Occult Reading and Occult Hearing
GA 156
3 October 1914, Dornach
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Occult Reading and Occult Hearing, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Erwarten Sie nicht, daß ich in diesen vier Vorträgen geradezu einen Ersatz geben kann für dasjenige, was in München beabsichtigt war. Ich werde versuchen, einiges von dem Inhalte, den die Münchner Vorträge hätten haben sollen, hier zu skizzieren. Gerade das Wichtigste und Wesentlichste, das in München hätte gesagt werden sollen, muß aufgespart werden, bis wir wieder weniger sturmbewegte Zeiten haben. Ich kann zwar erstaunt sein darüber, daß da oder dort geglaubt werden konnte, daß die ernste Kraft, die anzuwenden ist, um gerade ein Wichtigstes auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft zu sagen — was ja in München hätte geschehen sollen —, auch aufgebracht werden könnte in solchen Zeiten, wie die sind, in denen wir jetzt leben. Nun, man wird schon auch einmal in der Menschheit die Zeit erleben, in der man einsehen wird, daß solches eben nicht möglich ist, daß gewissermaßen höchste Wahrheiten nicht in den Sturm hinein gesagt werden können.
[ 1 ] My dear friends! Do not expect me to be able to provide a true substitute in these four lectures for what was intended in Munich. I will try to outline here some of the content that the Munich lectures were supposed to have covered. Precisely the most important and essential points that should have been addressed in Munich must be saved for when we once again have less turbulent times. I can certainly be surprised that here and there it was believed that the serious strength required to speak about the most important matters in the field of Spiritual Science—which is, after all, what should have happened in Munich—could also be mustered in times such as those in which we now live. Well, humanity will eventually reach a time when it will realize that this is simply not possible, that, so to speak, the highest truths cannot be spoken into the storm.
[ 2 ] Über das, was mein Thema ausmacht, werde ich in künftigen Zeiten, wenn Karma es zuläßt, eben einmal einen Vortragszyklus halten, der den Münchner ersetzen soll. Aber da von einigen Seiten der Wunsch geäußert worden ist, doch etwas über dieses Thema zu hören, wollte ich diesem Wunsch, soweit es möglich ist, in diesen Tagen entgegenkommen.
[ 2 ] In the future, if karma permits, I will give a series of lectures on the subject of my topic, intended to replace the one in Munich. However, since some have expressed a desire to hear something on this topic, I wanted to accommodate that wish as much as possible over the next few days.
[ 3 ] Das, was Geisteswissenschaft als ein wirkliches echtes Gut enthält, ist im Grunde genommen durch okkultes Lesen und okkultes Hören gewonnen worden. Und man hört also etwas über die Methoden, durch welche der Geistesforscher zu seinen Ergebnissen kommt, wenn er über das Wesen des okkulten Lesens und des okkulten Hörens spricht. Über die Art und Weise, wie geisteswissenschaftliche Resultate gewonnen werden, herrscht wahrhaftig in unserer Zeit noch das Absurdeste an Meinungen, das man sich denken kann. Ich will einleitungsweise, bevor ich zu meinem wichtigen Gegenstand übergehe, auf eine Kleinigkeit hinweisen, eine Kleinigkeit im Verhältnis zu dem, was unsere Geistesströmung sein will. Irgendein Professor, ein Forscher der Gegenwart hat eine Rezension geschrieben über mein Buch «Theosophie». Diese Rezension ist schon vor einigen Jahren erschienen, und der Verfasser dieser Rezension ist offenbar am meisten geärgert gewesen durch das, was in diesem Buche steht über die Aura des Menschen, über Gedankenformen und dergleichen. Unter mancherlei, das ich jetzt nicht erwähnen will, findet sich in dieser Rezension auch eines, das ganz verständlich ist vom Gesichtspunkt eines Forschers, eines so echten Denkers der Gegenwart. Da wird gesagt: Wenn man glauben sollte, daß wirklich an diesen Dingen von der Aura und von den Gedankenformen etwas daran ist, so müßten einmal einige von denen, welche Auren und Gedankenformen sehen können, ein Experiment mit sich anstellen lassen. Es müßte das Experiment angestellt werden können, daß eine Anzahl von denjenigen, die behaupten wollen, so etwas zu sehen, gegenübergestellt werden einer Anzahl von Menschen, die gewisse Gedanken, Gefühle und Empfindungen in ihrem Innern haben; und dann solle man die Seher fragen: Was seht ihr an den Menschen, die da vor euch stehen oder sitzen? — Und wenn dann — so meint der Verfasser der Rezension — diese okkultistischen Seher das aussagen, wovon die Menschen, die beobachtet worden sind, später versichern, daß sie das wirklich gedacht und gefühlt haben, und wenn außerdem die Seher untereinander in ihren Angaben übereinstimmen, dann kann man ihnen glauben.
[ 3 ] What Spiritual Science contains as a genuine, authentic asset has, in essence, been gained through occult reading and occult hearing. And so, when the spiritual researcher speaks about the nature of occult reading and occult hearing, one learns something about the methods by which he arrives at his findings. Regarding the manner in which results of Spiritual Science are obtained, the most absurd opinions imaginable truly still prevail in our time. By way of introduction, before I turn to my main subject, I would like to point out a minor detail—a minor detail in relation to what our spiritual movement aspires to be. A certain professor, a contemporary researcher, has written a review of my book Theosophy. This review appeared several years ago, and the author of this review was evidently most annoyed by what is written in this book about the human aura, thought-forms, and the like. Among various points I do not wish to mention now, there is one in this review that is quite understandable from the perspective of a researcher, a true thinker of our time. It states: If one were to believe that there is indeed some truth to these matters of the aura and thought-forms, then some of those who claim to see auras and thought-forms would have to undergo an experiment. It should be possible to conduct an experiment in which a number of those who claim to see such things are placed opposite a number of people who have certain thoughts, feelings, and sensations within them; and then the seers should be asked: What do you see in the people standing or sitting before you? — And if then—so the author of the review argues—these occult seers state what the people who were observed later confirm they actually thought and felt, and if, moreover, the seers agree among themselves in their accounts, then one can believe them.
[ 4 ] Es gibt nichts Natürlicheres, nichts Selbstverständlicheres als diese Einwände. Man möchte sogar sagen, der die Naturwissenschaft der Gegenwart gewöhnte Denker muß ja diesen Einwand machen; denn es muß als das Allervernünftigste erscheinen, was er nur sagen kann. Aber eines gilt doch. Der betreffende Mann, der das gesagt hat, hat wohl doch, bevor er diese Rezension geschrieben hat, das Buch gelesen. Man muß es annehmen, nicht wahr? Da die Rezension den Eindruck der Ehrlichkeit macht, kann man es doch annehmen. Aber gelesen haben konnte er es nicht. Denn so selbstverständlich und natürlich es ist, daß der Einwand gemacht wird, solange man die in diesem Buch enthaltenen Wahrheiten nicht kennt, so selbstverständlich sollte es sein, daß man diese Einwände nicht mehr macht, wenn man das Buch mit Verständnis gelesen hat. Ich sage mit diesen Worten etwas für jeden normalen naturwissenschaftlichen Denker von heute Greuliches, selbstverständlich, weil es ihm ganz unverständlich sein muß, weil er es gar nicht verstehen kann. Unter den mancherlei Dingen, die in diesem Buche stehen, ist auch das Folgende: Da steht, daß vor allen Dingen der Seher, wenn er wirklich in die geistige Welt hineinschauen und die Wahrheit sehen will, genötigt ist, vorher eine solche Selbsterziehung zu üben, daß er gewissermaßen ganz selbstlos in die Dinge sich zu vertiefen vermag, daß} er die eigenen Wünsche, die eigenen Begierden zum Schweigen zu bringen vermag und so sich der geistigen Welt gegenüberstellt. Ja, meine lieben Freunde, wenn sich fünf oder sechs Leute zusammensetzen, um ein so nach naturwissenschaftlicher Methode geformtes Experiment zu machen, wie es da in der Rezension gefordert ist, so setzen sie sich mit dem Wunsche nieder, zu irgendeinem Resultate zu kommen, und zwar nach ganz bestimmten, von der Naturwissenschaft geforderten Methoden. Da wird alles so gemacht wie bei Wünschen und Begierden im gewöhnlichen Leben. Aber das ist ja gerade das, was man überwinden soll. Es ist ganz selbstverständlich, daß jede Wahrnehmung der geistigen Welt in dem Augenblick ausgelöscht würde, in dem man sich zu einem solchen Experiment zusammensetzt, wenn dieses Experiment ganz nach den gewöhnlichen Gedanken des physischen Planes gemacht wird. Diese Gedanken des physischen Planes mit all ihren Wünschen und Begierden müssen aber gerade überwunden werden.
[ 4 ] There is nothing more natural, nothing more obvious than these objections. One might even say that a thinker accustomed to modern science must raise this objection; for it must seem the most reasonable thing he could possibly say. But one thing is certain. The man in question who said this must surely have read the book before writing this review. One must assume so, mustn’t one? Since the review gives the impression of honesty, one can surely assume it. But he could not have read it. For just as it is self-evident and natural to raise the objection as long as one does not know the truths contained in this book, so it should be self-evident that one no longer raises these objections once one has read the book with understanding. With these words, I am saying something that is, of course, abhorrent to any normal scientific thinker of today—because it must be completely incomprehensible to him, since he cannot understand it at all. Among the various things contained in this book is the following: It states that, above all, the seer—if he truly wishes to look into the spiritual world and see the truth—is compelled to first engage in such self-discipline that he is able, so to speak, to immerse himself in things entirely selflessly, that he is able to silence his own desires and cravings, and thus face the spiritual world. Yes, my dear friends, when five or six people sit down to conduct an experiment structured according to scientific method, as called for in the review, they sit down with the desire to arrive at some result, and specifically according to very specific methods required by science. Everything is done there just as with desires and cravings in ordinary life. But that is precisely what one is supposed to overcome. It goes without saying that any perception of the spiritual world would be extinguished the moment one sits down to conduct such an experiment, if this experiment is carried out entirely according to the ordinary thoughts of the physical plane. Yet it is precisely these thoughts of the physical plane, with all their wishes and desires, that must be overcome.
[ 5 ] Man kann auf solche Einwände nur in positiver Weise antworten: Gewiß, ein solches Experiment könnte arrangiert werden, aber es dürfte nicht arrangiert werden nach den Methoden des physischen Planes, sondern es müßte arrangiert werden nach den Methoden der geistigen Welt. Das heißt, wie müßte es zustande kommen? Vor allen Dingen müßten die Absichten in der geistigen Welt liegen und nicht dem Kopfe eines neugierigen Professors entspringen. Aus der geistigen Welt heraus müßte die Absicht entspringen, daß Menschen, die Seher sind auf dem physischen Plan, etwas erfahren von den Gedanken und Empfindungen anderer Menschen, und es müßte von der geistigen Welt heraus aus dem Karma wirklich ein Häuflein von Menschen zusammengeführt werden, nicht durch Methoden eines Professors, sondern tatsächlich durch Schicksalsfügung. Und auf der anderen Seite müßten auch die Seher durch karmische Schicksalsfügung zusammengeführt werden. Dann wäre das Experiment von der geistigen Welt arrangiert, und es könnte von den Sehern das enthüllt werden, was in den einzelnen Menschen an Gefühlen und so weiter lebt. Dann würde es unweigerlich gelingen; es gelingt immer, wenn es so arrangiert ist.
[ 5 ] One can only respond to such objections in a positive way: Certainly, such an experiment could be arranged, but it should not be arranged according to the methods of the physical plane; rather, it would have to be arranged according to the methods of the spiritual world. That is to say, how would it have to come about? Above all, the intentions would have to originate in the spiritual world and not spring from the mind of a curious professor. The intention must arise from the spiritual world that people who are seers on the physical plane might experience the thoughts and feelings of other people, and a small group of people must truly be brought together from the spiritual world through karma—not by a professor’s methods, but actually by the workings of fate. And on the other hand, the seers themselves would also have to be brought together by karmic destiny. Then the experiment would be arranged by the spiritual world, and the seers could reveal what lives within each individual in terms of feelings and so on. Then it would inevitably succeed; it always succeeds when arranged in this way.
[ 6 ] Ich möchte sagen, wenn man wirklich mit Verständnis das Buch «Theosophie» verfolgt, so weiß man das, was ich jetzt gesagt habe, und man kennt es als Selbstverständlichkeit und Wahrheit der geistigen Welt, daß [ein solches Experiment] unserer Zeit nicht möglich ist. Dem muß man ja Rechnung tragen. Und so habe ich nun — weil ich aus der eben angeführten Rezension ersehen habe, daß man nicht in der Lage ist, das Buch wirklich so zu lesen, daß man einen solchen Gedanken selber findet — in der sechsten Auflage, deren Korrekturbogen ich vorliegen habe, das, was ich eben gesagt habe, noch wortwörtlich in einer Anmerkung dazugefügt. Zu den wesentlichsten Bedingungen eines Buches, das aus der Geisteswissenschaft herausgewachsen ist, gehört es, daß man nicht nur den Inhalt eines solchen Buches aufnimmt, das ist das allerwenigste. Es gehört dazu, daß man, wenn man dieses Buch in sich aufgenommen hat, in einer gewissen Weise die Art, wie man denkt und fühlt und empfindet, geändert hat; daß man vorwärtsgekommen ist gegenüber den Maßstäben und Urteilsarten, die man sonst in der gewöhnlichen Welt anwendet. Das ist die Schwierigkeit, die dem Verständnis geisteswissenschaftlicher Werke heute noch entgegensteht, daß die Menschen sie lesen wie andere Schriften und glauben, den Inhalt aufnehmen zu können wie bei andern Schriften; während es in der Tat so ist, daß etwas in einem verwandelt sein muß, wenn man ein okkultes Buch, ein echtes okkultes Buch wirklich durchverstanden hat.
[ 6 ] I would like to say that if one truly reads the book Theosophy with understanding, one knows what I have just said, and one recognizes it as a self-evident truth of the spiritual world that [such an experiment] is not possible in our time. One must, of course, take this into account. And so, since I saw from the review just mentioned that people are not in a position to read the book in such a way that they arrive at such a thought on their own, I have now—in the sixth edition, the proof sheets of which I have before me—added what I just said, word for word, in a footnote. One of the most essential conditions of a book that has grown out of Spiritual Science is that one does not merely absorb the content of such a book; that is the very least of it. It also requires that, once one has taken this book into oneself, one has in a certain way changed the way one thinks, feels, and perceives; that one has made progress beyond the standards and modes of judgment one otherwise applies in the ordinary world. This is the difficulty that still stands in the way of understanding works of Spiritual Science today: that people read them like other writings and believe they can absorb the content as they would with other writings; whereas in fact, something within one must be transformed if one has truly understood an occult book—a genuine occult book.
[ 7 ] Daher ist es ganz begreiflich, daß gerade echte okkulte Bücher von den meisten Menschen in unserer Zeit abgelehnt werden. Denn, was muß vorgehen in einem Menschen, der solch ein Buch in der Gegenwart liest? Nun, er geht an das Buch heran; er ist selbstverständlich sehr gescheit, das sind ja alle Menschen der Gegenwart. Er weiß, daß er den Inhalt des Buches beurteilen kann, daß es keinen besseren Richter über das Buch geben kann. Das weiß er von vorneherein. Nun soll er nach dem Lesen des Buches anders urteilen können? Das kann er selbstverständlich nicht. Er ist ja gescheit und hat die beste Art des Urteilens. Er gibt sich damit nicht ab, etwas zu ändern in bezug auf sein Urteilen. Also er wird nichts von den Tendenzen, den Intentionen des Buches erfühlen, selbstverständlich. Bestenfalles kommt er dann zu dem Urteil, daß er überhaupt nichts aus dem Buche gelernt hat, und daß alles bloß ein Spiel mit Worten und Begriffen ist. Das ist ganz selbstverständlich; so muß es sein, wenn man nicht den Grundnerv aller Geisteswissenschaft ins Auge faßt, der darin besteht, daß man in irgend etwas, wenn es auch noch so gering ist, zu anderer Art des Empfindens und Urteilens gegenüber der Welt kommt durch das Lesen eines echten geisteswissenschaftlichen Buches.
[ 7 ] It is therefore quite understandable that genuine occult books, in particular, are rejected by most people today. For what must be going on inside a person who reads such a book in the present day? Well, he approaches the book; he is, of course, very intelligent—as are all people today. He knows that he can judge the book’s content, that there can be no better judge of the book. He knows this from the outset. Now, is he supposed to be able to judge differently after reading the book? Of course he cannot. He is, after all, intelligent and possesses the best means of judgment. He does not bother to change anything regarding his judgment. So he will not sense anything of the book’s tendencies or intentions, naturally. At best, he will then come to the conclusion that he has learned nothing at all from the book, and that it is all merely a play on words and concepts. This is entirely natural; it must be so if one does not grasp the fundamental essence of all Spiritual Science, which consists in the fact that, through reading a genuine Spiritual Science book, one arrives at a different way of perceiving and judging the world in some respect, however small it may be.
[ 8 ] Nun gibt es eines, was man berücksichtigen muß, wenn man überhaupt irgendeine Idee verbinden will mit den Worten «Okkultes Lesen, okkultes Hören». Man muß gewissermaßen Abschied nehmen vorerst von alldem, was die gewöhnliche Denkungsart, das gewöhnliche Urteilen ist in bezug auf den physischen Plan. Das habe ich ja mehrfach betont: Selbstverständlich muß man ein vernünftiger Mensch bleiben, muß sich also, trotzdem man für die geistige Welt eine neue Form des Urteilens, Denkens und Empfindens sich aneignet, ein gesundes Urteil für die Ereignisse und Wesenheiten des physischen Planes beibehalten. Das ist ganz selbstverständlich, das habe ich schon oft betont. Aber etwas muß man sich aneignen, was für die höheren Welten notwendig ist, was für den physischen Plan nicht gilt. Ich will von einer Ihnen wohl noch geläufigen Sache ausgehen.
[ 8 ] Now there is one thing that must be taken into account if one wishes to associate any concept whatsoever with the words “occult reading, occult hearing.” One must, so to speak, set aside for the time being everything that constitutes ordinary thinking and ordinary judgment with regard to the physical plane. I have emphasized this many times: Of course, one must remain a reasonable person; thus, even while acquiring a new form of judgment, thinking, and feeling for the spiritual world, one must retain sound judgment regarding the events and beings of the physical plane. This is quite self-evident; I have already emphasized it often. But one must acquire something that is necessary for the higher worlds, something that does not apply to the physical plane. I would like to start with a matter that is probably still familiar to you.
[ 9 ] Auf dem physischen Plan sind wir gewohnt, durch unser Denken, Fühlen, Wollen in ein Verhältnis zu treten zu den Dingen und Wesenheiten des physischen Planes. Indem wir denken und vorstellen, verschaffen wir uns Begriffe und Vorstellungen von den Dingen und Wesenheiten des physischen Planes und den sich hier abspielenden Vorgängen. Gleichsam dasjenige, wovon wir die Meinung haben, daß es im Raume da ist und in der Zeit sich abspielt, das machen wir dadurch zu unserem geistigen Eigentum. Wir lernen durch unser Denken und Vorstellen von etwas zu wissen. Mit dem Fühlen ist es ebenso. Wir treten irgendeinem Dinge gegenüber, zum Beispiel einer Rose. Wir werden erfreut durch die Rose. Dadurch versetzen wir etwas aus der Außenwelt durch unser Gefühl in unsere eigene Seele. So machen wir etwas, was von außen, von der Rose ausgeht und auf uns wirkt, zu unserem inneren seelischen Eigentum. Beim Wollen ist es so, daß wir etwas, was in unserer Intention liegt, der Außenwelt einverleiben.
[ 9 ] On the physical plane, we are accustomed to entering into a relationship with the things and beings of the physical plane through our thinking, feeling, and willing. By thinking and imagining, we form concepts and mental images about the things and beings of the physical plane and the processes taking place there. In a sense, whatever we believe to be present in space and unfolding in time, we thereby make our own as spiritual property. Through our thinking and mental images, we learn to know something. It is the same with feeling. We encounter a certain thing, for example a rose. We are delighted by the rose. Through this, we transfer something from the external world into our own soul through our feeling. In this way, we make something that emanates from the outside—from the rose—and affects us into our inner spiritual possession. With willing, it is the case that we incorporate something that lies within our intention into the external world.
[ 10 ] Lauter Verhältnisse zwischen uns und der Außenwelt haben wir ins Auge zu fassen, wenn wir unser Verhalten auf dem physischen Plan betrachten. Alles, was wir da anwenden im Denken, Fühlen und Wollen, was wir da tun, indem wir für das gewöhnliche Physisch-Leibliche mit der Außenwelt in Beziehung treten, all das dient uns ganz und gar nicht — in der Form, wie es auf dem physischen Plan praktiziert wird —, um irgendwie etwas von der höheren Welt zu wissen. Sondern alles das, was uns zum Beispiel dient, um von der physischen Welt etwas zu wissen, was wir anwenden an Empfindungsarten, an Vorstellungsarten, um von der physischen Welt zu wissen, all das kann für die geisteswissenschaftliche Forschung nur zur Vorbereitung dienen.
[ 10 ] We must take into account all the relationships between ourselves and the external world when we consider our behavior on the physical plane. Everything we employ there in thinking, feeling, and willing—everything we do there by relating to the external world through our ordinary physical body—serves us not at all—in the form in which it is practiced on the physical plane—to know anything about the higher world. Rather, everything that serves us, for example, to know something of the physical world—the ways of sensation and the ways of imagination that we employ to know the physical world—all of this can serve only as preparation for Spiritual Science research.
[ 11 ] Also wohlgemerkt: in der physischen Welt dient uns das, was wir tun im Denken, Fühlen und Wollen dazu, direkt etwas zu wissen von der physischen Welt, oder etwas zu tun für die physische Welt; für die höheren Welten dient uns alles, was uns so direkt für die physische Welt dient, nur zur Vorbereitung. Was wir in bezug auf die physische Welt denken können, und wenn wir noch so scharfsinnig denken, gibt uns kein Wissen für die höheren Welten. Es wird nur gleichsam unsere Seele selbst durch das Denken so vorbereitet, so erzogen, daß sie sich allmählich fähig macht, in der richtigen Weise in die geistige Welt einzudringen. Was wir wollen und fühlen können für die physische Welt, ist bloß anwendbar zur Selbsterziehung der Seele, als Vorbereitung für das Eindringen der Seele in die geistigen Welten. Also ich möchte sagen, um mich deutlich auszudrücken: Ein gelehrter Forscher erfährt durch seine wissenschaftliche Methode etwas für die äußere Welt, und er ist gewöhnt, wenn er es erforscht hat, zu sagen: Ich weiß dieses und jenes von der äußeren Welt. — Diese Art des Forschens, des Denkens hilft ihm aber gar nichts, um in die geistige Welt hineinzukommen; sondern wie er da denkt und forscht, das hat nur eine Bedeutung als Übung der Seelenkräfte. Wie die Seele durch Denken und Forschen mehr befähigt wird, in sich zu leben, ihre Kraft in Betätigung zu bringen, nur das ist effektiv für das Eindringen in die höheren Welten. Nur als Kultur der eigenen Seele sind für den Geistesforscher die Tätigkeiten anwendbar, die man sonst in der physischen Welt normalerweise ausführt.
[ 11 ] So, to be clear: in the physical world, what we do in thinking, feeling, and willing serves to give us direct knowledge of the physical world or to accomplish something for the physical world; for the higher worlds, everything that serves us so directly in the physical world serves only as preparation. Whatever we can think regarding the physical world—no matter how keenly we think—gives us no knowledge of the higher worlds. It is only, as it were, that our soul itself is prepared and educated through thinking in such a way that it gradually makes itself capable of entering the spiritual world in the right manner. What we can will and feel regarding the physical world is merely applicable to the self-education of the soul, as preparation for the soul’s entry into the spiritual worlds. So I would like to say, to express myself clearly: A learned researcher discovers something about the external world through his scientific method, and he is accustomed, once he has investigated it, to say: I know this and that about the external world. — But this kind of research, this kind of thinking, does not help him at all to enter the spiritual world; rather, the way he thinks and researches there has significance only as an exercise of the soul’s powers. Only as the soul becomes more capable, through thinking and research, of living within itself and putting its power into action—only this is effective for penetrating the higher worlds. For the spiritual researcher, the activities normally carried out in the physical world are applicable only as a cultivation of one’s own soul.
[ 12 ] Ich will noch einen Vergleich wählen, um die Sache deutlicher zu machen. Nehmen wir an, jemand sei ein Zimmermann, er habe Zimmern gelernt und habe nun die Absicht, als Zimmermann dieses oder jenes Gerät zu machen. Durch diese Verrichtungen als Zimmermann macht er nun immerfort diese und jene Geräte, Jahre hindurch; das ist das Wesen der Aufgabe des Zimmermanns. Aber es werden nicht nur Geräte gemacht, die für den physischen Plan nützlich sind, es tritt noch etwas anderes als Beigabe ein: Er wird geschickter, seine Handhabung wird gelenkiger, er erwirbt sich etwas für seinen eigenen Organismus, indem er tüchtiger, gelenkiger wird. Das ist gleichsam ein Nebenerfolg. So ist es auch bei geistigen Tätigkeiten. Nehmen wir zum Beispiel einen Botaniker. Wenn ich mich als Botaniker betätige und wunderbare Anstrengungen auf dem Gebiete der Botanik Jahrzehnte hindurch mache, so ist das für den physischen Plan schön. Aber es ist noch ein Nebeneffekt dabei: ich werde gelenkiger im Denken; das Denken wird gleichsam «dressiert». Auf diese «Dressum — nehmen Sie den Ausdruck nicht im gewöhnlichen, trivialen Sinne des Wortes — muß der Geistesforscher eingehen. Er muß das, was man im gewöhnlichen Leben im Dienste des äußeren Wissens verwendet, dazu verwenden, seine Geisteskräfte gelenkiger, gefügiger zu machen. Denn wenn man diese Kräfte, anstatt sie zum Nutzen und Vorteil in der physischen Welt zu verwenden, in den Dienst der Selbsterziehung stellt, wie dies in der Meditation und in der Konzentration und in den Übungen, die man bekommt, geschieht, dann bereitet man sich vor, in die geistige Welt einzudringen. Und nehmen Sie dieses Wort, das ich sage: man bereitet sich vor — als etwas außerordentlich Wichtiges. Denn im Grunde genommen kann man überhaupt nichts anderes tun, als sich vorbereiten, um in die geistige Welt einzudringen; das übrige ist Sache der geistigen Welt, die muß uns dann entgegenkommen. Sie kommt uns aber nicht entgegen, wenn wir nur so sind, wie wir als Menschen auf dem physischen Plan gewöhnlich sind. Nur wenn wir in der geschilderten Weise unsere Seelenkräfte umgewandelt haben, können wir hoffen, daß uns die geistige Welt entgegenkommit. Es kann nicht so sein wie bei einer Forschung in der physischen Welt, wo man so ohne weiteres an die Dinge herangeht. Man kann sich nur vorbereiten, damit, wenn die Dinge der geistigen Welt an einen herantreten, sie uns dann nicht entgehen, sondern daß sie wirklich auf uns einen Eindruck machen. | |
[ 12 ] I will offer another analogy to make the point clearer. Let us suppose that someone is a carpenter; he has learned the trade and now intends, as a carpenter, to make this or that tool. Through these activities as a carpenter, he now constantly makes this or that tool, year after year; that is the essence of the carpenter’s task. But it is not only tools that are made which are useful for the physical plane; something else also occurs as a byproduct: he becomes more skilled, his dexterity increases, and he gains something for his own organism by becoming more capable and agile. This is, as it were, a side effect. The same is true of spiritual activities. Take, for example, a botanist. If I work as a botanist and make wonderful efforts in the field of botany for decades, that is fine for the physical plane. But there is also a side effect: I become more agile in my thinking; my thinking is, as it were, “trained.” The spiritual researcher must engage in this “training”—please do not take the term in its ordinary, trivial sense. He must use what is employed in ordinary life in the service of external knowledge to make his mental faculties more flexible and compliant. For when one puts these powers to the service of self-education—rather than using them for benefit and advantage in the physical world—as happens in meditation, concentration, and the exercises one is given, then one prepares oneself to penetrate the spiritual world. And take this word I am using—“one prepares oneself”—as something of extraordinary importance. For, fundamentally speaking, one can do nothing else but prepare oneself to enter the spiritual world; the rest is a matter for the spiritual world, which must then meet us halfway. But it will not meet us halfway if we remain just as we usually are as human beings on the physical plane. Only when we have transformed our soul forces in the manner described can we hope that the spiritual world will meet us halfway. It cannot be like research in the physical world, where one approaches things so readily. One can only prepare oneself so that, when the things of the spiritual world approach us, they do not slip away from us, but rather truly make an impression on us. | |
[ 13 ] Deshalb muß man sagen: Alles, was wir tun können für die Erforschung der geistigen Welt, ist, daß wir uns in würdiger Weise vorbereiten, damit dann, wenn Karma will, daß die geistige Welt uns entgegentrete, wir nicht blind und taub sind für diese geistige Welt. Denn wir können uns vorbereiten. Aber das Entgegentreten der geistigen Welt ist ein Akt der Gnade der geistigen Welt. So muß man es auffassen. Daher kann man auf die Frage: Wie gelingt es einem, in die geistige Welt einzudringen? — antworten: Man bereite sich vor durch alles, was unser Denken und Fühlen gefügiger, gelenkiger macht, was unser Denken gleichsam dressiert, was unser Fühlen, unser Empfinden feiner, hingebungsvoller macht. Und dann warten, warten, warten! Das ist das goldene Wort: in Seelenruhe warten können. Die geistige Welt läßt sich auf eine andere Weise nicht erobern, als indem man sich dafür würdig macht und dann in Seelenruhe die erwartungsvolle Stimmung entwickeln kann. Daraufkommt es an. Erwartungsvolle Stimmung, das ist das Wesentliche. Wir erwerben sie uns dadurch, daß wir uns in der geschilderten Weise und in meinen Büchern ist es vielfach dargestellt, wie das im einzelnen geschieht — bereit machen, die geistige Welt zu empfangen. Aber dann müssen wir uns auch aneignen jene absolute Ruhe der Seele, die einzig und allein möglich macht, daß die geistige Welt an uns herankommt.
[ 13 ] That is why we must say: All we can do to explore the spiritual world is to prepare ourselves in a worthy manner, so that when karma wills the spiritual world to reveal itself to us, we are not blind and deaf to that spiritual world. For we can prepare ourselves. But the spiritual world’s revealing itself to us is an act of grace on the part of the spiritual world. That is how one must understand it. Therefore, to the question: How does one succeed in penetrating the spiritual world? — one can answer: Prepare oneself through everything that makes our thinking and feeling more compliant, more flexible, that trains our thinking, as it were, that makes our feeling, our sensibility, more refined, more devoted. And then wait, wait, wait! That is the golden rule: to be able to wait with a calm soul. The spiritual world cannot be accessed in any other way than by making oneself worthy of it and then developing an expectant mood with a calm soul. That is what matters. An expectant mood—that is the essential thing. We acquire it by preparing ourselves to receive the spiritual world in the manner described—and in my books, I have often illustrated how this happens in detail. But then we must also cultivate that absolute peace of mind which alone makes it possible for the spiritual world to approach us.
[ 14 ] Ich habe einmal in Vorträgen das folgende Bild gebraucht: In der physischen Welt ist die Sache so, daß, wenn man irgendein Ding ins Auge fassen will, man zu diesem Ding hingeht. Wer Rom sehen will, muß nach Rom fahren. Das ist in der physischen Welt ganz natürlich, denn Rom kommt nicht zu ihm. In der geistigen Welt ist es gerade umgekehrt. In der geistigen Welt können wir nichts anderes machen, als uns vorbereiten durch die Methoden, die geschildert werden, um die geistige Welt würdig zu empfangen: Seelenruhe, Verharren auf unserem Standort — dann kommt es zu uns heran. Wir müssen es erwarten in Seelenruhe. Das ist das Bedeutsame der Sache. Wo ist nun das, was da an uns herankommt, wo ist es? Auch darüber habe ich schon oftmals gesprochen und will es nur einleitungsweise erwähnen, damit wir für die nächsten Tage eine gute Grundlage haben, auf der wir aufbauen können.
[ 14 ] I once used the following analogy in a lecture: In the physical world, if you want to look at something, you go to that thing. If you want to see Rome, you have to go to Rome. That is quite natural in the physical world, because Rome does not come to you. In the spiritual world, it is exactly the opposite. In the spiritual world, we can do nothing else but prepare ourselves through the methods described in order to receive the spiritual world worthily: peace of mind, remaining steadfast in our position—then it comes to us. We must await it with peace of mind. That is the significance of the matter. Where, then, is that which is approaching us—where is it? I have spoken of this many times before and wish only to mention it by way of introduction, so that we may have a solid foundation upon which to build in the coming days.
[ 15 ] Da Sie ja alle unsere anthroposophische Literatur kennen, möchte ich die Frage so stellen: Wo sind die Wesenheiten der elementarischen Welt, wo sind die Wesenheiten der geistigen Welt, wo sind die Wesenheiten der höheren Hierarchien? Sie sind da, wo wir sind. Sie sind überall um uns herum; nirgends anders sind sie, als hier, wo der Tisch, die Stühle sind, wo Sie selbst sind. Sie sind überall um uns herum, aber sie sind in bezug auf die Verhältnisse und Vorgänge der Dinge der Außenwelt so dünn und so flüchtig, daß man sagen kann, sie entgehen eben der Aufmerksamkeit der Menschen. Die Menschen gehen immerfort durch die geistige Welt hindurch und sehen sie nicht, weil sie notwendigerweise durch ihre Organisation, die noch unvorbereitet ist für die geistige Welt, eben unaufmerksam sind dafür. Und wenn sie Gelegenheit hätten, in die geistige Welt einzudringen, wie das zur Nacht im Schlafe der Fall ist, dann erweist sich das Bewußtsein als zu schwach, zu dumpf, um die geistigen Wesenheiten wahrzunehmen, die um uns herum sind. Der Mensch ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der geistigen Welt, in dieser feinen fluktuierenden Welt, aber er nimmt sie nicht wahr, weil sein Bewußtsein zu dumpf ist, um sie wahrzunehmen.
[ 15 ] Since you are all familiar with our anthroposophical literature, I would like to put the question this way: Where are the beings of the elemental world, where are the beings of the spiritual world, where are the beings of the higher hierarchies? They are where we are. They are all around us; they are nowhere else but here, where the table and chairs are, where you yourselves are. They are all around us, but in relation to the conditions and processes of the external world, they are so subtle and so fleeting that one can say they simply escape human attention. People are constantly passing through the spiritual world and do not see it because, due to their constitution—which is not yet prepared for the spiritual world—they are simply inattentive to it. And if they had the opportunity to enter the spiritual world, as is the case at night during sleep, then their consciousness proves too weak, too dull, to perceive the spiritual beings that are around us. From the moment of falling asleep until waking up, a person is in the spiritual world, in this subtle, fluctuating world, but they do not perceive it because their consciousness is too dull to perceive it.
[ 16 ] Was muß nun geschehen, damit der Mensch diese Welt, in der er eigentlich immer darinnen ist, wahrnehmen lernt? Ja, da müssen wir einige wichtige Punkte besprechen, um zu verstehen, was da geschehen soll. Da müssen wir vor allen Dingen etwas ins Auge fassen, das ich jetzt versucht habe, präziser auch für die Außenwelt darzustellen im Schlußkapitel des zweiten Bandes meines Buches «Die Rätsel der Philosophie». Ich will sehen, ob es Menschen verstehen können, die nicht in der anthroposophischen Strömung darinnenstehen.
[ 16 ] What must happen, then, for human beings to learn to perceive this world in which they are, in fact, always immersed? Yes, we must discuss a few important points in order to understand what is to take place. Above all, we must consider something that I have now attempted to present more precisely to the outside world in the concluding chapter of the second volume of my book The Riddles of Philosophy. I want to see if people who are not part of the anthroposophical movement can understand it.
[ 17 ] Wir müssen dabei die Frage ins Auge fassen: Wie kommt eigentlich die äußere Wahrnehmung zustande? Nun, nicht wahr, da denken die Menschen gewöhnlich — besonders Menschen, die sich sehr gescheit dünken —, daß die äußere Wahrnehmung dadurch zustande kommt, daß die Dinge draußen sind, der Mensch in seiner Haut steckt, daß die äußeren Dinge einen Eindruck auf ihn machen, und daß dadurch sein Gehirn ein Bild der äußeren Objekte und Formen in seinem Innern erzeugt. Nun, es ist ganz und gar nicht so, sondern es verhält sich ganz anders. In Wahrheit ist der Mensch gar nicht drinnen innerhalb seiner Haut [mit seinem Geistig-Seelischen]; das ist er gar nicht. Wenn der Mensch zum Beispiel dieses Rosen-Bukettchen sieht, so ist er mit seinem Ich und Astralleib in der Tat da drinnen in dem Bukettchen, und sein Organismus ist ein Spiegelungsapparat und spiegelt ihm die Dinge zurück. Sie sind in Wahrheit immer ausgebreitet über den Horizont, den Sie überschauen. Und im Wachbewußtsein stecken Sie eben mit einem wesentlichen Teil Ihres Ich und Astralleibes auch im physischen und ätherischen Leibe drinnen. Der Vorgang ist nun wirklich so — ich habe das oft in Vorträgen erwähnt —: Denken Sie sich, sie gingen in einem Zimmer herum, in dem eine Anzahl von Spiegeln an den Wänden angebracht wären. Sie können durch den Raum gehen. Wo Sie keinen Spiegel haben, sehen Sie sich selber nicht. Sobald Sie aber an einen Spiegel kommen, sehen Sie sich. Kommt eine Stelle ohne Spiegel, sehen Sie sich nicht, und wenn wieder ein Spiegel da ist, sehen Sie sich wieder. So ist es auch mit dem menschlichen Organismus. Er ist nicht der Erzeuger der Dinge, die wir in der Seele erleben, er ist nur der Spiegelungsapparat. Die Seele ist beisammen mit den Dingen da draußen, zum Beispiel hier mit diesem Rosen-Bukettchen. Daß die Seele das Bukettchen bewußt sieht, hängt davon ab, daß das Auge in Verbindung mit dem Gehirnapparat der Seele das zurückspiegelt, womit die Seele zusammenlebt. Und in der Nacht nimmt der Mensch nicht wahr, weil er, wenn er schläft, Ich und Astralleib aus seinem physischen und ätherischen Leib herauszieht, und diese dadurch aufhören, ein Spiegelungsapparat zu sein. Das Einschlafen ist so, als ob Sie einen Spiegel, den Sie vor sich hatten, wegnehmen. Solange Sie in den Spiegel hineinsehen können, haben Sie Ihr eigenes Antlitz vor sich; nehmen Sie den Spiegel weg, flugs ist nichts mehr da von Ihrem Antlitz.
[ 17 ] We must address the question: How does external perception actually come about? Well, isn’t it true that people usually think—especially those who consider themselves very clever—that external perception arises because things are out there, because the human being is in his own skin, because external things make an impression on him, and because this causes his brain to generate an image of the external objects and forms within him. Well, it is not at all like that; rather, it is quite different. In truth, the human being is not at all inside his own skin [with his spiritual-soul aspect]; that is not the case at all. When a person sees, for example, this little bouquet of roses, they are in fact right there inside the bouquet with their ego and astral body, and their organism acts as a mirroring apparatus, reflecting the things back to them. In truth, they are always spread out across the horizon that you survey. And in waking consciousness, you are also present with a significant part of your ego and astral body within the physical and etheric bodies. The process is really like this—I have often mentioned this in lectures—: Imagine you are walking around in a room where a number of mirrors are mounted on the walls. You can walk through the room. Where there is no mirror, you do not see yourself. But as soon as you come to a mirror, you see yourself. If you come to a spot without a mirror, you do not see yourself, and when there is a mirror again, you see yourself again. It is the same with the human organism. It is not the creator of the things we experience in the soul; it is merely the mirroring apparatus. The soul is present together with the things out there, for example, here with this little bouquet of roses. The fact that the soul consciously sees the bouquet depends on the eye, in conjunction with the soul’s brain apparatus, reflecting back what the soul lives with. And at night, a person does not perceive, because when they sleep, the ego and astral body withdraw from their physical and etheric bodies, and these thereby cease to be a mirroring apparatus. Falling asleep is like taking away a mirror that was in front of you. As long as you can look into the mirror, you have your own face before you; take the mirror away, and instantly there is nothing left of your face.
[ 18 ] So ist der Mensch in der Tat mit dem seelisch-geistigen Wesen in dem Teil der Welt, den er überschaut, und er sieht ihn dadurch bewußt, daß ihn sein Organismus spiegelt. Und in der Nacht wird dieser Spiegelungsapparat weggezogen, da sieht er nichts mehr. Der Teil der Welt, den wir sehen, der sind wir selbst.
[ 18 ] Thus, human beings are indeed connected to the spiritual-soul being in the part of the world they can perceive, and they perceive it consciously because their organism reflects it. And at night, this reflective apparatus is withdrawn, and they see nothing more. The part of the world that we see is ourselves.
[ 19 ] Das ist eines der schlimmsten Stücke der Maja, daß der Mensch glaubt, er stecke mit seinem Geistig-Seelischen in seiner Haut. Das tut er nicht. In Wirklichkeit steckt er in den Dingen, die er sieht. Wenn ich einem Menschen gegenüberstehe, so stecke ich in ihm drinnen mit meinem Ich und Astralleib. Würde ich nicht meinen Organismus ihm entgegenhalten, so würde ich ihn nicht sehen. Daß ich ihn sehe, daran ist mein Organismus schuld, aber mit meinem Ich und Astralleib stecke ich in ihm drinnen. Daß man das nicht so ansieht, das gehört eben zu den, ich möchte sagen, verhängnisvollsten Dingen der Maja.
[ 19 ] One of the worst tricks of maya is that human beings believe their spiritual and soul-life is contained within their skin. It is not. In reality, it is contained within the things they see. When I stand face to face with another person, my ego and astral body are contained within them. If I did not hold my physical body up to him, I would not see him. The fact that I see him is due to my physical body, but with my ego and astral body, I am inside him. The fact that people do not see it this way is precisely one of the, I would say, most fateful aspects of maya.
[ 20 ] So verschaffen wir uns eine Art Begriff, wie das Wahrnehmen und das Erleben auf dem physischen Plan ist. Betrachten wir nun die geistige Welt, von der ich gesagt habe, daß sie so flüchtig, so leicht fluktuierend und leicht beweglich ist gegenüber den Vorgängen und Dingen der physischen Welt. Da leben wir auch drinnen, aber wir erleben sie nicht so wie die groben Dinge der physischen Welt, weil sie zu fein sind. Wenn man dieses fluktuierende Feine erleben will, so kann das zunächst nur dadurch geschehen, daß man das, was unser gewöhnliches Ich ist, was der Träger unserer Individualität, unserer Egoität ist, herabstimmt, richtig herabstimmt. In einer richtigen Meditation tun wir das. Worin besteht diese Meditation? Wir nehmen uns irgendeinen Vorstellungsinhalt und überlassen uns ganz diesem Vorstellungsinhalt. Wir vergessen uns selber und leben in diesem Vorstellungsinhalt, indem wir die Egoität des gewöhnlichen Tagesbewußtseins unterdrücken. Wir schalten alles aus, was mit der Egoität des Tagesbewußtseins zusammenhängt. Und da wir als Erdenmenschen nur gewöhnt sind, für den physischen Plan die Egoität anzuwenden, haben wir zunächst [in der Meditation] überhaupt die Egoität unterdrückt. Statt daß wir [mit der Egoität] im physischen und Ätherleib leben, gelingt es uns allmählich, daß wir durch Unterdrücken der Egoität nur im Astralleib leben.
[ 20 ] This gives us some idea of what perception and experience are like on the physical plane. Let us now consider the spiritual world, which I have described as being so fleeting, so easily fluctuating, and so mobile in comparison to the processes and things of the physical world. We live there as well, but we do not experience it in the same way as the coarse things of the physical world, because they are too subtle. If one wishes to experience this fluctuating subtlety, this can initially only be achieved by attuning—properly attuning—what is our ordinary self, the bearer of our individuality, our ego. In proper meditation, we do this. What does this meditation consist of? We take some mental image and surrender ourselves completely to it. We forget ourselves and live within this mental image by suppressing the egoity of ordinary daily consciousness. We shut out everything connected with the egoity of daily consciousness. And since we, as earthly human beings, are only accustomed to applying egoity to the physical plane, we have initially [in meditation] suppressed egoity altogether. Instead of living [with egoity] in the physical and etheric bodies, we gradually succeed in living only in the astral body by suppressing egoity.
[ 21 ] Merken Sie wohl: das ist es, worauf es ankommt. Wenn wir meditieren, uns konzentrieren, haben wir immer zunächst das Ziel, das Bestreben, nicht in der Egoität zu leben — die darf dann nicht physische Erfahrungen vermitteln —, sondern wir haben das Bestreben, sie herunterzudrücken in den Astralleib. Wenn sie im Astralleib ist, spiegelt sie sich zunächst nicht im physischen Leib. Wenn Sie das Bukettchen sehen, sind Sie in Wahrheit in dem Bukettchen drinnen. Der physische Leib ist ein Spiegelapparat, und Sie sehen das Bukettchen, weil der physische Leib es Ihnen spiegelt. Wenn Sie das Ich mit der Egoität unterdrücken, dann werden Sie im Astralleib drinnen sein. Und der ist jetzt so fein, daß Sie die feinen fluktuierenden Dinge da draußen bewußt wahrnehmen können, aber dazu müssen sie nun auch erst gespiegelt werden, wenn Sie sie wirklich wahrnehmen sollen. Hier ist etwas, was Sie recht gut ins Auge fassen müssen. Es sind viele unter Ihnen, die sich treulich und wahrhaftig der Meditatiion hingeben. Dadurch erreichen Sie, daß die gewöhnliche Egoität unterdrückt wird, daß das Erleben im Astralleib eintritt. Aber es muß erst die Spiegelung dazukommen, damit Sie bewußt im Astralleib wahrnehmen. Unter Ihnen ist wahrhaftig eine ganze Schar, die durchaus durch die Meditation schon so weit ist, daß sie im Astralleib erlebt. Nun aber kommt es auf die Spiegelung an. Und geradeso wie man im gewöhnlichen Leben durch den physischen Leib das, was man erlebt, gespiegelt erhält, so muß man, wenn man in der geistigen Welt bewußt wahrnehmen will, durch den Ätherleib die Erlebnisse des astralischen Leibes zunächst gespiegelt erhalten.
[ 21 ] Take note: this is what matters. When we meditate and concentrate, our initial goal and aspiration is always not to live in the ego—which must not then mediate physical experiences—but rather to push it down into the astral body. When it is in the astral body, it is not initially reflected in the physical body. When you see the little bouquet, you are in truth inside the little bouquet. The physical body is a mirror, and you see the little bouquet because the physical body reflects it to you. When you suppress the “I” along with the ego, then you will be inside the astral body. And it is now so subtle that you can consciously perceive the subtle, fluctuating things out there, but for that to happen, they must first be reflected so that you can truly perceive them. Here is something you must take to heart. There are many among you who devote themselves faithfully and sincerely to meditation. Through this, you achieve the suppression of ordinary egoity, so that experience enters the astral body. But the reflection must first be added for you to perceive consciously in the astral body. Among you there is truly a whole host who, through meditation, have already reached the point where they experience in the astral body. But now it comes down to the reflection. And just as in ordinary life one receives a reflection of what one experiences through the physical body, so too, if one wishes to perceive consciously in the spiritual world, one must first receive a reflection of the experiences of the astral body through the etheric body.
[ 22 ] Aber was geschieht dann, wenn wirklich bei einem Menschen das eintritt, daß ihm seine Erlebnisse im Astralleib gespiegelt werden durch den Ätherleib? Da geschieht etwas, von dem man vor allen Dingen wissen muß, daß es ganz, ganz anders ist als das Sehen in der physischen Welt. Ich möchte sagen: so bequem, wie man es in der physischen Welt hat, hat man es in der geistigen Welt nicht. Ein Bukettchen, das hier vor mir steht, ist ein in sich abgeschlossener Gegenstand; ich kann meine Freude daran haben, ich kann es mit nach Hause nehmen, es dort in eine Vase stellen und so weiter. So ist es aber ganz und gar nicht mit dem, was man als astrale Erlebnisse, gespiegelt durch den Ätherleib vor sich hat. Da lebt und webt alles. Nichts von dem, was da ist, ist auch nur einen Augenblick ruhig. Aber so, wie es da unmittelbar gespiegelt auftritt, ist es gar nicht das, worauf es ankommt, wirklich nicht. Bei diesem Bukettchen kommt es auf das an, was es ist. Ich nehme das Bukettchen und habe es dann. Wenn ich etwas gespiegelt habe durch den Ätherleib, kann ich es nicht so einfach nehmen, wie es da ist und damit zufrieden sein. Verstehen Sie mich wohl, meine lieben Freunde, es ist gar nicht das, wonach es ausschaut.
[ 22 ] But what happens when a person actually experiences their astral-body experiences being reflected through the etheric body? What happens then is something about which one must first and foremost understand that it is very, very different from seeing in the physical world. I would like to say: life in the spiritual world is not as convenient as it is in the physical world. A small bouquet standing here before me is a self-contained object; I can take pleasure in it, I can take it home, put it in a vase there, and so on. But that is not at all the case with what one has before one as astral experiences, reflected through the etheric body. There, everything lives and weaves. Nothing of what is there is still for even a moment. But the way it appears there, immediately reflected, is not at all what matters—really not. With this little bouquet, what matters is what it is. I take the little bouquet and then I have it. When I have reflected something through the etheric body, I cannot simply take it as it is and be satisfied with that. Do you understand me, my dear friends? It is not at all what it appears to be.
[ 23 ] Auch für diese Tatsache habe ich einen Vergleich schon öfter gebraucht: Wenn hier etwas stünde, einige Striche (es werden die Buchstaben BA U an die Tafel geschrieben), so würde ich sagen, wenn ich nicht lesen könnte: Da sehe ich Striche, so und so und so, die zu einer eigentümlichen Figur zusammengefügt sind. — Ich kann das, was da so an der Tafel steht, nicht wie das Bukettchen mit nach Hause nehmen; da hätte ich nichts. Und selbst wenn ich das, was da an der Tafel steht — «B A U» — lesen kann, so habe ich doch noch nicht das, worauf es ankommt. Das, worauf es mir ankommt, ist der Bau da draußen. Den drücke ich aus durch diese Striche und Zeichen «B A U». Auch wenn ich die Zeichen lese, habe ich nicht das, worauf es ankommt. In diesen Zeichen lese ich es nur, ich habe nicht den Bau selber. Beim gewöhnlichen Lesen habe ich nicht das vor mir, worauf es ankommt, sondern ich habe nur das Zeichen dafür.
[ 23 ] I have often used a comparison to illustrate this point as well: If there were something written here—a few lines (the letters B, A, and U are written on the board)—I would say, if I couldn’t read: I see lines, like this and that and the other, which are put together to form a peculiar shape. — I can’t take what’s written on the board home with me like a little bouquet; I’d have nothing. And even if I can read what’s written on the board—“B A U”—I still don’t have what really matters. What matters to me is the building out there. I express that through these lines and symbols “B A U.” Even if I read the symbols, I don’t have what matters. In these symbols I only read it; I don’t have the building itself. In ordinary reading, I don’t have what matters in front of me, but I only have the symbol for it.
[ 24 ] So verstehe ich auch das, was ich zunächst bekomme, wenn ich im Astralleib erlebe und das gespiegelt bekomme im Ätherleibe, nur dann richtig, wenn ich es als ein Zeichen auffasse, und wenn ich lerne, daß das Zeichen für etwas anderes steht. Es genügt also nicht, wenn ich das, was von meinem Astralleib in meinem Ätherleib gespiegelt wird, anschaue, ebensowenig wie es auf die Striche ankommt, wenn hier «BAU» steht. Auf das, was diese Zeichen bedeuten, kommt es an. Ich muß erst lernen, sie zu lesen.
[ 24 ] I also understand that what I initially perceive when I experience something in my astral body and see it reflected in my etheric body is only truly understood when I interpret it as a sign, and when I learn that the sign stands for something else. It is therefore not enough to simply look at what is reflected from my astral body in my etheric body, just as it does not matter what the letters are if “BAU” is written here. What matters is what these signs mean. I must first learn to read them.
[ 25 ] Und ebenso muß ich zuerst lernen, das zu lesen, was ich wahrnehme in der geistigen Welt. Was in meinem Ätherleib gespiegelt wird, das sind erst die Zeichen für die Wahrheit. Das heißt, ich muß lernen, in der geistigen Welt zu lesen. Nur dadurch können wir etwas aus der geistigen Welt erfahren, daß wir das, was sie uns darbietet, zunächst als Buchstaben und Worte zu nehmen verstehen, die wir lesen lernen müssen. Das ist es. Und lernen wir das nicht, glauben wir, daß wir uns das okkulte Lesenlernen ersparen können, dann machen wir etwas geradeso Gescheites, wie wenn jemand ein Buch nimmt und sagt: Da gibt es Narren, die sagen, daß in diesem Buche etwas ausgedrückt sei; ich blättere in dem Buch von Seite zu Seite und sehe nur so hübsche Buchstaben darin. — Wer die Buchstaben nicht lesen kann, der nimmt nur das auf, was er sieht und kümmert sich nicht um das, was darin ausgedrückt ist.
[ 25 ] And likewise, I must first learn to read what I perceive in the spiritual world. What is reflected in my etheric body is the first sign of the truth. That is to say, I must learn to read in the spiritual world. Only in this way can we learn anything from the spiritual world: by first understanding what it presents to us as letters and words that we must learn to read. That is it. And if we do not learn this, if we believe we can spare ourselves the task of learning occult reading, then we are doing something just as foolish as if someone were to take a book and say: There are fools who say that something is expressed in this book; I leaf through the book from page to page and see only such pretty letters in it. — Whoever cannot read the letters takes in only what they see and pays no attention to what is expressed therein.
[ 26 ] Wenn man das, was ich eben gesagt habe, nicht berücksichtigt, so kommt man in ein ganz schiefes Verhältnis zur geistigen Welt. Darauf kommt es an, daß man das, was man wahrnimmt, deuten und lesen lernt. Wir werden in den nächsten Stunden schon sehen, wie dieses Deuten und Lesen gemeint ist.
[ 26 ] If one fails to take into account what I have just said, one ends up in a completely distorted relationship with the spiritual world. What matters is that one learns to interpret and read what one perceives. In the next few hours, we will see exactly what is meant by this interpreting and reading.
[ 27 ] Nun können wir also sagen, wir haben uns wenigstens einleitungsweise verständigt über den Vorbegriff: Was ist okkultes Lesen? Es kommt zustande, wenn der Mensch sich im Astralleib erlebt, wie er sonst im Ich erlebt in der physischen Welt, und wenn ihm nun nicht die Erlebnisse des Ich im physischen Leibe gespiegelt werden, sondern die Erlebnisse des Astralleibes im Ätherleibe.
[ 27 ] So now we can say that we have at least reached a preliminary understanding of the basic concept: What is occult reading? It occurs when a person experiences themselves in the astral body as they would otherwise experience themselves in the physical world through the ego, and when what is reflected to them is not the experiences of the ego in the physical body, but rather the experiences of the astral body in the etheric body.
[ 28 ] Nun aber müssen wir da noch etwas anderes bedenken: Wir sind ja nicht nur, wie ich auch heute gesagt habe, da draußen in den Dingen, wir stecken nicht nur mit Ich und Astralleib in den Dingen darin, sondern wir schicken im Wachzustande auch etwas vom Ich in den physischen Leib hinein. Wir ziehen es nur in der Nacht, im Schlaf, aus dem physischen Leib wieder heraus. Das heißt, wir müssen für das Wahrnehmen der physischen Welt imstande sein, mit dem Ich unterzutauchen in unseren physischen Leib. Für das Wahrnehmen der geistigen Welt, für das Lesen der geistigen Welt, da erfahren wir zunächst, daß wir in unserem Astralleib erleben können, und daß wir gespiegelt erhalten können die Dinge, die wir im Astralleibe erleben, im ätherischen Leib.
[ 28 ] But now we must consider something else: As I mentioned today, we are not merely out there in the world of things; we are not merely immersed in those things with our I and astral body, but while awake we also send a part of the I into the physical body. We only draw it back out of the physical body at night, during sleep. This means that in order to perceive the physical world, we must be able to immerse the I into our physical body. For perceiving the spiritual world, for reading the spiritual world, we first experience that we can perceive through our astral body, and that we can receive as a reflection in the etheric body the things we experience in the astral body.
[ 29 ] Nun müssen wir aber auch dazu aufsteigen, in den Ätherleib so untertauchen zu können, wie wir beim Aufwachen in den physischen Leib untertauchen. Merken Sie sich das Folgende wohl: Es ist notwendig, mit dem Astralleib unterzutauchen in den Ätherleib, wenn wir lesen lernen in der geistigen Welt. Wie wir beim Aufwachen in den physischen Leib untertauchen, so müssen wir, ohne in den physischen Leib unterzutauchen, in den Ätherleib untertauchen. Die Okkultisten nennen dieses Untertauchen in den Ätherleib mit Recht ein Hinabstürzen in den Abgrund. Notwendig ist, daß man sich bei diesem Absturz in den Abgrund nicht betäubt, daß man mit dem Bewußtsein hinabdringt, und daß man sich wiederfindet im Absturz. Denn dieses Untertauchen in den Ätherleib geht nicht so bequem vor sich, wie das Untertauchen in den physischen Leib beim Aufwachen. Es ist in der Tat etwas wie ein gewaltiger Sturz in den Abgrund. Denn man wird jetzt in drei Teile gespalten, wie ich es beschrieben habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» Man wird zersplittert, gespalten, aufgelöst in ein Dreifaches. Man kann nicht bewußt in seinen Ätherleib hinuntersteigen, ohne sich zu vervielfachen in der angegebenen Weise.
[ 29 ] Now, however, we must also rise to the point where we can immerse ourselves in the etheric body just as we immerse ourselves in the physical body upon waking. Take the following to heart: It is necessary to immerse ourselves in the etheric body with the astral body if we are to learn to read in the spiritual world. Just as we immerse ourselves in the physical body upon waking, so must we immerse ourselves in the etheric body without immersing ourselves in the physical body. Occultists rightly call this immersion into the etheric body a plunge into the abyss. It is essential that one does not numb oneself during this plunge into the abyss, that one descends with one’s consciousness, and that one finds oneself in the midst of the plunge. For this immersion into the etheric body does not proceed as comfortably as the immersion into the physical body upon waking. It is, in fact, something like a tremendous plunge into the abyss. For one is now split into three parts, as I have described in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? One is shattered, split, dissolved into a triad. One cannot consciously descend into one’s etheric body without multiplying oneself in the manner described.
[ 30 ] Wenn der Mensch schläft, so ist er mit Ich und Astralleib außerhalb des physischen und ätherischen Leibes, und sein Bewußtsein ist zu dumpf, um die geistige Welt wahrzunehmen. Wenn er nun untertaucht in den physischen Leib, spiegelt ihm dieser die physische Welt, so daß er sie wahrnimmt. Das ist auch eine Art Hinabstürzen in den Abgrund, nur ist es uns so bequem gemacht, daß wir es nicht als Erschütterung empfinden. Wenn wir aufsteigen durch unsere Übungen in den Zustand, in dem wir etwas wahrnehmen können in der geistigen Welt, lernen wir «lesen». Das ist zu vergleichen mit einem bewußt gewordenen Schlafzustand. Wir lernen aber auch kennen das Hinabstürzen in den Abgrund, das Zersplittertwerden in drei Teile, wenn wir untergetaucht sind in unseren Ätherleib. Wenn wir da mit unserem Bewußtsein hinuntertauchen, sind wir imstande, bewußt auch in die Dinge und Vorgänge der geistigen Welt unterzutauchen, die außer uns sind.
[ 30 ] When a person sleeps, their ego and astral body are outside the physical and etheric bodies, and their consciousness is too dull to perceive the spiritual world. When they then submerge into the physical body, the physical body reflects the physical world to them, so that they perceive it. This is also a kind of plunge into the abyss, only it has been made so comfortable for us that we do not perceive it as a shock. When, through our exercises, we ascend to the state in which we can perceive something in the spiritual world, we learn to “read.” This can be compared to a state of sleep that has become conscious. But we also come to know the plunge into the abyss, the shattering into three parts, when we have plunged into our etheric body. When we plunge down there with our consciousness, we are able to consciously plunge into the things and processes of the spiritual world that lie outside of us.
[ 31 ] So lange wir im Astralleib leben und die Dinge im Ätherleib gespiegelt erhalten, lernen wir lesen, wie wenn wir in einem Buche lesen. Sobald wir untergetaucht sind in den Ätherleib, zersplittern wir uns in drei Teile. Und die drei Teile können wir hinaussenden; sie wandeln dann bewußt in der geistigen Welt herum. Und die drei, die da herumwandeln, erfahren in diesem Herumwandeln dasjenige, was wir «okkultes Hören» nennen, Es beginnt das okkulte Hören, sobald wir bewußt hineingestürzt sind in unseren eigenen Ätherleib. Jetzt tauchen wir wirklich unter in die Dinge. Jetzt merken wir, daß dasjenige, was wir vorher gelernt haben zu lesen, von uns erlebt werden kann.
[ 31 ] As long as we live in the astral body and receive reflections of things in the etheric body, we learn to read, just as when we read a book. As soon as we have entered the etheric body, we split into three parts. And we can send these three parts out; they then walk around consciously in the spiritual world. And the three who walk around there experience, in this walking around, what we call “occult hearing.” Occult hearing begins as soon as we have consciously plunged into our own etheric body. Now we truly immerse ourselves in things. Now we realize that what we previously learned to read can be experienced by us.
[ 32 ] Also wiederholen wir es: Der Mensch wird durch seine okkulten Übungen in die Lage versetzt, seine Egoität so weit zu unterdrücken, daß er bewußt in seinem Astralleib leben lernt. Dann werden ihm nach und nach die Vorgänge und Wesenheiten der geistigen Welt vom Ätherleib gespiegelt. Wenn er diese gespiegelte Welt in der richtigen Weise, wie wir in den nächsten Stunden hören werden, zu deuten vermag, so hat er die Kunst des okkulten Lesens gelernt. Wenn er weiterkommt und nicht nur von «außerhalb» im Ätherleibe zu lesen vermag, sondern untertauchend gleichsam aufzuwachen im Ätherleib, dann schickt er die Drei, die aus ihm geworden sind, hinaus in die Welt und hört die Vorgänge in ihrem inneren Weben und Wesen. Dann hört er sie.
[ 32 ] So let us repeat: Through his occult exercises, a person is enabled to suppress his ego to such an extent that he learns to live consciously in his astral body. Then, little by little, the processes and beings of the spiritual world are reflected to him by the etheric body. If they are able to interpret this reflected world in the correct manner—as we shall hear in the coming hours—they have mastered the art of occult reading. If he progresses further and is able not only to read “from the outside” in the etheric body, but also to awaken, as it were, within the etheric body, then he sends the Three who have become part of him out into the world and hears the processes in their inner weaving and essence. Then he hears them.
[ 33 ] Dadurch gelangt man aber allmählich dahin, das okkulte Lesen und das okkulte Hören so zu haben, daß man damit etwas ganz Bestimmtes verbindet. Man gelangt dadurch aber auch wirklich in die Realität der Dinge hinein. Denn das, was auf dem physischen Plan vor sich geht, ist nicht die Realität, wirklich nicht. Eine einfache Überlegung kann uns an allen Ecken und Enden der Welt zeigen, wie dasjenige, was wir in unserem Umkreis erleben, nicht die Realität ist; wie wir alles im Grunde genommen falsch deuten.
[ 33 ] This gradually leads one to experience occult reading and occult hearing in such a way that one associates them with something very specific. But it also truly brings one into the reality of things. For what takes place on the physical plane is not reality—truly not. A simple reflection can show us, in every corner of the world, how what we experience in our surroundings is not reality; how, in essence, we misinterpret everything.
[ 34 ] Einmal sagte mir jemand an den Ufern des Rheines: Das ist der alte Rhein. — Das ist gewiß ein sehr schöner, tief empfundener Ausspruch. Aber was ist denn eigentlich alt an dem Rhein? Das Wasser, das man fließen sieht? Gewiß nicht; es fließt fortwährend und ist im nächsten Augenblick schon nicht mehr da. Das Alte könnte höchstens das Loch sein, das durch das Wasser in der Erde ausgewühlt ist. Das meint man aber auch nicht, wenn man sagt «der alte Rhein». Was also ist es eigentlich, was man mit dem Wort «alter Rhein» bezeichnet? Man sagt ja auch nicht vom Meer, es sei ein «altes Meer», und im Meer sind auch Löcher, die vom Wasser ausgewühlt sind, und im Meer sind auch Strömungen. Wenn im Meer der Golfstrom dahinfließt, so ist da jeden Augenblick nicht nur das Wasser ein anderes, sondern auch die Löcher sind anders.
[ 34 ] Once, someone said to me on the banks of the Rhine: “That is the Old Rhine.” — That is certainly a very beautiful, deeply felt remark. But what exactly is old about the Rhine? The water that one sees flowing? Certainly not; it flows ceaselessly and is gone in the very next moment. The “old” could at most be the channel carved out of the earth by the water. But that is not what is meant when one says “the Old Rhine.” So what, then, is it that the phrase “Old Rhine” actually refers to? After all, one does not say of the sea that it is an “old sea,” and yet there are also channels in the sea carved out by the water, and there are also currents in the sea. When the Gulf Stream flows through the sea, not only is the water different at every moment, but the channels are different as well.
[ 35 ] Was ist denn überhaupt bleibend im Physischen? Nichts, gar nichts. So ist es mit der ganzen physischen Welt. Ihr eigener Organismus ist fortwährend im Fluß; was Sie heute in sich haben als Fleisch und Blut, das hatten Sie vor acht Jahren noch nicht. Nichts Reales ist bleibend im Physischen, alles ist fließend, und das, wofür wir das Wort gebrauchen, haben wir gar nicht richtig im Auge.
[ 35 ] What, after all, is permanent in the physical realm? Nothing, absolutely nothing. This is true of the entire physical world. Your own organism is in a constant state of flux; what you have within you today as flesh and blood, you did not have eight years ago. Nothing real is permanent in the physical realm; everything is in flux, and we do not even have a clear grasp of what we mean by the word.
[ 36 ] Es hat nur einen Sinn, vom «alten Rhein» zu sprechen, wenn wir das Bleibende, das sind die Elementarwesen, die wirklich in dem Rhein leben, wenn wir den alten Flußgott «Rhein», das heißt ein geistiges Wesen, meinen. Nur dann haben wir überhaupt etwas Sinnvolles gemeint. Wir müssen mit dem Wort vom «alten Rhein» etwas Geistiges meinen, oder wir reden gedankenlos. So sehr, meine lieben Freunde, ist es wahr, daß wir nur in die wirklichen Realitäten hineinkommen, wenn wir uns an die geistigen Welten halten. Nur dann kommen wir in die wirklichen Realitäten hinein. Daß und wie wir da hineinkommen, werden wir sehen, wenn wir das okkulte Lesen und Hören dann morgen und übermorgen in den Einzelheiten, soweit es geht, besprechen werden.
[ 36 ] It only makes sense to speak of the “Old Rhine” if we are referring to that which endures—namely, the elemental beings that truly live in the Rhine—if we mean the ancient river god “Rhine,” that is, a spiritual being. Only then have we meant anything meaningful at all. We must mean something spiritual by the term “Old Rhine,” or we are speaking thoughtlessly. So true it is, my dear friends, that we enter into the true realities only when we hold fast to the spiritual worlds. Only then do we enter into the true realities. That we do so, and how we do so, we shall see when we discuss occult reading and listening in detail tomorrow and the day after, as far as possible.
