Christ and the Human Soul
On the Meaning of Life
Theosophical Morality
Anthroposophy and Christianity
GA 155
28 May 1912, Norrköping
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Anthroposophical Ethics, tr. Collison
Theosophische Moral I
Lecture One
[ 1 ] Wir haben, folgend einem Impulse, der sich mir ergeben hat, und über den vielleicht noch weiter zu sprechen sein dürfte, in diesen Tagen zu betrachten eines der wichtigsten, eines der bedeutendsten Gebiete unserer theosophischen Lebensanschauung. Es ist ja nicht selten, daß uns der Vorwurf gemacht wird, daß wir uns so gerne erheben in der Betrachtung weit entfernt liegender kosmischer Entwickelungen in ihrem Zusammenhange mit dem Menschen, daß wir uns in die Gebiete geistiger Welten gern erheben, indem wir so entfernte Ereignisse der Vergangenheit und so weit ausblickende Perspektiven der Zukunft allzuoft nur betrachten, und fast außer acht lassen dasjenige Gebiet, welches den Menschen am allernächsten liegen müßte: das Gebiet menschlicher Moral und menschlicher Ethik.
[ 1 ] As the result of an impulse which I have lately had, let us consider one of the most important subjects in Anthroposophy. Anthroposophists are often reproached for their inclination towards the study of far-distant cosmic developments; and it is said that they lift themselves into spiritual worlds, too frequently only considering the far-distant events of the past and the far-reaching perspective of the future, disregarding a sphere which is of more immediate interest—the sphere of human morals and human ethics.
[ 2 ] An dem, was da so oftmals gesagt wird, wenn uns der Vorwurf gemacht wird, daß wir dieses wichtigste Gebiet menschlichen Seelen- und menschlichen sozialen Lebens weniger berührten als jenes eben weiter abliegende Gebiet, an dem ist richtig, daß dieses Gebiet, das Gebiet menschlicher Moral, uns das allerwesentlichste sein muß. Was aber gesagt werden muß gegenüber diesem Vorwurfe, das ist, daß wir uns diesem Gebiete, gerade wenn wir die ganze Bedeutung und Tragweite theosophischen Lebens und theosophischer Gesinnung in uns empfinden, nur in heiligster Scheu nähern dürfen, so daß wir uns bewußt sind, daß, wenn es im richtigen Sinne betrachtet sein will, es den Menschen so nahe berührt als nur irgend möglich und die ernstlichste, die allerwürdigste Vorbereitung erfordert.
[ 2 ] It is true that this, the realm of human morals, must be looked upon as the most essential of all. But what must be said in answer to the reproach that we are less concerned with this important field of man's soul-life and social life than with more distant spheres, is that when we realise the significance and range of anthroposophical life and feeling we are only able to approach this subject with the deepest reverence, for it concerns man very closely indeed; and we realise that, if it is to be considered in the right way, it requires the most earnest and serious preparation.
[ 3 ] Der Vorwurf, der gegen uns von jener Seite in der eben charakterisierten Art erhoben wird, könnte vielleicht in die folgenden Worte gekleidet werden. Es könnte gesagt werden: Wozu lange Weltbetrachtungen? Wozu Erzählungen über viele Reinkarnationen vieler Wesen, über die komplizierten Verhältnisse des Karma, wenn doch das Allerwichtigste im Leben dasjenige ist, was ein auf der Höhe dieses Lebens angekommener Weiser seinen Bekennern immer und immer wiederholte, als er nach einem reichen Weisheitsleben, schon krank und schwach, sich tragen lassen mußte: Kinder, liebet einander. So sprach bekanntlich der Apostel, der Evangelist Johannes im höchsten Alter, und oft und oft ist es betont worden, daß mit diesen drei Worten: Kinder, liebet einander! der Extrakttiefster sittlicher Lebensweisheit gegeben ist. Und es könnte da mancher sagen: Wozu also alles andere, wenn das Gute, wenn die hehren sittlichen Ideale in einer so einfachen Weise erfüllt werden können, wie es im Sinne dieser Worte des Evangelisten Johannes ist?
[ 3 ] The above reproach might perhaps be stated in the following words: What is the use of making deep studies of the universe? Why talk about numerous reincarnations, or the complicated conditions of karma, when surely the most important thing in life is what a certain wise man after he had attained the summit of this life, and when after a life of rich wisdom he had grown so weak and ill that he had to be carried about, repeated again and again to his followers: “Children, love one another!” These words were uttered by John the Evangelist when he was an old man, and it has often been said that in these four words, “Children, love one another!” is contained the extract of the deepest and most practical moral wisdom. Hence many might say: “What more is wanted, provided these good, sublime and moral ideals can be so simply fulfilled as in the sense of the words of the Evangelist John?”
[ 4 ] Eines berücksichtigt man nicht, wenn man aus der ganz richtigen, oben angeführten Tatsache die Behauptung herleitet, daß es für die Menschen genügte zu wissen, daß sie einander lieben sollen. Eines berücksichtigt man dabei nicht, nämlich den Umstand, daß derjenige, der so als ein Zeuge angeführt wird für diese Worte, diese eben am Ende eines reichen Weisheitslebens gesprochen hat, am Ende eines Lebens, welches in sich faßte die Niederschrift des tiefsten, bedeutungsvollsten Evangeliums, und daß der, der sie gesprochen hat, diese Worte, erst dann sich das Recht gab sie zu sprechen, nachdem er dieses reiche Weisheitsleben, das zu so großen und gewaltigen Ergebnissen geführt hat, hinter sich hatte. Ja, wer ein Leben wie er hinter sich hat, der darf alles dasjenige, was Menschenseelen fühlen können bei den tiefen Weisheiten, die im Johannes-Evangelium stehen, zusammenfassen in die eben angeführten Worte als seiner Weisheit letzten Schluß, der aus unergründlichen Seelentiefen hineinfließt in die Tiefen auch anderer Herzen und anderer Seelen. Wer aber nicht in einer solchen Lage ist, der muß sich eben das Recht, in so einfacher Weise die höchsten sittlichen Wahrheiten auszusprechen, erst dadurch holen, daß er sich in die Gründe der Weltgeheimnisse vertieft. So trivial der viel wiederholte Satz ist: Wenn zwei dasselbe sagen, so ist es doch nicht dasselbe, er gilt in ganz besonderem Maße für das eben Angeführte. Wenn irgend jemand, der einfach ablehnen will, etwas über die Weltgeheimnisse zu wissen und von ihnen zu verstehen, sagt: Es ist doch so einfach, das höchste moralische Leben zu charakterisieren, und die Worte gebraucht: Kinder, liebet einander, so ist das eben etwas anderes, als wenn der Evangelist Johannes diese Worte sagt, und noch dazu am Ende eines so reichen Weisheitslebens. Deshalb sollte gerade derjenige, der diese Worte des Evangelisten Johannes versteht, einen ganz anderen Schluß daraus ziehen, als gewöhnlich daraus gezogen wird. Er sollte den Schluß daraus ziehen, daß man zunächst über solch tief bedeutsame Worte zu schweigen hat, und daß man sie erst aussprechen darf, wenn man die nötige Vorbereitung, die nötige Reife dazu sich erworben hat.
[ 4 ] When to the above statement one adds that it is sufficient for people to know that they ought to love one another, one thing is lost sight of, namely, the circumstance that he who uttered these words did so at the close of a long life of wisdom, a life which included the writing of the most profound and important of the Gospels. A man is only justified in saying anything so simple at the end of a rich life of wisdom. But one who is not in that position must first, by going deeply into the foundations of the secrets of the world, earn the right to utter the highest moral truths in such a simple manner. Trivial as is the oft-repeated assertion, “If the same thing is said by two persons it never is the same,” it is especially applicable to the words we have quoted. When someone who simply declines to know or understand anything about the mysteries of the Cosmos says: “It is quite a simple matter to describe the highest moral life,” and uses the words: “Children, love one another,” it is quite different from when the evangelist John utters these words, at the close of such a rich life of wisdom. For this reason, he who understands these words of St. John ought to draw from them quite a different conclusion from that usually drawn. The conclusion should be that one has first of all to be silent about such profoundly significant words, and that they may only be uttered when one has gone through the necessary preparation and reached the necessary maturity.
[ 5 ] Aber nun, nachdem wir dieses wie eine ganz gewiß manchem doch recht zu Herzen gehende Aussage gemacht haben, wird sich etwas ganz anderes in unserer Seele ergeben, was von einer unendlich tiefgreifenden Bedeutung ist. Der Mensch wird sich sagen: Ja, es mag schon so sein, daß die moralischen Prinzipien in ihrer tiefsten Bedeutung erst am Ende aller Weisheit begriffen werden können, brauchen tut sie der Mensch aber immer. Wie könnte es denn dann in der Welt überhaupt möglich sein, irgendeine moralische Gemeinschaft, ein soziales Werk zu fördern, wenn man warten müßte mit der Erkenntnis der höchsten moralischen Prinzipien bis ans Ende des Weisheitsstrebens. Das Notwendigste für das menschliche Zusammenleben ist die Moral, und nun behauptet da jemand, daß die moralischen Prinzipien erst am Ende des Weisheitsstrebens zu erlangen sind. Da könnte allerdings mancher sagen, daß er verzweifeln möchte an der weisheitsvollen Einrichtung der Welt, wenn das so wäre, wenn das, was man am notwendigsten braucht, erst am Ende des menschlichen Strebens erreicht werden könnte.
[ 5 ] Now after we have made this statement—which it is quite certain many will take earnestly to heart—something quite different, which is of the deepest importance will come to our mind. Someone might say: ‘It may be the case that the deep significance of moral principles can only be understood when the goal of all wisdom is reached, man uses them, nevertheless, all the time. How could some moral community or social work be carried on if one had to wait for a knowledge of the highest moral principles till the end of a life of striving for wisdom? Morals are most necessary for human social life; and now it is asserted that moral principles can only be obtained at the end of long striving after wisdom.’ A person might therefore reasonably say that he would doubt the wise arrangement of the world if this were so; if that which is most necessary could only be gained after the goal of human effort had been attained.
[ 6 ] Die Antwort auf das, was hiermit charakterisiert worden ist, geben uns reichlich die Tatsachen des Lebens. Sie brauchen nur zwei Tatsachen des Lebens zusammenzustellen, die Ihnen zweifellos recht gut in der einen oder anderen Form bekannt sind, und Sie werden gleich sehen, daß sowohl das eine richtig sein kann, daß wir zu den höchsten moralischen Prinzipien und ihrem Verständnis erst beim Abschluß des Weisheitsstrebens gelangen, wie auch das andere, daß die Sachen, die eben angedeutet worden sind, moralische und soziale Gemeinschaften und Werke, ohne Moral nicht bestehen können. Sie werden das gleich einsehen, wenn Sie sich zwei Tatsachen vor die Seele rücken, die Ihnen in der einen oder anderen Form ganz gewiß bekannt sind. Oder wer hätte nicht schon gesehen, wie ein intellektuell hoch entwickelter Mensch, vielleicht sogar ein solcher, der nicht bloß äußere Wissenschaftlichkeit mit einem klugen und intellektuellen Erfassen in sich aufgenommen hat, sondern der auch theoretisch und praktisch viel von okkulten und von spirituellen Wahrheiten begriffen hat, gar kein besonders moralischer Mensch ist. Wer hätte nicht schon gesehen, daß kluge, geistig hoch entwickelte Menschen auf moralische Abwege gekommen sind? Und wer hätte die andere Tatsache nicht erlebt, an der wir so unendlich viel lernen können, daß er zum Beispiel eine Kinderfrau kennengelernt hat mit eng begrenztem Horizonte, mit geringer Intellektualitäit und wenigen Erkenntnissen, die nicht etwa ihre eigenen Kinder, sondern, in fremden Diensten stehend, anderer Leute Kinder, eines nach dem anderen, erzog von den ersten Wochen des physischen Daseins an, mitgewirkt hat an deren Erziehung und bis vielleicht zu ihrem Tode alles, was sie hatte, für diese Kinder geopfert hat in einer absolut liebevollen Weise, in der selbstlosesten Hingabe, die sich nur denken läßt. Und wäre irgend jemand an die Frau herangekommen mit moralischen Prinzipien, gewonnen an den allerhöchsten Weisheitsschätzen, wahrscheinlich hätte sie sich gar nicht besonders für diese moralischen Prinzipien interessiert. Wahrscheinlich würde sie sie höchst unverständlich und nutzlos gefunden haben. Aber, was sie moralisch gewirkt hat, das bewirkt mehr als eine bloße Anerkennung, das bewirkt oft in einem solchen Falle, daß wir uns in Ehrfurcht beugen vor dem, was aus dem Herzen ins Leben strömt und unendlich viel Gutes schafft.
[ 6 ] Life itself gives us, the true answer to what has just been said. You need only compare two facts which, in one form or another, are no doubt well known to you and you will at once perceive that the one can be right as well as the other; firstly, that we attain to the, highest moral principles and their understanding only at the conclusion of the effort after wisdom, and secondly, that moral and social communities and activities cannot exist without ethics or morals. You see this at once if you bear in mind two facts with which you are most certainly acquainted in one form or another. You may have known a man who was highly developed intellectually, he may have possessed not only a clear intellectual grasp of natural science, but he may also have understood many occult and spiritual truths both theoretically and practically and yet you may have known that such a person was not particularly moral. Who has not seen people clever and highly intellectual, going morally astray? And who has not also experienced the other fact, from which much may be learned! You, doubtless have known someone with a very restricted outlook, with limited intellect and knowing but little, who being in service brought up not her own but other people's children. From their earliest days she has probably assisted with their education and development and perhaps to the day of her death sacrificed to these children all she had in a selfless loving way and with the utmost devotion; yet if one had brought to her the moral principles that one had gained from the highest sources of wisdom, she would not, in all probability, have been particularly interested; she would probably have found them useless and incomprehensible. On the other hand her moral actions had accomplished more than mere recognition of moral principles. In such cases we feel that we must bow in reverence before that which streams out of the heart into life and creates an infinite amount of good.
[ 7 ] Tatsachen solcher Art beantworten Rätsel des Lebens oft viel klarer als theoretische Auseinandersetzungen, denn wir sagen uns, daß die weisheitsvolle Schöpfung, die weisheitsvolle Evolution nicht gewartet hat, bis die Menschen die moralischen Prinzipien erfunden haben, um moralisches Handeln, moralisches Wirken der Welt mitzuteilen. Deshalb müssen wir sagen: Es ist eben zunächst, wenn wir absehen von den unmoralischen Handlungen, deren Grund wir noch im Laufe dieser Vorträge kennen lernen werden, doch etwas vorhanden, was als ein göttliches Erbteil in der menschlichen Seele liegt, gegeben als ursprüngliche Moralität, die man nennen könnte instinktive Moralität, und die es der Menschheit schon möglich macht zu warten, bis die moralischen Prinzipien ergründet werden können.
[ 7 ] Facts of such a nature often answer the riddles of life far more clearly than theoretical explanations, for we say to ourselves that a wise Providence, in order to impart to the world moral actions, moral activities, has not waited until people have discovered moral principles. There is in fact, to begin with—if we disregard immoral actions, the basis of which we shall get to know in these lectures—something contained in the human soul as a divine heritage, something given to us as original morality which may be called “instinctive morality” and it is this which makes it possible for humanity to wait until it can fathom moral principles.
[ 8 ] Aber es ist vielleicht ganz unnötig, sich viel Sorge zu machen wegen der Ergründung der moralischen Prinzipien. Könnte man denn nicht vielleicht sagen, daß es am besten sei, wenn die Menschen sich ihren ursprünglichen moralischen Instinkten überlassen und sich nicht verwirren durch theoretische Auseinandersetzungen über die Moral? Daß auch dieses nicht der Fall ist, das sollen gerade diese Vorträge zeigen; sie sollen zeigen, daß wir zum mindesten in demjenigen Menschheitszyklus, in dem wir uns gegenwärtig befinden, theosophische Moral suchen müssen, daß theosophische Moral eine Aufgabe sein muß, welche sich ergibt als eine Frucht unseres gesamten theosophischen Strebens und unserer theosophischen Wissenschaft.
[ 8 ] But perhaps it is quite unnecessary to trouble much about investigating moral principles! Might it not be said that it is best if people trust to their original moral instincts and do not perplex themselves with theoretical explanations about morals? These lectures are to show that this is not the case. They are to show that, at least in the present epoch of humanity, we must seek for anthroposophical morals and that these morals must be exercised as a duty which comes as the fruit of all our anthroposophical science and practice.
[ 9 ] Ein neuzeitlicher Philosoph, der gewiß auch im Norden nicht unbekannte Schopenhauer, hat neben manchem recht Irrtümlichen, das seine Philosophie enthält, einen sehr richtigen Satz ausgesprochen gerade in bezug auf die Prinzipien der Moral, nämlich: Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer. Recht wahr ist dieser Ausspruch, denn es gibt eigentlich kaum etwas Leichteres, als in einer Weise, die zu den allernächsten Prinzipien des menschlichen Fühlens und Empfindens geht, auszusagen, was der Mensch tun oder lassen soll, damit er ein guter Mensch sei. Zwar beleidigt es sogar manche Seele, wenn behauptet wird, daß das leicht sei. Aber es ist einmal leicht, und derjenige, der das Leben, der die Welt kennt, wird auch nicht bezweifeln, daß wohl kaum über irgend etwas so viel gesprochen worden ist als über die richtigen Grundsätze des sittlichen Handelns. Und insbesondere das eine ist auch wahr, daß man im Grunde genommen die allermeiste Zustimmung bei seinen Mitmenschen findet, wenn man von diesen allgemeinen Grundsätzen sittlichen Handelns spricht. Es tut so wohl, möchte man sagen, den zuhörenden Gemürern und man fühlt so sehr, daß man da unbedingt übereinstimmen kann mit dem, was der Redner sagt, wenn er die allerallgemeinsten Grundsätze moralischen Verhaltens des Menschen vorbringt.
[ 9 ] The philosopher, Schopenhauer, in spite of much that is entirely erroneous in his philosophy, made this very true statement regarding the principles of morality. “To preach morals is easy, but to give them a foundation is difficult.” This statement is very true, for there is scarcely anything easier than to pronounce in a manner appealing to the commonest principles of human feeling and perception, what a person ought to do or leave undone in order that he may be a good man. Many people no doubt are offended when it is asserted that this is easy, but it is easy, and one who knows life, and knows the world, will not doubt that scarcely anything has been spoken about so much as the right principles of ethical action, and the man who speaks upon general ethical principles meets with almost universal approval. One might say it pleases listening minds, for they feel they can agree in an unqualified manner with what the speaker says when he discourses on the very commonest principles of human morality.
[ 10 ] Aber mit moralischen Lehren, mit moralischen Predigten ist noch keine Moral begründet. Wirklich nicht. Wenn nämlich mit moralischen Lehren, mit moralischen Predigten Moral überhaupt begründet werden könnte, dann gäbe es heute sicherlich keine unmoralischen Handlungen mehr; dann müßte die ganze Menschheit von moralischen Handlungen, man möchte schon sagen, nur so triefen, denn es hat ja jeder ganz zweifellos oft und oft und immer wieder Gelegenheit gehabt, die schönsten moralischen Grundsätze zu hören, insbesondere deshalb zu hören, weil sie so gern gepredigt werden. Aber zu wissen, was man tun soll, was das moralisch Richtige ist, das ist das Allerwenigste auf moralischem Boden. Das Allerwichtigste auf moralischem Boden dagegen ist, daß in uns Impulse leben können, welche durch ihre innere Stärke, ihre innere Gewalt in moralische Handlungen sich umsetzen, welche also nach außen hin moralisch sich ausleben. Das tun bekanntlich moralische Predigten oder die Resultate moralischer Predigten durchaus nicht. Das aber heißt Moral begründen, wenn der Mensch hingeführt wird zu den Quellen, aus denen er jene Impulse nehmen muß, aus denen ihm die Kräfte zuteil werden, die zum moralischen Handeln führen.
[ 10 ] Notwithstanding this, morals are certainly not established by ethical teachings or moral sermons. Truly not. If morals could thus be founded there would be no immorality at the present day, for one might say that the whole of humanity would be overflowing with moral activities. For undoubtedly everyone has the opportunity of hearing the finest moral principles, since people are so fond of preaching them. But to know what one ought to do and what is morally right is of least importance compared with the fact that there should be within us impulses which, through their inward strength, their inward power, are themselves converted into moral actions, and thus express themselves externally. It is well known that ethical sermons do not produce this result. A moral foundation is laid when a man is guided to the source whence he must draw the impulses which shall supply him with forces leading to ethical activity.
[ 11 ] Wie schwer diese Kräfte zu finden sind, das zeigt uns die einfache Tatsache, daß es eigentlich wirklich unzählige Male versucht worden ist, von philosophischer Seite zum Beispiel eine Ethik, eine Moral zu begründen. Wieviel verschiedene Antworten gibt es nicht in der Welt auf die Frage: Was ist das Gute? oder: Was ist die Tugend? Schreiben Sie sich einmal zusammen, was gesagt haben die Philosophen, von Plato und Aristoteles angefangen, durch die Epikuräer, die Stoiker, die Neuplatoniker, die ganze Reihe herauf bis in die neuzeitlichen philosophischen Anschauungen hinein; schreiben Sie sich einmal all das zusammen, was da gesagt worden ist, ich will nur sagen von Plato bis Herbert Spencer, über die Natur und das Wesen des Guten und der Tugend, und Sie werden sehen, wieviel verschiedene Ansätze gemacht worden sind, um zu den Quellen des moralischen Lebens, zu den Quellen der moralischen Impulse vorzudringen.
[ 11 ] How difficult these forces are to find, is shown by the simple fact that innumerable attempts have been made, for example, from the philosophic side, to found a system of ethics, a code of morals. How many different answers exist in the world to the questions: “What is goodness?” -- “What is virtue?” Put together what the philosophers have said, beginning with Plato and Aristotle, and passing on through the Epicureans, the Stoics, the NeoPlatonists, the whole series down to modern philosophical opinions; put together all that has been said from Plato to Herbert Spencer upon the nature of Goodness and Virtue and you will see how many different attempts have been made to penetrate to the sources of moral life and impulse.
[ 12 ] Die Vorträge, die ich hier halten will, sollen Ihnen zeigen, daß in der Tat erst die okkulte Vertiefung des Lebens, das Eindringen in die okkulten Geheimnisse des Lebens es möglich macht, nicht bloß zu moralischen Lehren, sondern zu moralischen Impulsen, zu den moralischen Quellen des Lebens vorzudringen.
[ 12 ] I hope in these lectures to show that it is only by delving into the occult secrets of life that it becomes possible, to penetrate not only to moral teachings, but to moral impulses, to the moral sources of life itself.
[ 13 ] Da allerdings zeigt uns ein einziger Blick, daß dies Moralische in der Welt durchaus nicht immer so einfach sich darlebt, als man von einem gewissen bequemen Standpunkte aus glauben möchte. Lassen wir für einige Zeit dasjenige, was man heute unter dem Moralischen anspricht, zunächst außer acht und betrachten wir das Leben der Menschen einmal auf solchen Gebieten, auf denen wir vielleicht für eine moralische Lebensanschauung viel gewinnen können.
[ 13 ] A single glance will show us that this moral principle in the world is by no means such a simple matter as might be supposed from a certain convenient standpoint. Let us for the moment take no notice of what is usually spoken of as “moral,” but consider certain spheres of human life from which we may perhaps be able to obtain a great deal towards a moral conception of life.
[ 14 ] Unter den mancherlei Dingen, die uns der Okkultismus schon gebracht hat, wird die Erkenntnis, daß bei den verschiedenen Völkern in den verschiedenen Erdgebieten die mannigfaltigsten Anschauungen, die mannigfaltigsten Impulse sich geltend gemacht haben, nicht das Geringste sein. Vergleichen wir einmal zwei zunächst weit voneinander abstehende Menschheitsgebiete. Gehen wir zurück in das ehrwürdige Leben des alten Indiens und betrachten wir, wie es sich nach und nach entwickelt hat bis in die neuesten Zeiten herauf; denn Sie wissen ja, für keines der Gebiete des eigentlichen Lebens auf der Erde, die uns bekannt sind, gilt in so hohem Maße wie für Indien die Tatsache, daß dasjenige, was Charakteristikum uralter Zeiten war, sich erhalten hat bis in die neuesten Zeiten herauf. Für kein Gebiet gilt das mehr als für das Leben innerhalb der indischen und einiger anderen asiatischen Kulturen. Bis in die neuesten Zeiten herauf haben sich die Gefühle, die Empfindungen, die Gedanken, die Anschauungen erhalten, die wir schon finden in diesen Volksgebieten in ururalten Zeiten. Das ist das Eindrucksvolle, daß sich in diesen Kulturen erhalten hat ein Abglanz uralter Zeiten, daß, wenn wir das betrachten, was sich bis in unsere Zeit herein erhalten hat, wir sozusagen in die alten Zeiten zugleich hineinschauen.
[ 14 ] Not the least among the many things learned from spiritual science is the knowledge that most manifold conceptions and impulses have held good among various peoples in different parts of the earth. In comparing two sections of humanity which at first seem separated, one can consider the sacred life of ancient India, and observe how it has gradually developed up to the present day. One knows that what was characteristic of the India of primeval times is still true at the present day. The feelings, the thoughts and conceptions have been maintained that we find in this region in ancient times. It is remarkable that in these civilisations there has been preserved an image of primeval times, and when we consider what has been maintained up to our own day we are looking, so to say, at the same time into the remote past.
[ 15 ] Nun kommen wir aber mit konkreten, bestimmten Volksgebieten nicht weit, wenn wir etwa von vornherein nur unseren eigenen moralischen Maßstab anlegen. Deshalb wollen wir heute das, was man über die moralischen Dinge dieser Zeiten sagen könnte, zunächst ausgeschlossen sein lassen und nur fragen: Was hat sich herausgebildet aus diesen charakteristischen Eigentümlichkeiten der uralten, ehrwürdigen indischen Kultur?
[ 15 ] Now we do not progress very far in our understanding of the different peoples on earth if we begin by only applying our own moral standards. For this reason let us for the moment exclude what might be said about the moral things of those times and only inquire: What has developed from these characteristics of venerable ancient Indian civilisation?
[ 16 ] Zunächst finden wir da, aufs höchste verehrt, aufs höchste geheiligt, dasjenige, was man nennen kann die Andacht, die Hingabe an das Geistige. Und um so mehr geheiligt und gewürdigt finden wir diese Hingabe an das Geistige, je mehr der Mensch in der Lage ist, in sich selbst Einkehr zu halten, still in sich zu leben und das Beste, was in ihm ist, abgesehen von aller Wirksamkeit in der äußeren Welt, abgesehen von allem, was der Mensch sein kann auf dem physischen Plane, hinzulenken zu den Urgründen der geistigen Welten. Als höchste Pflicht sehen wir diese andächtige Hinlenkung der Seele zu den Urgründen des Daseins bei denjenigen, welche zur obersten Kaste des indischen Lebens gehört haben oder gehören, bei den Brahminen. Alles, was sie tun, alle ihre Impulse sind hingeordnet nach dieser Andacht; und es gibt nichts, was das sittliche Empfinden und Fühlen dieser Menschen tiefer beeindruckt, als diese Hinlenkung nach dem Göttlich-Geistigen in einer alles Physische vergessenden Andacht, in einer intensiv tiefen Selbstbeobachtung und Selbstentäußerung. Und wie das sittliche Leben dieser Menschen von dem eben Bezeichneten durchdrungen wird, das können Sie aus der anderen Tatsache ersehen, daß diejenigen, welche, namentlich in älteren Zeiten, anderen Kasten angehört haben, es als selbstverständlich ansehen, daß die Kaste der Andacht, die Kaste des religiösen und rituellen Lebens als etwas Ehrwürdiges und Ausgesondertes betrachtet wird. So war das ganze Leben durchzogen von diesen eben charakterisierten Impulsen der Hinlenkung auf das Göttlich-Geistige. Das ganze Leben stand in dem Dienste dieser Hinlenkung, und mit allgemeinen Moralprinzipien, die irgendeine Philosophie begründet, kann man das nicht verstehen, um was es sich hier handelt. Man kann es nicht verstehen aus dem Grunde, weil in den Zeiten, in denen im alten Indien sich diese Dinge entwickelt haben, sie zunächst bei anderen Völkern unmöglich gewesen sind. Diese Impulse brauchten das Temperament, den Grundcharakter gerade dieses Volkes, damit sie sich in dieser Intensität entwickeln konnten. Dann gingen sie im Verlaufe der äußeren Kulturströmung von da aus und verbreiteten sich über die übrige Erde hin. Wenn wir das, was unter dem Göttlich-Geistigen gemeint ist, verstehen wollen, so müssen wir zu dieser Urquelle gehen.
[ 16 ] We find, to begin with, that what was most highly honoured and held sacred may be described as “devotion to the spiritual”. This devotion to the spiritual was the more highly valued and counted sacred, the more the human being was able to sink into himself, to live quietly within himself, and, apart from all that man can attain on the physical plane—to direct the best in him to the spiritual worlds. We find this cultivation, this dedication of the soul to the foundations of existence as the highest duty of those who belonged or belong to the highest caste of Indian life, the Brahmins. Nothing impresses the moral feelings of the Indian people more than this turning to the Divine-Spiritual with a devotion which forgets everything physical; an intensely deep introspection and renunciation of self. The moral life of this people is permeated by a devotion which controls every thought and action. This is apparent from the fact that those who belonged to other castes looked upon it as natural, especially in ancient times, that the caste of religious life and devotion and the life of ritual should be considered as something apart and worthy of reverence. That which underlies this cannot be understood by means of the common principles of morality laid down by philosophy, for at the period when these feelings and impulses developed in ancient India they were impossible among other peoples. In order that these tendencies could develop with such intensity both the temperament and fundamental character of the Indian people were required. As civilisation proceeded, emanating from India they spread abroad over the rest of the earth. If we wish to understand what is meant by the Divine-Spiritual we must go to this original source.
[ 17 ] Und jetzt wenden wir den Blick weg von diesem Volkstum und wenden ihn zu einem anderen. Wenden wir ihn nach dem europäischen Gebiete. Lenken wir den Blick zu den europäischen Völkern in den Zeiten, als noch nicht das Christentum eingedrungen war in die europäische Kultur, als es eben anfing einzudringen. Ihnen allen ist bekannt, daß gleichsam dem Christentum, das von Osten und Süden her nach Europa eindrang, sich entgegenlegte das europäische Volkstum mit ganz bestimmten Impulsen, mit ganz bestimmten inneren Werten und Kräften. Und wer die Geschichte der Einführung des Christentums in Europa, in Mitteleuropa und auch hier im Norden, studiert, namentlich wer sie mit okkulten Mitteln studiert, der weiß, was es auf dem einen oder anderen Gebiete gekostet hat, um mit diesem oder jenem christlichen Impulse den Ausgleich zu finden mit dem, was von Nord- und Mitteleuropa dem Christentum entgegengebracht worden ist.
[ 17 ] Let us now turn our attention away from this people and direct it towards Europe. Let us consider the peoples of Europe before Christianity had affected European culture very much, when it had only begun to spread in the West. You all know that Christianity spreading into Europe from the East and South was confronted by the peoples of Europe, who possessed certain tendencies, a definite inner worth and definite forces. One who studies with spiritual means the history of the introduction of Christianity into Central Europe and also here in the North, knows at what cost the balance was struck between this or that Christian impulse and what was brought to meet it from Northern and Central Europe.
[ 18 ] Und fragen wir jetzt, wie wir gefragt haben beim indischen Volkstum, welches die hervorragendsten sittlichen Impulse waren, was da von den Völkern, deren Nachkommen die gegenwärtige europäische Bevölkerung namentlich des Nordens, Mitteleuropas und Englands ist, als moralisch Gutes, als moralisches Erbstück entgegengebracht worden ist dem Christentum. Wir brauchen nur eine einzige der Haupttugenden zu nennen, und sogleich wissen wir, daß wir etwas recht Charakteristisches für diese nordische Bevölkerung, für die mitteleuropäische Bevölkerung sagen. Wir brauchen nur das Wort Tapferkeit, Starkmut zu sagen, das Eintreten mit der ganzen persönlichen Menschenkraft, um in der physischen Welt zu verwirklichen, was der Mensch aus seinen innersten Impulsen heraus wollen kann, dann haben wir die allerhauptsächlichsten Tugenden genannt, die entgegengebracht wurden von den Europäern dem Christentum. Und die anderen Tugenden sind im Grunde genommen — wir finden dieses um so mehr, je weiter wir in die alten Zeiten zurückgehen — die Folgen dieser Tugenden.
[ 18 ] And now let us inquire—as we have already done in the case of the Indian people—“What were the most characteristic moral forces brought to Christianity as a moral possession, a moral heritage, by the peoples whose successors form the present European population, especially the population of the North, Central Europe and England?” We need only mention a single one of the principal virtues, and we know at once that we are expressing something which is truly characteristic of these Northern and Mid-European peoples.—With the word “valour,” or “bravery,” we have named the chief virtue brought by the Europeans to Christianity; and the whole of the personal human force was exercised in order to actualise in the physical world what the human being intends from his innermost impulse. Intrinsically the further we go back to ancient times the more we find this to be the case—the other virtues are consequent upon this.
[ 19 ] Betrachten wir den eigentlichen Starkmut, die eigentliche Tapferkeit nach einigen ihrer Grundeigenschaften, so finden wir, daß sie besteht aus einer inneren Lebensfülle, die ausgeben kann. Das ist es, was uns in alten Zeiten, gerade bei den europäischen Völkern am meisten auffällt. Solch ein Mensch, wie er der alten europäischen Bevölkerung angehört, hat in sich mehr, als er für seinen persönlichen Gebrauch bedarf. Aber er gibt aus das Mehr, weil er den Impuls dazu hat, das auszugeben. Er folgt ganz instinktiv dem Impulse, das, was er zuviel hat, auszugeben. Man möchte sagen: Mit nichts mehr war der alte europäische Norden verschwenderischer als mit seinem moralischen Überfluß, mit seiner Tüchtigkeit, seiner Tauglichkeit, Lebensimpulse in den physischen Plan hinausströmen zu lassen. Es war wirklich so, wie wenn die Menschen der europäischen Urzeit, jeder einzelne, mitbekommen hätte eine ganz bestimmte Fülle von Kraft, die mehr bedeutete, als der Mensch für seinen persönlichen Gebrauch bedurfte, von der er ausströmen hat können, mit der er verschwenderisch hat sein können, die er hat verwenden können zu seinen kriegerischen Taten, zu den Taten jener uralten Tugend, welcher die neuere Zeit unter den Untugenden zu nennenden menschlichen Eigenschaften einen Platz gegeben hat; die er verwendet hat zum Beispiel zu dem, was man bezeichnet hat als Großmut. Handeln aus Großmut, das ist wieder etwas, was so charakteristisch ist für die uralte europäische Bevölkerung, wie charakteristisch ist das Handeln aus Andacht für die uralt indische Bevölkerung.
[ 19 ] If we examine real valour in its fundamental quality, we find that it consists of an inner fullness of life which is practically inexhaustible, and this fullness of life was the most salient characteristic among the ancient peoples of Europe. Ancient Europeans possessed within them more valour than they could use for themselves. Quite instinctively, they followed the impulse to spend that of which they had a superabundance. One might even say that they were wasteful in pouring out their moral wealth, their fitness, and ability into the physical world. It was really as if among the ancient people of Northern Europe each one had brought with him a superfluity of force which was more than he needed for his own personal use; this he was therefore able to pour forth in an excess of prodigality and to use it for his warlike deeds. Modern ideas now consider these self-same warlike deeds, which were the outcome of ancient virtue, to be a relic of the past, and in fact they are classed as vices; but the man of ancient Europe used them in a chivalrous, magnanimous manner. Generous actions were characteristic of the peoples of ancient Europe, just as actions springing from devotion were characteristic of the people of ancient India.
[ 20 ] Mit Prinzipien, mit theoretischen Moralgrundsätzen hätte man der europäischen Bevölkerung der Urzeiten nicht dienen können, denn sie hätte wenig Verständnis dafür bewiesen. Einem Menschen der europäischen Urzeit moralische Predigten zu halten, das wäre so gewesen, wie wenn man einem Menschen, der das Rechnen nicht liebt, den Rat geben wollte, er solle mit aller Präzision aufschreiben seine Einnahmen und Ausgaben. Wenn er das nicht liebt, dann bedarf es nur des einzigen Umstandes, daß er das Aufschreiben nicht nötig hat, daß er also genug besitzt, um ausgeben zu können. Dann kann er das sorgfältige Rechnungführen vermeiden, wenn er einen unerschöpflichen Quell hat. Es ist ein nicht unerheblicher Umstand, er gilt theoretisch durchaus mit Beziehung auf das, was der Mensch für das Leben wert hält, mit Beziehung auf die persönliche Tüchtigkeit, auf das persönliche Eintreten. Für die Einrichtung der Welt gilt das von den moralischen Gefühlen der alten europäischen Bevölkerungen. Jeder hatte sozusagen sein göttliches Erbstück mitbekommen, fühlte sich voll davon und gab aus, gab aus im Dienste des Stammes, im Dienste der Familie, im Dienste auch größerer Volkszusammenhänge. So wurde gewirkt, so wurde gewirtschaftet, so wurde gearbeitet.
[ 20 ] Principles, theoretical moral axioms, would have been useless to the peoples of ancient Europe, for they would have evinced little understanding for them. Preaching moral sermons to a man of ancient Europe would have been like giving one who does not like reckoning, the advice that he ought to write down his receipts and expenditures with great accuracy. If he does not like this, the simple fact remains that he need not keep accounts, for he possesses enough for his expenditure, and can do without careful book-keeping if he has an inexhaustible supply. This circumstance is not unimportant. Theoretically it holds good with regard to what the human being considers of value in life, regarding personal energy and ability, and it also applies to the moral feelings of the inhabitants of ancient Europe. Each one had brought with him a divine legacy, as it were; he felt himself to be full of it, and spent it in the service of his family, his clan or his people. That was their mode of active trading and working.
[ 21 ] Nun haben wir hier zwei Menschheitsgebiete bezeichnet, die recht sehr voneinander verschieden sind, denn das Andachtsgefühl, wie es beim Indier zu Hause war, das fehlte der europäischen Bevölkerung absolut. Deshalb war es dem Christentum so schwer, dieses Andachtsgefühl der europäischen Bevölkerung zu bringen. Ganz andere Voraussetzungen waren da.
[ 21 ] We have now characterised two great sections of humanity which, were quite different from one another, for the feeling of contemplation natural to the Indians did not exist among Europeans. For, this reason it was difficult for Christianity to bring a feeling of devotion to the latter people, for their character and predispositions were entirely different.
[ 22 ] Und nun, nachdem wir diese Dinge vor unsere Augen hingestellt haben, fragen wir uns einmal, abgesehen von allen Einwendungen eines moralischen Begriffs, nach dem moralischen Effekt. Da bedarf es nicht vieler Überlegung, um zu wissen, daß dieser moralische Effekt da, wo die beiden Weltanschauungen und Gesinnungsrichtungen in ihrer reinsten Form sich getroffen haben, ein unendlich großer war. Unendliches ist der Welt gegeben worden durch dasjenige, was nur hat errungen werden können dadurch, daß ein Volkstum vorhanden war wie das alte indische, mit der Hinordnung alles Empfindens nach der Andacht, mit der Hinlenkung zum Höchsten. Aber Unendliches ist auch der Welt gegeben worden, das könnte man mit Einzelheiten belegen, durch das, was die Tapferkeit, der Starkmut der europäischen Menschen der älteren vorchristlichen Zeit bewirken sollte. Beide Dinge mußten zusammenwirken, und beide Dinge gaben den moralischen Effekt, von dem wir sehen werden, wie er heute noch fortwirkt und wie er heute nicht nur einem Teile der Menschheit, sondern der ganzen Menschheit von beiden Seiten zugute gekommen ist, wie er lebt in allem, was die Menschheit als Höchstes betrachtet, sowohl der Effekt aus dem Indiertum als auch der Effekt aus dem uralten Germanentum.
[ 22 ] And now after considering these things—putting aside all the objections which might be raised from the standpoint of a moral concept—let us enquire into the moral effect. It does not require much reflection to know that this moral effect was extremely great when these two ways of looking at the world, these two trends of feeling met in their purest form. The world has gained infinitely much by that which could only be obtained through the existence of a people like the ancient Indians, among whom all feeling was directed to devotion to the Highest. Infinitely much it has also gained from the valiant deeds, of the European peoples of early pre-Christian times. Both these qualities had to co-operate, and together they yielded a certain moral effect. We shall see how the effect of the ancient Indian virtue as well as that of the ancient Germanic peoples can still be found to-day; how it has benefited not only a part but the whole of humanity, and we shall see how it still exists in all that men look up to as the highest.
[ 23 ] Können wir so ohne weiteres nun sagen, dasjenige, was diesen moralischen Effekt für die Menschheit hat, sei das Gute? Das dürfen wir ohne Zweifel sagen. In beiden Kulturströmungen muß es das Gute sein, und es muß irgendein Ding sein, was wir als das Gute bezeichnen können. Aber wenn wir sagen sollen: Was ist das Gute? so stehen wir wieder vor einer Rätselfrage. Was ist das Gute, das gewirkt hat in dem einen und in dem anderen Falle?
[ 23 ] So without further discussion, we may assert that something which produces this moral effect for humanity is good. Doubtless, in both streams of civilisation it must be so. But if, we were to ask: what is “goodness”? we are confronted once more by a puzzling question. What is the “good” which has been active in each of these cases?
[ 24 ] Ich möchte Ihnen nicht moralische Predigten halten, denn das betrachte ich nicht als meine Aufgabe. Ich betrachte es vielmehr als meine Aufgabe, die Tatsachen Ihnen vorzuführen, welche zu einer theosophischen Moral führen. Daher habe ich Ihnen zunächst zwei Systeme bekannter Tatsachen angeführt, von denen ich nichts anderes zu berücksichtigen bitte, als daß die Tatsache der Andacht und die Tatsache der Starkmut moralische Effekte für die Kulturentwickelung der Menschheit haben.
[ 24 ] I do not wish to give you moral sermons, for this I do not consider my task. It is much more my task to bring before you the facts which lead us to an anthroposophical morality. For this reason I have thus far brought before you two systems of known facts, concerning which I ask nothing except that you should note that the fact of devotion and the fact of bravery produce definite moral effects in the evolution of humanity.
[ 25 ] Nun wenden wir den Blick zu noch anderen Zeiten. Sie werden, wenn Sie unser gegenwärtiges Leben mit seinen sittlichen Impulsen in Betracht ziehen, sich selbstverständlich sagen: Wir können heute nicht so sein, wenigstens nicht in Europa, wie das reinste Ideal des Indiertums es erfordert, denn man kann nicht europäische Kultur mit indischer Andacht pflegen. Aber ebensowenig wäre es möglich, dasjenige, was heute unsere Kultur ist, mit der alten, aufs höchste zu preisenden Starkmut-Tugend der europäischen Bevölkerung zu erreichen. Und ohne weiteres zeigt sich uns, daß in den Tiefen der moralischen Empfindung der europäischen Bevölkerung noch etwas anderes liegt. Wir müssen also noch etwas anderes aufsuchen, um beantworten zu können die Frage: Was ist das Gute? Was ist die Tugend?
[ 25 ] Let us now turn our attention to other ages. If you look at the life of the present day with its moral impulses you will naturally say: “We cannot practise to-day—at least not in Europe—what the purest ideal of India demands, for European civilisation cannot be carried on with Indian devotionalism”; but just as 1ittle would it be possible to attain to our present civilisation, with the ancient praiseworthy valour of the people of Europe. It at once becomes evident that deep in the innermost part of the ethical, feelings of the European peoples there is something else. We must therefore search out that something more in order to be able to answer the question: What is goodness? What is virtue?
[ 26 ] Ich habe öfter darauf hingewiesen, daß wir zu unterscheiden haben diejenige Epoche, die wir den griechisch-lateinischen, den vierten nachatlantischen Kulturzeitraum nennen, und diejenige, die wir nennen den fünften nachatlantischen Kulturzeitraum, in dem wir gegenwärtig leben. Eigentlich soll das, was ich zu sagen habe in bezug auf das moralische Wesen, die Entstehung des fünften nachatlantischen Kulturzeitraums charakterisieren. Beginnen wir mit einer Sache, die Sie zunächst für anfechtbar halten können, da sie aus der Welt der Dichtung, der Welt der Sage genommen ist. Aber sie ist doch bezeichnend für die Art und Weise, wie neue moralische Impulse wirksam geworden sind, wie sie hineingeflossen sind in die Menschen, als nach und nach die Entwickelung unseres fünften nachatlantischen Kulturzeitraums einsetzte,
[ 26 ] I have often pointed out that we have to distinguish between the period we call the Graeco-Latin or fourth post-Atlantean age of civilisation and the one we call the fifth, in which we live at the present time. What I have now to say regarding the nature of morality is really intended to characterise the origin of the fifth post-Atlantean age. Let us begin with something which, as it is taken from poetry and legend you may consider open to dispute; but still it is significant of the way in which fresh moral impulses became active and how they flowed into mankind when the development of the fifth age gradually set in.
[ 27 ] Es gab einen Dichter, der gelebt hat Ende des zwölften und Anfang des dreizehnten Jahrhunderts. Er starb im Jahre 1213 und heißt Hartmann von Aue. Dieser Dichter hat ganz aus der Denkweise und den Tatsachen der damaligen Zeit heraus seine bedeutendste Dichtung geschaffen, und zwar aus der Anschauung heraus, die dazumal im Volke überall gelebt hat: die Dichtung «Der arme Heinrich». Diese Dichtung drückt im eminentesten Sinne aus, wie man in gewissen Kreisen und Volksgebieten dazumal über gewisse moralische Impulse dachte. In dieser Dichtung ist folgendes enthalten: Da lebte der arme Heinrich als ein reicher Ritter, denn ursprünglich war er kein armer Heinrich, sondern ein wohlbestallter Rittersmann, der aber außer acht ließ, daß die sinnenfälligen Dinge des physischen Planes hinfällig, vergänglich sind, der also in den Tag hineinlebte und dadurch sich so schnell als möglich schlimmes Karma schaffte. Daher wird er befallen von dem, was man damals nannte die Miselsucht, eine Art Aussatz, und da er zu den berühmtesten Ärzten der ganzen damaligen Welt geht und keiner ihm helfen kann, so gibt er sein Leben verloren und verkauft seine Güter. Unter die Menschen konnte er mit seiner Krankheit nicht gehen. Er lebte daher abseits von ihnen einsam auf einem Meierhofe, treu gepflegt von einem alten ergebenen Diener, der den Wirtschaftshof führte, und dessen Tochter. Eines Tages wird der Tochter und überhaupt der Familie des ganzen Wirtschaftshofes die Kunde zuteil, daß nur eines helfen kann dem Ritter, der dieses Schicksal hat. Kein Arzt, keine Arznei kann ihm helfen, nur wenn eine reine Jungfrau in Liebe ihr Leben für ihn opfert, sollte eine Gesundung wieder möglich sein. Trotz aller Ermahnungen der Eltern und des Ritters Heinrich selber kommt etwas über die Tochter, das sie glauben macht, daß sie es wäre, die sich opfern müsse. Da begibt sich die Tochter nach Salerno, der berühmtesten medizinischen Schule der damaligen Zeit. Nicht schreckt sie zurück vor dem, was die Ärzte von ihr verlangen. Sie ist bereit, ihr Leben zu opfern. Der Ritter läßt es aber nicht so weit kommen, er verhindert es und zieht mit ihr nach Hause. Aber die Dichtung erzählt uns, daß der Ritter, als er nach Hause kam, wirklich nach und nach gesund zu werden begann und daß er dann mit derjenigen, die seine Erlöserin hat werden wollen, noch lange Zeit lebte und einen glücklichen Lebensabend hatte.
[ 27 ] There was a poet who lived at the end of the 12th century and beginning of 13th century. He died in the year 1213, and was called Hartmann von Aue. He wrote his most important poem, entitled “Poor Henry,” in accordance with the way of thinking and feeling prevalent in his day. This poem particularly addresses what was thought about certain moral impulses among certain peoples in certain circles. Its substance is as follows:—Poor Henry once lived as a rich knight—for originally he was not poor Henry but a duly installed knight—who did not take into account that the things of the physical world decay and are temporary; he lived only for the day and thereby rapidly produced bad karma. He was thus stricken with a form of leprosy; he went to the most celebrated physicians in the world but none of them could help him, so considering his life at an end he sold all his worldly possessions; His disease preventing intercourse with his fellows he lived apart on a solitary farm, well taken care of by an old devoted servant and daughter. One day the daughter and the whole household heard that one thing alone could help the knight who had this destiny. No physician, no medicines could help him, only when a pure virgin out of pure love sacrificed her life for him would his health be restored. In spite of all the exhortations of her parents and of the knight Henry himself, something came over the daughter which made her feel that it was imperative she should sacrifice herself. She went with the knight to Salerno, the most celebrated school of medicine of the day. She did not fear what the physicians required of her; she was ready to sacrifice her life. But at the last moment the knight refused to allow it, he prevented it and returned home with her. The poem then tells us that when the knight returned home, he actually began. to recover and that he lived for a long time and spent a happy old age with the one who had determined to save him.
[ 28 ] Ja, Sie können sagen: Zunächst ist das eine Dichtung, und wir brauchen nicht wörtlich an die Tatsachen, die da mitgeteilt sind, zu glauben. Aber die Sache wird schon anders, wenn wir das, was Hartmann von Aue, der mittelalterliche Dichter, dazumal in seinem «Armen Heinrich» gedichtet hat, vergleichen mit etwas, was wirklich geschehen ist, wie wir gut wissen, mit dem Leben eines Ihnen wohlbekannten Menschen und den Taten desselben. Ich meine, wenn wir das, was darstellen hat wollen Hartmann von Aue, vergleichen mit dem Leben des damals in Italien lebenden, im Jahre 1182 geborenen Franz von Assisi.
[ 28 ] Well, to begin with, you may say that this is a poem, and we need not take literally the things here spoken of. But the matter becomes different when we compare what Hartmann von Aue, the poet of the Middle Ages, wrote at that time in his Poor Henry" with something that really happened, as is well known. We may compare what Hartmann wrote with the life of Francis of Assisi, who was born in the year 1182 and lived in Italy.
[ 29 ] Nun lassen wir einmal, um zu charakterisieren, was da, wie konzentriert in der einen Persönlichkeit des Franz von Assisi, an Moralisch-Persönlichem vor sich geht, die Sache so vor unserer Seele vorüberziehen, wie sie sich dem Okkultisten darstellt, selbst wenn wir für närrisch und abergläubisch gehalten werden sollten. Nehmen wir die Dinge ernst, weil sie in jener Übergangszeit auch so ernst gewirkt haben.
[ 29 ] In order to describe, the moral nature contained in the personality of Francis of Assisi, let us consider the matter as it appears to the spiritual investigator or occultist, even though we may be looked upon as foolish and superstitious. These things must be taken seriously, because at that period of transition they were producing such momentous effects.
[ 30 ] Wir wissen, daß Franz von Assisi der Sohn des italienischen, in Frankreich viel herumreisenden und Geschäfte treibenden Kaufmanns Bernardone und seiner Frau war. Wir wissen auch, daß der Vater des Franz von Assisi ein auf äußerliches Ansehen viel gebender Mensch war. Die Mutter war eine den frommen "Tugenden und feinen Charaktereigenschaften des Herzens zugängliche, andächtige, ihren religiösen Empfindungen lebende Frau. Die Dinge, die nun umspielen in Form von Sagen die Geburt des Franz von Assisi und sein Leben, entsprechen durchaus okkulten Tatsachen. Wenn auch okkulte Tatsachen häufig von der Geschichte in Bilder und Legenden gehüllt werden, so entsprechen diese Legenden aber doch okkulten Tatsachen. So ist es durchaus wahr, daß einer ganzen Anzahl von Personen, bevor Franz von Assisi geboren wurde, wie eine visionäre Offenbarung, wie ein Wissen, eine Erkenntnis zugekommen ist, daß eine wichtige Persönlichkeit werde geboren werden. Herausgehoben ist von der äußeren Geschichte aus der großen Anzahl von Personen, die das geträumt haben, das heißt die in prophetischer Vision gesehen haben, daß eine wichtige Persönlichkeit geboren werden wird, herausgehoben ist da die heilige Hildegard. — Ich betone hier nochmals die Wahrheit der aus den Erforschungen der Akasha-Chronik zu rechtfertigenden Tatsachen. — Sie träumte, daß ihr erschien ein Weib mit einem zerschundenen, blutüberströmten Antlitz und daß dieses Weib zu ihr sagte: Die Vögel haben ihre Nester hier auf der Erde, die Füchse haben ihre Höhlen auf der Erde, ich aber habe in der Gegenwart nichts, nicht einmal einen Stab, auf den ich mich stützen kann. Als Hildegard erwachte von diesem Traume, da wußte sie, daß die wahre Gestalt des Christentums mit dieser Persönlichkeit gemeint ist. Und so träumten noch viele andere Persönlichkeiten. Diese Persönlichkeiten sahen dazumal aus dem, was sie wissen konnten, daß die äußere Einrichtung und Institution der Kirche nicht ein Behälter, eine Hülle für das wirkliche Christentum sein konnte. Das sahen sie ein.
[ 30 ] We know that Francis of Assisi was the son of the Italian merchant Bernardone, and his wife. Bernardone travelled a great deal in France, where he carried on his business. We also know that the father of Francis of Assisi was a man who set great store on outer appearances. His mother was a woman possessing the virtue of piety, having fine qualities of heart, and living devoutly according to her religious feelings. Now the things recounted in the form of legends about the birth and life of Francis of Assisi are entirely in agreement with occult facts. Although occult facts are frequently hidden by history in pictures and legends, these legends still correspond with them. Thus it is quite true that before the birth of Francis of Assisi quite a number of persons knew through revelation that an important personality was about to be born. Historical records show that one of the many people who dreamt—that is, who saw in prophetic vision—that an important personality was about to be born, was Saint Hildegarde. At this point I must emphasise once more the truth of these facts, which can be corroborated by investigations into the Akashic Record. She dreamt that there appeared to her a woman whose face was smeared and covered with blood, and this woman said to her: “The birds have their nests here upon earth, the foxes too have their holes, but at the present time I have nothing, not even a stick upon which I can lean.” When Hildegarde awakened from this dream, she knew this personality represented the true form of Christianity. And many other persons dreamt in a similar manner. From the knowledge at their disposal they saw that the outer order and institution of the church was unfitted to be a receptacle, a covering, for the true Christianity.
[ 31 ] Ein Pilger, wieder haben wir eine wahre Tatsache vor uns, kehrte einstmals, als der Vater des Franz von Assisi in Handelsgeschäften in Frankreich war, in dem Hause von Donna Pica, der Mutter des Franz von Assisi, ein und sagte ihr direkt: In diesem Hause, wo Überfluß ist, darfst du das Kind, das du erwartest, nicht zur Welt bringen! Du mußt es gebären im Stalle, denn es muß liegen auf Stroh, um seinem Meister nachzufolgen ! Diese Aufforderung ist wirklich an die Mutter des Franz von Assisi ergangen, und es ist keine Legende, sondern Wahrheit, daß die Mutter, weil der Vater auf Geschäftsreisen in Frankreich war, dieses auch ausführen konnte, so daß die Geburt des Franz von Assisi sichtatsächlich im Stalle und auf Stroh vollzogen hat.
[ 31 ] One day, while Francis of Assisi's father was on business in France—this, again, is a fact—a pilgrim went to Pica's house, to the mother of Francis of Assisi, and said to her: “The child you are expecting must not be brought into the world in this house, where there is abundance; you must bring him to birth in the stable, for he must lie upon straw and so follow after his Master!” This was actually said to the mother of Francis of Assisi; and it is not legend but truth that as the father was in France on business the mother was able to carry this out, so that the birth of Francis of Assisi actually took place in a stable and upon straw.
[ 32 ] Und auch das andere ist wahr: In den keineswegs so bevölkerten Ort kam, nachdem das Kind einige Zeit alt war, ein sonderbarer Mensch, ein Mann, der niemals vorher gesehen worden war und niemals später in dem Orte wiedergesehen wurde. Er zog wiederholt durch die Straßen und sagte: Ein wichtiger Mensch ist in dieser Stadt geboren worden. In jener Zeit haben die Leute, die noch ein gutes visionäres Leben führen konnten, auch Glocken läuten gehört während der Geburt des Franz von Assisi.
[ 32 ] Another thing is also true: Some time after the child was born a remarkable man came into the little town, a man who had never been seen in that neighbourhood before and was never seen there again. He went through the streets again and again saying “An important person has been born in this town.” And those whose visionary life was still active also heard the ringing of bells at the time of the birth of Francis of Assisi.
[ 33 ] Eine ganze Reihe von Erscheinungen könnte noch angeführt werden. Wir begnügen uns aber mit diesen, die nur dazu angeführt werden, um zu zeigen, wie bedeutsam alles aus der geistigen Welt heraus konzentriert war gegenüber der Erscheinung einer einzelnen Persönlichkeit der damaligen Zeit. Besonders interessant wird uns das alles, wenn wir noch etwas anderes betrachten. Die Mutter hatte den besonderen Gedanken: Johannes soll das Kind heißen. Daher wurde ihm auch der Name Johannes beigelegt. Erst als der Vater von Frankreich zurückkam, gab er, aus seiner Gesinnung heraus, weil er gute Geschäfte dort gemacht hatte, seinem Sohn den Namen Franziskus. Ursprünglich hieß das Kind aber Johannes.
[ 33 ] Besides these few details a whole series of phenomena might be adduced, but we shall content ourselves with the above, which are only mentioned in order to show how significantly everything was concentrated from the spiritual world, regarding the advent of a single personality in that age. All this becomes especially interesting when in addition we consider something else. The mother had the peculiar impression that the child ought to be called “John” and he was therefore given this name. However, when the father returned from France where he had done good business, he changed it and gave his son the name of Francis, as he wished to commemorate his successful journey. But originally the child was called John.
[ 34 ] Nun brauchen wir nur einzelnes hervorzuheben aus dem Leben dieses sonderbaren Menschen, vor allen Dingen seine Jugendzeit. Was tritt uns in Franz von Assisi für ein Mensch entgegen, wenn wir ihn als Knaben betrachten ? Es tritt uns, wie uns das bei den vielen Völkermischungen nach den Einwanderungen von Norden her nicht aufzufallen braucht, ein Mensch entgegen, der sich ausnimmt wie ein Nachkomme des alten germanischen Rittertums. Tapfer, kriegerisch, von dem Ideale erfüllt, mit den Kriegswaffen Ruhm und Ehre zu erwerben, das war es, was sich wie ein Erbstück bei ihm ergab, was wie eine Rasseneigenschaft in der einzelnen Persönlichkeit des Franz von Assisi vorhanden war. Mehr äußerlich, möchte man sagen, treten bei ihm diejenigen Eigenschaften auf, die in einer mehr seelischen, herzhaften Art im alten Germanentum da waren; denn nichts anderes wurde da Franz von Assisi als das, was man einen Verschwender nennt. Verschwenderisch verfuhr er mit den reichen Gütern des Vaters, des damaligen reichen Handelsherrn. Wohin er ging, die Güter, die Früchte der Arbeit seines Vaters, verschwendete er reichlich. Er hatte alle Hände voll übrig für alle seine Kameraden und seine Spielgenossen. Kein Wunder, daß er bei den kindlichen Kriegszügen von seinen Kameraden immer zum Anführer gewählt wurde und daß er dann so heranwuchs, daß man in ihm etwas sah wie einen richtigen kriegerischen Knaben. Als solcher war er auch in der ganzen Stadt bekannt. Zwischen den Knaben der Ortschaften Assisi und Perugia gab es allerlei Streitigkeiten. Daran nahm er nun auch Anteil, und es ereignete sich, daß er mit seinen Kameraden gefangen genommen und gefangen gehalten wurde. Er war es nun, der nicht nur die Gefangenschaft ritterlich ertrug, sondern auch alle anderen aufmunterte, auszuhalten in ritterlicher Weise, bis sie nach einem Jahre wieder nach Hause gehen konnten. Und als ein im Dienste der Ritterlichkeit notwendiger Kriegszug gegen Neapel unternommen werden sollte, da ereignete es sich, daß diesem jungen Menschen eine Traumvision erschien. Er sah einen großen Palast. Darinnen waren überall Schilder und Waffen. Er sah etwas von einem Gebäude, in welchem überall Stücke von Waffen aufbewahrt waren. Diesen Traum hatte er, der nur allerlei Tuche im Geschäfte und im Hause seines Vaters gesehen hatte. Er sagte sich daher: Das ist die Aufforderung an dich, ein Kriegsmann zu werden! und er entschloß sich daraufhin, sich dem Kriegszuge gegen Neapel anzuschließen. Schon auf dem Hinwege, und noch mehr als er sich dem Kriegszuge angeschlossen hatte, bekam er spirituelle Eindrücke, spirituelle Impressionen. Er hörte etwas wie eine Stimme, die sprach: Nun gehe nicht weiter, du hast das für dich bedeutsame Traumbild falsch gedeutet. Gehe zurück nach Assisi, und du wirst vernehmen, wie du es richtig zu deuten hast.
[ 34 ] Now we need only draw attention to a few details from the life of this, remarkable man, especially from his youth. What sort of a person was Francis of Assisi as a youth? He was one who conducted himself like a descendant of the old Germanic knights, and this need not appear remarkable when we consider how peoples had intermingled after the immigrations from the North. Brave, warlike, filled with the ideal of winning honour and fame with the weapons of war; it was this which existed as a heritage, as a racial characteristic in the personality of Francis of Assisi. There appeared in him more externally, one might say, the qualities which existed more as an inward quality of soul in the ancient Germans, for Francis of Assisi was a “spendthrift.” He squandered the possessions of his father, who was at that time a rich man. He gave freely to all his comrades and playfellows. No wonder that on all the childish warlike expeditions he was chosen as leader by his comrades, and that he was looked upon as a truly warlike boy, for he was known as such throughout the whole town. Now there were all sorts of quarrels between the youths of the towns of Assisi and Perugia; he also took part in these and it came about that on one occasion he and his comrades were taken prisoners. He not only bore his captivity patiently and in a knightly way, but he encouraged all the others to do the same until a year later they were able to return home. Afterwards, when in the service of chivalry, a necessary expedition was going to be undertaken against Naples, he had a vision in a dream. He saw a great palace and everywhere weapons and shields. Up to the time of his dream he had only seen all kinds of cloth in his father's house and place of business. So he said to himself, this is a summons for me to become a soldier, and he thereupon decided to join the expedition. On the way there and still more distinctly after he had joined the expedition, he had spiritual impressions. He heard something like a voice which said “Go no further, you have wrongly interpreted the dream picture which is very important to you. Go back to Assisi and you shall there hear the right interpretation!”
[ 35 ] Er folgte diesen Worten, ging zurück nach Assisi, und siehe da, er hatte etwas wie ein inneres Zwiegespräch mit einem Wesen, das spirituell zu ihm sprach und ihm sagte: Nicht im äußeren Dienst hast du zu suchen deine Ritterschaft. Du bist bestimmt, alle Kräfte, welche du anwenden kannst, umzugestalten zu Kräften des Seelischen, umzugestalten als Waffen, die du seelisch gebrauchen sollst. Alle Waffen, die dir erschienen sind im Palaste, bedeuten dir seelisch-geistige Waffen des Erbarmens, des Mitleids und der Liebe. Alle Schilder bedeuten dir die Vernunft, die du anzuwenden hast, um festzustehen gegenüber den Mühsalen eines in Erbarmen, Mitleid und Liebe zugebrachten Lebens. — Nachher folgte eine kurze, wenn auch nicht ungefährliche Krankheit, von der er aber genas. Danach ergab sich für ihn etwas wie eine Rückschau auf das ganze frühere Leben, in der er mehrere Tage lebte. Wie umgeschmiedet war der ganze Rittersmann, der in seinen kühnsten Träumen sich nur danach gesehnt hatte, ein Kriegsheld zu werden, zu einem Manne, der nun alle moralischen Impulse des Erbarmens, des Mitleids und der Liebe bis in das letzte hinein suchte. Alle Kräfte, die er im Dienste des physischen Planes verwenden wollte, waren umgewandelt zu moralischen Impulsen des inneren Lebens.
[ 35 ] He obeyed these words, went back to Assisi, and behold, he had something like an inner dialogue with a being who spoke to him spiritually and said, “Not in external service have you to seek your knighthood. You are destined to transform all the forces at your disposal into powers of the soul, into weapons forged for your use. All the weapons you saw in the palace signify the spiritual weapons of mercy, compassion and love. The shields signify the reasoning powers which you have to exercise to stand firmly in the trials of a life spent in deeds of mercy, compassion and love.” Then followed a short though dangerous illness, from which, however, he recovered. After that he passed through something like a retrospection of the whole of his life and in this he lived, for several days. The young knight who in his boldest dreams had only longed to become a great warrior was transformed into a man who now most earnestly sought all the impulses of mercy, compassion and love. All the forces he had thought of using in the service of the physical world were transformed into moral impulses of the inner life.
[ 36 ] Da sehen wir, wie gewissermaßen in einer einzelnen Persönlichkeit ein moralischer Impuls ausgelöst wird. Es ist nicht bedeutungslos, daß wir gerade einen großen moralischen Impuls betrachten, denn wenn auch der einzelne nicht immer zu den höchsten Höhen der moralischen Impulse sich aufschwingen kann, lernen kann man von ihnen doch nur da, wo die Impulse sich radikal aussprechen und wo wir sie wirken sehen in ihrer größten Macht. Gerade wenn wir unsere Aufmerksamkeit richten auf das Radikale, und das Kleine in dem Lichte betrachten, das uns aus dem Radikalen, dem Großen erscheint, kommen wir zu einer richtigen Anschauung über die moralischen Impulse des Lebens.
[ 36 ] Here we see how a moral impulse evolves in a single personality. It is important that we should study a great moral impulse, for though the individual cannot always raise himself to the greatest ethical heights, yet he can only learn of them where he sees them most radically expressed and acting with the greatest forcefulness. It is precisely by turning our attention to the greatest and most characteristic manifestations of moral impulses, and then by considering the lesser ones in their light that we can attain to a correct view of moral impulses active in life.
[ 37 ] Aber, was ist nun mit Franz von Assisi geschehen? Es ist unnötig, die Kämpfe auseinanderzusetzen, die er mit seinem Vater gehabt hat, als er zu einer ganz anderen Art, zu einer ganz anderen Methode der Verschwendung überging. Die Verschwendung, bei der auch das Haus des Vaters zur Geltung kam, weil es durch diese Verschwendung des Sohnes zur Berühmtheit und zum Ansehen gekommen war, die verstand der Vater noch; nicht aber verstand er, daß der Sohn nach seiner Umwandlung seine besten Kleider von sich warf bis auf das Notwendigste und sie dem gab, der sie brauchte. Er konnte es nicht begreifen, als seinen Sohn die Anwandlung überkam, in der er sich sagte: Merkwürdig, wie wenig geachtet diejenigen sind, durch welche die christlichen Impulse im Abendlande so Großes erhalten haben. Danach pilgerte Franz von Assisi nach Rom und eine große Summe Geldes legte er nieder an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus. Diese Dinge verstand der Vater nicht. Ich brauche nicht zu schildern die Kämpfe, die es da gab, ich brauche nur anzudeuten, daß sich für Franz von Assisi darin zusammengedrängt haben die ganzen moralischen Impulse. Die so zusammengedrängten Impulse hatten dann in Seelisches umgewandelt die Tapferkeit. Sie hatten sich so entwickelt, daß sie eine besondere Verstärkung erfuhren in den Meditationen und ihm erschienen als das Kreuz mit dem Crucifixus daran. In diesen Zuständen fühlte er eine innere, persönliche Beziehung zu dem Kreuze und zu dem Christus, und davon kamen ihm dann die Kräfte, durch die er so ins Unermeßliche steigern konnte die moralischen Impulse, die ihn jetzt durchströmten.
[ 37 ] But what happened next to Francis of Assisi? It is not necessary to describe the disputes with his father when he became prodigal in an entirely different manner. His father's home was well known for its lavish hospitality and wastefulness—for that reason his father could understand his son's extravagance, but he could not understand him after the radical change he had undergone, when he laid aside his best clothes and even his necessities and gave them to those in need. Nor could he understand his son's frame of mind, when he said, “How remarkable it is that those through whom in the West Christianity has received so much are so little respected,” and then Francis of Assisi made a pilgrimage to Rome and laid a large sum of money on the graves of the Apostles Peter and Paul. These things his father did not understand. I need not describe the discussions which then took place; I need only point out that in them were concentrated all the moral impulses of Francis of Assisi. These concentrated impulses had then transformed his bravery into soul-forces, they had developed in such a manner that in his meditations they produced a special conception, and appeared to him as the Cross and upon it the Saviour. Under these conditions he felt an inner personal relationship to the Cross and the Christ, and from this there came to him the forces through which he could immeasurably increase the moral impulses which now flowed through him.
[ 38 ] Eine merkwürdige Verwertung fand er für das, was jetzt in ihm sich entwickelte. In der damaligen Zeit waren nämlich die Schrecken des Aussatzes tatsächlich über viele europäische Länder hereingebrochen. Das äußere Kirchenbekenntnis fand für diese Aussätzigen, die damals so zahlreich waren, eine merkwürdige Art von Heilungsprozeß. Es ließ nämlich der Priester diese Aussätzigen zu sich kommen und sagte dann zu ihnen: Du bist nun einmal mit dieser Krankheit geschlagen in diesem Leben; aber gerade dadurch, daß du jetzt für das Leben verloren bist, bist du für Gott gewonnen, du bist gottgeweiht. Dann aber wurde er hinausgeschickt in von Menschen entfernte Stätten, wo er in der angedeuteten Weise einsam und verlassen sein Leben beschließen mußte.
[ 38 ] He found a remarkable use for that which now developed in him. At that time the horrors of leprosy had invaded many parts of Europe. The church had discovered a strange cure for these lepers who were then so numerous. The priests would call the lepers and say to them: “ You are stricken with this disease in this life, but inasmuch as you are lost to this life, you have been won for God, you are dedicated to God.” And the lepers were then sent away to places far removed from mankind, where, lonely and shunned, they had to spend the remainder of their lives.
[ 39 ] Ich will keinen Tadel aussprechen über diese Kur. Man wußte keine andere, keine bessere. Aber Franz von Assisi wußte eine bessere. Und aus diesem Grunde wird es erwähnt, weil es uns aus den unmittelbaren Erfahrungen heraus leiten wird zu den moralischen Quellen. Sie werden schon sehen in den nächsten Tagen, warum wir diese Dinge durchnehmen. Nun, sie führten Franz von Assisi gerade dazu, alle die Aussätzigen überall aufzusuchen, nichts zu scheuen im Umgang mit diesen Leuten. Und tatsächlich, was nichts von all den Mitteln der damaligen Zeit heilen konnte, was notwendig machte, daß man die Leute aus der menschlichen Gesellschaft ausstieß, das heilte in zahlreichen Fällen Franz von Assisi, weil er sich an diese Leute heranmachte, allerdings mit den Kräften, die er hatte in seinen moralischen Impulsen, die ihn vor nichts zurückschrecken ließen, ihm vielmehr den Mut gaben, nicht nur sorgfältig zu reinigen die einzelnen wunden Stellen, die an solchen Menschen vorhanden waren, sondern mit den letzteren zu leben, sie intensiv zu pflegen, ja sie zu küssen und sie zu durchströmen mit seiner Liebe. — Es ist nicht bloß eine Dichtung, wie die Heilung des armen Heinrich durch die Tochter des treuen Dieners: es ist damit ausgedrückt, was in der damaligen Zeit in zahlreichen Fällen geschehen ist durch die historisch wohlbekannte Persönlichkeit des Franz von Assisi. Und legen Sie sich zurecht dasjenige, was da geschehen ist. Geschehen ist, daß in einem Menschen wie Franz von Assisi vorhanden war ein ungeheurer Fonds psychischen Lebens als etwas, was wir gefunden haben in der alten europäischen Bevölkerung als Starkmut und Tapferkeit, die sich umgewandelt haben in GeistigSeelisches und die hinterher geistig-seelisch gewirkt haben. Wie in den alten Zeiten das, was da gewirkt hatte als Großmut und Tapferkeit, zur persönlichen Verschwendung geführt hatte und sich noch bei Franz von Assisi in seiner jugendlichen Verschwendungssucht zeigte, so führte es ihn jetzt dazu, daß er ein Verschwender an moralischen Kräften wurde. Er strotzte von moralischer Kraft, und es ging in der Tat über dasjenige, was er in sich hatte, auf diejenigen, denen er seine Liebe zuwandte.
[ 39 ] I do not blame this kind of cure. They knew no better. But Francis of Assisi knew a better one. I mention this, because from actual experience it will lead us to moral sources. You will see in our next lectures why we are now mentioning these things. These moral impulses led Francis of Assisi to search out lepers everywhere, and not to be afraid of going about among them. And actually the leprosy which none of the remedial agents at that time could cure, which made it necessary that these people should be thrust out of human society, this leprosy was healed in numberless cases by Francis of Assisi, because he went to these people with the power which he possessed through moral impulses, which made him fear nothing; it rather gave him courage not only carefully to cleanse their wounds, but to live with the lepers, to nurse them conscientiously, yea, to kiss them and permeate them with his love. The healing of Poor Henry by the daughter of his faithful servant, is not merely a poetic story, it expresses what actually occurred in a great number of cases at that time through the historically well-known personality of Francis of Assisi. Observe what really took place. In a human being, in Francis of Assisi, there was a tremendous store of psychic life, in the shape of something which we have found in the ancient peoples of Europe as bravery and valour, which had been transformed into soul and spirit, and afterwards acted psychically and spiritually. Just as in ancient times that which had expressed itself as courage and valour led to personal expenditure of force, and manifested itself in Francis of Assisi in his younger days as extravagance, so it now led him to become prodigal of moral forces. He was full to overflowing with moral force, and this actually passed over to those to whom he turned his love.
[ 40 ] Fühlen Sie ganz, daß darin eine Realität ist, eine ebensolche Realität, wie sie in der Luft ist, die wir einatmen und ohne die wir nicht leben können. Eine ebensolche Realität ist es, was durch alle Glieder des Franz von Assisi und von da in alle Herzen strömte, denen er sich widmete, denn Franz von Assisi verschwendete eine Fülle von Kräften, die von ihm ausströmten. Und es ist dieses etwas, was in das ganze, reife Leben von Europa ein- und zusammengeströmt ist, was sich in Seelisches verwandelt hat und so gleichsam gewirkt hat in der Wirklichkeit draußen.
[ 40 ] Now try to realise that this moral force is a reality, just as much a reality as the air we breathe and without which we cannot live. It is a reality which flooded the whole being of Francis of Assisi, and streamed from him into all hearts to which he dedicated himself, for Francis of Assisi was prodigal of abundance of force which streamed forth from him, and this is something which has streamed into and intermingled with the whole of the mature life of Europe, which has changed into a soul force, and thus worked, as it were, in the world of external reality.
[ 41 ] Versuchen Sie über diese Tatsachen, die vielleicht zunächst scheinbar nichts mit den aktuellen moralischen Fragen zu tun haben, nachzudenken. Versuchen Sie zu erfassen, was in dem liegt, was indische Andacht und nordischer Starkmut ist. Versuchen Sie die Heilwirkung solcher moralischen Kräfte, die von Franz von Assisi angewendet wurden, einmal zu überdenken. Dann werden wir morgen sprechen können über das, was reale moralische Impulse sind, und wir werden sehen, daß es nicht nur Worte, sondern Realitäten sind, die in der Seele schaffen und Moral begründen.
[ 41 ] Try to reflect upon these facts which at first may apparently have nothing to do with the actual question of morality; try to grasp what is contained in the devotion of the Indian and the valour of the Norseman; reflect upon the healing effect of such moral forces as were exercised by Francis of Assisi and then in our next lecture we shall be able to speak about real, moral impulses and we shall see that it is not merely words which give rise to morality, but realities working in the soul.
