Human Destinies and the Destinies of Nations
GA 157
28 November 1914, Berlin
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Human Destinies and the Destinies of Nations, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Unsere ersten Gedanken sollen auch diesmal wieder hin zu den schützenden Geistern gerichtet sein, welche diejenigen bewahren, die draußen auf den Feldern der Ereignisse unserer Tage stehen; an die schützenden Geister derjenigen richten wir uns, die mit uns innerhalb unserer Bewegung stehen, jetzt aber draußen sind und mit ihrem Leben und mit ihrem ganzen physischen Sein einzutreten haben für das, was die Zeit von ihnen fordert. Und im weiteren Sinne wenden wir uns auch an die schützenden Geister aller derjenigen, die, auch ohne daß sie unserer Gemeinschaft angehören, draußen auf diesen Feldern Leben und Leib darzubringen haben:
[ 1 ] Once again, our first thoughts should be directed toward the guardian spirits who watch over those who stand outside in the fields of current events; we turn to the guardian spirits of those who stand with us within our movement, but who are now outside and must commit their lives and their entire physical being to what the times demand of them. And in a broader sense, we also turn to the guardian spirits of all those who, even without belonging to our community, must offer their lives and bodies out there in these fields:
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the earthly people entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine with help
Upon the souls it lovingly seeks.
[ 2 ] Und mit Bezug auf diejenigen, welche schon durch die Pforte des Todes gegangen sind, sagen wir:
[ 2 ] And with regard to those who have already passed through the gates of death, we say:
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the beings of the spheres entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.
[ 3 ] Und der Geist, den wir durch unsere Bewegung suchen, den wir durch die Jahre hindurch gesucht haben, so wir hier zusammenkamen, er möge walten über euch, und seine Fittiche über euch ausbreiten, damit ihr entsprechend eurem Karma eure Aufgabe zu Ende führen könnt!
[ 3 ] And may the spirit we seek through our movement—the spirit we have sought throughout the years, as we gathered here—reign over you and spread its wings over you, so that you may fulfill your mission in accordance with your karma!
[ 4 ] Meine lieben Freunde, ich weiß nicht, wie viele von den Freunden es empfunden haben werden, daß es in unsern gegenwärtigen Tagen in öffentlichen Vorträgen, wie sie gestern und vorgestern gegeben werden mußten — und insbesondere in öffentlichen Vorträgen von der Art, wie gestern einer gegeben werden mußte —, noch schwerer ist als sonst, zu sprechen, weil gar leicht das, was gesprochen werden muß, dem Mißverständnis ausgesetzt sein kann. Gerade wenn wir mit Herz und Sinn innerhalb unserer Bewegung stehen, müssen wir das Wort, von dem ich auch das letztemal, als ich hier sprechen durfte, Andeutungen gemacht habe, wirklich immer mehr zur Vertiefung in unserer Seele bringen, das Wort, das im Grunde genommen das äußere Leben, das Leben des physischen Planes, so wie es dem Menschen gewöhnlich entgegentritt — nicht an sich — Maja ist, eine Art Phantasmagorie ist, und daß die Wahrheit, die Wirklichkeit erst dahinter steht. Wir müssen uns klar sein, daß diese Wahrheit von der Maja nicht nur mit unseren Theorien oder überhaupt nur mit unserm Verstande erfaßt werden kann, sondern daß sie erfaßt werden muß mit allen unsern Seelenkräften, mit unserm ganzen Seelenleben, vor allen Dingen auch mit unseren Gefühls- und Empfindungsimpulsen. Denn ebenso wie unser Verstand, der sich auf das Sinnliche richtet, es unbegreiflich findet, daß diese uns umgebende Welt nicht die wahre, wirkliche sein soll, so finden mehr noch unsere Gefühle, unsere Willensimpulse diese Wahrheit unbegreiflich. Man muß nicht nur durch das Sicheinleben in die Geisteswissenschaft anders denken lernen, man muß auch anders fühlen lernen und anders zu den Quellen seines Wollens herabsteigen lernen.
[ 4 ] My dear friends, I do not know how many of you have felt that in these present days, in public lectures such as those that had to be given yesterday and the day before—and especially in public lectures of the kind that had to be given yesterday—it is even more difficult than usual to speak, because what must be said can all too easily be subject to misunderstanding. Precisely when we stand with heart and soul within our movement, we must truly bring the word—which I also alluded to the last time I was permitted to speak here—ever more deeply into our souls: the word that, fundamentally speaking, is the outer life, the life of the physical plane, as it usually presents itself to human beings—not in itself — is maya, a kind of phantasmagoria, and that truth, reality, lies only behind it. We must be clear that this truth regarding maya cannot be grasped merely through our theories or even through our intellect alone, but that it must be grasped with all our soul forces, with our entire soul life, and above all with our emotional and sensory impulses. For just as our intellect, which is directed toward the sensory world, finds it incomprehensible that this world surrounding us is not the true, real one, so too do our feelings and our impulses of will find this truth even more incomprehensible. One must not only learn to think differently by immersing oneself in Spiritual Science; one must also learn to feel differently and to descend to the sources of one’s will in a different way.
[ 5 ] Wie leicht könnte so etwas, wie es gestern vorgebracht worden ist, weil es ja schwierig ist, diese Dinge, da für die Verhältnisse der geistigen Welt eine Sprache nicht geprägt ist, ganz adäquat zum Ausdruck zu bringen, wie leicht könnte das zum Beispiel gestern Gesprochene so aufgefaßt werden, daß diese Charakteristik auf diese oder jene Volksseele mehr oder weniger sympathisch oder antipathisch ansprechend gefällt ist, in unserer Zeit, wo so viel von Sympathien und Antipathien, selbstverständlich von der Zeit herausgefordert, im menschlichen Denken und Fühlen mitspricht. Und dennoch, wenn Geisteswissenschaft aus rechter Gesinnung heraus spricht, dann muß schon einmal geglaubt werden, daß diese Dinge, wenn sie auch scharf charakterisiert werden müssen, wie zum Beispiel die Charaktere der Volksseelen, nicht mit Sympathie und Antipathie im gewöhnlichen Sinne des Wortes gesprochen werden dürfen. Wenn sie mit Sympathie und Antipathie gesprochen werden, dann könnten sie nämlich nicht wahr sein, dann müßten sie unwahr, müßten verlogen sein. Warum dieses?
[ 5 ] How easily could something like what was said yesterday—since it is difficult to express these things adequately, given that no language has been developed for the conditions of the spiritual world— express these things adequately, how easily could what was said yesterday, for example, be interpreted in such a way that this characterization appeals to this or that Folk-soul in a more or less sympathetic or unsympathetic manner, in our time, when so much of sympathy and antipathy—naturally prompted by the times—influences human thought and feeling. And yet, when Spiritual Science speaks from a right-minded attitude, one must believe that these things—even if they must be sharply characterized, such as the characters of Folk-souls—must not be spoken of in terms of sympathy and antipathy in the ordinary sense of the word. For if they are spoken of in terms of sympathy and antipathy, then they could not be true; they would have to be untrue, they would have to be false. Why is this so?
[ 6 ] Man glaubt so leicht, daß der, welcher durch entsprechende Entwickelung seiner Seele zu der Anschauung der geistigen Welten aufzusteigen versucht, zu der objektiven Anschauung dieser geistigen Welten, ein innerlich gefühls- oder willenstrockener Mensch werden könnte. Das kann er wahrhaftig nicht werden. Der Mensch, der sich erst ausdörren würde in bezug auf sein Gefühls- und Willensleben, in bezug auf diejenigen Impulse, die sonst in der menschlichen Gefühls-, Empfindungs- und Leidenschaftswelt zum Vorschein kommen, der Mensch, der sich erst ausdörren würde von diesem inneren Feuer, würde ganz gewiß nicht zu einer objektiven Anschauung der geistigen Welt aufsteigen können. Im Gegenteil: alles an innerem Gefühlsleben, alles an innerem Willensleben muß zusammengenommen werden, muß gerade so feurig als möglich werden. Aber es muß umgewandelt werden in der Seele; es kann nicht so bleiben, wie es im gewöhnlichen Leben ist. Es muß erst so umgewandelt werden, daß der Mensch durch dieses Gefühls- und Willensimpulsleben etwas bekommt wie einen Neuaufbau seiner Gefühls- und Willenswelt. Gerade dadurch muß sich das entwickeln, was inneres Auge, inneres Ohr genannt werden kann. Ein innerlich ausgedörrter Mensch kann man nicht werden, wenn man die geistige Welt sucht. Aber dann, wenn sie angeschaut wird, wenn man durch alle inneren Kämpfe, durch alle inneren Überwindungen zu dieser geistigen Welt hingekommen ist, dann allerdings bietet sie sich als geistige Welt so dar, daß sie zum Beispiel in uns zwar noch Sympathie und Antipathie hervorrufen kann, daß aber in der Charakteristik, die von ihr gegeben wird, so wenig lebt aus eben entstehender Sympathie und Antipathie, als in der Rose lebt von eben entstehender Sympathie, wenn wir sie anschauen. Wir können mit ihr Sympathie und Antipathie empfinden, aber sie selbst steht in ihrer Objektivität da, und wir können sie, wenn wir sie in ihrer Wesenheit erfassen wollen, nur charakterisieren. Bei demjenigen, der gewissermaßen dazu gezwungen ist, die geistige Welt zu charakterisieren, bei ihm ist in jedem einzelnen Falle im Grunde genommen die Unmöglichkeit gegeben, aus Sympathie und Antipathie heraus zu sprechen.
[ 6 ] It is all too easy to believe that someone who, through the appropriate development of their soul, attempts to rise to a perception of the spiritual worlds—to an objective perception of these spiritual worlds—might become a person who is inwardly devoid of feeling or will. They truly cannot become that. The person who were first to become desiccated in terms of their emotional and volitional life—in terms of those impulses that otherwise manifest in the human world of feelings, sensations, and passions—the person who were first to become desiccated of this inner fire would certainly not be able to ascend to an objective perception of the spiritual world. On the contrary: everything in the inner life of feeling, everything in the inner life of will must be brought together; it must become as fiery as possible. But it must be transformed within the soul; it cannot remain as it is in ordinary life. It must first be transformed in such a way that, through this life of emotional and volitional impulses, the human being gains something like a rebuilding of their world of feeling and will. It is precisely through this that what can be called the inner eye and inner ear must develop. One cannot become an inwardly withered person if one seeks the spiritual world. But then, when it is beheld, when one has arrived at this spiritual world through all inner struggles, through all inner conquests, then indeed it presents itself as a spiritual world in such a way that, for example, it can still evoke sympathy and antipathy within us, but that in the characterization it provides, is no more influenced by newly arising sympathy and antipathy than a rose is influenced by newly arising sympathy when we look at it. We can feel sympathy and antipathy toward it, but it stands there in its objectivity, and if we wish to grasp its essence, we can only characterize it. For the one who is, so to speak, compelled to characterize the spiritual world, there is, in every single case, fundamentally the impossibility of speaking out of sympathy and antipathy.
[ 7 ] Gestern wurde versucht, die italienische, die französische, die britische, die deutsche Volksseele zu charakterisieren. Gewiß wird es unter den Zuhörern solche gegeben haben, die geglaubt haben, daß da nicht objektive Charakteristik, sondern Sympathien und Antipathien sprechen. Wenn aber Sympathie und Antipathie sprechen würden, so müßte die Charakteristik selber verlogen sein, so würde sie niemals verläßlich sein können. Das können Sie aus diesem einzelnen Falle wohl begreifen, wenn ich das Folgende sage. Sie wissen alle, daß der Mensch nicht nur dieses Wesen ist, als welches er vor uns steht, wenn wir ihn mit Tagesaugen betrachten. Da lebt er seiner eigentlichen Wesenheit nach in seinem physischen Leibe, da blickt er uns gleichsam durch seinen physischen Leib an. Diejenige Wesenheit aber, derer er sich aus bestimmten Gründen — die Sie kennen — im gewöhnlichen Erdenleben nicht bewußt ist, diese Wesenheit, die eigentlich innerhalb des Ich und des astralischen Leibes lebt, lebt er ganz abgesondert vom physischen Leib und Ätherleib vom Einschlafen bis zum Aufwachen durch. Beim Geistesforscher ist es ja so, daß er dadurch zu den Ergebnissen seiner Forschung kommt, daß er sich dasjenige durchleuchtet, was sonst zwischen Einschlafen und Aufwachen unbewußt bleibt. Er erlebt dadurch — durch innere Erlebnisse — dasjenige, was sonst hinter den äußeren Eindrücken der Welt, hinter der Phantasmagorie der Welt verborgen bleibt.
[ 7 ] Yesterday, an attempt was made to characterize the Italian, French, British, and German folk-souls. Certainly, there must have been some among the listeners who believed that what was being expressed there was not an objective characterization, but rather sympathies and antipathies. But if sympathies and antipathies were speaking, then the characterization itself would be false; it could never be reliable. You can surely understand this from this particular case when I say the following. You all know that a human being is not merely the being who stands before us when we observe him with our physical eyes. There, in accordance with his true nature, he lives within his physical body; there, he looks at us, as it were, through his physical body. But that being of which he is not conscious in ordinary earthly life for certain reasons—which you know—this being, which actually lives within the I and the astral body, he lives through entirely separate from the physical body and etheric body from falling asleep until waking up. For the spiritual researcher, the fact is that he arrives at the results of his research by examining that which otherwise remains unconscious between falling asleep and waking up. Through this—through inner experiences—he experiences that which otherwise remains hidden behind the outer impressions of the world, behind the phantasmagoria of the world.
[ 8 ] Nun ist gestern im öffentlichen Vortrage gesagt worden, daß der Volksgeist, die Volksseele, im Leibe des Menschen lebt. Heute kann ich sagen: Insbesondere lebt die Volksseele im Ätherleibe des Menschen, in dem wir sind in der Zeit vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Beim Aufwachen tauchen wir mit unserem Untertauchen in den Leib zugleich in die Volksseele ein. Schlafend sind wir nicht in der Volksseele, sondern nur vom Aufwachen bis zum Einschlafen.
[ 8 ] Yesterday, in a public lecture, it was said that the national spirit, the national soul, lives within the human body. Today I can say: More specifically, the national soul lives in the human etheric body, in which we reside from the moment we wake up until we fall asleep. Upon waking, as we sink into our physical body, we simultaneously immerse ourselves in the national soul. While asleep, we are not in the national soul, but only from the moment we wake until we fall asleep.
[ 9 ] Nun entsteht die Frage: Wenn nun der Geistesforscher dasjenige gerade innerlich belebt und durchleuchtet, was nicht im physischen Leibe lebt, wie ist es dann mit seinem vom Leibe abgesonderten Leben in der Volksseele? Da wirkt die Volksseele trennend, wenn wir in den Leib untertauchen. Da kann der Geistesforscher ja nicht in der Volksseele leben, wenn er das bewußt durchlebt, was der Mensch im Schlafe durchlebt. Das Eigentümliche ist, daß es zu jeder Zeit, in jeder Gegenwart eine gewisse, man möchte sagen, regierende Anzahl von Volksseelen gibt, und die Art, wie sich diese Volksseelen zueinander verhalten, macht überhaupt das gesamte Erdenleben der Menschheit aus, insofern es physisch verläuft. Wenn man in den physischen Leib untertaucht, taucht man damit in die Volksseele unter. Kommt man aus seinem physischen Leib heraus und erlebt bewußt außerhalb desselben, dann taucht man ebenso — unter all den anderen Erlebnissen, die man durchmacht — jetzt nicht in die eigene, sondern in die anderen Volksseelen unter, mit Ausnahme der eigenen, in der man während des Tageslebens im physischen Leibe lebt. Nehmen Sie im vollen Gewicht, was ich eben gesagt habe. Daß wir mit dem Einschlafen also nicht in eine einzelne Volksseele untertauchen, sondern daß wir untertauchen in das Zusammenwirken, gleichsam in den Reigen der anderen Volksseelen, nur daß in dieses Reigenspiel nicht diejenige Volksseele hineinspielt, in die wir untertauchen, wenn wir in den physischen Leib kommen. Der Geistesforscher durchlebt tatsächlich innerhalb seiner Forschung mit den anderen Volksseelen — nur in ihrem Zusammenklang — dasselbe, was man sonst auf dem physischen Plane gegenüber der einzelnen Volksseele erlebt, die dem Volke angehört, in welchem man sonst darinnensteht.
[ 9 ] This raises the question: If the spiritual researcher animates and illuminates inwardly precisely that which does not live in the physical body, what then of his life in the Folk-souls, separate from the body? The Folk-souls act as a separating force when we immerse ourselves in the body. The spiritual researcher cannot live in the folk-souls if he consciously experiences what a person experiences in sleep. The peculiar thing is that at every time, in every present moment, there is a certain, one might say, ruling number of Folk-souls, and the way these Folk-souls relate to one another constitutes the entire earthly life of humanity, insofar as it unfolds physically. When one sinks into the physical body, one thereby sinks into the Folk-souls. When one emerges from one’s physical body and experiences consciously outside of it, then one sinks—amidst all the other experiences one undergoes—not into one’s own Folk-soul, but into the other Folk-souls, with the exception of one’s own, in which one lives during the day in the physical body. Take to heart what I have just said. That when we fall asleep, we do not immerse ourselves in a single Folk-soul, but rather we immerse ourselves in the interplay, as it were, in the dance of the other Folk-souls, only that the Folk-soul into which we immerse ourselves when we enter the physical body does not participate in this dance. In his research, the spiritual researcher actually experiences, in harmony with the other Folk-souls, the very same thing that one otherwise experiences on the physical plane in relation to the individual Folk-soul belonging to the people among whom one otherwise lives.
[ 10 ] Nun frage ich Sie: Wenn nun der Geistesforscher tatsächlich das kennt, wie man nicht nur in der eigenen Volksseele lebt, sondern wie man in den anderen Volksseelen lebt, wenn er das durchzumachen hat, hat er dann einen besonderen Grund, mit anderer Objektivität die eigene Volksseele zu schildern als andere Volksseelen? Das hat er nicht. Und hier liegt die Möglichkeit, über die Vorurteile der Sympathien und Antipathien hinüberzukommen und objektiv zu schildern. Es ist selbstverständlich, daß nicht nur der Geistesforscher, der das einfach bewußt durchmacht, was alle Menschen durchmachen, sondern daß jede Menschenseele vom Einschlafen bis zum Aufwachen in allen Volksseelen in ihrem Zusammenspiel lebt, mit Ausnahme derjenigen, in welcher die Seele lebt während des Tagwachens. Das ist das, was uns die Geisteswissenschaft gibt, damit der Horizont unseres Fühlens und Empfindens wirklich erweitert wird. Oftmals sprechen wir ja davon, daß die Geisteswissenschaft geeignet ist, eben durch die Art von Erkenntnis, die sie gibt, die Liebe ohne Unterschied von Volk, Rasse, Stand und so weiter wirklich zu geben. Dieser Satz ist so tief begründet, daß der, welcher einsieht, daß er, wenn er sich in dem Teile als Mensch nimmt, der geistig in ihm ist, sich ja gar nicht ausschließen kann in Haß und Antipathie von dem, was Menschtum ist —, daß er sich sagen muß: Es ist eigentlich ein Unsinn, nicht zu lieben! Um aber zu sagen: es ist eigentlich ein Unsinn, nicht zu lieben, muß uns eben die Geisteswissenschaft ergreifen wie ein Leben, nicht bloß wie ein Wissen. Deshalb treiben wir diese Geisteswissenschaft auch nicht wie ein bloßes Wissen, sondern so treiben wir sie, daß sie in jahrelangem Zusammenleben in unseren Zweigen wie eine geistige Nahrung, die wir aufnehmen und in uns verarbeiten, wirklich mit uns eins wird.
[ 10 ] Now I ask you: If the spiritual researcher truly knows not only how to live within his own national soul, but also how to live within other Folk-souls—if he must go through this process—does he then have a special reason to describe his own national soul with a different objectivity than he does other Folk-souls? He does not. And here lies the opportunity to rise above the prejudices of sympathies and antipathies and to describe things objectively. It goes without saying that not only the spiritual researcher, who simply consciously experiences what all human beings experience, but that every human soul, from falling asleep to waking up, lives in the interplay of all Folk-souls, with the exception of the one in which the soul lives during waking hours. This is what Spiritual Science gives us, so that the horizon of our feeling and perception is truly expanded. We often speak of how Spiritual Science is suited, precisely through the kind of knowledge it provides, to truly bestow love without distinction of nation, race, social class, and so on. This statement is so deeply grounded that whoever realizes that, when he takes himself as a human being in the part that is spiritually within him, he cannot at all exclude himself in hatred and antipathy from what humanity is—that he must say to himself: It is actually nonsense not to love! But in order to say: it is actually nonsense not to love, Spiritual Science must take hold of us as a way of life, not merely as knowledge. That is why we do not pursue Spiritual Science as mere knowledge, but rather in such a way that, through years of living together in our branches, it truly becomes one with us, like spiritual nourishment that we take in and process within ourselves.
[ 11 ] Ich sagte: Das Gewöhnliche ist das, daß der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen in dem Zusammenspiel der Volksseelen lebt, der anderen als derjenigen, die seine Volksseele gerade ist. Das ist das Gewöhnliche. Aber es gibt auch ein Mittel, um gewissermaßen in Einseitigkeit in der einen oder in der anderen Volksseele zu leben. Es gibt ein Mittel, daß man gezwungen wird, in dem Zustande zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen nicht mit dem ganzen Zusammenspiel, nicht mit dem ganzen Reigentanz gleichsam der anderen Volksseelen zu leben, sondern mehr oder weniger gebannt zu sein, mit einer oder mit mehreren anderen Volksseelen zusammenzuleben, die herausgehoben werden aus dem ganzen Zusammensein aller Volksseelen. Ein solches Mittel gibt es, und es besteht darin, daß wir eine oder mehrere Volksseelen — Völker — besonders hassen. Dieser Haß nämlich, den wir aufbringen, gibt die besondere Kraft, in unserem Schlafzustande mit denjenigen Volksseelen leben zu müssen, die wir am meisten hassen oder die wir überhaupt hassen. Man kann sich also nicht besser dazu vorbereiten, in dem unbewußten Zustande zwischen Einschlafen und Aufwachen völlig in eine Volksseele aufzugehen und mit ihr so leben zu müssen wie mit der, mit welcher man im physischen Leibe lebt, als dadurch, daß man sie haßt, aber ehrlich haßt, mit dem Gefühl haßt, und sich nicht bloß einredet, sie zu hassen.
[ 11 ] I said: The norm is that, from the moment one falls asleep until one wakes up, a person lives within the interplay of Folk-souls other than the one that is currently his own. That is the norm. But there is also a way to live, so to speak, in a one-sided manner within one Folk-soul or another. There is a way whereby one is compelled, in the state between falling asleep and waking up, not to live within the entire interplay, not within the entire round dance, as it were, of the other Folk-souls, but rather to be more or less captivated, to live together with one or more other Folk-souls that are singled out from the entire gathering of all Folk-souls. Such a means does exist, and it consists in our particularly hating one or more Folk-souls—nations. For this hatred that we arouse gives us the special power to be compelled, in our sleeping state, to live with those Folk-souls that we hate the most or that we hate at all. There is therefore no better way to prepare oneself to merge completely with a folk-soul in the unconscious state between falling asleep and waking up—and to have to live with it just as one lives with the one with whom one lives in the physical body—than by hating it, but hating it honestly, hating it with feeling, and not merely convincing oneself that one hates it.
[ 12 ] Wenn solche Dinge ausgesprochen werden, dann merkt man, wie tief und ernst die Wahrheit von der Maja genommen werden muß. Denn nicht nur, daß unser Verstand, so wie er einmal konstruiert ist, nicht einsehen will, daß die Dinge in ihren Tiefen anders sind als in ihrer äußeren Phantasmagorie, sondern es bäumt sich unser Fühlen, unser Wollen auf gegen das, was wahr ist für die geistige Welt. Wenn man solche Wahrheiten nimmt, wie die von dem Leben in den andern Volksseelen und besonders in der, welche man haßt, dann wird man sich sagen müssen, daß die größte Anzahl der Menschen die geistige Wahrheit nicht nur aus dem Grunde von sich weist, weil sie der Verstand nicht einsehen kann, sondern deshalb, weil sie sie gar nicht haben wollen, weil sie sie stört auch in dem Empfinden, dem sich der gewöhnliche Erdenmensch hingibt. Sobald man tiefer und ernsthafter auf die Wahrheiten der geistigen Welt eingeht, dann sind sie gar nicht bequem, dann sind sie gar nicht das, was der Mensch, wenn er auf dem physischen Plan allein leben will, eigentlich liebt. Sie sind unbequem. Sie durchrütteln und durchschütteln uns und fordern, je tiefer sie sind, eigentlich in jedem Augenblicke von uns, daß wir anders sein sollen, als wir gewohnt sind auf dem physischen Plan zu sein. Und dies, daß sie als ein lebendiges Inneres etwas anderes von uns fordert, als wir auf dem physischen Plane sind, das ist zumeist einer der Gründe, warum die Menschen die geistige Wahrheit zurückweisen. Wir können gar nicht anders, als nicht bloß mit einem Teile der Welt oder der Menschheit verbunden zu sein, sondern wir müssen verbunden sein mit der ganzen Welt und mit der ganzen Menschheit. Unser physisches Sein bedeutet im Grunde genommen nur den einen Pendelausschlag, der andere Pendelausschlag ist das Entgegengesetzte in vieler Beziehung; man kennt ihn nur nicht im gewöhnlichen Leben. Man kann sagen, es wird ernst, sobald man nur auf die tieferen Wahrheiten vom geistigen Leben eingeht. Und unendlich richtunggebend können diese tieferen Wahrheiten vom geistigen Leben für dasjenige werden, was Menschheitsentwickelung, was Menschheitsfortschritt gerade in unserer Zeit von uns fordert. Lassen Sie uns aus der geistigen Forschung ein Beispiel herausheben, das insbesondere für die Gegenwart wichtig sein kann.
[ 12 ] When such things are spoken, one realizes how deeply and seriously the truth of maya must be taken. For not only does our intellect, as it is currently structured, refuse to acknowledge that things are different in their depths than in their outward phantasmagoria, but our feelings and our will also rebel against what is true for the spiritual world. When one takes such truths as those concerning life in the folk-souls of other peoples—and especially in the soul one hates—one must admit that the vast majority of people reject spiritual truth not only because the mind cannot grasp it, but because they do not want it at all, because it disturbs them even in the feelings to which the ordinary earthly human being surrenders. As soon as one delves deeper and more seriously into the truths of the spiritual world, they are not at all comfortable; they are not at all what a person, if they wish to live solely on the physical plane, actually loves. They are uncomfortable. They shake us to the core and, the deeper they are, demand of us at every moment that we be different from what we are accustomed to being on the physical plane. And this—that as a living inner reality they demand something different from us than what we are on the physical plane—is usually one of the reasons why people reject spiritual truth. We cannot help but be connected not merely to a part of the world or of humanity, but we must be connected to the whole world and to all of humanity. Our physical existence is, in essence, merely one swing of the pendulum; the other swing is the opposite in many respects; we simply do not recognize it in ordinary life. One might say that things become serious as soon as one delves into the deeper truths of spiritual life. And these deeper truths of spiritual life can provide infinite guidance for what human development and human progress demand of us, especially in our time. Let us highlight an example from spiritual research that may be particularly important for the present.
[ 13 ] Sie sehen leicht ein, wenn die Dinge so stehen, wie ich jetzt eben von ihnen gesprochen habe, wenn wir also beim Untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib das Miterleben mit dem haben, was man im gewöhnlichen Sinne den Volksgeist, die Volksseele nennt, so gehört dieses Miterleben der Schicksale des einzelnen Volksgeistes zu den Erlebnissen nach dem Tode, die wir nach und nach abstreifen. Oft wurde in bezug auf viele Dinge gesprochen, die der Mensch nach dem Tode abstreift; aber zu diesen Dingen gehört auch das Verbundensein mit dem Volksgeist. Der Volksgeist wirkt im Fortschritt der Erdenentwickelung, er wirkt in dem, wie sich von Generation zu Generation die Menschheit auf der Erde fortentwickelt. Nach dem Tode, zwischen Tod und neuer Geburt, müssen wir uns, wie wir aus anderem uns herausentwickeln, so auch aus dem Volksgeist herauslösen. Das begründet zugleich das Bedeutsame des Heldentodes, des Todes auf dem Schlachtfelde zum Beispiel, das empfunden wird. Wer ihn richtig fühlt — und es fühlen ihn sicher richtig die, welche mit der richtigen Gesinnung durch diesen Tod gehen —, der weiß, daß dieser Tod ein Tod der Liebe ist, daß er erlitten wird nicht für das Persönliche, nicht für das, was man mitbehalten kann in der ganzen Zeit zwischen Tod und neuer Geburt für sich; sondern daß er erlitten wird für die Volksseele, indem selbstlos hingegeben wird dieser physische Leib und Ätherleib. Man kann sich den Tod auf dem Schlachtfelde nicht denken, ohne ihn durchdrungen zu wissen von wirklicher innigster Liebe, vom Getragenwerden der Menschen von dem, was zum Heile der Menschheit in der Zukunft beiträgt. Das ist das Große, das Bedeutsame, das Ungeheure gerade dieses Todes auf dem Schlachtfelde, wenn er in richtiger Gesinnung erlebt wird. Denn er ist undenkbar, ohne verbunden zu sein mit der Liebe.
[ 13 ] You can easily see that if things are as I have just described them—that is, if, upon entering the physical and etheric bodies, we experience what is commonly called the national spirit or folk-soul—then this experience of the destinies of the individual national spirit belongs to the post-death experiences that we gradually shed. Much has been said about the many things that a person sheds after death; but this connection with the national spirit is also among these things. The national spirit works in the progress of Earth’s development; it works in the way humanity evolves on Earth from generation to generation. After death, between death and new birth, just as we develop out of other things, so too must we detach ourselves from the national spirit. This also explains the significance of the heroic death—death on the battlefield, for example—that is felt. Whoever feels it correctly—and surely those who go through this death with the right attitude feel it correctly—knows that this death is a death of love, that it is suffered not for the personal, not for what one can retain for oneself during the entire time between death and new birth; but that it is suffered for the Folk-souls, in that this physical body and etheric body are selflessly given up. One cannot conceive of death on the battlefield without knowing it to be permeated by true, most intimate love, by the sense of being carried by people by that which contributes to the salvation of humanity in the future. That is the greatness, the significance, the enormity of this very death on the battlefield, when it is experienced with the right attitude. For it is unthinkable without being connected to love.
[ 14 ] Aber das Zusammensein mit dem einzelnen Volksgeist müssen wir zwischen Tod und neuer Geburt abstreifen. Es muß von uns abfallen. Wir müssen in eine Region hineinkommen, wo wir nicht mit dem einzelnen Volksgeiste als solchem leben. Allerdings ist es dann nicht so, daß wir unmittelbar in andere Volksgeister übergehen können. Das ist zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen der Fall. Wir müssen überhaupt frei werden von dem, was bloß irdisch ist, und müssen eingehen in das Leben, das sich loslöst von dem, was die Entwickelung der Menschheit auf der Erde ausmacht. Also loslösen müssen wir uns auch von alledem, was uns mit den Volksgeistern verbindet. Und das ist wieder das, was, wenn wir es uns als Erkenntnis aneignen, unseren Empfindungshorizont erweitert, vergrößert, indem es uns hinblicken läßt auf das andere, das wir suchen, und das nicht um uns herum ist, wenn wir auf dem Horizont des physischen Daseins leben.
[ 14 ] But we must shed our connection with the individual national spirit between death and rebirth. It must fall away from us. We must enter a realm where we do not live with the individual national spirit as such. However, it is not the case that we can immediately pass over into other national spirits. This is what happens between falling asleep and waking up. We must become free from all that is merely earthly and enter into the life that detaches itself from what constitutes the development of humanity on Earth. So we must also detach ourselves from everything that connects us to the national spirits. And this, in turn, is what—when we make it our own as knowledge—expands and broadens our horizon of perception by allowing us to look toward the other that we seek, which is not around us when we live on the horizon of physical existence.
[ 15 ] Nun ist es — das können Sie schon aus der gestrigen Charakteristik der einzelnen Volksgeister entnehmen — im Bewußtsein dieser Volksgeister gelegen, daß der eine mehr hinneigt zu der Individualität des Menschen, zu dem, was der Mensch als Individualität ist, der andere neigt weniger dazu hin. Ich habe es damit verglichen, daß der eine Mensch mehr in sein Inneres hineinschaut, der andere mehr mit der Außenwelt lebt. Bei den Volksgeistern ist es so, daß der eine sich mehr, der andere sich weniger mit den einzelnen Menschenindividuen beschäftigt. Das bedingt wieder, indem wir dem einen oder dem andern Volksgeist angehören, wie wir mit dem zusammenhängen, was der Volksgeist besonders in unserem Ätherleibe stiftet, was er dort zubereitet. Daher gibt es gewisse Unterschiede in dem Abstreifen, in dem nach und nach sich Herausstreifen aus dem, was der Volksgeist mit uns macht, nach dem Tode.
[ 15 ] Now—as you can already gather from yesterday’s description of the individual national spirits—it is inherent in the consciousness of these national spirits that one is more inclined toward the individuality of the human being, toward what the human being is as an individual, while the other is less inclined in that direction. I have compared this to the fact that one person looks more inward, while the other lives more in the outer world. With national spirits, it is the case that one is more concerned with individual human beings, while the other is less so. This in turn determines, depending on whether we belong to one national spirit or the other, how we are connected to what the national spirit particularly instills in our etheric body, what it prepares there. Hence there are certain differences in the shedding, in the gradual extrication from what the national spirit does to us after death.
[ 16 ] Da haben wir zum Beispiel den französischen Volksgeist. Es ist ein Volksgeist, dessen Inspirationen mit einer hochentwickelten Kultur zusammenhängen, mit einer Kultur, die nur dadurch denkbar ist, daß dieser Volksgeist zurücksieht auf das alte Griechentum, wie ich es auch schon auseinandergesetzt habe. Dieser Volksgeist arbeitet nun so an den Menschen, die dem betreffenden Volke angehören — das ist gerade die Natur derjenigen Volksgeister, die hochentwickelten Kulturen entsprechen —, daß tiefe Eindrücke im menschlichen Ätherleib entstehen, daß sich die Signatur des Volksgeistes scharf einprägt in den Ätherleib. Das hängt mit dem zusammen, worauf ich gestern aufmerksam gemacht habe, daß der Franzose an dem Bilde hängt, das er sich von sich selber macht. Denn daß solche von den Einwirkungen des Volksgeistes in den Ätherleib herrührende Eindrücke geschehen, das hat wieder zur Folge, daß, wenn die Seele den Leib im Tode verläßt, scharfe Ausprägungen im Ätherleibe und auch noch im astralischen Leibe des Menschen vorhanden sind. Gerade wenn man einem solchen Volke angehört wie dem französischen, kommt die Seele mit scharf ausgeprägtem astralischem Leib aus dem physischen Dasein heraus. Die Folge davon ist, daß? man viel zu tun hat im Abstreifen desjenigen, was vom Volksgeiste nach dem Tode bleibt.
[ 16 ] Take, for example, the French national spirit. It is a national spirit whose inspirations are linked to a highly developed culture—a culture that is conceivable only because this national spirit looks back to ancient Greece, as I have already explained. This national spirit now works upon the people belonging to the nation in question—this is precisely the nature of those national spirits that correspond to highly developed cultures—in such a way that deep impressions arise in the human etheric body, that the signature of the national spirit is sharply imprinted upon the etheric body. This is connected to what I pointed out yesterday, namely that the Frenchman is attached to the image he forms of himself. For the fact that such impressions, arising from the influences of the national spirit on the etheric body, occur, has the further consequence that when the soul leaves the body at death, distinct imprints remain in the etheric body and also in the astral body of the human being. Especially when one belongs to a people such as the French, the soul emerges from physical existence with a sharply defined astral body. The consequence of this is that one has much work to do in shedding what remains of the national spirit after death.
[ 17 ] Vergleichen wir nun ein solches Abstreifen der Natur des Volksgeistes, wie es durch das französische Volk bedingt wird, mit dem, was zum Beispiel durch die russische Volksseele bedingt wird, so haben wir bei der letzteren eigentlich das Entgegengesetzte. Die russische Volksseele ist gleichsam jung, und sie beschäftigt sich noch weniger mit den Menschenindividuen, die ihr anvertraut sind. Daher sind die Menschenindividuen, wenn sie durch die Pforte des Todes gehen, in bezug auf den ätherischen und astralischen Leib durch die russische Volksseele wenig geprägt. Wenn wir nun die ganze Situation ansehen in der geistigen Welt, so finden wir, wenn wir auf die Seelen hinblicken, die durch die Todespforte gegangen sind, daß wir die Seelen des französischen Volkes mit scharf ausgeprägten Ätherleibern wie auch mit scharf ausgeprägten astralischen Leibern antreffen, daß wir dagegen die russischen Seelen mit durch den Volksgeist wenig ausgeprägten Äther- und astralischen Leibern wiederfinden. Die Folge davon ist, daß diese verschiedenen Seelen von den leitenden Geistern, welche die Menschheitsevolution vorwärtsbringen müssen, zu Verschiedenem gebraucht werden können.
[ 17 ] If we now compare this kind of shedding of the national spirit’s nature, as it is conditioned by the French people, with what is conditioned, for example, by the Russian folk-souls, we find that the latter is actually the exact opposite. The Russian folk-soul is, as it were, young, and it is even less concerned with the individual human beings entrusted to it. Therefore, when individual human beings pass through the gate of death, they are scarcely imprinted by the Russian folk-soul in terms of their etheric and astral bodies. If we now consider the entire situation in the spiritual world, we find, when we look at the souls that have passed through the gate of death, that we encounter the souls of the French people with sharply defined etheric bodies as well as sharply defined astral bodies, whereas we find the Russian souls with etheric and astral bodies that are scarcely defined by the national spirit. The consequence of this is that these different souls can be used for different purposes by the guiding spirits who must advance human evolution.
[ 18 ] Nun stehen wir in einer Zeit, die wirklich nicht vorwärtskommen kann, wenn sich nicht für die Menschheit eine gewisse Summe von spirituellen Wahrheiten offenbart. Das ist ja oftmals auseinandergesetzt worden, ist bis zu dem Grade auseinandergesetzt worden, daß gesagt worden ist, daß bis zu einem gewissen Zeitraume unseres Jahrhunderts die Offenbarung des Christus sich in der geistigen Welt dem Menschen eröffnen wird. Aber wir können es so nehmen, daß wir sagen: Es muß Spirituelles hereinkommen in die Welt. Dieses Spirituelle, das in die Menschheitsentwickelung hereinkommt, erkämpfen zuerst die Geister in der übersinnlichen Sphäre; und in dieser übersinnlichen Sphäre kämpfen für das Hereindringen der spirituellen Strömung in die Menschheitsentwickelung höhere Geister, Geister höherer Hierarchien. Aber sie bedienen sich bei ihrem Kampfe als mitspielender Kräfte derjenigen, welche von den Menschen kommen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Der Mensch im Leben zwischen Tod und neuer Geburt arbeitet und wirkt ja immer mit an dem, was in der Welt geschieht. Und da er in verschiedener Weise gestaltet ist, so wirkt er ganz verschieden mit, je nachdem er zum Beispiel aus einem französischen oder aus einem russischen Leibe kommt. Daher können sich die Geister der verschiedenen höheren Hierarchien dieser Seelen in verschiedener Weise bedienen.
[ 18 ] We now find ourselves in an era that truly cannot move forward unless a certain body of spiritual truths is revealed to humanity. This has, of course, been discussed at length—to the extent that it has been said that by a certain point in our century, the revelation of Christ will open up to humanity in the spiritual world. But we can take it to mean that we say: Spirituality must enter the world. This spirituality, which enters human development, is first fought for by the spirits in the supersensible sphere; and in this supersensible sphere, higher spirits—spirits of higher hierarchies—fight for the penetration of the spiritual current into human development. But in their struggle, they make use as cooperating forces of those who come from human beings who have passed through the gate of death. For the human being in the life between death and new birth is always working and participating in what happens in the world. And since they are constituted in various ways, they participate quite differently, depending, for example, on whether they come from a French or a Russian body. Therefore, the spirits of the various higher hierarchies can make use of these souls in different ways.
[ 19 ] Was in der Menschheitsentwickelung bevorsteht, das hängt allerdings damit zusammen, daß gegenwärtig in der geistigen Welt ein mächtiger Kampf stattfindet. Nur bedeutet Kampf in der geistigen Welt etwas anderes als Kampf in der physischen Welt. Ein Kampf in der geistigen Welt bedeutet ein Zusammenwirken zur Ausgestaltung eines Fruchtbaren. Es ist dieser Kampf etwas, was für die Menschheitsentwickelung notwendig ist; kurz, es ist ein Kampf, der zu etwas führt. Ihn kämpfen gewisse Geister der höheren Hierarchien aus. Und sie kämpfen ihn so aus, daß sie sich gewisser junger, aus dem östlichen Kulturgebiete kommender Seelen und gewisser aus den westlichen Kulturen herauskommender Seelen bedienen. Es ist ein Kampf, der noch lange dauern wird, ein Kampf der russischen Seelen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, und der französischen Seelen, die durch den Tod gegangen sind; ein Krieg des geistigen Rußland gegen das geistige Frankreich. Es ist ein furchtbarer Krieg, wenn wir die Worte des physischen Planes gebrauchen. Wer heute den Blick in die geistige Welt richtet, der erblickt diesen Kampf des geistigen Rußland gegen das geistige Frankreich, und voll ist die geistige Welt davon. Es ist ein erschütternder Kampf!
[ 19 ] What lies ahead in human development is, however, connected to the fact that a powerful struggle is currently taking place in the spiritual world. But struggle in the spiritual world means something different than struggle in the physical world. A struggle in the spiritual world means a collaborative effort to bring about something fruitful. This struggle is something necessary for human development; in short, it is a struggle that leads to something. It is waged by certain spirits of the higher hierarchies. And they wage it by making use of certain young souls coming from the Eastern cultural regions and certain souls emerging from Western cultures. It is a struggle that will last a long time, a struggle between Russian souls who have passed through the gate of death and French souls who have passed through death; a war of spiritual Russia against spiritual France. It is a terrible war, if we use the language of the physical plane. Whoever turns their gaze toward the spiritual world today beholds this battle of spiritual Russia against spiritual France, and the spiritual world is filled with it. It is a shattering battle!
[ 20 ] Und nun erblicken wir, wenn wir dieses voraussetzen, das, was auf dem physischen Plan vor sieht geht: da wird ein Bündnis geschlossen. Das ist das Spiegelbild des Kampfes in der geistigen Welt. Diese Dinge gehören zu den Schwierigkeiten, welche die Geistesforschung durchzumachen hat. Glauben Sie nur nicht, daß man nun etwa generalisieren könne, indem man einfach sagt: Man kann leicht die geistigen Wahrheiten ableiten, wenn man immer das Entgegengesetzte von den Dingen denkt, die auf dem physischen Plane vor sich gehen. Man würde zu dem Falschesten und Törichtesten kommen, wenn man dies als Regel anwenden wollte. Denn es ist dies vielleicht unter hundert Fällen fünfmal der Fall, in fünfundneunzig Fällen aber nicht. Alle geistigen Wahrheiten sind individuell und müssen immer individuell angeschaut werden; sie können nicht durch bloße Dialektik gefunden werden. Aber die Wahrheit, die ich ausgesprochen habe, gehört zu denjenigen, die heute ganz besonders erschütternd sind, denn sie kann uns wieder einmal darauf aufmerksam machen, wie anders die Welt gestaltet ist, wenn wir hinter den Schleier der Maja sehen, und wie in dem, was äußere Menschentaten sind, das Entgegengesetzte von dem gegeben sein kann, was eigentlich die Realität, das Geistige ist.
[ 20 ] And now, assuming this, we see what is taking place on the physical plane: an alliance is being formed. This is the reflection of the struggle in the spiritual world. These are among the difficulties that spiritual research must overcome. Do not think, however, that one can now generalize by simply saying: One can easily deduce spiritual truths by always thinking the opposite of what is happening on the physical plane. One would arrive at the most false and foolish conclusions if one were to apply this as a rule. For this may be true in five out of a hundred cases, but not in ninety-five. All spiritual truths are individual and must always be considered individually; they cannot be found through mere dialectic. But the truth I have spoken belongs to those that are particularly jarring today, for it can once again draw our attention to how differently the world is constituted when we look behind the veil of maya, and how in what are outward human deeds, the opposite of what is actually reality—the spiritual—can be present.
[ 21 ] Wenn wir die Dinge so betrachten, dann ist es ja ganz unmöglich, daß sich nicht auch unsere Gefühle in der Betrachtung desjenigen, was äußerlich vor sich geht, umändern. Denn wir kommen zu dem Begriff, daß in den äußerlichen Vorgängen eigentlich erst unterschieden werden muß, um das Wahre zu schauen. So wie irgendein Wolkengebilde, wenn wir es in der Ferne sehen, undeutlich ausschaut, in der Nähe aber ganz anders ist, so nehmen sich auch die Dinge im Völkergeschehen in Wahrheit aus. Und mitten darinnen, ich möchte sagen, zwischen den kampfenden Parteien im Osten und Westen, liegt nun geistig das deutsche Gebiet, das dazu da ist, nach beiden Seiten hin zu vermitteln, wirklich nach beiden Seiten hin zu vermitteln — was es auch tut. Und während nach beiden Seiten hin die Vermittlung im Geiste geschieht, sehen wir in der physischen Welt das Losschlagen von beiden Seiten und nach beiden Seiten.
[ 21 ] If we look at things this way, it is quite impossible that our feelings would not also change as we observe what is happening externally. For we come to the realization that, in order to see the truth, we must first distinguish between the various aspects of external events. Just as a cloud formation looks indistinct when we see it in the distance but is quite different up close, so too do events in the life of nations appear in truth. And right in the middle of it all—I would say, between the warring parties in the East and West—lies, spiritually speaking, the German realm, which is there to mediate between both sides, truly to mediate between both sides—which it indeed does. And while mediation takes place in the spirit on both sides, we see in the physical world the lashing out from both sides and toward both sides.
[ 22 ] In einem gewissen Sinne hängt das, was wir jetzt erleben, zusammen mit dem tiefsten Impulse der Menschheitsentwickelung in unserer Zeit. Ich habe ja oftmals gesagt: Warum treiben wir eigentlich Anthroposophie? Wir treiben sie, weil sie eine Weltaufgabe ist, eine Forderung, die von der geistigen Welt aus an die Menschheit gestellt wird. Es muß eine Anzahl von Imaginationen sich der Menschheit mitteilen; die Menschen müssen im Laufe der nächsten Zeit eine Anzahl von geistigen Wahrheiten aufnehmen. $o ist es, möchte ich sagen, vorgezeichnet im Gange der Menschheitsentwickelung. Es besteht demgegenüber natürlich der Widerspruch, der wirkliche Widerspruch, der Widerstreit, daß die Menschen erst nach und nach reif werden müssen, und daß dies langsam geht. Aber die Imaginationen wollen herein in die Menschheitsentwickelung. Es will etwas herein in die Menschheitsentwickelung, was, ich möchte sagen, ein Stück über dem physischen Plan darüber, was höher liegt. Die Menschen weisen das heute noch zurück, weisen es im umfänglichsten Sinne zurück. Daher erscheint das Gegenbild. Und das Gegenbild der Imaginationen sind Leidenschaften, sind Gefühlsausbrüche, die aus der Tiefe der Menschennatur herauskommen, die ebenso tief unter dem physischen Plan liegen wie die Imaginationen über demselben. Wenn wir heute die Menschen mit Haß, mit wirklicher Unwahrheit sich begegnen sehen — was sind dann dieser Haß und diese Unwahrheit? Es sind die Spiegelbilder der herausquellenwollenden Imaginationen, die nun in solcher Form herauskommen, weil sich die Menschen gegen sie sträuben. Was eine gewisse Strecke über dem physischen Plane liegt, das kommt als sein Verwandlungsprodukt heraus, als das, was ebenso weit unter dem physischen Plane liegt; das muß sich herausarbeiten. Auch das können wir aus dem allgemeinen Menschenkarma begründet finden, was auf diese Weise auf so unerfreuliche Art geschieht.
[ 22 ] In a certain sense, what we are experiencing now is connected to the deepest impulse of human development in our time. I have often said: Why do we actually pursue anthroposophy? We pursue it because it is a world task, a demand made upon humanity by the spiritual world. A number of imaginations must be communicated to humanity; in the course of the coming period, people must take in a number of spiritual truths. This, I would say, is foreshadowed in the course of human development. In contrast, of course, there is the contradiction—the real contradiction, the conflict—that people must first gradually mature, and that this process is slow. But the imaginations want to enter into human development. Something wants to enter into human development that, I would say, lies a step above the physical plane, something higher. People still reject this today; they reject it in the most comprehensive sense. Hence the counter-image appears. And the counter-image of the imaginations are passions, are emotional outbursts that arise from the depths of human nature, which lie just as far below the physical plane as the imaginations lie above it. When we see people today encountering one another with hatred, with genuine untruth—what then are this hatred and this untruth? They are the mirror images of the imaginations striving to well up, which now emerge in such a form because people resist them. What lies a certain distance above the physical plane emerges as its product of transformation, as that which lies just as far below the physical plane; this must work its way out. We can also find the basis for this in general human karma, which manifests in such an unpleasant way.
[ 23 ] Warum muß es denn geschehen, daß die Menschen gerade jetzt, in unserem Zeitalter, eine gewisse Summe von spirituellen Wahrheiten empfangen? Darüber können wir uns in folgender Weise Antwort geben.
[ 23 ] Why is it that people must receive a certain body of spiritual truths precisely now, in our time? We can answer this question as follows.
[ 24 ] Es sind zwei Fälle möglich. Der eine ist der, daß der Mensch einen gewissen Sinn hat für spirituelle Wahrheiten, daß er ihnen nicht ein taubes Ohr entgegenbringt, sondern sie aufnimmt in seine Seele und in sein Herz, daß er gewissermaßen Anthroposoph wird, wie man in unserer Zeit Anthroposoph werden kann. Oder es ist der andere Fall möglich, daß der Mensch die spirituellen Wahrheiten abweist, dafß er etwa sagt, das ist alles törichtes, dummes Zeug; das alles entspringt aus den Köpfen von ein paar törichten Phantasten, die gescheiter täten, wenn sie etwas anderes vornehmen würden.
[ 24 ] There are two possible scenarios. One is that a person has a certain sensitivity to spiritual truths, that they do not turn a deaf ear to them, but rather take them into their soul and heart, that they become, so to speak, an anthroposophist, in the way one can become an anthroposophist in our time. Or the other possibility is that a person rejects spiritual truths, saying, for example, that it is all foolish, silly nonsense; that it all springs from the minds of a few foolish dreamers who would be better off doing something else.
[ 25 ] Nun, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, so tritt er damit selbstverständlich in die geistige Welt ein. Und wenn etwa jemand sagen würde: Tritt man denn nur dadurch in die geistige Welt ein, daß man sich zwischen Geburt und Tod ein Wissen erwirbt von dieser geistigen Welt? — so könnte man ihm in gewissem Sinne sagen: Selbstverständlich kommt in die geistige Welt auch der, welcher nichts von ihr weiß; ganz selbstverständlich tritt auch der in die geistige Welt ein. — Aber was ist für ein Unterschied zwischen diesen beiden Menschentypen? Der Unterschied ist beträchtlich. Ich rede jetzt immer nur von unserer Zeit, denn die geistigen Wahrheiten sind individuell. Und wenn etwa jemand gegenüber dem ersten, was ich angeführt habe, sagen würde: Also verwandeln sich Imaginationen, die nicht herauskommen können, immer in einen Lästerkrieg, wie er jetzt herrscht? — so wäre das eine falsche Ansicht; denn zu andern Zeiten können sie sich ganz anders verhalten. Die geistigen Wahrheiten sind immer individuell, und das, was ich jetzt sagen will, bildet eben nur eine individuelle Wahrheit für unsere Zeit.
[ 25 ] Well, when a person passes through the gate of death, they naturally enter the spiritual world. And if someone were to say, for example: “Is it only by acquiring knowledge of this spiritual world between birth and death that one enters it?” — one could say to them, in a certain sense: Of course, even those who know nothing of it enter the spiritual world; quite naturally, they too enter the spiritual world. — But what is the difference between these two types of people? The difference is considerable. I am speaking now only of our time, for spiritual truths are individual. And if, for example, someone were to say in response to the first point I mentioned: “So do imaginations that cannot find an outlet always turn into a war of blasphemy, such as the one now raging?”—that would be a mistaken view; for at other times they can behave quite differently. Spiritual truths are always individual, and what I am about to say constitutes merely an individual truth for our time.
[ 26 ] Der Mensch, der durch die Pforte des Todes geht, ohne sich um die Möglichkeit, Spirituelles in unserer Zeit aufzunehmen, gekümmert zu haben, übergibt seine Seele den höheren Welten, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet, fast so, wie er sie empfangen hat, als er durch die Geburt in das physische Dasein hereingegangen ist, und die höheren Welten haben nichts von ihm, als was sie ihm bei seiner Einkörperung übergeben haben. Wer sich aber, nicht bloß durch Glauben, sondern durch das Einleben in die geistigen Welten hier aneignet, was aus der geistigen Welt heraus zu bekommen möglich ist, der übergibt seine Seele bei seinem Tode den geistigen Welten nicht so, wie er sie bei der Geburt empfangen hat, sondern er übergibt den übersinnlichen Wesenheiten auch das, was er sich hier erarbeitet hat an Begriffen, Vorstellungen und Empfindungen, und das gehört nicht bloß ihm an, sondern das gehört den übersinnlichen Wesenheiten. Wer das nicht mitbringt, lebt selbstverständlich auch in die geistige Welt hinein, aber er trägt nichts bei zum Menschheitsfortschritt. Würde man also immer so gelebt haben oder würde man von einem bestimmten Zeitpunkt an so leben, so würde kein Fortschritt zustande gekommen sein, oder von einem bestimmten Zeitpunkt an würde die Menschheit immer so geblieben sein, wie sie war. Daß Fortschritt, daß Weiterentwickelung geschieht, daß die Seelen immer etwas Neues finden können, wenn sie in neuen Inkarnationen die Erde betreten, hängt davon ab, daß sie Gelegenheit finden, das, was die besondere Mission der Zeit ist, in sich aufnehmen zu können. Es ist also letzten Endes eine Art Entschluß, ob man sich zur geistigen Welt in ein Verhältnis bringt oder nicht. Es könnte ja zum Beispiel jemand sagen: Was liegt mir am ganzen Menschheitsfortschritt? Was liegt mir an der Erdenentwickelung? Mag die Erde stillestehen! Ich lebe darüber hinweg. — Wer keine rechte Liebe, kein Interesse zum Erdenfortschritt hat, der kann ja so reden. Wer aber Liebe zum Menschheitsfortschritt als höchste Pflicht in sich trägt, der kann diesen Weg nicht wählen. Freiheit liegt auch auf diesem Gebiete. Daher werden selbstverständlich nur durch Freiheit und Liebe zum wahren Menschenfortschritt und Menschenheil die Seelen zur Anthroposophie kommen. Man kann also auch nicht einmal aus bloßem Egoismus Anthroposoph werden; denn wird man es, so trägt man etwas zum Fortschritt bei, dem man sich sonst entzieht. Man wirkt also in Liebe, nicht bloß für sich, sondern für etwas anderes.
[ 26 ] The person who passes through the gate of death without having taken in or cared about the possibility of to receive the spiritual in our time, surrenders his soul to the higher worlds when he passes through the gate of death, almost exactly as he received it when he entered physical existence through birth, and the higher worlds have nothing of him other than what they gave him at the time of his incarnation. But whoever acquires here—not merely through faith, but by immersing themselves in the spiritual worlds—what is possible to receive from the spiritual world, that person does not surrender their soul to the spiritual worlds at death as they received it at birth, but also hands over to the supersensible beings what they have worked out here in terms of concepts, mental images, and feelings, and this does not belong solely to him, but belongs to the supersensible beings. Whoever does not bring this with them naturally also lives into the spiritual world, but contributes nothing to the progress of humanity. If one had always lived this way, or if one were to live this way from a certain point onward, no progress would have taken place, or from a certain point onward humanity would have remained as it was. That progress, that further development takes place, that souls can always find something new when they enter the Earth in new incarnations, depends on their finding the opportunity to take in within themselves what the particular mission of the time is. It is therefore ultimately a kind of decision whether one enters into a relationship with the spiritual world or not. One might say, for example: What do I care about the progress of humanity? What do I care about the development of the Earth? Let the Earth stand still! I live above it all. — Anyone who has no true love, no interest in the progress of the Earth, can speak that way. But anyone who carries within themselves a love for the progress of humanity as their highest duty cannot choose this path. Freedom also lies in this realm. Therefore, it goes without saying that souls will come to anthroposophy only through freedom and love for true human progress and the salvation of humanity. One cannot, therefore, become an anthroposophist even out of mere selfishness; for if one does, one contributes to a progress from which one would otherwise withdraw. One thus acts in love, not merely for oneself, but for something else.
[ 27 ] Das ist das, was ich immer durchleuchten lassen möchte durch alle Auseinandersetzungen derjenigen Geisteswissenschaft, die wir suchen: daß diese Wissenschaft eine lebendige, eine tätige Kraft ist. Ich rede nicht vom Schauen, ich rede von dieser Wissenschaft; das Schauen bringt nur die Resultate hervor. Ich rede von dem Einleben der Resultate im Menschen. Geisteswissenschaft ist ein Lebendiges, ein Tätiges, etwas, was sich einlebt in die Seelen, was wirkt und schafft an unseren Seelen. Deshalb habe ich oft den Vergleich gebraucht: Von der Liebe bloß zu reden — und das Reden nun besonders in der theosophischen Bewegung betrachtet — ist so, als wenn man sich vor einen Ofen hinstellen und predigen würde, er solle warm werden, denn das wäre seine Pflicht als Ofen. Er wird durch die schönste Predigt über seine Ofenaufgabe nicht warm werden. Aber er wird warm werden, wenn man Holz in ihn hineinlegt und es anzündet. So ist es im Grunde genommen mit allem Predigen von der Menschenliebe, und dieses Predigen hat auch gegenüber den Menschen kaum mehr Erfolg als das Predigen gegenüber dem Ofen, daß er warm werden soll. Schließlich ist dieses Predigen zu allen Zeiten gemacht worden und der Erfolg, er kann ja beobachtet werden. Aber das, was nicht bloß Wissen ist von der geistigen Welt, was nicht bloß Vorstellung, Wort ist, sondern was im Worte ein Lebendiges, ein Wirkendes ist, das ist das Holz, das wir unserer Seele geben, und das brennt, wenn es richtig von unserer Seele aufgenommen wird. Gerade aus solchen Auseinandersetzungen, wie die heutige ist, kann man das entnehmen; da brennt Erkenntnis auf, da wird Erkenntnis Liebe, denn der Mensch wird umgewandelt durch das in seinen Tiefen, in seinen Fundamenten erkannte Geistesleben. Es ist ihm sogar diese tiefe Umwandlung recht unbequem; er weist die spirituelle Wahrheit von sich und möchte lieber bei der Maja stehenbleiben.
[ 27 ] This is what I always want to bring to light in all the discussions of the Spiritual Science we are seeking: that this science is a living, active force. I am not speaking of vision; I am speaking of this science; vision merely produces the results. I am speaking of the results taking root within the human being. Spiritual Science is a living, active force, something that takes root in souls, that works and creates within our souls. That is why I have often used this comparison: Merely speaking of love—and considering this speaking particularly within the Theosophical Movement—is like standing in front of a stove and preaching that it should become warm, for that would be its duty as a stove. It will not become warm through the most beautiful sermon about its duty as a stove. But it will become warm if one puts wood into it and lights it. So it is, in essence, with all preaching about love for humanity, and this preaching has scarcely more success with people than preaching to the stove that it should become warm. After all, such preaching has been done throughout the ages, and its success—well, that can be observed. But what is not merely knowledge of the spiritual world, what is not merely a mental image or a word, but what is a living, active force within the word—that is the wood we give to our soul, and it burns when it is properly received by our soul. It is precisely from discussions such as today’s that one can glean this; there knowledge flares up, there knowledge becomes love, for the human being is transformed by the spiritual life recognized in his depths, in his very foundations. This profound transformation is even quite uncomfortable for him; he rejects spiritual truth and would rather remain with maya.
[ 28 ] Das ist aber auch im Grunde genommen der nächste Grund dafür, weshalb so oft gesagt wird, man solle die geistigen Wahrheiten nicht allzuviel der Öffentlichkeit übergeben. Es sind ja schließlich nicht Wahrheiten, die, wenn sie ausgesprochen werden, so neutral wirken wie Physik oder Chemie, sondern es sind Wahrheiten, denen gegenüber die Menschenseele nicht ganz neutral bleiben kann, die sie entweder ablehnen muß oder aufnehmen wird. Aber zum Aufnehmen muß sie sich in einer gewissen Weise aus demjenigen umändern, was sie im gewöhnlichen physischen Leben ist. Daher wird die Welt schon etwas erregt, aufgeregt durch die Mitteilung der tieferen geistigen Wahrheiten. Aber unsere Zeit ist dazu berufen, diese Aufregung nicht zu scheuen, diese Aufregung wirklich durchzumachen. Denn nur dadurch kann das Feld bereitet werden für ein neues Geistesleben, dem wir entgegenleben müssen und an dessen Ausgangspunkt wir doch stehen. Und die Zeichen der Zeit weisen uns darauf hin, wie notwendig es ist, gewisse Dinge zu verstehen. Denn man kann gegenüber vielem, was gerade heute in der äußeren Welt geschieht, unverständlich und unverständig stehen. Versuchen Sie einmal, Verschiedenes zusammenzufassen. Ich habe ja hier gleichsam die Aufgabe, zu Ihnen intimer zu sprechen, als es im öffentlichen Vortrage geschehen kann. Ich habe die Aufgabe, _ das, was ich in den öffentlichen Vorträgen, die mit den Zeitereignissen zusammengehangen haben, sagte, so zu formulieren, daß es wirksame Wahrheit werden könnte; so zu prägen, daß es jetzt in unserer Zeit richtig geredet ist. Versuchen Sie, da manches zusammenzunehmen, so werden Sie sehen, daß eine Bemühung durch alles hindurchgegangen ist: ein wenig richtigere Begriffe, richtigere Empfindungen und Gefühle über den Zusammenhang auch der unmittelbaren Zeitereignisse hervorzurufen, als sie sonst so leicht verbreitet sind.
[ 28 ] But this is also, in essence, the next reason why it is so often said that spiritual truths should not be revealed to the public too freely. After all, these are not truths that, when spoken, have as neutral an effect as physics or chemistry; rather, they are truths toward which the human soul cannot remain entirely neutral—truths that it must either reject or accept. But in order to accept them, it must, in a certain sense, transform itself from what it is in ordinary physical life. That is why the world becomes somewhat agitated, stirred up by the communication of deeper spiritual truths. But our time is called upon not to shy away from this agitation, but to truly go through it. For only in this way can the ground be prepared for a new spiritual life, toward which we must strive and at whose starting point we nevertheless stand. And the signs of the times point out to us how necessary it is to understand certain things. For one can stand before much of what is happening in the outer world today in a state of incomprehension and ignorance. Try to summarize various things. I have, so to speak, the task here of speaking to you more intimately than is possible in a public lecture. I have the task of formulating what I said in the public lectures that were connected with current events in such a way that it might become effective truth; of shaping it so that it is spoken correctly in our time. If you try to bring some of these things together, you will see that a consistent effort has run through it all: to evoke slightly more accurate concepts, more accurate perceptions and feelings regarding the context of even the most immediate current events than are otherwise so easily disseminated.
[ 29 ] Versuchen Sie zum Beispiel das festzuhalten, daß ich mich in dem ersten öffentlichen Vortrage bemüht habe nachzuweisen, wie wirklich dieses deutsche Volk im Grunde genommen ganz erfüllt war von der Tendenz nach Frieden, nach friedlicher Entwickelung, und wie wirklich das vorliegt, daß man sagen kann: das deutsche Volk hat als solches den Krieg nicht gewollt. Aber wenn wir links und rechts hinhören, das sagen sie alle, das betonen sie alle: sie haben den Krieg nicht gewollt! Die Franzosen haben den Krieg nicht gewollt, die Engländer haben den Krieg nicht gewollt, sie mußten ihn aus «moralischen Gründen» unternehmen. Aber die moralischen Gründe sind nur in achtzehn Stunden entstanden! Alle betonen: sie haben den Krieg nicht gewollt. Halten wir uns an das — es ist nämlich in diesem sehr, sehr viel Wahrheit darin — und verfolgen Sie einmal, wie ich vorgegangen bin, indem ich darauf hingewiesen habe: das deutsche Volk hat den Krieg nicht gewollt. Aber daraus habe ich nicht folgen lassen: also hat ihn der andere gewollt. Sondern ich habe im ersten öffentlichen Vortrage ausdrücklich gesagt: höchstens könnte man eine Frage aufwerfen, nämlich die Frage: Wer hätte den Krieg verhindern können? — und habe damit auf den russischen Osten gedeutet; denn der hätte den Krieg verhindern können.
[ 29 ] Try, for example, to note that in my first public lecture I endeavored to demonstrate how, deep down, the German people were truly filled with a desire for peace and peaceful development, and how it is indeed true that one can say: the German people, as a whole, did not want the war. But if we listen to people on the left and right, they all say this, they all emphasize it: they did not want the war! The French did not want the war, the English did not want the war; they had to wage it for “moral reasons.” But those moral reasons arose in just eighteen hours! Everyone emphasizes: they did not want the war. Let us stick to that—for there is indeed a great, great deal of truth in it—and follow how I proceeded by pointing out: the German people did not want the war. But I did not conclude from this that the other side therefore wanted it. Rather, in my first public lecture, I explicitly stated: at most, one could raise a question, namely the question: Who could have prevented the war?—and with that I pointed to the Russian East; for it could have prevented the war.
[ 30 ] Aber das ist es, worauf ich besonders aufmerksam machte, daß die richtige Antwort von der richtigen Fragestellung abhängt. Wenn irgend jemand betont, er habe den Krieg nicht gewollt, so folgt daraus nicht: also habe ihn der andere gewollt. Beide können ihn nicht gewollt haben, und doch ist er entstanden. Wenn man von den eigentümlichen Verhältnissen Rußlands absieht, so kann man im Grunde genommen sagen: Es ist wirklich der Krieg nicht gewollt worden, was man «wollen» nennt auf dem physischen Plan. Sondern dieser Krieg ist mit einer elementaren Notwendigkeit durch einander entgegengesetzte Kräfte, durch elementar einander widerstrebende Kräfte auf unbegreifliche Weise entstanden. Denn noch nie war im Grunde genommen ein solches welthistorisches Ereignis in so wenigen Tagen wie aus einer Kiste heraus entsprungen und hat gezeigt, daß das, was in den äußeren Ereignissen sich abspielt, etwas ist, was aus den geistigen Verhältnissen heraustritt und sich physisch kundgibt.
[ 30 ] But that is precisely what I drew particular attention to: that the correct answer depends on the correct question. If someone insists that they did not want the war, it does not follow that the other party therefore wanted it. It is possible that neither wanted it, and yet it broke out. If one disregards the peculiar circumstances of Russia, one can essentially say: The war was not really “wanted” in the sense of what is called “wanting” on the physical plane. Rather, this war arose in an incomprehensible way out of an elemental necessity, through opposing forces, through forces that were fundamentally at odds with one another. For never before has such a world-historical event, in essence, sprung up in so few days as if from a box, and shown that what unfolds in external events is something that emerges from spiritual conditions and manifests itself physically.
[ 31 ] So betrachtet, sind die heutigen Ereignisse etwas, was wie ein Exempel dasteht, um dem Menschen den Gedanken zu Gemüte zu führen: Wenn die Frage aufgeworfen wird, hat es der gemacht, hat es jener gemacht? — so wirst du nie das Richtige zur Antwort bekommen. Sondern du mußt einmal voraussetzen, daß da noch etwas anderes mitgewirkt hat, du mußt dich einmal bequemen, etwas tiefer zu gehen. Erst dann wird man lernen, richtig über die Ereignisse zu sprechen.
[ 31 ] Viewed in this light, today’s events serve as a kind of lesson, designed to bring a certain thought to people’s minds: If the question is raised, “Did this person do it? Did that person do it?” — you will never get the right answer. Instead, you must first assume that something else was at work, you must take the trouble to dig a little deeper. Only then will we learn to speak correctly about events.
[ 32 ] Noch aus einem anderen Grunde wird man sich zu einer tieferen Ansicht über die Dinge aufraffen müssen. Wir erleben es, wie im Widerspruche mit sich die heutige Welt sich zeigt. Die Menschen können noch nicht anders, als die Dinge so aufzufassen, daß sie durchaus dem anderen die Schuld geben. Wird einmal eine Zeit kommen, in welcher die tieferen Wahrheiten über das Karma in die Menschengemüter übergegangen sein werden, dann wird diese Art, dem anderen die Schuld zu geben in bezug auf das, was zu durchleben ist, nicht mehr stattfinden. Denn dann wird man wissen, daß jedes Volk dasjenige in seinem Karma durchlebt, was es um seinetwillen zu durchleben hat. Das Volk erlebt die Notwendigkeit, die Kräfte im Kampfe zu stärken, nicht wegen des anderen, sondern um seinetwillen, um vorwärtszukommen; der andere ist in gewisser Beziehung nur der Vollstrecker. Dadurch wird die Betrachtung abgelenkt auf das Volksseelenkarma. Und die Aussage: Hier stehe ich und dort steht der andere, der hat die Schuld, der macht es, daß ich durch diese Ereignisse, durch diese Kämpfe hindurch muß, der hat sie angezettelt, das erscheint gegenüber einer höheren Betrachtung so, wie wenn ein fünfzigjähriger Mann ein Kind ansieht — das Kind ist jung, und er ist alt; als das Kind noch nicht da war, war er noch nicht alt, und indem das Kind heranwächst, wird er alt- und wenn er nun sagen wollte: Das Kind, das hat die Schuld, daß ich alt werde; denn würde das Kind nicht heranwachsen und älter werden, so würde ich nicht alt werden! Aber das Kind kann ihn nur aufmerksam machen auf das Altwerden.
[ 32 ] There is yet another reason why we will have to force ourselves to take a deeper look at things. We are witnessing how the modern world presents itself as a contradiction in terms. People are still unable to do anything other than interpret events in such a way that they blame others entirely. Once a time comes when the deeper truths about karma have taken root in people’s minds, this tendency to blame others for what one must go through will no longer exist. For then people will know that every nation experiences in its karma what it must experience for its own sake. The nation experiences the necessity of strengthening its forces in the struggle, not because of the other, but for its own sake, in order to move forward; the other is, in a certain sense, merely the executor. Thus, the focus is shifted to the national soul’s karma. And the statement: “Here I stand, and there stands the other; he is to blame; he is the one causing me to have to go through these events, through these struggles; he instigated them”—this appears, from a higher perspective, as if a fifty-year-old man were looking at a child—the child is young, and he is old; when the child was not yet there, he was not yet old, and as the child grows up, he grows old—and if he were now to say: The child is to blame for my growing old; for if the child did not grow up and get older, I would not grow old! But the child can only draw his attention to the process of growing old.
[ 33 ] Das ist zu beachten, daß jedes Volk dasjenige, was es erlebt, und wenn es die schwersten Ereignisse sind, aus seinem Karma heraus erleben muß. Sagen Sie nicht, wenn eine solche Wahrheit in die Menschengemüter übergehe, wird es etwas Untröstliches sein, was so in die Gemüter übergeht; sondern das wird gerade zu einer heroischen Lebensauffassung, zu einer tapferen Lebensauffassung führen, zu einer Lebensauffassung, welche die Evolution in sich schließt. Man wird, wenn eine solche Lebensauffassung die Menschen ergreift, es als verschwendete Kräfte ansehen, die Schuld immer im anderen zu sehen und immer nach dem gewöhnlichen Schluß zu verfahren. Man wird an die Kräfte appellieren, die einen selber vorwärtsbringen können. Man wird lernen, sich auf jedem Gebiete mit seinem Schicksal zu identifizieren. Wir haben ja im öffentlichen Vortrage gesehen, daß dieses Schicksal, das man so gern als etwas Äußeres ansieht, erst dann richtig begriffen wird, wenn wir in dieses Schicksal ausfließen. So ist es auch mit dem Volkskarma. Wenn die Liebe auf die Erde kommt, dann wird diese Gesinnung unter die Menschen kommen.
[ 33 ] It should be noted that every people must experience whatever befalls them—even the most difficult events—as a result of their karma. Do not say that if such a truth were to take root in people’s minds, it would be something inconsolable; rather, it will lead precisely to a heroic view of life, to a courageous view of life, to a view of life that encompasses evolution. When such a view of life takes hold of people, they will regard it as a waste of energy to always see the fault in others and to always proceed according to the usual conclusion. They will appeal to the forces that can propel them forward. They will learn to identify with their destiny in every sphere. We have seen in the public lecture that this destiny, which people so readily regard as something external, is only truly understood when we merge into it. So it is with national karma. When love comes to Earth, this attitude will come among people.
[ 34 ] An Sie aber, meine lieben Freunde, die Sie sich einer geistigen Bewegung gewidmet haben, möchte ich auch heute wieder appellieren — wie es auch früher geschehen ist —, zu bedenken, daß es in der Zukunft notwendig ist, daß der geistige Horizont, in dem wir leben, nicht bloß mit solchen Gedanken angefüllt werde, die früher auch schon da waren, sondern daß er angefüllt werde mit neuen Gedanken. Das können aber nur diejenigen sein, welche aus der spirituellen Welt entspringen. Es wird nicht gleichgültig sein, ob in der nächsten Zeit eine Anzahl von Menschen da sind oder nicht, welche Gedanken in die geistige Welt hinaufsenden, wie diejenigen sind, die aus einer solchen Betrachtung stammen, wie sie heute angestellt worden ist. Wenn Sie sich entschliefen, zu meditieren über diese Wahrheiten, dann tragen Sie dazu bei, daß das, was sich in der Zukunft ergeben soll, sich in richtiger Weise und zum Menschenheil ergibt. Nicht untätig sind Sie für den Fortschritt der Menschheit, wenn Sie diejenigen Gedanken meditieren, welche die gegenwärtige Zeit fordert, damit die Menschheit wirklich vorwärtsschreite. Möge es recht vielen unter uns gelingen, neben die Arbeit, die mit Blut und Tod getan wird, auch die geistige Arbeit hinzustellen, welche darin besteht, daß wir die Welt mit richtigen Gedanken erfüllen, mit solchen Gedanken, die im Sinne der Mission unserer Zeit liegen. Und dann werden wir fühlen, daß dies die wahren Gedanken der Liebe sind. Oh, gar mancher, der heute nach Zitaten sucht und dabei nach dem so viel beliebten Büchmann greift, um etwas Rechtes zu sagen, hat in diesen Tagen das Wort des alten Heraklit angeführt, welches den Krieg den «Vater aller Dinge» sein läßt. Heraklit hat es berechtigt gesagt, und die es nachsagen, sagen es auch berechtigt. Aber aus dem Vater allein entsteht kein Kind. Zu dem Kind gehört die Mutter. Wie der Krieg der Vater ist, so ist das, was in friedenvoller Arbeit geschieht, die Mutter. Damit der Vater nicht steril bleibe, wird die Mutter da sein müssen. Und sie wird hervorgehen müssen aus den Gemütern derer, die in geistiger Weise die Aufgaben unserer Zeit begreifen und welche aus der Erkenntnis sich die Liebe zu erringen wissen.
[ 34 ] But to you, my dear friends, who have dedicated yourselves to a spiritual movement, I would like to appeal once again today—as I have done before—to consider that in the future it will be necessary for the spiritual horizon in which we live not merely to be filled with thoughts that have existed before, but to be filled with new thoughts. But these can only be thoughts that spring from the spiritual world. It will not be a matter of indifference whether or not there are a number of people in the near future who send thoughts up into the spiritual world, such as those that arise from a contemplation like the one undertaken today. If you take the time to meditate on these truths, you will contribute to ensuring that what is to unfold in the future unfolds in the right way and for the benefit of humanity. You are not idle in the progress of humanity when you meditate on the thoughts that the present time demands, so that humanity may truly move forward. May many of us succeed in setting forth, alongside the work done with blood and death, the spiritual work that consists in filling the world with right thoughts—thoughts that are in keeping with the mission of our time. And then we will feel that these are the true thoughts of love. Oh, many a person who today searches for quotations and reaches for the much-loved Büchmann to say something right has, in these days, cited the words of the ancient Heraclitus, who calls war the “father of all things.” Heraclitus spoke rightly, and those who repeat it also speak rightly. But a child cannot arise from the father alone. The mother belongs to the child. Just as war is the father, so is that which takes place in peaceful work the mother. So that the father does not remain sterile, the mother must be there. And she must emerge from the minds of those who spiritually comprehend the tasks of our time and who, from this insight, know how to attain love.
[ 35 ] Das ist das, was ich in diesem gegenwärtigen Zusammensein in Ihre Seelen legen möchte, damit gemäß den Forderungen unserer Gegenwart unsere Geisteswissenschaft nicht eine Befriedigung unserer Neugier oder unseres Wissensdurstes bleibe, sondern damit sie die rechten lebendigen Kräfte gebe, die, indem wir sie ausbilden, der wahre Trost werden für das Leid, das unsere Zeit mit sich bringt. Denn der wahre Trost ist der, der nicht Schwäche nach sich zieht, sondern der Stärke in seinem Gefolge hat, der sich aufrafft — ob zum geistigen oder leiblichen — jedenfalls aber zum Tun. Immer wieder und wieder muß man schon daran denken, wie es in unserer Zeit notwendig ist, daß eine Anzahl von Menschen einen freien Drang nach spiritueller Vertiefung haben. Denn der bedeutet schon, daß nicht der einzelne Mensch, sondern daß die ganze Menschheit vorwärtsschreitet. Und indem wir diese Gesinnung haben, erinnern wir uns am Schlusse noch einmal der Gedanken, die wir hinaussenden in dem angedeuteten Sinne zu denjenigen, die draußen stehen:
[ 35 ] This is what I would like to place in your souls during this gathering, so that, in accordance with the demands of our present time, our Spiritual Science may not remain merely a satisfaction of our curiosity or our thirst for knowledge, but rather may provide the true, living forces which, as we cultivate them, will become the true consolation for the suffering that our time brings with it. For true comfort is that which does not lead to weakness, but brings strength in its wake, that which rouses us—whether to spiritual or physical action—but in any case to action. Time and again we must remember how necessary it is in our time that a number of people have a free impulse toward spiritual deepening. For this already signifies that it is not the individual human being, but all of humanity that is moving forward. And in holding this attitude, we recall once more, in closing, the thoughts we send out in the sense indicated to those who stand outside:
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the earthly people entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine with help
Upon the souls it lovingly seeks.
[ 36 ] Und mit Hinsicht auf die, welche schon durch die Pforte des Todes gegangen sind:
[ 36 ] And as for those who have already passed through the gates of death:
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
Spirits of your souls, active guardians,
May your wings carry
The pleading love of our souls
To the beings of the spheres entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.
