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Christ and the Human Soul
On the Meaning of Life
Theosophical Morality
Anthroposophy and Christianity
GA 155

15 July 1914, Norrköping

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Christus und die menschliche Seele III

Christ and the Human Soul III

[ 1 ] Einer derjenigen Begriffe, die uns aufstoßen müssen, wenn die Rede ist von den Beziehungen des Christus zur menschlichen Seele, ist zweifellos der Begriff von Schuld und Sünde. Wir wissen ja, welch einschneidende Bedeutung die Begriffe von Schuld und Sünde haben etwa im Christentum des Paulus. Wir müssen allerdings sagen, unser gegenwärtiges Zeitalter ist wenig geneigt, ein wirklich tiefes inneres Verständnis zu haben für den weiteren Zusammenhang auch, der uns bei Paulus entgegentritt zwischen den Begriffen Schuld und Sünde und Tod und Unsterblichkeit. Aber das liegt im Materialismus unserer Zeit begründet. Wir brauchen uns nur an die Worte zu erinnern, die ich in der ersten Betrachtung, die ich hier anstellte, gesagt habe: daß ja eine Unsterblichkeit der Menschenseele ohne die Fortsetzung des Bewußtseins hinaus in die Zustände nach dem Tode keine wahre Unsterblichkeit bedeuten würde. Eine Beendigung des Bewußtseins mit dem Tode würde gleichbedeutend sein mit der Tatsache, die man dann annehmen müßte: daß eben der Mensch eigentlich nicht unsterblich sei. Denn des Menschen Wesenheit unbewußt fortbestehend nach dem Tode würde bedeuten, daß das Allerwichtigste, das, was den Menschen zum Menschen macht, nach dem Tode nicht bestehen würde. Und eine unbewußte Menschenseele, die den Tod überdauern würde, würde ja sozusagen nicht viel mehr bedeuten als die Summe von Atomen, welche auch der Materialismus annimmt, die bleiben sollen, auch wenn der menschliche Leib zerstört wird.

[ 1 ] One of the concepts that must give us pause when discussing Christ’s relationship to the human soul is undoubtedly the concept of guilt and sin. We know, of course, what a decisive significance the concepts of guilt and sin have, for example, in the Christianity of Paul. We must admit, however, that our present age is little inclined to have a truly deep inner understanding of the broader context that also confronts us in Paul between the concepts of guilt and sin, and death and immortality. But this is rooted in the materialism of our time. We need only recall the words I spoke in the first reflection I presented here: that the immortality of the human soul, without the continuation of consciousness into the states beyond death, would not constitute true immortality. An end to consciousness with death would be tantamount to the fact that one would then have to assume: that man is, in fact, not immortal. For the human being to continue to exist unconsciously after death would mean that the most important thing—that which makes man human—would not exist after death. And an unconscious human soul that survives death would, so to speak, mean little more than the sum of atoms, which materialism also assumes remain even when the human body is destroyed.

[ 2 ] Für Paulus stand eben noch felsenfest, daß man von Unsterblichkeit nur reden könne bei Aufrechterhaltung des individuellen Bewußtseins. Und da er das individuelle Bewußtsein von Sünde und Schuld abhängig denken mußte, so konnte Paulus selbstverständlich denken: Wenn des Menschen Bewußtsein umnebelt wird nach dem Tode von Sünde und Schuld oder von den Folgen von Sünde und Schuld, wenn also das Bewußtsein nach dem Tode gestört wird von Sünde und Schuld, so bedeutet das, daß Sünde und Schuld den Menschen wirklich töten, den Menschen als Seele töten, als Geist töten. Weit entfernt davon ist natürlich das materialistische Bewußtsein unserer Zeit, auch dasjenige vieler philosophischen Forscher der Gegenwart, die zufrieden sind, von einem Fortleben der Menschenseele zu sprechen oder sprechen zu können, während menschliche Unsterblichkeit nur identifiziert werden darf mit bewußtem Fortbestehen der Menschenseele nach dem Tode.

[ 2 ] For Paul, it was still an unshakable conviction that one could speak of immortality only if individual consciousness were preserved. And since he had to conceive of individual consciousness as dependent on sin and guilt, Paul naturally reasoned: If a person’s consciousness is clouded after death by sin and guilt or by the consequences of sin and guilt—that is, if consciousness after death is disturbed by sin and guilt—this means that sin and guilt truly kill the person, kill the person as a soul, kill the person as a spirit. Far removed from this, of course, is the materialistic consciousness of our time, including that of many contemporary philosophical researchers who are content to speak of—or to be able to speak of—the survival of the human soul, whereas human immortality can only be identified with the conscious survival of the human soul after death.

[ 3 ] Nun entsteht ja gewiß, insbesondere für die anthroposophische Weltanschauung, leicht eine Schwierigkeit. Um auf diese Schwierigkeit zu kommen, braucht man nur aufmerksam zu machen auf das gegenseitige Verhältnis der Begriffe «Schuld und Sünde» und «Karma». Das wird ja von manchen Anthroposophen so erledigt, daß sie einfach sagen: Wir glauben an Karma, das heißt: eine Schuld, die ein Mensch in irgendeiner Verkörperung begeht, die trägt er mit, mit seinem Karma, und trägt sie später ab; es wird also im Verlauf der Inkarnationen ein Ausgleich geschaffen. — Und nun beginnt hier die Schwierigkeit. Die Anthroposophen sagen dann leicht: Wie kann das vereinbar sein mit dem als christlich angenommenen Begriff zum Beispiel von der Sündenvergebung durch Christus? Und dennoch wiederum, mit wahrem Christentum ist der Begriff der Sündenvergebung durchaus verbunden. Man braucht zum Beispiel nur an das eine zu denken: Christus am Kreuz, zwischen den beiden Verbrechern. Der Verbrecher links spottet über Christus: «Wenn Du Gott sein willst, hilf Dir und uns!» (Lukas 23, 39) Der Verbrecher rechts sagt darauf: der andere solle nicht so sprechen, denn sie beide hätten eben ein Schicksal mit dem Kreuzestod verdient, das ihren Taten angemessen sei, der aber sei unschuldig und müsse das gleiche Schicksal erleben. Und es fügt hinzu der Verbrecher rechts: «Wenn Du in deinem Reiche bist, dann gedenke meiner.» Und es antwortet ihm Christus: « Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.» (Lukas 23, 42 u. 43) Dieses Wort läßt sich gewiß aus den Evangelien nicht einfach wegleugnen, auch nicht wegdisputieren, sondern es ist ein wichtiges, ein bedeutungsvolles Wort. Der Anthroposoph hat nun die Schwierigkeit, die ihm aus der Frage entsteht: Wenn der Verbrecher rechts dasjenige, was er angestellt hat, mit seinem Karma abzuwaschen hat, was soll es dann heißen, daß Christus, gleichsam ihm verzeihend, ihm vergebend sagt: «Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein» ? Der Anthroposoph kann sagen: Der Verbrecher rechts wird mit seinem Karma seine Schuld abzuwaschen haben wie der Verbrecher links.

[ 3 ] Now, of course, a difficulty easily arises, especially for the anthroposophical worldview. To address this difficulty, one need only draw attention to the relationship between the concepts of “guilt and sin” and “karma.” Some anthroposophists resolve this by simply saying: We believe in karma, which means that a fault a person commits in any given incarnation is carried along with their karma and is later worked off; thus, a balance is established over the course of incarnations. — And this is where the difficulty begins. Anthroposophists then readily ask: How can this be reconciled with the concept, accepted as Christian, of forgiveness of sins through Christ, for example? And yet, the concept of forgiveness of sins is indeed connected with true Christianity. One need only think, for example, of this: Christ on the cross, between the two criminals. The criminal on the left mocks Christ: “If you are God, save yourself and us!” (Luke 23:39) The criminal on the right replies: the other should not speak that way, for both of them had indeed deserved a fate of death on the cross commensurate with their deeds, but he himself was innocent and must suffer the same fate. And the criminal on the right adds: “When you are in your kingdom, remember me.” And Christ answers him: “Truly, I say to you, today you will be with me in Paradise.” (Luke 23:42–43) This word certainly cannot simply be denied or argued away from the Gospels; rather, it is an important, a meaningful word. The anthroposophist now faces the difficulty arising from the question: If the criminal on the right must atone for what he has done through his karma, what then is the meaning of Christ, as it were forgiving him, saying: “Today you will be with me in Paradise”? The anthroposophist may say: The criminal on the right will have to atone for his guilt through his karma, just as the criminal on the left must.

[ 4 ] Warum wird da durch Christus ein Unterschied gemacht zwischen dem Verbrecher rechts und dem Verbrecher links? Es ist ganz zweifellos, daß hier für die anthroposophische Karma-Auffassung eine Schwierigkeit vorliegt. Diese Schwierigkeit ist auch nicht leicht zu lösen; sie löst sich aber, wenn man gerade mit geisteswissenschaftlicher Forschung tiefer in das Christentum hineinschürft, wenn man tiefer hineinzukommen versucht in das Christentum. Und ich will jetzt von einer ganz anderen Seite her die Sache angreifen, von einer Seite, deren Wesen Ihnen zwar schon bekannt ist, die uns aber doch nahebringen kann eigentümliche Verhältnisse, die da vorliegen.

[ 4 ] Why does Christ make a distinction between the criminal on the right and the criminal on the left? There is no doubt that this presents a difficulty for the anthroposophical view of karma. Nor is this difficulty easy to resolve; but it resolves itself when one delves deeper into Christianity through Spiritual Science research, when one attempts to penetrate more deeply into Christianity. And I now wish to approach the matter from a completely different angle, from an angle whose nature is already familiar to you, but which can nevertheless bring us closer to the peculiar circumstances that exist here.

[ 5 ] Erinnern Sie sich nur einmal, meine lieben Freunde, wie wir oftmals sprechen von Luzifer und Ahriman, und erinnern Sie sich dabei, wie in meinen Mysteriendramen Luzifer und Ahriman dargestellt sind. In dem Augenblick, wo man beginnt, ich möchte sagen, menschlich-anthropomorphistisch die Sache anzusehen und einfach aus Luzifer so eine Art inneren und aus Ahriman eine Art äußeren Verbrecher macht, in diesem Augenblick wird man schwer zurechtkommen; denn vergessen wir nur nicht, daß gesagt werden muß, daß Luzifer neben dem Bringer des Übels und so weiter in die Welt, des inneren Übels, das durch die Leidenschaften entsteht, auch der Bringer der Freiheit ist, daß Luzifer eine wichtige Rolle spielt im Weltenganzen. Ebenso muß von Ahriman gesagt werden, daß er eine wichtige Rolle spielt im Weltenganzen. Wir haben es ja, als begonnen wurde zuerst mehr über Luzifer und Ahriman zu sprechen, erlebt, daß Anthroposophen in einer gewissen Weise unruhig geworden sind. Sie haben auf der einen Seite, ich möchte sagen, noch solch ein Nachgefühl von dem, was man immer aus Luzifer gemacht hat: daß das eigentlich ein schrecklicher Verbrecher in der Welt ist, vor dem man sich nur hüten müsse. In dieses Gefühl gegenüber Luzifer kann natürlich der Anthroposoph nicht so ohne weiteres einstimmen, weil er Luzifer eine wichtige Rolle zuerteilen muß im Weltenganzen. Und dennoch wiederum, man muß Luzifer hinstellen als einen Gegner der fortschreitenden Götter, als einen Geist also, der den Schöpfungsplan in einer gewissen Weise durchkreuzt, als einen Feind derjenigen Götter, die wir eigentlich verehren müssen. Wir schreiben also im Grunde genommen, wenn wir so über Luzifer sprechen, einem Götterfeind eine wichtige Rolle zu im Weltenganzen. Und in ähnlicher Weise müssen wir es ja auch bei Ahriman machen.

[ 5 ] Just think for a moment, my dear friends, how often we speak of Lucifer and Ahriman, and recall how Lucifer and Ahriman are portrayed in my Mystery Dramas. The moment one begins, I would say, to view the matter in a human-anthropomorphic way and simply makes of Lucifer a kind of inner criminal and of Ahriman a kind of outer criminal, at that very moment one will find it difficult to cope; for let us not forget that it must be said that, alongside being the bringer of evil and so on into the world—the inner evil that arises from the passions—Lucifer is also the bringer of freedom; that Lucifer plays an important role in the whole of the world. Likewise, it must be said of Ahriman that he plays an important role in the whole of the world. We have indeed experienced, when we first began to speak more about Lucifer and Ahriman, that anthroposophists became somewhat unsettled. On the one hand, I would say, they still have a lingering impression of what Lucifer has always been made out to be: that he is actually a terrible criminal in the world, whom one must simply guard against. Of course, the anthroposophist cannot simply go along with this feeling toward Lucifer, because he must assign Lucifer an important role in the whole of the world. And yet, on the other hand, one must portray Lucifer as an adversary of the progressive gods—that is, as a spirit who in a certain way thwarts the plan of creation, as an enemy of those gods whom we must actually revere. So, in essence, when we speak of Lucifer in this way, we are assigning an enemy of the gods an important role in the universe as a whole. And we must do the same with Ahriman as well.

[ 6 ] Es ist begreiflich auf der einen Seite, daß nun das menschliche Gemüt kommt und sagt: Ja, was soll ich nun eigentlich mit diesem Luzifer und mit Ahriman anfangen; soll ich sie nun hassen oder lieben ? Ich weiß nicht recht, was ich mit ihnen anfangen soll! — Woher kommt das alles? Nun, wenn man von Luzifer und Ahriman spricht, dann muß doch deutlich werden aus der Art, wie man über sie spricht, daß man von ihnen spricht als von Wesen, die eigentlich in ihrer ganzen Eigentümlichkeit nicht dem physischen Plan angehören, die gewissermaßen ihre Mission und Aufgabe in der Welt haben außerhalb des physischen Planes, in den geistigen Welten. Insbesondere das letztemal bei den Münchener Vorträgen habe ich stark hervorgehoben, daß das Wesen dieser Sache darinnen liegt, daß Luzifer und Ahriman ihre ihnen von den fortschreitenden Göttern zuerteilte Rolle in den geistigen Welten haben, und daß eine Diskrepanz, eine Disharmonie nur auftritt, wenn sie ihre Rolle hineintragen in den physischen Plan und sich Rechte anmaßen, die ihnen eigentlich nicht zugeteilt sind. Aber wir müssen uns zu einem bequemen, meine lieben Freunde, zu dem die menschliche Seele sich nicht gerne bequemt, wenn man über diese Dinge redet, nämlich dazu, daß unser Urteil, unser menschliches Urteil, wie wir es fällen, eigentlich wirklich nur für den physischen Plan gilt, und daß dieses Urteil, wie es für den physischen Plan richtig ist, nicht einfach übertragen werden kann auf die höheren Welten. Deshalb müssen wir uns ja langsam und allmählich in die Anthroposophie hineinfinden, um unser Urteil zu erweitern, um unsere ganze Begriffsund Ideenwelt zu erweitern. Deshalb können die materialistisch denkenden Menschen der Gegenwart, trotzdem alles an der Anthroposophie zu begreifen ist, sie so schwer begreifen, weil sie ihr Urteil nicht erweitern wollen, sondern stehenbleiben wollen bei dem Urteil, das für den physischen Plan gilt.

[ 6 ] On the one hand, it is understandable that the human mind might now ask: “Well, what am I actually supposed to make of this Lucifer and this Ahriman? Should I hate them or love them? I’m not quite sure what to make of them!” — Where does all this come from? Well, when one speaks of Lucifer and Ahriman, it must become clear from the way one speaks of them that one is speaking of beings who, in all their peculiarity, do not actually belong to the physical plane; who, so to speak, have their mission and task in the world outside the physical plane, in the spiritual worlds. In particular, during my last lectures in Munich, I strongly emphasized that the essence of this matter lies in the fact that Lucifer and Ahriman have their roles in the spiritual worlds, as assigned to them by the advancing gods, and that a discrepancy, a disharmony, arises only when they carry their roles into the physical plane and assume rights that are not actually assigned to them. But we must come to terms with a fact, my dear friends—one to which the human soul is reluctant to adapt when speaking of these things—namely, that our judgment, our human judgment, as we form it, actually applies only to the physical plane, and that this judgment, while correct for the physical plane, cannot simply be transferred to the higher worlds. That is why we must, of course, slowly and gradually find our way into anthroposophy, in order to broaden our judgment, to broaden our entire world of concepts and ideas. That is why the materialistically minded people of the present, even though everything in anthroposophy is comprehensible, find it so difficult to grasp, because they do not want to broaden their judgment, but wish to remain with the judgment that applies to the physical plane.

[ 7 ] Wenn wir sagen: Eine Macht tritt der anderen feindlich gegenüber, so ist es ganz richtig, wenn man auf dem physischen Plan stehen bleiben will, zu sagen: Feindschaft ist etwas Ungehöriges, etwas, was nicht sein soll. Aber dasselbe gilt nicht für die höheren Plane. Da muß das Urteil sich erweitern. Damit die Welt in ihrer Gänze möglich ist, ist — ebenso wie zum Beispiel auf dem Gebiet der Elektrizität positive und negative Elektrizität notwendig ist — auch geistige Gegnerschaft notwendig. Notwendig ist es, daß sich die Geister gegenüberstehen. Hier wird wahr das Wort des Heraklit, daß nicht nur die Liebe, sondern auch der Streit das Weltall konstituiert. Nur wenn auf die Menschenseele Luzifer wirkt und durch die Menschenseele in die physische Welt der Streit hineingetragen wird, dann ist dieser Streit unrecht. Aber es gilt nicht mehr dasselbe für die höheren Welten; da ist auch Gegnerschaft der Geister etwas, was zum ganzen Gefüge, zur ganzen Evolution der Welt dazugehört. Das heißt, wir müssen, sobald wir in die höhere Welt hinaufkommen, andere Maßstäbe anlegen, andere Färbungen des Urteils uns zu eigen machen. Daher ist es so schockierend, wie oftmals über Luzifer und Ahriman gesprochen werden muß, auf der einen Seite sie als Göttergegner hinstellend und auf der anderen Seite sie hinstellend wiederum so, daß sie im ganzen Gang der Weltenordnung notwendig sind.

[ 7 ] When we say that one power stands in opposition to another, it is quite correct—if one wishes to remain on the physical plane—to say that enmity is something improper, something that ought not to be. But the same does not apply to the higher planes. There, our judgment must be broadened. For the world to be possible in its entirety—just as, for example, positive and negative electricity are necessary in the realm of electricity—spiritual opposition is also necessary. It is necessary for spirits to stand opposed to one another. Here the words of Heraclitus come true, that not only love but also strife constitutes the universe. Only when Lucifer acts upon the human soul and conflict is carried into the physical world through the human soul is this conflict wrong. But the same does not apply to the higher worlds; there, too, the opposition of spirits is something that belongs to the entire structure, to the entire evolution of the world. This means that as soon as we ascend into the higher world, we must apply different standards, adopt different perspectives in our judgment. That is why it is so shocking how often one must speak of Lucifer and Ahriman, on the one hand portraying them as enemies of the gods, and on the other hand portraying them in such a way that they are necessary in the entire course of the world order.

[ 8 ] Also es muß vor allen Dingen das ins Auge gefaßt werden, daß der Mensch mit der Weltenordnung in Kollision kommt, wenn er das Urteil, das für den physischen Plan gilt, für die höheren Welten gültig sein läßt.

[ 8 ] Above all, one must bear in mind that human beings come into conflict with the cosmic order when they allow the judgment that applies to the physical plane to be valid for the higher worlds as well.

[ 9 ] Nun, das ist aber gerade der Grundnerv, der immer betont worden ist: daß der Christus als Christus nicht zu den anderen Wesen des physischen Planes gehört, daß von dem Augenblick an, als die Johannestaufe im Jordan eintritt, ein Wesen, das vorher nicht auf der Erde war, ein Wesen, das nicht zu den irdischen Wesen gehört, in die Leiblichkeit des Jesus von Nazareth eingezogen ist. Wir haben es also zu tun in dem Christus mit einem Wesen, das mit Recht zu den Jüngern sagen konnte: «Ich bin von oben, ihr aber seid von unten» (Johannes 8, 23), das heißt: Ich bin aus dem himmlischen Reich, ihr aus dem irdischen Reich. Und nun nehmen wir dasjenige, was daraus folgt. Was daraus folgt, ist dieses: Was irdisches Urteil ist, was ganz berechtigt ist als irdisches Urteil, was jeder auf der Erde fällen muß als Urteil, sofern er ein Erdenwesen ist, muß das auch das Urteil jenes kosmischen Wesens sein, das in den Jesusleib als Christus eingezogen ist? Jenes Wesen, das bei der Taufe im Jordan in den Jesusleib eingezogen ist, das hat nicht ein irdisches, das hat ein himmlisches Urteil, das muß anders urteilen, als Menschen urteilen müssen.

[ 9 ] Well, that is precisely the crux of the matter that has always been emphasized: that Christ, as Christ, does not belong to the other beings of the physical plane; that from the moment of John’s baptism in the Jordan, a being who had not previously been on Earth—a being who does not belong to earthly beings—entered into the physical body of Jesus of Nazareth. We are thus dealing in the Christ with a being who could rightly say to the disciples: “I am from above, but you are from below” (John 8:23), that is to say: I am from the heavenly kingdom, you from the earthly kingdom. And now let us consider what follows from this. What follows is this: Must that which is an earthly judgment—which is entirely justified as an earthly judgment, which everyone on Earth must pass as a judgment insofar as they are an earthly being—also be the judgment of that cosmic being who entered the body of Jesus as Christ? That being who entered the body of Jesus at the baptism in the Jordan does not have an earthly judgment, but a heavenly one; it must judge differently than human beings must judge.

[ 10 ] Und nun nehmen wir das ganze Schwergewicht des Wortes, das da auf Golgatha gesprochen wird. Der Verbrecher links glaubt nicht daran, daß mit dem Christus nicht nur eine irdische Wesenheit da ist, sondern eine Wesenheit eines besonderen Reiches, das nicht das irdische Reich ist. Dem Verbrecher rechts aber kommt unmittelbar vor dem Tode das Bewußtsein: Dein Reich, o Christus, ist ein anderes; gedenke meiner, wenn Du in Deinem Reiche bist. In diesem Augenblick zeigt der Verbrecher rechts, daß er eine Ahnung davon hat, daß der Christus zu einem anderen Reiche gehört, wo ganz andere Urteilskraft herrscht als auf der Erde. Da kann der Christus antworten, aus dem Bewußtsein heraus, daß er in seinem Reich steht: Wahrlich, dadurch daß du etwas ahnst von meinem Reiche, wirst du am heutigen Tage — nämlich mit dem Tode — mit mir in meinem Reiche sein. Da haben wir den Hinweis auf die überirdische ChristusKraft, die hinaufzieht die menschliche Individualität in ein geistiges Reich. Irdisches Urteil, menschliches Urteil muß selbstverständlich sagen: In bezug auf das Karma wird der Verbrecher rechts seine Schuld abzutragen haben wie der Verbrecher links. — Aber für das himmlische Urteil gilt ein anderes. Das ist aber erst der Anfang der Sache, denn selbstverständlich können Sie nun sagen: Ja, dann steht einfach das himmlische Urteil mit dem irdischen Urteil in Widerspruch. Wie kann der Christus verzeihen, wo das irdische Urteil eine karmische Gerechtigkeit fordert?

[ 10 ] And now let us consider the full weight of the words spoken there on Golgotha. The criminal on the left does not believe that Christ is not merely an earthly being, but a being from a special realm that is not the earthly realm. The criminal on the right, however, realizes just before his death: Your kingdom, O Christ, is a different one; remember me when You are in Your kingdom. At this moment, the criminal on the right shows that he has a sense that Christ belongs to another kingdom, where a completely different power of judgment reigns than on earth. Then Christ can answer, out of the awareness that He stands in His kingdom: Truly, because you have a sense of my kingdom, you will be with me in my kingdom today—namely, at the moment of death. Here we have the reference to the superhuman Christ-power that lifts the human individuality into a spiritual realm. Earthly judgment, human judgment, must of course say: With regard to karma, the criminal on the right will have to atone for his guilt just as the criminal on the left. — But a different principle applies to the heavenly judgment. Yet this is only the beginning of the matter, for of course you may now say: Yes, then the heavenly judgment simply contradicts the earthly judgment. How can Christ forgive when earthly judgment demands karmic justice?

[ 11 ] Ja, meine lieben Freunde, dies ist eine schwierige Frage; wir wollen sie aber doch in der Betrachtung des heutigen Abends einmal uns näherbringen. Aber ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, daß wir damit eine der allerschwierigsten Fragen der okkulten Wissenschaft streifen. Wir müssen nämlich eine Unterscheidung machen, welche die menschliche Seele nicht gerne machen wird, weil sie nicht gern bis in die letzten Konsequenzen einer Betrachtung mitgeht aus dem Grunde, weil einige Schwierigkeiten vorliegen. Also ich mache darauf aufmerksam, daß wir eine schwierige Betrachtung haben werden, und daß Sie vielleicht notwendig haben werden, dasjenige, was gesagt wird, oftmals in der Seele herumzudrehen, um auf die Sache eigentlich zu kommen.

[ 11 ] Yes, my dear friends, this is a difficult question; but let us nevertheless explore it more closely in tonight’s discussion. However, I would like to expressly point out that we are touching upon one of the most difficult questions in occult science. For we must make a distinction that the human soul is reluctant to make, because it does not like to follow a line of thought through to its ultimate consequences, due to the presence of certain difficulties. So I would like to point out that we are about to engage in a difficult line of thought, and that you may need to turn what is said over and over in your soul in order to truly grasp the matter.

[ 12 ] Wir müssen zunächst eine Unterscheidung machen. Wir müssen das eine betrachten, was sich in einer objektiven Gerechtigkeit im Karma vollzieht. Da müssen wir uns ganz klar darüber sein, daß der Mensch allerdings seinem Karma unterworfen ist, daß er dasjenige, was er als Unrecht getan hat, karmisch auszugleichen hat. Und bei tieferem Nachdenken wird der Mensch eigentlich nicht anders wollen, als daß es so sei. Denn nehmen Sie an, irgend jemand habe ein Unrecht getan. In dem Augenblick, wo er dieses Unrecht tun konnte, ist er unvollkommener, als wenn er es nicht getan hätte, und er kann den Grad von Vollkommenheit, den er hatte, bevor er das Unrecht tat, erst wiedererringen, wenn er das Unrecht ausgleicht. Er muß also wünschen, das Unrecht auszugleichen, denn nur indem man es ausgleicht, indem man den Ausgleich erarbeitet, schafft man sich den Grad von Vollkommenheit, den man vorher hatte, bevor man die Tat vollbracht hat. So können wir um unserer eigenen Vervollkommnung willen gar nichts anderes wünschen, als daß das Karma als objektive Gerechtigkeit bestehe. Es kann also im Grunde genommen vor der Auffassung der menschlichen Freiheit gar nicht der Wunsch entstehen, es solle uns irgendwelche Sünde vergeben werden etwa in dem Sinne, daß wir zum Beispiel heute einem Menschen die Augen ausstechen und uns dann diese Sünde vergeben wird, wir dann diese Sünde in unserem Karma nicht mehr abzutragen brauchen. Ein Mensch, der einem anderen die Augen aussticht, ist unvollkommener als ein Mensch, der es nicht getan hat, und im weiteren Karma muß das eintreten, daß er eine entsprechende Guttat dafür tut; dann erst ist er wiederum in sich der Mensch, der er war, bevor er die Tat vollbracht hat. Also es kann im Grunde genommen gar nicht der Gedanke aufkommen, wenn man wirklich über das Wesen des Menschen nachdenkt, daß, wenn man einem Menschen die Augen aussticht, einem das vergeben wird und daß dann das Karma etwa ausgeglichen wäre. So hat es mit dem Karma durchaus seine Richtigkeit, daß uns gewissermaßen kein Heller nachgelassen wird, daß wir alles bezahlen müssen.

[ 12 ] We must first make a distinction. We must consider what takes place in karma in terms of objective justice. Here we must be absolutely clear that human beings are indeed subject to their karma, and that they must karmically make amends for the wrongs they have committed. And upon deeper reflection, a person will actually want nothing other than for it to be so. For suppose someone has committed a wrong. At the very moment they were able to commit this wrong, they are less perfect than if they had not done so, and they can only regain the degree of perfection they had before committing the wrong by making amends for it. He must therefore desire to make amends for the wrongdoing, for only by making amends, by working out the compensation, does one attain the degree of perfection one had before committing the act. Thus, for the sake of our own perfection, we can desire nothing other than that karma exist as objective justice. Thus, from the perspective of human freedom, the desire cannot even arise that some sin should be forgiven us—for example, in the sense that if we were to gouge out someone’s eyes today, this sin would be forgiven, and we would no longer have to atone for it in our karma. A person who gouges out another’s eyes is less perfect than a person who has not done so, and in the course of karma, it must follow that he performs a corresponding good deed to atone for it; only then is he once again, within himself, the person he was before committing the act. So, when one truly reflects on the nature of humanity, the very thought cannot arise that if one gouges out another person’s eyes, one will be forgiven and that karma would then be balanced. Thus, it is entirely true of karma that we are not spared a single penny, so to speak, and that we must pay for everything.

[ 13 ] Aber es gibt ja noch etwas anderes gegenüber der Schuld. Die Schuld, die wir auf uns laden, die Sünde, die wir auf uns laden, die ist ja nicht bloß unsere Tatsache, das müssen wir jetzt unterscheiden, sondern sie ist eine objektive Weltentatsache, sie ist etwas auch für die Welt. Dasjenige, was wir verbrochen haben, das gleichen wir in unserm Karma aus; aber daß wir einem die Augen ausgestochen haben, das ist geschehen, das hat sich wirklich vollzogen, und wenn wir, sagen wir, in der jetzigen Inkarnation einem Menschen die Augen ausstechen und dann in der nächsten Inkarnation etwas tun, was dieses ausgleicht, so bleibt das doch für den objektiven Weltengang bestehen, daß wir vor soundsoviel Jahrhunderten einem die Augen ausgestochen haben. Das ist eine objektive Tatsache im Weltenganzen. Für uns gleichen wir sie später aus. Den Makel, den wir uns selbst zugefügt haben, gleichen wir im Karma aus, aber die objektive Weltentatsache, die bleibt bestehen, die können wir nicht auslöschen dadurch, daß wir von uns selbst die Unvollkommenheit nehmen.

[ 13 ] But there is, of course, something else besides guilt. The guilt we take upon ourselves, the sin we take upon ourselves—this is not merely our own reality; we must make this distinction—but rather it is an objective fact of the world; it is something that also affects the world. What we have committed, we balance out in our karma; but the fact that we gouged out someone’s eyes—that has happened, it has truly taken place—and if, say, in this present incarnation we gouge out a person’s eyes and then in the next incarnation do something that balances this out, the objective course of the world still retains the fact that we gouged out someone’s eyes so many centuries ago. That is an objective fact in the whole of the world. We will balance it out later for ourselves. We balance out the blemish we have inflicted upon ourselves through karma, but the objective fact of the world remains; we cannot erase it by removing the imperfection from ourselves.

[ 14 ] Wir müssen unterscheiden die Folgen einer Sünde für uns selbst, und die Folgen einer Sünde für den objektiven Weltengang.

[ 14 ] We must distinguish between the consequences of a sin for ourselves and the consequences of a sin for the objective course of the world.

[ 15 ] Das ist außerordentlich wichtig, daß wir diese Unterscheidung machen. Und nun darf ich vielleicht eine okkulte Betrachtung einfügen, welche die Sache etwas verständlicher machen kann.

[ 15 ] It is extremely important that we make this distinction. And now, perhaps, I may offer an esoteric perspective that might make the matter a little clearer.

[ 16 ] Wenn man anblickt die Zeit der Menschheitsentwickelung seit dem Mysterium von Golgatha, und man kommt, ohne durchdrungen zu sein mit der Christus-Wesenheit, an die Akasha-Chronik heran, so wird man sehr leicht irre — sehr leicht wird man irre. Denn in dieser Akasha-Chronik zeigen sich Aufzeichnungen, die sehr häufig nicht stimmen mit dem, was man in der karmischen Evolution der einzelnen Menschen findet. Ich meine das Folgende: Nehmen wir an, im Jahre 733 meinetwillen habe irgendein Mensch gelebt und habe dazumal eine schwere Schuld auf sich geladen. Nun untersucht man die AkashaChronik, zunächst ohne daß man irgend etwas von einer Verbindung hat mit dem Christus. Und siehe da, man kann die betreffende Schuld nicht finden in der Akasha-Chronik. Geht man aber jetzt auf den Menschen ein, der weiter gelebt hat, und untersucht sein Karma, dann findet man: Ja, auf dieses Menschen Karma ist noch etwas, was er abzutragen hat; das müßte an einem bestimmten Zeitpunkt in der Akasha-Chronik darinnen stehen; es steht aber nicht darinnen.

[ 16 ] If one looks at the course of human development since the Mystery of Golgotha, and approaches the Akashic Records without being imbued with the Christ-consciousness, one is very easily led astray—one is very easily led astray. For in this Akashic Record there are entries that very often do not correspond with what is found in the karmic evolution of individual human beings. I mean the following: Let us suppose, for the sake of argument, that in the year 733 some person lived and at that time incurred a grave debt. Now one examines the Akashic Records, initially without having any connection whatsoever to the Christ. And lo and behold, one cannot find the debt in question in the Akashic Records. But if one now looks at the person who lived on and examines his karma, then one finds: Yes, there is still something in this person’s karma that he must work off; that should be recorded in the Akashic Records at a specific point in time; but it is not recorded there.

[ 17 ] Wenn man das Karma untersucht, sieht man: Ja, er hat es abzutragen, man müßte in jener Inkarnation die Schuld in der AkashaChronik finden, sie steht aber nicht darinnen. Welch ein Widerspruch! Eine ganz objektive Tatsache, die in zahlreichen Fällen sich ergeben kann. Ich kann heute einem Menschen begegnen. Wenn es mir durch Gnade gegeben wird, etwas zu wissen über sein Karma, so kann ich vielleicht finden, daß irgendein Unglück oder ein Schicksalsschlag, der ihn trifft, auf seinem Karma steht, daß es der Ausgleich ist für eine frühere Schuld. Gehe ich der Sache nach in frühere Inkarnationen und prüfe, was er dazumal gemacht hat, so sehe ich in der AkashaChronik diese Tatsache nicht verzeichnet. Woher kommt denn das?

[ 17 ] When one examines karma, one sees: Yes, he must atone for it; one would expect to find the cause of his suffering in the Akashic Records from that incarnation, but it is not recorded there. What a contradiction! This is a completely objective fact that can occur in numerous cases. I might meet a person today. If, by grace, I am given some insight into his karma, I may find that some misfortune or stroke of fate that befalls him is due to his karma, that it is the compensation for a past debt. If I investigate the matter in past incarnations and examine what they did back then, I do not see this fact recorded in the Akashic Records. Where does this come from?

[ 18 ] Das kommt davon her, daß der Christus tatsächlich auf sich genommen hat die objektive Schuld. In dem Augenblick, wo ich mich mit dem Christus durchdringe, wo ich mit dem Christus die AkashaChronik durchforsche, finde ich die Tatsache! Christus hat sie in sein Reich genommen und trägt sie als Wesenheit weiter, so daß, wenn ich von Christus absehe, ich sie nicht finden kann in der AkashaChronik. Man muß sich diesen Unterschied merken:

[ 18 ] This is because Christ actually took the objective guilt upon himself. The moment I merge with Christ, the moment I explore the Akashic Records with Christ, I discover the fact! Christ has taken it into his realm and carries it on as a being, so that when I look away from Christ, I cannot find it in the Akashic Records. One must bear this difference in mind:

[ 19 ] Es bleibt bestehen die karmische Gerechtigkeit, aber in bezug auf die Wirkungen einer Schuld in der geistigen Welt tritt der Christus ein, der diese Schuld in sein Reich hinübernimmt und weiterträgt.

[ 19 ] Karmic justice remains in force, but with regard to the consequences of guilt in the spiritual world, Christ intervenes, taking this guilt into his realm and bearing it forward.

[ 20 ] Der Christus ist derjenige, der in der Lage ist, weil er einem anderen Reiche angehört, unsere Schulden und unsere Sünden in der Welt zu tilgen, sie auf sich zu nehmen.

[ 20 ] Christ is the one who, because he belongs to another realm, is able to wipe away our debts and sins in the world and take them upon himself.

[ 21 ] Wie sagt dann also im Grunde genommen der Christus am Kreuze auf Golgatha zu dem Verbrecher links? Er spricht es ja nicht aus, aber daß er nicht spricht, darin liegt es; er sagt dem Verbrecher zu seiner Linken: Was du getan hast, es wird weiterwirken auch in der geistigen, nicht bloß in der physischen Welt. — Dem Verbrecher zu seiner Rechten aber sagt der Christus: «Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.» Das heißt: Ich bin bei deiner Tat; du wirst ja durch dein Karma später das für dich zu tun haben, was die Tat für dich bedeutet. Aber was die Tat für die Welt bedeutet — wenn es trivial ausgedrückt werden darf —, das ist meine Sache! sagt der Christus. — Es ist allerdings eine sehr wichtige Unterscheidung, die wir da machen, und die Sache hat nicht nur eine Bedeutung für die Zeit nach dem Mysterium von Golgatha, sondern auch für die Zeit vor dem Mysterium von Golgatha.

[ 21 ] So what, in essence, does Christ on the cross at Golgotha say to the criminal on his left? He does not say it aloud, but the fact that he does not speak is precisely the point; he says to the criminal on his left: What you have done will continue to have an effect in the spiritual world as well, not merely in the physical world. — But to the criminal on his right, Christ says: “Today you will be with me in Paradise.” That is to say: I am with your deed; through your karma, you will later have to face the consequences of what the deed means for you. But what the deed means for the world—if I may put it in trivial terms—that is my concern! says Christ. — It is, however, a very important distinction we are making here, and the matter has significance not only for the time after the Mystery of Golgotha, but also for the time before the Mystery of Golgotha.

[ 22 ] Eine Anzahl unserer Freunde werden sich erinnern, daß ich darauf aufmerksam gemacht habe in früheren Vorträgen, wie das keine bloße Legende ist, daß der Christus wirklich nach dem Tode zu den Toten heruntergegangen ist. Dadurch hat er aber auch etwas getan für die Seelen, die Schuld und Sünde in vorhergehenden Zeiten auf sich geladen haben. Der Irrtum tritt nun auch ein, wenn man sich der Akasha-Chronik widmet und die Zeit der Erdenentwickelung vor dem Mysterium von Golgatha durchforscht, ohne von dem Christus durchdrungen zu sein. Man wird dann überall in der Akasha-Chronik auf Irrtümer stoßen. Mich hat es daher gar nicht gewundert, daß zum Beispiel Leadbeater, der von Christus gar nichts weiß in Wirklichkeit, zu den abstrusesten Behauptungen kam über die Erdenentwickelung in seinem Buche «Der Mensch, woher und wohin». Denn erst das Durchdrungensein mit dem Christus-Impuls macht die Seele fähig, die Dinge wirklich zu sehen, wie sie sind, die sich hingeordnet haben in der Erdenentwickelung — auch vor dem Mysterium von Golgatha — auf dieses Mysterium von Golgatha.

[ 22 ] Some of our friends will recall that I have pointed out in earlier lectures that it is not merely a legend that Christ truly descended to the dead after his death. In doing so, however, he also did something for the souls who had incurred guilt and sin in previous times. The error also arises when one studies the Akashic Records and investigates the period of Earth’s development prior to the Mystery of Golgotha without being imbued with Christ. One will then encounter errors everywhere in the Akashic Records. It therefore did not surprise me at all that, for example, Leadbeater—who in reality knows nothing of Christ—arrived at the most abstruse assertions regarding Earth’s evolution in his book *Man: From Where and To Where*. For it is only through being imbued with the Christ impulse that the soul becomes capable of truly seeing things as they are—how they have been ordered in the development of the Earth—even before the Mystery of Golgotha—toward this Mystery of Golgotha.

[ 23 ] Karma ist eine Angelegenheit der aufeinanderfolgenden Inkarnationen des Menschen. Dasjenige, was die karmische Gerechtigkeit bedeutet, muß mit dem Urteil gesehen werden, das unser irdisches Urteil ist. Dasjenige, was der Christus tut für die Menschheit, das muß mit einem Urteil gemessen werden, das anderen Welten als der Erdenwelt angehört. Und wenn das nicht so wäre? Wenn das nicht so wäre? Gedenken wir des Erdenendes einmal, gedenken wir der Zeit, wann die Menschen ihre irdischen Inkarnationen werden durchgemacht haben. Gewiß wird das eintreten, daß alles bezahlt sein muß bis auf den letzten Heller. Die menschlichen Seelen werden ihr Karma in einer gewissen Weise ausgeglichen haben müssen. Aber stellen wir uns einmal vor, daß alle Schuld bestehen geblieben wäre in der Erde, daß alle Schuld wirken würde in der Erde. Dann würden am Ende der Erdenzeit die Menschen ankommen mit ihrem ausgeglichenen Karma, aber die Erde wäre nicht bereit, sich zum Jupiter hinüberzuentwickeln und die ganze Erdenmenschheit wäre da ohne Wohnplatz, ohne die Möglichkeit, sich hinüberzuentwickeln zum Jupiter. Daß die ganze Erde sich mitentwickelt mit den Menschen, das ist die Folge der Tat des Christus. Alles dasjenige, was für die Erde sich anhäufen würde als Schuld, das würde die Erde in die Finsternis stoßen, und wir würden keinen Planeten haben zur Weiterentwickelung. Für uns selbst können wir im Karma sorgen, nicht aber für die ganze Menschheit und nicht für dasjenige, was in der Erdenevolution mit der ganzen Menschheitsevolution zusammenhängt.

[ 23 ] Karma is a matter of a person’s successive incarnations. What karmic justice entails must be viewed in light of the judgment that is our earthly judgment. What Christ does for humanity must be measured by a judgment that belongs to worlds other than the earthly world. And if that were not the case? If that were not the case? Let us consider the end of the world for a moment; let us consider the time when human beings will have completed their earthly incarnations. Surely it will come to pass that everything must be paid in full, down to the last penny. Human souls will have had to balance their karma in a certain way. But let us imagine for a moment that all guilt had remained on Earth, that all guilt were to continue to operate on Earth. Then, at the end of the Earth’s time, humanity would arrive with their karma balanced, but the Earth would not be ready to evolve into Jupiter, and all of humanity would be left without a home, without the possibility of evolving into Jupiter. That the entire Earth evolves alongside humanity is the result of Christ’s deed. Everything that would accumulate as guilt for the Earth would plunge the Earth into darkness, and we would have no planet for further development. We can take care of our own karma, but not that of all humanity, nor that which is connected with the evolution of all humanity in the Earth’s evolution.

[ 24 ] So seien wir uns denn klar darüber, daß das Karma zwar nicht von uns genommen wird, wohl aber, daß getilgt werden unsere Schulden und Sünden für die Erdenentwickelung durch dasjenige, was eingetreten ist durch das Mysterium von Golgatha. Nun müssen wir uns ja natürlich klar sein, daß das alles selbstverständlich nicht dem Menschen zufließen kann ohne sein Zutun, daß es ihm nicht zufließen kann ohne seine Mitwirkung. Und das wird uns ja sogar in der Rede am Kreuz von Golgatha, die ich angeführt habe, recht klärlich vorgeführt. Es wird uns recht deutlich vorgeführt, wie der Verbrecher zur Rechten in seine Seele aufnimmt eine Ahnung von einem überirdischen Reich, in dem es anders zugeht als in dem bloß irdischen Reich. Der Mensch muß sich erfüllen in seiner Seele mit dem Substanzgehalt der Christus-Wesenheit; er muß gleichsam von dem Christus in seine Seele etwas aufgenommen haben, so daß der Christus in ihm wirksam ist und ihn hinaufträgt in ein Reich, in dem der Mensch zwar nicht die Macht hat, sein Karma unwirksam zu machen, aber in dem durch den Christus das geschieht, daß unsere Schuld und unsere Sünden getilgt werden für die Außenwelt.

[ 24 ] Let us therefore be clear that, while karma is not taken away from us, our debts and sins toward the development of the Earth are indeed atoned for through what has come about through the Mystery of Golgotha. Now, of course, we must realize that all this cannot, of course, come to the human being without his own effort, that it cannot come to him without his cooperation. And this is indeed quite clearly demonstrated to us in the speech on the Cross of Golgotha that I have cited. It is shown to us quite clearly how the criminal on the right takes into his soul a glimpse of a super-earthly realm where things are different from the merely earthly realm. The human being must fill his soul with the substance of the Christ-being; he must, as it were, have received something of Christ into his soul, so that Christ is active within him and carries him up into a realm in which man does not have the power to render his karma ineffective, but in which, through Christ, our guilt and our sins are atoned for in the eyes of the outside world.

[ 25 ] Bildlich ist das im Grunde genommen wunderbar selbst in der Malerei dargestellt worden. Wem möchte nicht einen großen Eindruck machen der Christus als Richter des « Jüngsten Gerichtes» zum Beispiel auf einem solchen Bilde, wie das von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle ist? Was liegt denn eigentlich dem zugrunde? Nun, nehmen wir nicht die tiefe esoterische Tatsache, sondern das Bildliche, das sich da vor unsere Seele hinstellt. Da sehen wir die Gerechten und sehen die Sünder. Es gäbe eine Möglichkeit, dieses Bild noch anders darzustellen, als es Michelangelo tut als Christ, nämlich die Möglichkeit, daß die Menschen am Erdenende oder nach dem Erdenende sehen würden ihr Karma, daß sie sich sagen würden: Ja, mein Karma habe ich zwar ausgetilgt, aber da stehen überall im Geistigen geschrieben auf ehernen Tafeln meine Schulden, und die Schulden bedeuten Schwere für die Erde, sie müssen die Erde vernichten. Für mich habe ich es ausgeglichen, aber da steht es überall. — Es wäre aber keine Wahrheit; es könnte so dastehen, aber es wäre keine Wahrheit. Denn dadurch, daß der Christus auf Golgatha gestorben ist, wird der Mensch nicht sehen seine Schuldentafeln, sondern er wird den sehen, der sie übernommen hat; sehen wird er vereinigt in der Wesenheit des Christus alles dasjenige, was sonst ausgebreitet wäre in der AkashaChronik. Der Christus steht statt der Akasha-Chronik vor ihm, er hat das alles auf sich genommen.

[ 25 ] This has actually been depicted wonderfully in a figurative sense, even in painting. Who wouldn’t be deeply moved by the image of Christ as the judge of the “Last Judgment,” for example, in a painting such as Michelangelo’s in the Sistine Chapel? What is the underlying basis for this, then? Well, let us not consider the profound esoteric reality, but rather the visual image that stands before our soul. There we see the righteous and we see the sinners. There would be a way to depict this image differently than Michelangelo does as Christ, namely the possibility that at the end of the world or after the end of the world, people would see their karma, and they would say to themselves: “Yes, I have indeed expiated my karma, but there, written everywhere in the spiritual realm on tablets of bronze, are my debts, and these debts mean a burden for the Earth; they must destroy the Earth. I have made amends for myself, but there it stands everywhere.” — But that would not be the truth; it might appear that way, but it would not be the truth. For through the fact that Christ died on Golgotha, man will not see his tablets of debt, but he will see the One who has taken them upon Himself; he will see, united in the essence of Christ, all that which would otherwise be spread out in the Akashic Records. Christ stands before him in place of the Akashic Records; He has taken all of this upon Himself.

[ 26 ] Wir sehen da in tiefe Geheimnisse des Erdenwerdens hinein. Aber was ist notwendig, um den wahren Tatbestand zu durchschauen auf diesem Gebiet? Das ist notwendig, daß die Menschen die Möglichkeit haben, gleichgültig ob sie Sünder oder Gerechte sind, auf den Christus hinzuschauen, daß sie keine leere Stelle da sehen, wo der Christus stehen soll. Der Zusammenhang mit dem Christus ist notwendig. Und selbst dieser Verbrecher zur Rechten bezeugt uns in seiner Rede seinen Zusammenhang mit dem Christus. Und wenn der Christus denjenigen, die in seinem Geiste wirken, gewissermaßen den Auftrag gegeben hat, Sünden zu vergeben, so ist damit nie und nimmer gemeint, Karma zu beeinträchtigen, wohl aber ist damit gemeint, daß gerettet wird das Erdenreich für denjenigen, der mit dem Christus in Beziehung steht, vor den Folgen, den geistigen Folgen der Schuld und Sünde, die objektive Tatsachen sind, auch wenn sie im späteren Karma ausgeglichen worden sind.

[ 26 ] Here we glimpse the profound mysteries of the creation of the earth. But what is necessary to see through the true facts in this area? It is necessary that people, whether they are sinners or the righteous, have the opportunity to look to Christ, so that they do not see an empty space where Christ should stand. The connection with Christ is necessary. And even this criminal on the right testifies to us in his speech of his connection with Christ. And if Christ has, so to speak, given those who work in his spirit the commission to forgive sins, this is by no means meant to interfere with karma; rather, it means that the earthly realm is saved for those who are in relationship with Christ from the consequences—the spiritual consequences of guilt and sin—which are objective facts, even if they have been balanced out in later karma.

[ 27 ] Was bedeutet es für die menschliche Seele, wenn im Auftrage Christi derjenige spricht, der sprechen darf: «Deine Sünden sind dir vergeben» (Matthäus 9, 2)? Das heißt, der Betreffende weiß zu bekräftigen: Du hast zwar deinen karmischen Ausgleich zu erwarten, aber deine Schuld und Sünde wandte der Christus um, so daß du später nicht das ungeheure Leid zu tragen hast, zurückzuschauen auf deine Schuld so, daß du damit ein Stück Erdendasein vernichtet hast. — Der Christus tilgt sie aus. Dazu aber ist ein gewisses Bewußtsein notwendig, welches gefordert wird, welches der, der die Sünden vergeben will, der Sündenvergeber, fordern darf: Bewußtsein der Schuld und Bewußtsein dessen, daß der Christus die Schuld auf sich nehmen kann. Dann bedeutet eine kosmische Tatsache der Ausspruch: «Deine Sünden sind dir vergeben», und nicht eine karmische Tatsache.

[ 27 ] What does it mean for the human soul when, in the name of Christ, the one who is authorized to speak says, “Your sins are forgiven” (Matthew 9:2)? This means that the person concerned can affirm: Although you must expect to face karmic retribution, Christ has transformed your guilt and sin so that you will not later have to bear the immense suffering of looking back on your guilt in such a way that you have thereby destroyed a part of your earthly existence. — Christ erases them. But this requires a certain consciousness, which is demanded, which the one who wishes to forgive sins—the forgiver of sins—may demand: an awareness of guilt and an awareness that Christ can take the guilt upon Himself. Then the utterance “Your sins are forgiven” signifies a cosmic fact, and not a karmic one.

[ 28 ] Der Christus zeigt an einer Stelle so wunderbar, daß es uns tief, tief ins Herz hineinschneidet, wie er zu dieser Frage steht. Denjenigen, die verdammend vor ihn mit der Ehebrecherin kommen — wir malen uns hin in der Seele diese Szene, wie sie vor ihn die Ehebrecherin bringen (Johannes 8, 1-11) —, mit zweierlei tritt ihnen der Christus entgegen: mit dem einen, daß er in die Erde hineinschreibt, mit dem anderen, daß er vergibt, daß er überhaupt nicht urteilt, nicht verdammt. Warum schreibt er in die Erde hinein? Weil das Karma wirkt, weil das Karma die objektive Gerechtigkeit ist. Für die Ehebrecherin kann ihre Tat nicht ausgelöscht werden, Christus schreibt sie in die Erde hinein. Anders ist es aber mit der geistigen, mit der nicht-irdischen Folge; die nimmt der Christus auf sich. «Er vergibt» heißt nicht, daß er sie austilgt im absoluten Sinn, sondern daß er auf sich nimmt die Folgen desjenigen, was objektiv getan ist.

[ 28 ] At one point, Christ demonstrates so wonderfully—in a way that cuts deep, deep into our hearts—how he stands on this issue. To those who come before him with the adulteress to condemn her—let us picture this scene in our souls, how they bring the adulteress before him (John 8:1–11)—Christ meets them in two ways: first, by writing on the ground, and second, by forgiving, by not judging at all, by not condemning. Why does he write on the ground? Because karma is at work, because karma is objective justice. For the adulteress, her deed cannot be erased; Christ writes it on the ground. But it is different with the spiritual, the non-earthly consequence; Christ takes that upon himself. “He forgives” does not mean that he erases it in an absolute sense, but that he takes upon himself the consequences of what has objectively been done.

[ 29 ] Nun denken wir einmal, was es für dieMenschenseelebedeutet, wenn sie sich sagen kann: Ja, ich habe dieses oder jenes in der Welt getan. Es beeinträchtigt meine Fortentwickelung nicht, denn ich bleibe nicht so unvollkommen wie ich war, als ich die Tat begangen habe. Ich darf meine Vollkommenheit im weiteren Verlauf meines Karma wieder erringen, indem ich die Tat ausgleiche. Aber ungeschehen kann ich sie ja nicht machen für die Erdenentwickelung. — Unsägliches Leid müßte man mittragen, wenn nicht ein Wesen mit der Erde sich verbunden hätte, welches das, was von uns nicht mehr abgeändert werden kann, für die Erde ungeschehen machte. Dieses Wesen ist der Christus. Nicht subjektives Karma, aber die geistigen objektiven Wirkungen der Taten, der Schuld, die nimmt er uns ab. Das ist dasjenige, was wir, wie gesagt, in unserem Gemüt weiterverfolgen müssen. Dann werden wir es erst verstehen, daß der Christus im Grunde genommen diejenige Wesenheit ist, die mit der ganzen Menschheit im Zusammenhang steht, mit der ganzen Erdenmenschheit; denn die Erde ist um der Menschheit willen da. Also auch mit der ganzen Erde steht der Christus im Zusammenhang. Und das ist des Menschen Schwäche, die eingetreten ist infolge der luziferischen Verführung, daß der Mensch zwar imstande ist, sich subjektiv im Karma zu erlösen, daß er aber nicht imstande wäre, die Erde mitzuerlösen. Das vollbringt das kosmische Wesen, der Christus.

[ 29 ] Now let us consider what it means for the human soul when it can say to itself: Yes, I have done this or that in the world. It does not hinder my further development, for I do not remain as imperfect as I was when I committed the act. I may regain my perfection in the further course of my karma by balancing the deed. But I cannot undo it for the sake of Earth’s development. — We would have to bear unspeakable suffering if a being had not united itself with the Earth to undo for the Earth’s sake that which we can no longer change. This being is the Christ. Not subjective karma, but the spiritual, objective effects of our deeds and guilt—these he takes from us. This is what we must, as I said, continue to pursue in our hearts. Only then will we understand that Christ is, in essence, the being who is connected to all of humanity, to all of Earth’s humanity; for the Earth exists for the sake of humanity. Thus, Christ is also connected to the entire Earth. And this is the weakness of humanity that arose as a result of the Luciferic temptation: that while humanity is capable of subjectively redeeming itself through karma, it is not capable of co-redeeming the Earth. This is accomplished by the cosmic being, Christ.

[ 30 ] Und jetzt begreifen wir, warum manche Theosophen so gar nicht verstehen können, daß das Christentum mit der Karma-Idee völlig in Einklang steht. Das sind die Theosophen, die hineintragen in die Theosophie den vollsten Egoismus, einen höheren Egoismus; die es zwar nicht aussprechen, aber die im Grunde genommen doch fühlen und denken: Wenn ich mich nur in meinen Karma selbst erlöse, was geht mich dann die ganze Welt an; die mag machen, was sie will! Und diese Theosophen sind zufrieden, wenn sie nur von dem karmischen Ausgleich sprechen können. Aber damit ist es nicht getan. Der Mensch wäre ein rein luziferisches Wesen, wenn er nur an sich denken würde. Der Mensch ist ein Glied der ganzen Welt, und der Mensch muß hingebungsvoll gegenüber der ganzen Welt denken. So muß er darüber denken, daß er zwar sich selbst für sich egoistisch erlösen kann durch das Karma, daß er aber nicht das ganze Erdensein miterlösen könnte. Da tritt der Christus ein. Und in dem Augenblick, wo wir uns entschließen, nicht nur an unser Ich zu denken, müssen wir an etwas anderes noch denken als an unser Ich. Aber an was müssen wir denken? An den Christus in mir, wie Paulus sagt. Dann sind wir eben mit ihm mit dem ganzen Erdensein verbunden, dann denken wir nicht an unsere Selbsterlösung, sondern wir sagen: Nicht ich und meine Selbsterlösung — nicht ich, sondern der Christus in mir und die Erdenerlösung!

[ 30 ] And now we understand why some Theosophists simply cannot grasp that Christianity is entirely consistent with the idea of karma. These are the Theosophists who bring into Theosophy the most extreme form of egoism, a higher form of egoism; who, though they do not say it aloud, nevertheless feel and think deep down: If I can only redeem myself through my own karma, what does the whole world matter to me; let it do as it pleases! And these Theosophists are content as long as they can speak of karmic balance. But that is not enough. Man would be a purely Luciferic being if he thought only of himself. Human beings are a part of the whole world, and they must think devotedly of the whole world. Thus they must consider that while they can indeed redeem themselves egoistically through karma, they cannot redeem all earthly existence along with it. This is where Christ enters. And the moment we resolve not to think only of our own self, we must think of something other than our own self. But what must we think of? Of the Christ within me, as Paul says. Then we are connected with him and with all earthly existence; then we do not think of our own salvation, but we say: Not I and my own salvation—not I, but the Christ within me and the salvation of the earth!

[ 31 ] Meine lieben Freunde! Man muß wahrhaftig eigentlich recht wenig christlichen Sinn haben, wenn man das Christentum so interpretiert, wie es viele machen, die da glauben, sich echte Christen nennen zu dürfen, und die andere, zum Beispiel anthroposophische Christen, verketzern. Man muß dazu wenig christlichen Sinn haben. Es darf ja vielleicht die Frage erlaubt sein: Ist es denn wirklich christlich, zu denken, daß ich alles tun darf und der Christus eigentlich nur in die Welt gekommen ist, um mir das alles abzunehmen, um mir meine Sünde zu vergeben, so daß ich mit meinem Karma, mit meiner Sünde nichts mehr zu tun habe? Ich glaube, es ist ein anderes Wort anwendbar auf eine solche Denkweise als das Wort «christlich»; vielleicht wäre das Wort «bequem» besser als das Wort «christlich». Bequem wäre es ja allerdings, wenn man bloß zu bereuen hätte, und ausgelöscht wäre dadurch für sein ganzes späteres Karma alles das, was man in der Welt verbrochen hat. Nein, aus dem Karma ist es nicht ausgelöscht, aber davon kann es ausgelöscht werden, wohin wir wegen der menschlichen Schwäche, durch die luziferische Verführung, nicht selbst dringen können: von der Erdenentwickelung. Und das tut der Christus. Dieses Leid wird uns genommen mit der Sündenerlösung: daß wir für ewige Zeiten der ganzen Erdenentwickelung eine objektive Schuld zugefügt haben. Dafür müssen wir natürlich ein ernstes Interesse haben. Dann aber, wenn wir die Sache so auffassen, dann wird sich wahrhaftig auch in vielen anderen Dingen ein kräftiger Ernst verbinden mit einer echten, wahren Christus-Auffassung. Ein tiefer Ernst wird sich mit ihr verbinden, und manches wird abfallen von mancher Christus-Auffassung, das demjenigen, der den ganzen Ernst der Christus-Auffassung in seine Seele nimmt, geradezu als eine Art Frivolität und Zynismus erscheinen könnte. Denn alles, alles, was heute gesprochen worden ist und was Punkt für Punkt gerade mit wichtigsten Stellen aus dem Neuen Testament belegt werden kann, das spricht uns ja dafür: Alles das, was uns der Christus ist, ist er uns dadurch, daß er nicht ein Wesen ist wie andere Menschen, sondern ein Wesen, das von oben, das heißt aus dem Kosmos, bei der Johannestaufe im Jordan in die menschliche Erdenentwickelung eingeflossen ist. Alles spricht für die kosmische Natur des Christus, Und wer im tiefen Sinne auffaßt, wie der Christus sich stellt zu Sünde und Schuld, der möchte so sagen: Es mußte, eben weil der Mensch im Laufe des Erdendaseins seine Schuld nicht tilgen konnte für die ganze Erde, ein kosmisches Wesen heruntersteigen, daß es doch möglich gemacht werde, daß die Erdenschuld getilgt werde.

[ 31 ] My dear friends! One must truly have very little Christian sensibility to interpret Christianity the way many do—those who believe they are entitled to call themselves true Christians and who condemn others, such as anthroposophical Christians. One must have little Christian sensibility to do so. Perhaps the question may be permitted: Is it really Christian to think that I may do anything and that Christ actually came into the world only to take all that away from me, to forgive my sins, so that I no longer have anything to do with my karma, with my sin? I believe a different word applies to such a way of thinking than the word “Christian”; perhaps the word “convenient” would be better than the word “Christian.” It would indeed be convenient, however, if one merely had to repent, and thereby have everything one has committed in the world wiped out for one’s entire future karma. No, it is not wiped out of karma, but it can be wiped out from where we, due to human weakness and through Luciferic temptation, cannot penetrate ourselves: from the development of the Earth. And that is what Christ does. This suffering is taken from us through the atonement for sin: that we have inflicted an objective guilt upon the entire development of the Earth for all eternity. Naturally, we must take a serious interest in this. But then, when we grasp the matter in this way, a profound seriousness will truly be connected with a genuine, true understanding of Christ in many other things as well. A deep seriousness will be associated with it, and much will fall away from certain conceptions of Christ that might appear to the one who takes the full seriousness of the Christ conception into his soul as nothing less than a kind of frivolity and cynicism. For everything, everything that has been spoken of today—and which can be substantiated point by point with the most important passages from the New Testament—speaks to us of this: All that Christ is to us, he is to us precisely because he is not a being like other human beings, but a being who, from above—that is, from the cosmos—flowed into human earthly development at the baptism of John in the Jordan. Everything points to the cosmic nature of the Christ. And anyone who comprehends in a profound sense how the Christ relates to sin and guilt might say: Precisely because humanity could not atone for the guilt of the entire Earth in the course of its earthly existence, a cosmic being had to descend so that it might be made possible for the Earth’s guilt to be atoned for.

[ 32 ] Wahres Christentum kann gar nicht anders, als den Christus als ein kosmisches Wesen ansehen. Dann aber werden wir in unserer Seele tief, tief durchdrungen werden von dem, was eigentlich die Worte bedeuten: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Denn dann strahlt von dieser Erkenntnis in unsere Seele etwas über, was ich nicht anders bezeichnen kann, als mit den Worten: Wenn ich mir erlaube zu sagen «Nicht ich, sondern der Christus in mir», so gestehe ich mir in diesem Augenblick, daß ich der Erdensphäre enthoben werde, daß in mir etwas lebt, was für den Kosmos Bedeutung hat, daß ich gewürdigt werde als Mensch, in meiner Seele etwas zu tragen, was außerirdisch ist, wie ich in meiner Anlage von Saturn, Sonne und Mond her ein außerirdisches Wesen in mir trage.

[ 32 ] True Christianity cannot help but view Christ as a cosmic being. But then we will be deeply, deeply penetrated in our souls by the true meaning of the words: “Not I, but Christ in me.” For then something radiates from this realization into our soul that I can describe only with the words: When I allow myself to say “Not I, but Christ within me,” I acknowledge in that moment that I am lifted above the earthly sphere, that something lives within me that has significance for the cosmos, that I am honored as a human being to carry within my soul something that is extraterrestrial, just as I carry an extraterrestrial being within me in my constitution derived from Saturn, the Sun, and the Moon.

[ 33 ] Und eine ungeheure Bedeutung wird übergehen in das Bewußtsein des Menschen, durchchristet zu sein. Und er wird verbinden mit diesem Paulinischen Ausspruch «Nicht ich, sondern der Christus in mir» auch das Gefühl, daß er nun tiefsten, tiefsten Ernst machen muß gegenüber seiner innerlichen Verantwortlichkeit dem Christus gegenüber. Das aber wird die Anthroposophie in das Christus-Bewußtsein hineinbringen, daß dieses Verantwortlichkeitsgefühl auftritt, daß wir nicht bei jeder Gelegenheit uns herausnehmen zu sagen: Ja, ich habe das ja geglaubt, und weil ich es geglaubt habe, durfte ich es auch sagen. — Unser materialistisches Zeitalter geht immer weiter in diesem «Ich war davon überzeugt und deshalb durfte ich es sagen !» Aber ist es denn nicht eine Schändung des Christus in uns, eine neuerliche Kreuzigung des Christus in uns, wenn wir so kurzfühlend sind, daß wir daraufhin, daß wir irgend etwas in irgendeinem Momente glauben, wir es hinausschreien in die Welt, oder hinausschreiben in die Welt, ohne es untersucht zu haben?

[ 33 ] And a profound significance will dawn upon human consciousness: that of being permeated by Christ. And along with this Pauline saying, “Not I, but Christ in me,” one will also feel the need to take one’s inner responsibility toward Christ with the deepest, deepest seriousness. But this is what anthroposophy will bring into the Christ-consciousness: that this sense of responsibility arises, that we do not take the liberty on every occasion to say: “Yes, I believed that, and because I believed it, I was also allowed to say it.” — Our materialistic age goes further and further in this “I was convinced of it, and therefore I was allowed to say it!” But is it not a desecration of the Christ within us, a renewed crucifixion of the Christ within us, when we are so short-sighted that, simply because we believe something at any given moment, we shout it out to the world or write it out to the world without having examined it?

[ 34 ] Das Gefühl wird entstehen in der Menschheit, wenn sie es ernst nimmt mit dem Christus, daß man sich dieses Christus, der in uns lebt, würdig erweisen soll dadurch, daß man es immer gewissenhafter und gewissenhafter nimmt mit diesem Christus, diesem kosmischen Prinzip in uns.

[ 34 ] As humanity takes Christ seriously, a feeling will arise within it that we must prove ourselves worthy of this Christ who lives within us by relating to him—to this cosmic principle within us—with ever greater conscientiousness.

[ 35 ] Ja, man kann es recht gerne glauben, daß diejenigen den Christus nicht als kosmisches Prinzip nehmen wollen, die bei jeder Gelegenheit ihr Vergehen bereuen wollen, erst hübsch lügen über die Mitmenschen, und dann austilgen möchten diese Lügen. Derjenige, der sich des Christus in seiner Seele würdig erweisen will, der wird erst prüfen, ob er eine Sache sagen darf, auch wenn er augenblicklich von ihr überzeugt ist.

[ 35 ] Yes, one can readily believe that those who wish to take Christ as a cosmic principle are the very ones who, at every opportunity, want to repent of their transgressions—first telling pretty lies about their fellow human beings, and then wanting to erase those lies. The one who wishes to prove himself worthy of Christ in his soul will first examine whether he may say a thing, even if he is momentarily convinced of it.

[ 36 ] Vieles wird sich ändern, wenn eine wahre Christus-Auffassung in die Welt kommt. Alle die unzähligen Leute, die heute schreiben — oder mit schmutziger Druckerschwärze Papier verunstalten —, indem sie flink hinschreiben das, was sie nicht wissen, die werden sich klar werden darüber, daß sie damit den Christus in der menschlichen Seele schänden. Und aufhören wird die Entschuldigung: Ja, ich habe es so geglaubt, ich habe es im guten Glauben gesagt. Der Christus will nicht bloß den «guten Glauben», der Christus will die Menschen in die Wahrheit leiten. Selbst hat er gesagt: «Die Wahrheit wird euch frei machen!» (Johannes 8, 32) Wo aber hätte der Christus einmal gesagt, daß es möglich ist, wenn man in seinem Sinne denkt, dies oder jenes, ohne daß man etwas weiß, in die Welt hinauszuschreien und hinauszuschreiben?

[ 36 ] Much will change when a true understanding of Christ comes into the world. All those countless people who write today—or deface paper with dirty ink—by hastily jotting down what they do not know will come to realize that in doing so they are desecrating Christ in the human soul. And the excuse will cease: “Yes, I believed it to be so; I said it in good faith.” Christ does not want mere “good faith”; Christ wants to lead people into the truth. He himself said: “The truth will set you free!” (John 8:32) But where has Christ ever said that it is permissible, if one thinks this or that in his spirit, to shout it out into the world and write it down without knowing anything?

[ 37 ] Vieles wird anders werden! Gewiß wird ein großer Teil unseres heutigen Schrifttums nicht weiter existieren können, wenn die Menschen von dem Grundsatze ausgehen, sich würdig zu erweisen des Wortes «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Aber der Krebsschaden unserer Niedergangskultur wird ausgelöscht sein, wenn aufhören werden die Stimmen zu sprechen, die leichthin, ohne reale Überzeugung alles in die Welt hinausschreien, weißes Papier verunzieren mit Druckerschwärze, indem sie etwas hinausschreiben, ohne daß sie sich davon überzeugt haben, ob es der Wahrheit entspricht.

[ 37 ] Much will change! Certainly, a large part of our current literature will not be able to survive if people adopt the principle of proving themselves worthy of the words, “Not I, but Christ in me.” But the cancerous damage of our declining culture will be eradicated when the voices cease to speak—those who, without real conviction, carelessly shout everything to the world, defiling white paper with ink by writing things down without first convincing themselves that they correspond to the truth.

[ 38 ] Haben wir ja gerade auf diesem Gebiet auch vieles in der theosophischen Bewegung und in bezug auf die theosophische Bewegung erleben müssen. Und wie leicht ist man bei der Hand mit der Entschuldigung: «Ja, der oder die Betreffende waren eben in dem entsprechenden Augenblick davon überzeugt!»

[ 38 ] We have, in fact, had to experience many such things in this very area within the Theosophical Movement and in relation to it. And how readily people are to offer the excuse: “Well, the person in question was simply convinced of that at the time!”

[ 39 ] Als was erweist sich oftmals eine solche «Überzeugung», meine lieben Freunde? Als der größte Leichtsinn, als die purste Frivolität! Wahrhaftig nicht aus einem persönlichen Grunde, sondern aus dem Ernst der Lage darf vielleicht auch darauf aufmerksam gemacht werden, daß es keine Entschuldigung gibt, wenn an wichtiger Stelle vor der Theosophischen Gesellschaft von der Präsidentin dieser Gesellschaft die frivole Unwahrheit hingestellt wird von dem Jesuitenmärchen. Gewiß, es kann längst abgetan sein, aber zur Charakteristik der Tatsache darf wohl noch einmal darauf hingewiesen werden. Nachträglich haben die Leute gesagt: Die Präsidentin habe es ja zurückgenommen nach wenig Wochen! Um so schlimmer, wenn man an verantwortungsvoller Stelle etwas hinausposaunt, was man in wenigen Wochen zurücknehmen muß, denn da beginnt die Weltbeurteilung und nicht die persönliche Beurteilung.

[ 39 ] What, my dear friends, does such a “conviction” often turn out to be? The greatest recklessness, the purest frivolity! Truly not for personal reasons, but because of the gravity of the situation, it may perhaps be worth pointing out that there is no excuse when, in an important address before the Theosophical Society, the president of that society puts forward the frivolous untruth of the Jesuit fairy tale. Certainly, it may have long since been dismissed, but to characterize the fact, it may well be worth pointing out once again. After the fact, people have said: The president did retract it after a few weeks! All the worse, when one in a position of responsibility trumpets something that one must retract in a few weeks, for that is when the world’s judgment begins, and not personal judgment.

[ 40 ] Und fügen wir auch eine solche Erkenntnis hinzu zu jener Unterscheidung, die wir treffen müssen zwischen dem subjektiven, im Ego des Menschen sich abspielenden Karma und dem, was wir als ein Objektives bezeichnen können. Da soll kein Wort verloren werden: es muß jeder Mensch den Schaden, den er mit sich angerichtet hat, auch wieder ausgleichen. Da haben wir nicht hineinzureden, da nehmen wir den Tatbestand, wie Christus ihn nahm bei der Ehebrecherin: er schrieb die Sünde in die Erde. Darauf aber muß aufmerksam gemacht werden, daß der Egoismus überwunden werden muß auf dem Gebiet der geisteswissenschaftlichen Bewegung. Da muß man sich klar sein, daß nicht nur subjektive Beurteilung, sondern eine objektive Beurteilung gegenüber der Welt notwendig ist.

[ 40 ] And let us also add this insight to the distinction we must make between subjective karma—which takes place within the human ego—and what we might call the objective. Let there be no misunderstanding: every person must make amends for the harm they have done to themselves. We have no say in this; we accept the facts as they are, just as Christ did with the woman caught in adultery: he wrote her sin in the dust. However, attention must be drawn to the fact that egoism must be overcome within the Spiritual Science movement. It must be clear that not only subjective judgment, but also an objective judgment toward the world is necessary.

[ 41 ] Dasjenige, was man in einem gewissen Sinne christliches Gewissen nennen kann, das wird, wenn der Christus immer mehr und mehr einzieht in die Seelen, auch einziehen; das wird einziehen, wenn die Seelen sich der Anwesenheit des Christus bewußt werden, wenn das Paulus-Wort wahr wird: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»

[ 41 ] What might, in a certain sense, be called a Christian conscience will also take root as Christ increasingly enters into souls; it will take root when souls become aware of Christ’s presence, when Paul’s words come true: “Not I, but Christ in me.”

[ 42 ] Immer mehr und mehr wird in die Seelen hineinziehen das Bewußtsein, daß man nicht nur sagen soll, was man glaubt, sondern, daß man zu prüfen hat an den objektiven Tatsachen das, was man sagt.

[ 42 ] More and more, people will come to realize that one should not merely say what one believes, but that one must test what one says against objective facts.

[ 43 ] Der Christus wird der Seele sein ein Lehrer der Wahrheit, ein Lehrer der höheren Verantwortlichkeit. Damit wird er die Seelen durchdringen, wenn die Seelen immer mehr und mehr das ganze Schwergewicht des Wortes: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», spüren werden.

[ 43 ] Christ will be a teacher of truth to the soul, a teacher of higher responsibility. In this way, he will permeate the souls as they increasingly feel the full weight of the words: “Not I, but Christ in me.”