Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Christ and the Human Soul
On the Meaning of Life
Theosophical Morality
Anthroposophy and Christianity
GA 155

24 May 1912, Copenhagen

Translate the original German text into any language:

Über den Sinn des Lebens II

Lecture Two

[ 1 ] Es wäre ein schwerer Irrtum, wenn man glauben wollte, daß die Frage nach dem Sinn des Lebens und des Daseins einfach so aufgeworfen werden könnte, daß man sagt: Welches ist der Sinn des Lebens und des Daseins? und daß irgend jemand dann eine einfache Antwort geben könnte in ein paar Worten, indem er vielleicht sagt: Dieses ist der Sinn des Lebens und des Daseins oder jenes. Auf diese Art würde niemals eine wirkliche Empfindung entstehen können, niemals eine Vorstellung zustande kommen von dem Großartigen, Majestätischen und Gewaltigen, das sich verbirgt hinter dieser Frage nach dem Sinn des Lebens.

[ 1 ] It would be a grave error if one were to believe that the question as to the meaning of life and existence could be put in such a simple way that one could ask: “What is the meaning of life and existence?” and then someone could give a simple answer in a few words, saying perhaps: “This or that is the meaning of life.” In this way no real feeling, no idea could ever be gained of the sublimity, majesty, and power which lie behind this question as to the meaning of life.

[ 2 ] Allerdings, man könnte auch eine abstrakte Antwort geben, und Sie werden durchfühlen, durch das, was ich nachher werde zu sagen haben, wie wenig befriedigend eine solche abstrakte Antwort wäre. Man könnte sagen: Der Sinn des Lebens besteht eigentlich darinnen, daß diejenigen geistigen Wesenheiten, zu denen wir hinaufschauen als göttlichen Wesenheiten, den Menschen allmählich dazu gelangen lassen, mitzuarbeiten an der Entwickelung des Daseins, so daß der Mensch gleichsam im Beginne seiner Entwickelung unvollkommen wäre, nicht mitarbeiten könnte an dem ganzen Bau des Weltalls und im Laufe der Entwickelung allmählich immer mehr und mehr herangezogen würde, an dieser Entwickelung mitzuarbeiten.

[ 2 ] It is true that an abstract answer might be given, but you will realise by what I say later on how little satisfactory such an answer would be. It might be said that the meaning of life consists in the fact that spiritual beings to whom we look up as Divine Beings gradually bring man to the stage where he is permitted to co-operate in the evolution of existence, so that man who was imperfect in the beginning of his development and was incapable of taking part in the whole construction of the universe, might in the course of evolution gradually be trained to participate more and more in this evolution.

[ 3 ] Das wäre aber eine abstrakte Antwort, die uns außerordentlich wenig sagen würde. Wir müssen vielmehr, um eine Antwort auf eine so bedeutungsvolle Frage auch nur zu ahnen, uns vertiefen in gewisse Geheimnisse des Daseins und des Lebens. Da wollen wir von den Betrachtungen ausgehen, die sich uns auf der Grundlage derjenigen ergeben, die wir schon gestern angestellt haben. Wir wollen uns heute sozusagen nur noch etwas intensiver hineinarbeiten in diese Geheimnisse des Daseins. Wir können uns eigentlich nicht bloß daran genügen lassen, wenn wir die Welt um uns herum betrachten, Entstehen und Vergehen zu sehen. Wir haben schon gestern darauf aufmerksam gemacht, wie rätselvoll dieses Entstehen und Vergehen an unsere Seele herankommt, wenn wir uns fragen nach dem Sinn, der da ist in all diesem Entstehen und Vergehen. Aber es gibt etwas, was uns eine noch schwierigere Rätselfrage vorlegt.

[ 3 ] That would be an abstract answer, telling us very little. Rather must we penetrate into certain secrets of existence and life, if we would grasp something like an answer to a question of such far-reaching importance. So we may take as a basis the facts considered yesterday: penetrating yet a little more deeply into the mysteries of existence. When we observe the world around us, it is not really enough that we see growth and decay. Yesterday we drew attention to the fact that this growth and decay affect our souls mysteriously when we ask ourselves what is the meaning of it all. But there is something that is a still more difficult problem.

[ 4 ] Wenn wir uns dieses Entstehen und Vergehen einmal genauer betrachten, wird die Sache noch rätselvoller. Wir sehen dann schon im Entstehen sozusagen etwas höchst Merkwürdiges, etwas höchst Sonderbares, das uns tragisch, traurig stimmen könnte, wenn wir es nur oberflächlich betrachten. Tun wir einen Blick mit den Erkenntnissen, die wir haben aus der physischen Welt, sehen wir in die Weiten des Weltmeeres oder in die Weiten irgendeiner anderen Daseinsform, so wissen wir, daß unzählige Lebenskeime entstehen und daß wenige von diesen Lebenskeimen wirklich zu voll ausgebildeten Wesen werden. Denken Sie sich nur einmal, wieviel Keime von verschiedenen Fischen alljährlich im Meere abgelegt werden, die nicht ihr Ziel, nämlich ausgebildete Wesen zu werden, erreichen, sondern vorher wieder verschwinden, und wie nur eine kleine Anzahl dieser Keime das Ziel, ausgebildete Wesen zu werden, erreichen kann!

[ 4 ] We see already in the origin and growth of things something that is highly remarkable, which if only observed superficially gives us a feeling of sadness and of tragedy. If, with the knowledge gained from the physical world, we look into the depths of the ocean or into the vast fields of any other form of existence, we know that countless germs of life arise and that but few of these become fully developed beings. Only think how many germs of different fish are produced yearly in the sea which do not reach their goal of development, but disappear again before reaching it, and how only a small number of these germs attain maturity.

[ 5 ] Gestern haben wir den Blick hingewendet auf die Tatsache, daß alles, was entsteht, sozusagen wieder zugrunde geht. Nun aber drängt sich uns die andere Tatsache auf, daß aus einem unbegrenzten Reiche unermeßlicher Möglichkeiten nur wenige Wirklichkeiten auftauchen, daß also schon im Entstehen etwas Rätselvolles liegt, indem das, was da scheint sich zum Dasein zu ringen, gar nicht einmal so recht zur Entstehung kommen kann.

[ 5 ] Yesterday we turned our attention to the fact that everything which comes into existence perishes again. But now the other fact forces itself on our attention, that out of a limitless domain of immeasurable possibilities but few realities emerge, and that already in the origin of things there is something enigmatical, in the fact that what strives to come into existence cannot really develop.

[ 6 ] Betrachten wir einen konkreten Fall. Wenn wir ein Ackerfeld besäen, auf dem meinetwillen Weizen oder Korn gedeiht, da sehen wir hervorsprießen eine große Anzahl Weizen- oder Kornähren. Wir wissen ganz gut, daß aus jedem einzelnen Korn dieser Kornähren wieder eine neue Weizen- oder Kornähre entstehen kann. Und nun fragen wir uns: Wieviele der Körner der Ähren, die wir da überschauen auf dem Saatfelde, erreichen dieses Ziel? Lassen wir einmal den Gedanken schweifen zu den unendlich vielen Körnern, die einen ganz anderen Weg gehen als den, der das Ziel der Körner ist, nämlich wiederum zur Ähre zu werden; da haben wir, was wir bei allen Lebenskeimen sehen, in einem konkreten Falle vor uns. So daß wir sagen müssen: Das Lebendige, das uns umgibt, entsteht schon als solches nur dadurch, daß es in seinem Entstehen unermeßliche Lebenskeime wie in den Abgrund des Ziellosen hinunterzudrängen scheint.

[ 6 ] Let us take a concrete case. If we sow a field with corn, we see springing up a great number of ears of corn. We know quite well that out of every single grain in these ears of corn a new ear of corn can come into existence. And now we ask: “How many of all those grains of corn we see on the corn-field reach this goal?” Let us think for a moment of the numberless grains which go quite a different way from that which is their object, namely to become ears of corn in their turn. In concrete form we can therefore assert that the life surrounding us only comes into existence as such, through the fact that, in its birth, it seems to push down numberless life-germs as if into an abyss of non-fulfilment.

[ 7 ] Halten wir das fest, halten wir fest, daß rund in unserer Umgebung das, was da ist, sich auf einem Unterboden der reichsten, unermeßlich reichen Möglichkeiten erhebt, die nie zu Wirklichkeiten werden im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Halten wir fest, daß auf einem solchen Boden der Möglichkeiten sich erheben die Wirklichkeiten, und betrachten wir es als die eine Seite des rätselvollen Lebensdaseins, die sich unserem Auge darbietet.

[ 7 ] Everywhere in our surroundings, what exists is built on a groundwork of infinitely rich possibilities which may become realities in the ordinary sense of the word. Let us keep in mind that on such a foundation of possibilities realities do arise, and let us regard this as one view of the mysterious life-existence that is presented to us.

[ 8 ] Jetzt wollen wir einmal nach der anderen Seite ausblicken, die auch da ist, die aber allerdings nur durch Vertiefung in die okkulten Wahrheiten uns bewußt werden kann. Die andere Seite ist diese, die sich dem Menschen darbietet, wenn er den Weg zur okkulten Erkenntnis geht. Dieser Weg zur okkulten Erkenntnis wird zuweilen, wie Sie wissen, als etwas Gefährliches geschildert. Und warum? Einfach aus dem Grunde, weil wir, wenn wir den Pfad zur okkulten Erkenntnis gehen wollen, eintreten in ein Reich, das keineswegs so ohne weiteres, so, wie es sich uns darbietet, hingenommen werden darf.

[ 8 ] Now we shall look at the other side of the picture which also exists, but of which we are only aware when we enter deeply into spiritual truths. The other side is that which presents itself to man when he follows the path to Anthroposophy. This path is sometimes described, as you know, as dangerous. And why? Simply for the reason that if we wish to follow the path to spiritual knowledge we enter a realm which may on no account be accepted off-hand in the form in which it presents itself to us.

[ 9 ] Nehmen wir an, ein Mensch gehe mit den Mitteln, die Ihnen bekannt sind und die Sie finden in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», den okkulten Pfad und käme so weit, daß sich aus den Untergründen seiner Seele erhöbe dasjenige, was wir Imaginationen nennen. Wir wissen, was das für Gebilde sind. Es sind visionäre Bilder, die dem Menschen, wenn er den okkulten Pfad gegangen ist, als eine ganz neue Welt gegenübertreten. Wenn ein Mensch wirklich ernsthaft diesen okkulten Pfad geht, so gelangt er dazu, daß sich die ganze physische Welt, die um ihn herum ist, verdunkelt. An Stelle dieser physischen Welt tritt eine Welt auf- und abwogender Bilder auf, auf- und abwogender Eindrücke tonartiger, geruchsartiger, geschmacksartiger, lichtartiger Natur. Das dringt und wirbelt in unseren okkulten Gesichtskreis herein, und wir machen die Erfahrungen, die wir nennen können die Erfahrungen der imaginativen Visionen, die uns von allen Seiten dann umgeben, die unsere Welt sind, in der wir mit unserer Seele leben und weben.

[ 9 ] Let us suppose that a man were following the spiritual path by methods known to you, and which are to be found in my book Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, and that such a person reached the point when what we call imaginative pictures arose out of the depths of his soul. We know what imaginative pictures are. They are visionary images, confronting a man when he is following the spiritual path as an entirely new world. If a man is really seriously following this path, he comes to the stage at which the whole of the physical world around him grows dim. In the place of this physical world there appears a world of moving images, a world of surging impressions of the nature of sounds, smell, taste and light. This presses on and whirls within our spiritual horizon and we experience what may be called imaginative visions which then surround us on all sides and constitute the world in which our souls live and move.

[ 10 ] Nehmen wir nun an, ein Mensch würde sich verlassen darauf, daß er in dieser viisionären Welt, in die er auf diese Art eintritt, eine volle Wirklichkeit vor sich hätte; dieser Mensch würde sich in einem schweren, sehr schweren Irrtum befinden. Und hier stehen wir an dem Punkte, wo die Gefahr beginnt. Unermeßlich ist das Reich des visionären Lebens, solange wir uns nicht von der Imagination, die uns eine visionäre Welt vorzaubert, erheben zu der Inspiration. Diese erst sagt uns: Nach diesem einen Bilde mußt du dich hinwenden, dahin mußt du deinen okkulten Blick richten, dann wirst du eine Wahrheit erleben, und unzählige andere Bilder, die rings um dieses herum sind, müssen verschwinden in ein wesenloses Nichts. Dann wird dieses eine Bild aus unermeßlich vielen hervorgehen und sich dir bewähren als ein Ausdruck der Wahrheit.

[ 10 ] Now let us suppose that a man were convinced that in the visionary world which appeared before him, he had something entirely real; such a man would be subject to a very grave mistake. And here we are at the point where danger begins. The realm of visionary life is immeasurable as long as we do not ascend from Imagination, which conjures up a visionary world, to Inspiration. It is the latter which first tells us to direct our attention to one particular picture, to turn our spiritual gaze to it, and that then we shall experience truth; and the countless other pictures that surround this one must vanish into lifeless space. This one picture will arise from countless others and will prove itself to be an expression of the truth.

[ 11 ] Also, wir treten, wenn wir uns auf dem okkulten Pfade befinden, in ein Reich unermeßlicher Visionsmöglichkeiten und müssen uns dazu entwickeln, sozusagen herauszugliedern, auszuwählen aus diesem Reiche der unermeßlichen Visionsmöglichkeiten diejenigen, welche wirklich eine geistige Realität zum Ausdrucke bringen. Es gibt keine andere Möglichkeit der Sicherung als die eben angedeutete, denn wenn jemand käme und sagte: Man tritt also ein in ein Reich unermeßlich reicher Visionen, welche sind wahr, welche sind falsch? Kannst du mir nicht eine Regel geben, wodurch ich die wahren von den falschen unterscheide? — so würde diese Fragen kein Okkultist mit einer Regel beantworten. Jeder Okkultist müßte antworten: Wenn du unterscheiden lernen willst, dann mußt du dich weiterentwickeln. Dann aber tritt auch für dich die Möglichkeit ein, daß du den Blick hinrichtest auf dasjenige, was deinem Anblicke standhält. Denn diejenigen, welche standhalten, sind solche, die auf deinem Standpunkte sind, diejenigen aber, welche von dir ausgelöscht werden, sind bloß Nebenbilder.

[ 11 ] Thus, when we find ourselves on the spiritual path, we enter a realm where countless visions are possible and we must develop, so that we can select, as it were, out of this realm of infinite possibilities of vision, those which express a true spiritual reality. No other guarantee is possible than the one just mentioned, for if anyone were to come and say: “I enter a realm infinitely rich in visions, tell me which are true and which are false, can you not give a rule whereby I can distinguish the one from the other?”—no genuine occultist or spiritual investigator would answer these questions with a rule, but he would have to say: “If you wish to learn to discriminate, you must go on developing yourself. Then it will happen that it will be possible for you to direct your vision to that which remains. The visions which endure are those that have reached a certain level; but those which must be wiped out by you are merely images of mist.”

[ 12 ] Die Gefahr liegt nun darin, daß viele Menschen sich außerordentlich wohl und wohlig befinden in dem Reiche der Visionen und, wenn sie eine visionäre Welt vor sich haben, gar nicht weiter sich entwickeln, gar nicht weiterstreben wollen, da ihnen diese visionäre Welt außerordentlich gefällt. Man kann sich nicht zur Wahrheit entwickeln im geistigen Leben, wenn man sich dieser Seligkeit, sozusagen dem Schwelgen in der visionären Welt, einfach hingibt. Man kann sich dann nicht erheben zur Realität, zur Wahrheit. Man muß mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, weiterstreben. Dann sondert sich wirklich aus der unermeßlichen Möglichkeit der Visionen das Geistig-Wirkliche heraus.

[ 12 ] Now danger lies in the fact that many people feel themselves extremely pleased and comfortable in the realm of visions. When once surrounded by a visionary world they do not trouble to develop themselves further, or go on striving, because this visionary world pleases them extremely well. But it is impossible to attain reality in the spiritual life when we simply surrender ourselves to this feeling of bliss, to revelling, as it were, in the visionary world. We cannot then ascend to reality of truth. It is necessary to go on striving with all the means at our disposal; for only then does spiritual reality really emerge out of the limitless possibility of visions.

[ 13 ] Und nun vergleichen Sie die zwei Dinge, die ich Ihnen charakterisiert habe. Auf der einen Seite draußen die Welt, die unzählige Möglichkeiten der Lebenskeime aus sich hervorgehen und nur wenige davon an ihr Ziel gelangen läßt, und auf der anderen Seite die innere Welt, zu der uns der Erkenntnispfad führt: eine unermeßliche Welt von Visionen, zu vergleichen mit der Welt der Möglichkeiten der Lebenskeime. Wenige davon sind solche Visionen, zu denen wir zuletzt kommen, die zu vergleichen sind mit dem, was aus den vielen Lebenskeimen als das wenige wirkliche Leben sich erhebt. Diese zwei Dinge entsprechen einander vollständig in der Welt, diese zwei Dinge gehören durchaus in der Welt zusammen.

[ 13 ] Now compare the two things which I have described. On the one hand, the world without, where we find numberless possibilities for life-germs, whereof only a few can attain their goal; on the other hand the inner world to which the path of knowledge leads us: an infinite world of visions which is to be compared with the world of infinite possibilities for the life germs. A few of these are such visions to which we at last attain, and which may be compared to the few real lives which emerge from among the numerous life-germs. These two things correspond completely; they belong entirely to each other in the world.

[ 14 ] Nun aber wollen wir den Gedanken ein wenig fortsetzen. Wir wollen fragen: Hat derjenige Mensch recht, der nun kleinmütig und traurig ist über das Leben und das Dasein, weil dieses Leben draußen unzählige Keime sozusagen nur halb entstehen und nur wenige davon ans Ziel gelangen läßt? Haben wir die Möglichkeit, zu trauern darüber, haben wir die Möglichkeit zu sagen: Draußen ist ein wütender Kampf ums Dasein, dem nur wenige zufällig entkommen ? Betrachten Sie unser konkretes Beispiel von dem Saatfelde, dem Korn- oder Weizenfelde. Nehmen wir an, es würden alle Weizenkörner, welche entstehen, wirklich an ihr Ziel gelangen und wieder Ähren werden. Was wäre da die Folge? Es wäre einfach die Welt nicht möglich, denn die Wesenheiten, die sich vom Korn oder Weizen ernähren müssen, hätten keine Nahrung! Damit diejenigen Wesenheiten, die wir nur allzugut kennen, hinaufkommen konnten auf die jetzige Stufe der Entwickelung, mußten hinter ihrem Ziele zurückbleiben die Wesenheiten, die wir eben angeführt haben, die sozusagen in den Abgrund hinuntersinken müssen gegenüber der Sphäre ihres eigenen Zieles. Wir haben aber trotzdem keinen Grund zur Trauer, wenn wir nicht sagen wollen, es liegt uns überhaupt nichts an der Welt; denn wenn uns an der Welt etwas liegt, wenn uns daran liegt, daß sie besteht — und die Welt besteht nur aus Wesenheiten —, so müssen diese Wesenheiten sich ernähren können. Wenn sie sich ernähren sollen, dann müssen andere Wesenheiten sich opfern. Daher können auch nur wenige von den Lebenskeimen wirklich an ihr Ziel gelangen. Die anderen müssen andere Wege gehen. Sie müssen deshalb andere Wege gehen, weil die Welt bestehen soll, weil wirklich nur dadurch die Welt weise eingerichtet sein kann.

[ 14 ] Now let us carry this thought a little further: “Is that man right who is faint-hearted and sad about life and existence because in this life numberless germs can only, so to speak, half emerge and but few reach their goal?” Is it possible for us to be sad about these facts? Is it possible to say: “All around there is a wild struggle for existence from which only a few accidentally escape?” Let us consider our concrete example of the cornfield. Let us suppose that all the grains of corn which grow there were really to reach their goal and become ears of corn. What would be the result? The world would then be impossible, for the things which are nourished on the grains of corn would have no food. In order that certain things or beings well known to us may reach their present stage of development, other things or beings have to fall short of their goal, have to sink down into the abyss as far as their own destiny is concerned. But notwithstanding that, we have no reason for sadness, for if we concern ourselves with the world, if we concern ourselves with its existence, the world consists only of beings and those beings must be able to find nourishment. If they are to be nourished, then other beings must sacrifice themselves. Therefore, only few life-germs can really reach their goal. The others must go another way. They have to go a different way because the world has to exist, because it is really the only way in which the world can be wisely ordered.

[ 15 ] Wir sind also nur dadurch umgeben von einer Welt, wie wir sie haben, daß sich gewisse Wesenheiten opfern, bevor sie zu ihrem Ziele gelangen. Wenn wir den Weg der sich opfernden verfolgen, so finden wir sie in den anderen Wesen, die übergeordnet sind, in den Wesen, die dieses Opfer brauchen, damit sie da sein können. Da haben wir sozusagen an einer Ecke erfaßt den Sinn auch des scheinbar so rätselvollen Daseins, das entstehen und auch in die Vernichtung hinuntersinken kann. Und dennoch haben wir entdeckt, daß gerade darin sich Weisheit im Dasein enthüllt, also Sinn enthüllt, und daß nur unser Nachdenken zu kurz ist, wenn wir jammern darüber, daß so vieles scheinbar ziellos in den Abgrund hinuntersinken muß.

[ 15 ] We are thus surrounded by a world which is such as it is because certain beings sacrifice themselves before they have reached their goal. If we follow the way of those which are sacrificed, we find them within other beings which are more highly organised; beings who have need of this sacrifice in order that they may exist. Here, in a nutshell, as it were, we can grasp the meaning of existence, which is so seemingly difficult to understand in the coming forth of beings into existence and their annihilation. Yet we have discovered that it is precisely in this that wisdom and meaning in existence are revealed, and that it is only our reflection that does not go far enough, when we lament that so many things must apparently disappear without reaching their goal.

[ 16 ] Jetzt gehen wir wieder zu der anderen, zu der geistigen Seite. Nehmen wir einmal das, was wir die unermeßliche Welt der Visionen genannt haben. Da müssen wir allerdings darauf eingehen, was diese unermeßliche Welt der Visionen eigentlich bedeutet. Sie ist nicht einfach in dem Sinne falsch, diese unermeßliche Welt der Visionen, daß man sagt: Das ist falsch, was da hinuntersinkt, und das, was da zuletzt bleibt, ist richtig. Nicht in dem Sinne ist diese Welt falsch. Das ist ein ebenso kurzsichtiges Urteil, wie wenn man glaubte, das wären keine Lebenskeime, die nicht zum Leben kommen, und das wären keine richtigen Imaginationen, die für uns im Unermeßlichen untergehen. Geradeso, wie es uns im äußeren, realen Leben entgegentritt, daß nur wenige Wesen ihr Ziel erreichen, so kann auch von dem unermeßlichen Geistesleben nur weniges in unseren Horizont hineintreten. Und warum?

[ 16 ] Now let us turn to the other, the spiritual side. Let us take what we have called the limitless world of visions. Here we must in the first place understand what this boundless world of vision really means. It is not simply false in such a sense that we can say: that which disappears is false, that which finally remains is true. Not in this sense is this world false. That would be as short-sighted a judgment as if we were to believe that the life-germs which do not come to fruition are not really life-germs at all. Just as in external life the fact confronts us that only a few beings reach their goal, so it is only possible for a few things out of the limitless spiritual life to enter our horizon. And why?

[ 17 ] Diese Frage nach dem Warum wird außerordentlich lehrreich für uns sein. Nehmen wir an, der Mensch würde sich den in unermeßlicher Manmnigfaltigkeit in ihn einströmenden Visionen einfach hingeben. Wem einmal die visionäre Welt eröffnet ist, in den strömen fortwährend Visionen ein, da kommt und geht eine nach der anderen und wogt und webt eine in der anderen. Man kann sich gar nicht erwehren der Bilder und Eindrücke, die da im Geistigen, auf- und abwogend, uns umpulsen. Aber wenn wir genau zusehen, dann finden wir bei so jemandem, der sich einfach dieser visionären Welt hingibt, etwas höchst Eigentümliches. Erstens finden wir, wenn uns so jemand entgegentritt, der sich nicht weiterentwickeln, sondern beim Visionären stehenbleiben will, daß er dieses oder jenes erfahren, daß er dieses oder jenes Erlebnis gehabt hat. Gut, sagen wir, du hast geistige Erlebnisse gehabt, du hast das erlebt, für dich sind es Wirklichkeiten. Schön, das ist eine Kundgebung aus der geistigen Welt. Aber wir werden sehr bald merken, daß, wenn ein anderer kommt und über dieselbe Sache seine Visionen uns mitteilt und er auch nicht weiter ist als der erstere, seine Visionen über dieselbe Sache eine ganz andere Gestalt haben, so daß zwei verschiedene Aussagen vorliegen können über dieselbe Sache. Ja, wir werden noch schlimmere Erfahrungen machen können. Wir werden finden, daß solche Menschen, welche stehenbleiben wollen bei der bloß visionären Welt, selber über ein und dieselbe Sache zu verschiedenen Zeiten verschiedene Aussagen machen, einmal dieses erzählen, das andere Mal jenes. Es ist eben schlimm, daß Visionäre gewöhnlich ein schlechtes Gedächtnis haben und gewöhnlich nicht mehr wissen, was sie das erstemal erzählt haben. Sie sind sich nicht bewußt dessen, was sie da erzählt haben.

[ 17 ] This question as to the “why” will be extremely instructive for us. Let us suppose that a man would simply surrender himself to the visions floating in on him in immeasurable variety. If once this visionary world is opened, the visions pour in incessantly, one after another, they come and go and surge and flow into one another. It is quite impossible to shut ourselves off from the pictures and impressions which pulsate around us in the spiritual world. But on closer observation we find something very peculiar in a person who thus simply surrenders himself to this visionary world. In the first place we find when we encounter a person who does not want to develop any further, but just wishes to remain at the visionary stage, that he has experienced something, that he has had this or that experience. Good, we say, you have experienced things that are realities to you. Excellent, that is a manifestation from the spiritual world. But very soon we shall notice that when another person comes and tells us what visions he had in connection with the same thing, and this second one is no further advanced than the first, that his visions about the same thing have quite a different form, so that two different statements may be presented on the same subject. Indeed, we may even make worse discoveries. We find that such men who wish to remain at the mere visionary world even give different statements about one and the same matter; that sometimes they tell us one thing and sometimes another. Only it is unfortunate that visionaries generally have bad memories and have forgotten what they related the first time. They are not themselves aware of what they have related.

[ 18 ] Kurz, wir haben es zu tun mit einer unermeßlichen Mannigfaltigkeit der Erscheinungen. Wollten wir als Menschen mit unserem jetzigen Erden-Ich dies alles, was sich uns in der visionären Welt darbietet, richtig beurteilen, dann müßten wir unendlich vieles vergleichen. Dabei würde aber gar nichts herauskommen. Als Grundsatz muß gelten, daß zunächst diese visionäre Welt allerdings eine Offenbarung des Geistes ist, daß sie aber als Aussage zunächst gar nichts wert ist. Mögen noch so viele Visionen an uns herankommen — sie sind Kundgebungen der geistigen Welt, aber Wahrheiten sind es nicht. Wenn sie Wahrheiten werden sollen, müßte man erst die verschiedenen Visionen des einzelnen und mannigfaltiger anderer Menschen miteinander vergleichen. Das kann aber nicht sein. Ein Ersatz dafür wird geschaffen durch die Weiterentwickelung nach der Inspiration hin. Dann aber tritt das Folgende auf: Wir erfahren dann, daß, wenn die Menschen zu dem Standpunkte der Inspiration sich erheben, bei allen die Aussagen gleich sind. Da gibt es keine Verschiedenheiten mehr, nichts, was für den einen sich anders darstellt als für den anderen. Da sind die Erfahrungen bei allen, die die gleiche Entwickelungsstufe erreicht haben, tatsächlich gleich.

[ 18 ] In short, we have to do with a numberless variety of phenomena. If, as human beings with our present ego we would rightly judge of everything which presents itself in the visionary world, we should have to compare an infinite number of visions. But that would lead to no result. It must be taken as a principle that this visionary world is in the first pace a manifestation of the spirit, but that it has not the slightest value as information. However many visions may come to us, they are manifestations of the spiritual world, but they are not realities. If they are to become truths, the different visions of many persons would have to be compared and that is impossible. Instead of that there is the possibility of further development to the stage of Inspiration, we find that all their statements are alike. Then there are no more differences nothing which appears differently to different persons. Then the experiences are actually the same in the case of all who have reached the same stage of development.

[ 19 ] Nun gehen wir zu der anderen Frage, die ihr auch in gewisser Weise entspricht: zu dem, was sich uns in der äußeren Welt dargeboten hat. Da werden die wenigen ans Ziel gelangten Lebenskeime in Vergleich gesetzt mit den vielen, die in den Abgrund schon hinuntergesunken sind. Wir wissen, damit die äußere Welt bestehen kann, ist dieser Untergang notwendig. Wie ist es aber mit der geistigen Welt, mit diesen Visionen und Inspirationen? Da müssen wir vor allen Dingen uns klar sein, daß dasjenige, was wir da vor uns haben, wenn wir die Visionen auswählten, dann wirklich als geistige Realitäten vor uns steht, daß wir damit nicht etwa bloße Bilder vor uns haben, die uns nur Erkenntnisse im gewöhnlichen Sinne liefern. So ist es nicht, und die Tatsache, daß es nicht so ist, will ich Ihnen an etwas sehr Bedeutungsvollem klarmachen. Ich will Ihnen klarmachen, wie es mit den ausgewählten Visionen steht im Verhältnis zur Welt, so wie wir uns zuerst klargemacht haben, wie es mit den ausgewählten, ans Ziel gelangten Lebenskeimen im Verhältnis zu den Lebenskeimen überhaupt steht. Diese werden eben als Nahrung benützt von den anderen. Wie ist es nun aber mit den ausgewählten Visionen, mit dem, was im Menschen wirklich als reale Vision lebt?

[ 19 ] Now we pass to the other question, which also in a certain way corresponds to what we find in the outer world. There the few life-germs which reach their goal can be compared to the many which sink down into the abyss. We know that this loss is necessary in order that the outer world may exist. But how is it in the spiritual world, with these visions and inspirations? Here we must first of all understand that what we have before us, when we have selected the visions, stands before us as a spiritual reality, that in them we have not mere images which only give us knowledge in the ordinary sense of the word. That is not the case, and the fact that it is not so I shall make clear to you by a very important example. I shall explain how the selected visions stand in relation to the world just as we previously made it clear to ourselves how the life-germs which have reached their goal stand related to life-germs in general. These are used as nourishment by the others. How is it now with the selected visions, with those which really live in man as visions?

[ 20 ] Auf einiges muß ich hier aufmerksam machen. Sie dürfen nicht glauben, daß derjenige, der es zum Hellsehen gebracht hat, das erreicht hat, daß in ihm jetzt die Welt des Geistes lebt und in anderen nicht. Sie dürfen sich das Hellsehen nicht so vorstellen, daß Sie sich etwa sagen: Da ist der Hellseher und da ist der andere Mensch, in der Seele des Hellsehers lebt der Ausdruck geistiger Wirklichkeit, in der Seele des anderen nicht. Das wäre nicht richtig. Sie müßten vielmehr so sagen, wenn Sie es richtig ausdrücken wollten: Da stehen zwei Menschen. Der eine ist ein Hellseher, der andere nicht. Dasjenige, was der Hellseher sieht, lebt in beiden. In dem Nichthellseher sowohl wie in dem Hellseher leben dieselben Dinge, dieselben geistigen Impulse. Diese sind auch in der Seele des Nichthellsehers vorhanden. Der Hellseher unterscheidet sich von dem Nichthellseher nur dadurch, daß er sie sieht, während der andere sie nicht sieht. Der eine trägt sie in sich und sieht sie, der andere trägt sie auch in sich und sieht sie nicht. — Wer glauben würde, daß der Hellseher etwas in sich hat, was der andere nicht in sich hat, der würde sich einem großen Irrtum hingeben. So wie das Dasein zum Beispiel einer Rose nicht davon abhängt, ob der Mensch sie sieht oder nicht sieht, ebenso ist es auch mit dem Hellsehen: es lebt die Realität in der Seele des Hellsehers und in der Seele des Nichthellsehers, obgleich der letztere sie nicht sieht. Der Unterschied besteht nur darin, daß der eine sie sieht und der andere sie nicht sieht. Es ist also so, daß in der Tat in den Seelen der Menschen der Erde all die Dinge leben, die der Hellseher durch sein Hellsehen eben wahrnimmt. Dies wollen wir uns einmal recht gut in die Seele schreiben.

[ 20 ] Here I must draw attention to one thing. You must not believe that the person who has become clairvoyant has reached a point at which the world of the spirit lives in him and does not live in others. You must not think of clairvoyance in such a way that you say: “Here is a clairvoyant and here is another person; in the soul of that clairvoyant lives the expression of the spiritual reality, but not in the soul of the other.” That would not be right. Rather must you say, if you would express it correctly: “Here we have two men, the one is clairvoyant, the other not. That which the clairvoyant sees lives in both. In the non-clairvoyant as well as in the clairvoyant the same things, the same spiritual impulses live; these things are also present in the soul of the non-clairvoyant.” The clairvoyant only differs from the non-clairvoyant in the fact that he sees them, whereas the other does not. The one bears them within him and sees them, the other bears them within him and does not see them. Whoever believes that the clairvoyant has something within him which the other has not would be making a great mistake. Just as the existence of a rose does not depend on whether man sees it or not, so it is with the clairvoyant. The reality lives in the soul of the clairvoyant and in the soul of the non-clairvoyant. The reality lives in the soul of the clairvoyant, although the latter does not see it; the distinction consists in the fact that the one sees it and the other does not. Thus the fact is that there live in the souls of all men on earth all the things which the clairvoyant can perceive by means of his clairvoyance. Let us impress this on our minds before going on.

[ 21 ] Jetzt aber wollen wir auf ein scheinbar ganz anderes Betrachtungsgebiet übergehen, welches uns mit dem, was wir gesagt haben, später wieder vereinigen wird. Jetzt richten wir den Blick, sagen wir, auf die Tierwelt. Die Tierwelt umgibt uns in den mannigfaltigsten einzelnen Formen, in den Formen der Löwen, Bären, Wölfe, Lämmer, Haifische, Walfische und so weiter. Der Mensch unterscheidet diese Tierformen, indem er sich äußere Begriffe davon macht, indem er sich den Begriff des Löwen, des Wolfes, des Lammes und so weiter bildet. Nun darf man aber nicht verwechseln dasjenige, was der Mensch als Begriff bildet, mit dem, was der Löwe, der Wolf in Wirklichkeit ist. Sie wissen, darauf brauche ich nur aufmerksam zu machen, daß wir in der Geisteswissenschaft sprechen von den sogenannten Gruppenseelen. Alle Löwen haben eine gemeinsame Löwen-Gruppenseele, alle Wölfe eine Wolf-Gruppenseele. Gewisse abstrakte Philosophen sagen zwar, das Gemeinsame der Tiere existiere nur im Begriffe, es existiere die Wolfheit nicht draußen in der Welt. Das ist aber nicht richtig. Wer das glaubt, daß die Wolfheit als solche, also das, was objektiv in der geistigen Welt die Gruppenseele ist, nicht außer unserem Begriffe existiert, der braucht sich nur das Folgende zu überlegen. Außer uns, draußen in der Welt, gibt es Wesen, die wir Wolf nennen. Nehmen wir nun an, das Seelische, das Charakteristische des Wolfes sei eine Folgeerscheinung der Beschaffenheit der Materie, aus welcher der Wolf besteht. Wir wissen, daß sich die Materie des Körpers eines tierischen Wesens fortwährend ändert. Ein Tier nimmt neue Materie auf und gibt die alte ab. Dadurch ändert sich der Bestand der Materie fortwährend. Worauf es aber ankommt, das ist die Tatsache, daß etwas im Wolfe vorhanden ist, was die aufgenommene Materie in Wolfsmaterie umwandelt. Nehmen wir an, man hätte durch alle Finessen der Naturwissenschaft herausgebracht, wieviel Zeit der Wolf braucht, um alle Materie zu erneuern. Nehmen ‚wir ferner an, man sperrte ihn ebensolange ein und fütterte ihn mit lauter Lämmern, so daß er, solange er braucht, um seine Materie, seinen sinnlichen Körper ganz auszutauschen, mit lauter LammMaterie gefüttert worden wäre. Wenn der Wolf nichts anderes wäre als die physische Stofflichkeit, aus der sein Körper aufgebaut ist, so müßte er jetzt ein Lamm geworden sein. Aber Sie werden nicht glauben, daß der Wolf dadurch, daß er so lange Zeit Lämmer gefressen hat, jetzt auch ein Lamm geworden sein muß. Sie werden sehen, daß den Begriffen, die wir uns bilden von den verschiedenen Tierformen, Realitäten entsprechen, die erwas Übersinnliches sind gegenüber dem, was in der sinnlichen Welt draußen ist.

[ 21 ] We shall now pass on to an apparently different realm of observation which will later bring us back again to what has been said. We shall turn our attention to the animal world. The animal world surrounds us in manifold forms, in forms of lions, bears, wolves, lambs, sharks, whales, etc. Man distinguishes between these animal-forms by forming ideas of them, by forming the idea of the lion, the wolf, the lamb, etc. But now we must not confuse that which man forms as an idea with what the lion or the wolf is in reality. In Anthroposophy we speak of so-called group-souls. All lions have a common lion group-soul, all wolves a wolf group-soul. It is true that certain abstruse philosophers say, that that which the animals have in common only exists in ideas, that “wolf-hood” does not exist externally in the world. That is not true. Whoever believes that the “wolf-hood” as such, that is, that which exists objectively in the spiritual world as the group-soul, does not exist apart from our ideas, has but to consider the following. In the outer world there are beings which we call wolves. Let us now assume that the soul nature and characteristics of the wolf result from the kind of substance which forms the body of the wolf. We know that the substance of an animal’s body changes continually. An animal assimilates new substance and eliminates the old. In this way the consistency of the substance changes continually. But what matters is the fact that something is present in the wolf which changes the substance it assimilates into wolf-substance. Let us suppose that with all the means and methods of science we had found how long the wolf needs to renew his substance. Let us suppose further that we shut up a wolf for that time and feed it on nothing but lambs, so that for the time necessary to renew the substance of its physical body, it was fed on nothing but lamb-substance. If the wolf were nothing more than the physical substance from which its body is built, then it ought to have become a lamb by that time. But you will not believe that the wolf by eating lamb for ever so long becomes a lamb. So you will see that the ideas we form of the different animals correspond to realities which are superphysical in regard to that which is in the outer sense world.

[ 22 ] So ist es nun bei allen Tieren. Die Gruppenseele, das, was der ganzen 'Tiergattung zugrunde liegt, das macht es, daß das eine Tier Wolf, das andere Lamm, das eine Löwe, das andere Tiger ist. Die Gruppenseele aber macht sich der Mensch klar in seinem Begriffe. Die Begriffe, die sich der Mensch nun gewöhnlich bildet, gerade von der Tierwelt, sind eigentlich recht unvollkommen. Daß sie unvollkommen sind, das rührt davon her, daß der Mensch in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit recht wenig tief in die Realitäten eindringt, daß der Mensch eigentlich nur an der Oberfläche der Wesenheiten haftet. Würde er tiefer gelangen, so würde er, indem er sich den Begriff des Wolfes bildet, in seiner Seele nicht nur haben den abstrakten Begriff, sondern er würde den Gemütszustand haben, der diesem Begriffe entspricht. Mit dem Begriffe würde sich ein Gemütszustand bilden, und der Mensch würde, indem er sich den Begriff des Wolfes bildet, das durchmachen, was das Wolfsdasein ist. Er würde die Blutgierigkeit des Wolfes fühlen und auch fühlen die Geduld des Lammes.

[ 22 ] It is the same with all animals. The group-soul, that which lies behind the whole animal species, causes one animal to be a wolf, another a lamb, one a lion, and another a tiger. We must however form clear ideas regarding the group-souls. The ideas which we generally form of the animal world are very incomplete. That they are incomplete is due to the fact that man in his present condition penetrates but very little into realities, that he really only clings to the surface of things. Were he to penetrate more deeply, then on forming the idea of a wolf, he would have not only the abstract idea in his mind, but he would have the state of feeling which corresponds to this idea. With the idea, a state of feeling would be evoked, and while forming the idea of the wolf man would experience that which constitutes wolf-nature; he would feel the ferocity of the wolf, the patience of the lamb.

[ 23 ] Wenn das heute nicht so ist, so rührt das davon her — ich kann es nur symbolisch sagen, denn sonst würde es zu weit führen, die entsprechende Realität wissen Sie ja bereits —, daß der Mensch, nachdem die luziferischen Einflüsse stattgefunden hatten, abgehalten wurde von den Göttern, zu der Erkenntnis auch noch das Leben zu haben. Er sollte nicht essen von dem Baume des Lebens. Er hat daher also nur die Erkenntnis und kann nicht das Wirkliche des Lebens nachleben. Das kann er nur dann, wenn er Okkultist ist, wenn er in okkulter Weise eindringt in dieses Gebiet. Dann hat er nicht nur den abstrakten Begriff, sondern dann lebt er in dem, was wir mit den Ausdrücken «dieBlutgierdes Wolfes»,«dieGeduld des Lammes» bezeichnen.

[ 23 ] That this is not the case to-day is due to the fact that man, after having come under the Luciferic influence, was prevented by the gods from having the “life” as well as the “knowledge.” He was not to eat of the “Tree of Life.” Therefore he has only the knowledge and cannot experience the reality of the life. This he can only do when, in an occult or spiritual way, he penetrates into this realm. Then he not only has the abstract idea, but lives in that which we describe with the expressions “the ferocity of the wolf” and “the patience of the lamb.”

[ 24 ] Jetzt werden Sie begreifen, wie groß der Unterschied ist zwischen diesen beiden Dingen. Das bekämpft sich alles in uns, da die Begriffe durchdrungen sind von dem innersten Wesen der Seelensubstanz. Aber diese Begriffe muß sich der Okkultist und Hellseher machen, er muß zu diesen Begriffen aufsteigen. Wenn der Hellseher zu diesen Dingen aufgestiegen ist, dann kann man sagen: Da lebt jetzt schon etwas davon in ihm. Und tatsächlich, ein lebendiges Bild der ganzen tierischen Welt draußen lebt in ihm. — Wie gut hat es doch der andere Mensch, der nicht Hellseher geworden ist, könnte man da sagen. Aber ich habe ja gerade schon vorhin darauf hingewiesen, daß der Hellseher sich in dieser Beziehung nicht unterscheidet von den anderen Menschen! Das, was in dem einen ist, ist auch in dem anderen. Der Unterschied besteht nur darin, daß der eine es sieht, während der andere es nicht sieht. Die ganze Welt, von der ich gesprochen habe, ist in Wirklichkeit in der Seele eines jeden Menschen, nur sieht sie der gewöhnliche Mensch nicht. Das ist dasjenige, was aus den verborgenen Untergründen der Seele heraufspielt, was den Menschen in sich unruhig macht, was den Menschen in Zweifel hineinreißt, ihn da- und dorthin zieht, das, was das Spiel seiner Begierden und Instinkte ausmacht. Dasjenige, was sich nicht über eine gewisse Schwelle heraufdrängt, sich nur in Schwächen ausdrückt und auslebt, ist doch vorhanden. Wer eine derartige Gemütsveranlagung hat, der hängt so zusammen mit der Welt, daß ihn diese Gefühle erfüllen, ergreifen im Kampfe und im Leben und ihn in schwerwiegende Verhältnisse zu Wesen und Menschen bringen. Das ist einmal so. Und warum?

[ 24 ] Now you will understand how great is the difference between these two things; how all these things are surging within us because our ideas are permeated by the most inward life of the substance of the soul. But these ideas the occultist and the clairvoyant must form for himself; he must rise to these ideas. When the clairvoyant has ascended thus far it may he said that something of the soul-substance is already living in him. Indeed a living reflection of the whole animal world that is without does live within him. One might say here: “How fortunate it is for those who have not become clairvoyants.” But I have already pointed out that in this connection the clairvoyant does not differ from other men. What is in the one is also in the other. The difference is that the one sees it and the other does not. The whole world of which I have spoken is really within the soul of every man, only the ordinary man does not see it. This whole world surges up out of the hidden depths of the soul, makes man restless, throws him into doubt, draws him hither and thither, and makes him unbalanced in his desires and instincts. That which does not rise beyond a certain threshold and which only faintly finds expression, is none the less present. The person whose mental disposition makes him sensitive to these influences is so connected with the world that these feelings possess him, enter into his life struggles and bring him into serious relations with men and other beings. This is a fact—and why?

[ 25 ] Wenn das nicht so wäre, dann wäre in gewisser Beziehung die Entwickelung unserer Erde mit dem Tierischen am Ende angekommen. Dann wäre das Tierreich so, wie es ist, eine Art von Ende. Es könnte nicht weiterkommen. Die ganzen Gruppenseelen der Tiere, die da um uns herum leben, würden sich nicht in die folgenden Verkörperungen unserer Erde hinüberentwickeln können. Das wäre eine sonderbare Sache. Diese Gruppenseelen der Tiere wären in der Lage — verzeihen Sie mir den Vergleich, aber er wird Ihnen klarmachen, was gemeint ist — eines Amazonenstaates, in den nie ein Mann hinein dürfte. Er würde notwendig aussterben ohne männliche Wesenheit. Fr würde zwar geistig nicht aussterben, denn die Seelen würden in andere Reiche übergehen, aber als Amazonenstaat stände ihm dieses Schicksal bevor. So würde auch der Staat der tierischen Gruppenseelen aussterben, wenn nichts anderes da wäre als er. Das nämlich, was in den tierischen Gruppenseelen lebt, das muß befruchtet werden und kann nicht anders über die Klippe in der Erdenentwickelung, in die nächste Erdenverkörperung, das Jupiterdasein, hinwegkommen — kann nicht hinübergelangen, wenn es nicht befruchter wird von dem, was ich geschildert habe. Dadurch gehen die Formen der Erdentiere zugrunde, sie sterben aus, die Gruppenseelen aber werden befruchtet und erscheinen auf dem Jupiter als für ein höheres Dasein ausgebildet, sie gelangen also zu ihrer nächsten Stufe des Daseins.

[ 25 ] If this were not so, then the development of our earth along with the animal kingdom would in a certain respect come to an end. The animal kingdom, as it is, would then have been a kind of final stage, it could not have progressed. All the group-souls of the animals which live around us would not be able to carry their development over into subsequent incarnations of our earth. That would be a remarkable thing. These group-souls of the animals would be in the position (pardon the comparison, but it will make it clear to you what is meant) of a community of Amazons where never a man was allowed, which would of necessity die out as a community of human beings. It is true that it would not die out spiritually, for its soul would pass over into other realms, but as a community of Amazons, this would be its fate. In the same way the community of the animal group-souls would have to die out if nothing else were there. For that which lives in the animal group-souls must be fertilised, and it cannot otherwise bridge the gulf in earthly evolution, which leads to the Jupiter incarnation, if not fertilised as I have described. The outer forms of the animals of the earth die out, but the group-souls are fertilised and appear on Jupiter ready for a higher state of being and thus they attain their next stage of development.

[ 26 ] Was geschieht also durch den Menschen, indem er da unten die lebendigen Formen der Gruppenseelen abbildet? Er bildet dadurch aus die Befruchtungskeime für die Gruppenseelen, die sich sonst nicht weiterentwickeln könnten. Wenn wir dies ins Auge fassen, dann können wir uns das Folgende sagen: Also sehen wir schon im tierischen Reiche, daß der Mensch in sich entwickelt, auf äußere Anregung hin, indem er das Tierreich anschaut, gewisse innere Impulse, die Befruchtungskeime sind für die tierische Gruppenseele. Diese Impulse, die da im Leben als Befruchtungskeime für die tierische Gruppenseele entstehen, entstehen auf äußere Anregung. Nicht auf äußere Anregung entstehen die Visionen des Hellsehers und auch nicht diejenige, welche ausgewählt wird als reale Vision. Die ist nur da in der geistigen Welt und lebt in den Seelen der Menschen.

[ 26 ] What is it that takes place through man’s furthering down here the development of the living form of the group-souls? He provides thereby the fertilising seed for souls which otherwise could not develop further. If we keep this in mind, then we can say: Hence we see that where man looks on the animal kingdom outwardly, he evolves from within certain inner impulses which have to be stimulated from without; these are fertilising seed for the animal group-souls. These impulses, which are the fertilising seed for the animal group-souls, arise through stimulus from without. But not from outward stimulus do the visions of the clairvoyant arise, nor those visions either which are selected as real. These exist only in the spiritual world, and live within the souls of men.

[ 27 ] Glauben Sie nur ja nicht, daß, wenn von einer Anzahl Getreidekörner soundsoviele verzehrt werden, während nur wenige sich wieder zur Ähre entwickeln können, daß da nichts vorgeht in der geistigen Welt! Während die Körner aufgezehrt werden, geht das Geistige, das mit den Getreidekörnern verbunden ist, in den Menschen über. Das zeigt sich am besten für den hellseherischen Blick, wenn er hinschaut auf ein Meer, wo soundsoviele Fischkeime enthalten sind, und beobachtet, wie wenige sich zu vollgültigen Fischen entwickeln. Diejenigen, die zu vollgültigen Fischen sich entwickeln, zeigen in ihrem Innern kleine Flämmchen, diejenigen aber, die sich physisch nicht entwickeln, die physisch in den Abgrund hinuntergehen, entwickeln mächtige Flammen-Lichtbildungen. Da ist das Geistige um so bedeutsamer. So ist es auch mit denjenigen Getreideund Weizenkörnern, die gegessen werden. Das Materielle davon wird gegessen; indem es zermürbt wird, tritt aus diesen nicht zu ihrem Ziele gelangten Weizenkörnern heraus eine geistige Kraft, die unseren Umkreis erfüllt. Das ist für den Hellseher ebenso, wenn er einen Menschen ansieht, der Reis oder ähnliches ißt. Während der Mensch das Materielle in sich aufnimmt, mit sich vereinigt, sprühen in Strömen die geistigen Kräfte heraus, die mit dem Korne verbunden waren. Das alles ist keine so einfache Sache für den okkulten Blick, ganz besonders nicht, wenn die Nahrung keine Pflanze war. Aber darauf will ich heute nicht eingehen, da die Geisteswissenschaft nicht agitieren soll für irgendeine Parteirichtung, also auch nicht für den Vegetarismus.

[ 27 ] But you must not believe that nothing takes place in the spiritual world when out of a multitude of grains of corn certain of them are consumed, while but few develop again into heads of corn. While the grains are consumed, the spiritual part connected with the grain passes over into man. This is most evident to clairvoyant vision when directed towards a sea in which there are many fish-germs, and it is seen how few develop into full-grown fish. In those which develop into full-grown fish small flames may be observed, but those which do not develop physically, which disappear into the abyss physically, develop huge flaming light-forms. In these the spiritual element is so much the more considerable. So it is also with the grains of corn which are eaten. The material part of them is eaten. When crushed, a spiritual force which fills the space around, issues from those grains of corn which have not reached their goal. It is just the same for the clairvoyant, when he looks at a man who is eating rice, or something similar. When he assimilates the material, the spiritual forces connected with the corn flow forth in streams. All this is not such a simple matter for spiritual observation, especially when the nourishment is not of a vegetable kind. But I will not enter into this to-day, because Anthroposophy must not agitate for any party movement, and therefore not even for vegetarianism!

[ 28 ] Es schließen sich also zusammen die geistigen Wesenheiten. Alles, was scheinbar zugrunde geht, gibt ab an die Umgebung das Geistige. Dieses Geistige, das abgegeben wird an die Umgebung, das vereinigt sich tatsächlich mit dem, was im Menschen drinnen, wenn er Hellseher wird oder auch sonst, in seiner visionären Welt lebt. Und die nach der Inspiration ausgewählten Visionen sind dasjenige, was das, ich möchte sagen, aus den nicht zum Ziele gekommenen Lebenskeimen ausgepreßte Geistige befruchtet und weiter zur Evolution bringt.

[ 28 ] Thus it is that spiritual beings are linked together. Everything that apparently perishes, gives up its spiritual part to the environment. This actually unites with what lives within man when he becomes clairvoyant, or is by any other means in his visionary world; and the selected visions (after Inspiration) are what fertilise the spiritual part that has been forced out of those life-seeds that do not reach their goal; the visions fertilise it and bring it to further evolution.

[ 29 ] So steht unser Inneres durch dasjenige, was es da innerlich entwickelt, in einem fortwährenden Verhältnisse zu der äußeren Welt, wirkt zusammen mit dieser äußeren Welt. Diese äußere Welt wäre dem Verderben anheimgegeben, könnte sich nicht weiterentwickein, wenn wir nicht entgegenbrächten die befruchtenden Keime. Draußen in der Welt ist auch eine Geistigkeit, aber sozusagen nur eine halbe Geistigkeit. Damit sie Nachwuchs habe, diese Geistigkeit draußen, muß die andere Geistigkeit zu ihr hinzutreten, die innerhalb uns selbst lebt. Was in uns lebt, ist keineswegs nur ein erkenntnismäßiges Abbild des Äußeren, sondern das, was dazu gehört. Es tritt mit dem, was außer uns ist, zusammen und entwickelt sich weiter. Geradeso wie Nord- und Südpol als Magnetismus oder Elektrizität zusammentreten müssen, damit etwas geschieht, so muß zusammentreten dasjenige, was sich in unserem Innern ausbildet in der Welt der Visionen, mit dem, was draußen aufsprüht von dem scheinbar Zugrundegegangenen. Wunderbare Rätsel, die sich aber allmählich aufklären, die uns zeigen, wie Inneres mit dem Äußeren zusammenhängt.

[ 29 ] So our inner nature, through that which it inwardly evolves, is in continual relationship with the outer world, and works in connection with this outer world. This outer world would be condemned to perish, could not develop further, if we did not bring to meet it fertilising germs. Outside in the world spirituality exists, but only a half spirituality, as it were. In order that this spirituality outside may have offspring, the other spirituality that is within us must approach it. That which lives within us is by no means a mere reflection of the other, perceived mentally, but something that appertains to it. It unites with that which is outside us, and evolves further, just as the north and south poles have to come together as magnetism or electricity in order that something may be achieved. That which takes form in our inner world of visions must unite with that which flashes forth from those things which apparently perish. These are wonderful mysteries, which are however, gradually solved, and which show us how the inner is connected with the outer.

[ 30 ] Nun werfen wir einen Blick auf das, was uns draußen umgibt, und auf das, was wir als ausgewählte Visionen haben, auf das, was sich aussondert von den unermeßlichen Möglichkeiten der Visionen. Dasjenige, was wir so erheben zu einer für uns gültigen Vision, dient zu unserer inneren Entwickelung. Was dann hinuntersinkt, wenn wir das ganze unermeßliche Feld des visionären Lebens überblicken, was da einzeln hinuntersinkt, das versinkt nicht in nichts, sondern es dringt in die Außenwelt und befruchtet dieselbe. Was wir ausgewählt haben von den Visionen, das dient zu unserer Weiterentwickelung. Die anderen, die gehen von uns weg und vereinigen sich mit dem, was um uns ist, mit dem nicht zum Ziele gelangten Leben.

[ 30 ] Now let us glance at what surrounds us in the outer world and at what we possess as selected visions, singled out from the measureless possibility of visions. That which we exalt as a vision that is worthy serves for our inner development. That which sinks down when we overlook all the immeasurable field of visionary life, that which disappears, does not sink away into nothingness; it merges with the outer world and fertilises it. What we have selected from the visions serves to our further development. The other visions leave us, and unite with what is around us, with the life which has not reached its goal.

[ 31 ] So wie das Lebewesen zu seiner Ernährung aufnehmen muß dasjenige, was nicht zum Leben gekommen ist, so müssen wir aufnehmen dasjenige, was wir nicht abgeben an die Außenwelt zur Befruchtung der Außenwelt. Das hat also seinen Zweck. Und ersterben müßte alles in der Welt, was geistig fortwährend entsteht, wenn wir unsere Visionen nicht fallen ließen und nicht nur auswählten diejenigen, welche sich nach der Inspiration ergeben.

[ 31 ] Just as living beings must assimilate that which has not attained to life, so we must absorb that which we do not hand over to the outer world in order to fertilise it. This has also its aim. All that is continually coming to birth spiritually in the world must perish, if we do not let our visions go, and do not select those only which are revealed in accordance with Inspiration.

[ 32 ] Jetzt kommen wir zum zweiten Punkte, der Gefahr des visionären Lebens. Was tut derjenige, welcher alle die unermeßlich vielen und mannigfaltigen Visionen einfach als Wahrheit bezeichnet und nicht auswählt das für ihn Richtige, nicht tilgt die weitaus größere Zahl der Visionen? Was tut der? Der tut geistig dasselbe, was ein Mensch tun würde — wenn Sie es sich ins Physische übersetzen, dann werden Sie gleich sehen, was er tut —, der einem Saatfelde gegenübersteht und nicht einen großen Teil zur Nahrung verwendete, sondern alle Körner wieder zum Aussäen benützte. Es würde nicht lange dauern, so reichte die Erde nicht mehr hin, um all das Korn zu tragen. Das ginge also nicht so weiter, denn alles andere würde aussterben, es würde nichts mehr Nahrung haben. So ist es auch mit dem Menschen, der alles als Wahrheit betrachtet, der keine Vision tilgt und alles in sich darinnen behält. Da wirkt er in sich so, wie wenn er alle Weizenkörner einsammeln und wieder aussäen würde. So wie die Welt bald mit lauter Weizenfeldern und Weizenkörnern überschüttet sein würde, so würde sich der Mensch überschütten mit Visionen, der nicht unter den Visionen auswählte.

[ 32 ] Now we come to the second point, to the danger of the visionary life. What does the person do who simply takes the innumerable and varied visions for truth, who does not select what is right for him, and extinguish by far the greater number of the visions! What does such a person do? He does spiritually the same as a man would do (when we interpret it physically you will at once see what he does) who, confronting a cornfield would not use the greater part of the corn for nourishment but who would utilise all the grains as seed. It would not be long before there was no room on the earth for all the corn. Such a thing could not go on, for all other creatures would die out, there would be no nourishment left for them. It is the same with the man who looks on everything as truth, who does not destroy a single vision and retains everything within him. He does the same as if he were to gather all the grains of corn and sow them again. Just as the world would soon be covered with nothing but cornfields and grains of corn, so the man who did not select his visions would be overwhelmed by them.

[ 33 ] Ich habe Ihnen die Umgebung geschildert, sowohl physisch wie geistig, die Tiere, sowie auch die Begriffe, die der Mensch sich dafür bildet. Aber ich habe auch gezeigt, wie der Mensch seinen Visionen das Ziel zu geben hat und wie diese visionäre Welt sich verbinden muß mit der Welt draußen, damit die Entwickelung vorwärtsschreiten kann. Wie ist es aber, wenn wir den Menschen nun ins Auge fassen? Er steht einem "Tiere gegenüber, betrachtet dessen Gruppenseele, sagt Wolf, das heißt, er hat sich den Begriff Wolf gemacht, und indem er Wolf sagt, ist in ihm aufgeschossen das Bild, von dem allerdings der Nichthellseher die Gemütssubstanz nicht hat, sondern nur den abstrakten Begriff. Was in der Gemütssubstanz lebt, das verbindet sich mit der Gruppenseele und befruchtet sie, wenn der Mensch den Namen Wolf ausspricht. Wenn er den Namen nicht aussprechen würde, so würde das Tierreich als solches ersterben. Und dasselbe gilt auch von dem Pflanzenreiche.

[ 33 ] I have described what is around us, physically as well as spiritually, the animals and also the ideas which man forms of them. I have also shown how man has to assign an aim to his visions, and how this visionary world must be united with the outer world, in order that evolution may proceed. But how is it now when we turn our attention to man? He meets an animal, considers its group-soul, and says: “wolf,” that is, he has formed the idea “wolf,” and while saying “wolf” the picture has arisen in him of which the non-clairvoyant, to be sure, has not the “feeling-substance,” but only the abstract idea. That which lives in the “feeling-substance” unites with the group-soul and fertilises it at the moment the man pronounces the word “wolf.” If he were not to pronounce the name, the animal kingdom as such would die out. And the same holds good for the vegetable kingdom.

[ 34 ] Das, was ich charakterisiert habe von dem Menschen, gilt nur für den Menschen. Was ich charakterisiert habe, gilt nicht für die Tiere und auch nicht für die Engel und so weiter. Die haben ganz andere Aufgaben. Der Mensch allein ist dazu da, sein Wesen der Außenwelt gegenüberzustellen, damit Befruchtungskeime entstehen, die sich im «Namen» zum Ausdruck bringen. Damit ist in des Menschen Inneres die Möglichkeit zur Fortentwickelung des Tier- und Pflanzenreiches gelegt.

[ 34 ] What I have described with regard to man, holds good for him alone; not for the animals, nor for the angels; these have quite other missions. Man alone exists in order that with his own being he can confront the world around him, so that life-giving germs may arise that find expression in “names.” It is thus that the possibility of further development is implanted in the inner nature of man.

[ 35 ] Gehen wir jetzt zu dem Ausgangspunkte zurück, den wir gestern gewählt haben. Jahve oder Jehova wurde gefragt von den DienstEngeln, warum er durchaus den Menschen schaffen wollte. Die Engel konnten es nicht begreifen. Da versammelte Jehova die Tiere und Pflanzen und fragte die Engel, welches die Namen dieser Wesen sind. Sie wußten es nicht. Sie haben andere Aufgaben als die Befruchtung der Gruppenseelen. Der Mensch aber konnte die Namen sagen. Damit zeigt Jahve, daß er den Menschen braucht, weil sonst die Schöpfung ersterben würde. Im Menschen entwickelt sich dasjenige weiter, was in der Schöpfung bis zum Ende gekommen ist und was neu angefacht werden muß, damit die Entwickelung weitergehe. Daher mußte zur Schöpfung hinzukommen der Mensch, damit die Befruchtungskeime entstehen konnten, die sich im «Namen» zum Ausdruck bringen.

[ 35 ] Let us now go back to the starting point we chose yesterday. Jahve or Jehovah was asked by the ministering angels for what purpose he wished to create man. The angels could not understand why. Then Jehovah gathered the plants and the animals and asked the angels what were the names of these beings. They did not know. They have tasks other than fertilisation of the group-souls. Man, however, was able to tell the names. In this way Jahve shows that He has need of man, because otherwise creation would die out. In man those things evolve which have come to an end, and which have to be stimulated anew in order that evolution may go forward. Man had therefore to be created, so that the life-giving germ might be born which finds expression in “names.”

[ 36 ] So sehen wir, daß wir mit unserem Leben nicht unnötig hineingestellt sind in die Schöpfung. Denken wir den Menschen hinweg, so würden sich die Übergangsreiche nicht weiterentwickeln können. Sie würden dem Schicksale verfallen, welchem verfallen würde eine Pflanzenwelt, die nicht befruchtet wird. Einzig und allein dadurch, daß der Mensch hineingestellt ist ins Erdendasein, wird die Brücke geschaffen zwischen der Welt, die früher war, und derjenigen, die später ist, und der Mensch selber nimmt dasjenige für sich, für seine Entwickelung, was in der Unsumme von Wesen als Name lebt, und bewirkt dadurch, daß er mit der ganzen Entwickelung aufsteigt.

[ 36 ] Thus we see that we are not placed in creation without a purpose. Think man away, and the transitional kingdoms would not be able to develop further. They would meet the fate which would befall a plant world that is not fertilised. Only through the fact that man is placed into Earth existence, is the bridge built between the world which was and the world which is to be, and man takes for his own path of development that which exists as “name” in the vast sum of created beings; thus does he bring about his own ascent together with that of the rest of evolution.

[ 37 ] Da haben wir, nicht in einfacher, abstrakter Weise, die Frage beantwortet: Welches ist der Sinn des Lebens? obwohl im Grunde genommen die abstrakte Antwort darinnenliegt. Der Mensch ist geworden ein Mithelfer der geistigen Wesenheiten. Er ist es geworden durch sein ganzes Wesen. Was in ihm ist, ist geworden der Befruchtungskeim für die ganze Schöpfung. Er muß da sein, und ohne ihn könnte die Schöpfung nicht da sein. So fühlt sich der Mensch, indem er sich darinnenstehend weiß in der Schöpfung, als ein Teilnehmer an dem göttlich-geistigen Schaffen.

[ 37 ] Here, but in no simple abstract way, we have answered the question, “What is the meaning of life?” although, after all, the abstract answer is contained therein. Man has become a co-worker with spiritual beings. He has become so through his whole nature. What he is has come about through his whole nature. He must exist, and without him there could be no creation. Knowing himself to be a part of creation, man thus feels that he is a participator in Divine spiritual activity.

[ 38 ] Jetzt weiß er auch, warum er in sich ein solches Leben führt, warum draußen die Welt der Sterne, der Wolken, der Naturreiche ist, mit alledem, was geistig dazugehört, und in ihm eine Welt des Seelenlebens vorhanden ist. Denn jetzt sieht der Mensch: Diese zwei Welten gehören zusammen, und nur indem sie gegenseitig aufeinander wirken, geht die Entwickelung vorwärts. Draußen breitet sich im Raume die unermeßliche Welt aus. Da drinnen in uns ist unsere Seelenwelt. Wir merken es nicht, daß das, was in uns lebt, hinaussprüht und sich verbindet mit dem, was draußen lebt. Wir merken es nicht, daß wir der Schauplatz der Verbindung sind. Das, was in uns ist, ist sozusagen der eine Pol, und das, was draußen ist in der Welt, das ist der andere Pol, die beide sich zum Fortgange der Weltentwickelung miteinander verbinden müssen. Und der Sinn, der Sinn des Menschen, liegt darinnen, daß wir dabei sein dürfen.

[ 38 ] Now he knows also why his inner life is such as it is, why outside is the world of stars, the clouds, the kingdoms of nature, with all that spiritually belongs thereto, and within there is a world of the soul. He now sees that these two worlds belong to one another, and that only through their mutually reacting on each other does evolution proceed. Outside in space, the infinite world is unfolding to our view. Within is our soul-world. We do not notice that that which lives within us shoots forth and blends with that which is outside, we are not aware that we are the stage on which this union is carried out. What is within us forms as it were the one pole, what is outside in the universe—the other; these two must unite in order that the evolution of the world may proceed. Our meaning, the meaning of man, consists in this—that we take part in it.

[ 39 ] Die gewöhnliche Erkenntnis des normalen Bewußtseins weiß nicht viel von diesen Dingen. Aber indem wir in der Erkenntnis dieser Dinge fortschreiten, werden wir immer mehr bewußt, daß in uns gleichsam der Ort ist, wo Nord- und Südpol der Welt — wenn ich es damit vergleichen darf — ihre entgegengesetzten Kräfte austauschen, sich miteinander vereinigen, so daß die Weiterentwickelung vor sich gehen kann. Wir lernen durch die okkulte Wissenschaft, daß in uns der Schauplatz ist für den Ausgleich der Kräfte der Welt. Wir fühlen, wie in uns wie in einem Zentrum die göttlich-geistige Welt lebt, wie sie sich mit der Außenwelt verbindet und wie die beiden so sich gegenseitig befruchten.

[ 39 ] The ordinary knowledge of the normal consciousness knows little of these things. But the more we progress in the knowledge of such things, the more we become conscious that in us lies the point where the North and the South Poles of the world (if I may make the comparison) exchange their opposite forces, and unite, so that evolution may advance. Through the teaching of the spiritual world we learn that in us is the stage where the adjustment of forces takes place. We feel how within us, as in a focal point, the Divine world of spirit dwells, how it unites with the world outside, and how these two mutually fructify one another.

[ 40 ] Wenn wir uns so als Schauplatz fühlen und wissen, wir sind dabei, dann stellen wir uns richtig hinein in das Leben, erfassen den ganzen Sinn des Lebens und erkennen, daß das, was zunächst unbewußt ist, dadurch, daß wir in der Geisteswissenschaft weiterdringen, uns immer mehr bewußt werden wird. Darauf beruht alle Entwickelung der höheren Geisteskräfte. Während es dem normalen Bewußtsein entzogen ist, zu wissen: Da vereinigt sich in dir etwas mit dem, was da draußen ist, ist es dem höheren Bewußtsein erlaubt, zuzuschauen. Dieses entwickelt wirklich dasjenige, was zur Außenwelt dazu gehört. Daher ist es notwendig, daß ein gewisser Reifezustand eintritt, daß man nicht in wilder Weise vermischt das, was drinnen ist, und das, was draußen ist. Denn sobald wir zu einem höheren Bewußtsein aufsteigen, ist das eine Wirklichkeit, was in uns lebt. Schein ist es so lange, als man im gewöhnlichen, normalen Bewußtsein lebt.

[ 40 ] When we feel ourselves to be the scene where all this takes place, and know that we take part in it, we find our right place in life, grasp the whole meaning of life and realise that that, which at first is unconscious in us, will become more and more conscious through our progress in Anthroposophy. All magic is based on this. While it is not given to the normal consciousness to know that something within us unites with something outside, it is given to the magic consciousness to see it all. That which belongs to the outer world develops of its own free will. Hence it is necessary that a certain state of maturity be reached and that what is within should not be indiscriminately mixed up with what is without. For as soon as we ascend to a higher stage of consciousness, what lives in us is reality; it is appearance only as long as we live in the ordinary normal consciousness.

[ 41 ] Teilnehmen werden wir an dem Göttlich-Geistigen. Warum aber werden wir so teilnehmen? Hat denn das Ganze überhaupt einen Sinn, wenn wir sozusagen nur eine Art Ausgleichs-Apparat für die entgegengesetzten Kräfte sind? Könnten diese Kräfte sich nicht auch ohne uns ausgleichen? Eine sehr einfache Überlegung zeigt uns, wie die Sache steht. Nehmen Sie an, es ist das eine Kraftmasse (es wird gezeichnet). Der eine Teil lebt innen, der andere draußen. Daß diese Teile einander gegenüberstehen, das ist ohne uns zustande gekommen. Wir halten sie zunächst auseinander. Daß sie aber überhaupt zusammenkommen, das hängt von uns ab. Wir bringen sie zusammen in uns. Dieser Gedanke ist ein Gedanke, der die allertiefsten Geheimnisse in uns aufregt, wenn wir ihn richtig überlegen. Als eine Dualität stellen uns die Götter die Welt gegenüber: draußen die objektive Wirklichkeit, in uns das Seelenleben. Wir stehen dabei und sind diejenigen, die den Strom gleichsam schließen und so die beiden Pole zusammenbringen. Das geschieht in uns, geschieht auf dem Schauplatze unseres Bewußtseins.

[ 41 ] We shall participate in Divine spiritual activity. But why shall we thus participate? Is there then, after all, sense in the whole thing if we are only an apparatus for balancing opposing forces? A very simple consideration shows us how the matter stands. Suppose that here is a certain quantity of force: one part within, the other without. That they confront each other is not owing to us. At first we keep them apart. Their coming together depends on us. We bring them together within ourselves. This is a thought that stirs the very deepest mysteries within us if we consider it rightly. The gods present the world to us as a duality: without is the objective world, within us the life of the soul. We are present and are those who close the current, as it were, and thus bring the two poles together. All this takes place within us, on the stage of our consciousness.

[ 42 ] Da tritt nun ein dasjenige, was für uns die Freiheit ist. Damit werden wir selbständige Wesenheiten. In dem ganzen Weltenbau haben wir nicht bloß einen Schauplatz, sondern ein Feld der Mitarbeit zu sehen. Damit ist allerdings ein Gedanke angeregt, den die Welt nicht so leicht versteht, nicht einmal, wenn man ihn ihr philosophisch vorführt, denn ich habe das vor Jahren versucht in meinem Büchelchen «Wahrheit und Wissenschaft», indem ich dargestellt habe, daß zunächst die Sinnestätigkeit da ist und dann die innere Welt, daß aber das Zusammensein, das Zusammenwirken notwendig ist. Da ist der Gedanke philosophisch durchgeführt. Ich versuchte damals noch nicht die okkulten Geheimnisse dahinter zu zeigen, aber die Welt hat nicht einmal das Philosophische verstanden in jener Zeit.

[ 42 ] Here enters freedom for us. With this we become independent beings. We have to regard the whole universe not merely as a stage, but as a field for co-operation. It is true that this induces a thought which the world does not easily understand, not even if it be presented philosophically, for that is what I tried to do years ago in my booklet Truth and Science, in which it is stated that first the sense-activity appears and then the inner world, but that union and co-operation between them are necessary. There the thought is developed philosophically. I did not at that time try to show the spiritual mysteries behind, but the world did not at that time understand even the philosophy of it.

[ 43 ] Nun sehen wir, wie wir den Sinn unseres Lebens zu denken haben. Es kommt Sinn hinein: Wir werden zu Mitakteuren gemacht im Weltprozeß. Was in der Welt ist, wird in zwei entgegengesetzte Lager getrennt, und wir werden hineingestellt, um diese zusammenzubringen. Dabei ist die Sache keineswegs so, daß wir uns vorzustellen haben, diese Arbeit wäre eine engbegrenzte. Ich kenne einen spaßigen Herrn in Deutschland, der viel für deutsche Zeitschriften schreibt. Er schrieb neulich in einer Zeitung, daß es notwendig wäre für die Weltenentwickelung, daß der Mensch immerfort auf dem Standpunkte bleibe, die gewöhnlichen Weltenrätsel nicht lösen zu können, und daß es nicht richtig wäre, wenn der Mensch dazu käme, dieselben verstandesmäßig zu durchdringen, zu lösen. Denn wenn der Mensch die Verstandesrätsel gelöst hätte, dann wären keine mehr da, und es wäre nichts mehr für ihn zu tun. — Also müssen immer über die Verstandesrätsel Zweifel da sein, und es müssen immer unvollkommene Dinge geschehen! Dieser Mann hat nämlich keine Ahnung davon, daß, wenn das normale Bewußtsein an seinem Ende angekommen ist, dann das Bewußtsein selber fortschreitet, und daß da eine neue Polarität auftritt, die eine neue Aufgabe darstellt und wieder zu vereinigen ist. Wie lange zu vereinigen? So lange, bis der Mensch tatsächlich erreicht hat, daß sich in seinem Bewußtsein wiederholt hat das göttliche Bewußtsein.

[ 43 ] Now we see in what way we have to think of the meaning of our life. Meaning enters into it. We become co-actors in the world process. That which is in the world is divided into two opposing camps and we are placed in the midst in order to bring them together. It is by no means the case that we have to imagine this as a work within narrow limits. I know a humorous gentleman in Germany who writes much for German periodicals. Lately he wrote in a newspaper that it was necessary for the evolution of the world that man should ever remain at the point of not being able to solve the ordinary problems of existence and that it would not be right if he should be able intellectually to grasp and solve them. For if man should have solved the intellectual problems there would be nothing left for him to do. Thus there must always be a doubt about these intellectual problems and imperfect things must always occur. But this man has no idea that when the normal consciousness has come to an end, consciousness itself progresses and a new polarity appears which represents a new task, the poles of which have to be again united. How long will they take to be united? Till man has actually reached the point at which the Divine consciousness has been recapitulated in his own consciousness.

[ 44 ] Jetzt können wir uns, nachdem wir uns eine Ahnung verschafft haben von der ganz unermeßlichen Größe des Rätsels, zu der abstrakten Antwort erheben, jetzt, da wir wissen, daß in uns aufleben die Befruchtungskeime für eine geistige Welt, die nicht ohne uns vorwärtsgehen kann. Jetzt wollen wir auch sehen, wie es steht mit dem Sinn des Lebens, denn jetzt arbeiten wir auf breiter Unterlage. Jetzt ist es so, daß wir uns sagen müssen: Einstmals war in der Evolution das göttliche Bewußtsein. Das war in seiner Unermeßlichkeit. Damit stehen wir im Beginne des Daseins. Dieses göttliche Bewußtsein bildet zunächst Abbilder. Wodurch unterscheiden sich nun diese Abbilder von dem göttlichen Bewußtsein? Dadurch, daß sie viele waren, während das göttliche Bewußtsein nur eins ist. Dadurch ferner, daß sie leer waren, während das göttliche Bewußtsein voll Inhalt war, so daß die Abbilder erst als Vielheit vorhanden sind, dann aber auch leer, so, wie wir das leere Ich hatten gegenüber dem von einer ganzen Welt erfüllten göttlichen Ich. Aber dieses leere Ich wird zum Schauplatze gemacht, wo sich fortwährend verbinden die göttlichen Inhalte, die in zwei entgegengesetzte Lager geteilt werden. Und indem das leere Bewußtsein fort und fort Ausgleiche schafft, erfüllt es sich immer mehr mit dem, was ursprünglich im göttlichen Bewußtsein war. Es geht also die Evolution so vorwärts, daß das einzelne Bewußtsein erfüllt wird mit dem, was im Beginne das göttliche Bewußtsein an Inhalt hatte. Durch den fortwährenden Ausgleich in den Individualitäten geschieht das.

[ 44 ] Now, after we have gained an idea of the immeasurable greatness of the problems, we can proceed to the abstract answer, for we know that in us fertilising germs are springing up for a spiritual world, which without us would not be able to develop further. Now we shall see also how it is with regard to the meaning of life, for now we are working on a broad basis. Now we can say: “Once, at the beginning of evolution, there was the Divine consciousness.” It was there in its infinity. Therewith we stand at the beginning of existence. This Divine consciousness first forms copies of itself. In what way do the copies differ from the Divine consciousness? In that they are many, whilst the Divine consciousness is one. Further, in that they are empty, whilst the Divine consciousness is full of content, so that in the first place the copies exist as a multiplicity, and further they are empty, just as our empty Ego was confronted by a Divine Ego that contained a whole world. But this empty Ego becomes the stage where the Divine contents which are divided into two opposing camps continually unite, and because the empty consciousness is continually bringing about adjustment it becomes more and more filled with what was originally in the Divine consciousness. Thus evolution proceeds in such a way that the individual consciousness becomes filled with what in the beginning was contained in the Divine consciousness. This is brought about through the perpetual adjustment of individuals.

[ 45 ] Braucht das göttliche Bewußtsein das zu seiner Entwickelung? So fragen viele, die den Sinn des Lebens nicht ganz verstehen können. Braucht das göttliche Bewußtsein dies zu seiner eigenen Vollkommenheit, zu seiner eigenen Entwickelung? Nein, das göttliche Bewußtsein braucht das nicht. Es hat alles in sich. Aber das göttliche Bewußtsein ist nicht egoistisch. Es gönnt einer unermeßlich großen Zahl von Wesen denselben Inhalt, den es selber hat. Dafür müssen diese Wesen aber erst das Ganze erwerben, so daß sie das göttliche Bewußtsein in sich haben und das göttliche Bewußtsein dadurch vermannigfaltigt wird. In großer Zahl erscheint dann, was einst in Einheit war im Beginne der Weltentwickelung, was in der Folge aber wieder abfällt auf dem Wege der Durchgöttlichung der Einzel-Bewußtseine.

[ 45 ] Has the Divine consciousness need of this for its own development? So ask many who do not quite understand the meaning of life. Does the Divine consciousness need this for its own perfection, for its own development? No, the Divine consciousness does not need it. It has everything within itself. But the Divine consciousness is not egoistic. It wishes that an infinite number of beings may have the same content as itself. But these beings must first fulfil the law, so that they may have the Divine consciousness within them and that thereby the Divine consciousness may be multiplied, That which existed at the beginning of world-evolution as unity then appears in multiplicity, but in course of time it falls away again on the path of complete permeation with Divinity.

[ 46 ] Diese Entwickelung, wie sie hier geschildert wird, war für den Menschen im Grunde genommen immer so. Sie war so während der Saturnzeit, sie war ähnlich während der Sonnen- und Mondenzeit. Für die Erdenzeit haben wir sie heute klar entwickelt. Für die Saturnzeit macht die erste Anlage des physischen Leibes diese Entwickelung durch und befruchtet anderseits nach außen, für die Sonnenzeit die Anlage des Ätherleibes und so weiter. Der Vorgang ist derselbe, wird nur immer geistiger und geistiger. Immer weniger und weniger bleibt zuletzt draußen übrig, was noch zu befruchten ist. Indem die Menschen sich weiterentwickeln, wird immer mehr und mehr in ihnen leben und immer weniger draußen sein, was noch zu befruchten ist. Daher wird er am Ende das, was draußen ist, immer mehr in seinem Innern haben. Die Außenwelt wird zu seinem Innern werden. Verinnerlichung ist die andere Seite der Vorwärtsentwickelung.

[ 46 ] Evolution as it has now been described was really always so as regards humanity; it was so during the Saturn period; it was similar during the Sun and Moon periods. We have explained it clearly to-day as regards the earthly period. On Saturn this activity created the first rudiments of the physical body and at the same time fructified in an outward direction; on the Sun it created the first beginnings of the etheric body and so on. The process is the same, only it becomes more and more spiritual. There remained outside ever less and less which still needed fructification. As humanity evolves further, ever more and more will enter into life and ever less will remain outside that has still to be fructified. Therefore, in the end, man will have more and more within him of what had been outside. The outer world will have become his inner world. Making things “inward” is the other side of forward development.

[ 47 ] Vereinigung des Inneren mit dem Äußeren, Verinnerlichung des Kußeren, das sind die zwei Punkte, nach denen sich die Menschen vorwärtsentwickeln. Sie werden immer ähnlicher werden dem Göttlichen und zuletzt immer innerlicher. Bei der Vulkanentwickelung wird dann alles befruchtet sein. Alles Außere wird Inneres geworden sein. Vergöttlichung ist Verinnerlichung. Verinnerlichung ist Vergöttlichung. Das ist das Ziel und der Sinn des Lebens.

[ 47 ] To unite Divinity with what is external, to make inward what is external—these are the two directions in which man makes progress in evolution. He will resemble Divinity more and more and will at last become more and more inwardly enriched. In the Vulcan stage of evolution everything will have been fructified. Everything external will have become internal. To become inwardly enriched—is to become Divine. That is the aim and the meaning of life.

[ 48 ] Aber wir kommen hinter die Sache erst dann, wenn wir sie uns nicht so vorstellen, daß wir damit nur abstrakte Begriffe hinpfahlen, sondern indem wir wirklich auf die Einzelheiten eingehen. Der Mensch muß sich in die Sache vertiefen und so in die Einzelheiten eingehen, daß, wenn er den Namen der Tiere und Pflanzen bildet, in seinem Innern etwas entsteht, was das, was im Worte ist, verbindet mit dem, was dem Tier- oder Pflanzenkeime zugrunde liegt und dann in der geistigen Welt weiterlebt. Eine Aufbesserung in der Entwickelung braucht schon unsere Weltanschauung, denn was hat denn der Darwinismus in dieser Richtung geleistet? Er spricht vom Kampfe ums Dasein. Er berücksichtigt aber nicht, daß auch das einer Fortentwickelung unterliegt, was bei ihm besiegt wird und zugrunde geht. Der Darwinist sieht nur die Wesen, die das Ziel erreichen, und die anderen, die zugrunde gehen. Die zugrunde gehen, die sprühen aber das Geistige aus, so daß sich nicht nur das entwickelt, was im physischen Kampfe siegt. Das, was scheinbar zugrunde geht, macht die Entwickelung im Geistigen durch. Das ist das Bedeutsame.

[ 48 ] But we only get at the truth of the matter when we think of it in such a way that we do not merely set up abstract ideas, but really enter into details. Man must go deeply into the matter and so enter into details, that when he pronounces the name of plants or animals, something rises within him that unites the content of the word with that which lies at the basis of the plant or animal germ, and then lives on in the spiritual world. Our view of life needs improvement in the course of its evolution; for what has Darwinism performed in this direction? It speaks of the struggle for existence, but it does not take into account that that, which, from its point of view, is defeated and destroyed, is also undergoing further development. The Darwinist sees only the beings which reach their goal and the others which perish. The spirit, however, flashes out of those which perish so that it is not only that which conquers in the physical struggle which is developing. That which apparently perishes goes through a spiritual development. That is the important point.

[ 49 ] So dringen wir in den Sinn des Lebens ein. Nichts, auch nicht das Besiegte, auch nicht das Aufgegessene, geht zugrunde, sondern wird geistig befruchtet, sprießt geistig wieder hervor. Vieles ist in dem Ganzen der Erden- und Menschheitsentwickelung zugrunde gegangen, ohne daß der Mensch direkt etwas dazu tun konnte. Nehmen wir die ganze vorchristliche Entwickelung. Wir wissen, wie sie war, diese vorchristliche Entwickelung. Der Mensch ist von der geistigen Welt ausgegangen im Beginne. Allmählich ist er dann hinuntergestiegen in die physisch-sinnliche Welt. Was er anfangs besessen, was in ihm gelebt hat, das ist verschwunden, ebenso wie verschwunden sind die Lebenskeime, die nicht ihr Ziel erreicht haben. Von dem Stamme der menschlichen Entwickelung sehen wir Unzähliges hinuntersinken in einen Abgrund. Während Unzähliges hinuntersinkt in der äußeren Entwickelung der menschlichen Kultur, des menschlichen Lebens, entwickelt sich oben der Christus-Impuls. So wie im Menschen der befruchtende Keim sich für seine Umwelt entwickelt, so entwickelt sich für das, was im Menschen scheinbar zugrunde geht, der ChristusImpuls. Dann tritt das Mysterium von Golgatha ein. Das ist die Befruchtung dessen, was zugrunde gegangen ist, von oben herunter. Da tritt tatsächlich mit dem, was scheinbar von dem Göttlichen abgefallen und in den Abgrund gesunken ist, eine Veränderung ein. Der Christus-Impuls tritt ein und befruchtet es. Und von dem Mysterium von Golgatha an sehen wir im weiteren Verlaufe der Erdenentwickelung ein Wiederaufblühen und ein Sich-wieder-Fortsetzen durch die empfangene Befruchtung mit dem Christus-Impulse.

[ 49 ] In this way we penetrate into the meaning of life; nothing, not even that which is defeated, or that which is eaten, is destroyed, it is being spiritually fertilised and springs up again spiritually. Much has disappeared in the whole course of the evolution of this earth and of humanity without man having anything directly to do with it. Let us take the whole of pre-Christian development. We know what this pre-Christian development was like. In the beginning man came forth from the spiritual world and gradually descended into the physical sense-world. That which he possessed in the beginning, that which lived in him, has vanished, just as have the life germs which have not reached their goal. Throughout human evolution we see countless things sink down as into an abyss. Whilst innumerable things are perishing in the outer development of human civilisation and of human life, the Christ-Impulse is developing above. Just as man develops life-giving germs for the world that is around him, so does the Christ-Impulse give what is necessary for the development of that which apparently perishes in man. Then the Mystery of Golgotha takes place. This is the fructification from above of what has apparently perished. Here actually a change takes place in that which apparently had fallen away from the Divine and sunk into the abyss. The Christ-Impulse enters and fertilises it. And from the Mystery of Golgotha onwards, we see in the course of the further development of the earth a renewed blossoming and a continuation through the fructification received with the Christ-Impulse.

[ 50 ] So haben wir das, was wir erkannt haben von der Polarität, auch bei diesem größten Ereignisse der Erdenentwickelung bewahrheitet. Es kommen heraus in unserem Zeitalter die in der alten ägyptischen Kultur zugrundegegangenen Kulturkeime. Denn sie sind in der Erdenentwickelung enthalten. Der Christus-Impuls ist nun da hineingefallen und hat sie befruchtet, und, indem er sie befruchtete, trat bei uns die Wiederholung der ägyptisch-chaldäischen Kultur auf. In der Kultur, die der unsrigen folgen wird, tritt die urpersische Kultur auf, befruchtet von dem Christus-Keim. Im siebenten Zeitraume tritt auf die urindische Kultur, die hohe spirituelle Kunst, die von den heiligen Rishis gekommen ist, befruchtet von dem Christus-Keime, in neuer Gestalt.

[ 50 ] Thus what we have learned about polarity is also proved true in this greatest event of the earthly evolution. In our epoch the seeds of civilisation sown in the old Egyptian civilisation are coming to life. They are there in the earth evolution. The Christ-Impulse has come and has fertilised them and as a result of this fertilisation we have a repetition in our own epoch of the Egypto-Chaldean civilisation. In the civilisation which will follow our own, the old Persian civilisation will re-appear fructified by the seed of the Christ-Impulse. In the seventh age the old Indian civilisation, that lofty spiritual civilisation which came from the holy Rishis, will reappear in a new form, fructified by the Christ-Impulse.

[ 51 ] So sehen wir auch in dieser fortlaufenden Entwickelung, daß dasjenige, was wir beim Menschen kennengelernt haben, werden kann zu einer Gegenseitigkeit: Inneres und Äußeres, Seelisches und Physisches, die sich gegenseitig befruchten. So ist oben der Christus-Impuls und unten die Befruchtung mit dem Christus-Keime vorhanden. Unten die fortschreitende Erdenkultur, von oben, durch das Mysterium von Golgatha einfallend, der Christus-Impuls.

[ 51 ] We see in this continuous development, that what we have learned with regard to man may also become a reciprocity; an inner and an outer, a spiritual and a physical, mutually fertilising each other. Fertilisation with the Christ-Impulse is active above and below. Below the progressing earthly civilisation; from above, entering with the Mystery of Golgotha—the Christ-Impulse.

[ 52 ] Jetzt sehen wir auch den Sinn des Christus-Erlebens ein: Miterleben soll die Erde die Weltgeheimnisse, wie miterleben soll der einzelne Mensch die göttlichen Geheimnisse. Dadurch wurde die Polarität in den Menschen gelegt, so wie in die Erde.

[ 52 ] Now we can also understand the meaning of the Christ-Event. The earth has to participate in the cosmic mysteries just as the individual man has to participate in the Divine mysteries. Through this, polarity was implanted in man, as it is in the earth.

[ 53 ] Wie zwei entgegengesetzte Pole hat sich entwickelt die Erde und das, was darüber ist, das, was sich erst vereinigt hat mit der Erde durch das Mysterium von Golgatha. Christus und die Erde gehören zusammen. Sie mußten sich, damit sie sich vereinigen konnten, zuerst getrennt voneinander als Polaritäten entwickeln. So sehen wir, daß es notwendig ist, damit überhaupt in der Wirklichkeit die Dinge sich ausleben, daß sie sich in Polaritäten differenzieren, und die Polaritäten vereinigen sich dann wieder zum Fortschritte des Lebens. Das ist der Sinn des Lebens.

[ 53 ] That which is above the earth and that, which, through the Mystery of Golgotha, first united with the earth, have evolved like two opposite poles. Christ and the earth belong to one another. In order to be able to unite they had first to develop apart from one another. Thus we see that it is necessary, in order that things may really come to fruition, that they differentiate into polarities, and that the polarities then reunite in order that life may progress. That is the meaning of life.

[ 54 ] Nun ist es nur zu wahr: Wenn wir diese Sache so überblicken, dann fühlen wir uns darinnenstehend in der Welt, fühlen, daß die Welt ohne uns überhaupt nichts wäre. Ein so tiefer Mystiker wie Angelus Silesius hat den merkwürdigen Ausspruch getan, der zunächst die Menschen verdutzt machen könnte: «Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben, werd’ ich zunicht, er muß von Not den Geist aufgeben.» Konfessionelle Christen können wettern über einen solchen Ausspruch. Sie bedenken aber dabei nicht einmal das Geschichtliche, nämlich daß Angelus Silesius, schon bevor er katholisch geworden ist, um ganz auf dem Boden des Christentums zu stehen nach seiner Meinung, ein recht frommer Mann war und dennoch diesen Ausspruch getan hat. Wer Angelus Silesius kennt, der wird nicht zugeben, daf dieser Ausspruch aus Gottlosigkeit geschehen ist. Was in der Welt ist, stellt sich eines dem andern entgegen, wie Polaritäten, die nicht zusammenkommen können, wenn der Mensch hinweggedacht wird. Der Mensch steht mitten dazwischen und gehört dazu. Wenn der Mensch denkt, denkt die Welt in ihm. Er ist der Schauplatz, er bringt nur die Gedanken zusammen. Wenn der Mensch fühlt und will, so ist es ebenso. Jetzt können wir ermessen, was es heißt, wenn wir den Blick hin ausrichten in die Raumesweiten, wenn wir sagen: Es ist das Göttliche, das ihn erfüllt, und das Göttliche ist das, was sich mit dem Erdenkeim vereinigen muß. In mir ist der Sinn des Lebens, kann der Mensch sagen. Die Götter haben sich Ziele gesetzt. Aber sie haben auch den Schauplatz ausgewählt, wo diese Ziele erreicht werden sollen. Die Menschenseele ist der Schauplatz. Daher, wenn die Menschenseele nur tief genug in sich hineinschaut, nicht bloß die Rätsel im weiten Raume lösen will, dann findet sie da drinnen etwas, wo die Götter ihre Taten verrichten und der Mensch dabei ist. Das versuchte ich auszudrücken in den Worten, die in meinem letzten Mysterienspiele «Die Prüfung der Seele» stehen, wie da im Menscheninnern die Götter wirken, wie der Sinn der Welt sich in der Menschenseele auslebt und wie der Sinn der Welt leben wird in der Menschenseele. Was ist der Sinn des Lebens? Es ist der, daß dieser Sinn im Menschen selber leben wird. Das suchte ich auszudrücken in den Worten, die die Seele in sich selber sagen kann:

[ 54 ] If we look at it like this, then it is true that we feel ourselves standing in the centre of the world, feel that the world would be absolutely nothing without us. As deep a mystic as Angelus Silesius made the remarkable statement which at first may astound people: “I know that without me no God can live; were I brought to naught, he would of necessity have to give up the ghost.” Sectarian Christians may disagree with such a statement, but they should not forget the historical fact that Angelus Silesius, even before he became a Roman Catholic (which he did in order according to his opinion to stand entirely on the ground of Christianity), was a very pious man, and yet he pronounced this dictum. Whoever knows Angelus Silesius will know that this statement was not prompted by impiety. All things in the world would stand opposed to other things, like poles that cannot meet, were man to be thought away. Man stands in the midst and forms a part of it. If man thinks, the world thinks in him. He is the stage on which the action takes place; he only brings the thoughts together. When man thinks and when he wills, it is even so. We can now estimate what it means when, directing our gaze into vastness of space we say: It is Divinity that fills it, and Divinity is that which must be united with the Earth-seed. “In me is the meaning of life!”—man may exclaim. The gods have set before them certain aims; but they have also chosen the stage on which these aims are to be carried out. The souls of men are the stage. Therefore, if the human soul looks but deeply enough into itself, and does not only try to solve problems in the vastness of space, it finds within itself the stage where gods are accomplishing their deeds—and man himself is taking part in them. That is what I tried to express in the words which can be found in my Mystery Play, The Soul's Probation how in man’s inner being the gods work, how the meaning of the world finds expression in the soul of man and how the meaning of the world will live on in the soul of man. What is the meaning of life? It is, that this meaning lives in man himself. This I tried to express in the words which the soul addresses to itself:—

«In deinem Denken leben Weltgedanken,
In deinem Fühlen weben Weltenkräfte,
In deinem Willen wirken Weltenwesen.
Verliere dich in Weltgedanken,
Erlebe dich durch Weltenkräfte,
Erschaffe dich aus Willenswesen.
Bei Weltenfernen ende nicht
Durch Denkenstraumesspiel — — —;
Beginne in den Geistesweiten
Und ende in den eignen Seelentiefen: —
Du findest Götterziele
Erkennend dich in dir.»

“Within thy thinking cosmic thought doth live,
Within thy feeling cosmic forces play,
Within thy will do cosmic beings work;
Abandon thou thyself to cosmic thought,
Experience thyself through cosmic force,
Create thyself anew from cosmic will.
End not at last in cosmic distances,
By fantasies of dreamy thought beguiled.
Do thou begin in farthest spirit-realms
And end in the recesses of thy soul.
The plan Divine then shalt thou recognise
When thou hast realised thy Self in thee.”

[ 55 ] Wenn man etwas sagen will, was wahr ist, nicht etwas, was einem bloß eingefallen ist, so muß es immer aus den okkulten Geheimnissen heraus gesagt sein. Das ist außerordentlich wichtig. Daher dürfen Sie die Worte, die in okkulten Werken gebraucht sind, gleichgültig, ob sie in Form von Prosa oder in Form von Dichtung auftreten, nicht in demselben Stile denken, in dem andere, äußere Dichtwerke entstanden sind. Solche Werke, die wirklich der Wahrheit, der Welt und ihren Geheimnissen entsprungen sind, sind so entstanden, daß die Seele in sich wirklich sprechen läßt die Weltgedanken, sich wirklich befeuern läßt von den Weltgefühlen, nicht von den eigenen persönlichen Gefühlen, und sich wirklich geschaffen hat aus Willenswesen heraus.

[ 55 ] If we wish to say something that is true, not something which has merely occurred to us, it must always be said out of the depths of spiritual secrets. That is extremely important. Therefore you must not think that words which are used in occult works, be it in the form of prose or poetry, arise in the same way as do words in other works. Such spiritual or occult works which really spring from truth, truth about the world and its mysteries, come into existence when the soul really allows world-thoughts to speak through it, really lets world-feelings not its own personal feelings inflame it and has really created these feelings and thoughts from beings of cosmic or universal will.

[ 56 ] Das ist etwas, was zur Mission unserer Geistes-Bewegung gehört, daß man unterscheiden lernt zwischen dem, was aus den Weltgeheimnissen herausströmt, und dem, was willkürliche Phantasie der Menschen erfunden hat. Immer mehr und mehr wird sich die Kulturentwickelung so erheben, daß an die Stelle des willkürlichen Erfindens dasjenige treten wird, was in der menschlichen Seele so lebt, daß es die andere Polarität ist des entsprechenden Geistigen. Solche Dinge, die so geschaffen werden, sind selbst wieder befruchtende Keime, die sich verbinden mit dem Geistigen. Die sind zu etwas da im Weltenprozeß. Das ist etwas, was uns ein ganz anderes Verantwortungsgefühl gibt gegenüber den Dingen, die wir selber machen, wenn wir wissen, daß das, was wir machen, Befruchtungskeime und nicht sterile Keime sind, die einfach verpuffen. Dann müssen wir diese Keime auch aus den Tiefen der Weltenseele heraus entstehen lassen.

[ 56 ] It is part of the mission of the Anthroposophical movement that man should learn to discriminate between what is sounding forth out of the cosmic mysteries and that which his own arbitrary imagination has invented. Ever more and more the development of civilisation will rise to the point where, in the place of arbitrary invention, there will appear that which lives in the human soul in such a way that it is the other pole of the corresponding spirituality. Things created in this way are in their turn life-giving seed which unite with the spirit. They have a purpose in the world process. It gives us quite a different feeling of responsibility as regards what we do ourselves, when we know that what we bring about are living germs—not sterile ones which simply perish. Then we must allow these germs too to spring up from the depths of the World-Soul.

[ 57 ] Nun können Sie fragen: Ja, wie gelangt man dazu? Durch Geduld. Indem man immer mehr und mehr dazu kommt, einen jeglichen Ehrgeiz persönlicher Art in sich abzutöten. Der persönliche Ehrgeiz verführt uns immer mehr und mehr dazu, dasjenige, was nur persönlich ist, produzieren zu können und nicht zu uns sprechen zu lassen das, was Ausdruck des Göttlichen in uns ist. Wodurch können wir wissen, daß das Göttliche in uns spricht? Ertöten müssen wir alles dasjenige, was nur aus uns kommt, und vor allen Dingen müssen wir ertöten ein jegliches ehrgeiziges Streben. Das erzeugt dann die richtige Polarität in uns, das gibt wirkliche befruchtende Keime in der Seele. — Ungeduld ist der schlimmste Lebensführer. Sie ist dasjenige, was die Welt verdirbt. — Gelingt uns das, dann werden Sie sehen, wie das auseinandergesetzt worden ist, daß der Sinn des Lebens erreicht wird auf die angezeigte Art, durch die Befruchtung des Außeren mit dem Innern. Dann wird uns aber auch klar sein, daß, wenn unser Inneres nicht das richtige ist, wir unrichtige Befruchtungskeime in die Welt hinausstreuen. Was ist die Folge davon? Die Folge davon ist, daß Mißgeburten in der Welt entstehen. Unsere gegenwärtige Kultur ist reich an solchen Mißgeburten. In aller Herren Ländern wird heute zum Beispiel, mit Dampfkraft, könnte man sagen, bald wird es mit Luftballons gehen, gedichtet und geschrieben, während ein berühmter Schriftsteller des achtzehnten Jahrhunderts schon geschrieben hat: Ein einziges Land erzeugt heute fünfmal soviel Bücher, als die Erde zu ihrem Wohle nötig hat. Und heute ist es noch viel schlimmer geworden. Das sind Dinge, welche die gegenwärtige Kultur umgeben mit geistigen Wesenheiten, die nicht lebensfähig sind, die nicht entstehen sollten und nicht entstehen würden, wenn die Menschen die entsprechende Geduld hätten. Das wird auch, wie eine Art anderer Pol, in der Menschenseele entstehen: Geduld, daß die Menschenseele nicht bloß draufloswütet, was nur Ausfluß von Ehrgeiz und Egoismus ist.

[ 57 ] Now it may be asked: But how is this to be attained? By patience. By approaching more and more to the stage where all personal ambition is killed out. Personal ambition tempts us ever more and more to produce that which is merely personal, without listening to that which is the expression of the Divine. How are we to know that the Divine is speaking in us? We must kill out everything that only comes from ourselves and first of all we must kill out every tendency to ambition. This generates the right polarity in us and produces real fructifying germs in the soul. Impatience is the worst guide in life. It is that which destroys the world. If we are successful in this, you will see, as I have been explaining to you, that the meaning of life is reached in the way described, through the fructification of what is outward by that which is inward. Then we shall also understand that, if our inner nature is not right, we sow wrong fertilising seed in the world. What is the result of that? The result is that deformities are born into the world. Our present civilisation is rich in such deformities. All over the world, books are written to-day one could almost say by steam-power; whilst even in the eighteenth century a celebrated author wrote: “A single country to-day produces five times as many books as the earth requires for its good.” To-day it is much worse. These are things which surround the present civilisation with spiritual entities which are not fit for life, which would not and should not come into existence, if man had the requisite patience. That will also come to birth within the human soul as a kind of opposite pole—patience: so that the human soul does not simply scatter around what is merely a product of ambition and egoism!

[ 58 ] Das ist nicht aufzufassen als Form einer moralischen Predigt, sondern als die Wiedergabe einer Tatsache. Es ist eine Tatsache, daß durch ehrgeizige Produktionen in unserer Seele solche Befruchtungskeime entstehen, woraus Mißgeburten in der geistigen Welt hervorgehen. Diese zurückzudrängen, allmählich auch umzugestalten, ist eine fruchtbare Aufgabe für eine ferne Zukunft. Das ist die Mission der Geisteswissenschaft, diese Aufgabe zu lösen, und das ist der Sinn des Lebens, daß die geisteswissenschaftliche Weltanschauung damit sich einreiht in den ganzen Sinn des Lebens, daß überall uns Sinn im Leben entgegenströmt, daß überall im Leben alles sinnvoll ist. Das ist es, was der Okkultismus den Menschen lehren will, daß wir mitten im Sinn darinnenstehen und wir es wirklich so sagen können:

[ 58 ] This must not be taken as a kind of moral sermon, but as the representation of a fact. It is a fact that productions springing from ambition and desire for renown give rise in our souls to such seeds as bring deformities to birth in the spiritual world. To suppress these and also gradually to transform them is a fruitful task for the far future. It is the mission of Anthroposophy to accomplish this task, and it is the meaning of life, that in doing so the anthroposophical world conception should take its place in the whole meaning of life; that everywhere meaning should flow in on us in life, that everywhere life should be full of meaning. What Spiritual Science desires to teach men is this: that we are in the midst of this meaning, and can express it truly thus:—

«In deinem Denken leben Weltgedanken,
In deinem Fühlen weben Weltenkräfte,
In deinem Willen wirken Weltenwesen.
Verliere dich in Weltgedanken,
Erlebe dich durch Weltenkräfte,
Erschaffe dich aus Willenswesen.
Bei Weltenfernen ende nicht
Durch Denkenstraumesspiel — — -;
Beginne in den Geistesweiten
Und ende in den eignen Seelentiefen: —
Du findest Götterziele
Erkennend dich in dir.»

“Within thy thinking cosmic thought doth live,
Within thy feeling cosmic forces play,
Within thy will do cosmic beings work;
Abandon thou thyself to cosmic thought,
Experience thyself through cosmic force,
Create thyself anew from cosmic will.
End not at last in cosmic distances
By fantasies of dreamy thought beguiled.
Do thou begin in farthest spirit-realms
And end in the recesses of thy soul,
The plan Divine then shalt thou recognise
When thou hast realised thy Self in thee.”

[ 59 ] Das, meine lieben Freunde, ist der Sinn des Lebens, so, wie ihn der Mensch zunächst zu verstehen nötig hat.

[ 59 ] That, my dear anthroposophical friends, is the meaning of life, as man must understand it at present.

[ 60 ] Das ist es, was ich mit Ihnen habe besprechen wollen. Machen wir es uns ganz verständlich, ganz zu eigen, dann werden die Seelen, die göttlich geworden sind, es in Ihrer Seele wirken lassen.

[ 60 ] This is what I wished to consider with you. If we understand it fully and make it entirely our own, the souls which have become Divine will make it effective in your souls.

[ 61 ] Schreiben Sie das Schwerverständliche dieser Ausführungen dem Umstande zu, daß das Karma es mit sich brachte, daß wir eine so wichtige Angelegenheit, wie den Sinn des Lebens, in zwei kurzen Vorträgen erschöpfen mußten und daß manches bloß angedeutet werden konnte, was erst in der eigenen Seele sich ausleben kann. Betrachten Sie es auch als eine Polarität, daß eine Anregung gegeben werden muß, die meditierend weiter verarbeitet werden soll, daß durch diese Weiterarbeit all unser Zusammenwirken Sinn bekommen, Inhalt bekommen, so sinnvoll werden soll, daß unsere Seelen ineinanderspielen. Und das ist das Wesen wirklicher Liebe. Das ist auch ein Ausgleich von Polaritäten. Da, wo theosophische Gedanken zu Seelen dringen sollen, sollen sie die anderen Pole anregen, sollen sich an diesem Pol ausgleichen. Das ist es, was wie eine theosophische Sphärenmusik wirken kann. Wenn wir in dieser Weise mit Harmonie in der geistigen Welt wirken, dann werden wir, wenn wir im theosophischen Leben wirklich sind, im theosophischen Leben auch vereinigt sein.

[ 61 ] What is difficult to understand in these lectures you must ascribe to the circumstance that Karma obliges us to restrict such an important subject as “The Meaning of Life” to two short lectures; much could therefore merely be hinted at, which can only be developed in the soul of each one for himself. Consider this also as a polarity: an impulse must be given which through meditation is developed further, that through this further development all our intercourse acquires meaning—reality; it ought to become so full of meaning that our souls should be able to play one into the other. It is of the essence of real love that it is also an equilibrium of polarities. At the point where anthroposophical thoughts find entrance to a soul, the other pole is stimulated and agreement found. It is this that can work like an anthroposophical “Music of the Spheres.” When we work thus in harmony with the spiritual world, when we really are living anthroposophical life, we also live united in this life.

[ 62 ] So hätte ich es gern, daß wir auffassen unser heutiges Zusammensein. Diese geistigen Angelegenheiten waren ein Ausdruck des Geistes der Liebe und sind gewidmet dem Geiste der Liebe unter uns Theosophen. So wird diese Liebe, durch den Zündstoff, den wir haben, dazu beitragen, die gegenseitigen geistigen Inhalte auszutauschen, so wird diese Liebe etwas sein, durch die wir immer mehr und mehr nicht nur erhalten, sondern immer mehr angefacht werden zu theosophischem Streben, und die Geisteswissenschaft wird dann werden eine Verbreiterin dieser das Innerste der Menschenseele berührenden Liebe. Dann lebt sie weiter, diese Liebe. Dann erlangen wir als Menschen, die räumlich voneinander getrennt sein müssen, innerhalb der Theosophischen Gesellschaft auch das, daß diese Liebe vorhalten wird, von den Zeiten, durch die wir durch Karma zusammengeführt worden sind, auch über die Zeiten hin, in denen wir räumlich auf dem physischen Plane getrennt sind. So bleiben wir zusammen und betrachten als die rechte Veranlassung, immer zusammenzubleiben mit dem Besten, was wir in unseren Seelen haben, daß wir uns mit unseren besten geistigen Fähigkeiten zu göttlich-geistigen Höhen zusammen hinaufgeschwungen haben. Und so, meine lieben Freunde, wollen wir auch weiter zusammenbleiben.

[ 62 ] This is the way in which I should like you to take our meeting here in these two days. Such spiritual subjects are an expression of the Spirit of Love and are consecrated to the Spirit of Love amongst true anthroposophists. This love, through the touchstone we possess, will be instrumental in the exchange of our spiritual content; it will be something through which we not only receive, but through which we are also stimulated more and more to anthroposophical efforts. In this way Anthroposophy will become a means of spreading a love that touches the inmost depths of the human soul. Such love lives on. For as members of the Anthroposophical Movement, we have something that causes the love of those who are separated in space to endure until Karma again unites us on the physical plane. So we remain united and find the true cause for remaining so in the fact that with all the best in our souls, with the best of our spiritual powers, we have together risen to Divine spiritual heights. In this way, we also desire, my dear friends, to continue to be united with one another.