Occult Reading and Occult Hearing
GA 156
27 December 1914, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Occult Reading and Occult Hearing, tr. SOL
Weihnachtsfeier II
Christmas Celebration II
[ 1 ] Der große neuere Mystiker Angelus Silesius hat das schöne Wort gesprochen:
[ 1 ] The great modern mystic Angelus Silesius once said these beautiful words:
Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.
Christ is born a thousand times in Bethlehem
But not in you; you remain lost forever.
[ 2 ] Zwei Seiten hat dieser Ausspruch. Die eine besteht darin, daß mit ihm gleichsam das Bekenntnis abgelegt wird: die rechte, die wahre Weihnachtszeit muß gefeiert werden in dem inneren Herzen des Menschen, und Anregung muß alles äußere Weihnachtsfeiern sein zum Erstreben der inneren Tatsache, die da in der Winterweihenacht aus den Tiefen unserer Seele, aus dem Dunkel, das im Inneren der Seele so waltet, wie das Winterdunkel draußen, die tiefsten Kräfte heraufholt, die die Seele in sich finden kann. Und diese tiefsten Kräfte fühlen sich verbunden mit derjenigen Wesenheit, von der der Mensch ahnen kann, wie sie alles Erdenwerden durchwallt und durchwellt und ihm den Sinn gibt. Wir finden in den Tiefen unserer Seele etwas, mit dem der Christus ist, wenn wir nur tief genug heruntergehen in die Untergründe unseres Seelenlebens, dahin, wo wir noch mit unserem den geistigen Mächten der Welt ergebenem Sinn Bewußtsein entfalten.
[ 2 ] There are two sides to this saying. One is that it serves, as it were, as a declaration: the true, authentic Christmas season must be celebrated in the inner heart of the human being, and all external Christmas celebrations must serve as an inspiration to strive for the inner reality that, on this sacred winter night, draws up from the depths of our soul—from the darkness that reigns within the soul just as the winter darkness does outside—the deepest forces the soul can find within itself. And these deepest forces feel connected to that Being of whom the human being can sense how it surges and ripples through all earthly becoming and gives it meaning. We find in the depths of our soul something with which Christ is present, if only we descend deep enough into the depths of our soul life, to that place where we still unfold our consciousness with our sense of devotion to the spiritual powers of the world.
[ 3 ] Und die andere Seite des Spruches von Angelus Silesius besteht darin, daß der Mensch, der heute im Erdenwerden sich so recht als Mensch erfühlt, sich zum Bewußtsein bringen kann, wie wahres Menschensein, Nichtverlorensein als wahrer Mensch, daran geknüpft ist, daß die Seele im Innersten sich verbunden fühle mit der wesenhaften Substantialität des Christus Jesus. Aber uns ist durch mannigfaltige Betrachtungen im Laufe der Jahre klargeworden, daß im Fortschritt der Erdenentwickelung das Christus-Bewußtsein selbst sich immer vertiefen müsse, daß, mit andern Worten, die Menschen, wie sie von Inkarnation zu Inkarnation gehen, immer tiefer und tiefer zum Verständnis desjenigen kommen, was eigentlich der Christus ist. Und wir haben versucht in den letzten Zeiten, diese Christus-Erkenntnis dadurch zu vertiefen, daß wir gerade einen Quell geschaffen haben, durch den wir die Weihnachtsweihenacht, die Winterweihenacht, das Fest der Jesu-Geburt, in einem tieferen Sinne feiern können. Wie das gemeint ist, gehe aus unserer heutigen Betrachtung einmal hervor.
[ 3 ] And the other side of Angelus Silesius’s saying is that the human being who today, in the process of becoming human on Earth, truly feels himself to be human, can bring to consciousness how true humanity—not being lost as a true human being—is linked to the soul feeling, in its innermost being, a connection with the essential substance of Christ Jesus. But through manifold reflections over the years, it has become clear to us that, as earthly development progresses, Christ-consciousness itself must continually deepen; that, in other words, as human beings pass from incarnation to incarnation, they come to understand ever more deeply what Christ actually is. And in recent times we have sought to deepen this knowledge of Christ by creating a source through which we can celebrate Christmas Eve, the winter solstice, and the feast of the Nativity of Jesus in a deeper sense. Let us see from our reflection today what this means.
[ 4 ] Ein großer Historiker der neueren Zeit wurde von einer an den Weltereignissen interessierten Persönlichkeit gefragt, warum denn in seinen Büchern die Ereignisse ausgeschaltet werden, die sich abspielen im Anschluß an das Mysterium von Golgatha, warum denn da nirgends die Rede ist von dem Eingreifen der Kräfte und Mächte des Christus Jesus in den Fortgang des menschlichen Geschehens. Gefragt wurde der große Historiker, warum er erklärt, wie die Päpste in die Geschichte eingegriffen haben, die Könige, die Heere, die verschiedenen Verwaltungsinstanzen, selbst Naturereignisse in die Geschichte eingegriffen haben, aber nichts könne man in seinen Schriften finden darüber, wie sich hindurchzieht durch das menschliche Geschehen seit dem Mysterium von Golgatha, was an Kräften in die Menschheit übergegangen ist durch dieses Mysterium von Golgatha. Der Historiker wurde nachdenklich. Dann sagte er nach einiger Zeit, nachdem er in der Sache mit sich gründlich zu Rate gegangen war: Für die Geschichtsbetrachtung muß es doch bei der Art bleiben, die ich bisher gepflogen habe; denn dasjenige, was an Christus-Kräften das Weltengeschehen durchwellt und durchströmt, das gehört einer Art Urwelt an, in die die Menschenseele nicht hineinzuschauen vermag. Man kann wohl betrachten, welche Wirkungen ausgegangen sind von dem Mysterium von Golgatha und von den Christus-Taten, aber man kann nicht die Eigenheit dieser ChristusTaten in der Geschichte selbst schildern.
[ 4 ] A great modern historian was asked by a person interested in world events why his books omit the events that took place following the Mystery of Golgotha, and why there is no mention anywhere of the intervention of the forces and powers of Christ Jesus in the course of human history. The great historian was asked why he explains how the popes, the kings, the armies, the various administrative bodies, and even natural events have intervened in history, yet nothing can be found in his writings about how, since the Mystery of Golgotha, the forces that have passed into humanity through this Mystery of Golgotha have permeated human events. The historian fell into thought. Then, after some time, having thoroughly consulted with himself on the matter, he said: For the study of history, I must stick to the approach I have taken so far; for those Christ-forces that ripple through and flow through world events belong to a kind of primordial world into which the human soul is unable to look. One can certainly observe the effects that have emanated from the Mystery of Golgotha and from the deeds of Christ, but one cannot describe the unique nature of these deeds of Christ within history itself.
[ 5 ] Nun, dies ist nur eine der Illustrationen, die gegeben werden können für die Tatsache, daß selbst für so etwas wie die Geschichtsbetrachtung die illustresten Persönlichkeiten der neuesten Zeit nicht von sich sagen können, daß ihre Seele bereits das Weihnachtsfest gefeiert hat; denn noch nicht war aufgegangen in der Seele dieses Historikers die lebendige Gestalt, die lebendige Wesenheit des Christus Jesus, so daß er sie hätte schauen können, wie sie von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche, ja von Stunde zu Stunde durch alles das geht, was im Menschenwerden geschieht. Man kann hineinschauen heute noch als ein gründlicher Historiker in das geschichtliche Werden und nichts vernehmen davon, daß überall die Kraft des Christus in diesem geschichtlichen Werden seit dem Mysterium von Golgatha vorhanden ist. Verschiedene Ursachen können wir suchen dafür und auch finden —, daß gewissermaßen in der Seele vieler, vieler Menschen noch nicht das Winterweihefest, das dem Weihnachtsmysterium gewidmet ist, gefeiert wird.
[ 5 ] Well, this is just one of the illustrations that can be given for the fact that, even when it comes to something like the study of history, the most illustrious figures of recent times cannot say of themselves that their souls have already celebrated Christmas; for the living figure, the living essence of Christ Jesus, had not yet dawned in the soul of this historian, so that he might have seen her passing through, year by year, week by week, indeed hour by hour, all that takes place in human becoming. Even today, one can look into the historical unfolding as a thorough historian and perceive nothing of the fact that the power of Christ has been present everywhere in this historical unfolding since the Mystery of Golgotha. We can seek and indeed find various reasons for this—namely, that in a sense, the winter festival dedicated to the Christmas mystery is not yet celebrated in the souls of many, many people.
[ 6 ] Einen gewissen Aufschluß kann uns geben derjenige, der uns diese Tatsache gewissermaßen aus den Tiefen seines Wesens heraus, wo er so recht das christliche Mysterium empfand, dargestellt hat: Goethe. Den Wilhelm Meister, den Goethe so liebevoll geschildert hat in seinem ganzen menschlichen Werdegang, läßt er in ein Schloß kommen. Wilhelm Meister wird von dem Schloßherrn herumgeführt, und dann wird ihm gezeigt die Bildergalerie des Schlosses. Diese Galerie ist eine eigentümliche Galerie; sie enthält nämlich hintereinander die hauptsächlichsten Szenen des geschichtlichen Werdens: wie verflossen ist die Weltgeschichte bei den verschiedenen Völkern des Altertums, und auch beim althebräischen Volk, von Paradieseszeiten, vom Sündenfalle an, bis hindurch in die weiteren Epochen des geschichtlichen Lebens. In bedeutungsvollen Szenen ist das geschichtliche Werden dargestellt, und dann endet die Sache bei der Zerstörung Jerusalems — und nicht findet sich irgendein Bild, welches enthielte irgendeine Szene aus dem Leben des Christus Jesus, trotzdem die Geschichte über das Mysterium von Golgatha hinausgeführt wird bis zur Zerstörung Jerusalems. Da fragt Wilhelm: Warum hast du in deiner Bildergalerie nicht irgend etwas über den göttlichen Mann, der so viel Heil in die Menschheitsentwickelung gebracht hat? Ich finde in diesem Geschichtsgang eine Lücke; ich sehe den Tempel Jerusalems zerstört, ohne daß der Mann aufgeführt wird, dem sie kurz vorher noch kein Gehör geben wollten. — Und geantwortet wird Wilhelm: Dies zu tun, wie Ihr verlangt, wäre ein Fehler gewesen. Das Leben dieses göttlichen Mannes steht mit der Weltgeschichte seiner Zeit in keiner Verbindung. Es war ein Privatleben, seine Lehre eine Lehre für die einzelnen. Was Völkermassen und ihren Gliedern öffentlich begegnet, gehört der Weltgeschichte, der Weltreligion an, welche wir für die erste halten. Was dem einzelnen innerlich begegnet, gehört zur zweiten Religion, derjenigen der Weisen. Eine solche war die, welche Christus lehrte und übte, so lange er auf der Erde umherging.
[ 6 ] Some insight into this can be gained from the man who portrayed this fact, as it were, from the depths of his being, where he truly felt the Christian mystery: Goethe. He has Wilhelm Meister—whom Goethe so lovingly depicted throughout his entire human journey—enter a castle. Wilhelm Meister is shown around by the lord of the castle, and then he is shown the castle’s picture gallery. This gallery is a peculiar one; for it contains, in succession, the most significant scenes of historical development: how world history has unfolded among the various peoples of antiquity, and also among the ancient Hebrew people, from the times of Paradise, from the Fall of Man onward, through to the further epochs of historical life. Historical development is depicted in significant scenes, and then the narrative ends with the destruction of Jerusalem—and there is not a single picture containing any scene from the life of Jesus Christ, even though the story extends beyond the Mystery of Golgotha to the destruction of Jerusalem. Then Wilhelm asks: Why is there nothing in your gallery of images about the divine man who brought so much salvation to human development? I find a gap in this historical narrative; I see the Temple of Jerusalem destroyed without the man being depicted, the one whom they had refused to listen to just a short time before. — And Wilhelm is answered: To do this, as you demand, would have been a mistake. The life of this divine man has no connection with the world history of his time. It was a private life; his teaching was a teaching for individuals. What the masses and their members encounter publicly belongs to world history, to the world religion, which we consider the first. What the individual encounters inwardly belongs to the second religion, that of the sages. Such was the one that Christ taught and practiced as long as he walked the earth.
[ 7 ] Wahrhaftig, ein tief zu unserem Herzen sprechendes Wort! In bezug auf die Christus-Tatsache steht jeder Mensch als einzelner da, und steht in bezug auf die Christus-Tatsache allen Menschen, die auf der Erde wohnen, als unmittelbare Individualität gegenüber. Dasjenige, was man darstellen kann als Volksgeschichte, schleicht sich in die Angelegenheiten der einzelnen Völker; denn es betrifft dasjenige, was, wenn ich mich so ausdrücken darf, im Umkreis des menschlichen Schicksals vorgeht, mit dem Menschlichen vorgeht. Das, was der Christus Jesus in die Welt gebracht hat, es geht tief, tief innerlich hinein in dasjenige, was — welchem Teile der Erdenentwickelung er auch angehört — jedes Herz, jede Menschenseele insofern erfühlt und erlebt, als sie sich im wahren Sinne des Wortes als Mensch und als bloßer Mensch fühlt. Man muß es wieder empfinden, daß dieses Sich-als-Mensch-Fühlen erst mit dem, was durch das Mysterium von Golgatha gezogen ist, in die Menschheitsentwickelung der Erde eingetreten ist.
[ 7 ] Truly, a word that speaks deeply to our hearts! With regard to the reality of Christ, every human being stands alone, and in relation to the reality of Christ, stands as a direct individuality before all people who dwell on earth. That which can be described as national history creeps into the affairs of individual nations; for it concerns that which, if I may put it this way, takes place within the sphere of human destiny, within the human realm. What Christ Jesus brought into the world penetrates deeply, deeply inwardly into that which—whatever part of Earth’s development it may belong to—every heart, every human soul feels and experiences insofar as it feels itself, in the true sense of the word, to be human and merely human. One must once again realize that this feeling of being human only entered into the development of humanity on Earth with what was brought about by the Mystery of Golgotha.
[ 8 ] Und gehen wir weiter: Derjenige, dem das Schloß gehört, führt nun Wilhelm Meister weiter und zeigt ihm eine andere Galerie, die er verborgen gehalten hat. Nun treten sie in das Innere eines andern Raumes, wo die Ereignisse des Neuen Testamentes dargestellt sind. Also nicht da, wo die weltlichen Ereignisse von Etappe zu Etappe dargestellt sind, wo man das Exoterische zeigt, sollte Wilhelm sehen die Ereignisse des Neuen Testamentes, sondern in einem esoterischen Raum, für dessen Anschauung die Seele sich erst bereitet, herauszieht aus demjenigen, was weltgeschichtlich ist und den einzelnen Völkern angehört. Und nur auf die esoterische Basis des einzelnen, individuellen Menschen soll sich die Seele stellen. Dann wird sie die Schwelle übertreten, wo die Bilder des Neuen Testamentes aufgestellt sind. Auch in diesem Raum findet sich nicht das ganze Neue Testament, sondern nur die Szenen bis zum Abendmahl. Wilhelm fragt: «Habt ihr denn auch, so wie ihr das Leben dieses göttlichen Mannes als Lehr- und Musterbild aufstellt, sein Leiden, seinen Tod, gleichfalls als ein Vorbild erhabener Duldung herausgehoben?» Darauf erhält er eine bedeutungsvolle Antwort, eine Antwort, aus der zu entnehmen ist, mit welchen Schauern man empfinden kann das Allerheiligste, das vorgegangen ist auf Erden mit dem Wesen, das Wohnung genommen hat in einem Leibe, dessen Geburt wir in der Winterweihenacht feiern. Gleichsam in das nächste Esoterische soll Wilhelm geführt werden, um die Bilder bis zum Abendmahl zu sehen. Aber dann kommt das Esoterischste, und das wird mit heiligen Schauern also ausgesprochen: «Wir ziehen einen Schleier über diese Leiden, eben weil wir sie so hoch verehren. Wir halten es für eine verdammungswürdige Frechheit, jenes Martergerüst und den daran leidenden Heiligen dem Anblick der Sonne auszusetzen ...»
[ 8 ] And let us continue: The owner of the castle now leads Wilhelm Meister further and shows him another gallery that he had kept hidden. Now they enter another room, where the events of the New Testament are depicted. Thus, Wilhelm was not to see the events of the New Testament where the worldly events are depicted stage by stage—where the exoteric is shown—but in an esoteric room, for the contemplation of which the soul must first prepare itself, withdrawing from what pertains to world history and belongs to individual peoples. And the soul is to stand only on the esoteric foundation of the individual human being. Then it will cross the threshold where the images of the New Testament are set forth. Even in this space, the entire New Testament is not found, but only the scenes up to the Last Supper. Wilhelm asks: “Since you present the life of this divine man as a model and example, have you also highlighted his suffering and his death as a model of sublime endurance?” In response, he receives a meaningful answer, an answer from which one can discern the shudders with which one may feel the Most Holy, that which took place on earth with the Being who took up dwelling in a body whose birth we celebrate on Christmas Eve. Wilhelm is to be led, as it were, into the next esoteric realm to see the images up to the Last Supper. But then comes the most esoteric part, and it is thus expressed with holy shudders: “We draw a veil over these sufferings, precisely because we revere them so highly. We consider it a damning audacity to expose that scaffold of torture and the saint suffering upon it to the sight of the sun...”
[ 9 ] So konnte man esoterisch fühlen im 18. Jahrhundert. Es war gut, so esoterisch zu fühlen, denn wir können durchaus gerade von unserem Gesichtspunkt aus zugeben, daß in einer gewissen Weise die bildlichen Darstellungen gerade des Leidens, wenn sie nicht von den höchsten, von den wirklich bedeutendsten Künstlern gegeben sind, das heilige Mysterium von Golgatha zu den Menschen herabgezogen haben. Und wir können die Empfindung verstehen, daß ein tiefer Erfühler des Mysteriums von Golgatha in der damaligen Zeit nicht schauen wollte alle die Zerrbilder, die man vielfach gemacht hat von diesem heiligen Mysterium, sondern einen Schleier über all das gezogen haben wollte, weil er fühlte, daß nur der Seele innigste, heiligste Kräfte übersinnlich verbunden sein wollen mit demjenigen, was sich anschließt an die Geheimnisse des heiligen Abendmahls.
[ 9 ] This is how one might have felt in an esoteric sense in the 18th century. It was good to feel this way, for we can certainly admit, from our own perspective, that in a certain sense the pictorial representations of the Passion—unless they were created by the highest, truly most significant artists—have brought the sacred Mystery of Golgotha down to the level of ordinary people. And we can understand the feeling that a person who deeply sensed the mystery of Golgotha at that time did not want to look at all the distorted images that were often made of this holy mystery, but wanted to draw a veil over it all, because he felt that only the soul’s most intimate, most sacred powers of the soul can be supersensibly connected with that which pertains to the mysteries of the Holy Communion.
[ 10 ] Aber welche Empfindung ist denn im Grunde genommen in allem darinnen? Was dürfen wir dann gerade empfinden, wenn wir ein solches Gefühl beim esoterischen Seelenerleben begreifen wollen? Das müssen wir begreifen, daß Sehnsucht in den Menschenherzen war, als so etwas geschaut wurde: Sehnsucht war in dem menschlichen Herzen nach einer Auffassung, einer Anschauung des ChristusMysteriums, die größer ist als diejenige, die man damals haben konnte. In aller Demut, in einer noch viel größeren Demut als den andern Dingen der Geisteswissenschaft gegenüber, dürfen wir uns heute gestehen, ja, wahrhaftig gestehen: nach demjenigen, was als ChristusErkenntnis uns werden soll durch die Geheimwissenschaft, lechzen sehnsüchtig die besten Seelen seit langer, langer Zeit.
[ 10 ] But what feeling, after all, lies at the heart of all this? What, then, are we actually to feel when we seek to grasp such a feeling in the context of esoteric spiritual experience? We must understand that there was a longing in human hearts when such a vision was beheld: there was a longing in the human heart for a conception, a vision of the Christ Mystery, that is greater than the one that could be held at that time. In all humility, in a humility even greater than that we have toward other aspects of Spiritual Science, we may admit to ourselves today—yes, truly admit: the finest souls have been yearning longingly for what is to become our knowledge of Christ through the secret science for a very, very long time.
[ 11 ] Heute dürfen wir uns sagen: Was man vorher nur in anderer Form wissen konnte, es wird geschaut werden von den Seelen, wenn bald die Zeit erfüllt wird sein! Das Bewußtsein davon, daß einstmals solche Erkenntnis das menschliche Herz wird durchzucken können, und die Sehnsucht darnach, sie lebte als Lebensrätsel in den besten der Seelen. Eine Christus-Erkenntnis ist es, nach der die Menschen trachteten, die dem Großen, das geschehen ist auf Golgatha, angemessen ist und die man ins Auge fassen darf, ins Seelenauge auch dann, wenn die Schleier hinweggezogen werden. Für einige Freunde habe ich es gestern ausgeführt, wie in einer gewissen Weise die Christus-Erkenntnis zurückgehen mußte, wie in den ersten Zeiten der Entwickelung des Christentums diese Christus-Erkenntnis, noch befruchtet von dem alten Hellsehen, aufgenommen worden ist, und wie dieses später nach und nach abgeflaut ist. Und ein altes gnostisches Gedichtchen las ich gestern unseren Freunden vor, das ich auch hier vorbringen möchte, um so recht darauf hinzuweisen, wie gegenüber der alten atavistischen, hellseherischen Erkenntnis ein Bewußtsein hier vorhanden war: Der Christus, den wir anschauen, wenn wir ihn durch das Weihnachtskind in die Welt kommen sehen, der Christus ist ein Weltenwesen, das immer mehr wächst, in je höhere geistige Sphären wir den Seelenblick wenden — denn durch diese Sphären steigt er herunter. Deshalb mußte eine abgelebte Menschheit einen Schleier ziehen vor dieses Ereignis, weil sie noch nicht imstande war, darauf hinzuweisen, wie in dem Geheimnis des Kindes, das jedes Kind im Gefühl versteht, zugleich die höchste Weisheit liegt. In diesem Kind war geboren ein Wesen, das durch die Welten ging, bevor es auf der Erde erschien.
[ 11 ] Today we may say to ourselves: What could previously only be known in another form will be beheld by souls when the time is soon fulfilled! The awareness that such knowledge will one day be able to pierce the human heart, and the longing for it, lived as a mystery of life within the finest of souls. It is a knowledge of Christ that people sought—one befitting the great event that took place on Golgotha, and one that may be beheld, even with the eye of the soul, when the veils are drawn back. Yesterday I explained to some friends how, in a certain sense, the knowledge of Christ had to recede; how, in the early days of Christianity’s development, this knowledge of Christ—still imbued with the old clairvoyance—was received; and how this later gradually faded away. And yesterday I read a little old Gnostic poem to our friends, which I would also like to share here, in order to point out just how a consciousness was present here in contrast to the old atavistic, clairvoyant knowledge: The Christ whom we behold when we see him coming into the world through the Christmas Child—this Christ is a cosmic being who grows ever greater the higher we turn our soul’s gaze into the spiritual spheres—for it is through these spheres that he descends. That is why a humanity that had outlived its time had to draw a veil over this event, because it was not yet capable of pointing out how, in the mystery of the child—which every child understands intuitively—lies at the same time the highest wisdom. In this child was born a being who had passed through the worlds before appearing on Earth.
[ 12 ] Jesus sprach:
[ 12 ] Jesus said:
Sieh hin, o Vater,
Wie dies Wesen auf der Erde
Look, O Father,
How this being on earth
[ 13 ] — gemeint ist die menschliche Seele
[ 13 ] — this refers to the human soul
Aller Übel Ziel und Opfer,
Fern von deinem Hauche irrt.
Sieh, das bitt’re Chaos flieht es,
Ratlos, wie’s hindurch soll finden.
The source and victim of all evil,
Wanders far from your breath.
Behold, it flees the bitter chaos,
At a loss as to how to find its way through.
[ 14 ] Im Zwiegespräch mit dem göttlichen Vaterwesen wird Jesus vorgeführt, wie er durch die Weltensphären den Weg herunter nimmt, wie er hinschaut auf die im Chaos irrende, aber zu ihm sich sehnende Menschenseele, der er das Heil bringen will. Und also spricht Christus weiter zum Vater:
[ 14 ] In a dialogue with the divine Father, Jesus is shown how he descends through the spheres of the world, how he looks down upon the human soul wandering in chaos yet longing for him, to whom he wishes to bring salvation. And so Christ continues to speak to the Father:
Darum sende mich, o Vater!
Siegeltragend steig ich abwärts,
Therefore, send me, O Father!
Bearing the seal, I descend,
[ 15 ] — die Himmelssiegel tragend
[ 15 ] — bearing the seals of heaven
Der Äonen Zahl durchschreit ich ...
I stride through the ages...
[ 16 ] In den geistigen Sphären sind übereinander geschichtet die geistigen Welten, und je höher wir hinaufsteigen, desto mehr finden wir, daß die älteren Welten gegenwärtig noch leben; das, was das Älteste war, ist zu gleicher Zeit heute in den höchsten Sphären zu finden. Was einst mit der Saturnentwickelung verbunden war, finden wir heute in den höchsten geistigen Sphären, und insofern man mit der Zeitentwickelung zusammenbringt diese Aufeinanderfolge der geistigen Sphären, werden sie Äonen genannt.
[ 16 ] In the spiritual realms, the spiritual worlds are layered one above the other, and the higher we ascend, the more we find that the older worlds are still alive today; what was once the oldest can be found today in the highest realms. What was once connected with the Saturn evolution can be found today in the highest spiritual spheres, and insofar as this sequence of spiritual spheres is brought into relation with the course of time, they are called eons.
Der Äonen Zahl durchschreit ich,
Jede heilge Kunde deut ich,
Zeige dann der Götter Bildnis.
Und so schenk ich euch
Des heiligen Weges
Tief verborgne Kunde:
«Gnosis» heißt sie nun für euch.
Through countless eons I journey,
Every sacred message I interpret,
Then reveal the image of the gods.
And so I bestow upon you
The sacred path’s
Deeply hidden message:
“Gnosis” is its name for you now.
[ 17 ] Verlorengegangen bis zu einem gewissen Grad ist der Menschheit das Bewußtsein dieses kosmischen Christus. Es mußte verlorengehen, weil das alte Hellsehen hinschwinden mußte, eine Zwischenzeit kommen mußte, gleichsam ein geistloser Äon, damit wieder entstehen kann eine neue Art des hellseherischen Blickes. Der muß sich aber wieder hinaufwenden in die geistigen Welten, muß nicht bloß mit dem, was äußeres Menschenschauen ist, das Wesen charakterisieren, das durch die Winterweihenacht hereintritt in die Menschheitsentwickelung, sondern verfolgen, wie dieses Wesen von Himmelssphäre zu Himmelssphäre steigt, heruntersteigt auf die Erde und der Erde Sinn gibt, ja, der Erde Sinn gibt.
[ 17 ] To a certain extent, humanity has lost awareness of this cosmic Christ. It had to be lost because the old clairvoyance had to fade away; an interim period had to come—a sort of spiritless eon—so that a new kind of clairvoyant vision could emerge once more. But this vision must turn upward again toward the spiritual worlds; it must not merely characterize the being that enters human evolution through the Winter Solstice with what is merely external human perception, but must follow how this being ascends from sphere to sphere in the heavens, descends to Earth, and gives meaning to Earth—yes, gives meaning to Earth.
Sieh hin, o Vater,
Wie dies Wesen auf der Erde,
Aller Übel Ziel und Opfer,
Fern von deinem Hauche irrt.
Sieh, das bitt’re Chaos flieht es,
Ratlos, wie’s hindurch soll finden.
Darum sende mich, o Vater!
Siegeltragend steig ich abwärts,
Der Äonen Zahl durchschreit ich,
Jede heilge Kunde deut ich,
Zeige dann der Götter Bildnis.
Und so schenk ich euch
Des heiligen Weges
Tief verborgne Kunde:
«Gnosis» heißt sie nun für euch.
Behold, O Father,
How this being on Earth,
The target and victim of all evil,
Wanders far from your breath.
Behold, it flees the bitter chaos,
At a loss as to how to find its way through.
Therefore send me, O Father!
Bearing the seal, I descend,
Through the ages I stride,
Every sacred message I interpret,
Then reveal the image of the gods.
And so I bestow upon you
The deeply hidden message
Of the sacred path:
“Gnosis” is its name for you now.
[ 18 ] Als was erscheint uns denn eigentlich diese Erde, insofern sie um uns herum ist, wenn wir sie in ihrem wahren Sein betrachten? Werdet Ihr jemals sagen: Dies ist ein Mensch —, wenn man Euch einen solchen Leichnam heranbringt, dessen Seele in geistigen Welten außerhalb des Leichnams bereits wohnt? Werder Ihr jemals sagen: Dies ist im vollen Sinne des Wortes noch ein Mensch? — Gerade die höheren Glieder der Menschennatur sind nicht mehr in dem entseelten Leichnam. In dem Falle aber, in dem ein entseelter Leichnam ist, ist nach und nach die Erde seit der Mitte der atlantischen Zeit in der Entwickelung. Die Erde um uns herum, trotz aller ihrer Schönheiten, ist seit Mitte der atlantischen Zeit Leichnam werdend, und sie wird immer mehr und mehr Leichnam. Und indem man hinausgeht und vor den gigantischen Felsen steht, sagt man sich am besten: Das ist das Skelett, das die Erde herangestaltet von der Mitte der atlantischen Zeit an! — Und indem Ihr, was die Felsen bedeckt, als Erde ins Auge faßt, seht Ihr die absterbenden Teile des eigentlichen Erdenorganismus, der nur bis zur Mitte der atlantischen Zeit lebend war. Sogar die Geologie ist sich schon klar darüber, daß, indem wir über die Erde schreiten oder den Pflug durch die Erdscholle führen, wir über den Erdenleichnam schreiten oder den Pflug durch den Leichnam führen. Sogar unsere Geologen haben es schon ausgesprochen, und die äußere Wissenschaft selbst, wenn sie anfängt zu denken, kann nicht anders, als solche Dinge anzuerkennen. So stehen wir im Grunde genommen, indem wir von der Erde umgeben sind, dem Tode gegenüber, und wir schauen zu, wie unser Erdenball nach und nach abstirbt.
[ 18 ] What, then, does this earth actually appear to us to be, insofar as it surrounds us, when we consider it in its true essence? Would you ever say, “This is a human being”—if someone were to bring you a corpse whose soul already dwells in spiritual worlds outside the body? Would you ever say: ‘This is still a human being in the full sense of the word’?—It is precisely the higher aspects of human nature that are no longer present in the soulless corpse. Yet in the very case of a soulless corpse, the Earth has been gradually evolving since the middle of the Atlantean epoch. The Earth around us, despite all its beauty, has been turning into a corpse since the middle of the Atlantean epoch, and it is becoming more and more of a corpse. And when one goes out and stands before the gigantic rocks, one might best say to oneself: This is the skeleton that the Earth has been forming since the middle of the Atlantean epoch! — And when you look upon what covers the rocks as earth, you see the dying parts of the actual Earth organism, which was alive only until the middle of the Atlantean epoch. Even geology is already clear on the fact that, as we walk across the earth or guide the plow through the clods of earth, we are walking across the earth’s corpse or guiding the plow through the corpse. Even our geologists have already stated this, and external science itself, when it begins to think, cannot help but acknowledge such things. Thus, in essence, surrounded by the Earth, we stand face to face with death, and we watch as our Earth gradually dies.
[ 19 ] Und nun denken wir uns, das Mysterium von Golgatha hätte sich nicht vollzogen, diejenige kosmische Wesenheit, die wir die ChristusWesenheit nennen, wäre niemals durch die Jesusknaben in die Erdenentwickelung hereingekommen — dann wäre es nichts mit der Erdenentwickelung; sie wäre ein Sterben heute schon. $o aber ist die Christus-Wesenheit durch die beiden Jesuskinder gegangen und dann durch den einen Jesusknaben, in dreijähriger Erdenzeit, durch das Mysterium von Golgatha gegangen, und die Erde bekam einen neuen Keim der Lebendigkeit. Und nicht wird die Erde, wenn die Zeit einst erfüllt ist, verbleiben im Weltenraum, und die Seele — Ahriman und Luzifer verfallen! Nein, das würde geschehen, wenn der Christus nicht als lebendiger Keim in die Erde hineingekommen wäre. Aber da er hineingekommen ist, wird die Erde nicht in Erdenstaub verfallen, die Seele nicht bloß dem Luzifer und Ahriman verfallen, denn ein neues Leben ist mit dem Christus-Keim in die Erdenentwickelung hineingekommen. So wie die Erde sich einstmals abgespalten hat von der Sonne und ein Sohn der Sonne geworden ist, so wird dadurch, daß der Christus der Erdenentwickelung einen Sinn gegeben hat, die Erde durchdrungen von diesem sinnvollen Wesen zu neuer Entwickelung.
[ 19 ] And now let us imagine that the Mystery of Golgotha had not taken place, that the cosmic Being we call the Christ Being had never entered into Earth’s evolution through the Jesus children—then Earth’s evolution would have come to nothing; it would already be dying today. But the Christ Being passed through the two Jesus children and then, through the one Jesus child, over a period of three Earth years, through the Mystery of Golgotha, and the Earth received a new seed of life. And when the time is fulfilled, the Earth will not remain in the cosmos, and the soul—Ahriman and Lucifer—will perish! No, that would happen if Christ had not entered the Earth as a living seed. But since he has entered, the Earth will not decay into dust, nor will the soul fall prey merely to Lucifer and Ahriman, for a new life has entered Earth’s development with the Christ seed. Just as the Earth once separated from the Sun and became a son of the Sun, so, because Christ has given meaning to the Earth’s development, the Earth, permeated by this meaningful being, will develop anew.
[ 20 ] So sehen wir hinein durch die Geisteswissenschaft in das Mysterium von Golgatha, so stehen wir erschauernd in der heutigen Zeit und fühlen uns berufen, erst dadurch, daß wir aufweisen diejenigen Gebiete, in die das sinnliche Schauen nicht mehr reicht, den Schleier heben zu dürfen, weil wir nicht wollen hinter diesem Schleier nur dasjenige schauen, was ja schauen mußte eine Zeit, die ihrer Aufgabe nach sich nach dem Materialismus hin entwickelt hat.
[ 20 ] Thus, through Spiritual Science, we look into the mystery of Golgotha; thus, we stand trembling in the present age and feel called—precisely by pointing out those realms beyond the reach of sensory perception—to be permitted to lift the veil, for we do not wish to see behind this veil only that which an age, having developed in accordance with its own task toward materialism, was bound to see.
[ 21 ] Daher beginnt in unserer Zeit wiederum die Möglichkeit, daß diejenigen, die ihre Seele erfüllt wissen von geisteswissenschaftlichen Impulsen, zum Christus hinaufschauen als zu einem kosmischen Wesen. Dadurch wird wahrhaftig nicht — es muß das immer wiederum gesagt werden — verkleinert die unendliche Hingabe, die wir haben können für das Kind der Weihnachtsweihezeit. Das einfache christliche Empfinden wird dadurch nicht vermindert. Es wird vertieft, wenn wir also den Christus empfinden können, wie unser lieber Freund Christian Morgenstern ihn empfand, als ein Gedicht aus seiner Seele erblühte, das uns erscheinen kann wie ein Wiederauferstehen uralt heiliger gnostischer Ideen, in denen zu gleicher Zeit die ChristusLiebe waltete und die kosmische Weisheit tätig war. Und so feiern wir ein neues Weihnachten, indem in der finsteren Nacht des Materialismus wieder Stimmen ertönen, die nicht die der alten Gnostiker sind, aber die befruchtet sind von demjenigen Sinn, der hingerichtet ist nach der lebendigen kosmischen Christus-Wesenheit.
[ 21 ] Thus, in our time, the possibility arises once again for those whose souls are filled with impulses from Spiritual Science to look up to Christ as a cosmic being. This truly does not—and this must always be reiterated—diminish the infinite devotion we can feel for the Child of the Christmas season. It does not diminish the simple Christian sentiment. It is deepened when we can thus perceive Christ as our dear friend Christian Morgenstern perceived him, when a poem blossomed from his soul that may appear to us as a resurrection of ancient sacred Gnostic ideas, in which the love of Christ reigned and cosmic wisdom was at work. And so we celebrate a new Christmas, as voices resound once more in the dark night of materialism—voices that are not those of the ancient Gnostics, but which are imbued with that spirit that is attuned to the living cosmic Christ-essence.
Licht ist Liebe ... Sonnen-Weben
Liebes-Strahlung einer Welt
schöpferischer Wesenheitendie durch unerhörte Zeiten
uns an ihrem Herzen hält,
und die uns zuletzt gegebenihren höchsten Geist in eines
Menschen Hülle während dreier
Jahre: da Er kam in SeinesVaters Erbteil — nun der Erde
innerlichstes Himmelsfeuer:
daß auch sie einst Sonne werde.Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren,
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.
Light is love ... Sun-Weaving
The radiant love of a world
of creative beingswhich, through ages beyond measure
holds us close to its heart,
and which finally gave usits highest Spirit in the
form of a human being for three
years: for He came into HisFather’s inheritance—now the Earth’s
innermost heavenly fire:
that she too may one day become the Sun.If Christ is born a thousand times in Bethlehem,
And not within you, you remain lost forever.
[ 22 ] Lassen wir in unsere Seele einziehen das innerliche Winterweihnachtsfest, lassen wir unsere Seelen erfühlen, wie geboren werden muß in unserer Zeit eine neue Christus-Erkenntnis. Diese ChristusErkenntnis, welcher Art ist sie denn? Sie knüpft dasjenige, was des Menschen Intimstes ist und gleichsam sein ganzes Wesen zusammenzieht, an das Allereinfachste: sie knüpft das Kindesleben, noch nicht das voll entwickelte Menschenleben, an das höchste kosmische Sein und Werden. Wir fühlen, indem wir hinschauen zum ChristusKind, dessen wir in der Winterweihenacht gedenken, die mächtigste Winterweihe vor unserem Seelenblick stehen, die durch alle Äonen reicht, und wir verbinden alles Weltenwerden, wohin wir auch schauen, mit allem Menschlichen, mit dem tiefsten Menschlichen.
[ 22 ] Let us allow the inner winter Christmas celebration to enter our souls; let our souls sense how a new understanding of Christ must be born in our time. What, then, is the nature of this understanding of Christ? It connects that which is most intimate to the human being—and which, as it were, draws together his entire being—to the simplest of all things: it connects the life of the child, not yet the fully developed human life, to the highest cosmic being and becoming. As we gaze upon the Christ Child, whom we commemorate on the Winter Solstice, we feel the most powerful winter consecration standing before our soul’s gaze, reaching through all the eons, and we connect all world-becoming, wherever we look, with all that is human, with the deepest human essence.
[ 23 ] So fühlt derjenige, der sein Gefühl entnimmt aus unserer Geisteswissenschaft, wie der Sieg über allen Tod erworben wird durch die Vereinigung der Seele mit der Christus-Wesenheit in unserer Zeit worauf ich heute bei einer uns tief erschütternden Gelegenheit an dem Grabe des durch den Krieg uns entrissenen Freundes hindeutete. Aber so lange konnte man nicht erfühlen, wie das höchste Kosmische mit dem intimsten Menschlichen zusammenhängt, als man nicht die Geschichte in ihrem innersten Extrakte schauen konnte in dem Geheimnis von Bethlehem. Das aber wird dem Menschen, wenn er sich das Mysterium von den beiden Jesusknaben vor Augen führt. Da haben wir die Kraft des in der vorchristlichen Zeit weisesten Menschen, des Zarathustra, in dem einen Jesusknaben. Das, was von der einen Seite herabströmt an menschlicher Entwickelung, wir haben es in dem einen Jesusknaben. Wir haben des andern Aura durchhellt und durchleuchtet von dem, was von Buddha ausgegangen ist. Und wir haben das äußere leibliche Leben, abstammend aus den edelsten Säften des althebräischen Volkes, und wir haben das, was des Lukas-Jesusknaben Seelisches ausmacht, hinaufgeleitet bis zum Erdenursprung. Denn wir wissen, daß das, was das tiefste Seelische des Lukas-Jesusknaben war, zurückgeblieben ist, als der Mensch in der alten lemurischen Zeit die Erde betreten hat, und daß es durch die heiligen Mysterien aufbewahrt worden ist und dann hingeleitet wurde, als der Lukas-Jesusknabe geboren wurde, zu dem Leib, der da geboren wurde. Daher jenes eigentümliche Sprechen des LukasJesusknaben unmittelbar nach der Geburt, das nur die Mutter verstehen konnte, das keiner Sprache glich, das auch der Knabe sogleich verlernte, als Erdenbewußtsein in ihm auftauchte. Aber es war ein Aussprechen eines Geheimnisses unmittelbar nach der Geburt. Im Grunde genommen ist vieles von dem, was wir über das ChristusMysterium zu enthüllen haben, eine Auslegung dessen, was der Lukas-Jesusknabe unmittelbar nach seiner Geburt gesprochen hat.
[ 23 ] Thus does the one who draws his inspiration from our Spiritual Science feel how victory over all death is achieved through the union of the soul with the Christ-being in our time—a point I alluded to today on a deeply moving occasion at the grave of our friend, who was taken from us by the war. But one could not sense how the highest Cosmic is connected with the most intimate Human until one could perceive history in its innermost essence in the mystery of Bethlehem. Yet this becomes clear to the human being when he contemplates the mystery of the two Jesus children. There we have the power of the wisest man of pre-Christian times, Zarathustra, in one of the Jesus-children. That which flows down from one side of human development, we have it in one of the Jesus-children. In the other, we have an aura permeated and illuminated by what emanated from Buddha. And we have the outer physical life, descending from the noblest strains of the ancient Hebrew people, and we have that which constitutes the soul of the Luke Jesus-child, traced back to the origin of the Earth. For we know that what was the deepest soul of the Luke-Jesus child remained behind when humanity first set foot on Earth in the ancient Lemurian era, and that it was preserved through the sacred mysteries and then guided, when the Luke-Jesus child was born, into the body that was born there. Hence that peculiar utterance of the Luke-Jesus child immediately after birth, which only the mother could understand, which resembled no language, and which the child immediately forgot as earthly consciousness arose within him. But it was the utterance of a mystery immediately after birth. In essence, much of what we have to reveal about the Christ Mystery is an interpretation of what the Luke-Jesus child spoke immediately after his birth.
[ 24 ] So haben wir durch unsere Geisteswissenschaft den ChristusImpuls ganz heraus aus dem tieferen Menschenwerden begriffen, jenem Menschenwerden der alten vorchristlichen Zeiten, wo gewissermaßen auch die Unterschiede wieder aufhören, die Eingeweihten wieder sprechen. Wenn man einmal begriffen haben wird, was alles in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist mit dem Mysterium von Golgatha, dann wird man auch die Möglichkeit finden, überall, wo Menschenwerden ist, auch in der Geschichte, die Kräfte weiter zu fördern. Aber erst muß man wissen, wer der Christus wirklich war, bevor man zum Beispiel auch in der Geschichte von ihm sprechen kann.
[ 24 ] Thus, through our Spiritual Science, we have come to understand the Christ impulse as emerging entirely from the deeper process of human evolution—that evolution of the ancient pre-Christian era, where, in a sense, the distinctions that the initiates speak of also cease to exist. Once we have grasped everything that entered human evolution with the Mystery of Golgotha, we will also find the means to further promote these forces wherever human evolution occurs, including in history. But first we must know who Christ really was before we can speak of him, for example, in the context of history.
[ 25 ] Dann aber, wenn sich innerhalb unserer geistigen Strömung Seelen finden, immer mehr und mehr Seelen, die da suchen den Impuls, innerlich zu entzünden das Licht, das entzündet werden kann, wenn wir hinuntersteigen in die tiefsten Seelenkräfte, die heute der Mensch nach dem Mysterium von Golgatha haben kann, dann wird sich zeigen, daß durch solches Hinuntersteigen wirklich das Christus-Licht in jeder einzelnen Seele angezündet wird. Dieses Christus-Licht, das wird zum Baume, zum Weihnachtsbaume, der da leuchten wird in allem menschlichen Zukunftswerden so, daß erreicht werden muß das, wohin die Seele schaut in der wiederbelebten Erde, so daß sie im Leben dieser wiederbelebten Erde allüberall den Christus findet. Das wird sie. Und so ernst genommen kann die Christus-Botschaft der Geisteswissenschaft werden, daß bei den Bekennern dieser Geisteswissenschaft wirklich in jeder einzelnen Seele einmal jenes Weihnachtsfest gefeiert wird, welches darstellt die Geburt jener ChristusErkenntnis, die von dem Christus selbst kommt, die also eine wahre Christus-Geburt, eine Geburt des Christus in uns ist. Sie muß aber eintreten, diese Christus-Geburt in uns. Wahr, wahr ist das Wort:
[ 25 ] But then, when within our spiritual movement there are souls—more and more souls—who seek the impulse to kindle within themselves the light that can be kindled when we descend into the deepest soul forces that human beings can possess today following the Mystery of Golgotha, then it will become evident that through such a descent, the Christ-light is truly kindled in every single soul. This Christ-light becomes the tree, the Christmas tree, which will shine forth in all human becoming in the future in such a way that what the soul looks toward in the revived Earth must be attained, so that in the life of this revived Earth, the soul finds Christ everywhere. That is what will happen. And the Christ message of Spiritual Science can be taken so seriously that among the adherents of Spiritual Science, that Christmas festival will one day truly be celebrated in every single soul, which represents the birth of that Christ-knowledge that comes from Christ himself, which is thus a true Christ-birth, a birth of Christ within us. But this Christ-birth within us must take place. True, true is the word:
Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.
Christ is born a thousand times in Bethlehem
But not in you; you remain lost forever.
[ 26 ] Und fügen wir hinzu zu diesem wunderschönen Ausspruch des Mystikers Angelus Silesius: Darum wollen wir uns ewiglich finden, indem wir ewig suchen nach dem Erlebnis der Winterweihenacht, nach der Geburt des Christus in den Tiefen unserer Seele!
[ 26 ] And let us add to this beautiful saying by the mystic Angelus Silesius: Therefore, let us find ourselves eternally by seeking forever the experience of the holy night of winter, the birth of Christ in the depths of our soul!
