How does one Develop an Understanding of the Spiritual World
The influx of spiritual impulses from the world of the deceased
GA 154
5 May 1914, Basel
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The Presence of the Dead on the Spiritual Path, tr. Arnim
3. Die Erweckung Spiritueller Gedanken als Zeitforderung
Awakening Spiritual Thoughts
[ 1 ] Es ist mir eine besondere Befriedigung, daß wir uns hier zusammenfinden können, gewissermaßen herausgerissen aus unserer Dornacher Bauarbeit. Allein es schien mir eine Unmöglichkeit, so rein räumlich in unmittelbarer Nähe unseres Baues zusammenzusein, und nicht auch zusammenzukommen, um anthroposophische Dinge zu besprechen. Hoffentlich ergibt sich die Möglichkeit, dies ab und zu während des Jahres mehrmals zu tun, da ja sonst gerade unsere am Bau arbeitenden Freunde weniger Gelegenheit haben würden, an solchen Besprechungen teilzunehmen, als sie schließlich in den Zeiten haben, in denen sie ihre Kräfte nicht diesem Bau widmen.
[ 1 ] I am very glad that we can meet here today and take a break, so to speak, for a while from the work on our new building in Dornach.1Work on the construction of the first Goetheanum in Dornach. Started in 1913, it was destroyed by arson on New Year's Eve 1922/23. But I thought it would be impossible to gather here so near our building without also discussing anthroposophical matters. I hope we can do this more often in the course of the year; otherwise our friends working on the building will not have as many opportunities to attend such meetings as they do when they are not working on our building.
[ 2 ] Womit wir heute beginnen möchten, das sollen einzelne Betrachtungen sein über das geistige Leben, die uns nützlich sein können, wenn wir einmal in ruhiger Stunde eine Überschau halten über die Frage: Welche Bedeutung kann für uns als menschliche Seelen die Geisteswissenschaft, welche Bedeutung kann das anthroposophische Leben haben? — Es könnte ja, insbesondere demjenigen Menschen der Gegenwart, der noch wenig sich eingelebt hat in anthroposophisches Denken und Fühlen und Empfinden, sehr leicht scheinen, als ob die Frage berechtigt sein könnte: Ja, wozu braucht man sich eigentlich zu kümmern um das geistige Leben, um die geistige Welt, da wir doch jedenfalls so könnte ja auch der materialistisch Gesinnte sagen — nach dem Tode in diese geistige Welt hineinversetzt werden und dann schon erfahren werden dasjenige, was wir über sie zu erfahren haben. Warum sollten wir uns nicht damit begnügen können, hier in diesem Leben zwischen Geburt und Tod einfach dasjenige zu tun, was sich aus dem Leben in der physischen Welt eben ergibt, und warum sollten wir unserem Leben einen Nachteil bringen, wenn wir unsere physischen Pflichten tun, die sich in der physischen Welt ergeben, und im übrigen im Unbestimmten lassen dasjenige, wie es sich mit der geistigen Welt verhalten mag? — Es ist das ein Ausspruch und eine Frage, die man ja oftmals gehört hat, als die materialistische Hochflut, namentlich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, über die Menschheitsentwickelung dahin ging. Und es waren gar nicht immer die ethisch schlechtesten Seelen, die sagten: Seien wir doch während unseres Lebens auf Erden bedacht auf die Pflichten, die uns auf Erden erwachsen, und überlassen wir das übrige einer Welt, die wir nach dem Tode etwa betreten. — Oft hat man das hören müssen.
[ 2 ] Let us start with some thoughts on the life of the spirit that might be useful in considering what meaning spiritual science and living with anthroposophy can have for us, for our soul. People new to anthroposophical thinking, feeling, and perception may think we should not worry about the life of the spirit, about the spiritual world, since we enter the spiritual world anyway after death (even a materialist might say this) and will there learn all we need to know about it. Why should we not be satisfied in this life between birth and death simply to do what is necessary for life in the physical world; why is it wrong when we just fulfill our duties in the physical world, and leave matters concerning the spiritual world in the realm of the uncertain and indefinite? One could hear these words often during the time when the tide of materialism engulfed human development, especially in the last third of the nineteenth century. And it was by no means the most morally reprehensible souls who said: While on earth, let us concentrate on our tasks here and leave the rest for the world we enter after death.
[ 3 ] Nun sei zunächst auf eines aufmerksam gemacht, welches für den Verständigen, der nun beginnt sich einzuleben, man möchte nicht einmal sagen in Geisteswissenschaft, sondern nur in ein wirklich logisches Denken, es sei etwas erwähnt, was für ihn sogleich einleuchtend sein kann. Der Mensch verbringt ja eigentlich nur einen Teil der Zeit zwischen Geburt und Tod wirklich in der physischen Welt, das heißt, er verbringt in der physischen Welt die Zeit, in der er wach ist. Und mindestens müßte derjenige, der vielleicht noch wenig an das Denken über die geistige Welt herangetreten ist, jedoch logisch denken kann, zugeben, daß der Mensch in seinem bewußten Seelenleben über das Schlafleben zunächst ebensowenig unterrichtet ist wie über das Leben nach dem Tode. Und nicht gut kann schließlich ein logisches Denken das Fortleben im Schlafe ableugnen, es müßte dann ein solches logisches Denken sich abfinden können mit der Behauptung, daß man wirklich an jedem Abend zugrunde geht und am morgen neu entsteht. Das wird ein logisches Denken wohl nicht tun, aber ebensowenig wird sich ein wirklich logisches Denken entschließen können zu behaupten, daß in dem schlafenden Leibe, der im Bette liegt, wirklich der ganze Mensch enthalten sei. Mindestens müßten die Leute über die Tatsache des Schlafes nachdenklich werden. Und wenn die Leute über die Tatsache des Schlafes nachdenklich werden, wird ihnen das schon einen Impuls geben, sich doch ein wenig auseinanderzusetzen mit dem, was Geisteswissenschaft der Welt zu geben hat. Gerade die Naturwissenschaft wird immer mehr und mehr dazu kommen, einzusehen, daß in dem schlafenden Menschen, das heißt in dem physischen Leib des schlafenden Menschen, das eigentlich seelische Wesen des Menschen nicht vorhanden ist, nicht da ist. Aber wohl kaum wird dieses Jahrhundert naturwissenschaftlicher Entwickelung zu Ende gehen, ohne daß die Naturwissenschaft auch aus sich heraus diese Erkenntnis, die eben angedeutet worden ist, haben wird. Dann wird diese Naturwissenschaft schon anfragen bei der Geisteswissenschaft, und dann wird sie durch sich selbst gezwungen werden, diese Naturwissenschaft, anzuerkennen, daß das, was wir des Menschen geistig-seelische Wesenheit nennen, wirklich außer Verbindung ist mit dem Leiblich-Physischen im Schlaf. Und dann wird wichtig werden, immer wichtiger werden für die Menschen des 20. Jahrhunderts, etwas über diesen Schlaf zu wissen. Und uns eine Vorstellung zu machen über dasjenige, was im Laufe des 20. Jahrhunderts die Menschen werden wissen müssen über die Natur des Schlafes, damit wollen wir heute beginnen.
[ 3 ] Now, let us talk about something that can be grasped immediately by anyone who begins to concern himself with—I do not even want to say spiritual science—but with truly logical thinking. We actually spend only part of our time between birth and death in the physical world, namely, our waking time. And even people who have not yet thought much about the spiritual world, but who can think logically, would have to admit that with our conscious mind we know as little about life in sleep as we do about life after death. And certainly no one can deny that we continue to live in sleep—unless such a person were prepared to accept that we really die every evening and are created anew each morning. That is unlikely, but the truly logical person will be equally unable to accept that the whole human being is really present in a sleeping body lying in bed. The fact that we sleep regularly should at least make people think. And then they will be motivated to reflect on what spiritual science has to offer. In particular, the natural sciences will more and more realize that our soul is not present in our physical body when we sleep. In fact, they will reach this conclusion on their own before the end of this century of scientific development. Then they will look to spiritual science for answers to their questions. They will be forced by their own conclusions to realize that our soul-spiritual being is really not connected with our physical body when we are sleeping. It will then become ever more important for people in the twentieth century to know something about sleep. Therefore let us begin today and get an idea of what people in our century will have to know about the nature of sleep.
[ 4 ] Wir wissen ja aus unseren geisteswissenschaftlichen Studien, daß der Mensch mit den zwei Gliedern seiner Wesenheit, dem Ich und dem Astralleib, aus dem physischen und dem Ätherleib heraus ist, wenn der Mensch schläft. Wir können die Frage aufwerfen: Ja, wo sind denn Ich und Astralleib während des Schlafes? — Zunächst können wir antworten: Nun, in der geistigen Welt. — Ja, in dieser geistigen Welt sind wir ja aber eigentlich immer. Wir sind in der geistigen Welt wirklich immer drinnen, weil ja diese geistige Welt nicht irgendwo abgesondert ist von der äußeren Welt; sondern wie uns physisch die Luft überall umgibt, so umgibt uns geistig die geistige Welt. Wir sind also auch im wachenden Zustand in der geistigen Welt immerfort drinnen. Aber wir sind im Schlaf anders in dieser geistigen Welt, als wir im Wachzustand darin sind. Nun genügt es ja gewissermaßen, ich möchte sagen für die gewöhnlichsten nächsten Bedürfnisse der Geisteswissenschaft, die Sache so zu sagen: Man ist mit seinem Ich und Astralleib außerhalb des physischen und Ätherleibes im Schlaf. Aber man sagt, indem man dieses ausspricht, doch im Grunde genommen nur die halbe Wahrheit. Die halbe Wahrheit sagt man ja, aber man sagt eben nur die halbe Wahrheit. Es ist so im Grunde genommen, als wenn man sagte: In der Nacht ist die Sonne außerhalb der Erde. — Nur für diejenigen Bewohner, nicht wahr, die in Europa leben, ist in der Tat die Sonne außerhalb ihrer Erde während der Nachtzeit. Aber wir wissen: nicht für alle Bewohner der Erde ist es so. Im Grunde genommen ist es so mit unserer Wesenheit, insofern wir ein Ich und ein Astralleib sind, im Schlaf. Wirklich außerhalb, man möchte sagen, völlig außerhalb unseres physischen und Ätherleibes sind wir mit unserem Ich und Astralleib erst nach dem Tode. Während des Schlafes sind wir, streng genommen, mit unserem Ich und Astralleib außerhalb unseres Blutes und unseres Nervensystems. Aber wenn gleichsam die Sonne unseres Wesens, unser Ich und Astralleib, untergehen für unser Blut und unser Nervensystem, die sie während des Tages durchdringen, so gehen sie auf für die andere Hälfte des Menschen, für die Organe, die nicht Blut und Nervensystem sind. Mit denen steht der Mensch während des Schlafes in einer innigen Verbindung. Wirklich, wie unsere Sonne, die uns während des Tages scheint, wenn sie für uns untergeht, für andere Erdbewohner aufgeht, so ist es mit Ich und Astralleib. Wenn sie untergehen für unser Blut und Nervensystem, so gehen sie auf für die anderen Organe und sind mit diesen dann um so energischer verbunden. Nun sind diese anderen Organe, mit denen nun während der schlafenden Zeit unser Ich und Astralleib verbunden sind, in der Tat diejenigen, welche geradeso wie alles, was in der Welt existiert, aus der Geistigkeit heraus aufgebaut sind. Und nun liegt für unsere Schlafenszeit das Merkwürdige vor, daß wir von unserem Ich und Astralleib aus stark beeinflussen diese außerhalb unseres Nervensystems und unseres Blutes gelegenen Organe unseres Leibes. Während wir bei tagwachender Zeit von unserem Ich und Astralleib aus stark unser Nervensystem und unser Blut beeinflussen, beeinflussen wir unsere anderen Organe und auch das an unseren anderen Organen, was nicht gewissermaßen von Blut und Nerven selber ausgeht, sondern was von unseren Nerven in das Blut hineinspielt, beeinflussen wir dies alles von unserem Ich und Astralleib aus besonders stark im Schlaf.
[ 4 ] We know from our studies in spiritual science that when we fall asleep, two members of our being, the ego and the astral body, leave the physical and etheric bodies. Where are the ego and the astral body when we are asleep? To begin with, we can say they are in the spiritual world. Of course, we are always in the spirit realm, because the latter is not separated from the physical world, but surrounds us just as air envelops us everywhere. We are always in the spiritual world, even when we are awake. However, we inhabit it in a different way when we are asleep than when we are awake. Now, it may be sufficient for the immediate needs of spiritual science to describe this situation by saying that in sleep our ego and astral body are outside our physical and etheric bodies. But then we would actually be telling only half the truth. It is the same as saying the sun sets here at night; because the sun in fact sets then only for us in Europe. We know this does not apply to all the inhabitants of the earth. Fundamentally, the ego and astral body leave our physical and etheric bodies properly, we might say, completely, only after death. In sleep they actually leave only the blood and nervous system. But when the “sun” of our being, namely, the ego and astral body, sets in relation to our blood and nervous system, which they penetrate during the day, it rises for the other half of our being, that is, for the other organs. Our ego and astral body do just what the sun does, which shines here during the day and when it sets for us, it rises for the people on the other side of the earth. When ego and astral body “set” for our blood and nervous system, they rise for the other organs and are linked all the more strongly with them. These other organs, to which our ego and astral body are connected when we sleep, have been constructed out of the spirit, as has everything else in the world. And the remarkable fact is that while we are sleeping, we strongly influence these other organs of our body with our ego and astral body. During the day, our ego and astral body work strongly upon our blood and nervous system, but they influence our other organs, all those not part of the blood and nervous system but which affect the blood from the nerves, when we are asleep.
[ 5 ] Wenn das der Fall ist, so ergibt sich etwas anderes, ich möchte sagen, leicht Begreifliches. Das leicht Begreifliche ergibt sich daraus, daß es nicht gleichgültig ist, wie wir mit unserem Ich und Astralleib in den Schlaf hineingehen. Dem Materialisten kann das zunächst ja ganz gleichgültig sein, wie es mit seinem Ich und Astralleib, von denen er ja gar nicht spricht, sich verhält im Schlaf. Derjenige, der die Dinge durchschaut, weiß, daß unsere Organe, insofern sie nicht direkt in Betätigungen des Blutes und des Nervensystems, also im bewußten Leben sich äußern, abhängig sind von dem, was in unserem Ich und Astralleib so ist, daß es sich insbesondere während des Schlafes betätigt. Vielleicht kann man über eine solche Sache am besten durch ein Beispiel sprechen. Ein naheliegendes Beispiel sei genommen.
[ 5 ] From this follows that it is of some consequence how we enter sleep with our ego and astral body. Materialists will not care much about what happens in sleep to their ego and astral body, which they never mention anyway. However, those who understand these things will know that the organs that are not part of the blood and nervous system and do not manifest in our conscious existence are dependent on those aspects of our ego and astral body that are active in sleep.
[ 6 ] In unserer Zeit gibt es bekanntlich eine Furcht, die sich ganz sinngemäß vergleichen läßt mit der mittelalterlichen Furcht vor Gespenstern. Das ist die heutige Furcht vor den Bazillen. Die beiden Furchtzustände sind sachlich ganz dasselbe. Sie sind auch insofern ganz dasselbe, als ein jedes der beiden Zeitalter, das Mittelalter und die Neuzeit sich so verhalten, wie es sich für sie schickt. Das Mittelalter hat einen gewissen Glauben an die geistige Welt; es fürchtet sich selbstverständlich dann vor geistigen Wesenheiten. Die neuere Zeit hat diesen Glauben an die geistige Welt verloren, sie glaubt an das Materielle, sie fürchtet sich also vor materiellen Wesenheiten, wenn diese auch noch so klein sind. Ein Unterschied könnte, nicht wahr, sachlich höchstens darin gefunden werden, daß die Gespenster doch wenigstens gewissermaßen anständige Wesen sind gegenüber den kleinwinzigen Bazillen, die keineswegs eigentlich, ich möchte sagen, wirklich Staat machen können mit ihrem Wesen, so daß man sich wirklich so ernsthaftig fürchten könnte vor ihnen wie vor einem anständigen Gespenst. Nun soll ja damit selbstverständlich nicht gesagt werden, daß die Bazillen durchaus gepflegt werden sollen, und daß es etwas Gutes ist, recht viel sozusagen mit Bazillen zusammenzuleben. Das soll durchaus nicht gesagt werden. Aber es widerspricht auch nicht dem, was gesagt wurde, denn schließlich Bazillen sind gewiß da, aber Gespenster waren auch da. Für diejenigen, die an die geistige Welt wirklich glauben konnten, ist nicht einmal in bezug auf Realität ein Unterschied in dieser Beziehung.
[ 6 ] Let me illustrate this with an obvious example. As we know, people today are haunted by a fear we can compare with the medieval fear of ghosts. It is the fear of germs. Objectively, both states of fear are the same. Both fit their respective age: People of the Middle Ages held a certain belief in the spiritual world; therefore quite naturally they had a fear of spiritual beings. The modern age has lost this belief in the spiritual world; it believes in material things. It therefore has a fear of material beings, be they ever so small. Objectively speaking, the greatest difference we might find between the two periods is that ghosts are at any rate sizable and respectable. The tiny germs, on the other hand, are nothing much to write home about as far as frightening people is concerned. Now of course I do not mean to imply by this that we should encourage germs, and that it is good to have as many as possible. That is certainly not the implication. Still, germs certainly exist and ghosts existed also, especially as far as those people who held a real belief in the spiritual world are concerned. Thus, they do not even differ in terms of reality.
[ 7 ] Nun handelt es sich darum, und das ist das Wesentliche, was heute hervorgehoben werden soll, daß Bazillen nur dann gefährlich werden können, wenn sie gepflegt werden. Pflegen soll man die Bazillen nicht. Gewiß, da werden uns auch die Materialisten recht geben, wenn wir die Forderung aufstellen, Bazillen soll man nicht pflegen. Aber wenn wir weitergehen und vom Standpunkt einer richtigen Geisteswissenschaft davon sprechen, wodurch sie am meisten gepflegt werden, dann werden sie nicht mehr mitgehen, die Materialisten. Bazillen werden am intensivsten gepflegt, wenn der Mensch in den Schlafzustand hineinnimmt nichts anderes als materialistische Gesinnung. Es gibt kein besseres Mittel für diese Pflege, als mit nur materialistischen Vorstellungen in den Schlaf hineinzugehen und von da, von der geistigen Welt, von seinem Ich und Astralleib aus zurückzuwirken auf die Organe des physischen Leibes, die nicht Blut und Nervensystem sind. Es gibt kein besseres Mittel, Bazillen zu hegen, als mit nur materialistischer Gesinnung zu schlafen. Das heißt, es gibt noch wenigstens ein Mittel, das ebensogut ist wie dieses. Das ist, in einem Herd von epidemischen oder endemischen Krankheiten zu leben und nichts anderes aufzunehmen als die Krankheitsbilder um sich herum, indem man einzig und allein angefüllt ist mit der Empfindung der Furcht vor dieser Krankheit. Das ist allerdings ebensogut. Wenn man nichts anderes vorbringen kann vor sich selber als Furcht vor den Krankheiten, die sich rundherum abspielen in einem epidemischen Krankheitsherd und mit dem Gedanken der Furcht hineinschläft in die Nacht, so erzeugen sich in der Seele die unbewußten Nachbilder, Imaginationen, die durchsetzt sind von Furcht. Und das ist ein gutes Mittel, um Bazillen zu hegen und zu pflegen. Kann man nur ein wenig mildern diese Furcht durch werktätige Liebe zum Beispiel, wo man unter den Verrichtungen der Pflege für die Kranken etwas vergessen kann, daß man auch angesteckt werden könnte, so mildert man auch durchaus die Pflegekräfte für die Bazillen.
[ 7 ] However, the important point we want to make today is that germs can become dangerous only if they are allowed to flourish. Germs should not be allowed to flourish. Even materialists will agree with this statement, but they will no longer agree with us if we proceed further and, from the standpoint of proper spiritual science, speak about the most favorable conditions for germs. Germs flourish most intensively when we take nothing but materialistic thoughts into sleep with us. There is no better way to encourage them to flourish than to enter sleep with only materialistic ideas, and then to work from the spiritual world with the ego and the astral body on those organs that are not part of the blood and the nervous system. The only other method that is just as good is to live in the center of an epidemic or endemic illness and to think of nothing but the sickness all around, filled only with a fear of getting sick. That would be equally effective. If fear of the illness is the only thing created in such a place and one goes to sleep at night with that thought, it produces afterimages, Imaginations impregnated with fear. That is a good method of cultivating and nurturing germs. If this fear can be reduced even a little by, for example, active love and, while tending the sick, forgetting for a time that one might also be infected, the conditions are less favorable for the germs.
[ 8 ] Diese Dinge werden ja in der Geisteswissenschaft nicht bloß vorgebracht, um auf den Egoismus der Menschen zu spekulieren, sondern um Tatsachen der geistigen Welt zu schildern. So sehen wir, daß wir es eigentlich im Leben in diesem konkreten Fall sehr wohl mit der geistigen Welt zu tun haben, denn wir wirken tatsächlich selber aus der geistigen Welt heraus vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und wahrhaftig mehr als durch alle Mittel, die jetzt von der materialistischen Wissenschaft vorgebracht werden gegen all das, was Bazillen heißt, wahrhaftig mehr, unsäglich reicher für die Menschheitszukunft könnte man wirken, wenn man den Menschen Vorstellungen überlieferte, durch die sie vom Materialismus weggebracht werden und zu werktätiger Liebe vom Geiste aus angespornt werden könnten. Immer mehr und mehr muß sich im Laufe dieses Jahrhunderts die Erkenntnis verbreiten, wie die geistige Welt auch für unser physisches Leben absolut nicht gleichgültig ist, wie sie für die physische Welt ihre durchdringende Bedeutung hat, weil wir in der Tat vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der geistigen Welt drinnen sind und da von ihr aus wirksam bleiben für den physischen Leib. Wenn sich das auch nicht unmittelbar zeigt, so ist es doch der Fall.
[ 8 ] These issues are not raised in anthroposophy merely to play on human egotism, but to describe the facts of the spiritual world. This concrete case demonstrates that in real life we cannot avoid dealing with the spiritual world, because it is the basis for our actions between going to sleep and waking up. If people were given thoughts that lead them away from materialism and spur them on to active love out of the spirit, it would serve the future of humanity better. Then infinitely more productive work could be achieved than through all the preparations now being developed by materialistic science against germs. In the course of this century, the insight has to spread more and more widely that the spiritual world is by no means irrelevant to our physical life, but is of essential importance to it because we are in the spiritual world between going to sleep and waking up, and continue to affect the physical body from there. Even if this is not immediately obvious, it is nevertheless true.
[ 9 ] Nun wird man sich an eines gewöhnen müssen, wenn man diese Dinge im richtigen Lichte betrachten will. Man wird sich daran gewöhnen müssen, daß dasjenige, was man direkt als Heilkraft der Geisteswissenschaft zu betrachten hat, wirken muß durch die menschliche Gemeinschaft. Denn man möchte sagen, was hätte es für eine Bedeutung, wenn irgendein einzelner Mensch da oder dort in die geistigen Welten beim Einschlafen hineingeht jedesmal mit denjenigen Gedanken, die der geistigen Welt zugeneigt sind, und ringsherum sind die anderen, die mit materialistischen Gedanken, materialistischen Empfindungen und Furchtempfindungen — die ja immer mit dem Materialismus zusammenhängen —, Heger und Pfleger der Bazillenwelt sind. Was ist sie eigentlich, diese Bazillenwelt? Ja, da kommen wir auf ein Kapitel, über das etwas zu wissen, recht wesentlich ist für das menschliche Leben. Wenn wir draußen in der Natur die Luft erfüllt finden mit Vogelgattungen aller Art, das Wasser mit Fischen, wenn wir verfolgen dasjenige, was kriecht über die Erde, was sich auf ihr tummelt und so den äußeren Sinnen zeigt, was da lebt in der Natur, da haben wir es zu tun mit Wesenheiten, von denen wir eigentlich durchaus ganz richtig sprechen, wenn wir sagen: Sie sind doch in irgendeiner Form, selbst dann, wenn sie da oder dort schädlich eingreifen in die Naturwirkungen, sie sind doch Geschöpfe der sich fortentwickelnden Gottheit. In dem Augenblick aber, wo wir auf diejenigen Wesen kommen, die den Wohnplatz ihres Wirkens in anderen lebenden Wesen haben, in Pflanzen, Tieren oder Menschen, da haben wir es zu tun, insbesondere wenn es sich handelt um bazillenähnliche Geschöpfe, die im tierischen oder menschlichen Leibe, namentlich die im menschlichen Leibe sind, da haben wir es allerdings auch zu tun mit Geschöpfen von geistigen Wesenheiten, aber mit Geschöpfen Ahrimans. Und richtig betrachtet man die Anwesenheit solcher Geschöpfe innerhalb unserer Welt, wenn man sich klar darüber ist, daß alle diese Wesenheiten zusammenhängen mit geistigen Tatsachen, mit den Beziehungen des Menschen zu Ahriman. Und diese Beziehungen des Menschen zu Ahriman werden hergestellt, wie wir wissen, durch materialistische Gesinnung oder rein egoistische Furchtzustände. Und richtig betrachtet man das Verhältnis, in dem vorhanden sind solche parasitäre Wesenheiten in der Welt, wenn man sagt: Da wo sich diese parasitären Wesenheiten zeigen, sind sie ein Symptom für das Eingreifen Ahrimans in die Welt. Und wenn wir an einem solchen Beispiel sehen, daß es tatsächlich nicht einerlei ist, ob der Mensch, wenn er des Abends einschläft, in die geistige Welt, in der er ist zwischen Einschlafen und Aufwachen, hinübernimmt reine materialistische Vorstellungen oder geistige Vorstellungen, wenn wir einsehen, daß das nicht einerlei ist, dann hören wir auch auf, davon zu sprechen, daß es etwa einerlei sein könnte, schon in dieser Welt etwas zu wissen vom Geiste oder nichts zu wissen vom Geiste. So müssen wir allerdings an einem bestimmten Punkte einsetzen, wenn wir uns so recht vor Augen rücken wollen die große Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Forschung schon für dieses menschliche Leben zwischen Geburt und Tod.
[ 9 ] Now, we will have to get used to the fact that the direct healing powers of spiritual science have to work through the human community if we are to see these matters in the right light. What does it mean that some individual here or there enters the spiritual world in sleep with thoughts turned toward the realm of the spirit, while all around other people nourish and nurture the germ world with their materialistic thoughts, materialistic feelings, and with fears, which are always connected with materialism? What is the real nature of germs? Well, here we come to a subject essential for human life. When we see the air around us filled with different species of birds and the water filled with fishes, when we observe the life forms that creep along the earth and others frolicking on it and revealing themselves to our senses, we are looking at beings we can correctly describe as creatures of the developing Godhead in one form or another, even if they are occasionally harmful. But in the case of germ-like creatures resident and active in other living beings, in plants, animals, or humans, we are dealing with creations of Ahriman. To understand the existence of such creatures correctly we must know that they express spiritual facts, namely the relationship between human beings and Ahriman. This relationship is established through a materialistic attitude and purely egotistical states of fear. We see the conditions allowing the existence of such parasitic beings correctly if we realize that they are a symptom of Ahriman intervening in the world. Clearly, then, it is not a matter of indifference whether we take materialistic or spiritual ideas with us into the spiritual world when we fall asleep. As soon as we realize this, we can no longer claim it is irrelevant whether or not we know of the spirit in this world. We have to start at a specific point if we really want to understand the great importance of spiritual scientific research for our life between birth and death.
[ 10 ] Aber wir können auch in ganz andere Gebiete unsere geistigen Augen hinrichten. Immer mehr und mehr wird uns auffallen, wie dieses Leben zusammenhängt mit dem geistigen Leben. Da brauchen wir als Menschen die andere, gleichsam unter dem Menschen stehende Natur, von der wir uns ernähren, aus der wir also unsere Nahrung ziehen. Dasjenige, wovon zunächst eine Zeitlang nach dem Tode die Toten ihre Nahrung ziehen, das sind die Vorstellungen, die Empfindungen, die unbewußten Empfindungen und Gefühle, die die Menschen hier auf Erden in den Schlaf hinübertragen. Für die Toten ist es ein gewaltiger Unterschied, ob irgendwo, sagen wir, eine Schar von Menschen schläft, die sich nur anfüllen während ihres Wachlebens mit lauter materialistischen Empfindungen und Vorstellungen und diese in den Schlaf hinübertragen und im Einschlafen durchdrungen sind von den Nachwirkungen dieser Materialismen, oder ob irgendwo schläft eine Schar von Menschen, die während des Wachens sich ganz und gar durchdrang mit geistigen Vorstellungen und die auch während des Schlafes noch von solchen durchdrungen ist. Wie eine öde Oberfläche, die nichts von Nahrungsmitteln enthält und auf welcher die Menschen verhungern müßten, sich verhält zu einer fruchtbaren Gegend, die den Menschen Nahrung bietet, so verhält sich für diejenigen, welche durch den Tod gegangen sind, eine Schar von Menschen, die mit materialistischer Gesinnung schläft, zu einer Schar von Menschen, die mit geistigen Vorstellungen schläft. Denn aus dem Erfülltsein der Seelen, die hier auf Erden schlafen, mit geistigen Vorstellungen, ziehen die Toten zunächst viele Jahre nach dem Tode Lebenskraft, die ähnlich ist, nur geistig, nur ins Geistige versetzt, dem, was wir als physische Menschen aus den uns Nahrung gebenden Wesenheiten der unter uns stehenden Naturreichen ziehen. Im buchstäblichen Sinne machen wir uns zum fruchtbaren Acker für die Toten, wenn wir uns erfüllen mit den Vorstellungen, die uns von der Geisteswissenschaft kommen. Und wir machen uns zum öden Felde, durch das wir die Toten aushungern, wenn wir uns zu Schläfern mit materialistischen Vorstellungen und Gesinnungen machen.
[ 10 ] It will become increasingly clear to us how this earthly life is connected with spiritual life. We rely on nature, which is on a lower level than we are, for our nourishment. For some time after death, the dead derive their nourishment from the ideas and the unconscious emotions that we here on earth take into sleep with us. Those who have died perceive a tremendous difference between people who in their waking life are filled only with materialistic feelings and ideas and also take them into sleep, and others who are wholly filled with spiritual ideas while awake and who continue to be filled with them in sleep. The two types of people are as different in their effect on the dead as a barren region where no food can grow, where people would starve, and a fruitful area that offers nourishment in abundance. For many years after death, the dead draw a vitality from the souls sleeping here on earth filled with spiritual content, a vitality that is similar, only transposed into the spiritual realm, to what we draw in our physical life from the beings of the kingdoms of nature below us. We literally turn ourselves into fruitful pastures for the dead when we fill ourselves with the ideas of spiritual science. And we turn ourselves into barren ground and starve the dead if we take only materialistic ideas and attitudes into sleep.
[ 11 ] Von Geisteswissenschaft jetzt in unserer Zeit zu sprechen, entspringt nicht einem solchen Enthusiasmus, wie der ist, der zu vielen anderen Vereinigungen, zu menschlichen Gesellschaften und dergleichen führt. Sondern es entspringt der Drang, von Geisteswissenschaft zu sprechen, derjenigen Notwendigkeit des Herzens, die einsieht, daß die Menschen im kommenden 20. Jahrhundert diese Geisteswissenschaft brauchen werden. Wie sich auch die Verhältnisse in der äußeren Welt gestalten, derjenige, der intensiv durchschaut, wie notwendig der Welt die Geisteswissenschaft ist, der hat es gar nicht in seiner Gewalt, etwa nicht die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft auf die Zunge und in den Mund fließen zu lassen, um sie den Mitmenschen mitzuteilen. Und man empfindet jede Kraft des Wortes, die man gebrauchen kann, als viel zu gering gegenüber der Notwendigkeit, die besteht, die Geisteswissenschaft in immer steigenderem Maße zuzuführen derjenigen Menschheit, die sonst immer mehr und mehr in den Materialismus hineintauchen müßte.
[ 11 ] It is not out of the enthusiasm that leads to the establishment of many other associations and societies that we speak of spiritual science in these times. Rather, the urge to speak about it comes out of necessity and the heartfelt realization that in the twentieth century people will need it. Regardless of outer circumstances, those who fully understand how much the world needs spiritual science cannot help but talk about its results and share it with their fellow human beings. The power of the words at our disposal seems much too weak to meet the necessity of making spiritual science ever more available to those who would otherwise sink deeper and deeper into materialism.
[ 12 ] Und wenn wir noch von einer anderen Seite fragen: Wie steht es mit unserem Verhältnis zu denjenigen Verstorbenen, mit denen wir im Leben in Verbindung gestanden haben, von denen wir uns deutliche Vorstellungen machen können, zu denen wir alle solche Beziehungen haben, daß oft an diese gedacht wird? Wie verhält es sich mit unserem Verhältnis zu den Toten in noch anderer Beziehung, als wenn wir eben den Toten geistige Nahrung bieten dadurch, daß wir in den Schlaf hinein geistige Vorstellungen tragen? Wie verhält es sich im Wachleben mit unseren Beziehungen zu den Toten?
[ 12 ] Let us think about the nature of our relationship to the dead we were connected with in life, whom we can clearly visualize, and of whom we often think. What is our relationship to those who have died, apart from offering them spiritual nourishment by taking spiritual thoughts into sleep? What is our relationship with the dead in waking life?
[ 13 ] Ist dasjenige, was die Toten zu ziehen haben aus dem, was in den Seelen der schlafenden Menschen ist, etwas wie eine Nahrung für die Toten, so ist jeder Gedanke, der in die geistigen Welten hineingeht, der sich mit den geistigen Welten und geistigen Wesenheiten beschäftigt, jeder Gedanke, der so ist, daß er zu den geistigen Welten Beziehung hat, etwas, was die Toten wahrnehmen können, was sie entbehren müssen, wenn wir keine solche Gedanken hegen. Vorstellungen, die bloß auf die materielle Welt sich beziehen, auf dasjenige, was draußen in der Natur ist, die leben in unserer Seele so, daß die Toten sie nicht sehen können, die haben keine Bedeutung für die Toten. Wir können noch so gelehrt, noch so weise über die Dinge der äußeren Natur nachdenken, unsere Gedanken sind ein Nichts für die Toten. In dem Augenblick, wo wir Gedanken hegen, die sich auf die geistige Welt beziehen, sind die Gedanken unmittelbar da für die Toten, nicht nur für die Lebendigen, sondern auch für die Toten.
[ 13 ] If the dead draw nourishment from the content of our souls in sleep, then every thought that enters the spiritual world and is concerned with it and its beings can be perceived by the dead. On the other hand, if we do not cultivate such thoughts, the dead are deprived of them. Ideas related only to the material world, to things in nature, live in our souls in such a way that the dead cannot perceive them. These ideas, however scholarly or wise, are meaningless for the dead. As soon as we have thoughts about the spiritual world, not only the living but also the dead have immediate access to them.
[ 14 ] Daher ist es öfters schon unseren Freunden empfohlen worden: Wenn irgendeine Persönlichkeit, mit der sie in Verbindung gestanden haben, in der geistigen Welt weilt, so lese man ihr vor in Gedanken. Man verbildliche sich die betreffende Persönlichkeit und gehe in Gedanken lesend das durch, was von der geistigen Welt handelt. Dann liest der Tote mit. Man darf nicht glauben, daß das bedeutungslos ist. Der Tote in der geistigen Welt ist zwar in derjenigen Welt, von der wir wissen aus der Geisteswissenschaft. Aber die Gedanken über die geistige Welt müssen auf Erden erzeugt werden. Der Tote soll nicht nur die geistige Welt wahrnehmen, die allerdings um ihn herum ist. Er braucht die Gedanken derjenigen, die auf Erden leben. Diese Gedanken sind für ihn etwas wie eine Wahrnehmung. Das Schönste, Bedeutsamste, was wir den Toten schenken können, ist, ihnen vorzulesen in dieser geschilderten Weise. Immer wiederum, wenn gefragt wird, womit wir den Toten etwas geben können, so muß geantwortet werden: Mit dem Vorlesen irgendeines geistigen Inhaltes. — Und wenn jemand doch Zweifel haben sollte, ob das nützlich ist, da der Tote ja in der geistigen Welt weilt, braucht man nur zu überlegen, daß in der sinnlichen Welt einer ebenfalls ringsherum von Dingen und Wesenheiten umgeben sein kann, aber doch keine Ideen von ihnen haben kann. Die muß man sich erst erwerben. So kann der Tote in der geistigen Welt sein; er ist da. Aber die Gedanken müssen ihm strömen von der Erde hinauf. Wie der segnende Regen aus der Wolke für die physische Erde strömen muß, so die leuchtenden Gedanken in diejenigen Regionen hinauf, in denen der Tote zu verweilen hat.
[ 14 ] That is why we have often recommended that our friends read silently to an individual with whom they were closely connected and who has passed on to the spiritual world. One forms an image of the person and then, while thinking about him or her, one reads on a subject related to the spiritual world. The dead can then participate in the process, which is important. Although the dead are in the world we know through spiritual science, thoughts about the spiritual world must be produced on earth. The dead must perceive more than the spiritual world around them; they need the thoughts of those who live on earth, thoughts that for them are like perceptions. The most important and the most beautiful thing we can give the dead is to read to them in the way I have just described. We can give something to the dead by reading on a spiritual subject. And if you doubt that this is useful, since the deceased is in the spiritual world anyway, just think that we can be surrounded by things and beings in the physical world, yet may not understand them. The understanding has to be acquired. Thus, although the deceased is in the spiritual world, thoughts from earth have to flow to him. Illuminating thoughts must flow up to those regions where the dead dwell, just as rain streams down from the clouds as a blessing to the physical world.
[ 15 ] Alle diese Beispiele zeigen uns, was für eine große, was für eine unendliche Bedeutung das Erleben der geistigen Welt in Gedanken schon hat auch für unsere physische Welt und wie unberechtigt der Einspruch ist, daß man ja warten könnte bis nach dem Tode mit dem Wissen über das, was in der geistigen Welt vorhanden ist. Wahrhaftig, gerade eine genaue Betrachtung der geistigen Welt zeigt so recht, daß der Mensch nicht umsonst auf der Erde ist, daß er auf der Erde ist, um auf der Erde etwas zu erwerben, was nirgends anderswo in der Welt erworben werden kann als nur auf der Erde, was ein Gut ist von solcher Bedeutung, daß der Lebende es dem Toten noch schenken kann.
[ 15 ] All these examples show that it is infinitely important even for the physical world to experience the spiritual world in thought. Obviously, we cannot wait until after death for knowledge about the spiritual world. In truth, a thorough study of the spiritual world shows us that we are not on earth for nothing; we are here to learn something that can be learned only on earth—a possession of such value that the living can give it even to the dead.
[ 16 ] Und auch in vielen anderen Beziehungen zeigt sich der innige Zusammenhang zwischen dem Leben hier auf Erden zwischen Geburt und Tod und dem Leben unmittelbar nach dem Tode. Nur ist es schwer, über diesen Zusammenhang im Konkreten zu sprechen, weil sie so furchtbar leicht mißverstanden werden, diese Worte. Der Mensch ist zur Einseitigkeit ganz veranlagt, und wenn man von irgendeiner Sache spricht, dann ruft das, insbesondere wenn es sich auf die geistige Welt und auf geistige Wesenheiten bezieht, ein Mißverständnis aus gewissen Beweggründen des menschlichen Herzens hervor. Wenn man erzählt in einem Einzelfall, daß dieser oder jener Zusammenhang eines menschlichen Lebens hier auf Erden und nach dem Tode besteht, dann wird so leicht aus der Schilderung eines solchen Einzelfalles aus einem leicht begreiflichen menschlichen Egoismus heraus etwas ganz Mißverständliches gefolgert, nämlich man wendet den Fall auf sich selber an. Wenn von einem besonderen, konkreten Menschen erzählt wird, er erlebt dieses oder jenes, so denkt der Mensch so leicht: mit mir verhält es sich ganz anders, daher erlebe ich nicht etwas so Schönes. Und statt daß der Zuhörer Befriedigung hätte über die Mitteilung der Erlebnisse, empfindet er etwas, was aus dem Gefühl des Egoismus heraus geboren ist: daß er nicht ebenso Schönes haben kann nach dem Tode.
[ 16 ] The close connection between our earth existence and life immediately after death also manifests in many other respects, but it is difficult to talk about this connection in concrete terms, because the words can so easily be misunderstood. People are greatly inclined to prejudice, and whenever a subject, such as the spiritual world and its beings, is discussed, certain motives of the heart provoke misunderstandings. When I tell of an individual case where there is this or that connection between a person's life here on earth and after death, people all too easily jump to the wrong conclusions out of a very understandable self-centeredness and apply the description of a particular case to themselves. They are tempted to think that things are quite different in their case; therefore, they will not experience something this beautiful after death. Instead of deriving satisfaction from the events described, the listeners out of egotism feel that their experience will not be equally exceptional after death.
[ 17 ] Sobald man auf einen einzelnen Fall eingeht, nicht so im Allgemeinen herumredet, muß der Mensch das selbstlose Gefühl entwickeln, auf das Schicksal eines anderen hinzuschauen, ohne Schlüsse auf das eigene Leben zu ziehen und nun etwa zu sagen: Habe ich es nicht ebenso, entgeht mir das, was da erzählt wird. — Also dieses und ähnliches sind wirklich Beweggründe zu Mißverständnissen. Und ich muß vorausschicken, daß solches Mißverständnis leicht entstehen kann, weil ich vermeiden will, indem ich dieses sage, daß sich solches Mißverständnis bilde.
[ 17 ] As soon as we do more than just speak in general terms and deal with specific cases, we must develop selflessness so we can observe someone else's destiny without drawing conclusions about our own life. Then we will not worry that if the same does not happen to us, we are missing out on what is being described. These and similar reactions provide grounds for misunderstandings, which I want to avoid.
[ 18 ] Vor kurzem ist ein sehr lieber Freund von uns verstorben, dessen Einäscherung eine große Anzahl der hier versammelten Freunde beigewohnt hat. Er hätte morgen seinen dreiundvierzigsten Geburtstag gehabt, am 6. Mai. Der Betreffende hat in den letzten Jahren seines Lebens hier viel gelitten. Ich möchte sagen, wie in Parenthese möchte ich einflechten eine wunderbare Ausführung seiner letzten Zeiten, von denen mir seine Gattin vor kurzem gesprochen hat. Unser Freund hat sich gewehrt in der Zeit, in der er viel litt, nicht dagegen etwa, sich tatsächlich zuzugestehen, daß er leiden müsse, aber er hat sich gewehrt dagegen, krank zu sein. Er sei nicht krank, sagte er. Er litte zwar, aber er sei nicht krank. Und er wollte durchaus, daß ein solcher Ausspruch nicht als Wortklauberei aufgefaßt werde, sondern daß dadurch wirklich etwas gesagt werden soll. Es war diese von ihm geprägte Definition: Ich leide zwar, aber ich bin nicht krank — entsprungen aus dem Bewußtsein, dasjenige, was ich als geistige Wissenschaft in mir tragen kann, was mich als geistige Wissenschaft innerlich hält und trägt, macht alle Anfechtungen des Krankseins zunichte. Ich spüre, daß ich leide, aber die Gesundheit meiner Seele ist so groß, daß, wenn ich dagegen auf meine körperlichen Zustände blicke, ich mich nicht krank nennen darf. Man könnte noch viel reden über diese Definition. Es ist etwas ungeheuer Bedeutungsvolles, etwas, was so recht geeignet ist, als Empfindung die menschliche Seele zu durchdringen.
[ 18 ] A short time ago, a very dear friend of ours died, and many of us attended his cremation.2Christian Morgenstern May 6, 1871 – March 31, 1914. See Lecture Two, note 8. He would have celebrated his forty-third birthday tomorrow, on May 6. In the final years of his life, he suffered much. I would like to tell here, parenthetically as it were, a wonderful story from his last years as his wife told it to me.3Christian Morgenstern, Alles um des Menschen Willen: Briefe, (Munich, Germany: Piper, 1962), letter of January 22, 1914, to a young girl, p. 398. During his great suffering, our friend fought not against admitting to himself that he had to suffer, but against saying that he was ill. He was not ill, he said. He suffered, yes, but he was not ill, and he was adamant that such a statement should not be taken as quibbling but as something meaningful. This definition, “I suffer, but I am not ill,” arose from his awareness that what he carried within him as spiritual science, what supported and carried him inwardly, defeated all attacks of illness. He was aware that he suffered, but the health of his soul is so great that, when he compared it to his physical condition, he could not call himself ill. This definition is very important and well-suited to permeate our soul as a feeling.
[ 19 ] Aber nun, wenn man den Betreffenden verfolgt, wie er seine letzten Erdenjahre in einem kranken Leib, in einem leidenden Leib, in dem er sich nicht krank wußte, sondern nur leidend, zubrachte, wenn man dies vergleicht mit dem jetzt nun beginnenden geistigen Leben des betreffenden Freundes, so bekommt man ein würdiges Bild von den Zusammenhängen des Lebens zwischen Geburt und Tod und dem Leben nach dem Tode. Vorbereitet hat sich — ich erzähle eine Tatsache der geistigen Welt — in diesem Leibe, der das äußerliche Symptom des Krankseins hatte, eine Summe von Imaginationen. Eine Summe von Imaginationen lebte sozusagen in den kranken Gliedern, starke Imaginationen. Er war ganz erfüllt von dem Inhalt der geistigen Welten, und sie lebten so, daß sie in all diejenigen Organe hineinwirkten, deren sich der Mensch nicht so bewußt ist im täglichen Leben, wie er sich seines Gehirns oder Nervensystems bewußt ist — die er also mehr in seinem unterbewußten Leben durchlebte —, sie lebten dadrinnen und sie konnten um so leichter darin leben, je äußerlich kränker diese Organe waren. Und sie präparierten sich und stehen nun als ein gewaltiges Tableau der geistigen Welt vor der Seele des Toten, der nun in diesen Vorstellungen lebt, die eingefangen waren gerade während seiner letzten Lebensjahre in den Kerker seiner kranken Organe, aber die sich vorbereitet haben in solcher Dichte, daß er sie jetzt als seine Welt außer sich im Geiste hat.
[ 19 ] Anyway, we saw how the person concerned spent his last years on earth in a sick body, in a suffering body. Yet he did not see himself as sick but only as suffering. If we compare that with the spiritual life that has now begun for our friend, we will have a worthy image of what connects our earth existence with life after death. It is a fact of the spiritual world that a series of Imaginations was prepared in his body, a body that showed the symptoms of illness. A series of Imaginations, powerful Imaginations, lived, so to speak, in the sick limbs. He was completely filled with the content of the spiritual worlds. They lived in him in such a way that they worked on all those organs we are usually not as aware of as we are of our brain and nervous system, that is, organs we experience on a more subconscious level. These powerful Imaginations lived in these organs, and all the more so, the more outwardly ill these organs became. They prepared themselves and now face the soul of the deceased as a mighty tableau of the spiritual world. Now he is living in the images that were trapped in his sick organs, especially in his final years. They prepared themselves in such intensity that they now surround him as his spiritual world.
[ 20 ] Schönere Welten, oder vollkommener, auf schönere Art sehen den geistigen Kosmos, als zu sehen, wie er erblüht, sich aufbauend mit geistiger Kunst, schöner dies Phänomen zu beobachten, ist nicht leicht möglich als durch eine solche Tatsache. Alles das, was etwa der Künstler schafft, der hier auf dem physischen Plan steht und in Schöne erstehen läßt ein Stück Welt — so daß wir durch das Bild, das er auf die Leinwand oder im Marmor hinzaubert, mehr sehen von der Welt, als wir von uns aus sehen können, ist eine Kleinigkeit gegenüber dem, wenn wir sie wieder sehen, die geistige Welt, wie sie da ist auf der einen Seite, man möchte sagen, so wie sie an sich ist und dann wieder, wie sie ersteht, aufblühend aus der Seele eines Toten, der durch sein Karma in solcher Weise, wie ich es ausgeführt habe, vorbereitet ist. Wie er vorbereitet war, das werden besonders seine Dichtungen zeigen, die jetzt im Druck sind und demnächst erscheinen werden. Denn sie werden zeigen, daß diese ganze Art des geistigen Lebens, des Hinübergehens auch in die geistige Welt nach dem Tode, innig zusammenhängt mit dem, was wir seit Jahren innerhalb unserer Geisteswissenschaft den Christus-Impuls nennen. Schön lebt dieser geisteswissenschaftlich gemeinte Christus-Impuls in diesen Dichtungen.
[ 20 ] It is impossible to see more beautiful worlds, or to see the spiritual cosmos more perfectly and more beautifully, than those that blossom and unfold in spiritual art, which cannot be observed better anywhere else than through such a situation. Here, on the physical plane, an artist can create in beauty a piece of the world, so that the image on canvas or in marble lets us see more of the world than we do on our own. All of this, however, pales into insignificance in comparison to the spiritual world seen as it is and also as it arises and blossoms forth from the soul of the deceased who has been prepared by his karma in the way I have described. How he was prepared will be clear from his poetic works, which are now being printed and will appear soon.4Morgenstern, Wir fanden einen Pfad. See Lecture Two, note 9. His poetry reveals that this kind of spiritual life and passage into the spiritual world after death are intimately connected with what we have for many years called the Christ-Impulse. The Christ-Impulse, in the sense spiritual science speaks of it, is beautifully alive in our friend's poetry.
[ 21 ] Im Zusammenhang mit dieser Tatsache, von der ich sprach, die wahrhaftig fühlen lassen kann das Verhältnis der Welt, die wir durchlaufen zwischen Geburt und Tod mit derjenigen wiederum zwischen Tod und neuer Geburt, steht nun etwas, was ich daranschließen möchte, so anschließen möchte, daß ich nicht in abstrakten Gedanken den Zusammenhang ausführe, sondern so, daß ich Sie erfühlen lasse den Zusammenhang. Sehen Sie, man kann hier auf dem physischen Plan ein törichter oder ein gescheiter Mensch sein, man kann auch ein gelehrter Mensch sein: für das Leben nach dem Tode hat das nicht viel Bedeutung, ob man auf dem physischen Plan ein törichter, ein gescheiter oder ein gelehrter Mensch war, wenn sich das Törichte, Gescheite, Gelehrte auf Dinge der physischen Welt bezieht. Wir können noch so gescheit über die Dinge der physischen Welt denken, die Gedanken, namentlich die Art des Denkens über die physische Welt, nützt uns gar nichts, sobald wir durch die Pforte des Todes geschritten sind. Dies hat dann gar keine Bedeutung. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, braucht er Gedanken, Vorstellungen, Empfindungen, die sich nicht auf die physische Welt beziehen, die haben dort allein Bedeutung.
[ 21 ] In this connection I want to add something that can truly lead us to feel the relationship between the world of our earthly life and the one we pass through between death and a new birth. I will not present this connection with abstract thoughts, but so you can grasp it at the level of feeling. You see, one can be either stupid or clever here on the physical plane; one can even be a scholar—in the life after death it is of little importance whether one was stupid, clever, or learned if all these qualities relate only to the things of the physical world. Our thoughts about the material world may be ever so clever; they will be of no use to us once we have passed through death. They will then no longer have any meaning. After death we need thoughts, ideas, and feelings that do not relate to the physical world, because only those have meaning then.
[ 22 ] Nun möchte ich Ihnen zunächst dasjenige, was ich gesagt habe, in einer etwas grotesken, paradoxen Weise mitteilen. Aber stoßen Sie sich nicht an dem Paradoxen, es wird sich uns gleich zeigen, was ich damit sagen will. Nehmen wir an, ein Mensch würde ablehnen irgend etwas zu denken, wozu er nicht aufgefordert wird durch die Sinneswahrnehmungen. Und sobald irgend etwas an ihn herankommt und irgendwelche Gedanken in ihm keimen, sagt er: Ich will dich nicht, ich gehe von dem aus, was die Augen sehen, was die Ohren hören, darüber will ich denken. Mit dem anderen bleibt mir vom Leibe, ich selber bleibe mir damit vom Leibe. — Ein solcher Mensch nimmt keine Kraft auf, die er nach dem Tode gebrauchen könnte. Er kommt blind hinein in die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Nehmen wir nun weiter an, ein Mensch hätte eine lebhafte Phantasie und fände es unbequem, heranzukommen an die Geisteswissenschaft, allerlei zu lernen, so nach und nach erst etwas zu lernen. Er fände es viel bequemer, sich alle möglichen Vorstellungen zu machen aus der Phantasie heraus über die geistige Welt, er dächte sehr viel aus bloßer Phantasie heraus über die geistige Welt, so daß er auf einer Seite hätte alles dasjenige im Vorstellungsleben, was von der Sinnenwelt handelt und dann auf der anderen Seite noch alle möglichen Phantasievorstellungen über die geistige Welt. Ein solcher Mensch unterschiede sich allerdings von dem, der sagt: Bleibt mir vom Leibe mit den Vorstellungen von der geistigen Welt —, denn derjenige, der nichts wissen will von der geistigen Welt, der geht wie ein Blinder in die geistige Welt. Derjenige, der sich wenigstens Phantasievorstellungen macht, hat solche Seelenkräfte, daß er allerdings als ein Sehender in die geistige Welt hineinkommt, aber er wird ein solcher Sehender, wie in der physischen Welt einer ein Sehender ist, der lauter Fehler in seinem Auge hat, so daß er überall falsch sieht. Und das bedeutet in der geistigen Welt noch viel Schlimmeres als in der physischen Welt, denn wenn einer in der geistigen Welt alles falsch sieht, so heißt das, auf Schritt und Tritt in der geistigen Welt Verwirrung stiften. Aber wir können eines sehen aus dem, was gesagt worden ist, wenn auch in grotesker Weise, wir können sehen, daß der Mensch Vorstellungen braucht, die über das sinnliche Leben hinausgehen, wenn er wirklich ein Bürger der geistigen Welt sein will, und das muß er sein. Er kann es entweder in verkrüppeltem Zustande sein — so ist der, der nur sinnliche Vorstellungen aufnehmen will, oder der seiner Phantasie die Zügel schießen läßt —; sonst braucht er Orientierung, die über die sinnliche Welt hinausgeht.
[ 22 ] Now, I would like to put this in a somewhat grotesque, paradoxical way. Do not be put off by the paradox; what I want to say will become clear immediately. Let us assume that someone refuses to have any thoughts that are not called forth by sensory perception. As soon as anything impinges on him and thoughts begin to develop, he says: I do not want you. I proceed only on the basis of what my eyes see and my ears hear. That is what I want to think about. Stop bothering me with anything else; I will not bother with it ... Such a person does not accumulate any strength that can be used after death. He is blind when entering the world between death and new birth. Let us assume now that someone else has a lively imagination, but cannot be bothered to approach spiritual science and learn things slowly and gradually. He finds it much easier to develop ideas about the spiritual world from his imagination, to fantasize about the spiritual world. This person has ideas concerning the sense world as well as all kinds of fantasies about the realm of the spirit. Such an individual would not enter the spiritual world as a blind person, but will have soul forces that will enable him to see in the spiritual world. However, such people will be as we are when our vision in the physical world is impaired and we see things inaccurately as a result. Such inaccurate vision is a lot worse in the spiritual world than on the physical plane because there it leads to confusion at every turn. What I have just said, even if it seems grotesque at first, shows us that we need ideas reaching beyond the life of the senses if we really want to become citizens of the spiritual world, as we must. And unless we get our bearings from beyond the sense world, we will live in the spiritual world in a crippled state, as do those who take in only ideas related to the sensory realm and those who allow their imagination to run wild.
[ 23 ] Damit die Menschen nun, so wie sie sich auf Erden entwickeln, nicht bloß Vorstellungen hatten, die von physischen Dingen angeregt sind, oder damit sie sich über die geistige Welt nicht nur Phantasievorstellungen machten, erschienen im Laufe der Zeit die einzelnen Religionsstifter. Wenn wir sie durchnehmen mit den Lehren, die sie den Menschen gegeben haben, so war das Ziel aller dieser Religionsstifter, den Menschen solche Vorstellungen zu geben über die übersinnliche Welt, daß sie in unverkrüppeltem Zustand in diese übersinnliche Welt hineinkommen konnten. Je nach dem Bedürfnis der Zeitalter und der Völker haben die Religionsstifter den Menschen solche Vorstellungen gegeben.
[ 23 ] Various founders of religions appeared throughout history to prevent people from having thoughts triggered purely by physical objects or by fantasies about the spiritual world. If we look at these personalities and the teachings they gave humanity, we find that the aim of all these religious founders was to offer people ideas about the super-sensible world that would allow them to enter it healthy and whole, not crippled. The founders of our religions provided ideas that met the needs of their particular time and culture.
[ 24 ] Unser Zeitalter ist ein anderes als diejenigen vergangener Zeiten. Unser Zeitalter ist ein solches, daß wir heranwachsen müssen — und ich bitte, dieses Wort nicht im äußeren Sinn zu nehmen, sondern in tief innerem Sinne — zu einer mündigen Menschheit. Zu einer mündigen Menschheit, die durch die eigene Seele finden muß den Weg in die geistigen Welten hinauf. Die Religionsstifter der alten Zeiten redeten vor einer unmündigen Menschheit. Sie redeten zu der Menschheit, durch die alle unsere Seelen auch durchgegangen sind. Die Religionsstifter dieser alten Zeiten kannten ihre Zeiten und sie wußten, daß sie so, wie sie einstmals zur Menschheit gesprochen haben, zu der Menschheit, die der Zukunft entgegenleben soll, nicht würden sprechen können. Denn diese muß mündig werden. Nehmen wir an, der Angehörige eines Volkes der alten Zeiten, er hätte sich entweder auf die sinnlichen Vorstellungen beschränken oder aber zu Phantasievorstellungen greifen müssen, je nachdem würde er verkrüppelt oder wenigstens doch verwirrt in die geistige Welt hineingekommen sein. Da kam der Religionsstifter. Er brachte wahre Vorstellungen aus der geistigen Welt heraus. Der Angehörige eines Volkes der verflossenen Zeit sagte sich: Nicht ich, insofern ich sinnlich wahrnehme, insofern ich in meiner Phantasie arbeite, sondern die Religionsstifter, Zarathustra, Buddha, Krishna, sie sind es, die Vorstellungen in mir anregen, durch die ich den Einlaß in die geistige Welt finde. — Ob das Ich Verwirrung stiftet oder blind wird, der Mensch dieses Zeitalters muß mündig sein. Daß er als Mündiger den Weg finden kann in die geistige Welt, dazu hat sich vollzogen das Mysterium von Golgatha. Nicht mehr erscheint der Religionsstifter als solcher vor der äußeren Menschheit, wie er früher erschienen ist. Denn diejenigen, die den Christus mit den alten Religionsstiftern auch nur vergleichen, die verstehen gar nichts von dem Christus. Denn der Christus hat zunächst gewirkt durch eine Tatsache, die anderen Religionsstifter durch die Lehren. In dem Augenblick, wo man den Christus einen Weltenlehrer nennt, bezeugt man, daß man gar nicht weiß, wer der Christus ist. Dasjenige, worauf es bei dem Christus ankommt, ist die Tat, die er vollbracht hat, die sich vollzogen hat von dem Ereignis an, welches wir sehen in der Johannestaufe bis zu der Kreuzigung auf Golgatha. Was da für die Menschheit geschieht, ist im Geistigen dasjenige, worauf es ankommt. Was da geschehen ist, das ist das, was die Menschenseelen beseligen kann seit jener Zeit, das Wort, das Paulus ausgesprochen hat: «Nicht ich, der Christus in mir.» Denn der Christus ist der Weg in die geistige Welt geworden, weil er in diese Welt hereingebracht hat die geistige Welt, die der Mensch braucht, wenn er nicht ein Krüppel oder ein Blinder in der geistigen Welt sein soll. Man kann ja heute den Christus ableugnen, man kann herumgehen in der Welt und kann sagen: Es ist kein Beweis dafür da, daß der Christus in der Außenwelt gelebt hat im Leibe des Jesus von Nazareth. — Gewiß, man hat es sogar bewiesen, daß kein historischer Christus da war. Man beweist aber damit nur, daß man nicht weiß, worauf es ankommt. Hätte der Christus irgendwo an einen Felsen eingekratzt, für alle späteren Geschlechter: Ich bin da gewesen —, so hätten alle späteren Geschlechter aus der Sinnenwelt heraus die Tatsache gewußt, dann hätten sie es nicht zu glauben brauchen. Daß eben dieses nicht der Fall war, daß man ihn nicht erkennen kann mit sinnlichen Mitteln, sondern daß man ihn erkennen muß mit der Kraft des Geistes, das ist das Erlösende, das ist die tiefe Bedeutung, die in ihm liegt. So muß man es auffassen, dann findet man ihn in unmittelbarer Verbindung mit demjenigen, was den Menschen schon hier auf Erden heraushebt aus der sinnlich-physischen Welt und ihn in die geistige Welt hinein erhebt. Denn für den, der sich nicht in die geistige Welt erheben kann, ist alles das gar nicht da, regt immer wiederum den Zweifel an.
[ 24 ] Our age is different from the past and requires us to grow up into mature human beings. Please do not take this in a superficial, merely external sense, but in a deeply inward one. We have to reach maturity and find the path into the spiritual world through our souls. The ancient founders of our religions spoke to a humanity that was not yet mature. They addressed people at a stage through which all our souls have also passed. These ancient religious leaders knew their times, and also knew that they could not speak in the same way to a humanity moving further toward the future. For humanity must develop toward maturity and independence. If people of ancient times had either restricted themselves to sense impressions or had reached for the products of their imagination, in both cases they would have entered the spiritual world crippled or at the very least in a confused state. At that point a leader appeared, bringing true ideas from the spiritual world. People then said that they themselves did not gain access to the spiritual world through sensory perception or use of the imagination, but rather through Zarathustra, Buddha, or Krishna, who stimulated thoughts in them that allowed them to enter the realm of the spirit.5Zarathustra, 628–551 B.C. Persian religious leader. Buddha, Siddharta Gautama, 563–483 B.C. Founder of Buddhism. Krishna, Indian deity, appears in Bhagavad-Gita as teacher of Arjuna. In our time human beings must come of age, regardless of whether the ego causes confusion or blindness. The Mystery of Golgotha took place so that we can find the way into the spiritual world as independent beings. Religious leaders no longer appear in history as they did in earlier times. Those who compare Christ to the ancient religious teachers do not understand anything about him. In the first place, Christ worked through a deed, the ancient religious leaders through their teachings. To describe him merely as a teacher of humanity means not knowing at all who Christ is. The essential thing about him is the deed he performed, which began as a consequence of his baptism by John and ended with the crucifixion on Golgotha. What was done there for humanity is spiritually all-important. What happened there is what can permeate human souls ever since then, namely, the experience St. Paul described as “Not I, but Christ in me.” Indeed, Christ has become the path into the spiritual world because he brought it into this world. He brought us the spiritual world we need if we are not to be crippled or blind after death. It is quite possible these days to deny Christ and claim that there is no evidence that Christ lived in the physical world in the body of Jesus of Nazareth. In fact, people have even produced evidence showing there was no historical Christ. But with that they merely prove that they missed the point. If Christ had chiseled into a rock for all future generations, “I was here,” then those future generations would have known he existed from the sensory world, and they would not have needed to believe it. His deep significance, the possibility of redemption, is precisely that this was not the case, that we cannot comprehend him through our senses but have to accept him with the forces of the spirit. Seen in this light, we find Christ intimately connected with those things that even here on earth lift human beings beyond the sense-perceptible world into the spiritual realm. None of this exists for those who cannot raise themselves to the spiritual world, because they cannot escape their doubts.
[ 25 ] Damit hängt es zusammen, daß es eine so ungeheure Wohltat ist, wenn ein Mensch, der gerade so ganz in der modernen Bildung und Gesittung, in Wissen und Kunst darin lebt, auf eine Christus-Vorstellung stoßen kann, die so sich entwickelt hat, daß sie der ganzen modernen Gesittung wohl angemessen ist. Das wird die anthroposophische Christus-Vorstellung unserer Geisteswissenschaft sein. Manches wird sie uns lehren. Sie wird uns lehren, auch den richtigen Standpunkt zu gewinnen gegenüber der äußeren Welt.
[ 25 ] In this context it can be a great relief for someone fully involved in modern culture, in science and art, to come across a view of Christ that is appropriate to our modern civilization, namely the anthroposophical view of Christ presented in spiritual science. Much can be learnt from it, for example, how to view the physical world correctly.
[ 26 ] Oh, diese äußere Welt! Auf welchem Wege ist sie heute! Ich habe einiges schon letzthin im Vortrag, den ich öffentlich halten durfte, angedeutet. Hier kann man noch genauer darüber sprechen. Gewiß, man muß sie bewundern, diese materielle Kultur und alles dasjenige, wozu Technik, Industrie und so weiter es gebracht haben. Unendliche Geisteskraft ist hineingeflossen in dieses materielle Leben, und es beansprucht viele menschliche Geisteskräfte. Aber diese menschlichen Geisteskräfte, wern dienen sie denn? Sofern sie die materiellen Bedürfnisse der modernen Menschheit befriedigen, dienen sie dem Ahriman. Was der Christus Jesus einmal durchlebt hat — die Versuchung durch Ahriman —, wahrhaftig, die gewöhnlichen Menschenseelen, sie können nicht auf einmal diese Erschütterung durchleben. Es muß sich für die Menschen verteilen diese Versuchung. Aber es gehört zu dieser Verteilung der Versuchung, daß der Mensch zugerufen erhält von Ahriman: Ja, denke nur mit der Kraft deiner Wissenschaft, mit alldem, was du herausfinden kannst durch die auf Technik, Industrie und so weiter angewandte Wissenschaft. Denke nur mit alldem, und wende das auf nichts anderes an als auf das äußere Erdenleben. Mir kann es schon recht sein. Wenn du mich nicht siehst, finde ich es allerdings — so meint Ahriman — angemessen meinen Zwecken. Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, des Menschen allerhöchste Kraft: da habe ich dich schon unbedingt, wenigstens so lange du mich nicht siehst. Da flöße ich dir ein den 'Trieb, Vernunft und Wissenschaft nur für irdische Dinge zu verwenden!
[ 26 ] Oh, the physical world—where is it headed these days? I hinted at some of these things recently in a public lecture, but now I can be more explicit.6Rudolf Steiner, “Homunkulus,” public lecture, Berlin, March 26, 1914, in Geisteswissenschaft als Lebensgut, vol. 63 in the Collected Works, (Dornach, Switzerland: Rudolf Steiner Verlag, 1959). Of course, we have to admire materialist civilization and all the achievements of technology, industry, and so on. An immense amount of intellectual energy has flowed into these things; they have taken up a great deal of human energy. But who benefits from these intellectual efforts? Insofar as they satisfy the material needs of modern humanity, they serve Ahriman. Christ Jesus experienced the temptation by Ahriman. Ordinary human souls could certainly not survive the sudden shock of such an experience. For us the temptation has to be diluted. But as a consequence of this dilution of temptation, Ahriman can say to us: Yes, think only with the power of your science, with all those things you can discover through science applied to technology, industry, and so on. Use only those things for your thinking and apply them to nothing but physical experience; that suits me fine. It fits in well with my aims, says Ahriman, if you are unable to see me. You might well despise reason and knowledge, the supreme achievements of human beings; thus you are absolutely mine—at least as long as you do not see me. I will instill the drive in you to use reason and knowledge only for earthly things!
[ 27 ] Da muß es dann schon etwas anderes geben, was dem Dienste, der dem Ahriman geleistet wird, das Gleichgewicht halten kann. Deshalb ist es nicht ohne Bedeutung, daß einmal zusammengenommen wird dasjenige, was durch moderne Technik und so weiter geleistet werden kann und daß etwas gebaut wird, was nicht dem äußeren Leben dient, was rein dem geistigen Leben dienen soll.
[ 27 ] Something else is required to counterbalance the service we render Ahriman. It is therefore important that we gather everything modern technology and so on can accomplish to build something with it that is not to serve our outer existence, but only our spiritual life.
[ 28 ] In alten Zeiten brachte man den Göttern Opfer dar, die Erstlingsfrüchte der Herde und des Feldes. Man brachte sie den Göttern zum Opfer. Ich will heute nicht über den Sinn des Opfers sprechen. Aber fühlen werden Sie den Sinn dieses Opfers, wie es in neuer Zeit vorhanden sein soll. Als die Menschen hingegangen sind mit den Früchten und sie den Göttern geopfert haben, da haben sie, trotzdem sie die Früchte des Feldes geopfert haben, die anderen genossen, nachdem sie die Erstlingsfrüchte den Göttern zum Opfer hingetragen haben. Wahrhaftig, nicht von falscher Askese geht Geisteswissenschaft aus. Nicht wird sie sich der Unmöglichkeit schuldig machen, zu donnern gegen die moderne Kultur mit allen ihren materiellen Segnungen. Die erkennt sie an. Aber sie muß, wenn sie nicht bloß dem Ahriman dienen will, etwas von den Erstlingen dieser äußeren materiellen Kultur den Göttern zum Opfer bringen.
[ 28 ] In ancient times, people presented sacrifices to the gods, the first fruits of the field and of the herd. I do not intend to talk about the meaning of sacrifice today, but you can see what it could signify presented in a form appropriate to modern times. When the first fruits had been sacrificed to the gods, the people partook of the remainder. Spiritual science is certainly not based on false asceticism. It will not be guilty of the absurdity of ranting and raving against modern culture with all its material blessings. On the contrary, it recognizes their value. But if it wants to avoid serving only Ahriman, it has to sacrifice something of the first fruits of this external material culture to the gods.
[ 29 ] Sie sehen, es ist ein tiefer Gedanke, der dem Bau zugrunde liegt, der sich draußen auf dem Hügel in Dornach erhebt, der Gedanke, daß wir darbringen wollen die Erstlinge der modernen materiellen Kultur den Göttern zum Opfer. Alles ist anders geworden in der Zeit, in der wir leben, gegenüber der Zeit, durch die in vorhergehenden Inkarnationen unsere Seelen durchgegangen sind. Aber verstehen müssen wir, was wir zu tun haben, so wie wir verstanden haben, was zu tun war, indem wir in den früheren Inkarnationen unter den Leitungen der geistigen Leuchten wirkten. Wahrhaftig, schwierig ist es in unserer Zeit, weil wir auf das Wesen unserer Zeit, auf die Eigenschaften unserer Seelen Rücksicht nehmen müssen und weil uns nicht mehr jene äußere Autorität zu Hilfe kommen kann, die den Religionsstiftern zu Hilfe kam, und weil wir durch ganz andere Kräfte wirken müssen. Und so wie Christus das «Wort» war, so wird wahre Geisteswissenschaft nur durch das Wort wirken wollen und darf durch nichts anderes wirken.
[ 29 ] So you see, there is a profound thinking underlying the building that is growing outside on the hill at Dornach: We want to offer the first fruits of modern civilization to the gods. Everything is different now from the way it was in the times our souls passed through in previous incarnations. And we have to understand the nature of our current task just as we understood what we had to do in our earlier incarnations when we were guided by spiritual luminaries. That is especially difficult now because we have to take into account not only the nature of our time but also our soul qualities. In addition, we can no longer rely on the external authority that supported the founders of religions; we have to work with quite different forces. Christ was the Word; in the same way true spiritual science wishes to work only through the word and must not use any other means.
[ 30 ] Wir sehen durch solche Betrachtungen den Zusammenhang der Welt, in der wir auf Erden leben im physischen Leib, und der geistigen Welt. Und wir sehen, wie uns, wo wir auch die Betrachtungen einsetzen, überall das Mysterium von Golgatha wie die Seele dieser Betrachtungen entgegenleuchtet. Aber wir müssen uns auch wirklich — auch das sei hier gesagt — reif machen, richtig reif machen, um dasjenige, was die neuere Geisteswissenschaft sein soll, wirklich zu verstehen, wirklich in diese Geisteswissenschaft so einzudringen suchen, daß wir niemals außer acht lassen: diese Geisteswissenschaft muß da sein, weil die Menschheit mündig werden muß.
[ 30 ] Such reflections give us an insight into the connection between the spiritual world and our world here on earth. And no matter where we begin, we see the Mystery of Golgotha radiating toward us as the heart and soul of such reflections. But we must not forget that we have to become mature, truly mature, so that we can understand what spiritual science is meant to be. We must never forget that it must exist because humanity must come of age.
[ 31 ] Wahr ist es, ganz wahr, daß in einer gewissen Weise die Menschheit heruntergestiegen ist aus höheren geistigen Regionen, daß sie von dem alten atavistisch gewordenen Hellsehen abgekommen ist, indem sie durch ihren Verstand und die übrige Wissenschaftlichkeit eine Weltanschauung begründete. Und wahr ist es auch, daß wir den Fortschritt der Entwickelung ernst nehmen müssen, daß wir uns klarwerden müssen, wie wir jetzt in dem Zeitpunkt leben, in dem der Mensch die Mission hat, sein Denken zu entwickeln, wirklich durch sein Denken vorwärtszukommen, durch das Studium zu lernen. Die Geisteswissenschaft ist dasjenige, wovon wir ausgehen müssen. Wir müssen suchen, uns hinein zu vertiefen in diese Vorstellungen, damit diese Vorstellungen in uns anregen das, was unsere Seelen in Zukunft brauchen. Jeder kann das, was Geisteswissenschaft gibt, wirklich verstehen und begreifen. Diejenigen, die sagen, man müsse glauben, man könne nicht begreifen, was in der Geisteswissenschaft gegeben wird, die reden, ohne zu wissen, wie die Dinge wirklich sind.
[ 31 ] It is completely true that humanity descended from higher spiritual regions and has moved away from the old atavistic clairvoyance by developing a world view based on reason and systematic thinking. We have to take this progress in evolution seriously. We must realize we live at a time when it is our mission to develop our thinking, to advance through our thinking, and to learn through studying. Spiritual science is our basis, our point of departure. We must try to immerse ourselves in these ideas so that they stimulate within us what our souls need in the future. What spiritual science offers can be understood by everyone. Those who claim one cannot understand the contents of spiritual science, but must believe it, speak without knowing how these things really are.
[ 32 ] Wenn uns in unserer Zeit Menschen entgegentreten, die nicht durchgehen durch das geistige denkerische Verständnis, sondern die wie von selbst heraufkommend gewisse psychische, seelische Fähigkeiten zeigen, so sollen wir uns auch nicht beirren lassen durch solche Tatsachen. Verstehen wir die ganze Mission der Geisteswissenschaft, so wissen wir, daß die Seelen, die heute denken, deshalb denken können, weil das Hellsehen der früheren Zeiten zurückgedrängt worden ist. Wenn solche Menschen auftreten, die von selber das Hellsehen haben, die es nicht erworben haben, so sollen wir in ihnen Menschen sehen, die auf einer früheren Stufe zurückgeblieben sind, und die heute in einer solchen Gesellschaft eher gehegt und gepflegt werden müssen, als daß man sie als besonders vollkommen ansehen dürfte. Falsch ist das Urteil, das jemand haben würde, der so sagen würde: Da ist jemand, bei dem dämmern die Hellseherkräfte auf, der ist eine besonders reife Seele, der hat besonders hohe Inkarnationen durchgemacht. — Ein solcher Mensch, der wie durch Naturgabe hellsichtige Kräfte hat, der hat viel weniger durchgemacht als derjenige, der ein Denker ist, heute. Das soll schon verstanden werden innerhalb unserer Gesellschaft. Dann könnte unsere Gesellschaft — ich muß das sagen, es ist mir auferlegt — eine Pflegestätte sein auch für solche Seelen, welche psychische Kräfte entwickeln. Ste würden gerade in unserer Gesellschaft diese psychischen Kräfte auf einen rechten Weg bringen können. Und die Gesellschaft gerade könnte das geben, was ihnen sonst nirgends gegeben werden kann: Ordnung für ihre psychischen Kräfte. Dann muß aber unsere Gesellschaft in ihrer Mehrzahl Mitglieder haben, welche, wie es gesagt worden ist, tief, tief innerlich wissen, welches die Mission wahrer Geisteswissenschaft in der Gegenwart ist. Dann würde sich nicht wiederholen der Fall, der uns in den letzten Tagen so betrübt hat: daß ein Mitglied, welches aufgenommen worden ist in der Meinung, daß unsere Gesellschaft die Pflegestätte sein könnte auch für noch hellseherisch wirkende psychische Kräfte, daß dieses Mitglied gerade da das Wirkungsfeld finden konnte, wo es gleich wirken konnte wie ein Prophet. Dadurch kommt natürlich alles das, was, wenn es durchdringen würde, unsere Gesellschaft zu dem genauen Gegenteil von dem machen würde, was sie sein soll nach den Intentionen der geistigen Mächte, von denen sie sich getragen fühlt. Wir haben leider erfahren müssen den Fall ..., der aus nordischen Landen gekommen ist, der vielleicht ein gutes Mitglied hätte werden können, wenn er in Bescheidenheit seine psychischen Kräfte weitergebildet hätte. So aber verbreitete sich sogleich eine Art Nimbus um ihn. Überall trat er heilend auf in einer Weise, die nur bedauerlich gefunden werden muß. Das muß schon gesagt werden. Die Notwendigkeit war gegeben, zu erklären, daß er nicht mehr weiter als Mitglied unserer Gesellschaft angesehen werden kann, weil unsere Gesellschaft gerade in das Gegenteil von dem verwandelt würde, was sie sein soll, wenn wir nicht mit aller Sorgfalt immer hinweisen würden auf diesen Psychismus, der sich nicht durchdringen will mit wahrer Geisteskraft, die doch die wahre Kraft des Christus ist. Nicht das Psychische, sondern der Christus in mir muß wirken. Alles das muß so behandelt werden, daß wir sagen: Unsere Gesellschaft hat damit nichts zu tun. Sie weiß kein anderes Mittel als das, was in den letzten Tagen gewählt wurde. Es mußte leider dasjenige, wofür man sonst prinzipiell gar nicht ist, geschehen: es mußte der Ausschluß vollzogen werden.
[ 32 ] We must not be misled when we meet people who have not advanced by means of intellectual understanding, but have certain psychic abilities that seem to appear spontaneously. Based on our understanding of the mission of spiritual science, we know that souls can now think only because the clairvoyance of an earlier age has been suppressed. People with natural clairvoyance, which was not acquired through inner effort, must be seen as persons who have remained at an earlier evolutionary stage and who should therefore receive special care in our Society, rather than be considered particularly advanced. It would be an incorrect judgment if we were to consider such souls particularly mature, as having experienced particularly high incarnations. People with a natural gift of clairvoyance have gone through far less than those who are thinkers nowadays. These things have to be properly understood in our Society. Then it would be possible (and it is my duty to say this) for our Society to be a place where such souls with psychic powers can find care and be guided on the right path. Our Society could give them what they cannot get anywhere else: order in their soul. But to make that possible most of the members of our Society must have a profound inner knowledge of the mission of true spiritual science in the present. If that happened, then the case that so saddened us in recent days could not recur. I am referring to a member, who joined in the belief our Society would care for clairvoyant psychic forces, but then found here a captive audience and took on the role of a prophet. Such an event opens the door to all those things that, if they were to prevail, would turn our Society into the exact opposite of what it should be according to the intentions of the spiritual forces supporting it. Unfortunately, we have had to suffer the case of ..., who came from a country in the north. He might have become a good member if he had worked quietly on developing his psychic powers. Instead, he was immediately surrounded by a kind of aura. He presented himself everywhere as a healer in a way we can only consider regrettable. It became necessary to announce that he could no longer be considered a member of our Society. For it would be turned into the exact opposite of what it should be if we failed to carefully draw attention to psychic phenomena that are not imbued with true spiritual power, which, after all, is the true power of Christ. Christ, not psychic powers, must work in us. These circumstances must be handled so as to make it clear that our Society will have nothing to do with this. It knows no other sanction than the one used in the last few days. Unfortunately, a step had to be taken we otherwise oppose in principle: a member had to be expelled.
[ 33 ] So hängt allerdings dieses zusammen mit der ganzen ernsten und würdigen Auffassung der Mission der Anthroposophischen Gesellschaft. Und wahrhaftig, wenn man prinzipiell Gegner jedes Ausschließens ist und dennoch in solchem Fall sich nicht widersetzen kann dem Ausschluß, werden Sie verstehen, daß man nur mit dem tiefsten Leidwesen so etwas durchleben kann, was in den letzten Tagen durchlebt werden mußte. Es wird immer weniger durchlebt werden, wenn sich unsere lieben Freunde immer mehr durchdringen werden mit dem, was so oftmals gesagt wird und was auch wiederum mit den Ausführungen dieses Abends gemeint war.
[ 33 ] This cannot be separated from a serious and worthy concept of the mission of the Anthroposophical Society. And certainly you will understand that it is only with great sorrow one lives through the events that had to be lived through here in the last few days. We are in principle opposed to all expulsions and yet could not avoid expelling someone in such a case. It will happen less and less frequently if our dear friends continue to take to heart the things that have been said so often and that were also the subject of tonight's talk.
[ 34 ] Damit will ich diese Ausführungen abschließen und sie Ihnen, meine lieben Freunde, in die Seele legen.
[ 34 ] With that I will conclude my remarks, my dear friends, and entrust them to your souls.
