Human Destinies and the Destinies of Nations
GA 157
17 January 1915, Berlin
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Human Destinies and the Destinies of Nations, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Meine lieben Freunde, wie bei andern Gelegenheiten, wo ich seit dem Anbruch unserer ernsten gegenwärtigen Zeit zu Ihnen sprechen durfte, seien auch in diesem Moment unsere ersten Gedanken hingelenkt zu denjenigen, die draußen im Felde stehen, ihre Seelen und ihre Leiber zum Opfer bringen den großen Forderungen unserer Zeit und mit ihrem ganzen physischen Sein einzustehen haben für diese Forderungen der Zeit:
[ 1 ] My dear friends, as on other occasions when I have had the privilege of speaking to you since the dawn of our grave present times, let our first thoughts at this moment also turn to those who stand out in the field, sacrificing their souls and bodies to the great demands of our time and having to stand up for these demands with their entire physical being:
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the earthly people entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine with help
Upon the souls it lovingly seeks.
[ 2 ] Und für die schon durch die Pforte des Todes Gegangenen sagen wir:
[ 2 ] And to those who have already passed through the gates of death, we say:
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
Spirits of your souls, active guardians,
May your wings carry
The pleading love of our souls
To the beings of the spheres entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.
[ 3 ] Und der Geist, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, den wir suchen seit langem in unserer Bewegung, er sei bei euch und führe euch zu den Zielen, die ihr suchen müßt!
[ 3 ] And may the Spirit who passed through the Mystery of Golgotha—whom we have long sought within our movement—be with you and guide you toward the goals you must pursue!
[ 4 ] Was ich insbesondere bei unserer letzten Betrachtung hier fließen lassen wollte durch die Worte, die damals gesprochen worden sind, das war die geisteswissenschaftlich zu erkennende Wahrheit, wie man gerade an den großen, ernsten Ereignissen des Lebens zu sehen in der Lage ist, daß die äußeren Erscheinungen in dem Lichte betrachtet werden müssen, das uns die Geisteswissenschaft gibt. Dann erst erscheinen sie uns nicht mehr als Maja, als die große Täuschung, sondern dann erscheinen sie uns in ihrer tiefen Wahrheit. Nicht als ob diese äußeren Erscheinungen selber Maja oder Täuschung wären, was eine orientalisierende Weltanschauung leicht als Mißverständnis an die Seelen heranbringen könnte, sondern so ist es, daß unsere Sinne und unser Verstand in der Auslegung, in dem Begreifen der äußeren Ereignisse irren, wenn wir diese äußeren Ereignisse nicht beleuchten mit dem Licht, das uns durch die Erkenntnis der geistigen Welt kommt.
[ 4 ] What I particularly wanted to convey here in our last reflection, through the words spoken at that time, was the truth to be recognized through Spiritual Science: that it is precisely in the great, serious events of life that we are able to see that external phenomena must be viewed in the light that Spiritual Science provides us. Only then do they no longer appear to us as maya, as the great illusion, but rather they appear to us in their profound truth. Not as if these outer appearances themselves were maya or illusion—which an Orientalizing worldview could easily present to souls as a misunderstanding—but rather, it is the case that our senses and our intellect err in the interpretation and comprehension of outer events if we do not illuminate these outer events with the light that comes to us through the knowledge of the spiritual world.
[ 5 ] An einzelne Tatsachen möchte ich heute anknüpfen, die in den Jahren unseres anthroposophischen Strebens schon berührt worden sind und die ich heute in eine etwas unserer Zeit entsprechende Perspektive rücken möchte.
[ 5 ] Today I would like to pick up on certain points that have already been touched upon over the years of our anthroposophical endeavors, and which I would like to place in a perspective more appropriate to our times.
[ 6 ] Wir sind ja davon durchdrungen, daß, seitdem das Mysterium von Golgatha in die Erdenereignisse eingegriffen hat, diejenigen Impulse, diejenigen Kräfte und Wesenheiten, welche durch dieses Mysterium von Golgatha gegangen sind, als lebendige Kräfte eingegriffen haben in alles Geschehen der Menschheitsentwickelung auf der Erde. Mit andern Worten, ich möchte, konkreter ausgesprochen, sagen: In allen maßgebenden Ereignissen, in alledem, was sich als wichtig und wesentlich zugetragen hat, ist der Christus-Impuls darinnen tätig durch die, welche seine Diener, seine spirituellen Gehilfen sind. Gegenwärtig nennt man ja so häufig Christenrum nur dasjenige, was von den Menschen hat verstanden werden können. Aber ich habe es öfter betont: Was durch das Christentum in die Welt gekommen ist, das ist so groß, so gewaltig, daß die menschliche Vernunft, der menschliche Verstand, bis zu unserer Gegenwart keineswegs in der Lage waren, auch nur das Elementarste aus den Kräften des Christus-Impulses wirklich zu begreifen. Wenn der Christus nur durch das hätte wirken sollen, was die Menschen von ihm haben begreifen können, dann würde er wenig haben wirken können. Aber nicht auf das kommt es an, was durch die menschlichen Vernunftbegriffe in die Menschheit eingegangen ist, was die Menschen sich haben vorstellen können von dem Christus, sondern daß er seit dem Mysterium von Golgatha da ist, unter den Menschen unmittelbar wirksam und in ihren Handlungsweisen tätig. Nicht darauf, inwiefern er von den Menschen begriffen worden ist, kommt es an, sondern daß er als lebendiges Wesen da war und sich hat hineinfließen lassen in das, was als maßgebende Tatsachen in der Entwickelung geschehen ist. Gewiß, wir sind durch unsere Geisteswissenschaft auch heute nur imstande, ein wenig von der Tiefe des Christus-Impulses zu begreifen; kommende Zeiten werden immer mehr und mehr davon begreifen und schauen. Zum Hochmut kann uns das nicht veranlassen, was wir heute von dem Christus-Impuls begreifen können. Die Geisteswissenschaft will einiges mehr begreifen, als man in verflossenen Zeiten von dem Christus hat begreifen können. In verflossenen Zeiten hat man über den Christus nur nachdenken können mit den Mitteln, die der äußere Verstand, die äußere Vernunft, die äußere Forschung geben. Jetzt bekommen wir dazu die Geisteswissenschaft, sehen dadurch in die übersinnlichen Welten hinein, und aus den übersinnlichen Welten können wir uns manche Antwort geben über die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha. Am wenigsten waren in der Lage, gleich zu begreifen, was der Christus ist, und was diejenigen spirituellen Mächte sind, welche als die Volksseelen und dergleichen in seinem Dienste stehen, diejenigen Menschen, in deren Gebiet sozusagen der Christus zuerst einziehen mußte. Dennoch mußte der Christus-Impuls hineinfließen — zum Beispiel in die römische Welt. Und gerade an einem Beispiele, das wir in einem andern Zusammenhange schon angeführt haben, können wir am allerbesten sehen, wie der Christus als eine lebendige Macht tätig ist und seine spirituellen Diener anführt, wenn es sich darum handelt, diejenigen Tatsachen zu bewirken, die einfließen müssen in die Entwickelung zum rechten Fortschritt der Menschheit.
[ 6 ] We are, after all, deeply convinced that ever since the Mystery of Golgotha intervened in earthly events, the impulses, forces, and beings that passed through this Mystery of Golgotha have intervened as living forces in all the events of human development on Earth. In other words, to put it more concretely, I would like to say: In all decisive events, in everything that has occurred as important and essential, the Christ impulse is at work through those who are his servants, his spiritual helpers. At present, people so often refer to the Christian world only as that which has been comprehensible to human beings. But I have emphasized this often: What has come into the world through Christianity is so great, so immense, that human reason, the human intellect, has been in no position up to the present day to truly grasp even the most elementary aspects of the forces of the Christ impulse. If Christ were to have worked only through what people have been able to grasp of him, then he would have been able to accomplish very little. But what matters is not what has entered humanity through human concepts of reason, the mental images people have of Christ, but that he has been present since the Mystery of Golgotha, working directly among people and active in their actions. What matters is not the extent to which he has been understood by people, but that he was there as a living being and allowed himself to flow into what has occurred as decisive events in human development. Certainly, even today, through our Spiritual Science, we are only able to grasp a little of the depth of the Christ impulse; future generations will understand and perceive more and more of it. What we are able to grasp of the Christ impulse today cannot lead us to pride. Spiritual Science seeks to understand far more than what could be understood of Christ in times past. In times past, people could only reflect on Christ using the means provided by the outer intellect, outer reason, and outer research. Now we have Spiritual Science to assist us; through it we look into the supersensible worlds, and from the supersensible worlds we can find many answers regarding the meaning of the Mystery of Golgotha. Least able to grasp immediately what Christ is, and what those spiritual powers are that stand in his service as Folk-souls and the like, were those people into whose sphere, so to speak, Christ first had to enter. Nevertheless, the Christ impulse had to flow in—for example, into the Roman world. And it is precisely in an example we have already cited in another context that we can best see how the Christ acts as a living power and leads his spiritual servants when it comes to bringing about those events that must flow into the development toward the true progress of humanity.
[ 7 ] Auf die Tatsache, die ich meine, möchte ich noch einmal hinweisen. Im Jahre 312 unserer Zeitrechnung ist es geschehen, daß derjenige, durch den innerhalb des Römischen Reiches das Christentum zur Staatsreligion wurde, Konstantin, Sohn des Konstantius Chlorus, mit seinem Heere dem damaligen Beherrscher von Rom, Maxentius, gegenüberstand. Gewiß, so wie die beiden Heere sich gegenüberstanden, mußte man sagen: so ungünstig wie möglich standen die Bedingungen für Konstantin, denn sein Heer war fünfmal kleiner als das des Maxentius. Wir können uns aber vorstellen, daß nach dem Stande der damaligen Kriegskunst in beiden Heeren ganz bedeutende Heeresleiter waren. Aber es kam gerade damals nicht auf Menschenkunst an, sondern darauf, daß dem fortfließenden Christus-Impuls die Möglichkeit gegeben wurde, auf die auch von der damaligen Zeit geforderte Weise in die Menschheit einzugreifen. Was man damals vom Christus-Impuls verstehen konnte, was die Herzen der Menschen vom Christus-Impuls aufgenommen hatten aus dem damaligen Zeitbewußtsein heraus, davon können wir uns überzeugen, wenn wir uns anschauen, was ein paar Jahrzehnte später sich um Rom und aus Rom vollzogen hat: wenn wir sehen, wie Julian, der Apostat, aus der ehrlichen Überzeugung dessen, was man damals aus Menschenwissen gewinnen konnte, das Christentum bekämpft hat. Und wer sich auf die Art einläßt, wie Julian und die Seinigen das Christentum bekämpften, der wird sich sagen: Ganz gewiß, vom Menschenwissen aus waren Julian und seine Anhänger auf der Höhe ihrer Zeit; von diesem Standpunkte aus waren sie viel aufgeklärter als die Christen ihrer Zeit, trotzdem sie wieder zum Heidentum übergegangen waren. Von ihnen kann man sagen: sie vertraten, was man als Menschenwissen damals vertreten konnte. Aber was Menschenwissen ist, das durfte nicht im Jahre 312 das Entscheidende sein, sondern es mußte die Möglichkeit gegeben sein, daß der Christus und seine Diener in die geschichtliche Entwickelung der Menschheit eingriffen. Aber wenn Maxentius und die Seinigen sich noch so sehr auf die Feldherrnkunst der Ihrigen hätten stützen können wie auch auf das, was man sonst mit Menschenwissen und Menschenweisheit damals hätte erreichen können, und weiter nichts geschehen wäre, dann würde ganz zweifellos nicht das zum Vorschein gekommen sein, was damals hatte zum Vorschein kommen müssen. Was geschah also?
[ 7 ] I would like to draw attention once again to the fact I am referring to. In the year 312 of our era, it came to pass that the man through whom Christianity became the state religion within the Roman Empire, Constantine, son of Constantius Chlorus, faced off with his army against the then ruler of Rome, Maxentius. Certainly, given how the two armies faced each other, one had to say: the conditions for Constantine could not have been more unfavorable, for his army was five times smaller than that of Maxentius. We can form a mental image of the situation at the time, in which both armies had quite significant military leaders. But what mattered at that very moment was not human skill, but rather that the flowing Christ impulse was given the opportunity to intervene in humanity in the way demanded by the times. We can see for ourselves what could be understood of the Christ impulse at that time, and what the hearts of people had taken in from the Christ impulse based on the consciousness of the age, when we look at what took place around Rome and from Rome a few decades later: when we see how Julian the Apostate, out of an honest conviction based on what could be gained from human knowledge at that time, fought against Christianity. And anyone who considers the way Julian and his followers fought against Christianity will say to themselves: Certainly, from the standpoint of human knowledge, Julian and his followers were at the height of their time; from this perspective, they were far more enlightened than the Christians of their time, even though they had reverted to paganism. Of them one can say: they represented what human knowledge could represent at that time. But what human knowledge is, that was not to be the decisive factor in the year 312; rather, there had to be the possibility that Christ and his servants intervened in the historical development of humanity. But even if Maxentius and his followers had been able to rely as much as possible on their own military prowess, as well as on whatever else could have been achieved through human knowledge and wisdom at that time, and nothing else had happened, then what was meant to come to light at that time would undoubtedly not have come to light. So what happened?
[ 8 ] Was geschah, war folgendes: Der fortlaufende Christus-Impuls floß hinein in diejenigen Tätigkeiten der Seelen, die nicht im Bewußtsein der Menschen lagen, von denen die Menschen nichts wußten. Und er lenkte tatsächlich die Menschen so, daß das zustande kam, was zustande kommen sollte. Denn es wurde die Schlacht zwischen Konstantin und Maxentius, die am 28. Oktober 312 am Saxa Rubra stattfand, nicht entschieden durch Menschenkunst; sondern sie wurde entschieden — so sehr sich auch die heutige Aufklärung dagegen sträuben mag, das anzuerkennen — durch Träume, das heißt, was man so «Träume» nennt, aber was sie für uns nicht sind. Denn alles dasjenige floß durch die Träume in die Seelen der beiden Feldherren hinein, was durch die menschliche Vernunft nicht in sie fließen konnte. Maxentius träumte vorher, daß er seine Stadt verlassen müßte. Er wandte sich auch noch an das Sibyllinische Orakel; das sagte ihm, er werde das, was geschehen sollte, erreichen, wenn er nicht innerhalb, sondern außerhalb der Stadt den Kampf wagen würde. Es war das Unklügste, was er hatte tun können, insbesondere noch dadurch, daß sein Heer um so viel stärker war als das des Konstantin. Er hätte wissen müssen, daß er das, was er aus den höheren Welten bekam, erst hätte deuten müssen, und daß der Orakelspruch ihn irreführen würde. Konstantin wieder hatte einen Traum, der ihm sagte, er werde siegen, wenn er unter dem Zeichen Christi sein Heer in den Kampf führen würde, und so richtete er seine Taten dementsprechend ein. Was auf dem Umwege des Traumes in die Seelen hineinfloß, das ging in die Tat über, und das führte das herbei, was damals die Welt so verändert hat, so daß man nur ein wenig nachzudenken braucht, um sich zu sagen: Was wäre aus der Welt des Abendlandes geworden, wenn eben nicht übersinnliche Mächte in einer so anschaulichen Weise in die Ereignisse eingegriffen hätten?
[ 8 ] What happened was this: The ongoing Christ impulse flowed into those activities of the souls that lay outside human consciousness, of which people knew nothing. And it actually guided people in such a way that what was meant to happen came to pass. For the battle between Constantine and Maxentius, which took place on October 28, 312, at Saxa Rubra, was not decided by human artifice; rather, it was decided—however much modern rationalism may resist acknowledging this—by dreams, that is, what are commonly called “dreams,” but which are not what they seem to us. For everything that could not flow into the souls of the two generals through human reason flowed into them through the dreams. Maxentius had previously dreamed that he would have to leave his city. He also consulted the Sibylline Oracle; it told him that he would achieve what was to happen if he dared to fight not within, but outside the city. It was the most unwise thing he could have done, especially since his army was so much stronger than Constantine’s. He should have known that he first had to interpret what he received from the higher worlds, and that the oracle’s pronouncement would mislead him. Constantine, on the other hand, had a dream that told him he would be victorious if he led his army into battle under the sign of Christ, and so he arranged his actions accordingly. What flowed into the souls through the circuitous path of the dream was translated into action, and this brought about what so transformed the world at that time, so that one need only reflect a little to ask oneself: What would have become of the Western world if supersensible powers had not intervened in events in such a vivid manner?
[ 9 ] Aber nun sehen wir uns die Ereignisse näher an. Seelen waren damals im Westen und Süden Europas inkarniert, die das Christentum annehmen sollten, die zum Träger des Christentums werden sollten. Durch ihren Verstand, durch ihre Vernunft konnten gerade die erleuchtetsten Seelen damals nicht dazu kommen, Träger des Christus-Impulses zu werden, weil die Zeit nicht dazu angebahnt war. Sie mußten durch das, was äußerlich um sie herum geschaffen worden ist, zum Christentum kommen. Man kann von diesen Menschen sagen: sie zogen das Christentum gleichsam als ein Kleid an, und sie wurden gar nicht in ihrem tieferen Wesen allzu sehr davon ergriffen. Sie wurden mehr dienende Glieder, als daß sie unmittelbar in ihrem tiefsten Wesen von dem Christus-Impuls wären ergriffen worden. So war es im Grunde genommen noch lange Zeit hindurch mit den besten Seelen im westlichen Gebiet Europas, bis ins achte, neunte Jahrhundert hinein und noch weiter. Es war für sie nötig, das Christentum als ein Kleid anzunehmen, dieses Kleid des Christentums so zu tragen, daß sie es in ihrem Ätherleibe trugen und nicht in ihrem astralischen Leibe. Sie ermessen, was es bedeutet, wenn ich sage, sie trugen das Christentum im Ätherleibe. Das heißt, sie nahmen es so an, daß sie Christen waren im Wachzustande, daß sie das Christentum aber nicht mitnehmen konnten, wenn sie aus dem physischen und ätherischen Leibe heraus waren. Und so gingen sie auch durch die Pforte des Todes, daß wir von ihnen sagen können: sie konnten aus dem Reiche, das der Mensch durchzumachen hat zwischen Tod und neuer Geburt, hinunterschauen auf das, was sie in dem verflossenen Erdenleben waren. Aber die christlichen Impulse, die aus dem damaligen Leben hervorgingen, mitzunehmen für ihr weiteres Leben, das war ihnen damals nicht unmittelbar möglich. Sie trugen eben das Christentum mehr als ein Kleid.
[ 9 ] But now let us take a closer look at the events. At that time, souls were incarnated in Western and Southern Europe who were to embrace Christianity, who were to become its bearers. Precisely because of their intellect and reason, the most enlightened souls of that time could not become bearers of the Christ impulse, because the time was not yet ripe for it. They had to come to Christianity through what had been created around them externally. One can say of these people: they put on Christianity, as it were, like a garment, and they were not all that deeply moved by it in their innermost being. They became more like serving members than being directly seized by the Christ impulse in their deepest being. This was essentially the case for a long time with the best souls in the western part of Europe, well into the eighth and ninth centuries and even beyond. It was necessary for them to accept Christianity as a garment, to wear this garment of Christianity in such a way that they wore it in their etheric body and not in their astral body. You can appreciate what it means when I say they wore Christianity in their etheric body. That is to say, they accepted it in such a way that they were Christians in the waking state, but could not take Christianity with them when they were out of the physical and etheric bodies. And so they also passed through the gate of death in such a way that we can say of them: they were able to look down from the realm that the human being must pass through between death and new birth upon what they had been in their past earthly life. But to take with them into their next life the Christian impulses that arose from that former life—that was not immediately possible for them at that time. They simply wore Christianity more like a garment.
[ 10 ] Merken wir uns für eine Betrachtung, die ich gleich nachher anstellen will, diesen Zusammenhang: wie die Seelen das Christentum im äußeren Leben annahmen, und wie dieses Christentum nicht zu demjenigen gehörte, was die Seelen, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, durch die geistige Welt hindurch mit hinübernehmen konnten, um sich zu einern neuen Erdendasein vorzubereiten. Merken wir uns, daß diese Seelen in ein neues Erdendasein nur so kommen konnten, daß sie das Christentum vergessen hatten. Denn man erinnert sich in einem späteren Erdenleben nicht bewußt an das, was man im früheren Leben als Kleid getragen hat. Wenn das der Fall wäre, brauchten unsere Gymnasialschüler das Griechische nicht wieder zu lernen, da viele von ihnen in Griechenland verkörpert waren; sie erinnern sich aber nicht an ihre griechische Inkarnation und müssen daher das Griechische neu lernen. Aber durch das Leben, das jene im Westen Europas inkarniert gewesenen Seelen durchgemacht hatten zwischen Tod und neuer Geburt, konnten sie das Christentum nicht forttragen, weil sie diese Impulse nicht innerlich verwoben hatten mit dem Ich und dem astralischen Leib. Das war das Eigentümliche, wie sich diese Seelen in spätere Verkörperungen hinüberlebten. Merken wir uns das, und betrachten wir nun eine andere Tatsache, auf die ich auch schon hingewiesen habe.
[ 10 ] Let us bear in mind this connection for a consideration I will make shortly: how souls embraced Christianity in their outer lives, and how this Christianity did not belong to that which the souls could carry with them through the spiritual world when a person passes through the gate of death, in order to prepare themselves for a new earthly existence. Let us bear in mind that these souls could only enter a new earthly existence by having forgotten Christianity. For in a later earthly life, one does not consciously remember what one wore as a garment in a previous life. If that were the case, our high school students would not need to learn Greek again, since many of them were incarnated in Greece; but they do not remember their Greek incarnation and must therefore learn Greek anew. But because of the life those souls who had incarnated in Western Europe had gone through between death and rebirth, they could not carry Christianity forward, because they had not inwardly woven these impulses together with the ego and the astral body. That was the peculiar way in which these souls carried themselves over into later incarnations. Let us bear this in mind, and now consider another fact to which I have already referred.
[ 11 ] Wir wissen, daß die Zeit, in der wir jetzt leben, der fünfte nachatlantische Kulturzeitraum, hauptsächlich so um das fünfzehnte, sechzehnte Jahrhundert begonnen hat, damals, als sich für die europäische Welt das vorbereiten sollte, was vorzugsweise in unserer Zeit zur Entwickelung der Bewußtseinsseele führen sollte. Das ist ja das, um was es sich in unserm fünften Kulturzeitraum handelt. Was da bewirkt werden sollte, das mußte bewirkt werden im Hinblick darauf, daß auch äußerlich im Erdendasein diejenigen Erdenverhältnisse eintraten, welche gerade dem Entwickeln der Bewußtseinsseele günstig waren, jener Seele, die sich entwickeln kann, wenn sie sich hinlenkt auf das materielle Erdendasein, auf die äußeren Tatsachen des physischen Daseins. Das mußte beginnen, und das begann auch. Wir brauchen uns nur daran zu erinnern, wie der Gesichtskreis Europas über die Erde hin durch die großen Entdekkungen und durch das, was sie im Gefolge hatten, erweitert wurde, so daß die Bewußtseinsseele sich vorzugsweise unter materiellem Einfluß entwickeln mußte. Wir brauchen dabei nur an eines zu denken, worauf wir auch hingewiesen haben: zur Entfaltung und Entwickelung der Bewußtseinsseele ist besonders berufen, einseitig berufen, was zum Gebiete der britischen Volksseele gehört. Und man kann sich kaum denken, wenn man alle Einzelheiten prüft, daß irgend etwas so planvoll vor sich gegangen war, wie dieses Hinlenken der britischen Volksseele zu diesen materiellen Aufgaben des Lebens. Das lag im Bereiche der Entwickelung der Menschheit durchaus vorgezeichnet.
[ 11 ] We know that the era in which we now live, the fifth post-Atlantean cultural epoch, began mainly around the fifteenth and sixteenth centuries, at a time when the European world was to be prepared for what would ultimately lead, in our own time, to the development of the conscious soul. That is, after all, what our fifth cultural epoch is all about. What was to be brought about there had to be brought about in view of the fact that, externally in earthly existence as well, those earthly conditions arose that were particularly conducive to the development of the consciousness soul—that soul which can develop when it turns its attention to material earthly existence, to the external facts of physical existence. This had to begin, and it did begin. We need only recall how Europe’s horizon was expanded across the Earth through the great discoveries and their aftermath, so that the soul of consciousness had to develop primarily under material influence. We need only consider one thing here, which we have also pointed out: what belongs to the realm of the British folk-souls is particularly, indeed exclusively, called upon for the unfolding and development of the conscious soul. And when one examines all the details, it is hard to imagine that anything could have proceeded with such deliberate planning as this directing of the British folk-soul toward these material tasks of life. This was entirely foreshadowed in the course of human development.
[ 12 ] Stellen wir uns nun einmal vor, daß England im fünfzehnten Jahrhundert abgelenkt worden wäre von seinem Hinneigen gerade zu denjenigen Gebieten der Erde, auf die es durch die Entdeckung der großen außereuropäischen Gebiete hingelenkt worden war, und daß die britische Volksseele im fünfzehnten Jahrhundert dahin gekommen wäre, bedeutende Gebietserweiterungen auf dem europäischen Kontinent zu erleben. Stellen wir uns vor, daß also die Landkarte Europas in dieser Weise verändert worden wäre. Unmöglich wäre es dann gewesen, erstens das zu erreichen, was eben auf dem Gebiete der materiellen Kultur erreicht werden mußte, und zweitens das zu erreichen, was in Europa erreicht werden mußte durch jene Verinnerlichung des Lebens, die unter mancherlei Hindernissen gerade von jenem Zeitpunkte an vor sich gegangen ist unter der Mitwirkung des ja doch durch die deutsche Mystik vielfach beeinflußten Protestantismus. Griff aber der Christus-Impuls in die Entwickelung ein, so mußte er dafür sorgen, daß die britischen Interessen ferngehalten wurden von dem Gebiete, wo die Seelen noch vorbereitet werden sollten, um äußere, äußerliche Träger des Christus-Impulses zu sein.
[ 12 ] Let us now imagine that England in the fifteenth century had been diverted from its inclination toward precisely those regions of the world to which it had been drawn by the discovery of the great non-European territories, and that the British folk-souls in the fifteenth century had come to experience significant territorial expansions on the European continent. Let us imagine, then, that the map of Europe had been altered in this way. It would then have been impossible, first, to achieve what had to be achieved in the realm of material culture, and second, to achieve what had to be achieved in Europe through that internalization of life which, amid various obstacles, took place precisely from that point onward with the cooperation of Protestantism—which was, after all, greatly influenced by German mysticism. But if the Christ impulse intervened in the course of development, it had to ensure that British interests were kept away from the region where souls were still to be prepared to be the outward, external bearers of the Christ impulse.
[ 13 ] Der Christus-Impuls mußte einfließen in die Taten des europäischen Kontinentes. Er mußte so wirken, daß er viel mehr bewirkte als das, was durch die Menschheit, durch ihre Menschheitskünste, geschehen konnte. Und was geschah?
[ 13 ] The Christ impulse had to flow into the deeds of the European continent. It had to work in such a way that it brought about far more than what could be achieved by humanity through its human arts. And what happened?
[ 14 ] Das Wunderbare geschah, daß alles dasjenige, was diejenigen nicht haben leisten können, die auf der Höhe ihrer Zeit standen, das arme Hirtenmädchen von Orleans, Jeanne d’Arc, leistete. Damals war es wirklich der durch seinen michaelischen Diener in der Jeanne d’Arc wirkende Christus-Impuls, der verhinderte, daß Frankreich etwa mit England zusammenfließen würde, und der bewirkte, daß England auf seine Insel zurückgedrängt wurde. Und das Doppelte wurde damit erreicht: einmal, daß Frankreich die Hände in Europa frei behielt, was wir studieren können, wenn wir die folgenden Jahrhunderte in Frankreichs Geschichte verfolgen, und daß dasjenige, was im französischen Volksgeiste noch lag, durchaus ungehindert auf die europäische Kultur wirken konnte; und das andere, was erreicht wurde, war, daß England sein Gebiet angewiesen bekam außerhalb des europäischen Kontinentes. Diese Tat, welche so durch die Jeanne d’Arc hingestellt wurde, war nicht etwa bloß für die Franzosen ein Segen, sondern auch für die Engländer selbst, indem sie auf ihr Gebiet gedrängt wurden.
[ 14 ] The miraculous thing that happened was that everything those who were at the height of their time could not accomplish was accomplished by the poor shepherdess of Orléans, Joan of Arc. At that time, it was truly the Christ impulse working through its Michaelic servant in Joan of Arc that prevented France from merging with England, so to speak, and that caused England to be pushed back to its island. And two things were thereby achieved: first, that France kept its hands free in Europe—which we can study by tracing the following centuries of French history—and that what still lay within the French national spirit could act upon European culture entirely unhindered; and the other thing that was achieved was that England was assigned its territory outside the European continent. This feat, which was thus accomplished by Joan of Arc, was not merely a blessing for the French, but also for the English themselves, in that they were forced into their own territory.
[ 15 ] Wenn wir es aber im Zusammenhange betrachten mit dem, was im Fortschritt des Christus-Impulses auf der Erde liegt, so wurde durch die Tat der Jeanne d’Arc etwas bewirkt, von dem wir sagen können: Was sie davon mit einem wirklichen menschlichen Verstande verstanden hat, das ist gleich Null gegenüber dem, was der Karte von Europa die heutige Gestalt gegeben hat. $o mußten eben die Ereignisse verlaufen, damit der Christus-Impuls in der richtigen Weise sich ausbreiten konnte. Da sehen wir, hereinbrechend in die geschichtlichen Ereignisse aus den unterirdischen Gründen der Menschennatur heraus, was der lebendige Christus ist; nicht der, den die Menschen verstehen. Denn wir können den Christus-Impuls in zweifacher Weise betrachten. Einmal können wir uns fragen: Was verstanden damals die Menschen von dem Christus-Impulse? Wenn wir die Geschichte aufschlagen und die Menschheitsgeschichte verfolgen, so finden wir in den verflossenen Jahrhunderten streitende Theologen, die alle möglichen Theorien verteidigen oder bekämpfen, die darzulegen versuchen, wie man die menschliche Freiheit, die göttliche Trinität und so weiter aufzufassen habe. Unzählige Theologen sehen wir so sich streiten, indem sie sich gegenseitig als rechtgläubige Theologen anerkennen oder im anderen Falle verketzern. Daher sehen wir eine christliche Lehre sich ausbreiten, ganz nach den Möglichkeiten der damaligen Zeit. Das ist das eine. Aber darauf kommt es nicht an, ebensowenig wie es jetzt darauf ankommt, was die Menschen mit dem gewöhnlichen Verstande tun können. Sondern darauf kommt es an, daß der Christus unsichtbar unter den Menschen lebt als lebendiges Wesen und aus den unsichtbaren Gründen herauf in die Taten der Menschheit einfließen kann. Und das tat er an einer Stelle, wo er eben gar nicht einzufließen brauchte durch den menschlichen Verstand, durch die menschliche Vernunft, sondern wo er einfließen konnte durch die Seele einer «Unverständigen», durch die Seele der Jungfrau von Orleans. Und als er einfloß, wie verhielten sich da diejenigen, welche das Christentum als die offizielle Lehre begreifen konnten? Nun, sie fanden, daß sie den Träger des Christus-Impulses verbrennen mußten! Es hat einige Zeit gebraucht, bis diese offizielle Lehre zu einer anderen Ansicht gekommen ist. Für die offizielle Lehre mag das von seinem Wert sein, aber für die damaligen Ereignisse ist die Heiligsprechung der Jungfrau von Orleans nicht gerade die rechte Reputation.
[ 15 ] But if we consider it in the context of the progress of the Christ impulse on Earth, the deeds of Joan of Arc brought about something of which we can say: What she understood of it with a truly human mind is nothing compared to what has shaped the map of Europe as we know it today. That is simply how events had to unfold so that the Christ impulse could spread in the right way. There we see, breaking into historical events from the subterranean depths of human nature, what the living Christ is; not the one whom people understand. For we can view the Christ impulse in two ways. First, we may ask ourselves: What did people understand of the Christ impulse back then? When we open the pages of history and trace the history of humanity, we find, in the centuries past, disputing theologians who defend or combat all manner of theories, attempting to explain how one should understand human freedom, the divine Trinity, and so on. We see countless theologians thus disputing, recognizing one another as orthodox theologians or, in the opposite case, excommunicating one another. Thus we see a Christian doctrine spreading, entirely in accordance with the possibilities of that time. That is one aspect. But that is not what matters, just as it does not matter now what people can do with their ordinary intellect. Rather, what matters is that Christ lives invisibly among humanity as a living being and can flow up from the invisible realms into the deeds of humanity. And he did this in a place where he did not need to flow in through human intellect or human reason, but where he could flow in through the soul of an “uneducated” person, through the soul of the Maid of Orleans. And when he flowed in, how did those who could comprehend Christianity as the official doctrine react? Well, they felt they had to burn the bearer of the Christ impulse! It took some time for this official doctrine to arrive at a different view. For the official doctrine, that may be of value, but for the events of that time, the canonization of the Maid of Orleans is not exactly the right reputation.
[ 16 ] Das ist so recht eines der Beispiele, an denen wir sehen können, wie der Christus durch seine Diener — ich sagte, durch die Jungfrau von Orleans wirkte er durch seinen michaelischen Geist — in die Menschheitsentwickelung eingriff als lebendiges Wesen, nicht bloß durch das, was die Menschen von ihm verstehen. Aber wir können auch noch etwas anderes gerade an diesem Beispiel sehen. Das Christentum war ja da. Die Leute nannten sich ja Christen, die gewissermaßen herum waren um die Jungfrau von Orleans. Sie verstanden ja etwas unter ihrem Christentum. Aber man müßte von dem, was sie verstanden, sagen: Der, den ihr sucht, der ist nicht da, und der da ist, den suchet ihr nicht, denn den kennt ihr nicht. Trotzdem müssen wir uns klar sein, daß es wichtig, daß es wesentlich war, daß die Christus-Entwickelung auch in diesem äußerlichen Gewande, in dem sie dort auftrat, durch die Entwickelung von Europa ging. Seelen gehörten dazu, die eben in diesem äußeren Gewande das Christentum annehmen konnten, die es gleichsam äußerlich tragen konnten. Sie waren noch immer die Nachzügler derjenigen Seelen, die früher dort verkörpert waren, Seelen also, die den Christus noch immer nicht in ihr Ich aufnahmen, sondern immer noch nur in den Ätherleib aufnahmen. Und der große Unterschied zwischen der Jungfrau von Orleans und den andern war der, daß sie in die tiefsten Gründe ihres astralischen Leibes den Christus-Impuls aufnahm und von den tiefsten Kräften des astralischen Leibes aus für den Christus-Impuls wirkte. Gerade hier haben wir einen der Punkte, wo wir uns klarmachen können, was uns klar werden muß: den Unterschied zwischen der fortlaufenden Entwikkelung der Völker und der fortlaufenden Entwickelung der einzelnen menschlichen Individualitäten.
[ 16 ] This is really one of the examples through which we can see how Christ intervened in human evolution as a living being—I said that through the Virgin of Orleans he worked through his Michaelic spirit—and not merely through what people understand of him. But we can also see something else in this particular example. Christianity was, after all, present there. The people who were, so to speak, gathered around the Virgin of Orleans called themselves Christians. They certainly understood something by their Christianity. But one would have to say of what they understood: “The one you seek is not there, and the one who is there, you do not seek, for you do not know him.” Nevertheless, we must be clear that it was important, that it was essential, that the development of Christ, even in this outer form in which it appeared there, passed through the development of Europe. There were souls who could accept Christianity precisely in this outer form, who could, as it were, wear it outwardly. They were still the stragglers among those souls who had previously incarnated there—souls, in other words, who still had not taken Christ into their I, but had taken him only into the etheric body. And the great difference between the Maid of Orleans and the others was that she took the Christ impulse into the deepest depths of her astral body and worked for the Christ impulse from the deepest forces of the astral body. It is precisely here that we have one of the points where we can make clear to ourselves what must become clear to us: the difference between the ongoing development of peoples and the ongoing development of individual human personalities.
[ 17 ] Wenn wir zum Beispiel die heutigen Franzosen betrachten, so leben natürlich innerhalb des französischen Volkes eine Anzahl menschlicher Individualitäten. Diese Individualitäten sind nicht etwa diejenigen, welche zum Beispiel in ihrer früheren Inkarnation innerhalb des Volkes gelebt haben, das da im Westen von Europa das äußere Kleid des Christentums angenommen hat. Denn gerade dadurch, daß im Westen von Europa eine Anzahl von Menschen das Christentum als äußeres Kleid annehmen mußte, gingen diese Menschen so durch die Pforte des Todes, daß sie angewiesen waren, unter anderen Bedingungen im nächsten Leben in ihrem astralischen Leib und Ich mit dem Christentum vereinigt zu sein. Gerade dadurch, daß sie im Westen von Europa verkörpert waren, war für sie die Notwendigkeit gegeben, ihre nächste Verkörperung nicht in dem Westen von Europa zu haben. Es ist überhaupt sehr selten der Fall — selten sage ich, es braucht aber darum nicht immer so zu sein —, daß eine Seele aufeinanderfolgend in mehreren Inkarnationen etwa derselben Erdengemeinschaft angehört. Die Seelen gehen aus einer Erdengemeinschaft in die andere hinüber.
[ 17 ] If we consider, for example, the French people of today, there naturally exist within the French nation a number of human individualities. These individualities are not, for instance, those who in a previous incarnation lived among the people who, in Western Europe, adopted the outer form of Christianity. For precisely because a number of people in Western Europe had to adopt Christianity as an outer garment, these people passed through the gate of death in such a way that they were destined to be united with Christianity in their astral body and I under different conditions in their next life. Precisely because they were incarnated in Western Europe, it was necessary for them not to have their next incarnation in Western Europe. It is very rarely the case—I say rarely, but it need not always be so—that a soul belongs to roughly the same earthly community in successive incarnations. Souls pass from one earthly community to another.
[ 18 ] Aber ein Beispiel haben wir — ich sage das, ohne Sympathien oder Antipathien erregen zu wollen, noch um etwa jemandem schmeicheln zu wollen —, ein Beispiel haben wir, wo Seelen in der Tat mehrmals durch ein und dasselbe Volkstum durchgehen. Das ist der Fall beim mitteleuropäischen Volke. Dieses mitteleuropäische Volk hat viele Seelen, welche heute darin leben, und die auch früher innerhalb der germanischen Völker verkörpert waren. Solcher Tatsache können wir nachgehen. Wir können sie oftmals mit den Mitteln der okkulten Forschung, wie wir sie bis jetzt haben, gar nicht völlig erklären; aber sie steht da. Eine solche Tatsache, wie sie zum Beispiel im öffentlichen Vortrag am letzten Donnerstag «Die germanische Seele und der deutsche Geist» gezeigt wurde, bekommt Licht, wenn wir wissen, daß Seelen wiederholt innerhalb der mitteleuropäischen Volksgemeinschaft erscheinen. Das ist die Tatsache, daß wir gerade innerhalb dieser Volksgemeinschaft abgerissene Kulturepochen haben. Man soll sich nur vorstellen, was es bedeutet, daß innerhalb der Morgenröte der germanischen Kultur es eine Epoche gegeben hat, wie sie da war bei den Dichtern des Nibelungenliedes, bei Walther von der Vogelweide und anderen; und man soll sich vorstellen, daß später eine Zeit begann, in welcher eine neue Blütezeit der germanischen Kultur einsetzte, und wo die erste Blüte ganz vergessen war. Denn zur Zeit, als Goethe jung war, wußte man sozusagen nichts von der ersten Blüte germanischen Kulturlebens. Gerade weil die Seelen innerhalb dieser Volksgemeinschaft wiederkehren, mußte vergessen werden, was schon einmal da war, damit die Seelen etwas Neues fanden, wenn sie wiederkehrten, und nicht unmittelbar an das anknüpfen konnten, was aus den früheren Zeiten geblieben war. Bei keinem andern Volke ist es so, daß gewissermaßen solche Metamorphose durchgemacht worden wäre wie beim mitteleuropäischen Volke: von jener Höhe, welche vorhanden war im zehnten, elften, zwölften Jahrhundert, zu jener andern Höhe, die wieder da war um die Zeit vom Ende des achtzehnten und Beginn des neunzehnten Jahrhunderts und deren Fortwirken wir erhoffen dürfen. Von dem ersten zum zweiten Zeitpunkt geht kein fortlaufender Strom, was nur erklärlich wird, wenn wir wissen, daß gerade auf diesem Gebiete der Geisteskultur Seelen wiederkommen. Vielleicht hängt damit auch zusammen, was ich Ihnen gegenüber schon einmal eine erschütternde Tatsache genannt habe: daß eben wirklich nur zu bemerken war bei den mitteleuropäischen Kämpfern der Gegenwart, daß sie, wenn sie durch die Pforte des Todes gehen, weiter mitkämpfen; daß, bald nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, zu schauen ist, wie sie mitkämpfen. Daher kann man nach dieser Tatsache die schönsten Hoffnungen für die Zukunft haben, wenn man eben sieht, daß nicht nur die Lebendigen, im physischen Sinne Lebendigen, sondern auch die Toten, die Verstorbenen, mithelfen an dem, was geschieht.
[ 18 ] But we do have an example—and I say this without wishing to arouse sympathy or antipathy, nor to flatter anyone—we do have an example where souls do indeed pass through the same ethnic group on multiple occasions. This is the case with the Central European people. This Central European people has many souls living within it today, souls that were also embodied among the Germanic peoples in the past. We can investigate this fact. We often cannot fully explain it using the means of occult research available to us so far; but it is there. A fact such as that presented, for example, in last Thursday’s public lecture, “The Germanic Soul and the German Spirit,” is illuminated when we realize that souls repeatedly appear within the Central European community of peoples. This is the fact that we have distinct cultural epochs precisely within this community of peoples. One should have only a mental image of what it means that within the dawn of Germanic culture there was an epoch such as that found among the poets of the Nibelungenlied, Walther von der Vogelweide, and others; and one should have a mental image of the fact that later a time began in which a new flowering of Germanic culture set in, and where the first flowering had been completely forgotten. For at the time when Goethe was young, people knew virtually nothing of the first flowering of Germanic cultural life. Precisely because souls return within this community of people, what had once existed had to be forgotten, so that the souls might find something new upon their return and not be able to immediately build upon what remained from earlier times. No other people has undergone such a metamorphosis, so to speak, as the Central European people: from that height which existed in the tenth, eleventh, and twelfth centuries, to that other height which was present again around the time of the late eighteenth and early nineteenth centuries, and whose continuing influence we may hope for. There is no continuous flow from the first to the second period, which becomes understandable only when we realize that it is precisely in this realm of spiritual culture that souls return. Perhaps this is also connected to what I have once before described to you as a shattering fact: that it was indeed only observable among the Central European fighters of the present day that, when they pass through the gate of death, they continue to fight alongside us; that, soon after they have passed through the gate of death, one can see how they continue to fight. Therefore, based on this fact, one can have the most beautiful hopes for the future, when one sees that not only the living—the living in the physical sense—but also the dead, the departed, are helping in what is happening.
[ 19 ] Werfen wir nun die Frage auf: Wie ist es etwa mit denjenigen Seelen, die in den Zeiten, als das Christentum wie eine äußere Gewandung angenommen worden ist, namentlich in der Zeit des sechsten, siebenten, achten, neunten Jahrhunderts in Westeuropa verkörpert waren und dort, oder auch unter den Römern, das Christentum angenommen haben, es aber noch nicht vereinigen konnten mit ihrem astralischen Leib und ihrem Ich? Wie ist es mit diesen Seelen?
[ 19 ] Let us now ask the question: What about those souls who were incarnated in Western Europe during the times when Christianity was adopted as an outer garment—namely in the sixth, seventh, eighth, and ninth centuries—and who embraced Christianity there, or even among the Romans, but were not yet able to unite it with their astral body and their I? What of these souls?
[ 20 ] Ja, so grotesk es für die materialistisch denkenden Menschen der Gegenwart ist, so bedeutungsvoll werden die Lehren der Geisteswissenschaft für das Leben, wenn man auf die konkreten Tatsachen eingeht. Das betrachten die Menschen noch als das Hirngespinst einiger närrischer Träumer, wenn man von wiederholten Erdenleben spricht. Man nimmt diese Idee nicht an; aber man findet es verzeihlich, nachdem ja auch der große Lessing in einer schwachen Stunde seines Lebens die Idee der wiederholten Erdenleben angenommen hat, wenn auch heute wieder davon gesprochen wird. Aber wenn wirklich eingegangen wird auf die Ergebnisse der okkulten Forschung, dann ist man kein Verzeihung erheischender Narr mehr für die Menschen der großen Aufklärung. Dennoch aber müssen wir eingehen auf einiges, was uns die okkulte Forschung gibt; denn dadurch erst kommt Licht hinein in das, was sonst die große Täuschung bleiben muß.
[ 20 ] Yes, as grotesque as it may seem to the materialistically minded people of today, the teachings of Spiritual Science become profoundly meaningful for life when one examines the concrete facts. People still regard this as the fantasy of a few foolish dreamers when one speaks of repeated earthly lives. People do not accept this idea; but they find it forgivable—since even the great Lessing, in a moment of weakness, accepted the idea of repeated earthly lives—that it is spoken of again today. But when one truly engages with the findings of occult research, one is no longer a fool deserving of forgiveness in the eyes of the people of the Great Enlightenment. Nevertheless, we must address certain aspects of what occult research offers us; for only through this does light shine into what would otherwise remain a great deception.
[ 21 ] Da ist das Merkwürdige, daß uns von den Seelen, die während der auslaufenden Römerzeit, als das Christentum allmählich Einfluß gewann und dann zur Staatsreligion wurde, damals im Westen lebten, jetzt eine ganz große Anzahl vom Osten entgegenkommt, Seelen also, die im Osten aufwachsen und unter den Kämpfern Rußlands sind. Ich sagte: merken wir uns die Tatsache, die wir vorhin anführten. Denn wir finden unter den Menschen, die im Osten getötet werden, die dort kämpfen oder gefangen genommen werden, solche Seelen, die in den letzten Römerzeiten im Westen Europas gelebt haben. Die kommen uns jetzt vom Osten entgegen, die damals das Christentum in den Ätherleib haben fließen lassen und die jetzt in den Leibern einer verhältnismäßig niedriger stehenden Kultur, durch das eigenrümliche Leben des Ostens, im Wachzustande das Christentum so in ihre Seelen hereinnehmen, daß sie sich gefühlsmäßig, instinktmäßig mit ihm verbinden. Also gerade in ihren astralischen Leibern verbinden sie sich mit dem Christus-Impuls und holen dadurch dasjenige nach, was sie in ihren vorhergehenden Inkarnationen nicht haben erreichen können. Das ist eine sehr merkwürdige Tatsache, die uns die okkulte Forschung in unseren Tagen zeigen kann. Unter den vielen erschütternden Tatsachen, die, angeregt durch unsere Zeitereignisse, in das okkulte Feld hereintreten können, ist auch diese. Was können wir uns nun aus diesen Tatsachen klarmachen?
[ 21 ] The curious thing is that a very large number of the souls who lived in the West during the waning days of the Roman era—when Christianity was gradually gaining influence and then became the state religion—are now coming to us from the East; that is, souls who are growing up in the East and are among the fighters of Russia. I said: let us take note of the fact we mentioned earlier. For among the people who are being killed in the East, who are fighting there or being taken captive, we find souls who lived in Western Europe during the late Roman period. They are now coming toward us from the East—those who once allowed Christianity to flow into their etheric bodies and who now, in the bodies of a relatively less developed culture, through the unique way of life in the East, take Christianity into their souls in the waking state in such a way that they connect with it emotionally and instinctively. Thus, it is precisely in their astral bodies that they connect with the Christ impulse and thereby make up for what they were unable to achieve in their previous incarnations. This is a very remarkable fact that occult research can reveal to us in our time. Among the many startling facts that, prompted by the events of our time, can enter the occult realm, this is one of them. What can we now make clear to ourselves from these facts?
[ 22 ] Wir müssen uns das Folgende klarmachen. Wir müssen uns erinnern, wie es im geraden Fortschritt des mitteleuropäischen Geisteslebens liegt, das germanische Seelenleben ganz bewußt mit dem Christentum zu verbinden, es hinaufzuführen zu den Höhen einer geraden christlichen Kultur. Dazu sind ja die Strömungen, die Wege in wunderbarer Weise seit Jahrhunderten vorgezeichnet. Das sehen wir sich anbahnen. Gerade wenn wir unsere Zeit mit allen ihren Fehlern und Irrtümern in Betracht ziehen, da sehen wir, daß keimhaft veranlagt ist in der mitteleuropäischen Kultur, daß mit allen Kräften Vorbereitungen gemacht sind im deutschen Volksgeist, in der germanischen Volksseele, damit bewußt nun ergriffen werde der Christus-Impuls.
[ 22 ] We must make the following clear to ourselves. We must remember that it is inherent in the steady progress of Central European spiritual life to consciously unite the Germanic soul with Christianity, to raise it to the heights of a true Christian culture. Indeed, the currents and paths leading to this have been wonderfully laid out for centuries. We see this beginning to take shape. Precisely when we consider our time with all its faults and errors, we see that a seed is planted within Central European culture, that preparations are being made with all one’s might in the German national spirit, in the Germanic folk-soul, so that the Christ impulse may now be consciously embraced.
[ 23 ] Das ist eine Tatsache von unendlich höherer Bedeutung noch als diejenige des fünfzehnten Jahrhunderts, als das Mädchen von Orleans Frankreich zu retten hatte, weil Frankreich damals eine bedeutende Mission hatte. Wir stehen also vor der bedeutsamen Tatsache, daß in der Zukunft der deutsche Geist dazu berufen ist, im vollen Wachzustande mit den Tatsachen, die in das deutsche Geistesleben eingeflossen sind, den Christus-Impuls immer bewußter aufzunehmen. Er mußte wirken, dieser Christus-Impuls, durch die Jahrhunderte so, wie wir stets gezeigt haben, indem er sich in den Seelen durch die unterbewußten Vorgänge ankündigte. Und er muß sich in der Zukunft mit den Seelen in der Weise verbinden, daß es Menschen gibt — die es in Mitteleuropa geben muß —, die im Wachzustande, unter Anstrengung ihrer bewußten Geisteskräfte, nicht nur derjenigen, die im physischen Leibe und Ätherleibe sind, auch ihr Ich und ihren astralischen Leib mit dem Christus-Impuls verbinden. Wir sehen es bei den Besten angestrebt. Nehmen wir den Allerbesten: Goethe. Aber was bei Goethe als ein besonderes Beispiel angeführt werden kann, das liegt in allen Seelen, wenn sie es auch nur dunkel erstreben.
[ 23 ] This is a fact of infinitely greater significance than that of the fifteenth century, when the Maid of Orleans had to save France because France had an important mission at that time. We are thus faced with the significant fact that in the future the German spirit is called upon to take in the Christ impulse ever more consciously, while fully awake to the realities that have flowed into German spiritual life. This Christ impulse had to work through the centuries, as we have always shown, by announcing itself in souls through subconscious processes. And in the future it must connect with souls in such a way that there are people—who must exist in Central Europe—who, in a waking state and by exerting their conscious spiritual powers, connect not only those parts of themselves that are in the physical and etheric bodies, but also their ego and their astral body with the Christ impulse. We see this being strived for by the very best. Let us take the very best: Goethe. But what can be cited as a special example in Goethe lies within all souls, even if they strive for it only dimly.
[ 24 ] Wir sehen, wie Goethe den Repräsentanten der Menschheit, den Faust, hinstellt, den er streben läßt nach dem Höchsten. In die griechische Kultur hinein führt er ihn im zweiten Teile der Dichtung, führt ihn hinein in alles, was Völker erleben, führt ihn so hinein, daß Faust in bedeutsamer Weise die Zukunft vorauslebt da, wo er Land dem Meere abringen und etwas begründen will, was ihm eine ferne Zukunft ist. Und wozu läßt er ihn zuletzt kommen? Goethe hat es selbst einmal in einem Gespräche zu Eckermann gesagt: er mußte die anschaulichen Vorstellungen des Christentums zu Hilfe nehmen, um zu zeigen, wie Faust in die geistige Welt hinaufschwebt. Und wenn Sie das wunderbar schöne Bild nehmen, wie die Mater gloriosa Fausts Seele empfängt, so haben Sie das Gegenbild zu jenem, was Raffael angeregt hat zu seinem bekanntesten Bilde, der Sixtinischen Madonna: da bringt die jungfräuliche Mutter die Seele herab. Am Ende des «Faust» sehen wir, wie die Jungfrau-Mutter die Seele hinaufträgt: es ist die Todes-Geburt der Seele. So sehen wir ganz bewußt aus dem Menschengeist heraus das intimste Streben, das, was aus dem Christentum zu erringen ist, sich immer so zu erringen, daß es durch die Todespforte hindurch hineingetragen werden kann in das Leben, das der Mensch nach der Vorbereitung zwischen dem Tode und der nächsten Geburt in einem neuen Erdenleben durchlebt. Was wir so bei Goethe selbst sehen können, ist ein Charakterzug der deutschen Nation. Und an diesem können wir ermessen, welche Aufgabe für die Menschen da ist. Das ist die Aufgabe, und das können wir uns ganz klar vor die Seele hinschreiben: daß es zum wirklichen Segen des Menschheitsfortschrittes nur werden kann, wenn nun in einem bestimmten Kreise ein harmonisches Verhältnis geschaffen wird zwischen Mitteleuropa und Osteuropa.
[ 24 ] We see how Goethe presents Faust, the representative of humanity, whom he sets on a quest for the highest. In the second part of the poem, he leads him into Greek culture, into everything that peoples experience, in such a way that Faust, in a significant sense, lives the future in advance—where he seeks to reclaim land from the sea and establish something that is a distant future for him. And what does he ultimately lead him to? Goethe himself once said this in a conversation with Eckermann: he had to draw on the vivid mental images of Christianity to show how Faust soars up into the spiritual world. And if you take that wonderfully beautiful image of how the Mater Gloriosa receives Faust’s soul, you have the counter-image to what inspired Raphael to create his most famous painting, the Sistine Madonna: there the Virgin Mother brings the soul down. At the end of “Faust” we see how the Virgin Mother carries the soul upward: it is the death-birth of the soul. Thus we see quite consciously, from within the human spirit, the most intimate striving—that which is to be attained through Christianity—always to attain it in such a way that it can be carried through the gate of death into the life that the human being lives through in a new earthly existence after the preparation between death and the next birth. What we can see in this way in Goethe himself is a characteristic trait of the German nation. And from this we can gauge what task lies before humanity. This is the task, and we can write it quite clearly before our souls: that it can only become a true blessing for the progress of humanity if a harmonious relationship is now established within a certain circle between Central Europe and Eastern Europe.
[ 25 ] Man könnte sich denken, daß Osteuropa durch brutale Kraft sich ausdehnen könnte nach Westen hin, über Mitteleuropa. Man könnte sich denken, daß es dahin kommen könnte. Das würde aber genau dasselbe bedeuten, wie wenn im fünfzehnten Jahrhundert die Tat der Jeanne d’Arc nicht geschehen wäre und England damals Frankreich annektiert hätte. Wenn es dahin gekommen wäre, das sagte ich ausdrücklich, so wäre damit etwas geschehen, was nicht nur zum Unheile Frankreichs gewesen wäre, sondern auch England zum Unheil gereicht hätte. Und würde jetzt die deutsche Geisteskultur beeinträchtigt werden vom Osten herüber, so würde das nicht bloß die deutsche Geisteskultur schädigen, sondern auch den Osten mit. Das Schlimmste, was den Osten treffen könnte, wäre, daß er zeitweilig sich ausbreiten und die deutsche Geisteskultur schädigen könnte. Denn ich sagte: die früher in Westeuropa oder auf der italienischen Halbinsel verkörperten Seelen, die jetzt im Osten aufwachsen, sie vereinigen sich in den unterbewußten Untergründen des astralischen Leibes wie instinktiv mit dem ChristusImpuls. Was aber der Christus-Impuls in ihnen werden soll, das kann er nie werden durch eine gerade Fortentwickelung dessen, was da instinktiv unter dem Namen des orthodoxen Katholizismus, der ja im wesentlichen byzantinisch ist, in den Seelen lebt und der ein Name, nicht ein Impuls ist. Es ist ebenso unmöglich für ihn, das zu werden, was er werden soll, wie es unmöglich ist, daß eine Frau ohne einen Mann ein Kind haben könnte. Und wenn aus dem Osten selbst heraus, wie er jetzt ist, etwas werden soll, so gliche das dem törichten Bestreben, wie wenn eine Frau ohne einen Mann ein Kind bekommen wollte. Was im Osten sich vorbereitet, das kann nur dadurch etwas werden, daß in Mitteleuropa in kräftiger Weise, bewußt — das heißt im vollen Wachzustande — aus dem, was die Seelen aus der Ich-Natur heraus erstreben, die menschliche IchKraft und die menschlichen Erkenntniskräfte verbunden werden mit dem Christus-Impuls. Nur dadurch, daß der deutsche Volksgeist Seelen findet, welche so den Christus-Impuls in den astralischen Leib und in das Ich hineinverpflanzen, wie er hineinverpflanzt werden kann eben im vollen Wachzustande, nur dadurch kann für eine Kultur der Zukunft das entstehen, was entstehen muß. Und es muß entstehen durch eine Harmonisierung, durch eine Verbindung mit dem, was in Mitteleuropa bewußt, immer bewußster und bewußter erreicht wird.
[ 25 ] One might imagine that Eastern Europe could expand westward, across Central Europe, by brute force. One might imagine that things could come to that. But that would mean exactly the same thing as if, in the fifteenth century, Joan of Arc’s deeds had never taken place and England had annexed France at that time. If that had happened—and I said this explicitly—it would have been a disaster not only for France but also for England. And if German intellectual culture were now to be undermined by the East, it would harm not only German intellectual culture but the East as well. The worst thing that could befall the East would be that it might temporarily expand and harm German spiritual culture. For I said: the souls formerly embodied in Western Europe or on the Italian Peninsula, who are now growing up in the East, unite in the subconscious depths of the astral body, as it were instinctively, with the Christ impulse. But what the Christ impulse is meant to become in them, it can never become through a straightforward development of what lives instinctively in the souls under the name of Orthodox Catholicism—which is essentially Byzantine—and which is a name, not an impulse. It is just as impossible for it to become what it is meant to become as it is impossible for a woman to have a child without a man. And if something is to come into being from the East itself, as it is now, it would resemble the foolish endeavor of a woman trying to have a child without a man. What is being prepared in the East can only come to fruition if, in Central Europe, in a powerful and conscious manner—that is, in a fully waking state—the human ego-force and the human powers of cognition are united with the Christ impulse through what the souls strive for from the nature of the ego. Only by the German national spirit finding souls who thus implant the Christ impulse into the astral body and into the ego—just as it can be implanted precisely in a fully waking state—only in this way can what must come into being for a future culture arise. And it must come into being through a harmonization, through a connection with what is being attained in Central Europe—consciously, ever more consciously.
[ 26 ] Dazu werden nicht nur ein, zwei Jahrhunderte, sondern noch lange Zeiten notwendig sein. So lange Zeiten werden dazu gehören, daß ungefähr gerechnet werden kann, ich will sagen, vom Jahre vierzehnhundert an etwa zweitausendeinhundert Jahre. Rechnet man zum Jahre vierzehnhundert zweitausendeinhundert Jahre hinzu, dann bekommt man den Zeitpunkt, der annähernd in der Erdenentwickelung das erscheinen lassen wird, was sich keimhaft veranlagt hat im deutschen Geistesleben, seit es ein solches Geistesleben gibt. Daraus aber ersehen wir, daß wir hinblicken müssen auf eine Zukunft von nicht nur Jahrhunderten, sondern von mehr als einem Jahrtausend, in welchem der mitteleuropäische, der deutsche Volksgeist seine Aufgabe hat, seine Aufgabe, die schon daliegt und die darin besteht, daß immer mehr und mehr solche Pflege des Geisteslebens da sein muß, durch welche im Wachbewußtsein aufgenommen wird — bis in den astralischen Leib und das Ich hinein — das Verständnis dessen, was früheren Zeiten unbewußt, lebendig als der Christus-Impuls durch die europäischen Völker gegangen ist. Wenn aber die Entwickelung diesen Gang nehmen wird, dann kann nach und nach durch das Hinaufranken zu dem, was in Mitteleuropa also erreicht wird, im Osten diejenige Stufe erstiegen werden, die dort vermöge der besonderen Veranlagungen erstiegen werden kann. Das ist der Wille der Weltenweisheit. Diesen Willen der Weltenweisheit interpretieren wir nur dann im richtigen Sinne, wenn wir uns sagen: Das größte Unglück auch für den Osten Europas wäre es, wenn er diejenige geistige Macht schädigen würde, an der er sich gerade hinaufranken muß, die er gerade verehrend, freundschaftlich verehrend hegen und pflegen müßte. Er muß eben noch dazu kommen. Vorläufig fehlt ihm noch sehr, sehr vieles dazu; gerade den Besten fehlt dort noch sehr vieles dazu. In ihrer Kurzsichtigkeit lassen sie sich noch immer nicht ein auf das, was gerade das mitteleuropäische Geistesleben dem Osten geben kann.
[ 26 ] This will require not just one or two centuries, but a much longer period of time. Such a long period will be involved that one can roughly estimate it—I would say—from the year 1400 to about 2100. If one adds two thousand one hundred years to the year fourteen hundred, one arrives at the point in Earth’s evolution that will bring forth what has been germinating in German spiritual life since such a spiritual life has existed. From this, however, we see that we must look toward a future of not just centuries, but of more than a millennium, in which the Central European, the German national spirit has its task—a task that already lies before us and consists in the fact that there must be ever more and more of such cultivation of spiritual life, through which is taken up in waking consciousness — all the way into the astral body and the I — an understanding of what, in earlier times, passed unconsciously and vividly through the European peoples as the Christ impulse. But if development takes this course, then, through the gradual ascent toward what is thus achieved in Central Europe, the stage can be reached in the East that can be attained there by virtue of its special predispositions. This is the will of world wisdom. We interpret this will of world wisdom correctly only when we say to ourselves: The greatest misfortune for Eastern Europe, too, would be if it were to harm the very spiritual power upon which it must now climb, the power it must now cherish and nurture with reverence and friendship. It must simply come to this. For the time being, it still lacks very, very much to do so; even the best among them there still lack very much to do so. In their short-sightedness, they still do not engage with what Central European spiritual life can offer the East.
[ 27 ] Ich habe das im ersten öffentlichen Vortrage hier in Berlin bereits auseinandergesetzt. Sie können am heutigen Abend sehen, welche tieferen okkulten Gründe hinter dem liegen, was ich im öffentlichen Vortrage nur äußerlich, exoterisch habe sagen können. Aber das ist ja immer so, daß berücksichtigt werden muß, daß im öffentlichen Vortrage in den Formen zu sprechen ist, die dem Verständnis der Zuhörer naheliegen, und daß die eigentlichen Impulse, warum dieses gesagt, jenes ausgelassen wird, warum dieser oder jener Zusammenhang gesucht wird, bei den okkulten Tatsachen liegen. Aber jedenfalls kann aus dem, was heute auseinandergesetzt worden ist, das ersehen werden: wenn wir so äußerlich die Dinge überschauen, dann bieten sie uns die große Täuschung, die Maja dar. Nicht als ob die Außenwelt an sich eine Täuschung wäre, das ist sie nicht; aber sie wird erst für uns verständnisvoll, wenn wir sie mit den Tatsachen, die aus der geistigen Welt kommen, beleuchten. Und für unseren Fall können uns die Tatsachen, die aus der geistigen Welt fließen, zeigen, daß es notwendig ist, daß heute Mitteleuropa ebensowenig überwältigt werden darf von Osteuropa, wie Frankreich nicht überwältigt werden durfte von England im Jahre 1429/1430. Selbstverständlich zeigt das, was angeführt worden ist, daß im Osten Europas gar nicht verstanden werden kann, um was es sich handelt, sondern daß es im Grunde genommen nur in Mitteleuropa verstanden werden kann und daß wir dies also begreiflich finden müssen. So daß wir in aller Demut, ohne alle Überhebung diese unsere Aufgabe ins Auge zu fassen haben und daß wir es verständlich finden müssen, wenn man uns mißversteht. Ganz verständlich müssen wir es finden. Denn was sich im Osten vorbereitet, das kann eben im Osten selber erst in der Zukunft richtig verstanden werden.
[ 27 ] I have already discussed this in my first public lecture here in Berlin. Tonight you will be able to see the deeper occult reasons behind what I was only able to say superficially, in exoteric terms, during that public lecture. But it is always the case that one must take into account that in a public lecture one must speak in terms that are accessible to the listeners’ understanding, and that the actual impulses—why this is said, why that is omitted, why this or that connection is sought—lie in the occult facts. But in any case, the following can be seen from what has been discussed today: when we survey things in this external way, they present us with the great illusion that is maya. Not that the external world is an illusion in itself—it is not; but it only becomes comprehensible to us when we illuminate it with the facts that come from the spiritual world. And in our case, the facts flowing from the spiritual world can show us that it is necessary for Central Europe today not to be overwhelmed by Eastern Europe any more than France was allowed to be overwhelmed by England in 1429–1430. Of course, what has been stated shows that in Eastern Europe it is not at all possible to understand what is at stake, but that, fundamentally speaking, it can only be understood in Central Europe, and that we must therefore find this understandable. So that we must face this task of ours with all humility, without any arrogance, and that we must find it understandable if we are misunderstood. We must find this entirely understandable. For what is being prepared in the East can only be properly understood in the East itself in the future.
[ 28 ] Das ist das eine, was sich aus unseren Betrachtungen ergibt. Das andere ist das, daß wir den großen Übergang in der Menschheitsentwickelung für unsere Zeit gerade durch solche Dinge ins Auge fassen — wir haben ihn schon früher von den verschiedensten Seiten aus ins Auge gefaßt —, daß wir schen können, wie dasjenige, was durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwickelung der Menschheit eingeflossen ist, in unserer Zeit von denen, die es können nach dieser Inkarnation, bewußter und immer bewußter erfaßt werden muß. In den Zeiten des Konstantin oder der Jeanne d’Arc zum Beispiel wäre es unmöglich gewesen, daß der Christus-Impuls bewußt hätte bewirken können, was er unbewußt wirken mußte. Aber einmal muß die Zeit kommen, in welcher er ganz bewußt wirken kann. Deshalb bekommen wir durch die Geisteswissenschaft das, was wir immer bewußter und bewußter in unsere Seelen aufnehmen können. Auch da dürfen wir — wirklich ohne sich wegen der Sympathien oder Antipathien, die etwa entstehen können, zu erregen und ohne irgendwie jemandem schmeicheln zu wollen — auf eine Tatsache hinweisen. Und besser ist es ja immer, sich seine Meinungen nach Tatsachen zu bilden als nach dem, wonach sie heute vielfach gebildet werden. Denn wenn wir heute ein wenig hinausschauen in die Welt, so sehen wir, daß die Meinungen wahrhaftig nicht immer nach Tatsachen, sondern nach Passionen, nach nationalen Leidenschaften gebildet werden. Aber man kann sich die Meinungen, die zur menschlichen Seelengesinnung werden, auch nach Tatsachen bilden.
[ 28 ] That is one thing that emerges from our reflections. The other is that we are able to grasp the great transition in human development for our time precisely through such things — we have already considered it from various angles in the past — that we can see how what flowed into the earthly development of humanity through the Mystery of Golgotha must, in our time, be grasped more and more consciously by those who are capable of doing so following this incarnation. In the times of Constantine or Joan of Arc, for example, it would have been impossible for the Christ impulse to consciously bring about what it had to bring about unconsciously. But the time must come when it can work entirely consciously. That is why, through Spiritual Science, we receive what we can take up more and more consciously into our souls. Here, too, we may—truly without getting worked up over the sympathies or antipathies that might arise, and without wishing to flatter anyone in any way—point to a fact. And it is always better to form one’s opinions based on facts than on what they are often based on today. For if we look out into the world today, we see that opinions are truly not always formed on the basis of facts, but rather on the basis of passions, of national passions. But one can also form the opinions that become the disposition of the human soul on the basis of facts.
[ 29 ] Während wir in Anatole France einen Menschen haben, der vom aufklärerischen materialistischen Standpunkt der Gegenwart auf die Jeanne d’Arc hinblickt, ist es dem deutschen Geistesleben seit Schillers großer Tat natürlich, das Mädchen von Orleans aus dem Milieu des Übersinnlichen heraus zu begreifen. Selbst innerhalb Deutschlands gibt es noch Menschen, die das als einen großen Fehler Schillers betrachten; aber diese Menschen sind die Literarhistoriker, und bei denen ist es zu begreifen. Denn ihre Aufgabe ist es ja, die Literatur und die Kunst zu «verstehen» — und deshalb können sie es nicht. Aber was wesentlich ist: wir haben dieses Werk, das es unternimmt, aus den Untergründen des spirituellen Lebens heraus wie in Glorie auferstehen zu lassen die Gestalt, von der Schiller sagt: «Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabne in den Staub zu ziehn.»
[ 29 ] While Anatole France views Joan of Arc from the Enlightenment-era materialist perspective of the present, it has been natural for German intellectual life since Schiller’s great achievement to understand the Maid of Orleans from a supernatural perspective. Even within Germany there are still people who regard this as a great mistake on Schiller’s part; but these people are the literary historians, and this is understandable in their case. For their task is, after all, to “understand” literature and art—and that is precisely why they cannot do so. But what is essential is this: we have this work, which undertakes to raise from the depths of spiritual life, as if in glory, the figure of whom Schiller says: “The world loves to blacken what shines and to drag the sublime into the dust.”
[ 30 ] So haben wir gerade an dieser Anerkennung des Eingreifens des Christus-Impulses in eine menschliche Persönlichkeit, da wo es nicht unser Volk selbst betrifft, eine Tatsache, die uns Vertrauen einflößen kann zu dem, was ich im öffentlichen Vortrage ausgeführt habe: daß man sehen kann im deutschen Geistesleben, daß es in der Art, wie es sich entwickelt hat, hintendiert nach der Spiritualität, nach der Geisteswissenschaft und daß es zu seiner besonderen aber nicht ausschließlichen — Aufgabe gehört, dasjenige, was im deutschen Geistesleben durch die Jahrhunderte errungen und angestrebt worden ist, hinaufzuführen zu der Geist-Erkenntnis. Und dieser Aufgabe, welche die Seelenaufgabe des deutschen Volkes ist, müssen die anderen Aufgaben dienen, die gleichsam leibliche Ausgestaltungen dieser Seelenaufgabe sind, müssen ihr zur Hand gehen. Und was durch die Weltenweisheit geschehen muß, das wird geschehen. Aber notwendig ist, was schon einmal vorgebracht worden ist, daß, wenn wir heute in einer Art von Dämmerung leben, sich eine wirkliche Sonnenzeit für die Zukunft entwickeln wird. Dazu ist aber nötig, daß es Menschen geben wird in der Zukunft, die ihren Zusammenhang haben werden mit den geistigen Welten, damit der Boden, der zubereitet wird mit dem Blut und dem Leid so vieler, nicht umsonst zubereitet worden ist. Denn dadurch, daß Seelen da sind, die ihren Zusammenhang mit den geistigen Welten in sich tragen können, wird gerechtfertigt — und wäre es das Greulichste, das Furchtbarste, das Schreckenerregendste — alles, was geschieht, wenn die mitteleuropäische Mission im Geistesleben erreicht wird. Das aber wird davon abhängen, daß einzelne Seelen, die durch ihr Karma an dieses Geistesleben herankommen können, sich damit durchdringen und dann, wenn wieder die Sonne des Friedens leuchten wird über die Gefilde Mitteleuropas, Geisteserkennen, Geisteserfühlen in sich tragen. Dann wird durch die Hiinneigung einiger Seelen, denen es durch die jetzige Inkarnation möglich ist, dasjenige sich vollziehen können, was ich in diese Worte zusammenziehen möchte, darin zusammenfassend, was ich zu Ihnen sprechen wollte, damit wir uns die Devise in die Seelen schreiben, unter welcher Seelen in rechter Weise demjenigen entgegenwachsen können, was aus unserer schweren Zeit werden kann:
[ 30 ] Thus, precisely in this recognition of the intervention of the Christ impulse into a human personality—where it does not concern our own people—we have a fact that can inspire confidence in what I have explained in my public lecture: that one can see in German spiritual life that, in the way it has developed, it tends toward spirituality, toward Spiritual Science, and that it is part of its special—though not exclusive—task to elevate that which has been achieved and strived for in German spiritual life over the centuries to spiritual knowledge. And this task, which is the soul’s task of the German people, must be served by the other tasks, which are, as it were, the physical manifestations of this soul’s task; they must assist it. And what must happen through world wisdom will happen. But what has already been stated is necessary: that even though we live today in a kind of twilight, a true age of the sun will develop in the future. For this, however, it is necessary that there will be people in the future who will have a connection with the spiritual worlds, so that the ground prepared with the blood and suffering of so many will not have been prepared in vain. For it is through the existence of souls who can carry within themselves a connection to the spiritual worlds that everything that happens—even if it were the most gruesome, the most terrible, the most terrifying—will be justified when the Central European mission in spiritual life is achieved. But this will depend on individual souls who, through their karma, can approach this spiritual life, imbuing themselves with it, and then, when the sun of peace shines once more over the fields of Central Europe, carrying within themselves spiritual knowledge and spiritual feeling. Then, through the inclination of certain souls for whom this is possible in their present incarnation, that which I wish to summarize in these words will be able to come to pass—summarizing in them what I wanted to speak to you, so that we may inscribe in our souls the motto under which souls can rightly grow toward what may emerge from our difficult times:
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
From the courage of the fighters,
From the blood of battle,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls with spiritual awareness
Toward the realm of the spirit.
