How does one Develop an Understanding of the Spiritual World
The influx of spiritual impulses from the world of the deceased
GA 154
18 April 1914, Berlin
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The Presence of the Dead on the Spiritual Path, tr. Arnim
1. Wie Erwirbt Man Sich Verständnis Für Die Geistige Welt?
Understanding the Spiritual World I
[ 1 ] Wenn Sie einen Traum haben und an den 'Traum sich erinnern, so ist Ihnen, wenn eine möglichst deutliche Erinnerung an den Traum stattfindet, wie das ja in zahlreichen Fällen vorkommt, wohl ohne weiteres klar, daß Sie, während der Traum abfließt, gleichsam Beobachter sind, aber ohne daß Sie während dieser Beobachtung ein deutliches Ich-Bewußtsein haben von den Bildern, die webend an der Seele vorüberziehen. Wie gesagt, immer muß die Voraussetzung gemacht werden, daß im Traume das Ich-Bewußtsein nicht so deutlich auftritt wie im Wachbewußtsein. Diese Bilder, die webend an der Seele vorüberziehen, stellen dar Szenen, Bilderfolgen, welche dem Träumenden entweder gut bekannt sind, indem sie an Erlebnisse früherer Tage oder der letzten Zeit anknüpfen, oder die wohl auch solche Erlebnisse in der mannigfaltigsten Weise verändern, sie in ihren Formen so stark verändern, daß ein bestimmtes Erlebnis nicht wiedererkannt wird und man etwas völlig anderes zu träumen glaubt. Auch das kommt vor, daß man Träume hat, die nicht an Erlebnisse anknüpfen, die also gleichsam etwas völlig Neues vorstellen gegenüber den Erlebnissen, die man durchgemacht hat. Aber jedesmal wird man die Empfindung haben: Eine Art lebender, webender Bilder seien an der Seele vorbeigezogen, haben sich der Seele geoffenbart. — Und an diese Erlebnisse wird man sich nach dem Aufwachen erinnern. Es wird Träume geben, die man länger im Gedächtnis behält, und es wird solche Träume geben, die dadurch, daß man wieder an die Erlebnisse des Tages herantritt, wie ausgelöscht sind.
[ 1 ] When you remember a dream, it will probably be quite obvious to you that during the dream you merely observed the images weaving before your soul without having a clear awareness of yourself. Self-awareness, then, is not as clear in dreaming as it is in waking consciousness. The images weaving before the soul present two types of scenes. There are either series of images familiar to the dreamer because they relate to recent or not-so-recent events, or scenes where such events are changed in all sorts of ways, their form altered to such an extent that specific occurrences are unrecognizable, and we think we are dreaming of something completely new. We can indeed have dreams that are not connected with any experiences we have had and are therefore completely new. But in each case, we will have had a feeling that a type of living, weaving image has been revealed to the soul. This is what we remember after waking up. Some dreams remain in our memory longer and others seem to vanish as soon as we have to deal with the events of the day.
[ 2 ] Nun wollen wir uns einmal heute die Frage beantworten: Worin nehmen wir denn eigentlich solche webenden Träume wahr? Wenn wir im Wachzustande in der physischen Welt sind, dann wissen wir, wir nehmen in der Welt, die wir die physische Welt nennen, das wahr, was wir eben wahrnehmen. Was ist denn gleichsam die Substanz, der Stoff — wie es also die Vorgänge, die materiellen Dinge der physischen Welt im Wachzustande sind —, in welchem wir wahrnehmen, indem wir träumen? Es ist dasjenige, was wir die Ätherwelt nennen, der sich in der ganzen Welt ausdehnende Äther mit seinen inneren Vorgängen, mit alledem, was in ihm lebt. Das ist gleichsam das Substantielle, in dem wir wahrnehmen, wenn wir träumen. In der Regel aber nehmen wir wahr, indem wir träumen, nur einen ganz bestimmten Teil der Ätherwelt. Wie uns ja die ätherische Welt im Wachzustande, wenn wir physisch wahrnehmen, verschlossen ist im gewöhnlichen Leben, wie der Äther um uns herum ist, ohne daß wir ihn durch unsere physischen Sinne wahrnehmen, so bleibt auch für das gewöhnliche Träumen der Äther, der um uns herum ist, unwahrnehmbar. Nur dasjenige Stück der ÄÄtherwelt tritt gleichsam vor uns auf, wenn wir träumen, was unser eigener Ätherleib ist. Wir sind ja, wenn wir schlafen, außerhalb unseres physischen Leibes und unseres Ätherleibes. Und darin besteht nun der gewöhnliche Traum, daß wir mit dem, worin wir außerhalb unseres physischen Leibes und Ätherleibes sind, mit dem astralischen Leib und dem Ich, gleichsam auf das zurückschauen, woraus wir im Schlafe herausgestiegen sind, aber daß uns bei diesem Anschauen unser selbst nicht der physische Leib zum Bewußtsein kommt, wir uns daher auch nicht der physischen Sinne bedienen, sondern daß wir gleichsam zurückschauen, mit Außerachtlassung unseres physischen Leibes, nur auf unseren Ätherleib. Es sind also im Grunde genommen die Vorgänge unseres Ätherleibes, die an irgendeiner Stelle ihren Schleier lüften und die uns als Traum erscheinen. Die meisten Träume sind eben durchaus so, daß der Mensch in der Tat aus dem Schlafe auf seinen eigenen Ätherleib schaut, und daß ihm ein Stück der ungemein komplizierten Vorgänge des eigenen Ätherleibes zum Bewußtsein kommt, und daß dies den Traum ausmacht.
[ 2 ] So today let us examine what we perceive in such weaving dreams. We know what we perceive when we are awake in this world, which we call the physical. But what fills our perception when we dream, as events and material things fill our daytime experience? It is what we call the etheric world, the etheric substance permeating the world with its inner processes and with all that lives in it. That is the essence, as it were, of our perceptions when we dream. But we usually perceive only a very small part of the etheric world when dreaming. The etheric world is inaccessible to us when we are awake and perceive the physical realm; we cannot perceive the etheric substance around us with our physical senses. Likewise we cannot perceive all of it in our ordinary dreams, but only a part of it, namely, our own etheric body. As you know, we leave our physical and our etheric bodies behind in sleep. In our usual dreams we look back, as it were, from within our astral body and I to what we have left behind in sleep. However, we are then not aware of our physical body and do not use our physical senses. Rather, we look back only at our etheric body. Fundamentally, therefore, processes in our etheric body reveal themselves in certain places, and we perceive them as dreams. In fact, most dreams are nothing else but looking at our etheric body in sleep and becoming aware of some of its exceedingly complex processes.
[ 3 ] Dieser unser eigener Ätherleib, der also ein Stück von uns selbst ist, ist etwas außerordentlich Kompliziertes. In ihm sind zum Beispiel enthalten, immer gegenwärtig enthalten, alle Erinnerungen. Auch dasjenige, was tief hinuntergestiegen ist in die Untergründe der Seele, was im gewöhnlichen Tagesbewußtsein nicht in unser Bewußtsein kommt, im Ätherleibe ist es in irgendeiner Weise immer enthalten. Unser ganzes bisheriges Leben in unserer diesmaligen Inkarnation ist im Ätherleibe enthalten, ist wirklich da drinnen. Selbstverständlich muß zugegeben werden, daß es außerordentlich schwierig ist, das vorzustellen. Aber es ist trotzdem so. Denken Sie sich einmal, Sie würden zum Beispiel den ganzen Tag über reden — manche Leute tun ja das —, und alles, was Sie reden, würde sich durch irgendeinen Mechanismus in eine Phonographenplatte einschreiben. Wenn Sie so viel geredet haben, daß die Phonographenplatte voll ist, legen Sie dieselbe beiseite, nehmen eine zweite, wenn diese voll ist, eine dritte und so weiter. Sie nehmen also mehr oder weniger solcher Platten, je nachdem Sie mehr oder weniger reden. Ein anderer, nehmen wir an, würde nun eine jede Platte in einen Phonographen hineinlegen, und am Abend würden alle Platten hübsch darinnen sein. Alles, was Sie während des Tages geredet haben, würde am Abend in dem Phonographen sein. Würde nun jemand in der Lage sein, das Gesprochene aus dem Phonographen abrollen zu lassen, dann würde alles herauskommen, was Sie tagsüber geredet haben. So steckt alles, was unsere Erinnerungen sind, immer im Ätherleibe gegenwärtig darinnen. Und nehmen wir an, durch die besonderen Verhältnisse des Schlafes würde — halten wir den Vergleich fest — ein Teil der Bestandteile des Ätherleibes so vor unsere Seele hintreten, wie wenn man einen Teil der Phonographenplatten herausnehmen und abrollen lassen würde, so würde das dann der Traum sein, diejenigen Träume, die am weitaus häufigsten sind. Also wir weben mit unserem Bewußtsein in unserem eigenen Ätherleib.
[ 3 ] Our etheric body is very complex and contains all our memories, ready to present them to us when we recall them. Even those things that have sunk down into the depths of the soul, things we are not aware of in waking consciousness, are contained in the etheric body in some way. Our whole life in this incarnation is retained in the etheric body, is really present in it. Of course, this is very difficult to imagine, but it is true nevertheless. Imagine you were to talk all day long, as some people do, and everything you said was recorded on records. When the first record is full, you take a second one, then a third, and so on. The number of records would depend on how much you spoke. Now if someone collected all the records, everything you had said would be nicely preserved on records at the end of the day. Then, if someone played them, everything you said during the day would be heard again. In a similar way, all our memories are retained in the etheric body. Under the special conditions of sleep one part of the etheric body appears before us, as though—to stay with this metaphor—we took one record from the collection and played it; this is the most common kind of dream. Thus our consciousness weaves in our own etheric body.
[ 4 ] In einer ähnlichen Weise gilt dasselbe für viele Halluzinationen, die vor der menschlichen Seele auftreten. Solche Halluzinationen sind in der Regel auch dadurch hervorgerufen, daß der Mensch mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe, die dann im physischen Leibe drinnenstecken, dennoch gewissermaßen ein herausgerissenes Stück seines Ätherleibes sehen kann. Das kommt auf folgende Weise zustande. Denken Sie sich, irgend etwas in Ihrem physischen Leib ist krank, zum Beispiel etwas am Nervensystem oder dergleichen. Dann kann der Ätherleib an der Stelle, wo das Nervensystem krank ist, nicht eingreifen; er ist gleichsam herausgeworfen. Der Ätherleib selbst ist gar nicht krank, aber er ist herausgespannt aus dem physischen Leibe an einer bestimmten Stelle. Würde er eingespannt sein, dann würde sich alles so abspielen wie im normalen Bewußtsein. Es käme uns nicht zum Bewußtsein, daß der physische Leib krank ist. Wenn der Ätherleib an dieser Stelle nicht eingreifen kann, und wenn das, was da ist und worin der Ätherleib nicht eingreifen kann, dem Ätherleibe entgegenleuchtet, dann kommt das als Halluzination zum Bewußtsein.
[ 4 ] The same applies to hallucinations affecting our soul. As a rule, such hallucinations arise because the person can see with the ego and the astral body, which are still in the physical body, a section of the etheric body that has become detached. This can happen when a part of your physical body is ill, the nervous system, for example. Your etheric body is then unable to penetrate the physical at the point where the nervous system is diseased; it is cast out there, so to speak. The etheric body itself is not sick, but it has been separated from the physical body in a specific place. If it could remain in the physical body, our normal state of consciousness would prevail, and we would be unaware that our physical body is sick. When the part our etheric body cannot penetrate shines out toward it, we experience this in our consciousness as a hallucination.
[ 5 ] Genau dieselbe Substanz, aus welcher uns der Traum oder die Halluzination erscheinen, umgibt uns allüberall in der Welt. Es ist die Äthersubstanz. Und aus der Äthersubstanz, die uns umgibt, ist gleichsam unser eigener Ätherleib wie ein Stück herausgeschnitten. Wenn wir nun durch die Pforte des Todes gegangen sind, den physischen Leib abgelegt haben, so machen wir den Weg durch die Äthersubstanz durch. Im Grunde genommen kommen wir gar nicht auf dem ganzen Wege zwischen Tod und neuer Geburt aus der Äthersubstanz heraus. Denn diese Äthersubstanz ist überall und wir müssen durch sie durch, wir sind in derselben. Wir haben ja einige Zeit nach dem Tode auch unseren eigenen Ätherleib abgelegt. Der löst sich gerade in diese äußere Äthersubstanz auf. Die Fähigkeit, in dieser äußeren Äthersubstanz nun auch wahrzunehmen, hat der Mensch im gewöhnlichen Leben zunächst nicht. Daher tritt dasjenige nicht auf, was ein Wahrnehmen sein würde — jetzt nicht in der physischen Welt, sondern in der Ätherwelt. Durch das Träumen wird der Mensch gleichsam bekanntgemacht mit einer auf ihn selbst angewiesenen Wahrnehmung des Ätherischen.
[ 5 ] This etheric substance, from which dreams or hallucinations develop, surrounds us everywhere in the world. And our own etheric body is like a section that has been cut out of this etheric substance. After passing through the gate of death and discarding our physical body, we pass through this etheric substance and never really leave it on our path between death and a new birth. It is everywhere and we have to pass through it; we are in it. Sometime after death, we discard our etheric body, which dissolves into this surrounding etheric substance. Usually, we cannot perceive this outer etheric substance. That is why we have nothing in the etheric world that could be called perception, parallel to perception in the physical world. Our perceptions of the etheric in our dreams depend completely on us.
[ 6 ] Nun hängt das wirkliche Wahrnehmen in der uns umgebenden Ätherwelt von etwas ganz Bestimmtem ab. Wenn der Mensch nach dem Tode wirklich wahrnimmt in der ihn umgebenden Ätherwelt, oder wenn er sich so entwickelt, daß bei ihm hellseherisch die Imaginationen auftreten — denn das heißt auch: er nimmt wahr in der ihn umgebenden Ätherwelt —, so muß er eine stärkere Kraft haben, als er im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod hat, eine stärkere innere Seelenkraft. Deshalb nehmen wir nicht wahr in der uns umgebenden Ätherwelt, weil unsere Seelenkraft zu gering ist, um darin wahrzunehmen. Wir müssen uns viel aktiver, tätiger machen, als wir es für das gewöhnliche Leben brauchen, um in der Ätherwelt wahrzunehmen. Wir müssen auch in unserer Seele eine viel tätigere Kraft nach dem Tode haben, als wir im gewöhnlichen Leben haben, damit wir eine Umgebung nach dem Tode um uns haben können. Sonst ist der Äther um uns herum und wir nehmen ihn nicht wahr. Es wäre das so, wie wenn wir im gewöhnlichen Leben keinen einzigen Sinn hätten. So muß der Mensch also eine tätigere, aktivere Seelenkraft haben, damit er sich nach dem Tode behelfen kann, damit er nach dem Tode nicht, bildlich gesprochen, taub und blind ist für die Welt, in die er eintritt. Aber wenn man sich eine Vorstellung machen will von der Art, wie nun die Seele nach dem Tode wahrnimmt, oder nachdem sie die Fähigkeit erlangt hat, die Kräfte der Imagination zu entfalten, so kann man sich vorstellen, wie diese Fähigkeit der Seele sein muß, wenn man zunächst einen Vergleich wählt. Dieser Vergleich kann vom Schreiben genommen werden. Wenn Sie etwas aufschreiben, dann bedeutet das doch etwas, was Sie aufschreiben. Das drückt etwas aus. Es ist etwas dahinter hinter dem, was Sie aufschreiben. Und dennoch, Sie haben selber erst die Zeichen dafür gemacht. Und wenn das wahr sein soll, wenn es einer objektiven Sache entsprechen soll, was Sie aufgeschrieben haben, so können Sie das natürlich bewirken. Wenn Sie durch einen Brief einem Freunde diese oder jene Tatsache mitteilen wollen und Sie schreiben das auf, damit der Freund in der Ferne es lesen kann, so haben Sie die Zeichen erst hingesetzt, wodurch der Freund, wenn er die Zeichen entziffert, die Tatsache kennenlernt. Wenn nun jemand kommen würde und sagte: Das kann doch unter allen Umständen nicht wahr sein! Denn das steht nicht auf eine objektive Weise in die Welt hineingezeichnet. Das hat jemand erst aufgezeichnet und das kann keiner objektiven Tatsache entsprechen —, so redet ein solcher Unsinn. Geradeso wie Sie eine objektive Tatsache bezeichnen, wenn Sie schreiben, indem Sie dabei die Zeichen erst hinsetzen, so ist es beim imaginativen Sehen in der imaginativen Welt. Sie müssen tätig sein. Sie müssen das erst hinsetzen, was Ihnen Zeichen ist für die objektiven Vorgänge der geistigen Welt, und Sie müssen ein Bewußtsein haben, daß Sie das hinsetzen. Daß Sie es hinsetzen, hängt davon ab, daß Sie die nötige Kraft haben, lebendig in der geistigen Wirklichkeit drinnenzustecken, so daß diese Sie anregt, Wahres und nicht Falsches hinzusetzen. Aber die Tatsache ist, daß man weiß: man setzt das hin.
[ 6 ] True perception of the etheric world after death or here on earth in clairvoyant Imaginations requires greater strength than we usually have between birth and death. We need greater inner strength of soul. We do not perceive the etheric world around us during earthly life because we lack sufficient strength of soul. To perceive the etheric world we must become much more active, work much harder than we do in ordinary life. After death, too, the soul must be filled with much more active strength than in ordinary life to relate to its environment. Otherwise we do not perceive the etheric world, just as we wouldn't perceive anything if we lacked all senses in the physical world. Thus, we need a more active strength of soul to find our way after death and not to be deaf and blind, figuratively speaking, to the world we enter then. To get a clearer idea of how the soul perceives after death, or after it has developed the faculties to unfold its imagination, let us compare this soul faculty to writing. What you write down expresses something that stands behind your words; still, it is you who put down the letters. You have the power to make what you write true, to make it correspond to an objective state of affairs. If you want to inform a faraway friend about something and write it down for him, it is you who form the words that will tell the friend about the fact when he reads them. Someone may object that this fact does not exist in the world as an objective fact, but is only what someone has written down. This is nonsense, of course. It is possible to describe an objective fact with the letters you wrote. The same applies to imaginative perception in the super-sensible world. You have to be active. You have to set down the signs, the letters that express the objective processes in the spiritual world, and you must be aware that this is what you are doing. Whether you can do that or not depends on whether you have the strength necessary for a living relationship with spiritual reality, whether it inspires you to set down the truth and not falsehoods.
[ 7 ] Ich will das noch auf eine andere Weise zu charakterisieren versuchen. Gehen wir zum Traum zurück. Wenn man im gewöhnlichen Leben träumt, so hat man die Empfindung, die Traumbilder «weben», spielen sich so ab. Denken Sie, was Sie vorstellen müssen von diesen Träumen: Die Traumbilder schweben so vor meiner Seele vorbei. —Das ist die Vorstellung, die Sie haben müssen. Denken Sie nun, Sie hätten nicht diese Vorstellung, sondern die andere: Sie setzten selber die Traumbilder in den Raum und in die Zeit hinein, wie Sie die Buchstaben auf das Papier setzen. Diese Vorstellung hat man beim gewöhnlichen Träumen und auch bei Halluzinationen nicht. Man muß aber dieses Bewußtsein beim imaginativen Vorstellen haben. Da muß man das Bewußtsein haben: Du bist die waltende Macht in deinen Träumen. Du setzt das eine hin und fügst das andere dazu, wie man auf ein Papier etwas aufschreibt. Du bist die waltende Macht, du machst es selbst. Nur die Kraft, die hinter dir ist, wie beim Schreiben, ist die, welche macht, daß es wahr ist, was du aufschreibst. — Das muß man sich klarmachen, daß der große Unterschied zwischen Träumen, Halluzinationen und wirklicher Hellsichtigkeit darin besteht, daß man bei letzterer überall das Bewußtsein hat, man ist sozusagen der okkulte Schreiber. Was man sieht, das wird aufgezeichnet als eine okkulte Schrift. Man schreibt das hin in die Welt, was einem ein Ausdruck, eine Offenbarung der Welt ist. Sie könnten natürlich sagen: Dann brauchte man das nicht aufschreiben, denn das weiß man ja vorher. Warum soll man es aufschreiben? — Das ist aber nicht wahr. Denn der, der dann schreibt, ist man nicht selber, sondern das ist die Wesenheit der nächststehenden höheren Hierarchie. Man gibt sich der Wesenheit der nächststehenden höheren Hierarchie hin, und das ist die Kraft, die in einem waltet. Man schreibt ganz in einem inneren Seelenvorgange das auf, was durch einen waltet. Und indem man es dann anschaut, dieses Geschriebene in der okkulten Schrift, offenbart sich einem das, was zum Ausdruck kommen soll.
[ 7 ] But the fact remains: You have to know you are setting it down. Now, let us return to dreams. When we dream, we usually feel the dream images “weave” and simply unravel on their own. We should think of these dreams as images that float past the soul. Now suppose you were thinking that you yourself place the dream images in space and time just as you set down letters on paper. This is not what we normally associate with dreams or hallucinations, but it is the type of consciousness required for imaginative thinking. You must be aware that you are the determining power in your dreams. You put down one thing after another just as you do when writing something on paper. You yourself are in control. The same power is behind you that makes what you write true. The great difference between dreams or hallucinations and true clairvoyance is that in the latter we are aware that we are the esoteric scribes, as it were. The things we see are noted down as an esoteric script. We inscribe onto the world what we perceive as expression, as revelation, of the world. Here, people could object that we do not need to write these things down because they are known beforehand. But that is not valid, for in this case it is not we who do the writing but the being of the next higher hierarchy. We give ourselves up to that being, and it becomes the force ruling us. In an inner soul process, we record what holds sway through us. When you look at this esoteric script, you will read what is to be revealed.
[ 8 ] Sie sehen jetzt, warum in öffentlichen Vorträgen so vielfach darauf hingewiesen worden ist, wie die Entwickelung zum Hellsehertum darauf beruht, daß alles Wahrnehmen ein aktives, ein tätiges wird, daß es nicht, was für die Erkenntnis der physischen Welt richtig ist, bei dem passiven Hingegebensein an die Welt bleibt. So lernt man allmählich das wirklich innerlich verstehen, was schon im Anfange unseres anthroposophischen Lebens die «Erlernung der okkulten Schrift» genannt worden ist, und was ich wieder genauer beschrieben habe in meiner Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt». Die Seelenkraft, die nötig ist, um in den geistigen Raum und in die geistige Zeit die okkulten Schriftzeichen hineinzuschreiben, ist eine stärkere, kräftigere, gewaltigere Seelenkraft, muß stärker, kräftiger, gewaltiger sein als die Seelenkraft, die wir im gewöhnlichen Leben zum Wahrnehmen anwenden. Und diese Kraft müssen wir haben, wenn wir durch die Pforte des Todes durchgegangen sind. Wer sich das imaginative Hellsehen aneignen will, bildet durch seine Meditationen diese Kraft aus, er erlangt sie allmählich. Er kommt dadurch zu dem, was eben beschrieben worden ist, das heißt, er kommt zu einem Erleben, bei dem er weiß, daß er sich in einer Welt befindet, von der ein schwacher Abglanz das Träumen ist, aber sich so darinnen befindet, daß er mit seinen Träumen waltet, wie man waltet, wenn man einen Tisch oder einen Schuh macht, wobei man auch Stück für Stück zusammenfügt und so weiter. Wenn so viele Menschen immer wieder und wieder damit kommen, daß sie sagen: Nun bemühe ich mich ja mit allem möglichen Meditieren. Ich komme aber gar nicht dahin, hellseherisch zu werden —, so beruht das auf der einfachen Tatsache, daß die Menschen das gar nicht wollen, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, daß sie froh sind, wenn sie es nicht brauchen. Sie wollen nicht innerlich aktive Seelenkraft entwikkeln, sondern sie wollen Hellseher werden, ohne daß sie sich eine stärkere Seelenkraft aneignen müssen. Sie wollen, daß das Tableau, das durch ihre Hellsichtigkeit vor ihnen auftritt, sich ganz von selber vor ihnen aufrichtet. Dann aber ist es gar nichts weiter als Halluzination oder Traum. Ein Stück Ätherwelt — wenn ich mich jetzt drastisch ausdrücken will —, das man sich nehmen kann von einem Orte, mit den ätherischen Fühlhörnern ergreifen und an eine andere Stelle setzen kann, ein solches Stück Ätherwelt ist nun der Traum. Das gehört gar nicht in das wirkliche Hellsehen hinein. In dem Erleben des wirklichen Hellsehens fühlt man sich gerade so darinnen, wie man sich fühlt, wenn man in der physischen Welt auf dem Papier schreibt, nur daß man, wenn man in der physischen Welt auf dem Papier schreiben will, erst wissen muß, was man aufschreiben will — jedenfalls ist es in den meisten Fällen gut, wenn man es weiß —, währenddem man beim geistigen Wahrnehmen die Wesenheiten der geistigen Hierarchien schreiben läßt, und einem erst, indem man es tätig hinschreibt, das erscheint, was wahrgenommen werden soll. Aber ohne an jedem Atom dessen, was man schaut, selber tätigen Anteil zu haben, selber tätig dabei zu sein, kommt kein wirkliches Hellsehen zustande.
[ 8 ] That is why I have said so often in public lectures that the development of clairvoyance requires that all perception becomes active and does not remain the passive openness to the world that is appropriate for understanding our physical environment. Gradually, then, we comprehend what we have called “learning the esoteric script,” since the beginning of our anthroposophic work. I have described it in more detail in The Threshold of the Spiritual World.1Rudolf Steiner, A Road to Self-Knowledge and The Threshold of the Spiritual World, (London: Rudolf Steiner Press, 1975). To write the esoteric script into spiritual space and spiritual time our soul must be more active and powerful than it needs to be in everyday life. We need this greater strength when we have passed through the gate of death. If you seek imaginative clairvoyance, you will achieve it gradually through meditation. You will experience and perceive, knowing all the while you are in a world of which our dreams are but a weak reflection. You can live in that world in such a way that you can control your dreams, just as you are in control when you assemble a table or a shoe. Many people object they have tried to meditate in all kinds of ways but are still not becoming clairvoyant. This lack of clairvoyance simply shows they do not really want the activity and strength I have just described. They consider themselves fortunate because they do not need them. They do not want to develop any active strength of soul, but want to become clairvoyant without having to acquire this strength first. They want the tableau that arises before them through clairvoyance to appear by itself. But that would be nothing but hallucinating or dreaming. To put it bluntly, a dream is a piece of the etheric world that we can take with our etheric feelers and move from one place to another. This has nothing to do with true clairvoyance. In experiencing true second sight we are as active as we are in the physical world in writing on paper. The only difference is that when we want to write in the physical world, we need first to know what it is we want to write down—at least it usually helps if we do. By contrast, in spiritual perception we allow the beings of the spiritual hierarchies to write, and only then, while we are writing, do the things appear that we are to perceive. Real clairvoyance cannot come about without our active involvement in every single aspect of our perception.
[ 9 ] Und solche Kraft, um wirklich in die Ätherwelt hineinschreiben zu können, brauchen wir auch, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind. All das Denken, das wir in der gewöhnlichen physischen Welt haben und das uns in derselben dient, taugt nichts zu solchem Wahrnehmen nach dem Tode. Es kann einer ein noch so gescheiter Mensch sein und scharfsinnig über die Dinge der physischen Welt denken können, das hilft ihm gar nichts nach dem Tode. Denn diese Kraft des Denkens ist viel zu schwach, als daß man damit würde in die Ätherwelt hineinschreiben können. Alle Vorstellungen, die man entwickelt und die sich auf physische Dinge beziehen, entstammen einer solchen schwachen Denkkraft, welche uns nach dem Tode nicht nützen würde. Wir müssen eine stärkere Denkkraft haben, eine Denkkraft, die sich im Inneren selber betätigt, eine Denkkraft, die sich, mit anderen Worten, Gedanken macht, ohne daß diese Gedanken etwas Äußeres, in der Sinneswelt Befindliches, abbilden. Würden wir nicht im Inneren etwas haben, was uns dazu führt, uns Gedanken zu machen, die nichts Äußeres abbilden, sondern die innerlich sich gleichsam aus den Untergründen unserer Seele heraufheben, würden wir nicht die Fähigkeit haben, solche Gedanken uns zu machen, so würden wir nach dem Tode keine entsprechende Fähigkeit haben können.
[ 9 ] We also need the strength that enables us to write in the etheric world when we have passed through the gate of death. The kind of thinking that serves us well in the physical world is of no use for perception after death. A person may be exceedingly clever and smart about things of the physical world, but after death these capacities will be of no help. This kind of thinking is much too weak for writing anything into the etheric world. All ideas we have developed relating to physical things have their origin in this weak thinking, which is useless after death. We need a stronger kind of thinking, one that is inwardly active of its own accord. We need thinking that forms thoughts which do not merely mirror the outer sense world. We must develop this inner capacity to form thoughts independent of anything external that arise, as it were, from the depths of the soul, or we cannot have a corresponding capacity after death.
[ 10 ] Nun könnte jemand sagen: Also könnte man alles mögliche zusammendenken, zusammenphantasieren. Man könnte seine Phantasiekraft möglichst anspannen, um sich recht viele Phantasiegedanken zu machen, die gar nichts Außeres abbilden. Dann würde man ja eine gute Vorbereitung haben, um die nötige Denkkraft nach dem Tode zu entwickeln. — Es könnte also sein, daß jemand sagen würde: Ich will viel Denkkraft nach dem Tode haben. Also stelle ich mir vor geflügelte Drachen, die es gar nicht gibt, schauderhafte Tiere und so weiter. Alles dieses stelle ich mir vor, denn ich will nicht am Gängelbande der äußeren Vorstellungen sein, sondern stelle mir die buntesten Dinge zusammen. Dadurch entwickele ich eine innere Denkkraft und bereite mich dadurch vor, ein erstarktes Denken nach dem Tode zu haben. — Es ist gar nicht zu leugnen: Wenn jemand das täte, so würde er mehr Fähigkeiten haben in der Welt nach dem Tode, als jemand, der es nicht tut. Aber er würde lauter Falsches, nur Zerrbilder wahrnehmen, wie jemand, der ein krankes Auge hat, die physische Welt falsch wahrnehmen muß, oder wie jemand, der ein krankes Ohr hat, die Töne der physischen Welt falsch wahrnehmen muß. Wer also so etwas täte, würde sich nur dazu verurteilen, in der ätherischen Welt immer das groteskeste Zeug wahrzunehmen, aber nicht das, was wahrhaft in der Ätherwelt wurzelt.
[ 10 ] Now you might object that we could just think up all kinds of things, or create a lot of fantasies that do not reflect anything external, and then we would be well prepared for developing the strength of thinking necessary after death. It could be that someone wants to have a great deal of thinking ability after death and therefore imagines winged dragons, which do not exist, terrifying beasts, and so on. The person imagines all these things so as not to be tied to the apron strings of outer images, and to be able to develop inner strength of thinking in preparation for life after death. It cannot be denied—people who do this will have greater faculties in the world after death than those who do not. However, they would perceive only false images, distortions, just as people with impaired vision see a distorted image of the physical world and those with damaged hearing have a false impression of its sounds. People who follow this course of action sentence themselves to perceiving nothing but grotesque things in the etheric world, instead of what is truly rooted there.
[ 11 ] In den verflossenen Zeiten der Menschheitsentwickelung wurde nun immer dafür gesorgt, daß die Menschen Vorstellungen hatten, die nicht der physischen Welt entlehnt waren, die aber auch nicht in einer solchen Weise, wie es eben beschrieben worden ist, ebenso willkürlich und phantastisch erschaffen worden sind. Es waren die großen Religionsstifter, die im Laufe der Menschheitsentwickelung aufgetreten sind, die dafür sorgten, daß die Menschen solche nicht der physischen Welt entlehnte Vorstellungen hatten. Indem sie nach den ihnen möglichen Methoden den Menschen solche Vorstellungen überlieferten, die sich nicht auf die physische Welt, sondern auf die übersinnlichen Welten bezogen, konnten die Menschen, wenn sie ihren Religionsstiftern folgten, Vorstellungen entwickeln, die nicht am Gängelbande der äußeren Sinneswelt gebildet waren, die aber doch wahr waren, weil sie aus der übersinnlichen Welt herausgeholt waren. Das ist die große, gewaltige Erziehung des Menschengeschlechtes durch die Religionsstifter, von der man sagen kann, wenn man sie ganz richtig charakterisieren will: Die Religionsstifter haben sich die Aufgabe gestellt, den Menschen solche Vorstellungen zu überliefern, die ihnen ein Denken gaben, durch das die Menschen nicht geistig blind und taub nach dem Tode in der geistigen Welt ankamen. So sehen wir, wie die Religionsstifter dafür gesorgt haben, daß die Menschen gewissermaßen ganz lebendig, ganz bewußt sind, daß sie nicht bloß ein Bewußtsein haben, das erlischt oder abdämmert in der Todesstunde, oder das unrichtig ist nach der Todesstunde.
[ 11 ] In past periods of human development, care was always taken to ensure that human beings were given mental images neither borrowed from the physical world nor created in the arbitrary and fantastical manner I have just described. According to the methods available to them, the great founders of our religions handed down images not based on the physical, but on the spiritual world. Thus, by following their religious teachers, people were able to develop mental images that were not tied to the sensory world but were true all the same because they originated in the spiritual world. This is the immensely great education of the human race undertaken by the founders of our religions. They had set themselves the task of giving human beings images that would help them to develop a kind of thinking that would keep them from arriving spiritually deaf and blind in the spiritual world after death. The founders of our religions wanted to be certain that human beings were fully alive, fully conscious, and that their consciousness would not vanish or fade in their hour of death or become a false consciousness then.
[ 12 ] Nun leben wir aber — von anderen Seiten aus ist das öfter charakterisiert worden — gegenwärtig in einem Entwickelungszyklus des menschlichen Werdens, in welchem die Menschen gleichsam mündig werden sollen so, daß nicht mehr in der alten Weise die Religionsstifter auftreten werden und an den Glauben der Menschen appellieren werden. Das sind vergangene Zeiten, obwohl selbstverständlich diese alten Zeiten in unsere Gegenwart hereinragen und gegenwärtig nur angefangen werden kann mit einer kleineren Anzahl von Menschen, sozusagen das neue Leben zu erleben, und die Menschen nur schwer nachkommen, sich sogar darnach sehnen, die überlieferten Vorstellungen aufzuschnappen, die noch von den alten Religionslehrern herkommen. Aber wir leben in der Zeit, da die Menschen mündig werden sollen. Da muß das, was die Religionsstifter für den Glauben geliefert haben, durch das ersetzt werden, was die neuere Geisteswissenschaft gibt. Diese neuere Geisteswissenschaft unterscheidet sich ja in ihrem ganzen Wesen von demjenigen, was die alten Religionsstifter überliefert haben. Dabei muß betont werden, damit kein Mißverständnis entsteht: Wenn von diesen alten Religionsstiftern gesprochen wird, so ist der Christus ausgenommen. Denn ich habe oft betont: Es kommt beim Christus nicht darauf an, was er gelehrt hat, sondern was durch ihn geschehen ist. Die alten Religionsstifter waren gewissermaßen Lehrer, der Christus hat aber hauptsächlich dadurch gewirkt, daß er durch das Mysterium von Golgatha seine eigene Kraft in die Menschheit hineingesenkt hat. Das ist heute noch für viele Menschen außerordentlich schwer zu begreifen. Daher reden sie auch von dem Christus nur als von einem großen Weltenlehrer, was aber für den, der die ganze Bedeutung des Christus wirklich versteht, einfach Unsinn ist. Also wir stehen gegenwärtig davor, daß die Menschheit mündig wird. Und das soll durch die neuere Geisteswissenschaft geschehen, soll geschehen mit den Begriffen, Ideen und Vorstellungen, die sich für den Menschen auf sein Leben nach dem Tode beziehen und damit auf sein ganzes Seelenleben. Geisteswissenschaft wird ja so errungen, daß sie eigentlich von jedem Menschen errungen werden kann, wenn er sich wirklich den Ergebnissen der Geisteswissenschaft entgegenentwickelt. Geisteswissenschaft strebt darauf hin, den Menschen das zu geben, was die einzelne Menschenseele wirklich durch sich erreichen kann, nicht wie früher die Dinge erreicht worden sind, dadurch, daß man auf die Religionsstifter hörte. Und wenn heute die Geisteswissenschaft selbstverständlich nur von einzelnen Geistesforschern sozusagen zu ihren Ergebnissen gebracht werden kann und dann mitgeteilt wird, so wird sie aber in einer solchen Form mitgeteilt, daß man sie ganz und gar verstehen kann, wenn man nur will. Ich habe ja oft betont: Wenn gesagt wird, auch der Geisteswissenschaft müsse man glauben, so beruht das auf einem vollständigen Mißverständnis. Daß die Leute das sagen, auch der Geisteswissenschaft müsse man glauben, beruht darauf, daß sie so vollgepfropft sind von materialistischen Vorurteilen, daß sie nicht eingehen auf das, was die Geisteswissenschaft wirklich geben kann. Sobald man auf sie eingeht, kann man alles verstehen und begreiflich finden. Es reicht nicht bloß das Hellsehen, es reicht das gewöhnliche Verständnis aus, um alles nach und nach — es mag ja dieses «nach und nach» für manchen unbequem sein — wirklich zu verstehen und zu begreifen.
[ 12 ] As I have often said, we are currently living at a stage of evolution when human beings are meant to come of age, as it were. Religious founders will no longer appear as they formerly did and appeal to our faith. Those times are past, although, of course, they still reach into our time. At present, only a few people are beginning to experience this new existence, so to speak. Most still yearn to cling to the traditional ideas of the ancient founders of religions. But humanity must come of age and what the founders of religions provided for our faith must be replaced by the contribution of modern spiritual science. For this science of the spirit is by nature completely different from those ancient teachings. In order to avoid misunderstandings, we must emphasize that when we speak of the old religious founders we are not including Christ among them. I have often said that Christ's significance does not lie in his teachings, but in what took place through him. The ancient religious founders were in a sense teachers, but Christ's main deed was to imbue humanity with His own power through the Mystery of Golgotha. To this day, this has been extremely difficult for many people to understand. That is why they speak of Christ as only a great cosmic teacher. For those who really understand the full significance of Christ, this is simply nonsense. Humankind is coming of age through our modern spiritual science, through the concepts, ideas, and images that are linked with our life after death and thus with our entire soul life. For spiritual science can be understood by every person who wants to understand its findings. It strives to give people what each individual soul can truly achieve on its own, not by following the religious founders, as in earlier times. And although it must be individual researchers who make the results of this science of the spirit available today, they do so in a form that can be understood by everyone who wants to. I have often emphasized that it is a complete misunderstanding to say spiritual science must also be believed. When people say this, it is because they are so crammed full with materialistic prejudices that they do not look at what spiritual science really has to offer. As soon as it is examined, everything becomes understandable. One does not need clairvoyance for this; our ordinary understanding is enough to really grasp and comprehend all this gradually—of course, “gradually” will be inconvenient for some people.
[ 13 ] Es tritt also die Geisteswissenschaft so an den Menschen heran, daß sie an sein Verständnis, an sein Begreifen appelliert, indem sie gewissermaßen das ganz entgegengesetzte Prinzip geltend macht gegenüber dem Prinzip, durch das die alten Religionsstifter gewirkt haben. So haben in den Vorstellungen, welche von den alten Religionsstiftern an die Menschenseelen herangekommen sind, diese Seelen etwas gehabt, wodurch sie gleichsam geistig aufgeweckt worden sind und eine Kraft hatten, um in der Ätherwelt wahrzunehmen, also auch, um nach dem Tode ein selbstbewußtes Leben zu führen. Und wiederum wird die Menschenseele durch das Aufnehmen der neueren Geisteswissenschaft dasjenige haben, was ihr die Kraft gibt, um nach dem Tode die nötige Vorstellungskraft zu entwickeln, um die Ätherwelt bewußt als Umgebung wahrzunehmen. Die alten Menschen, die auf ihre Religionsstifter hörten, die neueren Menschen, die den Willen haben, die Geisteswissenschaft zu verstehen, sie werden also gleichsam mit den Fähigkeiten ausgerüstet sein, um nach dem Tode sich in der richtigen Weise auszukennen. Nur eine Sorte von Menschen hat es schwer, nach dem Tode sich auszukennen; und bei dieser einen Sorte gilt sogar das vielfach nicht, was man beschreibt als das Leben nach dem Tode, weil es vielfach getrübt und verdunkelt ist. Diese Sorte von Menschen sind die Gesinnungsmaterialisten, die nur an den Dingen haften möchten, die Abbilder der gewöhnlichen physischen Welt sind, die sich keine Kraft aneignen wollen, um in der Welt wahrzunehmen, in die wir nach dem Tode eintreten. Materialist sein, heißt in bezug auf sein Geistig-Seelisches wirklich nichts anderes, als wenn man beschließen würde, sich in der gewöhnlichen physischen Welt die Augen zu zerstören, die Ohren zu zerstören, die Sinne nach und nach abzutöten, und dann weiterzuleben. Es wäre so, wie wenn jemand sagte: Diese Augen — man kann ja ohnedies nichts auf sie geben, denn sie geben nur Lichteindrücke. Also weg mit ihnen! Diese Ohren — man kann ja durch sie nur Lufterschütterungen wahrnehmen, nicht die eine einzige Wahrheit. Also weg damit! Weg mit den Sinnen, einem nach dem anderen! — So gescheit, wie dies für die Sinneswelt wäre, so gescheit ist es in bezug auf die geistige Welt, Materialist zu sein. Es ist ganz dasselbe. Und dies ist sogar gar nicht so schwierig einzusehen, wenn man auf die Gründe eingeht, die von der Geisteswissenschaft geltend gemacht werden.
[ 13 ] In other words, spiritual science appeals to our understanding, making use of the opposite principle to the one used by the ancient religious founders. Their ideas gave something to human souls that awakened them spiritually and gave them strength to perceive in the etheric world, and that also means to lead a conscious life after death. Assimilating modern spiritual science will in turn give our soul the strength to develop the necessary power of thinking after death to consciously perceive its etheric environment. Both people of ancient times who followed their religious founders and modern people who are willing to understand spiritual science will be able to find their way after death. Only one type of person will have difficulty in finding his or her way after death. In fact, this type will frequently not even experience a life after death, because it will have become so dulled and obscured. This sort of person is the dyed-in-the-wool materialist who clings to images of the physical world and does not want to develop any strength to perceive the world we enter after death. In terms of the soul-spiritual, to be a materialist really means the same as wanting to destroy one's eyes and ears in the physical world, gradually deadening one's senses. It is no different from someone saying, “These eyes—they can't be trusted, they provide only impressions of light. Away with them! These ears—they perceive only vibrations, not the one single truth. Get rid of them! Get rid of the senses, one by one!” To be a materialist in regard to the spiritual world makes as much sense as this attitude in regard to the sensory world. It is basically the same, as will be quite easy to see when we consider the reasoning presented by spiritual science.
[ 14 ] Ich habe versucht, einmal heute von dieser Seite her Ihnen zu charakterisieren, wie es mit dem Drinnensein in der geistigen Welt ist. Ich möchte gleichsam noch ein anderes Faktum in einer ähnlichen Weise charakterisieren. Aus der Sphäre der Träume kann man eine Art der Träume herausheben, die eigentlich auch jeder kennt, denn einen Traum, der so geartet ist wie die jetzt zu beschreibenden, wird jeder schon gehabt haben. Es ist jene Art von Träumen, wo wir im Traume uns in einer gewissen Weise selbst gegenüberstehen. Die gewöhnlichen Träume verfließen ja so, daß das eintritt, was ich vorhin charakterisiert habe, daß sich das Traumgewebe vor uns abrollt und wir kein deutliches Ich-Bewußtsein dabei haben, sondern erst nachher das Traumgewebe überdenken mit unserem Ich-Bewußtsein. Wer genau die Verhältnisse prüft, wird finden, daß es so ist. Aber es treten auch Träume auf, wo wir uns gleichsam selber objektiv gegenübertreten. Nicht nur daß wir uns, wie es auch vorkommt, selber wirklich sehen, denn das kann auch eintreten, sondern es kann auch etwas anderes eintreten. Bekannt ist Ja der Traum, wie der Schuljunge träumt, daß er in der Schule sitzt, wie eine Rechenaufgabe gegeben wird, und wie er sie so gar nicht lösen kann. Da kommt ein anderer und löst sie spielend. Das träumt er wirklich. Nun werden Sie ja einsehen, daß er es selber war, der sich entgegengetreten ist und die Aufgabe löste. Man tritt sich also auch so gegenüber, erkennt sich aber nicht. Darauf kommt es aber nicht an. In einem solchen Falle spaltet sich gleichsam das Ich des Menschen. Es wäre ja ganz nett, wenn das auch in der physischen Welt so sein könnte, daß einem dann, wenn man irgend etwas nicht weiß, das andere Ich gegenübertritt, und man wüßte dann die betreffende Sache vorzüglich. Aber im Traume tritt es auf. Da hat der Traum einen ganz anderen Charakter, als bei den zuerst charakterisierten. Man ist ja im Traume außerhalb seines physischen Leibes und Ätherleibes, ist in seinem Astralleib und Ich. Während die früher charakterisierten Träume darauf beruhen, daß man das Wesen des eigenen Ätherleibes gelüfter bekommt, beruhen die Träume, in denen man sich selbst gegenübertritt, darauf, daß der eigene Astralleib, den man mitgenommen hat, ein Stück von sich zeigt, daß er einem durch dieses Stück entgegentritt. Es ist ein Stück Selbstwahrnehmung außerhalb des physischen Leibes. Während man im gewöhnlichen Leben den Astralleib nicht wahrnimmt, kann es im Schlafe durchaus eintreten, daß man ein Stück seines Astralleibes wahrnimmt, und im Astralleib sind gar manche Dinge drinnen, die durchaus nicht im gewöhnlichen Wachzustande von uns gewußt werden. Ich habe vorhin darauf aufmerksam gemacht — ich werde Ihnen jetzt etwas recht Sonderbares sagen müssen —, was im Ätherleibe enthalten ist. Es ist jedenfalls alles darinnen, was wir erlebt haben. Im Astralleibe ist aber sogar das darinnen, was wir nicht erlebt haben. Der Astralleib ist nämlich ein recht kompliziertes Gebilde. Er ist gewissermaßen aus den geistigen Welten hereinorganisiert und enthält nicht nur die Dinge, die wir schon jetzt in uns haben, sondern auch die, welche wir noch einmal lernen werden! Die sind schon veranlagt, sind schon in einer gewissen Weise in ihm darinnen. Dieser Astralleib ist viel gescheiter als wir. Deshalb kann er auch, wenn er uns im Traume etwas von sich offenbar werden läßt, uns selber in einer Form uns entgegentreten lassen, in der wir gescheiter sind, als wir durch das physische Leben geworden sind. Wenn Sie dies bedenken — ich möchte dies jetzt aber nur als eine Episode in die Ausführungen hineinflechten, die nicht zum Vortrag gehören soll —, so wird Ihnen das ein Licht werfen können darauf, wie es sich verhält mit den «klugen» Fähigkeiten der Tiere. Die Tiere haben ja auch einen Astralleib, und es kann durch den Astralleib das hervortreten, was nicht hervortritt beim gewöhnlichen Leben der Tiere. Da können tatsächlich viele Dinge hervortreten, die durchaus überraschen können. Denn dieser Astralleib enthält zum Beispiel Sie mögen es glauben oder nicht — die ganze Mathematik, nicht nur die jetzt bekannte, sondern auch alles in der Mathematik, was noch einmal entdeckt werden wird. Wollte man allerdings die ganze Mathematik daraus herauslesen, bewußt herauslesen, so müßte man es tätig tun, müßte sich erst die entsprechend erstarkten Fähigkeiten dazu aneignen; aber enthalten ist wirklich alles darin. Also es ist die Offenbarung wie aus einem Stücke unseres Astralleibes heraus, wenn wir uns selbst gegenübertreten. Und auf diesen Offenbarungen des Astralleibes beruht wirklich auch vieles, was wie innere Eingebungen über uns kommt. Geradeso wie ein gewisses Halluzinieren unter solchen Umständen entsteht, wie ich es vorhin charakterisiert habe, so kann auch durch besondere Verhältnisse unserer Organisation das in uns sprechend werden, was gescheiter ist als wir selber. Dann können wir innere Eingebungen haben, dann kann etwas in uns auftreten, was nicht auftreten würde, wenn wir bloß unsere gewöhnliche Urteilskraft anwenden würden im gewöhnlichen physischen Leibe. Aber es ist gefährlich, solche Dinge auftreten zu lassen, sich solchen Dingen hinzugeben. Es ist gefährlich aus dem Grunde, weil solche Dinge kommen und wir sie nicht bewältigen können, solange wir ihnen nicht urteilend beikommen. Und da wir sie nicht bewältigen können, hat Luzifer einen so leichten Zugang zu allen diesen Dingen, und wir können es nicht wehren, daß er sie nach seinem Sinn und nicht nach dem Sinn der ordentlichen Weltordnung lenkt.
[ 14 ] Today I have attempted to explain from this perspective what it means to be in the spiritual world. I want to go on to explain a type of dream we will all recognize, because everyone has probably experienced a dream of this kind. I am speaking about dreams where we stand face to face with ourselves, so to speak. As I described earlier, usually the dream fabric unrolls itself before us, so to speak, and we have no clear awareness of ourselves at the time. It is only afterward that we reflect on the dream with self-consciousness. There are also other dreams where we face ourselves objectively. And beyond simply seeing ourselves, as sometimes happens, we can also have the dream students often have, of sitting in school, trying to work out an arithmetic problem, but unable to solve the equation. Another person comes and easily finds the solution. The student really dreams that this happens. Well, you will understand that it was he himself who came and solved the problem. Thus, it is also possible that we face ourselves in this way without, however, recognizing ourselves. But that is not the important thing. In such a situation the I divides in two, as it were. It would be nice, wouldn't it, if in the physical world as well, the other ego appeared and immediately produced the right answer when we do not know something. Well, it does happen in dreams. When we are dreaming, we are actually outside our physical and etheric bodies and only in the astral body and ego. While the type of dream described earlier gives us a glimpse of the etheric body, the ones where we face ourselves result from the astral body we took along revealing a part of itself to us and facing us with it. We perceive a portion of ourselves outside the physical body. We do not perceive the astral body in ordinary life, but we can quite easily see part of it in sleep. It contains things we are not at all aware of when we are awake. I spoke earlier about the nature of the etheric body; it contains everything we have experienced. But now I have to tell you something quite strange—the astral body contains even those things we have not experienced. You see, our astral body is a rather complicated structure. It is in a certain sense built into us out of the spiritual world, and it contains not merely those things we already have in us now but also those we will learn in the future! They are already present there as a disposition. This astral body is much cleverer than we are. Therefore, when it reveals something of itself in our dreams, it can confront us with our self in a form that is much cleverer than we have become through physical life. If you bear this in mind—I say this now only as an aside and not as part of the lecture—it will throw some light on the “cleverness” of animals. They also have an astral body. It can bring out things that do not emerge in the ordinary lives of the animals. Many surprising things can reveal themselves there. For example, the astral body contains, believe it or not, all of mathematics, not only as far as we know it today, but also everything that still remains to be discovered. Nevertheless, if we wanted to read the mathematics contained there and read it consciously, we would have to do so actively by acquiring the necessary faculties. Thus, it is a revelation of part of our astral body when we come face to face with ourselves in a dream. And many of the things that come to us as inner inspiration spring from these revelations of the astral body. In the same way hallucinations can occur under the circumstances I described earlier. The part of us that is cleverer than we usually are can, through a special disposition in our constitution, take on a voice of its own. Then we can be inspired, which would not happen if we used only our ordinary judgment in our physical body. But it is dangerous to give ourselves over to such things, because we cannot control them until we are able to penetrate them with our judgment. And since we cannot control them, Lucifer has easy access to all these developments, and we cannot keep him from directing them according to his intentions, rather than in accordance with the aims of the proper world order. When we develop our inner forces, we learn to lead an inner life that makes us clairvoyant in the astral body. But you will see from what I have said that becoming clairvoyant in the astral body requires that we are always aware of facing ourselves, our own being. Just as we do not lead a healthy physical life if we are not fully conscious, so we do not lead a healthy soul life in the super-sensible world if we do not see ourselves at all times. In the physical world we are ourselves; in the higher, spiritual world we have the same relationship to ourselves as we have here to a thought representing a past event. We inwardly look at such a thought and treat it as a memory. As we deal with a thought in this world, so we know in the spirit realm that we are looking at and observing ourselves. Our self must always be present when we experience things in the spiritual world. Basically, this is the only principle applying also to those things over which we have no control. In fact, in the realm of the spirit this principle allows us to master things, to become the controlling power. Our own being is the center of everything. Our own being shows us how we act in the spiritual world, revealing to us who we really are in the spiritual world. If we are in the spiritual world and perceive something is incorrect, that means we are using the esoteric script incorrectly. Well, if we use the esoteric script incorrectly but perceive ourselves as the center of everything going on, we experience in our own being: You look like this because you did something wrong; now you have to put it right! We can see how we have acted by what we have become. We can compare this to how you would feel here in the physical world if you were not inside but outside yourself. For example, if you said to someone, “It is now half past eleven”—something that is not true—and look at yourself, you see how you stick your tongue out at yourself. You say, “This isn't you!” And then you start to correct yourself and say what is true, “It is now twenty past nine.” At that moment your tongue goes back in. Similarly, you can tell whether you are acting correctly in the spiritual world by looking at yourself.
[ 15 ] Wenn also der Mensch seine inneren Kräfte erstarkt, dann lernt er auch so innerlich zu leben, daß er im astralischen Leibe hellsichtig wird. Aber Sie werden jetzt aus dem, was ich gesagt habe — ich habe darum den Traum herangezogen —, ersehen, daß es zu diesem Hellsichtigwerden im astralischen Leibe notwendig ist, daß man gewissermaßen immer eine deutliche Vorstellung hat von dem Sich-Gegenüberstellen der eigenen Wesenheit. So wie man im physischen Leben nicht gesund lebt, wenn man nicht voll bei seinem Bewußtsein ist, so lebt man gegenüber der Welt, die höher ist als die physische Welt, seelisch nicht gesund, wenn man sich nicht immer sieht. In der physischen Welt ist man selber, in der höheren geistigen Welt ist man so zu sich, wie man in der physischen Welt zu einem Gedanken ist, der ein vergangenes Erlebnis darstellt. Einen solchen Gedanken, der ein vergangenes Erlebnis darstellt, schaut man innerlich an. Man verhält sich zu ihm wie zu einer Erinnerung. Wie man in der Sinneswelt sich zu einem Gedanken verhält, so weiß man in der geistigen Welt, daß man auf sich hinschaut, sich anschaut. Man muß immer sich dabei haben bei den Dingen, die man in der geistigen Welt erlebt. Und das ist im Grunde genommen die eine einzige Vorstellung, die sich in den Dingen hineinstellt — über die man zunächst nicht die Macht hat, von der ich vorhin gesprochen habe — und die auch für die geistige Welt gilt, so daß man die Dinge meistert, daß man die waltende Macht ist. Wie der Schwerpunkt, um den sich alles gruppiert, ist die eigene Wesenheit. Wie man in der geistigen Welt hantiert, das merkt man an der eigenen Wesenheit. Man merkt: So ist man in der geistigen Welt. — Nehmen wir an, man ist in der geistigen Welt darinnen und man nimmt etwas Unrichtiges wahr, das heißt, man hantiert durch die okkulte Schrift unrichtig. Ja, wenn man durch die okkulte Schrift unrichtig hantiert und sich als den Schwerpunkt wahrnimmt, um den sich alles herumgruppiert, dann erlebt man an seiner eigenen Wesenheit: So schaust du aus, denn du hast etwas unrichtig gemacht; jetzt mußt du das verbessern! — Man merkt an der Art und Weise, wie man wird, was man gemacht hat. Wenn ich es vergleichsweise darstellen will, so möchte ich sagen: Sie seien hier in der physischen Welt, aber Sie seien nicht in sich, sondern um sich herum, und Sie sagen zu jemandem: Jetzt ist es halb zwölf — aber das ist nicht wahr. Und in dem Augenblick schauen Sie sich an, wie Sie sich die Zunge entgegenstrecken und sagen jetzt: Das bist du ja nicht! — Und nun fangen Sie an, an sich auszubessern, bis es richtig ist, und bis Sie sagen: Es ist zwanzig Minuten nach neun! — Dann geht die Zunge wieder zurück. So schauen Sie sich an, ob Sie sich richtig in der geistigen Welt verhalten.
[ 15 ] Such grotesque images may serve to characterize these things, which should be taken much more seriously than everything said about the physical world. The point is to gain an understanding of the super-sensible realm through the power of thinking we already possess in the physical world. That way we free our thinking, which otherwise remains bound to our physical environment.
[ 16 ] Das sind die Dinge, die vielleicht sich durch solche grotesken Bilder charakterisieren lassen, von denen aber jeder fühlen wird, sie sind viel ernster gemeint, als alles gemeint sein kann, was für die physische Welt gesprochen werden kann. Das ist es ja gerade, daß wir uns mit der Denkkraft, die wir schon für die physische Welt haben, zunächst ein Verständnis für die übersinnlichen Welten aneignen. Dadurch reißen wir das Denken los, das sonst wirklich am Gängelbande der physischen Welt verläuft. In früheren Zeiten hatten die Menschen ein atavistisches, elementares Hellsehen. Da waren sie imstande, Imaginationen und so weiter, auch Inspirationen zu haben. Daß sie sich aber heute Begriffe bilden über die physische Welt, ist gegenüber dem früheren ein vollkommenerer Zustand der Menschen. In der Zeit, als die Menschen ein atavistisches Hellsehen gehabt haben, haben sie eben nicht ordentlich denken können. Und damit ordentliches Denken hat entstehen können, mußte eben die Kraft, die früher zum Hellsehen nötig war, zum Denken verwendet werden. Und wenn heute ein Mensch in gewissen Partien des Lebens hellseherische Kräfte entfaltet, die nicht so entwickelt worden sind, wie sie die Geisteswissenschaft beschreibt, so heißt das: Er hat sie als Erbschaft von früheren Zeiten, weil er als Hellseher für die Partien des Lebens, wo das Hellsehen vorhanden ist, eben noch nicht angekommen ist an das reife Urteil. Immer mehr und mehr gehen wir aber den Zeiten entgegen, in welchen zuerst das reife Urteil vorhanden sein muß, und sich dann erst aus dem reifen Urteil heraus wieder das Hellsehen entwickeln muß. Wenn also heute jemand auftritt, der, ohne daß er ernste Übungen gemacht hat, ohne daß er, sagen wir, entsprechend in die Geisteswissenschaft eingedrungen ist — denn die Geisteswissenschaft kann selbst, wenn man richtig in sie eindringt, die beste Übung sein, um das alte Hellsehen herauszubringen —, wenn ein solcher gewisse psychische Fähigkeiten, ein gewisses Hellsehen oder anderes zeigt, so deutet das darauf hin, daß er nicht etwa in der Entwickelung voraus ist vor den anderen, sondern daß er zurückgeblieben ist. Man muß noch nicht den Standpunkt des hellen Denkens erreicht haben, wenn man heute atavistische Fähigkeiten in der Seele entwikkelt. Wenn also heute die Frage entsteht: Welche Seele steht gewissermaßen in der Entwickelung voran, diejenige, die nur gesund urteilt mit dem gewöhnlichen Verständnis — und mit diesem gewöhnlichen Verständnis kann sie auch, wenn sie kein Vorurteil hat, die Geisteswissenschaft verstehen —, die sich also zunächst aus dem Verständnis heraus eine Anschauung verschafft über geistige Welten und Sinne, oder ein Mensch, der allerlei Zeug hellsichtig aus sich herausbringt? — so ist diejenige Persönlichkeit die vorgeschrittene, die ein gesundes Urteil hat. Und am meisten geht man fehl, wenn man sich imponieren läßt durch solche atavistischen hellseherischen Fähigkeiten. Wenn man sich zu dem Glauben verleiten läßt, daß eine solche Persönlichkeit eine besonders entwickelte Seele vorstellt, so geht man immer fehl. Denn daß diese Seele solche Fähigkeiten zeigt, das bedeutet, daß sie besondere Dinge noch nicht durchgemacht hat, die während der Zeit des Hellsehens durchgemacht werden mußten. Deshalb holt sie es heute nach. Das Groteskeste ist, wenn innerhalb der geisteswissenschaftlichen Strömung der Glaube auftritt, daß jemand, der ein gewisses Hellsehen hat, ohne in die Geisteswissenschaft eingedrungen zu sein, früher etwas Bedeutenderes gewesen sein muß. Er ist sicher etwas Unbedeutenderes als der, welcher ein gesundes Urteil über die Dinge hat.
[ 16 ] In earlier times people had a basic, atavistic clairvoyance. It was possible for them to have Imaginations, even Inspirations. But in contrast to this earlier stage, we have now reached an advanced stage and can form ideas about the physical world. When people still possessed an atavistic clairvoyance, they could not think properly. For proper thinking to develop, the strength used earlier in clairvoyance had to be applied to thinking. Some people nowadays develop clairvoyant faculties at certain times in their life by methods other than those described by spiritual science. This is because they have inherited these faculties from earlier times and they have not yet achieved sound judgment in those areas of life where they are clairvoyant. But we are approaching the time when sound judgment must be present before clairvoyance can be developed on the basis of such mature and balanced judgment. In other words, when people these days show certain psychic abilities, a certain clairvoyance, without having done serious exercises, without having studied spiritual science—which, if applied in the right way, can be the best exercise to bring out the old clairvoyance—this does not mean that they are more advanced than everyone else, but rather that they are lagging behind. Having atavistic abilities today does not mean one has reached the stage of clear thinking. The more advanced soul is clearly the one that comes to sound judgments out of its ordinary understanding—and this ordinary understanding is completely sufficient to grasp spiritual science if one is free of preconceived notions. We are making a great mistake if we allow atavistic clairvoyant abilities to impress us. We are on the wrong track if we believe such a person's soul is particularly advanced. That this soul shows such abilities means that it has failed to go through certain things that had to be experienced in the age of clairvoyance. Therefore, that soul is now catching up on what was missed earlier. It is quite grotesque when people involved in spiritual science believe that someone who displays a certain clairvoyance without having studied spiritual science must have been someone important in a previous life. Such a person was quite certainly less important than someone displaying sound judgment about things.
[ 17 ] Nun kommt sehr viel darauf an, daß unsere geisteswissenschaftliche Strömung gerade dahin wirkt, einen gewissen Kreis von Menschen zu haben, der diese Dinge durchschaut, sie wirklich richtig versteht, der also vor allen Dingen dem Urteil gewachsen ist: Es muß in der Gegenwart Geisteswissenschaft auftreten, denn man muß durch die Geisteswissenschaft durchgehen, man muß durch das Verständnis der Geisteswissenschaft durchgehen, um weiterzukommen.
[ 17 ] Now it is very important that our movement should try to build a certain circle of people who see through these things, who truly and thoroughly understand them and can reach the following insight: We need spiritual science in our time because only by understanding it can we progress.
[ 18 ] Es ist außerordentlich wichtig, daß dies auftritt. Gewiß, es gibt Kinderkrankheiten auf allen Gebieten, auf den Gebieten des menschlichen Lebens und auch selbstverständlich innerhalb solcher Strömungen, die als geistige Strömungen in die Welt kommen. Und Kinderkrankheiten der Geisteswissenschaft sind nur zu leicht verständlich, weil es ja bei der Geisteswissenschaft selbstverständlich darauf hinauskommt, dem Menschen das zu verschaffen, was durch das hellsichtige Bewußtsein erlangt worden ist. Aber Sie sehen, wie das charakterisiert werden muß. Daß es an so charakterisiert werden muß, daß es gar nicht die menschliche Bequemlichkeit anspricht, so hellsichtig zu werden, wie es die gegenwärtige und zukünftige Menschheit fordert. Dazu gehört etwas ganz anderes, als nur die Dinge an sich herankommen zu lassen. Dazu gehört ein Dabeisein jeden Augenblick, ein Sich-in-der-Hand-Haben und ein Sich-beobachten-Können, sobald man in die geistige Welt hinaufkommt. Das ist es, was sich als Verständnis verbreiten muß. Bequemer ist es, so etwas an sich herankommen zu lassen, was wie ein Traum an den Menschen herankommt, was auf und ab flutet. Man möchte genau so die geistige Welt erleben, wie man die physisch-sinnliche Welt erlebt. Es ist das noch zurückgeblieben aus den alten Zeiten der menschlichen kulturellen Geistesentwickelung, weil man im alten Hellsehen eben die Dinge so erlebt hat, daß man sie eigentlich nicht «gewußt» hat, und daher könnte es wohl auch heute sein, daß man die geistige Welt so erleben möchte, daß man sie eigentlich nicht «weiß». Man unterschätzt das, was man durchsichtig klar weiß. Wenn man zum Beispiel rechnet, so rechnet man nach der Methode. Da ist man nicht selbst dabei. Wenn man addiert: fünf und sieben ist zwölf —, so ist man nicht so dabei, wie es hier gemeint ist, daß man sich hinstellen muß, überall dabei sein muß, um die Sache zu machen. Deshalb lieben die Menschen nicht, daß man eine Meinung über die Welt hat, die man selbst gemacht hat. Sobald man den Menschen nur irgend etwas aufzeigen kann, wobei man nicht dabei war, dann sind sie froh, ungeheuer froh! Wenn aber jemand kommt und zeigt: Er weiß von der geistigen Welt, weiß so davon, daß er dabei ist —, dann sagen die Leute: Oh, der weiß das! Das ist ein ganz bewußter Vorgang, das ist nicht objektiv. — Wenn aber jemand kommt, der eine Lichterscheinung hat und der keine Ahnung hat, wie er es hervorbringt, dann heißt es: Das ist objektiv, ganz objektiv! Da kann man daran glauben. — Aber das ist gerade der bedeutsamste Punkt in unserer Geisteswissenschaft, bei der geistigen Strömung, die der wahren Geisteswissenschaft entspricht, daß man versucht, sich klare Vorstellungen zu machen. Gerade weil die Geisteswissenschaft noch etwas Neues ist, aber natürlich die Sehnsucht nach der geistigen Welt und nach einem Wissen von der geistigen Welt jetzt in den Menschenseelen erwacht, deshalb versuchen die Menschen überall, wo noch etwas heraufkommt aus der alten Welt des Hellsehens und Hellfühlens, da anzuknüpfen, das zu sammeln, um dann zu glauben, man täte etwas ganz Besonderes, wenn man die alten Dinge konserviert. Aber darin besteht unsere Aufgabe: auf diesem Gebiete klar zu sehen! Uns muß klar sein, daß es nicht minderwertig ist, wenn jemand in bezug auf einen geistigen Heilungsprozeß einen vollständig bewußten Rat gibt. Aber das werden die Menschen weniger schätzen, als wenn jemand kommt, der die Geschichte «im Griff» hat, der sich ganz dunklen Gefühlen überläßt, der es gar nicht «weiß»; denn da hat man das dunkle, wonnige Gefühl: Das kommt aus etwas Unbekanntem heraus! — Und hört man denn nicht auf Schritt und Tritt, daß die Leute sagen: Was man begreifen kann, das interessiert uns ja nicht, das Unbegreifliche bringt uns einmal her! Das ist das Hohe, das Göttliche!
[ 18 ] This is very important. There are, of course, childhood illnesses in all areas of life, and naturally also in spiritual streams entering the world. And one can understand easily enough why spiritual science has childhood illnesses because it tries to give human beings the results that were achieved by clairvoyant consciousness. But you can see how we have to describe this. We have to say that becoming clairvoyant in the way humanity needs it now and in the future does not appeal to people's love of comfort and convenience. It requires a great deal more than just waiting for things to happen. Participation at every moment, self-control and the capacity for self-observation are required to reach the spiritual world. This must be widely understood. It is much easier to wait for clairvoyance to approach us like a dream, streaming to and fro. People want to experience the spirit realm in the same way they experience the world of the senses. This is a remnant from past periods of our history. In ancient clairvoyance, things were experienced in such a way that people did not really “know” them. This is probably why even today people want to experience the spirit realm in such a way that they do not actually “know” it. We do not properly appreciate what we know for sure. When we do arithmetic, for example, we follow certain set methods, without being much involved in what we are doing. When we add up five and seven, we are not really participating in the sense referred to here; we are not fully present in what we do. That is why people do not like it if others have developed their own view of the world. As soon as you can show people something you have come to know without this inner participation, they are happy, exceedingly happy! But when someone demonstrates knowledge of the spiritual world and knows of it in such a way that he is involved, then people say, “Oh, he knows it! That is a completely conscious process and not objective.” But if someone comes along and has had a vision whose origin he cannot explain, people say, “That is objective, completely objective! We can believe this person.” The most important aspect of our spiritual science is to develop clear ideas. Spiritual science is still relatively new; therefore, now that people's longing for the spiritual world and knowledge of it has awakened, they want to connect with everything still coming up from the old world of clairvoyance. They gather all these old things and believe they are doing something quite special in preserving them. However, our task is to see clearly in this field! It must be clear to us that there is nothing inferior about giving advice in full consciousness on a matter of spiritual healing. But most people will appreciate indications given by someone “above” the situation, who yields himself to quite obscure feelings and does not “know” things, much more because his statements result in the dark, blissful feeling: This is the result of something unknown! Everywhere we hear people saying that things they can grasp are of no interest to them. They have come for the inexplicable—that is supreme, divine!
[ 19 ] Wirklich, es ist nötig, daß nicht nur die einzelnen Wahrheiten der Geisteswissenschaft nach und nach in unsere Seele einziehen, sondern daß wir uns einen klaren, sicheren Blick aneignen in bezug auf die Verhältnisse, die soeben berührt worden sind und die sich uns ergeben haben, indem ich versuchte, von der Charakteristik von Träumen ausgehend, zu zeigen, wie das wirkliche Hellsehen eine aktive Betätigung der Seele voraussetzt, die sich vergleichen läßt mit dem Schreiben. Um in diesen Dingen immer mehr und mehr Klarheit zu verbreiten, ist meine Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt» abgefaßt. Wer sie versteht, wird den Grundnerv, das Hauptsächlichste, worauf es bei unserer Bewegung ankommt, verstehen. Deshalb muß immer wieder und wieder darauf hingewiesen werden — trotzdem es ja im Laufe der Jahre oft geschehen ist —, weil so viel darauf ankommt: Wer wirklich in die Geisteswissenschaft eindringen will, muß sich einen gesunden Blick für das wahrhaft Geisteswissenschaftliche aneignen. Dann werden wir allmählich zu einer Gesellschaft werden, die sich zur Aufgabe machen kann, wirklich heilsam zu wirken in bezug auf alles, was in das Gebiet des geistigen Lebens gehört.
[ 19 ] Believe me, the individual truths of spiritual science must gradually enter our souls, and at the same time we must have a clear and sure sense for the conditions I have just touched upon. I have spoken about these conditions to show, beginning with the nature of dreams, that true clairvoyance requires the kind of active work by the soul we can compare with writing. I wrote The Threshold of the Spiritual World with the aim of clarifying these matters more and more. Those who understand my book will grasp the vital nerve, the keynote of our movement. I have to emphasize again and again—in spite of having said it frequently over the years—because so much depends on this: Those who really want to gain access to spiritual science have to acquire a healthy sense for the things that truly belong to it. Then we will gradually develop into a Society that can set itself the task of having a genuinely healing effect on everything belonging to cultural life.
[ 20 ] Über das, was heute begonnen worden ist als eine Charakteristik über die Traumwelt aus den geistigen Welten, werden wir bei nächster Gelegenheit weitersprechen.
[ 20 ] Next time, we will continue to talk about what we began today as a description of the world of dreams based on the spiritual world.
