Secrets of the Threshold
GA 147
28 August 1913, Munich
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Die Geheimnisse der Schwelle
Fünfter Vortrag
Fünfter Vortrag
[ 1 ] Ich möchte alles tun, daß wir uns über die Verhältnisse der geistigen Gebiete, über die wir uns während dieses Vortragszyklus verständigen wollen, gut verstehen können. Und aus diesem Grunde möchte ich wie eine Episode zunächst in unsere Zyklusbetrachtungen heute eine kleine Geschichte einschalten, welche geeignet sein wird, mancherlei aufzuklären in den Fragen, die wir zu betrachten haben werden und die wir auch schon betrachtet haben.
[ 1 ] Ich möchte alles tun, daß wir uns über die Verhältnisse der geistigen Gebiete, über die wir uns während dieses Vortragszyklus verständigen wollen, gut verstehen können. Und aus diesem Grunde möchte ich wie eine Episode zunächst in unsere Zyklusbetrachtungen heute eine kleine Geschichte einschalten, welche geeignet sein wird, mancherlei aufzuklären in den Fragen, die wir zu betrachten haben werden und die wir auch schon betrachtet haben.
[ 2 ] Professor Capesius war in einer bestimmten Zeit seelisch recht zerquält und zergrübelt. Das kam durch die folgenden Gründe. Sie werden namentlich aus der «Pforte der Einweihung» entnommen haben, daß Capesius eine Art Geschichtsgelehrter ist, ein Historiker. Nun hat mir die okkulte Forschung ergeben, daß eine Anzahl namhafter Historiker der Gegenwart dieses gerade dadurch geworden sind, daß sie in irgendeinem Verhältnis gestanden haben zur ägyptischen Einweihung im dritten nachatlantischen Kulturzeitraum. Entweder daß solche Geschichtsgelehrten direkt mit dem Einweihungsprinzip zu tun hatten oder den Tempelgeheimnissen in der einen oder anderen Art nähertraten. Sie werden bemerkt haben, daß Capesius ein Historiker ist, der sich nicht allein auf äußere Schriftwerke verläßt, sondern der auch versucht, die Ideen der Geschichte zu durchdringen, die in der Menschheitsentwickelung, in der Kulturentfaltung spielen.
[ 2 ] Professor Capesius war in einer bestimmten Zeit seelisch recht zerquält und zergrübelt. Das kam durch die folgenden Gründe. Sie werden namentlich aus der «Pforte der Einweihung» entnommen haben, daß Capesius eine Art Geschichtsgelehrter ist, ein Historiker. Nun hat mir die okkulte Forschung ergeben, daß eine Anzahl namhafter Historiker der Gegenwart dieses gerade dadurch geworden sind, daß sie in irgendeinem Verhältnis gestanden haben zur ägyptischen Einweihung im dritten nachatlantischen Kulturzeitraum. Entweder daß solche Geschichtsgelehrten direkt mit dem Einweihungsprinzip zu tun hatten oder den Tempelgeheimnissen in der einen oder anderen Art nähertraten. Sie werden bemerkt haben, daß Capesius ein Historiker ist, der sich nicht allein auf äußere Schriftwerke verläßt, sondern der auch versucht, die Ideen der Geschichte zu durchdringen, die in der Menschheitsentwickelung, in der Kulturentfaltung spielen.
[ 3 ] Während ich versuchte, in der «Pforte der Einweihung», in der «Prüfung der Seele» und in dem «Hüter der Schwelle» Capesius zu charakterisieren, muß ich gestehen, stand mir immer seine Beziehung zu dem ägyptischen Einweihungsprinzip vor Augen, die im siebenten und achten Bilde in «Der Seelen Erwachen» näher zum Ausdruck gekommen ist. Und das sollte man eigentlich festhalten, daß die Erlebnisse, welche die Capesius-Seele während ihrer ägyptischen Inkarnation hatte, all den späteren Schicksalen zugrunde liegen, die für diese Seele auch für die Gegenwart in Betracht kommen. So ist Capesius Historiker, Geschichtsgelehrter. Er hat sich hauptsächlich in seinem Gelehrtenleben mit Geschichte befaßt, mit all dem, was das Werden und Wesen der Völker, der Kulturen, der einzelnen Menschen in den aufeinanderfolgenden Epochen zur Entwickelung gebracht hat.
[ 3 ] Während ich versuchte, in der «Pforte der Einweihung», in der «Prüfung der Seele» und in dem «Hüter der Schwelle» Capesius zu charakterisieren, muß ich gestehen, stand mir immer seine Beziehung zu dem ägyptischen Einweihungsprinzip vor Augen, die im siebenten und achten Bilde in «Der Seelen Erwachen» näher zum Ausdruck gekommen ist. Und das sollte man eigentlich festhalten, daß die Erlebnisse, welche die Capesius-Seele während ihrer ägyptischen Inkarnation hatte, all den späteren Schicksalen zugrunde liegen, die für diese Seele auch für die Gegenwart in Betracht kommen. So ist Capesius Historiker, Geschichtsgelehrter. Er hat sich hauptsächlich in seinem Gelehrtenleben mit Geschichte befaßt, mit all dem, was das Werden und Wesen der Völker, der Kulturen, der einzelnen Menschen in den aufeinanderfolgenden Epochen zur Entwickelung gebracht hat.
[ 4 ] Eines Tages aber war an Capesius etwas von der Literatur des Haeckelismus herangetreten. Er hatte sich mit dieser ganzen Weltanschauung, mit der er sich früher wenig befaßt hatte, bekanntgemacht und im Anschluß daran allerlei Schriften über atomistische Weltanschauung gelesen. Das war der Grund zu seiner Zerquältheit, und es war eine merkwürdige Stimmung, die über ihn kam, als er in verhältnismäßig spätem Alter diesen atomistischen Haeckelismus kennenlernte. Sein Verstand sagte ihm: Man kann eigentlich mit den Erscheinungen der Natur um sich herum nicht ordentlich zurechtkommen, wenn man sich nicht in dieser Weise aus Atomen heraus durch eine mechanische Weltanschauung die Erscheinungen der Natur erklären will. — Mit anderen Worten, es kam Capesius immer mehr und mehr dazu, in einer gewissen Weise das einseitige Recht des Atomismus, die mechanische Naturanschauung einzusehen. Er gehörte nicht zu denen, die fanatisch eine solche Sache von vornherein ablehnen, denn er mußte sich auf seinen Verstand verlassen, und da erschien ihm manches notwendig von dieser Anschauung, um die Erscheinungen der Natur um sich herum zu erklären. Aber dennoch quälte ihn das. Denn er sagte sich: Wie öde, wie unbefriedigend für die menschliche Seele ist wiederum diese Naturanschauung! Wie schlecht kommt jede Idee dabei weg, die man über Geist und Geistwesen, über das Seelische gewinnen will!
[ 4 ] Eines Tages aber war an Capesius etwas von der Literatur des Haeckelismus herangetreten. Er hatte sich mit dieser ganzen Weltanschauung, mit der er sich früher wenig befaßt hatte, bekanntgemacht und im Anschluß daran allerlei Schriften über atomistische Weltanschauung gelesen. Das war der Grund zu seiner Zerquältheit, und es war eine merkwürdige Stimmung, die über ihn kam, als er in verhältnismäßig spätem Alter diesen atomistischen Haeckelismus kennenlernte. Sein Verstand sagte ihm: Man kann eigentlich mit den Erscheinungen der Natur um sich herum nicht ordentlich zurechtkommen, wenn man sich nicht in dieser Weise aus Atomen heraus durch eine mechanische Weltanschauung die Erscheinungen der Natur erklären will. — Mit anderen Worten, es kam Capesius immer mehr und mehr dazu, in einer gewissen Weise das einseitige Recht des Atomismus, die mechanische Naturanschauung einzusehen. Er gehörte nicht zu denen, die fanatisch eine solche Sache von vornherein ablehnen, denn er mußte sich auf seinen Verstand verlassen, und da erschien ihm manches notwendig von dieser Anschauung, um die Erscheinungen der Natur um sich herum zu erklären. Aber dennoch quälte ihn das. Denn er sagte sich: Wie öde, wie unbefriedigend für die menschliche Seele ist wiederum diese Naturanschauung! Wie schlecht kommt jede Idee dabei weg, die man über Geist und Geistwesen, über das Seelische gewinnen will!
[ 5 ] So fand sich Capesius von Zweifeln hin- und hergetragen, und da trat er denn, ich möchte sagen fast instinktiv denjenigen Gang an, den er oft angetreten hat, wenn es ihm schwer um die Seele geworden ist. Er ging ins Balde-Häuschen, um sich dort mit den guten Leuten zu besprechen, die ihm oftmals so schöne, gute Seelendienste geleistet hatten. Oftmals hatte ihn erfrischt, was in ihren wunderbaren Märchenbildern Frau Balde Capesius zu geben hatte. Und da ging er hin. Er traf zunächst, weil Frau Balde im Haus beschäftigt war, als er ankam, nur Felix Balde, den Vater Felix, den er im Laufe der Zeit so sehr lieben gelernt hatte. Dem trug er seine Qualen vor, seine Zweifel, in die er durch das Bekanntwerden mit dem Haeckelismus und Atomismus versetzt worden war. Er setzte ihm erstens auseinander, wie notwendig es dem Verstande erscheine, so etwas auf die Naturerscheinungen anzuwenden; und auf der anderen Seite trug er dem guten Vater Felix vor, wie öde und unbefriedigend eine solche Weltanschauung sei. Recht beunruhigt war Capesius, als er da sozusagen seelisch hilfesuchend zu dem Vater Felix kam. Vater Felix ist eben eine andere Natur als Capesius. Er geht seinen bestimmten Gang. Er lehnte so etwas wie den Haeckelismus und die atomistische Weltanschauung direkt ab, indem er unserem guten Professor Capesius auseinandersetzte, was es damit auf sich habe. Er sagte ihm: Gewiß, Atome muß es geben. Es ist ganz berechtigt, von Atomen zu sprechen. Aber man muß sich klar sein darüber, daß diese Atome, wenn sie die Welt irgendwie bilden sollen, sich so aneinander schichten und lagern müssen, daß die Aneinanderlagerung den Zahlen und Maßen entspricht; daß das Atom der einen Substanz zu vier, der anderen zu drei, der anderen zu eins, zwei eine Ganzheit bildet; daß auf diese Weise die Stoffe zustande kommen, die in der Welt sind. — Capesius, der historisch gut unterrichtet war, kam das etwas pythagoreisch vor; er fühlte, daß da das pythagoreische Prinzip in Felix Balde waltete. Felix Balde wollte ihm klarmachen, daß man mit den Atomen nichts anfangen könne, sondern daß da drinnen Maß und Zahl weise herrschen. Und immer komplizierter wurde das, was Vater Felix auseinandersetzte in immer komplizierteren Zahlenverhältnissen, nach denen die Weltenweisheit die Atome aneinander gruppiert und sie als geistiges Prinzip zwischen den Atomen geltend macht. Immer komplizierter wurden die Figuren, die Vater Felix dem Capesius vorkonstruierte. Da überkam den guten Professor Capesius eine merkwürdige Stimmung, eine Stimmung, die man so charakterisieren könnte: er mußte sich so anstrengen, dieses Komplizierte zusammenzuhalten, daß er, trotzdem ihn die Sache außerordentlich interessierte, eine Art Gähnen unterdrücken mußte, daß er in eine Art traumhaften Zustandes fast verfiel.
[ 5 ] So fand sich Capesius von Zweifeln hin- und hergetragen, und da trat er denn, ich möchte sagen fast instinktiv denjenigen Gang an, den er oft angetreten hat, wenn es ihm schwer um die Seele geworden ist. Er ging ins Balde-Häuschen, um sich dort mit den guten Leuten zu besprechen, die ihm oftmals so schöne, gute Seelendienste geleistet hatten. Oftmals hatte ihn erfrischt, was in ihren wunderbaren Märchenbildern Frau Balde Capesius zu geben hatte. Und da ging er hin. Er traf zunächst, weil Frau Balde im Haus beschäftigt war, als er ankam, nur Felix Balde, den Vater Felix, den er im Laufe der Zeit so sehr lieben gelernt hatte. Dem trug er seine Qualen vor, seine Zweifel, in die er durch das Bekanntwerden mit dem Haeckelismus und Atomismus versetzt worden war. Er setzte ihm erstens auseinander, wie notwendig es dem Verstande erscheine, so etwas auf die Naturerscheinungen anzuwenden; und auf der anderen Seite trug er dem guten Vater Felix vor, wie öde und unbefriedigend eine solche Weltanschauung sei. Recht beunruhigt war Capesius, als er da sozusagen seelisch hilfesuchend zu dem Vater Felix kam. Vater Felix ist eben eine andere Natur als Capesius. Er geht seinen bestimmten Gang. Er lehnte so etwas wie den Haeckelismus und die atomistische Weltanschauung direkt ab, indem er unserem guten Professor Capesius auseinandersetzte, was es damit auf sich habe. Er sagte ihm: Gewiß, Atome muß es geben. Es ist ganz berechtigt, von Atomen zu sprechen. Aber man muß sich klar sein darüber, daß diese Atome, wenn sie die Welt irgendwie bilden sollen, sich so aneinander schichten und lagern müssen, daß die Aneinanderlagerung den Zahlen und Maßen entspricht; daß das Atom der einen Substanz zu vier, der anderen zu drei, der anderen zu eins, zwei eine Ganzheit bildet; daß auf diese Weise die Stoffe zustande kommen, die in der Welt sind. — Capesius, der historisch gut unterrichtet war, kam das etwas pythagoreisch vor; er fühlte, daß da das pythagoreische Prinzip in Felix Balde waltete. Felix Balde wollte ihm klarmachen, daß man mit den Atomen nichts anfangen könne, sondern daß da drinnen Maß und Zahl weise herrschen. Und immer komplizierter wurde das, was Vater Felix auseinandersetzte in immer komplizierteren Zahlenverhältnissen, nach denen die Weltenweisheit die Atome aneinander gruppiert und sie als geistiges Prinzip zwischen den Atomen geltend macht. Immer komplizierter wurden die Figuren, die Vater Felix dem Capesius vorkonstruierte. Da überkam den guten Professor Capesius eine merkwürdige Stimmung, eine Stimmung, die man so charakterisieren könnte: er mußte sich so anstrengen, dieses Komplizierte zusammenzuhalten, daß er, trotzdem ihn die Sache außerordentlich interessierte, eine Art Gähnen unterdrücken mußte, daß er in eine Art traumhaften Zustandes fast verfiel.
[ 6 ] Da kam, bevor sozusagen der gute Professor Capesius völlig in einen traumhaften Zustand verfiel, Frau Balde dazu, die erst noch eine Weile die ganze Auseinandersetzung über die Zahlen und Figuren mitanhören mußte. Sie setzte sich geduldig hin. Sie hatte eine Eigentümlichkeit an sich. Wenn sie von etwas nicht ganz sympathisch, im guten Sinne sympathisch, berührt war, und es nötig hatte, sich hinwegzuhelfen über eine gutgemeinte Langeweile, da machte sie mit beiden Händen eine Faust und bewegte die Daumen im Kreise, und immer, wenn sie das tat, da konnte sie das Gähnen dadurch ganz zurückhalten. Nachdem sie so das ein bißchen gemacht hatte, entstand eine Pause, und sie konnte jetzt anfangen, mit einer erfrischenden Erzählung Capesius wiederum aufzurütteln. Und da erzählte denn Frau Felicia dem guten Professor Capesius das Folgende.
[ 6 ] Da kam, bevor sozusagen der gute Professor Capesius völlig in einen traumhaften Zustand verfiel, Frau Balde dazu, die erst noch eine Weile die ganze Auseinandersetzung über die Zahlen und Figuren mitanhören mußte. Sie setzte sich geduldig hin. Sie hatte eine Eigentümlichkeit an sich. Wenn sie von etwas nicht ganz sympathisch, im guten Sinne sympathisch, berührt war, und es nötig hatte, sich hinwegzuhelfen über eine gutgemeinte Langeweile, da machte sie mit beiden Händen eine Faust und bewegte die Daumen im Kreise, und immer, wenn sie das tat, da konnte sie das Gähnen dadurch ganz zurückhalten. Nachdem sie so das ein bißchen gemacht hatte, entstand eine Pause, und sie konnte jetzt anfangen, mit einer erfrischenden Erzählung Capesius wiederum aufzurütteln. Und da erzählte denn Frau Felicia dem guten Professor Capesius das Folgende.
[ 7 ] Es war einmal in einer sehr einsamen Gegend eine große Burg. In dieser Burg wohnten viele Menschen, alte und junge, von den jüngsten bis zu den ältesten; aber alle waren mehr oder weniger verwandt, so daß alle in irgendeiner Weise zusammengehörten.
[ 7 ] Es war einmal in einer sehr einsamen Gegend eine große Burg. In dieser Burg wohnten viele Menschen, alte und junge, von den jüngsten bis zu den ältesten; aber alle waren mehr oder weniger verwandt, so daß alle in irgendeiner Weise zusammengehörten.
[ 8 ] Diese Menschen, die für sich eine abgeschlossene Gemeinde bildeten, waren aber auch von der übrigen Welt in einer gewissen Weise abgeschlossen, denn ringsherum waren weit und breit nicht Menschen und menschliche Ansiedlungen zu finden. So daß eine Zeit kam, in der es einer größeren Anzahl dieser Menschen etwas unbehaglich wurde. Und das hatte zur Folge, daß einzelne dieser Menschen wie Visionäre wurden, Visionen bekamen, die wohl durch die Art, wie sie auftraten, auf etwas Reales sich beziehen konnten. Da erzählte dann Frau Felicia, daß eine größere Anzahl von Personen die gleiche Vision hatten. Zunächst hatten sie die Vision, wie aus den Wolken herunterstieg eine mächtige Lichtgestalt; eine Lichtgestalt, welche sich dann, indem sie herunterkam, wie erwärmend in die Herzen und Seelen der Burgbewohner hineinsenkte. Und man fühlte wirklich auch — so erzählte Frau Felicia — etwas von Erleuchtendem, was hereinkam wie aus Himmelshöhen durch diese Lichtgestalt, die von oben kam.
[ 8 ] Diese Menschen, die für sich eine abgeschlossene Gemeinde bildeten, waren aber auch von der übrigen Welt in einer gewissen Weise abgeschlossen, denn ringsherum waren weit und breit nicht Menschen und menschliche Ansiedlungen zu finden. So daß eine Zeit kam, in der es einer größeren Anzahl dieser Menschen etwas unbehaglich wurde. Und das hatte zur Folge, daß einzelne dieser Menschen wie Visionäre wurden, Visionen bekamen, die wohl durch die Art, wie sie auftraten, auf etwas Reales sich beziehen konnten. Da erzählte dann Frau Felicia, daß eine größere Anzahl von Personen die gleiche Vision hatten. Zunächst hatten sie die Vision, wie aus den Wolken herunterstieg eine mächtige Lichtgestalt; eine Lichtgestalt, welche sich dann, indem sie herunterkam, wie erwärmend in die Herzen und Seelen der Burgbewohner hineinsenkte. Und man fühlte wirklich auch — so erzählte Frau Felicia — etwas von Erleuchtendem, was hereinkam wie aus Himmelshöhen durch diese Lichtgestalt, die von oben kam.
[ 9 ] Bald aber, so erzählte sie, stellte sich für all die Menschen, welche diese Vision der Lichtgestalt hatten, auch noch etwas anderes ein. Sie sahen um die Burg herum überall wie aus der Erde herauskrabbelnd alle möglichen schwärzlich-bräunlichen, stahlgrauen Gestalten. Während die Lichtgestalt von oben eine einzige war, kamen viele, viele solche Gestalten um die Burg herum. Während die Lichtgestalt mehr in die Herzen, mehr in die Seelen ging, waren diese Wesen — man könnte sie Elementarwesen nennen — wie Belagerer der Burg.
[ 9 ] Bald aber, so erzählte sie, stellte sich für all die Menschen, welche diese Vision der Lichtgestalt hatten, auch noch etwas anderes ein. Sie sahen um die Burg herum überall wie aus der Erde herauskrabbelnd alle möglichen schwärzlich-bräunlichen, stahlgrauen Gestalten. Während die Lichtgestalt von oben eine einzige war, kamen viele, viele solche Gestalten um die Burg herum. Während die Lichtgestalt mehr in die Herzen, mehr in die Seelen ging, waren diese Wesen — man könnte sie Elementarwesen nennen — wie Belagerer der Burg.
[ 10 ] Und so lebten denn lange Zeit diese Persönlichkeiten in der Burg und es war eine ziemlich große Anzahl — zwischen dem, was von oben kam, und dem, was die Burg von außen belagerte. Eines Tages aber zeigte es sich, daß die Gestalt von oben sich tiefer senkte als sonst, und auch die Belagerer mehr hereinkamen. Bei den Visionären im Schloß verbreitete sich eine unbehagliche Stimmung. Wir müssen berücksichtigen, daß Frau Balde ein Märchen erzählte. Die Visionäre kamen mit den übrigen Schloßbewohnern in eine Art von traumhafter Stimmung. Die Gestalt von oben teilte sich in einzelne Lichtwolken; aber diese wurden von den Belagerern der Burg erfaßt und verdunkelt. Das hatte zur Folge, daß allmählich die Schloßbevölkerung in Traum versetzt wurde, und dadurch wurde die irdische Lebensdauer der Schloßbewohner auf Jahrhunderte verlängert. Und sie fanden sich nach Jahrhunderten wieder; aber jetzt fanden sie sich verteilt in kleinere Gemeinden und an die verschiedensten Orte der Erde hin versetzt. Sie bewohnten wiederum kleinere Burgen, die wie eine Kopie der großen Burg waren, die sie vor Jahrhunderten bewohnt hatten. Und es zeigte sich, daß dasjenige, was sie erlebt hatten in der alten Burg, jetzt in ihrer Seele war als Seelenstärke, als Seelengut, als Seelengesundheit. Und sie konnten wacker in den Burgen alles mögliche treiben: Ackerbau, Viehzucht und so weiter; sie wurden tüchtige Leute, tüchtige Bebauer des Feldes, hatten gesunde Seelen und auch gesunde Leiber.
[ 10 ] Und so lebten denn lange Zeit diese Persönlichkeiten in der Burg und es war eine ziemlich große Anzahl — zwischen dem, was von oben kam, und dem, was die Burg von außen belagerte. Eines Tages aber zeigte es sich, daß die Gestalt von oben sich tiefer senkte als sonst, und auch die Belagerer mehr hereinkamen. Bei den Visionären im Schloß verbreitete sich eine unbehagliche Stimmung. Wir müssen berücksichtigen, daß Frau Balde ein Märchen erzählte. Die Visionäre kamen mit den übrigen Schloßbewohnern in eine Art von traumhafter Stimmung. Die Gestalt von oben teilte sich in einzelne Lichtwolken; aber diese wurden von den Belagerern der Burg erfaßt und verdunkelt. Das hatte zur Folge, daß allmählich die Schloßbevölkerung in Traum versetzt wurde, und dadurch wurde die irdische Lebensdauer der Schloßbewohner auf Jahrhunderte verlängert. Und sie fanden sich nach Jahrhunderten wieder; aber jetzt fanden sie sich verteilt in kleinere Gemeinden und an die verschiedensten Orte der Erde hin versetzt. Sie bewohnten wiederum kleinere Burgen, die wie eine Kopie der großen Burg waren, die sie vor Jahrhunderten bewohnt hatten. Und es zeigte sich, daß dasjenige, was sie erlebt hatten in der alten Burg, jetzt in ihrer Seele war als Seelenstärke, als Seelengut, als Seelengesundheit. Und sie konnten wacker in den Burgen alles mögliche treiben: Ackerbau, Viehzucht und so weiter; sie wurden tüchtige Leute, tüchtige Bebauer des Feldes, hatten gesunde Seelen und auch gesunde Leiber.
[ 11 ] Nachdem Frau Felicia das erzählt hatte, war durch die Erzählung, wie ihm das immer passiert war, der gute Professor Capesius sehr angenehm berührt. Vater Felix aber fühlte die Notwendigkeit, etwas zur Erklärung dieses Bildes, das dazumal Frau Felicia zum erstenmal erzählt hatte, beizutragen. Und Vater Felix fing an: Ja, die Gestalt, die da von oben aus den Wolken kam, das ist das luziferische Prinzip, und die Gestalten, die von außen wie Belagerer kamen, die sind das ahrimanische Prinzip und so weiter. Und immer komplizierter wurde Vater Felix. Frau Felicia hörte anfangs zu, machte dann ihre Faust mit beiden Händen, rollte die Daumen, dann aber sagte sie, als Vater Felix immer komplizierter wurde: Ja, ich muß jetzt selbst nach der Küche sehen; wir haben heute Kartoffelklöße, die würden zu weich werden. — Und schlich hinaus in die Küche. Capesius wurde durch die Erklärungen des guten Vater Felix so gestimmt, daß er nicht recht mehr zuhören konnte, trotzdem er den Vater Felix gern hatte, und daß er eigentlich das, was dieser noch zur Erklärung brachte, wirklich nicht mehr recht hörte.
[ 11 ] Nachdem Frau Felicia das erzählt hatte, war durch die Erzählung, wie ihm das immer passiert war, der gute Professor Capesius sehr angenehm berührt. Vater Felix aber fühlte die Notwendigkeit, etwas zur Erklärung dieses Bildes, das dazumal Frau Felicia zum erstenmal erzählt hatte, beizutragen. Und Vater Felix fing an: Ja, die Gestalt, die da von oben aus den Wolken kam, das ist das luziferische Prinzip, und die Gestalten, die von außen wie Belagerer kamen, die sind das ahrimanische Prinzip und so weiter. Und immer komplizierter wurde Vater Felix. Frau Felicia hörte anfangs zu, machte dann ihre Faust mit beiden Händen, rollte die Daumen, dann aber sagte sie, als Vater Felix immer komplizierter wurde: Ja, ich muß jetzt selbst nach der Küche sehen; wir haben heute Kartoffelklöße, die würden zu weich werden. — Und schlich hinaus in die Küche. Capesius wurde durch die Erklärungen des guten Vater Felix so gestimmt, daß er nicht recht mehr zuhören konnte, trotzdem er den Vater Felix gern hatte, und daß er eigentlich das, was dieser noch zur Erklärung brachte, wirklich nicht mehr recht hörte.
[ 12 ] Nun muß ich hinzufügen, daß Capesius dieses, was ich jetzt erzählt habe, in einer Zeit passiert ist, in welcher er schon mit Benedictus bekannt war, sozusagen ein guter Schüler desselben war. Und er hatte oftmals von Benedictus erzählen hören, wie es sich mit dem luziferischen und dem ahrimanischen Element verhält. Trotzdem der Professor Capesius ein sehr kluger Mensch ist, konnte er aber nie so ganz zurechtkommen mit den Auseinandersetzungen des Benedictus über das luziferische und das ahrimanische Element. Es blieb immer ein Rest; er wußte mit den Erklärungen des Benedictus doch nichts Rechtes anzufangen. So ging er denn diesmal weg, behielt in der Seele die Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, und mußte oftmals, fast täglich an diese Erzählung denken. Da kam er wiederum einmal zu Benedictus, und siehe da, Benedictus konnte jetzt bemerken, daß etwas vorgegangen war in der Seele des Capesius. Capesius selber hatte bemerkt: Jedesmal, wenn er sich an die Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, erinnerte, wurde seine Seele eigentümlich innerlich angeregt. Es war, wie wenn diese Erzählung kräftebildend in seiner Seele gewirkt hätte, wie wenn seine Seele durch sie erkraftet worden wäre. Daher wiederholte er die Erzählung immer wieder und wiederum wie meditierend. Und nun kam er wieder zu Benedictus, der bemerkte, daß diese Seelenkräfte in sich erkraftet waren. Und Benedictus setzte ihm in eigenartiger Weise jetzt das Folgende auseinander.
[ 12 ] Nun muß ich hinzufügen, daß Capesius dieses, was ich jetzt erzählt habe, in einer Zeit passiert ist, in welcher er schon mit Benedictus bekannt war, sozusagen ein guter Schüler desselben war. Und er hatte oftmals von Benedictus erzählen hören, wie es sich mit dem luziferischen und dem ahrimanischen Element verhält. Trotzdem der Professor Capesius ein sehr kluger Mensch ist, konnte er aber nie so ganz zurechtkommen mit den Auseinandersetzungen des Benedictus über das luziferische und das ahrimanische Element. Es blieb immer ein Rest; er wußte mit den Erklärungen des Benedictus doch nichts Rechtes anzufangen. So ging er denn diesmal weg, behielt in der Seele die Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, und mußte oftmals, fast täglich an diese Erzählung denken. Da kam er wiederum einmal zu Benedictus, und siehe da, Benedictus konnte jetzt bemerken, daß etwas vorgegangen war in der Seele des Capesius. Capesius selber hatte bemerkt: Jedesmal, wenn er sich an die Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, erinnerte, wurde seine Seele eigentümlich innerlich angeregt. Es war, wie wenn diese Erzählung kräftebildend in seiner Seele gewirkt hätte, wie wenn seine Seele durch sie erkraftet worden wäre. Daher wiederholte er die Erzählung immer wieder und wiederum wie meditierend. Und nun kam er wieder zu Benedictus, der bemerkte, daß diese Seelenkräfte in sich erkraftet waren. Und Benedictus setzte ihm in eigenartiger Weise jetzt das Folgende auseinander.
[ 13 ] Während vorher der Professor Capesius, vielleicht gerade wegen seiner Gelehrsamkeit, die Auseinandersetzungen des Benedictus weniger verstanden haben würde, hatte er jetzt ein ganz außerordentliches Verständnis. Es war wie ein Samenkorn, das seine Seelenkräfte befruchtet hatte, was da hineingefallen war durch die Erzählung der Frau Felicia.
[ 13 ] Während vorher der Professor Capesius, vielleicht gerade wegen seiner Gelehrsamkeit, die Auseinandersetzungen des Benedictus weniger verstanden haben würde, hatte er jetzt ein ganz außerordentliches Verständnis. Es war wie ein Samenkorn, das seine Seelenkräfte befruchtet hatte, was da hineingefallen war durch die Erzählung der Frau Felicia.
[ 14 ] Benedictus sagte: Betrachten wir einmal drei Dinge! Erstens betrachten wir das menschliche Denken, das menschliche Vorstellen, den Gedanken, den der Mensch in sich tragen kann, durch den er sich die Welt begreiflich macht in aller seiner Einsamkeit. Gedanken zu haben, innerlich sich auseinanderzusetzen in voller Einsamkeit, das kann der Mensch ganz für sich. Dazu braucht er sich nicht anzuschlieBen an irgendeinen Menschen. Er macht es sogar am besten dadurch, daß er sich abschließt in seinem Kämmerchen und im stillen, in sich geschlossenen Denken mit der Kraft, die in irgendeinem Zeitpunkt sein Denken hat, versucht, die Welt und ihre Vorgänge zu verstehen. Nun sagte Benedictus: Ja, wenn man so verfährt mit dem Gedanken, dann ist es aber beim einzelnen Menschen immer so, daß das fühlsame Element der Seele heraufwirkt in den Gedanken, in die Vorstellungen hinein. Dadurch tritt immer die Versuchung, die Verlockung des luziferischen Elementes an den Menschen heran. Es ist gar nicht denkbar, daß der Mensch in Einsamkeit grübelt und spintisiert und philosophiert und sich über die Dinge der Welt aufklärt, ohne daß aus seiner fühlsamen Seele dieser Einschlag in das Denken kommt, und dadurch ein luziferischer Impuls in das einsame Denken hineinkommt. Der von dem einzelnen Menschen erfaßte Gedanke ist immer durchdrungen, zum großen Teil erfaßt und durchdrungen vom luziferischen Element.
[ 14 ] Benedictus sagte: Betrachten wir einmal drei Dinge! Erstens betrachten wir das menschliche Denken, das menschliche Vorstellen, den Gedanken, den der Mensch in sich tragen kann, durch den er sich die Welt begreiflich macht in aller seiner Einsamkeit. Gedanken zu haben, innerlich sich auseinanderzusetzen in voller Einsamkeit, das kann der Mensch ganz für sich. Dazu braucht er sich nicht anzuschlieBen an irgendeinen Menschen. Er macht es sogar am besten dadurch, daß er sich abschließt in seinem Kämmerchen und im stillen, in sich geschlossenen Denken mit der Kraft, die in irgendeinem Zeitpunkt sein Denken hat, versucht, die Welt und ihre Vorgänge zu verstehen. Nun sagte Benedictus: Ja, wenn man so verfährt mit dem Gedanken, dann ist es aber beim einzelnen Menschen immer so, daß das fühlsame Element der Seele heraufwirkt in den Gedanken, in die Vorstellungen hinein. Dadurch tritt immer die Versuchung, die Verlockung des luziferischen Elementes an den Menschen heran. Es ist gar nicht denkbar, daß der Mensch in Einsamkeit grübelt und spintisiert und philosophiert und sich über die Dinge der Welt aufklärt, ohne daß aus seiner fühlsamen Seele dieser Einschlag in das Denken kommt, und dadurch ein luziferischer Impuls in das einsame Denken hineinkommt. Der von dem einzelnen Menschen erfaßte Gedanke ist immer durchdrungen, zum großen Teil erfaßt und durchdrungen vom luziferischen Element.
[ 15 ] Während früher Capesius wenig verstanden hatte, wenn Benedictus vom luziferischen und ahrimanischen Elemente sprach, war es ihm jetzt selbstverständlich, zu begreifen, daß in dem einsamen Gedanken, den der Mensch in sich faßt, immer die Verlockungen des luziferischen Elementes stecken müssen. Und er verstand jetzt, daß Luzifer an der Betätigung des Menschen im einsamen Denken immer einen Anhaltspunkt hat, um den Menschen aus dem fortschreitenden Gang der Weltentwickelung herauszureißen und hinzuführen — weil sich der Mensch von der Welt absondert im einsamen Denken — zu der isolierten Insel, die sich Luzifer, abgesondert von der übrigen Weltenordnung, errichten will, um alles, was sich absondert, da gewissermaßen anzusiedeln. Es lenkte also Benedictus zunächst auf das einsame, persönliche, innerliche Denken den Capesius hin.
[ 15 ] Während früher Capesius wenig verstanden hatte, wenn Benedictus vom luziferischen und ahrimanischen Elemente sprach, war es ihm jetzt selbstverständlich, zu begreifen, daß in dem einsamen Gedanken, den der Mensch in sich faßt, immer die Verlockungen des luziferischen Elementes stecken müssen. Und er verstand jetzt, daß Luzifer an der Betätigung des Menschen im einsamen Denken immer einen Anhaltspunkt hat, um den Menschen aus dem fortschreitenden Gang der Weltentwickelung herauszureißen und hinzuführen — weil sich der Mensch von der Welt absondert im einsamen Denken — zu der isolierten Insel, die sich Luzifer, abgesondert von der übrigen Weltenordnung, errichten will, um alles, was sich absondert, da gewissermaßen anzusiedeln. Es lenkte also Benedictus zunächst auf das einsame, persönliche, innerliche Denken den Capesius hin.
[ 16 ] Und jetzt, sagte er, wollen wir etwas anderes ins Auge fassen. Wollen wir einmal ins Auge fassen dasjenige, was in der Schrift auftritt. In der Schrift haben wir ein merkwürdiges Element der menschlichen Kulturentwickelung. Wenn man das Bedeutsame des Gedankens ins Auge faßt, so muß man sagen: Der Gedanke, so wie er zunächst ist, lebt im einzelnen Menschen. Er ist Luzifer zugänglich, weil Luzifer das Seelische aus der physischen Welt herausführen und in die Isolierung hineinbringen will. Aber dieser einzelne Gedanke ist Ahriman nicht zugänglich, denn dieser einzelne Gedanke ist den ganz normalen Gesetzen des Entstehens und Vergehens des physischen Planes unterworfen. Bei der Schrift ist es etwas anderes, da wird das, was Gedanke ist, der Vernichtung entzogen, wird dauernd gemacht.
[ 16 ] Und jetzt, sagte er, wollen wir etwas anderes ins Auge fassen. Wollen wir einmal ins Auge fassen dasjenige, was in der Schrift auftritt. In der Schrift haben wir ein merkwürdiges Element der menschlichen Kulturentwickelung. Wenn man das Bedeutsame des Gedankens ins Auge faßt, so muß man sagen: Der Gedanke, so wie er zunächst ist, lebt im einzelnen Menschen. Er ist Luzifer zugänglich, weil Luzifer das Seelische aus der physischen Welt herausführen und in die Isolierung hineinbringen will. Aber dieser einzelne Gedanke ist Ahriman nicht zugänglich, denn dieser einzelne Gedanke ist den ganz normalen Gesetzen des Entstehens und Vergehens des physischen Planes unterworfen. Bei der Schrift ist es etwas anderes, da wird das, was Gedanke ist, der Vernichtung entzogen, wird dauernd gemacht.
[ 17 ] Nun habe ich Sie darauf hingewiesen, wie Ahriman überall darauf bedacht ist, dem Strom der Vernichtung zu entziehen, was im menschlichen Denken lebt, es da zu behalten in der physisch-sinnlichen Welt. Das ist der charakteristische Vorgang, wie das entsteht, was man aufschreibt. Da wird der menschliche Gedanke, der sonst in der Zeit vergehen würde, fixiert, wird für die Zeit aufbewahrt. Da dringt gerade Ahriman in die menschliche Kultur ein. Obwohl der Professor Capesius kein Rückschrittler ist und es nicht mit denen halten will, die etwa die Schrift abschaffen oder in den Volksschulen verbieten wollen, so sah er doch ein, daß, indem die Menschheit Schriftwerke um Schriftwerke überall ansammelt, die ahrimanischen Impulse in die Kulturentwickelung hereinkommen. So wußte er jetzt: im einsamen Gedanken ist luziferische Verlockung; in den Schriftwerken, in all dem, was fixiert wird durch Schreiben oder Drucken, ist ahrimanisches Element. Er wußte, daß die menschliche Entwickelung schon in der äußeren physischen Welt gar nicht sein kann, ohne daß das Ahrimanische und Luziferische allüberall hereinspielen. Und er verstand es jetzt, daß gerade mit der fortschreitenden Kultur, indem die Schrift immer größere Bedeutung gewinnt — um das zu erkennen, braucht man nicht hellsichtig zu sein, sondern nur die Entwickelung zu verfolgen um ein paar Jahrhunderte —, auch das Ahrimanische immer mehr Bedeutung gewinnen muß. Ahriman gewinnt immer mehr und mehr dadurch, daß die Schrift immer größere Bedeutung in der Menschheitsentwickelung bekommt. Und heute, wo sie eine so große Bedeutung hat — Capesius war sich darüber klar —, haben wir geradezu große ahrimanische Zwingburgen. Es ist zwar noch nicht üblich geworden — soweit hat es die Geisteswissenschaft noch nicht gebracht, daß man sich im öffentlichen Leben in der Wahrheit ausdrückt —, daß, wenn ein Student auf die Bibliothek geht, er sagt: Ich gehe jetzt in die Ahrimanburg ochsen! — Aber die Wahrheit ist das doch. Die großen und kleinen Bibliotheken sind die Ahrimanburgen, sind diejenigen Zwingburgen, von denen aus Ahriman in die menschliche Kulturentwickelung in intensivster Weise eingreift. Man muß nur in einer solchen Beziehung den Tatsachen kühn ins Auge schauen.
[ 17 ] Nun habe ich Sie darauf hingewiesen, wie Ahriman überall darauf bedacht ist, dem Strom der Vernichtung zu entziehen, was im menschlichen Denken lebt, es da zu behalten in der physisch-sinnlichen Welt. Das ist der charakteristische Vorgang, wie das entsteht, was man aufschreibt. Da wird der menschliche Gedanke, der sonst in der Zeit vergehen würde, fixiert, wird für die Zeit aufbewahrt. Da dringt gerade Ahriman in die menschliche Kultur ein. Obwohl der Professor Capesius kein Rückschrittler ist und es nicht mit denen halten will, die etwa die Schrift abschaffen oder in den Volksschulen verbieten wollen, so sah er doch ein, daß, indem die Menschheit Schriftwerke um Schriftwerke überall ansammelt, die ahrimanischen Impulse in die Kulturentwickelung hereinkommen. So wußte er jetzt: im einsamen Gedanken ist luziferische Verlockung; in den Schriftwerken, in all dem, was fixiert wird durch Schreiben oder Drucken, ist ahrimanisches Element. Er wußte, daß die menschliche Entwickelung schon in der äußeren physischen Welt gar nicht sein kann, ohne daß das Ahrimanische und Luziferische allüberall hereinspielen. Und er verstand es jetzt, daß gerade mit der fortschreitenden Kultur, indem die Schrift immer größere Bedeutung gewinnt — um das zu erkennen, braucht man nicht hellsichtig zu sein, sondern nur die Entwickelung zu verfolgen um ein paar Jahrhunderte —, auch das Ahrimanische immer mehr Bedeutung gewinnen muß. Ahriman gewinnt immer mehr und mehr dadurch, daß die Schrift immer größere Bedeutung in der Menschheitsentwickelung bekommt. Und heute, wo sie eine so große Bedeutung hat — Capesius war sich darüber klar —, haben wir geradezu große ahrimanische Zwingburgen. Es ist zwar noch nicht üblich geworden — soweit hat es die Geisteswissenschaft noch nicht gebracht, daß man sich im öffentlichen Leben in der Wahrheit ausdrückt —, daß, wenn ein Student auf die Bibliothek geht, er sagt: Ich gehe jetzt in die Ahrimanburg ochsen! — Aber die Wahrheit ist das doch. Die großen und kleinen Bibliotheken sind die Ahrimanburgen, sind diejenigen Zwingburgen, von denen aus Ahriman in die menschliche Kulturentwickelung in intensivster Weise eingreift. Man muß nur in einer solchen Beziehung den Tatsachen kühn ins Auge schauen.
[ 18 ] Nun aber erklärte Benedictus dem Capesius noch etwas anderes. Er sagte ihm: Nun gut, jetzt haben wir den Gedanken in der einsamen Persönlichkeit auf der einen Seite; wir haben das Schriftwerk, das Ahriman angehört, auf der anderen Seite; aber dazwischen haben wir einen mittleren Zustand. Im Luziferischen haben wir etwas Einheitliches. Der Mensch strebt nach der Einheit, wenn er im Gedanken die Welt sich erklären will. In der Schrift haben wir etwas Atomistisches. Dann zeigte Benedictus dem Capesius, was dieser wiederum gut verstand infolge der Auffrischung seines Gemütes durch die Erzählung der Frau Felicia: Zwischen beiden, zwischen dem einsamen Gedanken und der Schrift, haben wir das Wort; das Wort, in dem man nicht einsam nur sein kann, wie mit seinen Gedanken. Durch das Wort lebt man in einer Gemeinschaft. Denken kann man abgesondert, allein. Es hat eine Bedeutung, wenn man allein denkt; aber man brauchte kein Wort, wenn man einsam für sich gehen will. Die Sprache hat Bedeutung in der Gemeinsamkeit. So ist das Wort herausgeholt aus der Einsamkeit der menschlichen Persönlichkeit; es entfaltet sich in der Gemeinsamkeit. Es ist der verkörperte Gedanke, das Wort, aber es ist zugleich für den physischen Plan etwas ganz anderes als der Gedanke. Man braucht nicht auf die hellseherischen Resultate einzugehen — in verschiedenen Vorträgen habe ich darauf aufmerksam gemacht —, sondern man kann schon äußerlich historisch, und weil er ein Historiker war, verstand das Capesius sehr gut, man kann schon durch die äußere Historie einsehen, daß das Wort oder die Sprache ursprünglich ein ganz anderes Verhältnis haben sollte zur Menschheit, als sie es gewonnen hat in der heutigen Zeit. Wenn man nämlich immer weiter und weiter zurückgeht in den Sprachen, so merkt man, daß man wirklich einmal kommen muß — wie es die okkulte Beobachtung zeigt — zu einer menschlichen Ursprache, die den ganzen Erdkreis umfaßte und die sich nur differenziert hat. Schon wenn man zum Hebräischen — in dieser Beziehung ist die hebräische Sprache ganz besonders merkwürdig — zurückgeht, merkt man in den Worten etwas anderes als in den Worten Westeuropas. Die Worte des Hebräertums sind viel weniger konventionell, sie haben sozusagen eine Seele, so daß man ihren Sinn ihnen anfühlt; sie sprechen einem ihren notwendigen Sinn aus, mehr als die westeuropäischen Sprachen. Je weiter man zurückgeht in der Entwickelung, desto mehr findet man solche Sprachen, die der gemeinsamen Ursprache ähnlich waren. Das, was erzählt wird als Turmbau zu Babel, ist Symbolum für die Tatsache, daß es wirklich eine Ursprache gegeben hat, und daß diese differenziert worden ist in die einzelnen Volks- und Stammessprachen. Dadurch, daß die gemeinsame Ursprache in die Volks- und Stammessprachen sich differenziert hat, kommt sozusagen das Wort auf halbem Wege entgegen der Einsamkeit des Gedankens. Es spricht nicht ein jeder Mensch seine eigene Sprache — da würde die Sprache nicht ihren Sinn haben —, sondern es sprechen nur Menschengruppen die gemeinsame Sprache. Es ist also das Wort ein Mittelding geworden zwischen dem einsamen Gedanken und der Ursprache. In der Ursprache gab es ein bestimmtes Wort, das verstand man durch den Laut, den es hatte, durch das, was es durch seinen Lautwert war. Man brauchte sich nicht weiter konventionell über den Lautwert zu unterrichten, sondern man fand in der Ursprache die Seele des Wortes. Das ist, wie gesagt, differenziert. Und alles, was Absonderung bewirkt, wirkt auch dem Luzifer in die Hände, so daß die Menschen, indem sie differenzierte Sprachen sich bildeten, dadurch ein absonderndes Prinzip aufnahmen, das heißt, sich in die Strömung hineinbegaben, die es Luzifer leicht macht, den Menschen aus der allgemeinen Weltenordnung herauszuheben, die schon vorbestimmt war, bevor Luzifer da war; also auf die Isolierinsel den Menschen zu setzen, ihn abzusondern von dem übrigen fortschreitenden Gang der Menschheitsentwickelung. So liegt im Element der Sprache, des Wortes, ein mittlerer Zustand. Wenn das Wort das geblieben wäre, was es hat werden sollen, wenn das Luziferische sich nicht hergemacht hätte über das Wort, so würde das Wort dem von Luzifer und Ahriman freien mittleren göttlichen Zustand entsprechen, in dem der Mensch hinsegeln kann rein entsprechend der fortschreitenden göttlich-geistigen Weltenordnung. So ist das Wort auf der einen Seite luziferisch beeinflußt worden. Während der Gedanke fast ganz, wenn er einsam gefaßt ist, dem luziferischen Element unterliegt, ist das Wort ein wenig ergriffen in der Weise, wie ich es auseinandergesetzt habe, von dem luziferischen Element auf der einen Seite.
[ 18 ] Nun aber erklärte Benedictus dem Capesius noch etwas anderes. Er sagte ihm: Nun gut, jetzt haben wir den Gedanken in der einsamen Persönlichkeit auf der einen Seite; wir haben das Schriftwerk, das Ahriman angehört, auf der anderen Seite; aber dazwischen haben wir einen mittleren Zustand. Im Luziferischen haben wir etwas Einheitliches. Der Mensch strebt nach der Einheit, wenn er im Gedanken die Welt sich erklären will. In der Schrift haben wir etwas Atomistisches. Dann zeigte Benedictus dem Capesius, was dieser wiederum gut verstand infolge der Auffrischung seines Gemütes durch die Erzählung der Frau Felicia: Zwischen beiden, zwischen dem einsamen Gedanken und der Schrift, haben wir das Wort; das Wort, in dem man nicht einsam nur sein kann, wie mit seinen Gedanken. Durch das Wort lebt man in einer Gemeinschaft. Denken kann man abgesondert, allein. Es hat eine Bedeutung, wenn man allein denkt; aber man brauchte kein Wort, wenn man einsam für sich gehen will. Die Sprache hat Bedeutung in der Gemeinsamkeit. So ist das Wort herausgeholt aus der Einsamkeit der menschlichen Persönlichkeit; es entfaltet sich in der Gemeinsamkeit. Es ist der verkörperte Gedanke, das Wort, aber es ist zugleich für den physischen Plan etwas ganz anderes als der Gedanke. Man braucht nicht auf die hellseherischen Resultate einzugehen — in verschiedenen Vorträgen habe ich darauf aufmerksam gemacht —, sondern man kann schon äußerlich historisch, und weil er ein Historiker war, verstand das Capesius sehr gut, man kann schon durch die äußere Historie einsehen, daß das Wort oder die Sprache ursprünglich ein ganz anderes Verhältnis haben sollte zur Menschheit, als sie es gewonnen hat in der heutigen Zeit. Wenn man nämlich immer weiter und weiter zurückgeht in den Sprachen, so merkt man, daß man wirklich einmal kommen muß — wie es die okkulte Beobachtung zeigt — zu einer menschlichen Ursprache, die den ganzen Erdkreis umfaßte und die sich nur differenziert hat. Schon wenn man zum Hebräischen — in dieser Beziehung ist die hebräische Sprache ganz besonders merkwürdig — zurückgeht, merkt man in den Worten etwas anderes als in den Worten Westeuropas. Die Worte des Hebräertums sind viel weniger konventionell, sie haben sozusagen eine Seele, so daß man ihren Sinn ihnen anfühlt; sie sprechen einem ihren notwendigen Sinn aus, mehr als die westeuropäischen Sprachen. Je weiter man zurückgeht in der Entwickelung, desto mehr findet man solche Sprachen, die der gemeinsamen Ursprache ähnlich waren. Das, was erzählt wird als Turmbau zu Babel, ist Symbolum für die Tatsache, daß es wirklich eine Ursprache gegeben hat, und daß diese differenziert worden ist in die einzelnen Volks- und Stammessprachen. Dadurch, daß die gemeinsame Ursprache in die Volks- und Stammessprachen sich differenziert hat, kommt sozusagen das Wort auf halbem Wege entgegen der Einsamkeit des Gedankens. Es spricht nicht ein jeder Mensch seine eigene Sprache — da würde die Sprache nicht ihren Sinn haben —, sondern es sprechen nur Menschengruppen die gemeinsame Sprache. Es ist also das Wort ein Mittelding geworden zwischen dem einsamen Gedanken und der Ursprache. In der Ursprache gab es ein bestimmtes Wort, das verstand man durch den Laut, den es hatte, durch das, was es durch seinen Lautwert war. Man brauchte sich nicht weiter konventionell über den Lautwert zu unterrichten, sondern man fand in der Ursprache die Seele des Wortes. Das ist, wie gesagt, differenziert. Und alles, was Absonderung bewirkt, wirkt auch dem Luzifer in die Hände, so daß die Menschen, indem sie differenzierte Sprachen sich bildeten, dadurch ein absonderndes Prinzip aufnahmen, das heißt, sich in die Strömung hineinbegaben, die es Luzifer leicht macht, den Menschen aus der allgemeinen Weltenordnung herauszuheben, die schon vorbestimmt war, bevor Luzifer da war; also auf die Isolierinsel den Menschen zu setzen, ihn abzusondern von dem übrigen fortschreitenden Gang der Menschheitsentwickelung. So liegt im Element der Sprache, des Wortes, ein mittlerer Zustand. Wenn das Wort das geblieben wäre, was es hat werden sollen, wenn das Luziferische sich nicht hergemacht hätte über das Wort, so würde das Wort dem von Luzifer und Ahriman freien mittleren göttlichen Zustand entsprechen, in dem der Mensch hinsegeln kann rein entsprechend der fortschreitenden göttlich-geistigen Weltenordnung. So ist das Wort auf der einen Seite luziferisch beeinflußt worden. Während der Gedanke fast ganz, wenn er einsam gefaßt ist, dem luziferischen Element unterliegt, ist das Wort ein wenig ergriffen in der Weise, wie ich es auseinandergesetzt habe, von dem luziferischen Element auf der einen Seite.
[ 19 ] Auf der anderen Seite wirkt aber auch die Schrift auf das Wort zurück, und gerade je weiter die Menschheit fortschreitet, desto größere Bedeutung bekommt die Schrift für die Sprache. Das liegt dem Umstand zugrunde, daß die Dialekte, die noch nichts mit der Schrift zu tun haben, allmählich untertauchen, und als das vornehmere Element vielfach das auftritt, was man sogar die Schriftsprache nennt. Das bezeugt, daß rückbeeinflußt wird die Sprache von der Schrift. Man kann das in einzelnen Gegenden sehr klar sehen. Ich muß mich immer wieder erinnern an etwas, was mir aufgefallen ist an mir selber und an meinen Schulgenossen. In Österreich, wo man so vieles Dialektisches durcheinander hatte, wurde großer Wert darauf gelegt in den Schulen, daß die Schüler eine Schriftsprache lernten, die sie früher, wenigstens zum großen Teil, nicht gesprochen hatten. Und das hat sogar eine ganz besondere Wirkung, diese Aneignung der Schriftsprache. Ich kann ganz unbefangen darüber reden, weil ich selbst der eigentümlichen Wirkung dieser Schriftsprache, dem österreichischen Schuldeutsch, eine lange Zeit meines Lebens ausgesetzt war und mir es nur mit Mühe abgewöhnt habe — manchmal schlägt es schon noch durch. Diese Eigentümlichkeit besteht darin, daß man alle kurzen Vokale lang und alle langen kurz spricht, während der Dialekt, die Sprache also, die aus dem Wort herausgeboren ist, richtig sagt. Wenn man zum Beispiel meint die Sonne, die am Himmel steht, dann sagt der Dialekt: D’ Sunn. — Derjenige aber, der durch die österreichischen Schulen gegangen ist, ist versucht zu sagen: Die Soone. — Der Dialekt sagt: Der Sun für Sohn; die österreichische Schulsprache sagt dafür: Der Sonn. — So sagt man denn: die Soone und der Sonn. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber es hängt einem durchaus an oder wenigstens hing es einem an.
[ 19 ] Auf der anderen Seite wirkt aber auch die Schrift auf das Wort zurück, und gerade je weiter die Menschheit fortschreitet, desto größere Bedeutung bekommt die Schrift für die Sprache. Das liegt dem Umstand zugrunde, daß die Dialekte, die noch nichts mit der Schrift zu tun haben, allmählich untertauchen, und als das vornehmere Element vielfach das auftritt, was man sogar die Schriftsprache nennt. Das bezeugt, daß rückbeeinflußt wird die Sprache von der Schrift. Man kann das in einzelnen Gegenden sehr klar sehen. Ich muß mich immer wieder erinnern an etwas, was mir aufgefallen ist an mir selber und an meinen Schulgenossen. In Österreich, wo man so vieles Dialektisches durcheinander hatte, wurde großer Wert darauf gelegt in den Schulen, daß die Schüler eine Schriftsprache lernten, die sie früher, wenigstens zum großen Teil, nicht gesprochen hatten. Und das hat sogar eine ganz besondere Wirkung, diese Aneignung der Schriftsprache. Ich kann ganz unbefangen darüber reden, weil ich selbst der eigentümlichen Wirkung dieser Schriftsprache, dem österreichischen Schuldeutsch, eine lange Zeit meines Lebens ausgesetzt war und mir es nur mit Mühe abgewöhnt habe — manchmal schlägt es schon noch durch. Diese Eigentümlichkeit besteht darin, daß man alle kurzen Vokale lang und alle langen kurz spricht, während der Dialekt, die Sprache also, die aus dem Wort herausgeboren ist, richtig sagt. Wenn man zum Beispiel meint die Sonne, die am Himmel steht, dann sagt der Dialekt: D’ Sunn. — Derjenige aber, der durch die österreichischen Schulen gegangen ist, ist versucht zu sagen: Die Soone. — Der Dialekt sagt: Der Sun für Sohn; die österreichische Schulsprache sagt dafür: Der Sonn. — So sagt man denn: die Soone und der Sonn. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber es hängt einem durchaus an oder wenigstens hing es einem an.
[ 20 ] Da sieht man, wie sozusagen die Schrift zurückwirkt auf die Sprache. Aber sie wirkt überhaupt zurück. Man wolle sich nur einmal den Fortschritt der Kultur vor Augen stellen; man wird finden, wie gerade mit fortschreitender Kultur die Sprache das Lebensvolle, das Elementarische, das Organische, das auf dem Grund und Boden gewachsen ist, verliert, wie die Menschen immer mehr und mehr eine Art Büchersprache sprechen. Da wirkt von der anderen Seite das Ahrimanische, das im Schrifttum immer ist, wiederum auf das Wort zurück. Derjenige, der sich naturgemäß entwickeln will, der wird natürlich gerade an diesem Beispiel der drei Dinge, die jetzt Benedictus für Capesius herausgewählt hat, merken, wie unsinnig es wäre, Ahriman und Luzifer aus der Entwickelung ausschalten zu wollen.
[ 20 ] Da sieht man, wie sozusagen die Schrift zurückwirkt auf die Sprache. Aber sie wirkt überhaupt zurück. Man wolle sich nur einmal den Fortschritt der Kultur vor Augen stellen; man wird finden, wie gerade mit fortschreitender Kultur die Sprache das Lebensvolle, das Elementarische, das Organische, das auf dem Grund und Boden gewachsen ist, verliert, wie die Menschen immer mehr und mehr eine Art Büchersprache sprechen. Da wirkt von der anderen Seite das Ahrimanische, das im Schrifttum immer ist, wiederum auf das Wort zurück. Derjenige, der sich naturgemäß entwickeln will, der wird natürlich gerade an diesem Beispiel der drei Dinge, die jetzt Benedictus für Capesius herausgewählt hat, merken, wie unsinnig es wäre, Ahriman und Luzifer aus der Entwickelung ausschalten zu wollen.
[ 21 ] Drei Dinge, so zeigt Benedictus, kommen in Betracht: der einsame Gedanke, das Wort, die Schrift. Nun wird niemand wollen — der gesund denkt, auch wenn er die Wahrheit ganz eingesehen hat, daß dem einsamen Gedanken Luzifers Einfluß zugrunde liegen muß, und der Schrift Ahrimans Einfluß —, es wird niemand jetzt Luzifer ausrotten wollen, da, wo er so handgreiflich wirkt, denn das würde heißen, das einsame Denken verbieten. Manchem — man muß das sagen — wäre das das Bequemste, aber offen wird man es ganz gewiß nicht vertreten wollen. Auf der anderen Seite wird man auch nicht die Schrift ausrotten wollen, sondern sich sagen müssen: Wie positive und negative Elektrizität einen Gegensatz bedeuten in der äußeren physischen Natur, so bedeuten das Ahrimanische und das Luziferische einen Gegensatz, der da sein muß. Zwei Pole sind es, von denen keiner nicht da sein darf, sondern die nach Maß und Zahl in Verhältnis gebracht werden müssen. Dann kann der Mensch in jener mittleren Linie sich bewegen im Zustand des Wortes. — Es ist ja die Bestimmung des Wortes, Weisheit zu enthalten, Erkenntnis zu enthalten, Gedanken, Vorstellungen zu enthalten. Es kann sich nun der Mensch zum Beispiel sagen: Ich muß mich innerhalb des Wortes so entwickeln, daß ich alles Eigensinnige, bloß Persönliche mir gerade durch das Wort korrigieren lasse, dadurch, daß ich aufnehme in meine Seele, was in dem Wort, in dem weisheitsvollen Wort aller Zeiten hervorgebracht worden ist. — Achtung nicht nur vor der eigenen Meinung, nicht nur vor dem, was man selber glaubt und als richtig anerkennen kann durch eigene Kraft, sondern Respekt vor dem, was sich durch die Kulturen und durch das Mühen um Weisheit der verschiedenen Völker in der geschichtlichen Entwickelung ergeben hat. Das bedeutet auf der einen Seite, Luzifer sozusagen zum Worte in das rechte Verhältnis zu bringen. Nicht das einsame Denken ausschalten, aber auch beachten, daß das Wort der Gemeinsamkeit angehört und man das Wort verfolgen muß durch Zeitalter. Je mehr man dieses tut, um so mehr gibt man dem Luzifer den richtigen Einfluß auf das Wort. Man verfällt dann nicht bloß der Autorität des Wortes, sondern man schützt das Wort, das die Weisheit der Erde von Kulturepoche zu Kulturepoche trägt. Auf der anderen Seite obliegt es dem Menschen, der den Tatbestand richtig einsieht, daß er auch nicht dem starren autoritativen Prinzip verfällt, das in der Schrift liegt, denn damit verfällt er, ob die Schrift das Heiligste oder Profanste enthält, dem Ahriman. Man muß sich klar sein, daß für die äußere materielle Kultur der Mensch schon einmal die Schrift haben muß, und daß die Schrift etwas ist, wodurch Ahriman, was ja nicht seine Aufgabe ist, das Denken herauslösen will aus dem Strom der Vernichtung. Er will es nicht einströmen lassen in die Todesströmung. Da haben wir in der Schrift die beste Gelegenheit, zurückzuhalten das Denken auf dem physischen Plan. Mit vollem Bewußtsein dem gegenüberstehen, daß man das ahrimanische Element im Schriftwerk hat, niemals dem Schriftwerk zugeben, daß es Gewalt bekommt über den Menschen, kurz, sich das Wort im mittleren Zustand so bewahren, daß gleichsam von links und rechts — vom Denken und von der Schrift — die zwei polarischen Gegensätze Luzifer und Ahriman wirken: so muß man sich verhalten, wenn man auf dem rechten Boden stehen will. Wenn man dieses richtig ins Seelenauge faßt, wenn man sich klar ist, daß überall Gegensätze wirken müssen, dann steht man auf rechtem Boden.
[ 21 ] Drei Dinge, so zeigt Benedictus, kommen in Betracht: der einsame Gedanke, das Wort, die Schrift. Nun wird niemand wollen — der gesund denkt, auch wenn er die Wahrheit ganz eingesehen hat, daß dem einsamen Gedanken Luzifers Einfluß zugrunde liegen muß, und der Schrift Ahrimans Einfluß —, es wird niemand jetzt Luzifer ausrotten wollen, da, wo er so handgreiflich wirkt, denn das würde heißen, das einsame Denken verbieten. Manchem — man muß das sagen — wäre das das Bequemste, aber offen wird man es ganz gewiß nicht vertreten wollen. Auf der anderen Seite wird man auch nicht die Schrift ausrotten wollen, sondern sich sagen müssen: Wie positive und negative Elektrizität einen Gegensatz bedeuten in der äußeren physischen Natur, so bedeuten das Ahrimanische und das Luziferische einen Gegensatz, der da sein muß. Zwei Pole sind es, von denen keiner nicht da sein darf, sondern die nach Maß und Zahl in Verhältnis gebracht werden müssen. Dann kann der Mensch in jener mittleren Linie sich bewegen im Zustand des Wortes. — Es ist ja die Bestimmung des Wortes, Weisheit zu enthalten, Erkenntnis zu enthalten, Gedanken, Vorstellungen zu enthalten. Es kann sich nun der Mensch zum Beispiel sagen: Ich muß mich innerhalb des Wortes so entwickeln, daß ich alles Eigensinnige, bloß Persönliche mir gerade durch das Wort korrigieren lasse, dadurch, daß ich aufnehme in meine Seele, was in dem Wort, in dem weisheitsvollen Wort aller Zeiten hervorgebracht worden ist. — Achtung nicht nur vor der eigenen Meinung, nicht nur vor dem, was man selber glaubt und als richtig anerkennen kann durch eigene Kraft, sondern Respekt vor dem, was sich durch die Kulturen und durch das Mühen um Weisheit der verschiedenen Völker in der geschichtlichen Entwickelung ergeben hat. Das bedeutet auf der einen Seite, Luzifer sozusagen zum Worte in das rechte Verhältnis zu bringen. Nicht das einsame Denken ausschalten, aber auch beachten, daß das Wort der Gemeinsamkeit angehört und man das Wort verfolgen muß durch Zeitalter. Je mehr man dieses tut, um so mehr gibt man dem Luzifer den richtigen Einfluß auf das Wort. Man verfällt dann nicht bloß der Autorität des Wortes, sondern man schützt das Wort, das die Weisheit der Erde von Kulturepoche zu Kulturepoche trägt. Auf der anderen Seite obliegt es dem Menschen, der den Tatbestand richtig einsieht, daß er auch nicht dem starren autoritativen Prinzip verfällt, das in der Schrift liegt, denn damit verfällt er, ob die Schrift das Heiligste oder Profanste enthält, dem Ahriman. Man muß sich klar sein, daß für die äußere materielle Kultur der Mensch schon einmal die Schrift haben muß, und daß die Schrift etwas ist, wodurch Ahriman, was ja nicht seine Aufgabe ist, das Denken herauslösen will aus dem Strom der Vernichtung. Er will es nicht einströmen lassen in die Todesströmung. Da haben wir in der Schrift die beste Gelegenheit, zurückzuhalten das Denken auf dem physischen Plan. Mit vollem Bewußtsein dem gegenüberstehen, daß man das ahrimanische Element im Schriftwerk hat, niemals dem Schriftwerk zugeben, daß es Gewalt bekommt über den Menschen, kurz, sich das Wort im mittleren Zustand so bewahren, daß gleichsam von links und rechts — vom Denken und von der Schrift — die zwei polarischen Gegensätze Luzifer und Ahriman wirken: so muß man sich verhalten, wenn man auf dem rechten Boden stehen will. Wenn man dieses richtig ins Seelenauge faßt, wenn man sich klar ist, daß überall Gegensätze wirken müssen, dann steht man auf rechtem Boden.
[ 22 ] Als Capesius von Benedictus dieses gehört hatte und es umfangen hatte mit seinen durch Frau Felicia gestärkten Seelenkräften, da stand er zu dem, was ihm jetzt Benedictus auseinandersetzte, in ganz anderem Verhältnis als früher, wo auch schon Benedictus ihm das luziferische und ahrimanische Element auseinandergesetzt hatte. Dadurch, daß immer mehr und mehr wirkten diese die Seelenkräfte befruchtenden Märchen, die aus der geistigen Welt heraus inspiriert sind, kam Capesius selber dahin, zu erleben, daß seine Seelenkräfte innerlich erstarkten, daß seine Seelenfähigkeiten innerlich erkrafteten. Das ist dargestellt im dreizehnten Bilde von «Der Seelen Erwachen», wo die eine Seelenkraft in Capesius, die mit der Philia gemeint ist, ihm wirklich geistig greifbar entgegentritt, nicht bloß als abstrakte Seelenkraft. In demselben Maße, in dem Philia zu einer Wesenheit sich auswuchs in der Seele des Capesius, in demselben Maße verstand er in der richtigen Weise immer mehr und mehr das, was eigentlich Benedictus von ihm wollte. Dazumal, als er die besonders befruchtende Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, die in die Zahl schoß, hörte, hatte sie anfangs nicht gleich gewirkt, da schlief er fast sanft ein, und namentlich war er vorher fast eingeschlafen, als Vater Felix von den Atomen geredet hatte. Jetzt aber erkannte diese Seele des Capesius, nachdem sie so gereift war, daß eine Dreiheit vorliegt in der ganzen Strömung der Weltenentwickelung: das Luziferische auf der einen Seite — einsame Gedanken; das Ahrimanische auf der anderen Seite — die Schrift; das dritte, der mittlere Zustand, das rein Göttliche. Die Dreizahl erkannte er jetzt in diesem bedeutungsvollen Faktum der Kulturentwickelung des physischen Planes, und er konnte ahnen, wie diese Dreizahl überall zu suchen ist. Jetzt stellte sich Capesius anders zum Gesetz der Zahl als früher; jetzt fühlte er durch die in ihm erwachende Philia das Wesen der Zahl im Werdegang der Welt, und jetzt wurde ihm auch das Wesen des Maßes klar, daß in jeglicher Dreiheit zwei wie Gegensätze sich verhalten und gegenseitig maßvoll in Harmonie gesetzt sein müssen. Und ein großes, gewaltiges Weltgesetz erkannte Capesius, von dem er jetzt wußte, daß es sich in irgendeiner Weise finden müsse, nicht nur auf dem physischen Plan, sondern auch in den höheren Welten.
[ 22 ] Als Capesius von Benedictus dieses gehört hatte und es umfangen hatte mit seinen durch Frau Felicia gestärkten Seelenkräften, da stand er zu dem, was ihm jetzt Benedictus auseinandersetzte, in ganz anderem Verhältnis als früher, wo auch schon Benedictus ihm das luziferische und ahrimanische Element auseinandergesetzt hatte. Dadurch, daß immer mehr und mehr wirkten diese die Seelenkräfte befruchtenden Märchen, die aus der geistigen Welt heraus inspiriert sind, kam Capesius selber dahin, zu erleben, daß seine Seelenkräfte innerlich erstarkten, daß seine Seelenfähigkeiten innerlich erkrafteten. Das ist dargestellt im dreizehnten Bilde von «Der Seelen Erwachen», wo die eine Seelenkraft in Capesius, die mit der Philia gemeint ist, ihm wirklich geistig greifbar entgegentritt, nicht bloß als abstrakte Seelenkraft. In demselben Maße, in dem Philia zu einer Wesenheit sich auswuchs in der Seele des Capesius, in demselben Maße verstand er in der richtigen Weise immer mehr und mehr das, was eigentlich Benedictus von ihm wollte. Dazumal, als er die besonders befruchtende Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, die in die Zahl schoß, hörte, hatte sie anfangs nicht gleich gewirkt, da schlief er fast sanft ein, und namentlich war er vorher fast eingeschlafen, als Vater Felix von den Atomen geredet hatte. Jetzt aber erkannte diese Seele des Capesius, nachdem sie so gereift war, daß eine Dreiheit vorliegt in der ganzen Strömung der Weltenentwickelung: das Luziferische auf der einen Seite — einsame Gedanken; das Ahrimanische auf der anderen Seite — die Schrift; das dritte, der mittlere Zustand, das rein Göttliche. Die Dreizahl erkannte er jetzt in diesem bedeutungsvollen Faktum der Kulturentwickelung des physischen Planes, und er konnte ahnen, wie diese Dreizahl überall zu suchen ist. Jetzt stellte sich Capesius anders zum Gesetz der Zahl als früher; jetzt fühlte er durch die in ihm erwachende Philia das Wesen der Zahl im Werdegang der Welt, und jetzt wurde ihm auch das Wesen des Maßes klar, daß in jeglicher Dreiheit zwei wie Gegensätze sich verhalten und gegenseitig maßvoll in Harmonie gesetzt sein müssen. Und ein großes, gewaltiges Weltgesetz erkannte Capesius, von dem er jetzt wußte, daß es sich in irgendeiner Weise finden müsse, nicht nur auf dem physischen Plan, sondern auch in den höheren Welten.
[ 23 ] Wir werden über das alles noch zu sprechen haben bei den subtilen Auseinandersetzungen über die göttlich-geistige Welt. Capesius ahnte, daß er in ein Gesetz eingedrungen war, das sich sonst in der physischen Welt verhält, wie wenn ein Schleier es zudeckte, und daß er mit ihm etwas hatte, womit er die Schwelle überschreiten kann. Und wenn er die Schwelle überschreitet, dann kommt er in die geistige Welt, wo er hinter sich lassen muß alles das, was bloß durch die physische Erfahrung angeregt ist. Zahl und Maß, er hatte sie fühlen, erfühlen, erleben gelernt. Und jetzt verstand er auch, wenn Benedictus andere Dinge heranzog, zunächst auch noch einfache, um ihm das Prinzip völlig beizubringen. Es sagte zum Beispiel Benedictus zu Capesius: Man kann nun auch dasselbe Walten der Dreiheit, der Polarität oder des Gegensatzes in der Dreiheit, des maßvollen Ausgleiches, an anderen Punkten des Daseins finden. Man kann wiederum ein Ding von einem anderen Gesichtspunkt aus ins Auge fassen: das Denken, das innere Vorstellen. Das innere Vorstellen, das Sich-Erarbeiten der Weltengeheimnisse, das ist das eine; das zweite ist das reine Wahrnehmen, sagen wir das bloße Hinhören. Es gibt Menschen, welche mehr daraufhin angelegt sind, alles in sich ergrübelnd zu überlegen. Andere Menschen, die denken nicht gerne, die hören überall hin, nehmen alles auf das Hinhorchen, auf die Autorität hin an, und wenn es auch die Autorität der Naturerscheinungen ist, denn es gibt auch eine Dogmatik der äußeren Erfahrung, wenn man sich nämlich die äußeren Naturerscheinungen aufdrängen läßt.
[ 23 ] Wir werden über das alles noch zu sprechen haben bei den subtilen Auseinandersetzungen über die göttlich-geistige Welt. Capesius ahnte, daß er in ein Gesetz eingedrungen war, das sich sonst in der physischen Welt verhält, wie wenn ein Schleier es zudeckte, und daß er mit ihm etwas hatte, womit er die Schwelle überschreiten kann. Und wenn er die Schwelle überschreitet, dann kommt er in die geistige Welt, wo er hinter sich lassen muß alles das, was bloß durch die physische Erfahrung angeregt ist. Zahl und Maß, er hatte sie fühlen, erfühlen, erleben gelernt. Und jetzt verstand er auch, wenn Benedictus andere Dinge heranzog, zunächst auch noch einfache, um ihm das Prinzip völlig beizubringen. Es sagte zum Beispiel Benedictus zu Capesius: Man kann nun auch dasselbe Walten der Dreiheit, der Polarität oder des Gegensatzes in der Dreiheit, des maßvollen Ausgleiches, an anderen Punkten des Daseins finden. Man kann wiederum ein Ding von einem anderen Gesichtspunkt aus ins Auge fassen: das Denken, das innere Vorstellen. Das innere Vorstellen, das Sich-Erarbeiten der Weltengeheimnisse, das ist das eine; das zweite ist das reine Wahrnehmen, sagen wir das bloße Hinhören. Es gibt Menschen, welche mehr daraufhin angelegt sind, alles in sich ergrübelnd zu überlegen. Andere Menschen, die denken nicht gerne, die hören überall hin, nehmen alles auf das Hinhorchen, auf die Autorität hin an, und wenn es auch die Autorität der Naturerscheinungen ist, denn es gibt auch eine Dogmatik der äußeren Erfahrung, wenn man sich nämlich die äußeren Naturerscheinungen aufdrängen läßt.
[ 24 ] Nun konnte leicht Benedictus dem Professor Capesius zeigen: In dem einsamen Denken liegt wiederum die luziferische Verlockung; in dem bloßen Hinhorchen, in dem bloßen Wahrnehmen liegt das ahrimanische Element. Man kann aber einen mittleren Zustand einhalten, sozusagen zwischendurchgehen. Man braucht weder bloß zu verweilen in dem abstrakten, grüblerischen Denken, wobei man sich einsiedlerisch in der Seele abschließt, noch sich hinzugeben dem bloßen Hinhören und Hinsehen auf das, was die Ohren und Augen wahrnehmen können. Man kann noch ein anderes tun, indem man das, was man denkt, innerlich so lebendig macht, so kraftvoll macht, daß man den eigenen Gedanken wie etwas Lebendiges vor sich hat und in ihn lebendig sich vertieft wie in etwas, was man draußen hört und sieht, so daß der eigene Gedanke so konkret wird wie das, was man hört oder sieht. Das ist ein mittlerer Zustand. In dem bloßen Gedanken, der dem Grübeln zugrunde liegt, da liegt das Herantreten des Luzifer an den Menschen; in dem bloßen Hinhören, sei es durch das Wahrnehmen oder sei es durch die Autorität der Menschen, liegt das ahrimanische Element. Wenn man innerlich erkraftet und erweckt die Seele, daß man seinen Gedanken gleichsam hört oder sieht, dann hat man das Meditieren. Das Meditieren ist ein mittlerer Zustand. Es ist weder Denken noch Wahrnehmen. Es ist ein Denken, das so lebendig in der Seele lebt, wie das Wahrnehmen lebendig lebt, und es ist ein Wahrnehmen, das nicht Äußeres, sondern Gedanken in der Wahrnehmung hat. Zwischen dem luziferischen Element des Gedankens und dem ahrimanischen Element der Wahrnehmung fließt hin das Seelenleben im Meditieren als in dem göttlich-geistigen Element, das nur den Fortschritt der Welterscheinungen in sich trägt. Der meditierende Mensch, der in seinen Gedanken so lebt, daß sie lebendig in ihm werden, wie Wahrnehmungen in ihm sind, lebt in dem göttlichen Dahinströmen. Rechts hat er den bloßen Gedanken; links das ahrimanische Element, das bloße Hinhorchen; und er schließt nicht das eine und das andere aus, sondern weiß, daß er in einer Dreiheit lebt, daß die Zahl das Leben regelt. Und er weiß, daß eine Polarität, ein Gegensatz da ist, ein Gegensatz zweier Dinge, zwischen denen sich das Meditieren hinströmend bewegt. Und er weiß auch, daß maßvoll das luziferische und das ahrimanische Element hier in dem Meditieren sich das Gleichgewicht halten müssen.
[ 24 ] Nun konnte leicht Benedictus dem Professor Capesius zeigen: In dem einsamen Denken liegt wiederum die luziferische Verlockung; in dem bloßen Hinhorchen, in dem bloßen Wahrnehmen liegt das ahrimanische Element. Man kann aber einen mittleren Zustand einhalten, sozusagen zwischendurchgehen. Man braucht weder bloß zu verweilen in dem abstrakten, grüblerischen Denken, wobei man sich einsiedlerisch in der Seele abschließt, noch sich hinzugeben dem bloßen Hinhören und Hinsehen auf das, was die Ohren und Augen wahrnehmen können. Man kann noch ein anderes tun, indem man das, was man denkt, innerlich so lebendig macht, so kraftvoll macht, daß man den eigenen Gedanken wie etwas Lebendiges vor sich hat und in ihn lebendig sich vertieft wie in etwas, was man draußen hört und sieht, so daß der eigene Gedanke so konkret wird wie das, was man hört oder sieht. Das ist ein mittlerer Zustand. In dem bloßen Gedanken, der dem Grübeln zugrunde liegt, da liegt das Herantreten des Luzifer an den Menschen; in dem bloßen Hinhören, sei es durch das Wahrnehmen oder sei es durch die Autorität der Menschen, liegt das ahrimanische Element. Wenn man innerlich erkraftet und erweckt die Seele, daß man seinen Gedanken gleichsam hört oder sieht, dann hat man das Meditieren. Das Meditieren ist ein mittlerer Zustand. Es ist weder Denken noch Wahrnehmen. Es ist ein Denken, das so lebendig in der Seele lebt, wie das Wahrnehmen lebendig lebt, und es ist ein Wahrnehmen, das nicht Äußeres, sondern Gedanken in der Wahrnehmung hat. Zwischen dem luziferischen Element des Gedankens und dem ahrimanischen Element der Wahrnehmung fließt hin das Seelenleben im Meditieren als in dem göttlich-geistigen Element, das nur den Fortschritt der Welterscheinungen in sich trägt. Der meditierende Mensch, der in seinen Gedanken so lebt, daß sie lebendig in ihm werden, wie Wahrnehmungen in ihm sind, lebt in dem göttlichen Dahinströmen. Rechts hat er den bloßen Gedanken; links das ahrimanische Element, das bloße Hinhorchen; und er schließt nicht das eine und das andere aus, sondern weiß, daß er in einer Dreiheit lebt, daß die Zahl das Leben regelt. Und er weiß, daß eine Polarität, ein Gegensatz da ist, ein Gegensatz zweier Dinge, zwischen denen sich das Meditieren hinströmend bewegt. Und er weiß auch, daß maßvoll das luziferische und das ahrimanische Element hier in dem Meditieren sich das Gleichgewicht halten müssen.
[ 25 ] Auf allen Gebieten lernt der Mensch kennen dieses Weltprinzip von Zahl und Maß, das Capesius, nachdem seine Seele vorbereitet war, durch die Anleitung des Benedictus erkennen lernte. So lebt sich die Seele, die sich vorbereiten will für die Erkenntnisse der geistigen Welten, allmählich in diese hinein, daß sie überall in der Welt, an jedem Punkt, den man erreichen kann, die Zahl sucht, vor allen Dingen die Dreizahl; daß sie die polarischen Gegensätze sieht, durch die sich alles offenbaren muß, und die Notwendigkeit, daß die Gegensätze sich als Polaritäten das Gleichgewicht halten. Ein mittlerer Zustand kann nicht nur ein bloßes Hinströmen sein, sondern überall erleben wir den Strom so, daß wir nach links und rechts das Seelenauge lenken müssen und unser Schiff hindurchsteuern müssen als das Dritte zwischen dem linken und rechten polarischen Gegensatz. Dies fühlend, hatte Capesius kennengelernt durch Benedictus, in der richtigen Weise hinaufzusteuern in die geistigen Welten, die Schwelle der geistigen Welt zu überschreiten. Und so wird es jeder lernen müssen, der eindringen will in die Geisteswissenschaft so, daß ihm zu wirklichem Verständnis kommt die wahrhaftige Erkenntnis über die höheren Welten.
[ 25 ] Auf allen Gebieten lernt der Mensch kennen dieses Weltprinzip von Zahl und Maß, das Capesius, nachdem seine Seele vorbereitet war, durch die Anleitung des Benedictus erkennen lernte. So lebt sich die Seele, die sich vorbereiten will für die Erkenntnisse der geistigen Welten, allmählich in diese hinein, daß sie überall in der Welt, an jedem Punkt, den man erreichen kann, die Zahl sucht, vor allen Dingen die Dreizahl; daß sie die polarischen Gegensätze sieht, durch die sich alles offenbaren muß, und die Notwendigkeit, daß die Gegensätze sich als Polaritäten das Gleichgewicht halten. Ein mittlerer Zustand kann nicht nur ein bloßes Hinströmen sein, sondern überall erleben wir den Strom so, daß wir nach links und rechts das Seelenauge lenken müssen und unser Schiff hindurchsteuern müssen als das Dritte zwischen dem linken und rechten polarischen Gegensatz. Dies fühlend, hatte Capesius kennengelernt durch Benedictus, in der richtigen Weise hinaufzusteuern in die geistigen Welten, die Schwelle der geistigen Welt zu überschreiten. Und so wird es jeder lernen müssen, der eindringen will in die Geisteswissenschaft so, daß ihm zu wirklichem Verständnis kommt die wahrhaftige Erkenntnis über die höheren Welten.
