Secrets of the Threshold
GA 147
24 August 1913, Munich
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Secrets of the Threshold, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Sie haben es ja erfahren, daß wir unsere Festvorstellungszeit diesmal mit einem Ausfall beginnen mußten. Zu meinem großen Leid konnten wir dasjenige, was projektiert war, die Vorstellung der «Seelenhüterin» von unserem verehrten Edouard Schuré, nicht schon in dieser Spielzeit zur Aufführung bringen. Wir mußten durch die mannigfaltigsten Gründe diese Aufführung verschieben. Dies war aus dem Grunde in einer gewissen Beziehung leidvoll, weil gerade in unseren Tagen, gerade in unserer Gegenwart es wichtig hätte erscheinen können, Sinn und Bedeutung dieses Werkes unseres verehrten Edouard Schuré vor unsere Seele hinzustellen. Werden ja in diesem Werke gewisse Strömungen und Wellenschläge der Menschheitsentwickelung zu einem äußeren physischen Ausdruck gebracht, die manches verständlich machen können in den oft so erschütternden Ereignissen der Gegenwart, die an unseren Seelen vorüberziehen, ohne daß es eigentlich mit dem gegenwärtigen auf dem physischen Plan zu entwickelnden Verständnis, namentlich Westeuropas, möglich ist, in die tieferen Untergründe dieser Ereignisse hineinzudeuten.
[ 1 ] As you are aware, we had to begin our festive season with a cancellation this time. To my great regret, we were unable to stage what had been planned—the performance of The Guardian of Souls by our esteemed Edouard Schuré—during this season. We had to postpone this performance for a variety of reasons. This was, in a certain sense, regrettable, because precisely in our times, precisely in our present, it might have seemed important to bring the meaning and significance of this work by our esteemed Edouard Schuré before our souls. For in this work, certain currents and waves of human development are given outward physical expression, which can make much understandable in the often so shattering events of the present that pass before our souls, without it actually being possible, with the understanding currently developing on the physical plane—namely in Western Europe—to interpret the deeper underlying causes of these events.
[ 2 ] Es ist tatsächlich für ein tieferes Sinnen auffällig, wie Bedeutsamstes sozusagen die Volksseelen durcheinanderrüttelt im europäischen Osten, wie da sich manches abspielt, was nur erklärlich wird, wenn man in Betracht ziehen kann, was sich unter der Oberfläche der physisch-sinnlichen Welt an Wellenschlägen im Völkerleben vollzieht. Es ist in einem gewissen Grade merkwürdig, wie wenig eigentlich westeuropäisches Verstandesdenken auch nur daran denkt, die tieferen Grundlagen dieser erschütternden Ereignisse zum Herzens-, zum Seelenverständnis zu bringen. Und da könnte es durch die unmittelbaren Eindrücke der Gegenwart, man möchte sagen, karmisch geboten erscheinen, ein Drama vor dem Seelenblick sich abspielen zu sehen, welches die Gegensätze in den Volksseelen an die Oberfläche heraufbringt.
[ 2 ] It is indeed striking, upon deeper reflection, how profoundly significant events are, so to speak, shaking the Folk-souls in Eastern Europe, how much is taking place there that can only be explained if one takes into account the waves of change unfolding beneath the surface of the physical-sensory world in the life of the peoples. It is, to a certain extent, remarkable how little Western European intellectual thought actually even considers bringing the deeper foundations of these earth-shaking events to the understanding of the heart and soul. And here, through the immediate impressions of the present, one might say it seems karmically inevitable to witness a drama unfolding before the soul’s gaze, one that brings the contradictions within the Folk-souls to the surface.
[ 3 ] Es wäre besonders reizvoll gewesen — nicht nur in ästhetischer Beziehung, sondern auch im Hinblick auf das Verständnis von manchem, was sich in unserer Zeit abspielt —, vor dem Seelenauge den Gegensatz zu haben, der uns in der «Seelenhüterin» hätte zutage treten können, den Gegensatz zwischen dem, was als Einschlag, als Impuls im westlichen Europa von der alten keltischen Volksseele geblieben ist und was uns bei einem Teile der Personen dieses Dramas entgegentritt, und dem eigentlich romanisch-französischen Element, das bei einem anderen Teile der Personen des Dramas uns dann wiederum vor die Seele getreten wäre; und wenn man weiter hätte ersehen können, wie in das Menschenleben heraufspielen, sich äußerlich im Sinnenleben ausdrückend, Wellenschläge, die im Okkulten sich vollziehen. Denn in diesem Drama sehen wir, wie durch gewisses Geschehen gleichsam eine Unwahrheit sich in der Sinneswelt ausbreitet, so daß die Verhältnisse, die zwischen den Personen bestehen, diese Unwahrheit zum Ausdruck bringen, und wie von Untergründen des Seelenlebens aus in diesem Falle von dem, was sich in den Geheimnissen des Blutes auslebt — dann bis zu einem gewissen Grade die Wahrheit sich ergießt in die unwahren Verhältnisse der Sinnenwelt. Das alles hätten wir in diesem Drama für das Seelenauge zum Ausdruck gebracht. Und wichtig ist es in unserer Zeit, solche Dinge auf die Seele wirken zu lassen, wo sich vor unseren Augen innerhalb Europas selbst Ereignisse abspielen, in die wirklich hineindringen die unter der Oberfläche waltenden Kräfte der Volksgemüter, und die nicht verstanden werden können, ohne daß man den Seelenblick hinrichtet auf diese Volksgemüter.
[ 3 ] It would have been particularly appealing—not only from an aesthetic standpoint, but also in terms of understanding much of what is happening in our time—to have before the eye of the soul the contrast that might have emerged in “Seelenhüterin,” the contrast between what remains in Western Europe as an influence, as an impulse, from the ancient Celtic Folk-souls—and what confronts us in some of the characters in this drama—and the truly Romance-French element, which would then have presented itself to our soul in another group of the drama’s characters; and if one could have further perceived how waves, unfolding in the occult, play their part in human life, expressing themselves outwardly in the life of the senses. For in this drama we see how, through certain events, a kind of untruth spreads in the sensory world, so that the relationships existing between the characters express this untruth, and how, from the depths of the soul life—in this case, from what plays out in the mysteries of the blood—truth then pours out to a certain degree into the untruthful relationships of the sensory world. We would have expressed all of this in this drama for the soul’s eye. And it is important in our time to allow such things to take effect on the soul, when events are unfolding before our very eyes within Europe itself, into which the forces of the national psyche reigning beneath the surface truly penetrate, and which cannot be understood without directing the gaze of the soul toward these national psyches.
[ 4 ] Was sich im äußeren Leben abspielt, was ist es im Grunde genommen anderes als etwas, das — in dieses äußere Leben wie karmisch heraufdringend — in unserem europäischen Osten und Südosten vor vielen Jahrhunderten die Volksgemüter ergriffen hat. Man könnte sagen: Unvernehmbar für die äußere Welt vollziehen sich jetzt karmische Dinge, die zusammenhängen mit dem, was nur symptomatisch auf dem physischen Plan zum Ausdruck kommt, eigentlich in vier Silben auf dem physischen Plan zum Ausdruck kommt. Was jetzt zum karmischen Ausdruck gelangt, hat sich vorbereitet, als eingeschlagen hat in die europäischen Volksgemüter, diese zerspaltend und zerklüftend in Osten und Westen, jenes berühmte und viel umzankte «filioque». — Was geht im Grunde genommen unser gegenwärtiges Gemüt mit seinem Verständnis das an, worüber einstmals der Westen und Osten Europas sich gespalten haben, ob das, was als Heiliger Geist bezeichnet wird, nur vom Vater ausgehe, wie der Osten behauptet, oder auch vom Sohne, wie der Westen sagt? Es hat seine guten Gründe, daß in der damaligen Zeit der Westen jenes «filioque» hinzugefügt hat zum Ausgehen des Heiligen Geistes aus dem Vater, denn alle die Kräfte, die sich im europäischen Westen entwickelt haben, welche die Impulse für die Kultur Europas gegeben haben, hängen damit zusammen. Hier berührt uns nicht all das theologische Gezänke, welches sich entwickelt hat über dieses Credo der verschiedenen Glaubensbekenntnisse. Aber wichtig ist für uns, daß einmal das seelische Geschehen dadurch sich ausgedrückt hat, daß sich das einheitliche Glaubensbekenntnis gespalten hat in ein solches, das da sagt, daß der Geist vom Vater und vom Sohn ausgehe, während das andere glaubt, daß der Geist nur vom Vater ausgehe. Das drückt aus, was bis in unsere Zeiten hereinwirkt, was in den Untergründen wellt und schlägt und nur verstanden werden kann, wenn man sich ein wenig einläßt auf das geheimnisvolle Walten der okkulten Untergründe in den Volksseelen. Als das Karolingische Schwert vom Westen gegen den Osten hin zur Geltung gebracht hat — es war nicht die Papstkirche, die es getan hat, sondern das Karolingische Schwert — das Glaubensbekenntnis, daß der Geist ausgehe vom Vater und vom Sohn, wurde in der europäischen Kultur der Grund gelegt für das, was wir in mächtigen und erschütternden Wellenschlägen heute wiederum heraufpulsieren sehen. So hätte ein Sich-Vertiefen in dieses Drama manchen Lichtstrahl bringen können in die Ereignisse der Gegenwart.
[ 4 ] What is unfolding in external life—what is it, fundamentally speaking, other than something that—as if karmically surging into this external life—seized the hearts and minds of the people in our European East and Southeast many centuries ago? One could say: Inaudible to the outer world, karmic events are now unfolding that are connected to what is expressed only symptomatically on the physical plane—actually, in four syllables on the physical plane. What is now finding karmic expression was prepared when that famous and much-disputed “filioque” struck the European collective consciousness, splitting and fracturing it into East and West. — What, after all, does our present mindset, with its understanding, have to do with what once divided the West and East of Europe—whether what is called the Holy Spirit proceeds only from the Father, as the East claims, or also from the Son, as the West says? There are good reasons why, at that time, the West added that “filioque” to the procession of the Holy Spirit from the Father, for all the forces that developed in Western Europe—which provided the impetus for European culture—are connected to this. We are not concerned here with all the theological squabbling that has arisen over this creed in the various confessions of faith. But what is important for us is that the spiritual process was once expressed by the fact that the unified creed split into one that states that the Spirit proceeds from the Father and the Son, while the other holds that the Spirit proceeds only from the Father. This expresses what continues to influence our times, what surges and beats in the depths and can only be understood if one engages a little with the mysterious workings of the occult depths in the Folk-souls. When the Carolingian sword asserted itself from the West toward the East—it was not the Papal Church that did so, but the Carolingian sword—the creed that the Spirit proceeds from the Father and the Son laid the foundation in European culture for what we now see surging up again in powerful and shattering waves. Thus, a deeper immersion in this drama could have shed some light on the events of the present.
[ 5 ] Nun, für das Aufschieben dieser Vorstellung war zuletzt der Umstand ausschlaggebend, der nach der anderen Seite hin recht erfreulich ist, daß so viele Anmeldungen zu unseren Vorstellungen gekommen sind, daß wir für die Dramen «Der Hüter der Schwelle» und «Der Seelen Erwachen», wie jetzt der Titel unseres letzten Stückes heißt, viele unserer Freunde hätten abweisen müssen, wenn wir unser ursprüngliches Programm hätten einhalten wollen. Vielleicht hätte sich ohne diesen Umstand das ursprüngliche Programm dennoch durchführen lassen. Alles war so weit gediehen, daß zum Beispiel die sämtlichen Dekorationen vollständig fertig vorliegen, auch die sämtlichen Kostüme vollständig fertig da sind. Und wenn, wie gesagt, nicht der eben erwähnte Umstand eingetreten wäre, so hätten wir daran denken können, auch dieses dritte Stück zur Aufführung zu bringen. Allein, wir hätten eine Anzahl unserer Freunde ausschließen müssen von der Teilnahme an den Festvorstellungen in dieser Zeit. Und es ist natürlich statthafter, eines der Dramen aufzuschieben, als von den stattfindenden Vorstellungen unsere Freunde, die daran teilnehmen wollen, auszuschließen.
[ 5 ] Well, the decisive factor in postponing this performance was ultimately a circumstance that is quite gratifying from another perspective: so many people have registered for our performances that, for the plays “The Guardian of the Threshold” and “The Awakening of the Soul”—as our latest play is now titled—we would have had to turn away many of our friends if we had wanted to stick to our original schedule. Perhaps, without this circumstance, the original program could still have been carried out. Everything had progressed to the point where, for example, all the sets are completely ready, and all the costumes are also fully prepared. And if, as I said, the circumstance just mentioned had not arisen, we could have considered staging this third play as well. However, we would have had to exclude a number of our friends from participating in the festive performances during this time. And it is, of course, more acceptable to postpone one of the plays than to exclude our friends who wish to participate from the performances that are taking place.
[ 6 ] Es hängt das, was wir mit der Vorstellung dieses Dramas gewonnen hätten, auch damit zusammen, daß wir in diesem Drama eine Arbeit vor uns haben unseres so hochverehrten Edouard Schuré. Und bedenken müßten wir, wenn wir diesen Namen aussprechen, daß derjenige Mann ihn trägt, welcher durch seine «Großen Eingeweihten», «Les Grands Initiés», und durch seine anderen Werke in gewisser Beziehung der erste Bannerträger der esoterischen Richtung des Abendlandes ist, für die wir unsere Kräfte einsetzen wollen. Immer wieder und wiederum müssen wir bedenken, was durch Edouard Schur& Epochemachendes für die Gegenwart und die zukünftige Menschheitsentwickelung geschehen ist. Daher darf ich wohl nicht nur aus dem tiefsten Drange meines eigenen Herzens heraus, sondern gewiß auch aus dem Herzensdrang aller hier versammelten Freunde mit größter Befriedigung begrüßen, daß wir auch in dieser unserer Münchener Zyklus- und Spielzeit wiederum Edouard Schuré unter uns haben dürfen. Er nimmt teil an dem Vormittagszyklus, aber da wir auch Veranstaltungen haben, wo wir alle beisammen sein werden, werden alle Freunde Gelegenheit haben, auch persönlich an der Seite des Mannes zu sein, der mit hoher Genialität und mit tiefem Einblick in esoterische Verhältnisse uns aus seinem innersten Impuls heraus wiederum zur Seite getreten ist in der Gegenwart, als wir verwickelt waren, wie Sie alle wissen, in einen Kampf, der uns aufgedrängt war, den wir wahrhaftig nicht gesucht haben. Und wiederum hat sich die innige Verbindung mit Edouard Schur& dadurch gezeigt, daß er mit jenem offenen Brief — der ja wiederholt, auch in unseren «Mitteilungen», gedruckt worden ist und den Sie verbunden finden mit der ausgezeichneten Schrift unseres verehrten Freundes Eugen Levy — uns zur Seite getreten ist in einem Kampf, der wichtige Lichtstrahlen darauf geworfen hat, wo Wahrheit und Gegnerschaft gegen die Wahrheit denn so muß es genannt werden — in bezug auf unsere Bestrebungen zu suchen ist.
[ 6 ] What we would have gained from the mental image of this drama is also connected to the fact that this drama is a work by our highly esteemed Edouard Schuré. And when we utter this name, we must bear in mind that it belongs to the man who, through his Les Grands Initiés, “Les Grands Initiés,” and through his other works, is in a certain sense the foremost standard-bearer of the esoteric movement in the West, to which we wish to devote our energies. Time and again we must reflect on what Edouard Schuré has accomplished that is epoch-making for the present and for the future development of humanity. Therefore, I may well welcome with the greatest satisfaction—not only out of the deepest impulse of my own heart, but certainly also out of the heartfelt impulse of all the friends gathered here—that we may once again have Edouard Schuré among us during this Munich lecture series and performance season. He is participating in the morning lecture series, but since we also have events where we will all be together, all friends will have the opportunity to be personally at the side of the man who, with great genius and deep insight into esoteric matters, has once again stood by us in the present out of his innermost impulse, at a time when we were, as you all know, embroiled in a struggle that was forced upon us—one we truly did not seek. And once again, the close connection with Edouard Schur& has been demonstrated by the fact that with that open letter—which, as you know, has been reprinted repeatedly, including in our “Mitteilungen,” and which you will find appended to the excellent essay by our esteemed friend Eugen Levy—has stood by our side in a struggle that has shed important light on where truth and opposition to the truth—for that is what it must be called—are to be found in relation to our endeavors.
[ 7 ] Und es ist tief charakteristisch, daß man sich jetzt nach längerer Zeit — man bemerkt das innere Widerstreben und daß man gern das Geständnis verborgen sehen möchte — zwar entschlossen hat, den törichten Jesuitenvorwurf gewissermaßen zurückzunehmen, daß man aber nicht umhin konnte, diese Zurücknahme zugleich wiederum zu verbinden mit einer in gewisser Weise so zu nennenden Beschimpfung desjenigen, was aus einem ernsten Wahrheitssinn Edouard Schur£ in jenem offenen Briefe gebracht hat. Nicht unzusammenhängend waren die Schwierigkeiten, die sich gerade gegen die ohnedies nicht leichten Münchener Veranstaltungen ergeben haben dadurch, daß uns der hier nicht weiter zu erörternde Kampf aufgedrängt worden ist, der uns so viel Arbeit und Gedanken gekostet hat, und der wahrhaftig unnötig eigentlich gewesen ist und unnötig in seiner weiteren Fortsetzung sein wird.
[ 7 ] And it is deeply telling that, after a long time—one senses the inner reluctance and the desire to keep the confession hidden — has, in a sense, decided to retract the foolish Jesuit accusation, yet one could not help but link this retraction at the same time with what might be called an insult to what Edouard Schur£, out of a serious sense of truth, brought forth in that open letter. The difficulties that arose specifically in connection with the already challenging events in Munich were not unrelated to the fact that we were forced into a struggle—which need not be discussed further here—that cost us so much work and thought, and which was truly unnecessary and will remain unnecessary in its further continuation.
[ 8 ] Nun ist es für unsere Freunde notwendig, daß das, was geschehen ist zur Steuer der Wahrheit, jetzt auch ein wenig berücksichtigt werde. Ich erwähne außer Schriften, die schon früher erwähnt worden sind, das ausgezeichnete Buch unseres Freundes Lévy, das auch in deutscher Sprache nun zu haben sein wird; ich erwähne die Broschüre Dr. Ungers, diejenige der Frau Wolfram, des Herrn Walther, die außer anderen unter unseren Bücherwerken zu haben sein werden; Schriften, die sich wahrhaftig unsere Freunde abgerungen haben, weil im Grunde genommen jeder derselben etwas Wichtigeres zu tun gehabt hätte, als in solch einen unnötigen und wahrheitswidrigen Kampf sich einzulassen. Aber für unsere Freunde wird es notwendig sein, daß diese Broschüren nicht bloß geschrieben worden sind, sondern auch gelesen werden. Denn es wird schon einmal nötig sein, daß unsere Freunde, die es mit der Wahrheit ernst nehmen, sich all das wirklich zum Wissen bringen, was da vorgegangen ist, so unerquicklich dieses Wissen in gewisser Beziehung auch sein mag. Gerade von dieser Seite her ist auch unserer Arbeit in München manches schwere Hindernis in der letzten Zeit in den Weg getreten.
[ 8 ] Now it is necessary for our friends that what has happened be taken into account, at least to some extent, in the pursuit of the truth. In addition to the writings already mentioned, I would like to mention the excellent book by our friend Lévy, which will now also be available in German; I would like to mention the pamphlet by Dr. Unger, that by Mrs. Wolfram, and that by Mr. Walther, which, among others, will be available in our collection of books; writings that our friends have truly struggled to produce, because, strictly speaking, each of them would have had something more important to do than to engage in such an unnecessary and untruthful struggle. But it will be necessary for our friends that these pamphlets not only be written, but also read. For it will certainly be necessary for our friends, who take the truth seriously, to truly bring to light all that has transpired, however unpleasant this knowledge may be in certain respects. It is precisely from this angle that our work in Munich has recently encountered many serious obstacles.
[ 9 ] Und wenn ich von dieser Arbeit spreche, wie ich es auch in diesem Jahre wieder tun möchte, so muß erwähnt werden, daß für diejenigen Personen, welche sozusagen hinter den Kulissen die schwere und aufreibende Arbeit für die Münchener Veranstaltungen zu leisten hatten, diese Arbeit nicht etwa dadurch erleichtert worden ist, daß ein Drama ausgefallen ist. Das ganze Arrangement mußte infolgedessen geändert werden, und so ist die Arbeit nicht nur nicht verringert, sondern sogar vermehrt und erschwert worden. Also, es darf nicht geglaubt werden, daß da, wo die Hauptlast der vorbereitenden Arbeiten liegt, irgendwie etwas erleichtert worden wäre dadurch, daß ein Drama ausgefallen ist, sondern es ist diese Arbeit, die vor allen Dingen Fräulein Stinde und Gräfin Kalckreuth und ihre Helfer zu leisten haben, im wesentlichen vermehrt worden. Auch in diesem Jahre ist es mir ein Herzensbedürfnis, darauf hinzuweisen, in welch opferwilliger und hingebungsvoller Art sich ein großer Teil unserer Freunde wiederum gewidmet hat dem Zustandekommen dieser unserer Münchener Unternehmung. Sie kann ja nur dadurch zustande kommen, daß solche Opferwilligkeit bei einem großen Teile unserer Freunde vorhanden ist. Im Juni müssen schon die Vorbereitungen beginnen, und so war es auch dieses Jahr. Unsere verehrten Maler, Herr Linde, Herr Haß, Herr Volckert, sie mußten sich wieder einer langen Arbeit widmen, und wie gesagt, es wurden diese Arbeiten vollständig fertig geliefert. Und mit ihnen wirkte eine ganze Gruppe von Menschen, welche sich gleichsam hinter den Kulissen oder sogar, bevor die Kulissen zustande kommen konnten, ganz im stillen dieser Arbeit hingaben. Und es ist wirklich schön und wird immer wieder und wiederum schön sein, wie sich diese Opferwilligkeit auf diesem Gebiete zeigt. Nur als ein Symptomatisches sei hervorgehoben, daß zum Beispiel einer unserer Freunde, da ihm zwei große Rollen zugedacht waren, von denen die eine geht durch den «Hüter der Schwelle» und «Der Seelen Erwachen» und die andere gewesen wäre im Schurésehen Stück, daß dieser Freund nicht einmal wußte, ob er sich werde aufrechterhalten können durch die vielen Proben, die für die drei Stücke zu leisten gewesen wären; dennoch hat er die Arbeiten mit Willigkeit übernommen. Das alles sind Dinge, die bezeugen, wie sehr die Hingabe und Opferwilligkeit nach und nach gewachsen sind bei einem ausgedehnten Kreise innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft. Die Freunde, die, wie gesagt, zum Teil sehr früh mit ihren Arbeiten beginnen mußten, die genannten Maler, auch Fräulein vor Eckhardtstein, welche die Leitung der Kostümzusammenstellung hat, sie mußten schon vom Juni aus sich ganz dem Werke widmen. Diejenigen, die an der Darstellung beteiligt sind, sind den ganzen Tag beschäftigt, so daß sie kaum etwas anderes während des Tages unternehmen können. Sie sind unseren Freunden von der Anthroposophischen Gesellschaft ja auch bekannt, und die Freunde, die sich dieser Arbeit gewidmet haben, werden es mir erlassen, da ich eine lange, lange Liste aufzählen müßte, einzelne Namen zu nennen. Sie werden es mir nicht übelnehmen, wenn ich nur im allgemeinen, was leicht geglaubt werden wird, zum Ausdruck bringe, wie auch in diesem Jahre wiederum gegenüber all denen, die ihre Leistungen dargebracht haben, sozusagen das Herz von Dankbarkeit’ überfließt bei mir und gewiß auch bei all denjenigen, welche in irgendwelcher Weise haben genießen dürfen das, was durch unsere Freunde für diese Münchener Unternehmungen vorbereitet worden ist.
[ 9 ] And when I speak of this work—as I would like to do again this year—it must be noted that for those individuals who, so to speak, had to perform the arduous and exhausting work behind the scenes for the Munich events, this work was by no means made easier by the cancellation of a play. Consequently, the entire arrangement had to be changed, and so the workload was not only not reduced, but actually increased and made more difficult. So, one must not believe that, where the main burden of the preparatory work lies, anything has been made easier by the cancellation of a play; rather, it is this work—which Miss Stinde and Countess Kalckreuth and their helpers, above all, have to perform—that has essentially increased. This year, too, it is a matter close to my heart to point out the self-sacrificing and devoted manner in which a large number of our friends have once again dedicated themselves to the realization of our Munich undertaking. It can only come to fruition because such a spirit of self-sacrifice exists among a large number of our friends. Preparations must begin as early as June, and so it was this year as well. Our esteemed painters, Mr. Linde, Mr. Haß, and Mr. Volckert, had to devote themselves once again to a long period of work, and as I said, these works were delivered fully completed. And working alongside them was a whole group of people who, as it were, behind the scenes—or even before the scenes could be set—devoted themselves entirely and quietly to this work. And it is truly beautiful, and will be beautiful again and again, to see this spirit of self-sacrifice manifest itself in this field. Just as a symptomatic example, let it be noted that, for instance, one of our friends—since two major roles were intended for him, one of which runs through The Guardian of the Threshold and The Awakening of the Soul, and the other would have been in the Schuré play—did not even know whether he would be able to sustain himself through the many rehearsals that would have been required for the three plays; yet he willingly took on the work. All these are things that testify to how much devotion and willingness to make sacrifices have gradually grown among a broad circle within our Anthroposophical Society. The friends who, as I said, had to begin their work very early on—the painters mentioned, as well as Miss vor Eckhardtstein, who is in charge of the costume design—had to devote themselves entirely to the work starting in June. Those involved in the production are occupied all day long, so that they can hardly do anything else during the day. They are, of course, known to our friends in the Anthroposophical Society, and the friends who have devoted themselves to this work will forgive me, since I would have to list a long, long list of individual names. They will not hold it against me if I merely express in general terms—which will be easily believed—how, once again this year, my heart overflows with gratitude, so to speak, toward all those who have contributed their efforts, and certainly also toward all those who have been able to enjoy in any way what has been prepared by our friends for these Munich undertakings.
[ 10 ] Wenn auch gewissermaßen die Gegner von allen Seiten heranwachsen, so zeigt sich denn doch auch, wie unsere Arbeit, unser Streben ihre Erweiterung finden. Und es hat schon eine große Zahl von unseren Freunden Interesse genommen für das, was sich sozusagen als ein neuer Zweig aus unserem Bestreben heraus gebildet hat: ausdrucksvolle Gebärde, ausdrucksvolle Bewegung, im edelsten Sinne ausgeführt, was man Tanzkunst immer genannt hat. Eine Anzahl unserer Freunde hat hinlänglich Gelegenheit gehabt und wird sie weiter haben, mit dem, was hier als Eurythmie auftritt, sich bekanntzumachen. Bei einer unserer geselligen Zusammenkünfte werden wir Gelegenheit nehmen, etwas von diesem Zweige unserer Tätigkeit unseren verehrten Freunden vorzuführen. Das, meine lieben Freunde, ist im wesentlichen, was ich sozusagen als Persönliches unserem diesmaligen Vortragszyklus vorauszuschicken hätte.
[ 10 ] Even though, in a sense, opponents are emerging from all sides, it is also becoming clear how our work and our endeavors are expanding. And a large number of our friends have already taken an interest in what has, so to speak, emerged as a new branch of our endeavors: expressive gesture, expressive movement, performed in the noblest sense—what has always been called the art of dance. A number of our friends have had ample opportunity, and will continue to have it, to become acquainted with what appears here as eurythmy. At one of our social gatherings, we will take the opportunity to present something from this branch of our activity to our esteemed friends. That, my dear friends, is essentially what I would have to preface, so to speak, as a personal note to our current lecture series.
[ 11 ] Wenn Sie sich erinnern an die Bühnenvorgänge der letzten Tage, so bieten diese mancherlei, was Anknüpfung geben kann zu den Betrachtungen dieses Vortragszyklus. Ich darf sagen, daß ich auf verschiedene Anfragen hin jedes Jahr den Ansatz dazu nicht nur mit der Feder gemacht habe, sondern auch bis zu einem gewissen Grade etwas ausgearbeitet hatte, was wie eine Erklärung, wie eine Art Kommentierung unserer Mysteriendramen sein könnte, daß ich aber jedesmal die Sache wiederum zurückgelegt habe aus dem Grunde, den ich auch ein wenig angedeutet habe in den vorläufigen Bemerkungen von «Der Seelen Erwachen». Es widerstrebt mir, hinterher verstandesmäßig dasjenige zu kommentieren, was wahrhaftig nicht einen theoretischen, einen verstandesmäßigen Ursprung hat, was in seinen Bildern fertig dasteht wie eine Eingebung aus der geistigen Welt, und über das ich verstandesmäßig auch nicht anders sprechen könnte, als ein anderer sprechen kann, wenn er in die Sache eingeht. Es besteht ein gewisses Bedürfnis, die Dinge, die auf solche Weise gegeben sind, durch sich selbst sprechen zu lassen und sie nicht sozusagen abzuzapfen auf die dünne Vorstellungsart, die doch immer nur Verstandesdenken und Theoretisieren sein kann. Dennoch darf vielleicht an einiges angeknüpft werden innerhalb dieses Vortragszyklus. Und da möchte ich heute zunächst Ihre Aufmerksamkeit lenken auf das, was Ihnen vorgeführt wurde als neuntes, zehntes und als dreizehntes Bild in «Der Seelen Erwachen». Gerade in diesen Bildern haben wir etwas vor uns, was man nennen könnte schlichte Bildeindrücke, während vielleicht mancher erwarten könnte, daß nach den Bühnenvorgängen, die sich auf das Geistgebiet und die ägyptische Initiation beziehen, etwas mehr Tumultuarisches, Tragisches, etwas, man möchte sagen Laut-Erklingendes, nicht im Stillen der Seele Ablaufendes vor das Seelenauge geführt werde. Und dennoch würde alles, was in dem neunten, zehnten und dreizehnten Bild anders sein würde, dem okkulten Auge unwahr erscheinen müssen. Wir haben vor uns Seelenentwickelungen. Demgegenüber muß sogleich gesagt werden, daß zwar mit theoretischen Darstellungen, wie sie auch von uns für die Seelenentwickelung hinauf in die höheren Welten gegeben werden, Anhaltspunkte für jede Seele gegeben werden in bezug auf den Weg in die geistigen Welten; daß aber diese Seelenentwickelung für jede Seele nach deren besonderer Eigenart, Charakter, Temperament und sonstigen Verhältnissen verschieden sein muß. Daher kann man auch ein tieferes Verständnis für die okkulte Seelenentwickelung nur gewinnen, wenn man sie betrachtet in ihrer Verschiedenheit, wie sie sich verschieden abspielt für Maria und verschieden für Johannes Thomasius und verschieden für die anderen Personen unseres Dramas.
[ 11 ] If you recall the events on stage over the past few days, they offer various points that can serve as a starting point for the reflections in this lecture series. I may say that, in response to various inquiries, I have not only made a start on this each year with my pen, but have also, to a certain extent, worked out something that could serve as an explanation, a kind of commentary on our Mystery Dramas; yet I have set the matter aside each time for the reason I also hinted at somewhat in the preliminary remarks to The Awakening of the Soul. I am reluctant to comment intellectually, after the fact, on that which truly has no theoretical, no intellectual origin, which stands complete in its images like an inspiration from the spiritual world, and about which I could not speak intellectually any differently than another might speak when he enters into the matter. There is a certain need to let the things that are given in this way speak for themselves and not, so to speak, to reduce them to the thin form of conception that can, after all, only ever be intellectual thinking and theorizing. Nevertheless, perhaps some points can be taken up within this lecture series. And today I would first like to draw your attention to what was presented to you as the ninth, tenth, and thirteenth images in The Awakening of the Soul. It is precisely in these images that we have before us what one might call simple visual impressions, whereas some might perhaps expect that, following the stage events relating to the spiritual realm and Egyptian initiation, something more tumultuous, tragic, something—one might say—resounding, rather than unfolding in the stillness of the soul, would be presented before the soul’s eye. And yet, anything that were different in the ninth, tenth, and thirteenth images would have to appear untrue to the occult eye. We have before us soul developments. In contrast, it must be said at once that while theoretical descriptions, such as those we also provide regarding the soul’s development upward into the higher worlds, offer points of reference for every soul regarding the path into the spiritual worlds; this soul development must, however, differ for every soul according to its particular nature, character, temperament, and other circumstances. Therefore, one can only gain a deeper understanding of occult soul development by considering it in its diversity—as it unfolds differently for Maria, differently for Johannes Thomasius, and differently for the other characters in our drama.
[ 12 ] Das neunte Bild ist zunächst gewidmet jenem Seelenmoment der Maria, wo in die Seele hereintritt ein Bewußtsein dessen, was diese Seele sozusagen in ihren Untergründen noch nicht voll bewußt durchlebt hat in der vorangegangenen devachanischen Zeit, und was sie in ferner Vergangenheit durchgemacht hat, in der Zeit, in die die ägyptische Initiation fällt. Wir haben es in dem, was diesmal im Geistgebiet dargestellt worden ist, zu tun mit den Erlebnissen der Seele zwischen jenem Tod, der nach einer mittelalterlichen Inkarnation eingetreten ist, und der Geburt in jene Gegenwart herein, in welcher spielen «Die Pforte der Einweihung», «Die Prüfung der Seele», «Der Hüter der Schwelle» und «Der Seelen Erwachen». Alle diese Erlebnisse mit Ausnahme der Episode in der «Prüfung der Seele», die den Inhalt der geistigen Rückschau des Capesius in sein voriges Leben darstellt, spielen in der Gegenwart; in jener Gegenwart, die sich anschließt an die geistige Vergangenheit, welche sich devachanisch abgespielt hat zwischen dem Tod der entsprechenden Personen nach der mittelalterlichen Verkörperung, die der Inhalt der betreffenden Episode ist, und dem gegenwärtigen Leben. Das, was die Seelen erleben in ihrer devachanischen Zeit, ist verschieden, je nachdem die Seelen diese oder jene Vorbereitung auf der Erde durchgemacht haben. Als ein bedeutsames Seelenerlebnis muß aufgefaßt werden, wenn die Seele mit einem Bewußtsein in der devachanischen Zeit durchgeht durch das, was die Weltenmitternacht genannt ist. Für Seelen, welche nicht dazu vorbereitet sind, wird diese Weltenmitternacht so durchlebt, daß die Seelen gleichsam schlafen in jener Zeit, die man als die Saturnzeit des Devachan bezeichnen kann. Denn man kann die aufeinanderfolgenden Zeiten, die die Seelen durchmachen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, mit Bezug auf die einzelnen Planeten als Sonnen-, Mars-, Merkurzeit und so weiter bezeichnen. Manche Seelen verschlafen sozusagen diese Weltenmitternacht. Vorbereitete Seelen wachen in der Zeit ihres geistigen Lebens in jener Weltenmitternacht. Das bedingt aber noch nicht, daß solche Seelen, die durch ihre entsprechende Vorbereitung zwischen dem Tod und einer neuen Geburt bewußt erleben, im Wachen also die Weltenmitternacht erleben, auch ein Bewußtsein von diesem Erleben hereinbringen in das Erdenleben, wenn sie zum physischen Dasein kommen. Für Maria, für Johannes Thomasius vollzieht sich das so, daß sie entsprechend vorbereitet die Weltenmitternacht erleben in ihrer geistigen Zeit zwischen dem Tod und neuer Geburt, daß sich aber eine Art von Seelentrübnis ausgebreitet hat im Beginne dieses Erdenlebens und durch lange Zeiten desselben hindurch über das Erlebnis in der Weltenmitternacht, und daß dieses auftaucht in einem späteren Stadium des gegenwärtigen Erdenlebens. Es taucht aber nur dann auf, wenn eine gewisse innere Ruhe und Geschlossenheit der Seele eingetreten ist. Bedeutsam und tiefgehend sind die Ereignisse, die mit der Seele geschehen, wenn sie Weltenmitternacht im Wachen erlebt. Ruhiges Innenerlebnis, abgeklärtes Innenerlebnis muß die Erdenerinnerung sein an Weltenmitternacht; denn die Wirkung dieses Erlebens von Weltenmitternacht ist, daß das, was sonst nur subjektiv ist, was sonst als Seelenkräfte im Inneren nur wirkt, wesenhaft sich vor die Seele stellt. Es stellt sich vor Maria so hin, wie es im neunten Bild von «Der Seelen Erwachen» dargestellt ist in der Gestalt der Astrid und der Luna, daß diese lebendige Wesen werden. Für Johannes Thomasius wird die andere Philia lebendiges Wesen der geistigen Welt; für Capesius Philia, wie sie als lebendiges Wesen der geistigen Welt in dem dreizehnten Bilde dargestellt ist. Die Seelen mußten sich so erfühlen, so erleben lernen, daß das, was vorher nur abstrakte Kräfte in ihnen waren, gleichsam geistig greifbar vor sie hintritt. Und das, was da geistig greifbar wie wahre Selbsterkenntnis sich vor die Seele hinstellt, muß in vollständiger Seelenruhe eintreten können wie ein Ergebnis der Meditation; das ist es, um was es sich handelt, damit solche Ereignisse im wahren, echten Sinn des Wortes zur wirklichen Erstarkung und Erkraftung der Seele erlebt werden können. Würde man in tumultuarischer Tragik, nicht in abgeklärter Meditation die Rückerinnerung erleben wollen an die Weltenmitternacht oder an ein solches Ereignis, wie es in der ägyptischen Einweihungsszene dargestellt ist, dann würde man es gar nicht erleben können. Dann würde sich das geistige Ereignis, das sich in der Seele abspielt, verfinsternd vor die Seele hinstellen, so daß sich die Eindrücke der Seelenbeobachtung entziehen würden. Eine Seele, welche Weltenmitternacht erlebt hat und welche mit einem bedeutenden Eindruck in den Untergründen der Seele so etwas erlebt hat, wie es im siebenten und achten Bilde von «Der Seelen Erwachen» dargestellt wird, kann sich nur zurückerinnern an das, was sie durchgemacht hat, wenn die Seele in vollständiger abgeklärter Ruhe das Heranrücken der Gedanken an das vorher im Geistigen oder im vorigen Erdenleben Erlebte so empfindet, wie es mit den Worten im Beginne des neunten Bildes ausgedrückt ist:
[ 12 ] The ninth image is initially dedicated to that moment in Mary’s soul when a consciousness enters her soul of what this soul, so to speak, has not yet fully experienced in its depths during the preceding devachanic period, and what she went through in the distant past, in the time corresponding to the Egyptian initiation. In what has been depicted this time in the spiritual realm, we are dealing with the soul’s experiences between that death which occurred after a medieval incarnation and the birth into the present in which “The Gate of Initiation,” “The Trial of the Soul,” “The Keeper of the Threshold,” and “The Awakening of the Soul” take place. All these experiences, with the exception of the episode in “The Trial of the Soul,” which depicts the content of Capesius’s spiritual review of his previous life, take place in the present; in that present which follows the spiritual past that unfolded in Devachan between the death of the respective individuals following the medieval incarnation—which is the content of the relevant episode—and the present life. What the souls experience during their time in Devachan varies depending on the specific preparation they underwent on Earth. It must be regarded as a significant soul experience when the soul, with a consciousness in the devachanic period, passes through what is called the world midnight. For souls who are not prepared for this, this world midnight is experienced in such a way that the souls, as it were, sleep during that time, which can be described as the Saturn period of Devachan. For one can designate the successive periods that souls undergo between death and a new birth, with reference to the individual planets, as the Sun, Mars, Mercury periods, and so on. Some souls, so to speak, sleep through this cosmic midnight. Prepared souls remain awake during the time of their spiritual life in that cosmic midnight. However, this does not necessarily mean that such souls, who—through their appropriate preparation—consciously experience the cosmic midnight between death and a new birth, that is, while awake, also bring an awareness of this experience into their earthly life when they return to physical existence. For Mary and for Johannes Thomasius, this unfolds in such a way that, having been appropriately prepared, they experience the midnight of the worlds during their spiritual time between death and a new birth; yet a kind of spiritual gloom has spread at the beginning of this earthly life and throughout long periods of it, overshadowing the experience of the midnight of the worlds, and this emerges at a later stage of their present earthly life. But it emerges only when a certain inner peace and wholeness of the soul has been attained. The events that occur within the soul when it experiences the Midnight of the Worlds while awake are significant and profound. The earthly memory of the Midnight of the Worlds must be a calm, serene inner experience; for the effect of this experience of the Midnight of the Worlds is that what is otherwise only subjective, what otherwise acts only as soul forces within, stands before the soul in its essential form. It stands before Mary just as it is depicted in the ninth image of “The Awakening of the Soul” in the form of Astrid and Luna, so that they become living beings. For Johannes Thomasius, the other Philia becomes a living being of the spiritual world; for Capesius, Philia, as she is depicted as a living being of the spiritual world in the thirteenth image. The souls had to learn to feel and experience in such a way that what were previously only abstract forces within them now step before them, as it were, spiritually tangible. And that which stands before the soul, spiritually tangible like true self-knowledge, must be able to enter in complete peace of mind as a result of meditation; this is what is at stake, so that such events may be experienced in the true, genuine sense of the word as a real strengthening and invigoration of the soul. If one were to seek to experience the recollection of the world’s midnight or of an event such as that depicted in the Egyptian initiation scene amidst tumultuous tragedy rather than in serene meditation, then one would not be able to experience it at all. Then the spiritual event unfolding within the soul would cast a darkening shadow before the soul, so that the impressions of the soul’s observation would elude it. A soul that has experienced the World Midnight and has experienced something like what is depicted in the seventh and eighth images of “The Awakening of the Soul,” can only recall what it has gone through when the soul, in a state of complete, serene calm, perceives the approach of thoughts regarding what was previously experienced in the spiritual realm or in a former earthly life in the manner expressed by the words at the beginning of the ninth image:
Ein Seelenstern, am Geistesufer dort, —
Er nahet, — nahet mir in Geisteshelle,
Mit meinem Selbste nahet er, — im Nahen —
Gewinnt sein Licht an Kraft, — an Ruhe auch.
Du Stern in meinem Geisteskreise, was —
Erstrahlt dein Nahen meiner Seelenschau?
A star of the soul, there on the shore of the spirit, —
It draws near, — draws near to me in the light of the spirit,
Drawing near with my very self, — as it draws near —
Its light gains strength, — and peace as well.
You star in my circle of spirit, what —
Does your approach shine upon my soul’s gaze?
[ 13 ] Wahr okkultistisch empfinden kann man das Auftreten der Erinnerung an Weltenmitternacht und an das Erlebnis der vorhergehenden . Inkarnation nur dann, wenn die Seele in dieser ruhigen Verfassung ist, so daß nicht in tumultuarischer Tragik die Sache an die Seele heranrollt. Da, wo es erlebt wird, wo Weltenmitternacht durchgemacht wird, erlebt man allerdings Bedeutsamstes für das Seelenerleben des Menschen; da erlebt man das, was sich nicht anders ausdrücken läßt als dadurch, daß man sagt: Es werden in jener Weltenmitternacht Dinge erlebt, die tief, tief verborgen unter der Oberfläche nicht nur der Sinneswelt liegen, sondern auch unter der Oberfläche mancher Welt, in die ein anfängliches Hellsehen hineinführt. Es entzieht sich der Sinneswelt, aber auch noch manchem hellsichtigen Blick, der gewisse Schichten unter der Sinneswelt schon durchschaut, dasjenige, was man — wir werden davon noch weiter sprechen — die Notwendigkeiten im Weltengeschehen nennen kann, jene Notwendigkeiten, die in den Untergründen der Dinge wurzeln, in denen allerdings auch die tiefsten Untergründe der menschlichen Seele wurzeln, aber die sich dem Sinnlichen und auch dem anfänglichen hellseherischen Blicke entziehen und sich dem letzteren erst dann ergeben, wenn so etwas durchlebt wird, wie es bildhaft in der Saturnzeit geschildert wird. Dann darf man sagen, daß es für einen solchen hellseherischen Blick, der zuerst auftreten muß in der Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt, wirklich so ist, wie wenn Blitze das ganze Blickfeld der Seele überziehen würden, die in ihrem schrecklichen Leuchten die Weltennotwendigkeiten überleuchten, die aber zugleich so blendend hell sind, daß die Erkenntnisblicke durch das helle Leuchten ersterben und aus den ersterbenden Erkenntnisblicken sich Bildformen bilden, die sich dann in das Weltenweben einweben als die Formen, aus denen die Schicksale der Weltenwesen erwachsen. Man durchschaut die Gründe der menschlichen und anderer Weltenwesen Schicksale in den Untergründen der Notwendigkeiten erst dann, wenn man mit solchen Erkenntnisblicken schaut, die im Erkennen durch die aufleuchtenden Blitze ersterben und sich wie zu erstorbenen Formen umbilden, die dann fortleben als die Schicksalsimpulse des Lebens. Und alles das, was eine wahre Selbsterkenntnis in sich findet — nicht jene Selbsterkenntnis, von der auf theosophischem Felde so viel geschwatzt wird, sondern jene hochernste Selbsterkenntnis, die sich im Verlaufe des okkulten Lebens eben ergibt —, alles, was die Seele in sich selber erblickt mit allen Unvollkommenheiten, die sich die Seele zuschreibt, es wird gehört zur Weltenmitternacht wie verwoben in hinrollendem Weltendonner, der in den Untergründen des Daseins verrollt.
[ 13 ] One can truly perceive, in an occult sense, the emergence of memories of the Midnight of the Worlds and the experience of the previous incarnation only when the soul is in this calm state, so that the matter does not overwhelm the soul with tumultuous tragedy. Where it is experienced, where the Midnight of the Worlds is lived through, one experiences, however, what is most significant for the soul life of the human being; there one experiences what can be expressed in no other way than by saying: In that cosmic midnight, things are experienced that lie deeply, deeply hidden not only beneath the surface of the sensory world, but also beneath the surface of many a world into which initial clairvoyance leads. What eludes the sensory world—and even many a clairvoyant gaze that already penetrates certain layers beneath the sensory world—is what we might call—and we shall speak of this further—the necessities of world events, those necessities that are rooted in the depths of things, in which, however, the deepest depths of the human soul are also rooted, but which elude the sensory and also the initial clairvoyant gaze and yield to the latter only when something is lived through as is pictorially described in the Saturn period. Then one may say that for such a clairvoyant gaze, which must first arise in the time between death and a new birth, is truly as if flashes of lightning were to cover the entire field of vision of the soul, which in their terrible brilliance illuminate the necessities of the world, but which are at the same time so dazzlingly bright that the glances of insight perish in the bright light, and from these dying glances of insight, pictorial forms take shape, which are then woven into the fabric of the world as the forms from which the destinies of world beings arise. One perceives the reasons for the destinies of human and other world beings in the depths of necessity only when one looks with such glances of insight that, in their recognition, perish in the flashes of light and transform into forms as if they had perished, which then live on as the impulses of destiny in life. And all that which finds true self-knowledge within itself—not that self-knowledge of which so much is chattered about in theosophical circles, but that most serious self-knowledge which arises in the course of the occult life—all that which the soul beholds within itself, with all the imperfections the soul ascribes to itself, belongs to the midnight of the world, as if woven into the rolling thunder of the world’s end, which rolls on in the depths of existence.
[ 14 ] Das alles können Erlebnisse sein, die mit einer großen Tragik und mit einem heiligen Ernste ablaufen als das Erwachen gegenüber der Weltenmitternacht zwischen Tod und einer neuen Geburt. Wenn die Seele reif sein soll, ein Bewußtsein davon eintreten zu lassen in die physische Sinneswelt, dann muß das in jener Abgeklärtheit der Meditationsstimmung geschehen, die angedeutet worden ist mit den Worten der Maria im Beginne des neunten Bildes. Dann aber muß vorangegangen sein für diese Seele dasjenige, was diese Seele innerhalb ihres Geisteslebens empfunden hat, wie wenn etwas von ihr selber, etwas, was innig zu ihr selber gehört, was sich nur nicht immer in dem, was man so sein Selbst nennt, aufgehalten hat, herangekommen wäre aus den Weltenweiten. Die Stimmung, in der etwas wie ein Stück des eigenen Selbstes in der Geisteswelt, aber wie aus Weiten, herankommt, wurde versucht wiederzugeben in den Worten, die Maria im Geistgebiete spricht:
[ 14 ] All of these can be experiences that unfold with great tragedy and sacred solemnity, like an awakening in the midst of the world’s midnight, between death and a new birth. If the soul is to be ready to allow an awareness of this to enter the physical sensory world, then this must take place in that serenity of the meditative mood that was hinted at in Mary’s words at the beginning of the ninth image. But then this soul must have been preceded by what it has felt within its spiritual life, as if something of itself—something that belongs intimately to itself, yet has not always remained within what one calls one’s self—had approached from the vastness of the worlds. The mood in which something like a part of one’s own self approaches from the spiritual world, yet as if from vast distances, was attempted to be conveyed in the words that Maria speaks in the spiritual realm:
Die Flammen nahn, — sie nahn mit meinem Denken —
Von meinem Welten-Seelen-Ufer dort;
Es naht ein heißer Kampf; — mein eignes Denken,
Es kämpft mit Luzifers Gedanken;
In andrer Seele kämpft mein eignes Denken, —
Es zieht das heiße Licht — aus finstrer Kälte,
Wie Blitze lammt — das heiße Seelenlicht, —
Das Seelenlicht — im Welten-Eis-Gefilde —.
The flames draw near—they draw near with my thoughts—
From the shore of my world-soul there;
A fierce battle draws near;—my own thoughts,
They battle with Lucifer’s thoughts;
In another soul my own thoughts struggle, —
It draws the fiery light — from dark coldness,
Like lightning flashes — the fiery light of the soul, —
The light of the soul — in the realm of the world’s ice —.
[ 15 ] Die Erinnerung an das, was erlebt wird und sich ausdrücken läßt in solchen Worten, kann wiedergegeben werden in den angedeuteten Worten der Maria im Beginne des neunten Bildes. Das aber, was die Seele erleben muß, um eine solche Erinnerung an Weltenmitternacht zu haben, das muß auch im Erdenleben liegen, und zwar so, daß die Menschenseele Erlebnisse durchgemacht hat, welche ihr zum Erleben gebracht haben Stimmungen innerer Tragik, inneren Ernstes, innerer Furchtbarkeit, die sich nur ausdrücken lassen mit solchen Worten, wie sie am Ende des vierten Bildes Maria in den Mund gelegt werden. Da muß man gefühlt haben, wie sich das eigene Selbst entreißt demjenigen, was man gewöhnlich das Innenleben nennt; wie sich das Denken, mit dem man sich so vertrauensvoll im Leben verbunden fühlt, herausreißt aus dem Inneren, wie es in ferne, ferne Weiten des Blickfeldes geht. Und man muß in sich gefunden haben als lebendige Seelengegenwart das, was in solchen Worten zum Ausdruck kommt, die natürlich dem äußeren Sinneserfassen und dem an das physische Gehirn gebundenen Verstand wie ein kompletter Unsinn, wie eine Fülle von Widersprüchen erscheint. Man muß erlebt haben erst diese Stimmung des Fortgehens des eigenen Selbstes, des eigenen Denkens von dem Innensein, wenn man in vollständiger Ruhe die Erinnerung an Weltenmitternacht erleben will. Dem Erinnern im Erdenleben muß vorangegangen sein das Erleben der Weltenmitternacht im geistigen Leben, wenn so etwas eintreten soll, wie es im neunten Bilde zum Ausdruck kommen will. Aber daß das möglich ist, dazu muß wiederum die Seelenstimmung vorangegangen sein, die sich ausdrückt am Ende des vierten Bildes. Die Flammen fliehen wahrhaftig; sie kommen nicht früher in das Erdenbewußtsein herein, sie nahen nicht früher dem Ruhen in der Meditation, bevor sie erst geflohen sind, bevor eine Wahrheit diese Seelenstimmung gewesen ist:
[ 15 ] The memory of what is experienced and can be expressed in such words can be conveyed in the words spoken by Mary at the beginning of the ninth scene. But what the soul must experience in order to have such a memory of the midnight of the world must also lie within earthly life, and indeed in such a way that the human soul has undergone experiences that have led it to experience moods of inner tragedy, inner gravity, and inner dread, which can only be expressed with words such as those placed in Mary’s mouth at the end of the fourth scene. One must have felt how one’s own self is torn away from what is usually called the inner life; how the thinking with which one feels so trustingly connected in life is torn out of the inner self, as it goes into distant, distant expanses of the field of vision. And one must have found within oneself, as a living presence of the soul, that which is expressed in such words, which naturally appear to the outer senses and to the intellect bound to the physical brain as utter nonsense, as a wealth of contradictions. One must first have experienced this mood of the departure of one’s own self, of one’s own thinking from the inner being, if one wishes to experience the memory of the midnight of the worlds in complete stillness. The recollection in earthly life must have been preceded by the experience of the midnight of the worlds in spiritual life, if something such as what is expressed in the ninth image is to occur. But for this to be possible, the soul mood expressed at the end of the fourth image must in turn have preceded it. The flames truly flee; they do not enter earthly consciousness any sooner, they do not approach rest in meditation any sooner, until they have first fled, until this soul mood has been a truth:
Die Flammen fliehn, — sie fliehn mit meinem Denken;
--------
Und dort am fernen Welten-Seelen-Ufer
Ein wilder Kampf, — es kämpft mein eignes Denken
Am Strom des Nichts — mit kaltem Geisteslicht. —
Es wankt mein Denken; — kaltes Licht, — es schlägt
Aus meinem Denken heiße Finsternis. — — —
Was taucht jetzt aus der finstren Hitze auf? —
In roten Flammen stürmt mein Selbst — ins Licht; —
Ins kalte Licht — der Welten-Eis-Gefilde. —
The flames flee—they flee with my thoughts;
--------
And there on the distant shore of the world’s soul
A fierce battle—my own thoughts are fighting
By the stream of nothingness—with the cold light of the spirit.—
My thoughts waver;—cold light—it strikes
Hot darkness from my thoughts. — — —
What now emerges from the dark heat? —
In red flames my self storms — into the light; —
Into the cold light — of the world’s icy realms. —
[ 16 ] So hängen die Dinge zusammen, und wenn sie so zusammenhängen, dann erkraften sie die inneren Seelenfähigkeiten, so daß das, was erst nur abstrakte Seelenkraft war, geistig leibhaftig vor die Seele hintritt, so daß es zugleich eine besondere Wesenheit ist und zugleich man es selbst hat, wie Astrid und Luna vor Maria hintraten. Und dann treten diese Wesenheiten, die wahrhaftige Wesenheiten sind und die zugleich als Seelenkräfte erlebt werden, so hin, daß sie im Verein auftreten können mit dem Hüter der Schwelle und mit Benedictus, wie das im neunten Bilde zur Darstellung gekommen ist.
[ 16 ] This is how things are connected, and when they are connected in this way, they activate the inner soul powers, so that what was previously only an abstract soul power appears before the soul in a spiritually corporeal form, so that it is at once a distinct being and at the same time something one possesses oneself, just as Astrid and Luna appeared before Maria. And then these entities, which are true entities and are at the same time experienced as soul forces, appear in such a way that they can appear together with the Guardian of the Threshold and with Benedictus, as depicted in the ninth image.
[ 17 ] Aber das Wesentliche ist, daß man die Stimmung dieses Bildes verspürt, in dem in ganz anderer, individueller Weise, so daß die innere Seelenkraft, welcher die andere Philia entspricht, leibhaftig wird, das Erwachen, die Erinnerung an Weltenmitternacht und an die ägyptische Vorzeit bei Johannes Thomasius geschieht. Für die gerade so gestimmte Seele, wie sie in Johannes Thomasius vorhanden ist, hat das Wort der anderen Philia seine Bedeutung:
[ 17 ] But the essential point is that one senses the mood of this image, in which, in a completely different, individual way—so that the inner soul force corresponding to the other Philia becomes embodied—the awakening, the recollection of the midnight of the world and of Egyptian antiquity, takes place in Johannes Thomasius. For a soul attuned in precisely this way, as is the case with Johannes Thomasius, the word of the other Philia has its meaning:
Verzaubertes Weben des eigenen Wesens —
The Enchanted Weaving of One's Own Being —
[ 18 ] mit all dem, was daran hängt im Verlauf des Mysteriendramas. Dadurch, daß das so ist, treten gerade in einer solchen Weise herein der Geist von Johannes’ Jugend, Benedictus und Luzifer, wie sie dargestellt werden gegen das Ende des zehnten Bildes. Es ist wichtig, daß gerade für dieses Bild ins Seelenauge gefaßt wird, wie da Luzifer herantritt an Johannes ’Thomasius und dieselben Worte fallen, die in «Der Hüter der Schwelle» am Ende des dritten Bildes gefallen sind. In diesen Worten zeigt sich, wie durch alle Welten und Menschheitsleben hindurchgeht der Kampf des Luzifer, hindurchgeht aber auch die Stimmung, die den Worten des Luzifer entgegentönt aus den Worten des Benedictus. Man versuche einmal zu erfühlen, was in diesen Worten liegt, die von Luzifer ertönen sowohl in «Der Hüter der Schwelle» am Ende des dritten Bildes wie am Ende des zehnten Bildes von «Der Seelen Erwachen»:
[ 18 ] with all that is connected to it in the course of the Mystery Drama. Because this is so, the spirits of John’s youth, Benedictus, and Lucifer enter in precisely the manner in which they are portrayed toward the end of the tenth scene. It is important, especially for this scene, to take in with the eye of the soul how Lucifer approaches Johannes Thomasius and utters the very same words that were spoken in The Guardian of the Threshold at the end of the third scene. In these words, we see how the struggle of Lucifer runs through all worlds and human lives, but also how the mood that resounds in response to Lucifer’s words emerges from the words of Benedictus. One should try to sense what lies in these words spoken by Lucifer, both in The Guardian of the Threshold at the end of the third scene and at the end of the tenth scene of The Awakening of the Soul:
Ich werde kämpfen. Benedictus:
Und kämpfend Göttern dienen.
I will fight. Benedictus:
And serve the gods through battle.
[ 19 ] Man fasse bei dieser Gelegenheit etwas anderes ganz besonders ins Auge; man fasse ins Auge, daß dieselben Worte an diesen zwei Orten gesprochen werden, daß sie aber gesprochen werden können, indem sie zugleich an diesen beiden Orten etwas ganz verschiedenes bedeuten. Das, was sie am Ende des zehnten Bildes von «Der Seelen Erwachen» bedeuten, wird dadurch bedingt, daß die vorangehenden Worte der Maria Verwandlungsworte von anderen Worten gewesen — sind, welche in «Der Hüter der Schwelle» gesprochen werden, daß in der Seele der Maria das lebt, was von ihr vorher gesprochen wird:
[ 19 ] Let us take this opportunity to focus particularly on something else; let us focus on the fact that the same words are spoken in these two places, yet they can be spoken because they mean something entirely different in each of these two places. What they mean at the end of the tenth scene of The Awakening of the Soul is determined by the fact that the preceding words spoken by Maria were—and are—words of transformation derived from other words spoken in The Guardian of the Threshold, and that what is spoken of her beforehand lives within Maria’s soul:
Maria, so wie du sie schauen wolltest,
Ist sie in Welten nicht, wo Wahrheit leuchtet.
ein heilig ernst Gelöbnis strahlet Kraft,
Die dir erhalten soll, was du errungen.
Maria, just as you wished to see her,
Is she not in worlds where truth shines?
A sacred, solemn vow radiates strength,
Which shall preserve for you what you have achieved.
[ 20 ] Jetzt sagt sie:
[ 20 ] Now she says:
Du findest mich in hellen Lichtgefilden,
You can find me in bright realms of light,
[ 21 ] sie sagt nicht mehr:
[ 21 ] she no longer says:
Du findest mich in kalten Eisgefilden,
You'll find me in cold, icy lands,
[ 22 ] sondern:
[ 22 ] but rather:
Du findest mich in hellen Lichtgefilden,
Wo Schönheit strahlend Lebenskräfte schafft;
In Weltengründen suche mich, wo Seelen
Das Götterfühlen sich erkämpfen wollen
Durch Liebe, die im All das Selbst erschaut.
You will find me in realms of bright light,
Where beauty radiates and creates life forces;
Seek me in the depths of the universe, where souls
Strive to attain a sense of the divine
Through love that beholds the Self in the cosmos.
[ 23 ] Die Worte sind anders gewendet als im zweiten Bild von «Der Seelen Erwachen». Dadurch wird das, was als Gespräch zwischen Luzifer und Benedictus am Ende dieses zehnten Bildes in «Der Seelen Erwachen» erscheint: «Ich werde kämpfen» — «Und kämpfend Göttern dienen», etwas ganz anderes, als es war am Ende des dritten Bildes in «Der Hüter der Schwelle». Damit ist Licht geworfen auf etwas, was gleichsam als ein ahrimanischer Einschlag waltet gerade in allem verstandesmäßigen Denken, in der ganzen verstandesmäßigen Kultur der Gegenwart.
[ 23 ] The wording is different from that in the second scene of The Awakening of the Soul. This highlights what appears as a conversation between Lucifer and Benedictus at the end of this tenth scene in The Awakening of the Soul: “I will fight” — “And in fighting serve the gods,” something quite different from what it was at the end of the third scene in The Guardian of the Threshold. This sheds light on something that, as it were, reigns as an Ahrimanic influence precisely in all intellectual thinking, in the entire intellectual culture of the present.
[ 24 ] Zu dem schwersten für dieses äußere Verstandesmäßige in der Kultur der Gegenwart gehört es bei den Menschen, daß sie einsehen, daß dieselben Worte in verschiedenen Zusammenhängen Verschiedenes ausdrücken. Unsere Gegenwartskultur ist so geartet, daß die Menschen meinen, wenn sie Worte haben, dann müsse aus diesen Worten, insofern sie auf dem physischen Plan geprägt sind, immer das gleiche folgen. Hier hat man zugleich die Stelle, wo Ahriman den Menschen der Gegenwart am intensivsten im Nacken sitzt, wo er sie verhindert zu begreifen, daß die Worte erst lebendig werden in ihrer tiefen Wesenheit, wenn man sie in dem Zusammenhang erschaut, in dem sie darinstehen. Nichts, was über den physischen Plan hinausreicht, kann man verstehen, wenn man diese okkulte Tatsache nicht ins Auge faßt. Ganz besonders wichtig ist es für unsere Gegenwart, daß eine solche okkulte Tatsache als ein Gegengewicht gegen die äußere Verstandeskultur, die alle Menschen ergriffen hat, auf die Seelen, auf die Herzen wirken kann.
[ 24 ] One of the greatest challenges for this external, intellectual aspect of contemporary culture is for people to realize that the same words can express different things in different contexts. Our contemporary culture is such that people believe that if they have words, then these words—insofar as they are imprinted on the physical plane—must always yield the same result. Here we have the very point where Ahriman is most intensely at the heels of people today, preventing them from grasping that words only come alive in their deepest essence when one perceives them in the context in which they stand. Nothing that extends beyond the physical plane can be understood unless one takes this occult fact into account. It is particularly important for our present time that such an occult fact can act upon souls and hearts as a counterweight to the external culture of the intellect that has gripped all people.
[ 25 ] Beachten Sie unter dem Mancherlei, was für diese Mysteriendramen in Betracht kommt, wie die eigenartige Gestalt des Ahriman gerade in «Der Seelen Erwachen» zuerst leise heranschleicht, wie sie sozusagen wie zwischen den Persönlichkeiten hindurchgehend sich zeigt, wie sie immer mehr und mehr Bedeutung gewinnt gegen das Ende von «Der Seelen Erwachen». Ich werde auch versuchen, solche Dinge, wie sie für die Gestaltung des Ahriman und des Luzifer und für manches andere in Betracht kommen, in einer besonderen Schrift darzulegen, die noch innerhalb dieses Vortragszyklus, womöglich bis Mitte der Woche, in Ihre Hand gelangen kann und die da heißen wird «Die Schwelle der geistigen Welt», weil es mir besonders notwendig erscheint, daß für unsere Freunde in dieser Zeit über mancherlei Gebiete Licht kommt. Man kommt nicht so leicht ins klare über solche Gestalten, wie sie Luzifer und Ahriman sind. Insbesondere kann vielleicht für manchen nützlich sein, gerade in «Der Seelen Erwachen» ein wenig acht zu geben darauf, daß derjenige, der sich nicht so ganz unklar ist über das Ahrimanische in der Welt, manches denken kann, was vielleicht ein anderer aus unbewußten ahrimanischen Impulsen heraus auch denkt, aber in einer anderen Stimmung denkt. Vielleicht wird es doch manche Seele unter Ihnen geben, welche nachfühlen kann all die Verhältnisse, die einströmen in solche Worte, wie sie bei Ahriman zum Ausdruck kommen, solange er sozusagen noch zwischen den Personen hinschleicht:
[ 25 ] Among the various aspects relevant to these Mystery Dramas, note how the peculiar figure of Ahriman first creeps in quietly in The Awakening of the Soul, how it reveals itself, as it were, passing between the personalities, and how it gains more and more significance toward the end of The Awakening of the Soul. I will also attempt to expound upon such matters—as they pertain to the characterization of Ahriman and Lucifer and to many other things—in a special treatise that may reach your hands within this lecture series, possibly by the middle of the week, and which will be titled The Threshold of the Spiritual World, because it seems particularly necessary to me that light be shed on various areas for our friends at this time. It is not so easy to gain clarity regarding figures such as Lucifer and Ahriman. In particular, it may be useful for some to pay a little attention, especially in The Awakening of the Soul, to the fact that someone who is not entirely unclear about the Ahrimanic in the world may think certain things that another person, driven by unconscious Ahrimanic impulses, also thinks—but thinks them in a different mood. Perhaps there will be some souls among you who can empathize with all the circumstances that flow into such words as those expressed by Ahriman, as long as he is still, so to speak, creeping between the individuals:
So laß von ihm dich nicht noch ganz verwirren.
Er hütet treulich ja die Schwelle doch,
Wenn er sich auch der Kleider jetzt bedient,
Die du erst selbst aus alten Schauerstücken
In deinem Geist zusammen dir geflickt.
Als Künstler solltest du ihn allerdings
Im schlechten Dramenstile nicht gestalten.
Das wirst du aber später besser machen.
Doch dient der Seele selbst das Zerrbild noch.
Es braucht auch nicht zu viel an Kräftedruck,
Um dir zu weisen, was es jetzt noch ist.
Du solltest merken, wie der Hüter spricht:
Elegisch ist sein Ton, zuviel an Pathos.
Erlaub ihm dieses nicht, dann zeigt er dir,
Von wem er heute noch zuviel entlehnt.
So do not let him confuse you completely.
He faithfully guards the threshold, after all,
Even if he now makes use of clothes
Which you yourself first pieced together
In your mind from old horror stories.
As an artist, however, you should not
Portray him in the style of bad drama.
But you will do better later.
Yet the distorted image still serves the soul itself.
Nor does it take too much force
To show you what it still is.
You should notice how the guardian speaks:
His tone is elegiac, too much pathos.
Do not allow him this, then he will show you
From whom he still borrows too much today.
[ 26 ] Ich kann mir vorstellen, daß mancher auch von diesem oder jenem ästhetischen Standpunkt aus Tadelnswertes findet an der ganzen Art, wie diese Mysteriendramen vor uns stehen. Auch diese Einwände unter mancherlei anderen Einwänden gegen die Anthroposophie, sie erledigen sich für denjenigen, der sich in die Stimmung des Ahriman hineinzuversetzen vermag. Die überklugen Leute der Gegenwart, welche die Anthroposophie abkanzeln, gehören durchaus zu jenem Volk, von dem der Dichter sagt: Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte. — Aber diese Gegner der Anthroposophie können ein wenig beurteilt werden durch das, was hier Ahriman während seines Herumschleichens sagt.
[ 26 ] I can form a mental image of some people, from one aesthetic standpoint or another, finding fault with the entire way these Mystery Dramas are presented to us. These objections, along with many others raised against anthroposophy, are resolved for those who are able to put themselves in the mood of Ahriman. The overly clever people of the present day who dismiss anthroposophy belong entirely to that sort of people of whom the poet says: “This little folk never senses the devil, even if he had them by the collar.” — But these opponents of anthroposophy can be judged a little by what Ahriman says here as he prowls about.
[ 27 ] Dann tritt Ahriman uns aber in seiner ernsteren Gestalt entgegen, da, wo der Tod des Strader nach und nach hereinspielt in das Geschehen, das im Mysteriendrama dargestellt ist, so hereinspielt, daß die Kräfte, die von diesem Tode ausgehen, gesucht werden sollten für den Seelenblick in ihrer Wirksamkeit in alledem, was sonst in «Der Seelen Erwachen» geschieht. Und immer wieder muß gesagt werden, daß dieses Erwachen in verschiedener Weise geschieht. Für Maria geschieht es dadurch, daß durch besondere Dinge jene Seelenkräfte, die ihren leibhaftigen geistigen Ausdruck finden in Luna und Astrid, vor Marias Seele hintreten. Für Johannes Thomasius geschieht es dadurch, daß in ihm ein Erlebnis wird das verzauberte Weben des inneren Wesens, wie es greifbar geistig — wenn der absurde Ausdruck gebraucht werden darf — in der anderen Philia vor ihn hintritt; und wiederum in anderer Weise für Capesius durch Philia. Aber noch in viel anderer Form kann nach und nach das Erwachen heraufdämmern in den Seelen. So sehen wir es im elften Bilde heraufdämmern für die Seele des Strader. Da haben wir nicht die — wie schon gesagt — greifbar geistigen Seelenkräfte Luna, Philia, Astrid und die andere Philia, da haben wir noch die imaginativen Bilder, die hereinstrahlen die geistigen Ereignisse in das physische Bewußtsein. Jene Stufe des Erwachens der Seele, die so eintreten kann in Strader, sie kann nur dadurch dargestellt werden, daß eine solche imaginative Erkenntnis wie das Bild von dem Schiff im elften Bilde zur Darstellung gebracht wird.
[ 27 ] Then, however, Ahriman confronts us in his more serious form, as Strader’s death gradually enters into the events depicted in the Mystery Drama—so much so that the forces emanating from this death should be sought by the soul’s gaze in their activity within all that otherwise takes place in The Awakening of the Soul. And it must be said again and again that this awakening takes place in various ways. For Maria, it occurs through specific events in which those soul forces that find their embodied spiritual expression in Luna and Astrid step before Maria’s soul. For Johannes Thomasius, it occurs through the enchanted weaving of the inner being becoming an experience within him, as it steps before him in a tangibly spiritual way—if one may use the absurd expression—in the other Philia; and again in a different way for Capesius through Philia. But the awakening can gradually dawn in the souls in many other forms as well. Thus we see it dawning in the eleventh picture for Strader’s soul. Here we do not have—as already mentioned—the tangibly spiritual soul forces Luna, Philia, Astrid, and the other Philia; here we still have the imaginative images through which spiritual events shine into physical consciousness. That stage of the soul’s awakening which can thus take place in Strader can only be depicted by presenting an imaginative insight such as the image of the ship in the eleventh image.
[ 28 ] Und in noch anderer Form kann sich allmählich das Erwachen der Seele vorbereiten. Das wieder finden Sie — und jetzt, wohl gedacht, nachdem Ahriman vorgeführt worden ist im zwölften Bilde in seiner tieferen Bedeutung — angedeutet im dreizehnten Bilde im Gespräch zwischen Hilarius und Romanus. Da ist der Seelenblick zu wenden auf das, was vorgegangen ist in der Seele des Hilarius von den Geschehnissen an in «Der Hüter der Schwelle» bis zu denen in «Der Seelen Erwachen» und was sich ausdrückt in den Worten des Hilarius:
[ 28 ] And in yet another form, the awakening of the soul can gradually prepare itself. You will find this—and now, as is fitting, after Ahriman has been presented in the twelfth scene in his deeper meaning—hinted at in the thirteenth scene in the conversation between Hilarius and Romanus. Here the soul’s gaze must turn to what has taken place in the soul of Hilarius, from the events in “The Guardian of the Threshold” to those in “The Awakening of the Soul,” and what is expressed in the words of Hilarius:
Habt Dank, mein Freund, für diese Mystenworte.
Ich habe sie schon oft gehört; jetzt erst
Erfühle ich, was sie geheim enthalten.
Der Welten Wege sind nur schwer ergründlich.
Und mir, mein lieber Freund, geziemt zu warten,
Bis mir der Geist die Richtung zeigen will,
Die meinem Schauen angemessen ist.
Thank you, my friend, for these mystical words.
I have heard them often; only now
Do I feel what they secretly contain.
The ways of the world are hard to fathom.
And it befits me, my dear friend, to wait,
Until the Spirit chooses to show me the way,
That is fitting for my vision.
[ 29 ] Was sagt Romanus für Worte? Er sagt die Worte, die Hilarius immer wieder und wiederum hören konnte von dem Platz aus, an dem im Tempel Romanus steht, die Romanus oft und oft an diesem Platz gesprochen hatte, die vor dem Seelenblick des Hilarius bis zu diesem Erlebnis vorbeigegangen waren ohne jenes tiefere Verständnis, das man Lebensverständnis nennen kann. Das ist auch schon ein Stück Erwachen der Seele, wenn man sich durchgerungen hat zum Verständnis dessen, was man in Gedankenform aufgenommen, recht gut verstanden haben kann, vielleicht sogar Vorträge darüber halten kann, und was man doch nicht in lebendigem Lebensverständnis hat. Man kann alles das, was in der Anthroposophie verkündet wird, was Bücher, Vorträge und Zyklen enthalten, in sich aufgenommen haben, kann es sogar anderen mitteilen, vielleicht zum großen Nutzen derselben mitteilen, und kann doch darauf kommen: So verstehen, wie Hilarius die Worte des Romanus versteht, kann man sie erst nach einem gewissen Erlebnis, auf das man in Ruhe bis zu einem bestimmten Grade des Erwachens in der Seele warten muß.
[ 29 ] What words does Romanus speak? He speaks the words that Hilarius could hear again and again from the spot where Romanus stands in the temple—words that Romanus had spoken time and again from that very spot, words that had passed before Hilarius’s inner eye up until this experience without that deeper understanding which one might call an understanding of life. This in itself is already a step toward the awakening of the soul: when one has brought oneself to understand what one has taken in as a thought-form—what one may have understood quite well, perhaps even be able to give lectures on—and yet does not possess in a living understanding of life. One can have taken in everything that is proclaimed in anthroposophy—what books, lectures, and cycles contain—and can even share it with others, perhaps to their great benefit, and yet come to realize: One can only understand the words of Romanus as Hilarius does after a certain experience, for which one must wait in peace until a certain degree of awakening has taken place in the soul.
[ 30 ] Oh, könnte ein großer Teil unserer Freunde in die Stimmung des Erwartens sich hineinversetzen, in diese Stimmung des Erwartens eines Herankommens von etwas, was vielleicht nur seine scheinbar recht klare, aber doch noch unverstandene Vorherverkündigung in den Theorien und Auseinandersetzungen enthält, dann würde in diesen Seelen auch etwas Platz greifen können von dem, was zum Ausdruck gekommen ist im dritten Bilde von «Der Seelen Erwachen» in den Worten Straders: da, wo Strader steht zwischen Felix Balde und Capesius, wo er in einer eigentümlichen Weise steht zwischen beiden, wo er so steht, daß ihm wortwötrtlich das alles bekannt ist, was diese sagen, daß er es aber jetzt, trotzdem er es sich selbst hätte wiederholen können, nicht begreiflich finden kann. Er weiß es, kann es sogar für Weisheit halten, aber er merkt jetzt, daß es so etwas gibt, was man ausdrücken kann mit den Worten:
[ 30 ] Oh, if a large number of our friends could put themselves in the mood of anticipation—this mood of awaiting the arrival of something that perhaps contains only its seemingly quite clear, yet still misunderstood foreshadowing in the theories and debates—then something of what has been expressed in the third scene of The Awakening of the Soul, in Strader’s words, might also take root in these souls: there, where Strader stands between Felix Balde and Capesius, where he stands in a peculiar way between the two, where he stands in such a way that he is literally familiar with everything they say, yet now, even though he could have repeated it to himself, he cannot find it comprehensible. He knows it, can even regard it as wisdom, but he now realizes that there is such a thing as what can be expressed with the words:
Capesius und Vater Felix, beide...
Verbergen dunklen Sinn in klaren Worten.
Capesius and Father Felix, both...
Conceal a dark meaning in clear words.
[ 31 ] Unsere überklugen Leute der Gegenwart werden wohl manchmal zugeben, daß es dem oder jenem Menschen passieren kann, Sinn, klaren Sinn in dunklen Worten zu verbergen; aber das wird nicht leicht jemand von den ganz gescheiten Leuten der Gegenwart zugeben, daß in klaren Worten ein dunkler Sinn verborgen sein könnte. Dennoch ist dieses Zugeben, daß in klaren Worten ein dunkler Sinn verborgen sein könnte, das Höhere in der Menschennatur. Klar sind viele Wissenschaften, sind viele Philosophien. Ein Wichtiges aber wäre geschehen in der Weiterentwickelung der Menschheit, wenn Philosophen kommen würden, die das Geständnis ablegen könnten, daß ja von System zu System in den Philosophien gewiß die Leute Klares und immer wieder Klares gebracht haben, so daß man sagen kann: Die Dinge sind klar —, daß aber in klaren Worten ein dunkler Sinn sein kann. Ein Wichtiges wäre geschehen, würden viele lernen, die sich übergescheit dünken, die das, was sie wissen, in gewissen Grenzen berechtigterweise für Weisheit halten, sich so hinzustellen vor die Welt, wie sich Strader hinstelit neben Vater Felix und Capesius, und sagten:
[ 31 ] Our overly clever people of today may sometimes admit that it can happen to this or that person to conceal meaning—clear meaning—in obscure words; but it is not something that any of the truly intelligent people of today would readily admit: that an obscure meaning might be hidden in clear words. Nevertheless, this admission—that a dark meaning might be hidden in clear words—is the higher aspect of human nature. Many sciences are clear, many philosophies are clear. But something important would have happened in the further development of humanity if philosophers were to emerge who could make the confession that, indeed, from system to system in the philosophies, people have certainly presented clear ideas, time and again, so that one can say: Things are clear—yet that a dark meaning can lie within clear words. Something important would have happened if many who consider themselves overly clever—who, within certain limits, rightly regard what they know as wisdom—were to present themselves to the world as Strader stands beside Father Felix and Capesius, and say:
Begreiflich fand ich oft, — was ihr jetzt sprecht —;
Ich hielt es dann für Weisheit; — doch kein Wort
In euren Reden ist mir jetzt verständlich.
Capesius und Vater Felix, beide...
Verbergen dunklen Sinn in klaren Worten...
I often found it understandable—what you are saying now—;
I used to take it for wisdom;—yet not a single word
in your speeches is now clear to me.
Capesius and Father Felix, both...
conceal a dark meaning in clear words...
[ 32 ] Nun denken Sie sich einmal einen Philosophen der Gegenwart oder der Vergangenheit, der eine nach seiner Art plausible, klare Philosophie zustande gebracht hat, und der sich neben diese seine Philosophie hinstellt, die doch in gewissem Sinn das Ergebnis des Menschheitsdenkens ist, und sagen würde: Begreiflich fand ich oft, was ich da geschrieben habe, ich hielt es dann für Weisheit; doch kein Wort davon ist mir jetzt verständlich in diesen Reden; sogar in denen, die ich selber geschrieben habe, ist mir jetzt manches unverständlich; diese Reden verbergen dunklen Sinn in klaren Worten. — Nicht wahr, man kann sich nicht leicht einen Philosophen der Gegenwart oder der jüngsten Vergangenheit mit einem solchen Geständnis denken, auch nicht einen der überklugen Menschen in unserer materialistischen oder, wie man nobler sagt, monistischen Zeit. Und dennoch wäre es ein Segen für unsere Gegenwartskultur, wenn die Menschen sich gegenüber dem Gedanken und sonstigen Kulturleistungen so hinstellen könnten, wie hier Strader sich hinstellt neben Vater Felix und Capesius; wenn diese Menschen immer zahlreicher und zahlreicher würden, und wenn wahrhaftig die Anthroposophie etwas beitragen könnte gerade zu dieser Selbsterkenntnis.
[ 32 ] Now imagine a philosopher of the present or the past who has developed a philosophy that is, in its own way, plausible and clear, and who stands beside this philosophy of his—which is, after all, in a certain sense the result of human thought—and says: I often found what I had written there comprehensible; I then took it for wisdom; yet not a single word of it is now comprehensible to me in these discourses; even in those I wrote myself, much is now incomprehensible to me; these discourses conceal a dark meaning in clear words. — Is it not true that one cannot easily imagine a philosopher of the present or the recent past making such a confession, nor even one of the overly clever people of our materialistic or, as one might more nobly say, monistic age? And yet it would be a blessing for our contemporary culture if people could approach thought and other cultural achievements in the same way that Strader stands here alongside Father Felix and Capesius; if such people were to become ever more numerous, and if anthroposophy could truly contribute something to this very self-knowledge.
