Christ and the Human Soul
On the Meaning of Life
Theosophical Morality
Anthroposophy and Christianity
GA 155
16 July 1914, Norrköping
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Christus und die menschliche Seele IV
Christ and the Human Soul IV
[ 1 ] Die Menschheit braucht fortwährend Wahrheiten, die nicht zu jeder Zeit vollständig verstanden werden können. Wahrheiten in sich aufnehmen, bedeutet nämlich nicht nur etwas für die Erkenntnis, sondern Wahrheiten als solche enthalten Lebenskraft. Und indem wir uns mit der Wahrheit durchdringen, durchdringen wir uns in unserem Seelischen mit einem Elemente der Welt, wie wir uns durchdringen müssen in unserem Leiblichen fortwährend mit der von außen aufgenommenen Luft, damit wir leben können. Das ist der Grund, warum in den religiösen Urkunden tiefe Wahrheiten ausgesprochen werden, aber in solcher Form, daß die Menschen sie oftmals ihrer eigentlich inneren Bedeutung nach erst viel, viel später erkennen können, als sie geoffenbart werden.
[ 1 ] Humanity constantly needs truths that cannot be fully understood at all times. For to take truths into oneself means not only something for the intellect; truths as such contain life-force. And as we imbue ourselves with truth, we imbue our soul with an element of the world, just as we must continually imbue our physical body with the air we take in from the outside so that we may live. This is the reason why profound truths are expressed in religious texts, but in such a form that people are often only able to recognize their true inner meaning much, much later than when they are revealed.
[ 2 ] Sehen Sie, das Neue Testament ist geschrieben worden, das Neue Testament liegt als eine Urkunde für die Menschheit, man möchte sagen, ausgebreitet da; aber die ganze Erdenentwickelung, die noch kommen soll, wird notwendig sein, um dieses Neue Testament vollständig zu verstehen. Man wird in der Zukunft noch über die äußere Welt vieles erfahren, man wird vieles erfahren auch über die geistige Welt, und alles wird dazu beitragen können, wenn man es im richtigen Lichte sehen wird, das Neue Testament zu verstehen. Das Verständnis kommt nach und nach, aber das Neue Testament ist geschrieben in einer einfachen Form, so daß es aufgenommen werden kann und später nach und nach verstanden werden kann. Denn es ist nicht bedeutungslos, wenn wir uns durchdringen mit der Wahrheit, die eben im Neuen Testament liegt, auch wenn wir diese Wahrheit noch nicht in ihrem tiefsten Innern verstehen. Später wird die Wahrheit Erkenntniskraft, vorher ist sie aber schon Lebenskraft, indem sie aufgenommen wird, man möchte sagen, in einer mehr oder weniger kindlichen Form. Und gerade die Fragen, die wir gestern angefangen haben zu betrachten, sie erfordern, wenn sie so verstanden werden sollen, wie sie im Neuen Testament mitgeteilt sind, eine immer tiefer und tiefer gehende Erkenntnis, ein Hineinblicken in die geistige Welt und ihre Geheimnisse.
[ 2 ] You see, the New Testament was written; the New Testament lies there, one might say, spread out before humanity as a document; but the entire course of Earth’s development that is yet to come will be necessary in order to fully understand this New Testament. In the future, we will learn much more about the outer world, and we will also learn much about the spiritual world, and all of this will contribute to our understanding of the New Testament, provided we view it in the right light. Understanding comes gradually, but the New Testament is written in a simple form so that it can be received and later understood bit by bit. For it is not meaningless when we imbue ourselves with the truth that lies in the New Testament, even if we do not yet understand this truth in its deepest essence. Later, the truth becomes a power of knowledge, but beforehand it is already a life force, in that it is absorbed, one might say, in a more or less childlike form. And precisely the questions we began to consider yesterday require, if they are to be understood as they are communicated in the New Testament, an ever deeper and deeper insight, a looking into the spiritual world and its mysteries.
[ 3 ] Wenn wir die gestern begonnenen Betrachtungen fortsetzen wollen, dann müssen wir heute schon ein wenig in einzelne okkulte Geheimnisse hineinblicken, denn die werden uns ein Führer sein können, die Frage, das Rätsel von Sünde und Schuld, noch weiter zu verstehen, um so gerade von diesem Gesichtspunkte aus einiges Licht zu werfen auf das Verhältnis des Christus zur menschlichen Seele.
[ 3 ] If we wish to continue the reflections we began yesterday, we must today take a brief look into certain occult mysteries, for they can serve as a guide to help us understand the question—the enigma—of sin and guilt even more deeply, and thus shed some light, from this very perspective, on the relationship between Christ and the human soul.
[ 4 ] Vor allen Dingen ist uns ja öfter schon ein Gesichtspunkt aufgestoßen im Verlauf unserer geisteswissenschaftlichen Arbeit, ein Gesichtspunkt, den wir in eine Frage kleiden können — er ist auch schon öfter von uns in diese Frage gekleidet worden: Warum ist Christus gestorben in einem menschlichen Leibe? Diese Frage, die im Grunde genommen die Frage des Mysteriums von Golgatha ausdrückt: Warum ist der Christus gestorben, warum ist der Gott gestorben in einem menschlichen Leibe?
[ 4 ] Above all, a certain perspective has frequently come to mind in the course of our work in Spiritual Science—a perspective that we can frame as a question, and one that we have often framed in this way: Why did Christ die in a human body? This question, which essentially expresses the mystery of Golgotha: Why did Christ die? Why did God die in a human body?
[ 5 ] Der Gott ist gestorben, weil durch die Weltenentwickelung die Notwendigkeit vorlag, daß der Gott in den Erdenmenschen einziehen könne, daß ein Gott der oberen Welten der Führer der Erdenentwickelung werden konnte. Dazu mußte der Christus todverwandt werden. Todverwandt, meine lieben Freunde! Man möchte, daß dieses Wort recht tief, tief von Menschenseelen verstanden werde.
[ 5 ] God has died because the course of world history made it necessary for God to take up residence within human beings on Earth, so that a God from the higher worlds could become the guide of Earth’s development. For this to happen, Christ had to become akin to death. Akin to death, my dear friends! One would like this word to be understood very deeply, deeply by human souls.
[ 6 ] Der Tod tritt ja dem Menschen in der Regel nur entgegen, wenn der Mensch den Menschen selber sterben sieht oder auch noch bei anderen Erscheinungen, die man ähnlich dem Tode in der Welt findet, oder in der Gewißheit, daß man selbst zu gehen hat durch die Pforte des Todes, wenn die gegenwärtige Inkarnation abgelaufen sein wird. Aber dieses ist im Grunde genommen nur der äußere Aspekt des Todes. Der Tod ist noch ganz anders in der Welt vorhanden, in der wir leben, und auf das muß aufmerksam gemacht werden. Gehen wir von einer ganz gewöhnlichen alltäglichen Erscheinung aus. Wir atmen die Luft ein und atmen sie wieder aus. Aber die Luft macht eine Veränderung in uns durch. Wenn sie ausgeatmet ist, diese Luft, dann ist sie Todesluft; als ausgeatmete Luft kann sie nicht weiter geatmet werden, die ausgeatmete Luft ist tötend. Ich will das nur andeuten, damit Sie verstehen, was durch den okkulten Satz ausgesprochen wird: «Indem die Luft in den Menschen einzieht, stirbt sie.» Wahrhaftig, dasjenige, was in der Luft lebendig ist, das stirbt, indem es in den Menschen einzieht. Der Tod zieht mit jedem Atemzuge für die Luft ein, indem der Mensch die Luft atmet. Aber das ist nur eine Erscheinung. Der Lichtstrahl, der in unser Auge dringt, muß ebenso sterben, und wir würden nichts in der Welt von Lichtstrahlen haben, wenn unser Auge sich nicht, wie unsere Lunge der Luft, dem Lichtstrahl entgegenstellte. Und jedes Licht, das in unser Auge dringt, stirbt in unserem Auge, und vom Tode des Lichtes in unserem Auge haben wir es, daß wir sehen können. So stirbt dasjenige, was im Lichte lebendig ist, indem es in unser Auge eindringt. In unserem Auge wird der Lichtstrahl getötet. Wir morden ihn, damit wir die Wahrnehmungen des Auges haben. Wir sind so angefüllt mit demjenigen, was in uns ersterben muß, damit wir unser menschliches Erdenbewußtsein haben. Körperlich töten wir die Luft, wir töten auch den Lichtstrahl, der in uns eindringt, und so töten wir in vielfacher Beziehung.
[ 6 ] Death generally confronts a person only when they witness another person dying, or in connection with other phenomena in the world that resemble death, or in the certainty that they themselves must pass through the gate of death once their present incarnation has come to an end. But this is, in essence, only the outer aspect of death. Death is present in a very different way in the world in which we live, and attention must be drawn to this. Let us take a very ordinary, everyday phenomenon as our starting point. We inhale the air and exhale it again. But the air undergoes a transformation within us. Once it has been exhaled, this air is death-air; as exhaled air, it cannot be inhaled again; the exhaled air is deadly. I only want to hint at this so that you may understand what is expressed by the occult statement: “As the air enters the human being, it dies.” Truly, that which is alive in the air dies as it enters the human being. Death enters with every breath for the air as the human being breathes it in. But this is only a phenomenon. The ray of light that enters our eye must likewise die, and we would have nothing in the world of light rays if our eye did not, like our lungs to the air, face the ray of light. And every light that enters our eye dies in our eye, and it is through the death of the light in our eye that we are able to see. Thus, that which is alive in the light dies as it enters our eye. In our eye, the ray of light is killed. We kill it so that we may have the perceptions of the eye. We are so filled with that which must die within us so that we may have our human earthly consciousness. Physically, we kill the air; we also kill the ray of light that enters us, and thus we kill in many ways.
[ 7 ] Wir unterscheiden, wenn wir die Geisteswissenschaft zu Hilfe rufen, den Erdenstoff, den Wasserstoff, den Luftstoff, den Wärmestoff. Wir treten dann in die Welt des Lichtäthers, wir sprechen von Wärmeäther, von Lichtäther. Bis zum Lichtäther hinauf töten wir dasjenige, was in uns dringt, wir morden es fortwährend, damit wir unser Erdenbewußtsein haben. Etwas aber können wir nicht töten durch unser Erdendasein. Wir wissen, daß es über dem Lichtäther gibt den sogenannten Chemischen Äther und dann den Lebensäther. Das sind die beiden Ätherarten, die wir nicht töten können. Aber dafür haben diese beiden Ätherarten auch keinen besonderen Anteil an uns. Würden wir in der Lage sein, auch den Chemischen Äther zu töten, dann würden fortwährend in unseren physischen Leib die Wellen der Sphärenharmonie hereintönen, und wir würden diese Wellen der Sphärenharmonie mit unserem physischen Leben fortwährend in uns ertöten. Und könnten wir auch den Lebensäther töten, so würden wir das kosmische Leben, das der Erde zuströmt, fortwährend in uns selber ertöten. Uns ist im irdischen "Ton ein Surrogat gegeben, aber das ist nicht zu vergleichen mit demjenigen, was wir hören würden, wenn uns überhaupt als physischer Mensch der chemische Äther hörbar wäre. Denn der physische Ton ist ein Produkt der Luft, und er ist nicht der geistige Ton; er ist nur ein Surrogat des geistigen Tones.
[ 7 ] When we call upon Spiritual Science, we distinguish between the earth element, the water element, the air element, and the heat element. We then enter the world of the light ether; we speak of the heat ether and the light ether. Up to the level of the light ether, we kill whatever penetrates us; we constantly slay it so that we may maintain our earthly consciousness. But there is something we cannot kill through our earthly existence. We know that above the light ether there is the so-called chemical ether and then the life ether. These are the two types of ether that we cannot kill. But in return, these two types of ether have no particular part in us. If we were able to kill the chemical ether as well, then the waves of spherical harmony would constantly resound within our physical body, and we would constantly kill these waves of spherical harmony within ourselves through our physical life. And if we could also kill the life ether, we would constantly be killing within ourselves the cosmic life that flows to the Earth. We are given a surrogate in earthly “sound,” but this cannot be compared to what we would hear if the chemical ether were audible to us at all as physical human beings. For physical sound is a product of the air, and it is not spiritual sound; it is only a surrogate for spiritual sound.
[ 8 ] Als die luziferische Versuchung kam, da waren die fortschreitenden Götter genötigt, den Menschen in eine Sphäre zu versetzen, wo vom Lichtäther nach abwärts in seinem physischen Leibe der Tod lebt. Aber dazumal sagten diese fortschreitenden Götter — und das Wort ist wohl in der Bibel verzeichnet —: «Die Unterscheidung von Gut und Böse hat sich der Mensch angeeignet, aber das Leben, das soll er nicht haben. Vom Baume des Lebens soll er nicht essen.» (1. Mose 3, 22) Und ein anderes Wort kann im Sinne des Okkultismus dazugefügt werden; die Fortsetzung dieses Wortes «Vom Baume des Lebens soll der Mensch nicht essen» würde heißen: «Und vom Geiste des Stoffes soll er nicht hören.» Vom Baume des Lebens soll der Mensch nicht essen, und vom Geiste des Stoffes soll der Mensch nicht hören! Diese Regionen sind diejenigen, die dem Menschen verschlossen wurden. Nur durch eine gewisse Prozedur in den alten Mysterien wurden den Einzuweihenden, als sie vorausnehmend den Christus sehen durften außer dem Leibe, auch die Töne der Sphärenmusik erschlossen und das durch die Welt pulsende kosmische Leben. Daher sprechen die alten Philosophen von der Sphärenmusik.
[ 8 ] When the Luciferic temptation came, the evolving gods were compelled to place humanity in a sphere where death dwells, descending from the ether of light into the physical body. But at that time these advancing gods said—and the words are indeed recorded in the Bible—: “Man has acquired the distinction between good and evil, but life—that he shall not have. He shall not eat of the tree of life.” (Genesis 3:22) And another word may be added in the sense of occultism; the continuation of this word “Man shall not eat of the tree of life” would be: “And of the spirit of matter he shall not hear.” Man shall not eat of the tree of life, and of the spirit of matter man shall not hear! These regions are those that have been closed off to man. Only through a certain procedure in the ancient mysteries were the sounds of the music of the spheres and the cosmic life pulsing through the world revealed to the initiates, as they were permitted to see Christ in advance outside the body. Hence the ancient philosophers speak of the music of the spheres.
[ 9 ] Indem wir auf dieses aufmerksam machen, weisen wir zu gleicher Zeit hin auf diejenigen Regionen, aus denen der Christus zu uns gekommen ist bei der Johannestaufe im Jordan. Woher kam der Christus? Aus denjenigen Regionen kam er, die dem Menschen verschlossen worden sind durch die Versuchung des Luzifer, aus der Region der Sphärenmusik, aus der Region des kosmischen Lebens. Diese Regionen hat der Mensch vergessen müssen am Erdenurbeginn durch die luziferische Versuchung. Der Christus aber zog bei der Johannestaufe im Jordan in einen Menschenleib ein, und dasjenige, was diesen Menschenlesb durchsetzte, das war das Geistige der Sphärenmusik, das war das Geistige des kosmischen Lebens, das war dasjenige, was zur Menschenseele noch gehörte während ihrer ersten Erdenzeit, woraus aber die Menschenseele verbannt werden mußte durch die luziferische Versuchung. So ist der Mensch auch in diesem Sinne geistverwandt. Er gehört eigentlich an mit seiner Seele der Region der Sphärenmusik und der Region des Wortes, des lebendigen kosmischen Äthers. Aber er wurde daraus vertrieben. Und wiedergegeben sollte es ihm werden, so daß er sich nach und nach mit dem, woraus er verbannt worden war, wiederum durchdringen könne. Deshalb berühren uns auch vom Standpunkt der Geisteswissenschaft so tief die Worte des JohannesEvangeliums: Im Urbeginne, als der Mensch der Versuchung noch nicht unterlegen war, da war der Logos. Der Mensch gehörte dem Logos an. Der Logos war bei Gott, und der Mensch war mit dem Logos bei Gott. Und durch die Johannestaufe im Jordan trat der Logos in die menschliche Entwickelung ein, er wurde Mensch.
[ 9 ] By drawing attention to this, we are at the same time pointing to those regions from which Christ came to us at the baptism of John in the Jordan. Where did Christ come from? He came from those regions that have been closed off to humanity through the temptation of Lucifer, from the region of the music of the spheres, from the region of cosmic life. Humanity had to forget these regions at the dawn of Earth through the Luciferic temptation. But at the baptism of John in the Jordan, Christ entered a human body, and what permeated this human body was the spiritual essence of the music of the spheres, the spiritual essence of cosmic life—that which still belonged to the human soul during its first earthly existence, but from which the human soul had to be banished through the Luciferic temptation. Thus, in this sense, the human being is also spiritually related. With his soul, he actually belongs to the region of the music of the spheres and the region of the Word, the living cosmic ether. But he was driven out of it. And it was to be restored to him, so that he might gradually become permeated once more by that from which he had been banished. That is why, from the standpoint of Spiritual Science, the words of the Gospel of John touch us so deeply: In the beginning, when humanity had not yet succumbed to temptation, the Logos was there. Humanity belonged to the Logos. The Logos was with God, and humanity was with the Logos with God. And through the baptism of John in the Jordan, the Logos entered human evolution; he became human.
[ 10 ] Hier haben wir den Zusammenhang, den bedeutungsvollen Zusammenhang. Lassen wir einmal diese Wahrheit dastehen und versuchen wir uns der Frage noch von einer anderen Seite her zu nähern.
[ 10 ] Here we have the connection, the meaningful connection. Let’s leave this truth as it is for now and try to approach the question from a different angle.
[ 11 ] Das ganze Leben zeigt sich uns ja nur von der Außenseite, meine lieben Freunde. Wenn es sich nicht bloß von der Außenseite zeigen würde, so würde der Mensch fortwährend wissen, wie er den Leichnam des Lichtes in sein Auge einsaugt, indem er sieht.
[ 11 ] Life reveals itself to us only from the outside, my dear friends. If it did not reveal itself solely from the outside, human beings would constantly be aware of how they draw the body of light into their eyes as they see.
[ 12 ] Was mußte denn der Christus übernehmen, damit möglich wurde die Erfüllung des Paulinischen Ausspruches «Nicht ich, sondern der Christus in mir»? Es mußte ja möglich sein, daß der Christus die Menschennatur durchdringe; aber die Menschennatur ist erfüllt mit dem, was durch die Menschennatur im Erdendasein ertötet wird, vom Lichtäther abwärts, der im Auge erstirbt. Mit Tod angefüllt ist die Menschennatur, nur entzogen wurde ihr dasjenige, was in den beiden höchsten Ätherarten liegt, damit nicht auch deren Tod die menschliche Natur anfüllen könne. Damit aber der Christus in uns wohnen konnte, mußte er todverwandt werden, verwandt dem Tode, verwandt alledem, was in der Welt ausgebreitet ist, vom Licht anfangend bis hinunter in die Tiefen der Stofflichkeit. Der Christus mußte einziehen können in dasjenige, was wir als den Leichnam des Lichtes, den Leichnam der Wärme, den Leichnam der Luft und so weiter in uns tragen. Nur dadurch hat er menschenverwandt werden können, daß er todverwandt geworden ist. Und wir müssen in unserer Seele fühlen, daß der Gott sterben mußte, damit er uns, die wir uns den Tod erobert haben durch die luziferische Versuchung, erfüllen konnte, und wir sagen können: Der Christus in uns.
[ 12 ] What, then, did Christ have to take upon Himself in order to make possible the fulfillment of Paul’s saying, “Not I, but Christ in me”? It had to be possible for Christ to permeate human nature; but human nature is filled with that which is killed by human nature in earthly existence, from the light ether downward, which dies in the eye. Human nature is filled with death; only that which lies in the two highest types of ether has been withdrawn from it, so that their death might not also fill human nature. But in order for Christ to dwell within us, he had to become akin to death, akin to all that is spread out in the world, beginning with light and extending down into the depths of materiality. Christ had to be able to enter into that which we carry within us as the corpse of light, the corpse of warmth, the corpse of air, and so on. It was only by becoming akin to death that he could become akin to humanity. And we must feel in our souls that God had to die so that he could fill us—who have conquered death through the Luciferic temptation—and we can say: The Christ within us.
[ 13 ] Aber noch manches andere verbirgt sich hinter dem sinnlichen Dasein für den Menschen. Der Mensch richtet seinen Blick auf die Pflanzenwelt; er sieht, wie das Licht der Sonne die Pflanzen hervorzaubert aus den Erdengründen. Die Wissenschaft lehrt uns, daß das Licht zum Wachstum der Pflanzen notwendig ist. Ja, meine lieben Freunde, das ist aber nur die eine Hälfte der Wahrheit. Derjenige, der mit hellsichtigem Blick die Pflanzen ansieht, der sieht aus den Pflanzen aufsteigen lebendige Geistes-Elemente. Das Licht taucht nämlich in die Pflanzen unter und steigt wiederum auf als lebendiges Geistes-Element. Das Licht steigt in die Pflanzen hinein, um sich in ihnen zu verwandeln, um in ihnen wiedergeboren zu werden als lebendiges Geistes-Element. In die Tiere steigt der chemische Äther hinein, den der Mensch nicht wahrnehmen kann; er würde geistig tönen, wenn der Mensch ihn wahrnehmen könnte. Und die Tiere verwandeln diesen Äther in Wassergeister. Die Pflanzen verwandeln das Licht in Luftgeister, die Tiere verwandeln den Geist, der im chemischen Äther wirkt, in Wassergeister. Der Mensch aber verwandelt dasjenige, was im kosmischen Äther, im Lebensäther liegt, dasjenige, was macht, daß er überhaupt leben kann, und von dem verhindert worden ist, daß er es töten könne in sich, das verwandelt er in Erdgeister. Ja, in Erdgeister verwandelt er es.
[ 13 ] But there is much more hidden behind the sensory existence of human beings. People turn their gaze to the plant world; they see how the light of the sun conjures plants forth from the earth. Science teaches us that light is necessary for plant growth. Yes, my dear friends, but that is only half the truth. Those who look at plants with a clairvoyant gaze see living spiritual elements rising from them. For the light sinks into the plants and rises again as a living spiritual element. The light enters the plants to be transformed within them, to be reborn in them as a living spiritual element. The chemical ether, which humans cannot perceive, enters the animals; it would resonate spiritually if humans could perceive it. And the animals transform this ether into water spirits. Plants transform light into air spirits; animals transform the spirit active in the chemical ether into water spirits. But human beings transform that which lies in the cosmic ether, in the life ether—that which enables them to live at all, and which they have been prevented from killing within themselves—they transform it into earth spirits. Yes, he transforms it into earth spirits.
[ 14 ] Ich habe einmal bei einem Zyklus in Karlsruhe von dem menschlichen Phantom gesprochen. Es ist hier nicht die Zeit, die Verbindungslinien zu ziehen zwischen dem, was hier zu sagen ist und dem, was dort über das menschliche Phantom gesagt worden ist, aber es gibt eine solche Verbindungslinie. Sie werden sie vielleicht selbst finden, wenn Sie betrachten das heute Gesagte mit dem dort Gesagten. Heute muß ich die Sache von einer anderen Seite darstellen.
[ 14 ] I once spoke about the human phantom during a lecture series in Karlsruhe. This is not the time to draw connections between what needs to be said here and what was said there about the human phantom, but such a connection does exist. You may discover it for yourselves if you compare what has been said today with what was said there. Today I must present the matter from a different angle.
[ 15 ] Fortwährend erzeugt sich im Menschen auch etwas Geistiges. Dasjenige, was als Leben im Menschen lebt, das geht gleichsam fortwährend in die Welt hinaus. Der Mensch verbreitet eine Aura um sich, eine Strahlungs-Aura, wodurch er das erdgeistige Element der Erde fortwährend bereichert. In diesem Erdgeist-Element der Erde, da ist aber enthalten, indem es der Mensch hinüberschickt in die Erde, all dasjenige, was der Mensch an moralischen und an sonstigen erworbenen, im Leben erworbenen menschlichen Qualitäten in sich trägt. Wahr ist es, durchaus wahr: Für den hellsichtigen Blick zeigt es sich, wie der Mensch fortwährend in die Welt hinausschickt seine moralische und intellektuelle und ästhetische Aura, und wie diese Aura als Erdengeist in der Erdengeistigkeit weiterlebt. Wir ziehen nach uns durch das ganze Erdenleben, wie der Komet seinen Schweif durch das Weltall nach sich zieht, dasjenige, was wir gleichsam an Geistes-Aura ausdünsten, was sich während unseres Lebens zusammenfügt, phantomhaft, aber zugleich unser moralisches und intellektuelles Seelengut in die Welt hinausstrahlt.
[ 15 ] Something spiritual is also constantly being generated within the human being. That which lives as life within the human being flows, as it were, constantly out into the world. Human beings radiate an aura around themselves, a radiant aura, through which they continually enrich the earth’s spiritual element. Contained within this spiritual element of the earth—which human beings send out into the earth—is everything that human beings carry within themselves in terms of moral and other qualities acquired throughout their lives. It is true, absolutely true: to the clairvoyant eye it is evident how human beings continually send out into the world their moral, intellectual, and aesthetic aura, and how this aura lives on as earth spirit within the earth’s spiritual realm. Throughout our entire earthly life, we draw in our wake—just as a comet draws its tail through the cosmos—that which we, as it were, exude as a spiritual aura, which coalesces during our lifetime, phantom-like, yet at the same time radiates our moral and intellectual spiritual assets out into the world.
[ 16 ] Das Leben ist kompliziert, und auch dieses ist eine Erscheinung des Lebens.
[ 16 ] Life is complicated, and this, too, is a manifestation of life.
[ 17 ] Wenn wir zurückgehen in der okkulten Betrachtung vor das Mysterium von Golgatha, da finden wir, daß die Menschen dazumal dieses phantomartige Wesen, das ihre moralischen Qualitäten enthielt, einfach hinausgeschickt haben in die äußere Welt, in die äußere geistige Aura der Erde. Aber die Menschheit entwickelte sich im Laufe des Erdendaseins, und es war zu einem gewissen Stadium dieser Entwickelung gerade in bezug auf dieses phantomartige Wesen, das der Mensch ausstrahlt, in den Zeiten gekommen, in denen das Mysterium von Golgatha in der Erdenentwickelung geschah. Man möchte sagen: Früher war das phantomartige Wesen, das der Mensch ausstrahlte, viel flüchtiger. Es wurde dichter, gestaltenartiger in der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha über die Erde kam. Und der Mensch mischte als einen Grundcharakter diesem phantomartigen Wesen dasjenige bei, was er an Tod in sich aufnimmt, indem er den Lichtstrahl, der in das Auge eindringt, tötet und so weiter, wie ich es auseinandergesetzt habe. Gewissermaßen ein totgeborenes Geisteskind sind diese erdgeistartigen Wesen, die der Mensch von sich ausstrahlt, weil der Mensch ihnen seinen Tod mitgibt.
[ 17 ] If we go back in our occult contemplation to the time before the Mystery of Golgotha, we find that people in those days simply sent this phantom-like being—which contained their moral qualities—out into the outer world, into the Earth’s outer spiritual aura. But humanity developed over the course of its earthly existence, and at a certain stage of this development—precisely with regard to this phantom-like being that the human being radiates—the time had come when the Mystery of Golgotha took place in the Earth’s evolution. One might say: In earlier times, the phantom-like being that the human being radiated was much more fleeting. It became denser, more form-like in the time when the Mystery of Golgotha came upon the Earth. And humanity added to this phantom-like being, as a fundamental character, that which it takes up within itself in death, by killing the ray of light that enters the eye, and so on, as I have explained. In a sense, these earth-spirit-like beings that human beings radiate from themselves are a stillborn spiritual child, because human beings imbue them with their own death.
[ 18 ] Und stellen wir uns vor, der Christus wäre nicht auf die Erde gekommen, dann würden die Menschen während des Aufenthaltes ihrer Seelen im Erdenleibe fortwährend solche Wesen ausstrahlen, denen der Tod eingeprägt ist. Und mit diesem Tode verbunden wären die moralischen Qualitäten der Menschen, von denen wir gestern gesprochen haben: objektive Schuld und objektive Sünde, die wären da drinnen, da drinnen lägen sie. Nehmen wir an, der Christus wäre nicht gekommen, — was wäre geschehen in der Erdenentwickelung? Von der Zeit an, in die also sonst das Mysterium von Golgatha fällt, hätten die Menschen dichte Gestalten geistig geschaffen, denen sie den Tod eingegeben hätten. Und diese dichten Gestalten, sie wären dasjenige geworden, was mit der Erde nach dem Jupiter hätte hinüberziehen müssen. Der Mensch hätte der Erde den Tod erteilt. Eine tote Erde hätte einen toten Jupiter geboren!
[ 18 ] And let us imagine that Christ had not come to earth; then, while their souls were dwelling in their earthly bodies, human beings would constantly radiate beings marked by death. And connected to this death would be the moral qualities of human beings that we spoke of yesterday: objective guilt and objective sin—they would be there, lying within. Let us suppose that Christ had not come—what would have happened in the development of the Earth? From the time when the Mystery of Golgotha would otherwise have taken place, human beings would have spiritually created dense forms into which they would have instilled death. And these dense forms would have become that which would have had to pass over with the Earth to Jupiter. Humanity would have brought death upon the Earth. A dead Earth would have given birth to a dead Jupiter!
[ 19 ] Denn so hätte es kommen müssen, weil dem Menschen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht gekommen wäre, die Möglichkeit gefehlt hätte, das, was so ausstrahlt von ihm, zu durchdringen mit dem, was in der Sphärenmusik liegt und mit dem, was im kosmischen Leben liegt. Die wären nicht dagewesen, wären nicht eingeströmt in das, was der Mensch von sich ausstrahlt. Diese aber hat der Christus gebracht mit dem Mysterium von Golgatha. Und indem sich, wenn wir den Christus aufnehmen in uns, erfüllt das «Nicht ich, sondern der Christus in mir», belebt sich, indem wir zu dem Christus Beziehungen in uns entwickeln, dasjenige, was so von uns ausstrahlt, was sonst tot wäre. Weil wir den Tod in uns tragen, muß uns der lebendige Christus durchdringen, damit er das, was wir als geistiges Erdenwesen zurücklassen, belebe. In das, was sich von uns loslöst als objektive Sünde, als objektive Schuld, was wir nicht im Karma weitertragen, in das dringt der lebendige Logos, der Christus ein und belebt es, und indem er es belebt, wird eine lebendige Erde zu einem lebendigen Jupiter hinüber sich entwickeln. Das ist die Folge des Mysteriums von Golgatha.
[ 19 ] For this is how it would have had to be, because if the Mystery of Golgotha had not come, human beings would have lacked the ability to imbue what radiates from them with what lies in the music of the spheres and with what lies in cosmic life. These would not have been present; they would not have flowed into what the human being radiates from within. But Christ brought these with the Mystery of Golgotha. And as we take Christ into ourselves, the “Not I, but Christ in me” is fulfilled; as we develop a relationship with Christ within us, that which radiates from us—which would otherwise be dead—is enlivened. Because we carry death within us, the living Christ must permeate us so that he may enliven what we leave behind as spiritual beings on earth. Into that which detaches itself from us as objective sin, as objective guilt—that which we do not carry forward in karma—the living Logos, the Christ, penetrates and enlivens it; and as he enlivens it, a living Earth will develop into a living Jupiter. This is the consequence of the Mystery of Golgotha.
[ 20 ] Unsere Seele aber kann, wenn sie solches bedenkt, den Christus empfangen in der folgenden Weise. Sie kann sich sagen, diese Seele: Ja, da gab es einmal eine Zeit, in welcher der Mensch im Schoße des göttlichen Logos war. Aber der Mensch mußte der luziferischen Versuchung unterliegen. Er nahm den Tod in sich auf. Er nahm damit den Keim dazu auf, daß eine tote Erde einen toten Jupiter zur Geburt gebracht hätte. Zurückgeblieben ist dasjenige, was die Menschenseele vor der Versuchung für ihr Erdendasein hätte mit empfangen sollen. Mit dem Christus ist es wieder eingezogen in das menschliche Erdendasein.
[ 20 ] But when our soul reflects on this, it can receive Christ in the following way. This soul can say to itself: Yes, there was once a time when humanity was in the bosom of the divine Logos. But humanity succumbed to the Luciferic temptation. It took death into itself. In doing so, it took in the seed that would have caused a dead Earth to give birth to a dead Jupiter. What remains is that which the human soul should have received before the temptation for its earthly existence. With Christ, it has returned to human earthly existence.
[ 21 ] Und wenn der Mensch nun aufnimmt den Christus in sich, so daß er sich durchdrungen fühlt mit diesem Christus, dann kann er sich sagen: Dasjenige, was die Götter mir zugeteilt haben vor der luziferischen Versuchung, das aber dadurch, daß die luziferische Versuchung eintrat, hat zurückbleiben müssen im kosmischen All, das zieht mit dem Christus in meine Seele ein. Die Seele wird erst dadurch wieder vollständig, daß sie den Christus in sich aufnimmt. Da bin ich erst ganz Seele, da bin ich erst wiederum, wozu ich durch den göttlichen Ratschluß von Urbeginn der Erde an bestimmt war. — Bin ich denn wahrhaft eine Seele ohne den Christus? frägt man sich. Man fühlt, man wird erst durch den Christus die Seele, die man hätte werden sollen nach dem Ratschluß der führenden Götter. Das ist das wunderbare Heimatgefühl, das die Seelen haben können mit diesem Christus. Denn aus der uralten kosmischen Heimat der Seele ist der kosmische Christus herabgekommen, um der Menschenseele dasjenige wieder zu geben, was sie auf der Erde durch die luziferische Versuchung verlieren mußte. Hinauf führt der Christus die Seele wieder zu ihrer uralten Heimat, die ihr von den Göttern zugeteilt worden ist.
[ 21 ] And when a person takes Christ into themselves, so that they feel permeated by this Christ, then they can say to themselves: That which the gods had allotted to me before the Luciferic temptation, but which, because the Luciferic temptation occurred, had to remain behind in the cosmic universe—that enters my soul with Christ. The soul only becomes whole again by taking Christ into itself. Only then am I fully a soul; only then am I once again what I was destined to be by the divine decree from the very beginning of the Earth. — “Am I truly a soul without Christ?” one asks oneself. One feels that it is only through Christ that one becomes the soul one was meant to become according to the decree of the guiding gods. This is the wondrous sense of home that souls can experience with this Christ. For from the soul’s ancient cosmic home, the cosmic Christ has descended to restore to the human soul that which it had to lose on Earth through the Luciferic temptation. Christ leads the soul back up to its ancient home, which has been assigned to it by the gods.
[ 22 ] Das ist das Beglückende, das Beseligende des wirklichen Erlebens des Christus in der Menschenseele. Das war es, was zum Beispiel so beglückend auf gewisse christliche Mystiker des Mittelalters gewirkt hat. Mögen sie auch manches geschrieben haben, das an und für sich in ihren Vorstellungen zu sinnlich war, aber es lag da Geistiges zugrunde. Solche christlichen Mystiker, die sich anschlossen zum Beispiel an Bernhard von Clairvaux und andere, sie empfanden die menschliche Seele wie eine Braut, die ihren Bräutigam verloren hat beim Erdenurbeginn; und wenn der Christus einzog in ihre Seelen, sie durchlebend, durchseelend, durchgeistigend, dann empfanden sie den Christus als den Seelenbräutigam, der sich mit der Seele verband und den sie einstmals verloren hatten, in der uralten Heimat der Seele, die sie verlassen hat, um durch Luzifer den Weg der Freiheit zu gehen, den Weg der Unterscheidung des Guten und des Bösen zu gehen.
[ 22 ] This is what brings joy and bliss in the true experience of Christ within the human soul. This is what, for example, had such a joyful effect on certain Christian mystics of the Middle Ages. They may have written some things that were, in and of themselves, too sensual in their mental image, but there was a spiritual foundation underlying them. Such Christian mystics, who followed in the footsteps of Bernard of Clairvaux and others, for example, perceived the human soul as a bride who had lost her bridegroom at the dawn of time; and when Christ entered their souls, living through them, animating them, spiritualizing them, then they perceived Christ as the Bridegroom of the soul, who united with the soul and whom they had once lost in the ancient homeland of the soul, which they had left in order to walk, through Lucifer, the path of freedom, the path of discerning good from evil.
[ 23 ] Wenn sich die Menschenseele wirklich einlebt in den Christus, wenn sie den Christus als das lebendige Wesen empfindet, das ausgeflossen ist vom Tod auf Golgatha in die geistige Erdenatmosphäre und das einfließen kann in die Seele, dann fühlt sie sich in der Tat durch diesen Christus innerlich belebt. Sie fühlt einen Übergang von einem Tode zum Leben!
[ 23 ] When the human soul truly immerses itself in Christ, when it perceives Christ as the living being who flowed out of death on Golgotha into the spiritual atmosphere of the Earth and who can flow into the soul, then it truly feels inwardly enlivened by this Christ. It feels a transition from death to life!
[ 24 ] Nicht können wir — weil wir ja bis in unsere fernere Erdenzeit irdisches Leben absolvieren müssen in Menschenleibern — die Sphärenmusik unmittelbar hören, nicht können wir das kosmische Leben unmittelbar in uns erleben, aber wir können erleben dasjenige, was von dem Christus ausfließt, und haben stellvertretend damit dasjenige, was uns sonst aus der Sphärenmusik und dem kosmischen Leben zukommen würde.
[ ] We cannot—because we must live out our earthly lives in human bodies until the end of our earthly existence—hear the music of the spheres directly, nor can we experience cosmic life directly within ourselves; but we can experience that which flows from Christ, and thereby have, by proxy, that which would otherwise come to us from the music of the spheres and cosmic life.
[ 25 ] Der alte Pythagoras hat von der Sphärenmusik gesprochen. Warum hat er davon gesprochen, meine lieben Freunde? Nun, er war ein Eingeweihter der alten Mysterien. Er hat durchgemacht jenen Prozeß, durch den die Seele herausging aus dem Leibe. Wenn die Seele heraus war aus dem Leibe, da konnte er entrückt werden in die geistigen Welten; da sah er den Christus, der erst später in die Erde kommen sollte. So kann der Mensch nach dem Mysterium von Golgatha nicht von der Sphärenmusik sprechen wie Pythagoras gesprochen hat, aber er kann, auch wenn er nicht außerhalb des Leibes lebt mit seiner Seele, in anderer Weise sprechen von der Sphärenmusik. Als Eingeweihter könnte er auch heute sprechen wie Pythagoras; aber der gewöhnliche Erdenmensch in seinem physischen Leibe kann von Sphärenmusik und vom kosmischen Leben nur sprechen, wenn er in seiner Seele erlebt das «Nicht ich, sondern der Christus in mir», denn das ist, was in der Sphärenmusik gelebt hat, das ist, was im kosmischen Leben gelebt hat. Aber wir müssen wirklich auch den Prozeß durchmachen in uns, wir müssen wirklich den Christus in unsere Seele aufnehmen.
[ 24 ] The ancient Pythagoras spoke of the music of the spheres. Why did he speak of this, my dear friends? Well, he was an initiate of the ancient mysteries. He underwent that process through which the soul leaves the body. When the soul was outside the body, it could be carried away into the spiritual worlds; there it saw the Christ who was to come to Earth only later. Thus, after the Mystery of Golgotha, man cannot speak of the music of the spheres as Pythagoras did, but he can, even if he does not live outside the body with his soul, speak of the music of the spheres in a different way. As an initiate, he could speak today just as Pythagoras did; but the ordinary earthly human being in his physical body can speak of the music of the spheres and of cosmic life only if he experiences in his soul the “Not I, but Christ in me,” for that is what lived in the music of the spheres, that is what lived in cosmic life. But we must truly undergo this process within ourselves; we must truly take Christ into our souls.
[ 26 ] Nehmen wir an, der Mensch würde sich sträuben, den Christus in seiner Seele aufzunehmen, er würde den Christus nicht in seiner Seele aufnehmen wollen. Dann würde er an das Erdenende ankommen, und er würde am Erdenende in dem, was sich aus den im Laufe der Menschheitsentwickelung entstandenen Erdengeistern herausgebildet hat, in jenem Geistnebelgebilde, das sich dann aus der Erde gebildet haben wird, all diese phantomartigen Wesen haben, die aus ihm herausgegangen sind in den früheren Inkarnationen. Die würden alle da sein. Das, was so da sein würde, das würde eine tote Erde sein und tot zum Jupiter hinübergehen. Ein Mensch könnte sein Karma vollständig ausgetragen haben, getilgt haben, das heißt, er könnte subjektiv alles das ausgleichend sich angeeignet haben, was er an Unvollkommenheiten verübt hat, am Ende der Erdenzeit; er könnte vollkommen geworden sein in seinem Seelischen, in seinem Ego, aber objektiv würde Schuld und Sünde dastehen in dem, was da zurückbleibt. Das ist durchaus eine Wahrheit, denn wir leben nicht nur für uns selbst, wir leben nicht dafür, daß wir durch Ausgleich unseres Karma uns egoistisch vollkommener machen, wir leben für die Welt, und am Ende der Zeiten werden dastehen die Reste unserer Erden-Inkarnationen wie ein mächtiges 'Tableau, wenn wir nicht den lebendigen Christus in uns aufgenommen haben. Denn wenn wir das, was wir gestern gesagt haben, verbinden mit dem, was heute gesagt worden ist — es ist im Grunde, nur von zwei Seiten gesehen, dasselbe —, so ersehen wir, wie der Christus Schuld und Sünde der Erdenmenschheit, insofern sie objektive Schulden und Sünden sind, auf sich nimmt. Und haben wir innerlich ergriffen dieses «Nicht ich, sondern der Christus in mir, der Christus in uns», so übernimmt er das, was aus uns herauszieht, und unsere Reste stehen da von dem Christus belebt, von dem Christus durchlebt und durchstrahlt. Ja, unsere Inkarnationen stehen da, das heißt, die geschilderten Reste dieser Inkarnationen. Und was geben sie alle zusammen?
[ 25 ] Let us suppose that a person were to resist receiving Christ into his soul; he would not want to receive Christ into his soul. Then they would reach the end of the Earth, and at the end of the Earth, within what has emerged from the Earth spirits that arose in the course of human evolution—within that spiritual nebula that will then have formed from the Earth—they would find all those phantom-like beings who have gone forth from them in earlier incarnations. They would all be there. What would be there would be a dead Earth, passing over to Jupiter in a state of death. A human being might have fully worked out his karma, might have atoned for it—that is, he might subjectively have made amends for all the imperfections he has committed by the end of the Earth era; he might have become perfect in his soul life, in his ego—but objectively, guilt and sin would remain in what is left behind. This is certainly a truth, for we do not live only for ourselves; we do not live to make ourselves more perfect through the balancing of our karma; we live for the world, and at the end of time the remnants of our earthly incarnations will stand there like a mighty tableau if we have not taken the living Christ into ourselves. For if we connect what we said yesterday with what has been said today—it is essentially the same thing, viewed from two different angles—we see how Christ takes upon Himself the guilt and sin of humanity on Earth, insofar as they are objective debts and sins. And if we have inwardly grasped this “Not I, but the Christ in me, the Christ in us,” then He takes upon Himself what draws out of us, and our remnants stand there enlivened by the Christ, lived through and radiated by the Christ. Yes, our incarnations stand there—that is, the described remnants of these incarnations. And what do they all add up to?
[ 27 ] Dadurch, daß der Christus sie alle vereinigt, der Christus, der ja aller Menschheit gehört in Gegenwart und in Zukunft, pressen sich ineinander alle diese Reste der einzelnen Inkarnationen. Jede Menschenseele lebt in aufeinanderfolgenden Inkarnationen. Nehmen wir eine Inkarnation: bestimmte Reste bleiben da, wir haben sie geschildert. Nehmen wir die nächste Inkarnation: bestimmte Reste bleiben da, wir haben sie geschildert; weitere Inkarnationen: bestimmte Reste bleiben da, und so weiter bis zum Ende der Erdenzeiten. Die einzelnen Inkarnationen lassen ihre Reste zurück bis zum Ende der Erdenzeiten. Sind diese Reste durchchristet, so drücken sie, pressen sie sich zusammen. Dadurch aber, daß sich das Dünne zusammenpreßt, wird es dicht — auch Geistiges wird dicht — und unsere sämtlichen ErdenInkarnationen, sie sind zu einem Geistesleib vereinigt. Der gehört uns, den brauchen wir, indem wir zum Jupiter hinüber uns entwickeln, denn er ist der Ausgangspunkt unserer Verkörperung auf dem Jupiter. Wir werden dastehen mit unserer Seele am Ende der Erdenzeit — mag sie mit ihrem Karma wie immer stehen —, wir werden dastehen vor unseren vom Christus gesammelten Erdenresten und werden uns mit ihnen zu vereinigen haben, um mit ihnen gemeinschaftlich zum Jupiter hinüberzugehen.
[ 26 ] Because Christ unites them all—Christ, who belongs to all humanity in the present and in the future—all these remnants of the individual incarnations merge into one another. Every human soul lives through successive incarnations. Let us take one incarnation: certain remnants remain there; we have described them. Let us take the next incarnation: certain remnants remain there; we have described them; further incarnations: certain remnants remain there, and so on until the end of earthly time. The individual incarnations leave their remnants behind until the end of earthly time. If these remnants are permeated by Christ, they press together, compressing themselves. But because the subtle compresses itself, it becomes dense—even the spiritual becomes dense—and all our earthly incarnations are united into a spiritual body. This belongs to us; we need it as we develop toward Jupiter, for it is the starting point of our embodiment on Jupiter. We will stand there with our soul at the end of the Earth era—whatever its karmic state may be—we will stand before our Earth remnants gathered by Christ and will have to unite with them in order to pass over to Jupiter together with them.
[ 28 ] Auferstehen werden wir im Leibe, in dem aus den einzelnen Inkarnationen verdichteten Erdenleibe. Wahrhaftig, meine lieben Freunde, mit tief bewegtem Herzen spreche ich es hier aus: Auferstehen werden wir im Leibe!
[ 27 ] We will rise again in the body—the earthly body formed from the essence of our individual incarnations. Truly, my dear friends, with a heart deeply moved, I say this here: We will rise again in the body!
[ 29 ] Sechzehnjährige und noch jüngere Leute fangen heute an, ihr eigenes Glaubensbekenntnis zu fordern und davon zu reden, daß sie «glücklich hinaus sind über solchen Unsinn wie — Auferstehung des Leibes». Diejenigen aber, die sich vertiefen okkultistisch in die Geheimnisse der Welt, die heben sich allmählich hinauf zum Verständnis dessen, was den Menschen gesagt worden ist; weil es ihnen — wie ich es im Eingang des Vortrages ausgeführt habe — zuerst gesagt werden mußte, damit sie es als Lebenswahrheit ergriffen, um es dann hinterher zu verstehen. Die Auferstehung der Leiber ist eine Wirklichkeit, aber unsere Seele muß es empfinden, daß sie auferstehen will gegenüber den vom Christus gesammelten Erdenresten, gegenüber dem Geistesleib, der durchchristet ist. Das muß unsere Seele verstehen lernen. Denn, nehmen wir an, wir könnten dadurch, daß wir den lebendigen Christus nicht in uns aufgenommen haben, an diesen Erdenleib mit seiner Schuld und seiner Sünde nicht herantreten und uns mit ihm vereinigen. Hätten wir den Christus zurückgewiesen, so würden am Ende der Erdenzeit unsere einzelnen Inkarnationsreste zerstreut dastehen; die wären verblieben, die wären nicht gesammelt worden von dem die ganze Menschheit durchgeistenden Christus. Wir ständen als Seele am Ende der Erdenzeiten erdgebunden da, wir wären an dasjenige in der Erde gebunden, was tot zurückbleibt in unseren Resten. Unsere Seele wäre zwar im Geiste für sich egoistisch befreit, aber wir könnten nicht an unsere leiblichen Reste heran. Solche Seelen, meine lieben Freunde, die sind die Beute Luzifers, denn er strebt danach, das eigentliche Erdenziel zu durchkreuzen, er strebt danach, die Seelen ihr Erdenziel nicht erreichen zu lassen, sie in der geistigen Welt zurückzubehalten. Und Luzifer wird in die Jupiterzeit hinübersenden dasjenige, was zerstreute Erdenreste geblieben sind, als toten Einschluß Jupiters, der dann als Mond, der sich nicht abtrennt vom Jupiter, im Jupiter darinnen sein wird und immer hinauftreiben wird diese Erdenreste. Und diese Erdenreste werden von den Seelen oben als von Gattungsseelen belebt werden müssen auf dem Jupiter.
[ 28 ] Today, sixteen-year-olds and even younger people are beginning to demand their own creed and to speak of how they are “glad to be free of such nonsense as—the resurrection of the body.” But those who delve deeply into the occult mysteries of the world gradually rise to an understanding of what has been told to humanity; for—as I explained at the beginning of this lecture—it first had to be told to them so that they might grasp it as a truth of life, and only then come to understand it. The resurrection of the bodies is a reality, but our soul must feel that it wants to rise up in relation to the earthly remains gathered by Christ, in relation to the spiritual body that is permeated by Christ. Our soul must learn to understand this. For suppose that, because we have not taken the living Christ into ourselves, we could not approach this earthly body with its guilt and sin and unite ourselves with it. If we had rejected Christ, then at the end of earthly time our individual remnants of incarnation would remain scattered; they would have remained, they would not have been gathered up by the Christ who permeates all humanity. We would stand there as souls at the end of earthly time, bound to the earth, bound to that which remains dead in our remnants. Our soul would indeed be spiritually liberated from egoism, but we could not approach our physical remnants. Such souls, my dear friends, are the prey of Lucifer, for he strives to thwart the very purpose of Earth; he strives to prevent souls from reaching their earthly goal, to hold them back in the spiritual world. And Lucifer will send over into the Jupiter era what remains of the scattered earthly remnants, as a dead inclusion of Jupiter, which will then be within Jupiter as a moon that does not separate from Jupiter, and will always drive these earthly remnants upward. And these earthly remnants will have to be animated on Jupiter by the souls above as by species souls.
[ 30 ] Und jetzt erinnern Sie sich, was ich vor Jahren schon ausgesprochen habe: daß das Menschengeschlecht auf dem Jupiter sich spalten wird in ein solches, bei dem die Seelen ihr Erdenziel erreicht haben, die das Jupiterziel erreicht haben werden, und in solche Seelen, die ein Mittelreich bilden werden zwischen dem Menschenreich des Jupiter und dem Tierreich des Jupiter. Das werden Seelen sein, die luziferisch, das heißt bloß geistig da sind; ihren Leib werden sie unten haben, dieser Leib wird ein deutlicher Ausdruck sein ihres ganzen Seeleninnern, sie werden ihn aber nur von außen dirigieren können. Zwei Rassen, die Guten und die Bösen, werden sich auf dem Jupiter voneinander unterscheiden. — Das ist schon vor Jahren ausgeführt worden; heute wollen wir es tiefer betrachten.
[ 29 ] And now recall what I said years ago: that the human race on Jupiter will divide into two groups—those whose souls have attained their earthly goal and will have attained the Jupiter goal, and those souls who will form an intermediate realm between the human realm of Jupiter and the animal realm of Jupiter. These will be souls who are Luciferic, that is, present there merely in spirit; they will have their bodies down below, and these bodies will be a clear expression of their entire inner soul life, though they will be able to direct them only from the outside. Two races, the good and the evil, will differ from one another on Jupiter. — This was already explained years ago; today we shall consider it more deeply.
[ 31 ] Dem Jupiterdasein wird ja noch ein Venusdasein folgen, und ein Ausgleich wird geschaffen werden wiederum durch die weitere EvoJution des Christus, aber der Mensch soll gerade auf dem Jupiter dessen ansichtig werden, was es heißen soll: nur in seinem eigenen Ego vollkommen werden wollen und nicht die ganze Erde zu seiner Angelegenheit machen! Das soll der Mensch einmal durch den ganzen Jupiter-Zyklus hindurch erfahren, indem ihm alles dasjenige dann vor das geistige Auge treten kann, was er im Erdendasein nicht durchchristet hat.
[ 30 ] The Jupiter phase will indeed be followed by a Venus phase, and a balance will be restored through the further evolution of the Christ; but it is precisely on Jupiter that humanity is to come face to face with what it means to seek perfection solely within one’s own ego, rather than making the entire Earth one’s concern! This is what humanity is to experience throughout the entire Jupiter cycle, so that everything they failed to live through in a Christ-filled manner during their earthly existence may then appear before their spiritual eye.
[ 32 ] Nehmen wir das alles zusammen, meine lieben Freunde, und gedenken wir von diesem Gesichtspunkte aus des Christus-Wortes, mit dem er hinausschickte seine Jünger in die Welt, zu verkündigen seinen Namen und in seinem Namen die Sünden zu vergeben. (Johannes 20, 23) Warum in seinem Namen die Sünden zu vergeben? Weil diese Sündenvergebung mit seinem Namen zusammenhängt; weil die Sünde nur getilgt und zu lebendigem Leben umgeschaffen werden kann, wenn der Christus mit unseren Erdenresten verbunden sein kann, wenn wir ihn zuerst während unseres Erdendaseins im Sinne des Paulinischen Wortes: «Nicht ich, sondern der Christus in mir» in uns getragen haben.
[ 31 ] Let us take all this together, my dear friends, and from this perspective reflect on the words of Christ with which he sent his disciples out into the world to proclaim his name and to forgive sins in his name. (John 20:23) Why forgive sins in his name? Because this forgiveness of sins is connected to his name; because sin can only be expiated and transformed into living life if Christ can be united with our earthly remains, if we have first carried him within us during our earthly existence in the sense of Paul’s words: “Not I, but Christ in me.”
[ 33 ] Und wenn irgendwo ein religiöses Bekenntnis in seinen äußeren Handlungen anknüpft an dieses Christus-Wort, um den Seelen immer wiederum und wiederum das zu vergegenwärtigen, was mit dem Christus zusammenhängt, dann müssen wir darin auch diese tiefere Bedeutung suchen. Wenn in irgendeinem religiösen Bekenntnis, gleichsam im Auftrage Christi einer seiner Diener spricht von Vergebung der Sünden, so heißt das nichts anderes als: derjenige, der mit seinen Worten der Sündenvergebung anknüpft an die Vergebung der Sünden durch den Christus, der deutet der Seele, die getröster sein will, an: Ja, ich habe gesehen, du hast dein lebendiges Verhältnis zu dem Christus entwickelt, du vereinigst mit dem, was objektive Sünde und Schuld ist und einziehen soll als objektive Sünde und Schuld in deine Erdenreste, dasjenige, was dir der Christus ist. Weil ich erkannt habe, daß du dich durchdrungen hast mit dem Christus, so darf ich sagen: «Deine Sünden sind dir vergeben.»
[ 32 ] And whenever a religious denomination bases its outward practices on this saying of Christ in order to constantly remind souls of what is connected with Christ, then we must also seek this deeper meaning in it. When, in any religious denomination, one of Christ’s servants speaks of the forgiveness of sins, as it were on Christ’s behalf, this means nothing other than: the one who, through his words of forgiveness, connects the forgiveness of sins to the forgiveness of sins through Christ, is indicating to the soul that seeks comfort: Yes, I have seen that you have developed your living relationship with Christ; you unite what is objective sin and guilt—and which is to be taken into your earthly remains as objective sin and guilt—with that which Christ is to you. Because I have recognized that you have been permeated by Christ, I may say: ‘Your sins are forgiven.’
[ 34 ] Immer ist stillschweigend darinnen, daß derjenige, der in irgendeinem religiösen Bekenntnis von Sündenvergebung spricht, sich die Überzeugung verschafft hat: Der Betreffende hält es mit seinem Christus, er will seinen Christus in seinem Herzen und seiner Seele tragen. Deshalb darf er ihn trösten, wenn der andere schuldbewußt ihm entgegentritt: Der Christus wird dir verzeihen, und ich darf dir sagen, daß dir in seinem Namen deine Sünden vergeben sind.
[ 33 ] It is always implicit that whoever speaks of the forgiveness of sins within any religious denomination has come to the conviction that the person in question follows his Christ; he wishes to carry his Christ in his heart and soul. Therefore, he may comfort him when the other approaches him with a guilty conscience: Christ will forgive you, and I may tell you that your sins are forgiven in his name.
[ 35 ] So ist es eine schöne Anknüpfung an den einzigen Sündenvergeber — weil er der Sündenträger, weil er das die menschlichen Erdenreste belebende Wesen ist —, wenn diejenigen, die ihm dienen wollen, jene Seelen, denen gegenüber sie sich überzeugen können, daß sie in ihrem Innern sich mit dem Christus verknüpft fühlen, trösten können mit den Worten: «Deine Sünden sind dir vergeben.» Denn es ist gleichsam eine neue Bekräftigung des Verhältnisses der Seele zum Christus, wenn diese Seele hört: Ich habe meine Schulden, meine Sünden so aufgefaßt, daß mir gesagt werden darf, der Christus nehme sie auf sich, er durchwirke sie mit seinem Wesen. Immer ist in dem Unterton — wenn das Wort von der Sündenvergebung ein Wahrheitswort sein soll — das enthalten, daß der Sünder, der Schuldige, wenn er auch seinen Bund mit dem Christus nicht neuerdings schließt, wenigstens an sein Schließen erinnert wird. Denn ein so inniger Bund muß geschlossen werden zwischen der Seele und dem Christus, daß die Seele nicht oft genug das Bewußtsein von diesem Bund erneuern kann. Und weil der Christus in der geschilderten Weise mit objektiver Schuld und objektiver Sünde der Menschenseele verbunden ist, so kann die Seele ihr Verhältnis zu dem Christus im alltäglichen Leben am besten dadurch stets sich zum Bewußtsein bringen, daß sie gerade in dem Moment der Sündenvergebung sich an das Dasein des kosmischen Christus im Erdendasein immer wieder und wiederum erinnert.
[ 34 ] Thus, it is a beautiful connection to the only forgiver of sins—because he is the bearer of sins, because he is the being who animates the human remains on earth—when those who wish to serve him can comfort those souls, in whom they can be convinced that they feel inwardly connected to Christ, with the words: “Your sins are forgiven.” ” For it is, as it were, a new affirmation of the soul’s relationship to Christ when this soul hears: I have understood my debts, my sins, in such a way that it may be said to me that Christ takes them upon himself, that he permeates them with his being. There is always an underlying implication—if the word of forgiveness is to be a word of truth—that the sinner, the guilty one, even if he does not renew his covenant with Christ at this moment, is at least reminded of having made it. For such an intimate covenant must be formed between the soul and Christ that the soul cannot renew its awareness of this covenant often enough. And because Christ is connected in the manner described to the objective guilt and objective sin of the human soul, the soul can best bring its relationship to Christ to consciousness in daily life by repeatedly and again and again recalling, precisely at the moment of forgiveness of sins, the existence of the cosmic Christ in earthly existence.
[ 36 ] Es werden diejenigen, die sich im echten Geiste die durchchristete Geisteswissenschaft aneignen — nicht bloß in einem äußeren Sinne, sondern im echten Geiste —, ganz gewiß auch ihre eigenen Beichtväter werden können. Ganz gewiß werden sie durch die Geisteswissenschaft den Christus immer mehr und mehr so intim kennen lernen, so intim sich mit ihm verbunden fühlen, daß sie unmittelbar seine geistige Gegenwart empfinden. Und sie werden, indem sie sich neuerdings ihm angeloben als dem kosmischen Prinzip, ihm im Geiste die Beichte verrichten und in ihrer stillen Meditation die Sündenvergebung von ihm erlangen können. Solange aber die Menschen sich noch nicht in diesem tiefen geistigen Sinne mit der Geisteswissenschaft durchdrungen haben, muß mit Verständnis hingewiesen werden auf dasjenige, was gleichsam in einem äußeren Zeichen in den verschiedenen Religionen der Welt als Sündenvergebung herrscht. Geistig freier und freier werden ja die Menschen, und indem sie geistig freier und freier werden, wird auch ihr Verkehr mit dem Christus immer unmittelbarer und unmittelbarer werden.
[ 35 ] Those who truly embrace Spiritual Science—not merely in an external sense, but in the true spirit—will most certainly also be able to become their own spiritual guides. Certainly, through Spiritual Science, they will come to know Christ more and more intimately, to feel so intimately connected with him that they will directly sense his spiritual presence. And by renewing their vows to him as the cosmic principle, they will be able to make their confession to him in spirit and, in their quiet meditation, receive forgiveness of sins from him. However, as long as people have not yet imbued themselves with Spiritual Science in this deep spiritual sense, one must point out with understanding what prevails, as it were, as a sign of forgiveness of sins in the various religions of the world. People are indeed becoming more and more spiritually free, and as they become more and more spiritually free, their communion with Christ will also become ever more direct.
[ 37 ] Und Toleranz soll geübt werden!
[ 36 ] And tolerance must be practiced!
[ 38 ] Gleich wie derjenige, der dadurch, daß er den Geist des Mysteriums von Golgatha, den Christus, in seinem Innern so tief ergriffen zu haben glaubt, daß er unmittelbar, man möchte sagen, Zwiesprache mit diesem Christus pflegen kann, mit Verständnis hinblicken muß auf die, welche die positiven Satzungen eines Bekenntnisses brauchen, welche den Christus-Diener brauchen, der ihnen immer wieder und wiederum "Trost mit den Worten gibt: «Deine Sünden sind dir vergeben», so sollten auf der anderen Seite tolerant sein diejenigen, welche sehen, daß Menschen da sind, die schon mit sich selber fertig werden. — Das mag alles ein Ideal sein im Erdendasein, aber wenigstens der Anthroposoph darf zu einem solchen Ideal aufblicken.
[ 37 ] Just as one who, believing that he has been so deeply moved within by the spirit of the Mystery of Golgotha—Christ—that he feels he can one might say, can converse with this Christ, must look with understanding upon those who need the positive statutes of a creed, who need the servant of Christ who time and again gives them “comfort with the words: ‘Your sins are forgiven’”—so, on the other hand, those who see that there are people who can already cope with themselves should be tolerant. — All this may be an ideal in earthly existence, but at least the anthroposophist may look up to such an ideal.
[ 39 ] Meine lieben Freunde, ich habe Ihnen gesprochen von geistigen Geheimnissen, die sich enthüllen und die wohl den Menschen doch auch, wenn er schon vieles von Anthroposophie in sich aufgenommen hat, noch tiefer hineinblicken lassen in das ganze Wesen unseres Seins. Ich habe Ihnen gesprochen von jener Überwindung des Egoismus des Menschen, von jenen Dingen, deren Verständnis uns auch erst ein richtiges Karma-Verständnis gibt. Ich habe Ihnen gesprochen von dem Menschen, insofern er nicht nur ein Ich-Wesen ist, sondern dem ganzen Erdendasein angehört und dazu berufen ist, das göttliche Erdenziel mit zu fördern. Der Christus ist nicht etwa bloß dafür in die Welt gekommen und durch das Mysterium von Golgatha durchgegangen, damit er jedem einzelnen von uns etwas sein kann in unserem Egoismus. Furchtbar wäre es zu denken, daß der Christus etwa so aufgefaßt würde, daß das Paulinische Wort «Nicht ich, sondern der Christus in mir» nur einen höheren Egoismus fördern würde. Der Christus ist für die ganze Menschheit gestorben, für die Erdenmenschheit! Der Christus ist der zentrale Geist der Erde geworden, der alles Erdengeistige, das von Menschen ausfließt, für die Erde zu retten hat.
[ 38 ] My dear friends, I have spoken to you of spiritual mysteries that are being revealed and that allow human beings—even those who have already absorbed much of anthroposophy—to gain an even deeper insight into the very essence of our existence. I have spoken to you of the overcoming of human egoism, of those things whose understanding also gives us a true understanding of karma. I have spoken to you of the human being insofar as he is not merely an “I”-being, but belongs to the whole of earthly existence and is called upon to help promote the divine goal of the Earth. Christ did not come into the world and pass through the Mystery of Golgotha merely so that He might be something to each of us in our selfishness. It would be terrible to think that Christ might be understood in such a way that the Pauline saying “Not I, but Christ in me” would merely promote a higher form of selfishness. Christ died for all humanity, for the human race on Earth! Christ has become the central Spirit of the Earth, who must save for the Earth all that is spiritual on Earth and flows from human beings.
[ 40 ] Man kann heute Werke von Theologen lesen — und diejenigen, welche diese Werke gelesen haben, werden bestätigen können, was ich jetzt sage —, die etwa sagen: Ja, gewisse Theologen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts haben endlich ausgerottet den mittelalterlichen Volksglauben, daß der Christus in der Welt erschienen ist, um die Erde dem Teufel zu entreißen, um die Erde dem Luzifer zu entreißen. — Es gibt ja auch innerhalb der Theologie heute einen aufgeklärten Materialismus, der sich nur nicht frank und frei als solcher bekennen will und besonders aufgeklärt tut. Ja, so sagen sie, in diesem finsteren Mittelalter, da haben die Leute davon gesprochen, daß der Christus in der Welt erschienen ist, weil er die Erde dem Teufel hat entreißen sollen. — Die wahre Aufklärung führt uns zu diesem einfachen, schlichten Volksglauben zurück ! Denn von der Erde gehört Luzifer all dasjenige, was durch den Christus nicht befreit wird. Und alles Menschliche, was in uns mehr ist als das, was bloß beschlossen ist in unserem Ego, es wird geadelt, es wird fruchtbar gemacht für die ganze Menschheit, wenn es durchchristet ist. Und indem ich am Ende der Betrachtungen dieser Tage vor Ihnen stehe, meine lieben Freunde, möchte ich nicht unterlassen, zu jeder einzelnen Seele derer, die da vereinigt waren in diesen Tagen, auch diese Worte noch zu sprechen:
[ 39 ] Today one can read works by theologians—and those who have read these works will be able to confirm what I am about to say—who state, for example: Yes, certain theologians of the nineteenth and twentieth centuries have finally eradicated the medieval popular belief that Christ appeared in the world to wrest the earth from the devil, to wrest the earth from Lucifer. — For there is indeed an enlightened materialism within theology today that simply does not wish to openly and freely profess itself as such and instead acts particularly enlightened. Yes, they say, in that dark Middle Ages, people spoke of Christ appearing in the world because he was supposed to wrest the earth from the devil. — True enlightenment leads us back to this simple, unadorned popular belief! For of the earth, all that is not liberated by Christ belongs to Lucifer. And everything human within us that is more than what is merely contained within our ego is ennobled; it is made fruitful for all humanity when it is permeated by Christ. And as I stand before you at the end of these days’ reflections, my dear friends, I would not wish to omit addressing these words to every single soul of those who were gathered here during these days:
[ 41 ] Zukunftshoffnung und Vertrauen in die Zukunft unserer Sache, sie können wohnen in unseren Herzen, weil wir uns bemüht haben, von Anfang unserer Arbeit an, zu durchdringen dasjenige, was wir zu sagen haben, mit dem Willen des Christus. Und Hoffnung und Vertrauen gibt, daß gesagt werden darf: Schließlich ist unsere Lehre selbst dasjenige, was uns der Christus hat sagen wollen, erfüllend sein Wort: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeiten.» (Matthäus 28, 20) Wir haben nur horchen wollen auf dasjenige, was von Ihm kommt. Und das, was Er uns inspiriert hat nach seinem Versprechen, wir wollen es in unsere Seele aufnehmen als unsere Geisteswissenschaft. Nicht, weil wir von irgend etwas Christlich-Dogmatischem durchsetzt fühlen unsere Geisteswissenschaft, betrachten wir sie als christlich, sondern weil wir, in uns durchchristet, sie als eine Offenbarung des Christus in uns selbst betrachten. Deshalb bin ich auch überzeugt, daß das, was so als echte, wahre Geisteswissenschaft aufkeimt in den Seelen, die mit uns zusammen diese unsere durchchristete Geisteswissenschaft aufnehmen wollen, fruchtbar wird für die ganze Menschheit und für diejenigen wiederum, die diese Früchte empfangen sollen, insbesondere.
[ 40 ] Hope for the future and confidence in the future of our cause can dwell in our hearts because, from the very beginning of our work, we have strived to imbue what we have to say with the will of Christ. And there is hope and trust in the fact that we may say: Ultimately, our teaching itself is what Christ wanted us to say, fulfilling His word: “I am with you always, even to the end of the age.” (Matthew 28:20) We have sought only to listen to what comes from Him. And what He has inspired in us according to His promise, we wish to take into our souls as our Spiritual Science. Not because we feel our Spiritual Science permeated by anything Christian-dogmatic do we regard it as Christian, but because, having been permeated by Christ within us, we regard it as a revelation of Christ within ourselves. That is why I am also convinced that what thus sprouts as genuine, true Spiritual Science in the souls that wish to take in this Christ-permeated Spiritual Science of ours together with us will bear fruit for all of humanity and, in turn, especially for those who are to receive these fruits.
[ 42 ] Vieles von dem, was gut ist, geistig gut ist in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung, wenn man es hellsichtig betrachtet, zeigt sich so, daß es herrührt von denen, die mit uns unsere durchchristete Geisteswissenschaft aufgenommen haben, und die, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, das, was Früchte sind dieser durchchristeten Geisteswissenschaft, wiederum zu uns herunterschikken. Das lebt schon in uns, was uns herunterschicken aus den geistigen Welten diejenigen, die durchchristete Geisteswissenschaft aufgenommen haben. Denn sie behalten es nicht zu ihrer eigenen Vervollkommnung, in ihrer eigenen karmischen Strömung, sie können es einströmen lassen in Seelen, die es aufnehmen wollen. Trost und Hoffnung für unsere Geisteswissenschaft erblüht uns daraus, daß wir wissen: auch unsere sogenannten Toten arbeiten mit uns.
[ ] Much of what is good—spiritually good—in our Spiritual Science movement, when viewed clairvoyantly, reveals itself to originate from those who have embraced our Christ-imbued Spiritual Science alongside us, and who, having passed through the gate of death, send down to us once more the fruits of this Christ-imbued Spiritual Science. What those who have taken up Christ-imbued Spiritual Science send down to us from the spiritual worlds already lives within us. For they do not keep it for their own perfection, within their own karmic current; they can allow it to flow into souls that are willing to receive it. Comfort and hope for our Spiritual Science blossom from the knowledge that even our so-called dead are working with us.
[ 43 ] In einem gewissen Zusammenhang wurde schon vorgestern von solchen Dingen hier gesprochen. Aber heute, da ich am Schlusse dieser Betrachtungen stehe, meine lieben Freunde, darf ich, ich möchte sagen, persönlich, auch zu Ihren Seelen noch das eine Wort sagen:
[ 41 ] In a certain context, such matters were already discussed here the day before yesterday. But today, as I come to the end of these reflections, my dear friends, I would like—I might say—to speak personally to your souls as well:
[ 44 ] Indem ich gesprochen habe zu diesem Zweige unserer Gesellschaft hier in Norrköping, da konnte ich nicht anders als immer fühlen den guten Geist derjenigen, die ja so innig verknüpft war mit dem, was wir hier unseren Norrköpinger Zweig nennen. Wie ein guter Engel dieses Zweiges schaut der Geist Frau Danielsons auf all das, was dieser Zweig unternehmen will. Und es war im geschilderten Sinne auch christlicher Geist. Die Seelen, die ihn erkennen, werden sich niemals getrennt von ihm fühlen. Möge er als Schutzgeist weiter über diesem Zweige walten. Er wird es gerne wollen; er will es sicher gern, wenn die Seelen, die in diesem Zweige arbeiten, ihn aufnehmen.
[ 42 ] As I spoke to this branch of our society here in Norrköping, I could not help but constantly feel the good spirit of those who were so deeply connected to what we here call our Norrköping branch. Like a guardian angel of this branch, Mrs. Danielsson’s spirit watches over all that this branch intends to undertake. And in the sense described, it was also a Christian spirit. The souls who recognize it will never feel separated from it. May it continue to reign over this branch as a guardian spirit. It will gladly do so; it surely wants to, if the souls working in this branch welcome it.
[ 45 ] Mit diesen aus tiefstem Herzen heraus gesprochenen Worten, meine lieben Freunde, schließe ich diese Vorträge ab und hoffe, daß wir in den eingeschlagenen Geistesbahnen miteinander weiter arbeiten werden.
[ 43 ] With these words spoken from the bottom of my heart, my dear friends, I conclude these lectures and hope that we will continue to work together along the spiritual paths we have embarked upon.
