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GA 155

23 May 1912, Copenhagen

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Über den Sinn des Lebens I

Über den Sinn des Lebens I

[ 1 ] In diesen beiden Abendbetrachtungen möchte ich zu Ihnen sprechen, von dem Gesichtspunkte der okkulten Forschung aus, über eine oftmals und eindringlich von den Menschen hingestellte Frage, über die Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Nun werden wir, wenn wir uns an diesen beiden Abenden in unseren Betrachtungen nähern wollen dem, was gesagt werden kann über diesen Sinn des Lebens, uns heute erst eine Art von Grundlage, eine Art von Basis schaffen müssen, auf die wir dann sozusagen das Gebäude von Erkenntnissen aufbauen werden, die, wenn auch kurz und skizzenhaft, uns doch eine Antwort geben können auf die gestellte Frage.

[ 1 ] In diesen beiden Abendbetrachtungen möchte ich zu Ihnen sprechen, von dem Gesichtspunkte der okkulten Forschung aus, über eine oftmals und eindringlich von den Menschen hingestellte Frage, über die Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Nun werden wir, wenn wir uns an diesen beiden Abenden in unseren Betrachtungen nähern wollen dem, was gesagt werden kann über diesen Sinn des Lebens, uns heute erst eine Art von Grundlage, eine Art von Basis schaffen müssen, auf die wir dann sozusagen das Gebäude von Erkenntnissen aufbauen werden, die, wenn auch kurz und skizzenhaft, uns doch eine Antwort geben können auf die gestellte Frage.

[ 2 ] Wenn der Mensch zunächst für seine Sinneserkenntnis und für sein gewöhnliches Leben an sich vorübergehen läßt dasjenige, was ihn umgibt, was er beobachten kann, und wenn er dann auch einen Blick auf das eigene Leben wirft, so kommt eigentlich nicht viel mehr dabei zustande als höchstens eben eine Fragestellung, eine schwere, bange Rätselfrage. Da sieht der Mensch dann entstehen und vergehen die Wesenheiten der äußeren Natur. Er kann ja das jedes Jahr betrachten, wie im Frühling die Erde ihm schenkt, aufgefordert von den Kräften der Sonne und des Kosmos, die Pflanzenwesen, die da grünen und sprießen und ihre Früchte tragen den Sommer hindurch. Gegen den Herbst zu, da sieht der Mensch weiter, wie diese Wesenheiten wieder vergehen. Einige bleiben zwar durch Jahre hindurch, zuweilen sogar recht, recht lange Jahre, wie zum Beispiel unsere lang andauernden Bäume. Aber auch von ihnen weiß der Mensch, daß, wenn sie ihn auch manchmal überdauern in ihrer Lebenszeit, sie doch vergehen, verschwinden, hinuntersinken in das, was in der großen Natur das Gebiet des Leblosen ausmacht. Insbesondere weiß er, wie, bis in die allergrößten Tatsachen des Naturgeschehens hinein, überall Entstehen und Vergehen herrscht, und selbst die Kontinente, die heute den Boden bilden, auf dem sich ausbreiten die Kulturentwickelungen, sie waren, wir wissen das, zu gewissen Zeiten nicht da. Sie haben sich erst im Laufe der Zeit erhoben, und wir wissen genau, daß sie auch wieder in Trümmer gehen werden.

[ 2 ] Wenn der Mensch zunächst für seine Sinneserkenntnis und für sein gewöhnliches Leben an sich vorübergehen läßt dasjenige, was ihn umgibt, was er beobachten kann, und wenn er dann auch einen Blick auf das eigene Leben wirft, so kommt eigentlich nicht viel mehr dabei zustande als höchstens eben eine Fragestellung, eine schwere, bange Rätselfrage. Da sieht der Mensch dann entstehen und vergehen die Wesenheiten der äußeren Natur. Er kann ja das jedes Jahr betrachten, wie im Frühling die Erde ihm schenkt, aufgefordert von den Kräften der Sonne und des Kosmos, die Pflanzenwesen, die da grünen und sprießen und ihre Früchte tragen den Sommer hindurch. Gegen den Herbst zu, da sieht der Mensch weiter, wie diese Wesenheiten wieder vergehen. Einige bleiben zwar durch Jahre hindurch, zuweilen sogar recht, recht lange Jahre, wie zum Beispiel unsere lang andauernden Bäume. Aber auch von ihnen weiß der Mensch, daß, wenn sie ihn auch manchmal überdauern in ihrer Lebenszeit, sie doch vergehen, verschwinden, hinuntersinken in das, was in der großen Natur das Gebiet des Leblosen ausmacht. Insbesondere weiß er, wie, bis in die allergrößten Tatsachen des Naturgeschehens hinein, überall Entstehen und Vergehen herrscht, und selbst die Kontinente, die heute den Boden bilden, auf dem sich ausbreiten die Kulturentwickelungen, sie waren, wir wissen das, zu gewissen Zeiten nicht da. Sie haben sich erst im Laufe der Zeit erhoben, und wir wissen genau, daß sie auch wieder in Trümmer gehen werden.

[ 3 ] So sehen wir Entstehen und Vergehen um uns herum. Sie können es für das Pflanzen- und das Mineralreich sowohl wie auch für das Tierreich verfolgen, dieses Entstehen und Vergehen. Was ist nun der Sinn des Ganzen ? Immer entsteht, immer vergeht etwas um uns herum. Was ist der Sinn dieses Entstehens und Vergehens? Wenn wir in unser eigenes Menschenleben hineinblicken und da sehen, wie wir die Jahre und Jahrzehnte hindurch gelebt haben, so haben wir auch in unserem eigenen Leben Entstehen und Vergehen gesehen. Wenn wir uns entsinnen an die frühere Zeit der Jugend: dahingeschwunden ist sie, und nur als eine Erinnerung ist sie uns geblieben. Das, was da geblieben ist, ist im Grunde nur eine Anregung zu einer bangen Lebensfrage. Wir fragen ja, wenn wir dieses oder jenes getan haben: Was ist daraus geworden, was ist entstanden dadurch, daß wir das oder jenes getan haben? Das Wichtigste dabei ist, daß wir selber dabei ein Stückchen weitergekommen sind, daß wir gescheiter geworden sind. Meist ist die Sache aber so, daß wir erst dann, wenn die Dinge von uns gemacht worden sind, wissen, wie sie hätten gemacht werden sollen. Dann wissen wir, daß alles viel besser hätte gemacht werden können, wenn wir nicht mehr in der Lage sind, es besser zu machen, so daß wir tatsächlich in unser Leben einschließen all die Fehler, die wir machen. Durch unsere Fehler, durch unsere Irrtümer sammeln wir aber gerade unsere weitgehendsten Erfahrungen.

[ 3 ] So sehen wir Entstehen und Vergehen um uns herum. Sie können es für das Pflanzen- und das Mineralreich sowohl wie auch für das Tierreich verfolgen, dieses Entstehen und Vergehen. Was ist nun der Sinn des Ganzen ? Immer entsteht, immer vergeht etwas um uns herum. Was ist der Sinn dieses Entstehens und Vergehens? Wenn wir in unser eigenes Menschenleben hineinblicken und da sehen, wie wir die Jahre und Jahrzehnte hindurch gelebt haben, so haben wir auch in unserem eigenen Leben Entstehen und Vergehen gesehen. Wenn wir uns entsinnen an die frühere Zeit der Jugend: dahingeschwunden ist sie, und nur als eine Erinnerung ist sie uns geblieben. Das, was da geblieben ist, ist im Grunde nur eine Anregung zu einer bangen Lebensfrage. Wir fragen ja, wenn wir dieses oder jenes getan haben: Was ist daraus geworden, was ist entstanden dadurch, daß wir das oder jenes getan haben? Das Wichtigste dabei ist, daß wir selber dabei ein Stückchen weitergekommen sind, daß wir gescheiter geworden sind. Meist ist die Sache aber so, daß wir erst dann, wenn die Dinge von uns gemacht worden sind, wissen, wie sie hätten gemacht werden sollen. Dann wissen wir, daß alles viel besser hätte gemacht werden können, wenn wir nicht mehr in der Lage sind, es besser zu machen, so daß wir tatsächlich in unser Leben einschließen all die Fehler, die wir machen. Durch unsere Fehler, durch unsere Irrtümer sammeln wir aber gerade unsere weitgehendsten Erfahrungen.

[ 4 ] Eine Frage stellt sich uns dar, und es scheint, als ob das, was wir mit Sinnen erfassen und mit dem Verstande begreifen können, keine Antwort darauf geben könnte. In dieser Lage sind wir Menschen heute, daß dasjenige, was um uns herum ist, uns eine bange Lebensfrage, nämlich die Frage: Was ist der Sinn des ganzen Daseins? auferlegt und namentlich auch die Frage: Warum sind wir Menschen in dieses Dasein so hineingestellt? Also für uns Menschen stellt sich zunächst diese Frage vor uns hin.

[ 4 ] Eine Frage stellt sich uns dar, und es scheint, als ob das, was wir mit Sinnen erfassen und mit dem Verstande begreifen können, keine Antwort darauf geben könnte. In dieser Lage sind wir Menschen heute, daß dasjenige, was um uns herum ist, uns eine bange Lebensfrage, nämlich die Frage: Was ist der Sinn des ganzen Daseins? auferlegt und namentlich auch die Frage: Warum sind wir Menschen in dieses Dasein so hineingestellt? Also für uns Menschen stellt sich zunächst diese Frage vor uns hin.

[ 5 ] Eine außerordentlich interessante Legende des hebräischen Altertums sagt uns, daß in diesem hebräischen Altertum ein Bewußtsein vorhanden war, daß diese bange Frage, die wir aufgeworfen haben über den Sinn des Lebens und namentlich über den Sinn des Menschen, eigentlich nicht nur den Menschen, sondern noch ganz anderen Wesen aufgeht. Diese Legende ist außerordentlich lehrreich und heißt so: Als die Elohim daran gehen wollten, den Menschen zu schaffen nach ihrem Bilde und Gleichnisse, da fragten die sogenannten Dienst-Engel der Elohim, also gewisse Geister von niedrigerer Art, als die Elohim selber sind, den Jahve oder Jehova: Warum sollen die Menschen nach dem Bilde und Gleichnisse des Gottes geschaffen werden? Da versammelte, so geht die Legende weiter, Jahve die Tiere und die Pflanzen, die hervorsprießen konnten schon zu einer Zeit, bevor noch der Mensch in seiner Erdengestalt vorhanden war, und dann versammelte Jahve oder Jehova auch die Engel, die sogenannten Dienst-Engel, das heißt diejenigen, die unmittelbar den Dienst bei Jahve oder Jehova verrichteten. Er zeigte diesen nun die Tiere und auch die Pflanzen und fragte sie, wie denn diese Pflanzen und diese Tiere heißen, was sie für Namen haben. Die Engel wußten nicht die Namen der Tiere und die Namen der Pflanzen. Da wurde geschaffen der Mensch so, wie er war vor dem Sündenfalle. Und wieder versammelte Jehova oder Jahve die Engel, die Tiere und die Pflanzen und fragte darauf vor den Engeln den Menschen, wie die Tiere, die er der Reihe nach vor dem Blicke des Menschen vorbeigehen ließ, hießen, welche Namen sie hätten, und siehe da, der Mensch konnte antworten: Dieses Tier trägt diesen Namen, jenes Tier jenen, diese Pflanze hat diesen Namen, jene Pflanze hat jenen. Und dann fragte Jehova den Menschen: Welches ist dein eigener Name? Da sagte der Mensch: Ich muß eigentlich Adam heißen. — Adam hängt zusammen mit Adama und heißt: aus Erdenschlamm, Erdenwesen; so ist Adam zu übersetzen. — Und wie soll ich selber heißen ? fragte dann Jehova den Menschen. Du sollst heißen Adonai, du bist der Herr aller auf der Erde geschaffenen Wesen, antwortete der Mensch, und die Engel hatten nun eine Ahnung, welcher Sinn verbunden war mit dem menschlichen Dasein auf Erden.

[ 5 ] Eine außerordentlich interessante Legende des hebräischen Altertums sagt uns, daß in diesem hebräischen Altertum ein Bewußtsein vorhanden war, daß diese bange Frage, die wir aufgeworfen haben über den Sinn des Lebens und namentlich über den Sinn des Menschen, eigentlich nicht nur den Menschen, sondern noch ganz anderen Wesen aufgeht. Diese Legende ist außerordentlich lehrreich und heißt so: Als die Elohim daran gehen wollten, den Menschen zu schaffen nach ihrem Bilde und Gleichnisse, da fragten die sogenannten Dienst-Engel der Elohim, also gewisse Geister von niedrigerer Art, als die Elohim selber sind, den Jahve oder Jehova: Warum sollen die Menschen nach dem Bilde und Gleichnisse des Gottes geschaffen werden? Da versammelte, so geht die Legende weiter, Jahve die Tiere und die Pflanzen, die hervorsprießen konnten schon zu einer Zeit, bevor noch der Mensch in seiner Erdengestalt vorhanden war, und dann versammelte Jahve oder Jehova auch die Engel, die sogenannten Dienst-Engel, das heißt diejenigen, die unmittelbar den Dienst bei Jahve oder Jehova verrichteten. Er zeigte diesen nun die Tiere und auch die Pflanzen und fragte sie, wie denn diese Pflanzen und diese Tiere heißen, was sie für Namen haben. Die Engel wußten nicht die Namen der Tiere und die Namen der Pflanzen. Da wurde geschaffen der Mensch so, wie er war vor dem Sündenfalle. Und wieder versammelte Jehova oder Jahve die Engel, die Tiere und die Pflanzen und fragte darauf vor den Engeln den Menschen, wie die Tiere, die er der Reihe nach vor dem Blicke des Menschen vorbeigehen ließ, hießen, welche Namen sie hätten, und siehe da, der Mensch konnte antworten: Dieses Tier trägt diesen Namen, jenes Tier jenen, diese Pflanze hat diesen Namen, jene Pflanze hat jenen. Und dann fragte Jehova den Menschen: Welches ist dein eigener Name? Da sagte der Mensch: Ich muß eigentlich Adam heißen. — Adam hängt zusammen mit Adama und heißt: aus Erdenschlamm, Erdenwesen; so ist Adam zu übersetzen. — Und wie soll ich selber heißen ? fragte dann Jehova den Menschen. Du sollst heißen Adonai, du bist der Herr aller auf der Erde geschaffenen Wesen, antwortete der Mensch, und die Engel hatten nun eine Ahnung, welcher Sinn verbunden war mit dem menschlichen Dasein auf Erden.

[ 6 ] Religiöse Überlieferungen und religiöse Ausdrücke stellen die wichtigsten Lebensrätsel oft sehr einfach dar, aber die Sache ist deshalb doch schwierig, weil wir erst hinter ihre Einfachheit kommen müssen, weil wir erst einsehen müssen, was dahintersteckt. Gelingt uns dies, dann enthüllen sich uns große Weistümer, dann enthüllt sich uns ein tiefes Wissen. So wird es wohl auch bei dieser Legende sein, die wir zunächst nur vor uns hinstellen wollen, denn die beiden Vorträge werden uns eine Art von Antwort auf die für uns in dieser Legende liegenden Fragen geben.

[ 6 ] Religiöse Überlieferungen und religiöse Ausdrücke stellen die wichtigsten Lebensrätsel oft sehr einfach dar, aber die Sache ist deshalb doch schwierig, weil wir erst hinter ihre Einfachheit kommen müssen, weil wir erst einsehen müssen, was dahintersteckt. Gelingt uns dies, dann enthüllen sich uns große Weistümer, dann enthüllt sich uns ein tiefes Wissen. So wird es wohl auch bei dieser Legende sein, die wir zunächst nur vor uns hinstellen wollen, denn die beiden Vorträge werden uns eine Art von Antwort auf die für uns in dieser Legende liegenden Fragen geben.

[ 7 ] Nun wissen Sie, daß in einer ganz grandiosen Form eine gewisse Religionsströmung die Frage nach dem Wert und Sinn des Daseins gestellt hat, indem sie ihrem eigenen Religionsstifter in einer überwältigend großen Form diese Frage in den Mund legte. Sie kennen sie alle, die Mitteilungen über den Buddha, welche besagen, daß, als er aus dem Palaste, in den er hineingeboren war, hinausging und ihm gezeigt worden sind die Ereignisse des Lebens, von denen er innerhalb seines Palastes in der in Betracht kommenden Inkarnation noch keine Ahnung hatte, er im tiefsten bestürzt war über das Leben und das Urteil fällte: Leben ist Leiden, das, wie wir wissen, in die vier Glieder zerfällt: Geburt ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Alter ist Leiden, Tod ist Leiden, wozu noch hinzugefügt wird: Vereint sein mit denjenigen, die man nicht liebt, ist Leiden, getrennt sein von denen, die man liebt, ist Leiden, nicht erreichen können, was man anstrebt, ist Leiden. — Dann wissen wir, daß der Sinn des Lebens innerhalb dieser Religionsgemeinschaft dadurch herauskommt, daß gesagt wird: Einen Sinn bekommt das Leben, das Leiden, nur dadurch, daß es überwunden wird, daß es über sich selbst hinausgeht.

[ 7 ] Nun wissen Sie, daß in einer ganz grandiosen Form eine gewisse Religionsströmung die Frage nach dem Wert und Sinn des Daseins gestellt hat, indem sie ihrem eigenen Religionsstifter in einer überwältigend großen Form diese Frage in den Mund legte. Sie kennen sie alle, die Mitteilungen über den Buddha, welche besagen, daß, als er aus dem Palaste, in den er hineingeboren war, hinausging und ihm gezeigt worden sind die Ereignisse des Lebens, von denen er innerhalb seines Palastes in der in Betracht kommenden Inkarnation noch keine Ahnung hatte, er im tiefsten bestürzt war über das Leben und das Urteil fällte: Leben ist Leiden, das, wie wir wissen, in die vier Glieder zerfällt: Geburt ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Alter ist Leiden, Tod ist Leiden, wozu noch hinzugefügt wird: Vereint sein mit denjenigen, die man nicht liebt, ist Leiden, getrennt sein von denen, die man liebt, ist Leiden, nicht erreichen können, was man anstrebt, ist Leiden. — Dann wissen wir, daß der Sinn des Lebens innerhalb dieser Religionsgemeinschaft dadurch herauskommt, daß gesagt wird: Einen Sinn bekommt das Leben, das Leiden, nur dadurch, daß es überwunden wird, daß es über sich selbst hinausgeht.

[ 8 ] Im Grunde genommen sind alle die verschiedenen Religionsbekenntnisse, auch alle Philosophien und Weltanschauungen, ein Versuch, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten. Nun werden wir nicht in einer philosophisch-abstrakten Weise an die Frage herangehen, sondern einstweilen in einer Art okkulter Form uns etwas vor Augen stellen von den Erscheinungen des Lebens, von den Tatsachen des Lebens. Wir werden versuchen, in diese Tatsachen etwas tiefer hineinzuschauen, um zu sehen, ob eine tiefere okkulte Lebensbetrachtung etwas liefert zur Beantwortung der Frage über den Sinn des Lebens.

[ 8 ] Im Grunde genommen sind alle die verschiedenen Religionsbekenntnisse, auch alle Philosophien und Weltanschauungen, ein Versuch, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten. Nun werden wir nicht in einer philosophisch-abstrakten Weise an die Frage herangehen, sondern einstweilen in einer Art okkulter Form uns etwas vor Augen stellen von den Erscheinungen des Lebens, von den Tatsachen des Lebens. Wir werden versuchen, in diese Tatsachen etwas tiefer hineinzuschauen, um zu sehen, ob eine tiefere okkulte Lebensbetrachtung etwas liefert zur Beantwortung der Frage über den Sinn des Lebens.

[ 9 ] Greifen wir die Sache wieder da auf, wo wir schon hingedeutet haben auf das jährliche Entstehen und Vergehen in der sinnenfälligen Natur, auf das Leben, auf das Entstehen und Vergehen in der Pflanzenwelt. Der Mensch sieht im Frühling aus der Erde heraussprießen die Pflanzen. Was da aus der Erde heraussprießt und sproßt, erweckt seine Freude, erweckt seine Lust. Er wird gewahr, daß sein ganzes Dasein zusammenhängt mit der Pflanzenwelt, denn ohne sie könnte er nicht da sein. So fühlt er, wie das, was gegen den Sommer hin aus der Erde alles herauskommt, mit seinem eigenen Leben zusammenhängt. Er fühlt dann auch, daß im Herbste das, was in gewisser Weise zu ihm gehört, wieder vergeht.

[ 9 ] Greifen wir die Sache wieder da auf, wo wir schon hingedeutet haben auf das jährliche Entstehen und Vergehen in der sinnenfälligen Natur, auf das Leben, auf das Entstehen und Vergehen in der Pflanzenwelt. Der Mensch sieht im Frühling aus der Erde heraussprießen die Pflanzen. Was da aus der Erde heraussprießt und sproßt, erweckt seine Freude, erweckt seine Lust. Er wird gewahr, daß sein ganzes Dasein zusammenhängt mit der Pflanzenwelt, denn ohne sie könnte er nicht da sein. So fühlt er, wie das, was gegen den Sommer hin aus der Erde alles herauskommt, mit seinem eigenen Leben zusammenhängt. Er fühlt dann auch, daß im Herbste das, was in gewisser Weise zu ihm gehört, wieder vergeht.

[ 10 ] Es liegt nahe, daß der Mensch das, was er da entstehen und vergehen sieht, mit seinem eigenen Leben vergleicht. Da ist es für eine äußere, rein sinnenfällige und verstandesmäßige Beobachtung auch recht naheliegend, das frühlingsmäßige Hervorgehen der Pflanzen aus der Erde zu vergleichen, sagen wir, mit dem Aufwachen des Menschen am Morgen, und das Hinwelken und Vergehen der Pflanzenwelt im Herbste zu vergleichen mit dem Einschlafen des Menschen am Abend. Aber ein solcher Vergleich wäre ganz äußerlich. Er würde außer acht lassen die eigentlichen Ereignisse, in die wir schon durch die elementaren Wahrheiten des Okkultismus eindringen können. Was geschieht, wenn wir des Abends einschlafen? Wir wissen, wir lassen im Bette zurück unseren physischen Leib und unseren Ätherleib. Mit unserem Astralleibe und unserem Ich ziehen wir uns aus unserem physischen Leibe und unserem Ätherleibe heraus. Wir sind dann mit unserem Astralleibe und unserem Ich während der Nacht, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, in einer geistigen Welt. Wir holen uns aus dieser geistigen Welt die Kräfte, die wir brauchen. Aber nicht nur unser Astralleib und unser Ich, sondern auch unser physischer Leib und unser ÄAtherleib machen eine Art Wiederherstellung, eine Art Regeneration durch während des nächtlichen Schlafes, wo sie gewöhnlich, vom Astralleibe und Ich getrennt, im Bette liegen.

[ 10 ] Es liegt nahe, daß der Mensch das, was er da entstehen und vergehen sieht, mit seinem eigenen Leben vergleicht. Da ist es für eine äußere, rein sinnenfällige und verstandesmäßige Beobachtung auch recht naheliegend, das frühlingsmäßige Hervorgehen der Pflanzen aus der Erde zu vergleichen, sagen wir, mit dem Aufwachen des Menschen am Morgen, und das Hinwelken und Vergehen der Pflanzenwelt im Herbste zu vergleichen mit dem Einschlafen des Menschen am Abend. Aber ein solcher Vergleich wäre ganz äußerlich. Er würde außer acht lassen die eigentlichen Ereignisse, in die wir schon durch die elementaren Wahrheiten des Okkultismus eindringen können. Was geschieht, wenn wir des Abends einschlafen? Wir wissen, wir lassen im Bette zurück unseren physischen Leib und unseren Ätherleib. Mit unserem Astralleibe und unserem Ich ziehen wir uns aus unserem physischen Leibe und unserem Ätherleibe heraus. Wir sind dann mit unserem Astralleibe und unserem Ich während der Nacht, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, in einer geistigen Welt. Wir holen uns aus dieser geistigen Welt die Kräfte, die wir brauchen. Aber nicht nur unser Astralleib und unser Ich, sondern auch unser physischer Leib und unser ÄAtherleib machen eine Art Wiederherstellung, eine Art Regeneration durch während des nächtlichen Schlafes, wo sie gewöhnlich, vom Astralleibe und Ich getrennt, im Bette liegen.

[ 11 ] Wenn man hellseherisch herabblickt vom Ich und dem Astralleib auf den Äther- und physischen Leib, so sieht man, was durch unser Tagesleben zerstört worden ist, sieht, wie das, was sich da in der Ermüdung ausdrückt, als Zerstörung vorhanden ist und während der Nacht wiederhergestellt wird. In der Tat, das ganze bewußte Leben des Tages, wenn wir es ins Auge fassen in seinem Zusammenhang mit dem menschlichen Bewußtsein und in seinem Verhältnis zum physischen und Ätherleib, ist eine Art Zerstörungsprozeß für den physischen und Ätherleib. Wir zerstören damit immer etwas, und die Tatsache, daß wir zerstören, drückt sich in der Ermüdung aus. Das Zerstörte wird in der Nacht dann wiederhergestellt.

[ 11 ] Wenn man hellseherisch herabblickt vom Ich und dem Astralleib auf den Äther- und physischen Leib, so sieht man, was durch unser Tagesleben zerstört worden ist, sieht, wie das, was sich da in der Ermüdung ausdrückt, als Zerstörung vorhanden ist und während der Nacht wiederhergestellt wird. In der Tat, das ganze bewußte Leben des Tages, wenn wir es ins Auge fassen in seinem Zusammenhang mit dem menschlichen Bewußtsein und in seinem Verhältnis zum physischen und Ätherleib, ist eine Art Zerstörungsprozeß für den physischen und Ätherleib. Wir zerstören damit immer etwas, und die Tatsache, daß wir zerstören, drückt sich in der Ermüdung aus. Das Zerstörte wird in der Nacht dann wiederhergestellt.

[ 12 ] Wenn man nun hinschaut auf das, was da geschieht, wenn wir uns mit dem Astralleibe und Ich herausgehoben haben aus dem Äther- und physischen Leibe, dann ist es so, wie wenn wir ein verwüstetes Feld zurückgelassen hätten. In dem Augenblicke aber, wo wir draußen sind aus dem physischen und Ätherleibe, fängt es an, sich nach und nach wiederherzustellen. Da ist es so, wie wenn die Kräfte, die dem physischen und Ätherleibe angehören, anfangen würden zu blühen und zu sprossen, wie wenn eine ganze Vegetation auf dem Grunde der Zerstörung sich erheben würde. Je weiter es in die Nacht hineingeht, je länger der Schlaf dauert, desto mehr sproßt und sprießt es da im Ätherleibe auf. Je mehr es gegen den Morgen zu geht, je mehr wir mit unserem Astralleibe wieder hineingehen in den physischen und Ätherleib, desto mehr beginnt wieder mit dem physischen und Ätherleibe eine Art Verwelken, eine Art Verdorren.

[ 12 ] Wenn man nun hinschaut auf das, was da geschieht, wenn wir uns mit dem Astralleibe und Ich herausgehoben haben aus dem Äther- und physischen Leibe, dann ist es so, wie wenn wir ein verwüstetes Feld zurückgelassen hätten. In dem Augenblicke aber, wo wir draußen sind aus dem physischen und Ätherleibe, fängt es an, sich nach und nach wiederherzustellen. Da ist es so, wie wenn die Kräfte, die dem physischen und Ätherleibe angehören, anfangen würden zu blühen und zu sprossen, wie wenn eine ganze Vegetation auf dem Grunde der Zerstörung sich erheben würde. Je weiter es in die Nacht hineingeht, je länger der Schlaf dauert, desto mehr sproßt und sprießt es da im Ätherleibe auf. Je mehr es gegen den Morgen zu geht, je mehr wir mit unserem Astralleibe wieder hineingehen in den physischen und Ätherleib, desto mehr beginnt wieder mit dem physischen und Ätherleibe eine Art Verwelken, eine Art Verdorren.

[ 13 ] Kurz, wenn das Ich und der Astralleib am Abend beim Einschlafen des Menschen aus der geistigen Welt herabschauen auf den physischen und Ätherleib, dann sehen sie dieselbe Erscheinung, wie man sie in der großen Welt draußen sieht, wenn die Pflanzen sprossen und sprießen im Frühlinge. Wir müssen daher, wenn wir innerlich vergleichen, unser Einschlafen und den Beginn des Schlafzustandes in der Nacht in Wahrheit vergleichen mit dem Frühling in der Natur, und die Zeit des Aufwachens, die Zeit des Wiederhineinlebens des Ichs und des astralischen Leibes in den physischen und Ätherleib vergleichen mit dem, was der Herbst draußen in der Natur ist. Vergleichen wir so, dann vergleichen wir richtig, nicht aber, wenn wir in umgekehrter Weise vergleichen. Umgekehrt vergleichen wir äußerlich. In uns selbst entspricht der Frühling dem Einschlafen und der Herbst dem Aufwachen. Wie stellt sich nun die Sache dar, wenn der okkulte Beobachter, derjenige, der wirklich in die geistige Welt sehen kann, den Blick richtet auf die äußere Natur, wie sie verläuft im Laufe des Jahres? Was sich für einen solchen okkulten Blick ergibt, das lehrt uns, daß wir nicht äußerlich, sondern innerlich vergleichen müssen. Was uns die okkulte Beobachtung zeigt, das lehrt uns, daß ebenso, wie mit dem physischen und Ätherleibe des Menschen verbunden sind der Astralleib und das Ich, mit der Erde verbunden ist dasjenige, was wir das Geistige der Erde nennen. Die Erde ist gleichsam auch ein Leib, ein weit ausgedehnter Leib. Wenn wir sie nur betrachten in bezug auf ihr Physisches, so ist das so, wie wenn wir den Menschen nur in bezug auf das Physische betrachten würden. Vollständig betrachten wir die Erde, wenn wir sie betrachten als den Leib von geistigen Wesenheiten, in derselben Weise, wie wir auch beim Menschen den Geist als zu dem Leibe gehörig betrachten. Ein Unterschied ist jedoch da. Der Mensch hat ein einheitliches Wesen, das seinen physischen und ätherischen Leib beherrscht. Ein einheitliches Seelisch-Geistiges entspricht dem, was physischer Menschenleib und ätherischer Menschenleib ist. Viele Geister zunächst entsprechen aber dem Erdenleibe. Was also beim Menschen eine Einheit ist mit Bezug auf das GeistigSeelische, bei der Erde ist es eine Vielheit. Das ist der nächste Unterschied.

[ 13 ] Kurz, wenn das Ich und der Astralleib am Abend beim Einschlafen des Menschen aus der geistigen Welt herabschauen auf den physischen und Ätherleib, dann sehen sie dieselbe Erscheinung, wie man sie in der großen Welt draußen sieht, wenn die Pflanzen sprossen und sprießen im Frühlinge. Wir müssen daher, wenn wir innerlich vergleichen, unser Einschlafen und den Beginn des Schlafzustandes in der Nacht in Wahrheit vergleichen mit dem Frühling in der Natur, und die Zeit des Aufwachens, die Zeit des Wiederhineinlebens des Ichs und des astralischen Leibes in den physischen und Ätherleib vergleichen mit dem, was der Herbst draußen in der Natur ist. Vergleichen wir so, dann vergleichen wir richtig, nicht aber, wenn wir in umgekehrter Weise vergleichen. Umgekehrt vergleichen wir äußerlich. In uns selbst entspricht der Frühling dem Einschlafen und der Herbst dem Aufwachen. Wie stellt sich nun die Sache dar, wenn der okkulte Beobachter, derjenige, der wirklich in die geistige Welt sehen kann, den Blick richtet auf die äußere Natur, wie sie verläuft im Laufe des Jahres? Was sich für einen solchen okkulten Blick ergibt, das lehrt uns, daß wir nicht äußerlich, sondern innerlich vergleichen müssen. Was uns die okkulte Beobachtung zeigt, das lehrt uns, daß ebenso, wie mit dem physischen und Ätherleibe des Menschen verbunden sind der Astralleib und das Ich, mit der Erde verbunden ist dasjenige, was wir das Geistige der Erde nennen. Die Erde ist gleichsam auch ein Leib, ein weit ausgedehnter Leib. Wenn wir sie nur betrachten in bezug auf ihr Physisches, so ist das so, wie wenn wir den Menschen nur in bezug auf das Physische betrachten würden. Vollständig betrachten wir die Erde, wenn wir sie betrachten als den Leib von geistigen Wesenheiten, in derselben Weise, wie wir auch beim Menschen den Geist als zu dem Leibe gehörig betrachten. Ein Unterschied ist jedoch da. Der Mensch hat ein einheitliches Wesen, das seinen physischen und ätherischen Leib beherrscht. Ein einheitliches Seelisch-Geistiges entspricht dem, was physischer Menschenleib und ätherischer Menschenleib ist. Viele Geister zunächst entsprechen aber dem Erdenleibe. Was also beim Menschen eine Einheit ist mit Bezug auf das GeistigSeelische, bei der Erde ist es eine Vielheit. Das ist der nächste Unterschied.

[ 14 ] Wenn wir diesen Unterschied hinnehmen, dann ist gleich darauf alles übrige in gewisser Beziehung ähnlich. Für den okkulten Blick zeigt es sich im Frühling so, daß in demselben Maße, in dem die Pflanzen aus der Erde herauskommen, in dem das Grün hervorsprießt, diejenigen Geister, die wir als die Erdengeister bezeichnen, von der Erde fortgehen. Nur ist es dabei wieder so, daß sie nicht wie beim Menschen absolut fortgehen, sondern sie lagern sich in gewisser Weise in der Erde um, sie gehen auf die andere Seite der Erde. Wenn auf der einen Halbkugel der Erde Sommer ist, ist auf der anderen Winter. Bei der Erde geschieht das so, daß dasjenige, was ihr Geistig-Seelisches ist, von der nördlichen Halbkugel zur südlichen bewegt wird, wenn auf der nördlichen Halbkugel Sommer wird. Das ändert daran nichts, daß der okkulte Blick für den Menschen, der auf irgendeinem Teil der Erde den Frühling erlebt, sieht, daß die Geister der Erde fortgehen. Er sieht, wie sie sich erheben und hinausgehen ins weite Weltall. Er sieht sie nicht hinübergehen, sondern fortgehen, ebenso wie er, wenn der Mensch einschläft, das Ich mit dem Astralleibe fortgehen sieht. Und ebenso sieht der Hellseher fortgehen die Geister der Erde von dem, womit sie verbunden waren. Während des Winters, als die Erde mit Eis und Schnee bedeckt war, da waren die Kräfte eben mit der Erde in Verbindung. Das Umgekehrte ist der Fall im Herbste. Da sieht der okkulte Blick herankommen die Erdengeister, sieht, wie sie sich wieder mit der Erde verbinden. Und in der Tat tritt dann für die Erde etwas Ähnliches ein wie beim Menschen: eine Art Selbstbewußtsein. Während des Sommers weiß der geistige Teil der Erde nichts von dem, was um ihn herum im Weltall vorgeht. Aber im Winter weiß der Geist der Erde, was im Weltall rings um ihn vorgeht, so wie der Mensch, wenn er aufwacht, dasjenige weiß und schaut, was um ihn herum vorgeht. So gilt die Analogie vollständig, nur muß sie umgekehrt gemacht werden als das äußerliche Bewußtsein sie macht.

[ 14 ] Wenn wir diesen Unterschied hinnehmen, dann ist gleich darauf alles übrige in gewisser Beziehung ähnlich. Für den okkulten Blick zeigt es sich im Frühling so, daß in demselben Maße, in dem die Pflanzen aus der Erde herauskommen, in dem das Grün hervorsprießt, diejenigen Geister, die wir als die Erdengeister bezeichnen, von der Erde fortgehen. Nur ist es dabei wieder so, daß sie nicht wie beim Menschen absolut fortgehen, sondern sie lagern sich in gewisser Weise in der Erde um, sie gehen auf die andere Seite der Erde. Wenn auf der einen Halbkugel der Erde Sommer ist, ist auf der anderen Winter. Bei der Erde geschieht das so, daß dasjenige, was ihr Geistig-Seelisches ist, von der nördlichen Halbkugel zur südlichen bewegt wird, wenn auf der nördlichen Halbkugel Sommer wird. Das ändert daran nichts, daß der okkulte Blick für den Menschen, der auf irgendeinem Teil der Erde den Frühling erlebt, sieht, daß die Geister der Erde fortgehen. Er sieht, wie sie sich erheben und hinausgehen ins weite Weltall. Er sieht sie nicht hinübergehen, sondern fortgehen, ebenso wie er, wenn der Mensch einschläft, das Ich mit dem Astralleibe fortgehen sieht. Und ebenso sieht der Hellseher fortgehen die Geister der Erde von dem, womit sie verbunden waren. Während des Winters, als die Erde mit Eis und Schnee bedeckt war, da waren die Kräfte eben mit der Erde in Verbindung. Das Umgekehrte ist der Fall im Herbste. Da sieht der okkulte Blick herankommen die Erdengeister, sieht, wie sie sich wieder mit der Erde verbinden. Und in der Tat tritt dann für die Erde etwas Ähnliches ein wie beim Menschen: eine Art Selbstbewußtsein. Während des Sommers weiß der geistige Teil der Erde nichts von dem, was um ihn herum im Weltall vorgeht. Aber im Winter weiß der Geist der Erde, was im Weltall rings um ihn vorgeht, so wie der Mensch, wenn er aufwacht, dasjenige weiß und schaut, was um ihn herum vorgeht. So gilt die Analogie vollständig, nur muß sie umgekehrt gemacht werden als das äußerliche Bewußtsein sie macht.

[ 15 ] Wenn wir allerdings die Sache ganz vollständig betrachten wollen, so dürfen wir nicht nur sagen: Wenn im Frühling aus der Erde heraussprießen und -sprossen die Pflanzen, dann gehen die Erdengeister fort, denn mit den heraussprießenden und -sprossenden Pflanzen kommen in der Tat andere, mächtigere Geister heraus, wie aus den Untergründen der Erde, wie aus den Tiefen der Erde, wie aus dem Innern der Erde. Deshalb haben die alten Mythologien recht gehabt, wenn sie zwischen oberen und unteren Göttern unterschieden haben. Nur wenn der Mensch von solchen Göttern gesprochen hat, die im Frühling fortgehen, im Herbst wiederkommen, sprach er von den oberen Göttern. Es gab mächtigere Götter, ältere Götter. Die Griechen rechneten sie zu den chthonischen Göttern. Die kommen herauf, wenn im Sommer alles sprießt und sproßt, und sie senken sich wieder hinunter, wenn während des Winters die eigentlichen Erdengeister sich mit dem Leibe der Erde vereinigen.

[ 15 ] Wenn wir allerdings die Sache ganz vollständig betrachten wollen, so dürfen wir nicht nur sagen: Wenn im Frühling aus der Erde heraussprießen und -sprossen die Pflanzen, dann gehen die Erdengeister fort, denn mit den heraussprießenden und -sprossenden Pflanzen kommen in der Tat andere, mächtigere Geister heraus, wie aus den Untergründen der Erde, wie aus den Tiefen der Erde, wie aus dem Innern der Erde. Deshalb haben die alten Mythologien recht gehabt, wenn sie zwischen oberen und unteren Göttern unterschieden haben. Nur wenn der Mensch von solchen Göttern gesprochen hat, die im Frühling fortgehen, im Herbst wiederkommen, sprach er von den oberen Göttern. Es gab mächtigere Götter, ältere Götter. Die Griechen rechneten sie zu den chthonischen Göttern. Die kommen herauf, wenn im Sommer alles sprießt und sproßt, und sie senken sich wieder hinunter, wenn während des Winters die eigentlichen Erdengeister sich mit dem Leibe der Erde vereinigen.

[ 16 ] Das sind die Tatsachen. Nun möchte ich gleich hier bemerken, daß ein gewisser Gedanke, der aus der Natur- und okkulten Forschung genommen ist, von ungeheurer Bedeutung ist für das menschliche Leben. Durch diese Forschung zeigt sich ja, daß wir im Grunde genommen wirklich, wenn wir den einzelnen Menschen betrachten, etwas vor uns haben wie ein Abbild des großen Erdenwesens selber. Und was sehen wir, wenn wir den Blick hinrichten auf die Pflanzen, die anfangen zu sprossen und sprießen? Da sehen wir genau dasselbe, was der Mensch tut, wenn er in sich lebt im Schlafen. Wir haben genau gesehen, daß das eine vollständig dem andern entspricht. Wie die einzelnen Pflanzen zu dem Menschenleibe stehen, was sie für das Menschenleben bedeuten, das kann man nur erkennen, wenn man einen solchen Zusammenhang überschaut. Denn es ist in der Tat wahr, daß man sieht, wenn man genau zuschaut, wie beim Einschlafen des Menschen in seinem physischen und ätherischen Leibe alles aufsprießt und sproßt, daß man sieht, wie da eine ganze Vegetation beginnt, sieht, wie der Mensch eigentlich ein Baum ist, oder ein Garten, in dem die Pflanzen wachsen.

[ 16 ] Das sind die Tatsachen. Nun möchte ich gleich hier bemerken, daß ein gewisser Gedanke, der aus der Natur- und okkulten Forschung genommen ist, von ungeheurer Bedeutung ist für das menschliche Leben. Durch diese Forschung zeigt sich ja, daß wir im Grunde genommen wirklich, wenn wir den einzelnen Menschen betrachten, etwas vor uns haben wie ein Abbild des großen Erdenwesens selber. Und was sehen wir, wenn wir den Blick hinrichten auf die Pflanzen, die anfangen zu sprossen und sprießen? Da sehen wir genau dasselbe, was der Mensch tut, wenn er in sich lebt im Schlafen. Wir haben genau gesehen, daß das eine vollständig dem andern entspricht. Wie die einzelnen Pflanzen zu dem Menschenleibe stehen, was sie für das Menschenleben bedeuten, das kann man nur erkennen, wenn man einen solchen Zusammenhang überschaut. Denn es ist in der Tat wahr, daß man sieht, wenn man genau zuschaut, wie beim Einschlafen des Menschen in seinem physischen und ätherischen Leibe alles aufsprießt und sproßt, daß man sieht, wie da eine ganze Vegetation beginnt, sieht, wie der Mensch eigentlich ein Baum ist, oder ein Garten, in dem die Pflanzen wachsen.

[ 17 ] Wer das mit okkultem Blick verfolgt, sieht, wie das Sprießen und Sprossen im Innern der Menschen entspricht dem, was draußen in der Natur sprießt und sproßt. Und so können Sie sich einen Begriff machen, was da werden kann, wenn man in Zukunft einmal die Geisteswissenschaft, die man heute noch größtenteils als eine Narretei ansieht, aufs Leben anwenden wird, wenn man sie fruchtbar machen wird. Da haben wir zum Beispiel einen Menschen, dem dieses oder jenes fehlt in seinen äußeren Tatsachen des Lebens. Beobachten wir nun einmal, wenn dieser Mensch einschläft, welche Pflanzenarten ausbleiben, wenn sein physischer und sein Ätherleib ihre Vegetation zu entwickeln beginnen. Sehen wir, daß auf der Erde an einer Stelle ganze Pflanzengattungen nicht hervorkommen, so wissen wir, daß da etwas nicht ganz stimmt mit dem Wesen der Erde. Ebenso ist es auch mit dem Fortbleiben gewisser Pflanzen im physischen und Ätherleib des Menschen. Um den Fehler beim Menschen nun gutzumachen, brauchen wir nur auf der Erde aufzusuchen die in dem betreffenden Menschen fehlenden Pflanzen und deren Säfte in entsprechender Weise anzuwenden, entweder in diätetischer Form oder als Arzneimittel, und wir werden dann, aus deren inneren Kräften, die Beziehung von Arznei und Krankheit finden. Daran können wir sehen, wie eingreifen wird Geisteswissenschaft in das unmittelbare Leben. Wir stehen aber erst am Anfange dieser Sache.

[ 17 ] Wer das mit okkultem Blick verfolgt, sieht, wie das Sprießen und Sprossen im Innern der Menschen entspricht dem, was draußen in der Natur sprießt und sproßt. Und so können Sie sich einen Begriff machen, was da werden kann, wenn man in Zukunft einmal die Geisteswissenschaft, die man heute noch größtenteils als eine Narretei ansieht, aufs Leben anwenden wird, wenn man sie fruchtbar machen wird. Da haben wir zum Beispiel einen Menschen, dem dieses oder jenes fehlt in seinen äußeren Tatsachen des Lebens. Beobachten wir nun einmal, wenn dieser Mensch einschläft, welche Pflanzenarten ausbleiben, wenn sein physischer und sein Ätherleib ihre Vegetation zu entwickeln beginnen. Sehen wir, daß auf der Erde an einer Stelle ganze Pflanzengattungen nicht hervorkommen, so wissen wir, daß da etwas nicht ganz stimmt mit dem Wesen der Erde. Ebenso ist es auch mit dem Fortbleiben gewisser Pflanzen im physischen und Ätherleib des Menschen. Um den Fehler beim Menschen nun gutzumachen, brauchen wir nur auf der Erde aufzusuchen die in dem betreffenden Menschen fehlenden Pflanzen und deren Säfte in entsprechender Weise anzuwenden, entweder in diätetischer Form oder als Arzneimittel, und wir werden dann, aus deren inneren Kräften, die Beziehung von Arznei und Krankheit finden. Daran können wir sehen, wie eingreifen wird Geisteswissenschaft in das unmittelbare Leben. Wir stehen aber erst am Anfange dieser Sache.

[ 18 ] Damit habe ich Ihnen in einem Gleichnis eine Art Naturgedanken gegeben über den Zusammenhang des Menschen und die Beziehung seines ganzen Wesens zu der Umgebung, in der er ja mit seinem Wesen selber darinnensteckt.

[ 18 ] Damit habe ich Ihnen in einem Gleichnis eine Art Naturgedanken gegeben über den Zusammenhang des Menschen und die Beziehung seines ganzen Wesens zu der Umgebung, in der er ja mit seinem Wesen selber darinnensteckt.

[ 19 ] Wir wollen jetzt einmal auf einem geistigen Gebiet die Sache ins Auge fassen. Da möchte ich gleich aufmerksam machen auf eine Sache, die außerordentlich wichtig ist, nämlich, daß unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung, indem sie den Blick vom Standpunkte des Okkultismus schweifen läßt über die Menschheitsentwickelung, um den Sinn des Daseins zu entziffern, nicht etwa irgendeinem Bekenntnisse, irgendeiner Weltanschauung einen äußerlichen Vorzug gibt vor irgendeinem anderen Bekenntnisse, vor irgendeiner anderen Weltanschauung. Wie oft ist es betont worden innerhalb unserer okkulten Strömung, daß wir hinweisen können auf dasjenige, was die Erdenmenschheit entwickelt und erlebt hat, unmittelbar nachdem die große atlantische Katastrophe über die Erde hereingebrochen war. Da erlebten wir als erste große nachatlantische Kultur die uralt-heilige indische Kultur. Auch hier, an diesem Orte, haben wir schon über diese uralt-heilige indische Kultur gesprochen und betont, daß es eine so hohe Kultur war, daß es nur ein Nachklang ist, was in den Veden oder schriftlichen Überlieferungen, die auf uns gekommen sind, noch davon vorhanden ist. Die uralte Lehre, die hervorgegangen ist aus jener Zeit, ist nur in der Akasha-Chronik zu erblicken. Da blicken wir auf eine Höhe der Kultur, die seither nicht wieder erklommen worden ist.

[ 19 ] Wir wollen jetzt einmal auf einem geistigen Gebiet die Sache ins Auge fassen. Da möchte ich gleich aufmerksam machen auf eine Sache, die außerordentlich wichtig ist, nämlich, daß unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung, indem sie den Blick vom Standpunkte des Okkultismus schweifen läßt über die Menschheitsentwickelung, um den Sinn des Daseins zu entziffern, nicht etwa irgendeinem Bekenntnisse, irgendeiner Weltanschauung einen äußerlichen Vorzug gibt vor irgendeinem anderen Bekenntnisse, vor irgendeiner anderen Weltanschauung. Wie oft ist es betont worden innerhalb unserer okkulten Strömung, daß wir hinweisen können auf dasjenige, was die Erdenmenschheit entwickelt und erlebt hat, unmittelbar nachdem die große atlantische Katastrophe über die Erde hereingebrochen war. Da erlebten wir als erste große nachatlantische Kultur die uralt-heilige indische Kultur. Auch hier, an diesem Orte, haben wir schon über diese uralt-heilige indische Kultur gesprochen und betont, daß es eine so hohe Kultur war, daß es nur ein Nachklang ist, was in den Veden oder schriftlichen Überlieferungen, die auf uns gekommen sind, noch davon vorhanden ist. Die uralte Lehre, die hervorgegangen ist aus jener Zeit, ist nur in der Akasha-Chronik zu erblicken. Da blicken wir auf eine Höhe der Kultur, die seither nicht wieder erklommen worden ist.

[ 20 ] Die späteren Epochen hatten eine ganz andere Aufgabe. Wir wissen auch, daß ein Hinunterstieg stattgefunden hat seit jenen Zeiten. Wir wissen aber auch, daß wieder ein Aufstieg stattfinden wird und daß, wie wir schon bemerkt haben, Geisteswissenschaft dazu da ist, diesen Aufstieg vorzubereiten. Wir wissen, daß im siebenten nachatlantischen Kulturzeitraum eine Art Erneuerung der uralt-heiligen indischen Kultur da sein wird. So ist es also, daß wir nicht einen Vorzug geben irgendeiner religiösen Anschauung oder irgendeinem Bekenntnis. Mit gleichem Maße werden sie gemessen, überall werden sie charakterisiert, überall wird der Wahrheitskern gesucht.

[ 20 ] Die späteren Epochen hatten eine ganz andere Aufgabe. Wir wissen auch, daß ein Hinunterstieg stattgefunden hat seit jenen Zeiten. Wir wissen aber auch, daß wieder ein Aufstieg stattfinden wird und daß, wie wir schon bemerkt haben, Geisteswissenschaft dazu da ist, diesen Aufstieg vorzubereiten. Wir wissen, daß im siebenten nachatlantischen Kulturzeitraum eine Art Erneuerung der uralt-heiligen indischen Kultur da sein wird. So ist es also, daß wir nicht einen Vorzug geben irgendeiner religiösen Anschauung oder irgendeinem Bekenntnis. Mit gleichem Maße werden sie gemessen, überall werden sie charakterisiert, überall wird der Wahrheitskern gesucht.

[ 21 ] Das aber, worauf es ankommt, ist, daß wir das Wesenhafte ins Auge fassen. Wir dürfen uns nicht beirren lassen in der Betrachtung über das Wesen jedes einzelnen Religionsbekenntnisses, und wenn wir so an die Weltanschauungen herangehen, dann finden wir einen Grundunterschied. Wir finden Weltanschauungen, die mehr orientalisierender Art sind, und solche, die mehr die Kultur des Abendlandes durchdrungen haben. Wenn wir uns nun dies besonders klarmachen, dann haben wir etwas, was uns große Aufschlüsse gibt über den Sinn des Daseins. Da finden wir, daß die Alten schon etwas hatten, was wir uns jetzt erst wieder mit Mühe erobern müssen, nämlich die Lehre von der Wiederkunft des Lebens. Die orientalisierenden Richtungen hatten das wie etwas, was aus den tiefsten Gründen des Lebens heraufstieg. Sie sehen noch, wie diese orientalisierenden Richtungen ihr ganzes Leben von diesem Gesichtspunkte aus gestalten, wenn Sie das Verhältnis des orientalischen Menschen zu seinen Bodhisattvas und seinen Buddhas ins Auge fassen. Wenn Sie ins Auge fassen, wie es dem Orientalen weniger darauf ankommt, eine einzige Gestalt herauszunehmen mit diesem oder jenem bestimmten Namen als die regierende Macht der Menschheitsentwickelung, so sehen Sie zugleich, wieviel mehr es ihm darauf ankommt, die durch die verschiedenen Leben hindurchgehende Individualität zu verfolgen.

[ 21 ] Das aber, worauf es ankommt, ist, daß wir das Wesenhafte ins Auge fassen. Wir dürfen uns nicht beirren lassen in der Betrachtung über das Wesen jedes einzelnen Religionsbekenntnisses, und wenn wir so an die Weltanschauungen herangehen, dann finden wir einen Grundunterschied. Wir finden Weltanschauungen, die mehr orientalisierender Art sind, und solche, die mehr die Kultur des Abendlandes durchdrungen haben. Wenn wir uns nun dies besonders klarmachen, dann haben wir etwas, was uns große Aufschlüsse gibt über den Sinn des Daseins. Da finden wir, daß die Alten schon etwas hatten, was wir uns jetzt erst wieder mit Mühe erobern müssen, nämlich die Lehre von der Wiederkunft des Lebens. Die orientalisierenden Richtungen hatten das wie etwas, was aus den tiefsten Gründen des Lebens heraufstieg. Sie sehen noch, wie diese orientalisierenden Richtungen ihr ganzes Leben von diesem Gesichtspunkte aus gestalten, wenn Sie das Verhältnis des orientalischen Menschen zu seinen Bodhisattvas und seinen Buddhas ins Auge fassen. Wenn Sie ins Auge fassen, wie es dem Orientalen weniger darauf ankommt, eine einzige Gestalt herauszunehmen mit diesem oder jenem bestimmten Namen als die regierende Macht der Menschheitsentwickelung, so sehen Sie zugleich, wieviel mehr es ihm darauf ankommt, die durch die verschiedenen Leben hindurchgehende Individualität zu verfolgen.

[ 22 ] Die Orientalisten sagen, es gibt soundsoviele Bodhisattvas, hohe Wesenheiten, die ausgegangen sind von dem Menschen, aber sich nach und nach hinaufentwickelt haben zu jener Höhe, welche wir damit bezeichnen, daß wir sagen: Fine Wesenheit ist durch viele Inkarnationen gegangen und ist dann zu einem Bodhisattva geworden, wie Gautama, der Sohn des Königs Sudhodana, es getan hat. Er war Bodhisattva und wurde Buddha. Der Name Buddha aber wird vielen gegeben dafür, daß sie durch viele Verkörperungen hindurchgegangen, Bodhisattva geworden und dann zur nächsthöheren Würde, zur Buddhawürde, aufgestiegen sind. Der Name Buddha ist ein Generalname. Er gibt eine menschliche Würde an und ist nicht zu denken, ohne daß man auf das Geistig-Seelische blickt, das durch viele Inkarnationen hindurch geht. In dieser Beziehung stimmt der Brahmanismus mit dem Buddhismus völlig überein, daß er den Blick hauptsächlich richtet auf das Individuelle, das durchgeht durch die verschiedenen Persönlichkeiten, und weniger auf die einzelnen Persönlichkeiten, denn es kommt auf dasselbe heraus, wenn der Buddhist sagt: Ein Bodhisattva ist dazu bestimmt, zu der höchsten menschlichen Würde aufzusteigen, zu der man aufsteigen kann, und dazu muß er durch viele Inkarnationen hindurchgehen, das Höchste aber sehe ich in dem Buddha — oder ob der Anhänger des Brahmanentums sagt: Die Bodhisattvas sind in der Tat hochentwickelte Wesen und steigen dann zu den Buddhas auf, aber sie sind von den Avataren, den höheren geistigen Individualitäten, ausgegangen. Sie sehen, die Betrachtung des Geistigen, das da durchgeht durch viele Inkarnationen, ist etwas, das diesen beiden orientalischen Anschauungen eigen ist.

[ 22 ] Die Orientalisten sagen, es gibt soundsoviele Bodhisattvas, hohe Wesenheiten, die ausgegangen sind von dem Menschen, aber sich nach und nach hinaufentwickelt haben zu jener Höhe, welche wir damit bezeichnen, daß wir sagen: Fine Wesenheit ist durch viele Inkarnationen gegangen und ist dann zu einem Bodhisattva geworden, wie Gautama, der Sohn des Königs Sudhodana, es getan hat. Er war Bodhisattva und wurde Buddha. Der Name Buddha aber wird vielen gegeben dafür, daß sie durch viele Verkörperungen hindurchgegangen, Bodhisattva geworden und dann zur nächsthöheren Würde, zur Buddhawürde, aufgestiegen sind. Der Name Buddha ist ein Generalname. Er gibt eine menschliche Würde an und ist nicht zu denken, ohne daß man auf das Geistig-Seelische blickt, das durch viele Inkarnationen hindurch geht. In dieser Beziehung stimmt der Brahmanismus mit dem Buddhismus völlig überein, daß er den Blick hauptsächlich richtet auf das Individuelle, das durchgeht durch die verschiedenen Persönlichkeiten, und weniger auf die einzelnen Persönlichkeiten, denn es kommt auf dasselbe heraus, wenn der Buddhist sagt: Ein Bodhisattva ist dazu bestimmt, zu der höchsten menschlichen Würde aufzusteigen, zu der man aufsteigen kann, und dazu muß er durch viele Inkarnationen hindurchgehen, das Höchste aber sehe ich in dem Buddha — oder ob der Anhänger des Brahmanentums sagt: Die Bodhisattvas sind in der Tat hochentwickelte Wesen und steigen dann zu den Buddhas auf, aber sie sind von den Avataren, den höheren geistigen Individualitäten, ausgegangen. Sie sehen, die Betrachtung des Geistigen, das da durchgeht durch viele Inkarnationen, ist etwas, das diesen beiden orientalischen Anschauungen eigen ist.

[ 23 ] Nehmen wir aber nun das Abendland und sehen zu, was da das Große und Gewaltige war. Um in dieser Beziehung etwas tiefer zu schauen, müssen wir die alte hebräische Weltanschauung ansehen, müssen die Blicke auf das persönliche Element lenken. Wenn wir von Plato, von Sokrates, von Michelangelo, von Karl dem Großen oder von sonst jemandem reden, so reden wir immer von einem Persönlichen, wir stellen vor die Menschen das abgeschlossene Leben der Persönlichkeiten hin mit dem, was diese Persönlichkeiten für die Menschheit geworden sind. Wir richten in der abendländischen Kultur nicht den Blick auf das Leben, das von Person zu Person hindurchgegangen ist; denn das war gerade die Aufgabe der abendländischen Kultur, eine Zeitlang den Blick zu richten auf das einzelne Leben. Wenn man im Oriente von dem Buddha spricht, dann weiß man: Die Bezeichnung Buddha ist eine Würde, die vielen Persönlichkeiten zugeeignet ist. Wenn man dagegen den Namen Plato nennt, so weiß man, daß es nur eine einzelne Persönlichkeit war. So war die Erziehung des Abendlandes. Das Persönliche sollte zunächst geschätzt und geachtet werden.

[ 23 ] Nehmen wir aber nun das Abendland und sehen zu, was da das Große und Gewaltige war. Um in dieser Beziehung etwas tiefer zu schauen, müssen wir die alte hebräische Weltanschauung ansehen, müssen die Blicke auf das persönliche Element lenken. Wenn wir von Plato, von Sokrates, von Michelangelo, von Karl dem Großen oder von sonst jemandem reden, so reden wir immer von einem Persönlichen, wir stellen vor die Menschen das abgeschlossene Leben der Persönlichkeiten hin mit dem, was diese Persönlichkeiten für die Menschheit geworden sind. Wir richten in der abendländischen Kultur nicht den Blick auf das Leben, das von Person zu Person hindurchgegangen ist; denn das war gerade die Aufgabe der abendländischen Kultur, eine Zeitlang den Blick zu richten auf das einzelne Leben. Wenn man im Oriente von dem Buddha spricht, dann weiß man: Die Bezeichnung Buddha ist eine Würde, die vielen Persönlichkeiten zugeeignet ist. Wenn man dagegen den Namen Plato nennt, so weiß man, daß es nur eine einzelne Persönlichkeit war. So war die Erziehung des Abendlandes. Das Persönliche sollte zunächst geschätzt und geachtet werden.

[ 24 ] Nehmen wir nun unsere eigene Zeit. Wie muß sich diese zu dieser ganzen Tatsachenreihe stellen? Die Menschheit ist durch die Kultur des Abendlandes eine Weile erzogen worden in dem Hinschauen auf das Persönliche. Jetzt mußte zu dem Persönlichen das Individuelle, die Individualität hinzugefügt werden. Jetzt stehen wir also an dem Punkte, uns wieder zu erobern das Individuelle, aber verstärkt, durchkraftet von der Betrachtung des Persönlichen.

[ 24 ] Nehmen wir nun unsere eigene Zeit. Wie muß sich diese zu dieser ganzen Tatsachenreihe stellen? Die Menschheit ist durch die Kultur des Abendlandes eine Weile erzogen worden in dem Hinschauen auf das Persönliche. Jetzt mußte zu dem Persönlichen das Individuelle, die Individualität hinzugefügt werden. Jetzt stehen wir also an dem Punkte, uns wieder zu erobern das Individuelle, aber verstärkt, durchkraftet von der Betrachtung des Persönlichen.

[ 25 ] Nehmen wir einen bestimmten Fall. Wir richten den Blick in dieser Beziehung auf die alte hebräische Weltanschauung, die vorherging der abendländischen. Lenken wir den Blick auf eine so gewaltige Persönlichkeit wie diejenige des Propheten Elias. Wir charakterisieren ihn zunächst als Persönlichkeit. Im Abendlande wird wenig Bedacht darauf genommen, ihn anders zu betrachten. Wenn man absieht von allen Einzelheiten und die Persönlichkeit im großen ins Auge faßt, so sieht man, daß Elias im Fortgang der Weltentwickelung etwas Bedeutsames war. Er drückte aus etwas wie eine Vorläuferschaft für den Christus-Impuls.

[ 25 ] Nehmen wir einen bestimmten Fall. Wir richten den Blick in dieser Beziehung auf die alte hebräische Weltanschauung, die vorherging der abendländischen. Lenken wir den Blick auf eine so gewaltige Persönlichkeit wie diejenige des Propheten Elias. Wir charakterisieren ihn zunächst als Persönlichkeit. Im Abendlande wird wenig Bedacht darauf genommen, ihn anders zu betrachten. Wenn man absieht von allen Einzelheiten und die Persönlichkeit im großen ins Auge faßt, so sieht man, daß Elias im Fortgang der Weltentwickelung etwas Bedeutsames war. Er drückte aus etwas wie eine Vorläuferschaft für den Christus-Impuls.

[ 26 ] Wenn wir zurückblicken in die Zeit des Moses, so sehen wir, wie etwas verkündigt wird dem Volke, wir sehen, daß dem Menschen verkündigt wird der Gott im Menschen: Ich, der Gott, der da war, der da ist und der da sein wird. Im Ich muß er erfaßt werden, aber er wird erfaßt im Althebräischen so, wie die Seele des Volkes war. Elias geht nun noch weiter. Durch ihn wird noch nicht klar, daß das Ich in der einzelnen menschlichen Individualität lebt als das höchste Göttliche; aber er konnte es dem Volke seinerzeit noch nicht klarer machen, als die Welt es aufzunehmen vermochte. Daher sehen wir da sozusagen einen Sprung in der Entwickelung gemacht. Während noch die Moseskultur bei den Althebräern sich klar war darüber: In dem Ich liegt das Höchste — und dieses Ich wurde in dieser Moseszeit in der Volksseele ausgedrückt —, wird bei Elias schon auf die einzelne Seele hingedeutet. Aber es bedurfte auch hier eines Impulses, und dazu war wieder eine Vorläuferschaft da, die wir als die Persönlichkeit des Johannes des Tänfers kennen. Wieder war es ein bedeutsames Wort, in dem diese Vorläuferschaft des Johannes des Täufers zum Ausdruck kommt. Was drückt uns dieses Wort aus? Eine große okkulte Tatsache. Er weist darauf hin, daß die Menschen einmal, als Urmenschen, ein altes Hellsehen hatten, so daß sie hineinsehen konnten in die geistige Welt, in das Göttlich-Wirksame; dann haben sie sich aber mehr und mehr dem Materiellen genähert. Es hat sich verschlossen der Blick für die geistige Welt. Darauf weist Johannes der Täufer hin, indem er sagt: Ändert die Seelenverfassung! Blickt nicht mehr auf das, was ihr in der physischen Welt erringen könnt, sondern seid aufmerksam, jetzt kommt ein neuer Impuls! — damit meint er den Christus-Impuls —, deshalb sage ich euch, ihr müßt die geistige Welt suchen mitten unter euch. — Da tritt herein das Geistige, mit dem ChristusImpuls. Dadurch wurde Johannes der Täufer der Vorläufer des Christus-Impulses.

[ 26 ] Wenn wir zurückblicken in die Zeit des Moses, so sehen wir, wie etwas verkündigt wird dem Volke, wir sehen, daß dem Menschen verkündigt wird der Gott im Menschen: Ich, der Gott, der da war, der da ist und der da sein wird. Im Ich muß er erfaßt werden, aber er wird erfaßt im Althebräischen so, wie die Seele des Volkes war. Elias geht nun noch weiter. Durch ihn wird noch nicht klar, daß das Ich in der einzelnen menschlichen Individualität lebt als das höchste Göttliche; aber er konnte es dem Volke seinerzeit noch nicht klarer machen, als die Welt es aufzunehmen vermochte. Daher sehen wir da sozusagen einen Sprung in der Entwickelung gemacht. Während noch die Moseskultur bei den Althebräern sich klar war darüber: In dem Ich liegt das Höchste — und dieses Ich wurde in dieser Moseszeit in der Volksseele ausgedrückt —, wird bei Elias schon auf die einzelne Seele hingedeutet. Aber es bedurfte auch hier eines Impulses, und dazu war wieder eine Vorläuferschaft da, die wir als die Persönlichkeit des Johannes des Tänfers kennen. Wieder war es ein bedeutsames Wort, in dem diese Vorläuferschaft des Johannes des Täufers zum Ausdruck kommt. Was drückt uns dieses Wort aus? Eine große okkulte Tatsache. Er weist darauf hin, daß die Menschen einmal, als Urmenschen, ein altes Hellsehen hatten, so daß sie hineinsehen konnten in die geistige Welt, in das Göttlich-Wirksame; dann haben sie sich aber mehr und mehr dem Materiellen genähert. Es hat sich verschlossen der Blick für die geistige Welt. Darauf weist Johannes der Täufer hin, indem er sagt: Ändert die Seelenverfassung! Blickt nicht mehr auf das, was ihr in der physischen Welt erringen könnt, sondern seid aufmerksam, jetzt kommt ein neuer Impuls! — damit meint er den Christus-Impuls —, deshalb sage ich euch, ihr müßt die geistige Welt suchen mitten unter euch. — Da tritt herein das Geistige, mit dem ChristusImpuls. Dadurch wurde Johannes der Täufer der Vorläufer des Christus-Impulses.

[ 27 ] Jetzt können wir eine andere Persönlichkeit, die merkwürdige Persönlichkeit des Malers Raffael, ins Auge fassen. Diese merkwürdige Persönlichkeit stellt sich einem, wenn man sie betrachtet, sonderbar dar. Vor allen Dingen braucht man nur Raffael als Maler der lateinischen Rasse zu vergleichen mit den späteren Malern, meinetwillen mit Tizian. Wer einen Blick hat für solche Dinge und auch nur die Nachbildungen der Bilder ansieht, wird den Unterschied finden. Werfen Sie einen Blick auf die Bilder von Raffael und auch auf die von Tizian. Raffael hat so gemalt, daß er die christlichen Ideen in seine Bilder legte. Er hat gemalt für die europäischen Menschen als Christen des Abendlandes. Seine Bilder sind für alle Christen des Abendlandes verständlich, und sie werden es immer mehr und mehr noch werden. Nehmen Sie dagegen die späteren Maler. Die haben fast ausschließlich für die lateinische Rasse gemalt, so daß sogar die kirchlichen Spaltungen in ihren Bildern zum Ausdruck kommen.

[ 27 ] Jetzt können wir eine andere Persönlichkeit, die merkwürdige Persönlichkeit des Malers Raffael, ins Auge fassen. Diese merkwürdige Persönlichkeit stellt sich einem, wenn man sie betrachtet, sonderbar dar. Vor allen Dingen braucht man nur Raffael als Maler der lateinischen Rasse zu vergleichen mit den späteren Malern, meinetwillen mit Tizian. Wer einen Blick hat für solche Dinge und auch nur die Nachbildungen der Bilder ansieht, wird den Unterschied finden. Werfen Sie einen Blick auf die Bilder von Raffael und auch auf die von Tizian. Raffael hat so gemalt, daß er die christlichen Ideen in seine Bilder legte. Er hat gemalt für die europäischen Menschen als Christen des Abendlandes. Seine Bilder sind für alle Christen des Abendlandes verständlich, und sie werden es immer mehr und mehr noch werden. Nehmen Sie dagegen die späteren Maler. Die haben fast ausschließlich für die lateinische Rasse gemalt, so daß sogar die kirchlichen Spaltungen in ihren Bildern zum Ausdruck kommen.

[ 28 ] Welche Bilder sind aber nun Raffael am besten gelungen ? Diejenigen, mit welchen er ankündigen kann, welche Impulse im Christentum liegen! Da, wo er den Jesusknaben hinstellen kann in irgendein Verhältnis zur Madonna, da, wo er dieses Christus-Verhältnis zur Madonna wie etwas, was Empfindungsimpuls ist, hinstellen kann, gelingen ihm die Dinge am besten. Er hat auch im Grunde genommen am besten diese Dinge gemalt. Eine Kreuzigung zum Beispiel haben wir nicht von ihm, wohl aber eine Verklärung. Da, wo er das Sprießende und Sprossende, das Sich-Verkündigende malen kann, da malt er mit Freude und malt seine größten und besten Bilder.

[ 28 ] Welche Bilder sind aber nun Raffael am besten gelungen ? Diejenigen, mit welchen er ankündigen kann, welche Impulse im Christentum liegen! Da, wo er den Jesusknaben hinstellen kann in irgendein Verhältnis zur Madonna, da, wo er dieses Christus-Verhältnis zur Madonna wie etwas, was Empfindungsimpuls ist, hinstellen kann, gelingen ihm die Dinge am besten. Er hat auch im Grunde genommen am besten diese Dinge gemalt. Eine Kreuzigung zum Beispiel haben wir nicht von ihm, wohl aber eine Verklärung. Da, wo er das Sprießende und Sprossende, das Sich-Verkündigende malen kann, da malt er mit Freude und malt seine größten und besten Bilder.

[ 29 ] Im Grunde genommen geht es auch so mit der Wirkung seiner Bilder. Wenn Sie einmal nach Deutschland kommen und in Dresden die Sixtinische Madonna anschauen, da werden Sie sehen, daß das Kunstwerk — von dem man sagt, daß die Deutschen froh sein können, ein so bedeutsames Bild in ihrer Mitte zu haben, ja, daß die Deutschen dieses Bild als die Blüte der Malerei betrachten dürfen — ein Geheimnis des Daseins enthüllt.

[ 29 ] Im Grunde genommen geht es auch so mit der Wirkung seiner Bilder. Wenn Sie einmal nach Deutschland kommen und in Dresden die Sixtinische Madonna anschauen, da werden Sie sehen, daß das Kunstwerk — von dem man sagt, daß die Deutschen froh sein können, ein so bedeutsames Bild in ihrer Mitte zu haben, ja, daß die Deutschen dieses Bild als die Blüte der Malerei betrachten dürfen — ein Geheimnis des Daseins enthüllt.

[ 30 ] Als Goethe seinerzeit von Leipzig nach Dresden fuhr, da hörte er etwas anderes über das Bild der Madonna. Die Beamten der Galerie in Dresden sagten ungefähr so: Da haben wir auch ein Bild von Raffael. Es ist aber nichts Besonderes. Es ist schlecht gemalt. Der Blick des Kindes, das ganze Kind, alles, was da gemalt ist an dem Kinde, ist gemein. Die Madonna selber ebenso. Man kann nur glauben, daß sie gemalt worden ist von einem Stümper. Und nun gar noch unten die Figuren, von denen man nicht weiß, ob es Kinderköpfe oder Engel sein sollen. — Dieses grobe Urteil hat Goethe damals gehört. Daher hatte er auch zunächst keine richtige Schätzung des Bildes. Alles, was wir heute über das Bild hören, das lebte sich erst nachher ein, und der Umstand, daß Raffaels Bilder in den Nachbildungen ihren Siegeszug durch die Welt machten, ist eine Folge dieser besseren Einschätzung. Man braucht nur zu erinnern daran, was gerade England für die Reproduktion und Verbreitung der Bilder Raffaels getan hat. Was aber bewirkt wurde in England dadurch, daß so gesorgt worden ist für die Reproduktion und Verbreitung Raffaelscher Bilder, das wird man erst erkennen, wenn man die Sache vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus mehr betrachten lernen wird.

[ 30 ] Als Goethe seinerzeit von Leipzig nach Dresden fuhr, da hörte er etwas anderes über das Bild der Madonna. Die Beamten der Galerie in Dresden sagten ungefähr so: Da haben wir auch ein Bild von Raffael. Es ist aber nichts Besonderes. Es ist schlecht gemalt. Der Blick des Kindes, das ganze Kind, alles, was da gemalt ist an dem Kinde, ist gemein. Die Madonna selber ebenso. Man kann nur glauben, daß sie gemalt worden ist von einem Stümper. Und nun gar noch unten die Figuren, von denen man nicht weiß, ob es Kinderköpfe oder Engel sein sollen. — Dieses grobe Urteil hat Goethe damals gehört. Daher hatte er auch zunächst keine richtige Schätzung des Bildes. Alles, was wir heute über das Bild hören, das lebte sich erst nachher ein, und der Umstand, daß Raffaels Bilder in den Nachbildungen ihren Siegeszug durch die Welt machten, ist eine Folge dieser besseren Einschätzung. Man braucht nur zu erinnern daran, was gerade England für die Reproduktion und Verbreitung der Bilder Raffaels getan hat. Was aber bewirkt wurde in England dadurch, daß so gesorgt worden ist für die Reproduktion und Verbreitung Raffaelscher Bilder, das wird man erst erkennen, wenn man die Sache vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus mehr betrachten lernen wird.

[ 31 ] So ist uns Raffael durch seine Bilder wie ein Vorherverkündiger eines Christentums, das international werden wird. Der spekulative Protestantismus sah die Madonna lange Zeit als spezifisch katholisch an. Heute ist die Madonna auch in die evangelischen Länder überall eingedrungen, und man erhebt sich mehr zu der okkulten Auffassung, zu einem höheren, interkonfessionellen Christentum. So wird es immer weitergehen.

[ 31 ] So ist uns Raffael durch seine Bilder wie ein Vorherverkündiger eines Christentums, das international werden wird. Der spekulative Protestantismus sah die Madonna lange Zeit als spezifisch katholisch an. Heute ist die Madonna auch in die evangelischen Länder überall eingedrungen, und man erhebt sich mehr zu der okkulten Auffassung, zu einem höheren, interkonfessionellen Christentum. So wird es immer weitergehen.

[ 32 ] Wenn wir diese Wirkungen für ein interkonfessionelles Christentum erhoffen dürfen, so wird uns das, was Raffael gemacht hat, auch in der Geisteswissenschaft helfen.

[ 32 ] Wenn wir diese Wirkungen für ein interkonfessionelles Christentum erhoffen dürfen, so wird uns das, was Raffael gemacht hat, auch in der Geisteswissenschaft helfen.

[ 33 ] Es ist merkwürdig — drei Persönlichkeiten treten uns so entgegen, alle drei haben sie zu tun mit einer Vorläuferschaft für das Christentum. Und jetzt richten wir den okkulten Blick auf diese drei Persönlichkeiten. Was lehrt uns der? Der okkulte Blick lehrt uns, daß es dieselbe Individualität ist, die in Elias, die in Johannes dem Täufer, die in Raffael lebte. So unmöglich es scheint, es ist doch dieselbe Seele, die in Elias, in Johannes und in Raffael gelebt hat. Jetzt aber fragen wir uns, wenn der okkulte Blick, der forscht und nicht etwa äußerlich verstandesmäßig vergleicht, nun erforscht, daß es dieselbe Seele ist, die in Elias, in Johannes dem Täufer und in Raffael vorhanden war: Wie kommt es denn, daß Raffael, der Maler, der Träger wird für die Individualität, die in Johannes dem Täufer gelebt hatte? Kann man sich vorstellen, daß diese merkwürdige Seele des Johannes des Täufers in den Kräften lebte, die in Raffael vorhanden waren? Da kommt nun wieder die okkulte Forschung, aber nicht so, daß sie bloß "Theorien in die Welt setzt, sondern so, daß sie sagt, wie die Dinge sind, wie die Dinge wirklich ins Leben eingepflanzt sind! Wie schreiben die Leute heute noch Raffael-Biographien? Sie können es überall sehen, auch die besten sind heute so geschrieben, daß sie einfach angeben: Raffael wurde geboren an dem Karfreitage des Jahres 1483. Raffael ist nicht umsonst an einem Karfreitage geboren! Ankündigend schon durch diese Geburt seine Sonderstellung im Christentum, zeigt sich bei ihm, daß er mit den christlichen Geheimnissen in der tiefsten und bedeutungsvollsten Weise zu tun hat. An einem Karfreitag also war Raffael geboren. Sein Vater war Giovanni Santi. Giovanni Santi starb, als Raffael elf Jahre alt war. Als Raffael acht Jahre zählte, hatte er ihn in die Lehre zu einem Maler gegeben, der aber nicht so hervorragend war. Aber wenn man nimmt, was in dem Giovanni Santi, dem Vater Raffaels, war, so hat man einen eigentümlichen Eindruck, der sich noch erhöht, wenn man die Sache in der AkashaChronik betrachtet. Da zeigt sich, daß das, was lebte in der Seele des Giovanni Santi, viel mehr ist, als eigentlich aus ihm herausgekommen war, und man muß der Herzogin recht geben, die bei seinem Tode sagte: Ein Mensch voll Licht und Recht und allerbestem Glauben ist gestorben. Als Okkultist könnte man sagen, daß in ihm ein viel größerer Maler gelebt hat, als äußerlich zur Geltung gekommen war. Aber die äußeren Fähigkeiten, die von den physischen und Äther-Organen abhängen, die waren bei Giovanni Santi nicht entwickelt. Das war die Ursache, weshalb die Fähigkeiten seiner Seele sich nicht durchringen konnten. Aber in seiner Seele lebte wirklich ein großer Maler.

[ 33 ] Es ist merkwürdig — drei Persönlichkeiten treten uns so entgegen, alle drei haben sie zu tun mit einer Vorläuferschaft für das Christentum. Und jetzt richten wir den okkulten Blick auf diese drei Persönlichkeiten. Was lehrt uns der? Der okkulte Blick lehrt uns, daß es dieselbe Individualität ist, die in Elias, die in Johannes dem Täufer, die in Raffael lebte. So unmöglich es scheint, es ist doch dieselbe Seele, die in Elias, in Johannes und in Raffael gelebt hat. Jetzt aber fragen wir uns, wenn der okkulte Blick, der forscht und nicht etwa äußerlich verstandesmäßig vergleicht, nun erforscht, daß es dieselbe Seele ist, die in Elias, in Johannes dem Täufer und in Raffael vorhanden war: Wie kommt es denn, daß Raffael, der Maler, der Träger wird für die Individualität, die in Johannes dem Täufer gelebt hatte? Kann man sich vorstellen, daß diese merkwürdige Seele des Johannes des Täufers in den Kräften lebte, die in Raffael vorhanden waren? Da kommt nun wieder die okkulte Forschung, aber nicht so, daß sie bloß "Theorien in die Welt setzt, sondern so, daß sie sagt, wie die Dinge sind, wie die Dinge wirklich ins Leben eingepflanzt sind! Wie schreiben die Leute heute noch Raffael-Biographien? Sie können es überall sehen, auch die besten sind heute so geschrieben, daß sie einfach angeben: Raffael wurde geboren an dem Karfreitage des Jahres 1483. Raffael ist nicht umsonst an einem Karfreitage geboren! Ankündigend schon durch diese Geburt seine Sonderstellung im Christentum, zeigt sich bei ihm, daß er mit den christlichen Geheimnissen in der tiefsten und bedeutungsvollsten Weise zu tun hat. An einem Karfreitag also war Raffael geboren. Sein Vater war Giovanni Santi. Giovanni Santi starb, als Raffael elf Jahre alt war. Als Raffael acht Jahre zählte, hatte er ihn in die Lehre zu einem Maler gegeben, der aber nicht so hervorragend war. Aber wenn man nimmt, was in dem Giovanni Santi, dem Vater Raffaels, war, so hat man einen eigentümlichen Eindruck, der sich noch erhöht, wenn man die Sache in der AkashaChronik betrachtet. Da zeigt sich, daß das, was lebte in der Seele des Giovanni Santi, viel mehr ist, als eigentlich aus ihm herausgekommen war, und man muß der Herzogin recht geben, die bei seinem Tode sagte: Ein Mensch voll Licht und Recht und allerbestem Glauben ist gestorben. Als Okkultist könnte man sagen, daß in ihm ein viel größerer Maler gelebt hat, als äußerlich zur Geltung gekommen war. Aber die äußeren Fähigkeiten, die von den physischen und Äther-Organen abhängen, die waren bei Giovanni Santi nicht entwickelt. Das war die Ursache, weshalb die Fähigkeiten seiner Seele sich nicht durchringen konnten. Aber in seiner Seele lebte wirklich ein großer Maler.

[ 34 ] Da stirbt er, als Raffael elf Jahre alt war. Wenn man nun verfolgt, was da vorliegt, so wird zur Wahrheit, daß der Mensch zwar den Leib verliert, aber das, was seine Sehnsucht war, was die Aspirationen, die Impulse seiner Seele waren, das lebt sich aus, wirkt und wirkt in dem, womit es am meisten zusammenhängt.

[ 34 ] Da stirbt er, als Raffael elf Jahre alt war. Wenn man nun verfolgt, was da vorliegt, so wird zur Wahrheit, daß der Mensch zwar den Leib verliert, aber das, was seine Sehnsucht war, was die Aspirationen, die Impulse seiner Seele waren, das lebt sich aus, wirkt und wirkt in dem, womit es am meisten zusammenhängt.

[ 35 ] Zeiten werden kommen, wo man die Geisteswissenschaft fruchtbar machen wird für das Leben, wie diejenigen sie schon fruchtbar machen können, welche sie lebensvoll beherrschen und nicht bloß theoretisch. Ich darf hier etwas einfügen, bevor ich die Sache mit Raffael fortsetze. Ich spreche so, daß ich in meinen Beispielen nicht etwa Spekulationen gebe. Sie sind im Gegenteil immer aus dem Leben genommen. Nehmen wir nun an, ich hätte Kinder zu erziehen. Wer achtgibt auf die Fähigkeiten, der merkt bei jedem Kinde das Individuelle heraus. Solche Erfahrungen kann man aber nur machen, wenn man Kinder erzieht. Wenn nun bei einem Kinde die Mutter oder der Vater früh gestorben ist und nur der eine Teil des Elternpaares noch lebt, da kann man das Folgende erleben. Es zeigen sich da bei dem Kinde gewisse Neigungen, die vorher nicht vorhanden waren und die man sich somit nicht erklären kann. Als Erzieher muß man sich aber mit ihnen beschäftigen. Der Erzieher täte nun gut, wenn er sich sagte: Das, was in den geisteswissenschaftlichen Büchern steht, betrachten die Menschen zwar als eine Narrheit. Ich will es aber nicht von vornherein als Narrheit betrachten. Ich will es untersuchen auf seine Richtigkeit. Dann wird er bald sagen können: Ich finde, daß da Kräfte sind, die früher schon vorhanden waren, und wieder andere, die hineinwirken in diejenigen, welche früher schon da waren. Nehmen wir an, der Vater sei durch die Pforte des Todes gegangen, und jetzt kommen mit einer gewissen Stärke bei dem Kinde Eigenschaften heraus, welche in ihm gelebt haben. Macht man diese Voraussetzung und betrachtet man die Sache in dieser Weise, so wendet man die Erkenntnisse, die uns durch die Geisteswissenschaft zufließen, in vernünftiger Weise auf das Leben an und kommt dann, wie man bald finden wird, zurecht im Leben, während man vorher nicht zurechtgekommen ist. Der durch die Pforte des Todes Gegangene bleibt also verbunden mit seinen Kräften mit denjenigen, mit welchen er im Leben zusammenhing.

[ 35 ] Zeiten werden kommen, wo man die Geisteswissenschaft fruchtbar machen wird für das Leben, wie diejenigen sie schon fruchtbar machen können, welche sie lebensvoll beherrschen und nicht bloß theoretisch. Ich darf hier etwas einfügen, bevor ich die Sache mit Raffael fortsetze. Ich spreche so, daß ich in meinen Beispielen nicht etwa Spekulationen gebe. Sie sind im Gegenteil immer aus dem Leben genommen. Nehmen wir nun an, ich hätte Kinder zu erziehen. Wer achtgibt auf die Fähigkeiten, der merkt bei jedem Kinde das Individuelle heraus. Solche Erfahrungen kann man aber nur machen, wenn man Kinder erzieht. Wenn nun bei einem Kinde die Mutter oder der Vater früh gestorben ist und nur der eine Teil des Elternpaares noch lebt, da kann man das Folgende erleben. Es zeigen sich da bei dem Kinde gewisse Neigungen, die vorher nicht vorhanden waren und die man sich somit nicht erklären kann. Als Erzieher muß man sich aber mit ihnen beschäftigen. Der Erzieher täte nun gut, wenn er sich sagte: Das, was in den geisteswissenschaftlichen Büchern steht, betrachten die Menschen zwar als eine Narrheit. Ich will es aber nicht von vornherein als Narrheit betrachten. Ich will es untersuchen auf seine Richtigkeit. Dann wird er bald sagen können: Ich finde, daß da Kräfte sind, die früher schon vorhanden waren, und wieder andere, die hineinwirken in diejenigen, welche früher schon da waren. Nehmen wir an, der Vater sei durch die Pforte des Todes gegangen, und jetzt kommen mit einer gewissen Stärke bei dem Kinde Eigenschaften heraus, welche in ihm gelebt haben. Macht man diese Voraussetzung und betrachtet man die Sache in dieser Weise, so wendet man die Erkenntnisse, die uns durch die Geisteswissenschaft zufließen, in vernünftiger Weise auf das Leben an und kommt dann, wie man bald finden wird, zurecht im Leben, während man vorher nicht zurechtgekommen ist. Der durch die Pforte des Todes Gegangene bleibt also verbunden mit seinen Kräften mit denjenigen, mit welchen er im Leben zusammenhing.

[ 36 ] Die Menschen beobachten nur nicht genau genug, sonst würden sie häufiger sehen, daß Kinder bis zum Tode ihrer Eltern ganz anders sind als nach demselben. Man lenkt nur nicht den Blick genügend auf die Sachen; aber die Zeit wird noch kommen, wo man das auch noch tun wird.

[ 36 ] Die Menschen beobachten nur nicht genau genug, sonst würden sie häufiger sehen, daß Kinder bis zum Tode ihrer Eltern ganz anders sind als nach demselben. Man lenkt nur nicht den Blick genügend auf die Sachen; aber die Zeit wird noch kommen, wo man das auch noch tun wird.

[ 37 ] Wenn man den Blick auf Raffael richtet und sich sagt: Giovanni Santi, der Vater, starb, als Raffael elf Jahre alt war; er hatte zwar keine besondere Vollendung als Maler erreichen können, aber seine kraftvolle Phantasie blieb ihm, und diese entwickelte sich nun hinein in die Seele des Raffael — so sagen wir nichts Trivialisierendes und Verkleinerndes für Raffael, wenn wir den Blick hinrichten auf Raffaels Seele und sagen: Giovanni Santi lebte in Raffael weiter, und daher erscheint dieser uns, als ob er eine voll abgeschlossene Persönlichkeit wäre; er erscheint uns so, als wenn er keiner Steigerung mehr fähig wäre, weil ein Toter seinen Arbeiten Leben gibt.

[ 37 ] Wenn man den Blick auf Raffael richtet und sich sagt: Giovanni Santi, der Vater, starb, als Raffael elf Jahre alt war; er hatte zwar keine besondere Vollendung als Maler erreichen können, aber seine kraftvolle Phantasie blieb ihm, und diese entwickelte sich nun hinein in die Seele des Raffael — so sagen wir nichts Trivialisierendes und Verkleinerndes für Raffael, wenn wir den Blick hinrichten auf Raffaels Seele und sagen: Giovanni Santi lebte in Raffael weiter, und daher erscheint dieser uns, als ob er eine voll abgeschlossene Persönlichkeit wäre; er erscheint uns so, als wenn er keiner Steigerung mehr fähig wäre, weil ein Toter seinen Arbeiten Leben gibt.

[ 38 ] Jetzt begreift man, da in dem Menschen Raffael, in seiner eigenen Seele, wiedererstanden sind die energischen Kräfte des Johannes des Täufers und nun außerdem auch leben in seiner Seele die energischen Kräfte von Giovanni Santi, daß diese beiden Dinge zusammen das Ergebnis in der Seele des Raffael zeitigen konnten, was als Raffael vor uns steht.

[ 38 ] Jetzt begreift man, da in dem Menschen Raffael, in seiner eigenen Seele, wiedererstanden sind die energischen Kräfte des Johannes des Täufers und nun außerdem auch leben in seiner Seele die energischen Kräfte von Giovanni Santi, daß diese beiden Dinge zusammen das Ergebnis in der Seele des Raffael zeitigen konnten, was als Raffael vor uns steht.

[ 39 ] Gewiß, heute kann über so außerordentliche Dinge noch nicht öffentlich geredet werden. In fünfzig Jahren wird das vielleicht schon möglich sein, weil die Entwickelung schnell voranschreitet und die bisherige Anschauung rasch ihrer Dekadenz entgegeneilt.

[ 39 ] Gewiß, heute kann über so außerordentliche Dinge noch nicht öffentlich geredet werden. In fünfzig Jahren wird das vielleicht schon möglich sein, weil die Entwickelung schnell voranschreitet und die bisherige Anschauung rasch ihrer Dekadenz entgegeneilt.

[ 40 ] Derjenige, der also eingeht auf solche Dinge, sieht, daß wir in der Geisteswissenschaft die Aufgabe haben, das Leben von einer neuen Seite überall zu betrachten. Wie man in der Zukunft heilen wird in der Form, wie ich es angedeutet habe, so wird man die eigentümlichen Wunder des Lebens betrachten, indem man zuhilfe ziehen wird die Taten, die aus der Geisterwelt von den Menschen noch kommen, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind.

[ 40 ] Derjenige, der also eingeht auf solche Dinge, sieht, daß wir in der Geisteswissenschaft die Aufgabe haben, das Leben von einer neuen Seite überall zu betrachten. Wie man in der Zukunft heilen wird in der Form, wie ich es angedeutet habe, so wird man die eigentümlichen Wunder des Lebens betrachten, indem man zuhilfe ziehen wird die Taten, die aus der Geisterwelt von den Menschen noch kommen, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind.

[ 41 ] Zwei Dinge möchte ich noch vor Ihre Seele hinstellen, indem ich von den Rätseln des Lebens spreche. Das ist etwas, in dem uns so recht der Sinn des Lebens aufgehen kann. Es ist, wenn wir die Erscheinung Raffaels ansehen, das Schicksal, dem seine Werke entgegengehen. Der, welcher heute die Bilder in Reproduktion ansieht, sieht nicht das, was Raffael gemalt hat, auch der, welcher nach Dresden oder Rom geht, nicht, denn diese Bilder sind auch schon so verdorben, daß man nicht sagen kann, daß man die Bilder von Raffael noch sieht. Leicht ist es ins Auge zu fassen, was aus denselben werden wird, wenn man das Schicksal des Abendmahl-Gemäldes des Leonardo da Vinci betrachtet, welches immer mehr und mehr dem Verfall entgegengeht. Wer sich dieses überlegt, der weiß, daß diese Bilder mit der Zeit pulverisiert werden. Er wird die traurige Überzeugung bekommen, daß alles das verschwinden wird, was die großen Menschen einst geschaffen haben. Da also diese Dinge verschwinden werden, so könnten wir uns fragen: Welcher Sinn liegt denn in dem Entstehen und Vergehen derselben? Wir werden sehen, daß im Grunde genommen nichts bleibt von dem, was von der einzelnen Persönlichkeit geschaffen worden ist.

[ 41 ] Zwei Dinge möchte ich noch vor Ihre Seele hinstellen, indem ich von den Rätseln des Lebens spreche. Das ist etwas, in dem uns so recht der Sinn des Lebens aufgehen kann. Es ist, wenn wir die Erscheinung Raffaels ansehen, das Schicksal, dem seine Werke entgegengehen. Der, welcher heute die Bilder in Reproduktion ansieht, sieht nicht das, was Raffael gemalt hat, auch der, welcher nach Dresden oder Rom geht, nicht, denn diese Bilder sind auch schon so verdorben, daß man nicht sagen kann, daß man die Bilder von Raffael noch sieht. Leicht ist es ins Auge zu fassen, was aus denselben werden wird, wenn man das Schicksal des Abendmahl-Gemäldes des Leonardo da Vinci betrachtet, welches immer mehr und mehr dem Verfall entgegengeht. Wer sich dieses überlegt, der weiß, daß diese Bilder mit der Zeit pulverisiert werden. Er wird die traurige Überzeugung bekommen, daß alles das verschwinden wird, was die großen Menschen einst geschaffen haben. Da also diese Dinge verschwinden werden, so könnten wir uns fragen: Welcher Sinn liegt denn in dem Entstehen und Vergehen derselben? Wir werden sehen, daß im Grunde genommen nichts bleibt von dem, was von der einzelnen Persönlichkeit geschaffen worden ist.

[ 42 ] Und noch eine andere Tatsache möchte ich vor Ihre Seele hinstellen, und das ist diese: Wenn wir heute mit der Geisteswissenschaft als Instrument das Christentum begreifen wollen und begreifen sollen — es wurde von mir schon früher ausgeführt, wie wir ins Auge fassen das Christentum als einen Impuls, der wirkt für die Zukunft —, dann brauchen wir gewisse Grundbegriffe, durch die wir wissen, wie der Christus-Impuls weiterwirken wird. Das brauchen wir. Nun ist es merkwürdig, daß wir vor der Tatsache hier stehen, daß wir auf ein Werden des Christentums hinweisen müssen; aber wir brauchen dazu die Geisteswissenschaft. Nun gibt es auch eine Persönlichkeit, bei der wir die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten in einer eigenartigen Form finden, und zwar in kurzen Sätzen dargestellt. Wenn wir herangehen an diese Persönlichkeit, so sehen wir, daß wir bei ihr manches finden können, was bedeutsam ist für die Geisteswissenschaft. Diese Persönlichkeit ist der deutsche Dichter Novalis., Wenn wir seine Schriften durchsehen, so finden wir, daß er die Zukunft des Christentums aus dessen okkulten Wahrheiten heraus schildert. Die Geisteswissenschaft lehrt uns, daß wir es dabei mit derselben Individualität zu tun haben wie bei Raffael, derselben Individualität wie bei Johannes dem Täufer und Elias.

[ 42 ] Und noch eine andere Tatsache möchte ich vor Ihre Seele hinstellen, und das ist diese: Wenn wir heute mit der Geisteswissenschaft als Instrument das Christentum begreifen wollen und begreifen sollen — es wurde von mir schon früher ausgeführt, wie wir ins Auge fassen das Christentum als einen Impuls, der wirkt für die Zukunft —, dann brauchen wir gewisse Grundbegriffe, durch die wir wissen, wie der Christus-Impuls weiterwirken wird. Das brauchen wir. Nun ist es merkwürdig, daß wir vor der Tatsache hier stehen, daß wir auf ein Werden des Christentums hinweisen müssen; aber wir brauchen dazu die Geisteswissenschaft. Nun gibt es auch eine Persönlichkeit, bei der wir die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten in einer eigenartigen Form finden, und zwar in kurzen Sätzen dargestellt. Wenn wir herangehen an diese Persönlichkeit, so sehen wir, daß wir bei ihr manches finden können, was bedeutsam ist für die Geisteswissenschaft. Diese Persönlichkeit ist der deutsche Dichter Novalis., Wenn wir seine Schriften durchsehen, so finden wir, daß er die Zukunft des Christentums aus dessen okkulten Wahrheiten heraus schildert. Die Geisteswissenschaft lehrt uns, daß wir es dabei mit derselben Individualität zu tun haben wie bei Raffael, derselben Individualität wie bei Johannes dem Täufer und Elias.

[ 43 ] Wieder haben wir da eine Vorschau der Fortentwickelung des Christentums. Das ist eine Tatsache okkulter Art, denn niemand kommt durch Schlüsse zu diesem Resultat.

[ 43 ] Wieder haben wir da eine Vorschau der Fortentwickelung des Christentums. Das ist eine Tatsache okkulter Art, denn niemand kommt durch Schlüsse zu diesem Resultat.

[ 44 ] Stellen wir die einzelnen Bilder nochmals zusammen. Wir haben da das Tragische des Unterganges in den Geschöpfen und in den Werken der einzelnen Personen. Raffael tritt auf und läßt sein interkonfessionelles Christentum hineinströmen in die Menschenseelen. Aber eine Ahnung geht uns auf, daß sein Schaffen zugrunde gehen, seine Werke einst pulverisiert sein werden. Es tritt wieder auf Novalis, um die Lösung der Aufgabe von neuem in Angriff zu nehmen, um fortzusetzen das, was er begonnen, was er gearbeitet hat.

[ 44 ] Stellen wir die einzelnen Bilder nochmals zusammen. Wir haben da das Tragische des Unterganges in den Geschöpfen und in den Werken der einzelnen Personen. Raffael tritt auf und läßt sein interkonfessionelles Christentum hineinströmen in die Menschenseelen. Aber eine Ahnung geht uns auf, daß sein Schaffen zugrunde gehen, seine Werke einst pulverisiert sein werden. Es tritt wieder auf Novalis, um die Lösung der Aufgabe von neuem in Angriff zu nehmen, um fortzusetzen das, was er begonnen, was er gearbeitet hat.

[ 45 ] Jetzt erscheint uns der Gedanke nicht mehr so tragisch, jetzt sehen wir, daß, wie die Persönlichkeit in ihren Hüllen zerrinnt, auch die Werke zerrinnen, daß aber der Wesenskern weiterlebt und weiterführt das, was er begonnen hat. Da werden wir hingewiesen also wieder zur Individualität. Aber weil wir energisch die abendländische Weltanschauung und damit die Persönlichkeit ins Auge gefaßt haben, wird uns erst die Bedeutung der Individualität so recht klar. So sehen wir, wie bedeutsam es ist, daß das Morgenland auf die Individualität das Auge gerichtet hat, auf die Bodhisattvas, die durch viele Inkarnationen hindurchgegangen sind, und wie bedeutsam es ist, daß das Abendland zunächst das Auge gerichtet hat auf die Betrachtung der einzelnen Persönlichkeit, um dann erst dazu zu kommen, zu erfassen, was die Individualität ist.

[ 45 ] Jetzt erscheint uns der Gedanke nicht mehr so tragisch, jetzt sehen wir, daß, wie die Persönlichkeit in ihren Hüllen zerrinnt, auch die Werke zerrinnen, daß aber der Wesenskern weiterlebt und weiterführt das, was er begonnen hat. Da werden wir hingewiesen also wieder zur Individualität. Aber weil wir energisch die abendländische Weltanschauung und damit die Persönlichkeit ins Auge gefaßt haben, wird uns erst die Bedeutung der Individualität so recht klar. So sehen wir, wie bedeutsam es ist, daß das Morgenland auf die Individualität das Auge gerichtet hat, auf die Bodhisattvas, die durch viele Inkarnationen hindurchgegangen sind, und wie bedeutsam es ist, daß das Abendland zunächst das Auge gerichtet hat auf die Betrachtung der einzelnen Persönlichkeit, um dann erst dazu zu kommen, zu erfassen, was die Individualität ist.

[ 46 ] Nun glaube ich, daß es viele Theosophen gibt, die sagen werden: Nun, das müssen wir eben glauben, wenn so von Elias, von Johannes dem Täufer, von Raffael und Novalis gesprochen wird. Für manche wird es in der Hauptsache auch so sein, daß sie es glauben müssen, denn es ist ebenso wie mit der Tatsache, daß es viele glauben müssen, wenn von wissenschaftlicher Seite behauptet wird, daß dieses oder jenes Spektrum sich zeigt, wenn dieses oder jenes Metall oder wenn zum Beispiel der Orionnebel vermittelst der Spektralanalyse untersucht wird. Einige haben es gewiß untersucht, aber die andern, die Mehrzahl, die glauben es. Darauf kommt es aber im Grunde gar nicht an. Es kommt darauf an, daß die Geisteswissenschaft am Anfange ihrer Entwickelung steht und immer mehr die Seelen dazu bringen wird, solche Dinge, wie sie heute gesagt worden sind, selber einzusehen. In dieser Beziehung wird die Geisteswissenschaft sehr rasch die Menschheitsevolution weiterbringen.

[ 46 ] Nun glaube ich, daß es viele Theosophen gibt, die sagen werden: Nun, das müssen wir eben glauben, wenn so von Elias, von Johannes dem Täufer, von Raffael und Novalis gesprochen wird. Für manche wird es in der Hauptsache auch so sein, daß sie es glauben müssen, denn es ist ebenso wie mit der Tatsache, daß es viele glauben müssen, wenn von wissenschaftlicher Seite behauptet wird, daß dieses oder jenes Spektrum sich zeigt, wenn dieses oder jenes Metall oder wenn zum Beispiel der Orionnebel vermittelst der Spektralanalyse untersucht wird. Einige haben es gewiß untersucht, aber die andern, die Mehrzahl, die glauben es. Darauf kommt es aber im Grunde gar nicht an. Es kommt darauf an, daß die Geisteswissenschaft am Anfange ihrer Entwickelung steht und immer mehr die Seelen dazu bringen wird, solche Dinge, wie sie heute gesagt worden sind, selber einzusehen. In dieser Beziehung wird die Geisteswissenschaft sehr rasch die Menschheitsevolution weiterbringen.

[ 47 ] Ich habe einiges, was sich als okkulte Gesichtspunkte über das Leben ergeben hat, angeführt. Nehmen Sie nur die drei Gesichtspunkte, die wir ins Auge gefaßt haben, so sehen Sie, wie man dadurch, daß man sieht, wie das Leben zum Erdgeiste steht, der Heilkunst eine neue Richtung geben kann, ihr neue Impulse zuführt; wie man Raffael nicht so betrachtet, daß die Persönlichkeit des Raffael allein es ist, welche wirksam war, sondern daß auch die Kräfte da hineinragten, die vom Vater stammen, und wie man so diese Persönlichkeit erst recht wird verstehen können. Das dritte ist, daß wir Kinder erziehen können, wenn wir wissen, wie die Sache liegt mit den Kräften, die in sie hineinspielen. Äußerlich geben die Menschen durchaus zu, daß sie selber umringt sind von einer Unzahl von Kräften, die fortwährend auf sie einwirken, daß der Mensch von der Luft, von der 'Temperatur, von der Umgebung und den anderen Verhältnissen des Klimas, in denen er lebt, fortwährend beeinflußt wird. Und daß seine Freiheit dadurch nicht beeinträchtigt ist, das weiß jeder Mensch. Das sind die Faktoren, mit denen wir schon heute rechnen. Daß aber der Mensch fortwährend umgeben ist von geistigen Kräften und daß man diese geistigen Kräfte zu untersuchen hat, das wird die Menschheit durch die Geisteswissenschaft lernen. Sie wird rechnen lernen mit diesen Kräften, und sie wird mit ihnen zu rechnen haben in wichtigen Fällen von Gesundheit und Krankheit, von Erziehung und Leben. Sie wird solcher Einflüsse, wie sie aus der Umgebung, aus der übersinnlichen Welt kommen, eingedenk sein müssen, wenn zum Beispiel einem ein Freund dahingestorben ist und er sich dann trägt mit diesen oder jenen Sympathien und Ideen, die dem Dahingestorbenen eigen waren. Das, was jetzt gesagt worden ist, bezieht sich nicht bloß auf Kinder, sondern auf alle Lebensalter. Die Menschen brauchen durchaus nicht mit ihrem Oberbewußtsein zu wissen, wie die Kräfte der übersinnlichen Welt tätig sind. Aber ihre gesamte Gemütsverfassung kann es uns zeigen, ja ihre Gesundheits- oder Krankheitszustände können es uns zeigen.

[ 47 ] Ich habe einiges, was sich als okkulte Gesichtspunkte über das Leben ergeben hat, angeführt. Nehmen Sie nur die drei Gesichtspunkte, die wir ins Auge gefaßt haben, so sehen Sie, wie man dadurch, daß man sieht, wie das Leben zum Erdgeiste steht, der Heilkunst eine neue Richtung geben kann, ihr neue Impulse zuführt; wie man Raffael nicht so betrachtet, daß die Persönlichkeit des Raffael allein es ist, welche wirksam war, sondern daß auch die Kräfte da hineinragten, die vom Vater stammen, und wie man so diese Persönlichkeit erst recht wird verstehen können. Das dritte ist, daß wir Kinder erziehen können, wenn wir wissen, wie die Sache liegt mit den Kräften, die in sie hineinspielen. Äußerlich geben die Menschen durchaus zu, daß sie selber umringt sind von einer Unzahl von Kräften, die fortwährend auf sie einwirken, daß der Mensch von der Luft, von der 'Temperatur, von der Umgebung und den anderen Verhältnissen des Klimas, in denen er lebt, fortwährend beeinflußt wird. Und daß seine Freiheit dadurch nicht beeinträchtigt ist, das weiß jeder Mensch. Das sind die Faktoren, mit denen wir schon heute rechnen. Daß aber der Mensch fortwährend umgeben ist von geistigen Kräften und daß man diese geistigen Kräfte zu untersuchen hat, das wird die Menschheit durch die Geisteswissenschaft lernen. Sie wird rechnen lernen mit diesen Kräften, und sie wird mit ihnen zu rechnen haben in wichtigen Fällen von Gesundheit und Krankheit, von Erziehung und Leben. Sie wird solcher Einflüsse, wie sie aus der Umgebung, aus der übersinnlichen Welt kommen, eingedenk sein müssen, wenn zum Beispiel einem ein Freund dahingestorben ist und er sich dann trägt mit diesen oder jenen Sympathien und Ideen, die dem Dahingestorbenen eigen waren. Das, was jetzt gesagt worden ist, bezieht sich nicht bloß auf Kinder, sondern auf alle Lebensalter. Die Menschen brauchen durchaus nicht mit ihrem Oberbewußtsein zu wissen, wie die Kräfte der übersinnlichen Welt tätig sind. Aber ihre gesamte Gemütsverfassung kann es uns zeigen, ja ihre Gesundheits- oder Krankheitszustände können es uns zeigen.

[ 48 ] Und noch viel weiter gehen die Dinge, die den Zusammenhang des Menschen in bezug auf das Leben auf dem physischen Plan mit den Tatsachen der übersinnlichen Welt bedeuten. Ich möchte eine einfache Tatsache vor Sie hinstellen, die Ihnen zeigen wird, wie dieser Zusammenhang ist, eine Tatsache, die nicht bloß ausgedacht ist, sondern in vielen Fällen beobachtet wurde: Ein Mensch merkt in einer bestimmten Zeit, daß er Empfindungen hat, die er früher nicht hatte, daß Sympathien und Antipathien auftreten bei ihm, die er früher nicht kannte, daß ihm das oder jenes leicht gelingt, was ihm früher nur schwer gelungen ist. Er kann sich das nicht erklären. Seine Umgebung kann es ihm nicht erklären. Die Tatsachen des Lebens selber geben ihm auch nicht die Erklärung. Bei einem Menschen, bei welchem wir solches beobachtet haben, wird man erfahren können, wenn man aufmerksam zu Werke geht — man muß allerdings auch einen Blick für solche Dinge haben —, daß er jetzt Dinge weiß und kann, über die er früher nichts gewußt, die er früher nicht gekannt hat. Geht man der Sache weiter nach, wenn man durch die Lehren des Okkultismus und der Geisteswissenschaft durchgegangen ist, so wird man von ihm ungefähr folgendes hören können: Ich komme mir jetzt ganz merkwürdig vor. Ich träume jetzt etwas von einer Persönlichkeit, die ich nie im Leben gesehen habe. Sie spielt in meine Träume hinein, obgleich ich mich nie mit ihr beschäftigte. — Verfolgt man die Sache nun, so wird man finden, daß er bisher keine Veranlassung gehabt hat, sich mit ihr zu beschäftigen. Nun starb aber die Person, und nun erst tritt sie an ihn heran in der geistigen Welt. Als sie ihm genügend nahe gekommen war, zeigte sie sich ihm noch als Traumgestalt in einem "Traume, der mehr war als Traum. Von dieser Person, die er vorher im Leben nicht gekannt hat, die aber, nachdem sie gestorben war, Einfluß auf sein Leben gewann, kamen die Impulse, die er vorher nicht gehabt hatte.

[ 48 ] Und noch viel weiter gehen die Dinge, die den Zusammenhang des Menschen in bezug auf das Leben auf dem physischen Plan mit den Tatsachen der übersinnlichen Welt bedeuten. Ich möchte eine einfache Tatsache vor Sie hinstellen, die Ihnen zeigen wird, wie dieser Zusammenhang ist, eine Tatsache, die nicht bloß ausgedacht ist, sondern in vielen Fällen beobachtet wurde: Ein Mensch merkt in einer bestimmten Zeit, daß er Empfindungen hat, die er früher nicht hatte, daß Sympathien und Antipathien auftreten bei ihm, die er früher nicht kannte, daß ihm das oder jenes leicht gelingt, was ihm früher nur schwer gelungen ist. Er kann sich das nicht erklären. Seine Umgebung kann es ihm nicht erklären. Die Tatsachen des Lebens selber geben ihm auch nicht die Erklärung. Bei einem Menschen, bei welchem wir solches beobachtet haben, wird man erfahren können, wenn man aufmerksam zu Werke geht — man muß allerdings auch einen Blick für solche Dinge haben —, daß er jetzt Dinge weiß und kann, über die er früher nichts gewußt, die er früher nicht gekannt hat. Geht man der Sache weiter nach, wenn man durch die Lehren des Okkultismus und der Geisteswissenschaft durchgegangen ist, so wird man von ihm ungefähr folgendes hören können: Ich komme mir jetzt ganz merkwürdig vor. Ich träume jetzt etwas von einer Persönlichkeit, die ich nie im Leben gesehen habe. Sie spielt in meine Träume hinein, obgleich ich mich nie mit ihr beschäftigte. — Verfolgt man die Sache nun, so wird man finden, daß er bisher keine Veranlassung gehabt hat, sich mit ihr zu beschäftigen. Nun starb aber die Person, und nun erst tritt sie an ihn heran in der geistigen Welt. Als sie ihm genügend nahe gekommen war, zeigte sie sich ihm noch als Traumgestalt in einem "Traume, der mehr war als Traum. Von dieser Person, die er vorher im Leben nicht gekannt hat, die aber, nachdem sie gestorben war, Einfluß auf sein Leben gewann, kamen die Impulse, die er vorher nicht gehabt hatte.

[ 49 ] Es kommt nicht darauf an, zu sagen: Es ist ja nur ein Traum, der hier vorliegt. Es kommt vielmehr auf das an, was er enthält. Es kann etwas sein, was zwar in Traumform erscheint, aber der Wirklichkeit viel näher ist als das äußere Bewußtsein. Kommt es denn etwa darauf an, ob Edison im Traume oder bei hellem Tagbewußtsein eine Erfindung machte? Es kommt darauf an, ob die Erfindung wahr, brauchbar ist. So kommt es auch nicht darauf an, ob ein Erlebnis im Traumbewußtsein oder im äußeren physischen Bewußtsein stattfindet, sondern darauf, ob das Erlebnis wahr oder nicht wahr ist.

[ 49 ] Es kommt nicht darauf an, zu sagen: Es ist ja nur ein Traum, der hier vorliegt. Es kommt vielmehr auf das an, was er enthält. Es kann etwas sein, was zwar in Traumform erscheint, aber der Wirklichkeit viel näher ist als das äußere Bewußtsein. Kommt es denn etwa darauf an, ob Edison im Traume oder bei hellem Tagbewußtsein eine Erfindung machte? Es kommt darauf an, ob die Erfindung wahr, brauchbar ist. So kommt es auch nicht darauf an, ob ein Erlebnis im Traumbewußtsein oder im äußeren physischen Bewußtsein stattfindet, sondern darauf, ob das Erlebnis wahr oder nicht wahr ist.

[ 50 ] Fassen wir zusammen, was wir uns klarmachen konnten aus dem, was jetzt gesprochen worden ist, so können wir sagen: Wir konnten uns klarmachen, daß, wenn wir die okkulten Erkenntnisse zugrunde legen, das Leben sich uns in einem ganz anderen Zusammenhang darstellt, als wenn wir diese okkulten Erkenntnisse nicht haben. In dieser Beziehung sind die in materialistischer Denkweise gescheiten Leute wirklich recht kuriose Kinder. Man kann sich jede Stunde davon überzeugen. Als ich heute mit der Bahn zu Ihnen hierher fuhr, hatte ich eine Broschüre zur Hand genommen, die ein deutscher Physiologe geschrieben hat und die jetzt in zweiter Auflage erschienen ist. Darin sagt er, daß man nicht sprechen könne von einer aktiven Aufmerksamkeit in der Seele, von einem Hinlenken der Seele auf etwas, sondern daß alles abhänge von der Funktion der einzelnen Gehirnganglien, und weil da von den Gedanken die Bahnen gemacht werden müssen, sei alles davon abhängig, wie die einzelnen Gehirnzellen funktionieren. Keine Intensität der Seele könne da eingreifen, es hinge eben lediglich davon ab, ob diese oder jene Verbindungsfäden in unserem Gehirn gezogen sind oder nicht gezogen sind. Es sind wirklich rechte Kinder, diese materialistischen Gelehrten. Wenn man so etwas in die Hand bekommt, muß man sich folgendes denken: Arglos sind diese Herren, denn in derselben Broschüre findet sich der Satz, daß man in neuester Zeit gefeiert habe den hundertsten Geburtstag von Darwin und daß dabei Berufene und Unberufene gesprochen hätten. Natürlich hält sich der Verfasser der Broschüre für einen ganz besonders Berufenen, Und dann kommt die ganze Gehirnzellen-Theorie und ihre Verwendung. Wie steht es aber mit der Logik der Sache? Wenn man gewohnt ist, die Dinge in Wahrheit zu betrachten und dann ins Auge faßt, was diese großen Kinder den Menschen über den Sinn des Lebens bieten, da kommt man auf den Gedanken, daß es eigentlich dasselbe ist, wie wenn jemand sagen würde, es sei einfach Unsinn, daß irgendeinmal ein menschlicher Wille eingegriffen hätte in die Art und Weise, wie über die Fläche Europas hin die Eisenbahnen gehen. Denn es ist doch ganz dasselbe, wenn man in einem gewissen Zeitpunkte alle Lokomotiven in ihren Teilen und Funktionen ins Auge fassen und sagen würde: Die Lokomotiven sind soundso eingerichtet und fahren nach soundso vielen Richtungen, es begegnen sich aber die verschiedenen Richtungen an gewissen Knotenpunkten und somit kann man alle Lokomotiven nach allen Richtungen hin ableiten. — Was dadurch geschehen würde, wäre ein großes Durcheinanderwirbeln der Lokomotiven und Züge auf den europäischen Eisenbahnen. Ebensowenig aber kann man erklären, daß das, was in den Gehirnzellen sich abspielt als menschliches Gedankenleben, lediglich von der Beschaffenheit der Zellen abhängt. Wenn solche Gelehrten dann einmal unvorbereitet einen Vortrag über Okkultismus oder Geisteswissenschaft zu hören bekommen, so sehen sie das, was da gesagt wird, als den heillosesten Unsinn an. Sie sind fest überzeugt, daß niemals ein Wille eingreifen kann in die Art und Weise, wie die europäischen Lokomotiven gehen, sondern daß es abhängt davon, wie sie geheizt und gerichtet sind.

[ 50 ] Fassen wir zusammen, was wir uns klarmachen konnten aus dem, was jetzt gesprochen worden ist, so können wir sagen: Wir konnten uns klarmachen, daß, wenn wir die okkulten Erkenntnisse zugrunde legen, das Leben sich uns in einem ganz anderen Zusammenhang darstellt, als wenn wir diese okkulten Erkenntnisse nicht haben. In dieser Beziehung sind die in materialistischer Denkweise gescheiten Leute wirklich recht kuriose Kinder. Man kann sich jede Stunde davon überzeugen. Als ich heute mit der Bahn zu Ihnen hierher fuhr, hatte ich eine Broschüre zur Hand genommen, die ein deutscher Physiologe geschrieben hat und die jetzt in zweiter Auflage erschienen ist. Darin sagt er, daß man nicht sprechen könne von einer aktiven Aufmerksamkeit in der Seele, von einem Hinlenken der Seele auf etwas, sondern daß alles abhänge von der Funktion der einzelnen Gehirnganglien, und weil da von den Gedanken die Bahnen gemacht werden müssen, sei alles davon abhängig, wie die einzelnen Gehirnzellen funktionieren. Keine Intensität der Seele könne da eingreifen, es hinge eben lediglich davon ab, ob diese oder jene Verbindungsfäden in unserem Gehirn gezogen sind oder nicht gezogen sind. Es sind wirklich rechte Kinder, diese materialistischen Gelehrten. Wenn man so etwas in die Hand bekommt, muß man sich folgendes denken: Arglos sind diese Herren, denn in derselben Broschüre findet sich der Satz, daß man in neuester Zeit gefeiert habe den hundertsten Geburtstag von Darwin und daß dabei Berufene und Unberufene gesprochen hätten. Natürlich hält sich der Verfasser der Broschüre für einen ganz besonders Berufenen, Und dann kommt die ganze Gehirnzellen-Theorie und ihre Verwendung. Wie steht es aber mit der Logik der Sache? Wenn man gewohnt ist, die Dinge in Wahrheit zu betrachten und dann ins Auge faßt, was diese großen Kinder den Menschen über den Sinn des Lebens bieten, da kommt man auf den Gedanken, daß es eigentlich dasselbe ist, wie wenn jemand sagen würde, es sei einfach Unsinn, daß irgendeinmal ein menschlicher Wille eingegriffen hätte in die Art und Weise, wie über die Fläche Europas hin die Eisenbahnen gehen. Denn es ist doch ganz dasselbe, wenn man in einem gewissen Zeitpunkte alle Lokomotiven in ihren Teilen und Funktionen ins Auge fassen und sagen würde: Die Lokomotiven sind soundso eingerichtet und fahren nach soundso vielen Richtungen, es begegnen sich aber die verschiedenen Richtungen an gewissen Knotenpunkten und somit kann man alle Lokomotiven nach allen Richtungen hin ableiten. — Was dadurch geschehen würde, wäre ein großes Durcheinanderwirbeln der Lokomotiven und Züge auf den europäischen Eisenbahnen. Ebensowenig aber kann man erklären, daß das, was in den Gehirnzellen sich abspielt als menschliches Gedankenleben, lediglich von der Beschaffenheit der Zellen abhängt. Wenn solche Gelehrten dann einmal unvorbereitet einen Vortrag über Okkultismus oder Geisteswissenschaft zu hören bekommen, so sehen sie das, was da gesagt wird, als den heillosesten Unsinn an. Sie sind fest überzeugt, daß niemals ein Wille eingreifen kann in die Art und Weise, wie die europäischen Lokomotiven gehen, sondern daß es abhängt davon, wie sie geheizt und gerichtet sind.

[ 51 ] So sehen wir, wie wir in der Gegenwart vor der Frage nach dem Sinn des Lebens stehen. Auf der einen Seite wird sie in uns stark verdunkelt, auf der anderen Seite drängen sich uns aber auf die okkulten Tatsachen. Wenn wir zusammenfassen, was heute mitgeteilt worden ist, dann werden wir mit dieser Grundlage die Frage vor unsere Seele so hinstellen, wie man sie sich im Okkultismus stellen kann, nämlich: Welches ist der Sinn des Lebens und des Daseins, insbesondere des menschlichen Lebens und des menschlichen Daseins?

[ 51 ] So sehen wir, wie wir in der Gegenwart vor der Frage nach dem Sinn des Lebens stehen. Auf der einen Seite wird sie in uns stark verdunkelt, auf der anderen Seite drängen sich uns aber auf die okkulten Tatsachen. Wenn wir zusammenfassen, was heute mitgeteilt worden ist, dann werden wir mit dieser Grundlage die Frage vor unsere Seele so hinstellen, wie man sie sich im Okkultismus stellen kann, nämlich: Welches ist der Sinn des Lebens und des Daseins, insbesondere des menschlichen Lebens und des menschlichen Daseins?