Secrets of the Threshold
GA 147
25 August 1913, Munich
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Secrets of the Threshold, tr. Pusch
Zweiter Vortrag
Lecture Two
[ 1 ] Sie werden gesehen haben, daß die Erlebnisse der Seelen, welche in «Der Seelen Erwachen» dargestellt sind, sich an dem Grenzgebiet zwischen der Sinneswelt und den übersinnlichen, den geistigen Welten abspielen. Es ist für die Geisteswissenschaft von ganz besonderer Bedeutung, dieses Grenzgebiet in das Seelenauge zu fassen, denn es ist naturgemäß, daß zunächst alles das, was die menschliche Seele in der geistigen, in der übersinnlichen Welt erleben kann, gewissermaßen ein unbekanntes Land ist für alle Fähigkeiten, für alles seelische Erleben des Menschen in der sinnlich-physischen Welt. Wenn der Mensch nun sich in die geistige Welt einlebt durch die verschiedenen Methoden, die wir kennengelernt haben, das heißt, wenn die Seele lernt, in der geistigen Welt zu erleben, zu beobachten, zu erfahren außerhalb des physischen Leibes, dann ist zu solchem Leben, zu solchem Erfühlen in der geistigen Welt notwendig, daß die Seele ganz besondere Fähigkeiten, ganz besondere Kräfte heranbilde. Wenn die Secle das hellsichtige Bewußtsein innerhalb des Erdendaseins anstrebt, so ist es natürlich, daß die hellsichtig gewordene Seele oder hellsichtig werden wollende Seele sich in der geistigen Welt aufhalten kann außerhalb ihres Leibes und auch wiederum zurückkehren kann in den physischen Leib — das muß sie ja als Erdenmensch —, also wiederum so leben kann, wie der Mensch als Sinneswesen normal innerhalb der Sinneswelt nun einmal als Erdenmensch leben muß. Man kann also sagen: Die hellsichtig gewordene Seele muß sich gesetzmäßig bewegen können in der geistigen Welt und muß immer wieder und wiederum die Grenze überschreiten können in die physisch-sinnliche Welt herein und sich da, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, in der richtigen, sachgemäßen Weise benehmen können. — Da die Fähigkeiten der Seele andere sein müssen für die geistige Welt und andere sind, wenn sich diese Seele bedient der physischen Sinne und des ganzen übrigen physischen Leibes, so muß die Seele in einem gewissen Maße die Beweglichkeit erobern, wenn sie hellsichtig werden will, sich in der geistigen Welt zu erfühlen, zu erleben mit den dazugehörigen Fähigkeiten, und dann, wenn sie die Grenze überschreitet, wiederum mit den entsprechenden Fähigkeiten die Sinneswelt erleben können. Diese Fähigkeit, diese Beweglichkeit, diese Verwandlungsfähigkeit sich anzueignen, ist nun keinesfalls so ganz besonders leicht; aber es muß für eine richtige Abschätzung des Unterschiedes der geistigen von der physisch-sinnlichen Welt gerade dieses Grenzgebiet zwischen den beiden Welten scharf ins Seelenauge gefaßt werden, die Schwelle selbst genau ins Auge gefaßt werden, über welche die Seele treten muß, wenn sie aus der physisch-sinnlichen Welt in die geistige Welt eindringen will. Denn wir werden es in der mannigfaltigsten Weise sehen im Verlaufe dieses Vortragszyklus: Es kann der Seele nur von Nachteil sein, die Gepflogenheiten der einen Welt in die andere hineinzutragen, wenn sie die Schwelle nach der einen oder anderen Richtung überschreiten muß.
[ 1 ] You will have seen that the soul experiences of those who appear in The Souls' Awakening take place on the boundary between the physical sense world and the super-sensible spiritual worlds. It is of great significance to the science of the spirit to seize this border region with the inner eye, for it is only natural that at first everything of the super-sensible world that the human soul can experience is an unknown territory from the viewpoint of our faculties and soul experiences in the physical sense world. When a person has become familiar with the spiritual world by means of the various methods we have apprehended, that is, when the soul has learned to observe, explore and perceive outside the physical body, then such existence and perception in the spiritual world makes it necessary for the soul to develop quite special capacities, special strengths. When during its earth existence the soul is striving towards clairvoyant consciousness, whether already clairvoyant or wishing to become so, it should of course be able to stay outside the body in the spiritual world and then as an earth being come back again into the physical body, living as a human earth person, a normal sense-being within the sense world. We may therefore say that the soul in becoming clairvoyant must be able to move in the spiritual world according to its laws, and it must ever and again be able to step back over the threshold into the physical sense world, behaving here—to put it in plain terms—correctly and sensibly. Since the faculties of the soul for the spiritual world must be and are different from those the soul employs for the physical senses and the rest of the physical body, the soul has definitely to acquire mobility, if it wants to become clairvoyant. Then it can perceive and take in the spiritual world with the necessary faculties for it, returning across the border and now experiencing the sense world with what is necessary here. The gaining of this adaptability, the capacity of transformation, is never easy. If we are to estimate correctly, however, the differences between the spiritual and physical sense world, we must keep clearly within our mind's eye precisely this border region between the two worlds and the threshold itself over which the soul must pass when it wants to leave one world and enter the other. We shall see in the course of these lectures how injurious it can be for the soul in many different ways to carry the habits of one world into the other, when—in one or the other direction—the threshold has to be crossed.
[ 2 ] Besonders schwierig wird sozusagen das Verhalten beim Übergang über diese Schwelle dadurch, daß innerhalb unserer Weltenordnung diejenigen Wesenheiten vorhanden sind, die in den dargestellten Erlebnissen von «Der Seelen Erwachen» und den anderen Dramen eine gewisse Rolle spielen, Wesenheiten, die wir als luziferische und ahrimanische Wesenheiten bezeichnen können. Denn um das angedeutete richtige Verhältnis vom Übergang von der einen in die andere Welt zu gewinnen, ist es notwendig, daß man sich zu diesen beiden Arten von Wesenheiten, zu den luziferischen und ahrimanischen, in der richtigen Art zu verhalten weiß. Nun wäre es zunächst am bequemsten — und dieses bequeme Auskunftsmittel wählen für sich, wenigstens theoretisch, recht viele Seelen —, daß man sagen würde: Nun ja, Ahriman scheint ein gefährlicher Geselle zu sein, und wenn er seinen Einfluß auf die Welt und das menschliche Handeln hat, so ist es das einfachste, man tilgt die Impulse, die von Ahriman kommen, aus der Menschenseele aus. — Es scheint das am bequemsten zu sein, ist aber für die geistige Welt ebenso gescheit, als wenn jemand das Gleichgewicht auf einer Waage dadurch herzustellen versucht, daß er da, wo die Waage herunterdrückt, die Last wegnimmt, um das Gleichgewicht dadurch herzustellen. Diese Wesenheiten, die wir als ahrimanische und luziferische bezeichnen, sind da in der Welt, haben ihre Aufgabe innerhalb der Weltenordnung, und man kann sie nicht austilgen. Es handelt sich auch gar nicht um das Austilgen, sondern darum, daß, wie die Lasten auf zwei Waageschalen, sich die ahrimanischen und luziferischen Kräfte in ihren Impulsen auf den Menschen und die anderen Wesen das Gleichgewicht halten müssen, ausgleichen müssen. Nicht dadurch führt man die richtige Wirksamkeit einer Kräfte- oder Wesensart herbei, daß man sie wegschafft, sondern dadurch, daß man sich in das richtige Verhältnis zu ihr stellt. Und diese Wesenheiten, die die luziferischen und ahrimanischen sind, sind ganz falsch aufgefaßt, wenn man einfach sagt: Das sind schädliche, sind böse Wesenheiten. — Daß sich diese Wesenheiten in einer gewissen Weise auflehnen gegen die allgemeine Weltenordnung, die schon vorgezeichnet war, bevor sie in diese Weltenordnung eingetreten sind, rührt nicht davon her, daß diese Wesenheiten eine schädliche Tätigkeit unter allen Umständen ausüben müssen, sondern davon, daß diese Wesenheiten wie die anderen, die wir als die rechtmäßigen Wesenheiten innerhalb der höheren Welten kennenlernen, ein bestimmtes Gebiet ihres Wirkens im Ganzen der Weltenordnung haben. Und die Auflehnung, das Gegenwirken gegen die Weltenordnung besteht darin, daß sie dieses Gebiet überschreiten, daß sie die Kräfte, die sie auf ihrem rechtmäßigen Gebiet ausüben sollten, über dieses Gebiet hinaus ausüben. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkt aus Ahriman oder die ahrimanischen Wesenheiten.
[ 2 ] Our conduct when passing over this threshold is made especially difficult by the presence of beings within the world order that play a certain role in the happenings shown in The Souls' Awakening and the other dramas: the luciferic and the ahrimanic beings. Indeed, in order to gain the right relationship to the transition between one and the other world that we've been speaking about, it is necessary to know how to conduct ourselves in the right way towards both kinds of beings, the luciferic and the ahrimanic. Now it would certainly be convenient—and this solution is chosen at least theoretically by very many souls—to say: “Yes, indeed, Ahriman seems to be a dangerous fellow. If he has such an influence on the world and on human affairs, the simplest thing to do is to banish from the human soul all the impulses that come from him.” This might seem to be the most convenient solution, but to the spiritual world it would be about as sensible as if someone, in order to restore the balance to a pair of scales, were to take off whatever was weighing down the lower one. These beings we call Ahriman and Lucifer are right here in the world, they have their task in the universal order, and one cannot sweep them away. Besides, it is not a question of annihilating them, but—as in the case of the weights on both sides of the scales—the ahrimanic and luciferic forces must balance each other in their influence on human beings and on other beings. We do not bring about the true activity of any of the various forces by removing it but by placing ourselves in the right relationship to it. We have the wrong attitude to these luciferic and ahrimanic beings if we simply say that they are bad and harmful. Although these powers rebel in a certain sense against the general order of the universe—which had already been designed before they entered it—this does not stem from the fact that they invariably have to exercise a harmful activity, but rather that—like the others whom we have met as lawful members of the higher worlds—they have a definite sphere of activity in the sum total of the universe. Their opposition to and rebellion against the cosmic order consists in their going beyond their own sphere; they exert beyond this sphere the forces they should employ only within their lawful domain. From this standpoint let us consider Ahriman or the ahrimanic beings.
[ 3 ] Man kann Ahriman ganz gut charakterisieren, wenn man sagt: Ahriman ist im weitesten Umkreis der Herr des Todes, der Behertscher all der Mächte, welche innerhalb der physisch-sinnlichen Welt dasjenige herbeiführen sollen, was notwendig in dieser physisch-sinnlichen Welt da sein muß als Vernichtung, als Tod der Wesenheiten.—Der Tod innerhalb der Sinneswelt gehört zu den notwendigen Einrichtungen, da die Wesenheiten die Sinneswelt überwuchern würden, wenn innerhalb der Sinneswelt nicht Vernichtung und Tod vorhanden wären. Die Aufgabe, diesen Tod in der entsprechenden Weise aus der geistigen Welt heraus gesetzmäßig zu regeln, fiel Ahriman zu; er ist der Herr der Regulierung des Todes. Sein ihm im eminentesten Sinn zukommendes Reich ist die mineralische Welt. Die mineralische Welt ist immer tot; der Tod ist sozusagen ausgegossen über die ganze mineralische Welt. Aber so, wie unsere Erdenwelt ist, ist das mineralische Reich, die mineralische Gesetzmäßigkeit auch in alle anderen Naturreiche hineinergossen. Die Pflanzen, die Tiere, die Menschen, insofern sie den Naturreichen angehören, sind alle durchsetzt von dem Mineralischen, nehmen die mineralischen Stoffe, damit auch die mineralischen Kräfte und Gesetzmäßigkeiten auf, und unterliegen den Gesetzen des Mineralreiches, insofern dieses dem Erdenwesen angehört. Damit erstreckt sich das, was zum berechtigten Tod gehört, auch in diese höheren Reiche der rechtmäßigen Herrschaft des Ahriman. In dem, was als äußere Natur uns umgibt, ist Ahriman der rechtmäßige Herr des Todes, und insoferne er dieses ist, ist er nicht als eine böse, sondern als eine durchaus in der allgemeinen Weltenordnung begründete Macht anzuerkennen. Wir kommen nur in ein richtiges Verhältnis zur Sinneswelt, wenn wir dieser Sinneswelt entsprechendes Interesse entgegenbringen, wenn dieses Interesse zur Sinneswelt so geregelt ist, daß wir die Dinge dieser Sinneswelt heraufkommen sehen, daß wir ihrer nicht so weit begehren, daß wir ein ewiges Dasein für die sinnlichen Formen fordern, sondern daß wir sie entbehren können, wenn sie ihrem natürlichen Tode entgegengehen. Sich in der entsprechenden Weise freuen können an den Dingen der Sinneswelt, aber nicht so an ihnen hängen, daß dies den Gesetzen von Vergehen und Tod widersprechen würde: das ist ein rechtmäßiges Verhältnis des Menschen zur Sinneswelt. Und daß das alles so sein kann, daß der Mensch ein richtiges Verhältnis zur Sinneswelt haben kann, zu Entstehen und Vergehen, dazu ist er von den ahrimanischen Mächten durchpulst, dazu sind die ahrimanischen Impulse in ihm.
[ 3 ] We can best characterize Ahriman by saying: he is the Lord of Death, far and wide the ruler of all the powers that have to bring about in the physical sense world what this world has to have, the annihilation and death of its entities. Death in the sense world is a necessary part of its organization, for otherwise the beings in it would accumulate to excess, if destruction of life were not at hand. The task of regulating this in a lawful way fell to Ahriman from the spiritual world; he is the ruler of the ordering of death. His sovereign domain is the mineral world, a world that is utterly dead. One can say that death is poured out over the whole of the mineral world. Furthermore, because our earth world is constituted as it is, the mineral world and its laws pervade all the other kingdoms of nature. Plants, animals, human beings—all are permeated, as far as they belong to the earth, by the mineral; they absorb the mineral substances and, with them, all the forces and laws of the mineral kingdom; they are subject to these laws insofar as they are part of the being of the earth. Therefore whatever belongs justifiably to death extends also into the higher regions of the lawful rule of Ahriman. In what surrounds us as external nature, Ahriman is the rightful Lord of Death and should not be regarded as an evil power but as one whose influence in the general world order is fully legitimate. We will enter into a right relationship with the sense world only when we bring a creditable interest to bear upon it, when our interest in the sense world is so reasonable that we can see everything in it without greedily demanding eternal life for any of its physical forms; on the contrary, that we can do without them when they meet their natural death. To be able to rejoice rightly in the things of the sense world but not to be so dependent on them as to contradict the laws of death and decay—this is the right relationship of the human being to the sense world. To bring about this right relationship to growth and decay, the human being has the impulses of Ahriman within himself; for this reason they pulsate in him.
[ 4 ] Aber Ahriman kann sein Gebiet überschreiten; er kann es vor allen Dingen zunächst so überschreiten, daß er sich an das menschliche Denken heranmacht. Der Mensch, der nicht in die geistige Welt hineinblickt und kein Verständnis für sie hat, wird ja nicht glauben, daß Ahriman in ganz realer Weise sich an das menschliche Denken heranmacht. Er macht sich heran! Insoferne dieses menschliche Denken in der Sinneswelt lebt, ist es an das Gehirn gebunden, das der Vernichtung verfallen muß nach der allgemeinen Weltenordnung. Da hat Ahriman zu regulieren diesen Gang des menschlichen Gehirns nach der Vernichtung hin. Wenn er nun sein Gebiet überschreitet, dann bekommt er die Tendenz, die Intention, das Denken abzulösen von seinem sterblichen Instrument, dem Gehirn, es zu verselbständigen; loszureißen das physische Denken, das Denken, das auf die Sinneswelt gerichtet ist, von dem physischen Gehirn, in dessen Vernichtungsstrom dieses Denken sich hineinergießen sollte, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Ahriman hat die Tendenz, wenn er den Menschen hineinläßt als physisches Wesen in die Strömung des Todes, loszulösen von dieser Vernichtungsströmung das Denken. Das macht er das ganze menschliche Leben hindurch, daß er immer in dieses Denken faßt mit seinen Krallen und den Menschen so bearbeitet, daß das Denken sich losteißen will von der Vernichtung. Weil Ahriman so im menschlichen Denken wirksam ist, und die Menschen, die an die Sinneswelt gebunden sind, natürlich nur die Wirkungen der geistigen Wesenheiten verspüren, fühlen die Menschen, die Ahriman in dieser Weise am Kragen hat, den Drang, das Denken loszureißen von seinem Eingefügtsein in die große Weltenordnung. Und das macht die materialistische Stimmung, das macht es, daß die Menschen das Denken nur auf die Sinneswelt anwenden wollen. Am meisten sind diejenigen Menschen besessen von Ahriman, die an keine geistige Welt glauben wollen, denn Ahriman ist es, der ihr Denken verlockt, verführt, in der Sinneswelt zu bleiben.
[ 4 ] Ahriman, however, can overstep his bounds. In the first place, he can so far overdo that he sets to work on human thinking. A man who does not see into the spiritual world and has no understanding of it will not believe that Ahriman can put his fingers upon human thinking in a very real way—nevertheless, he does! Insofar as human thinking lives in the sense world, it is bound to the brain, which according to universal law is subject to decay. Ahriman has to regulate the passage of the human brain towards decay, but when he oversteps his territory, he develops the tendency to loosen this human thinking from its mortal instrument, the brain, in order to make it independent. He tries to detach the physical thinking directed to the sense world from the physical brain, into whose current of decay this thinking should merge when the human being passes through the gate of death. Ahriman has the tendency, when he admits man as a physical being into the stream of death, to snatch his thinking out of the current of decay. Throughout a man's whole life Ahriman is always fastening his claws into this thinking activity and working on the human being so that his thinking will tear itself away from destruction. Because Ahriman is active in this way in human thinking and because men bound to the sense world naturally perceive only the effects of the spiritual beings, those who are thus in the clutches of Ahriman feel the impulse to wrench their thinking out of its place in the great cosmic order. The result is the materialistic frame of mind; this is the reason men want to apply their thinking only to the sense world, and the people who refuse to believe in a spiritual world are the ones particularly obsessed by Ahriman: it is he who enters their thinking and prevails upon its remaining in the sense world.
[ 5 ] Für die menschliche Seelenstimmung hat das zunächst, wenn der Mensch nicht praktischer Okkultist geworden ist, nur die Folge, daß er ein grobklotziger Materialist wird und nichts von der geistigen Welt wissen will. Er ist dazu gerade verlockt von Ahriman, den er nur nicht merkt. Für Ahriman steht die Sache aber so, indem es ihm gelingt, dieses Denken loszureißen von seiner als physisches Denken an das Gehirn gebundenen Grundlage, daß Ahriman mit diesem Denken herausschafft in die physische Welt Schatten und Schemen, und diese dann die physische Welt durchsetzen. Mit diesen Schatten und Schemen will sich Ahriman fortwährend ein besonderes ahrimanisches Reich begründen. Immer steht er auf der Lauer, vom menschlichen Denken, wenn dieses Denken hineingehen will in den Strom, in den der Mensch geht, wenn er die Pforte des Todes durchschreitet, so viel loszureißen, als nur irgend geht — zurückzuhalten das Denken und zu bevölkern die physische Welt mit Schatten und Schemen, die gebildet sind aus dem von seinem Mutterboden losgerissenen physischen menschlichen Denken. Okkult betrachtet, huschen, schädigend die Weltenordnung, diese Schatten und Schemen herum in der physischen Welt. Es sind die Produkte, die Ahriman auf diese Weise, wie geschildert worden ist, zustande bringt. Wir haben die richtige Stimmung Ahriman gegenüber, wenn wir ihn so schätzen, daß, wenn er seine gesetzmäßigen Impulse in unsere Seelen hereinkommen läßt, wir ein rechtmäßiges Verhältnis zur Sinneswelt haben. Wir müssen aber Wache halten, daß er uns nicht in dieser Weise verlockt, wie es nun angedeutet worden ist. Bequemer ist allerdings die Auskunft, welche die Menschen wählen, die da sagen: Nun, dann tilgen wir alle ahrimanischen Impulse aus unserer Seele. — Mit einem solchen Austilgen wird aber nichts anderes gewonnen, als daß man die andere Waagschale erst recht zum Sinken bringt. Und wem es wirklich gelingen würde, durch falsche Theorie die ahrimanischen Impulse aus der Seele auszutilgen, der würde dem luziferischen Impuls verfallen.
[ 5 ] First of all, if a person has not become a practical occultist, the result for his inner attitude will be that he becomes a rank, coarse-grained materialist who wants to know nothing about spiritual matters. It is Ahriman who has enticed him into this, only he doesn't notice it. For Ahriman, however, the process is the following: when he succeeds in severing the physical thinking from its brain-bound foundation, he throws shadows and phantoms out into the world which swarm then through the physical world; with these, Ahriman is continually trying to establish a special ahrimanic kingdom. Unremittingly he lies in wait when man's thinking is about to pass into the stream wherein man himself will journey through the gate of death; there Ahriman lurks, on the watch to snatch away and hold back as much of this thinking as possible, and to form out of it, to tear from its mother-soil, shadows and phantoms that will people the physical world. Occultly observed, these phantoms drift around in the physical world disturbing the universal order; they are creations that Ahriman brings about in the way just described. We will have the right feeling for Ahriman when we appreciate his lawful impulses, for when he lets them enter our souls, we have a correct relationship to the sense world. However, we must be watchful that he does not tempt us in the way I have indicated. Certainly the policy some people choose is more convenient when they say: “Very well, we shall push every ahrimanic impulse out of our souls.” But nothing will be accomplished with this dislodgment except that the other side of the scales will be brought right down—and whoever through mistaken theories succeeds in driving ahrimanic impulses out of his soul falls prey to those of Lucifer.
[ 6 ] Dies zeigt sich ganz besonders dann, wenn die Menschen aus einer gewissen Scheu vor einem richtigen Verhältnis zu den ahrimanischen Gewalten die Sinneswelt verachten, die Freude und das richtige Verhältnis zur Sinneswelt in sich austilgen und, um nicht an der Sinneswelt zu hängen, alles Interesse an der Sinneswelt vertilgen. Dann kommt die falsche Askese. Und diese falsche Askese bietet die stärkste Handhabe zum Eingreifen wiederum der unrichtigen luziferischen Impulse. Man könnte geradezu die Geschichte der Askese so schreiben, daß man sie als fortwährende Verlockung von seiten Luzifers darstellen würde. Da setzt sich der Mensch in der falschen Askese den Verlockungen Luzifers aus, weil er, statt die Waagschale ins Gleichgewicht zu versetzen, die Kräfte als polarisch zu verwenden, die eine Seite ganz austilgt. So hat Ahriman seine volle Berechtigung für alle richtige Schätzung des Menschen gegenüber der physisch-sinnlichen Welt. Das mineralische Reich ist das sozusagen ureigen dem Ahriman zugehörige Reich, das Reich, über das der Tod fortwährend ausgegossen ist, in den höheren Naturreichen ist Ahriman der Regulierer des Todes, insofern er gesetzmäßig in den Gang der Vorgänge und Wesenheiten eingreift. Dasjenige, was wir als Übersinnliches mehr in der Außenwelt verfolgen können, bezeichnen wir aus gewissen Gründen als geistig; das, was mehr seelisch in dem Menschen wirkt, was mehr innerlich im Menschen wirkt, bezeichnen wir als seelisch. Ahriman ist ein mehr geistiges Wesen, Luzifer ein mehr seelisches Wesen. Ahriman ist der Herr sozusagen desjenigen, was abläuft in der äußeren Natur; Luzifer dringt mit seinen Impulsen an das Innere des Menschen heran.
[ 6 ] This shows itself particularly when people, shying away from the right relationship to the ahrimanic powers, despise the sense world and root out their joy in it. Then they reject their former good relationship and in order not to become attached to it, they crush all their interest in the physical world. With this comes a false asceticism, which in its turn offers the most powerful handle to the entrance of the unlawful luciferic impulses. The history of asceticism could very well be written by presenting it as a continuous allurement of Lucifer. In false asceticism a person exposes himself to this kind of seduction because instead of rightly balancing the scales, using thus the polarity of forces, he does away with one side altogether. However, when the human being makes a correct estimate of the physical sense world, Ahriman is fully justified. The mineral world is his very own kingdom, the kingdom over which death is poured out continuously. In the higher kingdoms of nature Ahriman is the regulator of death insofar as he affects the course of events and the creatures lawfully. What we can trace as super-sensible in the external world, we call for certain reasons spiritual; what is more active inwardly within the human being, we assign to the soul. Ahriman is a more spiritual being; Lucifer is more soul nature. Ahriman can be called the lord of all that takes place in external nature; Lucifer penetrates with his impulses into the inner nature of man.
[ 7 ] Nun gibt es wiederum eine rechtmäßige, eine ganz im Sinne der allgemeinen Weltenordnung liegende Aufgabe des Luzifer. Diese Aufgabe des Luzifer ist, den Menschen und alles Seelische in der Welt überhaupt in einer gewissen Beziehung loszureißen von dem bloßen Leben und Aufgehen im Sinnlich-Physischen. Denken Sie sich, wenn es gar keine luziferische Gewalt in der Welt gäbe, dann würde der Mensch hinträumen in dem, was von der Außenwelt als Wahrnehmungen einströmt, in dem, was von der Außenwelt kommt durch den Verstand. Das wäre eine Art Verträumen des menschlichen und seelischen Daseins innerhalb dieser Sinneswelt. Impulse sind aber da, welche zwar diese Seelen nicht losreißen wollen von der Sinneswelt, insoferne sie zeitlich an diese Sinneswelt gebunden sind, die aber die Seelen erheben wollen, so daß die Seelen anderes erleben und erfühlen und sich erfreuen können als nur an dem, was diese Sinneswelt bieten kann. Wir brauchen nur zu denken an das, was die Menschheit gesucht hat in der künstlerischen Entwickelung. Überall da, wo der Mensch etwas erschafft in seinem Vorstellungs-, Gefühls- und Seelenleben, was nicht grob hängt an der Sinneswelt, sondern sich erhebt über diese, da ist Luzifer die Macht, die ihn losreißt von der Sinneswelt. Ein großer Teil dessen, was an Erhebendem, an Befreiendem in der künstlerischen Entwickelung der Menschen lebt, sind Eingebungen Luzifers. Noch etwas anderes können wir als Eingebungen Luzifers bezeichnen. Der Mensch ist in der Lage, dadurch, daß es luziferische Mächte gibt, mit seinem Denken nicht hängen zu bleiben an der bloßen porträtartigen Nachbildung der physisch-sinnlichen Welt; er kann im freien Denken sich über diese erheben. Das tut er zum Beispiel in seinem Philosophieren. Alles Philosophieren ist von diesem Gesichtspunkt aus eine Eingebung Luzifers. Man könnte geradezu eine Geschichte der philosophischen Entwickelung der Menschheit schreiben, insofern diese nicht reiner Positivismus ist, das heißt, sich nicht hält an das äußerlich Materielle, und man könnte sagen: Die Entwickelungsgeschichte der Philosophie ist ein fortwährendes Aufzeigen der Inspirationen Luzifers. Denn alles über die Sinneswelt sich erhebende Schaffen wird verdankt den berechtigten Kräften und Tätigkeiten des Luzifer.
[ 7 ] Now there is also a lawful task belonging to Lucifer, one quite in accordance with the universal cosmic order. In a certain way Lucifer's task is to tear man and everything in the world pertaining to the soul away from living and being absorbed in the physical-sensory alone. If there were no luciferic power in the world, we would dream along in the perceptions streaming into us from the external world and in what comes to us from that world through the intellect. That would be a kind of dreaming away of human soul existence within the sense world. There are indeed impulses which will not tear our souls away from the sense world as long as they are bound temporarily to it but which raise our souls to a different sort of living, feeling and rejoicing from the kind the sense world can offer. We need merely to think of what humanity has been seeking as artistic development. Wherever the human being creates something through his imagination and his soul life of feeling, no longer clinging dully to the sense world but rising above it, Lucifer is the power that tears him out of that world. A large part of what is uplifting and liberating in the artistic development of mankind is inspired by Lucifer. We can designate something else as the inspiration of Lucifer: the human being has the chance through luciferic powers to free his thinking from a mere photograph-like copying of the sense world; he can raise himself above this in freedom, which he does, for instance, in his philosophy. From this point of view, all philosophizing is the inspiration of Lucifer. One could even write a history of the philosophical development of mankind, insofar as this is not pure positivism—that is, does not keep to the external materialistic—and could say: the history of the development of philosophy is a continual testimony to the inspiration of Lucifer. All creative work, in fact, that rises above the sense world we owe to Lucifer's rightful activities and powers.
[ 8 ] Aber nun kann wiederum Luzifer dieses sein Gebiet überschreiten. Darauf beruht immer das Auflehnen gegen die Weltenordnung, daß diese Wesenheiten ihr Gebiet überschreiten. Er überschreitet es und hat fortwährend die Tendenz, es zu überschreiten, indem er verseucht das Seelisch-Fühlende. Während es Ahriman mehr mit dem Denken zu tun hat, hat es Luzifer mehr mit dem Fühlen, mit dem Affekt-, Leidenschafts-, Trieb-, Begierdeleben zu tun. Alles das, was seelisch fühlsam ist in der physisch-sinnlichen Welt, ist das, worüber Luzifer Herr ist. Und er hat die Tendenz, dieses Seelisch-Fühlsame herauszulösen, herauszuschälen aus der physisch-sinnlichen Welt, es zu vergeistigen, und auf einer besonderen, man möchte sagen, isolierten Insel des geistigen Daseins ein luziferisches Reich sich einzurichten mit all dem, was er erhaschen, erbeuten kann an Seelisch-Fühlsamem in der Sinneswelt. Während Ahriman das Denken zurückhalten will in der physisch-sinnlichen Welt und es als Schatten und Schemen hereinschaflt in die Sinneswelt, so daß es für das elementarische Hellsehen als herumhuschende Schatten sichtbar ist, macht Luzifer das andere: er nimmt das Seelisch-Fühlsame in der physisch-sinnlichen Welt, reißt es heraus und steckt es in ein besonderes luziferisches Reich, das er im Gegensatz zur allgemeinen Weltenordnung einrichtet wie ein isoliertes Reich, das seiner eigenen Natur ähnlich ist.
[ 8 ] However, Lucifer too can overstep his domain, and the rebellion of the luciferic beings against the cosmic order is due to their overstepping their place. Lucifer has the tendency continually to do this by contaminating the feeling life of the soul. Ahriman has more to do with our thinking, Lucifer with the feelings, with the life of the emotions, passions, impulses and desires. Lucifer is lord over everything of soul feeling in the physical sense world. He has the tendency to detach and separate this feeling life of the soul from the physical world, to spiritualize it, and to set up, one can say, on a specially isolated island of spiritual existence a luciferic kingdom composed of all the soul feeling he can seize and carry off from the sense world. Whereas Ahriman wants to hold back thinking to the physical sense world and make shadows and phantoms of it, visible to elementary clairvoyance as floating, wafting shadows, Lucifer does the opposite: he takes what is soul feeling in the physical sense world, tears it out and puts it in a special luciferic kingdom set up as an isolated kingdom similar to his own nature, in opposition to the general cosmic order.
[ 9 ] Wie Luzifer da an den Menschen herankommen kann, davon kann man sich insbesondere eine Vorstellung machen, wenn man eine Erscheinung des Menschenlebens, über die wir auch noch genauer sprechen werden, ins Seelenauge faßt, diejenige Erscheinung, die man als die Liebe im weitesten Sinne bezeichnet und die doch im Grunde genommen die Grundlage des eigentlich sittlich-moralischen Lebens in der menschlichen Weltenordnung ist. Über diese Liebe im weitesten Sinne muß man das Folgende sagen: Wenn diese Liebe in der physisch-sinnlichen Welt auftritt und wirkt innerhalb des menschlichen Lebens, dann ist sie absolut geschützt vor jedem unberechtigten luziferischen Eingriff, wenn sie so auftritt, daß der Mensch das Wesen, das er liebt, um dieses Wesens willen liebt. — Nicht wahr, wenn uns irgendein Wesen, ein anderer Mensch oder ein Wesen anderer Naturreiche in der physisch-sinnlichen Welt entgegentritt, so tritt es uns mit bestimmten Eigenschaften entgegen. Wenn wir eine freie Empfänglichkeit, eine Eindrucksfähigkeit für diese Eigenschaften haben, dann nötigen uns diese die Liebe ab, dann können wir nicht anders, als dieses Wesen lieben. Wir werden durch das Wesen veranlaßt, es zu lieben. Diese Liebe, wo die Ursache der Liebe nicht in dem Liebenden liegt, sondern im geliebten Wesen, das ist diejenige Art, diejenige Form von Liebe in der Sinneswelt, die absolut gefeit ist vor jedem luziferischen Einfluß. Aber nun können Sie, wenn Sie das menschliche Leben betrachten, bald ersehen, daß auch eine andere Art von Liebe hereinspielt in das menschliche Leben, diejenige Liebe, wo man liebt, weil man selber gewisse Eigenschaften hat, die sich befriedigt, entzückt, erfreut fühlen, wenn man dieses oder jenes Wesen lieben kann. Man liebt dann um seinetwillen,; man liebt, weil man so oder so geartet ist, und diese besondere Artung ihre Befriedigung fühlt dadurch, daß man das andere Wesen liebt. Sehen Sie, diese Liebe, die man eine egoistische Liebe nennen könnte, muß auch da sein. Sie darf nicht etwa fehlen in der Menschheit. Denn alles, was wir in der geistigen Welt lieben können, die geistigen Tatsachen, alles das, was in uns durch Liebe als Sehnsucht, als Drang hinauf in die geistige Welt leben kann, zu umfassen die Wesenheiten der geistigen Welt, die geistige Welt zu erkennen: es entspringt natürlich auch der sinnlichen Liebe zur geistigen Welt. Aber diese Liebe zum Geistigen, die muß, nicht etwa darf, sondern muß notwendigerweise um unseretwillen geschehen. Wir sind Wesen, die ihre Wurzeln in der geistigen Welt haben. Es ist unsere Pflicht, uns so vollkommen als möglich zu gestalten. Um unseretwillen müssen wir die geistige Welt lieben, daß wir so viel Kräfte als möglich in unsere eigene Wesenheit aus der geistigen Welt hereinbringen. In der geistigen Liebe ist dieses persönliche, individuelle Element, man möchte sagen dieses egoistische Liebeselement, voll berechtigt, denn es entreißt den Menschen der Sinneswelt, es führt ihn hinauf in die geistige Welt, es leitet ihn an, die notwendige Pflicht zu erfüllen, sich immer vollkommener und vollkommener zu machen.
[ 9 ] We can form an idea about how Lucifer can get at human beings in this way by considering with all our heart and soul a phenomenon in human life that we will speak about later in more detail: the phenomenon of love in the widest sense of the word, the foundation of a true moral life in the world order of humanity. Concerning love in its widest sense, the following has to be said: when love appears in the physical sense world and has its effect on human life, it is absolutely protected from every unlawful luciferic attack if the love is for another person and for that other person's own sake. When we are met by some other human being or by one belonging to another kingdom of nature in the physical world, that being meets us with certain qualities. If we are freely receptive to these qualities, if we are capable of being moved by them, they then command our love and we cannot help loving that other being. We are moved by the other being to love it. Where the cause of love lies not in the one who loves but in the object of love, this form and kind of love in the sense world is absolute proof against every luciferic influence. But now if you observe human life, you will soon see that another kind of love is playing its part, in which a person loves because he himself has certain qualities that feel satisfied, or charmed, or delighted, when he can love this or that other being. Here he loves for his own sake; he loves because his disposition is thus or so, and this particular disposition finds its satisfaction in loving someone else. This love, which one can call egoistic love, must also exist. It really has to be present in mankind. Everything we can love in the spiritual world, all the spiritual facts, everything that love can cause to live in us as a longing for and an impulse upwards into the spiritual world, to comprehend the beings of the spiritual world, to perceive the spiritual world: all this springs naturally from a sentient love for that world. This love for the spiritual, however, must—not may but must—come about necessarily for our own sake. We are beings whose roots are in the spiritual world. It is our duty to make ourselves as perfect as we can. For our own sake we must love the spiritual world in order to draw as many forces as possible out of it into our own being. In spiritual love a personal, individual element—we can call it egoistic—is fully justified, for it detaches man from the sense world; it leads him upwards into the spiritual world; it leads him on to fulfill the necessary duty of continually bringing himself further and further towards perfection.
[ 10 ] Nun hat Luzifer die Tendenz, diese beiden Welten miteinander zu vermischen. Überall in der Menschenliebe, wo der Mensch in der physisch-sinnlichen Welt liebt mit einem egoistischen Anflug, um seinetwillen, da geschieht es deshalb, weil Luzifer die sinnliche Liebe der geistigen ähnlich machen will. Dann kann er sie herausreißen aus der Sinneswelt und kann sie in sein besonderes Reich führen. So daß alle Liebe, die eine egoistische Liebe genannt werden kann, die nicht da ist um des Geliebten, sondern um des Liebenden willen, den luziferischen Impulsen ausgesetzt ist. Wenn man das, was eben gesagt worden ist, recht ins Auge faßt, dann kommt man schon darauf, daß insbesondere in der Gegenwart, in der materialistischen Kultur der Gegenwart alle Veranlassung vorliegt, auf diese luziferischen Verlockungen gegenüber dem Leben in der Liebe hinzuweisen. Denn ein großer Teil unserer heutigen wissenschaftlichen, insbesondere der medizinischen Literatur und Anschauung, ist durchsetzt von dieser luziferischen Auffassung der Liebe. Man müßte da gewissermaßen etwas heikle Gebiete berühren, wenn man genauer sprechen wollte. Aber das luziferische Element in der Liebe wird geradezu gehätschelt von einer großen Partie unserer medizinischen Wissenschaft, wenn den Männern — insbesondere wird da die Männerwelt bevorzugt — immer wieder und wiederum gesagt wird, daß sie ein gewisses Gebiet der Liebe pflegen müssen, weil das zu ihrer Gesundheit, also um ihrer selbst willen notwendig ist. Viele Ratschläge werden nach solcher Richtung gegeben, wo gewisse Erlebnisse in der Liebe den Männern anempfohlen werden nicht um der geliebten Wesen willen, sondern weil man im Auge hat: das ist notwendig für das männliche Leben. Wenn wir solchen Ausführungen begegnen, und wenn sie noch so sehr in dem Gewand der Wissenschaftlichkeit auftreten, so sind sie nichts anderes als Inspirationen des luziferischen Elementes in der Welt. Und ein großer Teil der Wissenschaft ist einfach von luziferischen Anschauungen durchsetzt. Und Luzifer findet die besten Rekruten für sein Reich unter den Menschen, die sich solche Ratschläge geben lassen, die glauben können, daß es für die Förderung der eigenen Person notwendig sei, gewisse Formen des Liebeslebens zu pflegen. Derlei Dinge zu wissen, ist durchaus notwendig. Denn immer wieder muß es betont werden, was ich schon gestern sagte: Den Teufel, sowohl in der luziferischen wie in der ahrimanischen Form, spürt das Völkchen nie, und wenn er sie am Kragen hätte! — Daß den Menschen, die als materialistische Wissenschafter Ratschläge geben, wie die angedeuteten, der Luzifer dahinten im Nacken sitzt, das merken die Leute nicht. Sie leugnen ihn ja, weil sie alle geistigen Welten leugnen.
[ 10 ] Now Lucifer has the tendency to interchange the two worlds with each other. In human love whenever a person loves in the physical sense world for himself with a trace of egoism, it occurs because Lucifer wants to make physical love similar to spiritual love. He can then root it out of the physical sense world and lead it into his own special kingdom. This means that all love that can be called egoistic and is not there for the sake of the beloved but for the sake of the one who loves, is exposed to Lucifer's impulses. If we consider what has been said, we will see that in this modern materialistic culture there is every reason to point out these luciferic allurements in regard to love, for a great part of our present-day outlook and literature, especially that of medicine, is permeated by the luciferic conception of love. We would have to touch on a rather offensive subject if we were to treat this in greater detail. The luciferic element in love is actually cherished by a large section of our medical science; men are told again and again—for it is the male world especially pandered to in this—that they must cultivate a certain sphere of love as necessary for their health, that is, necessary for their own sake. A great deal of advice is given in this direction and certain experiences in love recommended that do not spring from a love for the other being but because they are presumed indispensable in the life of the male. Such arguments—even when they are clothed in the robes of science—are nothing but inspirations of the luciferic element in the world; a large portion of science is penetrated simply by luciferic points of view. Lucifer finds the best recruits for his kingdom among those who allow such advice to be given to them and who believe that it is imperative for the well-being of their person. It is absolutely necessary for us to know such things. Those words I quoted yesterday must be emphasized again and again: People never notice the devil, either in luciferic or ahrimanic form, even when he has them by the collar! People do not see that the materialistic scientist who gives the advice just mentioned is under the yoke of Lucifer. They deny Lucifer because they deny all the spiritual worlds.
[ 11 ] So sehen wir, wie auf der einen Seite Großes und Erhabenes, was die Menschheitsentwickelung trägt und hebt, von Luzifer abhängt. Die Menschheit muß verstehen, die Impulse, die von Luzifer kommen, in den entsprechenden Gebieten zu halten. Überall da, wo Luzifer auftritt als der Pfleger des schönen Scheines, als der Pfleger der künstlerischen Impulse, da entsteht aus der luziferischen Tätigkeit Großes und Erhabenes, Gewaltiges in der Menschheit. Aber es gibt auch eine Schattenseite der luziferischen Tätigkeit. Luzifer hat überall das Bestreben, das Seelisch-Fühlsame loszureißen von dem Sinnlichen, es zu verselbständigen, es mit Egoismus und Egoität zu durchsetzen. So treten im Seelisch-Fühlsamen das Element des Eigensinnes und ähnliche Momente auf, so daß der Mensch sich im freien Schaffen allerlei Ideen bildet über die Welt — man möchte sagen auf freie Hand. Wie viele Menschen philosophieren sozusagen aus dem Handgelenk heraus, ohne sich darum zu kümmern, ob sich die Philosophiererei einfügt in den allgemeinen notwendigen Gang der Weltenordnung. Die philosophierenden Sonderlinge sind wirklich sehr verbreitet in der Welt; sie verlieben sich in ihre Meinungen, sie gleichen das luziferische Element nicht durch das ahrimanische aus, das überall fragen muß, ob das, was man innerhalb der physisch-sinnlichen Welt denkend erwirbt, auch in die Gesetze der physisch-sinnlichen Welt hineinpaßt. Und so sieht man diese Leute mit ihren Meinungen, die nichts anderes sind als eine Schwärmerei, die sich nicht der allgemeinen Weltenordnung fügt, durch die Welt laufen. Alle Schwärmereien, alle Verworrenheiten der eigensinnigen Meinungen, alle Sonderlingsmeinungen, alle falschen, schwärmerischen Idealismen, sie stammen von den Schattenseiten der luziferischen Impulse. Ganz besonders aber tritt uns in der Bedeutung für das Grenzland oder für die Schwelle zwischen dem Sinnlichen und Übersinnlichen das luziferische und ahrimanische Element entgegen, wenn man das hellsichtige Bewußtsein ins Auge faßt.
[ 11 ] We see therefore that what is great and sublime on the one hand, what carries and uplifts the evolution of humanity depends on Lucifer. Mankind must understand how to keep the impulses that come from him in their rightful place. Wherever Lucifer makes his appearance as the guardian of beauty and glory, as the patron of artistic impulses, there arises in humanity from his activity great and sublime power. But there is also a shadow-side to Lucifer's activity. He tries everywhere to tear the emotional side of the soul away from the sense organism and make it independent, permeated with egoism and egotism. Thus there enters into the emotional soul nature the element of self-will and other such tendencies. A person can then form for himself in freewheeling activity—with a generous hand, one can say—all sorts of ideas about the universe. How many people indulge in philosophizing, shake it out of their sleeves, without troubling themselves in the least as to whether their speculations are in accord with the general course of universal order! These eccentric philosophers are actually found in great numbers all over the world. In love with their own ideas, they fail to counterbalance the luciferic element with the ahrimanic one that always asks whether everything man acquires by his thinking in the physical sense world actually squares with the laws of the physical world. So we see these people running around with their opinions, which are just a lot of fanatic enthusiasms incompatible with the cosmic order. It is from the shadow side of the luciferic impulse that all these fanatic enthusiasms, the egoistic and confused opinions, the eccentric ideas and false, extravagant idealism arise. Most significantly, however, it is on the borderland or threshold between the sensible and the super-sensible that these luciferic and ahrimanic elements confront us, when we look with the eyes of clairvoyant consciousness.
[ 12 ] Wenn die Menschenseele das mit sich vorgenommen hat, was sie fähig macht, in die geistige Welt zu schauen, in die geistige Welt Einblicke zu gewinnen, dann muß sie ganz besonders die Aufgabe selbst übernehmen, die sonst von den unterbewußten Regulatoren des Seelenlebens geleistet wird. Daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht allzusehr die Gepflogenheiten und Gesetzmäßigkeiten des einen Reiches in das andere hineinträgt, dafür sorgt die allgemeine Naturordnung, denn diese allgemeine Naturordnung käme ganz außer Rand und Band, wenn die Welten durcheinander geworfen würden. Wir haben eben betont, daß für die geistige Welt die Liebe sich so entwickeln muß, daß der Mensch vor allen Dingen auf die Durchdringung mit innerer Stärke in bezug auf sein Selbst sich entfalten muß, daß der Mensch den Drang entwickeln muß, sich zu vervollkommnen. Er muß sich selbst im Auge haben, wenn er die Liebe zur geistigen Welt entwickelt. Wenn er diese selbe Art von Antrieben, die ihn in der geistigen Welt zum Erhabensten führen können, ins Sinnliche überträgt, können sie zum Abscheulichsten führen. Es gibt Menschen, die sich im äußeren physischen Erleben, in dem, was sie den ganzen Tag über tun, gar nicht besonders interessieren für die geistige Welt. In unserer Zeit, so sagt man, sollen diese Menschen gar nicht so selten sein. Aber die Natur läßt mit sich keine Vogel-Strauß-Politik treiben. Nicht wahr, diese VogelStrauß-Politik besteht darin, daß der Vogel den Kopf in den Sand steckt und dann glaubt, die Dinge, die er nicht sieht, seien nicht da. Die materialistisch gesinnten Menschen glauben, die geistige Welt sei nicht da, weil sie sie nicht sehen. Sie sind richtige Vogel-Strauße. Aber in der eigenen Seele, in den Tiefen der eigenen Seele ist deshalb der Drang zur geistigen Welt nicht etwa nicht da, weil die Menschen ihn leugnen, weil sie sich darüber betäuben. Er ist da. In jeder Menschenseele ist ein lebendiger Trieb, eine lebendige Liebe zur geistigen Welt vorhanden, auch in den materialistischen Seelen. Die Menschen machen sich nur seelisch ohnmächtig gegenüber diesem Drang. Nun gibt es ein Gesetz, daß, wenn etwas auf der einen Seite durch Betäubung zurückgedrängt wird, es auf der entgegengesetzten Seite herauskommt. Die Folge davon ist, daß der egoistische Trieb sich in die sinnlichen Triebe hereinschlägt. Es schlägt aus der geistigen Welt die Art von Liebe, die nur für sie berechtigt ist, in die sinnlichen Triebe, Leidenschaften, Begierden und so weiter hinein, und da werden diese sinnlichen Triebe pervers. Die Perversitäten der sinnlichen Triebe, alle abscheulichen Abnormitäten der sinnlichen Triebe sind das Gegenbild von dem, was hohe Tugenden in der geistigen Welt wären, wenn man die Kräfte, die dann in die physische Welt gegossen werden, in der geistigen Welt verwenden würde. Darüber muß man nachdenken, daß dasjenige, was in verabscheuungswürdigen Trieben in der Sinneswelt zum Ausdruck kommt, wenn es in der geistigen Welt verwendet würde, das Erhabenste in der geistigen Welt leisten könnte. Das ist ungeheuer bedeutsam.
[ 12 ] When the human soul takes on the task of making itself capable of looking into the spiritual world and gaining insight there, it takes on itself, more than anything else, a task that otherwise is carried out by the subconscious guidance of soul life. Nature and its laws take care that in everyday life man does not often transfer the customs and regulations of one kingdom into another; the natural order would be entirely out of control if the separate worlds were to get mixed up together. We emphasized a moment ago that love for the spiritual world must evolve in such a way that the human being develops in himself first and foremost an all-pervasive inner strength, as well as a craving for self-improvement. He has to fix his eye on himself when he nurtures his love for the spiritual world. If, however, he transfers to the senses the kind of ardour that can guide him in the spiritual world to what is most sublime, it will lead him into what is most detestable. There are people who have in their outward physical experience and in their everyday activities no special interest in the spiritual world. It is said such people today are not uncommon. But nature does not permit us to use the ostrich strategy in her affairs. The ostrich strategy, as you know, consists in the bird sticking his head in the sand and believing that the things he doesn't see are not there. Materialistic minds believe that the spiritual world is not there; they do not see it. They are true ostriches. Nevertheless, in the depths of their souls, the craving for the spiritual world does not cease to exist merely because they deaden themselves and deny its reality. It is actually there. In every human soul, however materialistic, the desire and love for the spiritual world is alive, but people who deaden their soul nature are unconscious of the craving. There is a law that something repressed and deadened at one point will break out at another. The consequence of the repression of the egoistic impulse towards the spiritual world is that it thrusts itself into the sensual desires. The kind of love due the spiritual world hurls itself away from there into the sensual impulses, passions and desires, and these impulses become perverse. The perversity of the sensual impulses and their repellent abnormalities are the mirror image of what could be noble virtues in the spiritual world, were human beings to use for the spiritual world all the forces poured out into the physical world. We must consider this seriously: what finds expression in the sense world as loathsome impulses could—if they were used in the spiritual world—accomplish there something of the most sublime character. This is immensely significant.
[ 13 ] So sehen Sie auch schon auf diesem Gebiete, wie das Erhabene in das Abscheuliche umschlägt, wenn die Grenze zwischen der physisch-sinnlichen und der übersinnlichen Welt nicht in der entsprechenden Weise beachtet und geschätzt wird. Das hellsichtige Bewußtsein muß sich nun so entwickeln, daß die hellsichtige Seele in den übersinnlichen Welten gemäß den Gesetzen dieser übersinnlichen Welten leben kann, daß sie wiederum imstande sein muß, zurückzugehen in das Leben im Leibe, ohne sich in der normal-physisch-sinnlichen Welt von den Gesetzen der übersinnlichen Welten beirren zu lassen.
[ 13 ] You see how in this regard the sublime is changed into the horrible when the boundary between the physical sense world and the super-sensible world is not observed or valued in the right way. Clairvoyant consciousness should develop so that the clairvoyant soul can live in the super-sensible worlds according to the laws of those worlds; then it must be able to return to its life in the body without letting itself be led astray in the everyday physical sense world by the laws of the super-sensible worlds.
[ 14 ] Nehmen wir an, eine Seele könne das nicht, dann kann das Folgende eintreten. Wir werden noch sehen, daß die Seele beim Übergang über das Grenzgebiet von der einen Welt in die andere insbesondere lernt durch die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle, sich richtig zu verhalten. Aber nehmen wir an, es hätte eine Seele — es kann das durchaus auch eintreten — sich hellsichtig gemacht, wäre hellsichtig geworden durch irgendwelche Verhältnisse und hätte nicht in ordentlicher Weise die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle durchgemacht. Dann kann eine solche Seele hellsichtig in die übersinnlichen Welten hineinsehen, auch Wahrnehmungen machen, aber es kann ihr passieren, wenn sie dann zurückgeht in die physisch-sinnliche Welt, nachdem sie eigentlich nicht in rechtmäßiger Weise in der geistigen Welt war, daß sie «genascht» hat in der geistigen Welt. Solche Näscher der geistigen Welt gibt es zahlreiche, und man darf wahrhaftig sagen, das Naschen in der übersinnlichen Welt ist viel bedenklicher als das Naschen in der physisch-sinnlichen Welt. Man kann also naschen in der geistigen Welt; dann tritt sehr häufig ein, daß man dasjenige, was man dort erlebt hat, herübernimmt in die Sinneswelt; aber dann verdichtet es sich, dann wird es zusammengezogen. So daß ein solcher nicht nach den Gesetzen der allgemeinen Weltenordnung sich verhaltender Hellseher in die physisch-sinnliche Welt zurückkommt und die verdichteten Bilder und Eindrücke der übersinnlichen Welten mitbringt, aber nicht bloß in der physisch-sinnlichen Welt schaut und denkt, sondern vor sich hat, indem er in seinem physischen Leibe lebt, die Nachwirkungen der geistigen Welt in Bildern, die ganz ähnlich den sinnlichen aussehen, nur daß sie keiner Realität entsprechen, daß sie Illusionen, Halluzinationen, Träumereien sind.
[ 14 ] Suppose a soul could not do this—then the following would take place. We shall see that the soul in passing the boundary region between one world and the other learns most of all how to conduct itself in the right way through meeting the Guardian of the Threshold. But suppose a soul, having made itself clairvoyant (this can very well happen) had through various circumstances become clairvoyant without rightfully meeting with the Guardian of the Threshold. Such a soul could see into the super-sensible worlds clairvoyantly and have perceptions there, but it would return then to the physical sense world after entering wrongfully the spiritual world and merely nibbling at dainties there. Such eaters of sweet things in the spiritual world are numerous and it can truly be said that nibbling there is far more serious than it is in the sense world. After nibbling at the spiritual world, it happens very often that a person takes back into the sense world what he has experienced, but the experience shrinks and condenses. A clairvoyant of this kind, one who does not conduct himself according to the laws of the universal order, returns to the physical sense world bringing with him the condensed pictures and impressions of the super-sensible worlds. He will no longer merely look out and ponder the physical world but while he lives within his physical body he will have before him the after-effects of the spiritual world in pictures quite similar to those of sense except that they have no relation to reality, are only illusions, hallucinations, dream pictures.
[ 15 ] In der geistigen Welt wird derjenige, der richtig schauen kann, nimmermehr Wirklichkeit mit Phantasterei verwechseln. Da ist es wirklich so, daß sich die Schopenhauersche Philosophie, insoferne sie einen Fehler macht, von selbst widerlegt. Sie widerlegt sich ja auch in der Sinneswelt in bezug auf ihren Hauptfehler, daß alle unsere Umgebung unsere Vorstellung sei. Wenn man diesen Satz preßt, dann wird er widerlegt, weil man schon durch das Leben angeleitet wird, zu unterscheiden zwischen einem heißen Eisen von neunhundert Grad, das eine wirkliche Wahrnehmung ist, und dem vorgestellten Eisen von neunhundert Grad, das nicht weh tut. Wenn man in der wirklichen Welt mit den entsprechenden Fähigkeiten lebt, so liefert das Leben schon den Unterschied für die Realität und für die Phantasterei. Auch der Kantsche Satz, mit dem Kant an die sogenannten Gottesbeweise herangegangen ist, daß hundert gedachte Taler ebensoviel wert sind wie hundert wirkliche, wird vom Leben widerlegt. Gewiß, hundert gedachte Taler enthalten ebensoviel Pfennige als hundert wirkliche, aber zwischen beiden gibt es doch einen Unterschied, der gegenüber dem Leben sehr stark hervortritt. Und ich möchte jedem, der diesen Satz für richtig hält, raten, seine hundert Taler, die er schuldig ist, mit eingebildeten Talern zu bezahlen, dann wird er schon den Unterschied merken. So wie das für die physisch-sinnliche Welt ist, wenn man wirklich darinnen steht und ihre Gesetze beachtet, so ist es auch für die übersinnlichen Welten. Wenn man nur nascht, dann ist man vor dem Verwechseln von Wahn und Wirklichkeit nicht gefeit, dann verdichten sich die Bilder, und man nimmt das, was bloß Bild sein soll, für Realität. Und was man so an Näscherei aus der geistigen Welt in sich trägt, das ist ganz besonders eine Beute, über die sich Ahriman hermachen kann. Aus dem, was er dem gewöhnlichen Menschendenken entnimmt, bekommt er nur luftige Schatten, aber er bekommt, trivial gesprochen, recht fette Schatten und Schemen, wenn er aus den menschlichen Leibesindividualitäten herauspreßt, so gut er es kann, die falschen Wahnesbilder, die durch das Naschen in der geistigen Welt entstanden sind. Und damit wird auf ahrimanische Weise die physisch-sinnliche Welt mit geistigen Schatten und Schemen, die sehr schlimm der allgemeinen Weltenordnung widerstreben, durchsetzt.
[ 15 ] A person who is able to look in the right way into the spiritual world will never again confuse reality and the fantastic. In this the philosophy of Schopenhauer, in so far as it is erroneous, refutes itself. In the case of its greatest mistake—that our whole environment is nothing but our mental picture—it refutes itself even in the sense world. If you press Schopenhauer's statement, it will show itself up as a fallacy, for you will be guided by life itself to distinguish between iron heated to 900 degrees that is actually perceptible and the imagined iron of 900 degrees that will cause no pain. Life itself reveals the difference between reality and fancy when one lives in the real world with the capacities belonging to it. Even Kant's statement by which he formulated his so-called proof of God, that is, that a hundred imagined dollars are just as valuable as a hundred real ones—that, too, will be contradicted by life. Certainly a hundred imagined dollars contain just as many pennies as a hundred real ones, but for all that there is a difference that comes strongly to the fore in real life. I would recommend anyone who considers Kant's statement to be correct to try to pay a hundred dollar debt with imagined currency; he will notice the difference at once. If this is the case in the physical sense world when one really stands firmly in it and observes its laws, it is the same for the super-sensible worlds. If one only nibbles at the latter, one will have no protection against mistaking illusion for truth; when the pictures shrink and condense, one takes what should be merely picture for reality. The sweets, too, that such a person carries within himself out of the spiritual world are a special booty for Ahriman to pounce on. From what he can pull out of ordinary human thinking he gets only airy shadows, but—to put it plainly—he gets well padded shadows and plump phantoms when he presses out of human body-individualities (as well as he can) the false illusory pictures created by nibbling on the sly in the spiritual world. In this ahrimanic fashion the physical sense world is populated by spiritual shades and phantoms that offer serious resistance to the general cosmic order.
[ 16 ] Da sehen wir also, wie das ahrimanische Prinzip ganz besonders eingreifen kann, wenn es seine Grenzen überschreitet und der allgemeinen Weltenordnung entgegenwirkt, wie da ganz besonders dieses ahrimanische Prinzip aus der Verkehrung seiner regelrechten Tätigkeit zum Bösen werden kann. Es gibt kein absolutes Böses. Alles Böse entsteht dadurch, daß etwas, was in irgendeiner Weise gut ist, in einer anderen Weise in der Welt verwendet wird; dadurch wird es in das Böse verkehrt. In einer ähnlichen Weise kann das luziferische Prinzip, das zu so Erhabenem, Großartigem den Anlaß geben kann, gerade für die hellsichtig gewordene Seele gefährlich, bedeutsam gefährlich werden. Und das geschieht im umgekehrten Falle. Jetzt haben wir den Fall betrachtet, wenn eine Seele in der geistigen Welt nascht, also darinnen wahrnimmt, und, wenn sie zurückkommt in die physisch-sinnliche Welt, nicht sich sagt: Jetzt darfst du dich nicht dieses Vorstellungslebens bedienen, das für die geistige Welt paßt, — dann ist sie in der physisch-sinnlichen Welt dem ahrimanischen Einfluß ausgesetzt. Aber es kann das Umgekehrte stattfinden; es kann die Menschenseele hineintragen in die geistige Welt das, was nur der physisch-sinnlichen Welt angehören soll, und das ist die Empfindungs-, die Gefühls-, die Affektweise, die die Seele notwendigerweise bis zu einem gewissen Grade in der physisch-sinnlichen Welt entwickeln muß. Alles das, was an Leidenschaften und so weiter die Seele sich ausbildet in der physisch-sinnlichen Welt, darf nicht hineingetragen werden in die geistige Welt, wenn es nicht in bedeutsamer Weise den Anfechtungen und Verlockungen Luzifers verfallen soll.
[ 16 ] From all this, we see how the ahrimanic influence can encroach most strongly when it oversteps its boundaries and works against the general cosmic order; it turns to evil, especially in the perversion of its lawful activity. There is no essential evil. Everything evil arises from this, something that is good in one direction is put to use in the world in another direction and thereby turned into evil. In a somewhat similar way the luciferic influence, the inducement to so much that is noble and sublime, may become dangerous, exceedingly dangerous, particularly to the soul that has become clairvoyant. This happens in just the opposite situation. We looked before at what happens when a soul nibbles at the spiritual world, that is, perceives something there, but then on returning to the physical sense world does not tell itself: “Here you may not use the same kind of thought pictures that are right for the spiritual world.” In this case the soul is exposed in the physical world to the influence of Ahriman. But the opposite can take place. The human soul can carry into the spiritual world what should belong only to the physical sense world, namely the kinds of perception, feeling, and passion that the soul must necessarily develop to a certain degree for the physical world. None of the emotions cultivated here, however, should be carried into the spiritual world if the soul is not to fall victim to the temptations and allurements of Lucifer to an unusual degree.
[ 17 ] Das ist etwas von dem, was darzustellen versucht worden ist in dem neunten Bilde von «Der Seelen Erwachen» in der Gemüts-, in der Seelenverfassung der Maria. Es wäre ganz falsch, wenn jemand an dieser Stelle ein Tumultuarisches, dramatisch-tumultuarisch Regsames verlangen würde, wie man es in einem äußeren physischen Drama hat. Wenn das Gemüt der Maria so wäre, daß es in dem Moment aufregende Leidenschaften, aufregende Triebe und Affekte erleben könnte bei dem Empfang der Erinnerungen aus der devachanischen Welt und der ägyptischen Zeit, dann würde die Seele der Maria dadurch auf den Wogen der Leidenschaften hin- und hergeworfen werden. Eine Seele, welche nicht in innerer Ruhe, in absoluter Gelassenheit, in einem Hinaussein über alles äußere physische Dramatische entgegennehmen kann die Impulse der geistigen Welt, eine solche Seele erleidet in der geistigen Welt ein Schicksal, das ich nur in der folgenden bildhaften Weise bezeichnen kann. Denken Sie sich, ein Wesen wäre aus Kautschuk und es flöge in einem Raum, der von allen Seiten geschlossen wäre, hin und her, flöge nach der einen Wand, würde aber da gleich wiederum zurückgeworfen, flöge nach der anderen Wand, würde wiederum zurückgeworfen, und flöge so hin und her und wäre so in einer tumultuarischen Bewegung auf den Wogen des Leidenschaftslebens. Das tritt tatsächlich ein mit einer Seele, welche die Empfindungsweise, die Gefühls- und Affektweise der sinnlich-physischen Welt hineinträgt in die geistige Welt. Dann tritt aber etwas weiteres ein. Es ist nicht angenehm, so kautschukmäßig hinund hergeworfen zu werden wie in einem Weltgefängnis. Daher spielt die Seele in einem solchen Falle als hellsichtige Seele ganz besonders Vogel-Strauß-Politik,; sie betäubt sich nämlich über dieses Hin- und Hergeworfenwerden, sie trübt sich das Bewußtsein, so daß sie nichts davon merkt. Dann glaubt sie, sie werde nicht hin- und hergeworfen. Da kann Luzifer um so mehr heran, weil das Bewußtsein getrübt ist; der lockt die Seele heraus und führt sie hin nach seinem isolierten Reiche. Da kann die Seele dann ihre geistigen Eindrücke empfangen, aber es sind rein luziferische Eindrücke, weil sie in seinem Inselreiche empfangen werden.
[ 17 ] This is what was attempted to some extent in Scene Nine of The Souls' Awakening in presenting Maria's inmost soul attitude. It would be quite wrong for anyone to require in this scene something as dramatically tumultuous and exciting as what one likes to have in superficial physical drama. If Maria's inner nature were such that at the moment of receiving the memories of the devachanic world and of the Egyptian period, her soul had experienced disturbing passions, disturbing desires, it would have been hurtled back and forth by these waves of emotion. A soul that cannot receive the impulses of the spiritual world with inner calm, in absolute tranquillity, rising above all outward physical drama, will suffer in the spiritual world a fate that I can only render in the following picture: Imagine to yourselves a being made of rubber flying in all directions in a space enclosed on all sides, flying against a wall and thrown back from it, flying against another wall, thrown back again, flying back and forth like this in turbulent movement on the waves of the emotional life. This actually happens to a soul that carries into the spiritual world the kind of perception, feeling and passion belonging to the sense world. Something further happens. It is not pleasant to be thrown back and forth like a rubber ball as if one were in a cosmic prison. Therefore in such a case the soul that is clairvoyant follows chiefly the special policy of the ostrich; as a matter of fact, the soul stupefies itself in regard to this being thrown back and forth; it dulls its consciousness so that it is no longer aware of it. It therefore believes that it is not being thrown back and forth. Lucifer can then come all the closer, because the consciousness is dulled. He lures the soul out and leads it to his isolated kingdom. There the soul can receive its spiritual impressions but, received in this island kingdom, they are completely luciferic.
[ 18 ] Weil Selbsterkenntnis da schwierig ist und die Seele über gewisse Eigenschaften außerordentlich schwer zur Klarheit kommt, und weil außerdem die Menschen den Drang haben, möglichst schnell in die geistige Welt hineinzukommen, ist es gar nicht zu verwundern, daß Menschen sich sagen: Ich bin schon reif, ich werde schon meine Leidenschaften beherrschen. — Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Insbesondere gibt es Eigenschaften, wo es mit dem Beherrschen recht sehr schlimm steht. Eitelkeit, Ehrgeiz und ähnliche Dinge, die sitzen so in den Menschenseelen, daß das Selbstgeständnis: Du bist eitel und ehrgeizig, du hast Machtgelüste! — nicht so leicht ist, und man sich meistens täuscht, wenn man gerade über diese Dinge mit sich zu Rate geht. Aber das sind die schlimmsten Affekte. Trägt man diese in die geistige Welt hinein, dann wird man am allerleichtesten eine Beute des Luzifer. Und weil man, wenn man merkt, man werde hin- und hergeworfen, sich nicht gerne sagt: Das kommt vom Ehrgeiz, von der Eitelkeit —, so sucht man eben die Seelentrübnis auf; und da entführt einen Luzifer in sein Reich. Dann kann man allerdings Eindrücke haben, aber sie stimmen nicht mit der Weltenordnung überein, die schon vorgezeichnet worden ist, bevor Luzifer eingegriffen hat, sondern sie sind geistige Eindrücke rein luziferischer Art. Man kann die sonderbarsten Impressionen haben; man wird sie für absolut richtige Wahrheiten halten. Man kann den Leuten alle möglichen Inkarnationen von diesen oder jenen Wesen erzählen, und es können rein luziferische Eingebungen sein und ähnliche Dinge.
[ 18 ] Because self-knowledge is hard to come by and the soul has the greatest difficulty in becoming clear about certain of its qualities, because, too, people are bent on getting as quickly as possible into the spiritual world, it is not at all to be wondered at that they say to themselves: I am already mature enough; I will of course be able to control my passions. As a matter of fact, it is more easily said than done. There are certain qualities that particularly challenge our control. Vanity, ambition, and similar things sit so deeply entrenched in human souls that it is not easy to admit to oneself: You are vain and ambitious! You want power! When we look into ourselves, we are usually deceived about just those emotions that are the very worst ones. To carry them into the spiritual world means that a person will most easily become the prey of Lucifer. And when he notices how he is thrown hither and thither, he does not willingly say: This comes from ambition or from vanity—but he looks for the way to deaden the soul. Then Lucifer carries him off into his kingdom. There, of course, a person may receive insights but these do not correspond to the cosmic order, which had already been designed before Lucifer began his meddling.8See Rudolf Steiner, The Guardian of the Threshold, Scene 7. Contained in The Four Mystery Dramas. They are spiritual insights of a thoroughly luciferic nature. He may receive the most extraordinary impressions and judge them to be absolute truths. He may tell people about all sorts of incarnations of this person or that, but these will simply be purely luciferic inspirations.
[ 19 ] Damit das richtige Verhältnis zustande kommt bei dem Erwachen der Maria, mußte Maria in dem Moment, wo die geistige Welt in solcher Gewalt auf sie hereinbrechen sollte, eben so dargestellt werden, daß es im Grunde genommen für einen Menschen, der, sagen wir, so ein niedliches Kritikerchen wäre aus unserer Gegenwart, recht absurd erscheint. Denn so ein niedliches Kritikerchen könnte sagen: Da hat sich die ägyptische Szene abgespielt, und dann sitzt diese Maria da, wie wenn sie vom Frühstück gekommen wäre, und erlebt diese Dinge in einer Weise, daß jedes dramatische Leben fehlt. — Und dennoch, alles andere wäre unwahr auf dieser Entwickelungsstufe. Wahr ist allein jene Gelassenheit auf dieser Entwickelungsstufe, da die Strahlen, das Licht des Geistigen hereinfallen. So sehen wir, daß es von der Seelenstimmung abhängt, die in sich fertig sein muß mit all den Affekten und Leidenschaften, die nur für die physisch-sinnliche Welt Bedeutung haben, wenn die Seele über die Schwelle der geistigen Welt in der richtigen Weise treten soll und nicht in der geistigen Welt die notwendige Konsequenz der gebliebenen sinnlichen Empfindungsweise erleben will.
[ 19 ] In order that the right relationship should come about at her “Awakening,” Maria had to be presented, at the moment when the spiritual world was to rush in on her with such vehemence, as a person who could well appear absurd to someone like one of our fine young theater critics. A dainty little modern critic might well say: “After finishing the Egyptian scene, there sat Maria as if she had just had breakfast, experiencing these things without a bit of lively drama.” And yet anything else would be untrue at this stage of her development. Only Maria's quiet calmness can represent the truth of her development, as the rays of spiritual light fall upon the scene. We see from this how much depends on the soul mood, mastering within itself all the emotions and passions that are significant only for the physical sense world, if the soul is to cross the threshold of the spiritual world in the right way; otherwise it will experience there the necessary consequence of what remains of sensual feeling.
[ 20 ] Ahriman ist ein mehr geistiges Wesen; was er an unrechtmäßiger Tätigkeit, an unrechtmäßiger Schöpfertätigkeit entwickelt, fließt sozusagen in die allgemeine Sinneswelt hinein. Luzifer ist ein mehr seelisches Wesen; was er an fühlsamen Seelenelementen herausziehen will aus der Sinneswelt, will er einverleiben seinem besonderen luziferischen Reich, in welchem er jedem Menschen — gemäß dem den Wesen eingepflanzten Egoismus — sozusagen die größte Möglichkeit willkürlicher Unabhängigkeit sichern will. Man sieht daraus eben, daß es sich bei der Beurteilung von solchen Wesenheiten, wie Ahriman und Luzifer, nicht darum handeln kann, sie einfach als gut oder böse zu bezeichnen, sondern darum, aufzufassen, welches die rechtmäßige Tätigkeit, das eigentliche Reich dieser Wesenheiten ist, und wo ihre unrechtmäßige Tätigkeit, wo die Überschreitung ihrer Grenze beginnt. Denn dadurch, daß sie ihre Grenze überschreiten, verlocken sie den Menschen zum unrechtmäßigen Überschreiten der Grenze in die andere Welt hinein mit den Fähigkeiten und Gesetzen der einen Welt. Von dem Erlebten beim Herüber- und Hinübergehen über die Grenze zwischen der physisch-sinnlichen und der übersinnlichen Welt handeln insbesondere die Bilder von «Der Seelen Erwachen». Heute wollte ich den Anfang machen, indem ich einiges von dem schilderte, was beachtet werden muß an dem Grenzgebiet zwischen der sinnlichen und übersinnlichen Welt. Morgen wollen wir dann mit dieser Betrachtung weiterfahren.
[ 20 ] Ahriman is the more spiritual being; what he carries out in the way of unlawful activity, of the unlawful activity he can create, flows more or less into the general world of the senses. Lucifer is more a being of soul; he tries to draw emotional soul elements out of the sense world and embody them in his special luciferic kingdom, where for every human being—according to the egoism rooted in his nature—Lucifer wants to ensure the greatest possibility of segregated independence. We see from this that when we want to form a judgment of such beings as Ahriman and Lucifer, it cannot be a question of simply calling them good or bad. Instead we have to understand what is the lawful activity, what is the right domain of these beings and where their unlawful activity, the overstepping of their limits, begins. For through the fact that they go beyond their limits, they entice human beings to an unlawful overstepping of the boundary into the other world, taking with them the faculties and laws of this world. The scenes of The Souls' Awakening deal particularly with what is experienced in passing back and forth across the boundary between the physical sense world and the super-sensible world. In this lecture today I wanted to make a beginning by describing some of the things that must be carefully watched in the borderland between the two worlds. Tomorrow we will go further into this.
