Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Spirit World's Impact on the Physical World
The Influence of the Dead on the World of the Living
GA 150

21 December 1913, Bochum

Translate the original German text into any language:

7. Erdenwinter und Sonnen-Geistessieg

7. Earth Winter and the Victory of the Sun Spirit

[ 1 ] zur Einweihung des Vidar-Zweiges

[ 1 ] on the inauguration of the Vidar branch

[ 2 ] Zu unseren Freunden in Bochum sind eine Anzahl auswärtiger Freunde gekommen, um unter dem Weihnachtsbaum den hier begründeten Zweig unseres geistigen Strebens zu besuchen. Und zweifellos fühlen alle diejenigen, die von auswärts herbeigekommen sind, um heute zusammen mit unseren Bochumer Freunden den hier begründeten Zweig festlich einzuweihen, die Schönheit und die geistige Bedeutung des Entschlusses unserer Bochumer Freunde, hier in dieser Stadt, mitten in einem Felde materieller Tätigkeit, mitten in einem Felde, das gewissermaßen hauptsächlich dem äußeren Leben angehört, zu begründen diese Stätte geistigen Strebens und geistigen Fühlens. Und in vieler Beziehung kann uns gerade ein jeglicher unserer lieben Zweige, hier in dieser Gegend mehr als anderswo, ein Symbolum sein für die Bedeutung unserer Art anthroposophischen geistigen Lebens in der gegenwärtigen Zeit und für die Zukunft der Entwickelung der Menschenseelen.

[ 2 ] A number of friends from out of town have joined our friends in Bochum to visit the branch of our spiritual endeavor established here, gathered around the Christmas tree. And undoubtedly, all those who have come from afar to join our friends in Bochum today in festively inaugurating the branch established here feel the beauty and spiritual significance of our Bochum friends’ decision to establish this place of spiritual striving and spiritual feeling here in this city, in the midst of a field of material activity, in the midst of a field that, in a sense, belongs primarily to outer life. And in many respects, each and every one of our beloved branches, here in this region more than elsewhere, can serve as a symbol of the significance of our kind of anthroposophical spiritual life in the present time and for the future development of human souls.

[ 3 ] Wir stehen wahrhaftig nicht in irgend etwas, das wir kritisierend, abfällig betrachten dürfen, wenn wir mitten in einem Felde modernster materieller Tätigkeit stehen, denn wir stehen da vielmehr auf einem Gebiete, das uns gerade zeigt, wie es im späteren äußeren Erdenleben immer mehr und mehr werden muß. Wir würden uns nur unverständig zeigen, wenn wir sagen wollten: Alte Zeiten, in denen man gewissermaßen Wald und Wiese und das ursprüngliche Naturleben mehr um sich hatte als die Schornsteine der Gegenwart, sie möchten wieder heraufkommen. — Man würde sich nur unverständig zeigen. Denn man würde beweisen, daß man keinen Einblick hat in dasjenige, was die Weisen aller Zeiten genannt haben «die ewigen Notwendigkeiten, in die der Mensch sich zu finden hat». Gegenüber dem die Erde überdeckenden materiellen Leben, wie es insbesondere das 19. Jahrhundert heraufgebracht hat und welches die späteren Zeiten in noch viel umfassenderer Weise der Menschheit bringen werden, gegenüber diesem Leben gibt es keine aus einer Sympathie mit dem Alten genommene berechtigte Kritik, sondern gibt es einzig und allein die Einsicht, daß so das Schicksal unseres Erdenplaneten ist. Mag man die alten Zeiten von einem gewissen Standpunkte aus schön nennen, mag man sie betrachten wie eine Frühlings- oder Sommerzeit der Erde, zu wettern dagegen, daß auch andere Zeiten kommen, wäre ebenso unverständig, wie es unverständig wäre, unzufrieden damit zu sein, daß auf den Frühling und Sommer Herbst und Winter folgen. Deshalb müssen wir es schätzen und lieben, wenn aus einem innerlich mutigen Entschlusse heraus unsere Freunde gerade inmitten des allermodernsten Lebens und Treibens eine Stätte unseres geistigen Lebens schaffen. Und recht wird es sein, wenn alle diejenigen, die nur für den heutigen Tag diesem unserem Zweig ihren Besuch gebracht haben, weggehen mit dankbarem Herzen gerade für die schöne, in echt geisteswissenschaftlichem Sinne gehaltene Tätigkeit unserer Bochumer Freunde.

[ 3 ] We are certainly not standing in a situation that we can view critically or disparagingly when we find ourselves in the midst of a field of the most modern material activity; rather, we are standing in a realm that shows us precisely how things must increasingly become in later, external earthly life. We would only be showing ourselves to be foolish if we were to say: We wish to see a return to the old days, when one was, so to speak, surrounded more by forests and meadows and the original life of nature than by the smokestacks of the present. — One would only be showing oneself to be unwise. For one would be proving that one has no insight into what the sages of all ages have called “the eternal necessities into which humanity must find its way.” In contrast to the material life that covers the earth—as brought about in particular by the 19th century and which later times will bring to humanity in an even more comprehensive way—in contrast to this life, there is no justified criticism born of sympathy for the old, but there is solely the insight that such is the destiny of our planet Earth. One may, from a certain standpoint, call the old times beautiful; one may regard them as a spring or summer of the Earth; but to rail against the fact that other times are also coming would be just as unwise as it would be unwise to be dissatisfied that autumn and winter follow spring and summer. That is why we must appreciate and cherish it when, out of an innerly courageous resolve, our friends create a place for our spiritual life right in the midst of the most modern life and bustle. And it will be right if all those who have visited our branch today for the sake of the present moment depart with grateful hearts, especially for the beautiful work of our friends in Bochum, carried out in the true spirit of spiritual science.

[ 4 ] Das ist ja das so lieb-sympathische bei dem, was wir seit Jahren unsere «Zweigeinweihungen» nennen, daß sich bei solchen Gelegenheiten zu dem Kreis, der sich an irgendeinem Orte zusammengetan hat, auswärtige Freunde, oftmals von weither, finden. Dadurch geschieht es, daß diese auswärtigen Freunde zunächst in unmittelbarer Anschauung entzünden können das innere Feuer ihrer Dankbarkeit, das wir hegen müssen für alle diejenigen, die solche Zweige gründen, und daß auf der anderen Seite diese auswärtigen Freunde mitnehmen können den lebendigen Eindruck des Erlebten, der die Gedanken wach erhält, die wir dann von überallher der Arbeit eines solchen Zweiges zuwenden, damit diese Arbeit durch die schaffenden Gedanken von allen Seiten her fruchtbar werden kann. Wissen wir doch, daß das geistige Leben eine Wirklichkeit ist, wissen wir doch, daß Gedanken nicht nur dasjenige sind, was der Materialismus glaubt, sondern daß Gedanken lebendige Kräfte sind, die, wenn wir sie in Liebe vereinigen zum Beispiel über irgendeiner Stätte unseres Wirkens, dort sich entfalten, dort Hilfen sind.

[ 4 ] What is so endearing and appealing about what we have for years called our “branch initiations” is that on such occasions, friends from outside—often from far away—join the circle that has gathered in a particular place. As a result, these visiting friends are first able to kindle, through direct observation, the inner fire of gratitude that we must cherish for all those who establish such branches, and that, on the other hand, these visiting friends can take with them the vivid impression of the experience, which keeps alive the thoughts we then direct from all sides toward the work of such a branch, so that this work may bear fruit through the creative thoughts coming from every direction. For we know that spiritual life is a reality; we know that thoughts are not merely what materialism believes them to be, but that thoughts are living forces which, when we unite them in love—for example, over some place of our activity—unfold there and become a source of help.

[ 5 ] Und überzeugt möchte ich sein dürfen, daß auch von diesem heutigen Beisammensein diejenigen, die ihren Besuch hierher gebracht haben, mitnehmen den Impuls, oft und oft an die Stätte dieser unserer Arbeit zu denken, damit unsere Freunde hier fühlen können, wenn sie still unter sich beisammensitzen, sich vertiefend in dasjenige, was uns durch der Hierarchien Gnade an geistigen Erkenntnissen wird, damit unsere Freunde, wenn sie still wieder allein beisammensitzen, das Gefühl hegen dürfen, daß von allen Seiten her in ihren Arbeitsraum, ihren geistigen Arbeitsraum, die schaffenden Gedanken kommen.

[ 5 ] And I would like to be convinced that those who have come here today will take away from this gathering the impulse to think often and often of the place where we do our work, so that our friends here may feel, when they sit together quietly among themselves, immersing themselves in the spiritual insights granted to us through the grace of the Hierarchies, so that our friends, when they sit together again in quiet solitude, may cherish the feeling that creative thoughts are flowing into their workspace—their spiritual workspace—from all sides.

[ 6 ] Hinschauen auf dasjenige, was ist, und nicht eine unberechtigte Kritik am Sein üben, das lernen wir ja allmählich gerade durch unsere anthroposophische Weltanschauung. Ganz zweifellos müssen wir uns gestehen, die Erde macht eine Entwickelung durch. Und wenn wir, mit unseren anthroposophischen Kenntnissen ausgerüstet, ja schon wenn wir verständig mit dem, was wir außerhalb der anthroposophischen Kenntnisse wissen können, zurückblicken in frühere Zeiten der Erdenentwickelung, so erscheinen uns frühere Zeiten gegenüber der Erde, die durchfurcht ist von Eisenbahnen und durchsetzt ist von Telegraphendrähten, die durchwallt wird von jenen elektrischen Strömen so erscheinen uns diese Zeiten der Erde wie die Frühlings- und Sommerzeit, und die Zeiten, in die wir eintreten, wie die Herbst- und Winterzeit der Erde. Aber nicht ist es an uns, darüber zu klagen, sondern an uns ist es, dies eine Notwendigkeit zu nennen. Ebensowenig ist esan uns zu klagen, wie es nicht an dem Menschen ist zu klagen, wenn der Sommer zu Ende geht, daß Herbst und Winter kommen.

[ 6 ] To look at things as they are, rather than engaging in unwarranted criticism of existence—this is precisely what we are gradually learning through our anthroposophical worldview. We must undoubtedly admit to ourselves that the Earth is undergoing a process of development. And when we, equipped with our anthroposophical knowledge—indeed, even when we look back with discernment on earlier times in the Earth’s development using what we can know outside of anthroposophical knowledge— then those earlier times appear to us, in contrast to the Earth that is crisscrossed by railroads and interwoven with telegraph wires, that is surging with those electric currents—then these times of the Earth appear to us like spring and summer, and the times into which we are entering like the Earth’s autumn and winter. But it is not for us to lament this; rather, it is for us to call it a necessity. Just as it is not for us to lament this, so it is not for a person to lament when summer comes to an end and autumn and winter arrive.

[ 7 ] Wenn aber der Herbst und der Winter kommen, dann rüstete sich seit langen Jahrhunderten die Menschenseele, um das Zeichen für das Eintreten des lebendigen Wortes in die Erdenentwickelung in der Tiefe der Winternacht aufzurichten. Und damit zeigte das Menschenherz, zeigte die Menschenseele, daß geschaffen werden muß jenes Lebendige, das der Sommer von außen ohne des Menschen Zutun gibt, durch menschliches Zutun aus dem Inneren heraus.

[ 7 ] But when autumn and winter arrive, the human soul has, for centuries, prepared itself to raise the sign of the living Word’s entry into the development of the Earth in the depths of the winter night. And in this way, the human heart, the human soul, showed that what summer provides from without, without human intervention, must be created through human intervention from within.

[ 8 ] Erfreuen uns die sprießenden, sprossenden Frühlingskräfte, die von sanften Soemmerkräften, ohne unser Zutun, von außen abgelöst werden, deckt uns der Winter mit seiner Schneedecke dasjenige zu, was uns sonst, ohne unser Zutun, während des Sommers erfreut und immer erneut den Beweis bringt, daß göttlich-geistige Kräfte durch die Welt walten, so erhalten wir uns während der kalten finsteren Winterzeit dasjenige, was in den Winter hineingestellt ist als die sommerliche Zukunftshoffnung, die uns besagt, daß, so wie es nach jedem Winter Frühling und Sommer wird, so auch einstens, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird im Kosmos, wiederum ein neuer geistiger Frühling und Sommer kommen werden, die unsere schaffenden Kräfte mitgestalten. So errichtet sich das Menschenherz das Zeichen von dem ewig lebendigen Leben.

[ 8 ] While we delight in the sprouting, budding forces of spring, which are replaced from the outside by gentle summer forces without any action on our part, winter covers with its blanket of snow that which otherwise, without any action on our part, delights us during the summer and proves time and again that divine-spiritual forces rule the world, so during the cold, dark winter season we preserve within ourselves that which is placed within winter as the summer hope for the future, which tells us that just as spring and summer follow every winter, so too will a new spiritual spring and summer come once the Earth has reached its destination in the cosmos, which our creative powers will help to shape. Thus does the human heart erect the sign of eternal life.

[ 9 ] In eben diesem Zeichen von dem ewig lebendigen geistigen Leben fühlen wir uns heute vereinigt mit unseren Bochumer Freunden, ihren vor einiger Zeit hier gegründeten Zweig einzüweihen. Schön ist es, daß wir ihn gerade vor dem Weihnachtsfeste einweihen können.

[ 9 ] It is through this very sign of the eternally living spiritual life that we feel united today with our friends in Bochum as we dedicate their branch, which was founded here some time ago. It is wonderful that we are able to dedicate it just before the Christmas season.

[ 10 ] Es wird vielleicht manchem, der zunächst oberflächlich hört von alldem, was über den Christus Jesus durch unsere Geisteswissenschaft erkundet wird, was sich ihr offenbart über den Christus Jesus, es wird manchem vielleicht, der oberflächlich hinschaut, so erscheinen, als ob wir anstelle der früheren Einfachheit und Kindlichkeit des Weihnachtsfestes mit seiner Erinnerung an die schönen Szenen des Matthäusund Lukas-Evangeliums, etwas ungeheuer Kompliziertes setzen würden. Müssen wir doch die Menschenseele darauf aufmerksam machen, daß im Beginn unserer Zeitrechnung zwei Jesusknaben eingetreten sind in die irdische Entwickelung, müssen wir doch davon sprechen, wie das Ich des einen Jesusknaben herüberzog in die Leiber des anderen Jesusknaben, müssen davon sprechen, daß im dreißigsten Jahre des Jesuslebens sich die Christus-Wesenheit herabsenkte und drei Jahre in den Hüllen des Jesus von Nazareth lebte. Es könnte leicht scheinen, als ob all die Liebe, die Innigkeit, die die Menschen durch Jahrhunderte zu ihrem Heil aufzubringen wußten, wenn ihnen vorgeführt wurde das Jesuskind in der Krippe, umgeben von den Hirten, wenn zu ihren Ohren tönte das wunderbar eindringliche Weihnachtslied, wenn die Weihnachtsspiele da und dort gefeiert wurden, wenn die das kindlichste Herz erfreuenden Lichter am Tannenbaum erschienen, es könnte scheinen, daß gegenüber alldem, was so unmittelbar im Schauen das menschliche Herz zur Innigkeit, zur Frommheit, zur Liebe entzündet, als ob demgegenüber erlöschen müßte das warme Gefühl, die warme Empfindung, wenn man erst aufzunehmen hat die komplizierten Ideen von den beiden Jesusknaben, von dem Hinübergehen des einen Ich in die Leiber des anderen, von dem Heruntersenken einer göttlich-geistigen Wesenheit in die Leibeshüllen des Jesus von Nazareth. Doch dürfen wir uns solchen Gedanken nicht hingeben, denn schlimm wäre es, wenn wir nicht auf diesem Gebiet dem Gesetz der Notwendigkeit uns fügen wollten.

[ 10 ] It may seem to some who at first hear only superficially about all that is explored regarding Christ Jesus through our spiritual science—about what is revealed to it concerning Christ Jesus— it may seem to some who look at it superficially as though we were replacing the former simplicity and childlikeness of the Christmas festival—with its recollection of the beautiful scenes from the Gospels of Matthew and Luke—with something enormously complicated. For we must draw the human soul’s attention to the fact that at the beginning of our era, two Jesus-children entered into earthly development, we must speak of how the I of one Jesus-child passed over into the body of the other Jesus-child; we must speak of how, in the thirtieth year of Jesus’ life, the Christ-being descended and lived for three years in the physical form of Jesus of Nazareth. It might easily seem as though all the love, all the devotion that people have been able to muster over the centuries for their salvation—when the infant Jesus in the manger, surrounded by the shepherds, was presented to them; when the wonderfully stirring Christmas carol rang in their ears; when Christmas plays were celebrated here and there; when the lights on the Christmas tree, which delight even the most childlike heart, appeared— it might seem that in the face of all that so immediately kindles the human heart to devotion, piety, and love, the warm feeling, the warm sensation, must fade away when one must first take in the complex ideas of the two Jesus boys, of the passing over of one ego into the bodies of the other, of the descent of a divine spiritual being into the physical body of Jesus of Nazareth. Yet we must not indulge in such thoughts, for it would be a grave mistake if we were unwilling to submit to the law of necessity in this realm.

[ 11 ] Ja, meine lieben Freunde, in den Orten, die draußen lagen am Waldesrand oder inmitten der Äcker und Wiesen, zu denen herunter und hinein sprachen die schneebedeckten Berge und Fernen oder die weiten Ebenen und Seen, in jenen Orten, die nicht durchzogen waren von Schienensträngen und Telegraphendrähten, da konnten die Herzen wohnen, die unmittelbar entzündet waren, wenn die Krippe auferbaut wurde, und wenn erinnert wurde an dasjenige, was das Matthäus- und Lukas-Evangelium von der Geburt des wunderbaren Kindleins erzählte. Was in diesen Erzählungen enthalten ist, was geschehen ist auf Erden so, daß diese Erzählungen davon Zeugnis sind, das lebt und wird weiter leben. Nur braucht eine Zeit, welche eintritt, wir dürfen sagen, in den «Erdenwinter», eine Zeit der Eisenbahnen und Telegraphendrähte und der Essen, stärkere Kräfte in der Seele, um gegenüber dem äußeren Mechanismus, gegenüber der äußeren Materialität, Wärme und Innigkeit im Herzen zu entzünden. Es muß die Seele erstarken, um von der Wahrheit dessen, was geschehen ist zur Vorbereitung des Mysteriums von Golgatha, innerlich so überzeugt zu sein, daß es fest im Herzen lebt, wie auch äußerlich die mechanische Naturordnung in das Erdensein eingreifen möge. Anders durfte die Kunde von dem Kinde in Bethlehem dringen in die Seelen, die am Waldesrand, an Bergeshängen, an den Seen und inmitten der Äcker und Wiesen wohnen durften, anders muß die Kunde dringen von dem gleichen Wesen zu denjenigen, welche den neueren Daseinsbedingungen gewachsen sein müssen.

[ 11 ] Yes, my dear friends, in those places that lay on the edge of the forest or in the midst of fields and meadows, where the snow-capped mountains and distant horizons or the vast plains and lakes seemed to speak down to and into them—in those places that were not crisscrossed by railroad tracks and telegraph wires, there could dwell hearts that were immediately kindled when the manger was set up, and when what the Gospels of Matthew and Luke told of the birth of the wondrous little child was recalled. What is contained in these narratives, what happened on earth such that these narratives bear witness to it, that lives and will continue to live. But a time is needed—a time that is entering, we might say, the “earthly winter,” a time of railroads and telegraph wires and meals—that requires stronger forces in the soul to kindle warmth and intimacy in the heart in the face of external mechanism and external materiality. The soul must be strengthened so that it may be inwardly convinced of the truth of what happened in preparation for the Mystery of Golgotha, so that it lives firmly in the heart, no matter how much the mechanical order of nature may intervene in earthly existence. The news of the Child in Bethlehem had to reach the souls living at the edge of the forest, on mountain slopes, by the lakes, and amidst the fields and meadows in a different way; the news of the same Being must reach those who must rise to the challenge of the newer conditions of existence in a different way.

[ 12 ] Aus diesem Grunde geben uns für die heutigen Tage diejenigen, die wir nennen die Meister der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen von jenen höheren Zusammenhängen Kunde, die wir beachten müssen, wenn von dem Kinde von Bethlehem die Rede ist. Wir stehen dann mit unseren neueren Erkenntnissen nicht minder seelenerfüllt vor dem Weihnachtsbaum, weil wir anderes noch wissen müssen, als frühere Zeiten gewußt haben. Im Gegenteil, wir lernen besser verstehen diese früheren Zeiten, wir lernen verstehen, warum die Zukunftshoffnung und die zukunftssichere Freude aus den Augen sprach von jung und alt am Weihnachtsbaum und an der Krippe. Wir lernen verstehen, wie da noch mehr lebte, als was man so unmittelbar sehen konnte, wenn wir in unserem Sinne die Gründe uns darlegen, warum wir so tiefe, innige Liebe empfinden zu dem Kinde von Bethlehem. Den einen der Jesusknaben, den aus der nathanischen Linie des Hauses David, wir dürfen ihn im schönsten Sinne, im allerschönsten Sinne nennen «das Kind der Menschheit, das Menschenkind». Denn, was fühlen wir denn gegenüber diesem Kinde, dessen Wesenheit hindurchglänzt noch durch die Schilderungen des Lukas-Evangeliums?

[ 12 ] For this reason, those we call the Masters of Wisdom and Harmony of Feelings impart to us today knowledge of those higher connections that we must bear in mind when speaking of the Child of Bethlehem. We then stand before the Christmas tree no less filled with spiritual joy with our newer insights, because we must know things that were not known in earlier times. On the contrary, we come to understand those earlier times better; we come to understand why the hope for the future and the joy assured for the future shone in the eyes of young and old alike at the Christmas tree and the manger. We learn to understand how there was even more life there than what could be seen so immediately, when we explain to ourselves the reasons why we feel such deep, heartfelt love for the Child of Bethlehem. One of the Jesus children, the one from the Nathanic line of the House of David—we may call him, in the most beautiful sense, in the very most beautiful sense, “the Child of Humanity, the Child of Man.” For what do we feel toward this child, whose essence still shines through the descriptions in the Gospel of Luke?

[ 13 ] Die Menschheit hat ihren Ursprung genommen mit dem Erdenursprung. Aber viel ist über die Menschheit hingegangen im Laufe der lemurischen, der atlantischen und nachatlantischen Zeit. Und wir wissen, daß dies ein Abstieg war, daß vorhanden war für die Menschheit in der Urzeit ein Urwissen und Urschauen, ein Urzusammenhang mit den göttlich-geistigen Kräften, ein altes Erbgut eines Wissens des Zusammenhanges mit den Göttern. Immer mehr hat sich herabgestimmt dasjenige, was so aus göttlichen Wesenheiten in den Seelen der Menschen lebte. Die Menschen sind geworden so, daß sie im Laufe der Zeit immer weniger durch ihr unmittelbares Wissen ihren Zusammenhang mit dem göttlich-geistigen Urgrunde fühlten. Immer mehr wurden sie gewissermaßen herausgeworfen auf das Feld des bloßen materiellen Schauens, des Sinnenseins. Nur noch im anfänglichen Menschenleben, im Kindesleben wußte man die Unschuld zu verehren, zu lieben, die Unschuld des Menschen, der noch nicht aufgenommen hat die Niedergangskräfte der Erde.

[ 13 ] Humanity originated with the formation of the Earth. But much has been lost regarding humanity over the course of the Lemurian, Atlantean, and post-Atlantean eras. And we know that this was a descent; that in primeval times humanity possessed a primal knowledge and primal insight, a primal connection with the divine-spiritual forces, an ancient legacy of knowledge regarding the connection with the gods. That which lived in the souls of human beings as a result of divine beings has become increasingly attuned downward. Human beings have come to a point where, over time, they have felt their connection to the divine-spiritual source less and less through their direct knowledge. Increasingly, they were, so to speak, cast out into the realm of mere material perception, of sensory existence. Only in early human life, in childhood, did people know how to revere and love innocence—the innocence of the human being who has not yet absorbed the forces of the Earth’s decline.

[ 14 ] Wie sollte man aber, da wir jetzt wissen, daß mit dem einen der Jesusknaben eine Wesenheit auf die Erde kam, welche vorher nicht auf der Erde als solche war, welche eine Seele war, die nicht mitgemacht hat die übrige Erdenentwickelung der Menschheit — die ich ja dargestellt habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» —, die gleichsam zurückgehalten war in dem unschuldigen Zustand vor der luziferischen Versuchung, daß eine solche Seele, eine in einem viel, viel höheren Sinne als man gewöhnlich meint, kindliche Menschenseele, zur Erde gekommen ist, wie sollte man nicht diese Menschenseele erkennen als «das Kind der Menschheit»? Was wir Menschen selbst im zartesten Kindesalter nicht mehr an uns haben dürfen, weil wir ja in uns tragen die Ergebnisse unserer früheren Inkarnationen, was wir in keinem von uns noch erkennen können, selbst in dem Augenblicke nicht, wenn wir die Augen zuerst aufschließen auf dem Erdenfelde, in dem Kinde stellt es sich dar, das als der Lukas-Jesusknabe die Erde betrat. Denn es war ja in diesem Kinde eine Seele, die vorher nicht auf Erden aus einem Menschenleibe geboren worden war, die von den Menschenseelen zurückgeblieben war, als die Menschheitsentwickelung auf der Erde von neuem begann, die dazumal, im Beginn unserer Zeitrechnung, ganz im Kindheitsstadium des Menschen auf Erden erschien. Daher jenes wunderbare Ereignis, das uns die Akasha-Chronik enthüllt, daß dieses Kind, der nathanische Jesusknabe, unmittelbar nach seiner Geburt nur seiner Mutter verständliche Laute hervorbrachte, Laute, die nicht ähnlich waren einer der gesprochenen Sprachen der damaligen Zeit oder irgendeiner Zeit, aus denen aber herausklang für die Mutter erwas wie eine Botschaft aus Welten, die nicht die Erdenwelten sind, eine Botschaft aus höheren Welten. Daß dieses Jesuskind sprechen konnte, bei seiner Geburt alsbald sprechen konnte, das ist das Wunderbare!

[ 14 ] But how could one, now that we know that with the infant Jesus a being came to Earth who had not previously existed on Earth as such—a soul who had not participated in the rest of humanity’s earthly evolution—which I have, after all, described in my *Outline of Esoteric Science* —which was, as it were, held back in the innocent state prior to the Luciferic temptation—that such a soul, a human soul that is childlike in a much, much higher sense than is usually thought, has come to Earth, how could one not recognize this human soul as “the child of humanity”? What we humans, even in the earliest childhood, are no longer permitted to possess within ourselves—for we do, after all, carry within us the results of our previous incarnations—what none of us can yet recognize, not even at the very moment when we first open our eyes upon the earth, is manifested in the child who entered the earth as the boy Jesus of Luke. For in this child was a soul that had not previously been born on Earth from a human body, a soul that had been left behind by the human souls when the development of humanity on Earth began anew, a soul that appeared at that time, at the beginning of our calendar, in the very stage of human childhood on Earth. Hence that wondrous event revealed to us by the Akashic Records: that this child, the Nathanic Jesus-child, immediately after his birth uttered sounds comprehensible only to his mother, sounds that were unlike any of the spoken languages of that time or of any other time, but from which something sounded to the mother like a message from worlds that are not the earthly worlds, a message from higher worlds. That this child Jesus could speak, could speak immediately upon his birth—that is the miracle!

[ 15 ] Dann wuchs es heran so, als ob es konzentriert in seiner eigenen Wesenheit all dasjenige enthalten sollte, was an Liebe und Liebefähigkeit gewissermaßen alle Menschenseelen zusammen aufbringen konnten. Und die große Genialität der Liebe, das war es ja, was in dem Kinde lebte. Nicht lernen konnte es viel von dem, was Menschenkultur errungen hat im Erdenleben. Was im Lauf von Jahrtausenden errungen worden war von den Menschen, das konnte der nathanische Jesusknabe bis zu seinem zwölften Jahre wenig erleben. Weil er es nicht konnte, ging dann das andere Ich in ihn über in seinem zwölften Jahre. Aber alles dasjenige, was er berührte von frühester, zartester Kindheit an, war von der vervollkommneten Liebe berührt. Alle Eigenschaften des Gemütes, alle Eigenschaften des Gefühls, sie wirkten so, wie wenn der Himmel die Liebe auf die Erde gesendet hätte, damit in die Winterzeit der Erde hineingetragen werden könne ein Licht, das in die Dunkelheit der menschlichen Seele leuchtet, wenn die Sonne während dieser Winterzeit ihre volle äußere Kraft nicht entfaltet. Wenn später der Christus einzog in dieses Menschen Hülle, so müssen wir eingedenk sein, daß diese Christus-Wesenheit sich auf Erden nur verständlich machen konnte dadurch, daß sie zu wirken hatte durch diese Hüllen hindurch.

[ 15 ] Then it grew up as if it were meant to contain, concentrated within its own being, all the love and capacity for love that all human souls combined could muster, so to speak. And the great genius of love—that was what lived within the child. He could not learn much of what human culture had achieved in earthly life. What had been achieved by humanity over the course of millennia, the Nathanic Jesus-child experienced little of until his twelfth year. Because he could not, the other Self then entered into him in his twelfth year. But everything he touched from his earliest, most tender childhood was touched by perfected love. All the qualities of the mind, all the qualities of feeling, they worked as if Heaven had sent love to Earth so that a light might be carried into the Earth’s wintertime—a light that shines into the darkness of the human soul when the sun does not unfold its full outer power during this wintertime. When Christ later entered this human vessel, we must bear in mind that this Christ-being could make itself understood on Earth only by working through these vessels.

[ 16 ] Die Christus-Wesenheit ist kein Mensch. Die Christus-Wesenheit ist eine Wesenheit der höheren Hierarchien. Auf Erden mußte sie drei Jahre als Mensch unter Menschen leben. Dazu mußte ihr ein Mensch entgegengeboren werden von der Art, wie es von mir öfter geschildert worden ist für den nathanischen Jesusknaben. Und weil dieses Menschenkind nicht hätte aufnehmen können — da es ja vorher nicht betreten hatte die Erde, nicht hatte die Vorbildung früherer Inkarnationen —, weil es nicht hätte aufnehmen können, was äußere Kultur erarbeitet hat auf Erden, so ging in dieses Kind ein eine Seele, die in höchstem Sinne sich das erarbeitet hatte, was äußere Kultur bringen kann: die Zarathustra-Seele.

[ 16 ] The Christ Being is not a human being. The Christ Being is a being of the higher hierarchies. On Earth, it had to live for three years as a human among humans. To this end, a human being had to be born to it in the manner I have often described regarding the Nathanic Jesus child. And because this human child could not have absorbed—since it had not previously set foot on Earth, nor had the preparation of earlier incarnations—because it could not have absorbed what external culture has developed on Earth, a soul entered into this child that had, in the highest sense, developed what external culture can bring: the Zarathustra soul.

[ 17 ] Und so sehen wir den wunderbarsten Zusammenhang, als dann der Christus Jesus vor uns steht. Wir sehen das Zusammenwirken von diesem Menschenkinde, das des Menschen beste Erdenanwartschaft, die Liebe, herübergerettet hatte aus den Zeiten, in welchen der Mensch noch nicht der luziferischen Versuchung verfallen war, bis zum Beginn unserer Zeitrechnung, wo es zum erstenmal verkörpert auf Erden erschien, mit dem entwickeltsten Menschheitspropheten, mit Zarathustra, und mit jener geistigen Wesenheit, die ihre eigentliche Heimat bis zum Mysterium von Golgatha innerhalb der Reiche der höheren Hierarchien hatte, und die dann ihren Schauplatz auf Erden zu nehmen hatte, indem sie durch das Tor der Leiber des Jesus von Nazareth einzog in ihr Erdendasein. Dasjenige, was auf Erden das Höchste ist, und was wir nur in der Anlage in seiner Reinheit erschauen können in dem noch unschuldigen Blicke des Menschenwesens, aus dem Auge des Kindes, das brachte im allerhöchsten Maße das Menschenkind mit. Dasjenige, was auf Erden als Höchstes erreicht werden kann, das trug Zarathustra zu diesem Menschenkind bei. Und dasjenige, was die Himmel geben konnten der Erde, damit die Erde geistig empfange, was sie in jedem Sommer neu empfängt durch die verstärkte Kraft der Sonne, das empfing die Erde durch die Christus-Wesenheit.

[ 17 ] And so we see the most wondrous connection when Christ Jesus stands before us. We see the interplay between this Son of Man—who had preserved for humanity its greatest earthly asset, love, from the times when humanity had not yet succumbed to the Luciferic temptation—up to the beginning of our era, when he first appeared incarnated on Earth, with the most highly developed prophet of humanity, with Zarathustra, and with that spiritual being who, until the Mystery of Golgotha, had her true home within the realms of the higher hierarchies, and who then had to take her place on Earth by entering her earthly existence through the gateway of the body of Jesus of Nazareth. That which is the highest on Earth, and which we can only glimpse in its purity in the still innocent gaze of the human being, in the eye of the child—that is what the human child brought with it in the highest degree. That which can be attained on Earth as the highest, that is what Zarathustra contributed to this human child. And that which the heavens could give to the Earth, so that the Earth might receive spiritually what it receives anew each summer through the intensified power of the sun—that the Earth received through the Christ Being.

[ 18 ] Man wird nur verstehen lernen müssen, was mit der Erde alles geschehen ist. Und für unsere kommenden Zeiten wird die Seele schwellen können in Innigkeit, wird die Seele sich erkraften können durch eine Kraft, die stärker sein wird als alle Kräfte, die bisher sich angeschlossen haben an das Mysterium von Golgatha, in einer Zeit, die äußerlich wenig unterstützen kann das Erstarken jener Kräfte, die sich hinneigen zu des Menschen wahrer Quellkraft, zu des Menschen innerster Wesenheit, zum Verständnis dessen, wie diese Wesenheit erfließt aus dem Geistig-Kosmischen. Aber wir müssen uns erst, um solches voll zu verstehen, wiederum so zu verstehen, wie man einstmals verstand das Jesuskind am Weihnachtstage, wir müssen uns erst aufschwingen zur Erkenntnis des Geistes. Zeiten werden kommen, wo man gewissermaßen mit dem Auge der Seele hinschauen wird auf das Erdengeschehen. Dann wird man so manches sich sagen, was man sich heute in weitesten Kreisen noch nicht sagen kann, wozu uns heute nur die Geisteswissenschaft befähigt, so daß wir uns manches schon sagen können, was man sich heute in weitesten Kreisen noch nicht sagen kann.

[ 18 ] We will simply have to learn to understand everything that has happened to the Earth. And in the times to come, the soul will be able to swell with intimacy; the soul will be able to draw strength from a power that will be stronger than all the forces that have hitherto been connected to the Mystery of Golgotha, in a time that, outwardly, can offer little support to the strengthening of those forces that incline toward humanity’s true source of power, toward humanity’s innermost essence, toward an understanding of how this essence flows from the spiritual-cosmic. But in order to fully understand this, we must first understand ourselves anew, just as one once understood the Christ Child on Christmas Day; we must first rise to the knowledge of the Spirit. Times will come when one will, so to speak, look upon earthly events with the eye of the soul. Then people will say to themselves many things that cannot yet be said in the broadest circles today, things that only spiritual science enables us to do today, so that we can already say to ourselves many things that cannot yet be said in the broadest circles today.

[ 19 ] Wir sehen den Frühling heraufziehen. Wir sehen während des herankommenden Frühlings die aus der Erde sprießenden, sprossenden Pflanzen. Wir fühlen unsere Freude sich entflammen an dem, was da aus der Erde herauskommt. Wir fühlen die Kraft der Sonne stärker und stärker werden bis zu jener Höhe, wo sie unsere Leiber jauchzen macht, bis zur Johanni-Sonne, die gefeiert wurde in den nordischen Mysterien. Die Eingeweihten dieser Mysterien, sie wußten, daß die Johanni-Sonne sich über die Erde mit ihrer Wärme und ihrem Licht ergießt, um das Walten des Kosmos im Umkreise der Erde zu offenbaren. Wir schauen, wir fühlen das alles.

[ 19 ] We see spring approaching. As spring draws near, we see plants sprouting and budding from the earth. We feel our joy ignite at the sight of what is emerging from the earth. We feel the power of the sun growing stronger and stronger until it reaches the point where it makes our bodies rejoice, until the Midsummer Sun, which was celebrated in the Nordic mysteries. The initiates of these mysteries knew that the Midsummer Sun pours its warmth and light over the earth to reveal the workings of the cosmos in the sphere of the earth. We see, we feel all of this.

[ 20 ] Wohl schauen und fühlen wir während dieser Zeit auch noch anderes. Es krachen manchmal hinein Blitze und Donner in die Strahlen der Frühlingssonne, wenn Wolken diese Strahlen überziehen. Es ergießen sich unregelmäßig die Regengüsse über die Oberfläche der Erde. Und wir verspüren dann die unendliche, durch nichts zu beeinflussende harmonische Regelmäßigkeit des Sonnenganges, und die — nun, brauchen wir das Wort — wetterwendische Wirksamkeit der Entitäten, die auf der Erde wirken als Regen und Sonnenschein, als Gewitter, als andere Erscheinungen, die abhängen von allem möglichen unregelmäßigen Treiben, gegenüber dem durch nichts zu beeinflussenden regelmäßigen, harmonischen Wirken des Sonnenganges und seiner Folgen für die Entwickelung der Pflanzen und alles dessen, was auf der Erde lebt. Unendlich regelmäßige Harmonie der Sonnenwirksamkeit und das Wetterwendische wie Launische desjenigen, was unmittelbar in unserer Atmosphäre vorgeht, wir fühlen das wie eine Zweiheit.

[ 20 ] Of course, we see and feel other things as well during this time. Lightning and thunder sometimes crash into the rays of the spring sun when clouds cover those rays. Downpours pour irregularly over the surface of the earth. And we then sense the infinite, harmonious regularity of the sun’s course, which nothing can influence, and the—well, let us use the word—the capricious activity of the entities that act upon the earth as rain and sunshine, as thunderstorms, as other phenomena dependent on all manner of irregular activity, in contrast to the regular, harmonious course of the sun’s path—which nothing can influence—and its consequences for the development of plants and all that lives on earth. The infinitely regular harmony of the sun’s activity and the capricious and whimsical nature of what takes place directly in our atmosphere—we experience this as a duality.

[ 21 ] Dann aber, wenn der Herbst naht, fühlen wir das Absterben des Lebendigen, das Hindorren desjenigen, was uns erfreut. Und haben wir ein Mitgefühl mit der Natur, so werden unsere Seelen vielleicht traurig über die absterbende Natur. Die weckende, liebende Kraft der Sonne, dasjenige, was regelmäßig, harmonisch das Weltenall durchwallt, wird gleichsam unsichtbar, und dasjenige, was wir als das Wetterwendische bezeichneten, das siegt dann. Es ist wahr, was noch frühere Zeiten wußten, was unserer Materialität aus dem Bewußtsein geschwunden ist: daß zur Winterzeit der Egoismus der Erde siegt gegenüber den Kräften, die, durchdringend unsere Atmosphäre, aus dem weiten Weltensein auf unsere Erde herniederströmen und das Leben auf unserer Erde erwecken.

[ 21 ] But then, as autumn approaches, we sense the withering of life, the fading of that which brings us joy. And if we feel compassion for nature, our souls may grow sad at the sight of nature’s decline. The awakening, loving power of the sun—that which regularly and harmoniously surges through the universe—becomes, as it were, invisible, and that which we called the capriciousness of the weather then prevails. It is true what earlier times knew, what has faded from our consciousness due to our materialism: that in winter, the egoism of the Earth triumphs over the forces that, permeating our atmosphere, stream down upon our Earth from the vast cosmos and awaken life on our Earth.

[ 22 ] Und wie eine Zweiheit erscheint uns so die ganze äußere Natur. Ganz verschieden das Frühlings- und Sommerwirken und das Herbstund Winterwirken. Wie wenn die Erde selbstlos würde und sich hingeben würde der Umarmung des Weltenalls, aus dem ihr die Sonne Licht und Wärme zusendet und ihr Leben erweckt, wie ihre Selbstlosigkeit zeigend erscheint uns die Frühlings- und Sommererde. Wie ihren Egoismus zeigend, aus sich selber hervorzaubernd alles dasjenige, was sie in ihrer eigenen Atmosphäre enthalten und hervorbringen kann, so steht die Herbst- und Wintererde vor uns. Besiegend das Sonnenwirken, das Weltallwirken durch den Egoismus des irdischen Wirkens, so erscheint uns die Wintererde.

[ 22 ] And just as a duality appears to us, so does the whole of external nature. The workings of spring and summer are quite different from those of autumn and winter. As if the earth were becoming selfless and surrendering itself to the embrace of the universe, from which the sun sends it light and warmth and awakens its life—the earth of spring and summer appears to us as a manifestation of this selflessness. As if demonstrating its selfishness, conjuring forth from within itself all that it can contain and produce within its own atmosphere—so the earth of autumn and winter stands before us. Overcoming the workings of the sun and the universe through the egoism of earthly activity, the earth in winter appears to us.

[ 23 ] Und wenn wir mit dem Auge, das uns die geistige Forschung eröffnen kann, von der Erde weg und auf uns selber sehen, wenn wir überhaupt über das Materielle hinaus zu dem Geistigen schauen, dann erblicken wir noch etwas anderes. Wir wissen es: Ja, in dem, was im Frühlings- und Sommerringen um uns herum sich abspielt, und was so aussieht, als wenn nur in die Entfaltung der Sonnenkräfte hineinwirkten die wetterwendischen Kräfte der Erdenatmosphäre, in dem leben die elementarischen Geister, in dem leben unzählige geistige Wesenheiten, die in dem Elementarreich die Erde umspielen, niedere Geister, höhere Geister. Niedere Geister, die erdgebunden sind in dem elementarischen Reich, die es erdulden müssen während der Frühlings- und Sommerzeit, daß die höheren Geister, die aus dem Weltenall herniederströmen, eine größere Herrschaft ausüben, sie zu Dienern machen des Geistes, der von der Sonne herabströmt, zu Dienern machen die dämonischen Kräfte, die im Egoismus der Erde selber walten. Wir sehen während der Frühlings- und Sommerzeit der Erde, wie die Geister der Erde, der Luft, des Wassers, des Feuers Diener werden der kosmischen Geister, die ihre Kräfte herabsenden auf die Erde. Und verstehen wir den ganzen geistigen Zusammenhang der Erde und des Kosmos, dann gehen unseren Seelen während des Frühlings und Sommers diese Beziehungen auf und wir sagen uns: Du, Erde, zeigst uns dich selber, indem du dir die Geister, welche Diener des Egoismus sind, zu Dienern des Weltenalls, der kosmischen Geister machst, die das Leben hervorzaubern aus deinem Schoße, das du selbst nicht hervorzaubern könntest!

[ 23 ] And when we look away from the Earth and toward ourselves with the eye that spiritual research can open to us—when we look beyond the material realm toward the spiritual—we perceive something else as well. We know this: Yes, in what takes place around us in the spring and summer seasons, and which appears as though only the forces of the Earth’s atmosphere, which bring about changes in the weather, were working into the unfolding of the sun’s forces—in this live the elemental spirits; in this live countless spiritual beings that play around the Earth in the elemental realm—lower spirits, higher spirits. Lower spirits, who are earthbound in the elemental realm, who must endure during the spring and summer seasons that the higher spirits, streaming down from the cosmos, exercise greater dominion, making them servants of the spirit streaming down from the sun, making them servants of the demonic forces that reign within the earth’s own egoism. During the spring and summer of the Earth, we see how the spirits of the Earth, the air, the water, and the fire become servants of the cosmic spirits who send their powers down to the Earth. And when we understand the entire spiritual connection between the Earth and the cosmos, then these relationships become clear to our souls during spring and summer, and we say to ourselves: “You, Earth, reveal yourself to us by making the spirits who are servants of selfishness into servants of the universe, of the cosmic spirits, who conjure up life from your bosom—life that you yourself could not conjure up!”

[ 24 ] Dann schreiten wir der Herbst- und Winterzeit entgegen. Und dann spüren wir den Egoismus der Erde, spüren, wie mächtig jene Geister der Erde werden, die an diese Erde selber gebunden sind, die sich losgelöst haben vom Weltenall seit Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, spüren, wie sie sich abschließen gegenüber dem Wirken, das aus dem Kosmos hineinströmt. Wir fühlen uns in der egoistisch sich erlebenden Erde. Und dann halten wir vielleicht Einschau in uns selbst. Da prüfen wir unsere Seele mit ihrem Denken, Fühlen und Wollen, prüfen sie ernstlich und fragen uns: Wie tauchen aus den Untergründen unserer Seele Gedanken auf? Wie tauchen erst unsere Gefühle, Affekte und Empfindungen auf? Haben sie jene Regelmäßigkeit, mit der die Sonne durch das Weltenall zieht und der Erde die aus ihrem Schoß hervorsichzaubernden Lebenskräfte leiht? — Das haben sie nicht. Die Kräfte, die in unserem Denken, Fühlen und Wollen sich zeigen im Alltag, sie sind schon ihrer Außenseite nach ähnlich dem wetterwendischen Treiben in unserer Atmosphäre. So wie Blitz und Donner hereinbrechen, so brechen die menschlichen Leidenschaften herein in die Seele. So wie kein Gesetz regelt Regen und Sonnenschein, so brechen die menschlichen Gedanken aus den Tiefen der Seele herauf. Mit dem, wie Wind und Wetter wechseln, müssen wir äußerlich schon unser Seelenleben vergleichen, nicht mit der Regelmäßigkeit, mit der die Sonne unsere Erde beherrscht. Da draußen sind es die Luft- und Wassergeister, die Feuer- und Erdgeister, die da wirken im elementarischen Reiche, und die eigentlich den Egoismus der Erde darstellen. In uns selber sind es die elementarischen Kräfte. Aber diese wechselnden Kräfte in uns, die unser Alltagsleben regeln, das sind Embryonen, sind Keimwesen, die, nur als Keim, aber doch als Keim gleichen den elementarischen Wesen, die draußen in allem Wetterwendischen enthalten sind. Wir tragen die Kräfte derselben Welt in uns, indem wir denken, fühlen und wollen, die als dämonische Wesen im elementarischen Reich in Wind und Wetter draußen leben.

[ 24 ] Then we move toward the autumn and winter seasons. And then we sense the earth’s selfishness, feel how powerful those spirits of the earth become who are bound to this earth itself, who have detached themselves from the universe since the times of Saturn, the Sun, and the Moon; we feel how they close themselves off from the forces flowing in from the cosmos. We feel ourselves within the Earth as it experiences itself in an egoistic way. And then we may look inward. There we examine our soul with its thinking, feeling, and willing, examine it earnestly and ask ourselves: How do thoughts emerge from the depths of our soul? How do our feelings, emotions, and sensations first arise? Do they possess that regularity with which the Sun traverses the cosmos and lends the Earth the life forces that spring forth from its bosom? — They do not. The forces that manifest in our thinking, feeling, and willing in everyday life are, even in their outward appearance, similar to the capricious activity in our atmosphere. Just as lightning and thunder break in, so do human passions break into the soul. Just as no law governs rain and sunshine, so do human thoughts burst forth from the depths of the soul. We must compare our inner life externally to the way wind and weather change, not to the regularity with which the sun governs our Earth. Out there, it is the spirits of air and water, the spirits of fire and earth, that are at work in the elemental realm, and that actually represent the egoism of the Earth. Within ourselves, it is the elemental forces. But these changing forces within us, which govern our daily life, are embryos, are germ-like beings that, though only as a germ, yet as a germ, resemble the elemental beings contained in all the changing weather outside. We carry within us the forces of the same world—forces that live as demonic beings in the elemental realm in the wind and weather outside—as we think, feel, and will.

[ 25 ] Als die Zeiten herannahten, in denen die Menschen, die an der Zeitenwende der alten und neuen Zeit standen, fühlten: Es kommt eine solche Zeit, die an die Winterzeit der Erde erinnert —, ja da gab es unter diesen Menschen solche Lehrer, solche Weise, die die Zeichen der Zeit zu deuten verstanden, welche aufmerksam machten darauf: Wenn auch unser inneres Seelenleben gleicht der wetterwendischen Wirksamkeit der Außenwelt und so wie da der Mensch weiß: Hinter dieser Wirksamkeit der Außenwelt, besonders im Herbst und Winter, scheint doch die Sonne, lebt und webt die Sonne im Weltenall, sie wird wieder kommen —, so darf der Mensch auch festhalten an dem Gedanken, daß gegenüber seinem eigenen Wetterwendischen, das in seiner Seele lebt, eine Sonne vorhanden ist, tief, tief in jenen Gründen, wo der Quell unserer Seele sprudelt aus dem Quell der Welt selber. Darauf haben aufmerksam gemacht die Weisen an der Zeitenwende, daß so, wie die Sonne wieder erscheinen und ihre Kraft wieder gewinnen muß gegenüber dem Egoismus der Erde, so auch aus jenen Tiefen unserer Seele heraus Verständnis sich wird entwickeln müssen für das, was zu dieser Seele herandringen kann aus den Quellen, wo diese Seele in ihrem Leben selber zusammenhängt mit der geistigen Sonne der Welt, so wie das Erdenleben mit der physischen Sonne der Welt zusammenhängt.

[ 25 ] As the time approached when people standing at the turning point between the old and new eras sensed: A time is coming that recalls the winter season of the Earth—indeed, among these people there were teachers and sages who understood how to interpret the signs of the times, who drew attention to the fact that: Even if our inner soul life resembles the capricious activity of the outer world, and just as there the human being knows: Behind this activity of the outer world, especially in autumn and winter, the sun still shines, the sun lives and weaves in the universe, it will come again—so too may human beings hold fast to the thought that, in contrast to their own capriciousness, which lives in their soul, a sun exists, deep, deep in those depths where the spring of our soul bubbles forth from the spring of the world itself. The sages at the turn of the ages drew attention to this: just as the sun must reappear and regain its power in the face of the earth’s selfishness, so too must understanding develop from those depths of our soul for what can reach this soul from the sources where this soul, in its own life, is connected to the spiritual sun of the world, just as earthly life is connected to the physical sun of the world.

[ 26 ] Erst war dies ausgesprochen wie eine Hoffnung, indem man hinwies auf das große Symbolum, das die Natur selber darbot. Es wurde so ausgesprochen, daß man für jene Tage, wo die Sonne wieder ihre Kraft bekommt, die Wintersonnenwende zur Feier ansetzte, die Zeit, von der man sich sagte: Und wie sich auch mag der Egoismus der Erde entfalten, sieghaft ist die Sonne über den Egoismus der Erde. Es dringen hinein wie durch das Dunkel einer Weihenacht in die Welt der elementarischen Geister, die den Egoismus der Erde darstellen, die Geister, die von der Sonne herüberkommen und die uns zeigen, wie sie die egoistischen Geister der Erde zu ihren Dienern machen.

[ 26 ] At first, this was expressed as a hope, pointing to the great symbol that nature itself provided. It was expressed in such a way that the winter solstice was set as a time of celebration for those days when the sun would regain its strength—the time of which it was said: And however the egoism of the Earth may unfold, the Sun is victorious over the egoism of the Earth. Just as through the darkness of a Christmas Eve, the spirits of the elemental world—who represent the egoism of the Earth—are penetrated by the spirits coming from the Sun, who show us how they make the egoistic spirits of the Earth their servants.

[ 27 ] Erst fühlte man es wie eine Hoffnung. Und als der große Zeitenwendepunkt gekommen war, wo wirklich sonst Trostlosigkeit und Ode in den Menschenseelen hätten erscheinen müssen, da bereitete sich das Mysterium von Golgatha vor. Da zeigt sich auf dem geistigen Gebiet: Ja, im Inneren des Menschen leben solche Kräfte, welche nur zu vergleichen sind mit den wetterwendischen Kräften der Erdenatmosphäre, mit dem Erdenegoismus. Sie zeigten sich in alten Zeiten, wo die Menschen noch das Erbstück aus den alten Götterkräften in sich trugen, wie jene Kräfte, die im Frühling und Sommer sich zeigen: sie waren Diener der alten Götterhierarchien. Aber in der Zeit, da es gegen das Mysterium von Golgatha hinging, wurden die inneren Kräfte der Menschenseelen immer mehr und mehr so, wie die äußeren dämonischen elementarischen Geister im Herbst und Winter sind. Entreißen sollten sich diese unsere Kräfte den alten Götterströmungen und Wirksamkeiten, wie sich im Winter entziehen die wetterwendischen Kräfte unserer Erde dem Sonnenwirken. Und da trat denn für den Menschen in seiner Erdenentwickelung dasjenige ein, was man immer schon hoffend symbolisch sich darstellte in dem Sieg der Sonne über die Winterkräfte, da trat ein die Weltenwinterwende, in der die geistige Sonne das durchmachte für die ganze Erdenentwickelung, was die physische Sonne zur Wintersonnenwende immer durchmacht. Das sind die Zeiten, in die das Mysterium von Golgatha fiel.

[ 27 ] At first, it felt like a hope. And when the great turning point in history arrived—a time when despair and desolation should truly have taken hold in the human soul—the Mystery of Golgotha was already taking shape. Then it became evident in the spiritual realm: Yes, within the human being live such forces that can only be compared to the weather-changing forces of the Earth’s atmosphere, to Earth’s egoism. They manifested themselves in ancient times, when people still carried within them the legacy of the old divine forces, like those forces that appear in spring and summer: they were servants of the old divine hierarchies. But in the time leading up to the Mystery of Golgotha, the inner forces of human souls became more and more like the outer demonic elemental spirits of autumn and winter. These forces of ours were to tear themselves away from the old divine currents and influences, just as the weather-changing forces of our Earth withdraw from the sun’s influence in winter. And so, for humanity in its earthly evolution, what had always been symbolically represented in hope as the victory of the sun over the winter forces came to pass; the winter solstice of the world arrived, in which the spiritual sun underwent for the entire development of the Earth what the physical sun always undergoes at the winter solstice. These are the times into which the Mystery of Golgotha fell.

[ 28 ] Zwei Erdenzeiten müssen wir wirklich unterscheiden. Eine Zeit vor dem Mysterium von Golgatha, wo es durch den Sommer der Erde gegen den Herbst zu geht, wo die inneren Kräfte der Menschen immer mehr und mehr den wetterwendischen Kräften der Erde ähnlich werden, und das große Weihnachtsfest der Erde, die Zeit des Mysteriums von Golgatha, wo hereinbricht über die Erde dasjenige, was ja allerdings Winterzeit der Erde ist, aber wo aus der Dunkelheit heraus der sieghafte Geist der Sonne, der Christus, der Erde sich nähert, der den Seelen innerlich das bringt, was die Sonne äußerlich an Wachstumskräften der Erde bringt.

[ 28 ] We must truly distinguish between two periods of Earth’s history. A time before the Mystery of Golgotha, when Earth is moving from summer toward autumn, and the inner forces of human beings are becoming more and more like the changing forces of the Earth’s weather, and the great Christmas festival of the Earth, the time of the Mystery of Golgotha, when that which is indeed the Earth’s winter season descends upon the Earth, but when, out of the darkness, the victorious Spirit of the Sun, the Christ, approaches the Earth, bringing to souls inwardly what the Sun brings outwardly to the Earth in the form of forces of growth.

[ 29 ] So fühlen wir so recht unser ganzes menschliches Erdenschicksal, unser innerstes menschliches Wesen, wenn wir am Weihnachtsbaum stehen. So fühlen wir uns innig verbunden mit dem Menschenkinde, das Botschaft herüberbrachte aus jener Zeit, wo die Menschheit noch nicht der Versuchung und damit der Anlage zum Niedergang verfallen war, das Botschaft brachte davon, daß ein Aufstieg wieder beginnen werde, wie in der Wintersonnenwende der Aufstieg beginnt. Wir fühlen gerade an diesem Tage so recht die innige Verwandtschaft des Geistigen im Inneren der Seele mit dem Geiste, der alles durchwebt und durchwallt, der äußerlich sich ausdrückt in Wind und Wetter, aber auch in dem regelmäßigen, harmonischen Gang der Sonne, innerlich sich ausdrückt in dem Gang der Menschheit über die Erde hin, in dem großen Feste von Golgatha.

[ 29 ] This is how we truly feel the full weight of our human destiny on Earth, our innermost human nature, when we stand before the Christmas tree. This is how we feel deeply connected to the Child of Man who brought the message from that time when humanity had not yet succumbed to temptation and thus to the predisposition toward decline; the message proclaimed that an ascent would begin anew, just as the ascent begins at the winter solstice. On this very day, we truly feel the intimate kinship of the spiritual within the soul with the Spirit that weaves through and surges through all things, expressing itself outwardly in wind and weather, but also in the regular, harmonious course of the sun, and inwardly in the course of humanity across the earth, in the great festival of Golgotha.

[ 30 ] Sollte die Menschheit nicht gegen die Zukunft hin aus diesen Gedanken heraus — die keine Gedanken bleiben sollten, die Gefühle und Empfindungen werden können —, eine neue Frömmigkeit entwickeln, eine innige innere Frömmigkeit, eine Frömmigkeit, welche sich nicht abstumpfen kann auch gegenüber dem äußersten Mechanismus, wie der sich immer mehr und mehr auf Erden entfalten muß? Sollten nicht wiederum Weihnachtsgebete, Weihnachtsgesänge möglich sein, auch in der abstrakt gewordenen, von Telegraphendrähten und Rauch erfüllten Erdenatmosphäre, wenn die Menschheit fühlen lernen wird, wie sie verbunden ist mit den göttlich-geistigen Mächten in ihren Tiefen, dadurch daß sie in ihren Tiefen ahnt das große Weihnachtsfest der Erde mit der Geburt des Lukas-Jesusknaben?

[ 30 ] Shouldn’t humanity, looking toward the future and drawing from these thoughts—which should not remain mere thoughts but become feelings and sensations—develop a new piety, a deep inner piety, a piety that cannot become numb even in the face of the most extreme mechanization, as that must unfold more and more on Earth? Should not Christmas prayers and Christmas carols be possible once again, even in the abstracted atmosphere of the Earth, filled with telegraph wires and smoke, when humanity learns to feel how it is connected to the divine-spiritual powers in its depths, by sensing in those depths the great Christmas celebration of the Earth with the birth of the boy Jesus of Luke?

[ 31 ] Wahr ist es, was auf der einen Seite uns durch alle menschliche Erdengeschichte tönt: daß einmal kommen mußte das große Weihnachtsfest der Erde, das das Osterfest von Golgatha vorbereitete, Wahr ist es, daß dieses einmalige Ereignis auftreten mußte als der Sieg des Sonnengeistes über die wetterwendischen Erdengeister. Wahr ist es auf der anderen Seite, was Angelus Silesius sagte: «Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.» Wahr ist es, daß wir in uns finden müssen in jenen Tiefen unserer Seele, das, wodurch wir den Christus Jesus verstehen.

[ 31 ] It is true what resounds through all of human history on Earth: that the great Christmas celebration of the Earth, which prepared the way for the Easter celebration of Golgotha, was bound to come. It is true that this unique event had to occur as the victory of the Sun Spirit over the capricious spirits of the Earth. It is true, on the other hand, what Angelus Silesius said: “If Christ is born a thousand times in Bethlehem, and not within you, you will remain lost forever.” It is true that we must find within ourselves, in the depths of our soul, that which enables us to understand Christ Jesus.

[ 32 ] Aber wahr auch ist es, daß anders in den Orten am Waldesrande, am Seeufer, umgeben von Bergen, die Menschen nach einem auf dem Acker und der Weide vollbrachten Sommer dem Symbolum des ChristusKindes entgegenschauen durften, daß sie anderes noch in ihren Seelen fühlten als wir, die wir die Kraft, die Weihnachtsbotschaft zu empfinden, auch fühlen müssen gegenüber unserer rauchigen, trockenen, abstrakt-mechanisch gewordenen Zeit. Können in unseren Herzen diese starken Gedanken wurzeln, die uns die Geisteswissenschaft geben kann, dann wird eine Sonnenkraft aus diesen unseren Herzen hervorkommen, die imstande sein wird, hineinzuleuchten in die ödeste äußere Umgebung, hineinzuleuchten mit der Kraft, die sein wird, wie wenn sich in ‘unserem Inneren selber Licht auf Licht entzündete am Baume unseres Seelenlebens, den wir, weil seine Wurzeln die Wurzeln unserer Seele selbst sind, immer mehr und mehr in dieser Winterzeit selber zum Weihnachtsbaume umgestalten sollen. Wir können es, wenn wir nicht bloß als Theorie, wenn wir als unmittelbares Leben in uns aufnehmen dasjenige, was uns die Botschaft des Geistes, was uns die wahre Anthroposophie sein kann. So wollte ich die Gedanken des Weihnachtsfestes aus unserer Geisteswissenschaft hineinholen in den Raum, den wir heute weihen wollen für die Arbeit, die ja schon seit längerer Zeit unsere lieben Freunde hier leisten.

[ 32 ] But it is also true that, unlike in the villages on the edge of the forest, on the shores of lakes, surrounded by mountains, people were able to gaze upon the symbol of the Christ Child after a summer spent working the fields and pastures, they felt something different in their souls than we do—we who must also feel the power to perceive the Christmas message in the face of our smoky, dry, abstract, and mechanized times. If these powerful thoughts that spiritual science can give us take root in our hearts, then a solar power will emerge from our hearts that will be able to shine into the bleakest of external surroundings, to shine with a power that will be as if, within our very inner being, light were kindling upon light on the tree of our soul life—a tree which, because its roots are the roots of our own soul, we are to transform more and more into a Christmas tree ourselves during this winter season. We can do this if we take in—not merely as theory, but as immediate life within us—that which the message of the Spirit, that which true anthroposophy, can be for us. Thus I wished to bring the thoughts of the Christmas festival from our spiritual science into the space we wish to consecrate today for the work that our dear friends here have been performing for quite some time now.

[ 33 ] Auf den Namen jener Gottheit, die im Norden angesehen wird als die Gottheit, die wiederbringen soll verjüngende Kräfte, geistige Kindheitskräfte der altwerdenden Menschheit, zu dem hin sich neigen gerade nordische Seelen, wenn sie sprechen wollen von dem, was, vom Christus Jesus-Wesen ausfließend, unserer Menschheit neue Botschaft einer Verjüngung bringen kann, auf diesen Namen wollen unsere Freunde hier ihre Arbeit und ihren Zweig weihen. «Vidar-Zweig» wollen sie ihn nennen. Möge dieser Name verheißungsvoll sein, wie verheiRungsvoll für uns ist, die wir verstehen wollen die Arbeit, die hier geleistet wird, dasjenige, was aus liebenden, aus geistliebenden Seelen hier schon geleistet wurde und zu leisten beabsichtigt ist. Wollen wir so recht tief schätzen, was unsere Bochumer Freunde hier versuchen, und wollen wir ihrem Zweig und ihrer Arbeit die Weihe, die heute zugleich eine Christweihe sein soll, dadurch geben, daß wir unsere schönsten, unsere liebevollsten Gedanken hier entfalten für den Segen, für die Kraft und für die echte, wahre, geistige Liebe zu dieser Arbeit. Wenn wir so fühlen können, dann begehen wir mit unseren Bochumer Freunden dieses heutige Fest der Namengebung des «Vidar»-Zweiges im rechten Sinne.

[ 33 ] In the name of that deity who, in the North, is regarded as the one who is to restore rejuvenating powers—the spiritual powers of childhood to an aging humanity—toward whom Nordic souls in particular turn when they wish to speak of that which, flowing from the being of Christ Jesus, can bring our humanity a new message of rejuvenation—to this name our friends here wish to dedicate their work and their branch. They wish to call it the “Vidar Branch.” May this name be as promising as is the promise for us who wish to understand the work being done here—that which has already been accomplished here by loving, spirit-loving souls and which is intended to be accomplished. Let us deeply appreciate what our friends from Bochum are attempting here, and let us consecrate their branch and their work—a consecration that is also to be a Christ-consecration today—by unfolding our most beautiful, our most loving thoughts here for the blessing, for the strength, and for the genuine, true, spiritual love for this work. If we can feel this way, then we will celebrate today’s naming ceremony of the “Vidar” branch with our friends from Bochum in the true sense.

[ 34 ] Und lassen wir unsere Gefühle hinaufdringen zu denen, die wir da nennen die Leiter und Lenker unseres spirituellen Lebens, zu den Meistern der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen, und erflehen wir ihren Segen für die Arbeit, die sich hier in dieser Stadt durch unsere Freunde entfalten soll:

[ 34 ] And let us lift our feelings up to those we call the guides and leaders of our spiritual life, to the masters of wisdom and harmony of the senses, and let us implore their blessing for the work that is to unfold here in this city through our friends:

Ihr, die Ihr das geistige Leben leitet, und gebet den Menschen
je nach den Epochen, was der Mensch braucht,
Ihr arbeitet mit, wenn hingebungsvoll dem geistigen Leben
unsere Freunde hier in dieser Stadt dienen.

You who guide spiritual life, and pray for people
according to the times, for what people need,
you are contributing when you devotedly serve spiritual life
alongside our friends here in this city.

[ 35 ] Solches möchten wir als Gebet zu den geistigen Leitern, den höheren Hierarchien in diesem Augenblick, der in zwiefacher Beziehung feierlich ist, hinaufsenden. Und hoffen dürfen wir, daß walten werde über diesem Zweige dasjenige, was verheißen ist, trotz aller Widerstände, die sich immer mehr und mehr auftürmen, trotz aller Hemmnisse und Gegnerschaften, was verheißen ist unserer Arbeit: daß durch sie das Christus-Geheimnis in der Weise, wie es geschehen muß, der Menschheit neuerdings einverleibt werde.

[ 35 ] We would like to send this up as a prayer to the spiritual guides, the higher hierarchies, at this moment, which is solemn in two respects. And we may hope that what has been promised will prevail over this branch, despite all the resistance that is piling up more and more, despite all the obstacles and opposition—what has been promised to our work: that through it, the Mystery of Christ will once again be incorporated into humanity in the way it must be.

[ 36 ] Daß dies walten möge, das sei heute unser Weihnachtsgeber: daß auch dieser Zweig werden mag ein lebendiger Zeuge dessen, was als Kraft in die Menschheitsentwickelung aus höheren Welten hineinfließt und immer mehr und mehr den Menschenseelen das Bewußtsein geben kann von der Wahrheit der Worte:

[ 36 ] May this be our Christmas wish today: that this branch, too, may become a living witness to the forces flowing into the development of humanity from higher worlds, and may increasingly awaken in human souls an awareness of the truth of these words:

Es sprechen zu den Sinnen
Die Dinge in den Raumesweiten,
Sie wandeln sich im Zeitenstrome;
Erkennend dringt die Menschenseele,
Von Raumesweiten unbegrenzt
Und unerreicht vom Zeitenstrom,
Ins Reich der Ewigkeiten ein.

They speak to the senses
The things in the vastness of space,
They change in the flow of time;
With insight, the human soul penetrates,
Unlimited by the vastness of space
And untouched by the flow of time,
Into the realm of eternity.

[ 37 ] Von diesem Gefühl durchdrungen, werden unsere lieben Bochumer Freunde hier an ihre Arbeit schreiten. Von diesem Gefühl durchdrungen werden diejenigen, die nunmehr durch ihr Beisammensein mit ihnen konkret wissen von ihrem Arbeiten, oft und oft an diese Arbeit denken. Können ja doch diese Gedanken ihre besondere Kraft noch dadurch entfalten, daß wir der Arbeit die Weihe geben durften unmittelbar vor dem Weihnachtsfest dieses Jahres, vor dem Feste, das uns immer ein Symbol sein kann für alles dasjenige, was der Geist Sieghaftes hat über das Materielle, über alle Widerstände, die ihm irgendwie in der Welt entgegentreten können und entgegentreten müssen.

[ 37 ] Imbued with this feeling, our dear friends in Bochum will now set to work here. Imbued with this feeling, those who, through their association with them, now have concrete knowledge of their work will think of it time and again. Indeed, these thoughts can unfold their special power all the more because we were able to consecrate the work immediately before this year’s Christmas, before the festival that can always be a symbol to us of all that the spirit has in common with victory over the material, over all the resistance that can and must oppose it in the world in any way.