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Christ and the Human Soul
On the Meaning of Life
Theosophical Morality
Anthroposophy and Christianity
GA 155

14 July 1914, Norrköping

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Christus und die menschliche Seele II

Christ and the Human Soul II

[ 1 ] Wenn wir den Tag über leben und wissen, zum Beispiel, was wir diesen Tag über der Sonne zu verdanken haben, wie unsere Lebensaufgabe zusammenhängt mit dem Sonnenlicht, so denken wir nicht daran, daß, gewissermaßen unbewußt, durch diesen ganzen Genuß des Sonnenlichtes, durch die Befriedigung, die wir von dem Sonnenlicht haben, eines hindurchgeht: Wir wissen ganz gewiß, daß am nächsten Morgen, wenn wir die Nacht hindurch geruht haben, uns die Sonne wieder aufgehen werde. Das ist ein Zeichen von dem, wie in unserer Seele ein Vertrauen lebt in die fortdauernde Wirklichkeit der Weltenordnung. Wir machen es uns vielleicht nicht immer klar, aber gefragt, würden wir ganz gewiß in dem Sinne antworten, der hier gemeint ist. Wir geben uns unserer Arbeit heute hin, weil wir wissen, daß die Früchte dieser Arbeit für morgen gesichert sind, weil nach durchruhter Nacht die Sonne wieder erscheinen wird und die Früchte der Arbeit ausreifen können.

[ 1 ] When we go about our day and realize, for example, what we owe to the sun that day, how our life’s work is connected to sunlight, we do not think about the fact that, in a sense unconsciously, through all this enjoyment of sunlight, through the satisfaction we derive from it, one thing runs through it all: We know for certain that the next morning, after we have rested through the night, the sun will rise again. This is a sign of how a trust lives in our soul in the enduring reality of the world order. We may not always realize it, but if asked, we would certainly answer in the sense intended here. We devote ourselves to our work today because we know that the fruits of this work are assured for tomorrow, because after a restful night the sun will rise again and the fruits of our labor can ripen.

[ 2 ] Wir wenden den Blick hin auf die Pflanzendecke der Erde. Wir bewundern in diesem Jahr, was die Pflanzendecke der Erde uns darbietet. Wir erhalten uns von den Früchten der Erde. Wir wissen, daß es in der Wirklichkeit der Weltenordnung begründet ist, daß aus dem Keim dieses Jahres die Pflanzen- und Früchtedecke des nächsten Jahres hervorgehen werde. Und wiederum würden wir, gefragt, warum wir denn so sicher dahinleben, in entsprechender Lage die Antwort geben: Uns erscheint die Wirklichkeit der Weltenordnung verbürgt, uns erscheint verbürgt, daß dasjenige, was als Keim heranreifte in den alten Saaten, auch im Reiche der Wirklichkeit wieder erscheint. — Aber es gibt etwas, dem gegenüber wir eine Stütze brauchen, wenn wir an die Verbürgung durch die Wirklichkeit denken. Und das ist etwas, was für unser inneres Seelenleben von ganz besonderer Bedeutung ist. Und es braucht nur ein einziges Wort ausgesprochen zu werden, dann fühlen wir also gleich, wie es etwas im Leben gibt, wofür wir eine solche Bürgschaft brauchen, weil es unmittelbar eine solche Bürgschaft für den real Denkenden, für den real Fühlenden doch nicht in sich trägt. Das ist das Wort: unsere Ideale. Was alles schließt dieses Wort ein: unsere Ideale! Unsere Ideale, sie gehören zu dem, was unserer Seele, wenn wir in einem höheren Sinne denken und fühlen, wichtiger ist als die äußere Wirklichkeit. Unsere Ideale sind dasjenige, was unsere Seele innerlich befeuert, was unserer Seele in vieler Beziehung das Leben wertvoll und teuer macht.

[ 2 ] We turn our gaze to the Earth’s vegetation. This year, we marvel at what the Earth’s vegetation has to offer us. We sustain ourselves with the fruits of the earth. We know that it is grounded in the reality of the world order that the plant and fruit cover of the coming year will emerge from the seed of this year. And again, if asked why we live so confidently, we would give the following answer in such a situation: The reality of the world order appears to us as guaranteed; it appears to us as guaranteed that what ripened as a seed in the old harvests will also reappear in the realm of reality. — But there is something for which we need a support when we think of this guarantee through reality. And this is something of very special significance for our inner soul life. And it takes only a single word to be spoken, and then we immediately feel that there is something in life for which we need such a guarantee, because it does not in itself directly carry such a guarantee for the truly thinking, for the truly feeling person. That word is: our ideals. What does this word encompass: our ideals! Our ideals belong to that which, when we think and feel in a higher sense, is more important to our soul than external reality. Our ideals are that which kindles our soul from within, that which in many ways makes life valuable and precious to our soul.

[ 3 ] Und wenn wir in das äußere Leben blicken, wenn wir hinblicken auf das, was uns die Realität des Lebens verbürgt, dann werden wir oftmals von dem Gedanken gequält: Enthält denn diese Wirklichkeit etwas, was uns gerade dieses Wertvollste im Leben, die Verwirklichung unserer Ideale, verbürgt?

[ 3 ] And when we look at the world around us, when we consider what the reality of life offers us, we are often tormented by the thought: Does this reality contain anything that guarantees us precisely what is most valuable in life—the realization of our ideals?

[ 4 ] Unzählige Konflikte der Menschenseele gehen daraus hervor, daß die Menschen mehr oder weniger stark oder schwach zweifeln an der Verwirklichung dessen, an dessen Verwirklichung sie doch hängen möchten mit allen Fasern ihrer Seele: an der Verwirklichung ihrer Ideale. Wir brauchen ja nur die Welt des physischen Planes zu betrachten, und wir werden, wenn wir unbefangen diesen physischen Plan betrachten, unzählige Menschenseelen finden, welche die stärksten, die herbsten Seelenkämpfe durchmachen an dem Nichterreichten, das sie doch im idealen Sinne für wertvoll halten. Denn nicht in demselben Sinne können wir gleichsam heraussaugen aus der Evolution der Wirklichkeit, daß sich unsere Ideale im Leben so als Keime für eine zukünftige Realität erweisen werden, wie sich zum Beispiel die Pflanzenkeime dieses Jahres als Anlage für die Pflanzendecke des nächsten Jahres erweisen. Richten wir den Blick hin auf diese Pflanzenkeime, so wissen wir: In sich tragen sie dasjenige, was im nächsten Jahre in ausgebreitetstem Maße Wirklichkeit sein wird. Richten wir nun den Blick hin auf unsere Ideale, dann können wir zwar den Glauben in unserer Seele hegen, daß diese Ideale irgendeine Bedeutung, daß sie irgendeinen Wert für das Leben haben werden; aber in gleichem Sinne eine Sicherheit haben, das können wir in bezug auf diese Ideale nicht. Wir möchten als Menschen, daß sie die Keime seien für spätere Zukunft, aber wir blicken vergeblich aus nach dem, was ihnen die sichere Realität geben kann. So finden wir unsere Seele, schon wenn wir auf den physischen Plan blicken, mit ihrem Idealismus oftmals in einer verzweifelten Lage.

[ 4 ] Countless conflicts within the human soul arise from the fact that people doubt, to a greater or lesser degree, the realization of that which they nevertheless wish to achieve with every fiber of their being: the realization of their ideals. We need only look at the physical plane, and if we observe this physical plane with an open mind, we will find countless human souls undergoing the most intense, the most bitter inner struggles over what remains unachieved, yet which they consider valuable in an ideal sense. For we cannot, as it were, extract from the evolution of reality the insight that our ideals in life will prove to be seeds for a future reality, just as, for example, this year’s plant seeds prove to be the foundation for next year’s vegetation. If we turn our gaze to these plant seeds, we know: They carry within themselves that which will become reality on a vast scale in the coming year. If we now turn our gaze to our ideals, we may indeed cherish the belief in our souls that these ideals will have some meaning, that they will have some value for life; but we cannot have the same kind of certainty regarding these ideals. As human beings, we would like them to be the seeds for the future, but we look in vain for what can give them certain reality. Thus, even when we look at the physical plane, we often find our soul, with its idealism, in a desperate situation.

[ 5 ] Und gehen wir aus der Welt des physischen Planes in die Welt des Okkulten, in die Welt der verborgenen Geistigkeit: Derjenige, der ein Geistesforscher geworden ist, lernt erkennen die Seelen in der Zeit, die sie durchzumachen haben zwischen Tod und neuer Geburt. Und es ist bedeutungsvoll, den geistigen Blick hinzuwerfen auf diejenigen Seelen, welche gesättigt waren in dem Erdenleben mit hohen Idealen, mit Idealen, die sie aus dem Feuer und aus dem Licht ihres Herzens heraus geboren hatten.

[ 5 ] And as we move from the physical plane into the occult world, into the world of hidden spirituality: the one who has become a spiritual researcher learns to perceive the souls during the period they must undergo between death and rebirth. And it is meaningful to cast the spiritual gaze upon those souls who were filled in their earthly lives with high ideals—ideals they had born from the fire and light of their hearts.

[ 6 ] Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes hindurchgegangen ist und das uns wohlbekannte Lebenstableau, das eine Erinnerung an das verflossene Erdenleben darstellt, vor sich hat, dann ist eingewoben diesem Lebenstableau auch die Welt der Ideale. Und diese Welt der Ideale, sie kann dem Menschen in einer solchen Weise nach dem Tode vor die Seele treten, daß er ihr gegenüber etwas fühlt, das man in die Worte kleiden möchte: Ja, diese Ideale, die mein Herz im Innersten befeuert und durchleuchtet haben, die ich als das Teuerste, als das innerste Gut meines Herzens betrachtet habe, diese Ideale, sie haben jetzt ein gar fremdartiges Ansehen. Sie sehen so aus, als ob sie nicht recht hingehörten zu alledem, dessen ich mich erinnere als wirklicher Erdenerlebnisse des physischen Planes. Und dennoch fühlt sich der Tote wiederum wie magnetisch hingezogen zu diesen seinen Idealen, er fühlt sich gleichsam gebannt an diese Ideale. Sie können etwas merkwürdig Anziehendes für den Toten haben, diese Ideale. Aber sie können etwas haben, was ihn wie mit einem gelinden Schrekken erfüllt, von dem er fühlt, daß es ihm gefährlich werden kann, daß es ihn entfremden kann der Erdenevolution und dem, was auch für die Erdenevolution zusammenhängt in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt.

[ 6 ] When a person has passed through the gate of death and stands before the familiar tableau of life—which represents a recollection of their past earthly existence—the world of ideals is also woven into this tableau. And this world of ideals can appear before the soul after death in such a way that the person feels something toward it that one might put into words as follows: Yes, these ideals, which have kindled and illuminated my heart in its innermost depths, which I have regarded as the most precious, as the innermost treasure of my heart—these ideals now have a most strange appearance. They look as if they do not quite belong to all that I remember as actual earthly experiences of the physical plane. And yet the deceased feels, once again, as if magnetically drawn to these ideals of his; he feels, as it were, spellbound by them. These ideals can have a strangely attractive quality for the deceased. But they may possess something that fills him with a kind of mild dread, something he senses could be dangerous to him, something that could alienate him from earthly evolution and from all that pertains to earthly evolution in the life between death and new birth.

[ 7 ] Um mich ganz deutlich auszusprechen, möchte ich an konkrete Erlebnisse anknüpfen, möchte anknüpfen an Erlebnisse, die einige von den Freunden, die hier sitzen, ja schon kennen, aber die gerade von einer gewissen Seite her am heutigen Abend noch besonders beleuchtet werden sollen, damit sie zusammengestellt werden können mit dem, was ich eben über die Natur der menschlichen Ideale ausgesprochen habe.

[ 7 ] To express myself quite clearly, I would like to refer to specific experiences—experiences that some of the friends sitting here are already familiar with, but which, from a certain perspective, should be highlighted particularly this evening so that they can be brought into connection with what I have just said about the nature of human ideals.

[ 8 ] Uns hatte sich in den letzten Jahren eine dichterische Natur angeschlossen. Aus einem Leben heraus, das gewidmet war dem reinsten Idealismus, das in der vortheosophischen Zeit schon eine mystische Vertiefung durchgemacht hatte, kam der betreffende Mann herein in unsere anthroposophische Bewegung. Mit Herz und Seele widmete er sich, trotzdem seine Seele weilte in einem morschen, zerfallenden Leibe, unserer geistigen Bewegung. Im Frühling dieses Jahres haben wir ihn für das Erdenleben verloren: er ist durch die Pforte des Todes hindurchgegangen. Er hat der Menschheit hinterlassen eine Serie wunderbarer Gedichte, die in einem Band veröffentlicht worden sind, der vor kurzem, nach seinem Tode, erschienen ist. In gewisser Beziehung war er durch die Schwierigkeiten seines äußeren Leibesleben viele Zeiten räumlich getrennt von unserer Bewegung, in einem einsamen schweizerischen Gebirgsorte oder sonst irgendwo, wo er für seine Gesundung sorgen mußte, Aber er hing auch entfernt von uns an unserer Bewegung, und seine Dichtungen, die ja auch in gewissen anthroposophischen Kreisen immer wiederum und wiederum vorgetragen wurden, gerade in der letzten Zeit, sind gleichsam die dichterische Widerspiegelung dessen, was wir uns anthroposophisch erarbeitet haben durch mehr als ein Jahrzehnt hindurch. Nun ist er durch die Pforte des Todes gegangen, und ein Merkwürdiges stellt sich heraus der okkulten Betrachtung der Seele dieses Mannes. Man kann sagen, die Bedeutung des Lebens der Seele in diesem morschen Körper lernt man erst nach dem Tode kennen. Dasjenige, was diese Seele aufnahm, während sie geistig treu mitarbeitete an dem Fortgang der anthroposophischen Bewegung, das entwickelte größere Kraft, möchte man sagen, unter der Oberfläche des allmählich hinsterbenden Leibes. Der morsche Leib verdeckte das, solange die Seele selbst in diesem Leibe war. Und jetzt, wenn man mit dieser Seele zusammenkommt nach dem Tode, jetzt leuchten auf, so wie sie eben nur im geistigen Leben aufleuchten können, die Inhalte des Lebens, die diese Seele aufgenommen hat; und wie ein gewaltiges kosmisches 'Tableau ist, ich möchte sagen, die Wolke vorhanden, in der unser Freund nun, nachdem er die Pforte des Todes durchschritten hat, lebt. Für den okkulten Betrachter ist das ein eigenartiger Anblick. Man kann ja nun vielleicht sagen: Der okkulte Betrachter kann ja auch die Blicke umherschweifen lassen in dem ganzen weiten Umkreis der geistig-kosmischen Welt. Aber es ist noch etwas anderes, den Blick umherschweifen zu lassen in dem ganzen Umkreis der kosmischen psychischen Welt und dann noch abgesondert zu sehen aus einer besonderen Menschenseele heraus etwas, was sich wie ein gewaltiges Tableau ausnimmt, wie ein Gemälde desjenigen, was sonst sich selbst in der geistigen Welt zeigt. Wie wenn man die Welt des physischen Planes um sich herum hat und dann sie widergespiegelt sieht in den großartigen Gemälden eines Raffael, eines Michelangelo, so ist es in der geistigen Welt in dem Falle, von dem hier gesprochen wird. Wie man niemals sagt, wenn man einem Gemälde von Raffael oder Michelangelo gegenübersteht: Ach, dieses Gemälde gibt mir nichts mehr, denn ich habe ja die große Wirklichkeit vor mir, so sagt man nicht, wenn man das Tableau betrachtet, das in einer Seele widerspiegelt, was man sonst im Anschauen der geistigen Wirklichkeit sieht, daß das gewaltige Aufleuchten dieses Seelentableaus uns nicht eine unendliche Bereicherung sei. Und gesagt werden darf, daß man unendlich mehr noch lernt, als man aus dem unmittelbaren Anblick der weiten geistigen Wirklichkeit lernen kann, wenn man vor sich hat den Freund, der gestorben ist, der in seiner eigenen Seele nach dem Tode eine Widerspiegelung enthält alles dessen, was geschildert werden durfte seit vielen Jahren aus den geistigen Welten heraus.

[ 8 ] In recent years, a poetic soul had joined us. Coming from a life devoted to the purest idealism—a life that had already undergone a mystical deepening in the pre-theosophical era—this man entered our anthroposophical movement. With heart and soul he devoted himself to our spiritual movement, even though his soul dwelt in a frail, decaying body. In the spring of this year we lost him to earthly life: he has passed through the gate of death. He has left humanity a series of wonderful poems, which have been published in a volume that appeared recently, after his death. In a certain sense, due to the difficulties of his physical life, he was often physically separated from our movement, in a lonely Swiss mountain village or elsewhere where he had to seek recovery, But even from a distance, he remained devoted to our movement, and his poems—which, after all, were recited time and again in certain anthroposophical circles, especially in recent times—are, as it were, the poetic reflection of what we have worked out anthroposophically over the course of more than a decade. Now he has passed through the gate of death, and something remarkable emerges from the occult contemplation of this man’s soul. One might say that the significance of the soul’s life within this decaying body is only truly understood after death. That which this soul absorbed while faithfully contributing spiritually to the progress of the anthroposophical movement developed, one might say, a greater power beneath the surface of the body that was gradually dying. The decaying body concealed this as long as the soul itself was within that body. And now, when one meets this soul after death, the contents of the life that this soul has absorbed now shine forth, just as they can only shine forth in spiritual life; and like a mighty cosmic tableau—I would say, the cloud—in which our friend now lives, having passed through the gate of death. For the occult observer, this is a peculiar sight. One might now perhaps say: The occult observer can, after all, also let his gaze wander throughout the entire vast expanse of the spiritual-cosmic world. But it is something else entirely to let one’s gaze wander throughout the entire expanse of the cosmic psychic world and then, from within a particular human soul, to see something that appears like a vast tableau, like a painting of that which otherwise reveals itself in the spiritual world. Just as when one has the world of the physical plane around one and then sees it reflected in the magnificent paintings of a Raphael or a Michelangelo, so it is in the spiritual world in the case of which we are speaking here. Just as one never says, when standing before a painting by Raphael or Michelangelo: ‘Ah, this painting no longer speaks to me, for I have the great reality before me’—so one does not say when contemplating the tableau that reflects in a soul what one otherwise sees in the contemplation of spiritual reality, that the mighty radiance of this soul-tableau is not an infinite enrichment to us. And it may be said that one learns infinitely more than one can learn from the direct sight of the vast spiritual reality when one has before one the friend who has died, who in his own soul after death contains a reflection of all that has been permitted to be described for many years from the spiritual worlds.

[ 9 ] Dieses ist ein okkulter Tatbestand. Diesen okkulten Tatbestand habe ich ja unseren anthroposophischen Freunden schon wiederholt an anderen Orten auseinandergesetzt. Ich habe das jetzt herausgehoben, was für unsere heutige Betrachtung wichtig sein kann. So, wie sich dieser okkulte Tatbestand dargestellt hat an Christian Morgenstern, zeigt er mir noch etwas anderes. Man kann oftmals, wenn man sieht, welchen Widerstand heute die Verkündigung der okkulten Lehre, wie wir sie meinen, noch findet, vielleicht die Frage stellen, ich will nicht sagen zweifeln, aber die Frage stellen: Welchen Fortgang in den menschlichen Herzen, in den menschlichen Seelen wird diese okkulte Lehre finden? Gibt es eine Garantie, eine Bürgschaft dafür, daß das, was wir uns heute erarbeiten innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft, fortwirken werde im Verlauf der geistigen Menschheitsentwickelung? Der Anblick dessen, was die Seele unseres Freundes geworden ist, der gibt aus der okkulten Welt heraus eine solche Bürgschaft. Warum? Unser Freund, der uns die Dichtungen hinterlassen hat «Wir fanden einen Pfad», er lebt in dem gewaltigen kosmischen Tableau, das wie eine Art Seelenleib ist für ihn nach dem Tode. Er hat aber, während er mit uns verbunden war innerhalb unserer anthroposophischen Strömung, aufgenommen dasjenige, was wir zu sagen haben über den Christus. Indem er aufnahm die anthroposophische Lehre, indem er diese anthroposophische Lehre mit seiner Seele so verband, daß sie wirklich das geistige Herzblut seiner Seele wurde, hat er diese Lehre auch so in seiner Seele aufgenommen, daß diese anthroposophische Lehre für ihn den Christus als Substanz in sich enthielt. Er hat sie mit der Christus-Wesenheit zugleich aufgenommen. Der Christus, wie er in unserer Bewegung lebt, ist in seine Seele zugleich übergegangen.

[ 9 ] This is an occult fact. I have, in fact, already discussed this occult fact with our anthroposophical friends on several occasions in other contexts. I have now highlighted what may be important for our consideration today. The way this occult fact manifested itself in Christian Morgenstern reveals something else to me as well. One can often, when one sees the resistance that the proclamation of the occult teaching—as we understand it—still encounters today, perhaps ask the question—I do not mean to say doubt, but to ask the question: What progress will this occult teaching make in human hearts, in human souls? Is there a guarantee, a surety, that what we are working out today within our Anthroposophical Society will continue to have an effect in the course of humanity’s spiritual development? The sight of what has become of our friend’s soul provides such a surety from the occult world. Why? Our friend, who left us the poems “We Found a Path,” lives within the vast cosmic tableau that serves as a kind of soul-body for him after death. But while he was connected to us within our anthroposophical movement, he took in what we have to say about the Christ. By taking in the anthroposophical teaching, by connecting this anthroposophical teaching with his soul in such a way that it truly became the spiritual lifeblood of his soul, he also took this teaching into his soul in such a way that this anthroposophical teaching contained Christ as a substance within it for him. He took it in together with the Christ-being. Christ, as he lives in our movement, has at the same time passed into his soul.

[ 10 ] Und nun stellt sich bei der Betrachtung des okkulten Tatbestandes das Folgende dar. Der Mensch, der durch die Pforte des Todes geht, ja, er kann in einem solchen kosmischen Tableau leben, er wird mit ihm schreiten durch das Leben, das zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegt; das wird wirken in seiner ganzen Wesenheit, das wird sich einverleiben seiner ganzen Wesenheit, besser würde ich sagen «einverseelen» seiner ganzen Wesenheit, und es wird sein neues Erdenleben durchdringen, wenn er zu einem solchen Erdenleben wieder heruntersteigt. Es trägt insofern dazu bei, daß eine solche Seele selbst einen Keim von Vollkommenheit aufnimmt für das eigene Leben, daß diese Seele selbst weiterschreitet in der Evolution des Erdendaseins. Das alles geschieht dadurch, daß eine solche Seele so etwas aufgenommen hat, wie es gesagt worden ist. Aber nun hat diese Seele, wie es eben angeführt worden ist, das alles aufgenommen durchtränkt und durchgeistigt von der Christus-Wesenheit, von den Vorstellungen, die wir uns über die Christus-Wesenheit aneignen können. Dadurch aber ist das, was eine solche Seele aufgenommen hat, nicht bloß ein Gut, das zur Weiterentwickelung dieser Seele allein dient, sondern ein Gut, das durch den Christus, der der ganzen Menschheit gemeinschaftlich ist, auf die ganze Menschheit wiederum wirkt. Und jenes Seelentableau, das sich dem hellsichtigen Auge entwickelt in der Seele, die diesen Frühling durch die Pforte des Todes gegangen ist, jenes Seelentableau, so wie es sich darstellt, durchchristet, es ist mir Bürgschaft dafür, daß das, was heute gesprochen werden darf aus den geistigen Welten, herunterleuchten wird durch die Liebe des Christus in Seelen, die in späterer Zeit kommen werden; diese Seelen, sie werden davon durchfeuert, sie werden davon inspiriert werden. Nicht allein wird unser Freund in seinem eigenen Leben die durchchristete Anthroposophie zur eigenen Vervollkommnung weiter tragen, sondern dadurch, daß er durchchristet sie aufgenommen hat, wird sie aus der geistigen Welt heraus ein Impuls den Seelen werden, die in den kommenden Jahrhunderten aufleben; in sie hineinstrahlen wird dasjenige, was durchchristet ist. Eure Seelen können das, was sie aus der durchchristeten Anthroposophie bekommen als ihr bestes Gut, nicht nur für sich selbst aufnehmen, sondern es durch spätere Evolutionszeiten tragen. Durchchristen sie es, so fließt es, weil der Christus das Wesen ist, das der ganzen Menschheit gehört, als eine Saat hinein in die ganze Menschheit. Wo der Christus dabei ist, vereinzeln sich nicht die Güter des Lebens; sie bleiben fruchtbar für den Einzelnen, aber sie nehmen zugleich den Charakter eines Gutes für die ganze Menschheit an.

[ 10 ] And now, when we consider the occult reality, the following becomes apparent. The human being who passes through the gate of death—indeed, can live within such a cosmic tableau; he will walk with it through the life that lies between death and a new birth; this will act upon his entire being, will become part of his entire being—or rather, I would say, “infuse” his entire being—and it will permeate his new earthly life when he descends once more into such an earthly life. In this respect, it contributes to such a soul itself taking in a seed of perfection for its own life, so that this soul itself may continue on in the evolution of earthly existence. All this happens because such a soul has absorbed something of the nature described. But now, as has just been mentioned, this soul has absorbed all this, imbued and spiritualized by the Christ-being, by the mental images we can form of the Christ-being. Consequently, however, what such a soul has absorbed is not merely a treasure that serves the further development of this soul alone, but a treasure that, through the Christ who belongs to all humanity collectively, in turn works upon all humanity. And that soul tableau that unfolds before the clairvoyant eye in the soul that passed through the gate of death this spring, that soul tableau, as it presents itself, permeated by Christ—it is a guarantee to me that what may be spoken today from the spiritual worlds will shine down through the love of Christ into souls that will come in later times; these souls will be set ablaze by it; they will be inspired by it. Not only will our friend carry the Christ-permeated anthroposophy forward in his own life for his own perfection, but because he has taken it in as Christ-permeated, it will become an impulse from the spiritual world to the souls who will come to life in the coming centuries; that which is Christ-permeated will shine into them. Your souls can take in what they receive from Christ-permeated anthroposophy as their greatest treasure, not only for themselves, but carry it through later stages of evolution. When they Christify it, it flows—because Christ is the Being who belongs to all humanity—as a seed into all humanity. Where Christ is present, the goods of life do not become isolated; they remain fruitful for the individual, but at the same time they take on the character of a good for all humanity.

[ 11 ] Das ist es, was wir uns klar vor die Seele zu stellen haben. Dann sehen wir, welch bedeutender Unterschied waltet, ob wir Weisheit aufnehmen nicht durchchristet, oder ob wir Weisheit aufnehmen durchleuchtet von dem Christus-Licht. Wir sind ja nicht, wenn wir auf dem Felde unserer engeren Gemeinschaft zusammenkommen, dazu da, abstrakte Betrachtungen anzustellen, meine lieben Freunde, wir sind da, um ungescheut gegenüber demjenigen, was die heutige Welt gegen den Okkultismus, gegen den wahren Okkultismus hat, diesen Okkultismus wirklich zu treiben. Daher darf auch dasjenige berührt werden, was eben nur durch das Forschen im Geistigen wirklich zu unserer Kenntnis kommen kann.

[ 11 ] This is what we must clearly hold before our souls. Then we will see what a significant difference there is between receiving wisdom without the influence of Christ and receiving wisdom illuminated by the light of Christ. After all, when we gather in the realm of our close-knit community, we are not there to engage in abstract contemplation, my dear friends; we are there to truly practice this occultism, undaunted by what the modern world has against occultism—against true occultism. Therefore, we may also touch upon that which can truly come to our knowledge only through research in the spiritual realm.

[ 12 ] Ein zweiter Fall soll angeführt werden. Wir waren veranlaßt, in den letzten Jahren in München mancherlei, was wir Mysterien nennen, aufzuführen, und auch unsere schwedischen Freunde haben vielfach teilgenommen an diesen Mysterienaufführungen. Auch das, was ich jetzt sage, habe ich von einer gewissen Seite her schon manchen Freunden mitgeteilt. Ja, bei diesen Mysterienaufführungen mußte manches anders getan werden als bei anderen Aufführungen. Es mußte gewissermaßen die Verantwortung gefühlt werden gegenüber der geistigen Welt. Man konnte nicht wie an eine Theateraufführung an diese Mysterienaufführung gehen. Gewiß, was man macht in einem solchen Fall, das muß gemacht werden aus den eigenen Seelenkräften heraus. Aber machen wir uns nur einmal klar, daß wir angewiesen sind auch im physischen Leben, wenn wir dieses oder jenes durch den Willen unserer Seele durchführen wollen, unsere Muskelkraft, die uns auch von außen zukommt, die aber doch uns gehört, dazu zu gebrauchen. Haben wir sie nicht, diese Muskelkraft, die uns von außen zukommt, so können wir gewisse Dinge ja nicht ausführen. In gewisser Weise gehört die Muskelkraft zu uns und doch wiederum nicht zu uns. So ist es mit unseren geistigen Fähigkeiten, nur daß uns dabei nicht helfen physische Kräfte, Muskelkraft, wenn diese Fähigkeiten im Geistigen sich betätigen sollen, sondern daß uns da die Kräfte der geistigen Welt selbst zu Hilfe kommen müssen, daß uns da gleichsam durchstrahlen und durchsetzen müssen die Kräfte, die aus der geistigen Welt in unsere physische Welt hineindringen. Und wahrhaftig, es mögen andere solche Unternehmungen, wie sie unsere Münchener Spiele waren, mit einem anderen Bewußtsein beginnen, für mich selbst wurde es klar, daß die Sache nur ausgeführt werden durfte im Laufe der Jahre, daß die verschiedenen Initiativen nur ergriffen werden durften, wenn ganz bestimmte, gerade nach dieser Richtung hin gehende geistige Kräfte in unsere Menschenkräfte hineinfließen, wenn gewissermaßen geistige Schutzengelkräfte in unsere menschlichen Kräfte hineinfließen.

[ 12 ] A second case should be mentioned. In recent years, we have been led to perform various things in Munich that we call “Mysteries,” and our Swedish friends have also frequently participated in these Mystery performances. I have already shared what I am about to say with some friends from a certain perspective. Indeed, in these mystery performances, many things had to be done differently than in other performances. One had to feel, so to speak, a sense of responsibility toward the spiritual world. One could not approach these mystery performances as one would a regular theater performance. Certainly, whatever one does in such a case must be done out of one’s own soul forces. But let us just realize that even in physical life, when we wish to accomplish this or that through the will of our soul, we are required to use our muscular strength—which comes to us from outside but which nevertheless belongs to us. If we do not have this muscular strength that comes to us from outside, we cannot perform certain things. In a certain sense, muscular strength belongs to us and yet, at the same time, does not belong to us. So it is with our spiritual faculties, only that in this case we are not aided by physical forces—muscular strength—when these faculties are to be active in the spiritual realm, but rather that the forces of the spiritual world themselves must come to our aid, that the forces penetrating from the spiritual world into our physical world must, as it were, radiate through us and permeate us. And truly, other such undertakings, such as our Munich Games were, may begin with a different consciousness; for myself, it became clear that the matter could only be carried out over the course of the years, that the various initiatives could only be taken when very specific spiritual forces, moving precisely in this direction, flow into our human powers—when, so to speak, the forces of spiritual guardian angels flow into our human powers.

[ 13 ] Es war in den allerersten Zeiten, als wir begannen, in einem kleinen Kreise noch, geisteswissenschaftlich zu arbeiten. Es war ein sehr kleiner Kreis, und man konnte ihn immer, wenn wir zusammenkamen im Beginn unseres Jahrhunderts in Berlin, seiner Kopfzahl nach leicht überzählen. Aber eine treue Seele war für kurze Zeit immer unter diesen, eine Seele, die durch ihr Karma ausgestattet war mit einem ganz besonderen Talent für Schönheit und Kunst. Diese Seele hat, wenn auch nur kurze Zeit, aber doch mit uns gearbeitet, gerade in bezug auf alles Intimste, was dazumal zu durcharbeiten war auf dem geisteswissenschaftlichen Felde. Mit Innigkeit und mit einem abgeklärten inneren Feuer arbeitete diese Seele unter uns und nahm insbesondere die Lehren auf, die dazumal aus der Geisteswissenschaft namentlich über gewisse kosmologische Zusammenhänge gegeben werden konnten. Und ich weiß heute noch, wie dazumal eine Tatsache zum Beispiel vor meine Seele trat, die vielleicht unbedeutend erscheinen könnte, die aber doch hier angeführt werden darf: Als unsere anthroposophische Bewegung begann, da begann sie auch damit, daß eine Zeitschrift, die damals aus wohlerwogenen Gründen heraus «Luzifer» genannt wurde, den Anfang machte. Ich schrieb dazumal einen Artikel unter dem Titel «Luzifer», einen Artikel, der enthalten sollte, wenigstens der Anlage nach, die Richtlinien, unter denen wir arbeiten wollten. Ich darf wohl sagen, schon dieser Artikel ist, wenn es auch nicht in Worten ausgesprochen ist, in denjenigen Linien gehalten, in denen dann unsere Theosophische und jetzt AnthroposophischeGesellschaft gehalten werden muß, und ich darf sagen: Auch dieser Artikel ist durchchristet. Man nimmt dasjenige, was christliches Lebensblut ist, auf, wenn man den Artikel aufnimmt. Ich darf heute vielleicht erwähnen, daß dieser Artikel dazumal auch in dem Kreise der wenigen, die aus der alten theosophischen Bewegung heraus sich an uns angeschlossen hatten, die heftigste Opposition erfuhr. Allüberall wurde dieser Artikel für etwas genommen, was eigentlich ganz untheosophisch sei. Die Persönlichkeit, von der ich eben sprach, war mit dem allerwärmsten Herzen und mit der tiefsten Innigkeit gerade bei diesem Artikel, und ich konnte mir sagen: Diese Zustimmung wiegt mehr für den Fortgang der anthroposophischen Bewegung als die ganze übrige Opposition, wenn es auf die Wahrheit ankommt. Kurz, ganz verwoben war diese Seele mit dem, was in unsere Geistesströmung hineinfließen sollte. Sie starb bald; sie ging durch die Pforte des Todes schon 1904. Sie hatte einige Zeit sich durchzuringen in der geistigen Welt nach dem Tode zu dem, was sie eigentlich war. Und noch nicht 1907, aber von unseren Spielen in München, den Mysterienspielen von 1909 ab, dann immer steigend durch die folgenden Zeiten, da war es diese Seele, die immer hinter demjenigen schützend und klärend stand, was ich vornehmen durfte für unsere Münchener Festspiele. Was diese Seele durch ihre Anlage in bezug auf Schönheit für die künstlerische Verwirklichung unserer geistigen Ideale geben konnte, das wirkte herab aus der geistigen Welt wie von dem Schutzengel unserer Mysterienspiele kommend, so daß man Kraft in sich fühlte, diejenige Initiative zu ergreifen, die notwendig war, weil, wie im Physischen unsere Muskelkraft uns unterstützt, so die geistige Kraft, die aus den geistigen Welten herunterströmt, in die eigene geistige Kraft hineinfloß.

[ 13 ] It was in the very earliest days, when we were still working on Spiritual Science in a small circle. It was a very small circle, and whenever we gathered in Berlin at the beginning of our century, one could easily count the number of people present. But there was always one faithful soul among them for a short time, a soul who, through her karma, was endowed with a very special talent for beauty and art. This soul worked with us, albeit for only a short time, but precisely in regard to the most intimate aspects of what needed to be worked through at that time in the field of Spiritual Science. With devotion and a serene inner fire, this soul worked among us and absorbed in particular the teachings that could be imparted at that time from Spiritual Science, specifically regarding certain cosmological connections. And I still know today how, for example, a fact once came before my soul that might seem insignificant, but which may nevertheless be mentioned here: When our anthroposophical movement began, it also began with a journal that, for well-considered reasons at the time, was named “Luzifer.” At that time, I wrote an article titled “Luzifer,” an article that was intended to contain, at least in outline, the guiding principles under which we wished to work. I may well say that this article alone, even if not explicitly stated in words, is held within the lines by which our Theosophical and now Anthroposophical Society must be guided, and I may say: This article, too, is permeated by Christ. One takes in that which is the lifeblood of Christianity when one takes in the article. I may perhaps mention today that this article at the time also met with the most vehement opposition within the circle of the few who had joined us from the old Theosophical movement. Everywhere this article was regarded as something that was actually quite un-Theosophical. The person I just spoke of was, with the warmest heart and the deepest sincerity, particularly committed to this very article, and I could say to myself: This approval carries more weight for the progress of the anthroposophical movement than all the rest of the opposition, when it comes to the truth. In short, this soul was completely interwoven with what was to flow into our spiritual current. She died soon after; she passed through the gate of death as early as 1904. For some time after death, she had to struggle in the spiritual world to become what she truly was. And not yet in 1907, but beginning with our plays in Munich—the Mystery Plays of 1909—and then increasingly through the following years, it was this soul that always stood behind what I was permitted to undertake for our Munich Festival, offering protection and clarity. What this soul, through her disposition toward beauty, was able to contribute to the artistic realization of our spiritual ideals, that worked down from the spiritual world as if coming from the guardian angel of our Mystery Plays, so that one felt the strength within oneself to take the initiative that was necessary, because, just as our physical muscle strength supports us, so the spiritual power flowing down from the spiritual worlds flowed into one’s own spiritual power.

[ 14 ] So wirken die Toten mit uns. So sind sie mit uns. Das war wieder ein Fall — und jetzt kommt die Wendung, von der ich insbesondere heute sprechen muß —, das war wieder ein Fall, wo nicht bloß für die betreffende Persönlichkeit zu ihrem eigenen Fortschritt in ihrem individuellen Leben das sichtlich beitrug, was sie aufgenommen hatte auf dem anthroposophischen Felde, sondern es floß uns ja wiederum zurück in etwas, was wir tun durften für die ganze anthroposophische Bewegung. Es waren zwei Möglichkeiten vorhanden: die eine, daß eben diese Persönlichkeit aufgenommen hatte das, was sie aufnehmen konnte, daß sie es in ihrer Seele hatte und daß sie es nun in ihrem weiteren Fortschreiten durch das Leben, auch durch das Leben nach dem Tode, für sich verwenden konnte. Das ist so recht, das soll so geschehen, denn die Menschenseele muß, wenn sie ihr göttliches Ziel erreichen soll, immer vollkommener und vollkommener werden; sie muß alles tun, was zu dieser Vervollkommnung beitragen kann. Weil aber auch diese Seele schon die ganze Gesinnung der Durchchristetheit in sich aufgenommen hatte, konnte das, was sie aufgenommen hatte, nicht nur für sie selbst wirken, sondern es konnte herunterfließen zu uns, es konnte eine Art Gemeingut werden, Gemeingut in seiner Wirksamkeit.

[ 14 ] This is how the dead work with us. This is how they are with us. This was yet another case—and now comes the turn of events I must speak of in particular today—this was yet another case where what the individual had absorbed in the anthroposophical sphere not only visibly contributed to their own progress in their individual life, but also flowed back to us in something we were able to do for the entire anthroposophical movement. There were two possibilities: one, that this very person had absorbed what they could absorb, that they held it within their soul, and that they could now use it for themselves as they continued on their journey through life, including life after death. That is quite right; that is how it should be, for the human soul, if it is to reach its divine goal, must become ever more perfect; it must do everything that can contribute to this perfection. But because this soul had already absorbed the entire spirit of Christ-imbued living, what it had absorbed could not only work for itself, but it could flow down to us; it could become a kind of common heritage, a common heritage in its effectiveness.

[ 15 ] Das ist es, was der Christus macht, wenn er unsere Erkenntnisfrüchte durchdringt. Er nimmt nicht weg, was diese Erkenntnisfrüchte für unsere Individualität darstellen, aber der Christus ist gestorben für alle Seelen, und wenn wir uns aufschwingen zu der Erkenntnis, welche die Erkenntnis des richtigen Erdenmenschen sein muß: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»; wenn wir gleichsam den Christus in uns wissen bei allem, was wir selbst wissen, wenn wir dem Christus zuschreiben die Kräfte, die wir selbst verwenden, dann wirkt das, was wir in uns aufnehmen, nicht nur für uns allein, sondern für die ganze Menschheit. Dann wird es fruchtbar für die ganze Menschheit. Wo wir hinblicken auf dem Erdenrund zu Menschenseelen: für alle ist der Christus gestorben, und dasjenige, was die Menschenseelen in seinem Namen aufnehmen, das nehmen sie zu ihrer eigenen Vervollkommnung, aber auch als teure Wirkensgüter für die ganze Menschheit auf.

[ 15 ] This is what Christ does when He permeates the fruits of our knowledge. He does not take away what these fruits of knowledge represent for our individuality, but Christ died for all souls, and when we rise to the level of the knowledge that must be the knowledge of the true earthly human being: “Not I, but the Christ in me”; when we, as it were, know the Christ within us in all that we ourselves know, when we attribute to the Christ the powers we ourselves employ, then what we take in within ourselves works not only for us alone, but for all humanity. Then it becomes fruitful for all humanity. Wherever we look upon the earth at human souls: Christ died for all, and what human souls take in in his name, they take in for their own perfection, but also as precious resources for the benefit of all humanity.

[ 16 ] Nunmehr blicken wir zurück zu dem, was in den Einleitungsworten des heutigen Abends gesprochen worden ist.

[ 16 ] Now let us look back at what was said in the opening remarks this evening.

[ 17 ] Gesagt worden ist: Wenn wir nach dem Tode zurückblicken in unserem Lebenstableau auf dasjenige, was wir durchlebt haben, dann kommt es uns vor, als ob unsere Ideale etwas Fremdes haben könnten. Die Empfindung, die wir da durchmachen, ist diese, daß wir diesen Idealen es anfühlen: sie tragen uns eigentlich nicht hin zu dem allgemeinen Menschenleben, sie haben keine Eigenbürgschaft für Realität in dem allgemeinen Menschenleben; sie führen uns hinweg von dem allgemeinen Menschenleben. Es ist eine starke Gewalt, welche Luzifer hat gerade über unsere Ideale, weil sie so schön aus der menschlichen Seele herausquellen, aber eben nur aus der menschlichen Seele, und nicht in der äußeren Wirklichkeit wurzeln. Deshalb hat Luzifer eine solche Gewalt, und es ist eigentlich der magnetische Zug des Luzifer, den wir in unseren Idealen nach dem Tode spüren. Luzifer kommt an uns heran, und gerade wenn wir Ideale haben, sind sie ihm besonders wertvoll, er kann uns auf dem Umweg durch diese Ideale zu sich hinziehen. Aber wenn wir dasjenige, was wir geistig durchdringen, mit dem Christus durchziehen, wenn wir den Christus in uns erfühlen, und wenn wir wissen: Dasjenige, was wir aufnehmen, nimmt der Christus mit in uns auf — «Nicht ich, sondern der Christus in mir» (Galater 2, 20) -, dann ist es, wenn wir durch die Pforte des Todes treten, nicht so, daß wir auf unsere Ideale so zurückblicken, als ob sie uns der Welt entfremden wollten, sondern dann haben wir unsere Ideale gleichsam dem Christus übergeben; dann erkennen wir, daß der Christus es ist, der unsere Ideale zu seiner eigenen Sache macht. Er nimmt unsere Ideale auf sich. Und der Einzelne kann sich sagen: Nicht ich kann meine Ideale allein so auf mich nehmen, daß sie ebenso sichere Keime für die Menschheit der Erde sind, wie die Pflanzenkeime des heutigen Sommers sichere Keime für die Pflanzendecke des nächstens Sommers sein werden; aber der Christus in mir kann es. Der Christus in mir durchzieht meine Ideale mit der Realität der Substanz. — Und die Ideale, die wir so in uns hegen, daß wir uns sagen: Ja, als Mensch fassen wir sie, die Ideale, auf diesem Erdenrund, aber in uns lebt der Christus, und er übernimmt unsere Ideale — diese Ideale sind reale Keime für zukünftige Wirklichkeit. Durchchristeter Idealismus ist mit dem Keim der Realität durchsetzt. Und derjenige, der den Christus wirklich versteht, der sieht auf diese Ideale so hin, daß er sagt: Jetzt haben Ideale noch nicht etwas in sich, was ihnen ihre Realität, ihren Wirklichkeits-Charakter so verbürgt, wie dem Pflanzenkeim der Wirklichkeits-Charakter für das nächste Jahr verbürgt ist, aber wenn wir unsere Ideale so auffassen, daß wir sie dem Christus in uns übergeben, dann sind sie reale Keime. Und derjenige, der ein wirkliches Christus-Bewußtsein hat, der das Paulinische Wort «Nicht ich, sondern der Christus in mir — ist der Träger meiner Ideale» zu seiner Lebenssubstanz macht, der sieht so darauf hin, daß er sagt: Ja, da sind die reifen Saaten mit ihren Keimen, da sind Flüsse und Meere, da bilden sich Berge und Täler. Aber daneben ist die Welt des Idealismus; diese Welt des Idealismus ist von dem Christus übernommen, und sie ist wie in der gegenwärtigen Welt der Keim zur zukünftigen Welt. Denn der Christus trägt unsere Ideale so hinüber in die zukünftige Welt, wie hinüberträgt der Gott der Natur die Pflanzenkeime dieses Jahres in das nächste Jahr.

[ 17 ] It has been said: When, after death, we look back on the panorama of our lives and reflect on what we have experienced, it seems to us as though our ideals might have something alien about them. The feeling we experience then is that we sense this about those ideals: they do not actually lead us toward general human life; they have no inherent guarantee of reality in general human life; they lead us away from general human life. It is a powerful force that Lucifer wields precisely over our ideals, because they spring so beautifully from the human soul, but precisely only from the human soul, and are not rooted in external reality. That is why Lucifer has such power, and it is actually the magnetic pull of Lucifer that we sense in our ideals after death. Lucifer approaches us, and precisely when we have ideals, they are especially valuable to him; he can draw us to himself by way of these ideals. But if we imbue what we spiritually penetrate with Christ, if we feel Christ within us, and if we know: that which we take in, Christ takes in with us—“Not I, but Christ in me” (Galatians 2:20)—then, when we pass through the gate of death, it is not that we look back on our ideals as if they were meant to alienate us from the world, but rather we have, as it were, handed our ideals over to Christ; then we recognize that it is Christ who makes our ideals his own cause. He takes our ideals upon himself. And the individual can say to himself: I alone cannot take my ideals upon myself in such a way that they are just as certain seeds for the humanity of the earth as the plant seeds of this summer will be certain seeds for the vegetation of next summer; but the Christ within me can. The Christ within me permeates my ideals with the reality of substance. — And the ideals that we cherish within us in such a way that we say to ourselves: Yes, as human beings we grasp these ideals on this earth, but Christ lives within us, and he takes on our ideals—these ideals are real seeds for future reality. Idealism permeated by Christ is interwoven with the seed of reality. And the one who truly understands Christ looks upon these ideals in such a way that he says: “At present, ideals do not yet possess within themselves anything that guarantees their reality, their character of reality, just as the character of reality is guaranteed for the plant seed for the coming year; but if we conceive of our ideals in such a way that we entrust them to the Christ within us, then they are real seeds.” And the one who has a true Christ-consciousness, who makes the Pauline word “Not I, but Christ in me—is the bearer of my ideals” the substance of his life, looks upon this in such a way that he says: Yes, there are the ripe seeds with their sprouts, there are rivers and seas, there mountains and valleys are forming. But alongside this is the world of idealism; this world of idealism has been taken over by Christ, and it is, as in the present world, the seed of the future world. For Christ carries our ideals over into the future world just as the God of nature carries the plant seeds of this year into the next year.

[ 18 ] Das gibt dem Idealismus Realität, das benimmt der Seele jene herben, jene düsteren Zweifel, die in ihr aufsteigen können, wenn sie be schlichen wird von dem Gefühl: Was wird aus der Welt der Ideale, die innig mit der äußeren Realität verknüpft sind, die verknüpft sind mit all dem, was ich für wertvoll halten muß? Das, was in der menschlichen Seele als Idealismus, als Weisheitsgut heranreift, das verspürt derjenige, der den Christus-Impuls in sich aufnimmt, mit Realität durchdrungen, mit Realität durchsättigt. Und ich habe Ihnen die zwei Beispiele angeführt, um Ihnen daran zu zeigen aus der okkulten Welt heraus, wie anders wirkt dasjenige, was durchchristet der Seele anvertraut wird, als das, was nur als Weisheit, die nicht durchchristet ist, der Seele anvertraut ist. Wahrhaftig, ganz anders dringt zu uns herunter das, was die Seele sich in diesem Erdenleben durchchristet hat, als das, was sie nicht durchchristet hat.

[ 18 ] This gives idealism a sense of reality; it dispels those bitter, those gloomy doubts that can arise in the soul when it is overcome by the feeling: What will become of the world of ideals that are intimately linked to external reality, that are linked to all that I must hold dear? That which matures within the human soul as idealism, as a treasure of wisdom—this is what the person who takes in the Christ impulse within themselves perceives as imbued with reality, saturated with reality. And I have given you these two examples to show you, from the occult world, how differently that which is entrusted to the soul through Christ works compared to that which is entrusted to the soul merely as wisdom that is not permeated by Christ. Truly, what the soul has imbued with Christ in this earthly life penetrates us quite differently than what it has not imbued with Christ.

[ 19 ] Es macht einen erschütternden Eindruck, wenn das hellsichtige Bewußtsein hinaufschaut in die geistige Welt und sieht für ihre Ideale die Seelen kämpfen, in denen in der letzten Inkarnation noch nicht das volle Christus-Bewußtsein aufgegangen ist, sieht die Seelen kämpfen für ihr Teuerstes, weil in ihren Idealen Luzifer eine Gewalt über sie hat, so daß er sie abtrennen kann von den Früchten, die als reale Früchte die ganze Welt genießen soll. Anders ist der Anblick bei denjenigen, die ihr Weisheitsgut, ihr Seelengut haben durchchristet sein lassen, die, wie einen Abglanz in uns hervorrufend, seelenbelebend schon in dieses Leben im Leibe herunterwirken.

[ 19 ] It is a deeply moving experience when the clairvoyant consciousness looks up into the spiritual world and sees souls fighting for their ideals—souls in whom full Christ-consciousness had not yet dawned during their last incarnation— seeing the souls struggle for what is most precious to them, because in their ideals Lucifer has power over them, so that he can separate them from the fruits that the whole world is meant to enjoy as real fruits. The sight is different for those who have allowed their store of wisdom, their spiritual heritage, to be permeated by Christ; those who, evoking a reflection within us, already work down into this life in the body, enlivening the soul.

[ 20 ] Was so empfunden werden kann wie teuerste innere Seelenwärme, wie Trost in den schwersten Lagen des Lebens, wie Stütze in den schwersten Abgründen des Lebens, das ist eben das Durchdrungensein mit dem Christus-Impuls. Und warum? Weil derjenige, der wirklich durchdrungen ist mit dem Christus-Impuls, fühlt, wie in den Eroberungen seiner Seele, mögen sie noch so unvollkommen sich ausnehmen gegenüber dem Erdenleben, dieser Christus-Impuls als die Gewähr und Bürgschaft für die Verwirklichung darinnen liegt. Deshalb ist der Christus ein solcher Trost in den Zweifeln des Lebens, eine solche Stütze der Seele. Wie vieles bleibt den Seelen auf der Erde unerfüllt in dem Leben, wie vieles erscheint ihnen wertvoll, ohne daß sie es anders ansehen können gegenüber der äußeren physischen Welt als wie oftmals zerstörte Lenzeshoffnungen. Was wir aber so aufrichtig in unserer Seele fühlen, was wir mit unserer Seele vereinigen als ein wertvoll gedachtes Gut, das können wir dem Christus übergeben. Und wie es auch aussehen mag für die Verwirklichung: wenn wir es dem Christus übergeben haben, dann trägt er es auf seinen Flügeln in die Wirklichkeit hinein. Man braucht das nicht immer zu wissen, aber die Seele, die den Christus in sich fühlt, so wie der Leib sein Blut als belebendes Element in sich fühlt, die fühlt das Wärmende, das Realisierende dieses Christus-Impulses gegenüber alledem, was die Seele in der äußeren Welt nicht realisieren kann, aber realisieren möchte, berechtigterweise realisieren möchte.

[ 20 ] What can be experienced as the most precious inner warmth of the soul, as comfort in life’s most difficult situations, as a pillar of support in life’s deepest abysses—that is precisely what it means to be imbued with the Christ impulse. And why? Because the one who is truly imbued with the Christ impulse feels, as in the conquests of his soul—however imperfect they may seem in comparison to earthly life—that this Christ impulse lies within them as the guarantee and assurance of their realization. That is why the Christ is such a comfort in the doubts of life, such a support for the soul. How much remains unfulfilled in the lives of souls on Earth, how much seems valuable to them, yet they cannot view it differently in relation to the outer physical world than as hopes of spring that are often shattered. But what we feel so sincerely in our soul, what we unite with our soul as a treasure of great value, that we can entrust to Christ. And whatever the prospects for its realization may be: once we have entrusted it to Christ, He carries it on His wings into reality. One does not always need to know this, but the soul that feels Christ within itself, just as the body feels its blood as a life-giving element within itself, feels the warming, the actualizing power of this Christ impulse in contrast to all that the soul cannot realize in the outer world, but would like to realize—and rightly so.

[ 21 ] Daß das hellsichtige Bewußtsein diese Dinge sieht, wenn es die Seelen betrachtet nach dem Tode, das ist eben nur ein Beweis dafür, wie berechtigt das Gefühl ist der Menschenseele, wenn sie bei allem, was sie tut, bei allem, was sie denkt, sich durchchrister fühlt, den Christus als ihren Trost, als ihre Stütze, als dasjenige in sich aufnimmt, von dem sie sagt in diesem Erdenleben: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Man sage dies «Nicht ich, sondern der Christus in mir» in diesem Erdenleben!

[ 21 ] The fact that the clairvoyant consciousness sees these things when it observes souls after death is simply proof of how justified the human soul’s feeling is when, in everything it does, in everything it thinks, feels itself to be permeated by Christ, takes Christ into itself as its comfort, as its support, as that of which it says in this earthly life: “Not I, but Christ in me.” Let this be said—“Not I, but Christ in me”—in this earthly life!

[ 22 ] Erinnern Sie sich an eine Stelle, die im Anfang meiner «Theosophie» steht, die einen derjenigen Punkte zeigen soll, wo verwirklicht wird auf einer gewissen Stufe des geistigen Lebens, was in dieser Welt des Erdenlebens die Seele durchdringt. Ich habe an einer bestimmten Stelle meiner «Theosophie» darauf aufmerksam gemacht, daß das «Tat twam asi», «Das bist du», das die morgenländischen Weisen meditieren, wie eine Wirklichkeit vor sie hintritt gerade in dem Momente, wo der Übergang aus der sogenannten Seelenwelt in die Geisteswelt geschieht. Sehen Sie nach an der betreffenden Stelle.

[ 22 ] Do you recall a passage at the beginning of my *Theosophy* that is intended to illustrate one of those points where, at a certain stage of spiritual life, what permeates the soul in this world of earthly existence is realized? At a certain point in my *Theosophy*, I pointed out that the “Tat twam asi,” “That thou art,” which the Eastern sages meditate upon, appears before them as a reality precisely at the moment when the transition from the so-called soul world to the spiritual world takes place. Please refer to the relevant passage.

[ 23 ] Aber noch etwas anderes kann Wirklichkeit werden, Wirklichkeit werden in einer menschlich ungeheuer bedeutungsvollen Art, von dem, was diese Menschenseele, die sich durchchristet fühlt, sich in diesem Leben sagen kann: das paulinische Wort «Nicht ich, sondern der Christus in mir». Weiß man es so zu denken, daß es innere Wahrheit ist, dieses Wort «Nicht ich, sondern der Christus in mir», dann verwirklicht es sich nach dem Tode in einer gewaltigen, in einer bedeutsamen Weise. Denn was wir unter diesem Lebensgesichtspunkte in der Welt aufnehmen, unter dem Lebensgesichtspunkte des «Nicht ich, sondern der Christus in mir», das wird so unser Eigentum, das wird so unsere innere Natur zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, daß wir durch das, was so unsere innere Natur geworden ist, es als Frucht der ganzen Menschheit zuerteilen dürfen. Was wir so aufnehmen, daß wir es aufnehmen unter dem Gesichtspunkte «Nicht ich», das macht der Christus zum Gemeingut der ganzen Menschheit. Was ich aufnehme unter dem Gesichtspunkte «Nicht ich», von dem darf ich nach dem Tode sagen und fühlen: Nicht mir allein, sondern allen meinen Menschenbrüdern! Und dann allein darf ich das Wort aussprechen: Ja, ich habe ihn geliebt über alles, auch über mich selbst, deshalb habe ich gehorcht dem Gebote: «Liebe deinen Gott über alles.»

[ 23 ] But there is something else that can become reality—reality in a way that is immensely significant for humanity—which the human soul, feeling itself to be permeated by Christ, can say to itself in this life: the Pauline words, “Not I, but Christ in me.” If one knows how to think of it in such a way that it is an inner truth—this saying, “Not I, but Christ in me”—then it becomes a reality after death in a powerful, in a significant way. For whatever we take in from the world from this perspective on life—from the perspective of “Not I, but Christ in me”—becomes our own, becomes our inner nature between death and a new birth, so that through what has thus become our inner nature, we may share it as a fruit of all humanity. What we take in in this way—that is, taking it in from the perspective of “Not I”—Christ makes the common property of all humanity. What I take in from the perspective of “Not I”—of that I may say and feel after death: Not for myself alone, but for all my fellow human beings! And then alone may I utter the words: Yes, I loved him above all else, even above myself; therefore I obeyed the commandment: “Love your God above all else.”

[ 24 ] «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»

[ 24 ] “It is no longer I who live, but Christ who lives in me.”

[ 25 ] Und ich habe es erfüllt, das andere Gebot: «Liebe deinen Nächsten als dich selbst.» Denn dasjenige, was ich mir selbst erworben habe, das wird dadurch, daß es der Christus in die Realität trägt, Gemeingut der ganzen Erdenmenschheit.

[ 25 ] And I have fulfilled the other commandment: “Love your neighbor as yourself.” For what I have attained for myself becomes, through Christ’s bringing it into reality, the common heritage of all humanity on earth.

[ 26 ] Man muß solche Dinge auf sich wirken lassen, dann erfährt man, was der Christus in der Menschenseele zu bedeuten hat, wie der Christus der Menschenseele Träger und Stütze, der Menschenseele Tröster und Durchleuchter sein kann. Und man fühlt sich allmählich hinein in dasjenige, was man nennen kann die Beziehung des Christus zur menschlichen Seele.

[ 26 ] One must allow such things to sink in; then one comes to understand what Christ means to the human soul, how Christ can be the human soul’s bearer and support, its comforter and illuminator. And one gradually feels one’s way into what might be called the relationship between Christ and the human soul.

[ 27 ] Davon wollen wir dann morgen weitersprechen.

[ 27 ] We'll talk more about that tomorrow.