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The Rudolf Steiner Archive

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How does one Develop an Understanding of the Spiritual World
The influx of spiritual impulses from the world of the deceased
GA 154

5 May 1914, Basel

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3. Die Erweckung Spiritueller Gedanken als Zeitforderung

3. The Revival of Spiritual Thought as a Demand of Our Time

[ 1 ] Es ist mir eine besondere Befriedigung, daß wir uns hier zusammenfinden können, gewissermaßen herausgerissen aus unserer Dornacher Bauarbeit. Allein es schien mir eine Unmöglichkeit, so rein räumlich in unmittelbarer Nähe unseres Baues zusammenzusein, und nicht auch zusammenzukommen, um anthroposophische Dinge zu besprechen. Hoffentlich ergibt sich die Möglichkeit, dies ab und zu während des Jahres mehrmals zu tun, da ja sonst gerade unsere am Bau arbeitenden Freunde weniger Gelegenheit haben würden, an solchen Besprechungen teilzunehmen, als sie schließlich in den Zeiten haben, in denen sie ihre Kräfte nicht diesem Bau widmen.

[ 1 ] It gives me particular satisfaction that we are able to gather here, as it were, torn away from our construction work in Dornach. Yet it seemed impossible to me that, while we are physically so close to our building site, we should not also come together to discuss anthroposophical matters. Hopefully, we will have the opportunity to do this several times throughout the year, since otherwise our friends working on the construction would have fewer opportunities to participate in such discussions than they do during the times when they are not devoting their energies to this building.

[ 2 ] Womit wir heute beginnen möchten, das sollen einzelne Betrachtungen sein über das geistige Leben, die uns nützlich sein können, wenn wir einmal in ruhiger Stunde eine Überschau halten über die Frage: Welche Bedeutung kann für uns als menschliche Seelen die Geisteswissenschaft, welche Bedeutung kann das anthroposophische Leben haben? — Es könnte ja, insbesondere demjenigen Menschen der Gegenwart, der noch wenig sich eingelebt hat in anthroposophisches Denken und Fühlen und Empfinden, sehr leicht scheinen, als ob die Frage berechtigt sein könnte: Ja, wozu braucht man sich eigentlich zu kümmern um das geistige Leben, um die geistige Welt, da wir doch jedenfalls so könnte ja auch der materialistisch Gesinnte sagen — nach dem Tode in diese geistige Welt hineinversetzt werden und dann schon erfahren werden dasjenige, was wir über sie zu erfahren haben. Warum sollten wir uns nicht damit begnügen können, hier in diesem Leben zwischen Geburt und Tod einfach dasjenige zu tun, was sich aus dem Leben in der physischen Welt eben ergibt, und warum sollten wir unserem Leben einen Nachteil bringen, wenn wir unsere physischen Pflichten tun, die sich in der physischen Welt ergeben, und im übrigen im Unbestimmten lassen dasjenige, wie es sich mit der geistigen Welt verhalten mag? — Es ist das ein Ausspruch und eine Frage, die man ja oftmals gehört hat, als die materialistische Hochflut, namentlich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, über die Menschheitsentwickelung dahin ging. Und es waren gar nicht immer die ethisch schlechtesten Seelen, die sagten: Seien wir doch während unseres Lebens auf Erden bedacht auf die Pflichten, die uns auf Erden erwachsen, und überlassen wir das übrige einer Welt, die wir nach dem Tode etwa betreten. — Oft hat man das hören müssen.

[ 2 ] We would like to begin today with some individual reflections on spiritual life that may be useful to us when, in a quiet moment, we take stock of the question: What significance can Spiritual Science have for us as human souls? What significance can the anthroposophical life have? — It might well seem, especially to those people of the present day who have not yet become accustomed to anthroposophical thinking, feeling, and perception, as if the question were justified: “Well, why should we actually concern ourselves with spiritual life, with the spiritual world, since—as the materialist might well say—we will in any case be transported into this spiritual world after death and will then experience whatever there is to experience about it.” Why shouldn’t we be content simply to do, here in this life between birth and death, whatever arises from life in the physical world, and why should we put a damper on our lives by fulfilling our physical duties as they arise in the physical world, while leaving the nature of the spiritual world to remain in the realm of the unknown? — This is a statement and a question that one has often heard as the materialistic flood, particularly in the last third of the 19th century, swept over human development. And it was by no means always the morally worst souls who said: Let us, during our life on earth, focus on the duties that arise for us here, and leave the rest to a world we may enter after death. — One has often had to hear this.

[ 3 ] Nun sei zunächst auf eines aufmerksam gemacht, welches für den Verständigen, der nun beginnt sich einzuleben, man möchte nicht einmal sagen in Geisteswissenschaft, sondern nur in ein wirklich logisches Denken, es sei etwas erwähnt, was für ihn sogleich einleuchtend sein kann. Der Mensch verbringt ja eigentlich nur einen Teil der Zeit zwischen Geburt und Tod wirklich in der physischen Welt, das heißt, er verbringt in der physischen Welt die Zeit, in der er wach ist. Und mindestens müßte derjenige, der vielleicht noch wenig an das Denken über die geistige Welt herangetreten ist, jedoch logisch denken kann, zugeben, daß der Mensch in seinem bewußten Seelenleben über das Schlafleben zunächst ebensowenig unterrichtet ist wie über das Leben nach dem Tode. Und nicht gut kann schließlich ein logisches Denken das Fortleben im Schlafe ableugnen, es müßte dann ein solches logisches Denken sich abfinden können mit der Behauptung, daß man wirklich an jedem Abend zugrunde geht und am morgen neu entsteht. Das wird ein logisches Denken wohl nicht tun, aber ebensowenig wird sich ein wirklich logisches Denken entschließen können zu behaupten, daß in dem schlafenden Leibe, der im Bette liegt, wirklich der ganze Mensch enthalten sei. Mindestens müßten die Leute über die Tatsache des Schlafes nachdenklich werden. Und wenn die Leute über die Tatsache des Schlafes nachdenklich werden, wird ihnen das schon einen Impuls geben, sich doch ein wenig auseinanderzusetzen mit dem, was Geisteswissenschaft der Welt zu geben hat. Gerade die Naturwissenschaft wird immer mehr und mehr dazu kommen, einzusehen, daß in dem schlafenden Menschen, das heißt in dem physischen Leib des schlafenden Menschen, das eigentlich seelische Wesen des Menschen nicht vorhanden ist, nicht da ist. Aber wohl kaum wird dieses Jahrhundert naturwissenschaftlicher Entwickelung zu Ende gehen, ohne daß die Naturwissenschaft auch aus sich heraus diese Erkenntnis, die eben angedeutet worden ist, haben wird. Dann wird diese Naturwissenschaft schon anfragen bei der Geisteswissenschaft, und dann wird sie durch sich selbst gezwungen werden, diese Naturwissenschaft, anzuerkennen, daß das, was wir des Menschen geistig-seelische Wesenheit nennen, wirklich außer Verbindung ist mit dem Leiblich-Physischen im Schlaf. Und dann wird wichtig werden, immer wichtiger werden für die Menschen des 20. Jahrhunderts, etwas über diesen Schlaf zu wissen. Und uns eine Vorstellung zu machen über dasjenige, was im Laufe des 20. Jahrhunderts die Menschen werden wissen müssen über die Natur des Schlafes, damit wollen wir heute beginnen.

[ 3 ] First, let us draw attention to something that will be immediately clear to the discerning mind that is now beginning to find its bearings—not so much in Spiritual Science, but simply in truly logical thinking. After all, human beings actually spend only a portion of the time between birth and death truly in the physical world; that is to say, they spend in the physical world the time during which they are awake. And at the very least, someone who may have only just begun to approach thinking about the spiritual world but is capable of logical thinking must admit that, in their conscious soul life, human beings are initially just as uninformed about life during sleep as they are about life after death. And, after all, logical thinking cannot reasonably deny the continuation of life during sleep; such logical thinking would then have to accept the claim that one truly perishes every evening and is reborn in the morning. Logical thinking will likely not do that, but neither will truly logical thinking be able to assert that the entire human being is truly contained within the sleeping body lying in bed. At the very least, people should begin to reflect on the fact of sleep. And when people begin to reflect on the fact of sleep, this will already give them an impulse to engage a little with what Spiritual Science has to offer the world. Natural science, in particular, will increasingly come to realize that in the sleeping human being—that is, in the physical body of the sleeping human being—the actual soul-being of the human being is not present, is not there. But this century of scientific development will hardly come to an end without natural science itself arriving at this insight that has just been indicated. Then natural science will already turn to Spiritual Science for answers, and then it will be compelled by its own logic to acknowledge that what we call the human spiritual-soul being is truly disconnected from the physical body during sleep. And then it will become important, increasingly important for the people of the 20th century, to know something about this sleep. And to form a mental image of what people will need to know about the nature of sleep in the course of the 20th century—that is where we shall begin today.

[ 4 ] Wir wissen ja aus unseren geisteswissenschaftlichen Studien, daß der Mensch mit den zwei Gliedern seiner Wesenheit, dem Ich und dem Astralleib, aus dem physischen und dem Ätherleib heraus ist, wenn der Mensch schläft. Wir können die Frage aufwerfen: Ja, wo sind denn Ich und Astralleib während des Schlafes? — Zunächst können wir antworten: Nun, in der geistigen Welt. — Ja, in dieser geistigen Welt sind wir ja aber eigentlich immer. Wir sind in der geistigen Welt wirklich immer drinnen, weil ja diese geistige Welt nicht irgendwo abgesondert ist von der äußeren Welt; sondern wie uns physisch die Luft überall umgibt, so umgibt uns geistig die geistige Welt. Wir sind also auch im wachenden Zustand in der geistigen Welt immerfort drinnen. Aber wir sind im Schlaf anders in dieser geistigen Welt, als wir im Wachzustand darin sind. Nun genügt es ja gewissermaßen, ich möchte sagen für die gewöhnlichsten nächsten Bedürfnisse der Geisteswissenschaft, die Sache so zu sagen: Man ist mit seinem Ich und Astralleib außerhalb des physischen und Ätherleibes im Schlaf. Aber man sagt, indem man dieses ausspricht, doch im Grunde genommen nur die halbe Wahrheit. Die halbe Wahrheit sagt man ja, aber man sagt eben nur die halbe Wahrheit. Es ist so im Grunde genommen, als wenn man sagte: In der Nacht ist die Sonne außerhalb der Erde. — Nur für diejenigen Bewohner, nicht wahr, die in Europa leben, ist in der Tat die Sonne außerhalb ihrer Erde während der Nachtzeit. Aber wir wissen: nicht für alle Bewohner der Erde ist es so. Im Grunde genommen ist es so mit unserer Wesenheit, insofern wir ein Ich und ein Astralleib sind, im Schlaf. Wirklich außerhalb, man möchte sagen, völlig außerhalb unseres physischen und Ätherleibes sind wir mit unserem Ich und Astralleib erst nach dem Tode. Während des Schlafes sind wir, streng genommen, mit unserem Ich und Astralleib außerhalb unseres Blutes und unseres Nervensystems. Aber wenn gleichsam die Sonne unseres Wesens, unser Ich und Astralleib, untergehen für unser Blut und unser Nervensystem, die sie während des Tages durchdringen, so gehen sie auf für die andere Hälfte des Menschen, für die Organe, die nicht Blut und Nervensystem sind. Mit denen steht der Mensch während des Schlafes in einer innigen Verbindung. Wirklich, wie unsere Sonne, die uns während des Tages scheint, wenn sie für uns untergeht, für andere Erdbewohner aufgeht, so ist es mit Ich und Astralleib. Wenn sie untergehen für unser Blut und Nervensystem, so gehen sie auf für die anderen Organe und sind mit diesen dann um so energischer verbunden. Nun sind diese anderen Organe, mit denen nun während der schlafenden Zeit unser Ich und Astralleib verbunden sind, in der Tat diejenigen, welche geradeso wie alles, was in der Welt existiert, aus der Geistigkeit heraus aufgebaut sind. Und nun liegt für unsere Schlafenszeit das Merkwürdige vor, daß wir von unserem Ich und Astralleib aus stark beeinflussen diese außerhalb unseres Nervensystems und unseres Blutes gelegenen Organe unseres Leibes. Während wir bei tagwachender Zeit von unserem Ich und Astralleib aus stark unser Nervensystem und unser Blut beeinflussen, beeinflussen wir unsere anderen Organe und auch das an unseren anderen Organen, was nicht gewissermaßen von Blut und Nerven selber ausgeht, sondern was von unseren Nerven in das Blut hineinspielt, beeinflussen wir dies alles von unserem Ich und Astralleib aus besonders stark im Schlaf.

[ 4 ] We know from our studies in Spiritual Science that when a person sleeps, the two aspects of their being—the I and the astral body—are separated from the physical and etheric bodies. We might ask: Where, then, are the I and the astral body during sleep? — First of all, we can answer: Well, in the spiritual world. — Yes, but we are actually always in this spiritual world. We are truly always within the spiritual world, because this spiritual world is not separated from the outer world; rather, just as the air physically surrounds us everywhere, so the spiritual world surrounds us spiritually. So even in the waking state, we are constantly within the spiritual world. But when we are asleep, we are in this spiritual world differently than we are in it when awake. Now, in a sense, it suffices—I would say for the most basic needs of Spiritual Science—to put it this way: One is with one’s ego and astral body outside the physical and etheric bodies during sleep. But in saying this, one is, in fact, stating only half the truth. One does say the half-truth, but one is saying only the half-truth. It is, in essence, as if one were to say: At night, the sun is outside the Earth. — Only for those inhabitants, isn’t it, who live in Europe, is the sun indeed outside their Earth during the night. But we know: it is not so for all inhabitants of the Earth. Essentially, this is how it is with our being—insofar as we are an I and an astral body—during sleep. Truly outside, one might say, completely outside our physical and etheric bodies, we are with our I and astral body only after death. During sleep, strictly speaking, we are with our I and astral body outside our blood and our nervous system. But just as the sun of our being—our “I” and astral body—sets for our blood and nervous system, which they permeate during the day, so do they rise for the other half of the human being, for the organs that are not blood and nervous system. With these, the human being stands in an intimate connection during sleep. Indeed, just as our sun, which shines upon us during the day, rises for other inhabitants of the earth when it sets for us, so it is with the ego and astral body. When they set for our blood and nervous system, they rise for the other organs and are then connected to them all the more energetically. Now these other organs, with which our ego and astral body are connected during sleep, are in fact those which, just like everything that exists in the world, are built up out of the spiritual realm. And now the remarkable thing about our sleep is that, from our ego and astral body, we strongly influence these organs of our body that lie outside our nervous system and our blood. While during waking hours we strongly influence our nervous system and our blood from our ego and astral body, we influence our other organs—and also those aspects of our other organs that do not, so to speak, originate from the blood and nerves themselves, but rather what our nerves transmit into the blood—we influence all of this particularly strongly from our ego and astral body during sleep.

[ 5 ] Wenn das der Fall ist, so ergibt sich etwas anderes, ich möchte sagen, leicht Begreifliches. Das leicht Begreifliche ergibt sich daraus, daß es nicht gleichgültig ist, wie wir mit unserem Ich und Astralleib in den Schlaf hineingehen. Dem Materialisten kann das zunächst ja ganz gleichgültig sein, wie es mit seinem Ich und Astralleib, von denen er ja gar nicht spricht, sich verhält im Schlaf. Derjenige, der die Dinge durchschaut, weiß, daß unsere Organe, insofern sie nicht direkt in Betätigungen des Blutes und des Nervensystems, also im bewußten Leben sich äußern, abhängig sind von dem, was in unserem Ich und Astralleib so ist, daß es sich insbesondere während des Schlafes betätigt. Vielleicht kann man über eine solche Sache am besten durch ein Beispiel sprechen. Ein naheliegendes Beispiel sei genommen.

[ 5 ] If that is the case, then something else follows—something, I would say, that is easy to understand. What is easy to understand is that it matters how we enter sleep with our ego and astral body. To the materialist, it may at first seem completely irrelevant how his ego and astral body—which he does not even mention—behave during sleep. The person who sees through these things knows that our organs, insofar as they do not express themselves directly in the activities of the blood and the nervous system—that is, in conscious life—are dependent on what is in our ego and astral body that is active, particularly during sleep. Perhaps the best way to speak of such a matter is through an example. Let us take an obvious example.

[ 6 ] In unserer Zeit gibt es bekanntlich eine Furcht, die sich ganz sinngemäß vergleichen läßt mit der mittelalterlichen Furcht vor Gespenstern. Das ist die heutige Furcht vor den Bazillen. Die beiden Furchtzustände sind sachlich ganz dasselbe. Sie sind auch insofern ganz dasselbe, als ein jedes der beiden Zeitalter, das Mittelalter und die Neuzeit sich so verhalten, wie es sich für sie schickt. Das Mittelalter hat einen gewissen Glauben an die geistige Welt; es fürchtet sich selbstverständlich dann vor geistigen Wesenheiten. Die neuere Zeit hat diesen Glauben an die geistige Welt verloren, sie glaubt an das Materielle, sie fürchtet sich also vor materiellen Wesenheiten, wenn diese auch noch so klein sind. Ein Unterschied könnte, nicht wahr, sachlich höchstens darin gefunden werden, daß die Gespenster doch wenigstens gewissermaßen anständige Wesen sind gegenüber den kleinwinzigen Bazillen, die keineswegs eigentlich, ich möchte sagen, wirklich Staat machen können mit ihrem Wesen, so daß man sich wirklich so ernsthaftig fürchten könnte vor ihnen wie vor einem anständigen Gespenst. Nun soll ja damit selbstverständlich nicht gesagt werden, daß die Bazillen durchaus gepflegt werden sollen, und daß es etwas Gutes ist, recht viel sozusagen mit Bazillen zusammenzuleben. Das soll durchaus nicht gesagt werden. Aber es widerspricht auch nicht dem, was gesagt wurde, denn schließlich Bazillen sind gewiß da, aber Gespenster waren auch da. Für diejenigen, die an die geistige Welt wirklich glauben konnten, ist nicht einmal in bezug auf Realität ein Unterschied in dieser Beziehung.

[ 6 ] As is well known, there is a fear in our time that can be compared, in essence, to the medieval fear of ghosts. This is today’s fear of germs. Objectively speaking, these two states of fear are exactly the same. They are also exactly the same in that each of the two eras—the Middle Ages and modern times—behaves in a manner appropriate to itself. The Middle Ages had a certain belief in the spiritual world; naturally, it feared spiritual beings. The modern era has lost this belief in the spiritual world; it believes in the material, and so it fears material entities, no matter how small they may be. A difference, wouldn’t you agree, could at most be found in the fact that ghosts are, at least to some extent, respectable beings compared to the minuscule germs, which, strictly speaking, cannot really make a name for themselves with their nature, so that one could not truly fear them as seriously as one would a respectable ghost. Now, of course, this is not to say that germs should be cultivated, or that it is a good thing to, so to speak, live in close proximity to germs. That is certainly not what is being said. But it also does not contradict what has been said, for after all, germs are certainly there, but ghosts were there too. For those who could truly believe in the spiritual world, there is not even a difference in terms of reality in this regard.

[ 7 ] Nun handelt es sich darum, und das ist das Wesentliche, was heute hervorgehoben werden soll, daß Bazillen nur dann gefährlich werden können, wenn sie gepflegt werden. Pflegen soll man die Bazillen nicht. Gewiß, da werden uns auch die Materialisten recht geben, wenn wir die Forderung aufstellen, Bazillen soll man nicht pflegen. Aber wenn wir weitergehen und vom Standpunkt einer richtigen Geisteswissenschaft davon sprechen, wodurch sie am meisten gepflegt werden, dann werden sie nicht mehr mitgehen, die Materialisten. Bazillen werden am intensivsten gepflegt, wenn der Mensch in den Schlafzustand hineinnimmt nichts anderes als materialistische Gesinnung. Es gibt kein besseres Mittel für diese Pflege, als mit nur materialistischen Vorstellungen in den Schlaf hineinzugehen und von da, von der geistigen Welt, von seinem Ich und Astralleib aus zurückzuwirken auf die Organe des physischen Leibes, die nicht Blut und Nervensystem sind. Es gibt kein besseres Mittel, Bazillen zu hegen, als mit nur materialistischer Gesinnung zu schlafen. Das heißt, es gibt noch wenigstens ein Mittel, das ebensogut ist wie dieses. Das ist, in einem Herd von epidemischen oder endemischen Krankheiten zu leben und nichts anderes aufzunehmen als die Krankheitsbilder um sich herum, indem man einzig und allein angefüllt ist mit der Empfindung der Furcht vor dieser Krankheit. Das ist allerdings ebensogut. Wenn man nichts anderes vorbringen kann vor sich selber als Furcht vor den Krankheiten, die sich rundherum abspielen in einem epidemischen Krankheitsherd und mit dem Gedanken der Furcht hineinschläft in die Nacht, so erzeugen sich in der Seele die unbewußten Nachbilder, Imaginationen, die durchsetzt sind von Furcht. Und das ist ein gutes Mittel, um Bazillen zu hegen und zu pflegen. Kann man nur ein wenig mildern diese Furcht durch werktätige Liebe zum Beispiel, wo man unter den Verrichtungen der Pflege für die Kranken etwas vergessen kann, daß man auch angesteckt werden könnte, so mildert man auch durchaus die Pflegekräfte für die Bazillen.

[ 7 ] The point is—and this is the essential point to be emphasized today—that germs can only become dangerous if they are nurtured. Germs should not be nurtured. Certainly, even the materialists will agree with us when we assert that germs should not be nurtured. But if we go further and speak from the standpoint of true Spiritual Science about what nurtures them most, then the materialists will no longer follow along. Germs are nurtured most intensely when a person takes nothing but a materialistic mindset into the state of sleep. There is no better way to nurture them than to go to sleep with nothing but materialistic mental images and, from there—from the spiritual world, from one’s I and astral body—to exert a retroactive influence on the organs of the physical body that are not the blood and nervous system. There is no better way to nurture germs than to sleep with nothing but a materialistic mindset. That is to say, there is at least one other method that is just as effective as this one. This is to live in a hotbed of epidemic or endemic diseases and absorb nothing but the symptoms of illness all around you, while being filled solely with the feeling of fear of this disease. That is indeed just as good. If one can present nothing else to oneself but fear of the diseases unfolding all around in an epidemic hotbed, and falls asleep at night with the thought of fear, then unconscious afterimages and imaginings, permeated by fear, are generated in the soul. And that is a good way to nurture and foster germs. If one can only slightly alleviate this fear through active love, for example, where, in the midst of caring for the sick, one can forget that one might also be infected, then one also certainly alleviates the conditions for the germs.

[ 8 ] Diese Dinge werden ja in der Geisteswissenschaft nicht bloß vorgebracht, um auf den Egoismus der Menschen zu spekulieren, sondern um Tatsachen der geistigen Welt zu schildern. So sehen wir, daß wir es eigentlich im Leben in diesem konkreten Fall sehr wohl mit der geistigen Welt zu tun haben, denn wir wirken tatsächlich selber aus der geistigen Welt heraus vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und wahrhaftig mehr als durch alle Mittel, die jetzt von der materialistischen Wissenschaft vorgebracht werden gegen all das, was Bazillen heißt, wahrhaftig mehr, unsäglich reicher für die Menschheitszukunft könnte man wirken, wenn man den Menschen Vorstellungen überlieferte, durch die sie vom Materialismus weggebracht werden und zu werktätiger Liebe vom Geiste aus angespornt werden könnten. Immer mehr und mehr muß sich im Laufe dieses Jahrhunderts die Erkenntnis verbreiten, wie die geistige Welt auch für unser physisches Leben absolut nicht gleichgültig ist, wie sie für die physische Welt ihre durchdringende Bedeutung hat, weil wir in der Tat vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der geistigen Welt drinnen sind und da von ihr aus wirksam bleiben für den physischen Leib. Wenn sich das auch nicht unmittelbar zeigt, so ist es doch der Fall.

[ 8 ] In Spiritual Science, these things are not merely presented to speculate on human selfishness, but to describe facts of the spiritual world. Thus we see that in this specific case, we are indeed dealing with the spiritual world in our lives, for we ourselves actually act from within the spiritual world from the moment we fall asleep until we wake up. And truly, more than through all the means now put forward by materialistic science against everything called “germs”—truly more, and in a way that is immeasurably richer for the future of humanity—one could work if one were to impart to people mental images that would lead them away from materialism and inspire them to active love from the spirit. In the course of this century, the realization must spread more and more that the spiritual world is by no means indifferent to our physical life, that it has a pervasive significance for the physical world, because we are in fact within the spiritual world from the moment we fall asleep until we wake up, and from there we continue to exert an influence on the physical body. Even if this is not immediately apparent, it is nonetheless the case.

[ 9 ] Nun wird man sich an eines gewöhnen müssen, wenn man diese Dinge im richtigen Lichte betrachten will. Man wird sich daran gewöhnen müssen, daß dasjenige, was man direkt als Heilkraft der Geisteswissenschaft zu betrachten hat, wirken muß durch die menschliche Gemeinschaft. Denn man möchte sagen, was hätte es für eine Bedeutung, wenn irgendein einzelner Mensch da oder dort in die geistigen Welten beim Einschlafen hineingeht jedesmal mit denjenigen Gedanken, die der geistigen Welt zugeneigt sind, und ringsherum sind die anderen, die mit materialistischen Gedanken, materialistischen Empfindungen und Furchtempfindungen — die ja immer mit dem Materialismus zusammenhängen —, Heger und Pfleger der Bazillenwelt sind. Was ist sie eigentlich, diese Bazillenwelt? Ja, da kommen wir auf ein Kapitel, über das etwas zu wissen, recht wesentlich ist für das menschliche Leben. Wenn wir draußen in der Natur die Luft erfüllt finden mit Vogelgattungen aller Art, das Wasser mit Fischen, wenn wir verfolgen dasjenige, was kriecht über die Erde, was sich auf ihr tummelt und so den äußeren Sinnen zeigt, was da lebt in der Natur, da haben wir es zu tun mit Wesenheiten, von denen wir eigentlich durchaus ganz richtig sprechen, wenn wir sagen: Sie sind doch in irgendeiner Form, selbst dann, wenn sie da oder dort schädlich eingreifen in die Naturwirkungen, sie sind doch Geschöpfe der sich fortentwickelnden Gottheit. In dem Augenblick aber, wo wir auf diejenigen Wesen kommen, die den Wohnplatz ihres Wirkens in anderen lebenden Wesen haben, in Pflanzen, Tieren oder Menschen, da haben wir es zu tun, insbesondere wenn es sich handelt um bazillenähnliche Geschöpfe, die im tierischen oder menschlichen Leibe, namentlich die im menschlichen Leibe sind, da haben wir es allerdings auch zu tun mit Geschöpfen von geistigen Wesenheiten, aber mit Geschöpfen Ahrimans. Und richtig betrachtet man die Anwesenheit solcher Geschöpfe innerhalb unserer Welt, wenn man sich klar darüber ist, daß alle diese Wesenheiten zusammenhängen mit geistigen Tatsachen, mit den Beziehungen des Menschen zu Ahriman. Und diese Beziehungen des Menschen zu Ahriman werden hergestellt, wie wir wissen, durch materialistische Gesinnung oder rein egoistische Furchtzustände. Und richtig betrachtet man das Verhältnis, in dem vorhanden sind solche parasitäre Wesenheiten in der Welt, wenn man sagt: Da wo sich diese parasitären Wesenheiten zeigen, sind sie ein Symptom für das Eingreifen Ahrimans in die Welt. Und wenn wir an einem solchen Beispiel sehen, daß es tatsächlich nicht einerlei ist, ob der Mensch, wenn er des Abends einschläft, in die geistige Welt, in der er ist zwischen Einschlafen und Aufwachen, hinübernimmt reine materialistische Vorstellungen oder geistige Vorstellungen, wenn wir einsehen, daß das nicht einerlei ist, dann hören wir auch auf, davon zu sprechen, daß es etwa einerlei sein könnte, schon in dieser Welt etwas zu wissen vom Geiste oder nichts zu wissen vom Geiste. So müssen wir allerdings an einem bestimmten Punkte einsetzen, wenn wir uns so recht vor Augen rücken wollen die große Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Forschung schon für dieses menschliche Leben zwischen Geburt und Tod.

[ 9 ] Now, if one wishes to view these things in the proper light, one will have to get used to one thing. One will have to get used to the fact that what must be regarded directly as the healing power of Spiritual Science must work through human society. For one might ask: what significance would it have if some individual here or there were to enter the spiritual worlds upon falling asleep, each time with thoughts inclined toward the spiritual world, while all around are others who, with materialistic thoughts, materialistic feelings, and feelings of fear—which are, after all, always connected with materialism— the guardians and nurturers of the world of germs. What is this world of germs, really? Yes, here we come to a subject about which some knowledge is quite essential for human life. When we find the air outside in nature filled with all manner of birds, the water with fish, when we observe what crawls across the earth, what frolics upon it, and thus reveals to the outer senses what lives in nature—there we are dealing with beings of whom we are actually quite correct to say: They are, after all, in some form—even when they interfere harmfully here and there with the forces of nature—creatures of the evolving Godhead. But the moment we come to those beings that have their dwelling place of activity within other living beings—in plants, animals, or humans— then we are dealing, especially when it comes to bacillus-like creatures that inhabit animal or human bodies—namely those in the human body—with creatures of spiritual beings, but with creatures of Ahriman. And one views the presence of such creatures within our world correctly when one is clear that all these entities are connected with spiritual realities, with humanity’s relationship to Ahriman. And these relationships of humanity to Ahriman are established, as we know, through a materialistic mindset or purely egoistic states of fear. And one correctly views the relationship in which such parasitic entities exist in the world when one says: Wherever these parasitic entities appear, they are a symptom of Ahriman’s intervention in the world. And when we see from such an example that it really does matter whether, when a person falls asleep in the evening, they carry over into the spiritual world—where they are between falling asleep and waking up—purely materialistic mental images or spiritual mental images; when we realize that this does matter, then we also cease to speak of it as if it might be a matter of indifference whether, even in this world, one knows something of the spirit or knows nothing of the spirit. We must, however, begin at a certain point if we are to truly bring to mind the great significance of Spiritual Science research even for this human life between birth and death.

[ 10 ] Aber wir können auch in ganz andere Gebiete unsere geistigen Augen hinrichten. Immer mehr und mehr wird uns auffallen, wie dieses Leben zusammenhängt mit dem geistigen Leben. Da brauchen wir als Menschen die andere, gleichsam unter dem Menschen stehende Natur, von der wir uns ernähren, aus der wir also unsere Nahrung ziehen. Dasjenige, wovon zunächst eine Zeitlang nach dem Tode die Toten ihre Nahrung ziehen, das sind die Vorstellungen, die Empfindungen, die unbewußten Empfindungen und Gefühle, die die Menschen hier auf Erden in den Schlaf hinübertragen. Für die Toten ist es ein gewaltiger Unterschied, ob irgendwo, sagen wir, eine Schar von Menschen schläft, die sich nur anfüllen während ihres Wachlebens mit lauter materialistischen Empfindungen und Vorstellungen und diese in den Schlaf hinübertragen und im Einschlafen durchdrungen sind von den Nachwirkungen dieser Materialismen, oder ob irgendwo schläft eine Schar von Menschen, die während des Wachens sich ganz und gar durchdrang mit geistigen Vorstellungen und die auch während des Schlafes noch von solchen durchdrungen ist. Wie eine öde Oberfläche, die nichts von Nahrungsmitteln enthält und auf welcher die Menschen verhungern müßten, sich verhält zu einer fruchtbaren Gegend, die den Menschen Nahrung bietet, so verhält sich für diejenigen, welche durch den Tod gegangen sind, eine Schar von Menschen, die mit materialistischer Gesinnung schläft, zu einer Schar von Menschen, die mit geistigen Vorstellungen schläft. Denn aus dem Erfülltsein der Seelen, die hier auf Erden schlafen, mit geistigen Vorstellungen, ziehen die Toten zunächst viele Jahre nach dem Tode Lebenskraft, die ähnlich ist, nur geistig, nur ins Geistige versetzt, dem, was wir als physische Menschen aus den uns Nahrung gebenden Wesenheiten der unter uns stehenden Naturreichen ziehen. Im buchstäblichen Sinne machen wir uns zum fruchtbaren Acker für die Toten, wenn wir uns erfüllen mit den Vorstellungen, die uns von der Geisteswissenschaft kommen. Und wir machen uns zum öden Felde, durch das wir die Toten aushungern, wenn wir uns zu Schläfern mit materialistischen Vorstellungen und Gesinnungen machen.

[ 10 ] But we can also turn our spiritual eyes to entirely different realms. We will increasingly notice how this life is connected to the spiritual life. As human beings, we need the other realm—so to speak, the realm beneath humanity—from which we draw sustenance, that is, from which we derive our nourishment. What the dead initially draw their nourishment from for a time after death are the mental images, the sensations, the unconscious sensations and feelings that people here on earth carry over into sleep. For the dead, it makes a tremendous difference whether, say, a group of people is sleeping somewhere who, during their waking lives, fill themselves only with purely materialistic sensations and mental images and carry these over into sleep, and are permeated by the aftereffects of this materialism as they fall asleep, or whether somewhere a group of people is sleeping who, while awake, have completely imbued themselves with mental images and who remain imbued with such images even during sleep. Just as a barren surface that contains no food and on which people would have to starve relates to a fertile region that provides people with food, so does a group of people who sleep with a materialistic mindset relate, for those who have passed through death, to a group of people who sleep with mental images. For from the souls sleeping here on earth being filled with mental images, the dead draw, for many years after death, a life force that is similar—only spiritual, only transposed into the spiritual—to what we, as physical human beings, draw from the beings of the natural kingdoms below us that provide us with nourishment. In the literal sense, we make ourselves a fertile field for the dead when we fill ourselves with the mental images that come to us from Spiritual Science. And we make ourselves a barren field, through which we starve the dead, when we make ourselves sleepers with materialistic ideas and attitudes.

[ 11 ] Von Geisteswissenschaft jetzt in unserer Zeit zu sprechen, entspringt nicht einem solchen Enthusiasmus, wie der ist, der zu vielen anderen Vereinigungen, zu menschlichen Gesellschaften und dergleichen führt. Sondern es entspringt der Drang, von Geisteswissenschaft zu sprechen, derjenigen Notwendigkeit des Herzens, die einsieht, daß die Menschen im kommenden 20. Jahrhundert diese Geisteswissenschaft brauchen werden. Wie sich auch die Verhältnisse in der äußeren Welt gestalten, derjenige, der intensiv durchschaut, wie notwendig der Welt die Geisteswissenschaft ist, der hat es gar nicht in seiner Gewalt, etwa nicht die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft auf die Zunge und in den Mund fließen zu lassen, um sie den Mitmenschen mitzuteilen. Und man empfindet jede Kraft des Wortes, die man gebrauchen kann, als viel zu gering gegenüber der Notwendigkeit, die besteht, die Geisteswissenschaft in immer steigenderem Maße zuzuführen derjenigen Menschheit, die sonst immer mehr und mehr in den Materialismus hineintauchen müßte.

[ 11 ] Speaking of Spiritual Science in our time does not stem from the kind of enthusiasm that leads to the formation of many other associations, human societies, and the like. Rather, the urge to speak of Spiritual Science arises from that inner necessity of the heart which recognizes that people in the coming 20th century will need this Spiritual Science. No matter how conditions in the outer world may develop, anyone who deeply perceives how necessary Spiritual Science is to the world has no choice but to let the insights of Spiritual Science flow from their tongue and lips in order to share them with their fellow human beings. And one feels that every power of speech one can muster is far too small in the face of the necessity that exists to bring Spiritual Science in ever-increasing measure to a humanity that would otherwise have to plunge deeper and deeper into materialism.

[ 12 ] Und wenn wir noch von einer anderen Seite fragen: Wie steht es mit unserem Verhältnis zu denjenigen Verstorbenen, mit denen wir im Leben in Verbindung gestanden haben, von denen wir uns deutliche Vorstellungen machen können, zu denen wir alle solche Beziehungen haben, daß oft an diese gedacht wird? Wie verhält es sich mit unserem Verhältnis zu den Toten in noch anderer Beziehung, als wenn wir eben den Toten geistige Nahrung bieten dadurch, daß wir in den Schlaf hinein geistige Vorstellungen tragen? Wie verhält es sich im Wachleben mit unseren Beziehungen zu den Toten?

[ 12 ] And if we approach the question from another angle: What about our relationship to those deceased individuals with whom we were connected in life, of whom we can form clear mental images, and with whom we all have such a bond that we often think of them? What about our relationship to the dead in yet another sense, other than when we offer them spiritual nourishment by carrying mental images into our sleep? What is the nature of our relationships with the dead in our waking lives?

[ 13 ] Ist dasjenige, was die Toten zu ziehen haben aus dem, was in den Seelen der schlafenden Menschen ist, etwas wie eine Nahrung für die Toten, so ist jeder Gedanke, der in die geistigen Welten hineingeht, der sich mit den geistigen Welten und geistigen Wesenheiten beschäftigt, jeder Gedanke, der so ist, daß er zu den geistigen Welten Beziehung hat, etwas, was die Toten wahrnehmen können, was sie entbehren müssen, wenn wir keine solche Gedanken hegen. Vorstellungen, die bloß auf die materielle Welt sich beziehen, auf dasjenige, was draußen in der Natur ist, die leben in unserer Seele so, daß die Toten sie nicht sehen können, die haben keine Bedeutung für die Toten. Wir können noch so gelehrt, noch so weise über die Dinge der äußeren Natur nachdenken, unsere Gedanken sind ein Nichts für die Toten. In dem Augenblick, wo wir Gedanken hegen, die sich auf die geistige Welt beziehen, sind die Gedanken unmittelbar da für die Toten, nicht nur für die Lebendigen, sondern auch für die Toten.

[ 13 ] If what the dead draw from what is in the souls of sleeping people is something like nourishment for the dead, then every thought that enters the spiritual worlds—one that concerns itself with the spiritual worlds and spiritual beings— every thought that relates to the spiritual worlds, is something the dead can perceive—something they must do without if we do not harbor such thoughts. Mental images that relate solely to the material world, to what is out there in nature, exist in our souls in such a way that the dead cannot see them; they have no significance for the dead. No matter how learned or wise we may be in our reflections on the things of the external world, our thoughts are nothing to the dead. The moment we entertain thoughts that relate to the spiritual world, those thoughts are immediately present for the dead—not only for the living, but also for the dead.

[ 14 ] Daher ist es öfters schon unseren Freunden empfohlen worden: Wenn irgendeine Persönlichkeit, mit der sie in Verbindung gestanden haben, in der geistigen Welt weilt, so lese man ihr vor in Gedanken. Man verbildliche sich die betreffende Persönlichkeit und gehe in Gedanken lesend das durch, was von der geistigen Welt handelt. Dann liest der Tote mit. Man darf nicht glauben, daß das bedeutungslos ist. Der Tote in der geistigen Welt ist zwar in derjenigen Welt, von der wir wissen aus der Geisteswissenschaft. Aber die Gedanken über die geistige Welt müssen auf Erden erzeugt werden. Der Tote soll nicht nur die geistige Welt wahrnehmen, die allerdings um ihn herum ist. Er braucht die Gedanken derjenigen, die auf Erden leben. Diese Gedanken sind für ihn etwas wie eine Wahrnehmung. Das Schönste, Bedeutsamste, was wir den Toten schenken können, ist, ihnen vorzulesen in dieser geschilderten Weise. Immer wiederum, wenn gefragt wird, womit wir den Toten etwas geben können, so muß geantwortet werden: Mit dem Vorlesen irgendeines geistigen Inhaltes. — Und wenn jemand doch Zweifel haben sollte, ob das nützlich ist, da der Tote ja in der geistigen Welt weilt, braucht man nur zu überlegen, daß in der sinnlichen Welt einer ebenfalls ringsherum von Dingen und Wesenheiten umgeben sein kann, aber doch keine Ideen von ihnen haben kann. Die muß man sich erst erwerben. So kann der Tote in der geistigen Welt sein; er ist da. Aber die Gedanken müssen ihm strömen von der Erde hinauf. Wie der segnende Regen aus der Wolke für die physische Erde strömen muß, so die leuchtenden Gedanken in diejenigen Regionen hinauf, in denen der Tote zu verweilen hat.

[ 14 ] For this reason, it has often been recommended to our friends: If any person with whom they have had a connection is in the spiritual world, they should read to that person in their thoughts. They should visualize that person and, while reading, go through in their thoughts whatever deals with the spiritual world. Then the deceased reads along. One must not believe that this is meaningless. The deceased in the spiritual world is indeed in that world we know from Spiritual Science. But thoughts about the spiritual world must be generated on Earth. The deceased should not merely perceive the spiritual world, which is certainly all around them. They need the thoughts of those living on Earth. These thoughts are, for them, something like a perception. The most beautiful, most meaningful thing we can give to the dead is to read to them in the manner described here. Whenever the question arises as to how we can give something to the dead, the answer must be: by reading aloud any spiritual content. — And if anyone should still have doubts as to whether this is useful, since the deceased dwells in the spiritual world, one need only consider that in the physical world, a person may likewise be surrounded by things and beings, yet still have no concept of them. One must first acquire them. So the deceased may be in the spiritual world; he is there. But thoughts must flow up to him from the earth. Just as the blessing rain must flow from the cloud for the physical earth, so must the luminous thoughts flow up into those regions where the deceased dwells.

[ 15 ] Alle diese Beispiele zeigen uns, was für eine große, was für eine unendliche Bedeutung das Erleben der geistigen Welt in Gedanken schon hat auch für unsere physische Welt und wie unberechtigt der Einspruch ist, daß man ja warten könnte bis nach dem Tode mit dem Wissen über das, was in der geistigen Welt vorhanden ist. Wahrhaftig, gerade eine genaue Betrachtung der geistigen Welt zeigt so recht, daß der Mensch nicht umsonst auf der Erde ist, daß er auf der Erde ist, um auf der Erde etwas zu erwerben, was nirgends anderswo in der Welt erworben werden kann als nur auf der Erde, was ein Gut ist von solcher Bedeutung, daß der Lebende es dem Toten noch schenken kann.

[ 15 ] All these examples show us just how great, how infinitely significant the experience of the spiritual world in thought already is for our physical world, and how unfounded the objection is that one could simply wait until after death to gain knowledge of what exists in the spiritual world. Truly, it is precisely a close examination of the spiritual world that so clearly shows that human beings are not on Earth in vain, that they are on Earth to acquire something here that cannot be acquired anywhere else in the world but on Earth—something of such significance that the living can still bestow it upon the dead.

[ 16 ] Und auch in vielen anderen Beziehungen zeigt sich der innige Zusammenhang zwischen dem Leben hier auf Erden zwischen Geburt und Tod und dem Leben unmittelbar nach dem Tode. Nur ist es schwer, über diesen Zusammenhang im Konkreten zu sprechen, weil sie so furchtbar leicht mißverstanden werden, diese Worte. Der Mensch ist zur Einseitigkeit ganz veranlagt, und wenn man von irgendeiner Sache spricht, dann ruft das, insbesondere wenn es sich auf die geistige Welt und auf geistige Wesenheiten bezieht, ein Mißverständnis aus gewissen Beweggründen des menschlichen Herzens hervor. Wenn man erzählt in einem Einzelfall, daß dieser oder jener Zusammenhang eines menschlichen Lebens hier auf Erden und nach dem Tode besteht, dann wird so leicht aus der Schilderung eines solchen Einzelfalles aus einem leicht begreiflichen menschlichen Egoismus heraus etwas ganz Mißverständliches gefolgert, nämlich man wendet den Fall auf sich selber an. Wenn von einem besonderen, konkreten Menschen erzählt wird, er erlebt dieses oder jenes, so denkt der Mensch so leicht: mit mir verhält es sich ganz anders, daher erlebe ich nicht etwas so Schönes. Und statt daß der Zuhörer Befriedigung hätte über die Mitteilung der Erlebnisse, empfindet er etwas, was aus dem Gefühl des Egoismus heraus geboren ist: daß er nicht ebenso Schönes haben kann nach dem Tode.

[ 16 ] And in many other respects as well, the intimate connection between life here on earth—between birth and death—and life immediately after death becomes evident. It is just difficult to speak concretely about this connection because these words are so terribly easy to misunderstand. Human beings are quite prone to one-sidedness, and when one speaks of any subject—especially when it relates to the spiritual world and spiritual beings—it gives rise to misunderstanding due to certain motives of the human heart. When one recounts, in a specific case, that this or that connection exists between a human life here on Earth and life after death, it is all too easy—out of a readily understandable human egoism—to draw a completely misleading conclusion from the description of such a specific case, namely, one applies the case to oneself. When a story is told about a specific, concrete person who experiences this or that, people so easily think: things are quite different for me, so I do not experience anything so beautiful. And instead of the listener deriving satisfaction from the account of these experiences, they feel something born of a sense of egoism: that they cannot have anything equally beautiful after death.

[ 17 ] Sobald man auf einen einzelnen Fall eingeht, nicht so im Allgemeinen herumredet, muß der Mensch das selbstlose Gefühl entwickeln, auf das Schicksal eines anderen hinzuschauen, ohne Schlüsse auf das eigene Leben zu ziehen und nun etwa zu sagen: Habe ich es nicht ebenso, entgeht mir das, was da erzählt wird. — Also dieses und ähnliches sind wirklich Beweggründe zu Mißverständnissen. Und ich muß vorausschicken, daß solches Mißverständnis leicht entstehen kann, weil ich vermeiden will, indem ich dieses sage, daß sich solches Mißverständnis bilde.

[ 17 ] As soon as one addresses a specific case, rather than speaking in general terms, one must develop the selfless ability to consider another person’s fate without drawing conclusions about one’s own life—and without saying, for example, “Isn’t that just like me?”—otherwise one misses the point of what is being said. — So this and similar things are truly sources of misunderstanding. And I must preface this by saying that such a misunderstanding can easily arise, because by saying this, I want to prevent such a misunderstanding from forming.

[ 18 ] Vor kurzem ist ein sehr lieber Freund von uns verstorben, dessen Einäscherung eine große Anzahl der hier versammelten Freunde beigewohnt hat. Er hätte morgen seinen dreiundvierzigsten Geburtstag gehabt, am 6. Mai. Der Betreffende hat in den letzten Jahren seines Lebens hier viel gelitten. Ich möchte sagen, wie in Parenthese möchte ich einflechten eine wunderbare Ausführung seiner letzten Zeiten, von denen mir seine Gattin vor kurzem gesprochen hat. Unser Freund hat sich gewehrt in der Zeit, in der er viel litt, nicht dagegen etwa, sich tatsächlich zuzugestehen, daß er leiden müsse, aber er hat sich gewehrt dagegen, krank zu sein. Er sei nicht krank, sagte er. Er litte zwar, aber er sei nicht krank. Und er wollte durchaus, daß ein solcher Ausspruch nicht als Wortklauberei aufgefaßt werde, sondern daß dadurch wirklich etwas gesagt werden soll. Es war diese von ihm geprägte Definition: Ich leide zwar, aber ich bin nicht krank — entsprungen aus dem Bewußtsein, dasjenige, was ich als geistige Wissenschaft in mir tragen kann, was mich als geistige Wissenschaft innerlich hält und trägt, macht alle Anfechtungen des Krankseins zunichte. Ich spüre, daß ich leide, aber die Gesundheit meiner Seele ist so groß, daß, wenn ich dagegen auf meine körperlichen Zustände blicke, ich mich nicht krank nennen darf. Man könnte noch viel reden über diese Definition. Es ist etwas ungeheuer Bedeutungsvolles, etwas, was so recht geeignet ist, als Empfindung die menschliche Seele zu durchdringen.

[ 18 ] A very dear friend of ours passed away recently, and a large number of the friends gathered here attended his cremation. He would have celebrated his forty-third birthday tomorrow, on May 6. He suffered greatly here during the last years of his life. I would like to mention—as an aside—a wonderful account of his final days that his wife recently shared with me. Our friend resisted during the time he suffered greatly—not, for instance, against actually admitting to himself that he had to suffer, but he resisted the idea of being sick. He was not sick, he said. He suffered, yes, but he was not sick. And he insisted that such a statement not be taken as mere wordplay, but that it was meant to convey something real. It was this definition he coined: “I am suffering, but I am not sick”—arising from the awareness that what I can carry within me as spiritual science, what sustains and carries me inwardly as spiritual science, nullifies all the trials of illness. I feel that I am suffering, but the health of my soul is so great that, when I look at my physical condition in contrast, I cannot call myself sick. One could say much more about this definition. It is something immensely significant, something that is so well suited to permeating the human soul as a feeling.

[ 19 ] Aber nun, wenn man den Betreffenden verfolgt, wie er seine letzten Erdenjahre in einem kranken Leib, in einem leidenden Leib, in dem er sich nicht krank wußte, sondern nur leidend, zubrachte, wenn man dies vergleicht mit dem jetzt nun beginnenden geistigen Leben des betreffenden Freundes, so bekommt man ein würdiges Bild von den Zusammenhängen des Lebens zwischen Geburt und Tod und dem Leben nach dem Tode. Vorbereitet hat sich — ich erzähle eine Tatsache der geistigen Welt — in diesem Leibe, der das äußerliche Symptom des Krankseins hatte, eine Summe von Imaginationen. Eine Summe von Imaginationen lebte sozusagen in den kranken Gliedern, starke Imaginationen. Er war ganz erfüllt von dem Inhalt der geistigen Welten, und sie lebten so, daß sie in all diejenigen Organe hineinwirkten, deren sich der Mensch nicht so bewußt ist im täglichen Leben, wie er sich seines Gehirns oder Nervensystems bewußt ist — die er also mehr in seinem unterbewußten Leben durchlebte —, sie lebten dadrinnen und sie konnten um so leichter darin leben, je äußerlich kränker diese Organe waren. Und sie präparierten sich und stehen nun als ein gewaltiges Tableau der geistigen Welt vor der Seele des Toten, der nun in diesen Vorstellungen lebt, die eingefangen waren gerade während seiner letzten Lebensjahre in den Kerker seiner kranken Organe, aber die sich vorbereitet haben in solcher Dichte, daß er sie jetzt als seine Welt außer sich im Geiste hat.

[ 19 ] But now, if one follows the person in question as he spent his final years on earth in a sick body, in a suffering body, in which he did not know himself to be sick, but only suffering, and if one compares this with the spiritual life of this friend that is now beginning, one gains a fitting picture of the connections between life between birth and death and life after death. A wealth of imaginations had prepared itself—I am recounting a fact of the spiritual world—in this body, which bore the outward symptoms of illness. A wealth of imaginations lived, so to speak, in the sick limbs—powerful imaginations. He was completely filled with the content of the spiritual worlds, and they lived in such a way that they worked into all those organs of which a person is not as conscious in daily life as he is of his brain or nervous system—which he thus experienced more in his subconscious life— they lived within them, and the sicker these organs were outwardly, the more easily they could live there. And they prepared themselves and now stand as a mighty tableau of the spiritual world before the soul of the dead person, who now lives in these mental images that were captured precisely during his final years of life within the prison of his diseased organs, but which have prepared themselves in such density that he now has them as his world outside himself in the spirit.

[ 20 ] Schönere Welten, oder vollkommener, auf schönere Art sehen den geistigen Kosmos, als zu sehen, wie er erblüht, sich aufbauend mit geistiger Kunst, schöner dies Phänomen zu beobachten, ist nicht leicht möglich als durch eine solche Tatsache. Alles das, was etwa der Künstler schafft, der hier auf dem physischen Plan steht und in Schöne erstehen läßt ein Stück Welt — so daß wir durch das Bild, das er auf die Leinwand oder im Marmor hinzaubert, mehr sehen von der Welt, als wir von uns aus sehen können, ist eine Kleinigkeit gegenüber dem, wenn wir sie wieder sehen, die geistige Welt, wie sie da ist auf der einen Seite, man möchte sagen, so wie sie an sich ist und dann wieder, wie sie ersteht, aufblühend aus der Seele eines Toten, der durch sein Karma in solcher Weise, wie ich es ausgeführt habe, vorbereitet ist. Wie er vorbereitet war, das werden besonders seine Dichtungen zeigen, die jetzt im Druck sind und demnächst erscheinen werden. Denn sie werden zeigen, daß diese ganze Art des geistigen Lebens, des Hinübergehens auch in die geistige Welt nach dem Tode, innig zusammenhängt mit dem, was wir seit Jahren innerhalb unserer Geisteswissenschaft den Christus-Impuls nennen. Schön lebt dieser geisteswissenschaftlich gemeinte Christus-Impuls in diesen Dichtungen.

[ 20 ] More beautiful worlds, or more perfect ones, perceive the spiritual cosmos in a more beautiful way than by seeing it blossom; to observe this phenomenon more beautifully, building upon spiritual art, is not easily possible except through such a reality. Everything that the artist creates, standing here on the physical plane and bringing a piece of the world into being through beauty—so that through the image he conjures onto the canvas or into the marble, we see more of the world than we can see on our own—is a trifle compared to when we see it again: the spiritual world as it is on the one hand, one might say, as it is in itself, and then again as it comes into being, blossoming from the soul of a deceased person who, through his karma, is prepared in the manner I have described. How he was prepared will be shown in particular by his writings, which are now in press and will appear shortly. For they will show that this entire mode of spiritual life, of passing over into the spiritual world after death, is intimately connected with what we have for years called the Christ impulse within our Spiritual Science. This Christ impulse, understood in the context of Spiritual Science, lives beautifully in these poems.

[ 21 ] Im Zusammenhang mit dieser Tatsache, von der ich sprach, die wahrhaftig fühlen lassen kann das Verhältnis der Welt, die wir durchlaufen zwischen Geburt und Tod mit derjenigen wiederum zwischen Tod und neuer Geburt, steht nun etwas, was ich daranschließen möchte, so anschließen möchte, daß ich nicht in abstrakten Gedanken den Zusammenhang ausführe, sondern so, daß ich Sie erfühlen lasse den Zusammenhang. Sehen Sie, man kann hier auf dem physischen Plan ein törichter oder ein gescheiter Mensch sein, man kann auch ein gelehrter Mensch sein: für das Leben nach dem Tode hat das nicht viel Bedeutung, ob man auf dem physischen Plan ein törichter, ein gescheiter oder ein gelehrter Mensch war, wenn sich das Törichte, Gescheite, Gelehrte auf Dinge der physischen Welt bezieht. Wir können noch so gescheit über die Dinge der physischen Welt denken, die Gedanken, namentlich die Art des Denkens über die physische Welt, nützt uns gar nichts, sobald wir durch die Pforte des Todes geschritten sind. Dies hat dann gar keine Bedeutung. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, braucht er Gedanken, Vorstellungen, Empfindungen, die sich nicht auf die physische Welt beziehen, die haben dort allein Bedeutung.

[ 21 ] In connection with this fact I spoke of—which can truly make us feel the relationship between the world we pass through between birth and death and that between death and new birth—there is now something I would like to add, and I would like to do so not by explaining the connection through abstract thoughts, but by letting you feel the connection. You see, here on the physical plane one can be a foolish or a wise person; one can also be a learned person: for life after death, it does not matter much whether one was a foolish, a wise, or a learned person on the physical plane, if that foolishness, wisdom, or learning relates to things of the physical world. No matter how cleverly we may think about the things of the physical world, those thoughts—namely, the way of thinking about the physical world—are of no use to us whatsoever once we have passed through the gate of death. This then has no significance at all. Once a person has passed through the gate of death, they need thoughts, mental images, and feelings that do not relate to the physical world; only those have meaning there.

[ 22 ] Nun möchte ich Ihnen zunächst dasjenige, was ich gesagt habe, in einer etwas grotesken, paradoxen Weise mitteilen. Aber stoßen Sie sich nicht an dem Paradoxen, es wird sich uns gleich zeigen, was ich damit sagen will. Nehmen wir an, ein Mensch würde ablehnen irgend etwas zu denken, wozu er nicht aufgefordert wird durch die Sinneswahrnehmungen. Und sobald irgend etwas an ihn herankommt und irgendwelche Gedanken in ihm keimen, sagt er: Ich will dich nicht, ich gehe von dem aus, was die Augen sehen, was die Ohren hören, darüber will ich denken. Mit dem anderen bleibt mir vom Leibe, ich selber bleibe mir damit vom Leibe. — Ein solcher Mensch nimmt keine Kraft auf, die er nach dem Tode gebrauchen könnte. Er kommt blind hinein in die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Nehmen wir nun weiter an, ein Mensch hätte eine lebhafte Phantasie und fände es unbequem, heranzukommen an die Geisteswissenschaft, allerlei zu lernen, so nach und nach erst etwas zu lernen. Er fände es viel bequemer, sich alle möglichen Vorstellungen zu machen aus der Phantasie heraus über die geistige Welt, er dächte sehr viel aus bloßer Phantasie heraus über die geistige Welt, so daß er auf einer Seite hätte alles dasjenige im Vorstellungsleben, was von der Sinnenwelt handelt und dann auf der anderen Seite noch alle möglichen Phantasievorstellungen über die geistige Welt. Ein solcher Mensch unterschiede sich allerdings von dem, der sagt: Bleibt mir vom Leibe mit den Vorstellungen von der geistigen Welt —, denn derjenige, der nichts wissen will von der geistigen Welt, der geht wie ein Blinder in die geistige Welt. Derjenige, der sich wenigstens Phantasievorstellungen macht, hat solche Seelenkräfte, daß er allerdings als ein Sehender in die geistige Welt hineinkommt, aber er wird ein solcher Sehender, wie in der physischen Welt einer ein Sehender ist, der lauter Fehler in seinem Auge hat, so daß er überall falsch sieht. Und das bedeutet in der geistigen Welt noch viel Schlimmeres als in der physischen Welt, denn wenn einer in der geistigen Welt alles falsch sieht, so heißt das, auf Schritt und Tritt in der geistigen Welt Verwirrung stiften. Aber wir können eines sehen aus dem, was gesagt worden ist, wenn auch in grotesker Weise, wir können sehen, daß der Mensch Vorstellungen braucht, die über das sinnliche Leben hinausgehen, wenn er wirklich ein Bürger der geistigen Welt sein will, und das muß er sein. Er kann es entweder in verkrüppeltem Zustande sein — so ist der, der nur sinnliche Vorstellungen aufnehmen will, oder der seiner Phantasie die Zügel schießen läßt —; sonst braucht er Orientierung, die über die sinnliche Welt hinausgeht.

[ 22 ] Now I would like to begin by conveying what I have said in a somewhat grotesque, paradoxical way. But do not be put off by the paradox; we will soon see what I mean by this. Let us suppose that a person refuses to think anything that is not prompted by sensory perceptions. And as soon as something approaches him and any thoughts begin to take root within him, he says: I do not want you; I proceed from what the eyes see, what the ears hear—that is what I want to think about. ‘Stay away from me with the rest,’ I say to myself—and in doing so, I keep myself from it. — Such a person absorbs no strength that they could use after death. They enter blindly into the time between death and new birth. Let us now further assume that a person has a vivid imagination and finds it inconvenient to approach Spiritual Science, to learn all sorts of things, to learn something only little by little. They would find it much more comfortable to form all sorts of mental images of the spiritual world out of their imagination; they would think a great deal about the spiritual world purely out of imagination, so that on the one hand they would have everything in their imaginative life that pertains to the sensory world, and on the other hand all sorts of mental images of the spiritual world. Such a person, however, differs from the one who says: “Leave me alone with these mental images of the spiritual world”—for the one who wants to know nothing of the spiritual world enters the spiritual world like a blind person. The one who at least forms imaginative concepts possesses such soul powers that he does indeed enter the spiritual world as one who sees, but he becomes a seer in the same way that, in the physical world, a seer is someone who has nothing but defects in his eyes, so that he sees everything wrongly. And that means something far worse in the spiritual world than in the physical world, for if one sees everything wrongly in the spiritual world, that means causing confusion at every turn in the spiritual world. But we can see one thing from what has been said, albeit in a grotesque way: we can see that human beings need mental images that go beyond sensory life if they truly wish to be citizens of the spiritual world—and they must be. They can either be so in a crippled state—such is the person who wants to take in only sensory mental images, or who lets their imagination run wild—; otherwise, they need orientation that goes beyond the sensory world.

[ 23 ] Damit die Menschen nun, so wie sie sich auf Erden entwickeln, nicht bloß Vorstellungen hatten, die von physischen Dingen angeregt sind, oder damit sie sich über die geistige Welt nicht nur Phantasievorstellungen machten, erschienen im Laufe der Zeit die einzelnen Religionsstifter. Wenn wir sie durchnehmen mit den Lehren, die sie den Menschen gegeben haben, so war das Ziel aller dieser Religionsstifter, den Menschen solche Vorstellungen zu geben über die übersinnliche Welt, daß sie in unverkrüppeltem Zustand in diese übersinnliche Welt hineinkommen konnten. Je nach dem Bedürfnis der Zeitalter und der Völker haben die Religionsstifter den Menschen solche Vorstellungen gegeben.

[ 23 ] So that people, as they develop on Earth, would not merely have mental images inspired by physical things, or so that they would not merely imagine the spiritual world, the various founders of religions appeared over the course of time. If we examine them along with the teachings they gave to humanity, the goal of all these religious founders was to provide people with such mental images of the supersensible world that they could enter this supersensible world in an undiminished state. Depending on the needs of the ages and the peoples, the religious founders gave people such mental images.

[ 24 ] Unser Zeitalter ist ein anderes als diejenigen vergangener Zeiten. Unser Zeitalter ist ein solches, daß wir heranwachsen müssen — und ich bitte, dieses Wort nicht im äußeren Sinn zu nehmen, sondern in tief innerem Sinne — zu einer mündigen Menschheit. Zu einer mündigen Menschheit, die durch die eigene Seele finden muß den Weg in die geistigen Welten hinauf. Die Religionsstifter der alten Zeiten redeten vor einer unmündigen Menschheit. Sie redeten zu der Menschheit, durch die alle unsere Seelen auch durchgegangen sind. Die Religionsstifter dieser alten Zeiten kannten ihre Zeiten und sie wußten, daß sie so, wie sie einstmals zur Menschheit gesprochen haben, zu der Menschheit, die der Zukunft entgegenleben soll, nicht würden sprechen können. Denn diese muß mündig werden. Nehmen wir an, der Angehörige eines Volkes der alten Zeiten, er hätte sich entweder auf die sinnlichen Vorstellungen beschränken oder aber zu Phantasievorstellungen greifen müssen, je nachdem würde er verkrüppelt oder wenigstens doch verwirrt in die geistige Welt hineingekommen sein. Da kam der Religionsstifter. Er brachte wahre Vorstellungen aus der geistigen Welt heraus. Der Angehörige eines Volkes der verflossenen Zeit sagte sich: Nicht ich, insofern ich sinnlich wahrnehme, insofern ich in meiner Phantasie arbeite, sondern die Religionsstifter, Zarathustra, Buddha, Krishna, sie sind es, die Vorstellungen in mir anregen, durch die ich den Einlaß in die geistige Welt finde. — Ob das Ich Verwirrung stiftet oder blind wird, der Mensch dieses Zeitalters muß mündig sein. Daß er als Mündiger den Weg finden kann in die geistige Welt, dazu hat sich vollzogen das Mysterium von Golgatha. Nicht mehr erscheint der Religionsstifter als solcher vor der äußeren Menschheit, wie er früher erschienen ist. Denn diejenigen, die den Christus mit den alten Religionsstiftern auch nur vergleichen, die verstehen gar nichts von dem Christus. Denn der Christus hat zunächst gewirkt durch eine Tatsache, die anderen Religionsstifter durch die Lehren. In dem Augenblick, wo man den Christus einen Weltenlehrer nennt, bezeugt man, daß man gar nicht weiß, wer der Christus ist. Dasjenige, worauf es bei dem Christus ankommt, ist die Tat, die er vollbracht hat, die sich vollzogen hat von dem Ereignis an, welches wir sehen in der Johannestaufe bis zu der Kreuzigung auf Golgatha. Was da für die Menschheit geschieht, ist im Geistigen dasjenige, worauf es ankommt. Was da geschehen ist, das ist das, was die Menschenseelen beseligen kann seit jener Zeit, das Wort, das Paulus ausgesprochen hat: «Nicht ich, der Christus in mir.» Denn der Christus ist der Weg in die geistige Welt geworden, weil er in diese Welt hereingebracht hat die geistige Welt, die der Mensch braucht, wenn er nicht ein Krüppel oder ein Blinder in der geistigen Welt sein soll. Man kann ja heute den Christus ableugnen, man kann herumgehen in der Welt und kann sagen: Es ist kein Beweis dafür da, daß der Christus in der Außenwelt gelebt hat im Leibe des Jesus von Nazareth. — Gewiß, man hat es sogar bewiesen, daß kein historischer Christus da war. Man beweist aber damit nur, daß man nicht weiß, worauf es ankommt. Hätte der Christus irgendwo an einen Felsen eingekratzt, für alle späteren Geschlechter: Ich bin da gewesen —, so hätten alle späteren Geschlechter aus der Sinnenwelt heraus die Tatsache gewußt, dann hätten sie es nicht zu glauben brauchen. Daß eben dieses nicht der Fall war, daß man ihn nicht erkennen kann mit sinnlichen Mitteln, sondern daß man ihn erkennen muß mit der Kraft des Geistes, das ist das Erlösende, das ist die tiefe Bedeutung, die in ihm liegt. So muß man es auffassen, dann findet man ihn in unmittelbarer Verbindung mit demjenigen, was den Menschen schon hier auf Erden heraushebt aus der sinnlich-physischen Welt und ihn in die geistige Welt hinein erhebt. Denn für den, der sich nicht in die geistige Welt erheben kann, ist alles das gar nicht da, regt immer wiederum den Zweifel an.

[ 24 ] Our age is different from those of the past. Our age is such that we must grow up—and I ask that you not take this word in an external sense, but in a deeply inner sense—into a mature humanity. Into a mature humanity that must find its way up into the spiritual worlds through its own soul. The founders of religion in ancient times spoke to an immature humanity. They spoke to the humanity through which all our souls have also passed. The founders of religion in those ancient times knew their own times, and they knew that they would not be able to speak to the humanity destined to live toward the future in the same way they once spoke to humanity. For this humanity must become mature. Let us suppose that a member of a people of ancient times would have had to limit himself to sensory mental images or resort to imaginative ones; depending on which, he would have entered the spiritual world either crippled or at least confused. Then came the religious founder. He brought forth true mental images from the spiritual world. The member of a people of bygone times said to himself: Not I, insofar as I perceive sensually, insofar as I work in my imagination, but the founders of religion—Zoroaster, Buddha, Krishna—they are the ones who stir up mental images within me through which I find entry into the spiritual world. — Whether the ego causes confusion or becomes blind, the human being of this age must be of age. The Mystery of Golgotha was accomplished so that, as a person of age, he might find the way into the spiritual world. The founder of a religion no longer appears as such before outer humanity, as he appeared in the past. For those who even compare Christ with the old founders of religions understand nothing at all of Christ. For Christ first worked through a deed, whereas other founders of religions worked through teachings. The moment one calls Christ a world teacher, one testifies that one does not know at all who Christ is. What matters with regard to Christ is the deed he accomplished, which unfolded from the event we see in the baptism by John up to the crucifixion on Golgotha. What happens there for humanity is, in the spiritual realm, what matters. What happened there is what has been able to bring joy to human souls since that time: the words spoken by Paul: “Not I, but Christ in me.” For Christ has become the way into the spiritual world, because he brought into this world the spiritual world that human beings need if they are not to be crippled or blind in the spiritual world. One can, of course, deny Christ today; one can go about in the world and say: There is no proof that Christ lived in the outer world in the body of Jesus of Nazareth. — Certainly, it has even been proven that there was no historical Christ. But in doing so, one only proves that one does not know what really matters. If Christ had carved somewhere on a rock, for all future generations: “I have been here”—then all future generations would have known the fact from the sensory world, and they would not have needed to believe it. That this was not the case, that one cannot recognize him through the senses, but that one must recognize him through the power of the spirit—that is what is redemptive; that is the profound meaning that lies within him. This is how one must understand it; then one finds it in direct connection with that which already here on earth lifts the human being out of the sensory-physical world and raises him into the spiritual world. For to the one who cannot raise himself into the spiritual world, all of this is not there at all, and this in turn always gives rise to doubt.

[ 25 ] Damit hängt es zusammen, daß es eine so ungeheure Wohltat ist, wenn ein Mensch, der gerade so ganz in der modernen Bildung und Gesittung, in Wissen und Kunst darin lebt, auf eine Christus-Vorstellung stoßen kann, die so sich entwickelt hat, daß sie der ganzen modernen Gesittung wohl angemessen ist. Das wird die anthroposophische Christus-Vorstellung unserer Geisteswissenschaft sein. Manches wird sie uns lehren. Sie wird uns lehren, auch den richtigen Standpunkt zu gewinnen gegenüber der äußeren Welt.

[ 25 ] This is why it is such an immense blessing when a person who is so deeply immersed in modern education and culture, in knowledge and art, can encounter a mental image of Christ that has developed in such a way as to be well suited to the whole of modern culture. This will be the anthroposophical mental image of Christ in our Spiritual Science. It will teach us many things. It will teach us to adopt the right perspective toward the external world.

[ 26 ] Oh, diese äußere Welt! Auf welchem Wege ist sie heute! Ich habe einiges schon letzthin im Vortrag, den ich öffentlich halten durfte, angedeutet. Hier kann man noch genauer darüber sprechen. Gewiß, man muß sie bewundern, diese materielle Kultur und alles dasjenige, wozu Technik, Industrie und so weiter es gebracht haben. Unendliche Geisteskraft ist hineingeflossen in dieses materielle Leben, und es beansprucht viele menschliche Geisteskräfte. Aber diese menschlichen Geisteskräfte, wern dienen sie denn? Sofern sie die materiellen Bedürfnisse der modernen Menschheit befriedigen, dienen sie dem Ahriman. Was der Christus Jesus einmal durchlebt hat — die Versuchung durch Ahriman —, wahrhaftig, die gewöhnlichen Menschenseelen, sie können nicht auf einmal diese Erschütterung durchleben. Es muß sich für die Menschen verteilen diese Versuchung. Aber es gehört zu dieser Verteilung der Versuchung, daß der Mensch zugerufen erhält von Ahriman: Ja, denke nur mit der Kraft deiner Wissenschaft, mit alldem, was du herausfinden kannst durch die auf Technik, Industrie und so weiter angewandte Wissenschaft. Denke nur mit alldem, und wende das auf nichts anderes an als auf das äußere Erdenleben. Mir kann es schon recht sein. Wenn du mich nicht siehst, finde ich es allerdings — so meint Ahriman — angemessen meinen Zwecken. Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, des Menschen allerhöchste Kraft: da habe ich dich schon unbedingt, wenigstens so lange du mich nicht siehst. Da flöße ich dir ein den 'Trieb, Vernunft und Wissenschaft nur für irdische Dinge zu verwenden!

[ 26 ] Oh, this external world! What a path it has taken today! I have already hinted at some of this recently in the lecture I was permitted to give publicly. Here we can speak about it in even greater detail. Certainly, one must admire this material culture and all that technology, industry, and so on have brought about. Infinite spiritual power has flowed into this material life, and it demands much of human spiritual power. But these human intellectual powers—whom do they serve? Insofar as they satisfy the material needs of modern humanity, they serve Ahriman. What the Christ Jesus once lived through—the temptation by Ahriman—truly, ordinary human souls cannot endure this upheaval all at once. This temptation must be spread out over time for humanity. But part of this distribution of the temptation is that Ahriman calls out to humanity: “Yes, think only with the power of your science, with all that you can discover through science applied to technology, industry, and so on. Think only with all that, and apply it to nothing other than external earthly life.” That is quite all right with me. If you do not see me, I find it—so says Ahriman—suitable for my purposes. Just despise reason and science, humanity’s highest power: then I have you completely, at least as long as you do not see me. Then I instill in you the ‘impulse’ to use reason and science only for earthly things!

[ 27 ] Da muß es dann schon etwas anderes geben, was dem Dienste, der dem Ahriman geleistet wird, das Gleichgewicht halten kann. Deshalb ist es nicht ohne Bedeutung, daß einmal zusammengenommen wird dasjenige, was durch moderne Technik und so weiter geleistet werden kann und daß etwas gebaut wird, was nicht dem äußeren Leben dient, was rein dem geistigen Leben dienen soll.

[ 27 ] There must therefore be something else that can counterbalance the service rendered to Ahriman. That is why it is not without significance that we take stock of what can be achieved through modern technology and so on, and that we build something that does not serve external life, but is intended to serve purely spiritual life.

[ 28 ] In alten Zeiten brachte man den Göttern Opfer dar, die Erstlingsfrüchte der Herde und des Feldes. Man brachte sie den Göttern zum Opfer. Ich will heute nicht über den Sinn des Opfers sprechen. Aber fühlen werden Sie den Sinn dieses Opfers, wie es in neuer Zeit vorhanden sein soll. Als die Menschen hingegangen sind mit den Früchten und sie den Göttern geopfert haben, da haben sie, trotzdem sie die Früchte des Feldes geopfert haben, die anderen genossen, nachdem sie die Erstlingsfrüchte den Göttern zum Opfer hingetragen haben. Wahrhaftig, nicht von falscher Askese geht Geisteswissenschaft aus. Nicht wird sie sich der Unmöglichkeit schuldig machen, zu donnern gegen die moderne Kultur mit allen ihren materiellen Segnungen. Die erkennt sie an. Aber sie muß, wenn sie nicht bloß dem Ahriman dienen will, etwas von den Erstlingen dieser äußeren materiellen Kultur den Göttern zum Opfer bringen.

[ 28 ] In ancient times, people offered sacrifices to the gods—the first fruits of the herd and the fields. They offered them to the gods as sacrifices. I do not wish to speak today about the meaning of sacrifice. But you will feel the meaning of this sacrifice, as it should exist in modern times. When people went forth with the fruits and offered them to the gods, even though they sacrificed the fruits of the fields, they enjoyed the rest after they had carried the first fruits to the gods as an offering. Truly, Spiritual Science does not proceed from false asceticism. Nor will it be guilty of the impossibility of railing against modern culture with all its material blessings. It acknowledges these. But if it does not wish to serve Ahriman alone, it must offer some of the first fruits of this outer material culture as a sacrifice to the gods.

[ 29 ] Sie sehen, es ist ein tiefer Gedanke, der dem Bau zugrunde liegt, der sich draußen auf dem Hügel in Dornach erhebt, der Gedanke, daß wir darbringen wollen die Erstlinge der modernen materiellen Kultur den Göttern zum Opfer. Alles ist anders geworden in der Zeit, in der wir leben, gegenüber der Zeit, durch die in vorhergehenden Inkarnationen unsere Seelen durchgegangen sind. Aber verstehen müssen wir, was wir zu tun haben, so wie wir verstanden haben, was zu tun war, indem wir in den früheren Inkarnationen unter den Leitungen der geistigen Leuchten wirkten. Wahrhaftig, schwierig ist es in unserer Zeit, weil wir auf das Wesen unserer Zeit, auf die Eigenschaften unserer Seelen Rücksicht nehmen müssen und weil uns nicht mehr jene äußere Autorität zu Hilfe kommen kann, die den Religionsstiftern zu Hilfe kam, und weil wir durch ganz andere Kräfte wirken müssen. Und so wie Christus das «Wort» war, so wird wahre Geisteswissenschaft nur durch das Wort wirken wollen und darf durch nichts anderes wirken.

[ 29 ] You see, there is a profound idea underlying the building that rises on the hill in Dornach: the idea that we wish to offer the first fruits of modern material culture as a sacrifice to the gods. Everything has changed in the age in which we live, compared to the age through which our souls passed in previous incarnations. But we must understand what we have to do, just as we understood what had to be done when we worked in earlier incarnations under the guidance of spiritual luminaries. Truly, it is difficult in our time, because we must take into account the nature of our time and the characteristics of our souls, and because we can no longer rely on that external authority that aided the founders of religions, and because we must work through entirely different forces. And just as Christ was the “Word,” so true Spiritual Science will seek to work only through the Word and must not work through anything else.

[ 30 ] Wir sehen durch solche Betrachtungen den Zusammenhang der Welt, in der wir auf Erden leben im physischen Leib, und der geistigen Welt. Und wir sehen, wie uns, wo wir auch die Betrachtungen einsetzen, überall das Mysterium von Golgatha wie die Seele dieser Betrachtungen entgegenleuchtet. Aber wir müssen uns auch wirklich — auch das sei hier gesagt — reif machen, richtig reif machen, um dasjenige, was die neuere Geisteswissenschaft sein soll, wirklich zu verstehen, wirklich in diese Geisteswissenschaft so einzudringen suchen, daß wir niemals außer acht lassen: diese Geisteswissenschaft muß da sein, weil die Menschheit mündig werden muß.

[ 30 ] Through such reflections, we see the connection between the world in which we live on Earth in our physical bodies and the spiritual world. And we see how, wherever we apply these reflections, the Mystery of Golgotha shines out at us like the very soul of these reflections. But we must also truly—and let this be said here as well—prepare ourselves, truly prepare ourselves, to truly understand what modern Spiritual Science is meant to be, to truly seek to penetrate this Spiritual Science in such a way that we never lose sight of the fact: this Spiritual Science must exist because humanity must come of age.

[ 31 ] Wahr ist es, ganz wahr, daß in einer gewissen Weise die Menschheit heruntergestiegen ist aus höheren geistigen Regionen, daß sie von dem alten atavistisch gewordenen Hellsehen abgekommen ist, indem sie durch ihren Verstand und die übrige Wissenschaftlichkeit eine Weltanschauung begründete. Und wahr ist es auch, daß wir den Fortschritt der Entwickelung ernst nehmen müssen, daß wir uns klarwerden müssen, wie wir jetzt in dem Zeitpunkt leben, in dem der Mensch die Mission hat, sein Denken zu entwickeln, wirklich durch sein Denken vorwärtszukommen, durch das Studium zu lernen. Die Geisteswissenschaft ist dasjenige, wovon wir ausgehen müssen. Wir müssen suchen, uns hinein zu vertiefen in diese Vorstellungen, damit diese Vorstellungen in uns anregen das, was unsere Seelen in Zukunft brauchen. Jeder kann das, was Geisteswissenschaft gibt, wirklich verstehen und begreifen. Diejenigen, die sagen, man müsse glauben, man könne nicht begreifen, was in der Geisteswissenschaft gegeben wird, die reden, ohne zu wissen, wie die Dinge wirklich sind.

[ 31 ] It is true, absolutely true, that in a certain sense humanity has descended from higher spiritual realms, that it has strayed from the ancient, now atavistic, clairvoyance by establishing a worldview through its intellect and the rest of its scientific knowledge. And it is also true that we must take the progress of evolution seriously, that we must realize how we are now living at a time when humanity has the mission to develop its thinking, to truly advance through its thinking, to learn through study. Spiritual Science is what we must take as our starting point. We must seek to immerse ourselves in these mental images so that they may awaken within us what our souls will need in the future. Everyone can truly understand and grasp what Spiritual Science offers. Those who say one must believe, that one cannot comprehend what is presented in Spiritual Science, speak without knowing how things really are.

[ 32 ] Wenn uns in unserer Zeit Menschen entgegentreten, die nicht durchgehen durch das geistige denkerische Verständnis, sondern die wie von selbst heraufkommend gewisse psychische, seelische Fähigkeiten zeigen, so sollen wir uns auch nicht beirren lassen durch solche Tatsachen. Verstehen wir die ganze Mission der Geisteswissenschaft, so wissen wir, daß die Seelen, die heute denken, deshalb denken können, weil das Hellsehen der früheren Zeiten zurückgedrängt worden ist. Wenn solche Menschen auftreten, die von selber das Hellsehen haben, die es nicht erworben haben, so sollen wir in ihnen Menschen sehen, die auf einer früheren Stufe zurückgeblieben sind, und die heute in einer solchen Gesellschaft eher gehegt und gepflegt werden müssen, als daß man sie als besonders vollkommen ansehen dürfte. Falsch ist das Urteil, das jemand haben würde, der so sagen würde: Da ist jemand, bei dem dämmern die Hellseherkräfte auf, der ist eine besonders reife Seele, der hat besonders hohe Inkarnationen durchgemacht. — Ein solcher Mensch, der wie durch Naturgabe hellsichtige Kräfte hat, der hat viel weniger durchgemacht als derjenige, der ein Denker ist, heute. Das soll schon verstanden werden innerhalb unserer Gesellschaft. Dann könnte unsere Gesellschaft — ich muß das sagen, es ist mir auferlegt — eine Pflegestätte sein auch für solche Seelen, welche psychische Kräfte entwickeln. Ste würden gerade in unserer Gesellschaft diese psychischen Kräfte auf einen rechten Weg bringen können. Und die Gesellschaft gerade könnte das geben, was ihnen sonst nirgends gegeben werden kann: Ordnung für ihre psychischen Kräfte. Dann muß aber unsere Gesellschaft in ihrer Mehrzahl Mitglieder haben, welche, wie es gesagt worden ist, tief, tief innerlich wissen, welches die Mission wahrer Geisteswissenschaft in der Gegenwart ist. Dann würde sich nicht wiederholen der Fall, der uns in den letzten Tagen so betrübt hat: daß ein Mitglied, welches aufgenommen worden ist in der Meinung, daß unsere Gesellschaft die Pflegestätte sein könnte auch für noch hellseherisch wirkende psychische Kräfte, daß dieses Mitglied gerade da das Wirkungsfeld finden konnte, wo es gleich wirken konnte wie ein Prophet. Dadurch kommt natürlich alles das, was, wenn es durchdringen würde, unsere Gesellschaft zu dem genauen Gegenteil von dem machen würde, was sie sein soll nach den Intentionen der geistigen Mächte, von denen sie sich getragen fühlt. Wir haben leider erfahren müssen den Fall ..., der aus nordischen Landen gekommen ist, der vielleicht ein gutes Mitglied hätte werden können, wenn er in Bescheidenheit seine psychischen Kräfte weitergebildet hätte. So aber verbreitete sich sogleich eine Art Nimbus um ihn. Überall trat er heilend auf in einer Weise, die nur bedauerlich gefunden werden muß. Das muß schon gesagt werden. Die Notwendigkeit war gegeben, zu erklären, daß er nicht mehr weiter als Mitglied unserer Gesellschaft angesehen werden kann, weil unsere Gesellschaft gerade in das Gegenteil von dem verwandelt würde, was sie sein soll, wenn wir nicht mit aller Sorgfalt immer hinweisen würden auf diesen Psychismus, der sich nicht durchdringen will mit wahrer Geisteskraft, die doch die wahre Kraft des Christus ist. Nicht das Psychische, sondern der Christus in mir muß wirken. Alles das muß so behandelt werden, daß wir sagen: Unsere Gesellschaft hat damit nichts zu tun. Sie weiß kein anderes Mittel als das, was in den letzten Tagen gewählt wurde. Es mußte leider dasjenige, wofür man sonst prinzipiell gar nicht ist, geschehen: es mußte der Ausschluß vollzogen werden.

[ 32 ] When we encounter people in our time who do not rely on intellectual, rational understanding, but who display certain psychic and spiritual abilities that seem to arise spontaneously, we should not allow ourselves to be misled by such phenomena. If we understand the entire mission of Spiritual Science, we know that the souls who think today are able to do so because the clairvoyance of earlier times has been suppressed. When such people appear who possess clairvoyance naturally, who have not acquired it, we should see in them people who have remained at an earlier stage, and who today, in such a society, need to be cherished and nurtured rather than regarded as particularly perfect. It is a mistaken judgment to say: “Here is someone in whom clairvoyant powers are dawning; this is a particularly mature soul who has undergone especially high incarnations.” — Such a person, who possesses clairvoyant powers as a natural gift, has undergone far less than the one who is a thinker today. This must be understood within our society. Then our society—I must say this, it has been entrusted to me—could be a nurturing ground also for such souls who are developing psychic powers. It is precisely within our society that these psychic powers could be set on the right path. And the society itself could provide what cannot be given to them anywhere else: order for their psychic powers. But then our society must have, in its majority, members who, as has been said, know deep, deep down within themselves what the mission of true Spiritual Science is in the present. Then the situation that has so saddened us in recent days would not be repeated: that a member, who was admitted on the understanding that our Society could also serve as a nurturing ground for psychic powers still active in clairvoyance, that this member could find a field of activity precisely where they could act immediately like a prophet. This naturally leads to everything that, if it were to take hold, would turn our Society into the exact opposite of what it is meant to be according to the intentions of the spiritual powers by which it feels supported. We have unfortunately had to deal with the case of ..., who came from the Nordic countries, and who might perhaps have become a good member had he continued to develop his psychic powers in humility. As it was, however, a sort of aura immediately spread around him. Everywhere he appeared as a healer in a manner that can only be regarded as regrettable. This must be said. It was necessary to declare that he can no longer be regarded as a member of our Society, because our Society would be transformed into the very opposite of what it is meant to be if we did not always point out with the utmost care this psychism that refuses to be permeated by true spiritual power, which is, after all, the true power of Christ. It is not the psychic, but the Christ within me who must act. All of this must be handled in such a way that we say: Our Society has nothing to do with this. It knows of no other means than what was chosen in recent days. Unfortunately, what one would otherwise never support in principle had to happen: the expulsion had to be carried out.

[ 33 ] So hängt allerdings dieses zusammen mit der ganzen ernsten und würdigen Auffassung der Mission der Anthroposophischen Gesellschaft. Und wahrhaftig, wenn man prinzipiell Gegner jedes Ausschließens ist und dennoch in solchem Fall sich nicht widersetzen kann dem Ausschluß, werden Sie verstehen, daß man nur mit dem tiefsten Leidwesen so etwas durchleben kann, was in den letzten Tagen durchlebt werden mußte. Es wird immer weniger durchlebt werden, wenn sich unsere lieben Freunde immer mehr durchdringen werden mit dem, was so oftmals gesagt wird und was auch wiederum mit den Ausführungen dieses Abends gemeint war.

[ 33 ] This, however, is closely connected to the serious and dignified understanding of the mission of the Anthroposophical Society. And truly, if one is in principle opposed to any form of exclusion and yet, in such a case, cannot oppose the exclusion, you will understand that one can only go through what has had to be endured in recent days with the deepest regret. Such experiences will become increasingly rare as our dear friends come to understand more and more what is so often said—and what was also meant by the remarks made this evening.

[ 34 ] Damit will ich diese Ausführungen abschließen und sie Ihnen, meine lieben Freunde, in die Seele legen.

[ 34 ] With that, I would like to conclude these remarks and leave them with you, my dear friends.