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The Spirit World's Impact on the Physical World
The Influence of the Dead on the World of the Living
GA 150

13 April 1913, Erfurt

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3. Von der Einwirkung der Toten in die Welt der Lebenden

3. The Influence of the Dead on the World of the Living

[ 1 ] zur Einweihung des Johannes-Raffael-Zweiges

[ 1 ] on the inauguration of the Johannes-Raffael branch

[ 2 ] Es muß uns eine große Freude sein, daß wir aus den verschiedenen Orten unserer anthroposophischen Arbeit uns in dieser Stadt haben zusammenfinden können, wo schon seit langer Zeit einzelne unserer Freunde zusammen gearbeitet haben, um zu versuchen, für die spirituelle Entwickelung, unter zuweilen widerstrebenden Verhältnissen, anthroposophisches Leben zu entwickeln. Und die Frucht dieser Arbeit ist dieser Johannes-Raffael-Zweig. Wenn wir hier von auswärts mit unseren Erfurter Freunden zusammenkommen und diesen Zweig einzuweihen in der Lage sind, so dürfen wir einleitend mit ein paar Gedanken unsere Seele hinlenken auf die Bedeutung der anthroposophischen Arbeit der Gegenwart für die Menschheitsentwickelung überhaupt.

[ 2 ] It must be a great joy to us that we have been able to come together in this city from the various locations of our anthroposophical work, where some of our friends have been working together for a long time to try to foster anthroposophical life for spiritual development, even under sometimes adverse circumstances. And the fruit of this work is this Johannes-Raffael branch. As we gather here from afar with our friends in Erfurt and are able to inaugurate this branch, let us begin by turning our attention, with a few thoughts, to the significance of contemporary anthroposophical work for the development of humanity as a whole.

[ 3 ] Meine lieben Freunde, wie entstehen denn unsere anthroposophischen Zweige? Wenn man sich darauf besinnt, so entstehen sie eigentlich gewissermaßen in wunderbarer Weise. Denn sie blühen da und dort auf, gleichsam wie geistige Naturprodukte, und diejenigen, welche sich berufen fühlen durch ihren Enthusiasmus für die Sache, solch einen Zweig zu gründen, sie stehen für ihr Gefühl und durch das, was als geheime Kräfte hinter diesen Gefühlen steht, wie eine spirituelle Macht da. Sie fühlen, daß sie etwas tun müssen. Durch äußere Kultur unserer Zeit wird ein Zweig nicht gegründet, sondern aus den Herzen derer, die sich dazu berufen fühlen, wird er gegründet. In unserer heutigen Kultur gibt es nichts, was an den Menschen herantritt und ihm sozusagen von außen her nahelegen könnte, anthroposophisch mitzuarbeiten. Denn derjenige, der sich zur anthroposophischen Mitarbeit entschließt, hat vieles andere zu erwarten durch die Förderung unserer Bestrebungen als Bequemlichkeit und Anerkennung. Es gibt keine der gebräuchlichen Strömungen und Bestrebungen der Gegenwart, welche Seelen zu gewinnen suchen für die Anthroposophie, und wer dasjenige ansieht, was unsere anthroposophische Bewegung ist, der wird unserer Bewegung das Zeugnis ausstellen, daß sie im gewöhnlichen Sinne nicht agiitatorisch vorgeht. Abgesehen davon, daß die äußeren Verhältnisse es nicht gestatten, daß die Vortragenden woanders hingehen, als wohin sie gerufen werden, fassen wir das Wesen der Bewegung so auf, daß wir alles versuchen, um die Möglichkeit zu bieten, daß die Menschen etwas zu hören bekommen; sie aber sollen herankommen an die anthroposophische Arbeit. Wenn man sieht, daß Propaganda getrieben wird, so wird man sehen, daß dies mit der von uns vertretenen Strömung nichts zu tun hat, und so sollte jede auf dem Boden des Okkultismus stehende Bewegung handeln. Den Seelen sollte es selbst überlassen bleiben, herbeizukommen. Und dann sieht diese Bewegung, daß hier und da anthroposophische Zweige aufblühen, weil das, was in die Bewegung einfließt, in der richtigen karmischen Folge weiter wirkt. Und meistens stellt es sich so heraus, daß der bestehenden Bewegung die Zweige entgegengebracht werden. Es muß Wert darauf gelegt werden, daß die Zweige entstehen trotz aller Vorurteile, die da herrschen. Es müssen sich begeisterte Seelen finden, welche aus sich selbst heraus zur Begründung solcher Zweige schreiten.

[ 3 ] My dear friends, how do our anthroposophical branches come into being? When one reflects on it, they actually arise in a rather wondrous way. For they blossom here and there, as it were, like spiritual products of nature, and those who feel called, through their enthusiasm for the cause, to found such a branch stand, through their feelings and through the secret forces behind those feelings, as a spiritual power. They feel that they must do something. A branch is not founded through the external culture of our time, but rather it is founded from the hearts of those who feel called to do so. In our present-day culture, there is nothing that approaches people and could, so to speak, suggest from the outside that they should collaborate in an anthroposophical way. For those who decide to collaborate in anthroposophy have much more to expect from the promotion of our endeavors than mere comfort and recognition. There are none of the current trends and movements that seek to win souls for anthroposophy, and anyone who observes what our anthroposophical movement is will attest that it does not proceed in an agitational manner in the conventional sense. Apart from the fact that external circumstances do not permit the lecturers to go anywhere other than where they are invited, we understand the nature of the movement to be such that we do everything we can to offer people the opportunity to hear something; but they are to approach the anthroposophical work themselves. If one sees that propaganda is being carried out, one will see that this has nothing to do with the current we represent, and this is how every movement grounded in occultism should act. It should be left to the souls themselves to come. And then this movement will see that here and there anthroposophical branches blossom, because what flows into the movement continues to work in the right karmic sequence. And most often it turns out that the branches are brought to the existing movement. It is important to ensure that these branches arise despite all the prevailing prejudices. Enthusiastic souls must be found who, of their own accord, take the initiative to establish such branches.

[ 4 ] Auf eine große starke Wirksamkeit können wir ja von Anfang an nirgends rechnen, und diejenigen, welche sich für unsere Arbeit begeistern, dürfen Hohn und Spott nicht scheuen. Damit müssen sie sich bekanntmachen und auch damit, daß zunächst die Arbeit eine schwierige und entsagungsvolle sein wird. Nirgends haben wir andere Erfahrungen gemacht, Enttäuschung auf Enttäuschung wird oft erlebt. Immer wieder werden öffentliche Vorträge veranstaltet, aber Mißerfolge haben wir eigentlich nur da gehabt, wo wir uns durch anfängliche Mißerfolge abschrecken ließen. Wo wir ruhig zugesehen haben, daß der erste Vortrag von fünf Personen besucht war, der zweite ganz leer blieb, und doch die Arbeit fortgesetzt haben, da haben wir auch schließlich Erfolge zu verzeichnen gehabt. Wir sollten uns unabhängig machen von sofort sichtbaren Erfolgen, denn sich von Erfolgen aufgemuntert fühlen, ist leicht, aber nicht nachlassen, das ist schwierig. Dies letztere setzt voraus, daß wir keinen äußeren Halt haben. So stellt es sich heraus, daß unsere Zweige arbeiten müssen oft von klein auf. Mißverständnis auf Mißverständnis ereignet sich, aber man soll sich so erziehen, daß man findet, was recht ist.

[ 4 ] We cannot expect any great or immediate impact from the start, and those who are enthusiastic about our work must not shy away from scorn and ridicule. They must be prepared for this, and also for the fact that, at first, the work will be difficult and require self-sacrifice. Nowhere have we had a different experience; disappointment follows disappointment. Public lectures are held time and again, but we have actually only met with failure where we allowed ourselves to be deterred by initial setbacks. Where we calmly observed that the first lecture was attended by five people, the second remained completely empty, and yet we continued the work—there, we have ultimately achieved success. We should make ourselves independent of immediately visible successes, for it is easy to feel encouraged by successes, but not to slacken off—that is difficult. The latter requires that we have no external support. Thus it turns out that our branches often have to work from the very beginning. Misunderstanding follows misunderstanding, but one should train oneself to find what is right.

[ 5 ] Manchmal haben wir auch ein anderes Echo gefunden. Ich wurde in eine Stadt gerufen — den Namen will ich nicht nennen —, zwei-, dreimal zu Vorträgen. Als kein Erfolg eintrat, sagte der Betreffende: Jetzt ist es genug, die Leute sollen jetzt kommen und uns zu Vorträgen auffordern. — Ich sagte ihm, darauf würden wir wohl lange warten können — und wir warten noch heute darauf. Ich bin mir wohl bewußt, daß es hier angemessen ist, in Dankbarkeit von unseren Freunden zu sprechen, nachdem sie jahrelang schwer gearbeitet haben. Diejenigen, die mit hierhergekommen sind, werden den Dank mitempfinden. Die Gedanken, die von unseren Freunden hierher geleitet werden, werden stärkend wirken, und weiter werden wir kommen, wenn wir treu zusammenhalten. Die Unterstützung der Seelen ist für die spirituelle Arbeit die Hauptsache, je mehr ihnen diese Unterstützung zuteil wird, desto besser wird die Arbeit gelingen. Ich möchte sagen, durch ein äußeres Zeichen hat gerade dieser Erfurter Zweig zum Ausdruck gebracht, wie innig er sich verbunden fühlt mit unserer Arbeitsweise und Gesinnung, und dieses Verbundenfühlen wird ihm sein ein innerer spiritueller Impuls für das Gelingen der Arbeit.

[ 5 ] Sometimes we encountered a different response. I was invited to a city—I won’t name it—two or three times to give lectures. When there was no success, the person in question said: “That’s enough now; people should come and ask us to give lectures.” — I told him we’d probably be waiting a long time for that—and we’re still waiting for it today. I am well aware that it is appropriate here to speak gratefully of our friends, after they have worked so hard for years. Those who have come here with us will share in this gratitude. The thoughts directed here by our friends will have a strengthening effect, and we will go further if we remain faithfully united. The support of souls is the main thing for spiritual work; the more this support is given to them, the better the work will succeed. I would like to say that, through an outward sign, this Erfurt branch in particular has expressed how deeply it feels connected to our way of working and our spirit, and this sense of connection will be an inner spiritual impulse for the success of the work.

[ 6 ] Es ist in gewisser Weise etwas Gewagtes, wenn man auf konkrete Einzelheiten der anthroposophischen Forschung eingeht und in gewisser Weise darf ich es als eine Errungenschaft unserer Arbeit bezeichnen, daß das Einleben unserer Freunde in die Anthroposophie uns dazu geführt hat, daß bei einzelnen ein Gefühl entstanden ist dafür, daß man nicht nur Theorien entwickeln kann, sondern daß das Arbeiten zu Erkenntnissen führt. Man macht ja gerade auf diesen Gebieten die sonderbarsten Entdeckungen. Es ist kurios, daß außerhalb stehende Menschen, die nichts von anthroposophischer Arbeit wissen, daß solche Kreise beginnen, ihre Kritik anzulegen an die konkreten Forschungen, ohne daß sie eine Ahnung haben, welche spirituelle Arbeit nötig ist, um zum Beispiel das aufzustellen, was in meinem Buche «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» gesagt ist. Da machen sie sich darüber her zu kritisieren, wie man auf diesem Gebiete forscht. Da wird zum Beispiel über die zwei Jesusknaben kritisiert. Wenn man sich an die allgemeinen Wahrheiten hält, so mag es sein, daß die Menschen mitsprechen können. Wenn es aber an das Besondere geht, so kann man nichts anderes tun, als schweigen. Jeder Mensch müßte sich sagen: Es ist mir ja sonderbar, wenn solche Behauptungen aufgestellt werden, aber sie gehen mich nichts an.

[ 6 ] In a certain sense, it is somewhat daring to delve into the concrete details of anthroposophical research, and in a certain sense I may describe it as an achievement of our work that our friends’ immersion in anthroposophy has led some of them to develop a sense that one can not only develop theories, but that the work itself leads to insights. It is precisely in these fields that the strangest discoveries are made. It is curious that outsiders who know nothing of anthroposophical work—that such circles begin to direct their criticism at the concrete research without having the slightest idea of the spiritual work required, for example, to establish what is stated in my book *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity*. They rush in to criticize how research is conducted in this field. For example, they criticize the two Jesus children. If one sticks to general truths, people may be able to join in the discussion. But when it comes to the specific details, one can do nothing but remain silent. Every person should say to themselves: It strikes me as odd when such claims are made, but they are none of my business.

[ 7 ] Um so mehr ist es aber wertvoll, wenn unsere Erfurter Freunde sich mit diesen besonderen Dingen verknüpft fühlen. Denn es werden keine anderen Dinge mitgeteilt als diejenigen, welche mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln nachgeprüft werden können. Zu solchen Wahrheiten gehört es, daß Johannes der Täufer dieselbe Seele ist wie Raffael. Es ist deshalb von meinem Gefühl aus eine schöne spirituelle Tat, diesen Zweig Johannes-Raffael-Zweig zu nennen, um so die intime Auffassung einer spirituell erforschten Wahrheit zum Ausdruck zu bringen. Darum ist diese Weihe auch eine intime Weihe. Dadurch, daß wir uns an eine solche okkulte Wahrheit anlehnen mit einer Namengebung, dadurch geben wir kund, daß wir zusammenhalten in Treue in bezug auf Dinge, die unser Intimstes sind. Und dann werden die Worte zu etwas Tiefem, die ja von dem Träger des Namens als Novalis ausgesprochen sind, die zu Beginn unserer Feier heute an unser Ohr klangen.

[ 7 ] It is all the more valuable, however, when our friends in Erfurt feel connected to these special matters. For nothing is communicated here other than those things that can be verified using the means at our disposal. Among such truths is the fact that John the Baptist is the same soul as Raphael. It is therefore, in my view, a beautiful spiritual act to name this branch the “John-Raphael Branch,” thereby expressing the intimate understanding of a truth explored spiritually. That is why this dedication is also an intimate one. By drawing upon such an occult truth through the choice of a name, we declare that we stand together in loyalty regarding matters that are most intimate to us. And then the words—spoken by the bearer of the name, Novalis, which rang in our ears at the beginning of our celebration today—become something profound.

[ 8 ] Wir müssen ja das Wichtigste suchen in den Empfindungen und Gefühlen, die uns vereinigen. Nicht können sie entstehen anders als auf der Grundlage unserer Erkenntnis. Aber wir dürfen nicht bequem sein. Es muß sich die Erkenntnis zu entzünden wissen zu einem MiteinanderFühlen, und wenn es den Intentionen unserer Freunde entspricht, wenn ich mit einigen Worten die Weihe begehe, so darf ich ruhig sagen: Diese Worte auszusprechen, es ist äußerst befriedigend, es ist eine Weihe, die dem Herzen entspricht. Darum darf ich sagen: Laßt Euch zu dem, was wir begonnen haben, einen Impuls sein, was ich zu Euch spreche. Ihr werdet arbeiten unter dem Schutze der Mächte und Gewalten, von denen wir ja wissen, daß sie unsichtbar unter uns walten: die Meister der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen, wenn wir in Liebe und Treue unsere Arbeiten verrichten. Was bei Euch gewaltet hat, als Ihr aus dem intimen Impuls heraus versucht habt, Eurem Zweig einen Namen zu geben, darf ich in diesem Augenblicke aussprechen: Die schützenden Mächte, die über uns wachen und uns Impulse zu unserer Arbeit geben, von denen wir wissen, daß sie genannt werden die Meister der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen, ich rufe die Schützer der Arbeit an, daß der Zweig recht gedeihen möge und ein Zentrum in dieser Stadt sein möge für das, was wir ersehnen als spirituellen Fortschritt. — Und damit ist für Euch die Möglichkeit gegeben, anzuknüpfen an etwas, was ich für die in Weimar versammelten Freunde ausgesprochen habe, anzuknüpfen in einer gewissen Weise, ohne daß es notwendig ist, daß jeder von uns es gehört haben müßte.

[ 8 ] We must, after all, seek what is most important in the sentiments and feelings that unite us. They cannot arise except on the basis of our understanding. But we must not be complacent. Knowledge must know how to ignite itself into a shared feeling, and if it corresponds to the intentions of our friends, if I perform the consecration with a few words, then I may calmly say: To speak these words is extremely satisfying; it is a consecration that corresponds to the heart. Therefore, I may say: Let what I speak to you be an impulse for what we have begun. You will work under the protection of the powers and forces of which we know that they reign invisibly among us: the Masters of Wisdom and of the Harmony of Feelings, when we perform our work in love and faithfulness. What has been at work within you as you have sought, out of an inner impulse, to give your branch a name, I may now express: The protective powers that watch over us and give us impulses for our work, whom we know are called the Masters of Wisdom and the Harmony of Feelings—I call upon the protectors of this work that the branch may flourish and become a center in this city for what we long for as spiritual progress. — And with that, you are given the opportunity to connect with something I spoke of to the friends gathered in Weimar, to connect in a certain way, without it being necessary for each of us to have heard it.

[ 9 ] Es handelt sich um das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Es ist die Rede davon gewesen, daß ein Mensch nach dem Verlassen des physischen Planes in gewisser Weise Schwierigkeiten haben kann, Verbindungen zu haben mit denen, die zurückgeblieben sind auf der Erde. Es kann sich die Möglichkeit herausstellen, daß derjenige, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, weiß von jemandem, den er zurückgelassen hat, weiß, solches habe ich mit ihm erlebt, bis ich durch die Pforte des Todes gegangen bin. Im Bewußtsein des Toten lebt das, was gemeinschaftlich erlebt ist auf der Erde. Oft kann aber eine solche Verbindung auch nicht hergestellt werden, wenn der Zurückgebliebene solche Gedanken entwickelt, die nicht spiritueller Natur sind.

[ 9 ] This refers to the life between death and a new birth. It has been mentioned that, after leaving the physical plane, a person may, in a certain sense, have difficulty maintaining connections with those who have remained on Earth. It may turn out that the one who has passed through the gate of death knows of someone they have left behind, knowing, “I experienced this with them until I passed through the gate of death.” What is shared in the consciousness of the deceased is what was experienced together on Earth. Often, however, such a connection cannot be established if the one left behind harbors thoughts that are not of a spiritual nature.

[ 10 ] Wenn hier jemand zurückgeblieben ist auf der Erde und er seine Seele ganz selten mit spirituellen Gedanken erfüllt, dann ist die Seele eine solche, zu der die verstorbene Seele keinen Zugang hat. Das bezieht sich auf die Art, wie der Lebende sich mit dem Toten in Verbindung bringen kann.

[ 10 ] If someone has remained behind on Earth and rarely fills their soul with spiritual thoughts, then that soul is one to which the departed soul has no access. This refers to the way in which the living can connect with the dead.

[ 11 ] Eine gewisse Forschungsrichtung gab mir merkwürdigen Aufschluß über den Verkehr mit den Toten. Zunächst könnte es verwunderlich erscheinen, daß Johannes der Täufer die von den Willensimpulsen durchdrungene prophetische Wirksamkeit in die Welt setzte und dann in so wunderbar geschlossener Weise, ganz hingegeben an ein tiefes Hingegebensein an die Welt, in dieser Raffael-Seele wieder erscheint. Vieles erscheint uns verwunderlich in der Geistesforschung. Vieles erscheint uns gefährlich, weil es so einleuchtend ist. Und wenn man dann näher eingeht auf die Dinge, so wirken sie erschütternd auf die Seele, wenn man sieht, daß manches anders ist, als man gedacht hat. Für denjenigen, der eine solche Tatsache, wie die hier beleuchtete, die Identität des Johannes und Raffael, als wahr erkannt hat, ist es wichtig, daß er ein Gefühl der Verwunderung aufrecht erhält. Ich kann denen versichern, die nicht solche Tatsachen erforschen können, daß etwas nicht zutage kommt, wenn man es sucht; ungesucht kommen solche Dinge. Viel nachdenken über solche Dinge hilft außerordentlich wenig. Am meisten hilft das Ruhig-Warten-Können, bis die Eingebung kommt. Und dann ist es gut, wenn man sich in gewisser Weise verwundern kann über das, was sich ergibt.

[ 11 ] A certain line of research provided me with some curious insights into communication with the dead. At first, it might seem surprising that John the Baptist brought into the world a prophetic power imbued with impulses of the will, and then reappears in this soul of Raphael in such a wonderfully complete way, wholly devoted to a deep devotion to the world. Much seems surprising to us in spiritual research. Much seems dangerous to us because it is so self-evident. And when one then examines things more closely, they have a shattering effect on the soul when one sees that some things are different from what one had thought. For those who have recognized a fact such as the one illuminated here—the identity of John and Raphael—as true, it is important to maintain a sense of wonder. I can assure those who are unable to investigate such facts that nothing comes to light when one seeks it; such things come unsought. Thinking a great deal about such things helps very little. What helps most is the ability to wait calmly until the inspiration comes. And then it is good if one can, in a certain way, be amazed by what emerges.

[ 12 ] Der gerade Weg des Verstandes ist nicht geeignet zur okkulten Forschung. Das Verwundern führt dazu, daß man nach und nach erkennt, daß das Verwunderliche sich als begreiflich erweist. So zeigte es sich mir eines Tages, daß bei Raffael, der in erstaunlicher Weise gemalt hat, etwas anderes in seiner Seele nachwirkte, und ich konnte entdecken, daß das, was da nachwirkte, nichts anderes war, als das, was von seinem Vater ausging. Dieser starb, als Raffael erst zehn Jahre alt war. Dieser Vater hätte ja vielleicht noch etwas länger leben können, ich meine das natürlich hypothetisch aufgefaßt. Er hätte die Kräfte noch länger haben können, zu leben, aber diese Kräfte trug er hinüber in die geistige Welt, und unter Umständen können diese Kräfte von da aus mächtig wirken. Der Vater war kein großer Maler, aber er war innerlich ein Maler, er lebte in malerischen Vorstellungen, die er nicht verwirklichen konnte, solange er noch im physischen Leibe war. Aus der geistigen Welt schickte er die Kräfte seinem Sohn, und dieser junge Raffael konnte deshalb ein so großer Maler werden. Er hat die malerische Befähigung durch das gewonnen, was der Vater ihm zuschickte aus der geistigen Welt. Durch das ist Raffael natürlich nicht verkleinert, sondern es sollte nur gezeigt werden, wie Kräfte aus der geistigen Welt herunterwirken in die physische Welt. Lessing hat einen merkwürdigen Ausspruch getan. Er hat gesagt, Raffael würde auch ein großer Maler geworden sein, selbst wenn er ohne Hände geboren wäre. Die Kräfte, die in dem Täufer Johannes waren, wurden umgewandelt in den Maler Raffael.

[ 12 ] The straightforward path of reason is not suited to occult research. Wondering leads one to gradually realize that what is wondrous turns out to be comprehensible. Thus it became clear to me one day that in Raphael, who painted in an astonishing way, something else was at work in his soul, and I was able to discover that what was at work there was nothing other than what emanated from his father. His father died when Raphael was only ten years old. This father might perhaps have lived a little longer—I mean this, of course, in a hypothetical sense. He might have retained the strength to live longer, but he carried these forces over into the spiritual world, and under certain circumstances these forces can exert a powerful influence from there. The father was not a great painter, but he was a painter at heart; he lived in pictorial visions that he could not realize as long as he was still in the physical body. From the spiritual world he sent these forces to his son, and this is why the young Raphael was able to become such a great painter. He gained his artistic ability through what his father sent him from the spiritual world. This does not, of course, diminish Raphael; rather, it is merely meant to show how forces from the spiritual world work down into the physical world. Lessing made a remarkable statement. He said that Raphael would have become a great painter even if he had been born without hands. The forces that were in John the Baptist were transformed into the painter Raphael.

[ 13 ] Wenn wir die Erkenntnis gewinnen können von dem Hereinwirken der geistigen Welt in die physische Welt, dann wird das Leben ungeheuer viel weiter gebracht.

[ 13 ] If we can gain an understanding of how the spiritual world influences the physical world, then life will be taken to a whole new level.

[ 14 ] Ich habe eine lange Zeit eine Erziehertätigkeit auszuüben gehabt. Da war es meine Aufgabe, Kinder zu unterrichten, die den Vater verloren hatten. Wenn man in gewissenhafter Weise erzieht, so muß man alle Verhältnisse berücksichtigen. Man muß da fragen, welches sind die Anlagen, wie wirkt die Umgebung und so weiter. Ich hatte versucht, alles ins Auge zu fassen, was äußerlich ins Auge gefaßt werden konnte, es blieb aber eine Schwierigkeit. Dann sagte ich mir, der Vater ist gestorben, und er hatte bestimmte Absichten mit seinen Kindern. Als ich dann berücksichtigte das Wollen des Vaters, dann ging es. Die Willenskräfte des Vaters waren vorhanden. Da sieht man, wie die Toten wiederum hineinwirken in das Gebiet der Lebenden.

[ 14 ] For a long time, I worked as a teacher. My job was to teach children who had lost their fathers. When educating children conscientiously, one must take all circumstances into account. One must ask: What are their aptitudes? How does their environment affect them? And so on. I had tried to take into account everything that could be observed externally, but a difficulty remained. Then I told myself: the father has died, and he had certain intentions regarding his children. When I then took the father’s will into account, things worked out. The father’s willpower was present. There one sees how the dead, in turn, exert an influence on the realm of the living.

[ 15 ] Trotzdem soll aufrechterhalten werden, daß die Toten nicht wissen können, was ihre Zurückgebliebenen auf der Erde tun, wie das heute morgen gesagt ist. Wenn jemand durch die Pforte des Todes gegangen ist, und er weiß, daß seine Impulse hineinwirken in die physische Welt, so kann es ein Schmerz für ihn sein, daß er nichts wahrnehmen kann von seinen Hinterbliebenen. Der Tote kann fühlen eine innere Unbehaglichkeit, wenn er nicht wissen kann, was da unten geschieht. Dies Gefühl kann aber beseitigt werden, wenn wir ihm Nahrung zusenden. Wir müssen als Lebende selbst die Gelegenheit herbeiführen, daß uns die Toten wahrnehmen können. Nun bedenken Sie, daß wir ja durch einen Gedanken leicht schon sozusagen spirituelles Leben in unserer Seele entzünden können. Es ist schon ein wichtiger positiver Gedanke, wenn wir wissen, der Tote ist da, für uns erreichbar, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, denn das ist ein Gedanke, der niemals herbeigeführt werden kann durch die Beschäftigung mit der sinnlich-physischen Welt. In unserem Seelenleben sollten wir deutlich tragen die Überzeugung: der Tote lebt.

[ 15 ] Nevertheless, it must be maintained that the dead cannot know what their loved ones on Earth are doing, as was said this morning. When someone has passed through the gate of death and knows that their impulses are influencing the physical world, it can be painful for them that they cannot perceive anything about their loved ones. The deceased may feel an inner unease if they cannot know what is happening down there. However, this feeling can be alleviated if we send them sustenance. We, as the living, must ourselves create the opportunity for the dead to perceive us. Now consider that we can easily, so to speak, kindle spiritual life in our souls through a thought. It is already an important positive thought to know that the deceased is there, accessible to us, even after passing through the gate of death, for this is a thought that can never be brought about by preoccupation with the sensory-physical world. In our inner life, we should carry the conviction clearly: the deceased lives.

[ 16 ] Sehen Sie, in den Zeiten, wo es noch nichts Beirrendes gab, war es nicht gerade notwendig, daß es Anthroposophie gab, aber die Zeiten ändern sich während der Menschheitsentwickelung. Während es noch nicht lange her ist, daß jede Seele, auch wenn sie sich mit den zu jenen Zeiten gebräuchlichen Wissenschaften beschäftigte, überzeugt sein konnte von. dem Leben der Verstorbenen, wird der Mensch heute beirrt. Nicht allein beirrt werden diejenigen, die zweifeln, daß die Toten vorhanden sind, sondern beirrt werden auch die anderen Seelen, und das ist auch der Grund, weshalb die Anthroposophie in die Welt kommen mußte. Wir wissen, daß die Toten leben. Was wir in der Tiefe der Seelen bergen, darauf kommt es an und davon haben wir oft gar keine Ahnung. Wir alle stehen mitten darin im mechanischen Zeitalter, das uns die Eisenbahnen, Schiffe, Telegraphen und sonstige Erfindungen gegeben hat. Was heißt es zum Beispiel, in einer elektrischen Bahn zu fahren, im Gegensatz zu dem, daß man vor noch gar nicht langer Zeit noch nicht in einer elektrischen Bahn fahren konnte? Es heißt, man ist umgeben von einer rein mechanischen Zusammenfügung. Das erzeugt eine Imagination, doch kann sie unbewußt bleiben; aber sie ist da und wirkt in der Seele und ist geeignet, den Glauben an das Leben der Seele nach dem Tode uns zu rauben. Dieses Leben wird da mit den Wurzeln ausgerissen. Gegen die alten Postkutschen kam der Glaube noch auf, aber gegen die heutigen Verkehrsmittel nicht, da bedarf es größerer, stärkerer Kräfte.

[ 16 ] You see, in times when there was nothing to lead people astray, there was no real need for anthroposophy, but times change as humanity evolves. While it was not long ago that every soul, even if engaged in the sciences customary in those times, could be convinced of the life of the deceased, people today are led astray. It is not only those who doubt the existence of the dead who are led astray, but other souls as well, and that is also the reason why anthroposophy had to come into the world. We know that the dead live. What we hold deep within our souls is what matters, and we often have no idea about it at all. We are all in the midst of the mechanical age, which has given us railroads, ships, telegraphs, and other inventions. What does it mean, for example, to ride on an electric train, as opposed to the fact that not so long ago one could not ride on an electric train? It means one is surrounded by a purely mechanical assembly. This gives rise to an image, yet it may remain unconscious; but it is there and works upon the soul, and is capable of robbing us of our belief in the life of the soul after death. This life is thereby uprooted. Belief still arose in the face of the old stagecoaches, but not in the face of today’s means of transportation; for that, greater, stronger forces are required.

[ 17 ] Ich möchte jetzt ausgehen von etwas, was ich öfter gesagt habe. Manche wollen die anthroposophische Bewegung aufhalten. Als die erste Eisenbahn gebaut werden sollte, fragte man das Medizinalkollegium, was es in bezug auf die Gesundheit der Reisenden von dem Projekt hielte. Da äußerten die Ärzte schwere Bedenken gegen den Betrieb der Eisenbahn und rieten entschieden davon ab. Wenn man aber trotzdem die Bahn bauen wolle, so sei es unbedingt erforderlich, daß an der Strecke entlang hohe Bretterwände aufgestellt werden würden, sonst würden die Mitfahrenden durch die schnell wechselnden Bilder unzweifelhaft Gehirnerschütterungen bekommen. Aber dieses Gutachten konnte den Fortschritt nicht aufhalten, und ebensowenig wird durch die gegnerischen Bestrebungen die anthroposophische Bewegung aufgehalten werden können. Ich habe mich nicht etwa lustig machen wollen über das Medizinalkollegium, sondern ich wollte nur sagen, daß man durch ein solches Gutachten den Fortschritt nicht aufhalten kann; der nimmt seine Wege trotz seiner Gegner. In der Tat haben die Eisenbahnen die Menschen nervöser gemacht, und die Menschheit hat sich verändert durch die Eisenbahnen. Das ganze Gefüge des Seelenlebens ist ein anderes geworden, innerlicher wären die Menschen ohne die Eisenbahnen geblieben. Das Gutachten hatte zwar etwas aufgetragen, aber es hatte recht gehabt.

[ 17 ] I would now like to start with something I have said on several occasions. Some people want to stop the anthroposophical movement. When the first railroad was to be built, the Medical Board was asked what it thought of the project in terms of the health of the passengers. The doctors expressed serious concerns about the operation of the railroad and strongly advised against it. However, if the railroad were to be built anyway, they said it was absolutely necessary to erect high wooden walls along the track; otherwise, the rapidly changing scenery would undoubtedly cause passengers to suffer concussions. But this expert opinion could not halt progress, just as the anthroposophical movement cannot be halted by opposing efforts. I did not mean to make fun of the Medical Council, but I simply wanted to say that progress cannot be stopped by such an expert opinion; it follows its own course despite its opponents. In fact, the railroads have made people more nervous, and humanity has been transformed by the railroads. The entire structure of spiritual life has changed; without the railroads, people would have remained more inward-looking. The report had certainly caused some trouble, but it had been right.

[ 18 ] Der Gang der Erdenentwickelung ist so, daß es so kommen mußte, wie es gekommen ist. Die Anthroposophie wird nicht etwas zurückschrauben wollen, aber es wird klar sein, daß der Glaube gegen die alten Postkutschen aufkommen konnte, aber nicht gegen die Eisenbahnen.

[ 18 ] The course of Earth's evolution is such that things had to turn out the way they did. Anthroposophy does not seek to turn back the clock, but it will be clear that faith could arise in opposition to the old stagecoaches, but not to the railroads.

[ 19 ] Die Anthroposophie wirkt im Unterbewußtsein und der Glaube an die spirituelle Welt wird ein wichtiger Faktor für die Weiterentwickelung der Menschen sein. In den weitesten Kreisen ist der Glaube nicht mehr aufrichtig. Deshalb müssen die Gründe ins Feld geführt werden, die von der Anthroposophie ausfließen. Wenn wir dies beachten, dann finden wir, daß in älteren Zeiten die Menschen die spirituelle Hinneigung zu den Toten hatten, sie konnten ihnen eine genügende Kraft geben. Heute ist die spirituelle Erkenntnis notwendig und da sehen wir, daß der spirituelle Gedanke an das Fortleben der Seele angefeuert werden muß durch die Erkenntnis. Wir können sagen: Weil unsere Zeit eine gewisse Form angenommen hat, war es notwendig, Anthroposophie in diese Zeit einfließen zu lassen und diese Strömung wird es wieder möglich machen, daß die Lebenden sich verbunden fühlen können mit den Toten. Es braucht nicht trostlos der Mensch zu sein, weil er hier zurückbleibt, denn er kann ein Helfer werden den Verstorbenen.

[ 19 ] Anthroposophy works in the subconscious, and belief in the spiritual world will be an important factor in human development. In the broadest circles, belief is no longer sincere. Therefore, the reasons that flow from anthroposophy must be brought to the fore. If we consider this, we find that in earlier times people had a spiritual inclination toward the dead; they were able to give them sufficient strength. Today, spiritual insight is necessary, and we see that the spiritual idea of the soul’s survival must be inspired by this insight. We can say: Because our time has taken on a certain form, it was necessary to allow anthroposophy to flow into this era, and this current will once again make it possible for the living to feel connected to the dead. A person need not be desolate because they remain here, for they can become a helper to the departed.

[ 20 ] Helfer können aber auch uns die Hingestorbenen werden. Manche wissen sehr wohl, was sie den Toten verdanken. In bezug auf geistige Erkenntnis kann manches den Toten verdankt werden, und diese Erfahrung war zum Beispiel mir immer eine außerordentlich wichtige, daß Tote, früh Hingestorbene gerade Helfer waren. Dabei handelt es sich nicht immer darum, daß derjenige, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, hier auf der Erde nun intellektuell hervorragend gewesen sein müßte, wenn er den Lebenden helfen wollte. Oft sterben junge Kinder, und doch sind sie oft fortgeschrittene Seelen in der geistigen Welt und können uns vieles sagen. Wer die Sache nur intellektuell betrachtet, der wird nicht eindringen können in solche Geheimnisse.

[ 20 ] But those who have passed away can also become our helpers. Some people are well aware of what they owe to the dead. In terms of spiritual insight, much can be attributed to the dead, and this experience—for example, that the dead, especially those who died young, were precisely helpers—has always been extraordinarily important to me. It is not always the case that the one who has passed through the gate of death must have been intellectually outstanding here on earth in order to help the living. Young children often die, and yet they are often advanced souls in the spiritual world and can tell us many things. Those who view the matter purely intellectually will not be able to penetrate such mysteries.

[ 21 ] Ich sagte vorhin, die Toten können uns dies und jenes zeigen. Wie kommt das zustande? Ich will hier ein Beispiel anführen. Früher habe ich schon öfter gesagt, wie es sich verhält mit Raffaels Bild «Die Schule von Athen». Gewöhnlich werden die beiden mittleren Gestalten aufgefaßt als Plato und Aristoteles. Das ist eine falsche Darstellung, und wer sich nach der Art des Baedecker mit dem Bilde beschäftigt, welcher sagt, die einzelnen Figuren stellen diese oder jene Persönlichkeiten dar, der wird nicht viel aus dem bedeutenden Bilde herauslesen können. Die eine Gestalt nämlich ist Paulus, der in Athen auftritt unter den Philosophen. Mancherlei konnte mir klarwerden, wenn ich anhand der Akasha-Chronik zurückverfolgte, was Raffael zu dem Bilde geführt hatte. Ich hatte durch andere Forschungen die Überzeugung gewonnen, wie die Evangelien zustande gekommen sind — das hängt nicht zusammen mit der «Schule von Athen». Die Schreiber der Evangelien hatten da mitunter die Daten festgestellt nach den Sternen, hatten also Astrologie getrieben. Das ist eine Tatsache für sich und hat zunächst gar keinen Zusammenhang mit dem Bilde von Raffael. Nun hatte ich das Glück oder die Gnade: eine verhältnismäßig früh verstorbene Seele machte mich aufmerksam auf den Zusammenhang zwischen der rechten und linken Seite des Bildes und mir wurde gesagt, daß die Worte aus dem Lukas-Evangelium, welche auf dem Bilde gestanden hatten, später übermalt worden waren und Worte aus der pythagoreischen Schule darauf geschrieben wurden. Nun begreift man auch die Geste, daß drüben auf Sternenkunde hingewiesen wird mit dem Zirkel, und ich konnte feststellen, daß von Raffael rechts Sternenforschung gezeigt werden sollte. Und was da erkannt wurde, wurde auf der anderen Seite aufgeschrieben. Also wurden aus der Sternenkunde heraus Evangelien geschrieben. Nun, sehen Sie, es war mir wichtig, Sie auf das aufmerksam zu machen, wie der Zusammenhang zwischen Lebenden und Toten ist. Derjenige, der so etwas unternimmt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, kann den spirituellen Ereignissen so gegenüberstehen, wie ein Kind der Natur gegenübersteht. Es schaut die Natur an, aber es versteht sie nicht. Aber trotzdem kann es aus einer Intuition heraus wunderbare Dinge mitteilen.

[ 21 ] I mentioned earlier that the dead can show us this and that. How does this happen? I would like to give an example here. I have often spoken in the past about Raphael’s painting “The School of Athens.” Usually, the two central figures are interpreted as Plato and Aristotle. This is a misrepresentation, and anyone who approaches the painting in the manner of Baedecker—who claims that the individual figures represent this or that personality—will not be able to glean much from this significant work. For one of the figures is Paul, who appears among the philosophers in Athens. Many things became clear to me when I traced, with the help of the Akashic Records, what had led Raphael to create the painting. Through other research, I had come to understand how the Gospels came into being—this has no connection to “The School of Athens.” The writers of the Gospels had at times determined the dates based on the stars; they had, in other words, practiced astrology. That is a fact in itself and initially has no connection whatsoever with Raphael’s painting. Now I had the good fortune or grace: a soul who had passed away relatively young drew my attention to the connection between the right and left sides of the painting, and I was told that the words from the Gospel of Luke that had been on the painting had later been painted over, and words from the Pythagorean school had been written there instead. Now one also understands the gesture of pointing to astronomy over there with the compass, and I was able to determine that Raphael intended to depict astronomical research on the right. And what was recognized there was written down on the other side. Thus, Gospels were written based on astronomy. Well, you see, it was important to me to draw your attention to the connection between the living and the dead. One who undertakes such a task, having passed through the gate of death, can face spiritual events just as a child faces nature. It looks at nature but does not understand it. Yet, out of intuition, it can communicate wonderful things.

[ 22 ] Was man mit intellektuellen Gedanken entwickelt, das kommt nicht zu den Toten. Der Lebende muß dem Toten zur Verfügung stehen. Der Tote muß sich wenden können zu den Gedanken der Lebenden, und was er erlebt, muß geschaut werden können aus dem Spiegeln der Gedanken der Lebenden in ihm.

[ 22 ] What is developed through intellectual thought does not reach the dead. The living must be at the disposal of the dead. The dead must be able to turn to the thoughts of the living, and what they experience must be able to be seen reflected in the thoughts of the living within them.

[ 23 ] Anthroposophie würde nie in der geistigen Welt existieren, wenn die Menschen sie nicht auf der Erde erworben hätten. Darum ist es wahr, daß Eingeweihte, die auf der Erde arbeiten, auf diesem Umwege die Gedanken in ihrer Seele haben, und daß die Toten diese Gedanken hinnehmen können. Es kann nicht gesagt werden, wozu wollen wir den Toten vorlesen, da ja doch die Toten in der Welt leben, von der wir uns Gedanken machen. Kinder leben auch in der Welt, von der wir reden. Kinder haben auf der Erde nicht das, was die Wissenschaft bringt, aber Anthroposophie können sie in der geistigen Welt aufnehmen. Doch kann diese Anthroposophie nur von der Erde zu den Toten gelangen.

[ 23 ] Anthroposophy would never exist in the spiritual world if people had not acquired it on Earth. That is why it is true that initiates who work on Earth hold these thoughts in their souls through this indirect path, and that the dead are able to receive these thoughts. One cannot say, ‘Why should we read to the dead?’ since the dead do, after all, live in the world we are thinking about. Children also live in the world we are speaking of. Children do not have on Earth what science provides, but they can receive anthroposophy in the spiritual world. Yet this anthroposophy can only reach the dead from Earth.

[ 24 ] Ich hoffe, daß wir uns darin verstehen. Es zeigt sich in der Tat, daß der, der einem als Toter gegenübertritt, etwas in sich erlebt wie eine Sehnsucht. Er weiß aber nicht, worauf diese Sehnsucht hinaus will. Man kommt mit ihm zusammen, und wird man dadurch dazu geführt, daß man mit ihm in Beziehung tritt, so kann man in allen Verhältnissen mit den Toten wirken. Steht man in der spirituellen Weisheit, so ist sie durchleuchtet, und die Toten nehmen das Licht wahr. Nimmt aber die Seele keine spirituelle Weisheit in sich auf, so bleibt sie finster und die Toten können die Seele nicht wahrnehmen. Daß die Toten mit uns leben können, das hängt davon ab, was wir ihnen entgegenbringen können.

[ 24 ] I hope we understand each other on this point. It is indeed evident that the person who encounters a deceased individual experiences something within themselves akin to a longing. However, they do not know what this longing is leading toward. When one comes into contact with them, and if this leads one to enter into a relationship with them, then one can interact with the dead in all circumstances. If one stands in spiritual wisdom, it is illuminated, and the dead perceive the light. But if the soul does not take in spiritual wisdom, it remains dark, and the dead cannot perceive the soul. Whether the dead can live with us depends on what we can offer them.

[ 25 ] Das ist die andere Seite von dem, was wir heute morgen besprochen haben. Wir bringen das zustande, was den Toten innere Befriedigung gewährt, und das wird tatsächlich die schönste Frucht anthroposophischen Lebens und Wirkens, daß man nicht nur einen Glauben hat an das Leben der Toten, sondern daß immer mehr werden wird ein Wirken, ein seelisches Wirken, das die Toten anzieht. Und das wird für die Kulturentwickelung immer notwendiger werden. Der Mensch wird um so weniger verbunden bleiben mit dem, was ihm bleibt von dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt, je weniger er sich mit spiritueller Weisheit erfüllt. In der physischen Welt werden die Seelen immer mehr verarmen und erkalten müssen, wenn sie sich nicht dem spirituellen Leben zuwenden. Verinnerlicht werden sie nur durch den Verkehr mit der spirituellen Welt.

[ 25 ] This is the other side of what we discussed this morning. We bring about what grants the dead inner satisfaction, and this will indeed be the most beautiful fruit of anthroposophical life and work: that one not only has a belief in the life of the dead, but that there will increasingly be a working, a spiritual working, that attracts the dead. And this will become ever more necessary for cultural development. The less a person fills themselves with spiritual wisdom, the less they will remain connected to what remains to them of the life between death and a new birth. In the physical world, souls will have to grow ever poorer and colder if they do not turn to spiritual life. They are internalized only through communion with the spiritual world.

[ 26 ] Ein Gedanke wird stärkend in unserer Seele leben dürfen: daß unser Wirken nicht abgeschlossen zu sein braucht, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, nicht abgeschlossen für den Fortschritt der Kultur, daß wir vielmehr herunterwirken können, wenn man unten unser Wirken aufnehmen will. Würde die spirituelle Welt uns zugänglich sein, ohne daß der Mensch etwas dazu tun würde, so würde er lässig werden. Der Mensch muß schon etwas dazu tun. Das ist uns gerade ein Beweis für die Grundwahrheit, die uns aus der Anthroposophie heraus fließt.

[ 26 ] One thought should take root in our souls as a source of strength: that our work need not come to an end when we have passed through the gate of death, nor need it come to an end for the progress of culture; rather, we can continue to exert an influence from above if those below are willing to receive our work. If the spiritual world were accessible to us without human effort, people would become complacent. Human beings must make an effort. This is precisely proof of the fundamental truth that flows from anthroposophy.