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Occult Reading and Occult Hearing
GA 156

5 October 1914, Dornach

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Dritter Vortrag

3. Inner Experiences and ‘Moods’ of Soul as the Vowels and Consonants of the Spiritual World

[ 1 ] Aus den Auseinandersetzungen, die wir gestern und vorgestern gepflogen haben, werden Sie ersehen haben, daß okkultes Lesen und okkultes Hören in Erlebnissen der menschlichen Seele bestehen. Ich habe verschiedene Vergleiche gebraucht, um darzulegen, wie man eins werden muß erstlich schon mit den Zeichen, die sich in der Imagination dem Seher darbieten, und dann selbstverständlich des weiteren mit dem, was diese Zeichen von geistigen, von spirituellen Realitäten bedeuten.

[ 1 ] From what was said yesterday and the day before, you will have realised that occult reading and occult hearing consist in experiences of the soul. I used various comparisons to show how man must become one, firstly with the signs which reveal themselves to the seer in Imagination, and then, needless to say, with what these signs signify of spiritual realities.

[ 2 ] Ich möchte Ihnen nun zunächst eine genauere Vorstellung geben soweit das bei der Kürze, die durch die wenigen Vorträge, die gehalten werden können, möglich ist, und wenn das auch wegen der Kürze der Zeit nur eine annähernde Vorstellung sein kann — von all dem, was notwendig ist, um vom ungeordneten Hellsehen aufzusteigen zu geregeltem wirklichem Hellsehen, das man eben okkultes Lesen, okkultes Hören nennen kann. Das erste, was ich auseinandersetzen möchte, könnte man nennen den Vokalismus der geistigen Welt. Die Art, wie man gewissermaßen — es ist natürlich doch im Grunde vergleichsweise ausgedrückt — die Vokale der geistigen Welt hören und lesen lernt, das ist natürlich ein viel innerlicherer Prozeß, als alle Prozesse des gewöhnlichen Lebens sind, und wir werden durch mancherlei Umschreibungen uns nur nähern können demjenigen, was man Erleben der Vokale, der Selbstlaute des Kosmos nennen könnte. Aus dem, was ich gestern angedeutet habe, werden Sie auch ersehen haben, daß man von sieben solchen Vokalen sprechen kann; denn wir können sie symbolisch parallelisieren mit dem planetarischen System.

[ 2 ] I should like to begin to-day by giving you a more precise idea—as far as is possible in the few lectures that can be given, and even although it can only be an approximately precise idea—of what is necessary in order to advance from disordered clairvoyance to the genuine clairvoyance that may be called occult reading and occult hearing. The first thing of which I will speak may be called the ‘vowels’ of the spiritual world. The way in which man learns to hear and read the ‘vowels’ of the spiritual world is, of course, a far, far more deeply inward process than any process of ordinary life. Many roundabout descriptions are necessary before we can even begin to approach what may be called the experiencing of the vowels, of the intrinsic sounds of the Cosmos. From what I indicated yesterday you will have realised that we can speak of seven such vowels—a symbolic parallelism with the planetary system.

[ 3 ] Nun gehen wir noch einmal zurück auf das, was ich gestern beispielsweise erwähnt habe: das Aufsuchen eines Toten. Davon bin ich ja ausgegangen. Ich versuchte bei dieser Gelegenheit namentlich die Art der Erlebnisse zu erörtern, durch die man allmählich hineinwächst in das Erfahren der geistigen Welt. Wir haben gehört, daß man zunächst durch die verschiedenen Vorbereitungen, die der Seher durchzumachen hat, dazu kommt, eine Bilderreihe zu schauen. Dieser Bilderreihe steht man im Grunde genommen eigentlich so gegenüber wie den Dingen der Außenwelt. Man steht auch einem Traumbild so gegenüber wie den Dingen der Außenwelt. Erst nach und nach gelangt man dazu, wie wir gesehen haben, sich zu identifizieren mit den Bildern, sie gleichsam aufzuzehren, eins zu werden mit diesen Bildern, ganz darin zu leben in diesen Bildern.

[ 3 ] Let us go back once again to the example I gave yesterday: the search for someone who is dead. I took that as a starting-point and tried to describe the kind of experiences through which we gradually grow into the knowledge of the spiritual world. We heard that through the different forms of preparation which the seer has to undergo, he sees, first of all, a series of pictures, and he faces them just as he faces the things of the external world. We face a dream picture, too, just as we face the things of the external world. Only gradually do we learn to identify ourselves with the pictures, to consume them, as it were, to become one with these pictures, to live entirely in them.

[ 4 ] Nun aber muß man genau ins Auge fassen, wenn man wirklich den geistigen Realitäten gegenübersteht — das heißt, wenn diese Bilder zuletzt dazu führen, sagen wir, den Toten zu finden oder irgendein anderes Geschehnis oder Wesen der geistigen Welt, wie das gestern erörtert worden ist —, daß das Zeichen sind von spirituellen Realitäten. Dann sind sie als Bilder eben selber Realitäten, die selber eine spirituelle Wirklichkeit ausdrücken. Und die Bilder sind eine Wirklichkeit, denn sie sind da, diese Bilder.

[ 4 ] But it must be clearly borne in mind that when these pictures finally lead us to find the dead or some other event or being in the spiritual world, they are signs of spiritual realities. As pictures they are realities in themselves; they express spiritual realities. They are there, these pictures. And now the question must arise: Are these pictures only there when the seer has prepared himself in the right way and is actually able to behold them?

[ 5 ] Die Frage muß nun entstehen: Sind denn diese Bilder nur dann da, wenn der Seher sich entsprechend vorbereitet und es dazu bringt, diese Bilder zu schauen? Sie sind nicht nur dann da, diese Bilder, und das ist sehr wichtig, daß man das ins Auge faßt. Nehmen Sie an, Sie stünden oder säßen irgendwo, Sie wären genügend vorbereitet, irgend etwas zu schauen, und eine Bilderreihe träte so fluktuierend, ablaufend vor Ihre Seele. Wenn nun, statt daß ein Seher sich in dieser Lage befindet, ein anderer Mensch dazu kommt, diese Bilderreihe zu schauen, der gar nichts von Sehergabe hat und nur die gewöhnlichen Bilder von der physischen Welt in seiner Umgebung sieht sind dann diese Bilder nicht da? Sie sind immer da, sie sind richtig immer da.

[ 5 ] These pictures are not only there under such conditions. And it is very important to keep this in mind. Let us assume that you are sitting or standing somewhere and are sufficiently prepared to be able to see something. A series of fluctuating pictures appears before you. Now suppose that, instead of a seer there is an ordinary person who has no gift of clairvoyance and sees nothing of such pictures but only the pictures of the physical world. Are the pictures not there at all?—They are always there.

[ 6 ] Anders gesprochen, wie ich es vorgestern auseinandergesetzt habe: Wir sind in Wirklichkeit in diesem Bukettchen drinnen; daß wir es wahrnehmen, beruht auf der Spiegelung durch unseren eigenen Organismus. In dem Augenblick, wo der Seher, ausgehend von seiner Vorbereitung, dazu kommt, ein entsprechendes Geistiges imaginativ vor seiner Seele zu haben, da ist er auch darinnen. Durch die spätere Prozedur, sich damit zu identifizieren, vollführt er nur einen Bewußtseinsprozeß; in Wahrheit ist er drinnen. Aber nicht nur der Seher ist darinnen, sondern auch jeder andere Mensch. Wenn man mit den gewöhnlichen physischen Augen und dem physischen Vorstellen einem Gegenstand gegenübersteht, ist man nicht nur in dem physischen Gegenstand darin — der ja, wie wir gesehen haben, überhaupt nur eine Täuschung ist —, sondern man ist auch in dem geistigen Wesen drin. Man ist immer auch in den geistigen Wesen, die nicht physisch verkörpert sind, drinnen. Also in den Bildern, von denen der Seher ein Stück schaut, steckt der Mensch immer darin. Sie sind immerzu in der Umgebung da, der Mensch steckt immer darin. Sie bleiben unwahrnehmbar, unsichtbar aus dem Grunde — könnte man abstrakt sagen —, weil das menschliche Wahrnehmungsvermösgen zu dumpf und zu grob ist, um diese feinen, webenden Wesenheiten und Gebilde mit seinen gewöhnlichen groben Sinnen wahrzunehmen.

[ 6 ] Let me put it as I did the day before yesterday. In reality, we are within the bunch of flowers in front of us; our perception of it depends upon its being reflected through our own organism. The moment the trained seer has a spiritual Imagination, he too is within it. In the subsequent procedure—of identifying himself with the pictures—he is simply enacting a process of consciousness; actually, he is within the pictures. Nor does this apply only to a seer; even when a man confronts an object with ordinary physical eyes and ordinary mental activity, not only is he within the physical object—which, as we have seen, is in itself merely an illusion—but he is within the Spiritual. He is always within the spiritual Beings who are not physically incarnate. He is really all the time within those spiritual pictures of which the clairvoyant sees a part. They are always in the environment and we are always within them. They remain imperceptible, invisible, because man's faculty of perception is too dull, too coarse to perceive these delicately weaving beings and formations with the ordinary senses.

[ 7 ] Das ist abstrakt gesprochen. Wir könnten aber noch ein anderes Warum aufwerfen: Warum ist es überhaupt so in der Welt, daß wir das, was geistig in der Welt herumflutet, in dem wir doch darinnen sind, nicht wahrnehmen? Warum ist es eigentlich so? Warum das so ist, das erfährt man erst, wenn man anfängt, sich zu identifizieren mit den Imaginationen, wenn man den Prozeß wirklich ausführt, den ich gestern besprochen habe. Dann erfährt man, warum der Mensch nicht bewußt darin sein kann in der geistigen Welt, die doch rings um ihn herum ist. Wie erfährt man es?

[ 7 ] But this is speaking in the abstract. We could also ask: All that weaves spiritually around the world—in which we ourselves are—why is it that we do not become aware of it? Why is this? We begin for the first time to understand why this is so when we have identified ourselves with Imagination, when we actually carry out the process I described yesterday. We really understand, then, why the human being cannot be conscious in the spiritual world that is round about him. What is this experience?

[ 8 ] Noch einmal sei es gesagt: Eine Bilderreihe steht vor der Seele. Man versucht, sich zu identifizieren mit ihr, man verdaut sie gleichsam, man vereinigt sich mit der Bilderreihe, man ist in ihr nunmehr. Das weiß man jetzt. Nun kann man sich aber auch in diesem Augenblick die Frage beantworten, warum man denn nun eigentlich aus seinem Leibe draußen bleiben muß, warum man sozusagen hinausgehen muß aus seinem Leibe, draußen sich identifizieren muß mit der Bilderreihe, wenn man sie wahrnehmen will, und sie nur, wie wir gesehen haben, zurückgespiegelt erhalten kann vom eigenen Ätherleib. Man erfährt, warum das notwendig ist, warum das so eingerichtet ist in der Welt, wenn man es erlebt.

[ 8 ] Let us repeat once again.—A series of pictures is arrayed before the soul; we try to identify ourselves with these pictures. We know, then, through the experiences of our own soul, that we consume these pictures, as it were; we are united with these pictures. We now know that this is so. But at this moment, too, we can answer the question as to why we have to be outside the body, why we have to go out of the body and identify ourselves with the pictures if we are to perceive them. They can only be reflected back from our own etheric body. When this has become an actual experience, we know why it is necessary.

[ 9 ] Durch das, was man nun mit diesen Bildern erlebt, wenn man sich mit ihnen identifiziert hat, weiß man unmittelbar dieses: Würde man jetzt identisch, identifiziert mit der Bilderreihe, zurückgehen in den physischen Leib, würde man nicht draußen bleiben und warten, bis der Ätherleib das Wesen der Bilder spiegelt, würde man alles das, womit man eins geworden ist, in seinen physischen Leib hineintragen, also in den Raum, der von der Haut umschlossen ist, so würde man sofort den physischen Leib bis zur Todesreife zerstören. Es würde sofort der Keim des Todes im physischen Leibe sein. Es ist nicht möglich, dasjenige, womit man sich da identifiziert hat, hineinzutragen in den physischen Leib. Der Mensch kann sich nur damit identifizieren, wenn der Tod wirklich eintritt. Wenn der Tod im Erdendasein wirklich eintritt, dann ist die Seele so weit, daß sie sich identifizieren kann mit dem, was draußen als Imagination lebt im natürlichen Verlauf des Lebens. Dann tritt aber eben auch der Tod ein.

[ 9 ] Through our experiences in connection with these pictures with which we have identified ourselves, we know the following.—If, having completely identified ourselves with the pictures, we were to pass back again into the physical body, if we did not remain outside the body and wait until the etheric body reflected the pictures back, then we should take back into the physical body everything with which we had become one—we should take it back into the space that is enclosed by the skin, and we should immediately destroy the physical body to the point of death. The germ of death would be in the physical body. We may not carry into the physical body that with which we have identified ourselves. This can happen only when death comes in reality. When death does really come in earthly existence, the soul has reached the point where it can identify itself with what lives in the external world as Imagination in the natural course of life. But that is death.

[ 10 ] Also Sie sehen, man kann in tiefstem Ernst dasjenige nehmen, was wie ein Motto gewaltiger Art durch alle okkulten Betrachtungen hindurchgeht. Das ist der Ausspruch, den alle Okkultisten getan haben, die wirklich im echten, wahren Sinne des Wortes Okkultisten geworden sind: Man gelangt in dem Augenblick, wo man zum wirklichen Hellsehen kommt, zu einem Erlebnis, durch das man dem Tod gegenübersteht. Man gelangt an die Pforte des Todes. — Ich habe das oftmals von andern Seiten her betont: man lernt erkennen, wie es mit dem Menschen steht, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet. Man kann nicht zum Hellsehen kommen, ohne diesen ernsten, gewaltigen Augenblick durchzumachen, der von den Okkultisten als das Stehen an der Pforte des Todes bezeichnet wird.

[ 10 ] So you see, my dear friends, we may take in deep, deep earnestness the great motto which runs through all occult studies. It is the utterance made by all those who have become occultists in the true sense of the world.—The moment genuine clairvoyance is attained, the experience is that of facing death. We reach the Gate of Death. I have often emphasised this from another side. We learn to know how it is with a human being when he passes through the Gate of Death. Clairvoyance cannot be attained without passing through this most solemn moment which is described by occultists as ‘Standing before the Gate of Death.’

[ 11 ] Aber man lernt noch etwas anderes. Ich habe in einem Münchner Vortragszyklus schon einmal darauf hingedeutet, aber von einer andern Seite. Man lernt nämlich nunmehr in tiefstem Ernst eine Frage aufwerfen, die eine Lebensfrage der Geisteswissenschaft ist. Man lernt die Frage aufwerfen: Ja, wie steht es denn eigentlich mit uns Menschen, da wir doch im Grunde immerfort leben im fluktuierenden Gewebe geistiger Wesenheiten, das wir nicht in unseren physischen Leib hineintragen können, ohne den Todeskeim hineinzutragen? Draußen sind wir immer umgeben von Imaginationen, wir sind gleichsam in einer Sphäre von Imaginationen drinnen; die dürfen aber nicht in uns herein. Was kommt denn von diesen Imaginationen in uns herein? Schattenbilder, Reflexionen, Spiegelbilder, als unsere Gedanken, als unsere Vorstellungen. Da draußen sind die vollsaftigen realen Imaginationen. Sie spiegeln sich in uns, wir erleben sie in der abgeschwächten, schattenhaften Form unserer Gedanken und Vorstellungen. Würden wir sie in ihrer Vollsaftigkeit hereintragen in uns, würden wir sie nicht bloß zur Spiegelung bringen, so würden wir in jedem Augenblick vor der Gefahr des Todes stehen.

[ 11 ] But we must learn something else as well. I have spoken of this from another angle in a lecture-course given at Munich. [The title of the lecture-course was: On Initiation, Eternity and the Passing Moment. We learn in deepest earnestness to put a question that is a vital question of Spiritual Science. We ask: What is the truth of our existence as human beings, living as we do within the fluctuating web of spiritual Beings which we dare not carry into our physical body because that would always mean the germ of death? Outside, Imaginations are always around us, we are within a sphere of Imaginations ... and they must not pass into us. What comes from these Imaginations into us? Shadow-pictures, reflections, mirror-images—these come as our thoughts, our mental images. Outside, they are the real, full-blooded Imaginations. They reflect themselves in us and we experience them in the weakened, shadowy form of our thoughts and mental images. If we carried them in their full reality into ourselves and not merely had them as reflections, we should at each moment stand before the danger of death.

[ 12 ] Was liegt denn da eigentlich vor? Es liegt nichts Geringeres vor, als daß wir durch die Welteneinrichtung davor bewahrt werden, die geistigen Wesenheiten und Vorgänge, die uns umgeben, in ihrer Vollsaftigkeit zu erleben. Wir sind geschützt dadurch, daß uns im gewöhnlichen Alltagsbewußtsein nur Schattenbilder dieser vollsaftigen geistigen Wesenheiten berühren. Und doch, eine ganze Summe von diesen Imaginationen gehört zu uns, gehört zu den Kräften, die schöpferisch an uns tätig sind. In dieser Welt der Imaginationen leben die Schöpferkräfte in uns selber. Wir dürfen sie nicht in der ursprünglichen Form erleben, nur in der abgeschatteten Form, in der sie als Gedanken in uns sind. Das kann nur dadurch sein, daß uns jemand im gewöhnlichen Erleben abnimmt dieses Erleben der Imaginationen, die zu unseren Gedanken gehören. Erlebt müssen sie doch werden. Wir können sie nicht erleben, erlebt müssen sie von stärkeren Wesen werden, als wir sind, von solchen Wesen, die sie ertragen können in ihrer Geist-Seelenorganisation, ohne daß sie in die Gefahr des Todes kommen. Während wir denken, während wir mit unserer Seele leben, muß fortwährend ein Wesen über uns walten, welches uns das Erleben der unseren Gedanken und Vorstellungen zugrunde liegenden Imaginationen abnimmt. Haben Sie irgendeinen Gedanken, irgend etwas, was Sie in Ihrer Seele erleben, so entspricht diesem Erlebnis eine Welt von Imaginationen draußen. Und ein Wesen muß über Ihnen walten, das Sie gleichsam beschützt, behütet und bewacht, das Ihnen abnimmt, was Sie nicht selber ausführen können.

[ 12 ] What does this mean? It means that the cosmic world-order guards us from experiencing, in their full reality, these spiritual Beings and happenings, which are always around us; we are protected, inasmuch as in our everyday consciousness we contact only the shadow-pictures of these spiritual Beings. And yet, a whole number of these Imaginations belong to us, belong to the forces which are creatively active in us. The creative forces that are within us live in this world of Imaginations. We may not experience them in their primal form, but only in the shadowy form in which they are within us as thoughts. This can only happen through someone taking away from us the experiencing of the Imaginations which belong to our thoughts. They have, nevertheless, to be experienced! But we cannot experience them. They have to be experienced by Beings stronger than we are, by Beings who can endure them in their organisation of spirit-and-soul without coming to the danger of death. Whenever we are thinking, whenever we are active in our life of soul, a spiritual Being must hold sway over us all the time, depriving us of the experience of the Imaginations underlying our thoughts and mental pictures. If you have any thought, any experience in your life of soul, this experience corresponds to a world of Imaginations. And a Being must rule over you, guard and protect you, taking away from you what you yourself cannot accomplish.

[ 13 ] Jetzt sind wir an einer Stelle, wo wir in noch realerem Sinne, als es bisher geschehen ist, von den Wesenheiten der nächsthöheren Hierarchie, von den Angeloi sprechen können. Da sind sie gleichsam zum Greifen nahe, diese Wesen. Da sehen wir, wie sie wachen und behüten müssen dasjenige, was wir nicht selber ausführen können. Aber es kann eintreten, und muß eintreten für den Seher, daß er das, was ich eben gesagt habe, noch viel, viel deutlicher wahrnimmt. Das ist dann der Fall, wenn er eine Stufe weitergeht in seinem Sehertum.

[ 13 ] Here we have reached a point where we can speak in a more real sense than hitherto, of the Beings of the next higher Hierarchy, of the Angeloi. They are now spiritually comprehensible. We see them there, we see how they must watch and guard what we ourselves are not capable of accomplishing. But it can and must happen to the seer that he becomes aware with far greater distinctness of what I have just told you. And that is the case when he goes one stage further in his seership.

[ 14 ] Wir haben gestern ja dasjenige erwähnt, was dazu führt, sich zu identifizieren mit der Imagination, der Bilderreihe, die vor uns auftritt. Dieses Identifizieren wird so erlebt, daß man gleichsam die Imagination verdaut, sie in sich aufsaugt. Dadurch verschwindet sie als Imagination, die außer uns steht, aber wir erleben uns in ihr, wir sind eins mit ihr. Aber es kann die Sache noch weiter gehen. Ich will zunächst von der Schilderung des subjektiven Erlebens ausgehen. Ich habe gestern gesagt, man kommt zu dem, was ich wiederholt beschrieben habe, wenn man sich in Meditation, in Konzentration versenkt. Da kommt man dazu, eine solche Bilderreihe zu erleben, mit der man sich identifizieren kann. Ich habe schon gestern erwähnt, daf3 wenn man durch Meditation und Konzentration hervorgerufen hat eine solche Bilderreihe, den Versuch gemacht hat, in diese Bilderreihe gleichsam hineinzukriechen, daß dann gar nicht gleich das okkulte Lesen und Hören auftreten muß, das wirkliche Wahrnehmen der geistigen Wesenheit des Toten, den man sucht. Es kann abbrechen, wie ein Vorgang im Traume abbricht, und später kann das eintreten, was als Folge eintreten soll.

[ 14 ] We spoke yesterday of what leads to identification with the series of pictures which appears before us. The Imaginations are consumed, sucked in. Thereby they disappear as pictures outside us—but we experience them within us, we have become one with them. But the thing can go still further. I will start by describing the subjective experience. I told you yesterday something which I have repeatedly described. When one is sunk in meditation and concentration, something approaches which one is seeking—a series of pictures arises with which one can identify oneself. I said that something else can happen. When meditation and concentration have called forth these pictures and we have tried to get right into them, the occult reading and hearing, the real perception of the spiritual being of the dead does not necessarily arise. The whole process may break off just like a process in a dream and the consequences may appear only later.

[ 15 ] Aber wenn man immer weiter und weiter schreitet, wenn man die nötige Geduld und Ausdauer hat, um durch Meditation und Konzentration immer weiterzukommen in seiner okkulten Entwikkelung, dann erfährt man den Vorgang noch in einer anderen Art. Man kann ihn in folgender Weise erleben: Man stellt sich die Aufgabe, ein Wesen, einen Vorgang in der geistigen Welt zu beobachten. Man versetzt sich in die Meditation, in die Konzentration. Man zieht sich dadurch heraus aus dem physischen Leib, kommt dann in jenen Zustand, wo der Inhalt der Seele, den man durch die Meditation selber hervorgerufen hat, abflutet, wo man den Übergang verspürt und bemerkt: jetzt wird es gleichsam finster. Was Sie in Ihrer Seele hervorgerufen haben, das flutet ab, und aus dem Unbestimmten taucht eine Bilderreihe auf, lebendiger, viel lebendiger, als die Träume sind.

[ 15 ] But if we go further, if we have the necessary patience and endurance to make progress in occult development through meditation and concentration, then we experience the process in still another way. It can be experienced in the following way.—We set ourself the task of observing some being or process in the spiritual world. We sink into meditation or concentration. Thereby we draw ourselves out of the physical world and pass into the condition where the meditation, that is to say, the content of the soul we ourselves have evoked, flows by and we can feel the transition. There seems to be greater darkness ... that which the soul has evoked flows away from the pictures, and they come up again, far, far more vividly than in a dream.

[ 16 ] Jetzt steht man bewußt der Bilderreihe gegenüber. Und wenn man weiß, man steht dieser Bilderreihe gegenüber, dann taucht man bewußt unter. Indem man untertaucht, kann wiederum der Moment eintreten, wo man weiß: Ja, du hast dich jetzt identifiziert mit der Bilderreihe, du bist eins geworden mit ihr, du bist darinnen. Aber man fühlt schon eigentlich sich selbst nicht mehr, man fühlt sich wie untergehend im Weltenall, im Kosmos, man fühlt sich wie im allgemeinen Nichts darin. Man hat sich identifiziert, hat ganz ausgelöscht die Bilderreihe, hat nichts an deren Stelle bekommen. Aber durch die Praxis des Meditierens muß man die Kraft erhalten, daß man nicht verzagt, nicht verzweifelt, nicht dazu kommt zu glauben, man löse sich jetzt auf in die Nichtigkeit. Man hat die Zuversicht, daß man nicht zu dem Gefühl völligen Verlassenseins kommt, zu dem man leicht kommen könnte. Kurz, man taucht, wie in das Nichts hineinschwimmend, in den allgemeinen Kosmos unter. Und dann ist es, wie wenn man aufwachte, aber nicht aus dem Schlaf, sondern aus etwas voll Bewußtem. In dem Moment, wo man aufwacht, weiß man: Das war nicht ein Schlaf, in dem du jetzt warst. Das hast du nicht so durchlebt, wie du die Bewußtseinsleerheit des Schlafes durchlebst. Das war etwas anderes. Da ist etwas geschehen in der Zwischenzeit, etwas, bei dem du dabei warst. Und jetzt bist du wieder aufgewacht. Jetzt kommen in dein Bewußtsein herein diese Geschehnisse, die du nicht voll bewußt erleben konntest, bei denen du aber nachher ganz genau weißt: Du hast sie erlebt. — Es ist wie eine Erinnerung. Man erinnert sich an etwas, das man nicht mit dem gewöhnlichen Selbst durchgemacht hat, das man aber so erlebt hat, daß man aus dem gewöhnlichen Selbst herausgehoben war. Und nun, wo es ins Bewußtsein hereinkommt, da erlebt man das, worauf man ausgegangen ist, worauf man losgesteuert ist, was man zu schauen als Aufgabe sich gestellt hat. Jetzt weiß man, du hast etwas durchlebt, man möchte sagen denkend durchlebt, — «denkend» hat nur hier eine viel höhere Bedeutung als im Physischen —, du hast etwas denkend durchlebt. Aber wenn du auch noch so entwickelt bist als Mensch, was du als Mensch sein kannst, das kann nicht das erleben, was du da durchgemacht hast, während du gleichsam untergetaucht warst in das relative Nichts. Das kann ein Mensch nicht durchdenken, kann er nicht denkend durchleben. Deshalb mußte in der Zeit zwischen dem Untertauchen und dem Wiederauftauchen ein anderes Wesen die Funktion des Denkens für dich übernehmen, in dir drinnen denken. Du kannst nicht selber denken. Du kannst dich nur nachher erinnern, was dieses Wesen, das Angeloswesen, in dir gedacht hat. Man weiß, man war in der Zwischenzeit verwoben gewesen mit seinem Angeloswesen, das hat für einen gedacht, während das Bewußtsein herabgedrückt war. Jetzt wacht man auf, und man erinnert sich mit dem gewöhnlichen Gedankenerleben an das, was der Angelos in einem erlebt und gedacht hat.

[ 16 ] Now we confront them consciously and again dive down into them. Again, there may come a moment when we know: ‘You have now identified yourself with the pictures, you have become one with them, you are within them.’ But we no longer feel our own existence; we feel as though we have sunk into the Cosmos—nevertheless as if we were in universal nullity. Thus, we have identified ourself with the pictures, have extinguished them—and have got nothing in their place. But now, through the practice of meditation, we have succeeded in not being brought to despair by the belief that we are losing ourselves in Nothingness. We have not the feeling of being utterly forsaken that might easily arise. In short, we plunge, as though swimming in an ocean of nullity, into the Cosmos. And then it is like waking up, but not out of a sleep, out of something with much stronger reality. At the moment of waking, we know: This was not sleep! We have not passed through the emptiness of sleep. Something has happened in the interval, something at which we were present, and now we have wakened again! We have in our consciousness the happenings which we could not experience at the time with full consciousness. But afterwards we know quite definitely that we have experienced them. It is like a memory! We remember something we have gone through not with the ordinary self, but with what transcends the ordinary self. Now it enters our consciousness and we experience that at which we aimed, the task we set ourselves. And now, when we meditate on what has happened, we know: ‘You have gone through something as a thinking being (only “thinking” here has a much higher significance than in the physical world). You have gone through this as a thinking being. But however highly developed you are as a human being, you cannot experience what you have now gone through.’ It is something that the human being himself cannot experience. Therefore, in the time that has transpired between the diving down and the re-emergence, another Being had to take over the function of thinking for you and think in you. You cannot yourself do the thinking. You can only remember afterwards what this Being thought in you. It was an Angelos who was thinking! And we know that in that intervening period we were interwoven with our Angelos. The Angelos experienced it for us and because the Angelos experienced it, our own consciousness was suppressed. Now we waken and remember with the ordinary life of thought what the Angelos experienced in us.

[ 17 ] Das ist der Vorgang. So erringt man sich in der Regel Erlebnisse geistiger Art, wie die sind, von denen wir öfter gesprochen haben. Man erringt sie so, daß man weiß, man muß erst in einen Zustand kommen, wo ein Wesen der nächsthöheren Hierarchie in einen eintritt, sich selber mit einem identifiziert, so daß man, was man in seiner eigenen Schwäche nicht könnte, durch das in einem ruhende Wesen der nächsthöheren Hierarchie vermag, aber bei herabgedrücktem Bewußtsein. Es darf zunächst nicht erlebt werden in der Realität, sondern erst hinterher in der Erinnerung im vollen IchBewußtsein.

[ 17 ] That is the process. This is the way in which, as a rule, spiritual experiences are attained. We attain them in such a way that we know: We must first pass into a condition where a Being of the next higher Hierarchy enters into us, identifies himself with us. What we cannot do in our own weakness, we can do through a Being of the next higher Hierarchy who is within us—but our consciousness is suppressed. We cannot have the experience in its immediate reality, but we have it afterwards, in memory and in full Ego-consciousness.

[ 18 ] Das macht es, daß eigentlich jene geistigen Erlebnisse, die uns gewährt werden, zu einer gewissen Zeit erlebt, und zu einer anderen Zeit uns bewußt werden. Wenn ich zum Beispiel so etwas erlebt habe, wie ich es erzählt habe über unseren lieben Freund Christian Morgenstern, so haben Sie ein solches reales Erlebnis. Selbstverständlich wird es aber bewußt erst nach dem Erleben, weil während des Erlebens eine Wesenheit der nächsthöheren Hierarchie die Funktion des Wissens übernehmen mußte.

[ 18 ] And so, it is that the spiritual experiences vouchsafed to us are experienced at one time, but we become conscious of them at another. I spoke of an experience I had concerning our dear friend Christian Morgenstern—a real experience, needless to say. But we become conscious of such an experience afterwards, because a Being of the next higher Hierarchy must take over the function of knowledge during the actual experience.

[ 19 ] Wiederum können Sie bedenken, warum das so sein muß. Würden wir erst das hereintragen in unseren eigenen Organismus, was in uns ein Wesen der höheren Hierarchie erlebt, dann würden wir nicht nur unseren eigenen Organismus töten, sondern wir würden ihn in seiner Organisation zersprengen in seine Atome. Wir sorgten nicht nur für seinen Tod, sondern im Moment zugleich für seine Verbrennung.

[ 19 ] Again, you will understand why this must be. If we were to bring into our own organism what a Being of the higher Hierarchies experiences in us we should not only kill our organism, but we should burst it, as through an explosion, into its very atoms. If we carried down these experiences into our own organism we should not only bring about its death, but simultaneously, its cremation.

[ 20 ] Jetzt sehen Sie wiederum, daß uns das Sehertum in Zusammenhang bringt mit dem, was wir die Pforte des Todes nennen. Man kann sagen, daß man eigentlich das, was Tod ist, was Tod bedeutet, nur dadurch anschauen kann, daß man sich aufschwingt zu den Seelenstimmungen, die herauskommen durch die geschilderten Erfahrungen. Denn dadurch ergreift man die menschliche Individualität außerhalb des physischen Leibes, und man weiß dann, wie sie außerhalb des physischen Leibes sogleich aufgenommen werden muß in den Schoß der Wesenheiten der höheren Hierarchien, damit sie nicht zerstörend, nicht todbringend wird dem eigenen Wesen auf dem physischen Plan. Und real, unendlich real wird das Gefühl des Ruhens der menschlichen Seele im Schoße eines Wesens der höheren Hierarchien. Nun lernt man erst wissen, wie es jenseits des Todes aussieht. Man weiß: Hier auf der Erde sind wir umgeben vom Mineralreich, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich. Jenseits des Todes treten wir ein in den Schoß der höheren Hierarchien, deren Umgebung wir ebenso angehören wie hier der Umgebung der uns umgebenden physischen Wesenheiten. Ein gewisses Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den Wesen der höheren Hierarchien greift in unserer Seele Platz. Mit diesem Gefühl können wir uns durchdringen. Und wir lernen so recht kennen, daß ein wahrhaftiges Eindringen in die geistigen Welten gar nicht möglich ist, ohne gewisse Gefühle mit sich zu bringen, die man religiös-fromme Gefühle nennen kann, Gefühle des Hingegebenseins an die höhere geistige Welt.

[ 20 ] Now you see again that seership brings us into connection with what we call the Gate of Death. We can really only know what death signifies by raising ourselves to that life of soul which can come from the experiences described. Only thereby can we understand the human individuality when it is outside the physical body. But then we also know how it has to be received into the higher Hierarchies—in order that it shall not work as a destroying, death-bringing force to a being of the physical plane, our own being, to begin with. The feeling of the human soul resting in the bosom of a Being of the higher Hierarchies becomes real, infinitely real. Now for the first time we get to know how things appear on yonder side of death. We know: Here in our earthly life we are surrounded by minerals, plants, the animal and the human kingdoms. On yonder side of death we enter the realm of the higher Hierarchies, to whose environment we belong just as here we belong to the environment of the physical beings around us. A feeling of kinship with the Beings of the higher Hierarchies comes into our soul. Then we learn to know that true entrance into the spiritual world is simply not possible without bringing in its train feelings of piety, feelings of being given up to the higher, spiritual world. But these feelings have the nuances I have described.

[ 21 ] Diese Gefühle, die ich eben geschildert habe, sind so nuanciert, daß sie eine bestimmte Seelenstimmung hervorrufen. Diese Seelenstimmung, die ich nicht anders bezeichnen kann als eine Stimmung des Ruhens im Schoße geistiger Wesenheiten, die braucht man für das wirkliche Erleben der geistigen Welten so, wie man in der physischen Menschenwelt, damit man sich mit den andern Menschen verständigen kann, in die Notwendigkeit versetzt ist, durch seinen Kehlkopf und die anderen Sprechwerkzeuge ein I hervorzubringen. Was in der gewöhnlichen Menschensprache möglich macht, ein I hervorzubringen, das macht in den höheren Welten die Seelenempfindung, die aus der Hingegebenheit fließt. Das Erleben dieser Art von Hingegebensein ist einer der Vokale der höheren Welten. Und man kann nichts wahrnehmen, nichts lesen und hören in den höheren Welten, wenn man nicht gleichsam diese Seelenstimmung hinhalten kann — und dann abwartet, was einem die Wesenheiten der höheren Welten mitzuteilen haben, weil man ihnen diese Seelenstimmung entgegenbringt. Aus solchen Stimmungen der Seele, aus solcher Art den höheren Welten gegenüberzustehen, setzt sich der Vokalismus des Kosmos zusammen.

[ 21 ] This is able to evoke a necessary ‘mood’ of soul. I can only express it by calling it that mood of soul in which we feel ourselves resting in the spiritual worlds. We need this mood of soul for any real experience of the spiritual worlds, just as here, in the physical world, in order that we may be able to understand our fellow-man, we have to use the larynx and other organs of speech, to utter the sound EE. What makes it possible in ordinary human speech to utter the sound EE, produces, in the higher worlds, the experience that flows from devotion. This kind of devotion is one of the vowels of the higher worlds. We can perceive nothing, read nothing, hear nothing in the higher worlds unless we can hold this mood of soul—and then wait for what the Beings of the higher worlds have to impart to us because we bring to them this mood of soul. It is out of these moods of soul, out of this attitude to the higher worlds that the vowels of the Cosmos are composed.

[ 22 ] Also, wenn man das Gefühl hat: Dich umgibt eine Welt, aber du kannst mit deinen schwachen Menschenkräften nicht leben in dieser Welt, es darf dasjenige, was dich da umgibt, indem du in deinem physischen Leibe lebst, nur im Schattenbilde deiner Gedanken und Vorstellungen wahrgenommen werden, oder, besser gesagt, aus dir sich spiegeln, du darfst nicht unmittelbar diese Imaginationen erleben, das muß dir im gewöhnlichen Leben abnehmen das dich schützende Engelwesen — wenn man das innerlich empfindet mit dem nötigen Timbre des innerlichen Frommseins, dann hat man die Fähigkeit, einen der Vokale der geistigen Welt wahrzunehmen.

[ 22 ] If there is this feeling: Around you is a world but you cannot live in it with your feeble human powers. What surrounds you while you live in your physical body can be perceived only in the shadow-pictures of your thoughts and concepts, or rather is reflected by them. You may not experience these Imaginations directly. Your Guardian Angel must take this experience away from you in your ordinary life.—When a man feels this inwardly, with the necessary timbre of inner piety, he is able to become aware of one of the vowels of the spiritual world.

[ 23 ] Eine nächste Stufe hängt davon ab, daß man etwas entwickelt, worauf schon hingedeutet ist in meinem Buche «Die Schwelle der geistigen Welt». Man lebt sich so, wie ich es da beschrieben habe, ein in die geistige Welt. Der Vorgang zeigt ja, daß man gleichsam aus sich selber herauskommt, sich mit anderem identifiziert. Das genügt aber noch nicht, genügt keineswegs. Notwendig ist, daß man sich nicht nur identifizieren kann, sondern daß man sich auch zu verwandeln vermag in andere Wesenheiten, daß man wirklich nicht nur das bleibt, was man war, als man aus sich herausgegangen ist, sondern daß man sich in andere Wesenheiten zu verwandeln vermag, daf man wirklich das werden kann, in das man hineingeht.

[ 23 ] A next stage depends upon the development of something I indicated in my book, The Threshold of the Spiritual World. We grow into the spiritual world as I have there described. The process is that we emerge from ourselves as it were and identify ourselves with another being. But this is not sufficient, in no way is it sufficient. It is necessary not only to be able to identify ourselves with other beings but also to be able to transform ourselves into other beings, so that we do not merely remain what we are, but are able to metamorphose ourselves into other beings, actually to become that into which we penetrate.

[ 24 ] Eine gute Vorbereitung, um das zu können, ist das immer und immer wieder Üben des liebevollen Interesses für alles, was uns in der Welt umgibt. Man kann gar nicht sagen, wie unendlich bedeutungsvoll es für den werdenden Okkultisten ist, immer mehr und mehr zu sehen, daß das liebevolle Interesse für alles, was uns in der Welt umgibt, erwacht. Es ist dies ein Wort, das man leider gewöhnlich nicht tief genug nimmt, daher kommen die geringen Erfolge, die oftmals im Okkultismus gemacht werden. Es ist ja im Grunde nur zu natürlich, daß der Mensch in der Regel sich doch mit der nötigen Kraft des Interesses nur für sich selbst interessiert. Wirklich, auch wenn man es nicht recht glauben will und dem Ding einen anderen Namen gibt, am allermeisten interessiert man sich doch für sich selbst, und im allergeringsten Maße für etwas anderes.

[ 24 ] A good preparation for this faculty is to practise over and over again a loving interest in everything that is around us in the world. It is impossible to express how infinitely significant it is for the developing occultist to awaken this loving interest for everything in the surrounding world. This is a hint that is, unfortunately, not usually taken deeply enough, hence the lack of success that often attends occultism. It is only too natural for the necessary power of interest to be maintained only in oneself. Even if a man will not admit it, the necessary power of interest is applied only to himself. It may be given another name, but none the less there is very little real interest in other things, and by far the greatest for oneself.

[ 25 ] Nun muß man allerdings auch sagen, daß durch die Einrichtung des Weltenalls dafür gesorgt ist, daß man immerfort für sich selber Interesse haben muß. Man muß sich wirklich schon anstrengen, um sich nicht fortwährend für sich selber zu interessieren. Denn, nicht wahr, das Leben auf dem physischen Plane bringt es ja mit sich, daß man sich für sich selber interessiert. Ich will absehen davon, daß selbstverständlich, wenn einen eine Krankheit befällt und einem dies oder jenes weh tut oder nicht in Ordnung ist, man sich natürlich für sich interessiert. Da ist das in der Ordnung, da kann man nicht anders, als sich für sich selber interessieren. Es könnte selbst in einem solchen Falle durch Anstrengung errungen werden die Möglichkeit, sich nicht für sich selbst zu interessieren; das ist aber außerordentlich schwierig. Es könnte sein, daß man von einer Krankheit befallen wird und sich eigentlich nicht besonders dafür interessiert, daß man diese Krankheit hat, daß es einem vielmehr im höchsten Grade gleichgültig ist, daß man diese Krankheit hat, aber daß man sich dafür interessiert, wie aus dem ganzen Kosmos heraus so etwas entstehen konnte, wie es dieser Prozeß ist. Das kann einen interessieren, daß da an einem Punkte des Kosmos etwas auftritt, das innerhalb der eignen Haut liegt, also daß man sich so interessierte auch für eine schwere Krankheit, wie man sich interessiert für etwas, was außerhalb von einem selber ist.

[ 25 ] It must of course be said that cosmic law decrees that a man must have interest in himself, and indeed it requires great effort not to be interested the whole time in himself. It is after all a natural part of life on the physical plane. I will ignore the fact that if we have some illness, pain or disorder, this interest is always there. It cannot be otherwise. In such a case, of course, efforts might make it possible for a man not to be interested in himself—but that is extremely difficult. It might happen that a man falls ill and is not especially interested in the fact that he has this illness; he may be quite indifferent to it. What does interest him may be how this illness has arisen out of the whole Cosmos, how at some point in the Cosmos something arose that now is within his own skin. In such a case the man is interested in a severe illness in the same way as if it were something outside himself I

[ 26 ] Sie werden zugeben, daß das, was ich geschildert habe, recht schwierig ist. Und so ist es auch mit den allermeisten Dingen, die man auf dem physischen Plan erlebt. Es wird schon sehr schwierig, das Allergewöhnlichste, das unsere Sinne erfahren und das unser Denken erfährt, so zu nehmen, wie wenn man außerhalb seiner Haut steht, und es zu betrachten als ein Objekt. Aber gerade das ist es, was man versuchen muß; nur weil es so ungeheuer schwierig ist, so wird es in der Regel gar nicht angestrebt. Wer gewissenhaft und mit Eifer die Übungen macht, die in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind, der kommt nach und nach dazu, bis zu einem gewissen Grade einen solchen Standpunkt zu erreichen, wie er eben geschildert worden ist. Man wird ihn nur auf Umwegen erreichen, weil es unendlich schwierig ist. Aber man wird ihn bis zu einem gewissen Grade erreichen, nämlich in demselben Maße, in dem das Interesse für einen selber abnimmt, so daß man sich nicht mehr ein interessantes Subjekt ist, sondern nur ein interessantes Objekt. Das kann man sein, das schadet nichts, das ist sogar sehr nützlich, sich für sich selbst zu interessieren, wenn man Objekt geworden ist. Aber man verwechsle nur nicht das Objekt-Werden des eigenen Subjektes mit dem Subjekt selbst.

[ 26 ] You will admit that what I have described is very difficult. And so it is with most things, at least on the physical plane. It is very difficult to take the most ordinary things we experience in our senses and thoughts as if we were standing outside them as objects. But this is just what we must try to do. And because it is so difficult it is not as a rule attempted. But everyone may be sure that if with great zeal he carries out the exercises described in the book, Knowledge of the Higher Worlds, he will gradually attain this knowledge. But for this we must adopt the standpoint therein described—the exercises are not practised at all adequately. The knowledge will be attained only along by-paths because it is extremely difficult. It will be attained in the same measure in which interest in our own self decreases, so that we are no longer an interesting subject for ourselves, but an interesting object. That does no harm; it is indeed very useful because we ourselves are an object which is always to hand—only it must not be confused with the subject!

[ 27 ] In demselben Maße, in dem man so anfängt, sich Objekt zu werden, beginnt man sich zu interessieren für alles, was außer einem ist, was um einen herum ist. Dann gewinnt man wirklich die liebevolle, interessevolle Hingabe an die Welt und ihre Erscheinungen. Und wenn man dieses liebevolle Sich-Hingeben an die Welt und ihre Erscheinungen immer mehr und mehr ausbildet, dann kann in der Seele diese Stimmung jenen Grad erreichen, der notwendig ist, daß man aus sich herausgehen und sich in andere Wesenheiten verwandeln, metamorphosieren kann. Man gelangt allmählich dazu, solches zu können. Aber man muß, damit dieses liebevolle Sich-Hingeben möglich ist — der menschlichen Seele sind solche Dinge wirklich schwierig —, man muß versuchen, allerlei Unterstützungen zu finden.

[ 27 ] Now in the same measure in which we ourselves begin to become an object, we begin to be interested in everything outside us, and then we develop loving interest in the world and its phenomena. When the loving devotion to the world and its phenomena develops more and more, the mood of soul is able to intensify to the point where we not only pass out of ourselves but are able to metamorphose ourselves into other beings. Gradually we become capable of this. But such things are difficult for the soul of man and all kinds of help must be sought if this loving devotion is to exist.

[ 28 ] Ich will heute eine solche angeben, die einem helfen kann. Man kann nämlich damit beginnen, die physische Welt, die einem ja zunächst gegeben ist, zum Anlaß einer Art von okkultem Lesen zu benützen. Ich habe oftmals ein Bild gebraucht, und es ist gut, von diesem Bild auszugehen. Wenn wir einem Menschen gegenüberstehen und sein Antlitz anschauen, dann sind wir uns klar, daß das, was das Auge sieht, diese Grenzen, diese Linien der Haut, nicht das ist, worauf es ankommt. Worauf es ankommt, das ist die Seele, die hinter diesem physiognomischen Ausdruck lebt. Und wenn man die physiognomischen Linien in Papiermache nachbilden würde, so würden die Linien nicht das sein, worauf es ankommt; auf die Seele kommt es an, die den Linien die Form gibt. So kann man auch das, was in der äußeren Natur uns umgibt, so ansehen, wie wenn es eine äußere Physiognomie wäre. Die materialistischen Forscher und der gewöhnliche Mensch treten den Dingen in der äußeren Natur so gegenüber, wie wenn man von einem Menschen nur die äußere Form studieren würde. Es ist so, wie wenn man von einem Menschen sagen würde: Was da Seelisches darinnen ist, das ist Wischi-Waschi, das ist so ein vertrackter Aberglaube von Phantasten. Mich geht nur das an, was die Formen sind, die man genau messen und untersuchen kann. So untersuchen die gewöhnlichen Menschen die äußere Natur. Aber man kann sich sagen: Wie es naheliegt, das menschliche Antlitz als Ausdruck, als Physiognomie seiner Seele zu sehen, so kann man auch die ganze äußere Natur nicht nur so ansehen, wie sie sich gewöhnlich zeigt, sondern man kann sie als Physiognomie ansehen für das, was dahinter als geistige Wesenheiten steht. Und da ist es gut, als Physiognomie der Natur anzuschauen die ganze Tierwelt.

[ 28 ] I will indicate something that can be a help. A beginning can be made by making the physical world a motive for a kind of occult reading. I have often given an example from which it is good to start. If we confront a human being and look at his countenance, we realise: this boundary of the skin, these lines, what the eye sees—that is not the essential, that is the physiognomic expression of the indwelling soul. And if we had a drawing of the lines—the lines would not be the essential, but the soul which has given itself these lines as its form. And then we can look at external nature around us as though it too were an outer physiognomy. Materialistic investigators face the things of external nature just as if one were to say of a human being: ‘To talk of an indwelling soul is unreal, it is fantastic superstition. All that concerns me are the forms that can be measured and investigated.’ This is how ordinary men investigate external nature. But we can say to ourselves: Just as it comes naturally to see a man's countenance as the physiognomy of his soul, so we can look at the whole of external nature, not in the ordinary way but as the physiognomy of spiritual Beings behind it. And it is good here to look at the whole world of animals as the physiognomy of outer nature. It requires further insight and study not to see in the animals what is usually seen but to see in them something that may be conveyed in the following words.—

[ 29 ] Nun bedarf es allerdings eines weiteren Gemütsstudiums, um in den Tieren nicht dasjenige zu sehen, was man gewöhnlich sieht, sondern etwas zu sehen, was man so schildern kann: Da fliegt der Adler in der Luft und erhebt sich zur Sonne hin; das ist die Richtung nach aufwärts, in die Höhe, in die geistigen Welten. Ich will den Adler betrachten als das Symbolum des Sich-Erhebens in die geistigen Welten. Ich sehe hinter der menschlichen Hirnschale die Gedanken, die ahnungsvoll, adlerartig emporstreben in die geistigen Welten. Ich sehe, wie sich dieses Emporstreben im aufwärtssteigenden Adler ausdrückt, so wie sich die menschliche Seele ausdrückt in der Physiognomie. Der Adler gehört zur Physiognomie der äußeren Natur. Ich empfinde im aufwärts fliegenden Adler etwas, was so anmutet wie die Stirn in der menschlichen Physiognomie.

[ 29 ] There is the eagle, flying towards the Sun; that is the direction upwards, into the spiritual worlds. I will take you, the eagle, as the symbol of rising into the spiritual worlds. I look at the human brow and see something suggesting the eagle-nature, something that is striving upwards into the spiritual worlds. I see how what is expressed in the human soul gives the physiognomy. The eagle is part of the physiognomy of external nature.

[ 30 ] Ich schaue mir den Stier an, der wiederkäuend daliegt, an die physische Natur, an die irdische Materie gebunden, wie er sozusagen in seinem Element nur dann in Wirklichkeit lebt, wenn er ganz aufgeht im Verdauen, wie er verbunden bleibt in seinen ganzen Lebensprozessen mit dem, was er der Erde entnimmt. Erdenschwer erscheint er mir. Ich blicke auf den Menschen und fühle im Geiste: da ist auch etwas Erdenschweres, aber es wird durch das Adlerhafte im Gleichgewicht gehalten. Das Stierhafte kommt nicht auf. Ich empfinde, wie das Stierhafte dem Menschen innewohnt; aber es kommt nicht so auf, wie mir draußen das Stierhafte entgegentritt. Physiognomisch wird für den Menschen das Stierhafte, Erdenschwere der äußeren Natur.

[ 30 ] In the soaring eagle I see something suggestive of the brow in the human countenance. I look at a bull and see how it is bound to the Earth as it chews its food, how it is only in its real element when it is given over entirely to the process of digestion, how in its whole life-process it is bound up with what it takes from the Earth. The bull suggests earthly gravity to me. Then I look at the human being and feel, spiritually: There too there is something of earthly gravity, but it is held in check, kept in equilibrium by the eagle nature in man. I feel how the bull nature is also in man, but it does not express itself in the same way as in the bull itself. The bull nature- is seen to be a physiognomic expression.

[ 31 ] Ebenso ist es mit dem Löwenhaften. Physiognomisch ist das Herz des Menschen dasjenige, was der Löwe in der äußeren Natur ist. Und so kann es für die ganze höhere und niedere Tierwelt werden. Ein Abbild, ein Symbolum haben diejenigen uns gegeben, die auf das menschliche Seelenwesen bezogen haben Adler, Stier und Löwe. Sie haben versucht, das zu lesen, was für uns aufgeschrieben ist in der äußeren Tierwelt, und aus ihr zu vernehmen, in einzelne Lettern, einzelne Buchstaben getrennt, dasjenige, was im Menschen zusammen erlebt wird. Kurz, man könnte sagen: Die Physiognomie der Natur ist die Tierwelt.

[ 31 ] So, too, is it with the lion nature when I contemplate the heart in man and compare it with the lion in external nature. In this way we can look at the whole world of the higher and lower animals. There have been men who have related eagle, bull and lion to the human soul and they have made drawings. Such men have attempted to read what is written in the animal world and to glean from it—but in this case separated into its single letters—what is experienced as a totality in connection with the human being. Briefly, we can say: The physiognomy of nature is the animal world.

[ 32 ] Aber uns interessiert am Menschen nicht nur die Physiognomie. Uns interessiert, wenn wir noch intimer auf die Seelen einzugehen versuchen, das, was wir die Miene, das Mienenspiel nennen, also dasjenige, was entsteht, wenn die Physiognomie in Bewegung kommt. Da stehen wir gleichsam der Seele, die wir durch das Mienenspiel wahrnehmen, noch näher als der Seele, die wir nur durch die Physiognomie wahrnehmen. Und wiederum können wir auch in der äußeren Natur dasjenige aufsuchen, was Mienenspiel ist der dahinterstehenden geistigen Welt, wenn wir in ähnlicher Weise, wie wir das für die Tierwelt gesehen haben, die Pflanzenwelt betrachten. Wenn wir die Pflanzenwelt betrachten in ihrem Aufblühen im Frühling, in all dem, was sie den Sommer hindurch tut, wie auf der einen Seite die Erde sie herausschickt, wie auf der anderen Seite die Kräfte der Sphären in sie eindringen und herauslocken das lebendige Leben, das erscheint in den unendlichen Nuancierungen der Pflanzenblühungen, -wachsungen und -grünungen mit ihrem Wimmeln und Weben, wenn wir sie so betrachten und sie beziehen auf ein dahinterstehendes geistiges Wesen des Kosmos, so wie wir das Mienenspiel des Menschen auf seine Seele beziehen, dann haben wir wiederum etwas getan, das wir üben sollen. So daß wir sagen können: Die Miene der Natur ist die Pflanzenwelt.

[ 32 ] But it is not only the physiognomy which interests us when we contemplate the human being. When we try to go more deeply into the soul, we are interested in what we call the facial expressions. When the physiognomy is in movement, we come nearer to the soul through the play of facial expressions than through the physiognomy as such. Again, in external nature we can find this play of expression of the spiritual world behind. We find it when we look at the world of plants, at its shades of colour, its budding in spring, its blossoming throughout the summer. The Earth first thrusts it out and then, from the other side, the forces of the spheres enter into it, charming forth living movements in its infinite blossoming, growing and greening. When we look at this world of plants and relate it to a spiritual reality of the Cosmos behind it just as we relate a man's facial expressions to his soul—then this again is an exercise. Thus, we can say: The plant world is the mien of nature. And then come gestures, movements which emanate from the soul.

[ 33 ] Was wir weiter an der Seele beobachten, was über das Mienenspiel hinausgeht, das sind die Gesten, die aus der Seele herausfließenden Bewegungen. Ebenso, wie wir die Tierwelt als die Physiognomie der Natur bezeichnen können und die Pflanzenwelt als die Miene der Natur, so können wir als die Geste der Natur, als die Gebärde der Natur die Formen der Mineralwelt ansehen. Und es gehört für denjenigen, der in Einzelheiten okkultes Lesen und okkultes Hören üben will, zum Schönsten, was er erleben kann, die mineralische Welt so zu erleben, daß er in der Form der Begrenzungsflächen und ihres eigentümlichen Verhältnisses zum äußeren Kosmos, in dem Durchscheinenden, in der Durchsichtigkeit, in der Kristallhelligkeit des Bergkristalles, des Quarzes, des Kalkspates, des Smaragds, Chrysopras, überall die unendlich verschiedenen Gesten der geistigen Wesen der Natur sich allmählich aneignet.

[ 33 ] Just as we can call the animal world the physiognomy of nature, the plant world the mien of nature, so we can now see the forms of the mineral world as the gestures of nature. And to one who is practising occult reading and hearing in the real way, it is one of the most beautiful things that can happen to him to experience the mineral world in such a way that in the forms of the surface-boundaries of the minerals, in their characteristic relations to the Cosmos outside, in their iridescence, transparency, in the crystalline clarity of the quartz, of the lime-salts, of emerald and chrysoprase, he sees the infinitely diverse gestures of the spiritual Beings behind nature.

[ 34 ] Wenn man solche Übungen macht, wenn man dahin kommt, daß man wirklich miterleben kann in dem sonst toten Steinreich das, was durch dieses tote Steinreich zum Ausdruck kommt, und was so ist, wie wenn eine Seele in lebendiger Gebärde dasjenige zum Ausdruck bringt, was in ihr lebt, wenn man in solcher Weise übt, dann kommt man sich zu Hilfe in dem Gewinnen von liebevollem Interesse für alle Wesen, die außer einem sind. Dann steigt man allmählich wirklich zu einer solchen Phase, einem solchen Zustande seiner Entwickelung auf, in dem es möglich wird — wenn man sich das Sehertum hinzu erwirbt —, sich auch zu verwandeln in die Wesenheiten draußen. Man merkt, man hat in sich die Kraft, sich in die Wesenheiten draußen zu verwandeln. Man kann sich in alle andern Menschen verwandeln. Der Mensch ist unendlicher Metamorphosen fähig in dieser Beziehung, aber es muß in der geschilderten Weise geübt werden.

[ 34 ] If we carry out such exercises, if we can really experience in the otherwise dead stones what is expressed through this dead mineral kingdom and is as if a soul were expressing in living gesture what lives in it—this is a help towards acquiring loving interest for all the beings that are around us. Then we gradually reach a stage of development in which—when the attainment of seership is possible—we are also able to transform ourselves into the beings around us. We realise that we have the power to do this. We can transform ourselves into all other human beings, but practice is necessary in the way described. The human being is capable of infinite metamorphoses in this connection.

[ 35 ] Wiederum können wir jetzt eine Frage aufwerfen. Aber bevor ich diese Frage aufwerfe, möchte ich das Gefühlselement dessen, was ich auseinandergesetzt habe, betonen. Bringt uns das erste, was ich erwähnt habe, zu einer Stimmung gegenüber den Hierarchien, zu dem Bewußtsein «du bist beschützt», zu einem Gefühl, das von Frömmigkeit durchschauert ist, so bringt uns das Gefühl, daß man sich verwandeln kann in die verschiedensten Wesenheiten, dazu, die Menschlichkeit der Menschenwesen hochzuachten, sie erst wahrhaftig zu schätzen in ihrer vollen Würde, aber die Menschlichkeit, die man nicht in der physischen Welt in sich hat, sondern die man erst findet, wenn man ein anderer wird. Erlangt man das Gefühl der Verwandlungsfähigkeit wirklich, so kann es einen nicht zum Hochmut bringen; denn jede einzelne Verwandlung sagt einem, daß man nicht so viel wert ist wie das Wesen, in das man sich erst verwandeln muß. Daß man das Gefühl der Verwandlungsfähigkeit hat, bringt einen dazu, demütig zu werden. Ein Gefühl tiefster religiöser Demut ist verbunden mit dem Gefühl der Verwandlungsfähigkeit.

[ 35 ] Again, we can put a question, but before doing so let me speak of the feelings that are bound up with what I have described. The first experience brings about an attitude to the Hierarchies; the consciousness of being protected becomes a feeling that is suffused with piety. The feeling of being able to transform oneself into all the diverse beings brings respect for the humanity of man. We learn to value it in all its preciousness—the humanity that we do not find in the physical world, that we do not find in ourselves, but only find when we have really become another being. The feeling that necessarily accompanies the faculty of transformation does not lead us to pride, for every single transformation tells us that we are not as worthy as the being into whom we must transform ourselves. Realisation of the faculty of transformation means, at the same time, humility. A feeling of deep religious humility is bound up with the realisation of the faculty of transformation.

[ 36 ] Aber eine andere Frage können wir aufwerfen: Wir rufen aus unserem Inneren diese Kräfte der Verwandlungsfähigkeit heraus; sind sie also nicht fortwährend in uns? Ja, die Kräfte sind immer in uns. Geradeso, wie die Kräfte der Imagination immer in uns sind, wir sie aber hervorrufen müssen, um geistige Wesen wahrzunehmen, so sind auch die Kräfte des Sich-Verwandelns immerfort in uns. Nur, um sie bewußt zu haben, müssen wir sie auf die geschilderte Weise entwickeln. Wir sind in jedem Augenblick nicht nur wir selber, sondern auch jedes andere Wesen, nur entwickeln wir uns nicht dazu, weil wir unser Bewußtsein nicht zu dem andern Wesen erweitern. Warum ist das so? Das wird uns am besten klar, wenn wir einen der Fälle im Leben betrachten, wo der Mensch auf dem gewöhnlichen physischen Plan sich in ein anderes Wesen verwandelt.

[ 36 ] But another question can be raised. We evoke these powers of transformation from our inner being. Are they, then, within us all the time? Yes; just as the Imaginations we call up in the way described yesterday and today are always around us, so too are these powers of transformation always within us. But in order to have conscious control of them, we must develop in the way I have told you. At every moment we are not only ourselves but every other being as well. It is only that we do not develop our consciousness highly enough. We shall best understand this by thinking of the cases in life where a man on the physical plane transforms himself into another being.

[ 37 ] Es kommt allerdings vor auf dem physischen Plan, daß man die Kräfte gebraucht, die sonst die Verwandlungskräfte sind. Man gebraucht sie, ohne daß man davon etwas weiß. Man gebraucht sie jedesmal, wenn man seinen Mitmenschen dadurch Unrecht zufügt, daß man seinen eigenen Willen in ungerechtfertigter Weise zum Herrn über andere macht. Es fängt schon damit an, wenn man den anderen anlügt. Durch die Lüge fügt man ihm ein Stück Unrichtiges ein. Man gewinnt eine gewisse Macht über ihn, weil die Lüge in dem anderen weiterwirkt.

[ 37 ] On the physical plane, of course, man uses the forces which are in other circumstances the forces of transformation. But he uses them without knowing anything of them. He uses them every time he dominates his fellow-men by unjustifiably exerting his will over them, every time he does injustice to his fellow-men. This incorporates into his fellow-man something that is unjustified. He gains a certain power thereby because the lie goes on living in the other man.

[ 38 ] So ist es auch, wenn man etwas Böses tut. Die Kräfte, mit denen man etwas Böses tut in der Welt, das sind diese Verwandlungskräfte, nur am unrechten Orte angewendet. Alles Böse in der Welt ist die unrechtmäßige Anwendung dieser Verwandlungskräfte. Es gestattet wahrhaftig, tiefe Blicke hineinzutun in das Geheimnis des Daseins, wenn man weiß, woher das Unrecht, das Böse, das Verbrechen und das Unheil kommt, das in der Welt geschieht. Dadurch geschieht es, daß der Mensch die besten, heiligsten Kräfte, die vorhanden sind, nämlich die Verwandlungskräfte, in verkehrter Weise anwendet. Es gäbe kein Böses in der Welt, wenn es nicht die heiligsten Verwandlungskräfte gäbe. Ich habe sogar einmal in einem öffentlichen Vortrag auf diese Eigentümlichkeit hingedeutet, daß das Böse eine verkehrte Anwendung von Kräften ist, die, an ihrem Ort angewendet, zu einem höchsten Guten führen würden. Diese Stimmung in der menschlichen Seele: Ich weiß, hier in der Seele ist etwas darin, was sich einerseits in alle anderen Menschen und Wesen verwandeln kann, was sich andererseits verwandeln kann in Egoismus —, diese Stimmung muß man entgegenhalten können dem Kosmos, wenn man geistig hören will. Das ist ein zweiter Vokal.

[ 38 ] So is it whenever evil is done. The forces with which some evil is done in the world are these same forces of transformation, but in the wrong place. Everything evil in the world is the unlawful application of these powers of transformation. Profound insight into the secret of existence arises when we know whence come the injustice, evil, crime and sin that happen in the world. They happen because the best and most holy powers which exist in man, the powers of transformation, are applied in the wrong way. There would be no evil in the world if there were not these most holy powers of transformation. Even in a public lecture 1 once indicated this mystery of the power of evil, saying that it is the distorted application of the power which, in its proper place, would lead to the highest good. [The title of the lecture was: Evil in the light of Knowledge of the Spirit. Berlin, x 5th January, 1914. (Not yet available in English translation.)] This mood in the soul which comes when we know: Here in each human soul is something which on the one side can transform itself into all beings, and on the other, into egoism ... this is the mood with which we must confront the Cosmos if it is our aim to have spiritual hearing. That is a second vowel.

[ 39 ] Die Stimmung, die man haben kann gegenüber dem Geheimnis des Bösen, wie ich es jetzt dargelegt habe, das ist der dritte Vokal, also das, was man erlebt, wenn man weiß, wodurch der Mensch böse werden kann. Wenn man dieses Geheimnis kennt, daß es höchste Kräfte sind, die im Bösen in verkehrter Weise angewendet werden, dann hat man die Stimmung eines dritten kosmischen Vokals. Man _ muß solche Seelenstimmungen erleben; das ist es, worauf es ankommt.

[ 39 ] The mood we can have in regard to the mystery of evil as I have presented it to you, is the third vowel—what we experience when we know whereby a man may become evil. If we understand the mystery that it is the highest forces that in evil are applied in a distorted way, then we have the mood of a third cosmic vowel. These moods of soul must be actually experienced.

[ 40 ] So haben wir heute von drei kosmischen Vokalen gesprochen. Von anderen Vokalen werden wir morgen sprechen. Ich mußte heute erst das Prinzip erörtern, auf das es ankommt, damit wir im inneren Erleben jene innere Verwandtschaft zum Kosmos herstellen, wodurch wir in Hingabe unserer eigenen Seelenkräfte zu Hörern und Lesern dessen werden, was draußen in der geistigen Welt vorgeht.

[ 40 ] Thus, we have spoken of three cosmic vowels. It has taken some time to-day; we will speak of the others tomorrow. I had first to speak of the principle that is essential for establishing in inner experience that relationship to the Cosmos whereby, in dedicating our own powers of soul, we become hearers and readers of what is happening out yonder in the spiritual world.