How does one Develop an Understanding of the Spiritual World
The influx of spiritual impulses from the world of the deceased
GA 154
12 May 1914, Berlin
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How Does one Develop an Understanding of the Spiritual World?, tr. SOL
4. Wie Erwirbt Man Sich Verständnis Für Die Geistige Welt? II
4. How Does One Gain an Understanding of the Spiritual World? II
[ 1 ] Es war, als der deutsche Philosoph Johann Gottlieb Fichte aufmerksam machen wollte auf sein Bewußtsein vom Drinnenleben in der geistigen Welt, auf seine Überzeugung, daß die geistige Welt überall um uns herum ist, daß er aus dieser Überzeugung heraus sagte: «Nicht erst, nachdem ich aus dem Zusammenhange der irdischen Welt gerissen sein werde, werde ich den Eintritt in die überirdische erhalten; ich bin und lebe schon jetzt in ihr, weit wahrer, als in der irdischen; schon jetzt ist sie mein einziger fester Standpunkt, und das ewige Leben, das ich schon längst in Besitz genommen, ist der einige Grund, warum ich das irdische noch fortführen mag. Das, was sie Himmel nennen, liegt nicht jenseits des Grabes; es ist schon hier um unsere Natur verbreitet, und sein Licht geht in jedem reinen Herzen auf.»
[ 1 ] It was when the German philosopher Johann Gottlieb Fichte sought to draw attention to his awareness of inner life in the spiritual world—to his conviction that the spiritual world is all around us—that, based on this conviction, he said: “It is not only after I have been torn from the context of the earthly world that I will gain entry into the supernatural; I am already in it and living in it, far more truly than in the earthly world; even now it is my only firm standpoint, and the eternal life that I have long since taken possession of is the sole reason why I may still continue in the earthly world. What they call heaven does not lie beyond the grave; it is already spread out here around our nature, and its light dawns in every pure heart.”
[ 2 ] Es ist gut, manchmal auf einen solchen Ausspruch aufmerksam zu machen. Denn in der Gegenwart gibt es viele Stimmen, welche den Menschen den Glauben beibringen möchten, daß von der geistigen Welt zu sprechen und der geistigen Welt gegenüber Ansichten zu haben, eigentlich doch ein Charakteristikon der törichten und abergläubischen, höchstens vielleicht der phantastischen Leute sei. Wir erleben es ja immer wieder und wieder, daß die Menschen, auch diejenigen, die eben den Glauben erheben wollen, als ob es sozusagen eine Torheit wäre, von der geistigen Welt zu sprechen, Fichte und ähnliche Geister immer im Munde führen. Da ist es denn gut, wenn wenigstens einige Menschen wissen, wie sich der anthroposophisch Gestimmte im Einklang fühlen darf mit allen denjenigen Menschen der Menschheitsentwickelung, die in ihren Herzen wirklich Wissen und Erkenntnis von einer geistigen Welt trugen, wenigstens Wissens- und Erkenntnisstreben im höchsten und edelsten Sinne des Wortes. Und wenn dann materialistisch gestimmte Gemüter von Fichte sprechen und das oder jenes aus seinen Schriften herausreißen, was gerade ihnen paßt, so ist es gut, wenn die anthroposophisch gestimmte Seele immer weiß, woher bei solchen Menschen die Sicherheit des Lebens, der Mut zum Leben und der Glaube an das Leben kommt, nämlich daß diese kommen aus dem treuen Festhalten an der Überzeugung, drinnenzustehen mit der Menschenseele in der geistigen Welt, im geistigen Leben. Mögen Sie da oder dort Aussprüche eines solchen Mannes hören, wie die von Johann Gottlieb Fichte, der bekanntlich die «Reden an die deutsche Nation» in schwierigen Zeiten gehalten hat, dann mögen Sie immer das Bewußtsein im Herzen tragen: Die Kraft, das zu sagen, was zum Beispiel Fichte gesagt hat — oder viele andere, Fichte ist nur ein Beispiel dafür —, diese Kraft kam ihm daher, daß er wußte: Mit dem besten Teile meines Selbst lebe ich immer, auch wenn ich im physischen Leibe noch lebe, in der geistigen Welt darinnen. Sie ist überall um meine Natur herum. — Solche Menschen waren sich bewußt, daß in ihren Worten die Kraft lebte, die ihnen dadurch kam, daß sie gleichsam hinter ihrer Seele und einwirkend auf diese die geistige Welt wußten.
[ 2 ] It is good to draw attention to such a statement from time to time. For in the present day there are many voices that would have people believe that speaking of the spiritual world and holding views about it is, in fact, a characteristic of the foolish and superstitious—or, at best, of the fanciful. We see time and again that people—even those who wish to promote the belief that speaking of the spiritual world is, so to speak, a folly—are always citing Fichte and similar thinkers. It is therefore good if at least some people know how those of an anthroposophical disposition may feel in harmony with all those figures in human development who truly carried within their hearts knowledge and insight into a spiritual world—or at least a striving for knowledge and insight in the highest and noblest sense of the word. And when materialistically minded people speak of Fichte and pick out this or that from his writings that suits them at the moment, it is good for the anthroposophically minded soul to always know where such people’s certainty of life, their courage to live, and their faith in life come from—namely, that these arise from a steadfast holding fast to the conviction of standing with the human soul within the spiritual world, within spiritual life. Should you hear here or there the utterances of such a man as Johann Gottlieb Fichte, who, as is well known, delivered the “Addresses to the German Nation” in difficult times, then may you always carry this awareness in your heart: The power to say what Fichte, for example, said—or many others; Fichte is merely one example—this power came to him because he knew: With the best part of my self, I always live, even while I still live in the physical body, within the spiritual world. It is all around my nature. — Such people were aware that the power lived in their words, a power that came to them because they knew, as it were, the spiritual world behind their soul and acting upon it.
[ 3 ] Und auch noch aus einem anderen Grunde ist es gut, sich an eine solche Tatsache, wie die eben erwähnte, manchmal zu erinnern. Als Johann Gottlieb Fichte vor einem engeren Kreise von Zuhörern jene Vorlesungen unter dem Titel «Die Anweisungen zum seligen Leben» gehalten hat, die, man möchte sagen, seine geistige Lebenslehre enthalten, da bat ihn dieser engere Kreis von Zuhörern, diese Vorträge auch im Druck erscheinen zu lassen. Die Vorträge hatten auf diesen engeren Kreis, vor dem er sie gehalten hatte, einen großen Eindruck gemacht. Und da hat ihn denn dieser engere Kreis ersucht, sie drucken zu lassen, weil er glaubte, daß auch weitere Kreise teilnehmen sollten an der Lebensaufmunterung, an dem schönen, edlen Erkenntnisstreben zum wahren Leben hin, die aus diesen Vorlesungen sprachen. Und eine merkwürdige Bemerkung macht der kraftvolle, energische, für seine Sache im allerhöchsten Maße enthusiasmierte Fichte in der Vorrede zum Druck dieser seiner Vorlesungen, die da heißen «Anweisungen zum seligen Leben». Er sagt: «Zu dem Abdruck derselben haben Freunde unter meinen Zuhörern, die nicht ungünstig von ihnen dachten, mich, ich dürfte fast sagen, überredet; und für diesen Abdruck sie nochmals umzuarbeiten, wäre, nach meiner Weise zu arbeiten, das sichere Mittel gewesen, sie niemals zu vollenden. Diese mögen es nun verantworten, wenn der Erfolg gegen ihre Erwartung ausfällt. Denn ich für meine Person bin durch den Anblick der unendlichen Verwirrungen, welche jede kräftigere Anregung nach sich zieht, auch des Dankes, der jedem, der das Rechte will, unausbleiblich zu Teil wird, an dem größern Publikum also irre geworden, daß ich mir in Dingen dieser Art nicht selber zu raten vermag, und nicht mehr weiß, wie man mit diesem Publikum reden solle, noch, ob es überhaupt der Mühe wert sei, daß man durch die Druckerpresse mit ihm rede.»
[ 3 ] And there is yet another reason why it is good to occasionally recall a fact such as the one just mentioned. When Johann Gottlieb Fichte delivered those lectures titled “Instructions for a Blessed Life”—which, one might say, contain his spiritual philosophy of life—to a small circle of listeners, that small circle asked him to have the lectures published in print. The lectures had made a great impression on this inner circle before whom he had delivered them. And so this inner circle urged him to have them printed, believing that wider circles should also share in the encouragement to life, in the beautiful, noble pursuit of knowledge leading to true life, which these lectures conveyed. And the powerful, energetic Fichte—who was enthusiastic about his cause to the highest degree—makes a remarkable remark in the preface to the publication of these lectures of his, which are titled “Instructions for a Blessed Life.” He says: “Friends among my listeners, who did not think unfavorably of them, have, I might almost say, persuaded me to have them printed; and to revise them once more for this printing would, given my way of working, have been the sure way to never complete them. Let them now take responsibility if the outcome turns out contrary to their expectations. For I, for my part, have been so bewildered by the sight of the endless confusion that every stronger stimulus brings with it—as well as by the gratitude that inevitably falls to the share of anyone who seeks what is right—that I have become so disoriented by the wider public that I am no longer able to advise myself in matters of this kind, and no longer know how one should speak to this public, nor whether it is even worth the effort to address it through the printing press.”
[ 4 ] Ich möchte gerade diese Bemerkung Fichtes anführen aus dem Grunde, weil man daraus sieht, wie unendlich einsam sich Fichte damals — es ist jetzt hundertacht Jahre her — mit seiner Kunde von der geistigen Welt gegenüber dem allgemeinen Zeitgeschmack, dem allgemeinen Zeitbewußtsein fühlte. Es ist, wenn man gerade die größten Geister der Menschheitsentwickelung in ihrem Sehnen und Trachten beobachtet, für die heutige Geisteswissenschaft die Empfindung allerdings erblühend, daß diese Geisteswissenschaft die Erfüllung desjenigen ist, was diese besten Geister der Menschheitsentwickelung ersehnt und ertrachtet haben. Und es muß gegenüber der Stumpfheit und dem Unverstande, die man der Geisteswissenschaft heute entgegenbringt, wirklich in der Menschenseele, um diese Menschenseele zu bemutigen und zu erkraften, der Einklang wachgerufen werden, in dem man stehen kann mit diesen größten Geistern, wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht. Aber es wird manches lange dauern, bis selbst die, welche ein Herz haben für diese Geisteswissenschaft, gewissermaßen die rechte innere Spannkraft finden, um die Art des Impulses wirklich zu empfinden, der durch die Geisteswissenschaft der menschlichen Kultur mitgeteilt werden soll. Ich möchte nur deshalb an solche Dinge immer wieder und wieder erinnern, weil ich gern in Ihren Herzen nicht nur die rechten Anschauungen erblicken möchte von der geistigen Welt, sondern auch die rechten Gesinnungen und Empfindungen gegenüber dem Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt und zu dem, was daraus notwendig hervorgehen muß in bezug auf die Gesinnung, die wir zu unserer ganzen Umwelt haben müssen, wenn wir uns mit den Anschauungen und Vorstellungen über die geistige Welt erfüllen.
[ 4 ] I would like to cite this particular remark by Fichte precisely because it shows how infinitely isolated Fichte felt at that time—a hundred and eight years ago now—with his knowledge of the spiritual world, in contrast to the prevailing tastes and consciousness of his era. Indeed, when one observes the greatest minds in human development in their longings and aspirations, the feeling blossoms within today’s Spiritual Science that this Spiritual Science is the fulfillment of what these finest minds in human development have longed for and sought. And in the face of the dullness and lack of understanding with which Spiritual Science is met today, harmony must truly be awakened within the human soul—to nurture and strengthen this human soul—so that one may stand in unity with these greatest minds when standing on the ground of Spiritual Science. But it will take a long time before even those who have a heart for Spiritual Science find, so to speak, the right inner vitality to truly feel the nature of the impulse that Spiritual Science is meant to impart to human culture. I wish to remind you of such things again and again because I would like to see in your hearts not only the right views of the spiritual world, but also the right attitudes and feelings toward the relationship of the human being to the spiritual world and to what must necessarily follow from this in regard to the attitude we must have toward our entire environment when we fill ourselves with the views and mental images about the spiritual world.
[ 5 ] Nun ist es wahrhaftig durchaus zu begreifen, daß man überall, wo zunächst diese Geisteswissenschaft in die äußere Welt hinausdringt, Unverstand und Mißverständnis ihr gegenüber erblicken muß. Denn versuchen wir uns einmal zum Verständnis zu bringen, wie das Verhältnis eines heutigen, von der Geisteswissenschaft nicht weiter berührten Weltbürgers, wie er eben aus den Anschauungen der Gegenwart herausgeboren wird, zur Geisteswissenschaft ist. Er hört dieses oder jenes, er hört, daß da über die geistigen Welten dieses oder jenes behauptet wird. Was muß er notwendigerweise tun? Nun, der Mensch kann ja nicht anders, als daß er das, was ihm gegenüber gesagt wird, mit seinen Vorstellungen zu begreifen sucht, daß er es selbst mit den Vorstellungen, die er hat, zu begreifen sucht. Nun hat aber der heutige gewöhnliche Weltbürger keine Vorstellungen, die ihm begreiflich machen können, was über die geistige Welt in der wirklichen Geisteswissenschaft gesprochen wird. Ihm fehlen zunächst die Vorstellungen, Begriffe und Ideen dazu. Er sucht das, was ihm gesagt wird, mit Ideen zu durchdringen, die er hat, die aber von ganz anderen Seiten hergenommen sind, Wie soll er also die Sachen nicht mißverstehen? Wie soll man überhaupt voraussetzen, daß er irgendwelches Verständnis der Sache entgegenbringen wird?
[ 5 ] It is indeed entirely understandable that wherever the Spiritual Science first makes its way into the outer world, one must encounter ignorance and misunderstanding toward it. For let us try to understand what the relationship to Spiritual Science is for a modern citizen of the world who has not yet been touched by it—a person shaped by the views of the present day. He hears this or that; he hears claims being made about the spiritual worlds. What must he necessarily do? Well, a person cannot help but try to grasp what is said to him through his own mental images, to try to understand it himself using the mental images he possesses. But the ordinary citizen of today has no mental images that can make comprehensible to him what is spoken of regarding the spiritual world in genuine Spiritual Science. He lacks, to begin with, the mental images, terms, and ideas for this. He seeks to penetrate what is said to him with ideas he possesses, but which are drawn from entirely different sources. How, then, is he not to misunderstand these matters? How can one even assume that he will bring any understanding of the matter to bear?
[ 6 ] Wir aber müssen uns darüber klar sein, daß eines in unserem Verhältnis zur Geisteswissenschaft die Hauptsache ist: das Aneignen gerade von neueren Begriffen, neueren Vorstellungen, die man vorher, bevor man an die Geisteswissenschaft wirklich herankommt, im Grunde genommen nicht hat, die man nicht von außen mitbringen kann, sondern die man sich erst erwerben muß. Man sollte dieses wirklich ganz grundsätzlich einsehen, um dadurch allmählich das rechte innere Gemütsverhältnis zu der geistigen Strömung, die man eben als die geisteswissenschaftliche bezeichnen kann, zu gewinnen. Man nehme einmal nur die eine, ich möchte sagen fundamentale Tatsache, daß uns ja die Geisteswissenschaft die Möglichkeit geben soll, zunächst die außer uns befindliche geistige Welt aufzufassen, zu begreifen. Wir haben im Laufe des Jahres vieles an uns herankommen lassen, was man nennen könnte: Beschreibungen der geistigen Welt, Mitteilungen über die geistige Welt. Und wir haben andererseits immer wieder versucht, unsere Begriffe zu bereichern, um wirklich Vorstellungen und Begriffe zu haben, mit denen man das, was in der geistigen Welt vorgeht, richtig begreifen kann. Wir reden zum Beispiel von Wesenheiten der höheren Hierarchien. Wie wir darüber reden, ist Ihnen bekannt. Wir reden von den Seelen der Verstorbenen, die in dem Dasein zwischen Tod und neuer Geburt sind. Wie wir davon reden, ist Ihnen bekannt. Aber wir müssen uns gleichsam auf Schritt und Tritt klarmachen, daß man mit den Begriffen, die sozusagen heute in der Welt aufgelesen sind, nicht von diesen Dingen sprechen kann, oder wenigstens dann nur zu Mißverständnissen kommen kann. Da sei zunächst heute auf einen Begriff aufmerksam gemacht, den wir uns schon im Laufe unserer Betrachtungen aneignen konnten, den wir uns aber doch, indem ich ihn heraushebe, wie er so den einzelnen Betrachtungen zugrunde lag, in seiner Einzelheit zu Gemüt bringen wollen.
[ 6 ] We must, however, be clear that one thing is of primary importance in our relationship to Spiritual Science: the acquisition of precisely those newer concepts and mental images that, before one truly approaches Spiritual Science, one essentially does not possess—mental images that cannot be brought in from the outside, but must first be acquired. One should truly grasp this as a fundamental principle in order thereby to gradually develop the right inner attitude toward the spiritual current that can be described as Spiritual Science. Let us take just one, I would say fundamental, fact: that Spiritual Science is meant to give us the ability to first perceive and comprehend the spiritual world that lies outside of us. Over the course of the year, we have taken in much of what one might call: descriptions of the spiritual world, communications about the spiritual world. And on the other hand, we have repeatedly tried to enrich our concepts so that we may truly have mental images and concepts with which to correctly grasp what takes place in the spiritual world. We speak, for example, of beings of the higher hierarchies. You are familiar with how we speak of these. We speak of the souls of the departed who are in the state of existence between death and new birth. You are familiar with how we speak of this. But we must constantly remind ourselves that one cannot speak of these things using the concepts that have, so to speak, been picked up in the world today, or at least that doing so can only lead to misunderstandings. Let us first draw attention today to a concept that we have already been able to assimilate in the course of our reflections, but which we nevertheless wish to take to heart in its particularity by highlighting it, as it has underlain the individual reflections.
[ 7 ] Wenn wir die Außenwelt betrachten, wie sie um uns herum liegt, wie sie ihre Eindrücke auf unsere Sinne macht, wie wir sie zu begreifen suchen mit den Vorstellungen, die an unser Nervensystem, an unser Gehirn gebunden sind, so müssen wir sagen: Die Hauptsache besteht darin, daß wir die Dinge anschauen. Indem wir die Dinge anschauen, nehmen wir wahr das Menschenreich, die Menschen als physische Wesen, das Reich der tierischen Wesenheiten, das Pflanzenreich, das mineralische Reich, Wolken, Berge, Flüsse, Meere, Sterne, Sonne und Mond. Wir nehmen sie wahr, diese Reiche, insofern sie physische Wesen sind. Wir schauen sie an, nehmen ihre Farben wahr, hören ihre Klänge, nehmen ihren Wärmezustand wahr, kurz, wir nehmen sie wahr. Und der Ausdruck: Wir nehmen sie wahr —, die Vorstellung: Wir nehmen sie wahr —, ist durchaus berechtigt für unser Verhältnis zur physischen Welt. In dem Augenblick, wo der Geistesforscher sich in die geistige Welt hinauferhebt, muß in ihm sogleich das Bedürfnis erwachen, für den Ausdruck: Ich nehme wahr — eigentlich einen anderen zu gebrauchen, denn es ist durchaus nicht völlig richtig, zu sagen: Ich nehme wahr die Wesen der geistigen Welt. — Da kann man den Ausdruck: Ich nehme wahr — eben gar nicht so anwenden, wie man ihn für die physische Welt gebraucht. Es ist gut, sich einmal klarzumachen, daß alles sogenannte Wahrnehmen in der geistigen Welt doch einen ganz anderen Charakter hat. In der geistigen Welt hat man, indem man in sie hineinwächst, indem man sich immer mehr und mehr zu ihr erhoben fühlt, vielmehr den Eindruck: Man wird wahrgenommen —, nicht: Man nimmt wahr. — Hier in der physischen Welt sind wir gewissermaßen als Menschen auf dem physischen Plan die höchsten physischen Wesen. Ein Stein könnte sagen, er wäre von den Menschen wahrgenommen. Eine Pflanze könnte sagen, sie wäre von den Menschen wahrgenommen, ebenso ein Tier. Ebenso könnte es der physische Mensch sagen, er wäre von Wesen seinesgleichen wahrgenommen. In dem Augenblick, wo wir in die geistige Welt hinaufwachsen, werden wir auch wahrgenommen. Da schauen die Wesen der geistigen Welt auf uns herunter. Da sind wir für sie gewissermaßen Objekt. Und es ist sogar das erste Zeichen, daß man in der geistigen Welt drinnen ist, wenn man als wahrnehmendes Wesen auf dem physischen Plan ein wahrgenommenes Wesen wird.Erinnern Sie sich auch an das, was im letzten Vortrage gesagt worden ist. — Man wächst dadurch zu den Wesenheiten der höheren Hierarchien hinauf, daß man zu ihren Fähigkeiten hinaufwächst, daß das, was man ist, von ihnen wahrgenommen wird. So ist es gegenüber den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Man lernt sich hineinwachsen sehen in einen Gemütszustand, bei dem man sich sagt: Ich fühle mich wahrgenommen von den höheren Wesen der Hierarchie der Angeloi, ich fühle mich wahrgenommen, wenn ich mich weiter entwickele, von den höheren Wesen der Hierarchie der Archangeloi — und so weiter. Dieses Verspüren, dieses Empfinden: Da schauen uns Wesen an, da wirken geistige Wesen mit ihrem Willen auf uns —, das ist es, was ich in den Ausdruck: Ich werde wahrgenommen — kleiden möchte. Und es ist gut, sich so etwas ganz klar zu machen, damit man nicht meint, das Hineinwachsen in die geistige Welt sei bloß gleichsam eine Fortsetzung jenes Tableaus, das um uns in der physischen Welt herum ist. Es ändert sich wirklich die ganze Seelenstimmung, insofern man dieses Bewußtsein in sich aufnehmen muß: Da lebst du in der geistigen Welt drinnen, und das, was man innerlich erlebt, ist das Bewußtsein: Es schauen dich an die Wesen der höheren Hierarchien. Und wenn du etwas tust, wenn du handelst, so sind es die Kräfte der Wesen der höheren Hierarchien, die dir zufließen, die in dir wirken.
[ 7 ] When we observe the external world as it lies around us, how it makes an impression on our senses, and how we seek to comprehend it through the mental images linked to our nervous system and our brain, we must say: The main thing is that we look at things. By looking at things, we perceive the human realm, human beings as physical beings, the realm of animal beings, the plant kingdom, the mineral kingdom, clouds, mountains, rivers, seas, stars, the sun, and the moon. We perceive these realms insofar as they are physical beings. We look at them, perceive their colors, hear their sounds, perceive their state of warmth; in short, we perceive them. And the expression “we perceive them”—the mental image that “we perceive them”—is entirely justified in relation to our relationship with the physical world. The moment the spiritual researcher ascends into the spiritual world, the need must immediately arise within him to use a different expression for “I perceive,” for it is by no means entirely correct to say: “I perceive the beings of the spiritual world.”—One cannot apply the expression: ‘I perceive’—cannot be applied in the same way as it is used for the physical world. It is good to realize once and for all that all so-called perception in the spiritual world has a completely different character. In the spiritual world, as one grows into it, as one feels oneself rising more and more toward it, one has rather the impression: ‘One is perceived’—not: ‘One perceives.’ — Here in the physical world, we are, so to speak, as human beings on the physical plane, the highest physical beings. A stone could say it is perceived by human beings. A plant could say it is perceived by human beings, as could an animal. Likewise, the physical human being could say he is perceived by beings of his own kind. The moment we grow upward into the spiritual world, we too are perceived. There the beings of the spiritual world look down upon us. There we are, so to speak, an object for them. And it is even the first sign that one is within the spiritual world when, as a perceiving being on the physical plane, one becomes a perceived being. Remember also what was said in the last lecture. — One grows up to the beings of the higher hierarchies by growing up to their capacities, so that what one is is perceived by them. This is how it is with the beings of the higher hierarchies. One learns to see oneself growing into a state of mind in which one says to oneself: I feel perceived by the higher beings of the hierarchy of the Angeloi; I feel perceived, as I continue to develop, by the higher beings of the hierarchy of the Archangeloi—and so on. This sensing, this feeling: that beings are looking at us, that spiritual beings are acting upon us with their will—that is what I wish to express in the phrase: I am perceived. And it is good to make this very clear to oneself, so that one does not think that growing into the spiritual world is merely, as it were, a continuation of that tableau that surrounds us in the physical world. The entire mood of the soul truly changes insofar as one must take this awareness into oneself: There you live within the spiritual world, and what one experiences inwardly is the awareness: the beings of the higher hierarchies are looking at you. And when you do something, when you act, it is the forces of the beings of the higher hierarchies that flow to you, that work within you.
[ 8 ] Man kann sich ja am besten solche Dinge durch Schilderung konkreter Verhältnisse klarmachen. So sei, ohne alle Anmaßung — ich bitte, das wirklich zu berücksichtigen, daß ich dieses mit dem Ausdruck einleite: «ohne alle Anmaßung» — und bescheiden auf folgendes aufmerksam gemacht, aus dem wir wie an einem Beispiele ersehen sollen, wie dieses Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt eigentlich ist. Wenn wir hier in der physischen Welt etwas arbeiten sollen, so brauchen wir zunächst für dieses Arbeiten in der physischen Welt — das kann durchaus auch etwas sein, wozu man geistig inspiriert ist — die Kräfte, die uns durch die physische Welt zuwachsen. Und diese Kräfte, die uns durch die physische Welt zuwachsen, liegen für das gewöhnliche Bewußtsein natürlich außerhalb dieses Bewußtseins. Aber wir fühlen, daß wir sie uns auf dem physischen Plan, insofern sie physische Kräfte sind, zunächst nicht selber geben können. Wenn das zum Beispiel nicht geglaubt werden sollte, so braucht man jetzt nur nach Dornach zu gehen zu unserem Bau und ein wenig zuschauen, wie unsere Freunde dort die großen Holzblöcke umwandeln zu Kapitälen für unsere Säulen, und wie sie da ihre physischen Kräfte anwenden müssen. Und dann wird man sich schon gestehen müssen: Solche Kräfte sind uns eben rein aus der physischen Welt zukommend. — Ich für meine Person gestehe ganz offen, daß ich manchmal solche rein physischen Kräfte mehr haben möchte, als ich sie habe, um die Arbeit noch mehr fördern zu können, die dort jetzt gemacht wird. Diese Dinge sollen uns nur zum Vergleich dessen dienen, was jetzt gesagt werden soll. — Wie uns so in unsere Sache herein mitwirken die Kräfte der Handmuskeln und andere physische Kräfte, so können für unsere Leistungen mitwirken geistige Kräfte, Kräfte, die uns von der geistigen Welt aus in die Seele hereinfließen, und die sich, man möchte sagen, von oben herunter so verhalten, wie die physischen Kräfte, wenn wir es mit Leistungen auf dem physischen Plan zu tun haben.
[ 8 ] The best way to understand such things is by describing specific circumstances. So, without any presumption—I ask you to really take this into account, that I am introducing this with the phrase “without any presumption”—and with all modesty, let me draw your attention to the following, from which we shall see, as in an example, what this relationship of the human being to the spiritual world actually is. When we are to do some work here in the physical world, we first need—for this work in the physical world, which may well be something for which one is spiritually inspired—the forces that grow within us through the physical world. And these forces that grow within us through the physical world naturally lie, for ordinary consciousness, outside of that consciousness. But we feel that, insofar as they are physical forces, we cannot initially provide them to ourselves on the physical plane. If, for example, one were to doubt this, one need only go to Dornach now to our building site and watch for a moment how our friends there transform the large blocks of wood into capitals for our columns, and how they must apply their physical strength there. And then one will have to admit: Such forces come to us purely from the physical world. — For my part, I admit quite openly that I sometimes wish I had more of such purely physical strength than I do, in order to be able to further promote the work that is now being done there. These things are meant only to serve as a comparison for what is now to be said. — Just as the forces of the hand muscles and other physical forces contribute to our work, so too can spiritual forces contribute to our achievements—forces that flow into our souls from the spiritual world and that, one might say, act from above in the same way as physical forces do when we are engaged in activities on the physical plane.
[ 9 ] Es war nun in den aufeinanderfolgenden Jahren unter mancherlei anderen Aufgaben diese uns zugeteilt; in unseren Mysterienspielen in dramatische Kunst dasjenige umzusetzen, was durch unsere geistige Weltanschauung fließt. Das heißt, man mußte geistig erschaute Tatsachen wirklich auf die äußere Bühne bringen. Wenn man den trivialen Ausdruck gebrauchen darf, man mußte die Dinge «inszenieren». Und es waren bei diesem Inszenieren mancherlei Dinge notwendig, die eben gegenüber der gewöhnlichen Inszenierungskunst doch etwas wesentlich Neues bedeuten. Wir haben ja im Laufe der Jahre, man möchte sagen, mit immer sich steigernder Kraft solche Inszenierungen zu bewirken gehabt. Mit dem, was ich aber jetzt meine, will ich nicht so sehr auf das hinweisen, was Äußerlichkeiten sind, was geschieht, wenn sozusagen schon alles beisammen ist, sondern auf das möchte ich hinweisen, was mehr das Geistige, das Spirituelle der Sache war. Diese Tatsache sei als die eine Seite der Tatsachen, die ich erzählen will, hingestellt. Die andere Seite ist die folgende.
[ 9 ] In the years that followed, among many other tasks, we were assigned this one: to translate into dramatic art, within our mystery plays, that which flows through our spiritual worldview. In other words, we had to bring spiritually perceived realities to life on the physical stage. If one may use the trivial expression, one had to “stage” these things. And in this staging, various elements were necessary that represent something essentially new compared to the ordinary art of staging. Over the years, one might say, we have had to bring about such productions with ever-increasing intensity. However, what I mean now is not so much to point to the external aspects—what happens when, so to speak, everything is already in place—but rather to point to what was more the spiritual, the spiritual essence of the matter. Let this fact stand as one side of the facts I wish to recount. The other side is as follows.
[ 10 ] Im Beginne unseres geisteswissenschaftlichen Wirkens, ziemlich im Anfange, waren wir besucht von einer Persönlichkeit, welche nicht nur einen großen, tief innerlichen gemütreichen Anteil an unserer geisteswissenschaftlichen Lehre entwickelte, wie wir sie damals im Anfange unserer geisteswissenschaftlichen Arbeit geben konnten und geben mußten, sondern die auch durchseelt war von einem wunderbar edlen Kunstsinn, von einer wunderbar edlen Kunstgesinnung, von einer Kunstgesinnung, die nun eigentlich ganz verschmolzen war auch mit dem Persönlichen dieser Persönlichkeit, so daß man im wahren Sinne des Wortes sagen konnte, man hatte mit dieser Persönlichkeit eine objektiv liebenswürdige Persönlichkeit vor sich. In rascher, schneller Weise nahm diese Persönlichkeit an, was damals über die geisteswissenschaftliche Lehre gesagt werden konnte. Dann, es war ja das schon in den ersten Jahren unseres Wirkens hier, verließ sie den physischen Plan, und es vergingen dann Jahre, in denen die Individualität dieser Persönlichkeit daran arbeitete, aus jenen unterbewußten Untergründen, die ja vorhanden sind, wenn die Menschenseelen durch die Pforte des Todes gegangen sind, heraufzuarbeiten den Zusammenschluß desjenigen, was sie aus unserer geisteswissenschaftlichen Lehre aufgenommen hatte, mit dem, was ihr künstlerischer Sinn war. Man möchte sagen: Man konnte verfolgen den Aufbau eines Geistleibes, in welchem zusammenwirkten diese zwei eben geschilderten Kräfte, auf der einen Seite die fruchtbaren geisteswissenschaftlichen Anschauungen, auf der anderen Seite der liebenswürdige und energische und einsichtige künstlerische Sinn. Dann vergingen so die Jahre. Und im Laufe der letzten Jahre, als die Aufgaben in München dann an uns herantraten, da war es immer wieder und wieder, oft und oft, bevor ich über das und jenes zu entscheiden hatte, was mehr auf das Innere unserer Münchner Vorstellungen bezüglich war, daß ich wußte: diese Individualität schaut herunter auf alles, was da geschieht. Und wie einem in der physischen Welt die Kräfte zuwachsen, eben aus dieser physischen Welt heraus, so ist. es natürlich eben nicht so, daß einem eine solche Wesenheit eingeben würde, wie man die Dinge zu machen hat. Dazu muß man schon selber die Fähigkeiten haben. Aber indem ihre warme, irinige Anteilnahme an unserer Sache, indem ihr geistiges Auge mit seinen Ausstrahlungen schützend einfließt in das, was man zu tun hat, fühlt man sich durchkraftet für das, was man zu tun hat, durch die segnenden Gewalten, die von einer solchen Individualität ausgehen.
[ 10 ] At the very beginning of our work in Spiritual Science, quite early on, we were visited by a person who not only developed a deep, inner, and heartfelt interest in our teachings in Spiritual Science—as we were able and had to present them at that time, at the outset of our work in Spiritual Science—but who was also imbued with a wonderfully noble artistic sensibility, by a wonderfully noble artistic sensibility, by an artistic sensibility that was, in fact, completely fused with the very essence of this individual, so that one could say, in the truest sense of the word, that one was in the presence of an objectively charming person. This personality quickly and readily took in what could be said about the Spiritual Science teachings at that time. Then—this was already in the early years of our work here—she left the physical plane, and years then passed in which the individuality of this person worked from those subconscious depths—which do indeed exist once human souls have passed through the gate of death—to bring about the union of what she had absorbed from our Spiritual Science teachings with what constituted her artistic sensibility. One might say: One could observe the building up of a spiritual body in which these two forces just described worked together—on the one hand, the fruitful insights of Spiritual Science, and on the other, the charming, energetic, and perceptive artistic sensibility. Then the years passed in this way. And in the course of the last few years, when the tasks in Munich came to us, it was time and again, often and often, before I had to decide on this or that matter—which pertained more to the inner nature of our Munich mental images—that I knew: this individuality is looking down upon everything that is happening there. And just as one’s powers grow in the physical world, precisely out of this physical world, so it is, of course, not the case that such a being would dictate to one how things are to be done. For that, one must already possess the abilities oneself. But through her warm, loving interest in our cause, through her spiritual eye with its protective radiance flowing into what one has to do, one feels empowered for the task at hand by the blessing forces emanating from such an individuality.
[ 11 ] Das ist es, was uns zeigen kann, wie die Seele, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, sich allmählich verwandelt in ein Wesen, das mittätig ist, das mitwirkt hier auf dem physischen Plan. Und wenn man anfängt dieses Mitwirken bewußt zu empfinden und zu fühlen, dann empfindet man solche Wesen wie den Schutzgeist, wie den stärkenden Geist für das, was man hier zu tun hat und was mit der geistigen Welt zusammenhängt. Dann geht man an die Arbeit, indem man die Voraussetzung hat: Da schwebt in den geistigen Welten jenes Wesen, das dieser Arbeit Schutzgeist ist.
[ 11 ] This is what can show us how the soul, once it has passed through the gate of death, gradually transforms into a being that is actively involved, that works alongside us here on the physical plane. And when one begins to consciously perceive and feel this cooperation, then one perceives such beings as the guardian spirit, as the strengthening spirit for what one has to do here and what is connected with the spiritual world. Then one sets to work with the understanding that there, in the spiritual worlds, hovers that being who is the guardian spirit of this work.
[ 12 ] Wenn so etwas erwähnt wird, dann können wir uns, ich möchte sagen, eine konkrete Vorstellung von dem machen, was einfließen soll und kann in unser ganzes Leben als das, was uns beseelt gegenüber der geistigen Welt. Denn wir lernen allmählich wissen: Die Toten sind nicht gestorben, sie sind nur auf einen anderen Schauplatz übergegangen. Sie wirken mit bei dem, was wir tun. Und für uns bleibt es nicht ein unbestimmter Gedanke: Sie wirken mit —, sondern wir lernen allmählich die Gebiete aufzuzeigen, auf denen sie mitwirken. Wir lernen allmählich uns mit ihnen zusammenzufühlen, wenn wir Kräfte brauchen, die wir nicht aus dem physischen Plan entnehmen können, sondern bei denen wir uns unterstützt fühlen müssen von dem, was aus höheren Planen herunterfließen kann zu uns, weil die Seelen, die durch die Pforte des Todes geschritten sind, dadurch, daß sie das Material für das, was sie nun werden, aus einer anderen Welt entnehmen, auch andere Kräfte haben, als die Kräfte des physischen Planes sind. Versuchen wir für einen Moment die wirkliche innere Vertiefung vorzustellen, die das Leben dadurch gewinnen kann, daß die Geisteswissenschaft nicht nur in Form von abstrakten Theorien, sondern im lebendigen Leben, im lebendigen Erfassen des einzelnen Konkreten zu uns kommt, dann werden wir erst den Segen des Einfließens nicht nur der geisteswissenschaftlichen Theorien erblicken, sondern der ganzen spirituellen Strömung, die mit der Geisteswissenschaft in uns einfließt für das ganze menschliche Leben.
[ 12 ] When something like this is mentioned, we can, I would say, form a concrete mental image of what should and can flow into our entire lives as that which animates us in relation to the spiritual world. For we gradually come to realize: The dead have not died; they have merely passed into another realm. They are involved in what we do. And for us, this is not merely a vague notion—that they are involved—but we gradually learn to identify the areas in which they are active. We gradually learn to feel a connection with them when we need forces that we cannot draw from the physical plane, but rather when we must feel supported by what can flow down to us from higher planes, because the souls who have passed through the gate of death by drawing the material for what they are now becoming from another world, also possess powers other than those of the physical plane. Let us try for a moment to create a mental image of the true inner deepening that life can gain when Spiritual Science comes to us not merely in the form of abstract theories, but in living reality, in the living grasping of the individual concrete, then we will truly perceive the blessing of the inflow not only of spiritual scientific theories, but of the entire spiritual current that flows into us through Spiritual Science for the whole of human life.
[ 13 ] Oder ein anderes Beispiel. Ich setze wirklich voraus, daß die Auseinandersetzungen solcher Dinge innerhalb eines solchen Zweiges mit der notwendigen Pietät genommen werden, denn nur dadurch können wir fortschreiten vom Abstrakten ins Konkrete.
[ 13 ] Or take another example. I truly assume that discussions of such matters within this field are approached with the necessary reverence, for only in this way can we move from the abstract to the concrete.
[ 14 ] Vor kurzer Zeit verließ uns für den physischen Plan eine Persönlichkeit, die sich durch fünf Jahre hindurch mit uns verbunden hatte, die ihr bestes Wesen allmählich ganz geeint hatte mit demjenigen, was aus den Erkenntnissen unserer Geisteswissenschaft kommt. Durch viele Jahre hindurch lebte diese Persönlichkeit in einem siechen Körper und hatte gewissermaßen zu kämpfen gegen die Attacken dieses siechen Körpers. Aber sagen darf man, namentlich wenn man die Kraft ins Auge faßt, die notwendig war, um die letzten Dichtungen dieser Persönlichkeit zu schaffen, daß sich in dieser Persönlichkeit wirklich das gezeigt hat, was man nennen kann den Sieg des Geistes über den Leib. Zu welchen wunderbar intimen Charakteristiken, dichterisch intimen Charakteristiken der geistigen Welt diese Persönlichkeit gekommen ist, das kennen Sie schon aus Proben, die Ihnen vorgetragen sind. Die Welt wird, wenn sie will, manches verspüren können aus der Veröffentlichung des letzten Gedichtbandes, der in einigen Wochen erscheinen wird, und der zwar nicht mehr auf dem physischen Plan erlebt worden ist von der betreffenden Persönlichkeit, die ihn geschaffen hat, der aber in wunderbarer Weise das geistige Leben, das hier über den Leib gesiegt hatte, der Welt zeigen wird. Als ich Ende vorigen Jahres in Leipzig über diese Dichtungen sprach, da gebrauchte ich einen Ausdruck, den ich dazumal, ja, ich möchte sagen, so gebrauchte, wie eben ein Mensch, auch wenn dieser Mensch nur ein Kind ist, sagt: Die Rose ist rot. — So etwas kann ganz richtig sein und man braucht doch nicht zu «wissen», daß die Rose rot ist. So wußte ich damals in Leipzig, daß ich den Ausdruck gebrauchen durfte, und daß er richtig ist. Ich sagte nämlich damals aus einer inneren Notwendigkeit heraus, um diese Dichtungen zu charakterisieren: In ihnen spreche sich nicht nur aus, was man nennen kann einen wunderbaren dichterischen Ausdruck unserer Weltanschauung, sondern ich könnte sagen: Diese Gedichte haben Aura! — Das heißt, es ist in die Seele dieser Wesenheit hereingegangen, was die Persönlichkeit ergreift, so daß aus ihr nicht nur die Worte fließen, sondern in den Worten etwas liegt, was wie eine Aura ist. Kurz, ich sagte dieses Wort damals und empfand es als durchaus richtig. Jetzt weiß ich, warum ich es sagte. Man kann selbstverständlich erst nach dem Tode wissen, wozu sich die Persönlichkeit dieser Dichtungen anschickt in der geistigen Welt, wozu sie sich vorbereitete. Aber es liegt hier ja der eigentümliche Fall vor, daß diese Persönlichkeit viel gelitten hat, daß der physische Organismus morsch geworden ist. Aber während der physische Organismus morsch geworden ist, bildete sich in der Seele etwas aus, was weit hinausging über diesen physischen Organismus, was etwas ganz anderes war, als was zunächst dieser Persönlichkeit selber zum Bewußtsein kam. In den Untergründen der Seele lebte dieses andere und lebte ein immer leuchtenderes Leben, je mehr der physische Organismus sozusagen seiner Zerstörung entgegenging. Und jetzt sieht man, ich möchte sagen, in der geistigen Welt dasjenige aufleuchten, was sich schon hier in der physischen Welt vorbereitet hat. Um das zu charakterisieren, was ich charakterisieren will, möchte ich ein Bild zum Vergleich gebrauchen.
[ 14 ] Not long ago, a person who had been connected with us for five years left the physical plane; a person who had gradually brought their very being into complete harmony with the insights derived from our Spiritual Science. For many years this individual lived in a frail body and, in a sense, had to struggle against the attacks of that frail body. But one may say, especially when one considers the strength required to create this individual’s final poems, that what truly manifested in this individual was what one might call the victory of the spirit over the body. You are already familiar with the wonderfully intimate, poetically intimate characteristics of the spiritual world that this individual has attained, from samples that have been presented to you. The world, if it so desires, will be able to sense much from the publication of the latest volume of poetry, which will appear in a few weeks, and which, though no longer experienced on the physical plane by the personality who created it, will nevertheless reveal to the world in a wondrous way the spiritual life that had triumphed here over the body. When I spoke about these poems in Leipzig at the end of last year, I used an expression that I employed at the time—indeed, I would say, in the same way that a person, even if that person is only a child, says: “The rose is red.”—Such a statement can be entirely correct, and yet one need not “know” that the rose is red. So I knew back then in Leipzig that I was allowed to use the expression, and that it is correct. For I said at the time, out of an inner necessity to characterize these poems: In them is expressed not only what one might call a wonderful poetic expression of our worldview, but I could say: These poems have an aura! — That is to say, what seizes the personality has entered into the soul of this being, so that not only do words flow from it, but there is something in the words that is like an aura. In short, I used that word back then and felt it was entirely correct. Now I know why I said it. Of course, one can only know after death what the personality behind these poems is setting out to do in the spiritual world, what it was preparing for. But here we have the peculiar case that this personality suffered greatly, that the physical organism had decayed. But while the physical organism had decayed, something took shape in the soul that went far beyond this physical organism, something entirely different from what initially came to the consciousness of this personality itself. This other thing lived in the depths of the soul and lived an ever-brighter life the more the physical organism, so to speak, approached its destruction. And now one sees, I might say, that which has already been prepared here in the physical world shining forth in the spiritual world. To characterize what I wish to characterize, I would like to use an image for comparison.
[ 15 ] Wir können ringsherum die weite Natur mit allen ihren Schönheiten und Erhabenheiten haben. Gewiß, für den, der die Schönheiten der Natur empfindet, ist das berechtigt, was ich von dieser Stelle aus vor längerer Zeit einmal aussprach. Damals sagte ich: Man kann durch alle Galerien Italiens gegangen sein, kann dann heraufkommen in die Schweizer Berge und dort einen Sonnenaufgang sehen, und hat dann das Gefühl: Die geistigen Wesenheiten, die den Sonnenaufgang malen, sind noch größere Maler als die, welche auf die Leinwand etwas malen. — Aber trotzdem dieses zugegeben werden muß, müssen wir sagen: Wir bewundern die äußere Schönheit der Natur, können uns ihr ganz hingeben. Aber ist es uns nicht ein unendlich Wertvolles, wenn wir neben dem, daß wir uns der äußeren Natur hingeben können, erblicken, daß ein Gemälde von Raffael oder Leonardo da Vinci oder einem anderen Künstler, außer der schönen Natur auch noch das vor uns auftreten läßt, was die andere Seele vor uns hinstellt? Wir sehen hineingestellt auf den physischen Plan, was Seelen uns geben, und wodurch sie das bereichern, was wir selber der Natur ablauschen können. — Diesen Vergleich möchte ich gebrauchen, um in Ihren Herzen ein Verständnis für das anzuschlagen, was ich Ihnen sagen möchte.
[ 15 ] We can be surrounded by the vastness of nature with all its beauty and grandeur. Certainly, for those who appreciate the beauty of nature, what I once said from this very spot some time ago holds true. At that time, I said: One may have walked through all the galleries of Italy, then come up into the Swiss mountains and see a sunrise there, and then have the feeling: The spiritual beings who paint the sunrise are even greater painters than those who paint something on canvas. — But even though this must be acknowledged, we must say: We admire the outer beauty of nature; we can give ourselves over to it completely. But is it not infinitely valuable to us when, in addition to being able to surrender ourselves to external nature, we perceive that a painting by Raphael or Leonardo da Vinci or another artist, besides the beauty of nature, also brings before us what another soul has placed before us? We see, projected onto the physical plane, what souls give us, and how they enrich what we ourselves can glean from nature. — I would like to use this comparison to awaken in your hearts an understanding of what I wish to tell you.
[ 16 ] Die Individualität der Persönlichkeit, von der ich eben gesprochen habe, sie ist nun in der geistigen Welt. Und ledig des Leibes sind diejenigen Bildungen geistiger Art, die vorher im Leibe waren. Sie sind nun in der geistigen Welt. Hier auf der Erde werden wir die herrlichen Dichtungen haben, in der geistigen Welt ist aber noch etwas anderes. Da leuchtet auf, was sich wirklich der Individualität angliedert — und woraus diese Individualität ihren Geistleib nimmt — aus den Imaginationen, die sich hier vorbereitet haben während der langen Krankheit. Ein wunderbares kosmisches Bild! In diesen Imaginationen lebt eine wunderbare Ingredienz des Kosmos, die sich hinstellt neben das, was unmittelbar die Geistesforschung wahrnehmen kann, wie sich eben ein wunderbares Gemälde hinstellt neben das, was wir als die Schönheiten der Natur empfinden können. Unendliches wird einem offenbar, wenn neben dem, was sich einem in der geistigen Welt aufschließt, auch noch dasjenige anschaulich wird, wie diese geistige Welt in den Imaginationen einer Menschenseele sich vor dem geistigen Blick ausbreitet. Ich möchte sagen: Man sieht den geistigen Kosmos zweimal, erst wie er unmittelbar dem hellseherischen Blick erscheint, und dann, wie er sich vor dem hellseherischen Blick enthüllt durch das, was sich eine Menschenseele in harten Leiden auf Erden, aber in energischem Streben nach geistiger Erkenntnis anerworben hat. Ich brauche nicht zu sagen, daß alle diese Dinge karmisch genommen werden müssen, daß nie eine Seele durch ihre Willkür sich irgend etwas in der erwähnten Art erwerben könnte. Das alles müssen wir sozusagen der Gnade der weisheitsvollen Weltenlenkung überlassen, ob uns dergleichen zuteil werden kann. Solange der Mensch auf Erden weilt, muß er dafür sorgen und haben auch die anderen dafür zu sorgen, daß er solange als möglich auf der Erde bleibt, und daß er so gesund sein kann als irgend möglich. Man sollte das nicht zu erklären brauchen, aber es wird so viel mißverstanden in diesen Dingen. Nie sollte jemand versuchen, irgend etwas zu tun, um Leiden oder so etwas herbeizuführen. Das darf nicht sein. Dann würde er auch gar nichts dadurch erreichen. Wenn also jemand kommen würde und sagte: Also versuche ich, mich irgendwie in Leid zu stürzen, um irgend etwas zu erreichen —, so würde es das Falscheste sein, was als Konsequenz aus diesen Auseinandersetzungen gezogen werden könnte.
[ 16 ] The individuality of the personality I have just spoken of is now in the spiritual world. And those spiritual formations that were previously in the body are now free from the body. They are now in the spiritual world. Here on earth we will have the magnificent poems, but in the spiritual world there is something else. There shines forth what is truly connected to individuality—and from which this individuality derives its spiritual body—from the imaginations that have been prepared here during the long illness. A wondrous cosmic image! In these imaginations lives a wondrous ingredient of the cosmos that stands alongside what spiritual research can perceive directly, just as a wondrous painting stands alongside what we can perceive as the beauties of nature. The infinite becomes apparent to us when, alongside what opens up to us in the spiritual world, we also perceive how this spiritual world unfolds before the spiritual gaze in the imaginations of a human soul. I would like to say: One sees the spiritual cosmos twice, first as it appears directly to the clairvoyant gaze, and then as it reveals itself to the clairvoyant gaze through what a human soul has acquired on earth through severe suffering, yet through an energetic striving for spiritual knowledge. I need not say that all these things must be taken in a karmic sense, that no soul could ever acquire anything of the kind mentioned through its own will. We must, so to speak, leave all this to the grace of the wise guidance of the worlds, whether such things may be granted to us. As long as a person dwells on Earth, they must ensure—and others must also ensure—that they remain on Earth as long as possible, and that they may be as healthy as is at all possible. One should not need to explain this, but there is so much misunderstanding regarding these matters. No one should ever try to do anything to bring about suffering or the like. That must not be. Then they would achieve nothing at all by doing so. So if someone were to come and say: “Well, I’ll try to throw myself into suffering somehow in order to achieve something”—that would be the most wrong conclusion one could draw from these discussions.
[ 17 ] Ich wollte Ihnen heute an diesen besonderen Beispielen gewissermaßen zwei Vorstellungen zeigen; die eine Vorstellung, die ich so aussprechen möchte: Die geistigen Wesen senden uns ihre Kräfte zu durch den Blick ihres Geistesauges —, was ich durch die schützende Individualität für unsere künstlerischen Bestrebungen zu belegen versuchte. Die andere wollte ich anführen als ein Beispiel dafür, wie innerlich weisheitsvoll die Weltenlenkung ist, wie, ich möchte sagen, es uns möglich wird hinzublicken in der geistigen Welt auf das, was eine geistige Individualität aus dem Erdendasein herausgezogen hat und was nun selbst unsere Anschauung über die geistige Welt bereichern kann, wie die künstlerischen Anschauungen Bereicherungen unserer physischen Welt sind. Vieles hätte ich vielleicht heute schon zu sagen über manches andere noch der Individualität, die in solch begnadeter Weise in die geistigen Welten hinauftragen kann, was sie aus der anthroposophischen Weltanschauung gesogen hat. Allein dazu ist wohl noch nicht in Wirklichkeit die Zeit gekommen. Ich habe die beiden Dinge angeführt, weil ich wirklich glaube, daß man durch die Anschauung solcher konkreter Dinge, die uns ja naheliegen, sich besser einen Begriff machen kann über die Vorstellungen und Ideen, die wir brauchen, um in die geistige Welt wirklich einzudringen, und an die wir uns zunächst vorzugsweise halten müssen, wenn wir wirklich eben eindringen wollen. Dazu kommen wir ja auch in intimeren Versammlungen zusammen, damit wir gewissermaßen in diesen intimeren Versammlungen schon unsere Sprache sprechen können, die wir uns allmählich für die Darstellungen des geistigen Lebens angeeignet haben. Denn das ist der Fortschritt auf dem Boden der Geisteswissenschaft, daß wir nicht bloß lernen im allgemeinen von dem Geist zu sprechen, der um uns herum ist. Wie wir ja auch nicht bloß im allgemeinen von der Natur sprechen, die um uns herum ist. Wir sprechen wahrhaftig nicht allein von der Natur und immer von Natur und Natur, sondern wir sprechen von dem Gras der Wiesen, von den Ähren des Feldes, von den Bäumen am Bergabhang, von den Wolken und so weiter, und wir müssen uns nach und nach dazu aufschwingen, so konkret auch von der geistigen Welt zu sprechen. Deshalb möchte ich auch ab und zu so konkret von der geistigen Welt sprechen, indem ich hinweise auf eine so schützende Seele, wie ich sie heute im Verhältnis zu unserer künstlerischen Arbeit charakterisiert habe, oder auf eine Seele, die eine solche Gestalt annimmt, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, indem sie widerspiegelt die Kräfte, die aus dem geistigen Kosmos selbst kommen, die sie schon während des Siechwerdens des Körpers hier gesammelt hat, und die uns Dinge lehrt, die wir sonst nicht leicht gewinnen können.
[ 17 ] Today, using these specific examples, I wanted to present two mental images, so to speak; the first mental image, which I would like to express as follows: The spiritual beings send us their powers through the gaze of their spiritual eye—which I attempted to demonstrate through the protective individuality of our artistic endeavors. The other I wanted to cite as an example of how inwardly wise the guidance of the worlds is, how, I might say, it becomes possible for us to look into the spiritual world at what a spiritual individuality has drawn out of earthly existence and what can now itself enrich our view of the spiritual world, just as artistic views enrich our physical world. There is much I might have to say today about many other aspects of the individuality that can carry up into the spiritual worlds, in such a gifted way, what it has drawn from the anthroposophical worldview. But the time for that has not yet truly come. I have mentioned these two things because I truly believe that by contemplating such concrete matters, which are close to us, we can better grasp the mental images and ideas we need to truly penetrate the spiritual world—and to which we must initially adhere above all else if we truly wish to penetrate it. We also come together for this purpose in more intimate gatherings, so that, as it were, we can already speak our own language in these more intimate gatherings—the language we have gradually acquired for describing spiritual life. For this is the progress made on the ground of Spiritual Science: that we do not merely learn to speak in general terms about the spirit that surrounds us. Just as we do not merely speak in general terms of the nature that surrounds us. We truly do not speak only of nature and always of nature and nature, but we speak of the grass in the meadows, of the ears of grain in the field, of the trees on the mountainside, of the clouds, and so on, and we must gradually raise ourselves to speak just as concretely of the spiritual world. That is why I would also like to speak from time to time in such concrete terms about the spiritual world, by pointing to a soul that is so protective, as I have characterized it today in relation to our artistic work, or to a soul that takes on such a form after passing through the gate of death, reflecting the forces that come from the spiritual cosmos itself—forces she has already gathered here while the body was wasting away—and teaching us things we cannot otherwise easily attain.
[ 18 ] Solch ein Freund und Mitglied wie der zuletzt Charakterisierte — der Ihnen ja bekannt ist —, werden zugleich die besten Mitarbeiter für das, was die Geisteswissenschaft in der Welt zu tun hat. Nach der Art, wie die Geisteswissenschaft von vielen Seiten aufgenommen, mißverstanden, mißachtet, feindlich behandelt wird, kann es ja wirklich manchmal scheinen, als ob es schwer würde, durchzukommen mit dem, was die Geisteswissenschaft wirklich soll. Da aber treten dann die ermutigenden Gedanken auf, die aus einer solchen Erkenntnis sprießen, wie der heute angeführten: daß die, welche schon durch die Pforte des Todes gegangen sind, die wahren Zeugen werden für das, was die Geisteswissenschaft sein soll. Das möchte ich, daß es ein wenig zu unseren Herzen und Seelen spricht. Denn dahinblickend, muß man sich doch immer wieder und wieder sagen: Diese Geisteswissenschaft, sie wird, und wenn es über uns und unser Leben hinweggehen müßte, sie wird sich einleben in den geistigen Fortschritt der Menschheit. Und das kann uns dann doch Mut geben gegenüber dem, was wir von dieser oder jener Seite her beobachten müssen, kann uns Mut geben für den Glauben und die Überzeugung, daß doch immer mehr und mehr Menschen kommen werden, welche verstehen werden: Die geistige Welt braucht neue Begriffe, neue Vorstellungen, Empfindungen und Gesinnungen, wenn man sie wirklich erfassen will.
[ 18 ] A friend and member such as the one just described—whom you are, of course, familiar with—will also be the best collaborators for what Spiritual Science has to accomplish in the world. Given the way Spiritual Science is received, misunderstood, disregarded, and treated with hostility from many quarters, it can indeed sometimes seem as if it would be difficult to get through with what Spiritual Science is truly meant to do. But then the encouraging thoughts arise that spring from such a realization, as the one mentioned today: that those who have already passed through the gate of death become the true witnesses to what Spiritual Science is meant to be. I would like this to speak a little to our hearts and souls. For when we look at it this way, we must tell ourselves again and again: The Spiritual Science will—even if it were to pass us and our lives by—become part of humanity’s spiritual progress. And that can then give us courage in the face of what we must observe from this or that side; it can give us courage for the faith and conviction that more and more people will come who will understand: The spiritual world needs new concepts, new mental images, feelings, and attitudes if one truly wishes to grasp it.
[ 19 ] Gewinnen wir durch solche Ausführungen ein rechtes Verhältnis zu dem, was wir selbst sein wollen in dieser unserer geistigen Bewegung drinnen. Nehmen wir in Pietät Beispiele hin, wie die heute angeführten, aber durchdringen wir uns mit dem, was daraus für unsere Gesinnung fließen kann, damit wir stark sind, manchem Anprall von außen standzuhalten. Draußen, sagte ich, können uns ja die Menschen nur mit denjenigen Begriffen entgegenkommen, die sie in der Welt aufgelesen haben, und wir brauchen uns nicht direkt zu verwundern, wenn die Menschen draußen das, was sie von uns erfahren, mit den Begriffen belegen, die sie eben draußen in der Welt aufgelesen haben. Da liegen ja große, große Schwierigkeiten vor in bezug auf das Verhältnis der Geisteswissenschaft zu dem, was äußerlich in der Welt über diese Geisteswissenschaft gesagt und geurteilt wird.
[ 19 ] May such reflections help us develop a proper relationship to what we ourselves wish to be within this spiritual movement of ours. Let us accept examples like those cited today with reverence, but let us also internalize what they can impart to our mindset, so that we may be strong enough to withstand many external assaults. Out there, I said, people can only approach us with the concepts they have picked up in the world, and we need not be directly surprised when people out there apply the concepts they have picked up in the world to what they learn about us. There are indeed great, great difficulties regarding the relationship between Spiritual Science and what is said and judged about this Spiritual Science externally in the world.
[ 20 ] Wir wollen, wie Ihnen bekannt ist — wie Ihnen das letzte Mal hier aus begeistertem Herzen heraus von einem unserer lieben Mitglieder auch aus eigner Anschauung geschildert worden ist —, in Dornach, in der Nähe von Basel, den Anfang machen mit einem wirklichen, rechten Kunstwerk, das aber als Kunstwerk herausgeflossen ist aus unserer Weltanschauung. Alles hängt davon ab, daß einige Menschen in der Welt verstehen, was da eigentlich gemeint ist, und daß nicht nur diejenigen über die Sache urteilen, die mit den Begriffen, die draußen aufgelesen sind, so etwas charakterisieren wollen. Denn wenn man an so etwas mit den Begriffen herangeht, die draußen aufgelesen sind, so kommt man, wenn man es selber vielleicht sogar gut meint, doch nur dazu, mit den Begriffen, die draußen gebräuchlich sind, die Dinge zu charakterisieren. Und so können wir es jetzt erleben, daß durch Zeitungen aller Sprachen Dinge gesagt werden über den Dornacher Bau, die geeignet sind, dasjenige, was wir uns durch Jahre mühsam erworben haben — dadurch erworben haben, daß wir versucht haben, die Offentlichkeit nicht zu behelligen da, wo sie ohnedies nichts davon versteht —, in kurzer Zeit hinwegzufegen; wenn durch die Zeitungen aller Sprachen Mitteilungen gehen: In welcher Zeit leben wir? Ist das noch die Zeit des Materialismus? Ein kolossaler Tempel wird gebaut — und so weiter, und wenn dann geschildert wird, wie in diesem Tempel Säulen stehen, die miteinander verbunden sind durch Pentagramme, und was dergleichen mehr ist. — Wenn das geschieht, dann sagt man sich erst: Was wird daraus, wenn mit den aus der Welt draußen aufgelesenen Begriffen die Dinge charakterisiert werden, die aus unserer Geistesströmung heraus entspringen sollen? Schaudervoll gehen diese Schilderungen jetzt durch die Zeitungen! Es ist nicht notwendig, daß wir auf Einzelheiten solcher Schilderungen uns einlassen. Aber das gar so Schmerzliche dabei ist, daß da, wo zuerst diese Schilderung erschien, wovon das Weitere ausgegangen ist, die Ursache eine gutmütige Seele war, die verstehen wollte, die einen großen Dienst der Sache erweisen wollte durch diese Schilderung, eine Seele, der gegenüber man sich sogar bemühte, damit nicht Allzuschreckliches in die Welt gesetzt wird, die Dinge zu zeigen, zum Beispiel, wie wirklich kein Pentagramm zu sehen ist, sondern an einer einzelnen Stelle, dezent, das esoterische Gemüt erst fühlend das Pentagramm herausfühlen muß. Und bei einer solchen Seele, die gebeten worden ist, ja nichts, was irgendwie nach Journalismus klingt, zu schreiben, erlebt man es — als wenn eine solche überhaupt gar nichts anderes kann —, daß sie nur so schreiben kann, daß sie nicht die Begriffe und Ideen gebraucht, die man sich bei uns aneignet, sondern die Begriffe und Ideen, die heute auf der Straße des geistigen Lebens aufgelesen werden! Wie schneidet es uns in die Seele, wenn wir sehen, wie das, was wir eigentlich wollten, jetzt in dieser Weise durch die Zeitungen geht. Die Artikel und die Klischees werden ja dann von einer Zeitung zur anderen weiter übernommen, werden in alle Sprachen übersetzt, und in jeder Sprache wird noch ein spezieller Unsinn, eine spezielle Torheit hinzugefügt. Selbstverständlich nicht um unbegreiflich zu finden, was geschieht, ich möchte sagen, beim Zusammenstoße desjenigen, was unsere ernst und aufrichtig gemeinte Geisteswissenschaft zu tun hat, mit dem, was in der äußeren Welt verstanden werden kann, sind diese Worte gesagt, sondern wirklich um Ihnen zu zeigen, wie sehr ernst und würdig wir es mit unserer Sache nehmen müssen, wie sehr wiir uns bewußt werden müssen, wie tiefgehend das Verständnis sein muß, das wir uns erwerben müssen für das, was die Geisteswissenschaft der Welt sein soll.
[ 20 ] As you know—as was described to you here last time with great enthusiasm by one of our dear members, speaking from personal experience—we want to begin in Dornach, near Basel, with a genuine, true work of art, one that has, however, emerged as a work of art from our worldview. Everything depends on whether some people in the world understand what is actually meant here, and that the matter is not judged solely by those who wish to characterize it using concepts picked up from the outside world. For if one approaches such a thing with concepts picked up from the outside world, one ends up—even if one perhaps means well—merely characterizing things with the concepts commonly used out there. And so we can now see that through newspapers in all languages, things are being said about the Dornach building that are capable of sweeping away in a short time what we have laboriously acquired over the years—acquired by trying not to bother the public where it understands nothing of it anyway—when reports circulate through newspapers in all languages: What kind of age are we living in? Is this still the age of materialism? A colossal temple is being built—and so on, and then when it is described how in this temple there are columns connected to one another by pentagrams, and the like. — When that happens, one first asks oneself: What will become of it if the things that are meant to spring from our spiritual current are characterized using concepts picked up from the outside world? These descriptions are now making their way through the newspapers in a truly horrifying manner! It is not necessary for us to delve into the details of such descriptions. But what is so painful about this is that where this description first appeared—from which the rest has stemmed—the cause was a good-natured soul who wanted to understand, who wanted to render a great service to the cause through this description, a soul toward whom one even made an effort, so that nothing too terrible might be set into the world, to show things, for example, how there is really no pentagram to be seen, but rather, in a single place, discreetly, the esoteric mind must first sense the pentagram. And with such a soul, who has been asked not to write anything that sounds in any way like journalism, one experiences—as if such a soul were incapable of anything else—that she can only write in such a way that she does not use the concepts and ideas one acquires in our circles, but rather the concepts and ideas that are picked up today on the street of spiritual life! How it cuts into our souls when we see how what we actually intended is now being conveyed in this way through the newspapers. The articles and clichés are then passed on from one newspaper to another, translated into every language, and in every language a special kind of nonsense, a special folly, is added. Not, of course, to find what is happening incomprehensible—I would like to say, in the clash between what our serious and sincerely intended Spiritual Science has to do and what can be understood in the outer world, these words are spoken, but truly to show you how seriously and with what dignity we must take our cause, how deeply we must become aware of how profound the understanding must be that we must acquire for what Spiritual Science is meant to be for the world.
[ 21 ] Man könnte vielleicht doch manchmal fragen: Warum durften wir nicht ebenso bescheiden, und ungenannt, durch Begriffe, bei denen, die uns nicht verstehen können, weiterwirken, wie wir für unsere Sache vor dem Dornacher Bau gewirkt haben? — Nun ja, das Auge der Gegenwart ist auf den physischen Plan eben eingestellt. Geistiges merkt man nicht. Aber daß dort in Dornach ein Gebäude aufgeführt wird, das sieht man. Aber solche Fragen sind natürlich vollständig unfruchtbar, und darauf kommt es auch gar nicht an. Sondern das, worauf es ankommt, ist, daß wir für unsere Sache in unseren Herzen den rechten Sinn und das rechte Verständnis gewinnen. Nicht um irgend jemanden anzuklagen, oder um zu kritisieren, sind diese Worte gesagt, sondern um Sie wieder und wieder darauf aufmerksam zu machen, wie tief ernst wir selber versuchen sollten, ein Verständnis zu gewinnen für das völlig Andere, das in uns ersprießen soll demgegenüber, was draußen so vielfach von der Welt hereinschlägt, hereinschlägt allerdings in den Meinungen der Leute. In dem, was die Seelen wirklich brauchen, wonach sie wirklich lechzen, ist solches nicht darinnen. Die Seelen wollen schon die Geisteswissenschaft, lechzen darnach, sie zu bekommen. Deshalb wird es sich darum handeln, daß Verführungen und Versuchungen, die von den materialistischen Meinungen und namentlich von dem geistigen Hochmut ausgehen, von uns in der richtigen Weise eingeschätzt werden, daß wir das richtige Verhältnis zu ihnen gewinnen und uns nicht davon blenden lassen, daß diese Meinungen und Stimmungen uns sozusagen überall draußen in der Welt sichtbarlich entgegentreten können, sondern darauf kommt es an, daß wir wirklich in uns die Kraft finden, uns voll hineinzustellen in diese Welt, und in uns selber den Impuls suchen, um ein rechtes Verhältnis zur Umwelt zu gewinnen, damit uns die Geisteswissenschaft wirklich etwas werde, was uns innerlich durchwärmt, innerlich durchkrafter, so daß wir in ihr die Ausgangspunkte für unser Urteilen finden und uns nicht blenden lassen durch das, was uns von außerhalb kommt, und was uns — weil es mit Autorität, mit Macht auftreten kann — immer wieder täuschen kann über die Art, wie die Zeit diese Geisteswissenschaft verstehen kann.
[ 21 ] One might perhaps sometimes ask: Why were we not allowed to continue working just as modestly, and anonymously, through concepts—among those who cannot understand us—as we did for our cause before the Dornach building? — Well, the eye of the present is simply attuned to the physical plane. The spiritual goes unnoticed. But the fact that a building is being erected there in Dornach—that is visible. But such questions are, of course, completely fruitless, and that is not what matters at all. Rather, what matters is that we gain the right sense and the right understanding of our cause in our hearts. These words are not spoken to accuse or criticize anyone, but to draw your attention again and again to how deeply seriously we ourselves should strive to gain an understanding of the completely different reality that is to spring up within us, in contrast to what so often strikes in from the outside world—striking, that is, in people’s opinions. What souls truly need, what they truly yearn for, does not include such things. Souls do indeed want Spiritual Science; they yearn to obtain it. Therefore, it will be a matter of ensuring that we assess the seductions and temptations arising from materialistic opinions—and especially from intellectual arrogance—in the right way, so that we gain the proper relationship to them and do not allow ourselves to be blinded by the fact that these opinions and moods can, so to speak, visibly confront us everywhere out in the world; rather, what matters is that we truly find the strength within ourselves to fully immerse ourselves in this world, and to seek within ourselves the impulse to establish a proper relationship with our surroundings, so that Spiritual Science may truly become something that warms us from within, strengthens us from within, so that we may find in it the starting points for our judgment and not allow ourselves to be blinded by what comes to us from without, and which—because it can appear with authority and power—can repeatedly deceive us about the way in which our time is capable of understanding the Spiritual Science.
[ 22 ] Das ist es, was ich heute nochmals vor Ihre Seele bringen wollte. Denn wenn wir seltener zusammenkommen, wenn es dem Sommer zugeht, dann soll doch das für uns sicher sein: daß die Impulse der Geisteswissenschaft in unserer Seele leben unabhängig von Zeit und Raum, daß wir sie gleich lebendig in uns haben, ob unsere Zusammenkünfte öfter oder seltener sind. Auf ihr Wesen kommt es an, darauf, daß wir sie wirklich lebendig in uns machen. Das ist es, was mir oblag, heute mit Ihnen zu besprechen.
[ 22 ] That is what I wanted to bring before your souls once again today. For when we meet less frequently, as summer approaches, let us be certain of this: that the impulses of Spiritual Science live in our souls independently of time and space, that we carry them just as vividly within us, whether our gatherings are frequent or infrequent. What matters is their essence—that we truly bring them to life within ourselves. That is what I felt compelled to discuss with you today.
