, to those spirits that stand behind the immediate natural beings: these are the Rajasic people, who reach only as far as the nature spirits. The Tamasic people are those who, in their understanding of the world, arrive at what might be called the ghostly realm, which stands closest to the material in its spiritual aspect.
[ 6 ] Also auch in bezug auf das religiöse Fühlen sind die Menschen einzuteilen in Sattvamenschen, Rajasmenschen und Tamasmenschen. Wir würden in unserer Zeit sagen können, wenn wir diese Begriffe anwenden wollen auf das religiöse Gefühl: Die zur Anthroposophie strebenden Menschen sind Sattvamenschen — ohne Schmeichelei —. Diejenigen Menschen, welche einem äußeren Glauben anhängen, sind Rajasmenschen. Und die, welche entweder materiell oder spirituell nur Körperhaftes glauben, die Materialisten und Spiritisten, sind Tamasgläubige. Der Spiritist fordert ja nicht geistige Wesenheiten, an die er glauben will. Er will ja gewiß an Geister schon glauben, aber er will nicht zu ihnen heraufgehen, er will, daß sie zu ihm herunterkommen, sie sollen klopfen, weil man Klopfen mit physischen Ohren hören kann, sie sollen in Lichtwolken erscheinen, weil man Lichtwolken mit physischen Augen sehen kann; das heißt, sie sollen nicht geistig, sondern materiell ausgestattet sein. In einer gewissen bewußten Weise sind solche Menschen Tamasmenschen. Das ist ganz im Sinne der Tamasmenschen der Krishnazeit. Es gibt auch unbewußte Tamasmenschen: Das sind diejenigen, die materialistische Denker sind, die ableugnen alles Geistige unserer Zeit. Eine materialistische Versammlung redet sich heute ein, daß sie aus Logik am Materialismus festhält. Das ist aber eine Täuschung. Materialisten sind Leute, die nicht aus logischen Gründen, sondern aus Furcht vor dem Geiste Materialisten sind. Aus Ängstlichkeit vor dem Geiste leugnen sie den Geist, weil eben die Logik der unbewußten Seele sie dazu zwingt, die zwar hinaufdringt, aber nicht durch die Pforte des Geistes schreiten kann. Die Furcht vor dem Geiste ist es, und derjenige, welcher die Wirklichkeit überschaut, sieht in einer materialistischen Versammlung, daß jeder Materialist in den Untergründen seiner Seele Furcht vor dem Geiste hat. Materialismus ist nicht Logik, sondern ist Feigheit gegenüber dem Geiste. Und das, was er ausspinnt, ist nichts anderes als das Opiat, um diese Furcht zu betäuben. In Wirklichkeit sitzt jedem Materialisten Ahriman im Genick, der Bringer der Furcht. Es ist eine groteske, aber eine gründlich ernste Wahrheit, die man, wenn man irgendwo in eine materialistische Versammlung geht, erkennt. Wozu ist eine solche Versammlung in Wahrheit einberufen? Die Maya ist, daß die Leute reden von Weltanschauungen. In Wirklichkeit ist sie da, um Ahriman, um den Teufel wirklich zu beschwören, um Ahriman in ihre Gemächer hineinzulocken.
[ 6 ] Thus, even with regard to religious feeling, human beings can be classified into Sattva-type people, Rajas-type people, and Tamas-type people. In our time, we could say—if we wish to apply these terms to religious feeling— Those who strive toward anthroposophy are Sattva-type people—without flattery. Those who adhere to an external faith are Rajas-type people. And those who believe only in the physical, whether materially or spiritually—the materialists and spiritualists—are Tamas-type believers. The spiritualist does not, after all, demand spiritual beings in whom he wishes to believe. He certainly wants to believe in spirits, but he does not want to ascend to them; he wants them to come down to him—they should knock, because one can hear knocking with physical ears; they should appear in clouds of light, because one can see clouds of light with physical eyes; that is, they should not be spiritual but material in nature. In a certain conscious sense, such people are Tamasic beings. This is entirely in the spirit of the Tamasic people of Krishna’s time. There are also unconscious Tamasic people: these are the materialistic thinkers who deny everything spiritual in our time. A materialistic assembly today convinces itself that it adheres to materialism out of logic. But this is an illusion. Materialists are people who are materialists not for logical reasons, but out of fear of the spirit. Out of fear of the spirit, they deny the spirit, because the logic of the unconscious soul compels them to do so—a logic that pushes upward but cannot pass through the gate of the spirit. It is the fear of the spirit, and anyone who surveys reality can see in a materialist gathering that every materialist harbors a fear of the spirit in the depths of their soul. Materialism is not logic, but cowardice in the face of the spirit. And what it spins out is nothing other than the opiate to numb this fear. In reality, Ahriman, the bringer of fear, sits on the neck of every materialist. It is a grotesque but thoroughly serious truth that one recognizes when one enters a materialistic gathering anywhere. What is the true purpose of such a gathering? The illusion is that people speak of worldviews. In reality, it exists to truly invoke Ahriman, to summon the devil, to lure Ahriman into their chambers.
[ 7 ] Dieselbe Einteilung in bezug auf die Bekenntnisse gibt auch Krishna dem Arjuna, aber auch in bezug auf die Art, sich praktisch im Gebet zu den Göttern zu verhalten. Man kann des Menschen Seelenverfassung immer nach diesen drei Zuständen charakterisieren. Die Sattva-, Rajas- und Tamasmenschen unterscheiden sich ganz beträchtlich in bezug auf die Art, wie sie zu ihren Göttern stehen. Die Tamasmenschen sind diejenigen, welche Priester sind, deren Priestertum aber aus einer Art von Gewohnheit hervorgeht, die ihr Amt haben, aber keinen lebendigen Zusammenhang mit der geistigen Welt, die daher Aum und Aum und Aum wiederholen, weil eben dies zunächst aus der Dumpfheit, aus dem Tamaszustande des Gemütes hervorströmt. Die Aum-Sager, das sind die Tamasmenschen auf dem Gebiete des Gebetes; sie strömen ihr Subjektives aus in dem Aum. Die Rajasmenschen sind diejenigen, welche hinschauen auf die Umwelt und schon eine Empfindung haben, daß diese Umwelt wie etwas zu ihnen selbst Gehöriges werde, daß diese Umwelt als mit ihnen verwandt verehrt werden müsse. Es sind die Menschen des «Tat», die Menschen, die das «Das», das Weltenall als mit sich verwandt anbeten. Die Sattvamenschen sind diejenigen, die einen Blick haben dafür, daß, was im Inneren lebt, eins ist mit dem, was in aller Welt uns umgibt. Es sind die Menschen, die in ihrem Gebet den Sinn des «Sat», des All-Seins haben, des All-Seins und Eins-Seins außen und innen, die den Sinn haben für das Eins-Sein des Ojektiven und Subjektiven. Daß derjenige, der wirklich frei werden will mit seiner Seele, der weder in der einen noch in der anderen Beziehung bloß ein Sattva-, Rajas- oder Tamasmensch sein will, diese Zustände in sich selbst so verwandeln muß, daß er sie wie ein Kleid an sich trägt, aber darüber mit seinem eigentlichen Selbst herauswächst: das ist es, wovon Krishna sagt, daß es erreicht werden muß. Das ist es ja auch, was Krishna anregen muß als der Schöpfer des Selbstbewußtseins.
[ 7 ] Krishna also gives Arjuna this same classification with regard to religious beliefs, but also with regard to the practical way of behaving in prayer toward the gods. One can always characterize a person’s spiritual disposition according to these three states. Sattva, rajas, and tamas individuals differ quite considerably in the way they relate to their gods. The Tamasic people are those who are priests, but whose priesthood arises from a kind of habit; they hold their office but have no living connection with the spiritual world, and therefore repeat “Aum, Aum, Aum,” because this is what first flows forth from the dullness, from the Tamasic state of the mind. The “Aum-sayers” are the Tamasic people in the realm of prayer; they pour out their subjectivity in the Aum. The Rajasic people are those who look upon the environment and already have a sense that this environment is becoming something belonging to them, that this environment must be revered as akin to them. They are the people of “action,” the people who worship the “That,” the universe, as something related to themselves. The Sattva people are those who have an insight into the fact that what lives within is one with what surrounds us in the whole world. They are the people who, in their prayer, have a sense of “Sat,” of the All-Being, of the All-Being and Oneness within and without, who have a sense of the Oneness of the objective and the subjective. That the one who truly wishes to become free with his soul, who does not wish to be merely a Sattva, Rajas, or Tamas person in either sense, must transform these states within himself in such a way that he wears them like a garment, yet outgrows them with his true Self: this is what Krishna says must be attained. This is indeed what Krishna must inspire as the creator of self-consciousness.
[ 8 ] So steht Krishna vor Arjuna, ihn lehrend: Betrachte alle Zustäinde der Welt, betrachte sie mit dem, was dem Menschen das Höchste und Tiefste ist, aber werde vom Höchsten und Tiefsten der drei Zustände frei, werde in deinem Selbst ein dich selbst Ergreifender, lerne erkennen, daß du leben kannst, ohne daß du dich fühlst mit Rajas, Tamas oder Sattva verbunden, lerne! — Das mußte man lernen dazumal, das war ein Anbrechen der Morgenröte, das Selbst frei zu bekommen.
[ 8 ] Thus Krishna stands before Arjuna, instructing him: Contemplate all the states of the world; contemplate them with that which is the highest and deepest in man, but become free from the highest and deepest of the three states; become, within yourself, one who grasps oneself; learn to recognize that you can live without feeling connected to rajas, tamas, or sattva; learn! — That is what one had to learn back then; it was the dawn of a new era, the liberation of the Self.
[ 9 ] Aber auch auf diesem Gebiete ist dasjenige, was dazumal äußerste Anstrengung sein mußte, heute auf der Straße zu finden. Und daß es auf der Straße zu finden ist, ist vielfach die Tragik des heutigen Lebens. Heute sind die Seelen nur zu häufig, die in der Welt stehen und sich in der Seele verbohren und keinen Zusammenhang finden mit der Außenwelt, die in den Gefühlen und Empfindungen, in ihren inneren Erlebnissen einsame Seelen sind, die weder sich verbunden fühlen mit einem Tamas-, Sattva- oder Rajaszustand, noch frei davon sind, die eigentlich in die Welt hineingeworfen sind wie ein verzweifelt sich drehendes Rad. Diese Menschen, die in sich nur leben und die Welt nicht verstehen können, die unglücklich sind, weil sie mit ihrer Seele ganz abgesondert sind von allem äußeren Dasein, sie stellen die Schattenseite jener Frucht dar, die Krishna bei Arjuna und allen seinen Zeitgenossen und Nachfolgern ausbilden mußte. Dasjenige, was höchstes Streben werden mußte für Arjuna, für viele heutige Menschen ist es höchstes Leid geworden. So ändern sich die aufeinanderfolgenden Zeitalter. Und heute müssen wir sagen: Wir stehen am Ende desjenigen Zeitalters, das eingeleitet wurde damals, als die Bhagavad Gita-Zeit war. Damit ist etwas sehr Bedeutsames für unsere Empfindung gesagt. Es ist aber auch damit gesagt, daß gerade so wie in der Bhagavad Gita-Zeit diejenigen, die das Selbstbewußtsein suchten, hören sollten, was Krishna dem Arjuna sagte — jene, die heute das Heil ihrer Seele suchen und die am Ende dieses Selbstbewußtseinszeitalters so dastehen, daß dieses Selbstbewußtsein in ihnen bis zur Krankhaftigkeit gesteigert ist, hören sollten auf dasjenige, was wiederum hinführt zu einem Verständnis der drei äußeren Zustände. Was aber führt zu einem Verständnis dieser äußeren Zustände hin?
[ 9 ] But even in this realm, what must have required the utmost effort back then can be found on the street today. And the fact that it can be found on the street is, in many ways, the tragedy of life today. Today there are all too many souls who stand in the world yet remain entrenched within themselves, finding no connection with the outside world; who, in their feelings and sensations, in their inner experiences, are lonely souls who feel no connection to a Tamas-, Sattva, or Rajas state, nor are they free from them—souls who are actually thrown into the world like a wheel spinning in despair. These people, who live only within themselves and cannot understand the world, who are unhappy because they are completely separated from all external existence with their souls, represent the shadow side of that fruit that Krishna had to cultivate in Arjuna and all his contemporaries and successors. That which was to become the highest aspiration for Arjuna has become the greatest suffering for many people today. Thus do the successive ages change. And today we must say: We stand at the end of that age which was inaugurated back when the time of the Bhagavad Gita was. This says something very significant for our sense of things. But it also implies that just as in the time of the Bhagavad Gita, those who sought self-awareness were to hear what Krishna said to Arjuna — so too should those who today seek the salvation of their souls, and who stand at the end of this age of self-consciousness in such a way that this self-consciousness has increased within them to the point of pathological intensity, listen to that which in turn leads to an understanding of the three external states. But what leads to an understanding of these external states?
[ 10 ] Setzen wir ein paar Vorstellungen noch voraus, bevor wir diese Fragen beantworten. Fragen wir noch: Was will denn Krishna in der Realität sein für den Arjuna, für den Menschen, der sich in seiner Zeit richtig stellt zu den äußeren Zuständen? Was sagt Krishna in einer wunderbaren Weise, mit aller göttlichen Ungeschminktheit und göttlichen Ungeniertheit? Mit wirklicher göttlicher Unbefangenheit und Ungeniertheit enthüllt Krishna, was er sein will bis zu dieser Zeit.
[ 10 ] Let us first establish a few mental images before answering these questions. Let us ask: What does Krishna actually want to be for Arjuna, for the person who, in his time, takes the right stance toward external circumstances? What does Krishna say in a wonderful way, with all divine candor and divine uninhibitedness? With true divine candor and uninhibitedness, Krishna reveals what he wants to be up to this point.
[ 11 ] Wie konnte man denn leben in seiner Seele? Wir haben es dargestellt, wie ein bildhaftes Bewußtsein die Seelen durchhellte, wie darüber schwebte gleichsam, was heute das Selbstbewußtsein ist, das damals die Menschen anstreben mußten und das heute auf der Straße zu finden ist. Fassen wir den Seelenzustand von dazumal, wie er war, bevor Krishna das neue Zeitalter eingeleitet hat, ins Auge. In dem bildhaften Bewußtsein lebten die Seelen innerhalb der Welt, so daß diese nicht klare Begriffe und Ideen hervorrief in den Seelen, sondern Bilder wie die heutigen Traumbilder. Ein gewisses bildhaftes Bewußtsein war die unterste Region des Seelenlebens, die von der oberen Region, von der Region des Schlafbewußtseins aus erhellt wurde durch die Inspiration. So war es mit diesen Seelen, und dann stiegen sie auf in die entsprechenden anderen Zustände. Und dieses Hinaufleben nannte man — und das ist der konkrete Begriff — das Sich-Einleben in Brahma.
[ 11 ] How, then, could one live in one’s soul? We have described how a pictorial consciousness permeated the souls, how what is today self-consciousness—which people had to strive for back then and which can be found on the streets today—hovered over them, as it were. Let us consider the state of the soul back then, as it was before Krishna ushered in the new age. In this pictorial consciousness, the souls lived within the world, so that the world did not evoke clear concepts and ideas in the souls, but rather images like today’s dream images. A certain pictorial consciousness was the lowest region of the soul’s life, which was illuminated from the higher region—the region of sleep-consciousness—through inspiration. Such was the state of these souls, and then they ascended into the corresponding other states. And this ascent was called—and this is the concrete term—the “becoming one with Brahma.”
[ 12 ] Heute von einer Menschenseele verlangen, sie solle sich einleben in Brahma, heute von einer Menschenseele das verlangen, die in westlichen Ländern lebt, das ist ein Anachronismus, ein Unding. Man könnte mit demselben Recht von einem Menschen, der auf der halben Höhe eines Berges steht, verlangen, er solle auf dieselbe Weise hinaufkommen wie einer, der noch unten im Tale steht. Mit demselben Recht könnte man das verlangen, wie wenn man heute eine abendländische Seele morgenländische Übungen machen läßt und sie eingehen läßt in Brahma. Dazu muß man auf dem Bilderbewußtseinsstandpunkte stehen, auf dem in einer gewissen Weise heute noch bestimmte Morgenländer stehen. Wer Abendländer ist, der hat das, was die Bhagavad Gita-Menschen beim Heraufsteigen in Brahma fanden, die Gefühle, die der Morgenländer haben kann beim Eingehen in Brahma, schon in seinen Begriffen und Ideen. Es ist wirklich wahr: noch würde Shankaracharya die Ideenwelt von Solovieff, Hegel und Fichte als den Anfang des Hinaufsteigens in Brahma vorführen seinen ihn verehrenden Schülern. Es kommt nicht auf den Inhalt, sondern auf die Mühe des Weges an. Wir müssen uns vor allem versetzen in jene Seelen, die dieses Heraufsteigen zu Brahma anstrebten.
[ 12 ] To demand today that a human soul should become one with Brahman—to make such a demand of a human soul living in Western countries—is an anachronism, an absurdity. One might just as well demand of a person standing halfway up a mountain that he climb it in the same way as one who is still down in the valley. One might just as well demand this as if one were to have a Western soul perform Eastern exercises today and merge into Brahma. To do so, one must stand on the level of pictorial consciousness on which, in a certain sense, certain Easterners still stand today. Whoever is a Westerner already possesses in their concepts and ideas what the Bhagavad Gita people found upon ascending into Brahma—the feelings that an Easterner can have upon entering into Brahma. It is truly so: Shankaracharya would still present the world of ideas of Soloviev, Hegel, and Fichte to his reverent disciples as the beginning of the ascent into Brahma. It is not the content that matters, but the effort of the path. Above all, we must put ourselves in the place of those souls who strove for this ascent to Brahma.
[ 13 ] Das charakterisiert Krishna nun sehr schön, indem er auf ein Hauptmerkmal dieses Hinaufsteigens hinweist. Man muß eine ganz andere Geistes- und Seelenkonstitution voraussetzen, wenn man die Seelen der Bhagavad Gita-Zeit begreifen will. Da ist alles passiv, da ist ein Sich-Aussetzen der Bilderwelt, da ist alles wie ein SichHingeben an die strömende Bilderwelt. Man vergleiche damit unsere ganz andersartige gewöhnliche Welt. Uns hilft die Hingabe nichts, um zum Verständnis zu kommen. Allerdings gibt es viele Menschen, die am Zurückgebliebenen noch hängen, die nicht heraufkommen wollen bis zu dem, was in unserer Zeit geschehen muß. Aber das muß für unser Zeitalter geschehen: wir müssen uns anstrengen, aktiv tätig sein, um die Begriffe und Ideen von der Umwelt zu bekommen. Daß dies fehlt, ist ja die Misere unserer Erziehung! Wir müssen unsere Kinder dahin erziehen, daß sie dabei sind bei der Bildung ihrer Begriffe von der Umwelt. Aktiver muß heute die Seele sein als damals, in der Zeit vor der Entstehung der Bhagavad Gita. So können wir es aufschreiben:
[ 13 ] Krishna characterizes this very beautifully by pointing out a key feature of this ascent. One must assume a completely different constitution of mind and soul if one wishes to understand the souls of the Bhagavad Gita era. There, everything is passive; there is an exposure to the world of images; there, everything is like a surrender to the flowing world of images. Compare this with our very different ordinary world. Surrender does not help us to arrive at understanding. However, there are many people who are still clinging to the past, who do not want to ascend to what must happen in our time. But this must happen for our age: we must make an effort, be actively engaged, in order to gain concepts and ideas from the environment. That this is lacking is indeed the tragedy of our education! We must educate our children so that they are actively involved in forming their concepts of the environment. Today, the soul must be more active than it was back then, in the time before the Bhagavad Gita was written. We can write it down like this:
[ 14 ] Bhagavad Gita-Zeit = Aufsteigen zu Brahma in der Passivität der Seele.
[ 14 ] Bhagavad Gita period = Ascension to Brahma through the passivity of the soul.
[ 15 ] Intellektuelle Zeit — unsere Zeit = Aktives Sich-Hinaufleben in die höheren Welten.
[ 15 ] The Age of the Intellect — our age = actively striving upward toward the higher worlds.
[ 16 ] Was mußte also Krishna sagen, indem er einleiten will das neue Zeitalter, in dem allmählich beginnen soll das aktive Erarbeiten des Weltverständnisses? Er mußte sagen: Ich muß kommen, ich muß dir, dem Ich-Menschen, eine Gabe geben, die dich anregt, aktiv zu sein. — Würde das alles wie bisher passiv geblieben sein, wäre dieses SichHingeben an die Welt ein Verstricktsein geblieben, so wäre das neue Zeitalter nicht angebrochen. Alles das, was in der Zeit vor der Bhagavad Gita-Zeit zusammenhängt mit dem Eindringen der Seele in die geistigen Welten, nennt Krishna Hingabe. Alles ist Hingabe an Brahma. Alles das vergleicht er mit einem Weiblichen im Menschen. Dasjenige, was das Selbst im Menschen ist, das Tätige, Aktive, was das Selbstbewußtsein erzeugen soll, was von innen ausstrahlt als der Quell des Selbstbewußtseins, das da kommen soll, nennt Krishna das Männliche im Menschen. Was der Mensch in Brahma erreichen kann, muß von ihm, dem Krishna, befruchtet werden. Das sagt Krishna dem Arjuna, gleichsam die Lehre gibt er dem Arjuna: Brahmamenschen waren die Menschen bisher alle. Brahma ist alles dasjenige, was sich ausbreitet als der Mutterschoß der ganzen Welt. Ich aber bin der Vater, der kommt in die Welt, um den Mutterschoß zu befruchten. Und dasjenige, was dadurch entsteht, ist das Selbstbewußtsein, das fortwirken soll in den Menschen und zu allen Menschen kommen muß. Das wird mit aller Deutlichkeit auseinandergesetzt. Wie Vater und Mutter verhalten sich Krishna und Brahma in der Welt. Und was stiften sie? Sie stiften miteinander dasjenige, was der Mensch haben muß im weiteren Verlauf seiner Evolution: das Selbstbewußtsein, jenes Selbstbewußtsein, welches macht, daß der Mensch als Einzelwesen immer vollkommener und vollkommener werden kann. Ganz und gar hat es das Krishna-Bekenntnis mit dem einzelnen Menschen, mit dem individuellen Menschen zu tun. Restlose Hingabe an die Krishna-Lehre bedeutet Streben nach Vervollkommnung des einzelnen Menschen. Wie kann diese Vervollkommnung aber nur erreicht werden? Sie kann so nur erreicht werden, daß dieses individuelle Selbstbewußtsein, diese Gabe des Krishna, herauskommt durch Ablösen, durch das Ablösen des Selbstes von alledem, was mit den äußeren Zuständen behaftet ist. Lenken Sie den Blick hin auf diesen Grundnerv der Krishna-Lehre, darauf, daß die Krishna-Lehre dem Menschen die Anweisung gibt, alles äußerlich in den Zuständen Lebende liegen zu lassen, frei zu werden von allem «Tat», von allem, was abläuft als das Leben in seinen verschiedenen Zuständen, und sich zu ergreifen nur in dem Selbst, um dieses Selbst immer weiter und weiter zu höherer Vervollkommnung zu tragen. Lenken Sie den Blick hin darauf, daß abhängt die Vervollkommnung davon, daß der Mensch hinter sich läßt alle äußeren Konfigurationen der Dinge, daß er sich schält aus dem ganzen Außenleben heraus, daß er frei wird und in sich immer belebter wird. Selbstbewußtseinsstreben als die Lehre des Krishna ergibt sich dadurch, daß der Mensch sich losreißt von seiner Umgebung, nicht mehr frägt, was draußen sich vervollkommnet, sondern wie er sich vervollkommnen soll.
[ 16 ] So what did Krishna have to say as he sought to usher in the new age, in which the active pursuit of an understanding of the world was to begin gradually? He had to say: I must come; I must give you, the ego-human, a gift that inspires you to be active. — If all this had remained passive as before, if this surrender to the world had remained a state of entanglement, the new age would not have dawned. Everything in the period before the time of the Bhagavad Gita that is connected with the soul’s penetration into the spiritual worlds, Krishna calls devotion. Everything is devotion to Brahma. He compares all of this to the feminine aspect within the human being. That which is the Self within the human being—the active, dynamic force meant to generate self-awareness, which radiates from within as the source of the self-awareness that is to come—Krishna calls the masculine aspect within the human being. What the human being can attain in Brahma must be fertilized by him, Krishna. This is what Krishna tells Arjuna; he imparts this teaching to Arjuna, as it were: Until now, all human beings have been Brahma-human beings. Brahma is all that which spreads out as the womb of the entire world. But I am the Father who comes into the world to fertilize the womb. And that which arises from this is the self-consciousness that is to continue working within human beings and must come to all people. This is explained with the utmost clarity. Like father and mother, Krishna and Brahma act in the world. And what do they bring about? Together they bring about that which humanity must possess in the further course of its evolution: self-consciousness, that self-consciousness which enables the human being, as an individual entity, to become ever more and more perfect. The Krishna creed has to do entirely with the individual human being, with the individual person. Complete devotion to the Krishna teaching means striving for the perfection of the individual human being. But how can this perfection be achieved? It can only be achieved by allowing this individual self-awareness, this gift from Krishna, to emerge through detachment—through the detachment of the self from everything bound up with external conditions. Turn your attention to this fundamental principle of the Krishna teachings: that the Krishna teachings instruct humanity to to leave behind everything that lives in external conditions, to become free from all “action,” from everything that unfolds as life in its various states, and to take hold only of the Self, in order to carry this Self ever further and further toward higher perfection. Direct your attention to the fact that perfection depends on man leaving behind all external configurations of things, on his peeling himself away from the whole of external life, on his becoming free and ever more alive within himself. The pursuit of self-awareness, as taught by Krishna, arises from a person breaking free from their surroundings, no longer asking what is being perfected outside, but rather how they themselves should become perfected.
[ 17 ] Krishna, das heißt der Geist, der durch Krishna wirkt, erschien ja nun wiederum in dem Lukas-Jesusknaben aus der nathanischen Linie des Hauses David. In dieser Persönlichkeit war also im Grunde alles dasjenige, was an Impulsen vorhanden war zur Verselbständigung im Menschen, zum Loslösen von der äußeren Wirklichkeit. Was wollte denn der Krishna oder, sagen wir, diese nicht in die Menschheitsevolution eingetretene Seele, die im Krishna wirkte und dann im Jesusknaben des Lukas, was wollte sie eigentlich? Sie hat es erleben müssen, daß sie einstmals draußen bleiben mußte aus der Menschheitsentwickelung, weil der Gegner gekommen war, der Luzifer, der gesagt hat: «Eure Augen werden geöffnet werden, und ihr werdet unterscheiden das Gute und Böse und werdet sein wie Gott.» Im alten indischen Sinne trat Luzifer vor die Menschen und sagte: Ihr werdet sein wie die Götter und werdet finden können die Sattva-, Rajas-, Tamaszustände in der Welt. — Luzifer hat die Menschen hingewiesen auf die Außenwelt. So mußten die Menschen kennenlernen auf Anstiften des Luzifer das Außen, so mußten sie durch die Evolution hindurchgehen bis in die Christus-Zeit hinein. Da kam derjenige, der damals zurückgewichen war vor Luzifer, in Krishna und im Lukas-Jesusknaben. In zwei Etappen lehrte er nun dasjenige, was von der einen Seite her der Gegenpol sein sollte gegen die LuziferLehre des Paradieses. Er hat die Augen euch öffnen wollen für die Sattva-, Rajas- und Tamaszustände. Schließt die Augen vor den Sattva-, Rajas- und Tamaszuständen: dann werdet ihr euch als Menschen, als selbstbewußte Menschen finden. — So tritt für uns die Imagination auf: auf der einen Seite die Imagination des Paradieses, wo Luzifer der Menschen Augen öffnet für die Sattva-, Rajas- und Tamaszustände, und sich eine Weile zurückzieht derjenige, welcher der Gegner des Luzifer ist. Dann machen die Menschen eine Entwickelung durch und kommen an den Punkt, wo ihnen in zwei Etappen eine andere Lehre vom Selbstbewußtsein entgegenkommt, aber so, daß sie die Augen schließen sollen vor den Sattva-, Rajas- und Tamaszuständen. Beides sind einseitige Lehren. Wäre nur dageblieben der Krishna-Jesus-Einfluß, dasjenige, was im Jesusknaben des Lukas lebte, dann wäre nur die eine Einseitigkeit zu der anderen gekommen, dann hätte der Mensch Abschied genommen von allem, was ihn umgibt, er hätte alles Interesse auch an der äußeren Entwickelung verloren, dann hätte jeder nur seine eigene Vervollkommnung auf der Erde gesucht. Streben nach Vervollkommnung ist recht, aber das Streben, erkauft durch Interesselosigkeit an der ganzen Menschheit, ist eine Einseitigkeit, wie das Luziferische eine Einseitigkeit war. Daher trat das Allumfassende entgegen, der Christus-Impuls, die höhere Synthese beider Einseitigkeiten. In der Person des Lukas-Jesusknaben selber lebte drei Jahre hindurch der ChristusImpuls, der in die Menschheit kam, um diese beiden Einseitigkeiten zusammenzubringen. Durch die beiden Einseitigkeiten wäre die Menschheit in die Schwachheit und Sünde gekommen: durch den Luzifer wäre sie verurteilt zum einseitigen Leben in den äußeren Zuständen Sattva, Rajas, Tamas; durch den Krishna sollte sie für die andere Einseitigkeit erzogen werden: die Augen zu schließen und nur die eigene Vollkommenheit zu suchen. Der Christus nahm auf sich die Sünde, er gab den Menschen dasjenige, was die beiden Einseitigkeiten ausgleicht. Er nahm auf sich die Versündigung des Selbstbewußstseins, das die Augen schließen wollte gegenüber der Außenwelt; er nahm auf sich die Sünde des Krishna und aller, die Krishnas Sünde begehen wollten. Er nahm auf sich die Luzifer-Sünde und aller, die sie begehen wollten, indem sie nur einseitig den Blick auf Sattva, Rajas und Tamas geheftet hielten. Indem er die Einseitigkeiten auf sich nimmt, gibt er den Menschen die Möglichkeit, allmählich wieder einen Zusammenklang zu finden zwischen Innenund Außenwelt, in welchem Zusammenklang allein das Heil der Menschen zu finden ist.
[ 17 ] Krishna—that is, the spirit working through Krishna—appeared once again in the boy Jesus of Luke, from the Nathanic line of the House of David. In this personality, therefore, lay essentially all the impulses necessary for humanity to become self-sufficient and to detach itself from external reality. What, then, did Krishna—or, let us say, this soul that had not entered human evolution, which worked through Krishna and then through the boy Jesus of Luke—what did it actually want? It had to experience that it once had to remain outside of human development because the adversary had come, Lucifer, who said: “Your eyes will be opened, and you will distinguish between good and evil and will be like God.” In the ancient Indian sense, Lucifer stood before humanity and said: “You will be like the gods and will be able to find the sattva, rajas, and tamas states in the world.” — Lucifer directed humanity toward the external world. Thus, at Lucifer’s instigation, humanity had to come to know the external world; thus, they had to pass through evolution all the way into the Christ era. Then came the one who had once stepped back from Lucifer, in Krishna and in the boy Jesus of Luke. In two stages, he now taught what was to be, from one side, the antithesis to Lucifer’s teaching of paradise. He wanted to open your eyes to the Sattva, Rajas, and Tamas states. Close your eyes to the Sattva, Rajas, and Tamas states: then you will find yourselves as human beings, as self-aware human beings. — Thus, for us, imagination appears: on the one hand, the imagination of paradise, where Lucifer opens people’s eyes to the Sattva, Rajas, and Tamas states, and the one who is Lucifer’s opponent withdraws for a while. Then human beings undergo a development and reach the point where, in two stages, a different teaching of self-awareness comes to meet them, but in such a way that they are to close their eyes to the Sattva, Rajas, and Tamas states. Both are one-sided teachings. Had only the Krishna-Jesus influence remained—that which lived in Luke’s Jesus as a boy—then one one-sidedness would have merely been replaced by another; then humanity would have turned its back on everything surrounding it, lost all interest even in external development, and each person would have sought only their own perfection on Earth. The striving for perfection is right, but the striving that comes at the cost of indifference toward all of humanity is a one-sidedness, just as the Luciferic was a one-sidedness. Therefore, the all-encompassing force stepped in—the Christ impulse, the higher synthesis of both one-sidednesses. In the person of the boy Jesus of Luke himself, the Christ impulse lived for three years, having come into humanity to bring these two one-sidednesses together. Through these two one-sidednesses, humanity would have fallen into weakness and sin: through Lucifer, it would have been condemned to a one-sided life in the outer states of Sattva, Rajas, and Tamas; through Krishna, it was to be trained for the other one-sidedness: to close its eyes and seek only its own perfection. Christ took upon himself the sin; he gave humanity that which balances the two one-sidednesses. He took upon himself the sin of self-consciousness that sought to close its eyes to the outer world; he took upon himself the sin of Krishna and of all who sought to commit Krishna’s sin. He took upon himself the sin of Lucifer and of all who sought to commit it by fixing their gaze one-sidedly on Sattva, Rajas, and Tamas. By taking these one-sidednesses upon himself, he gives humanity the opportunity to gradually find harmony once more between the inner and outer worlds, in which harmony alone the salvation of humanity is to be found.
[ 18 ] Aber eine Entwickelung, die begonnen hat, kann nicht sogleich auslaufen. Die Entwickelung zum Selbstbewußtsein, die begonnen hat mit dem Krishna, ist weiter gegangen, in gleicher Weise das Selbstbewußtsein immer steigernd, immer mehr und mehr die Entfremdung von der Außenwelt hervorrufend. Diese Entwickelung hat die Tendenz, weiter und weiter zu gehen auch in unserer Zeit. Zur Zeit, als der Krishna-Impuls vom Lukas-Jesusknaben aufgenommen worden ist, war die Menschheit gerade in dieser Entwickelung darinnen, das Selbstbewußtsein immer mehr noch zu steigern, sich der Außenwelt immer mehr noch zu entfremden. Das war dasjenige, was die Menschen erfuhren, welche die Johannestaufe im Jordan empfingen. Sie sahen, wie das Selbstbewußtsein auf dem Wege ist, immer stärker und stärker zu werden. Daher verstanden sie den Täufer, als er zu ihnen davon sprach: Ändert den Sinn, wandelt nicht nur in der Krishna-Bahn. — Wenn er auch nicht das Wort gebrauchte: wir können diese Bahn, die damals eingeschlagen worden ist, die Jesus-Bahn nennen, wenn wir okkultistisch sprechen wollen. Und diese bloße JesusBahn ist tatsächlich durch die Jahrhunderte immer weiter und weiter gegangen; denn auf vielen Gebieten des menschlichen Kulturlebens in den Jahrhunderten, die auf die Begründung des Christentums folgten, war nur eine Anlehnung an Jesus vorhanden, nicht an den Christus, der in dem Jesus drei Jahre lebte, von der Johannestaufe an bis zum Mysterium von Golgatha. Eine jede Entwickelungslinie aber treibt sich bis zu einer gewissen Spannung. Immer mehr wurde diese Sehnsucht nach individueller Vervollkommnung dahin getrieben, daß die Menschen in einer gewissen Weise ins Tragische gerieten, sich immer mehr und mehr von der Göttlichkeit der Natur, von der Außenwelt entfremdeten. Heute haben wir ja vielfach dieses Tragische der Entfremdung von der Umgebung so, daß viele Seelen unter uns herumgehen, die nicht mehr viel von ihr verstehen. Deshalb muß gerade in unserer Zeit das Verständnis des Christus-Impulses einschlagen: die Christus-Bahn muß zur Jesus-Bahn hinzukommen. Es war die Bahn des einseitigen Vervollkommnungsstrebens zu stark geworden. In unserer Zeit erst ist sie so, daß die Menschen in vieler Beziehung ganz fern stehen der Göttlichkeit der Umgebung. Weil, wenn irgendeine Richtung auftritt, sie sich sogleich überspannt, und die Sehnsucht nach dem Gegenteil erwacht, fühlen in unserer Zeit viele Seelen, wie wenig der Mensch heute aus dem gesteigerten Selbstbewußtsein herauskommen kann. Das erzeugt den Drang, die Göttlichkeit der Außenwelt zu erkennen. Und in unserer Zeit ist es so, daß gerade solche Seelen das durch die wahre Anthroposophie geöffnete Verständnis des Christus-Impulses suchen werden, des Christus-Impulses, der nicht bloß die einseitige Vervollkommnung der einzelnen Menschenseele will, sondern der ganzen Menschheit, der dem ganzen Menschheitsprozeß angehört. Den Christus-Impuls verstehen heißt nicht bloß streben nach Vervollkommnung, sondern auch in sich aufnehmen etwas, was wirklich getroffen wird mit dem Pauluswort: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» «Ich», das ist das Krishna-Wort; «Nicht ich, sondern der Christus in mir» ist das Wort des christlichen Impulses. So sehen wir, wie eine jegliche menschliche Geistesströmung ihre gewisse Berechtigung hat. Niemand kann sich denken, daß der Krishna-Impuls hätte ausbleiben können, aber niemand sollte jemals daran denken, daß einmal eine menschliche Geistesströmung in ihrer Einseitigkeit eine Vollberechtigung habe. Die beiden Einseitigkeiten, die luziferische und die KrishnaStrömung, mußten im höheren Sinne ihre Einheit finden in der Christus-Strömung.
[ 18 ] But a process of development that has begun cannot come to an end immediately. The development toward self-consciousness, which began with Krishna, has continued, steadily increasing self-consciousness while at the same time causing ever greater alienation from the external world. This development has a tendency to go further and further, even in our time. At the time when the Krishna impulse was taken up by the boy Jesus of Luke, humanity was in the very midst of this development, increasing self-consciousness ever more, alienating itself from the external world ever more. That was what the people experienced who received John’s baptism in the Jordan. They saw how self-consciousness was on the path to becoming stronger and stronger. That is why they understood the Baptist when he spoke to them about it: “Change your minds; do not merely walk the Krishna path.” — Even if he did not use the word: we can call this path, which was embarked upon at that time, the Jesus path, if we wish to speak in occult terms. And this mere Jesus path has indeed continued further and further through the centuries; for in many areas of human cultural life in the centuries following the founding of Christianity, there was only a reference to Jesus, not to the Christ who lived within Jesus for three years, from the baptism by John to the Mystery of Golgotha. But every line of development drives itself to a certain tension. This longing for individual perfection was increasingly driven to the point that people, in a certain sense, fell into tragedy, becoming more and more estranged from the divinity of nature, from the external world. Today, indeed, we often see this tragedy of alienation from our surroundings to such an extent that many souls walk among us who no longer understand much of it. That is why, especially in our time, an understanding of the Christ impulse must take hold: the Christ path must be added to the Jesus path. The path of the one-sided striving for perfection had become too strong. It is only in our time that people are, in many respects, completely estranged from the divinity of their surroundings. Because whenever one direction emerges, it immediately becomes excessive, and the longing for the opposite awakens; in our time, many souls feel how little human beings today can step out of their heightened self-consciousness. This generates the urge to recognize the divinity of the external world. And in our time, it is precisely such souls who will seek the understanding of the Christ impulse opened up by true anthroposophy—the Christ impulse that seeks not merely the one-sided perfection of the individual human soul, but that of all humanity, belonging to the entire human process. To understand the Christ impulse means not merely striving for perfection, but also taking into oneself something that is truly captured by the words of Paul: “Not I, but Christ in me.” “I” is the word of Krishna; “Not I, but Christ in me” is the word of the Christian impulse. Thus we see how every human spiritual current has its own certain justification. No one can imagine that the Krishna impulse could have been absent, but no one should ever think that any single human spiritual current, in its one-sidedness, has full justification. The two one-sided currents—the Luciferic and the Krishna current—had to find their unity, in a higher sense, in the Christ current.
[ 19 ] Derjenige, der in wirklich anthroposophischem Sinne verstehen will das, was heute walten muß als notwendiger Impuls der weiteren Entwickelung der Menschheit, der muß in Anthroposophie das Instrument sehen, das hineinleuchten kann in alle Religionen. Auch in diesem Zyklus versuchten wir zu zeigen, wie die menschliche Evolution weiterschreitet und die einzelnen Strömungen ihren Zufluß zu dieser gemeinsamen Evolution senden. Ein dilettantisches Beginnen wäre es, wenn jemand das, was im Christentum sich findet, wiederfinden wollte im Krishnatum. So betrachtet, versteht man diese Dinge erst, versteht erst, was es heißt, Einheit zu suchen in allen Religionen. Man kann das auch auf andere Weise. Man kann immer wieder deklamieren: In allen Religionen ist dieselbe Grundwesenheit enthalten. — Das würde das gleiche bedeuten wie: dieselbe Grundwesenheit ist in der Wurzel, in dem Stamm, in den Blättern, in den Blüten, in den Staubgefäßen und in der Frucht enthalten. — Das ist wahr, aber das ist eine abstrakte Wahrheit. Es ist nicht geistreicher, als wenn man sagt: Was braucht man Unterschiede? Salz, Pfeffer, Essig, Milch steht doch alles auf dem Tisch, alles ist eins, denn alles ist Stoff. — Da merkt man nur das Abstrakte, Unzulängliche einer solchen Betrachtungsweise. Das merkt man aber nicht sogleich auf dem Gebiete der Religionsvergleichung. Es geht nicht, so abstrakt das Chinesentum, das Brahmanentum, das Krishnatum, das Buddhatum, das Persertum, das Mohammedanertum und das Christentum zu vergleichen, zu sagen: Seht, überall dieselben Prinzipien, überall ein Erlöser! Die abstrakten Dinge kann man überall suchen: es ist dilettantisch, weil es unfruchtbar ist. Man kann für das Leben Gesellschaften, Vereine gründen, in denen man das Studium aller Religionen vorführt und das Studium dann so betreibt, wie wenn eben jemand sagen würde: Pfeffer, Salz, Essig und Öl seien eins, weil sie auf dem Tische stehen, weil sie alle Stoff sind. -— Darauf kommt es nicht an. Darauf kommt es an, daß man die Dinge in ihrer Wahrheit, in ihrer Wirklichkeit betrachtet. Einer Betrachtungsweise, die so weit zum okkulten Dilettantismus sich versteigt, daß sie immer wieder die Gleichheit aller Religionen deklamiert, kann es ja auch gleich sein, ob das, was im Christus-Impuls lebt, der Schwerpunkt ist in der Menschheitsentwickelung, oder ob das in irgendeinem Menschen, den man auf der Straße oder sonstwo auftreibt, wieder erscheint. Wer aber aus der Wahrheit heraus leben will, für den ist es ein Greuel, in Zusammenhang zu bringen irgend etwas anderes mit demjenigen Impuls in der Weltgeschichte, der mit dem Mysterium von Golgatha verknüpft ist und für den der Christus-Name aufbewahrt worden ist als das, was er in Wahrheit ist: der Mittelpunkt der Erdenevolution.
[ 19 ] Anyone who wishes to understand, in a truly anthroposophical sense, what must prevail today as a necessary impulse for the further development of humanity must see in anthroposophy the instrument that can shed light on all religions. In this lecture series as well, we have sought to show how human evolution proceeds and how the various currents contribute to this common evolution. It would be an amateurish approach for someone to try to find in Krishnaism what is found in Christianity. Viewed in this light, one begins to understand these things, to grasp what it means to seek unity in all religions. One can also approach this in another way. One can repeatedly declare: The same fundamental essence is contained in all religions. — That would mean the same as saying: the same fundamental essence is contained in the root, in the trunk, in the leaves, in the blossoms, in the stamens, and in the fruit. — That is true, but it is an abstract truth. It is no more insightful than saying: Why do we need differences? Salt, pepper, vinegar, milk—it’s all on the table; everything is one, for everything is matter. — There one immediately perceives the abstract, inadequate nature of such a perspective. But one does not perceive this immediately in the realm of comparative religion. It is not possible to compare Chinese, Brahmanic, Krishna, Buddhist, Persian, Mohammedan, and Christian traditions in such an abstract way, to say: “Look, the same principles everywhere, a savior everywhere!” One can seek abstract things everywhere: it is amateurish because it is fruitless. One can found societies and associations for the sake of life, in which one demonstrates the study of all religions and then conducts that study as if someone were to say: Pepper, salt, vinegar, and oil are one, because they are on the table, because they are all matter. — That is not the point. The point is that one must view things in their truth, in their reality. To a way of looking at things that descends so far into occult dilettantism that it repeatedly proclaims the equality of all religions, it may as well be irrelevant whether what lives in the Christ impulse is the focal point of human development, or whether it reappears in some person one happens to encounter on the street or elsewhere. But for those who wish to live out of the truth, it is an abomination to associate anything else with that impulse in world history which is linked to the Mystery of Golgotha and for which the name of Christ has been preserved as what it truly is: the center of Earth’s evolution.
[ 20 ] In diesen Vorträgen versuchte ich Ihnen ein Bild zu geben an einem besonderen Beispiel, versuchte ich an diesem Beispiel zu zeigen, wie der gegenwärtige Okkultismus erstrebt, Licht zu werfen auf die verschiedenen Geistesströmungen, die im Verlaufe der Menschheitsevolution aufgetreten sind, die jede einen berechtigten Angriffspunkt haben, die man aber so unterscheiden muß, wie man den Stengel vom grünen Blatt, das grüne Blatt vom gefärbten Blumenblatt unterscheiden muß, obwohl alle diese zusammen wieder eine Einheit bedeuten. Wenn man mit diesem wahrhaft modernen Okkultismus versucht, selber mit seiner Seele einzudringen in dasjenige, was in den verschiedenen Strömungen in die Menschheit geflossen ist, dann erkennt man, daß wahrhaftig die einzelnen Religionsbekenntnisse nichts dabei verlieren, nichts an Größe, nichts an Erhabenheit. Welche erhabene Größe ist uns in der Gestalt des Krishna entgegengetreten auch da, wo wir ihn nur im Sinne der konkreten Erfassung der Menschheitsevolution in diese Menschheitsevolution hineinzustellen versuchten! Es ist eine jede solche Betrachtung, die man nur skizzenhaft geben kann, unvollkommen genug, gewiß recht, recht unvollkommen. Sie können aber versichert sein, niemand ist mehr überzeugt von der Unvollkommenheit dessen, was hier wiederum gegeben wurde, als der, welcher sich erlaubte, hier vor Ihnen zu sprechen. Aber was angestrebt worden ist, das ist, Ihnen ein wenig zu zeigen, wie wahre Betrachtung der einzelnen Geistesströmungen der Menschheit zu geschehen hat. Gerade an einem uns fern stehenden Geistesprodukt, an der Bhagavad Gita, versuchte ich anzuknüpfen, um zu zeigen, wie der abendländische Mensch schon empfinden und fühlen kann, was er dem Krishna verdankt, was Krishna heute noch als Nachwirkung bedeutet für sein Aufstreben in der Welt. Aber auf der anderen Seite muß die Geistesrichtung, die hier vertreten wird, verlangen, daß man liebevoll auf die Selbsteigenheit einer jeden Strömung ganz konkret eingehe. Das hat eine gewisse Unbequemlichkeit, denn das bringt einem die bescheidene Idee nur allzunahe, wie wenig man doch eigentlich in diese Tiefen eindringt. Und es folgt die andere Idee allerdings auch in unserer Seele: daß wir immer weiter streben müssen. Beides Unbequemlichkeiten! Diejenige Geistesströmung, die hier Anthroposophie genannt wird, sie macht vielen Seelen — dazu ist sie verurteilt — gewisse Unbequemlichkeiten. Sie verlangt ein energisches Eintreten in die konkreten Tatsachen des Weltengeschehens, zugleich aber auch, daß man sich in seiner Seele sagt: Ich kann ja zu Höherem kommen, ich will auch dahin kommen, aber ich habe doch nur immer einen Standpunkt erreicht, ich muß immer weiter und weiter streben. Niemals ein Ende!
[ 20 ] In these lectures, I have attempted to present a picture to you using a specific example; I have sought to demonstrate through this example how contemporary occultism strives to shed light on the various spiritual currents that have arisen in the course of human evolution—currents each of which has a legitimate point of departure, but which must be distinguished from one another just as one must distinguish the stem from the green leaf, and the green leaf from the colored petal, even though all of these together again form a unity. When one attempts, with this truly modern occultism, to penetrate with one’s own soul into that which has flowed into humanity through the various currents, then one recognizes that the individual religious creeds truly lose nothing in the process—nothing of their greatness, nothing of their sublimity. What sublime greatness has met us in the figure of Krishna, even where we have sought only to place him within the course of human evolution in the sense of a concrete grasp of that evolution! Every such contemplation, which can be presented only in sketch form, is imperfect enough—certainly quite, quite imperfect. But you may be assured that no one is more convinced of the imperfection of what has been presented here than the one who has taken the liberty of speaking before you here. But what has been sought is to show you a little of how true contemplation of the individual spiritual currents of humanity must take place. I specifically sought to take up a spiritual work foreign to us, the Bhagavad Gita, in order to show how Western man can already sense and feel what he owes to Krishna, what Krishna still means today as an aftereffect for his striving in the world. But on the other hand, the spiritual orientation represented here must demand that one lovingly engage with the distinct character of each current in a very concrete way. This entails a certain discomfort, for it brings one all too close to the humble realization of how little one actually penetrates these depths. And yet another idea follows in our soul as well: that we must strive ever onward. Both are discomforts! The spiritual current known here as anthroposophy causes certain discomforts for many souls—it is fated to do so. It demands an energetic engagement with the concrete facts of world events, but at the same time it also requires that one say to oneself in one’s soul: I can indeed reach higher things, I also want to get there, but I have only ever reached a certain point; I must strive further and further. Never an end!
[ 21 ] So war es ja immer mit einer gewissen Unbequemlichkeit verknüpft, zu derjenigen Geistesströmung zu gehören, welche durch uns versucht, in das, was man anthroposophisches Leben nennt, sich hineinzustellen. Unbequem war es ja, daß man gar bei uns streben lernen sollte, lernen soll, um endlich dahin zu kommen, immer tiefer und tiefer in die heiligen Geheimnisse hineinzuschauen. Aber wir konnten nicht aufwarten mit etwas so Bequemem, das sich ergeben würde, wenn wir irgendeinen Sohn oder auch eine Tochter genommen hätten und sie vorgeführt und gesagt hätten: Ihr braucht nur warten: in diesem Sohn oder in dieser "Tochter wird das Heil physisch verkörpert erscheinen. — Das konnten wir nicht, das ging wirklich nicht, denn wir mußten wahr sein. Und doch, für den, der die Sache durchschaut, ist schließlich alles das, was da zuletzt zutage getreten ist, nur die letzte, groteske Konsequenz jener dilettantischen Religionsvergleicherei, die sich auch so bequem hinstellen läßt, und die immer mit der Selbstverständlichkeit auftritt, mit der äußersten Trivialität auftritt: Alle Religionen enthalten dasselbe!
[ 21 ] So it has always been associated with a certain discomfort to belong to that spiritual movement which, through us, seeks to immerse itself in what is called anthroposophical life. It was, after all, inconvenient that one was supposed to learn to strive—indeed, was required to strive—even with us, in order to finally arrive at the point of looking ever deeper and deeper into the sacred mysteries. But we could not offer something so convenient, which would have resulted if we had taken some son or daughter, presented them, and said: You need only wait: in this son or this “daughter, salvation will appear physically embodied.” — We could not do that; it really was not possible, for we had to be truthful. And yet, for those who see through the matter, everything that has ultimately come to light is merely the final, grotesque consequence of that amateurish comparison of religions, which is so conveniently presented and which always appears with such self-evidence, with the utmost triviality: All religions contain the same thing!
[ 22 ] Die letzten Wochen und Monate haben immerhin gezeigt — und daß ich vor Ihnen hier sprechen konnte über ein so bedeutungsvolles Thema, hat es neu gezeigt —, daß sich eben doch ein Kreis von Menschen findet in der Gegenwart, wenn es darauf ankommt, die spirituellen Wahrheiten zu suchen. Uns wird es auf nichts anderes ankommen, als diese spirituellen Wahrheiten zu vertreten. Ob nun viele oder alle von uns abfallen, das wird nichts ändern an der Art, wie man die spirituellen Wahrheiten hier vertritt. Die heilige Verpflichtung zur Wahrheit, sie wird die Strömung, von welcher aus auch dieser Zyklus gehalten worden ist, leiten und lenken. Und wer mitmachen will, muß es tun unter den Bedingungen, die nun einmal notwendig geworden sind. Bequemer ist es allerdings, in anderer Weise zu verfahren, nicht so einzugehen auf die andere Seite, wie wir es tun, indem wir wirklich aufmerksam machen auf alles, wie es in der Realität ist. Aber das gehört ja eben auch schon zur Wahrheitsverpflichtung. Einfacher ist es, den Menschen mitzuteilen die Gleichheit der Religionen, die Einheit der Religionen, den Menschen zu verkünden, daß sie warten sollen, bis sich ein Heiland verkörpert, den man vorbestimmt, den man nicht aus sich selbst, sondern auf Autorität hin anerkennen soll. Das aber werden die menschlichen Seelen der Gegenwart selber zu entscheiden haben, inwieweit die reine Hingabe an das Streben nach Wahrhaftigkeit eine geistige Strömung tragen und halten kann. Es mußte schon einmal in unserer Zeit zu jener scharfen Scheidung kommen, die dadurch eingetreten ist, daß die Präsidentin sich zuletzt soweit selber demaskiert hat, diejenigen, die nichts weiter wollten, als für das Wahre, Echte in der Menschheitsevolution aus Wahrhaftigkeit einzutreten, als Jesuiten zu bezeichnen. Es ist ja dieses auch eine bequeme Art gewesen, sich zu scheiden, aber es ist die äußere Dokumentierung gewesen des Arbeitens mit objektiver Unwahrheit. Daß bei uns nicht in einer einseitigen Ideenrichtung gearbeitet worden ist, das möge Ihnen auch dieser Vortragszyklus wieder-., um gezeigt haben, der Gegenwart, Vergangenheit und Vorvergangenheit beherzigt, um den wahrhaftigen einzigen Grundimpuls der Menschheitsevolution zeigen zu können. So darf ich wohl auch hier sagen, wie es mich selber, der ich diesen Zyklus habe halten dürfen, mit tiefster Befriedigung erfüllt, daß Hoffnung vorhanden ist — und daß Sie hier sitzen, ist ein Beweis dafür —, noch Menschenseelen zu finden, welche den Trieb, die Neigung, die Hinlenkung haben zu dem, was auch auf übersinnlichem Gebiete mit nichts anderem arbeitet als mit der bloßen ehrlichen Wahrhaftigkeit.
[ 22 ] The past weeks and months have shown, after all—and the fact that I was able to speak to you here about such a significant topic has demonstrated this anew—that there is indeed a circle of people today who, when it matters, seek spiritual truths. Nothing else will matter to us but upholding these spiritual truths. Whether many or all of us fall away, that will not change the way in which spiritual truths are upheld here. The sacred obligation to truth will guide and direct the current from which this cycle has also been held. And whoever wishes to participate must do so under the conditions that have now become necessary. It is, however, more comfortable to proceed in a different way, not to engage with the other side as we do, by truly drawing attention to everything as it is in reality. But that, too, is part of the obligation to truth. It is easier to tell people about the equality of religions, the unity of religions, to proclaim to them that they should wait until a Savior incarnates—one who is predestined, whom they are not to recognize of their own accord but on the basis of authority. But the human souls of the present will have to decide for themselves to what extent pure devotion to the pursuit of truthfulness can sustain and carry a spiritual current. That sharp division had to occur once in our time, brought about by the fact that the President ultimately exposed herself to the extent of labeling those who wanted nothing more than to stand up for what is true and genuine in human evolution out of a commitment to truth as Jesuits. This, too, has been a convenient way to part ways, but it has been the outward documentation of working with objective untruth. That we have not worked within a one-sided ideological framework—this lecture series may also have shown you that once again—taking to heart the present, the past, and the distant past, in order to be able to point to the true, sole fundamental impulse of human evolution. So I may well say here, too, how it fills me—who have been permitted to give this series—with the deepest satisfaction that there is hope—and the fact that you are sitting here is proof of this—to still find human souls who have the impulse, the inclination, the orientation toward that which, even in the supersensible realm, works with nothing other than sheer, honest truthfulness.
[ 23 ] Ich muß schon dieses Schlußwort noch anfügen an den Vortragszyklus, weil es im Grunde doch notwendig ist in Anbetracht alles dessen, was uns entgegengetreten ist im Laufe der Zeit bis zu dem Zeitpunkte, wo man uns aus der Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen hat. In Anbetracht alles dessen, was uns getan worden ist und was jetzt in zahlreichen Broschüren in sein Gegenteil verkehrt wird, mußte ich dies zum Ausdruck bringen, obwohl mich die Besprechung dieser Dinge immer außerordentlich schmerzhaft berührt. Aber es ist notwendig, daß diejenigen, die mit uns arbeiten wollen, wissen, daß wir zu unserer Devise haben: unbedingtes, bescheidenes, aber ehrliches Wahrheitsstreben hinauf in die höheren Welten.
[ 23 ] I feel compelled to add these closing remarks to the lecture series, because it is, after all, necessary in light of everything we have faced over the years up to the point when we were expelled from the Theosophical Society. In light of everything that has been done to us and which is now being distorted into its opposite in numerous pamphlets, I had to express this, although discussing these matters always affects me with extraordinary pain. But it is necessary that those who wish to work with us know that our motto is: an unconditional, modest, yet honest pursuit of truth upward into the higher worlds.
