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Human Destinies and the Destinies of Nations
GA 157

31 October 1914, Berlin

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Meine heben Freunde! Auch heute sollen unsere ersten Gedanken denjenigen gelten, die draußen im Felde stehen und mit ihrem Leibe und mit ihrem ganzen Sein für das einzutreten haben, was unsere Zeit von ihnen fordert. Wir richten daher die Gedanken an diejenigen geistigen Wesenheiten, welche diese draußen im Felde Stehenden in Schutz nehmen.

[ 1 ] My dear friends! Today, too, our first thoughts should go out to those who stand out in the field and must defend, with their very bodies and their whole being, what our times demand of them. We therefore turn our thoughts to those spiritual beings who protect those standing out in the field.

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the earthly people entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.

[ 2 ] Und für diejenigen, die infolge dieser Ereignisse schon durch die Pforte des Todes gegangen sind, sprechen wir:

[ 2 ] And to those who have already passed through the gates of death as a result of these events, we say:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings carry
The pleading love of our souls
To the beings of the spheres entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.

[ 3 ] Und der Geist, den wir seit vielen Jahren während unseres Strebens suchten, der Geist, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der Christus-Geist, der Geist des Mutes, der Geist der Kraft, der Geist der Einigung, der Geist des Friedens — Er möge walten über all demjenigen, was Ihr in diesen Tagen zu verrichten habt!

[ 3 ] And may the Spirit we have sought for many years in our striving, the Spirit who passed through the Mystery of Golgotha, the Spirit of Christ, the Spirit of courage, the Spirit of strength, the Spirit of unity, the Spirit of peace—may He reign over all that you have to accomplish in these days!

[ 4 ] Mehr als zu anderen Zeiten muß in diesen Tagen, in diesen Wochen schwerer Ereignisse der Ernst unseres geistigen Strebens unsere Seelen durchweben, der Ernst, aus dem heraus wir empfinden können, wie mit allem wahrhaft Menschlichen dasjenige zusammenhängt, was wir durch unsere geistige Strömung erstreben. Wir streben das an, was nicht allein zu dem vorübergehenden Sein des Menschen spricht, zu demjenigen Sein, welches hingeht mit des Menschen physischem Leibe; wir sprechen von Weistümern, wir sprechen von Seelen- und geistigen Kräften, welche sich unmittelbar an jenes höhere Selbst im Menschen richten, welches mehr ist als dasjenige, das hinwelken kann mit dem Leibe und seinem Dasein. Wir haben oftmals das Wort Maja gebraucht von den äußeren Erscheinungen, und wir haben es oft betont, daß die äußeren Erscheinungen, die Zusammenhänge des physischen Lebens dadurch eine Maja werden, daß? der Mensch sie eben mit seiner Erkenntnis, mit seinem Erkenntnisvermögen nicht richtig durchdringt, durchschaut und dadurch nicht empfindet, nicht vernimmt, was als das Bedeutungsvolle, als das eigentlich Wesenhafte aus den äußeren Erscheinungen zu uns spricht; sondern daß mit seinem Erkenntnisvermögen dieser Mensch selber einen Schleier, ein Gewebe der Täuschung über die äußeren Ereignisse hinzieht. Dadurch werden sie zur Maja.

[ 4 ] Now more than ever, in these days and weeks of grave events, the seriousness of our spiritual striving must permeate our souls—the seriousness from which we can perceive how everything that is truly human is connected to that which we strive for through our spiritual current. We strive for that which speaks not only to the transitory existence of the human being—to that existence which passes away with the human physical body; we speak of wisdom, we speak of soul and spiritual powers that are directed immediately toward that higher self within the human being, which is more than that which can wither away with the body and its existence. We have often used the word maya in reference to external appearances, and we have often emphasized that the external appearances, the relationships of physical life, become a maya because? human beings do not truly penetrate or see through them with their knowledge or cognitive faculties, and thus do not perceive or grasp what speaks to us from these external appearances as the meaningful, as the truly essential; but rather that, with their cognitive faculties, these human beings themselves draw a veil, a web of illusion, over external events. In this way, they become maya.

[ 5 ] Ein Weistum darf vor allem in diesen Tagen vor unsere Seele treten, weil wir ja verstehende Liebe, liebendes Verständnis desjenigen suchen, was um uns herum vorgeht, ein Weistum kann insbesondere vor unsere Seele treten, eine Erkenntnis, die ja im Grunde genommen im Mittelpunkte steht von alledem, was wir erkenntnismäßig erstreben. Aber sie muß eben in diesen Tagen vor unsere Seele treten mit all dem tiefen Ernst und der sittlichen Würde, die in ihr ist. Das ist die Erkenntnis — sie ist uns Ja schon zur einfachsten, elementarsten Erkenntnis des geistigen Lebens geworden von der Wiederkehr der Erdenleben, die Wahrheit, daß unsere Seele im Laufe der Zeiten von Leib zu Leib schreitet. Dem gegenüber, was da als das Ewige im Menschen von Leib zu Leib eilt in der Aufeinanderfolge der irdischen Inkarnationen des Menschen, steht das, was mit dem leiblich-physischen Dasein des Menschen zusammenhängt, steht das auf dem physischen Plan, was diesem äußeren physisch-leiblichen Dasein des Menschen die Konfiguration, die Formation, das Gepräge gibt. Und zu alledem, was dieses äußere Gepräge gibt, was gleichsam den Charakter des Menschen bedingt, insofern er in einem physischen Leibe auf dem physischen Plan lebt, gehört insbesondere dasjenige — wir dürfen in keinem Augenblicke, besonders in dieser Zeit, das vergessen —, was man zusammenzufassen hat unter dem Ausdruck der Nationalität. Wenn wir den Seelenblick auf das richten, was wir als des Menschen höheres Selbst bezeichnen, da verliert der Ausdruck Nationahität seine Bedeutung. Denn zu alledem, was wir ablegen, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, gehört der ganze Umfang desjenigen, was sich befaßt mit dem Ausdruck der Nationalität. Und wenn wir im Ernste dasjenige sein wollen, als was wir uns als geistig strebende Menschen wissen wollen, so geziemt es sich für uns, daran zu denken, daß der Mensch, indem er durch seine aufeinanderfolgenden Inkarnationen geht, nicht einer, sondern verschiedenen Nationalitäten angehört, und daß das, was ihn mit der Nationalität verbindet, eben zu demjenigen gehört, was abgelegt wird, in dem Augenblicke abgelegt werden muß, da wir durch die Pforte des Todes gehen.

[ 5 ] A certain wisdom must come before our soul, especially in these days, because we are seeking understanding love—a loving understanding of what is happening around us. A certain wisdom can come before our soul in particular: a realization that, after all, lies at the very heart of everything we strive to know. But it must step before our soul in these very days with all the deep seriousness and moral dignity that is within it. This is the insight—it has already become for us the simplest, most elementary insight into spiritual life: the truth that our soul passes from body to body in the course of time. Opposed to what, as the eternal in the human being, hastens from body to body in the succession of the human being’s earthly incarnations, stands that which is connected with the human being’s physical existence; on the physical plane stands that which gives this outer physical existence of the human being its configuration, its formation, its character. And to all that which gives this outer imprint, which, as it were, determines the character of the human being insofar as he lives in a physical body on the physical plane, belongs in particular that—we must not forget this for a single moment, especially in this time—which must be summed up under the term of nationality. When we direct the soul’s gaze toward what we call the higher self of the human being, the term “nationality” loses its meaning. For among all that we shed when we pass through the gate of death is the entire scope of that which pertains to the concept of nationality. And if we seriously wish to be what we aspire to be as spiritually striving human beings, it is fitting for us to remember that, as a human being passes through successive incarnations, they belong not to one but to various nationalities, and that what connects him to nationality belongs precisely to that which is cast off, must be cast off at the very moment we pass through the gate of death.

[ 6 ] Wahrheiten, die in das Gebiet des Ewigen gehen, brauchen nicht leicht zu begreifen zu sein. Sie können schon solche sein, gegen die sich auch zu gewissen Zeiten das Gefühl sträuben mag; die man sich besonders in schwierigen Zeiten schwierig erringen und in diesen schwierigen Zeiten schwierig auch in ihrer vollen Stärke und Klarheit bewahren kann. Aber der wahre Anthroposoph muß das, und er wird gerade dadurch zum rechten Verständnisse dessen kommen, was ihn in der äußeren physischen Welt umgibt. Die Bausteine zu diesem Verständnisse sind ja bereits in unserem anthroposophischen Streben dargebracht worden. In dem Vortragszyklus über die Volksseelen finden Sie gewissermaßen alles das enthalten, was Verständnis geben kann über den Zusammenhang der Menschen, insofern diese Menschenwesen im Ewigen sind, mit ihren Nationalitäten. Diese Vorträge wurden allerdings inmitten des Friedens gehalten, wo die Seelen geeigneter und bereiter sind, um objektive, ungeschminkte Wahrheiten voll aufzunehmen. Vielleicht ist es schwierig, diese Wahrheiten heute in derselben objektiven Weise zu bewahren, wie sie damals hingenommen worden sind. Aber gerade dadurch werden wir unsere Seelen in der allerbesten Weise zu der Stärke bereiten, die sie heute brauchen, wenn wir auch heute diese Wahrheiten in der objektiven Weise hinnehmen können.

[ 6 ] Truths that pertain to the realm of the eternal need not be easy to grasp. They may well be truths that our feelings may resist at certain times; truths that are difficult to attain, especially in difficult times, and that are difficult to preserve in their full strength and clarity during those difficult times. But the true anthroposophist must do this, and it is precisely through this that he will arrive at a true understanding of what surrounds him in the outer physical world. The building blocks for this understanding have, after all, already been presented in our anthroposophical endeavor. In the lecture series on the Folk-souls, you will find, so to speak, everything that can provide an understanding of the connection between human beings—insofar as these human beings exist in the eternal—and their nationalities. These lectures were, however, given in times of peace, when souls are more receptive and ready to fully absorb objective, unvarnished truths. Perhaps it is difficult today to receive these truths in the same objective manner as they were received back then. But it is precisely by doing so that we will best prepare our souls for the strength they need today, if we can also receive these truths objectively today.

[ 7 ] Stellen wir vor unser Seelenauge das Bild des auf dem Schlachtfelde durch die Pforte des Todes gehenden Kriegers. Begreifen wir, daß dies ein ganz besonderer Fall ist, durch die Pforte des Todes zu gehen. Begreifen wir, daß der Eintritt erfolgt in eine Welt, welche wir mit allen Fasern unseres seelischen Lebens durch die Geisteswissenschaft suchen, damit sie uns Klarheit hereinbringt auch in das physische Leben. Bedenken wir, daß durch den Tod der Eintritt in diese geistige Welt erfolgt, in die nicht unmittelbar andere Lebensimpulse mitgenommen werden können — weil sie nicht fruchtbar wären — als diejenigen, die unser geistiges Streben beleben und die doch zuletzt darauf ausgehen, 'ein brüderliches Band zu schlingen um alle Menschen des Erdenrundes. In einem höheren Lichte erscheint uns dann ein Volksausspruch, der einfach ist, wenn wir ihn mit anthroposophischer Weisheit beleuchten, der Volksausspruch: Der Tod macht alle gleich. Er macht sie alle gleich: Franzosen und Engländer und Deutsche und Russen. Das ist doch wahr. Und stellen wir dagegen dasjenige, was uns heute auf dem physischen Plan umgibt, so werden wir wohl den Grund empfinden, um auf diesem Felde über die Maja hinüberzukommen und in den Ereignissen ihr Wesenhaftes zu suchen. Stellen wir dem gegenüber, mit welchen Haß- und Antipathiegefühlen Europas Völker in dieser Stunde erfüllt sind. Stellen wir dem gegenüber alles das, was von den einzelnen Gebieten der europäischen Erde die einzelnen Völker gegeneinander empfinden und in dem, was sie reden und schreiben, zum Ausdruck bringen. Stellen wir auch einmal vor unser Seelenauge alles dasjenige hin, was da an Antipathien sich seelisch auslebt in unserer Zeit.

[ 7 ] Let us picture in our mind’s eye the image of the warrior passing through the gate of death on the battlefield. Let us realize that this is a very special case of passing through the gate of death. Let us realize that entry is made into a world which we seek with every fiber of our spiritual life through Spiritual Science, so that it may bring clarity to us even in physical life. Let us consider that through death, entry occurs into this spiritual world, into which no other life impulses can be taken directly—because they would not be fruitful—except those that enliven our spiritual striving and which ultimately aim to “forge a brotherly bond around all people on Earth.” In a higher light, a folk saying then appears to us that is simple when we illuminate it with anthroposophical wisdom: “Death makes everyone equal.” It makes them all equal: French and English and German and Russian. That is indeed true. And if we contrast this with what surrounds us today on the physical plane, we will surely find reason to transcend maya in this realm and seek the essential nature of events. Let us contrast this with the feelings of hatred and antipathy that fill the peoples of Europe at this hour. Let us contrast this with all that the individual peoples of the various regions of Europe feel toward one another and express in what they say and write. Let us also bring before the eye of our soul all that antipathy which is playing out in the soul in our time.

[ 8 ] Wie sollen wir in der Wahrheit diese Dinge ansehen? Wo liegt auf diesem Gebiete das, was hinüberführt über die Maja, über die große Täuschung? Wir lernen auf der Erde einander nicht kennen, wenn wir uns so ansehen, daß wir in dem allgemein Menschlichen ein Abstraktes anschauen, sondern wir lernen uns nur dadurch kennen, daß wir in die Lage kommen, wirklich die Eigentümlichkeiten der Menschen, die über die Erde verbreitet sind, zu verstehen, in ihrer Konkretheit zu verstehen, in dem, was sie im einzelnen sind, wie man einen Menschen im Leben nicht dadurch kennenlernt, daß man einfach sagt: er ist ein Mensch wie ich, und er muß alle Eigenschaften haben wie ich auch, sondern daß man von sich absieht und auf seine, des anderen Eigenschaften eingeht.

[ 8 ] How should we view these things in truth? What is it in this realm that leads us beyond maya, beyond the great illusion? We do not get to know one another on earth if we view each other in such a way that we see something abstract in what is generally human; rather, we get to know one another only by coming to truly understand the particularities of the people scattered across the earth—to understand them in their concreteness, in what they are individually. Just as one does not get to know a person in life by simply saying: he is a human being like me, and he must have all the same qualities as I do, but rather by setting aside one’s own perspective and engaging with the other person’s qualities.

[ 9 ] Nun ist in dem Vortragszyklus über die Volksseelen gezeigt, wie das, was als Seelenglieder in uns vorhanden ist — Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele, Bewußtseinsseele, Ich und Geistselbst — verteilt ist auf die europäischen Nationen; wie jede Nationalität im Grunde genommen eine Einseitigkeit repräsentiert. Und weiter ist dort ausgesprochen, daß so, wie die einzelnen Seelenglieder in uns selbst zusammenzuwirken haben, so haben in Wahrheit die einzelnen Nationalitäten zusammenzuwirken zu der gesamteuropäischen Seele. Wenn wir auf die italienische, auf die spanische Halbinsel hinblicken, so finden wir, daß dort das Nationale sich auslebt als Empfindungsseele. In Frankreich lebt es sich aus als Verstandes- oder Gemütsseele. Wenn wir auf die britischen Inseln gehen, so sehen wir, wie es sich als Bewußtseinsseele auslebt. In Mitteleuropa lebt sich das Nationale aus als Ich. Und wenn wir nach dem Osten hinüberblicken, so ist dies die Gegend, wo es sich auslebt — obwohl der Ausdruck nicht ganz richtig ist, wie wir nachher sehen werden — als Geistselbst. Was sich so auslebt, steht im Nationalen darinnen. Aber das, was im Menschen das Ewige ist, das geht über das Nationale hinaus, das sucht der Mensch, wenn er sich geistig vertieft. Dem gegenüber ist das Nationale nur ein Kleid, eine Hülle, und der Mensch erhebt sich um so höher, je mehr er sich zu dieser Einsicht durchringen kann. Insofern aber der Mensch in der physischen Welt lebt, lebt er eben in der nationalen Hülle, in dem, was seiner äußeren Leiblichkeit die Konfiguration gibt, was im Grunde genommen auch gewissen Eigenschaften, Charaktereigentümlichkeiten seiner Seele die Konfiguration gibt.

[ 9 ] Now, in the lecture series on the Folk-souls, it is shown how what exists within us as soul members—the feeling soul, the intellectual or emotional soul, and the conscious soul, the I, and the Spirit-Self—is distributed among the European nations; how each nationality, in essence, represents a one-sided aspect. Furthermore, it is stated there that just as the individual soul elements must interact within ourselves, so too must the individual nationalities interact to form the pan-European soul. When we look toward the Italian and Spanish peninsulas, we find that the national character expresses itself there as the soul of feeling. In France, it expresses itself as the soul of intellect or emotion. When we turn to the British Isles, we see how it expresses itself as the soul of consciousness. In Central Europe, the national character expresses itself as the I. And when we look toward the East, this is the region where it expresses itself—although the expression is not entirely correct, as we shall see later—as the Spirit-Self. What expresses itself in this way is embodied in the national. But that which is eternal in the human being transcends the national; this is what the human being seeks when he deepens spiritually. In contrast, the national is merely a garment, a shell, and the more a person can bring themselves to this insight, the higher they rise. But insofar as a person lives in the physical world, they live precisely within the national shell, within that which gives form to their outer physicality—and which, fundamentally speaking, also gives form to certain qualities and character traits of their soul.

[ 10 ] Und nun sehen wir in Abneigung, in Haß die Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten gegeneinander. Ich spreche jetzt nicht von dem, was im Waffenkampfe vor sich geht. Ich spreche von dem, was in den Gefühlen, in den Leidenschaften der Menschenseelen vor sich geht. Da haben wir eine Seele: die hat sich darauf vorzubereiten, nun empfangen zu werden von einer geistigen Welt, durch welche sie nun zwischen dem Tode und der nächsten Geburt durchzugehen hat, und welche sie führen wird zu einer Inkarnation, die einer ganz anderen Nationalität angehören wird als der, welche sie verläßt. Gerade an dieser Tatsache sehen wir am besten, am klarsten, am stärksten, wie sich der Mensch gegen das sträubt, was sein eigenes höheres Selbst in ihm ist. Blicken wir heute auf irgendeinen «Nationalen», auf einen national Fühlenden, der insbesondere seine Antipathie gegen die Angehörigen einer anderen Nationalität wendet, vielleicht sogar in seinem Lande gegen diese andere Nationalität wütet: was bedeutet dieses Wüten, diese Antipathie? Es bedeutet das Vorgefühl: in dieser Nationalität wird meine nächste Verkörperung sein! Schon ist im Unterbewußten das höhere Selbst verbunden mit der anderen Nationalität. Gegen dieses höhere Selbst sträubt sich das, was auf dem physischen Plan eingesponnen ist in die Nationalitäten des physischen Planes. Das ist das Wüten der Menschen gegen ihr eigenes höheres Selbst. Und wo dieses Wüten am stärksten ist, wo am meisten gehaßt und gelogen wird über andere Nationalitäten, da ist für den, der die Sachen nicht mit Maja, sondern mit Wahrheit ansieht, der wahre Grund dafür der, daß bei den Angehörigen jener Nation, die gegen eine andere am meisten wütet, am grausamsten sich benimmt und am meisten lügt, die Tatsache vorliegt, daß ein großer Teil ihrer Angehörigen mit der nächsten Inkarnation überzugehen hat in jene andere Nationalität.

[ 10 ] And now we see members of different nationalities viewing one another with aversion and hatred. I am not speaking here of what takes place in armed conflict. I am speaking of what is taking place in the feelings, in the passions of human souls. There we have a soul: it must prepare itself to be received by a spiritual world through which it must now pass between death and its next birth, and which will lead it to an incarnation that will belong to a nationality entirely different from the one it is leaving. It is precisely in this fact that we see most clearly, most distinctly, and most powerfully how human beings resist what is their own higher self within them. Let us look today at any “nationalist,” at someone with nationalistic sentiments, who directs his antipathy particularly against members of another nationality, perhaps even rages against that other nationality within his own country: what does this rage, this antipathy, signify? It signifies a premonition: my next incarnation will be in this nationality! Already, in the subconscious, the higher self is connected to the other nationality. That which is entangled on the physical plane in the nationalities of the physical plane resists this higher self. This is the rage of human beings against their own higher self. And where this rage is strongest, where there is the most hatred and lying about other nationalities, there, for the one who views things not through maya but through truth, the true reason is that among the members of that nation which rages most fiercely against another, behaves most cruelly, and lies the most, the fact exists that a large portion of its members must pass over in their next incarnation into that other nationality.

[ 11 ] Das ist der Ernst unserer Lehre, das ist die sittliche Würde, die dahintersteckt. Vieles im Menschen sträubt sich gegen die Anerkennung seines höheren Selbstes, seines Ewigen; vieles, unendlich vieles. Daher ist es in der Gegenwart ungeheuer schwierig, objektiv zu reden. Es ist immerhin eine eigentümliche Erscheinung, eine ganz eigentümliche Erscheinung, daß, bevor dieser Krieg begonnen hat, unendlich anerkennende Stimmen von England herübergekommen sind gegenüber deutschem Charakter, deutscher Tüchtigkeit, namentlich aber gegenüber deutschem Geistesleben. Eine Probe dafür versuchte ich im letzten öffentlichen Vortrage zu geben. Diese Beispiele könnten ins Ungeheure vermehrt werden, und sie sollen auch noch vermehrt werden. Was war das?

[ 11 ] This is the seriousness of our teaching; this is the moral dignity that underlies it. Much within man resists the recognition of his higher self, his eternal self; much, infinitely much. That is why it is immensely difficult to speak objectively in the present. It is, after all, a peculiar phenomenon, a very peculiar phenomenon, that before this war began, voices of infinite appreciation came from England regarding the German character, German competence, but especially regarding German intellectual life. I attempted to provide an example of this in my last public lecture. These examples could be multiplied beyond measure, and they should indeed be multiplied further. What was that?

[ 12 ] Okkultistisch angesehen, war es das Gefühl dafür, daß tatsächlich in dem, was im letzten öffentlichen Vortrage gesagt worden ist über den faustischen Seelencharakter, der in Mitteleuropa angestrebt wird, etwas Sichverjüngendes liegt, etwas das Spirituelle Suchendes, etwas zum Spirituellen Vorbereitendes, etwas, zu dem sich ganz Europa hinwenden wird, wirklich hinwenden wird; das wurde in den Zeiten, welche den unsrigen vorangegangen sind, instinktiv erfühlt. Man wollte etwas verstehen von dem, was da in Mitteleuropa vorgeht. Man wird aber, da man im Nationalen steht, ganz verständnisvoll damit verbunden sein können erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Da wird man verständnisvoll damit verbunden sein können; da wird man den Weg hinfinden zu den mitteleuropäischen Lehrern. Es ist sogar unangenehm, dies jetzt zu sagen, weil es von dem Angehörigen Mitteleuropas wie eine Renommisterei aussieht; aber man muß schon die objektiven Wahrheiten sagen. Was aber so instinktiv empfunden wird, was gesucht werden wird im Leben zwischen Tod und neuer Geburt: Die Vereinigung mit Seelen, die so nach dem allgemein Menschlichen gestrebt haben, mit der Goethe-Seele, mit der Schiller-Seele, mit der Fichte-Seele was da empfunden wurde von der Tatsache, daß man, wenn man durch die Pforte des Todes gegangen ist, aufsuchen wird vor allem die Goethe-Seele, die Fichte-Seele, die Schiller-Seele und andere Seelen, die in Mitteleuropa ihre letzte Inkarnation hatten —, gegen diese Tatsache, die sich so instinktiv ausgesprochen hat, sträubt sich noch ein letztes Mal unendliches nationales Leidenschaftliches. Wenn wir dieses Sträuben in die Worte gekleidet empfinden, die jetzt von Westen und Nordwesten so häufig zu uns herübertönen, so haben wir an die Stelle der Maja, der Täuschung, die verstandene Wirklichkeit gesetzt. Dann verstehen wir, wie der Erdenmensch, der in sich den ewigen Menschen hat, nicht will, was der ewige Mensch in ihm will; wie sich ihm die Liebe, die er im Ewigen empfinden muß, in Haß umwandelt im Zeitlichen.

[ 12 ] From an occult perspective, there was a sense that what was said in the last public lecture about the Faustian character of the soul—which is being sought in Central Europe—contains something rejuvenating, something that seeks the spiritual, something that prepares for the spiritual, something toward which all of Europe will turn, will truly turn; this was instinctively sensed in the times that preceded our own. People wanted to understand something of what was taking place in Central Europe. But since one stands within the national, one will be able to connect with it in a truly understanding way only in the life between death and new birth. There one will be able to connect with it in a truly understanding way; there one will find the path to the Central European teachers. It is even unpleasant to say this now, because to those belonging to Central Europe it looks like boasting; but one must speak the objective truths. But what is felt so instinctively, what will be sought in the life between death and new birth: union with souls who have striven so for the universal human, with the Goethe soul, with the Schiller soul, with the Fichte soul—what was felt there from the fact that, once one has passed through the gate of death, one will seek above all the Goethe soul, the Fichte soul, the Schiller soul, and other souls who had their last incarnation in Central Europe—against this fact, which has expressed itself so instinctively, an infinite national passion still rebels one last time. When we perceive this resistance clothed in the words that now so frequently echo to us from the west and northwest, we have substituted understood reality for maya, for illusion. Then we understand how the earthly human being, who has the eternal human being within him, does not want what the eternal human being within him wants; how the love he must feel in the eternal is transformed into hatred in the temporal.

[ 13 ] Wir werden am besten zur verstehenden Liebe, zum liebevollen Verständnis kommen, wenn wir uns in dem Sinne, wie es unsere geistige Wissenschaft uns geben kann, über die Charaktere der europäischen Menschheit unterrichten. Wir dürfen das, denn wir sprechen ja stets zum höheren Selbst des Menschen. Und wer mit uns denken und fühlen will, der anerkennt dieses höhere Selbst und kann daher alles hören, was über die äußere Hülle gesprochen werden muß; denn er weiß, daß die Rede von der äußeren Hülle ist.

[ 13 ] We will best attain understanding love and loving understanding if we educate ourselves about the character of European humanity in the way that our spiritual science can provide. We are permitted to do so, for we are always speaking to the higher self of the human being. And whoever wishes to think and feel with us acknowledges this higher self and can therefore hear everything that must be said about the outer shell; for they know that the speech concerns the outer shell.

[ 14 ] Es ist ja im gewissen Sinne jedem Volke eine bestimmte Mission auferlegt. Wir werden einmal, wenn wir den Bau in Dornach betreten, in der Aufeinanderfolge der Säulen, ihrer Kapitäle und der Architrave darüber, in den Formen ausgedrückt finden, was in den europäischen Impulsen zum Ausdruck kommt. Doch darüber will ich jetzt nicht sprechen, weil es gut ist, darüber zu sprechen, wenn man den Bau vor sich hat. Das habe ich vor einigen Tagen dort getan. Wenn wir aber das, was ohne dieses auf unsere Seele Eindruck machen kann, uns vor Augen halten, dann erkennen wir vor allen Dingen in den Bewohnern der südlichen Halbinseln — Italien und Spanien — Völker, die gewissermaßen in ihrer modernen Mission alles wiederkehren lassen, was in alten Zeiten während der dritten nachatlantischen Kulturperiode sich abgespielt hat, in der ägyptisch-chaldäischen Kultur. Sobald wir dies verstehen, blicken wir erst richtig in die Seele des italischen oder spanischen Nationalen. Das läßt sich bis in die Einzelheiten hinein verfolgen. So daß man sagen kann: was sich uns geistig darstelle, wir finden es in der Wirklichkeit. Und was ist denn das Charakteristische — wir haben es so oft besprochen — der ägyptisch-chaldäischen Kultur gewesen? Das war es, daß große, kosmische Astrologie empfunden wurde! Daß man Sterne und Sternbilder nicht in der Weise ansah, wie wir heute dieselben ansehen, sondern daß man geistige Wesen sah, welche in diesen Sternbildern ihre äußeren Verkörperungen hatten; daß man überall Geistiges ausgebreitet sah. Wenn sich das wiederholen soll als nationale Aufgabe in der Zeit nach dem Mysterium von Golgatha, so muß es sich so wiederholen, daß es seelisch verinnerlicht ist, daß ihm das große kosmische Tableau der Ägypter und Chaldäer wie aus der Seele neugeboren entgegentritt. Wo wäre das klarer der Fall als dort, wo die Kultur der italischen Halbinsel ihren Höhepunkt erreicht hat, in Dantes «Göttlicher Komödie»? Aber bis in die Einzelheiten ist es so, daß, wie aus der Seele herausgeboren, innerlich wiedererstanden das zutage tritt, was in der alten ägyptisch-chaldäischen Kultur vorhanden war.

[ 14 ] In a certain sense, every people has a specific mission. When we enter the building in Dornach, we will find, expressed in the sequence of the columns, their capitals, and the architraves above them, the forms that give expression to the European impulses. But I do not wish to speak of that now, because it is best to speak of it when one has the building before one. I did that there a few days ago. But if we keep in mind what can make an impression on our soul apart from this, then we recognize above all in the inhabitants of the southern peninsulas—Italy and Spain—peoples who, in their modern mission, in a sense bring back everything that took place in ancient times during the third post-Atlantean cultural period, in the Egyptian-Chaldean culture. As soon as we understand this, we truly begin to look into the soul of the Italian or Spanish national character. This can be traced down to the finest details. So that one can say: what appears to us spiritually, we find in reality. And what, then, was the characteristic feature—we have discussed it so often—of the Egyptian-Chaldean culture? It was that great, cosmic astrology was sensed! That stars and constellations were not viewed in the way we view them today, but that spiritual beings were seen who had their outer embodiments in these constellations; that the spiritual was seen spread out everywhere. If this is to be repeated as a national task in the time following the Mystery of Golgotha, it must be repeated in such a way that it is inwardly absorbed by the soul, so that the great cosmic tableau of the Egyptians and Chaldeans confronts it as if reborn from the soul. Where would this be more clearly the case than where the culture of the Italian peninsula reached its zenith, in Dante’s *Divine Comedy*? But down to the finest details, it is the case that what was present in the ancient Egyptian-Chaldean culture emerges, as if born from the soul, inwardly reborn.

[ 15 ] Was in der griechischen Kultur das Wesentliche war, tritt im französischen Volke zutage, sogar bis in die Charaktere der führenden Persönlichkeiten. Voltaire zum Beispiel wird man nur verstehen, wenn man ihn mit einem wirklichen Griechen vergleicht. Und wenn man sich die Formen der Kunstwerke Corneilles, Racines ansieht, so wird man sehen, wie gerungen wird mit der griechischen Form. Das hat ja eine große kulturhistorische Bedeutung. Das Ringen mit der äußeren Form, mit dem, was Aristoteles über die Form erkundet hat, das lebt in Racine und Corneille fort. Und wenn wir das, was in der vierten nachatlantischen Kulturperiode tonangebend war als Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele, wiedersuchen in der französischen Kultur, dann müssen wir dort das finden, was sich in ihr als Größtes ausspricht, was sich, indem sich die Verstandes- oder Gemütsseele hermacht über die Welt, damit gerade befassen kann. Der größte Dichter also, der nicht seinesgleichen finden kann in solcher Form, muß ein solcher sein, daß er aus der Verstandes- oder Gemütsseele heraus gestaltet. Da erreicht ein Volk seine Größe, wo es seine Unvergleichlichen an die Oberfläche bringt. Wer ist in der französischen Dichtung der, der nicht übertroffen werden kann? Das ist Moliere! Da erreicht die französische Seele ihre eigentliche, charakterisierte Höhe; da kann sie nicht übertroffen werden. Ein Abglanz davon wirkt noch in Voltaire.

[ 15 ] What was essential in Greek culture is evident in the French people, even in the characters of their leading figures. Voltaire, for example, can only be understood if one compares him to a true Greek. And if one looks at the forms of the works of art by Corneille and Racine, one will see how they wrestle with the Greek form. This, of course, has great cultural-historical significance. The struggle with the external form, with what Aristotle explored regarding form, lives on in Racine and Corneille. And if we seek in French culture what set the tone in the fourth post-Atlantean cultural epoch as the culture of the intellectual or emotional soul, then we must find there what expresses itself as the greatest within it—that which, as the intellectual or emotional soul sets out to engage with the world, can deal precisely with this. The greatest poet, then, who has no equal in this form, must be one who creates from the intellectual or emotional soul. A people reaches its greatness where it brings its incomparables to the surface. Who in French poetry is the one who cannot be surpassed? It is Molière! There the French soul reaches its true, distinctive height; there it cannot be surpassed. A reflection of this still works in Voltaire.

[ 16 ] Was nun nicht eine Wiederholung von Altem ist, sondern hereingehört in den fünften nachatlantischen Zeitraum, was gleichsam eine Neuschöpfung dieses Zeitraumes ist, das ist die britische Seele. Dieser fünfte nachatlantische Zeitraum strebt ja vorzugsweise nach der Entfaltung der Bewußtseinsseele; stellt diese heraus. Die Bewußtseinsseele ist besonders ausgeprägt in der britischen Volkseigentümlichkeit. Das Eigentümliche der britischen Seele ist dieses Stehen gegenüber den Ereignissen. Schon vor vierzehn, fünfzehn Jahren, als ich die erste Auflage der «Rätsel der Philosophie» schrieb, habe ich danach gerungen, einen Ausdruck zu finden für die britischen Philosophen; und damals ergab sich mir: Sie sind Zuschauer des Lebens; sie stellen sich hin, wie sich die Bewußtseinsseele als Zuschauer dem Leben gegenüber hinstellt. Und wer ist der größte Schöpfer der britischen Seele, der sich hinstellt und die britischen Charaktereigentümlichkeiten bis in die tiefste Seele hinein zum Ausdruck bringt? Das ist Shakespeare! Da ist die britische Seele unvergleichlich im Zuschauerzustande.

[ 16 ] What is not a repetition of the past, but rather belongs to the fifth post-Atlantean epoch—what is, as it were, a new creation of this epoch—is the British soul. This fifth post-Atlantean epoch strives above all for the unfolding of the consciousness soul; it emphasizes this. The soul of consciousness is particularly pronounced in the British national character. The distinctive feature of the British soul is this stance toward events. Already fourteen or fifteen years ago, when I wrote the first edition of *The Riddles of Philosophy*, I struggled to find an expression for the British philosophers; and at that time it occurred to me: They are spectators of life; they stand as the soul of consciousness stands as a spectator facing life. And who is the greatest creator of the British soul, who stands and expresses the distinctive characteristics of the British character down to the deepest soul? It is Shakespeare! There the British soul is incomparably in the state of a spectator.

[ 17 ] Gehen wir jetzt hinüber nach Mitteleuropa, so finden wir, «was immer wird und niemals ist», wie ich es schon im öffentlichen Vortrage charakterisiert habe: das eigentliche Ich, das Innerlichste des Menschen. Wie verhält es sich zu den Seelengliedern? Es bildet seine einzelnen Beziehungen zur Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und zur Bewußtseinsseele; es zieht die Fäden zu allen hin. Betrachten wir das gleich an Goethe! Wir sehen, wie er sich sehnt nach Italien. Und wie wir es bei ihm sehen, so haben sich die Besten Mitteleuropas immer gesehnt nach Italien, um das zu finden, was das Ich befruchtet und was es empfängt aus der Empfindungsseele heraus. Und mit der Verstandes- oder Gemütsseele tauscht das Ich die Kräfte gegenseitig aus. Versuchen wir im Laufe der Jahrhunderte zu sehen, wie jenes enge Band, welches zwischen Ich und Verstandes- oder Gemütsseele besteht, tatsächlich auch da ist. Beachten wir, wie noch Friedrich der Große, der deutscheste Fürst, eigentlich nur französisch spricht und schreibt, wie er auch besonders die französische Kultur schätzt, was sich zum Beispiel in seinem Verhältnis zu Voltaire zeigt. Ebenso sehen wir, wie der deutsche Philosoph Leibniz seine Werke in der französischen Sprache schreibt. Das ist gerade so, wie es das Ich mit der Verstandes- oder Gemütsseele macht. Und wenn das Ich aus den Tiefen der Seele heraus nach dem sucht, wonach es strebt, da drängt sich etwas aus den Tiefen des Ich, aus unergründlichen Tiefen des Ich herauf: die Bewußtseinsseele sucht es zu erfassen. Wir sehen es an Goethe. Ich habe oft auseinandergesetzt, daß er zu ergreifen sucht, wie die Organismen auseinander hervorgehen; eine große umfassende Lehre der Organismen stellt er auf. Das geht aus der Tiefe des Ich hervor. Doch das kann man nicht gleich verstehen; die Menschheit braucht einen leichteren Verstand; sie braucht die Dinge so, wie sie sich aus der Bewußstseinsseele ergeben. Sie nimmt nicht das, was Goethe gegeben hat, sondern sie nimmt dasselbe in der Übersetzung in die Bewußitseinsseele an, sie nimmt Darwin an. Heute sind wir noch nicht so weit, daß man Goethes «Farbenlehre» anerkennen kann, aber die Übersetzung derselben in die Bewußtseinsseele, die man bei Newton findet, gilt heute allgemein als physikalische Lehre.

[ 17 ] If we now turn our attention to Central Europe, we find “that which always is and never is,” as I have already characterized it in my public lecture: the true self, the innermost essence of the human being. How does it relate to the soul’s components? It forms its individual connections to the feeling soul, the intellectual or emotional soul, and the conscious soul; it draws the threads toward all of them. Let us consider this immediately in Goethe! We see how he longs for Italy. And just as we see it in him, so the finest minds of Central Europe have always longed for Italy, to find that which fertilizes the I and which it receives from the feeling soul. And with the intellectual or emotional soul, the I exchanges forces reciprocally. Let us try to see, over the course of the centuries, how that close bond that exists between the ego and the intellectual or emotional soul is indeed present there. Let us note how even Frederick the Great, the most German of princes, actually speaks and writes only French, and how he particularly values French culture, as evidenced, for example, by his relationship with Voltaire. Likewise, we see how the German philosopher Leibniz writes his works in the French language. This is precisely how the ego relates to the intellectual or emotional soul. And when the ego searches from the depths of the soul for what it strives for, something surges up from the depths of the ego, from the unfathomable depths of the ego: the conscious soul seeks to grasp it. We see this in Goethe. I have often explained that he seeks to grasp how organisms emerge; he establishes a great, comprehensive theory of organisms. This arises from the depths of the ego. Yet this cannot be understood immediately; humanity needs a simpler understanding; it needs things as they arise from the soul of consciousness. It does not accept what Goethe has given, but rather accepts the same in its translation into the conscious soul; it accepts Darwin. Today we are not yet at the point where we can acknowledge Goethe’s “Theory of Colors,” but its translation into the conscious soul, as found in Newton, is today generally regarded as a physical theory.

[ 18 ] Diese Dinge weisen uns hinein in die Art und Weise, wie sich die einzelnen, jetzt aber nationalen Charaktere gegenüberstehen, und wir erheben uns von der äußeren Maja, in welcher die Menschen befangen sind, zur Wahrheit, wenn wir die Dinge geisteswissenschaftlich betrachten lernen, zu jener Wahrheit, die uns zeigen kann, daß so, wie die einzelnen Seelenkräfte im Menschen Krieg führen, auch die einzelnen in den Volksseelen inkorporierten Seelenkräfte miteinander den Krieg führen. Und es ist kein Zufall, daß in unserer Zeit — wo das, was eben gesagt worden ist, als Lehre hervorgetreten ist — der große Lehrmeister, der Krieg auftritt, der auf so blutige, auf so furchtbare Weise zu den Menschen spricht, was wir auch geistig zu den Menschen sprechen. Es ist kein Zufall, daß, während wir dieses hier so besprechen dürfen, draufen vielleicht eines der blutigsten Ringen waltet, und daß es im Grunde genommen denselben Wahrheiten entspricht, die man nur durchdringen muß in der Maja, um sie in der Wirklichkeit zu verstehen.

[ 18 ] These things point us toward the way in which the individual, but now national characters, and we rise from the outer maya in which human beings are ensnared to the truth—that truth which can show us that just as the individual soul forces within a human being wage war, so too do the individual soul forces incorporated within the Folk-souls wage war against one another. And it is no coincidence that in our time—when what has just been said has emerged as a teaching—the great teacher, war, appears, speaking to people in such a bloody, such a terrible way, just as we also speak to people spiritually. It is no coincidence that, while we are permitted to discuss this here, one of the bloodiest struggles may be raging just beyond, and that it essentially corresponds to the same truths that one must penetrate through the maya in order to understand them in reality.

[ 19 ] Wir müssen einmal, um über diese Dinge zu sprechen, von den Worten hinwegfegen alle Empfindungsnuancen von Antipathie und Sympathie und sie nur als Charakteristika gebrauchen, dann werden wir die Sachen in der richtigen Weise verstehen. Denn es handelt sich um Dinge, die das Selbst des Menschen in sich trägt, insofern es eingehüllt ist in das Nationale. Das können wir nun bis in die Einzelheiten verfolgen. Ich will zunächst, um vorzubereiten zu dem, was wir verstehen sollen, eines sagen.

[ 19 ] In order to discuss these matters, we must first set aside all emotional nuances of antipathy and sympathy and use these terms merely as descriptive categories; only then will we understand the issues correctly. For these are things that the human self carries within itself, insofar as it is enveloped in the national. We can now trace this down to the details. To prepare for what we are to understand, I would first like to say one thing.

[ 20 ] Nehmen wir den Angehörigen Mitteleuropas, der in der Ich-Kultur lebt. In dem öffentlichen Vortrage habe ich gesagt: der Bewohner Mitteleuropas strebt so nach seinem Gott, daß er mit dem Gotte verbunden ist; er will mit seinem Gott zusammensein. Wenn wir auf das Denken schauen, können wir den allgemeinen Satz aussprechen: der Mensch denkt. Aber mit dem allgemeinen Satze «der Mensch denkt» ist eigentlich ungemein wenig gesagt, ist recht wenig gesagt. Man muß gerade durch die Geisteswissenschaft lernen, genauer zu schauen. Man muß allmählich lernen, an die Stelle desjenigen, was so gedankenlos hingesprochen wird, das Richtige zu setzen. Für die, welche sich nicht besonders um die realen Verhältnisse kümmern, ist es ja richtig, was so hingesprochen wird. Aber richtig ist es, wenn man sagt: der Bewohner Mitteleuropas oder Skandinaviens denkt — «denkt» als Tätigkeit betrachtet, weil es auf die Entfaltung des Denkens ankommt. Daß das Seelenwesen denkt, darauf kommt es in Mitteleuropa bis in die nordischen Länder hinauf an. Das Verbundensein des Menschen mit dem Gedanken ist so, daß dieser Gedanke das ureigenste Täugkeitsprodukt der Seele ist, daß die Tätigkeit der Seele nichts anderes ist als das Sichverfangen der Seele im Gedanken.

[ 20 ] Let us consider the people of Central Europe, who live in a culture centered on the self. In my public lecture, I said: the inhabitants of Central Europe strive toward their God in such a way that they are connected to God; they want to be with their God. When we look at thinking, we can state the general principle: human beings think. But the general statement “man thinks” actually says very little, indeed quite little. One must learn, precisely through Spiritual Science, to look more closely. One must gradually learn to replace what is so thoughtlessly uttered with the truth. For those who do not particularly concern themselves with the real conditions, what is said so thoughtlessly is indeed correct. But it is correct to say: the inhabitant of Central Europe or Scandinavia thinks — “thinks” considered as an activity, because what matters is the unfolding of thought. That the soul being thinks is what matters from Central Europe all the way up to the Nordic countries. The connection between human beings and thought is such that this thought is the soul’s most intrinsic product of activity, that the activity of the soul is nothing other than the soul’s becoming entangled in thought.

[ 21 ] Vom Franzosen in derselben Weise zu sprechen, ist nicht richtig. Da müssen wir sagen: er hat Gedanken. Denn «denken» und «Gedanken haben» ist im feineren Unterschiede nicht dasselbe. Zum Verständnis der Sache kann das helfen, was in den «Rätseln der Philosophie» ausgesprochen ist. Im Westen Europas hat man Gedanken; die Gedanken sind etwas, was kommt, was einem gegeben wird, wie einem auch die Sinnesempfindungen gegeben werden. So ist es auch mit den Gedanken: sie treten herein in die Seele, sie leben sich in ihr aus, man hat sie, man berauscht sich auch an ihnen, man ist beglückt, sie zu haben. Dem Deutschen wirft man sogar vor, daß seine Gedanken etwas Kaltes haben. Das kann vielleicht schon sein, weil er sie erst bilden muß in seiner individuellen Seele; sie müssen erst dort warm gemacht werden, und sie bleiben nur solange warm, als sie in der unmittelbaren Tätigkeit sind.

[ 21 ] It is not correct to speak of the Frenchman in the same way. Here we must say: he has thoughts. For “thinking” and “having thoughts” are not the same thing in a more subtle sense. What is stated in *The Riddles of Philosophy* may help in understanding this. In Western Europe, people have thoughts; thoughts are something that comes, something that is given to one, just as sensory perceptions are given to one. So it is with thoughts: they enter the soul, they play out within it, one has them, one even becomes intoxicated by them, one is delighted to have them. Germans are even accused of having thoughts that are somewhat cold. This may well be the case, because they must first form them in their individual souls; they must first be warmed there, and they remain warm only as long as they are in immediate activity.

[ 22 ] Das nur zur Vorbereitung. Denn in der Tat: in den einzelnen nationalen Äußerungen nehmen wir überall das Ausleben dessen wahr, was in den Prinzipien der Geisteswissenschaft gegeben ist, welche Sie in den Vorträgen über die Volksseelen finden. Nehmen wir einzelne Äußerungen der nationalen Charaktere.

[ 22 ] This is merely by way of introduction. For in fact, in the various national expressions, we see everywhere the manifestation of what is contained in the principles of Spiritual Science, which you will find in the lectures on Folk-souls. Let us consider individual expressions of national character.

[ 23 ] Der italienische, der spanische Charakter ist bestimmt durch die Empfindungsseele. Bis in die Einzelheiten können wir das im Leben verfolgen. Wir finden überall — das bezieht sich natürlich nicht auf das Leben im höheren Selbst — die Empfindungsseele. Sobald sich der Mensch dieser Länder im Nationalen auslebt, lebt er sich aus in der Empfindungsseele. Diese ist insbesondere anhänglich an alles, was Heimat ist, und empfindet als einen Gegensatz dazu die Fremde. Suchen Sie nun zu verstehen, was zum Beispiel alles im italienischen Nationalen lebt, so werden Sie finden, daß der Italiener den anderen, der Nicht-Italiener ist, als den Fremden empfindet, der in der Fremde lebt. Und alle Kämpfe, welche im neunzehnten Jahrhundert in Italien geführt worden sind, wurden im ausgesprochensten Maße um die Heimat geführt. Das ist die Wiederholung der ägyptisch-chaldäischen Kultur.

[ 23 ] The Italian and Spanish characters are shaped by the feeling soul. We can observe this in every detail of life. We find the feeling soul everywhere—though this does not, of course, apply to life in the higher self. As soon as the people of these countries express themselves in their national life, they express themselves through the feeling soul. This soul is particularly attached to everything that constitutes home, and perceives the foreign as its opposite. Now, if you try to understand, for example, everything that lives in the Italian national character, you will find that the Italian perceives the other, the non-Italian, as the stranger living in a foreign land. And all the struggles waged in Italy during the nineteenth century were fought, to the utmost degree, over the homeland. This is a repetition of the Egyptian-Chaldean culture.

[ 24 ] Sehen wir jetzt auf den Bewohner Westeuropas, des französischen Gebietes. Wie gesagt, wir müssen dabei alles abstreifen, was Sympathien und Antipathien sind! Er wiederholt die griechische Kultur. Er wird daher den Auswärtigen auch so empfinden, wie ihn der Grieche empfunden hat: er nennt ihn Barbar. — Eine Wiederholung des Griechentums! — Man kann es verstehen, trotzdem es gegossen ist in die wütendsten Antipathiegefühle. Und es ist immer etwas von der Nuance dabei, wie man im alten Griechenland von der nichtgriechischen Menschheit gesprochen hat.

[ 24 ] Let us now turn our attention to the inhabitants of Western Europe, specifically the French region. As I said, we must set aside all sympathies and antipathies! He is a reincarnation of Greek culture. He will therefore view foreigners in the same way the Greeks did: he calls them barbarians. — A repetition of Hellenism! — One can understand this, even though it is cast in the most furious feelings of antipathy. And there is always a certain nuance to it, just as in ancient Greece one spoke of non-Greek humanity.

[ 25 ] Dem englischen Volke ist besonders übertragen die Pflege der Bewußtseinsseele, die sich auslebt im Materialismus. Da muß man besonders alles abstreifen, was Antipathien sind. Die Pflege des Materialismus bringt hervor, was die Menschen einfach im Raume nebeneinander hinstellt. Darin zeigt sich etwas, was in den Zeiten vorher gar nicht in dieser Weise empfunden wurde: man empfindet den Konkurrenten. Die Bewußtseinsseele empfindet den anderen als Konkurrenten im physischen Dasein.

[ 25 ] The English people have been entrusted in particular with the care of the conscious soul, which finds its expression in materialism. Here, one must especially cast off all that constitutes antipathy. The cultivation of materialism gives rise to what simply places people side by side in space. In this, something emerges that was not perceived in this way at all in earlier times: one perceives the competitor. The consciousness soul perceives the other as a competitor in physical existence.

[ 26 ] Wie ist es bei den Bewohnern Mitteleuropas, bis zu den Skandinaviern? Es würde zu anderen Zeiten ungemein verlockend sein, dies in seinen Einzelheiten durchzuführen. Was empfindet der Deutsche, wo er dem anderen gegenübersteht, da, wo der Italiener den Fremden, der Franzose den Barbaren, der Engländer den Konkurrenten empfindet? Man muß überall die prägnanten Worte dafür finden: der Deutsche hat den Feind, dem man gegenübersteht, zum Beispiel auch im Duell, wobei gar nichts damit verbunden zu sein braucht von irgendeiner Antipathie sogar, sondern wo man kämpft um die Existenz oder um etwas, was mit der Existenz zusammenhängt. Der Feind braucht nicht in der geringsten Weise herabgemindert zu sein. Es läßt sich dies wieder bis in die Einzelheiten verfolgen. Gerade dieser Krieg zeigt, daß der Deutsche dem Feind gegenübersteht wie im Duell.

[ 26 ] What about the inhabitants of Central Europe, all the way up to the Scandinavians? At other times, it would be immensely tempting to explore this in detail. What does the German feel when he faces the other, where the Italian perceives the stranger, the Frenchman the barbarian, and the Englishman the competitor? One must find the apt words for this everywhere: the German regards the enemy he faces—for example, in a duel—as such, though this need not entail any antipathy whatsoever; rather, one fights for one’s existence or for something connected to one’s existence. The enemy need not be belittled in the slightest. This can again be traced down to the details. This war in particular shows that the German faces the enemy as in a duel.

[ 27 ] Blicken wir nun nach Osten. Wir haben davon gesprochen, daß auf den südlichen zwei Halbinseln die Empfindungsseele sich auslebt, bei den Franzosen die Verstandes- oder Gemütsseele, auf den britischen Inseln die Bewußtseinsseele; in Mitteleuropa bis hinauf nach Skandinavien lebt das Nationale sich aus im Ich, wobei es sich in den einzelnen Gebieten differenziert, aber im ganzen von dem, was man Ich-Seele nennt, empfunden wird. Als Geistselbst, sagte ich, lebt es sich aus im Osten. Was ist der Charakter des Geistselbst? Es kommt heran an den Menschen, senkt sich auf ihn herunter. Im Ich strebt man; in den drei Seelengliedern strebt man auch; das Geistselbst senkt sich herunter. Es wird schon einmal über den Osten als wirkliches Geistselbst sich heruntersenken. Die Dinge sind wahr, die wir oft betont haben. Aber dazu gehört Vorbereitung, Vorbereitung von der Art, daß die Seele empfängt, daß sie sich einarbeitet in dem Empfangen. Was hat denn das russische Volk bis jetzt im Grunde genommen anderes getan als empfangen? Wir haben innerhalb unserer Bewegung den größten russischen Philosophen, Solowjow, übersetzen lassen. Wenn wir uns in ihn hineinvertiefen — es ist alles westeuropäisches Geistesleben, westeuropäische Kultur. Es ist etwas anderes dadurch, daß es aus der russischen Volksseele herausgeboren ist. Aber was schwebt da, im Gegensatz zur westeuropäischen Kultur, im russischen Volke heran? Italien, Spanien ist die Wiederholung der dritten nachatlantuschen Kulturepoche, das französische Volk die Wiederholung der Kultur des alten Griechenland. Der Brite zeigt das, was neu hinzugekommen ist, aber was man ganz gewiß auf dem physischen Plan erwirbt. In Mitteleuropa ist es das Ich, das aus sich herausarbeiten muß. In Rußland haben wir das Empfangende. Empfangen worden ist zunächst das byzantinische Christentum, das sich wie eine Wolke niedergelassen hat und sich dann ausbreitete; und empfangen worden ist schon unter Peter dem Ersten die westeuropäische Kultur. Erst das Material, möchte man sagen, ist da zum Empfangen. Das, was da ist, ist Spiegelung des Westeuropäischen, und die Arbeit der Seele ist Vorbereitung zum Empfangen. Erst dann wird das Russentum in seinem rechten Elemente sein, wenn es so weit ist, daß es erkennt: es muß das, was in Westeuropa ist, empfangen werden, wie etwa die Germanen das Christentum empfangen haben, oder wie die Germanen in Goethe das Griechentum in sich aufgenommen haben. Das wird noch eine Weile dauern. Und weil sich gegen das, was der Mensch im Osten aufnehmen muß, sein Physisches sträubt, so sträubt sich noch der Osten gegen das, was zu ihm kommen muß. Das Geistselbst muß herunterkommen. Nun ist das, was da von dem Westen herüberkommt, zwar nicht das Geistselbst. Aber die Seele verhält sich so dazu, bereitet sich gleichsam schon vor, um zu empfangen. Als was sieht daher der Russe den anderen an? Als den, der «gegenübersteht», als den auf sein Bewußtsein Herabschwebenden. Daher ist der andere, der beim Italiener der Fremde, beim Franzosen der Barbar, beim Briten der Konkurrent, beim Deutschen der Feind ist, er ist dort der Ketzer. Daher hatte bis jetzt der Russe im Grunde genommen nur Religionskriege! Alle Kriege sind bisher nur Religionskriege gewesen. Alle Völker sollten befreit werden oder zum Christentum gebracht werden, die Balkanvölker und so weiter. Und jetzt auch empfindet der russische Bauer den anderen als das «Böse». Er empfindet den anderen als den Ketzer; er glaubt immer, Religionskriege zu führen. Jetzt auch! Diese Dinge gehen bis in die Einzelheiten hinein, und man lernt sie verstehen, wenn man den guten Willen dazu hat, wirklich in die Dinge hineinzuschauen. Und so können wir auch fragen: Wie erscheint uns nun das, was uns von Osten entgegentritt?

[ 27 ] Let us now turn our gaze to the East. We have spoken of how, on the two southern peninsulas, the feeling soul finds its expression; among the French, the intellectual or emotional soul; and on the British Isles, the conscious soul; in Central Europe all the way up to Scandinavia, the National soul expresses itself in the I, differentiating itself in the individual regions, but on the whole being experienced as what is called the I-soul. As the Spirit-Self, I said, it expresses itself in the East. What is the character of the Spirit-Self? It approaches the human being, descends upon them. In the ego one strives; in the three soul members one also strives; the Spirit-Self descends. It will indeed descend upon the East as the true Spirit-Self. The things we have often emphasized are true. But this requires preparation—preparation of the kind that enables the soul to receive, to become accustomed to receiving. What, after all, has the Russian people done so far other than receive? Within our movement, we have had the greatest Russian philosopher, Soloviev, translated. When we delve into him—it is all Western European spiritual life, Western European culture. It is something else precisely because it is born out of the Russian folk-souls. But what is emerging there, in contrast to Western European culture, within the Russian people? Italy and Spain represent the repetition of the third post-Atlantean cultural epoch; the French people, the repetition of the culture of ancient Greece. The British demonstrate what has newly emerged, but what is most certainly acquired on the physical plane. In Central Europe, it is the ego that must work its way out of itself. In Russia, we have the receptive. What was first received was Byzantine Christianity, which settled like a cloud and then spread; and Western European culture was already received under Peter the Great. One might say that only the material is there to be received. What is there is a reflection of Western Europe, and the work of the soul is preparation for receiving. Only then will Russian culture be in its rightful element, when it has reached the point of recognizing: what exists in Western Europe must be received, just as the Germanic peoples received Christianity, or as the Germanic peoples absorbed Hellenism within themselves through Goethe. That will take a while yet. And because the human being’s physical nature resists what must be taken in from the East, the East still resists what must come to it. The Spirit-Self must descend. Now, what is coming over from the West is not, admittedly, the Spirit-Self. But the soul relates to it in this way, preparing itself, as it were, to receive. How, then, does the Russian view the other? As the one who “stands opposite,” as the one descending upon his consciousness. Therefore, the other—who is the stranger to the Italian, the barbarian to the Frenchman, the competitor to the Briton, and the enemy to the German—is there the heretic. That is why, up to now, the Russian has essentially waged only religious wars! All wars so far have been nothing but religious wars. All peoples were to be liberated or brought to Christianity—the Balkan peoples and so on. And now, too, the Russian peasant perceives the other as “evil.” He perceives the other as the heretic; he always believes he is waging religious wars. Even now! These matters extend down to the finest details, and one learns to understand them if one has the good will to truly look into them. And so we may also ask: How does that which confronts us from the East now appear to us?

[ 28 ] Der Mensch ist gewissermaßen, wie er im physischen Leben dasteht, ungerecht gegen sein eigenes höheres Selbst. Wer in der Verstandes- oder Gemütsseele lebt, bei dem sich insbesondere die Phantasie ausbildet, der «hat» die Gedanken, dem stellt sich das, als was er sich selber vorkommen muß, insofern er ein Nationaler ist, hin vor sein höheres Selbst. Das empfindet er als seine Glorie, als das, was gleichsam ein drittes Selbst ist, ein nationales Selbst, das sich zwischen ihn, wie er als höheres Selbst ist und als nationaler Mensch, hineinstellt. Aus dem heraus kämpft er. Und nach dem Tode hat er zunächst dies zu überwinden, wenn er es nicht schon vorher durch die Geisteswissenschaft überwunden hat. Er muß durch das hindurch, was sich ihm zunächst vor die Seele stellt wie die Inspiration desjenigen, als was er sich selber vorstellt.

[ 28 ] In a sense, the way a person exists in physical life is unjust toward their own higher self. Whoever lives in the intellectual or emotional soul, in whom the imagination in particular develops, “has” the thoughts; to such a person, that which he must perceive as himself—insofar as he is a national being—presents itself before his higher self. He perceives this as his glory, as that which is, so to speak, a third self, a national self that interposes itself between him as his higher self and him as a national being. It is from this that he struggles. And after death, he must first overcome this, if he has not already overcome it beforehand through Spiritual Science. He must pass through what initially presents itself to his soul as the inspiration of that which he has created as a mental image.

[ 29 ] Und der, welcher als Nationaler in der Bewußtseinsseele lebt? Er hat vor allem den Hang zu dem, was sich die Bewußtseinsseele in der physischen Welt aneignet. Das steht da wie eine wehtuende Erinnerung in der Welt, die sich ausbreitet im Leben zwischen Tod und neuer Geburt.

[ 29 ] And what of the one who lives as a National in the consciousness soul? Above all, he has a tendency toward what the consciousness soul acquires in the physical world. This remains there like a painful memory in the world, spreading throughout the life between death and rebirth.

[ 30 ] Der Bewohner Mitteleuropas sucht. Das tritt sogar zutage, wo er von den Gegnern abfällig besprochen wird, wenn gesagt wird, er sei nur dazu da, den Acker zu pflügen und in den Wolken zu suchen. Mag er immer wie weit gekommen sein: er sucht schon hier das geistige Selbst. Daher sucht er in gewissem Sinne schon in seinem Streben während der Erdenlaufbahn das hinwegzuschaffen, was immer hinweggeschafft werden muß, wenn man durch die Pforte des Todes eintritt in die geistige Welt.

[ 30 ] The inhabitant of Central Europe is searching. This becomes evident even when his opponents speak disparagingly of him, saying that he is there only to plow the fields and search among the clouds. No matter how far he may have come, he is already seeking his spiritual self here. Therefore, in a certain sense, even in their earthly lives, they seek to remove whatever must be removed when one enters the spiritual world through the gate of death.

[ 31 ] Wer seine letzte Inkarnation in einem Russenleibe durchgemacht hat, hat zunächst, wenn er die Pforte des Todes durchschreitet, das Bewußtsein eines Angelos anzunehmen, wie in den Schoß eines Angelos einzugehen — wenn er sich nicht durch Geisteswissenschaft anders vorbereitet hat —, hat in das sich einzuleben, was von den nächsten Stufen der höheren Hierarchien herunterkommt.

[ 31 ] Whoever has lived through their last incarnation in a Russian body must first, upon passing through the gate of death, assume the consciousness of an Angel, as if entering the bosom of an Angel—unless they have otherwise prepared themselves through Spiritual Science—and must acclimate themselves to what descends from the next levels of the higher hierarchies.

[ 32 ] Aus allen diesen Gründen können wir sagen: Schauen wir nach Westen, so finden wir es natürlich, daß aus dem Wesen der Menschen, sofern sie Nationale sind, Kampf entsteht, denn der Nationale ist dort verbunden mit dem, was eben die äußere Hülle ist. Es ist ganz natürlich, daß Kampf entsteht. In der geistigen Welt kann das, was in dieser berechtigt ist, sich ungehindert ausbreiten. Das, als was man sich selber in seiner Phantasie erscheint, muß sich durch äußere Mittel geltend machen. Das bedarf, um hervorzutreten, daß es sich ausbreiten kann. Was die Konkurrenz sucht, muß sich selbstverständlich ausbreiten wollen. Wir finden es nicht unverständlich, daß von den Vertretern der Bewußtseinsseele Kampf herüberkommt. Wenn wir wirklich in Mitteleuropa das Ich suchen, so wollen wir sehen, ob die Eigenschaften des Ich schon anwendbar sind. Ich habe zum Beispiel schon hervorgehoben, daß das Ich jeden Morgen von neuem angefacht werden muß. Wenn wir in die Schlafenssphäre mit dem Ich hineingehen, so ist es in derselben unangefacht; jeden Morgen beim Aufwachen muß es aufs neue angefacht werden. Wenn ich von Österreich sprechen darf: schon in meiner Jugend wurde davon gesprochen, daß Österreich einmal bei dieser oder jener Gelegenheit zerfallen werde. Wir haben etwas anderes gewußt: es mag in sich noch so viel Zentrifugalkraft haben, es wird von außen zusammengehalten, es konnte nicht auseinanderfallen. Sehen wir auf Deutschland. Hat es einen Ich-Charakter in seinem Äußeren, in seiner Form? Es ist doch eine weithin sprechende Tatsache, daß durch einen großen Teil des Jahrhunderts die Deutschen getrieben haben zur Einigung. Im Innern haben sie dieselbe nicht geschaffen. Durch einen äußeren Anstoß, ja sogar nicht einmal in Deutschland, sondern im Äußeren, mitten in Frankreich, ist das heutige Deutschland zustande gekommen, wie es dem Ich-Charakter entspricht. Man versteht die Welt nur, wenn man sie geisteswissenschaftlich versteht. Das Ich hat im Grunde genommen nicht die Tendenz, um sich zu schlagen; denn die überschüssigen Kräfte des physischen Planes gehen dann über in das Geistige. Dieses könnte ja an der deutschen Geschichte, an der Geschichte Österreichs, an der Geschichte der skandinavischen Völker immer und immer wieder nachgewiesen werden. Daher das Bewußtsein ein richtiges ist: der Deutsche oder der Bewohner Mitteleuropas muß zum Kriege erst sozusagen herausgeholt werden; er kann ihn im Grunde genommen nicht aus sich selbst heraus beginnen. Wenn er einen Krieg aus Initiative führt, dann macht er es so, wie die Initiative es im Ich macht, und diese Kriege sind ja auch genügend im Innern geführt worden. So muß man das empfinden, was das Verhältnis Mitteleuropas zum Kriege ist.

[ 32 ] For all these reasons, we can say: When we look to the West, we find it natural that conflict arises from the very nature of human beings, insofar as they are national in character, for the national being there is bound up with what is merely the outer shell. It is entirely natural that conflict arises. In the spiritual world, that which is justified there can spread unhindered. That which appears to oneself in one’s imagination must assert itself through external means. In order to emerge, it requires the ability to spread. That which seeks competition must, of course, wish to spread. We do not find it incomprehensible that conflict arises from the representatives of the conscious soul. If we are truly seeking the ego in Central Europe, let us see whether the qualities of the ego are already applicable. For example, I have already emphasized that the ego must be rekindled anew every morning. When we enter the realm of sleep with the ego, it remains unkindled there; every morning upon waking, it must be rekindled anew. If I may speak of Austria: even in my youth, it was said that Austria would one day disintegrate on this or that occasion. We knew something else: no matter how much centrifugal force it might possess within itself, it is held together from the outside; it could not fall apart. Let us look at Germany. Does it have an “I” character in its outward appearance, in its form? It is, after all, a widely acknowledged fact that for a large part of the century the Germans were driven toward unification. Internally, they did not achieve it. Through an external impulse—indeed, not even within Germany, but from outside, in the heart of France—today’s Germany came into being, in a manner consistent with the ego-character. One can only understand the world by understanding it through the Spiritual Science. The ego, fundamentally speaking, does not have a tendency to turn in on itself; for the surplus forces of the physical plane then pass over into the spiritual. This could indeed be demonstrated time and again in German history, in the history of Austria, and in the history of the Scandinavian peoples. Hence the awareness is correct: the German or the inhabitant of Central Europe must, so to speak, first be drawn into war; he cannot, in essence, initiate it of his own accord. When they wage war on their own initiative, they do so in the same way that the ego takes the initiative, and these wars have indeed been waged sufficiently within. This is how one must perceive the relationship of Central Europe to war.

[ 33 ] Aber was bildet sich für den, der Volkscharaktere empfinden kann, denn dann im Osten? Das ist überhaupt das Allerunnatürlichste, wenn der Russe Krieg führt. Und würde er sich selbst erkennen, so würde er es auch als das Allerunnatürlichste empfinden, Krieg zu führen. Wir im Westen, wenn wir auch alles Russische noch so gut verstehen, wir können keine Tolstoianer werden. Aber dem Russen ist es unnatürlich, Krieg zu führen. Ihm muß erst der Krieg aufgedrängt werden, denn er ist etwas für den tiefsten Volkscharakter Unnatürliches. Der Russe steht dem Krieg so gegenüber wie einem Religionskrieg, wie etwas, was von außen kommt. Man kann ihm den Krieg nicht plausibel machen; denn vielmehr möchte er erbeten, was an ihn herankommen soll. Daher ist es ganz selbstverständlich, daß man gar nicht im innersten russischen Volkscharakter die Motive zum Kriege sucht, sondern in dem, was ihm von außen als solche aufgedrängt wird. Und mehr als irgendwo anders muß in diesem Falle gesagt werden: dort ist es nicht das Volk, das den Krieg macht — das Volk ist es nur äußerlich und nur seinem Glauben nach —, aber es ist das, wogegen sich das Volk am meisten wenden muß. In Rußland ist ein Krieg immer im ärgsten Sinne eine Maja, eine Täuschung. Aus diesem Grunde ist es, daß man so klar und präzise sagen kann, was ich im öffentlichen Vortrage als Frage aufwarf: Wer hätte den Krieg verhindern können? — wenn man überhaupt davon sprechen will, daß er hätte verhindert werden können. Den Franzosen war der Krieg seit dem Jahre 1871 natürlich, und davon zu sprechen, daß sie ihn hätten verhindern können, wäre nicht natürlich. Wem ein Konkurrenzkampf aufgedrungen ist, der hat selbstverständlich kein Recht, darüber entrüstet zu sein, wenn irgendwo eine Neutralitätsverletzung stattgefunden hat, und man muß in diesem Falle die Entrüstung umdeuten in das nationale Element hinein; aber daß er den Krieg führt, ist selbstverständlich. Das kann ihm nicht verübelt werden. Da ist der Krieg ebensowenig von der Hand zu weisen, wie man, wenn man die Natur der Lebewesen interpretiert, aus dem Element der Bewußtseinsseele heraus ein anderes Wort finden muß als vom Ich-Standpunkte aus, und deshalb vom Kampf ums Dasein spricht. Goethe hat dieses Wort nicht geprägt, weil es vom Ich-Standpunkte aus nicht anwendbar ist. Aber wo es sich darum handelt, daß der Krieg eine Unwahrheit ist, daß er sogar erst uminterpretiert werden muß in einen Religionskrieg, da ist zu sagen, daß er, weil er äußerlich aufgetreten ist, auch äußerlich hätte verhindert werden können. Wenn man in alle Tiefen blickt, in die man blicken kann — es ist nun der Krieg selbstverständlich eine Notwendigkeit gewesen, aber das ist eine andere Sache —, so muß gesagt werden: Wahr ist es, Rußland hätte Zuschauer bleiben können, und der Krieg hätte verhindert werden können. Wäre es Zuschauer geblieben, so hätte der Krieg verhindert werden können. Denn hier ist der Krieg aufgepfropft auf einen Volkscharakter, wo er im Grunde genommen ganz unnatürlich ist.

[ 33 ] But what, then, does the East represent to someone capable of perceiving national characters? It is the most unnatural thing of all for a Russian to wage war. And if he were to recognize himself, he would also find it the most unnatural thing of all to wage war. We in the West, even if we understand everything Russian as well as we can, cannot become Tolstoyans. But for the Russian, waging war is unnatural. War must first be forced upon him, for it is something unnatural to the deepest national character. The Russian views war as one would a religious war, as something that comes from outside. One cannot make war seem plausible to him; rather, he would prefer to be asked what is to be imposed upon him. Therefore, it is quite natural that one does not seek the motives for war in the innermost Russian national character, but in what is imposed upon him from outside as such. And more than anywhere else, it must be said in this case: it is not the people who wage war—the people are only that outwardly and only in their belief—but it is that against which the people must turn most strongly. In Russia, a war is always, in the worst sense, a maya, a deception. It is for this reason that one can state so clearly and precisely what I raised as a question in my public lecture: Who could have prevented the war?—if one is even willing to speak of it as something that could have been prevented. For the French, war had been natural since 1871, and to speak of them having been able to prevent it would not be natural. Anyone forced into a competitive struggle naturally has no right to be indignant if a violation of neutrality has occurred somewhere, and in this case one must reinterpret the indignation in terms of the national element; but that he wages war is a matter of course. He cannot be blamed for this. War is just as much a fact of life as, when interpreting the nature of living beings, one must find a different term from the element of the conscious soul than from the ego’s standpoint, and therefore speaks of the struggle for existence. Goethe did not coin this term because it is not applicable from the ego’s standpoint. But when it comes to the fact that war is a falsehood, that it must even first be reinterpreted as a religious war, it must be said that, because it occurred externally, it could also have been prevented externally. If one looks into all the depths one can look into—war was, of course, a necessity, but that is another matter—it must be said: It is true that Russia could have remained a spectator, and the war could have been prevented. Had it remained a spectator, the war could have been prevented. For here the war has been grafted onto a national character where it is, in essence, entirely unnatural.

[ 34 ] Wenn man über solche Dinge spricht, dann hat man sie aus der geistigen Welt heraus, dann gehen sie daraus hervor; aber sie können immer bewahrheitet, bestätigt gefunden werden in der äußeren Welt, und was man aus dem Geistigen heraus findet, bestätigt sich in der äußeren Welt. Wir würden sagen: eine natürliche Geste wäre es für den russischen Nationalcharakter, betend zu warten auf das, was zu ihm kommen soll. Es ist sehr eigentümlich: die russischen Intellektuellen — ich habe darauf auch schon hingewiesen — erwarten auch, und sie empfinden auch, daß etwas Zukünftiges an sie herankommen muß. Nun ist zwar das noch sehr weit in der Zukunft, was an sie herankommen muß, und wir haben gesehen, wie abgelehnt wurde, was jetzt aufgenommen werden soll. Es ist vielleicht mehr als ein äußeres Symbolum, daß, während jetzt die Kämpfe im Schwarzen Meer vor sich gehen, der Russe noch immer dort hinuntersieht, um gleichsam auf eine Verkörperung dessen zu schauen, was er geistig erwarten soll, indem er hinweist auf die Hagia Sophia. Mereschkowski erzählt uns von zwei Reisen, die er zur Hagia Sophia gemacht hat. Er hat in der Hagia Sophia gleichsam ein äußeres Symbolum für das empfunden, was er in seinen Gefühlen nicht kennt, aber was er erwartet, und er hat es das an die Russen herankommende Christentum genannt. Er würde es aber richtig erkennen, wenn er wüßte, daß das durch die faustische Natur durchgegangene Christentum den Russen ergreifen muß. Das weiß er aber noch nicht. Er glaubt, es in der Hagia Sophia vor sich zu haben. Wie steht er dem Christentum gegenüber? Wenn wir auf das blikken, worüber Solowjow spricht, so ist das etwas, worüber ich sagen kann, daß er ein gewisses Verständnis dafür hat. Denn als ihm wieder einmal von Petersburg und dem Heiligen Synod Schwierigkeiten gemacht worden sind, da meinte er: Ja, so geht es einem schon einmal, wenn man schwierig durchdringt mit dem, was man sagen will. Die einen klagen mich an als einen liberalen westeuropäischen Atheisten, die andern als einen Orthodoxen, und wieder andere schauen mich gar an als einen Jesuiten. — Und er schließt damit, daß er sagt: Ja, was kann man noch alles werden, wenn man beurteilt wird von den Petersburger Halunken! — Das sind nicht meine Worte, sondern die Worte eines guten Russen, eines Russen, an dem man sehen kann, wie es nicht leicht ist, die Gefühle der Sympathie oder Antipathie so ohne weiteres abzustreifen. Aber nehmen wir an, der russische Intellektuelle überläßt sich sich selbst. Wir haben gesagt: es ist die Welt erwartungsvoller Stimmung, die natürlich ist für das, was kommen soll, und das nicht mit Schwertern und Kanonen zu erkämpfen ist. Deshalb ist der Panslawismus so verlogen. Wenn er sich sich selbst überläßt, dann überläfßt sich Mereschkowski dem, was er empfand, als er der Hagia Sophia gegenüberstand. Er hat es nur verwechselt mit dem westeuropäischen Christentum, das durch das faustische Streben durchgegangen ist. Aber wie spricht er davon?

[ 34 ] When one speaks of such things, they come from the spiritual world; they arise from it; but they can always be verified and confirmed in the outer world, and what one finds in the spiritual world is confirmed in the outer world. We would say: it would be a natural gesture for the Russian national character to wait in prayer for what is to come to it. It is very peculiar: the Russian intellectuals—I have already pointed this out—also expect, and they also feel, that something future must come to them. Now, what must come to them is still very far in the future, and we have seen how what is now to be received was previously rejected. It is perhaps more than an external symbol that, while the battles in the Black Sea are now taking place, the Russian still looks down there, as it were, to gaze upon an embodiment of what he is to expect spiritually, by pointing to Hagia Sophia. Mereschkowski tells us of two journeys he made to Hagia Sophia. In Hagia Sophia, he perceived, as it were, an outward symbol of what he does not know in his feelings but what he expects, and he called it the Christianity approaching the Russians. But he would recognize it correctly if he knew that the Christianity that has passed through the Faustian nature must take hold of the Russians. But he does not know that yet. He believes he has it before him in Hagia Sophia. How does he relate to Christianity? If we look at what Soloviev speaks of, it is something about which I can say that he has a certain understanding. For when he was once again given a hard time by Petersburg and the Holy Synod, he remarked: Yes, that’s how it goes sometimes when one struggles to get through with what one wants to say. Some accuse me of being a liberal Western European atheist, others of being an Orthodox Christian, and still others even regard me as a Jesuit. — And he concludes by saying: “Yes, what else can one become when judged by those scoundrels in Petersburg!” — These are not my words, but the words of a good Russian, a Russian in whom one can see how difficult it is to simply cast off feelings of sympathy or antipathy. But let us suppose that the Russian intellectual is left to his own devices. We have said: it is a world of expectant mood, which is natural for what is to come, and which cannot be fought for with swords and cannons. That is why Pan-Slavism is so hypocritical. If he leaves himself to his own devices, then Mereschkowski surrenders to what he felt when he stood before Hagia Sophia. He merely confused it with Western European Christianity, which has been shaped by Faustian striving. But how does he speak of it?

[ 35 ] Ich habe versucht, das was man bei den einzelnen Völkern gegenüber dem Kriege empfinden kann, auf die prägnante Formel zu bringen, und habe gesagt: Der Russe glaubt Krieg zu führen um die Religion, der Engländer um die Konkurrenz, der Franzose um die Glorie, der Italiener und Spanier um die Heimat, der Deutsche führt den Kampf um die Existenz. Und wir werden nun sagen können: Italien will die Heimat bewahren; Frankreich empfängt seine eigene [Glorie-]Vorstellung als das nationale Ideal; der Engländer handelt; der Deutsche strebt; der Russe betet — und das ist natürlich. Ich meine nicht das äußere Gebet, sondern die Herzensstimmung. Was sagt denn Mereschkowski am Schlusse des Buches, das ich vorgestern angeführt habe? «Die Hagia Sophia — hell, traurig und durchflutet von bernsteinklarem Lichte des letzten Geheimnisses — hob meine gefallene, erschreckte Seele. Ich blickte auf zum Gewölbe, das dem Himmelsdome gleicht, und dachte: da steht sie, von Menschenhand erschaffen, sie — die Annäherung der Menschen an den dreieinigen Gott auf Erden. Diese Annäherung hat bestanden, und mehr noch wird dereinst kommen. Wie sollten, die an den Sohn glauben, nicht zum Vater kommen, der die Welt bedeutet? Wie sollten die nicht zum Sohne kommen, die die Welt lieben, welche auch der Vater also liebte, daß er seinen Sohn für sie hingab? Denn sie geben ihre Seele hin für ihn und für ihre Freunde; sie haben den Sohn, weil sie die Liebe haben, nur den Namen kennen sie nicht.» Den ganzen Zusammenhang haben sie nicht! Und dann schließt er: «Und es trieb mich, für sie alle zu beten, in diesem zur Stunde heidnischen, aber einzigen Tempel der Zukunft zu beten um die Verleihung jener wahren, sieghaften Kraft an mein Volk: um den bewußten Glauben an den dreieinigen Gott.» Nun, da haben Sie das Gebet! Da haben Sie die ganze Unnatur eines Kampfes, der von Ost nach West geht!

[ 35 ] I have tried to distill the feelings different peoples have toward war into a concise formula, and I have said: The Russian believes he is waging war for religion, the Englishman for competition, the Frenchman for glory, the Italian and the Spaniard for their homeland, and the German fights for his very existence. And we can now say: Italy wants to preserve its homeland; France embraces its own mental image of [glory] as the national ideal; the Englishman acts; the German strives; the Russian prays—and that is natural. I do not mean outward prayer, but the mood of the heart. What does Mereschkowski say at the end of the book I quoted the day before yesterday? “Hagia Sophia—bright, sad, and flooded with the amber-clear light of the ultimate mystery—lifted my fallen, frightened soul. I looked up at the vault, which resembles the dome of heaven, and thought: there it stands, created by human hands, it—the approach of humans to the Triune God on earth. This approach has existed, and more will come in time. How could those who believe in the Son not come to the Father, who is the world? How could those who love the world—which the Father also loved so much that he gave his Son for it—not come to the Son? For they lay down their souls for him and for their friends; they have the Son because they have love, only they do not know his name.” They do not have the whole context! And then he concludes: “And it moved me to pray for them all, to pray in this—at present pagan, yet unique—temple of the future for the bestowal of that true, victorious power upon my people: for the conscious faith in the Triune God.” Well, there you have the prayer! There you have the entire unnaturalness of a struggle that stretches from East to West!

[ 36 ] Wenn wir so versuchen, zum inneren Verständnisse desjenigen. zu kommen, was uns jetzt entgegentritt, wenn wir versuchen, aus der Maja herauszukommen und in die Wahrheit hineinzukommen, dann dürfen wir uns auch sagen, daß wir nicht eine abstrakte Anthroposophie treiben, die sich fürchtet vor dem Erkennen. Denn es hieße Furcht haben vor dem Erkennen, wenn man wegen unseres ersten Grundsatzes davor zurückbeben würde, die Volkscharaktere in ihren wahren Grundlagen zu erkennen. Gerade dann befolgen wir ihn, wenn wir uns dem Menschen nähern, wie er ist, und wirklich in seine Seele blicken wollen. Und dann sprechen wir am meisten zu dem Unvergänglichen des Menschen, und dann finden wir auch das, was über das Nationale hinausgeht, was zu dem Ewigen hingeht, und finden die Gefühle und Empfindungen, die sich an das Ewige im Menschen richten können. Und dann finden wir die Möglichkeit, dasjenige herbeizuführen, was doch herbeigeführt werden muß. Denn denken Sie, Menschenheil und Menschenfortschritt leiden nicht, wenn die Stimmungen, die jetzt die europäischen Völker durchdringen, bleiben sollten? Stimmungen, die ja außerdem nur aus der Maja herausgeboren sind! Von dem Gesichtspunkt der Notwendigkeit, die darin besteht, daß sich die Menschen wieder verstehen lernen, daß eine Fortsetzung desjenigen da ist, was im gewissen Sinne von Mitteleuropa aus schon angebahnt war, ist es erforderlich, daß diese Atmosphäre, in der wir leben — diese geistige Atmosphäre, die heute so furchtbar tumultuarisiert ist —, auch noch andere Einschläge habe als die tumultuarischen. Wie könnten wir es nicht empfinden, wenn wir im geistigen Leben darinnenstehen, wie tumultuarisch heute die geistige Atmosphäre ist! Je tiefer man darinnensteht, desto mehr muß man das empfinden. Wahrhaftig Erschütterndes könnte sich erschließen aus dem geistigen Leben heraus. Der Okkultist konnte vieles erfahren. Aber so vieles, so Erschütterndes, so Eindringliches war nicht zu erfahren wie in den letzten drei Monaten.

[ 36 ] When we try in this way to arrive at an inner understanding of what now confronts us, when we try to step out of maya and into the truth, then we may also tell ourselves that we are not practicing an abstract anthroposophy that fears knowledge. For it would mean being afraid of knowledge if, because of our first principle, we were to shrink back from recognizing the true foundations of national characters. It is precisely then that we follow it, when we approach the human being as they are and truly wish to look into their soul. And then we speak most to the imperishable aspect of the human being, and then we also find that which transcends the national, that which leads toward the eternal, and discover the feelings and sensibilities that can be directed toward the eternal in the human being. And then we find the possibility of bringing about that which must indeed be brought about. For do you think that human well-being and human progress would not suffer if the moods now pervading the European peoples were to remain? Moods that, moreover, are born solely out of maya! From the standpoint of necessity—which consists in people learning to understand one another again, in the continuation of what, in a certain sense, had already been initiated from Central Europe—it is essential that this atmosphere in which we live—this spiritual atmosphere, which is so terribly tumultuous today—also have influences other than the tumultuous ones. How could we not feel it, when we are immersed in spiritual life, how tumultuous the spiritual atmosphere is today! The deeper one is immersed in it, the more one must feel it. Truly shattering things could emerge from spiritual life. The occultist could experience many things. But so much, so shattering, so penetrating, could not be experienced as it has been in the last three months.

[ 37 ] Wie oft habe ich die okkultistische Wahrheit betont, daß Dinge, die in der physischen Welt so sind, in der geistigen den entgegengesetzten Charakter zeigen. Einige unserer Freunde werden sich auch erinnern, wie oft ich davon gesprochen habe, daß der Krieg in der geistigen Luft hänge und eigentlich nur durch etwas zurückgehalten werde, was auch im physischen Leben einen geistigen Impuls bedeutet: die Furcht. Die Furchtkräfte haben ihn zurückgehalten, solange er astralisch war. Furcht hat ihn zurückgehalten, daß er nicht früher zum Ausbruch kam. Nun, äußerlich geht ja der Krieg von dem Attentat von Sarajewo aus. Das hat ja auch seine bedeutungsvolle Seite. Das ist das Erschütternde an der Sache. Und da wir ja hier unter uns zusammen sind, muß es auch möglich sein, solche Dinge auszusprechen. Die Individualität, welche damals hingemordet worden ist und dann durch die Pforte des Todes ging, zeigte nachher einen Anblick, wie ich ihn vorher weder selber gesehen, noch ihn von anderen habe schildern hören. Ich habe verschiedentlich geschildert, wie Seelen aussehen, wenn sie durch die Pforte des Todes gehen. Diese Seele aber zeigte etwas Merkwürdiges. Sie war wie ein Kristallisationszentrum, um das sich bis zum Ausbruch des Krieges alles wie herumkristallisierte, was Furchtelemente waren. Nachher zeigte sie sich als etwas ganz anderes. War sie vorher eine große kosmische Kraft, die alle Furcht anzog, so ist sie jetzt etwas Entgegengesetztes. Die Furcht, die hier auf dem physischen Plan gewaltet hatte, hielt alle zurück. Nachdem aber dann diese Seele in den geistigen Plan hinaufgekommen war, wirkte sie in entgegengesetzter Weise und brachte den Krieg.

[ 37 ] How often have I emphasized the occult truth that things which are one way in the physical world exhibit the opposite character in the spiritual world. Some of our friends will also recall how often I have spoken of the fact that war hangs in the spiritual atmosphere and is actually held back only by something that also represents a spiritual impulse in physical life: fear. The forces of fear held it back as long as it was astral. Fear held it back so that it did not break out earlier. Now, outwardly, the war stems from the assassination in Sarajevo. That, too, has its significant side. That is what is so shocking about the matter. And since we are gathered here among ourselves, it must also be possible to speak such things. The individual who was murdered at that time and then passed through the gate of death subsequently presented a sight that I had neither seen myself before nor heard described by others. I have described on various occasions what souls look like when they pass through the gate of death. This soul, however, revealed something remarkable. It was like a center of crystallization around which, up until the outbreak of the war, everything that constituted elements of fear had crystallized. Afterward, it revealed itself as something entirely different. Whereas before it had been a great cosmic force that attracted all fear, it is now the opposite. The fear that had reigned here on the physical plane held everyone back. But once this soul had ascended to the spiritual plane, it acted in the opposite way and brought about the war.

[ 38 ] Diese Dinge zu erleben, das erschüttert die Seele. Und so gibt es viele Dinge, die jetzt darinnenstehen in dem Auf- und Abwogen jener astralischen Impulse, die aus den Gemütern der Menschen in die geistige Welt hinaufziehen. Und Ihnen darf ich es sagen: ein Gleiches wie in den letzten Monaten habe ich vorher nicht erlebt; etwas, was die Seelen in so furchtbare Wogen gebracht hat. Daraus aber ist auch zu entnehmen, was dort in der geistigen Atmosphäre spielt. Und es müssen, wenn das kommen soll, was in der geistigen Atmosphäre kommen muß, in dieselbe Gedanken hinein, die nur von Seelen kommen können, welche die geistige Welt begriffen haben. So intensiv und so inbrünstig man nur bitten kann, werden daher Ihre Seelen gebeten, Gedanken zu fassen, die wir anzuregen versuchen durch Betrachtungen wie die heutigen, oder die wir das letztemal gepflogen haben, die also in dieser Weise aus der geistigen Erkenntnis hervorgehen, und die nur Seelen, welche durch die Geisteswissenschaft hindurchgegangen sind, in die geistige Welt hinaufsenden können. Denn schon während des Krieges und nachher erst recht, werden die Seelen solche Gedanken brauchen. Denn die Gedanken sind Realitäten! Man möchte sein heißestes Gebet in die geistige Welt senden, daß das, was aus diesem Kriege und nach diesem hervorgehe, unter keinen anderen Auspizien hervorgehe als durch Gedanken, die nicht aus der menschlichen Maja, sondern aus der Wahrheit und der spirituellen Wirklichkeit herrühren. Je mehr Sie solche Gedanken in die geistige Welt hinaufsenden, desto mehr tun Sie für das, was aus diesen Weltenkämpfen hervorgehen soll, und desto mehr tun Sie für das, was für die ganze Evolution der Menschheit notwendig ist.

[ 38 ] To experience these things is deeply unsettling. And so there are many things now caught up in the ebb and flow of those astral impulses that rise from the minds of people into the spiritual world. And I may tell you this: I have never before experienced anything like what has happened in recent months; something that has set souls in such terrible turmoil. But from this, too, one can discern what is taking place in the spiritual atmosphere. And if what must come in the spiritual atmosphere is to come, it must be through thoughts that can only come from souls who have grasped the spiritual world. As intensely and fervently as one can only pray, your souls are therefore asked to form thoughts that we try to inspire through reflections such as today’s, or those we shared last time—thoughts that thus arise from spiritual knowledge and that only souls who have passed through Spiritual Science can send up into the spiritual world. For even during the war, and all the more so afterward, souls will need such thoughts. For thoughts are realities! One should send one’s most fervent prayer into the spiritual world that whatever emerges from this war and in its aftermath may emerge under no other auspices than through thoughts that stem not from human maya, but from truth and spiritual reality. The more you send such thoughts up into the spiritual world, the more you contribute to what is to emerge from these world struggles, and the more you contribute to what is necessary for the entire evolution of humanity.

[ 39 ] In dieses Gebet also möchte ich ausklingen lassen, was ich durch diese Betrachtung an Ihre Seelen heranbringen wollte. Und wenn das, was wir betrachtet haben, wirklich in unsere Seelen übergegangen ist, wenn unsere Seelen als Seelen, die jetzt in der Geisteswissenschaft gelebt haben, in die geistige Welt hinaufströmen lassen das die Menschen Befriedende, dann hat sich unsere Geisteswissenschaft in diesen schicksalschweren Zeiten bewährt! Dann hat sie sich so bewährt, daß unsere Kämpfer draußen ihren Mut nicht umsonst ausgelebt haben; daß das Blut der Schlachten nicht umsonst geflossen ist! Dann ist nicht umsonst in der Welt das Leid der Leidtragenden, dann waren nicht umsonst die Opfertaten, die gebracht worden sind. Dann wird Geistesfrucht erwachsen aus unseren schicksalschweren Tagen, wird erwachsen um so mehr, als die Menschen imstande sein werden, solche Gedanken, wie die angedeuteten, in die geistige Welt hinaufzusenden.

[ 39 ] I would therefore like to conclude with this prayer what I have sought to convey to your souls through this meditation. And if what we have contemplated has truly taken root in our souls, if our souls—as souls that have now lived in Spiritual Science—allow that which brings peace to humanity to flow upward into the spiritual world, then our Spiritual Science has proven itself in these fateful times! Then it will have proven itself in such a way that our fighters out there have not lived out their courage in vain; that the blood of the battles has not flowed in vain! Then the suffering of those who bear it will not have been in vain; then the sacrifices that have been made will not have been in vain. Then spiritual fruit will grow from our fateful days, and will grow all the more as people become capable of sending thoughts such as those indicated into the spiritual world.

[ 40 ] Ich bemerke ausdrücklich, daß die Worte, die ich jetzt sprechen werde, siebengliedrig sind und eine Art Mantram bilden, wobei zu beachten ist, daß in der vorletzten Zeile «Lenken Seelen» zu lesen ist: wenn Seelen lenken.

[ 40 ] I would like to point out explicitly that the words I am about to speak consist of seven syllables and form a kind of mantra; note that the penultimate line reads “Lenken Seelen”: “when guiding souls.”

[ 41 ] Darüber wollte ich sprechen, daß diese Ereignisse, die so von der Wirklichkeit sprechen, sich uns dadurch ins rechte Licht rükken, daß wir uns erheben von der Maja zur rechten Wirklichkeit. Oh, die Seelen werden sich finden, die also unsere Gegenwart anzüschauen verstehen werden. Die Seelen werden sich finden, wenn sie sich finden werden im Sinne der Lehren, welche Krishna gibt auch über kämpfende Seelen. Und wenn es wirklich möglich ist, daß sich in unserer harten, schicksalschweren Zeit bewährt, daß die Seelen, die durch Geisteswissenschaft gegangen sind, in der Lage sind, geistbefruchtende Gedanken in die geistige Welt hinaufzusenden, dann wird die rechte Frucht hervorgehen aus dem, was in so schweren Kämpfen und mit so harten Opfern geschieht. Daher kann ich, was ich zu Ihren Seelen heute sprechen wollte, ausklingen lassen in das, was ich so gern sehen würde als Bewußtsein, als innerstes Bewußtsein derjenigen Seelen, die durch Geisteswissenschaft gegangen sind:

[ 41 ] I wanted to speak about how these events, which speak so powerfully of reality, are placed in their proper perspective when we rise from maya to true reality. Oh, the souls will find one another who will thus be able to look upon our present time. The souls will find one another when they find themselves in the sense of the teachings that Krishna also gives regarding struggling souls. And if it is truly possible that, in our hard, fateful times, it proves true that the souls who have passed through Spiritual Science are able to send spiritually enriching thoughts up into the spiritual world, then the true fruit will emerge from what happens in such heavy struggles and with such hard sacrifices. Therefore, I can conclude what I wanted to say to your souls today with what I would so dearly like to see as the consciousness, as the innermost consciousness, of those souls who have passed through Spiritual Science:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of battle,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware,
Toward the realm of the spirit.