Secrets of the Threshold
GA 147
28 August 1913, Munich
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Secrets of the Threshold, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Ich möchte alles tun, daß wir uns über die Verhältnisse der geistigen Gebiete, über die wir uns während dieses Vortragszyklus verständigen wollen, gut verstehen können. Und aus diesem Grunde möchte ich wie eine Episode zunächst in unsere Zyklusbetrachtungen heute eine kleine Geschichte einschalten, welche geeignet sein wird, mancherlei aufzuklären in den Fragen, die wir zu betrachten haben werden und die wir auch schon betrachtet haben.
[ 1 ] I would like to do everything possible to ensure that we can fully understand the conditions of the spiritual realms we intend to discuss during this lecture series. And for this reason, I would like to begin today’s reflections on this series with a brief story—as a kind of interlude—that will help clarify various aspects of the questions we will be considering and have already considered.
[ 2 ] Professor Capesius war in einer bestimmten Zeit seelisch recht zerquält und zergrübelt. Das kam durch die folgenden Gründe. Sie werden namentlich aus der «Pforte der Einweihung» entnommen haben, daß Capesius eine Art Geschichtsgelehrter ist, ein Historiker. Nun hat mir die okkulte Forschung ergeben, daß eine Anzahl namhafter Historiker der Gegenwart dieses gerade dadurch geworden sind, daß sie in irgendeinem Verhältnis gestanden haben zur ägyptischen Einweihung im dritten nachatlantischen Kulturzeitraum. Entweder daß solche Geschichtsgelehrten direkt mit dem Einweihungsprinzip zu tun hatten oder den Tempelgeheimnissen in der einen oder anderen Art nähertraten. Sie werden bemerkt haben, daß Capesius ein Historiker ist, der sich nicht allein auf äußere Schriftwerke verläßt, sondern der auch versucht, die Ideen der Geschichte zu durchdringen, die in der Menschheitsentwickelung, in der Kulturentfaltung spielen.
[ 2 ] At a certain time, Professor Capesius was quite tormented and brooding. This was due to the following reasons. You will have gathered from *The Gate of Initiation* that Capesius is a kind of scholar of history, a historian. Now, occult research has revealed to me that a number of renowned contemporary historians have become so precisely because they had some connection to Egyptian initiation during the third post-Atlantean cultural epoch. Either such historians were directly involved with the principle of initiation or approached the temple mysteries in one way or another. You will have noticed that Capesius is a historian who does not rely solely on external written works, but who also attempts to penetrate the ideas of history that play a role in human development and cultural evolution.
[ 3 ] Während ich versuchte, in der «Pforte der Einweihung», in der «Prüfung der Seele» und in dem «Hüter der Schwelle» Capesius zu charakterisieren, muß ich gestehen, stand mir immer seine Beziehung zu dem ägyptischen Einweihungsprinzip vor Augen, die im siebenten und achten Bilde in «Der Seelen Erwachen» näher zum Ausdruck gekommen ist. Und das sollte man eigentlich festhalten, daß die Erlebnisse, welche die Capesius-Seele während ihrer ägyptischen Inkarnation hatte, all den späteren Schicksalen zugrunde liegen, die für diese Seele auch für die Gegenwart in Betracht kommen. So ist Capesius Historiker, Geschichtsgelehrter. Er hat sich hauptsächlich in seinem Gelehrtenleben mit Geschichte befaßt, mit all dem, was das Werden und Wesen der Völker, der Kulturen, der einzelnen Menschen in den aufeinanderfolgenden Epochen zur Entwickelung gebracht hat.
[ 3 ] While I was attempting to characterize Capesius in “The Portal of Initiation,” “The Trial of the Soul,” and “The Guardian of the Threshold,” I must confess that his relationship to the Egyptian principle of initiation was always at the forefront of my mind, a relationship that is expressed in greater detail in the seventh and eighth images of “The Awakening of the Soul.” And one should really note that the experiences the Capesius soul had during its Egyptian incarnation underlie all the later destinies that are also in store for this soul in the present. Thus Capesius is a historian, a scholar of history. He has devoted his scholarly life primarily to history, to all that has shaped the development and nature of peoples, cultures, and individual human beings across successive epochs.
[ 4 ] Eines Tages aber war an Capesius etwas von der Literatur des Haeckelismus herangetreten. Er hatte sich mit dieser ganzen Weltanschauung, mit der er sich früher wenig befaßt hatte, bekanntgemacht und im Anschluß daran allerlei Schriften über atomistische Weltanschauung gelesen. Das war der Grund zu seiner Zerquältheit, und es war eine merkwürdige Stimmung, die über ihn kam, als er in verhältnismäßig spätem Alter diesen atomistischen Haeckelismus kennenlernte. Sein Verstand sagte ihm: Man kann eigentlich mit den Erscheinungen der Natur um sich herum nicht ordentlich zurechtkommen, wenn man sich nicht in dieser Weise aus Atomen heraus durch eine mechanische Weltanschauung die Erscheinungen der Natur erklären will. — Mit anderen Worten, es kam Capesius immer mehr und mehr dazu, in einer gewissen Weise das einseitige Recht des Atomismus, die mechanische Naturanschauung einzusehen. Er gehörte nicht zu denen, die fanatisch eine solche Sache von vornherein ablehnen, denn er mußte sich auf seinen Verstand verlassen, und da erschien ihm manches notwendig von dieser Anschauung, um die Erscheinungen der Natur um sich herum zu erklären. Aber dennoch quälte ihn das. Denn er sagte sich: Wie öde, wie unbefriedigend für die menschliche Seele ist wiederum diese Naturanschauung! Wie schlecht kommt jede Idee dabei weg, die man über Geist und Geistwesen, über das Seelische gewinnen will!
[ 4 ] One day, however, Capesius came across some of the literature on Haeckelism. He had familiarized himself with this entire worldview—one he had previously paid little attention to—and subsequently read all sorts of writings on the atomist worldview. That was the reason for his inner turmoil, and a strange mood came over him when, at a relatively late age, he became acquainted with this atomistic Haeckelism. His intellect told him: One cannot really make sense of the phenomena of nature around us unless one seeks to explain them in this way—through a mechanical worldview based on atoms. — In other words, Capesius came to see, in a certain sense, the one-sided validity of atomism, the mechanical view of nature. He was not one of those who fanatically reject such a thing from the outset, for he had to rely on his intellect, and so some aspects of this view seemed necessary to him in order to explain the phenomena of nature around him. Yet this still tormented him. For he said to himself: How barren, how unsatisfying to the human soul is this view of nature! How poorly it treats every idea one seeks to gain about spirit and spiritual beings, about the soul!
[ 5 ] So fand sich Capesius von Zweifeln hin- und hergetragen, und da trat er denn, ich möchte sagen fast instinktiv denjenigen Gang an, den er oft angetreten hat, wenn es ihm schwer um die Seele geworden ist. Er ging ins Balde-Häuschen, um sich dort mit den guten Leuten zu besprechen, die ihm oftmals so schöne, gute Seelendienste geleistet hatten. Oftmals hatte ihn erfrischt, was in ihren wunderbaren Märchenbildern Frau Balde Capesius zu geben hatte. Und da ging er hin. Er traf zunächst, weil Frau Balde im Haus beschäftigt war, als er ankam, nur Felix Balde, den Vater Felix, den er im Laufe der Zeit so sehr lieben gelernt hatte. Dem trug er seine Qualen vor, seine Zweifel, in die er durch das Bekanntwerden mit dem Haeckelismus und Atomismus versetzt worden war. Er setzte ihm erstens auseinander, wie notwendig es dem Verstande erscheine, so etwas auf die Naturerscheinungen anzuwenden; und auf der anderen Seite trug er dem guten Vater Felix vor, wie öde und unbefriedigend eine solche Weltanschauung sei. Recht beunruhigt war Capesius, als er da sozusagen seelisch hilfesuchend zu dem Vater Felix kam. Vater Felix ist eben eine andere Natur als Capesius. Er geht seinen bestimmten Gang. Er lehnte so etwas wie den Haeckelismus und die atomistische Weltanschauung direkt ab, indem er unserem guten Professor Capesius auseinandersetzte, was es damit auf sich habe. Er sagte ihm: Gewiß, Atome muß es geben. Es ist ganz berechtigt, von Atomen zu sprechen. Aber man muß sich klar sein darüber, daß diese Atome, wenn sie die Welt irgendwie bilden sollen, sich so aneinander schichten und lagern müssen, daß die Aneinanderlagerung den Zahlen und Maßen entspricht; daß das Atom der einen Substanz zu vier, der anderen zu drei, der anderen zu eins, zwei eine Ganzheit bildet; daß auf diese Weise die Stoffe zustande kommen, die in der Welt sind. — Capesius, der historisch gut unterrichtet war, kam das etwas pythagoreisch vor; er fühlte, daß da das pythagoreische Prinzip in Felix Balde waltete. Felix Balde wollte ihm klarmachen, daß man mit den Atomen nichts anfangen könne, sondern daß da drinnen Maß und Zahl weise herrschen. Und immer komplizierter wurde das, was Vater Felix auseinandersetzte in immer komplizierteren Zahlenverhältnissen, nach denen die Weltenweisheit die Atome aneinander gruppiert und sie als geistiges Prinzip zwischen den Atomen geltend macht. Immer komplizierter wurden die Figuren, die Vater Felix dem Capesius vorkonstruierte. Da überkam den guten Professor Capesius eine merkwürdige Stimmung, eine Stimmung, die man so charakterisieren könnte: er mußte sich so anstrengen, dieses Komplizierte zusammenzuhalten, daß er, trotzdem ihn die Sache außerordentlich interessierte, eine Art Gähnen unterdrücken mußte, daß er in eine Art traumhaften Zustandes fast verfiel.
[ 5 ] Thus Capesius found himself tossed back and forth by doubts, and so he set out—I might say almost instinctively—on the path he had often taken when his soul was weighed down. He went to the Balde cottage to speak with the good people there, who had so often provided him with such beautiful, soul-stirring comfort. He had often been refreshed by what Mrs. Balde had to offer Capesius in her wonderful fairy-tale stories. And so he went there. Since Mrs. Balde was busy in the house when he arrived, he first met only Felix Balde, Father Felix, whom he had come to love so dearly over time. To him he confided his torments, his doubts, into which he had been plunged by his acquaintance with Haeckelism and atomism. First, he explained to him how necessary it seemed to the intellect to apply such concepts to natural phenomena; and on the other hand, he confided to good Father Felix how bleak and unsatisfying such a worldview was. Capesius was quite troubled when he came to Father Felix, so to speak, seeking spiritual help. Father Felix is simply of a different nature than Capesius. He follows his own steady course. He directly rejected such things as Haeckelism and the atomist worldview by explaining to our good Professor Capesius what they were all about. He told him: Certainly, there must be atoms. It is entirely legitimate to speak of atoms. But one must be clear that if these atoms are to form the world in any way, they must layer and arrange themselves in such a way that this arrangement corresponds to numbers and measures; that the atom of one substance, four of another, three of yet another, and one or two together form a whole; that in this way the substances that exist in the world come into being. — Capesius, who was well-versed in history, found this somewhat Pythagorean; he sensed that the Pythagorean principle reigned within Felix Balde. Felix Balde wanted to make it clear to him that one could do nothing with the atoms themselves, but that measure and number wisely reign within them. And ever more complicated became what Father Felix expounded in ever more complex numerical relationships, according to which the wisdom of the world groups the atoms together and asserts them as a spiritual principle between the atoms. Ever more complicated became the figures that Father Felix constructed for Capesius. Then a strange mood came over the good Professor Capesius, a mood that might be described as follows: he had to strain so hard to keep this complexity together that, even though the subject interested him immensely, he had to suppress a kind of yawn, so that he almost fell into a sort of dreamlike state.
[ 6 ] Da kam, bevor sozusagen der gute Professor Capesius völlig in einen traumhaften Zustand verfiel, Frau Balde dazu, die erst noch eine Weile die ganze Auseinandersetzung über die Zahlen und Figuren mitanhören mußte. Sie setzte sich geduldig hin. Sie hatte eine Eigentümlichkeit an sich. Wenn sie von etwas nicht ganz sympathisch, im guten Sinne sympathisch, berührt war, und es nötig hatte, sich hinwegzuhelfen über eine gutgemeinte Langeweile, da machte sie mit beiden Händen eine Faust und bewegte die Daumen im Kreise, und immer, wenn sie das tat, da konnte sie das Gähnen dadurch ganz zurückhalten. Nachdem sie so das ein bißchen gemacht hatte, entstand eine Pause, und sie konnte jetzt anfangen, mit einer erfrischenden Erzählung Capesius wiederum aufzurütteln. Und da erzählte denn Frau Felicia dem guten Professor Capesius das Folgende.
[ 6 ] Just as the good Professor Capesius was, so to speak, about to slip completely into a dreamlike state, Mrs. Balde arrived, having been forced to listen in on the entire discussion about numbers and figures for some time. She sat down patiently. She had a peculiar trait. Whenever she was not entirely taken with something—in a good way, that is—and needed to help herself overcome a well-meaning boredom, she would clench both hands into fists and move her thumbs in circles, and whenever she did that, she was able to completely hold back a yawn. After she had done this for a little while, a pause ensued, and she was now able to rouse Capesius once more with a refreshing story. And so Mrs. Felicia told the good Professor Capesius the following.
[ 7 ] Es war einmal in einer sehr einsamen Gegend eine große Burg. In dieser Burg wohnten viele Menschen, alte und junge, von den jüngsten bis zu den ältesten; aber alle waren mehr oder weniger verwandt, so daß alle in irgendeiner Weise zusammengehörten.
[ 7 ] Once upon a time, in a very remote area, there was a large castle. Many people lived in this castle—old and young, from the youngest to the oldest—but they were all related in one way or another, so that they all belonged together in some way.
[ 8 ] Diese Menschen, die für sich eine abgeschlossene Gemeinde bildeten, waren aber auch von der übrigen Welt in einer gewissen Weise abgeschlossen, denn ringsherum waren weit und breit nicht Menschen und menschliche Ansiedlungen zu finden. So daß eine Zeit kam, in der es einer größeren Anzahl dieser Menschen etwas unbehaglich wurde. Und das hatte zur Folge, daß einzelne dieser Menschen wie Visionäre wurden, Visionen bekamen, die wohl durch die Art, wie sie auftraten, auf etwas Reales sich beziehen konnten. Da erzählte dann Frau Felicia, daß eine größere Anzahl von Personen die gleiche Vision hatten. Zunächst hatten sie die Vision, wie aus den Wolken herunterstieg eine mächtige Lichtgestalt; eine Lichtgestalt, welche sich dann, indem sie herunterkam, wie erwärmend in die Herzen und Seelen der Burgbewohner hineinsenkte. Und man fühlte wirklich auch — so erzählte Frau Felicia — etwas von Erleuchtendem, was hereinkam wie aus Himmelshöhen durch diese Lichtgestalt, die von oben kam.
[ 8 ] These people, who formed a self-contained community, were also, in a certain sense, cut off from the rest of the world, for there were no people or human settlements to be found far and wide around them. So there came a time when a large number of these people began to feel somewhat uneasy. And this had the consequence that some of these people became like visionaries, receiving visions that, given the way they appeared, might well have referred to something real. Then Mrs. Felicia recounted that a larger number of people had the same vision. At first, they had a vision of a mighty figure of light descending from the clouds; a figure of light which, as it descended, seemed to sink warmly into the hearts and souls of the castle’s inhabitants. And one truly felt—as Mrs. Felicia recounted—something illuminating coming in as if from the heights of heaven through this figure of light that came from above.
[ 9 ] Bald aber, so erzählte sie, stellte sich für all die Menschen, welche diese Vision der Lichtgestalt hatten, auch noch etwas anderes ein. Sie sahen um die Burg herum überall wie aus der Erde herauskrabbelnd alle möglichen schwärzlich-bräunlichen, stahlgrauen Gestalten. Während die Lichtgestalt von oben eine einzige war, kamen viele, viele solche Gestalten um die Burg herum. Während die Lichtgestalt mehr in die Herzen, mehr in die Seelen ging, waren diese Wesen — man könnte sie Elementarwesen nennen — wie Belagerer der Burg.
[ 9 ] But soon, she said, something else began to happen to all the people who had seen this vision of the figure of light. All around the castle, they saw all sorts of blackish-brown and steel-gray figures crawling out of the ground. While the figure of light from above was a single entity, many, many such figures appeared around the castle. While the figure of light touched the hearts and souls more deeply, these beings—one might call them elemental beings—were like besiegers of the castle.
[ 10 ] Und so lebten denn lange Zeit diese Persönlichkeiten in der Burg und es war eine ziemlich große Anzahl — zwischen dem, was von oben kam, und dem, was die Burg von außen belagerte. Eines Tages aber zeigte es sich, daß die Gestalt von oben sich tiefer senkte als sonst, und auch die Belagerer mehr hereinkamen. Bei den Visionären im Schloß verbreitete sich eine unbehagliche Stimmung. Wir müssen berücksichtigen, daß Frau Balde ein Märchen erzählte. Die Visionäre kamen mit den übrigen Schloßbewohnern in eine Art von traumhafter Stimmung. Die Gestalt von oben teilte sich in einzelne Lichtwolken; aber diese wurden von den Belagerern der Burg erfaßt und verdunkelt. Das hatte zur Folge, daß allmählich die Schloßbevölkerung in Traum versetzt wurde, und dadurch wurde die irdische Lebensdauer der Schloßbewohner auf Jahrhunderte verlängert. Und sie fanden sich nach Jahrhunderten wieder; aber jetzt fanden sie sich verteilt in kleinere Gemeinden und an die verschiedensten Orte der Erde hin versetzt. Sie bewohnten wiederum kleinere Burgen, die wie eine Kopie der großen Burg waren, die sie vor Jahrhunderten bewohnt hatten. Und es zeigte sich, daß dasjenige, was sie erlebt hatten in der alten Burg, jetzt in ihrer Seele war als Seelenstärke, als Seelengut, als Seelengesundheit. Und sie konnten wacker in den Burgen alles mögliche treiben: Ackerbau, Viehzucht und so weiter; sie wurden tüchtige Leute, tüchtige Bebauer des Feldes, hatten gesunde Seelen und auch gesunde Leiber.
[ 10 ] And so these figures lived in the castle for a long time, and there were quite a number of them—between those who came from above and those who besieged the castle from the outside. One day, however, it became apparent that the figure from above was descending lower than usual, and the besiegers were also entering in greater numbers. An uneasy mood spread among the visionaries in the castle. We must bear in mind that Mrs. Balde was telling a fairy tale. The visionaries, along with the other castle inhabitants, fell into a sort of dreamlike state. The figure from above split into individual clouds of light; but these were seized and obscured by the castle’s besiegers. As a result, the castle’s inhabitants were gradually lulled into a dreamlike state, and thus the earthly lifespan of the castle’s residents was extended for centuries. And they found themselves again after centuries; but now they found themselves scattered across smaller communities and transported to the most diverse places on Earth. They once again inhabited smaller castles that were like copies of the great castle they had inhabited centuries ago. And it became apparent that what they had experienced in the old castle was now within their souls as spiritual strength, as spiritual wealth, as spiritual health. And they were able to carry out all manner of activities in the castles: farming, raising livestock, and so on; they became capable people, capable cultivators of the land, possessing healthy souls and healthy bodies as well.
[ 11 ] Nachdem Frau Felicia das erzählt hatte, war durch die Erzählung, wie ihm das immer passiert war, der gute Professor Capesius sehr angenehm berührt. Vater Felix aber fühlte die Notwendigkeit, etwas zur Erklärung dieses Bildes, das dazumal Frau Felicia zum erstenmal erzählt hatte, beizutragen. Und Vater Felix fing an: Ja, die Gestalt, die da von oben aus den Wolken kam, das ist das luziferische Prinzip, und die Gestalten, die von außen wie Belagerer kamen, die sind das ahrimanische Prinzip und so weiter. Und immer komplizierter wurde Vater Felix. Frau Felicia hörte anfangs zu, machte dann ihre Faust mit beiden Händen, rollte die Daumen, dann aber sagte sie, als Vater Felix immer komplizierter wurde: Ja, ich muß jetzt selbst nach der Küche sehen; wir haben heute Kartoffelklöße, die würden zu weich werden. — Und schlich hinaus in die Küche. Capesius wurde durch die Erklärungen des guten Vater Felix so gestimmt, daß er nicht recht mehr zuhören konnte, trotzdem er den Vater Felix gern hatte, und daß er eigentlich das, was dieser noch zur Erklärung brachte, wirklich nicht mehr recht hörte.
[ 11 ] After Mrs. Felicia had told this story, the good Professor Capesius was very touched by her account of how this had always happened to him. Father Felix, however, felt the need to add something to explain this image, which Mrs. Felicia had recounted for the first time back then. And Father Felix began: “Yes, the figure that came down from above out of the clouds—that is the Luciferic principle—and the figures that came from outside like besiegers—those are the Ahrimanic principle, and so on.” And Father Felix’s explanation grew ever more complicated. Mrs. Felicia listened at first, then clenched her fists with both hands and rolled her thumbs, but when Father Felix’s explanation grew ever more complicated, she said: “Yes, I have to check on the kitchen myself now; we’re having potato dumplings today, and they’ll get too soft.” — And she slipped out into the kitchen. Capesius was so put off by good Father Felix’s explanations that he could no longer really listen, even though he liked Father Felix, and that he actually didn’t really hear what Father Felix went on to explain.
[ 12 ] Nun muß ich hinzufügen, daß Capesius dieses, was ich jetzt erzählt habe, in einer Zeit passiert ist, in welcher er schon mit Benedictus bekannt war, sozusagen ein guter Schüler desselben war. Und er hatte oftmals von Benedictus erzählen hören, wie es sich mit dem luziferischen und dem ahrimanischen Element verhält. Trotzdem der Professor Capesius ein sehr kluger Mensch ist, konnte er aber nie so ganz zurechtkommen mit den Auseinandersetzungen des Benedictus über das luziferische und das ahrimanische Element. Es blieb immer ein Rest; er wußte mit den Erklärungen des Benedictus doch nichts Rechtes anzufangen. So ging er denn diesmal weg, behielt in der Seele die Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, und mußte oftmals, fast täglich an diese Erzählung denken. Da kam er wiederum einmal zu Benedictus, und siehe da, Benedictus konnte jetzt bemerken, daß etwas vorgegangen war in der Seele des Capesius. Capesius selber hatte bemerkt: Jedesmal, wenn er sich an die Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, erinnerte, wurde seine Seele eigentümlich innerlich angeregt. Es war, wie wenn diese Erzählung kräftebildend in seiner Seele gewirkt hätte, wie wenn seine Seele durch sie erkraftet worden wäre. Daher wiederholte er die Erzählung immer wieder und wiederum wie meditierend. Und nun kam er wieder zu Benedictus, der bemerkte, daß diese Seelenkräfte in sich erkraftet waren. Und Benedictus setzte ihm in eigenartiger Weise jetzt das Folgende auseinander.
[ 12 ] Now I must add that what I have just described happened at a time when Capesius was already acquainted with Benedictus—he was, so to speak, a good student of his. And he had often heard Benedictus speak about the nature of the Luciferic and Ahrimanic elements. Although Professor Capesius is a very intelligent man, he could never quite come to terms with Benedictus’s discussions of the Luciferic and Ahrimanic elements. There was always something left over; he simply didn’t know what to make of Benedictus’s explanations. So he left this time, keeping the story of the castle that multiplied in his soul, and often, almost daily, had to think of this story. Then he came to Benedictus again, and lo and behold, Benedictus could now perceive that something had taken place in Capesius’s soul. Capesius himself had noticed: Every time he recalled the story of the castle that multiplied, his soul was strangely stirred within. It was as if this story had worked to build up strength in his soul, as if his soul had been strengthened by it. Therefore, he repeated the story over and over again, as if meditating. And now he returned to Benedictus, who noticed that these spiritual powers had been strengthened within him. And Benedictus now explained the following to him in a peculiar way.
[ 13 ] Während vorher der Professor Capesius, vielleicht gerade wegen seiner Gelehrsamkeit, die Auseinandersetzungen des Benedictus weniger verstanden haben würde, hatte er jetzt ein ganz außerordentliches Verständnis. Es war wie ein Samenkorn, das seine Seelenkräfte befruchtet hatte, was da hineingefallen war durch die Erzählung der Frau Felicia.
[ 13 ] Whereas before Professor Capesius—perhaps precisely because of his erudition—would have had little understanding of Benedictus’s struggles, he now possessed an extraordinary insight. It was as if a seed had fallen into his soul through Felicia’s story, fertilizing his innermost being.
[ 14 ] Benedictus sagte: Betrachten wir einmal drei Dinge! Erstens betrachten wir das menschliche Denken, das menschliche Vorstellen, den Gedanken, den der Mensch in sich tragen kann, durch den er sich die Welt begreiflich macht in aller seiner Einsamkeit. Gedanken zu haben, innerlich sich auseinanderzusetzen in voller Einsamkeit, das kann der Mensch ganz für sich. Dazu braucht er sich nicht anzuschlieBen an irgendeinen Menschen. Er macht es sogar am besten dadurch, daß er sich abschließt in seinem Kämmerchen und im stillen, in sich geschlossenen Denken mit der Kraft, die in irgendeinem Zeitpunkt sein Denken hat, versucht, die Welt und ihre Vorgänge zu verstehen. Nun sagte Benedictus: Ja, wenn man so verfährt mit dem Gedanken, dann ist es aber beim einzelnen Menschen immer so, daß das fühlsame Element der Seele heraufwirkt in den Gedanken, in die Vorstellungen hinein. Dadurch tritt immer die Versuchung, die Verlockung des luziferischen Elementes an den Menschen heran. Es ist gar nicht denkbar, daß der Mensch in Einsamkeit grübelt und spintisiert und philosophiert und sich über die Dinge der Welt aufklärt, ohne daß aus seiner fühlsamen Seele dieser Einschlag in das Denken kommt, und dadurch ein luziferischer Impuls in das einsame Denken hineinkommt. Der von dem einzelnen Menschen erfaßte Gedanke ist immer durchdrungen, zum großen Teil erfaßt und durchdrungen vom luziferischen Element.
[ 14 ] Benedictus said: Let us consider three things! First, let us consider human thought, human mental images, the ideas that a person can carry within themselves, through which they make sense of the world in all their solitude. To have thoughts, to engage in inner reflection in complete solitude—this is something a person can do entirely on their own. To do so, they need not join forces with anyone else. In fact, they do it best by shutting themselves away in their little room and, in quiet, self-contained thought, using the power their thinking possesses at any given moment, attempting to understand the world and its processes. Now Benedictus said: Yes, when one proceeds in this way with thought, it is always the case with the individual human being that the feeling element of the soul works its way up into the thoughts, into the mental images. Through this, the temptation, the enticement of the Luciferic element, always approaches the human being. It is simply inconceivable that a person could brood, speculate, and philosophize in solitude and seek to understand the things of the world without this influence from their emotional soul entering into their thinking, and thereby a Luciferic impulse entering into their solitary thinking. The thought grasped by the individual human being is always permeated, to a large extent grasped and permeated by the Luciferic element.
[ 15 ] Während früher Capesius wenig verstanden hatte, wenn Benedictus vom luziferischen und ahrimanischen Elemente sprach, war es ihm jetzt selbstverständlich, zu begreifen, daß in dem einsamen Gedanken, den der Mensch in sich faßt, immer die Verlockungen des luziferischen Elementes stecken müssen. Und er verstand jetzt, daß Luzifer an der Betätigung des Menschen im einsamen Denken immer einen Anhaltspunkt hat, um den Menschen aus dem fortschreitenden Gang der Weltentwickelung herauszureißen und hinzuführen — weil sich der Mensch von der Welt absondert im einsamen Denken — zu der isolierten Insel, die sich Luzifer, abgesondert von der übrigen Weltenordnung, errichten will, um alles, was sich absondert, da gewissermaßen anzusiedeln. Es lenkte also Benedictus zunächst auf das einsame, persönliche, innerliche Denken den Capesius hin.
[ 15 ] Whereas Capesius had previously understood little when Benedictus spoke of the Luciferic and Ahrimanic elements, it was now self-evident to him that the solitary thoughts a person conceives within themselves must always contain the temptations of the Luciferic element. And he now understood that Lucifer always finds a foothold in human activity in solitary thought, enabling him to snatch the human being out of the progressive course of world development and lead him—because the human being separates himself from the world in solitary thought—to the isolated island that Lucifer, separated from the rest of the world order, wishes to establish in order to settle there, as it were, everything that separates itself, to settle there, as it were. Thus, Benedictus first directed Capesius toward solitary, personal, inner thinking.
[ 16 ] Und jetzt, sagte er, wollen wir etwas anderes ins Auge fassen. Wollen wir einmal ins Auge fassen dasjenige, was in der Schrift auftritt. In der Schrift haben wir ein merkwürdiges Element der menschlichen Kulturentwickelung. Wenn man das Bedeutsame des Gedankens ins Auge faßt, so muß man sagen: Der Gedanke, so wie er zunächst ist, lebt im einzelnen Menschen. Er ist Luzifer zugänglich, weil Luzifer das Seelische aus der physischen Welt herausführen und in die Isolierung hineinbringen will. Aber dieser einzelne Gedanke ist Ahriman nicht zugänglich, denn dieser einzelne Gedanke ist den ganz normalen Gesetzen des Entstehens und Vergehens des physischen Planes unterworfen. Bei der Schrift ist es etwas anderes, da wird das, was Gedanke ist, der Vernichtung entzogen, wird dauernd gemacht.
[ 16 ] And now, he said, let us consider something else. Let us consider what appears in Scripture. In the Scriptures we find a remarkable element of human cultural development. If one considers the significance of the thought, one must say: The thought, as it is initially, lives within the individual human being. It is accessible to Lucifer, because Lucifer wants to lead the soul out of the physical world and into isolation. But this individual thought is not accessible to Ahriman, for this individual thought is subject to the entirely normal laws of arising and passing away on the physical plane. With Scripture, it is something else; there, that which is thought is withdrawn from destruction and made enduring.
[ 17 ] Nun habe ich Sie darauf hingewiesen, wie Ahriman überall darauf bedacht ist, dem Strom der Vernichtung zu entziehen, was im menschlichen Denken lebt, es da zu behalten in der physisch-sinnlichen Welt. Das ist der charakteristische Vorgang, wie das entsteht, was man aufschreibt. Da wird der menschliche Gedanke, der sonst in der Zeit vergehen würde, fixiert, wird für die Zeit aufbewahrt. Da dringt gerade Ahriman in die menschliche Kultur ein. Obwohl der Professor Capesius kein Rückschrittler ist und es nicht mit denen halten will, die etwa die Schrift abschaffen oder in den Volksschulen verbieten wollen, so sah er doch ein, daß, indem die Menschheit Schriftwerke um Schriftwerke überall ansammelt, die ahrimanischen Impulse in die Kulturentwickelung hereinkommen. So wußte er jetzt: im einsamen Gedanken ist luziferische Verlockung; in den Schriftwerken, in all dem, was fixiert wird durch Schreiben oder Drucken, ist ahrimanisches Element. Er wußte, daß die menschliche Entwickelung schon in der äußeren physischen Welt gar nicht sein kann, ohne daß das Ahrimanische und Luziferische allüberall hereinspielen. Und er verstand es jetzt, daß gerade mit der fortschreitenden Kultur, indem die Schrift immer größere Bedeutung gewinnt — um das zu erkennen, braucht man nicht hellsichtig zu sein, sondern nur die Entwickelung zu verfolgen um ein paar Jahrhunderte —, auch das Ahrimanische immer mehr Bedeutung gewinnen muß. Ahriman gewinnt immer mehr und mehr dadurch, daß die Schrift immer größere Bedeutung in der Menschheitsentwickelung bekommt. Und heute, wo sie eine so große Bedeutung hat — Capesius war sich darüber klar —, haben wir geradezu große ahrimanische Zwingburgen. Es ist zwar noch nicht üblich geworden — soweit hat es die Geisteswissenschaft noch nicht gebracht, daß man sich im öffentlichen Leben in der Wahrheit ausdrückt —, daß, wenn ein Student auf die Bibliothek geht, er sagt: Ich gehe jetzt in die Ahrimanburg ochsen! — Aber die Wahrheit ist das doch. Die großen und kleinen Bibliotheken sind die Ahrimanburgen, sind diejenigen Zwingburgen, von denen aus Ahriman in die menschliche Kulturentwickelung in intensivster Weise eingreift. Man muß nur in einer solchen Beziehung den Tatsachen kühn ins Auge schauen.
[ 17 ] I have now pointed out to you how Ahriman is constantly striving to snatch from the current of destruction whatever lives in human thought, to keep it there in the physical-sensory world. This is the characteristic process by which what is written down comes into being. There, the human thought, which would otherwise pass away in time, is fixed and preserved for the time being. It is precisely here that Ahriman penetrates human culture. Although Professor Capesius is no reactionary and does not side with those who, for example, wish to abolish writing or ban it in elementary schools, he nevertheless recognized that, as humanity accumulates written work upon written work everywhere, Ahrimanic impulses enter into cultural development. So he now knew: in solitary thought there is a Luciferic temptation; in written works, in all that is fixed through writing or printing, there is an Ahrimanic element. He knew that human development cannot even take place in the outer physical world without the Ahrimanic and Luciferic forces coming into play everywhere. And he now understood that precisely with the progress of culture, as writing gains ever greater significance—one need not be clairvoyant to recognize this, but only to trace development back a few centuries—the Ahrimanic must also gain ever greater significance. Ahriman gains more and more as writing takes on ever greater significance in human development. And today, when it has such great significance—Capesius was clear about this—we have veritable great Ahrimanic strongholds. It has not yet become common practice—Spiritual Science has not yet advanced so far that one expresses oneself in truth in public life—that when a student goes to the library, he says: “I’m going to the Ahriman stronghold now!” — But that is the truth. The large and small libraries are the strongholds of Ahriman, are those fortresses from which Ahriman intervenes in the development of human culture in the most intense way. One must only look the facts boldly in the eye in this regard.
[ 18 ] Nun aber erklärte Benedictus dem Capesius noch etwas anderes. Er sagte ihm: Nun gut, jetzt haben wir den Gedanken in der einsamen Persönlichkeit auf der einen Seite; wir haben das Schriftwerk, das Ahriman angehört, auf der anderen Seite; aber dazwischen haben wir einen mittleren Zustand. Im Luziferischen haben wir etwas Einheitliches. Der Mensch strebt nach der Einheit, wenn er im Gedanken die Welt sich erklären will. In der Schrift haben wir etwas Atomistisches. Dann zeigte Benedictus dem Capesius, was dieser wiederum gut verstand infolge der Auffrischung seines Gemütes durch die Erzählung der Frau Felicia: Zwischen beiden, zwischen dem einsamen Gedanken und der Schrift, haben wir das Wort; das Wort, in dem man nicht einsam nur sein kann, wie mit seinen Gedanken. Durch das Wort lebt man in einer Gemeinschaft. Denken kann man abgesondert, allein. Es hat eine Bedeutung, wenn man allein denkt; aber man brauchte kein Wort, wenn man einsam für sich gehen will. Die Sprache hat Bedeutung in der Gemeinsamkeit. So ist das Wort herausgeholt aus der Einsamkeit der menschlichen Persönlichkeit; es entfaltet sich in der Gemeinsamkeit. Es ist der verkörperte Gedanke, das Wort, aber es ist zugleich für den physischen Plan etwas ganz anderes als der Gedanke. Man braucht nicht auf die hellseherischen Resultate einzugehen — in verschiedenen Vorträgen habe ich darauf aufmerksam gemacht —, sondern man kann schon äußerlich historisch, und weil er ein Historiker war, verstand das Capesius sehr gut, man kann schon durch die äußere Historie einsehen, daß das Wort oder die Sprache ursprünglich ein ganz anderes Verhältnis haben sollte zur Menschheit, als sie es gewonnen hat in der heutigen Zeit. Wenn man nämlich immer weiter und weiter zurückgeht in den Sprachen, so merkt man, daß man wirklich einmal kommen muß — wie es die okkulte Beobachtung zeigt — zu einer menschlichen Ursprache, die den ganzen Erdkreis umfaßte und die sich nur differenziert hat. Schon wenn man zum Hebräischen — in dieser Beziehung ist die hebräische Sprache ganz besonders merkwürdig — zurückgeht, merkt man in den Worten etwas anderes als in den Worten Westeuropas. Die Worte des Hebräertums sind viel weniger konventionell, sie haben sozusagen eine Seele, so daß man ihren Sinn ihnen anfühlt; sie sprechen einem ihren notwendigen Sinn aus, mehr als die westeuropäischen Sprachen. Je weiter man zurückgeht in der Entwickelung, desto mehr findet man solche Sprachen, die der gemeinsamen Ursprache ähnlich waren. Das, was erzählt wird als Turmbau zu Babel, ist Symbolum für die Tatsache, daß es wirklich eine Ursprache gegeben hat, und daß diese differenziert worden ist in die einzelnen Volks- und Stammessprachen. Dadurch, daß die gemeinsame Ursprache in die Volks- und Stammessprachen sich differenziert hat, kommt sozusagen das Wort auf halbem Wege entgegen der Einsamkeit des Gedankens. Es spricht nicht ein jeder Mensch seine eigene Sprache — da würde die Sprache nicht ihren Sinn haben —, sondern es sprechen nur Menschengruppen die gemeinsame Sprache. Es ist also das Wort ein Mittelding geworden zwischen dem einsamen Gedanken und der Ursprache. In der Ursprache gab es ein bestimmtes Wort, das verstand man durch den Laut, den es hatte, durch das, was es durch seinen Lautwert war. Man brauchte sich nicht weiter konventionell über den Lautwert zu unterrichten, sondern man fand in der Ursprache die Seele des Wortes. Das ist, wie gesagt, differenziert. Und alles, was Absonderung bewirkt, wirkt auch dem Luzifer in die Hände, so daß die Menschen, indem sie differenzierte Sprachen sich bildeten, dadurch ein absonderndes Prinzip aufnahmen, das heißt, sich in die Strömung hineinbegaben, die es Luzifer leicht macht, den Menschen aus der allgemeinen Weltenordnung herauszuheben, die schon vorbestimmt war, bevor Luzifer da war; also auf die Isolierinsel den Menschen zu setzen, ihn abzusondern von dem übrigen fortschreitenden Gang der Menschheitsentwickelung. So liegt im Element der Sprache, des Wortes, ein mittlerer Zustand. Wenn das Wort das geblieben wäre, was es hat werden sollen, wenn das Luziferische sich nicht hergemacht hätte über das Wort, so würde das Wort dem von Luzifer und Ahriman freien mittleren göttlichen Zustand entsprechen, in dem der Mensch hinsegeln kann rein entsprechend der fortschreitenden göttlich-geistigen Weltenordnung. So ist das Wort auf der einen Seite luziferisch beeinflußt worden. Während der Gedanke fast ganz, wenn er einsam gefaßt ist, dem luziferischen Element unterliegt, ist das Wort ein wenig ergriffen in der Weise, wie ich es auseinandergesetzt habe, von dem luziferischen Element auf der einen Seite.
[ 18 ] But then Benedictus explained something else to Capesius. He said to him: Very well, now we have the thought within the solitary individual on the one hand; we have the written work belonging to Ahriman on the other; but in between we have an intermediate state. In the Luciferic realm, we have something unified. Human beings strive for unity when they seek to explain the world to themselves through thought. In the written word, we have something atomistic. Then Benedictus showed Capesius—and Capesius understood this well, his mind having been refreshed by the story of Mrs. Felicia—that between the two, between the solitary thought and the written word, we have the spoken word; the spoken word, in which one cannot be alone, as one is with one’s thoughts. Through the Word, one lives in a community. One can think in isolation, alone. It has meaning when one thinks alone; but one would not need a word if one wanted to go one’s own way in solitude. Language has meaning in community. Thus the Word is drawn out of the solitude of the human personality; it unfolds in community. The word is the embodied thought, but at the same time, on the physical plane, it is something quite different from the thought. One need not go into the clairvoyant findings—I have drawn attention to this in various lectures—but one can already see, from an external historical perspective, and because he was a historian, Capesius understood this very well, one can already see from external history that the word or language was originally intended to have a very different relationship to humanity than it has acquired in the present day. For if one goes further and further back in the development of languages, one notices that one must indeed eventually arrive—as occult observation shows—at a human proto-language that encompassed the entire globe and has since only differentiated itself. Even when one goes back to Hebrew—in this regard, the Hebrew language is particularly remarkable—one notices something different in the words than in the words of Western Europe. The words of the Hebrews are far less conventional; they have, so to speak, a soul, so that one senses their meaning; they express their essential meaning to one more than the Western European languages do. The further back one goes in evolution, the more one finds such languages that were similar to the common proto-language. What is recounted as the Tower of Babel is a symbol of the fact that there really was a proto-language, and that this has differentiated into the individual national and tribal languages. Because the common proto-language has differentiated into the languages of peoples and tribes, the word, so to speak, meets the solitude of thought halfway. Not every individual speaks their own language—for then language would have no meaning—but only groups of people speak the common language. The word has thus become a middle ground between the solitary thought and the proto-language. In the original language, there was a specific word that was understood through the sound it had, through what it was by virtue of its phonetic value. There was no need to further instruct one another conventionally about the phonetic value; rather, one found the soul of the word in the original language. As I said, this has differentiated. And everything that causes separation also plays into Lucifer’s hands, so that by forming differentiated languages, people thereby adopted a separating principle—that is, they entered into a current that makes it easy for Lucifer to lift humanity out of the general world order that was already predetermined before Lucifer existed; that is, to place humanity on an isolated island, to separate it from the rest of the progressive course of human development. Thus, within the element of language, of the word, lies a middle state. If the word had remained what it was meant to be, if the Luciferic had not laid hold of the word, then the word would correspond to the middle divine state free from Lucifer and Ahriman, into which humanity can sail purely in accordance with the progressive divine-spiritual world order. Thus, on the one hand, the word has been influenced by the Luciferic element. While thought, when conceived in isolation, is almost entirely subject to the Luciferic element, the word is, as I have explained, somewhat affected by the Luciferic element on the one hand.
[ 19 ] Auf der anderen Seite wirkt aber auch die Schrift auf das Wort zurück, und gerade je weiter die Menschheit fortschreitet, desto größere Bedeutung bekommt die Schrift für die Sprache. Das liegt dem Umstand zugrunde, daß die Dialekte, die noch nichts mit der Schrift zu tun haben, allmählich untertauchen, und als das vornehmere Element vielfach das auftritt, was man sogar die Schriftsprache nennt. Das bezeugt, daß rückbeeinflußt wird die Sprache von der Schrift. Man kann das in einzelnen Gegenden sehr klar sehen. Ich muß mich immer wieder erinnern an etwas, was mir aufgefallen ist an mir selber und an meinen Schulgenossen. In Österreich, wo man so vieles Dialektisches durcheinander hatte, wurde großer Wert darauf gelegt in den Schulen, daß die Schüler eine Schriftsprache lernten, die sie früher, wenigstens zum großen Teil, nicht gesprochen hatten. Und das hat sogar eine ganz besondere Wirkung, diese Aneignung der Schriftsprache. Ich kann ganz unbefangen darüber reden, weil ich selbst der eigentümlichen Wirkung dieser Schriftsprache, dem österreichischen Schuldeutsch, eine lange Zeit meines Lebens ausgesetzt war und mir es nur mit Mühe abgewöhnt habe — manchmal schlägt es schon noch durch. Diese Eigentümlichkeit besteht darin, daß man alle kurzen Vokale lang und alle langen kurz spricht, während der Dialekt, die Sprache also, die aus dem Wort herausgeboren ist, richtig sagt. Wenn man zum Beispiel meint die Sonne, die am Himmel steht, dann sagt der Dialekt: D’ Sunn. — Derjenige aber, der durch die österreichischen Schulen gegangen ist, ist versucht zu sagen: Die Soone. — Der Dialekt sagt: Der Sun für Sohn; die österreichische Schulsprache sagt dafür: Der Sonn. — So sagt man denn: die Soone und der Sonn. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber es hängt einem durchaus an oder wenigstens hing es einem an.
[ 19 ] On the other hand, however, writing also has an effect on the spoken word, and the further humanity progresses, the greater the significance of writing for language becomes. This is due to the fact that dialects, which have nothing to do with writing yet, are gradually fading away, and what is often regarded as the more refined element—what is even called the written language—is emerging. This proves that language is influenced in return by writing. One can see this very clearly in certain regions. I am constantly reminded of something I noticed about myself and my schoolmates. In Austria, where there was such a jumble of dialects, great importance was placed in schools on students learning a written language that they had not previously spoken, at least for the most part. And this acquisition of the written language has a very particular effect. I can speak about this quite impartially, because I myself was exposed to the peculiar effect of this written language—Austrian school German—for a long time in my life and only managed to break the habit with great difficulty—sometimes it still slips out. This peculiarity consists in the fact that one pronounces all short vowels long and all long vowels short, whereas the dialect—that is, the language born of the word itself—pronounces them correctly. For example, if one means the sun in the sky, the dialect says: D’ Sunn. — But someone who has gone through the Austrian school system is tempted to say: Die Soone. — The dialect says: Der Sun for “son”; the Austrian school language says instead: Der Sonn. — So one says: die Soone and der Sonn. This is, of course, an extreme example, but it certainly sticks with one, or at least it used to stick with one.
[ 20 ] Da sieht man, wie sozusagen die Schrift zurückwirkt auf die Sprache. Aber sie wirkt überhaupt zurück. Man wolle sich nur einmal den Fortschritt der Kultur vor Augen stellen; man wird finden, wie gerade mit fortschreitender Kultur die Sprache das Lebensvolle, das Elementarische, das Organische, das auf dem Grund und Boden gewachsen ist, verliert, wie die Menschen immer mehr und mehr eine Art Büchersprache sprechen. Da wirkt von der anderen Seite das Ahrimanische, das im Schrifttum immer ist, wiederum auf das Wort zurück. Derjenige, der sich naturgemäß entwickeln will, der wird natürlich gerade an diesem Beispiel der drei Dinge, die jetzt Benedictus für Capesius herausgewählt hat, merken, wie unsinnig es wäre, Ahriman und Luzifer aus der Entwickelung ausschalten zu wollen.
[ 20 ] Here we see, so to speak, how writing has an effect on language. But it has an effect in general. One need only form a mental image of the progress of culture; one will find that, precisely as culture advances, language loses the vitality, the elemental, the organic—that which has grown from the soil—and that people speak more and more of a kind of bookish language. Here, the Ahrimanic, which is always present in literature, in turn acts back upon the word from the other side. Anyone who wishes to develop naturally will, of course, notice precisely from this example of the three things that Benedictus has now selected for Capesius, how nonsensical it would be to want to eliminate Ahriman and Lucifer from the process of development.
[ 21 ] Drei Dinge, so zeigt Benedictus, kommen in Betracht: der einsame Gedanke, das Wort, die Schrift. Nun wird niemand wollen — der gesund denkt, auch wenn er die Wahrheit ganz eingesehen hat, daß dem einsamen Gedanken Luzifers Einfluß zugrunde liegen muß, und der Schrift Ahrimans Einfluß —, es wird niemand jetzt Luzifer ausrotten wollen, da, wo er so handgreiflich wirkt, denn das würde heißen, das einsame Denken verbieten. Manchem — man muß das sagen — wäre das das Bequemste, aber offen wird man es ganz gewiß nicht vertreten wollen. Auf der anderen Seite wird man auch nicht die Schrift ausrotten wollen, sondern sich sagen müssen: Wie positive und negative Elektrizität einen Gegensatz bedeuten in der äußeren physischen Natur, so bedeuten das Ahrimanische und das Luziferische einen Gegensatz, der da sein muß. Zwei Pole sind es, von denen keiner nicht da sein darf, sondern die nach Maß und Zahl in Verhältnis gebracht werden müssen. Dann kann der Mensch in jener mittleren Linie sich bewegen im Zustand des Wortes. — Es ist ja die Bestimmung des Wortes, Weisheit zu enthalten, Erkenntnis zu enthalten, Gedanken, Vorstellungen zu enthalten. Es kann sich nun der Mensch zum Beispiel sagen: Ich muß mich innerhalb des Wortes so entwickeln, daß ich alles Eigensinnige, bloß Persönliche mir gerade durch das Wort korrigieren lasse, dadurch, daß ich aufnehme in meine Seele, was in dem Wort, in dem weisheitsvollen Wort aller Zeiten hervorgebracht worden ist. — Achtung nicht nur vor der eigenen Meinung, nicht nur vor dem, was man selber glaubt und als richtig anerkennen kann durch eigene Kraft, sondern Respekt vor dem, was sich durch die Kulturen und durch das Mühen um Weisheit der verschiedenen Völker in der geschichtlichen Entwickelung ergeben hat. Das bedeutet auf der einen Seite, Luzifer sozusagen zum Worte in das rechte Verhältnis zu bringen. Nicht das einsame Denken ausschalten, aber auch beachten, daß das Wort der Gemeinsamkeit angehört und man das Wort verfolgen muß durch Zeitalter. Je mehr man dieses tut, um so mehr gibt man dem Luzifer den richtigen Einfluß auf das Wort. Man verfällt dann nicht bloß der Autorität des Wortes, sondern man schützt das Wort, das die Weisheit der Erde von Kulturepoche zu Kulturepoche trägt. Auf der anderen Seite obliegt es dem Menschen, der den Tatbestand richtig einsieht, daß er auch nicht dem starren autoritativen Prinzip verfällt, das in der Schrift liegt, denn damit verfällt er, ob die Schrift das Heiligste oder Profanste enthält, dem Ahriman. Man muß sich klar sein, daß für die äußere materielle Kultur der Mensch schon einmal die Schrift haben muß, und daß die Schrift etwas ist, wodurch Ahriman, was ja nicht seine Aufgabe ist, das Denken herauslösen will aus dem Strom der Vernichtung. Er will es nicht einströmen lassen in die Todesströmung. Da haben wir in der Schrift die beste Gelegenheit, zurückzuhalten das Denken auf dem physischen Plan. Mit vollem Bewußtsein dem gegenüberstehen, daß man das ahrimanische Element im Schriftwerk hat, niemals dem Schriftwerk zugeben, daß es Gewalt bekommt über den Menschen, kurz, sich das Wort im mittleren Zustand so bewahren, daß gleichsam von links und rechts — vom Denken und von der Schrift — die zwei polarischen Gegensätze Luzifer und Ahriman wirken: so muß man sich verhalten, wenn man auf dem rechten Boden stehen will. Wenn man dieses richtig ins Seelenauge faßt, wenn man sich klar ist, daß überall Gegensätze wirken müssen, dann steht man auf rechtem Boden.
[ 21 ] As Benedictus shows, three things come into consideration: the solitary thought, the word, and the scripture. Now, no one in their right mind—even if they have fully grasped the truth that the solitary thought must be rooted in Lucifer’s influence, and the scripture in Ahriman’s influence— no one will now want to eradicate Lucifer where he is so tangibly at work, for that would mean prohibiting solitary thought. For some—it must be said—that would be the most convenient solution, but openly one would certainly not want to advocate it. On the other hand, one will not want to eradicate Scripture either, but will have to say to oneself: Just as positive and negative electricity represent a contrast in the outer physical world, so the Ahrimanic and the Luciferic represent a contrast that must exist. They are two poles, neither of which may be absent, but which must be brought into proportion in measure and number. Then can the human being move along that middle line in the state of the Word. — For it is indeed the purpose of the Word to contain wisdom, to contain knowledge, to contain mental images and ideas. A person can now say to themselves, for example: I must develop within the Word in such a way that I allow everything that is self-willed, merely personal, to be corrected precisely through the Word, by taking into my soul what has been brought forth in the Word, in the wise Word of all times. — Respect not only for one’s own opinion, not only for what one believes oneself and can recognize as true through one’s own power, but respect for what has emerged through the cultures and through the striving for wisdom of the various peoples in the course of historical development. This means, on the one hand, bringing Lucifer, so to speak, into the right relationship with the Word. Not to eliminate solitary thinking, but also to bear in mind that the Word belongs to the collective and that one must follow the Word through the ages. The more one does this, the more one allows Lucifer to exert the right influence on the Word. One then does not merely succumb to the authority of the Word, but protects the Word that carries the wisdom of the Earth from cultural epoch to cultural epoch. On the other hand, it is incumbent upon the person who correctly understands the facts not to succumb to the rigid, authoritarian principle inherent in the written word, for in doing so—whether the text contains the most sacred or the most profane—one falls prey to Ahriman. One must be clear that, for external material culture, human beings must first have the written word, and that the written word is something through which Ahriman—which is not his task—seeks to extract thinking from the stream of destruction. He does not want to let it flow into the current of death. Here, in the written word, we have the best opportunity to hold back thinking on the physical plane. To face with full awareness the fact that the Ahrimanic element is present in the written work, never to allow the written work to gain power over the human being—in short, to preserve the word in a balanced state so that, as it were, from left and right—from thinking and from writing—the two polar opposites, Lucifer and Ahriman, are at work: this is how one must conduct oneself if one wishes to stand on the right ground. If one grasps this correctly in the eye of the soul, if one is clear that opposites must be at work everywhere, then one stands on the right ground.
[ 22 ] Als Capesius von Benedictus dieses gehört hatte und es umfangen hatte mit seinen durch Frau Felicia gestärkten Seelenkräften, da stand er zu dem, was ihm jetzt Benedictus auseinandersetzte, in ganz anderem Verhältnis als früher, wo auch schon Benedictus ihm das luziferische und ahrimanische Element auseinandergesetzt hatte. Dadurch, daß immer mehr und mehr wirkten diese die Seelenkräfte befruchtenden Märchen, die aus der geistigen Welt heraus inspiriert sind, kam Capesius selber dahin, zu erleben, daß seine Seelenkräfte innerlich erstarkten, daß seine Seelenfähigkeiten innerlich erkrafteten. Das ist dargestellt im dreizehnten Bilde von «Der Seelen Erwachen», wo die eine Seelenkraft in Capesius, die mit der Philia gemeint ist, ihm wirklich geistig greifbar entgegentritt, nicht bloß als abstrakte Seelenkraft. In demselben Maße, in dem Philia zu einer Wesenheit sich auswuchs in der Seele des Capesius, in demselben Maße verstand er in der richtigen Weise immer mehr und mehr das, was eigentlich Benedictus von ihm wollte. Dazumal, als er die besonders befruchtende Erzählung von der Burg, die sich vervielfältigte, die in die Zahl schoß, hörte, hatte sie anfangs nicht gleich gewirkt, da schlief er fast sanft ein, und namentlich war er vorher fast eingeschlafen, als Vater Felix von den Atomen geredet hatte. Jetzt aber erkannte diese Seele des Capesius, nachdem sie so gereift war, daß eine Dreiheit vorliegt in der ganzen Strömung der Weltenentwickelung: das Luziferische auf der einen Seite — einsame Gedanken; das Ahrimanische auf der anderen Seite — die Schrift; das dritte, der mittlere Zustand, das rein Göttliche. Die Dreizahl erkannte er jetzt in diesem bedeutungsvollen Faktum der Kulturentwickelung des physischen Planes, und er konnte ahnen, wie diese Dreizahl überall zu suchen ist. Jetzt stellte sich Capesius anders zum Gesetz der Zahl als früher; jetzt fühlte er durch die in ihm erwachende Philia das Wesen der Zahl im Werdegang der Welt, und jetzt wurde ihm auch das Wesen des Maßes klar, daß in jeglicher Dreiheit zwei wie Gegensätze sich verhalten und gegenseitig maßvoll in Harmonie gesetzt sein müssen. Und ein großes, gewaltiges Weltgesetz erkannte Capesius, von dem er jetzt wußte, daß es sich in irgendeiner Weise finden müsse, nicht nur auf dem physischen Plan, sondern auch in den höheren Welten.
[ 22 ] When Capesius heard this from Benedictus and had taken it in with the spiritual powers strengthened by Mrs. Felicia, he now had a completely different attitude toward what Benedictus was explaining to him than he had previously, even when Benedictus had already explained the Luciferic and Ahrimanic elements to him. As these soul-strengthening fairy tales, inspired from the spiritual world, took effect more and more, Capesius himself came to experience that his soul powers were growing stronger within him, that his soul capacities were gaining strength from within. This is depicted in the thirteenth image of *The Awakening of the Soul*, where one of the soul forces within Capesius—that which is meant by Philia—truly confronts him in a spiritually tangible way, not merely as an abstract soul force. To the same extent that Philia grew into a being within Capesius’s soul, to that same extent he came to understand more and more correctly what Benedictus actually wanted from him. Back then, when he heard the particularly inspiring story of the castle that multiplied, that grew in number, it had not made an immediate impression at first; he had almost drifted off gently, and in particular he had nearly fallen asleep before when Father Felix had spoken of the atoms. But now this soul of Capesius, having matured to the point of recognizing that a trinity exists within the entire current of world development: the Luciferic on one side—isolated thoughts; the Ahrimanic on the other side—the written word; the third, the middle state, the purely Divine. He now recognized this triad in this significant fact of cultural development on the physical plane, and he could sense how this triad is to be sought everywhere. Now Capesius viewed the law of number differently than before; now, through the Philia awakening within him, he sensed the essence of number in the course of the world, and now the essence of measure also became clear to him: that in every trinity, two elements stand in opposition to one another and must be set in mutual, measured harmony. And Capesius recognized a great, mighty law of the universe, which he now knew must be found in some way, not only on the physical plane but also in the higher worlds.
[ 23 ] Wir werden über das alles noch zu sprechen haben bei den subtilen Auseinandersetzungen über die göttlich-geistige Welt. Capesius ahnte, daß er in ein Gesetz eingedrungen war, das sich sonst in der physischen Welt verhält, wie wenn ein Schleier es zudeckte, und daß er mit ihm etwas hatte, womit er die Schwelle überschreiten kann. Und wenn er die Schwelle überschreitet, dann kommt er in die geistige Welt, wo er hinter sich lassen muß alles das, was bloß durch die physische Erfahrung angeregt ist. Zahl und Maß, er hatte sie fühlen, erfühlen, erleben gelernt. Und jetzt verstand er auch, wenn Benedictus andere Dinge heranzog, zunächst auch noch einfache, um ihm das Prinzip völlig beizubringen. Es sagte zum Beispiel Benedictus zu Capesius: Man kann nun auch dasselbe Walten der Dreiheit, der Polarität oder des Gegensatzes in der Dreiheit, des maßvollen Ausgleiches, an anderen Punkten des Daseins finden. Man kann wiederum ein Ding von einem anderen Gesichtspunkt aus ins Auge fassen: das Denken, das innere Vorstellen. Das innere Vorstellen, das Sich-Erarbeiten der Weltengeheimnisse, das ist das eine; das zweite ist das reine Wahrnehmen, sagen wir das bloße Hinhören. Es gibt Menschen, welche mehr daraufhin angelegt sind, alles in sich ergrübelnd zu überlegen. Andere Menschen, die denken nicht gerne, die hören überall hin, nehmen alles auf das Hinhorchen, auf die Autorität hin an, und wenn es auch die Autorität der Naturerscheinungen ist, denn es gibt auch eine Dogmatik der äußeren Erfahrung, wenn man sich nämlich die äußeren Naturerscheinungen aufdrängen läßt.
[ 23 ] We will have to discuss all of this later in our detailed examination of the divine-spiritual world. Capesius sensed that he had penetrated a law that otherwise behaves in the physical world as if veiled, and that he possessed something with which he could cross the threshold. And when he crosses the threshold, he enters the spiritual world, where he must leave behind everything that is merely stimulated by physical experience. Number and measure—he had learned to feel them, to sense them, to experience them. And now he also understood when Benedictus brought in other things, at first still simple ones, to teach him the principle fully. For example, Benedictus said to Capesius: “One can now also find the same operation of the Trinity, of polarity, or of the contrast within the Trinity—that is, of measured balance—at other points of existence.” One can, in turn, consider a thing from a different point of view: thinking, inner mental image. Inner mental image, the working out of the world’s mysteries—that is one thing; the second is pure perception, let us say mere listening. There are people who are more inclined to ponder everything within themselves. Other people, who do not like to think, listen everywhere, accept everything on the basis of listening, on the basis of authority, and even if it is the authority of natural phenomena, for there is also a dogmatism of external experience, namely when one allows oneself to be imposed upon by external natural phenomena.
[ 24 ] Nun konnte leicht Benedictus dem Professor Capesius zeigen: In dem einsamen Denken liegt wiederum die luziferische Verlockung; in dem bloßen Hinhorchen, in dem bloßen Wahrnehmen liegt das ahrimanische Element. Man kann aber einen mittleren Zustand einhalten, sozusagen zwischendurchgehen. Man braucht weder bloß zu verweilen in dem abstrakten, grüblerischen Denken, wobei man sich einsiedlerisch in der Seele abschließt, noch sich hinzugeben dem bloßen Hinhören und Hinsehen auf das, was die Ohren und Augen wahrnehmen können. Man kann noch ein anderes tun, indem man das, was man denkt, innerlich so lebendig macht, so kraftvoll macht, daß man den eigenen Gedanken wie etwas Lebendiges vor sich hat und in ihn lebendig sich vertieft wie in etwas, was man draußen hört und sieht, so daß der eigene Gedanke so konkret wird wie das, was man hört oder sieht. Das ist ein mittlerer Zustand. In dem bloßen Gedanken, der dem Grübeln zugrunde liegt, da liegt das Herantreten des Luzifer an den Menschen; in dem bloßen Hinhören, sei es durch das Wahrnehmen oder sei es durch die Autorität der Menschen, liegt das ahrimanische Element. Wenn man innerlich erkraftet und erweckt die Seele, daß man seinen Gedanken gleichsam hört oder sieht, dann hat man das Meditieren. Das Meditieren ist ein mittlerer Zustand. Es ist weder Denken noch Wahrnehmen. Es ist ein Denken, das so lebendig in der Seele lebt, wie das Wahrnehmen lebendig lebt, und es ist ein Wahrnehmen, das nicht Äußeres, sondern Gedanken in der Wahrnehmung hat. Zwischen dem luziferischen Element des Gedankens und dem ahrimanischen Element der Wahrnehmung fließt hin das Seelenleben im Meditieren als in dem göttlich-geistigen Element, das nur den Fortschritt der Welterscheinungen in sich trägt. Der meditierende Mensch, der in seinen Gedanken so lebt, daß sie lebendig in ihm werden, wie Wahrnehmungen in ihm sind, lebt in dem göttlichen Dahinströmen. Rechts hat er den bloßen Gedanken; links das ahrimanische Element, das bloße Hinhorchen; und er schließt nicht das eine und das andere aus, sondern weiß, daß er in einer Dreiheit lebt, daß die Zahl das Leben regelt. Und er weiß, daß eine Polarität, ein Gegensatz da ist, ein Gegensatz zweier Dinge, zwischen denen sich das Meditieren hinströmend bewegt. Und er weiß auch, daß maßvoll das luziferische und das ahrimanische Element hier in dem Meditieren sich das Gleichgewicht halten müssen.
[ 24 ] Benedictus was now able to show Professor Capesius quite easily: in solitary thinking lies the Luciferic temptation; in mere listening, in mere perception, lies the Ahrimanic element. One can, however, maintain a middle state, so to speak, walking a middle path. One need not merely dwell in abstract, brooding thought, shutting oneself off hermit-like within the soul, nor devote oneself to mere listening and looking at what the ears and eyes can perceive. One can do something else by making what one thinks so vivid within, so powerful, that one has one’s own thought before oneself as something living and immerses oneself in it as vividly as in something one hears and sees outside, so that one’s own thought becomes as concrete as what one hears or sees. This is a middle state. In the mere thought that underlies brooding lies Lucifer’s approach to humanity; in the mere listening, whether through perception or through the authority of human beings, lies the Ahrimanic element. When one strengthens and awakens the soul inwardly so that one hears or sees one’s thoughts, as it were, then one has meditation. Meditation is a middle state. It is neither thinking nor perception. It is a thinking that lives as vividly in the soul as perception lives, and it is a perception that has not external objects but thoughts within the perception. Between the Luciferic element of thought and the Ahrimanic element of perception, the life of the soul flows in meditation as in the divine-spiritual element that bears within itself only the progression of world phenomena. The meditating person, who lives in their thoughts in such a way that they become alive within them, just as perceptions are within them, lives in this divine flow. On the right he has the mere thought; on the left the Ahrimanic element, the mere listening; and he does not exclude one or the other, but knows that he lives in a triad, that the number governs life. And he knows that there is a polarity, a contrast, a contrast between two things, between which meditation flows. And he also knows that the Luciferic and the Ahrimanic elements must maintain a balanced equilibrium here in meditation.
[ 25 ] Auf allen Gebieten lernt der Mensch kennen dieses Weltprinzip von Zahl und Maß, das Capesius, nachdem seine Seele vorbereitet war, durch die Anleitung des Benedictus erkennen lernte. So lebt sich die Seele, die sich vorbereiten will für die Erkenntnisse der geistigen Welten, allmählich in diese hinein, daß sie überall in der Welt, an jedem Punkt, den man erreichen kann, die Zahl sucht, vor allen Dingen die Dreizahl; daß sie die polarischen Gegensätze sieht, durch die sich alles offenbaren muß, und die Notwendigkeit, daß die Gegensätze sich als Polaritäten das Gleichgewicht halten. Ein mittlerer Zustand kann nicht nur ein bloßes Hinströmen sein, sondern überall erleben wir den Strom so, daß wir nach links und rechts das Seelenauge lenken müssen und unser Schiff hindurchsteuern müssen als das Dritte zwischen dem linken und rechten polarischen Gegensatz. Dies fühlend, hatte Capesius kennengelernt durch Benedictus, in der richtigen Weise hinaufzusteuern in die geistigen Welten, die Schwelle der geistigen Welt zu überschreiten. Und so wird es jeder lernen müssen, der eindringen will in die Geisteswissenschaft so, daß ihm zu wirklichem Verständnis kommt die wahrhaftige Erkenntnis über die höheren Welten.
[ 25 ] In all areas, human beings come to know this universal principle of number and measure, which Capesius, once his soul was prepared, learned to recognize through the guidance of Benedictus. Thus the soul that wishes to prepare itself for the insights of the spiritual worlds gradually immerses itself in them, so that everywhere in the world, at every point one can reach, it seeks out number, above all the number three; so that it sees the polar opposites through which everything must reveal itself, and the necessity that these opposites maintain balance as polarities. A middle state cannot be merely a passive flow; rather, everywhere we experience the current in such a way that we must direct the soul’s eye to the left and right and steer our ship through as the third between the left and right polar opposites. Feeling this, Capesius had learned through Benedictus to steer upward in the right way into the spiritual worlds, to cross the threshold of the spiritual world. And so must everyone who wishes to penetrate Spiritual Science learn this, so that true knowledge of the higher worlds may lead them to real understanding.
