Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Human Destinies and the Destinies of Nations
GA 157

26 January 1915, Berlin

Translate the original German text into any language:

Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Da verschiedene Umstände mich erst morgen abreisen lassen, so können wir heute noch hier zusammen sein.

[ 1 ] Since various circumstances prevent me from leaving until tomorrow, we can still be together here today.

[ 2 ] Wir lenken wiederum, wie üblich, zuerst unsere Gedanken nach den Seelen derjenigen, die draußen im Felde stehen und mit Leib, Blut und Seele für die großen Ereignisse der Zeit einzustehen haben:

[ 2 ] Once again, as is our custom, we first turn our thoughts to the souls of those who stand out in the field and must stand up for the great events of our time with their bodies, blood, and souls:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the earthly people entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.

[ 3 ] Und mit Bezug auf die bereits durch die Pforte des Todes Gegangenen:

[ 3 ] And with regard to those who have already passed through the gates of death:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings carry
The pleading love of our souls
To the beings of the spheres entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.

[ 4 ] Und der Geist, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, den wir die Jahre hindurch gesucht haben in unserer geistigen Bewegung, der dadurch unserm Gemüte nahegegangen sein kann, er sei mit euch und euren schweren Pflichten!

[ 4 ] And may the Spirit who passed through the Mystery of Golgotha—whom we have sought throughout the years in our spiritual movement, and who through this has drawn near to our hearts—be with you and your heavy burdens!

[ 5 ] Meine lieben Freunde, ich will den heutigen außerordentlichen Abend gewissermaßen zu einigen abgerissenen Bemerkungen benutzen, die uns nach der einen oder anderen Richtung nützlich sein können. Zuerst möchte ich darauf hinweisen, wie trotz des Materialismus unserer Zeit oder vielleicht gerade wegen des Materialismus unserer Zeit die Seelen gerade der forschenden Leute, der auf gewissen Gebieten forschenden Leute, man möchte sagen, trotzdem sie es nicht recht wollen, hingelenkt werden nach dem Vorhandensein einer geistigen Welt. Ich möchte an Bestimmtes anknüpfen. Man könnte natürlich von dem Gesichtspunkte aus, den ich eben angedeutet habe, an sehr, sehr vieles anknüpfen; aber ich möchte auf eine Broschüre zurückgreifen, die vor ganz kurzer Zeit erschienen ist, eine der Broschüren, die anknüpfend an den Krieg jetzt erscheinen, an das zwölfte Heft, das von dem bekannten Psychiater Professor Dr. O. Binswanger geschrieben ist und den Titel trägt: «Die seelischen Wirkungen des Krieges.» Ich will aber nicht an die Ausführungen anknüpfen, welche Binswanger im engeren Sinne über die seelischen Wirkungen des Krieges geschrieben hat, sondern an einige Bemerkungen, die er auch in dieser Broschüre gemacht hat. Ein Forscher wie Binswanger fühlt sich gewissermaßen heute gedrängt, nicht mehr nur so leise auf das Vorhandensein eines geistigen Lebens hinzuweisen, indem er sich gleichsam bemüRigt fühlt, sich zu entschuldigen und darauf hinzuweisen, wie unsere Zeit gar nicht geneigt ist, von seiten der aufgeklärten Leute so etwas wie ein geistiges oder seelisches Leben anzunehmen. Binswanger spricht in seiner Broschüre über die ja sattsam bekannte Tatsache, daß in unserer Zeit die nervösen Krankheiten sich wesentlich vermehrt haben. Er spricht über verschiedene Ursachen, die dazu beigetragen haben, und sagt dann sehr bezeichnend auf Seite 10: «Es wird manchem von Ihnen befremdlich erscheinen, daß ich bei diesen nervösen Krankheitszuständen das Seelische so stark in den Vordergrund stelle.» Also, er ist ja ein Psychiater ganz nach materialistischer Art, muß aber doch unter den Ursachen gerade derjenigen Erkrankungen, die ihm naheliegen, das Seelische anführen. «Was hat das Seelische mit einem nervösen Magenleiden, mit einem nervösen Herzen, mit nervösen Schmerzen im Rücken, in den Armen und Beinen zu tun? Da kann ich Ihnen nach übereinstimmenden ärztlichen Urteilen nur sagen, daß im letzten Grunde der Dinge die krankhafte nervöse Reaktion in den verschiedensten Körperorganen und Körpergebieten größtenteils auf Störungen seelischer Vorgänge beruht. »

[ 5 ] My dear friends, I would like to use this special evening to share a few scattered remarks that may be useful to us in one way or another. First, I would like to point out how, despite the materialism of our time—or perhaps precisely because of it—the souls of researchers, particularly those engaged in research in certain fields, are drawn, one might say, toward the existence of a spiritual world, even though they may not fully want to be. I would like to pick up on a specific point. Of course, from the perspective I have just indicated, one could build upon very, very many things; but I would like to refer to a pamphlet that appeared very recently, one of the pamphlets now being published in connection with the war, the twelfth issue, written by the well-known psychiatrist Professor Dr. O. Binswanger and titled: “The Psychological Effects of War.” However, I do not wish to address the specific points Binswanger has written about the psychological effects of war in the narrower sense, but rather some remarks he has also made in this brochure. A researcher like Binswanger feels, in a sense, compelled today to no longer merely hint at the existence of a spiritual life, as he feels, as it were, obliged to apologize and point out how our era is not at all inclined, on the part of enlightened people, to accept such a thing as a spiritual or psychological life. In his pamphlet, Binswanger discusses the well-known fact that nervous disorders have increased significantly in our time. He discusses various causes that have contributed to this, and then says very tellingly on page 10: “It will seem strange to some of you that I place such strong emphasis on the psychological aspect in these nervous conditions.” So, he is indeed a psychiatrist of a thoroughly materialistic bent, yet he must still cite the psychological among the causes of precisely those illnesses that are close to his heart. “What does the psychological have to do with a nervous stomach ailment, with a nervous heart, with nervous pains in the back, in the arms, and in the legs? Based on consistent medical opinions, I can only tell you that, ultimately, pathological nervous reactions in the most diverse bodily organs and areas are largely due to disturbances in mental processes.”

[ 6 ] Also wir sehen, wie die Tatsachen demjenigen, der durch seine Forschung genötigt ist, sich mit den seelischen Tatsachen zu beschäftigen, das Geständnis abringen, daß die Ursachen dessen, was man so vielfach nur materialistisch betrachtet: nervöse Magenleiden, nervöse Herzbeschwerden, nervöse Schmerzen im Rücken, ja selbst in den Gliedmaßen, in den Störungen des seelischen Lebens liegen.

[ 6 ] So we see how the facts compel those who, through their research, are compelled to deal with psychological phenomena to admit that the causes of what is so often viewed solely from a materialistic perspective—nervous stomach ailments, nervous heart complaints, nervous pain in the back, and even in the limbs—lie in disturbances of the psychological life.

[ 7 ] Nun aber bleibt allerdings der heutige Forscher bei einem solchen Eingeständnis gewöhnlich stehen; er geht nicht weiter, geht ganz und gar nicht weiter. Denn was zunächst zugestanden werden muß, das ist, daß man nicht damit auskommt, nur im Körperlichen die Ursachen solcher Vorgänge, wie der angeführten, zu sehen, aber den Mut und die Kraft, nun wirklich auf irgend etwas Geisteswissenschaftliches einzugehen, den haben die Menschen noch nicht. Denn in dem Augenblick, wo sie irgend etwas Positives aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft hören, da fühlen sie sozusagen, wie wenn sie keinen sicheren Boden mehr unter den Füßen hätten, wie wenn alles schwankend wäre, was man so nach den Methoden der Geistesforschung aus der geistigen Welt hervorholen kann. Für den Psychiater ist das, man möchte sagen, eine doppelt fatale Tatsache. Denn wenn die Ursachen für gewisse körperliche Zustände in den Vorgängen des seelischen Lebens liegen, dann muß man zugeben, daß die besten Mittel zur Beseitigung solcher Zustände auch in einer seelischen Behandlung liegen. Wie soll man aber eine Seele behandeln, wenn man sich keine Ahnung davon verschafft, wie die Seele mit dem Körper zusammenhängt? Es können sozusagen die Rezepte für die Wegbringung der geistigen Störungen ja nur aus der geistigen Welt entlehnt werden. Aber den Zusammenhang zwischen der geistigen Welt und der äußeren materiellen Welt erkennen, das kann man nur, wenn man etwas von der geistigen Welt weiß. Daher das Merkwürdige, das merkwürdig Unbestimmte, Unlogische, Sonderbare, was dann eintritt, wenn nun solche Leute wirklich positiv über den Zusammenhang des Körperlichen mit dem Seelischen sprechen wollen. Und das können wir bei demselben Forscher konstatieren. Ein paar Seiten weiter — Seite 23 — sagt derselbe Forscher etwas höchst Merkwürdiges; denn wo er davon sprechen will, welche Zuversicht er selber nach seinen Anschauungen über die Seelenkonstitution des Menschen für einen glücklichen Ausgang des deutschen Feldzuges hat, da sagt er: «Nach meiner Überzeugung wird das Heer siegen, dessen Soldaten die besseren Nerven haben, oder in anderer Fassung: den größeren moralischen Widerstand besitzen.»

[ 7 ] However, today’s researcher usually stops at such an admission; he does not go any further, not at all. For what must first be acknowledged is that it is not enough to see the causes of such processes as the one mentioned solely in the physical realm; yet people do not yet have the courage and strength to truly engage with anything related to Spiritual Science. For the moment they hear anything positive from the realm of Spiritual Science, they feel, so to speak, as if they no longer had solid ground beneath their feet, as if everything that can be brought forth from the spiritual world according to the methods of spiritual research were in a state of flux. For the psychiatrist, this is, one might say, a doubly fatal fact. For if the causes of certain physical conditions lie in the processes of the soul life, then one must admit that the best means of eliminating such conditions also lie in a spiritual treatment. But how is one to treat a soul if one has no idea how the soul is connected to the body? The prescriptions for the removal of spiritual disturbances can, so to speak, only be borrowed from the spiritual world. But one can only recognize the connection between the spiritual world and the outer material world if one knows something about the spiritual world. Hence the strange, the strangely vague, illogical, and peculiar things that occur when such people actually want to speak positively about the connection between the physical and the spiritual. And we can observe this in the very same researcher. A few pages later—on page 23—the same researcher says something highly peculiar; for when he wants to speak of the confidence he himself has, based on his views regarding the constitution of the human soul, in a happy outcome for the German campaign, he says: “It is my conviction that the army whose soldiers have the stronger nerves will be victorious, or, to put it another way: possess the greater moral resilience.”

[ 8 ] Nehmen wir die Sache nur ganz ernst: Der Forscher, der also anerkennt, daß die Ursachen selbst für körperliche, sogenannte nervöse Störungen in seelischen Zuständen liegen, der sagt, daß diejenigen Soldaten sicher siegen werden, welche «die besseren Nerven haben, oder» — nun sagt er — «in anderer Fassung: den größeren moralischen Widerstand besitzen». Man kann sich kaum denken, daß jemand gewissermaßen einen größeren Unsinn zustande bringen kann — obwohl beide Sätze selbstverständlich absolut wahr sind — als zu sagen: Das eine ist eine andere Fassung des anderen. Denn man stelle sich nur einmal vor, jemand bilde sich eine ganz klare Vorstellung vom Nervensystem, könne dieses Nervensystem bis in seine geringsten Verzweigungen hinein verfolgen, und er nenne dann die stärkeren Nerven eines Menschen in anderer Fassung: den größeren moralischen Widerstand. Das heißt also: rein physisch-materielle Stränge sollen in anderer Fassung moralischer Widerstand sein! Über solche Dinge liest selbstverständlich der Leser der Gegenwart hinweg. Man macht die merkwürdigsten Entdeckungen, über was alles er hinwegliest, was er oft ungeheuer geistreich findet; aber solche Dinge sind nicht minder ein wirklicher reeller Unsinn, solange sie nicht auf das zurückgeführt werden, was die Geisteswissenschaft darüber zu sagen hat. Wie hat man nun geisteswissenschaftlich diese Dinge anzusehen?

[ 8 ] Let us take this matter very seriously: The researcher who acknowledges that the causes of even physical, so-called nervous disorders lie in mental states says that those soldiers will surely prevail who “have the better nerves, or”—as he puts it—“in other words: possess greater moral resilience.” It is hard to imagine that anyone could, so to speak, come up with a greater piece of nonsense—even though both statements are, of course, absolutely true—than to say: One is simply another way of putting the other. For just imagine, for a moment, that someone forms a very clear mental image of the nervous system, is able to trace this nervous system down to its finest branches, and then refers to a person’s stronger nerves in another formulation: greater moral resilience. That is to say: purely physical-material strands are, in another formulation, supposed to be moral resilience! Of course, the reader of today skims over such things. One makes the strangest discoveries about all the things they skim over, which they often find tremendously witty; but such things are no less actual, real nonsense as long as they are not traced back to what Spiritual Science has to say about them. How, then, should one view these things from a spiritual-scientific perspective?

[ 9 ] Wenn wir die moralische Kraft eines Menschen, was ihn moralisch beseelt und durchseelt, ins Auge fassen, so ist dies zunächst etwas rein Geistiges, etwas, was nichts mit einem Materiellen zu tun hat, Und was wir die moralische Kraft der Seele nennen, das hat sie als geistige Kraft, insofern diese Seele der geistigen Welt angehört. Wenn nun diese Seele, wie es ja immer beim Aufwachen geschieht, in ihren Leib zurückkehrt, dann bedient sie sich des Leibes vom Aufwachen bis zum Einschlafen als eines Werkzeuges für die physische Welt. Vom Einschlafen bis zum Aufwachen lebt die Seele in der rein geistigen Welt, abseits vom Leibeswerkzeug, und sammelt auch dort ihre moralische Kraft. Aber in der physischen Welt können sich die Moralkräfte nur durch das Werkzeug des physischen Leibes betätigen. Da betätigen sie sich auch als geistige Kräfte. Im Ich und astralischen Leib des Menschen ist dasjenige tätig, was wir moralische Kraft nennen; das ist da drinnen etwas rein Geistiges. Aber was hat das, was da als rein Geistiges an moralischer Kraft im astralischen Leibe und Ich des Menschen ist, mit dem Nervensystem zu tun? Nun, ich will einen Vergleich gebrauchen. Genau so viel hat die moralische Kraft des Menschen mit seinem Nervensystem zu tun, als ich zu tun habe mit dem Boden, auf dem jetzt meine Füße stehen. Wenn der Boden nicht da wäre und darunter ein weiterer Boden, auf dem der erste ruht, so könnte ich als physischer Mensch nicht hier stehen. Der Boden muß da sein, aber er hat mit dem, was in mir selber ist, physisch nichts zu tun. Damit ich mich aufstellen kann, muß der Boden da sein. Ebenso müssen im physischen Leibe die Nerven da sein als bloßer Widerstand, damit die moralischen Kräfte des astralischen Leibes und des Ich in der physischen Welt Widerstand haben, erscheinen können, da sein können. Ich werde noch einen andern Vergleich gebrauchen, der aber schon ganz auf den Kern der Sache geht, obwohl es eines genaueren Durchdenkens wird bedürfen, um ganz einzusehen, was dahinter steckt. Ich werde einen Vergleich gebrauchen, der wiederum vom physischen Leben ausgeht.

[ 9 ] When we consider a person’s moral power—that which animates and permeates them morally—it is, at first, something purely spiritual, something that has nothing to do with the material world. And what we call the moral power of the soul is a spiritual power insofar as this soul belongs to the spiritual world. When this soul returns to its body—as always happens upon waking—it uses the body from the moment of waking until falling asleep as a tool for the physical world. From falling asleep until waking up, the soul lives in the purely spiritual world, apart from the body as a tool, and gathers its moral strength there as well. But in the physical world, moral forces can only act through the instrument of the physical body. There they also act as spiritual forces. In the human ego and astral body, that which we call moral force is at work; there is something purely spiritual within it. But what does that which exists as purely spiritual moral force in the human astral body and ego have to do with the nervous system? Well, I will use a comparison. The moral force of the human being has just as much to do with his nervous system as I have to do with the ground on which my feet now stand. If the ground were not there, and beneath it another ground on which the first rests, I could not stand here as a physical human being. The ground must be there, but it has nothing to do, physically speaking, with what is within me. In order for me to stand, the ground must be there. Likewise, the nerves must be present in the physical body as mere support so that the moral forces of the astral body and the I may have a foundation in the physical world, may appear, and may exist. I will use another comparison, one that goes straight to the heart of the matter, although it will require careful thought to fully grasp what lies behind it. I will use a comparison that again takes its starting point in physical life.

[ 10 ] Nehmen wir den Prozeß der Verdauung. Bei der Verdauung geschieht das, daß ein Teil des aufbewahrten Nahrungsstoffes in unseren Organismus übergeht, der andere Teil dagegen abgesondert wird. Wenn ein gewisser Teil der Nahrungsstoffe nicht abgesondert werden könnte, dann würde unsere Verdauung unmöglich sein. Diese Absonderung muß ganz regelmäßig vor sich gehen. Aber keinem Menschen wird es einfallen zu sagen, er ernähre sich von dem, was er absondert. Die Nervenprozesse, die nun in unserem Organismus vor sich gehen, wenn wir eine moralische Kraft in uns entwickeln, verhalten sich zu dem, was fruchtbar für uns ist, was wirklich in uns als eigentliches Menschenwesen ist, wie Absonderungen, richtig wie Absonderungsprozesse. Wenn wir einen bestimmten moralischen Impuls in der Seele geltend machen, dann ist das verbunden mit einem Absonderungsprozeß. Dieser Absonderungsprozeß, das was herausfällt, was wir sozusagen als Abfall in uns erzeugen müssen, das ist der Nervenprozeß. Und dieser Nervenprozeß verhält sich zu dem, was wir eigentlich tun, genau so, wie sich der Absonderungsprozeß bei der Verdauung verhält zu dem Aneignungsprozeß der Nahrungsmittel. Also diejenigen, welche den geistigen Prozeß des Bildens moralischer Impulse einen Nervenprozeß nennen, tun im Grunde genommen nichts anderes, als daß sie, nur auf einem anderen Gebiete, sagen, das menschliche Ernähren besteht im Absondern, und die dann die Absonderungsprodukte untersuchen, damit sie finden können, was eigentlich dem Menschen besonders zuträglich ist. So verkehrt verfährt eigentlich die materialistische Wissenschaft, indem sie das, was der Geist absondern muß, damit er sich entfalten kann, als das eigentliche Wesen betrachtet. Gerade das, was der Geist nicht brauchen kann, untersucht die moderne Wissenschaft, um hinter den Geist zu kommen. Sie verfährt dadurch ungefähr so, wie jemand verfahren würde, der den Darminhalt untersuchen würde, um zu erkennen, welche Stoffe der Mensch in seine Muskeln aufnimmt. Man muß sich manchmal hart aussprechen, wenn man die ganze Absurdität des modernen Materialismus ins Auge fassen will, weil das Trugbild, welches durch den modernen Materialismus entsteht, eine so überwältigende Überzeugungskraft für die verkehrten Anschauungen der Gegenwart hat, so daß man schon mit starken Worten darauf hinweisen muß, worinnen eigentlich die furchtbare Verkehrtheit besteht.

[ 10 ] Let us consider the process of digestion. During digestion, part of the ingested food is absorbed into our body, while the other part is excreted. If a certain portion of the nutrients could not be excreted, our digestion would be impossible. This excretion must take place quite regularly. But it would never occur to anyone to say that they feed on what they excrete. The nervous processes that now take place in our organism when we develop a moral force within us relate to what is fruitful for us, to what is truly within us as actual human beings, like excretions, or rather like excretory processes. When we assert a certain moral impulse in the soul, this is connected with an excretory process. This excretory process—that which is expelled, that which we must, so to speak, produce as waste within ourselves—is the nervous process. And this nervous process relates to what we are actually doing in exactly the same way that the excretory process in digestion relates to the process of assimilating food. So those who call the spiritual process of forming moral impulses a nervous process are, in essence, doing nothing other than saying—only in a different field—that human nourishment consists in excretion, and then examining the excretory products so that they can find what is actually particularly beneficial to humans. This is actually the mistaken approach of materialistic science, in that it regards as the true essence that which the spirit must excrete in order to unfold. Modern science examines precisely that which the spirit cannot use in order to get behind the spirit. In doing so, it proceeds much as someone would who were to examine the contents of the intestines to determine which substances a person absorbs into their muscles. One must sometimes speak bluntly if one wishes to grasp the full absurdity of modern materialism, because the illusion created by modern materialism exerts such an overwhelming persuasive power in favor of the erroneous views of the present that one must use strong words to point out where the terrible error actually lies.

[ 11 ] Nun werde ich von etwas ganz anderem ausgehen, um nachher wieder an das anzuknüpfen, was ich vorausgeschickt habe. Wir werden uns einmal die Frage vorlegen: Wie ist es denn mit den im Verlaufe der Menschheitsentwickelung nach und nach erschienenen verschiedenen Religionssystemen? Da sind im Verlaufe der Menschheitsentwickelung verschiedene Religionslehrer aufgetreten und haben dies oder jenes über die Verhältnisse der geistigen Welt den Menschen mitgeteilt. Es gehört wirklich nicht besonders viel dazu, um im Hinblick auf diese Religionssysteme zu einem sehr gescheiten Urteile zu kommen, denn Gescheitsein — das haben wir an verschiedenen Urteilen aus unserer Zeit gesehen — ist nicht besonders schwer in unserer Zeit. Sie verstehen, wie das aufzufassen ist und daß nicht eine Kritik unseres Zeitalters damit gemeint ist. Es kann leicht ein sogenannter gescheiter Mensch darauf hinweisen, daß die verschiedenen Religionslehrer alle Verschiedenes gelehrt haben, und er kann daher zu der Ansicht kommen: also müßte alles nicht die Wahrheit sein; denn wenn es der Wahrheit entsprechen sollte, müßten sie alle dasselbe gelehrt haben. Und daraus könnte man dann wieder den Schluß ziehen, daß eigentlich alles Reden über die höheren Welten — durch die vielen Widersprüche, die sich dabei herausgestellt haben — nicht auf irgend etwas von der Wahrheit den Menschen Gegebenes zurückgeführt werden könnte.

[ 11 ] Now I will start from something entirely different, so that I can later return to what I mentioned earlier. Let us consider the following question: What about the various religious systems that have gradually emerged in the course of human development? Throughout the course of human development, various religious teachers have appeared and communicated this or that to people regarding the conditions of the spiritual world. It really does not take much to arrive at a very clever judgment regarding these religious systems, for cleverness—as we have seen in various judgments of our time—is not particularly difficult in our time. You understand how this is to be understood and that it is not meant as a criticism of our age. A so-called intelligent person can easily point out that the various religious teachers all taught different things, and he may therefore come to the view: so it must be that none of it is the truth; for if it were to correspond to the truth, they would all have taught the same thing. And from this one could then conclude that, in fact, all talk of the higher worlds—due to the many contradictions that have emerged—cannot be traced back to anything of the truth given to humanity.

[ 12 ] Nun kann man sich die angedeutete Frage aber nur dann richtig beantworten, wenn man sich eine Vorstellung davon bildet, was man durch die Pforte des Todes mitnimmt von dem, was man hier auf der Erde durchlebt hat. Sie können sich leicht eine Vorstellung über das bilden, was man sich mitnimmt, wenn Sie daran denken: sobald Sie die Augen schließen und die Ohren sich zuhalten, so hören und sehen Sie nichts von Ihrer sinnlichen Umgebung. Und nun fragen Sie sich einmal: Wieviel von dem, was vom Morgen bis zum Abend die Seele an Eindrücken in sich birgt, und wieviel von dem, was sie an Vorstellungen in sich trägt, die Seele im Grunde genommen den Augen und Ohren verdankt? — Wenn man also keine Augen und Ohren hätte, so würde der weitaus größte Teil der Inhalte der menschlichen Seele überhaupt wegfallen. Aber nach dem Tode hat der Mensch ganz gewiß keine Augen und keine Ohren. Was er also durch Augen und Ohren aufnimmt, das kann er nicht anders als durch die Erinnerung durch die Pforte des Todes tragen. Darüber sollte es weiter kein Nachdenken geben, daß man das, was durch Augen und Ohren, überhaupt durch die Sinne aufgenommen wird, nur als Erinnerung durch die Pforte des Todes tragen kann. Ebenso ist es mit allem, was wir uns als Vorstellungen bilden, die durch die Sinneseindrücke veranlaßt sind. Und nun brauchen Sie nur darüber nachzudenken, was alles beim Eintritt in die geistige Welt zurückgelassen werden muß: alles wird zurückgelassen, was durch äußere Eindrücke an den Menschen herankommt.

[ 12 ] However, one can only properly answer the question raised here if one forms a mental image of what one takes with oneself through the gate of death from what one has experienced here on earth. You can easily form a mental image of what one takes with them if you think about this: as soon as you close your eyes and cover your ears, you hear and see nothing of your sensory surroundings. And now ask yourself: How much of what the soul holds within itself in impressions from morning to night, and how much of the mental images it carries within, does the soul essentially owe to the eyes and ears? — If one had no eyes and ears, the vast majority of the contents of the human soul would simply cease to exist. But after death, a person certainly has no eyes and no ears. So what they take in through their eyes and ears, they can carry through the gate of death only as a memory. There should be no further reflection on the fact that what is taken in through the eyes and ears—indeed, through the senses in general—can be carried through the gate of death only as a memory. The same applies to all the mental images we form that are prompted by sensory impressions. And now you need only consider what must be left behind upon entering the spiritual world: everything that comes to a person through external impressions is left behind.

[ 13 ] Was muß also eine Vorstellung, die man durch die Pforte des Todes tragen soll, für eine Eigenschaft haben? Sie darf ganz gewiß nicht von irgendeinem äußeren Eindrucke hergenommen sein, und sie muß ganz gewiß die Eigenschaft haben, daß der materialistisch Gesinnte sagen kann: Was du dir da vorstellst, das ist ja gar nicht vorhanden; denn das kann man nicht mit Augen sehen, nicht mit Ohren hören. Also es muß eine solche Vorstellung die Eigenschaft haben, daß man ihren Gegenstand nicht äußerlich wahrnehmen kann, denn was man äußerlich wahrnehmen kann, das kann als Vorstellung nicht durch die Pforte des Todes gehen. Ich möchte hierbei bemerken, daß der Materialismus schon dadurch zu solchen Einwendungen verführt wird, daß er immerfort von Sein oder Nichtsein spricht und nicht recht weiß, was es eigentlich mit diesem Sein und Nichtsein auf sich hat. Es genügt für uns jetzt, daß wir bei der deutschen Sprache stehenbleiben. «Sein» ist von «sehen» hergenommen, kommt überhaupt von «sehen» her. Über dasjenige also, was mit dem Seinsbegriff belegt wird, wird überhaupt nichts anderes gesagt als: ich habe es einmal gesehen. Und alles sonstige Gerede über das Sein ist überhaupt nichts anderes als eine Verständigung über das, was gesehen worden ist. Daraus sollte man den Schluß ziehen, daß man in bezug auf die Dinge, welche man durch die Pforte des Todes trägt, nicht von Sein sprechen soll, denn das würde heißen: man muß diese Dinge mit physischen Augen gesehen haben.

[ 13 ] What, then, must be the nature of a mental image that one is to carry through the gates of death? It certainly must not be derived from any external impression, and it certainly must possess the quality that the materialist can say: The mental image you are creating does not exist at all; for it cannot be seen with the eyes or heard with the ears. Thus, such a mental image must possess the quality that its object cannot be perceived externally, for what can be perceived externally cannot pass through the gate of death as a mental image. I would like to note here that materialism is led to such objections precisely because it constantly speaks of being or non-being and does not really know what this being and non-being is all about. It suffices for us now to remain with the German language. “Sein” is derived from “sehen”; it comes entirely from “seeing.” Thus, regarding that which is designated by the concept of being, nothing else is said at all other than: I have seen it once. And all other talk about being is nothing at all other than an understanding of what has been seen. From this one should conclude that, with regard to the things one carries through the gate of death, one should not speak of being, for that would mean: one must have seen these things with physical eyes.

[ 14 ] Was wollten denn eigentlich die Religionsstifter den Menschen mit ihren Vorstellungen geben?

[ 14 ] What exactly did the founders of religions hope to offer people through their mental images?

[ 15 ] Sie wollten den Menschen solche Vorstellungen geben, welche den Geist innerlich stark machen, innerlich mit Leuchtekraft ausstatten, so daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes in die übersinnliche Welt geht, in diese so eintritt, daß er sein eigener Leuchter ist, daß er die Dinge dort von sich aus zu beleuchten in der Lage ist. Es kommt den Menschen sehr leicht an zu sagen: Wenn ich mir da von den übersinnlichen Welten erzählen lasse, wie kann ich dann wissen, daß alle diese Vorstellungen wirklich richtig sind? Denn nehmen wir einmal an, es verbreite jemand Vorstellungen über die übersinnliche Welt, diese Vorstellungen würden von einer Anzahl von Menschen angenommen — und sie wären falsch, oder einseitig, oder ste entsprächen nicht in demselben Sinne dem Richtigen, wie man so vom Richtigen spricht, wenn man über die äußere physische Welt spricht. Nehmen wir also an, diese Vorstellungen wären falsch, und eine Anzahl von Menschen hätten sie angenommen. In solchem Falle wäre es noch immer besser, wenn die Menschen diese falschen Vorstellungen angenommen hätten, als wenn sie gar keine Vorstellungen über die übersinnliche Welt aufgenommen hätten. Denn warum? Es ist deshalb besser, weil unsere Seele sich anstrengen muß, wenn sie überhaupt Vorstellungen über die übersinnliche Welt annimmt. Ob man richtige oder falsche Vorstellungen annimmt, man muß sich anstrengen, und diese Anstrengung zählt in der geistigen Welt, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Diese Anstrengung ist es, die uns nach dem Tode zugute kommt, oder die uns überhaupt zugute kommt, wenn wir in die geistige Welt hineingehen. Denn nehmen wir an, wir hätten uns mit einer ganz verkehrten Anschauung über die geistige Welt durchdrungen, so haben wir dadurch, daß wir sie in uns aufgenommen haben, so wie ein Turner die Glieder ausbildet, unsere Seelenkräfte ausgebildet. Und was wir ausgebildet haben, das haben wir dann, das tragen wir hinein in die geistige Welt. Indem wir das hineintragen in die geistige Welt, haben wir dann dort etwas Ähnliches, wie wir hier dadurch haben, daß wir Augen haben. Wir sind dann nicht mehr blind in der geistigen Welt. Selbst wenn der Fall eintreten sollte, daß alles falsch wäre, was wir so aufgenommen haben, und wir uns überhaupt nur angestrengt haben, so haben wir dadurch unser seelisches Auge ausgebildet und haben nun die Möglichkeit zu sehen, was in der geistigen Welt vorhanden ist.

[ 15 ] They wanted to give people mental images that would strengthen the spirit from within, endowing it with inner radiance, so that when a person passes through the gate of death into the supersensible world, they would enter it in such a way that they are their own lamp, capable of illuminating the things there of their own accord. It is very easy for people to say: If I am told about the supersensible worlds, how can I know that all these mental images are really correct? For let us suppose that someone were to spread mental images about the supersensible world, and these mental images were accepted by a number of people—and they were false, or one-sided, or did not correspond to the truth in the same sense that one speaks of truth when speaking of the outer physical world. So let us assume these mental images were false, and a number of people had accepted them. In such a case, it would still be better if people had accepted these false mental images than if they had not accepted any mental images about the supersensible world at all. Why? It is better because our soul must make an effort when it accepts any mental images about the supersensible world. Whether one accepts correct or false mental images, one must make an effort, and this effort counts in the spiritual world when we pass through the gate of death. It is this effort that benefits us after death, or that benefits us at all when we enter the spiritual world. For suppose we had imbued ourselves with a completely mistaken view of the spiritual world; by taking it into ourselves, just as a gymnast trains his limbs, we have trained our soul forces. And what we have developed, that is what we then have, that is what we carry into the spiritual world. By carrying this into the spiritual world, we then have there something similar to what we have here through the fact that we have eyes. We are then no longer blind in the spiritual world. Even if it should turn out that everything we have taken in is false, and we have merely exerted ourselves, we have thereby trained our soul’s eye and now have the ability to see what exists in the spiritual world.

[ 16 ] Nun liegen die Dinge so, daß dasjenige, was die verschiedenen Religionslehrer mitgeteilt haben, nicht etwa total falsch ist, sondern es ist von verschiedenen Standpunkten aus die Wahrheit über die übersinnliche Welt dargestellt worden und nur scheinbar sich widersprechend. Man muß das eine durch das andere ergänzen. Aber das Wesentliche, was allen diesen Religionssystemen gemeinschaftlich ist, das ist, daß alle diese Religionssysteme der menschlichen Seele Vorstellungen liefern, durch welche die Seele sich stark macht, um in die geistige Welt einzutreten, daß die Seele auferweckt wird in ihren geistigen Untergründen. Was dann die einzelnen Religionslehrer den Seelen geben, das geben sie nach den Fähigkeiten der Seelen, nach den, ich möchte sagen, Bedingungen der einzelnen Menschenrassen, nach den klimatischen Verhältnissen oder den sonstigen Verhältnissen des Landes und der Zeit, in der sie aufzutreten haben. Aber allen ist das gemeinsam, daß sie die Seelen der Menschen stark und kräftig machen, man kann auch sagen, innerlich leuchtend machen, damit die Seelen nicht nur in der physischen Welt real sind, sondern auch in der geistigen Welt real sein können. Seelenstärkung ist das, was als ein Universell-Wahres nach den verschiedenen Möglichkeiten in allen Religionssystemen gegeben worden ist.

[ 16 ] The fact is that what the various religious teachers have taught is not entirely wrong; rather, the truth about the supernatural world has been presented from different perspectives and only appears to be contradictory. One must supplement one with the other. But the essential point common to all these religious systems is that they all provide the human soul with mental images through which the soul strengthens itself to enter the spiritual world, so that the soul is awakened in its spiritual depths. What the individual religious teachers then give to the souls, they give according to the souls’ capacities, according to, I might say, the conditions of the individual human races, according to the climatic conditions or other circumstances of the country and the time in which they are to appear. But what they all have in common is that they make human souls strong and vigorous—one might also say, make them innerly radiant—so that the souls are not only real in the physical world but can also be real in the spiritual world. Strengthening the soul is what has been given as a universal truth, according to the various possibilities, in all religious systems.

[ 17 ] Unsere Zeit ist nun in die Notwendigkeit versetzt, die geistige Welt nach und nach immer mehr und mehr anders aufzunehmen, als verflossene, vergangene Zeiten das konnten.

[ 17 ] Our age is now faced with the necessity of gradually coming to perceive the spiritual world in an ever-increasingly different way than was possible in times past.

[ 18 ] Gewisse Vorstellungen, die sich seit dem Aufblühen der neueren Naturwissenschaft einmal gebildet haben, muß unsere Zeit innerlich erstarken, innerlich erkraften, so daß die Seele gerade durch solche Vorstellungen fähig wird, in der geistigen Welt nicht tot, sondern lebendig zu sein. Dadurch kommt von selbst etwas Tieferes, etwas die Seele allerdings mehr Anstrengendes, aber Tieferes zustande, als die verschiedenen Religionssysteme zustande gebracht haben. Ich habe im Laufe der Jahre verschiedene Gründe angegeben, warum unsere Zeit zur Geisteswissenschaft berufen ist. Aber ich möchte sagen: Für den, der dem geistigen Leben nahesteht, zeigt sich gerade heute auf Schritt und Tritt, und das gehört eben überall zu dem Erschütternden unserer Zeit, daß zu den Einschlägen, zu den Fermenten, welche das Leben unserer Zeit bekommen muß, die Geisteswissenschaft gehört.

[ 18 ] Certain mental images that have taken shape since the flourishing of modern science must be internally strengthened and invigorated in our time, so that the soul, precisely through such mental images, becomes capable of being alive—not dead—in the spiritual world. Through this, something deeper—something that is certainly more demanding on the soul, but deeper—arises of its own accord than what the various religious systems have brought about. Over the years, I have given various reasons why our time is called to Spiritual Science. But I would like to say: For those who are close to spiritual life, it is evident today at every turn—and this is precisely one of the most unsettling aspects of our time—that Spiritual Science belongs among the influences, the fermenting forces, that the life of our time must receive.

[ 19 ] Es sind ja in den letzten Monaten viele, viele Seelen durch die Pforte des Todes gegangen, in Jugendkraft durch die Pforte des Todes gegangen. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß nach dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge jene Menschenwesen, deren Seelen so durch die Pforte des Todes gegangen sind, alle die Anwartschaft gehabt hätten, noch länger auf Erden zu leben. Wenn nun ein Mensch durch die Pforte des Todes geht, so wissen wir, er legt zuerst den physischen Leib ab, dann nach verhältnismäßig kurzer Zeit den Ätherleib. Dieser Ätherleib gehört dann der äußeren Ätherwelt an, und der astralische Leib und das Ich gehören dem Menschen weiter an. Über diesen Ätherleib sagt man gewöhnlich, er löse sich auf in der geistigen Welt. Aber die Zeit, in welcher er sich auflöst, ist sehr verschieden. Wenn ein Mensch uralt geworden ist im physischen Leben, also sozusagen ein normales Alter erreicht hat, dann hat er die Kräfte seines Ätherleibes verbraucht, und es löst sich dieser dann rasch auf. Geht aber ein Mensch in Jugendkraft durch die Pforte des Todes, so hätte ihm sein Ätherleib noch durch Jahrzehnte dienen können. Dieser Ätherleib ist eine zusammenhängende, in sich gefügte Organisation. Der löst sich im zweiten Falle nicht sogleich auf. Er trennt sich ab vom astralischen Leib und vom Ich. Diese gehen in der geistigen Welt ihre eigenen Wege; der Ätherleib jedoch trennt sich zwar ab, löst sich aber nicht sogleich auf. Es wird Ihnen nur natürlich erscheinen, daß der Mensch einen gewissen Zusammenhang mit dem Ätherleib behält, der sich zunächst abgetrennt hat, aber auch in der geistigen Ätherwelt vorhanden bleibt. Deshalb kann man sagen: In dieser geistigen Ätherwelt absolut genommen, in der Erden-Aura-Nähe — sind eine außerordentlich große Anzahl von unverbrauchten Ätherleibern, von Ätherleibern mit frischen Kräften. Das ist das ganz besonders Eindrucksvolle in der gegenwärtigen Beobachtung der geistigen Welt, daß wir einer solchen großen Anzahl unverbrauchter Ätherleiber gegenüberstehen. Aber überall, wo wir an die Empfindungen herantreten können, welche die Toten in bezug auf diese ihre Ätherleiber haben, merken wir wiederum eines. Selbstverständlich sind diese Dinge so, daß Sie sie glauben können oder nicht; denn Anspruch auf Glaubwürdigkeit kann ich ja nur durch das haben, was den Ausführungen vieler Jahre, die ich Ihnen gemacht habe, an Wahrheitskraft innewohnte, Was man an Empfindungen der Verstorbenen gegenüber ihren Ätherleibern bemerkt, das ist, daß durch alle die Menschen, welche jetzt das Opfer des Todes gebracht haben, einem gewissermaßen geistig zugeflüstert wird: Die Zeit ist gekommen! Und recht anwenden wird die Menschheit das, was an unverbrauchten Kräften in unseren Ätherleibern ist, nur dann, wenn diese Menschheit sich bewußt wird, wie sie mit der geistigen Welt zusammenhängt! — Denn von diesen unverbrauchten Ätherleibern strahlen viele, viele Kräfte aus. Die kommen herein in unsere Welt, und diese Kräfte wird die Menschheit nur dann richtig anwenden, wenn sie die Gedanken auf die geistige Welt hinlenkt. Dann werden diese Kräfte der geopferten Ätherleiber der Menschheit fördernde Kräfte sein. Das ist es gewissermaßen, was die Toten uns heute zurufen: Verbraucht unsere Ätherleiber nicht umsonst; laßt nicht die Zeit vorübergehen, in welcher die Kräfte unserer unverbrauchten Ätherleiber dem geistigen Fortschritt der Menschheit dienen können!

[ 19 ] Indeed, in recent months, many, many souls have passed through the gate of death—passed through the gate of death in the prime of their youth. I have already pointed out that, according to the ordinary course of things, those human beings whose souls have thus passed through the gate of death would all have been destined to live on earth for a longer time. When a human being passes through the gate of death, we know that they first shed the physical body, then, after a relatively short time, the etheric body. This etheric body then belongs to the outer etheric world, while the astral body and the I continue to belong to the human being. It is usually said that this etheric body dissolves into the spiritual world. But the time it takes for it to dissolve varies greatly. If a person has grown very old in physical life—that is, has reached a normal age, so to speak—then they have exhausted the forces of their etheric body, and it dissolves rapidly. But if a person passes through the gate of death in the prime of youth, their etheric body could have served them for decades longer. This etheric body is a coherent, self-contained organization. In the second case, it does not dissolve immediately. It separates from the astral body and the ego. These go their own ways in the spiritual world; the etheric body, however, while separating, does not dissolve immediately. It will seem only natural to you that the human being retains a certain connection with the etheric body, which has initially separated but also remains present in the spiritual etheric world. Therefore, one can say: In this spiritual etheric world, taken absolutely, in the vicinity of the Earth’s aura—there is an extraordinarily large number of unused etheric bodies, of etheric bodies with fresh powers. This is what is particularly striking in the current observation of the spiritual world: that we are confronted with such a large number of unused etheric bodies. But wherever we can approach the feelings that the dead have regarding these etheric bodies of theirs, we notice something else. Of course, these things are such that you may or may not believe them; for I can only claim credibility through the power of truth inherent in the explanations I have given you over many years. What one observes regarding the feelings of the deceased toward their etheric bodies is that, through all the people who have now made the sacrifice of death, a certain spiritual whisper is conveyed: The time has come! And humanity will make proper use of the untapped forces in our etheric bodies only when it becomes aware of how it is connected to the spiritual world! — For many, many forces radiate from these untapped etheric bodies. These enter our world, and humanity will only use these forces correctly if it directs its thoughts toward the spiritual world. Then these forces from the sacrificed etheric bodies will become forces that promote humanity. This is, in a sense, what the dead are calling out to us today: Do not use up our etheric bodies in vain; do not let the time pass in which the forces of our unused etheric bodies can serve the spiritual progress of humanity!

[ 20 ] Und das Besondere möchte ich noch sagen: Ich habe einmal oder vielleicht öfter ausgeführt, wie man den Verstorbenen zu Hilfe kommen kann. Besondere Umstände machen es ja möglich, daß die Verstorbenen etwas davon haben, wenn wir das, was wir uns als Geisteswissenschaft erobern, ihnen vorlesend zugänglich machen. Ich habe darauf hingewiesen, daß es für den, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, viel bedeutet, wenn wir im Geiste ihm Geisteswissenschaftliches vorlesen, wenn wir ihn uns lebendig, lebensvoll geistig vorstellen und, selbstverständlich nicht laut, sondern wie in Gedanken — es können auch mehrere, können viele sein — ein Kapitel der Geisteswissenschaft ihm vorlesen. Das erscheint denjenigen absurd, die da glauben, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, ist die ganze geistige Welt um ihn herum, also brauchte er nicht von uns vorgelesen zu bekommen. Ganz so absurd ist es nicht. Selbstverständlich hat der Verstorbene die geistige Welt um sich herum, ist in ihr darinnen. Aber gerade so wenig, wie hier ein Mensch die Welt — die Sinneswelt — versteht, trotzdem er in ihr darinnen ist, wenn er nicht die Wissenschaft von ihr hat, so hat auch der Verstorbene nicht durch das Durchschreiten der Todespforte die Wissenschaft von der geistigen Welt, wenn er auch in ihr darinnen ist. Diese Wissenschaft muß vielmehr hier erworben werden. Wie etwas, was er als Nahrung empfängt, ist es für den Toten, wenn wir ihm vorlesen; das strömt in ihn ein. Und recht viel stärkende Kräfte kann die Menschheit für die nächsten Zeiten in bezug auf das Spirituelle dadurch bekommen, daß gerade jenes Mantram, welches ich jetzt immer am Beginne unserer Betrachtungen anwende, «Geister eurer Seelen, wirkende Wächter» und so weiter, mit der Veränderung «Sphärenmenschen» in bezug auf die Gefallenen, gebraucht wird. Wir können auch, während das sonst nur möglich ist bei solchen Verstorbenen, die wir selbst gekannt haben, gerade dieses Mantram an uns persönlich unbekannte Verstorbene richten; können, nachdem wir dieses Mantram recht andächtig gebraucht haben, vorlesen, ich möchte sagen, ins Unbekannte hinaus; und Tote, welche jetzt gerade durch unsere Ereignisse in den Tod gegangen sind, können es empfangen. Dann werden sie mit dem, was sie aus dem Zusammenhange mit uns schöpfen können, zurück wirken auf dem Umwege durch ihre Ätherleiber auf die Erdenkultur und werden mit den auf der Erde lebenden Menschen zusammenwirken, um das spirituelle Leben vorwärtszubringen.

[ 20 ] And I would like to add one more point: I have mentioned once, or perhaps more often, how we can be of help to the deceased. Certain special circumstances make it possible for the deceased to benefit when we make accessible to them, by reading aloud, the insights we have gained through Spiritual Science. I have pointed out that it means a great deal to those who have passed through the gate of death when we read Spiritual Science to them in spirit, when we create a mental image of them as living, vibrant spiritual beings, and—of course not aloud, but as if in thought—read a chapter of Spiritual Science to them, whether it be one person or many. This seems absurd to those who believe that when a person passes through the gate of death, the entire spiritual world is all around them, so they do not need us to read to them. It is not quite that absurd. Of course, the deceased has the spiritual world around them; they are within it. But just as a person here does not understand the world—the sensory world—even though they are within it, if they lack the knowledge of it, so too does the deceased not possess the knowledge of the spiritual world merely by passing through the gate of death, even though they are within it. Rather, this knowledge must be acquired here. It is like nourishment for the deceased when we read to them; it flows into them. And humanity can gain quite a great deal of strengthening power for the times ahead in regard to the spiritual by using precisely that mantra which I now always employ at the beginning of our meditations, “Spirits of your souls, active guardians” and so on, with the modification “sphere-beings” in reference to the fallen. We can also—while this is otherwise only possible with those deceased whom we ourselves have known—direct this very Mantram to the deceased who are personally unknown to us; we can, after having used this Mantram with great devotion, read it aloud, I might say, out into the unknown; and the dead who have just passed into death as a result of our events can receive it. Then, through what they can draw from their connection with us, they will exert a return influence—indirectly, through their etheric bodies—on earthly culture and will cooperate with the people living on Earth to advance spiritual life.

[ 21 ] Durch solche Dinge werden wir aber noch etwas anderes erreichen. Es ist ja ganz richtig, daß wir gewissermaßen in einer Zeit des trübseligsten Materialismus gelebt haben, und daß diese kriegerischen Ereignisse etwas ausgelöst haben, was einen wirklichen Anstrich von spirituellem Leben hat. Es ist in bezug auf das Geistige ein großer Unterschied gewesen, wenn man zum Beispiel im Juli des vergangenen Jahres noch, oder sonst früher durch Deutschland gereist ist und geistig die Menschen beobachtet hat, und wenn man im August, September, oder überhaupt jetzt es getan hat oder tut. Was als ein Unterschied hervorrritt, das ist der, daß gewissermaßen früher jeder seine eigene egoistische Aura hatte, die sich eng abschloß, die sich gleichsam anlegte an den Menschen. Jetzt ist eine gemeinschaftliche Aura vorhanden, in welche die Gedanken als etwas Einheitliches hineinfließen. Daß alles an Gedanken nach einer Richtung hin zielt, ist auch in geistiger Beziehung etwas ungeheuer Bedeutungsvolles. Dadurch ist für die Zeit der kriegerischen Ereignisse etwas Spirituelles geschaffen, was vorher nicht da war. Das ist ganz unleugbar. Aber nun stellen Sie sich vor, wie es ja sein muß, daß wieder der Friede kommt. Dann würden die Seelen um so mehr veröden, wenn sie nicht aus ihrem Innern heraus etwas an spirituellem Gut finden könnten; denn das ist für jede Zeit dem Menschen notwendig, daß er an irgend etwas seine Gedanken hinrichtet, was nicht mit einer äußeren Realität etwas zu tun hat. Das stärkt ihn für die geistige Welt in irgendeiner Form. Wenn es Vorstellungen über die übersinnliche Welt sind, so stärkt es ihn in bezug auf die guten Kräfte der übersinnlichen Welt; wenn es nicht übersinnliche Vorstellungen sind, oder wenn es etwas ist, was in bezug auf das Übersinnliche nicht gerechtfertigt ist, so stärkt es ihn auch für die übersinnliche Welt, allerdings dann für die luziferische oder ahrimanische Welt. Aber der Mensch ist einmal so veranlagt, daß das Geistige in ihm sprechen will. Man könnte sagen: der Mensch muß etwas haben, was für die äußere Welt nicht wahr ist; und wenn er sich lange nicht darauf eingelassen hat, etwas in seine Seele aufzunehmen, was für die äußere Welt nicht wahr ist, dann kommt eine Reaktion, eine Reaktion in der Weise, daß er an etwas, was für die äußere Welt nicht wahr ist, glauben muß. In merkwürdiger Weise können dann solche Glaubensvorstellungen die menschliche Seele ergreifen. Gewisse, vom Materialismus überwältigte Seelen können ja äußerlich sogar fromm sein. Solche Seelen können diese Reaktion in einer besonderen Art erleben. Sie können sich zum Beispiel, man möchte sagen, unisono die Vorstellung bilden: irgendein Volk, das eine Kultur in sich hat, sei ein Volk von Barbaren, und können das zum Glaubensartikel machen. Von gewissen anderen Gesichtspunkten abgesehen, ist dieses nichts anderes als das Lechzen der Seele nach einem Glauben, nach irgend etwas, was in der physischen Welt keine Realität hat. Weil die Menschen nicht nach dem wahrhaft Übersinnlichen mehr die Blicke hinzulenken gewohnt sind, deshalb füllen sie die Seele mit dem Glauben aus: irgendein Volk sei ein Barbarenvolk. Das ist ein Glaube, ein Dogma geworden, dem man ebenso fanatisch anhängt, wie man einmal irgendwelchen religiösen Dogmen angehangen hat. Es ist ein Ersatz für einen lange entbehrten Glauben. Aber nun stelle man sich vor, daß dies nicht auf die Dauer geht. Wenn wieder Friede eingetreten sein wird, werden die Menschen nicht diesen realen Ersatz haben können, der sich in dem Glauben ausdrückt: irgendein Volk sei ein Barbarenvolk. Dann kommt die furchtbare Öde, die ganz furchtbare Öde. Und das ist etwas, was in Aussicht steht für diejenigen Gebiete, die heute in solcher zuweilen richtig abscheulich-verlogenen Weise sich einen Glauben schaffen, sich Dogmen schaffen. Für diese Gegenden wird furchtbare Seelenöde eintreten. Und diese Seelenöde wird nur bekämpft werden können, wenn in solcher Weise, wie es geschildert worden ist, die unverbrauchten Ätherkräfte der dem Todesopfer Geweihten in der richtigen Weise verbraucht werden, in der richtigen Weise angewendet werden. Daher sagen uns alle, gleichsam uns über den richtigen Verbrauch ihrer Ätherkräfte ermahnend, wie eine spontane, eine jetzt nach dem Tode getane Entdeckung ausdrückend: Es ist an der Zeit! Die Menschheit muß eine geistige Entwickelung durchmachen, und diese jetzigen Ereignisse müssen ein Dämmerungszustand sein, aus dem ein neuer Sonnenzustand hervorgeht.

[ 21 ] Through such things, however, we will achieve something else as well. It is quite true that we have, in a sense, lived in an age of the gloomiest materialism, and that these war-torn events have triggered something that bears the true mark of spiritual life. There has been a great difference in terms of the spiritual realm when, for example, one traveled through Germany in July of last year, or at some earlier time, and observed people spiritually, and when one did so in August, September, or indeed now. What stands out as a difference is that, in a sense, everyone used to have their own selfish aura that closed in tightly, that clung to the person, as it were. Now there is a collective aura into which thoughts flow as a unified whole. The fact that all thoughts are directed toward a single goal is also, in a spiritual sense, something of immense significance. This has created something spiritual during the time of the war that was not there before. That is quite undeniable. But now imagine how it must be that peace will return. Then souls would become all the more desolate if they could not find something of spiritual value within themselves; for it is necessary for human beings at all times to direct their thoughts toward something that has nothing to do with external reality. This strengthens them for the spiritual world in some form. If these are mental images of the supersensible world, it strengthens them in relation to the good forces of the supersensible world; if they are not supersensible mental images, or if it is something that is not justified in relation to the supersensible, it also strengthens them for the supersensible world, though in that case for the Luciferic or Ahrimanic world. But human beings are constituted in such a way that the spiritual within them wants to speak. One could say: human beings must have something that is not true for the outer world; and if for a long time they have not allowed themselves to take into their soul something that is not true for the outer world, then a reaction occurs—a reaction in the sense that they must believe in something that is not true for the outer world. In a strange way, such mental images can then take hold of the human soul. Certain souls overwhelmed by materialism can, after all, even appear pious on the outside. Such souls can experience this reaction in a particular way. They can, for example—one might say—form the mental image in unison that a certain people possessing a culture is a people of barbarians, and can make this an article of faith. Apart from certain other considerations, this is nothing other than the soul’s yearning for a belief, for something that has no reality in the physical world. Because people are no longer accustomed to turning their gaze toward the truly supernatural, they fill their souls with the belief that a certain people is a barbarian people. This has become a belief, a dogma, to which people cling just as fanatically as they once clung to certain religious dogmas. It is a substitute for a long-deprived faith. But now imagine that this cannot last. When peace has returned, people will no longer be able to have this real substitute, which is expressed in the belief that a certain people is a barbarian people. Then the terrible desolation will come, the utterly terrible desolation. And this is what lies in store for those regions that today create a belief for themselves, create dogmas for themselves, in such a manner that is at times truly abhorrent and mendacious. A terrible spiritual desolation will descend upon these regions. And this spiritual desolation can only be combated if, in the manner described, the unspent etheric forces of those consecrated to the death sacrifice are utilized in the right way, applied in the right way. That is why they all tell us, as it were, admonishing us regarding the proper use of their etheric forces, expressing a spontaneous discovery made now after death: The time has come! Humanity must undergo a spiritual development, and these present events must be a twilight state from which a new sun-like state will emerge.

[ 22 ] Das ist das, was diejenigen durchdringen muß, welche schwere Verluste erleiden: daß in dem starken Maße, wie es notwendig ist, daß unsere Zeit spirituell wird, dies nur dadurch möglich ist, daß sie Hilfe bekommt aus der geistigen Welt. Aber die Mittel zu dieser Hilfe müssen durch solche schmerzlichen Ereignisse gewonnen werden, wie wir sie jetzt eben in unserer Gegenwart erleben. Für den Geistesforscher wird dadurch ganz von selbst klar, daß diese Ereignisse rein materialistisch nicht betrachtet werden dürfen. Aber man findet fast nur eine rein materialistische Betrachtung dieser Ereignisse. Man kann es erleben — was wir ja erlebt haben —, daß eine Anzahl von Leuten des einen Erdgebietes, die sich angefeindet fühlen, irgendeinen Aufruf erlassen, daß dieser Aufruf in andere feindliche Gebiete kommt; von diesen feindlichen Gebieten aus stellt man die Frage: Wer hat diesen Krieg gewollt? Oder man beschuldigt den anderen, er habe den Krieg gewollt. Dabei vergißt man immer und immer wieder, was für die tiefere Betrachtung der Verhältnisse klar sein muß, und von dieser tieferen Betrachtung der Dinge aus wird auch einiges Heil für die Zukunft kommen können: daß aus der geistigen Welt heraus alle diese Ereignisse wirklich gewollt sind, weil die geistige Welt diejenigen Kräfte braucht, die als Früchte aus diesen Saaten der unverbrauchten Ätherleiber kommen können. Und wenn man anschuldigen wollte, so müßte man zu gleicher Zeit die geistige Welt selber anschuldigen. Aber da wird einem das Beschuldigen vergehen. Denn da wird man aufmerksam auf die eherne Notwendigkeit, welche besteht, auf jene eherne Notwendigkeit, welche wirklich von dem Gesichtspunkte geistiger Welten aus auf unsere Erdenwelt herunterschauen muß, etwa wie wir auf etwas hinschauen müssen, wenn es notwendig wird, so und soviel zu verbrauchen, zu töten, aus einem Zusammenhang zu reißen, um irgend etwas anderes aufzubauen. Wir können kein Haus aufbauen, ohne daß wir so und so viele Felsgebiete zerstören; da können wir nicht von irgendeiner Schuld sprechen, da müssen wir von der Notwendigkeit sprechen. Also, es ist der geistigen Welt notwendig, diejenigen Opfer zu fordern, welche jetzt gefordert werden, weil Saaten notwendig sind. Diese Saaten sind eben die unverbrauchten Ätherleiber, die dann lebendig alles Werden der Menschheit durchdringen, und die da sein müssen, wenn die Entwickelung weitergehen soll, weil sonst der Menschheit die Kräfte fehlen würden, um weiterzukommen. Neben allem, was die heutigen Ereignisse äußerlich bedeuten, müssen wir, um die Ereignisse wirksam innerlich zu verstehen, dies voll ins Auge fassen.

[ 22 ] This is what must sink in for those who are suffering heavy losses: that, to the extent that our age needs to become spiritual, this is possible only through help from the spiritual world. But the means for this help must be gained through such painful events as we are now experiencing in our own time. For the spiritual researcher, it becomes quite clear of its own accord that these events must not be viewed from a purely materialistic perspective. Yet one finds almost exclusively a purely materialistic view of these events. One can observe—as we have indeed observed—that a number of people in one region of the world, feeling hostile toward one another, issue some kind of call, and that this call reaches other hostile regions; from these hostile regions, the question is posed: Who wanted this war? Or one accuses the other of having wanted the war. In doing so, one forgets time and again what must be clear for a deeper consideration of the circumstances, and from this deeper consideration of things some healing for the future may also come: that from the spiritual world all these events are truly willed, because the spiritual world needs those forces that can come as fruits from these seeds of the unconsumed etheric bodies. And if one were to accuse, one would have to accuse the spiritual world itself at the same time. But then the urge to accuse would vanish. For then one would become aware of the iron necessity that exists, of that iron necessity that must truly look down upon our earthly world from the perspective of the spiritual worlds, much as we must look upon something when it becomes necessary to consume, kill, or tear away so much in order to build something else. We cannot build a house without destroying so many rocky areas; there we cannot speak of any guilt, there we must speak of necessity. So, it is necessary for the spiritual world to demand those sacrifices that are now being demanded, because seeds are necessary. These seeds are precisely the unconsumed etheric bodies that will then permeate all of humanity’s becoming with life, and which must be present if development is to continue, because otherwise humanity would lack the forces to move forward. Alongside all that today’s events signify externally, we must fully take this into account in order to understand the events effectively from within.

[ 23 ] Wenn wir so die Dinge betrachten, dann sagen wir uns: Wenn ich auch nicht von vornherein überschauen kann, ob alles richtig ist, wie man sagt, was ich aus der geistigen Welt aufnehme, das ist jedenfalls der Fall, daß ich dadurch, daß ich diese Offenbarungen aus der geistigen Welt mit meiner eigenen Seele vereinige, diese Seele anstrenge, ihr dadurch Kräfte zuführe, und daß dadurch meine Seele leuchtend wird für die geistige Welt, Augen bekommt für die geistige Welt. Nur sind die Bedingungen für die geistige Welt andere, als die Bedingungen für die physische Welt sind. Für die physische Welt können wir zufrieden sein, wenn wir einen Gedanken einmal gefaßt haben und wir seine Wahrheit einsehen. Im praktischen Leben der physischen Welt ist es auch hinreichend, wenn wir die Wahrheit eines Gedankens einmal eingesehen haben. Ich meine es so: Wenn ein Richterkollegium herausfinden will, ob ein Mensch schuldig ist in einer Sache, dann ist die Angelegenheit abgetan, wenn einmal die Vorstellung gefunden ist, dieser Mensch ist schuldig einer Tat. Dann ist alles getan, was nötig ist. In der geistigen Welt dagegen ist gar nicht alles getan, wenn man einmal einen Gedanken gefaßt hat, sondern da ist es notwendig, daß er immer wiederkehrt. Daher kommt es für die geistigen Verhältnisse auf die Wiederholung an. Es kommt nicht bloß darauf an, etwas von den Dingen zu wissen, sondern es immer wieder und wieder in der Seele gegenwärtig zu machen. Darauf beruht auch das meditative Leben, daß wir den Inhalt der Meditation im Wiederholen in der Seele gegenwärtig sein lassen. Dadurch wird das, was so immer gegenwärtig ist, in seiner Kraft wirklich so wirkend, wie wenn ein Tropfen immerfort auf einen Stein fällt und ihn zuletzt doch höhlt. Wenn der Tropfen einmal auf den Stein fällt, so macht er gar keinen Eindruck; wenn er zehnmal oder hundertmal darauffällt auch nicht; zuletzt aber höhlt er doch den Stein aus. Wenn wir so etwas in die Seele aufnehmen, dann könnte es scheinen, als ob es, einmal aufgenommen, gar nichts für die Seele bedeutet, zehnmal aufgenommen auch nicht; aber wenn wir Geduld haben, dann können wir es dahin bringen, daß wir den ewigen Wesenskern des Menschen gewahr werden. Denn auf die Kraft, die wir dabei entwikkeln, kommt es an; und diese Kraft wird vielfach von den Menschen geflohen, sie wollen sie nicht haben. Warum wollen sie diese Kraft nicht haben?

[ 23 ] When we look at things this way, we say to ourselves: Even if I cannot immediately discern whether everything I receive from the spiritual world is correct, as people say, it is certainly the case that by uniting these revelations from the spiritual world with my own soul, I exert that soul, thereby infusing it with strength, and that through this my soul becomes luminous for the spiritual world, gaining eyes for the spiritual world. Only, the conditions for the spiritual world are different from those of the physical world. In the physical world, we can be satisfied once we have grasped a thought and recognized its truth. In the practical life of the physical world, it is also sufficient once we have recognized the truth of a thought. What I mean is this: If a panel of judges wants to determine whether a person is guilty in a case, then the matter is settled once a mental image is formed that this person is guilty of a crime. Then everything necessary has been done. In the spiritual world, however, it is not at all the case that everything is done once a thought has been grasped; rather, it is necessary for it to return again and again. That is why repetition is essential in spiritual matters. It is not merely a matter of knowing something about these things, but of bringing it to mind again and again in the soul. The meditative life is also based on this: that we allow the content of the meditation to remain present in the soul through repetition. In this way, what is thus always present truly exerts its power, just as when a drop falls ceaselessly upon a stone and eventually hollows it out. When the drop first falls upon the stone, it makes no impression at all; nor does it when it falls upon it ten or a hundred times; yet in the end it does hollow out the stone. When we take something like this into our soul, it might seem as though, once taken in, it means nothing at all to the soul, nor does taking it in ten times; but if we have patience, we can bring it to the point where we become aware of the eternal essence of the human being. For what matters is the power we develop in the process; and this power is often shunned by people—they do not want it. Why do they not want this strength?

[ 24 ] Warum die Menschen diese Kraft nicht haben wollen, warum sie heute noch eine Scheu haben vor der Geisteswissenschaft, das können wir uns dann beantworten, wenn wir ein wenig gerade wieder vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus auf die Bedeutung geisteswissenschaftlicher Vorstellungen für das Leben nach dem Tode sehen. Diejenigen Vorstellungen sind die wichtigsten nach dem Tode, die nichts abbilden, was in der äußeren Welt vorhanden ist, die sich nicht auf ein äußeres Sein beziehen und von denen der derb-materialistische Mensch sagen kann: sie bedeuten ja nichts im Leben. Aber diese Vorstellungen sind die wichtigsten nach dem Tode. Denn das Bilden solcher Vorstellungen erfordert jene starke Kraft des Nachsinnens, des Nachdenkens, des Nachfühlens, welche die Seele stark macht, sie so macht, daß sie sich erlebt, sich erfühlt in der geistigen Welt. Solche Vorstellungen braucht also die Seele, wenn sie durch die Pforte des Todes geht.

[ 24 ] Why people do not want this power, why they still shy away from Spiritual Science today—we can answer that question when we look once more, from the perspective of Spiritual Science, at the significance of spiritual scientific mental images for life after death. The most important mental images after death are those that do not depict anything that exists in the external world, that do not refer to an external existence, and of which the crassly materialistic person might say: they mean nothing in life. But these mental images are the most important after death. For forming such mental images requires that strong power of contemplation, of reflection, of empathy, which strengthens the soul, making it such that it experiences itself, feels itself in the spiritual world. The soul therefore needs such mental images when it passes through the gate of death.

[ 25 ] Wodurch kann man nun solche Vorstellungen gewinnen? Das wissen wir schon: nur dadurch, daß man die Seele in stärkerem Maße anstrengt, als sie sich gewöhnlich sonst anstrengt. Denn um die Vorstellungen aufzunehmen, welche der heutige Naturforscher aufnimmt, dazu braucht man nur zu schauen, eventuell durch das Mikroskop oder durch das Teleskop. Da kann man sich hübsch passiv verhalten, bekommt dann die Eindrücke von der Welt und kann sie registrieren. So ist es ja oft: man liebt es nicht, innerlich sich anzustrengen. Denn was man nicht sieht, darüber muß man sich doch stärker anstrengen als über das, was man sieht; und dieses stärkere Anstrengen des Denkens scheut man, das flieht man. So ist man eigentlich — verzeihen Sie den harten Ausdruck — innerlich faul, innerlich bequem. Und das tiefste Charakteristikum des gegenwärtigen wissenschaftlichen Strebens ist diese innerliche Faulheit, diese Bequemlichkeit, dieses die Kräfte aus der Seele nicht Hervorholenwollen. Wenn man es aber nun tut, wenn man diese Kräfte aus der Seele herausholt, was bewirkt das nach dem Tode? Ja, man hat gewissermaßen für das Leben nach dem Tode etwas von diesen herausgeholten Kräften, was man, weil man meistens in einer gewissen Illusion lebt, gewöhnlich gar nicht gern hat. Aber ich will gleich auf den Grund hindeuten, weshalb man es gewöhnlich nicht gern hat. Wenn man nämlich durch den Tod oder durch die Initiation in die geistige Welt eintritt, dann handelt es sich darum, daß man da hinter dem Tode etwas erleben muß, was gewissermaßen ein zweiter Tod ist. Eine Art zweiter Tod ist es. Sie wissen, man muß sich später auch wieder von seinem astralischen Leib abtrennen, und man kann das entweder bewußt durchmachen oder man kann es verschlafen. Aber es lebt in der Menschenseele eine geheime Sehnsucht, dies zu verschlafen, es nicht bewußt durchzumachen. Es lebt im Menschen eine gewisse Furcht, die nicht richtig interpretiert wird, nach dem Tode so stark aufzuwachen, daß man dann die Dinge alle bemerkt, die um einen sind. Diese Furcht ist allerdings ganz gleich derjenigen, die es dem Menschen hier angenehm machen würde, dieses physische Leben nicht gar so stark zu leben, nicht immer aufzuwachen, sondern etwas betäubt durch das Leben zu gehen. Das Leben ist dann angenehmer. Und wenn man gar immer im Bette liegen könnte, das Leben so im Halbschlaf verbringen könnte, dann wäre es am allerbequemsten. Aber es läßt sich nicht immer machen. Der Mensch muß aufwachen. Und wenn er bis zu dem Zeitpunkt, den ich andeutete, betäubt sein konnte über die Dinge nach dem Tode, so darf er jetzt nicht weiter betäubt sein nach dem Tode. Der Mensch muß aufwachen. Er hat aber noch Furcht davor. Daher sträuben sich selbst die, welche so nahe daran sind, die Geisteswissenschaft haben zu müssen, wie ein Forscher, der da sagt: selbst die nervösen Störungen im Rücken, in den Armen und Beinen beruhen auf Seelischem. Er sträubt sich, die Geisteswissenschaft anzunehmen, weil er heillose Angst davor hat. Er gleicht dann jemandem, der sagt: Da ist mir etwas abhanden gekommen, gestohlen worden; der Wind wird es schon nicht fortgetragen haben, also durch äußere Naturkräfte wird es nicht abhanden gekommen sein, also wird es ein Mensch weggetragen haben! Aber jetzt bleibt er dabei stehen. Er geht nicht weiter, weil er sich fürchtet, daß er dann durchgeprügelt werden könnte. So verhalten sich gewisse Forscher, wie zum Beispiel Binswanger. Sie sagen: Gewisse nervöse Störungen in den Armen, Beinen und so weiter haben ihre Ursache im Seelischen. Aber dann bleiben sie dabei; sie gehen nicht weiter, weil sie dann fürchten müssen, man könnte sie durchprügeln, pardon! — weil sie gern verschlafen, was in der geistigen Welt vor sich geht.

[ 25 ] How, then, can one arrive at such mental images? We already know: only by exerting the soul to a greater degree than it usually does. For in order to take in the mental images that today’s natural scientist takes in, one need only look—perhaps through a microscope or a telescope. There one can remain quite passive, receive impressions of the world, and register them. That is often the case: one does not like to exert oneself inwardly. For what one does not see requires greater mental effort than what one does see; and one shuns this greater mental effort, one flees from it. So one is actually—forgive the harsh expression—internally lazy, internally complacent. And the deepest characteristic of contemporary scientific endeavor is this inner laziness, this complacency, this unwillingness to draw the forces out of the soul. But if one does it, if one draws these forces out of the soul, what effect does that have after death? Yes, one has, so to speak, for life after death, something of these drawn-out forces, which one—because one usually lives in a certain illusion—generally does not like at all. But I will point out right away the reason why one usually does not like it. For when one enters the spiritual world through death or through initiation, what happens is that one must experience something beyond death that is, in a sense, a second death. It is a kind of second death. You know that one must later separate oneself from one’s astral body again, and one can either go through this consciously or one can sleep through it. But there lives in the human soul a secret longing to sleep through this, not to go through it consciously. There is a certain fear within the human being—one that is not properly interpreted—of waking up so fully after death that one then notices all the things that are around one. This fear is, however, quite similar to the one that would make it pleasant for a person here not to live this physical life quite so intensely, not to always be fully awake, but to go through life somewhat numb. Life is then more pleasant. And if one could even lie in bed all the time, spend life in a half-sleep, then it would be most comfortable. But that is not always possible. Human beings must wake up. And if they were able to remain numb to the things after death up to the point I indicated, they must not remain numb after death any longer. People must wake up. But they still fear it. That is why even those who are so close to needing Spiritual Science resist it, like a researcher who says: even the nervous disorders in the back, in the arms and legs, are based on the soul. He resists accepting Spiritual Science because he has a hopeless fear of it. He is then like someone who says: Something of mine has gone missing, been stolen; the wind surely won’t have carried it away, so it cannot have been lost through external natural forces, so a human must have taken it away! But now he stops there. He does not go further because he fears that he might then be beaten up. This is how certain researchers, such as Binswanger, behave. They say: Certain nervous disorders in the arms, legs, and so on have their cause in the soul. But then they stop there; they do not go further because they fear they might be beaten up—pardon me!—because they prefer to overlook what is happening in the spiritual world.

[ 26 ] Es ist eine Empfindung, die wir uns aneignen müssen, daß gerade heutige Forscher mit der Nase auf die Wirksamkeit der geistigen Welt gestoßen werden, aber nicht an sie heranwollen. Wenn aber diese Forscher einmal an die geistige Welt heranwollen, so werden sie sich klar sein müssen, daß man nicht so im allgemeinen über die Verhältnisse der geistigen Welt reden darf, sondern daß man in positiver Weise auf die Geisteswissenschaft eingehen muß und daß dieses Eingehen auf die Geisteswissenschaft selbst schon eine Art von Heilungsprozeß wird. So hängen ja die Dinge zusammen. Nicht die eigentlichen Geisteskrankheiten haben sich vermehrt; das zu glauben wäre ein Irrtum. Aber in der Tat ist dasjenige in der neueren Zeit besonders stark ausgebreitet, was man nervöse Störungen nennen kann. Und wenn die Dinge so weitergehen, wie sie bis jetzt gingen, dann wird man erst finden, wie der Entwickelungsgang der Menschheit uns zeigt, daß die nervösen Störungen, wenn die alten Verhältnisse vorhanden bleiben, immer stärker und stärker werden müssen.

[ 26 ] It is a realization we must come to accept: that today’s researchers, in particular, are constantly confronted with the reality of the spiritual world, yet refuse to engage with it. But once these researchers are willing to engage with the spiritual world, they will have to realize that one cannot speak in general terms about the conditions of the spiritual world, but must approach Spiritual Science in a positive way, and that this engagement with Spiritual Science itself becomes a kind of healing process. That is how things are connected. It is not mental illnesses themselves that have increased; to believe that would be a mistake. But in fact, what can be called nervous disorders has become particularly widespread in recent times. And if things continue as they have until now, then we will find—as the course of human development shows us—that nervous disorders must become stronger and stronger if the old conditions remain in place.

[ 27 ] Es könnte da auf ganz interessante Tatsachen hingewiesen werden. Nehmen wir einmal eine sehr einfache Tatsache. Es gibt einen österreichischen Dichter: Robert Hamerling — ein ausgezeichneter Dichter, von dem ja auch in unserem Kreise einiges schon vorgetragen worden ist. Dieser Mann hat einen großen Teil der zweiten Hälfte seines Lebens im Bette zugebracht. Er war schwer krank; immer mehr und mehr verfiel er einer schweren Krankheit. Aber nervös ist er nicht geworden. Nichts zeigt an seinen Dichtungen einen nervösen Charakter. Selbst in Zeiten, in welchen er nur auf einer Seite des Leibes liegen konnte und unter den furchtbarsten Schmerzen schreiben mußte, schrieb er nicht im eigentlichen Sinne nervös. Warum? Er gehörte jener mitteleuropäischen Kultur eben an, welche noch nicht in demselben Maße in die Nervosität übergegangen ist wie das geistige Leben anderer europäischer Völker. Dieses geistige Leben verkleinert man ja dadurch nicht, aber man muß sich doch klar sein über die Tatsachen. Ich habe es erlebt, wie, nachdem in den siebziger, achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch ein Verständnis vorhanden war für solche Dinge, wie sie zum Beispiel Robert Hamerling darbietet, dann plötzlich in den achtziger Jahren eine ungeheure Begeisterung einschlug für Dostojewski. Ich will Dostojewski damit selbstverständlich nicht verkleinern, aber was er uns vor allem darbietet, ist eine ganz nervöse, zappelige Kunst, bei aller Größe. Eine solche nervöse Kunst würde kommen, wenn der Materialismus — und materialistisch ist es, was Dostojewskische Kunst ist, wenn es auch «Psychologie» ist — weiterströmt und immer weiter.

[ 27 ] Some very interesting facts could be pointed out here. Let’s take a very simple fact, for example. There is an Austrian poet: Robert Hamerling—an excellent poet, some of whose works have already been recited in our circle. This man spent a large part of the second half of his life in bed. He was seriously ill; he succumbed more and more to a serious illness. But he did not become nervous. Nothing in his poetry indicates a nervous disposition. Even in times when he could lie only on one side of his body and had to write while enduring the most terrible pain, he did not write in a nervous manner, strictly speaking. Why? He simply belonged to that Central European culture which had not yet succumbed to nervousness to the same extent as the spiritual life of other European peoples. This does not diminish that intellectual life, of course, but one must be clear about the facts. I experienced how, after there was still an appreciation in the 1870s and 1880s for things such as those presented by Robert Hamerling, for example, there was suddenly an immense enthusiasm for Dostoevsky in the 1880s. I do not, of course, wish to belittle Dostoevsky, but what he presents to us above all is a very nervous, fidgety art, for all its greatness. Such nervous art would emerge if materialism—and Dostoevskian art is materialistic, even if it is “psychology”—continues to flow and spreads ever further.

[ 28 ] Soll das nicht kommen, so müssen die starken Kräfte kommen, welche die Menschenseele aufwenden muß, wenn sie sich wirklich hineinfinden soll in Gedankengänge wie: Saturn, Sonne und Mond sind Vorstadien der Erdenentwickelung. Denn man soll einmal einem richtigen Menschen der Gegenwart mit solchen Vorstellungen wie Saturnentwickelung, Sonnenentwickelung und so weiter kommen und soll ihm zumuten, jene Gedankenanstrengung zu machen, um solche Dinge notwendig natürlich zu finden. Man kann solche Vorstellungen als notwendig natürlich finden; aber dazu müssen von der Seele stärkere Anstrengungen gemacht werden, und die Folge ist: die Nervosität wird ausgetrieben! Man muß zwar Geduld dabei haben, aber die Nervosität wird ausgetrieben. Und was sonst über die ganze Kultur der Menschheit kommen würde als eine allgemeine Nervosität, das wird geheilt werden, wenn dasjenige von der Menschheit ergriffen wird, was von der Geisteswissenschaft durch die Verbreitung der geistigen Strömung ausgeht. Während sonst die Menschheit zappelig werden würde, kommt die Geisteswissenschaft von der anderen Seite und bringt zugleich die Heilung. Und während der Psychiater, bevor er in die Geisteswissenschaft eingedrungen ist, sich zugestehen muß: die nervösen Erscheinungen nehmen zu, wird er sich vielleicht nachher gestehen müssen, daß es das beste Heilmittel gegen die nervösen Erscheinungen ist, wenn er dem Kranken sagt: Nimm dir einmal ein Buch über Geisteswissenschaft, jeden Tag dreiviertel Stunden, und versuche es einmal zu verarbeiten; dann werden deine Nerven stärker werden. — Sie werden es auch. Aber glauben wird man die Sache erst dann, wenn man sich klar sein wird, daß nach dem zu Anfang des Vortrages herangezogenen Vergleich das Seelenleben nichts anderes zu tun hat mit dem Nervenleben, als daß es Absonderungsprozesse hervorruft; daß man das Seelenleben nicht kurieren kann, indem man auf die Absonderungsprozesse einen besonderen Wert legt, sondern indem das, was nichts mit den Absonderungsprozessen zu tun hat, von innen heraus gestärkt wird, durchdrungen wird von der Seele aus dadurch, daß die spirituellen Kräfte in die Seele einströmen. Die Zeit wird kommen, wo man nach der Geisteswissenschaft Rezepte schreiben wird, die darin bestehen werden, daß man dieses oder jenes, was nur von der Geisteswissenschaft gewonnen werden kann, besonders bei den Krankheiten der neueren Zeiten verwenden wird. Vorläufig sind wir natürlich noch lange nicht so weit; denn vorläufig wird man es noch lange als hinlänglich bewiesen halten, daß irgendeine Therapie ein Unsinn ist, wenn man sie mit der Vignette mystischer Methoden belegen kann, wobei man um so freigebiger ist mit dem Namen «Mystik», je weniger man weiß, was eigentlich Mystik ist. Denn den Ausdruck «Mystik» brauchen wir am wenigsten; wir brauchen ihn nur, wenn wir etwas technisch bezeichnen wollen; aber die brauchen ihn am allermeisten, die keine Ahnung haben, was Mystik ist.

[ 28 ] If this is not to happen, then the powerful forces that the human soul must summon will be required if it is to truly grasp lines of thought such as: Saturn, the Sun, and the Moon are preliminary stages of Earth’s development. For just try presenting a typical person of today with mental images like Saturn’s evolution, the Sun’s evolution, and so on, and expect them to make the mental effort required to find such things naturally necessary. One can indeed find such mental images naturally necessary; but this requires greater mental effort on the part of the soul, and the result is that nervousness is driven out! One must certainly have patience in this, but the nervousness is driven out. And what would otherwise descend upon the entire culture of humanity as a general nervousness will be healed when humanity embraces that which emanates from Spiritual Science through the spread of the spiritual current. Whereas humanity would otherwise become restless, Spiritual Science comes from the other side and brings healing at the same time. And while the psychiatrist, before delving into Spiritual Science, must admit to himself: nervous symptoms are on the rise, he may later have to admit that the best remedy for nervous symptoms is to tell the patient: Pick up a book on Spiritual Science, spend three-quarters of an hour with it every day, and try to work through it; then your nerves will grow stronger. — They will. But one will only believe this when one realizes that, according to the comparison drawn at the beginning of the lecture, the life of the soul has nothing to do with the nervous life other than that it triggers secretory processes; that one cannot cure the life of the soul by placing special emphasis on the secretory processes, but rather by strengthening from within that which has nothing to do with the secretory processes, by permeating it from the soul through the inflow of spiritual forces into the soul. The time will come when, based on Spiritual Science, prescriptions will be written that will consist of applying this or that—which can only be derived from Spiritual Science—especially to the diseases of modern times. For the time being, of course, we are still far from that point; for the time being, it will still be considered sufficiently proven that any therapy is nonsense if it can be labeled with the label of mystical methods, whereby one is all the more generous with the name “mysticism” the less one knows what mysticism actually is. For the term “mysticism” is the one we need least of all; we need it only when we wish to describe something technically; but those who have no idea what mysticism is are the ones who need it most of all.

[ 29 ] Gerade wenn wir diese Dinge überschauen, werden wir uns nicht verhehlen, daß wir in einer sehr bedeutungsvollen Krisenzeit leben. Ich habe öfter gesagt: es ist nicht meine Art zu sagen, wir leben in einer Übergangszeit; denn ein jeder Zeitraum hat etwas Vorangegangenes und etwas, was ihm folgt. Aber es handelt sich eben darum, da, worin eine Zeit eine «Übergangszeit» ist, das Konkrete des Überganges zu erkennen. Für unsere Zeit besteht dies Konkrete darin, daß alles, was in unserer Zeit geschieht, uns darauf hinweist: Es müssen die Menschen den Übergang finden zu einem Erfassen der spirituellen Welten. Dann werden sie in den spirituellen Welten Ruhe, innere Festigkeit, innere Sicherheit finden. Das ist das, was die Menschen unbedingt brauchen.

[ 29 ] Precisely when we take stock of these things, we cannot deny that we are living in a time of profound crisis. I have often said: it is not my way to say that we are living in a transitional period; for every period has something that preceded it and something that follows it. But the point is precisely this: to recognize, in what makes a time a “transitional period,” the concrete nature of the transition. For our time, this concrete aspect consists in the fact that everything happening in our time points to this: People must find the transition to an understanding of the spiritual worlds. Then they will find peace, inner strength, and inner security in the spiritual worlds. That is what people absolutely need.

[ 30 ] Wenn Sie sich so recht in der Seele beleben wollen, wie durch Geisteswissenschaft eine neue Art von Ruhe der Seele errungen werden muß, so ist es gut, folgenden Stoff zur Meditation zu nehmen: Es ist wirklich bedeutungsvoll, daß seit drei bis vier Jahrhunderten die Menschen sich allmählich der Vorstellung anbequemen mußten, daß sie durch den Weltenraum rasen, richtig durch den Weltenraum rasen. Gewiß, daß er es weiß, kann jeder sagen; aber die Menschen denken gewöhnlich nicht darüber nach, daß sie schon in der Schule lernen, daß sie mit einer riesigen Geschwindigkeit durch den Weltenraum rasen. In dieser Beziehung könnte man fast an den erinnern, der einmal in einem Graben lag, zwar ganz bequem lag, doch furchtbar unzufrieden war; und als er gefragt wurde, warum er so unzufrieden sei, da er doch nichts zu tun habe, antwortete er: ja, er müsse doch die Umdrehungen der Erde um die Sonne mitmachen, und er fände es bequemer zurückzubleiben. Das war also einer, der das Denken der Umdrehung ernst genommen hatte. Daran denken ja die Menschen gewöhnlich nicht, aber es lebt ja auch das in dem Menschen, woran man gewöhnlich nicht denkt. Also, um den Gedanken fortzusetzen: In den letzten drei bis vier Jahrhunderten haben sich die Menschen gewöhnt, mit ihren Vorstellungen mitzugehen mit der durch den Weltenraum rasenden Erde. Dem muß aus dem Weltenraum Widerstand geboten werden. Es ist wirklich wahr, daß etwas Beruhigendes in dem alten Glauben war, daß die Erde stille stehe, und daß die Sonne sich bewege. Nun wird es noch lange bis dahin sein, daß man das Unrichtige der kopernikanischen Weltansicht einsehen wird; denn so ist die Sache nicht, wie sie heute gelehrt wird. Aber dahin kann man kommen, daß man gewissermaßen durch die Belebung der Vorstellungen der geistigen Wissenschaft sich in die Lage versetzt, in der ein Mensch ist, der in einem Eisenbahnwagen sitzt oder auf einem Schiffe fährt und der nun gegen das Poltern sich innerlich anstrengen kann, daß er nichts davon hört, sondern ganz «bei sich» ist. Das kann man heute nur mit den geisteswissenschaftlichen Vorstellungen. Aber man muß berücksichtigen, daß immer wiederkehrende Wiederholung dazu notwendig ist, weil es auf die Kraft ankommt, die daraus entsteht. Dann bleibt man gleichsam in sich, bei sich, ruhig und sicher. Und dies möchte ich als eine gute Meditationsvorstellung bemerken: Zu uns einsteigen können die Mächte der geistigen Welt, wenn wir ihnen diese Ruhe richtig entgegenbringen. Nur dadurch können sie uns bewußt werden, daß wir ihnen durch solches Vorstellungsleben, wie es charakterisiert worden ist, entgegenkommen.

[ 30 ] If you wish to truly revitalize your soul—as a new kind of inner peace must be attained through Spiritual Science—it is good to take the following material as food for meditation: It is truly significant that over the past three to four centuries, people have gradually had to come to terms with the mental image that they are hurtling through space—literally hurtling through space. Of course, anyone can say they know this; but people usually do not reflect on the fact that they learn as early as school that they are hurtling through space at tremendous speed. In this regard, one might almost recall the man who once lay in a ditch—quite comfortably, it is true, yet terribly dissatisfied; and when asked why he was so dissatisfied, since he had nothing to do, he replied: yes, he had to go along with the Earth’s revolutions around the Sun, and he would find it more comfortable to stay behind. So this was someone who had taken the idea of rotation seriously. People don’t usually think about that, but what usually goes unthought also lives within them. So, to continue the thought: Over the last three to four centuries, people have grown accustomed to letting their mental images go along with the Earth as it races through space. This must be met with resistance from outer space. It is truly true that there was something reassuring in the old belief that the Earth stood still and that the Sun moved. Now it will be a long time before people realize the inaccuracy of the Copernican worldview; for the matter is not as it is taught today. But one can reach a point where, through the enlivenment of the mental images of Spiritual Science, one places oneself in the position of a person sitting in a train car or traveling on a ship who can now, in the face of the rumbling, make an inner effort to hear nothing of it, but to remain entirely “at one’s own center.” This is possible today only through the mental images of Spiritual Science. But one must bear in mind that constant repetition is necessary for this, because it depends on the strength that arises from it. Then one remains, as it were, within oneself, at one’s own center, calm and secure. And I would like to note this as a good meditation concept: the powers of the spiritual world can enter into us if we meet them with this calmness in the right way. Only in this way can we become aware of them, by meeting them through such a life of imagination as has been described.

[ 31 ] Das charakterisiert die Übergangszeit, in der wir leben; in diesem Übergang sind wir wirklich darinnen. Die Sehnsucht nach der geistigen Welt ist in den Seelen durchaus vorhanden, wenn es auch die meisten heute noch nicht wissen. Aber aus dem, was jetzt als ganz besondere Ereignisse einen so großen Teil der Erde ergriffen hat, wird sich eine bewußte Sehnsucht nach der geistigen Welt entwikkeln. Dies kann man als Geistesforscher heute schon wissen: daß alle die hingeopferten unverbrauchten Ätherleiber die tiefste Sehnsucht nach der geistigen Welt loslösen werden. Diese tiefste Sehnsucht wird kommen, Sehnsucht nach einer Wahrheit, die nicht durch äußere Beobachtung, sondern innerlich durch die Anstrengung der Seele errungen werden muß. Darauf ist in der Tat der deutsche Geist vorbereitet. Er ist vorbereitet auf solche Wahrheit, die durch sich wahr erscheint und nicht dadurch, daß sie äußerlich bewahrheitet wird. Dazu ist der deutsche Geist vorbereitet. Und überall findet man die Beweise dafür. Diejenigen, die so recht im Wesen des deutschen Geistes gestrebt haben, sie haben ja immer in ihren Gedankenformen die Art gehabt, über die Wahrheit als einer innerlichen Gabe der Menschenseele zu sprechen. Was wäre es denn, was heute ein solcher sagen würde gegenüber manchem, was wir in unsern Tagen erleben? In den ersten Augusttagen konnte man in ausländischen Zeitungen lesen: Hamburg ist ein Trümmerhaufen; die Russen sind in Stettin, sogar in Köln eingezogen. Noch ganz andere Dinge waren verbreitet. Kaiser Franz Joseph starb bekanntlich am 8. September. Was wäre es, was ein solcher oben Charakterisierter demgegenüber sagen würde?

[ 31 ] This characterizes the transitional period in which we live; we are truly in the midst of this transition. The longing for the spiritual world is very much present in people’s souls, even if most are not yet aware of it today. But from the events that have now gripped such a large part of the earth as something quite extraordinary, a conscious longing for the spiritual world will develop. As spiritual researchers, we can already know this today: that all the sacrificed, unspent etheric bodies will unleash the deepest longing for the spiritual world. This deepest longing will arise—a longing for a truth that must be attained not through external observation, but inwardly through the soul’s own effort. The German spirit is indeed prepared for this. It is prepared for such truth that appears true in and of itself, and not because it is verified externally. The German spirit is prepared for this. And evidence of this can be found everywhere. Those who have truly striven within the essence of the German spirit have always, in their thought forms, had a way of speaking of truth as an inner gift of the human soul. What, then, would such a person say today in response to much of what we are experiencing in our own time? In the first days of August, one could read in foreign newspapers: Hamburg is a heap of rubble; the Russians have entered Stettin, even Cologne. Quite different things were being reported. As is well known, Emperor Franz Joseph died on September 8. What would someone of the character described above say in response to this?

[ 32 ] «Messing statt Goldes, nachgemachte Wechsel statt echter mögen von einzelnen verkauft, eine verlorene Schlacht als eine gewonnene mehreren aufgeheftet, und sonstige Lügen über sinnliche Dinge und einzelne Begebenheiten auf eine Zeitlang glaubhaft gemacht werden, aber in dem Wissen von dem Wesen, worin das Bewußtsein die unmittelbare Gewißheit seiner selbst hat, fällt der Gedanke der Täuschung hinweg.»

[ 32 ] “Brass instead of gold, counterfeit bills instead of genuine ones may be sold by some, a lost battle may be passed off to many as a won one, and other lies about sensory things and individual events may be made credible for a time; but in the knowledge of the essence in which consciousness has the immediate certainty of itself, the thought of deception falls away.”

[ 33 ] Das würde tief aus dem heraus, was man heute erfahren mußte, geschrieben sein. Hegel hat es geschrieben, und er ist im Jahre 1831 gestorben. Es ist das Eigentümliche: wenn jemand tief ergriffen ist von der inneren Natur der Wahrheit, dann sagt er Dinge, die für alle Zeiten wahr sind; dann kann man das, was also aus dem Bewußtsein der Wahrheit heraus gesprochen worden ist, zu allen Zeiten anführen. Das ist das, was man über die Eigentümlichkeit des mitteleuropäischen Geistes sagen muß, über sein ganz besonderes Verhältnis zur Wahrheit, und was unleugbar ist für den, der sich Mühe gibt, die Dinge kennenzulernen. Heute hat man ja das Gefühl, daß man oft sagen muß: Wozu haben die Menschen Geschichte gelernt? Sie haben sie vielleicht auch nicht gelernt. Es ist ja doch so, als ob die Seelen erst nach dem 1. August 1914 geboren worden sind und gar nicht das, was früher geschehen ist, zu Hilfe nehmen, um ein Urteil zu gewinnen. Aber alles das ist zuletzt nur dazu da, um die Reaktion um so stärker und intensiver zu machen, um so stärker und intensiver in den Seelen das Bedürfnis nach innerlich wahrhaftiger Wahrheit zu erzeugen. Das ist die Natur des Überganges in unserer Zeit, in der so vielfach fehlt und sich als so fehlend zeigt dieses innerliche Verbundensein mit der Wahrheit. Es wird als Reaktion entstehen eine tiefste Sehnsucht nach der Wahrheit. Dann werden die Seelen, die hier in Leibern verkörpert sind, hören, was jene Seelen zu ihnen sprechen, die sich durch den Opfertod der jetzigen Zeit bereitet haben, von der Wahrheit mehr zu erkennen, als man heute gemeiniglich erkennt.

[ 33 ] That would have been written from a place deeply rooted in what we have had to experience today. Hegel wrote it, and he died in 1831. This is what is remarkable: when someone is deeply moved by the inner nature of truth, they say things that are true for all time; then what has been spoken from the consciousness of truth can be cited at all times. This is what must be said about the peculiarity of the Central European spirit, about its very special relationship to truth, and what is undeniable to anyone who makes an effort to understand these things. Today, one has the feeling that one often has to ask: Why did people study history? Perhaps they never really studied it. It is as if souls were born only after August 1, 1914, and do not draw upon what happened in the past at all to form a judgment. But all of this ultimately serves only to make the reaction all the stronger and more intense, to generate all the more strongly and intensely in the souls the need for inner, true truth. This is the nature of the transition in our time, in which this inner connection with the truth is so often lacking and reveals itself as so lacking. A deepest longing for the truth will arise as a reaction. Then the souls incarnated here in bodies will hear what those souls speak to them who, through the sacrificial death of the present time, have prepared themselves to recognize more of the truth than is commonly recognized today.

[ 34 ] Das ist es, was ich in dieser Stunde habe sagen wollen, um von neuem zu bekräftigen, was ich öfter gerade in dieser Zeit ausgesprochen habe über das lebendige Sprechen der Zeitereignisse zu uns. Denn wirklich: diese Zeitereignisse sprechen davon. Sie sprechen denjenigen, die mutvoll sich ihnen widmen, die opferfreudig sich ihnen widmen, die trauernd heute schon auf die Zeit hinsehen, sie sprechen ihnen Mut und Trost zu — Mut und Trost zu neuer Kraft:

[ 34 ] This is what I wanted to say at this moment, to reaffirm once again what I have often spoken of, especially in these times, regarding how current events speak to us. For truly: these current events speak of this. They speak to those who courageously devote themselves to them, who selflessly devote themselves to them, who, in their sorrow, are already looking toward the future; they speak to them of courage and comfort—courage and comfort that give new strength:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of battle,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware,
Toward the realm of the spirit.