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Human Destinies and the Destinies of Nations
GA 157

9 March 1915, Berlin

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Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Meine lieben Freunde, wir gedenken wiederum zuerst derjenigen, die draußen auf den großen Feldern der Ereignisse der Gegenwart stehen:

[ 1 ] My dear friends, we once again begin by remembering those who stand out in the vast fields of current events:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the earthly people entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.

[ 2 ] Und für diejenigen, die infolge dieser Ereignisse schon durch die Pforte des Todes gegangen sind:

[ 2 ] And for those who have already passed through the gates of death as a result of these events:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings carry
The pleading love of our souls
To the beings of the spheres entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.

[ 3 ] Der Geist, den wir durch unsere erstrebte Geist-Erkenntnis suchen, der Geist, der zu der Erde Heil, zu der Menschheit Freiheit und Fortschritt durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der sei mit euch und euren schweren Pflichten!

[ 3 ] May the Spirit we seek through our striving for spiritual knowledge—the Spirit who, through the Mystery of Golgotha, brought healing to the Earth and freedom and progress to humanity—be with you and your heavy responsibilities!

[ 4 ] Wir haben heute vor acht Tagen eine Art Betrachtung über das imaginative Meditieren angestellt, und wir haben gesehen, daß auch diese Betrachtung uns zeigt, wie alle Erkenntnis, die eine wirkliche Erkenntnis der übersinnlichen Welten sein soll, gewonnen werden muß durch ein leibfreies Weltenbetrachten, dadurch, daß die gewöhnliche, die Alltagserkenntnis sich frei macht von den Bedingungen, die durch den Leib, durch die Sinne, durch das Nervensystem und so weiter gegeben sind. Die gewöhnliche Tageserkenntnis kommt ja dadurch zustande, daß sich das menschliche Geistig-Seelische der leiblichen Werkzeuge bedient. Nun besteht diese geistige Erkenntnis in gewissen feineren Prozessen, die sich mit dem Menschen abspielen, und auf diese Prozesse wollen wir zunächst heute im ersten Teil unserer Betrachtung etwas hinweisen. Feinere Prozesse, sagte ich. Feiner sind die Prozesse deshalb, feiner als die gewöhnlichen Alltagsprozesse des Erkennens, der Beobachtung, der Wahrnehmung, weil der Mensch ja nur ausgehen kann von dem, woran er im Alltag gewöhnt ist, und sich allmählich nur zu feineren, intimeren Prozessen erheben kann. Nun würden wir ja alle die befriedigendsten, die höchsten Erkenntnisse der geistigen Welt gewinnen können, wenn wir imstande wären, ohne weiteres wenigstens einen Teil, ja nur einen kleinen Teil, meinetwillen nur eine Minute, von demjenigen Zustand unseres Lebens, den wir zubringen zwischen Einschlafen und Aufwachen, vollbewußt zuzubringen; nicht bloß träumend-bewußt, sondern vollbewußt. Denn alle Initiation besteht ja darin, daß dasjenige von uns, was unbewußt außer unserem Leibe verweilt in der Nacht im Schlafe, bewußt gemacht wird.

[ 4 ] Eight days ago, we engaged in a kind of reflection on imaginative meditation, and we saw that this reflection, too, shows us how all knowledge that is to be a true knowledge of the supersensible worlds must be gained through a body-free observation of the world, by freeing ordinary, everyday knowledge from the conditions imposed by the body, the senses, the nervous system, and so on. Ordinary everyday knowledge arises, after all, when the human spiritual-soul aspect makes use of the physical instruments. Now, this spiritual knowledge consists of certain finer processes that take place within the human being, and it is these processes that we wish to highlight today in the first part of our consideration. Finer processes, I said. These processes are finer—finer than the ordinary everyday processes of cognition, observation, and perception—because human beings can only start from what they are accustomed to in daily life and can gradually rise only to finer, more intimate processes. Now, we would all be able to gain the most satisfying, the highest insights into the spiritual world if we were able, without further ado, to spend at least a part—indeed, just a small part, for my sake, just one minute—of that state of our life which we spend between falling asleep and waking up, in full consciousness; not merely in a dream-like state of consciousness, but in full consciousness. For all initiation consists in making conscious that part of us which, during the night in sleep, remains unconsciously outside our body.

[ 5 ] Niemals besteht ein wirklich höherer Erkenntnisprozefß3 eigentlich in etwas anderem als in einem Bewußstmachen desjenigen, was sonst unbewußt vom Einschlafen bis zum Aufwachen im schlafenden Zustand verweilt. |

[ 5 ] A truly higher process of cognition3 never consists of anything other than bringing to consciousness that which otherwise remains unconscious from the moment of falling asleep until waking up. |

[ 6 ] Nun gibt es allerdings, was Sie vielleicht verwundern wird, einen Teil des Menschen, des leiblichen Menschen, der im Grunde immer im schlafenden Zustand ist, der immer schläft. Auf diese Dinge braucht man sich ja nicht gleich im Eingang des anthroposophischen Lebens einzulassen; gewissermaßen die Feinheiten der geisteswissenschaftlichen Forschung können uns erst langsam und allmählich zum Bewußtsein kommen. Wir denken ja natürlich, wenn geschildert wird, daß der Mensch bei Tage wacht und bei Nacht schläft, daß bei Tage sein Ich und sein Astralleib mit dem physischen Leibe und dem Ätherleib voll vereinigt seien, und daß bei Nacht Ich und Astralleib außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes ihr Wesen haben. Wir denken auch zunächst ganz richtig so, denn nur allmählich können wir uns von der gröberen Auffassung der geisteswissenschaftlichen Tatsachen zu den spezielleren Wahrheiten hinwenden. Im groben also ist das richtig, daß der Mensch mit seinem Ich und Astralleibe im Schlafe außerhalb seines Ätherleibes und physischen Leibes ist. Aber für einen Teil des Leibes gilt es doch, daß im wesentlichen auch vom Aufwachen bis zum Einschlafen dieser Teil des Leibes schläft, wenigstens im wesentlichen schläft. Und das ist gerade merkwürdigerweise derjenige Teil des menschlichen Leibes, den wir das Haupt, den Kopf nennen. Der schläft gerade dann, wenn wir wachen. Und obwohl man leicht glauben könnte, daß der Kopf das Allerwachste sei, so ist er in Wirklichkeit dasjenige, was am wenigsten wach ist. Denn die wache Tätigkeit des menschlichen Denkens, überhaupt der Kopfverrichtungen, beruht gerade darauf, daß auch im Wachen das Ich und der Astralleib gegenüber den Kopforganen ein solches Verhältnis haben, daß sie nicht vollständig — also der Ichteil des Kopfes, der Astralteil des Kopfes — mit dem physischen und dem ätherischen Teile des Kopfes sich verbinden können, sondern immer gewissermaßen ein Eigenleben außerhalb des physischen und des ätherischen Teiles des Kopfes erleben. Nur dann findet eine innigere Verbindung noch statt zwischen dem astralischen Kopfleib und zwischen dem physischen, wenn man Kopfschmerzen hat. Und wenn man recht starke Kopfschmerzen hat, dann ist am allermeisten Verbindung zwischen dem astralischen Teil des Kopfes und dem physischen Teil des Kopfes. Dann kann man gerade am schlechtesten denken, wenn man Kopfschmerzen hat. Das rührt davon her, weil dann eine zu starke Verbindung eintritt zwischen dem astralischen, dem physischen und dem ätherischen Teile des Kopfes. Nun beruht aber unser waches Denken und auch das übrige wache Seelenleben eben gerade darauf, daß in einer gewissen Beziehung das Ich und der Astralleib des Kopfes außerhalb des physischen und Ätherleibes sind und sich gerade dadurch in dem physischen und ätherischen Leibe des Kopfes spiegeln; wie wir uns ja auch nur im Spiegel sehen können, wenn wir außerhalb sind. Diese Spiegelung gibt ja die Bilder unseres Alltagsbewußtseins. Das sind Spiegelbilder, die wir im Alltagsleben erleben, erkennend wahrnehmen. Und durch dieses Aufßerhalb-des-Kopfes-Leben, durch dieses Schlafen des Kopfes, und durch die durch die Härte des Schädels bewirkte Zurückwerfung der Tätigkeit des Ich und Astralleibes wird gemacht, daß wir eben das Innere des Ich und das Innere des Astralleibes empfinden als unser eigenes. Würde so, wie es bei den anderen Teilen des Organismus der Fall ist, die Tätigkeit des Ich und Astralleibes noch mehr hineinarbeiten in die Täugkeit des physischen und Ätherleibes, dann würden wir verdauungsorganische Tätigkeit, vielleicht auch rhythmische Tätigkeit wie im Herzen, im Kopfe wahrnehmen, vielleicht auch nicht wahrnehmen aber von einer Denktätigkeit würde nicht die Rede sein können, denn diese beruht darauf, daß diese Tätigkeit nicht aufgenommen, sondern zurückgestrahlt wird. Das Herz, die anderen Organe, welche absorbieren, die nehmen die Tätigkeit des Ich und Astralleibes auf. Die Kopforgane nehmen sie nicht auf, sie strahlen sie vielmehr zurück; daher kann sie dann erlebt werden im seelischen Innern.

[ 6 ] Now, however—and this may surprise you—there is a part of the human being, the physical human being, that is essentially always in a dormant state, that is always asleep. One need not concern oneself with these matters right at the outset of the anthroposophical life; in a sense, the subtleties of Spiritual Science research can only come to our consciousness slowly and gradually. We naturally assume, when it is described that the human being is awake by day and sleeps by night, that by day the ego and the astral body are fully united with the physical body and the etheric body, and that by night the ego and the astral body exist outside the physical body and the etheric body. At first, we think quite correctly in this way, for only gradually can we turn from the coarser conception of facts of Spiritual Science toward the more specific truths. In broad terms, then, it is correct that during sleep the human being, with his ego and astral body, is outside his etheric body and physical body. But for one part of the body, it is nevertheless true that, essentially, even from waking until falling asleep, this part of the body sleeps—at least essentially. And curiously enough, this is precisely the part of the human body that we call the head. It sleeps precisely when we are awake. And although one might easily believe that the head is the most awake, in reality it is the part that is least awake. For the waking activity of human thought—and of mental processes in general—rests precisely on the fact that even while awake, the ego and the astral body have such a relationship to the head organs that they cannot fully—that is, the ego part of the head, the astral part of the head—with the physical and etheric parts of the head, but always, so to speak, lead a life of their own outside the physical and etheric parts of the head. Only when one has a headache does a deeper connection still take place between the astral head body and the physical one. And when one has a very severe headache, the connection between the astral part of the head and the physical part of the head is at its strongest. It is precisely when one has a headache that one is least able to think. This is because an excessively strong connection then arises between the astral, physical, and etheric parts of the head. Now, however, our waking thinking and the rest of our waking soul life are based precisely on the fact that, in a certain sense, the ego and the astral body of the head are outside the physical and etheric bodies and are thereby reflected in the physical and etheric bodies of the head; just as we can only see ourselves in a mirror when we are outside it. This reflection, after all, provides the images of our everyday consciousness. These are mirror images that we experience and perceive cognitively in everyday life. And through this life outside the head, through this sleeping of the head, and through the reflection of the activity of the ego and astral body caused by the hardness of the skull, it is brought about that we perceive the inner life of the ego and the inner life of the astral body as our own. If, as is the case with the other parts of the organism, the activity of the ego and astral body were to work even more deeply into the vitality of the physical and etheric bodies, then we would perceive digestive activity, and perhaps also rhythmic activity such as that of the heart, in the head; or perhaps not perceive them at all; but there could be no question of a thinking activity, for this is based on the fact that this activity is not absorbed but rather reflected back. The heart and the other organs, which absorb, take in the activity of the ego and astral body. The organs of the head do not take it in; rather, they reflect it back; therefore, it can then be experienced in the inner life of the soul.

[ 7 ] Nun, in der Nacht, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, da ist gewissermaßen das ganze Ich und der ganze Astralleib — auch das ist nicht einmal ganz richtig, aber ungefähr —, es ist also ein viel größerer Teil des Ich und des Astralleibes außerhalb des physischen und Ätherleibes. Der Mensch ist da in der Lage, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, in bezug auf ein viel größeres Stück von Ich und Astralleib, sich so zu verhalten, wie er sich beim Wachen gegenüber seinem Kopfe verhält. Aber nun ist noch nicht der übrige Organismus so weit wie der Kopf; er ist noch nicht so weit gediehen, daß er zurückstrahlen könnte, wie es der Kopf kann. Daher kann keine Bewußtheit eintreten im Schlafe. Wenn wir die Bewegung unserer Hände betrachten, so müssen wir uns sagen: In diesen Händen haben wir, soweit wir sie bewegen können, wenn wir wach sind, natürlich die betreffenden Glieder, Ich, Astralleib, Ätherleib und physischen Leib. Das alles ist vorhanden, das alles ist in Tätigkeit, wenn wir die Hände bewegen. Nun denken Sie sich einmal, es würde ein Mensch in die Lage versetzt, daß seine Hände angebunden würden an seinen Organismus, und zwar so, daß er sie niemals würde bewegen können, sondern daß sie fest wären an dem Organismus, daß sie fest an den Organismus angebunden wären. Und nehmen wir an, es würde dem Menschen zugleich die Gabe verliehen, während er jetzt seine angebundenen physischen Hände nicht bewegen kann, daß er den Ätherleib oder wenigstens den Astralleib der Hände allein bewegen könnte. Das würde etwas sehr Bedeutendes zur Folge haben. Er würde dann gleichsam hinausstrecken seine Astral- beziehungsweise Ätherhände aus den physischen Händen, die er nicht bewegen könnte, die angebunden wären. Wir bemühen uns nicht, diese Prozedur überhaupt je auszuführen; wenn wir etwas vom Astralischen und Ätherischen der Hände bewegen, so bewegen wir eben die physischen Hände mit. Nun kann man das auf der Erde so ohne weiteres nicht gut durchführen als etwas Narürliches, aber im Laufe der Evolution wird es durchgeführt, nur etwas anders als in der groben Weise, wie ich es jetzt besprochen habe. So wird es durchgeführt, daß, indem sich der Mensch im Laufe der Erdenevolution weiter entfalten und zum Jupiter hinüberwachsen wird, in der Tat das eintreten wird, daß seine Hände, die physischen Hände, unbeweglich werden. Auf dem Jupiter wird der Mensch schon so erscheinen, daß seine physischen Hände nicht mehr bewegliche Organe sind, sondern festliegen, dafür aber eben die astralischen und auch die Ätherhände zum Teil sich heraus bewegen können. Also es wird auf dem Jupiter von den physischen Händen nur noch unbewegliche Andeutungen geben, dagegen werden sich die astralischen, respektive Ätherhände frei bewegen wie Flügel. Darauf wird es beruhen, daß dieser Jupitermensch nicht bloß ein Gehirndenker ist, sondern daß ihm dann seine festliegenden Hände die Möglichkeit geben, zurückzustrahlen in das, was jetzt mit den physischen Händen verbunden ist, und er wird dadurch ein viel lebendigeres, ein viel umfassenderes Denken haben. Dadurch, daß ein physisches Organ zur Ruhe kommt, dadurch kann das entsprechende geistig-seelische Glied, das zu dem physischen Organ dazugehört, befreit werden und kann dann eine geistig-seelische Tätigkeit entfalten. Es ist nämlich wirklich so mit unserem Gehirn: als wir noch Mondmenschen waren, da hatten wir solche Organe, die sich hier wie Hände bewegten, und diese Organe sind festgemacht worden. Auf dem Monde hatten wir noch keine feste Gehirnschale; da konnten sich die Organe, die jetzt im Gehirn zusammengefaltet sind, bewegen wie Hände. Dafür konnte der Mensch auf dem Monde noch nicht so denken wie auf der Erde. Aber für denjenigen, der hellsichtig das Denken prüft, ist es klar, daß sich da die im schlafenden Gehirn befindlichen Organe tatsächlich beim wachenden Menschen flügelartig bewegen, wie ich Ihnen beschrieben habe, daß sich Astral- und Ätherhände bewegen würden, wenn die physischen Hände festliegen könnten. Das ist also vom Übergang des Mondenzustandes zum Erdenzustand wirklich geschehen, daß hier gleichsam Hände gebändigt worden sind und jetzt noch festgehalten werden durch die feste Gehirnschale, und daß dadurch das Ätherische und Astralische frei ist. Aber die Organe müssen fortentwickelt werden. Diese Hände können nicht bleiben wie sie sind, wenn wir uns zum Jupiter entwickeln, sondern diese Hände werden in substantieller Beziehung eine Abänderung erfahren, wie sie unser Gehirn erfahren hat, so daß es zum Rückstrahlorgan geworden ist. Dieser Prozeß ist der, den man bezeichnen könnte als den der naturgemäßen Evolution.

[ 7 ] Now, during the night, from the moment of falling asleep until waking up, the entire ego and the entire astral body are, so to speak—though even that is not entirely accurate, but roughly speaking—a much larger portion of the ego and the astral body is outside the physical and etheric bodies. From the moment of falling asleep until waking up, the human being is able, with regard to a much larger portion of the ego and astral body, to relate to it in the same way as he relates to his head while awake. But the rest of the organism is not yet as far along as the head; it has not yet developed to the point where it can radiate back, as the head can. Therefore, no consciousness can arise during sleep. When we observe the movement of our hands, we must tell ourselves: In these hands, to the extent that we can move them while awake, we naturally have the relevant members—the ego, astral body, etheric body, and physical body. All of this is present; all of this is active when we move our hands. Now imagine that a person were placed in a situation where his hands were bound to his organism, and in such a way that he would never be able to move them, but that they would be firmly attached to the organism, that they would be firmly bound to the organism. And let us suppose that this person were simultaneously granted the ability, while he cannot move his bound physical hands, to move the etheric body or at least the astral body of the hands alone. This would have a very significant consequence. He would then, as it were, extend his astral or etheric hands from the physical hands that he could not move, that were bound. We do not attempt to carry out this procedure at all; when we move something of the astral and etheric aspects of the hands, we move the physical hands along with them. Now, on Earth this cannot easily be carried out as something natural, but in the course of evolution it will be carried out, just somewhat differently than in the crude manner I have just described. It will be carried out in such a way that, as the human being continues to unfold in the course of Earth evolution and grows toward Jupiter, what will in fact occur is that his hands—the physical hands—will become immobile. On Jupiter, human beings will appear in such a way that their physical hands are no longer movable organs, but are fixed in place; in return, however, the astral and also the etheric hands will be able to move outwards to some extent. Thus, on Jupiter, there will be only immobile traces of the physical hands, whereas the astral and etheric hands will move freely like wings. This will be the basis for the fact that this Jupiter human is not merely a cerebral thinker, but that his fixed hands will then give him the ability to radiate back into what is now connected to the physical hands, and he will thereby have a much more vivid, a much more comprehensive thinking. Because a physical organ comes to rest, the corresponding spiritual-soul member belonging to that physical organ can be liberated and can then unfold a spiritual-soul activity. For this is truly the case with our brain: when we were still lunar beings, we had organs that moved here like hands, and these organs have been fixed in place. On the Moon we did not yet have a fixed brain case; there the organs that are now folded together in the brain could move like hands. In return, the human being on the Moon could not yet think as on Earth. But for those who examine thinking through clairvoyance, it is clear that the organs located in the sleeping brain actually move like wings in the waking human being, just as I have described to you how astral and etheric hands would move if the physical hands could remain fixed. So this is what actually happened in the transition from the lunar state to the Earth state: that here, as it were, the hands have been restrained and are now still held in place by the solid brain case, and that as a result the etheric and astral are free. But the organs must continue to develop. These hands cannot remain as they are as we evolve toward Jupiter; rather, these hands will undergo a transformation in a substantial sense, just as our brain has undergone a transformation, so that it has become a reflecting organ. This process is what one might describe as natural evolution.

[ 8 ] Ein anderer Prozeß ist nun der Initiaionsprozeß. Er besteht darin, daß wir in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins irgendeine mantrische Meditation gedanklich stellen und darinnen ganz aufgehen. Wenn wir das tun, so liegt wirklich viel daran, daß wir nun nicht unser Leibliches benützen, um diesen Gedanken zu bilden, um den Gedanken zu haben, sondern daß wir wirklich uns von dem Leiblichen, dem Physisch-Sinnlichen mit diesem Gedanken zurückziehen, daß wir in ihm verharren, daß wir beim Meditieren keine Hilfe haben an der physischen Welt. Beim gewöhnlichen Alltagsdenken hilft uns der physische Leib, hilft uns die physische Welt. Wir denken, wenn durch die Sinne auf uns Eindrücke gemacht werden. Dadurch wird uns das Denken bequem. Denn die Welt macht auf uns zugleich einen ätherischen und einen physischen Eindruck. Das ist eine Unterstützung für unser Denken. Wenn wir meditieren, müssen wir uns gerade abseits stellen von allem Physischen, auch von allen Vorstellungen. Wir müssen ganz aus dem eigenen freien Willen einen Gedanken in den Mittelpunkt unseres Bewußstseins stellen. Dadurch geschieht nun etwas höchst Eigentümliches, das dem Wahrnehmungsprozeß gegenüber ein feinerer Prozeß ist. Wenn wir es dahin bringen, daß wir gleichsam im Vergessen der ganzen übrigen Welt — als wenn die übrige Welt nicht da wäre, es eigentlich nichts geben würde in Raum und Zeit als den einzigen Gedanken —, wenn wir es dahin gebracht haben, daß uns die ganze Welt gleichgültig ist und wir nur leben im Meditationsgedanken, dann tritt dasjenige ein, was selbstverständlich keine physische Wissenschaft konstatieren kann: durch diesen feinen Prozeß des Meditierens wird gewissermaßen ein feiner Wärmeverbrauch erzielt; Wärme wird verbraucht, wird weggebracht. Es ist ein Prozeß, den man selbstverständlich nicht physisch konstatieren kann, aber der Verbrauch findet statt, und wir werden einmal darüber bei Gelegenheit sprechen. Dann werden wir sehen, wie durch Vorgänge, die jeder beobachten kann, man nachweisen kann der physischen Wissenschaft, daß der Meditationsprozeß mit einem feinen Wärmeprozeß und mit einem feinen Lichtprozefß3 verknüpft ist.

[ 8 ] Another process is the initiation process. It consists of mentally placing some form of mantric meditation at the center of our consciousness and becoming completely absorbed in it. When we do this, it is truly important that we do not use our physical body to form this thought, to have this thought, but that we actually withdraw from the physical, the physical-sensory realm with this thought, that we remain within it, that we have no support from the physical world while meditating. In ordinary everyday thinking, the physical body helps us; the physical world helps us. We think when impressions are made upon us through the senses. This makes thinking easy for us. For the world makes both an ethereal and a physical impression upon us. This is a support for our thinking. When we meditate, we must set ourselves apart from everything physical, including all mental images. We must, entirely of our own free will, place a thought at the center of our consciousness. Through this, something highly peculiar occurs, which is a more subtle process compared to the process of perception. When we reach the point where we are, as it were, oblivious to the rest of the world—as if the rest of the world were not there, as if there were actually nothing in space and time but that single thought—when we have reached the point where the whole world is indifferent to us and we live only in the thought of meditation, then something occurs that, of course, no physical science can observe: through this subtle process of meditation, a certain subtle consumption of heat is achieved, so to speak; heat is consumed, is carried away. It is a process that, of course, cannot be physically observed, but the consumption takes place, and we will speak about it on another occasion. Then we will see how, through phenomena that anyone can observe, one can demonstrate to physical science that the process of meditation is linked to a subtle process of heat and a subtle process of light.

[ 9 ] Von dem Licht, das wir aufgenommen haben, verbrauchen wir innerlich etwas; wir verbrauchen Licht. Wir verbrauchen auch noch etwas anderes, aber wir wollen dabei stehenbleiben, daß wir Wärme und Licht verbrauchen. Das, was wir verbrauchen, das macht eben, daß dasjenige eintritt, was ich vor acht Tagen hier besprochen habe, daß aus dem Prozeß des Meditierens sich etwas bildet wie ein feines Lebendiges. Wenn wir im gewöhnlichen Alltagsprozesse denken, lebt auch in uns etwas, was sich eindrückt in unseren Organismus und einen Prozeß bewirkt, der auch mit Wärme zu tun hat; das drückt sich da ein, und das, was sich da abspielt, das bewirkt, daß wir Erinnerung haben. Aber dazu darf es beim Meditieren nicht kommen. Wenn wir abgeschlossen leben in dem reinen Gedankenoder Empfindungsinhalte, dann drückt sich nicht in unserem Leib dasjenige ab, was wir da verbrauchen, sondern das drückt sich ab im allgemeinen Äther. Das verursacht außerhalb einen Prozeß. Ja, meine lieben Freunde, wenn Sie wirklich ernstlich, wahrhaftig meditieren, dann drücken Sie dem allgemeinen Äther Ihre Gedankenform ein; die ist da drinnen. Und wenn Sie dann auf einen Meditationsprozeß zurückschauen, ist es nicht ein gewöhnliches Erinnern, sondern ein Zurückschauen zu dem, was sich eingedrückt hat dem Weltenäther. Das ist wichtig, daß wir das beachten. Das ist ein feiner Prozeß, den wir so ausführen, daß er eine Beziehung darstellt zwischen uns und der umgebenden ätherischen und astralischen Welt. Der Mensch, der das gewöhnliche, alltägliche Wahrnehmen und Denken entwickelt, hat nur mit sich selbst etwas zu tun; es ist ein Prozeß, der sich in uns nur abspielt. Derjenige aber, der sich einläßt auf das wahre, echte Meditieren, lebt in einem Prozeß, der zugleich ein Weltenprozef, ein kosmischer Prozeß ist. Da geschieht etwas, wenn es auch etwas außerordentlich Feines nur ist. Und was geschieht, ist das folgende: Beim Meditieren wird etwas Wärme verbraucht. Wenn sie verbraucht wird, entsteht Kälte; es wird der allgemeine Weltenäther, wenn wir meditieren, abgekühlt. Und da auch Licht verbraucht wird, wird er gedämpft; es entsteht Dunkelheit, abgedämpftes Licht. So daß, wenn ein Mensch an einer Stelle der Welt meditiert und dann weggeht, er an dieser Stelle zurückläßt eine schwache Abkühlung und zu gleicher Zeit eine Dämpfung des Lichtes. Der allgemeine Lichtzustand ist herabgedämpft, ist dunkler geworden. Hellsichtig kann man immer verfolgen, wenn ein Mensch an einer Stelle meditiert hat, wo er wirklich den Meditationsprozeß ausgeführt hat. Wenn er wieder weggeht, ist ein Schattenbild von ihm da, das sogar kühler ist als die Umgebung. Es ist also ein kühles dunkles Gespenst an die Stelle hingebracht; das haben wir dort eingraviert. Und es ist im feinen, im ganz feinen wirklich etwas vollzogen an der Stelle, was Sie vergleichen können im groben mit dem, was auf der photographischen Platte entsteht. Es ist wirklich eine Art Gespenst da gebildet. Es ist das also ein Prozeß, der sich nicht bloß im Menschen, sondern kosmisch wirklich abspielt, wodurch der Mensch sich einfügt in den Kosmos.

[ 9 ] We consume some of the light we have absorbed internally; we consume light. We also consume something else, but let us focus here on the fact that we consume heat and light. What we consume is precisely what brings about what I discussed here eight days ago: that something like a subtle, living entity forms out of the process of meditation. When we think in the ordinary processes of daily life, something also lives within us that imprints itself on our organism and brings about a process that also has to do with warmth; that imprints itself there, and what takes place there causes us to have memory. But this must not happen during meditation. When we live fully immersed in the pure content of thought or feeling, then what we consume there does not imprint itself in our body, but rather imprints itself in the general ether. This causes a process outside of us. Yes, my dear friends, when you meditate truly and earnestly, you imprint your thought-form upon the general ether; it is there within it. And when you then look back on a meditative process, it is not ordinary recollection, but a looking back upon what has been imprinted upon the world ether. It is important that we take note of this. This is a subtle process that we carry out in such a way that it represents a relationship between us and the surrounding etheric and astral world. The person who develops ordinary, everyday perception and thinking has only to do with themselves; it is a process that takes place solely within us. But the one who engages in true, genuine meditation lives in a process that is at the same time a world process, a cosmic process. Something happens there, even if it is only something extraordinarily subtle. And what happens is the following: During meditation, some warmth is consumed. When it is consumed, coldness arises; the general world ether is cooled when we meditate. And since light is also consumed, it is dimmed; darkness arises, along with subdued light. So that when a person meditates in a certain place in the world and then leaves, they leave behind in that place a slight cooling and, at the same time, a dimming of the light. The general state of light is dimmed, has become darker. With clairvoyance, one can always trace where a person has meditated, where they have truly carried out the meditative process. When they leave again, a shadow image of them remains there, which is even cooler than the surroundings. A cool, dark specter has thus been placed in that spot; we have engraved it there. And in the subtle, in the very subtle realm, something has truly taken place at that spot, which you can roughly compare to what is created on a photographic plate. A kind of ghost has truly been formed there. This is therefore a process that takes place not merely within the human being, but truly on a cosmic scale, through which the human being integrates into the cosmos.

[ 10 ] Nun gibt es allerdings einen Gedanken, den der Mensch meditiert, auch wenn er gar nicht Meditant ist, wenn er gar nichts weiß von irgendwelcher Geisteswissenschaft. Einen Gedanken meditiert der Mensch schon. Und dieser eine Gedanke, es ist ja scheinbar ein recht kleiner, aber ein für das Leben unendlich wichtiger, das ist der Gedanke des Ich. Der Gedanke des Ich wird nämlich immer so gefaßt, daß er leibfrei gefaßt wird. Und insofern wir mit unserem Ich ein Verhältnis zur Welt haben, werden auch gewisse Dinge, die mit unserem Ich zusammenhängen, wenn es auch der Mensch nicht merkt im Leben, so gedacht, daß sie eben, ich möchte sagen, wie Zweige an einem Baume sind. So werden gewisse Gedanken, Empfindungen, Willensimpulse wie Zweige oder auch wie Fühlhörner, bewegliche Fühlhörner; die werden um das Ich herumgruppiert sein. So daß in der Tat der Mensch immerfort, sein ganzes Leben hindurch, hinter sich hergehen läßt dasjenige, was er als Ich denkt und was solche bewegliche Fangarme nach allen Seiten ausstreckt. Eine gespensterartige Qualle läßt der Mensch immer hinter sich, sein ganzes Leben hindurch. Aber das ist eine sehr reale Sache, denn die enthält zu gleicher Zeit alles das, was der Mensch — insofern er es in seinem Ich erdenkt, erfühlt — durchlebt hat. Das bleibt bestehen. Und wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, lernt er allmählich auf dieses Zurückgelassene zurückschauen, und das macht die Möglichkeit, daß ein Zusammenhang besteht zwischen dem, was er nach dem Tode erlebt und was er zurückgelassen hat.

[ 10 ] There is, however, one thought that a person meditates on, even if they are not a meditator at all, even if they know nothing about any kind of Spiritual Science. A person does meditate on one thought. And this one thought—it seems quite small, but is infinitely important for life—is the thought of the “I.” For the thought of the “I” is always conceived in such a way that it is conceived as separate from the body. And insofar as we have a relationship to the world through our “I,” certain things connected with our “I”—even if people do not realize it in life—are conceived in such a way that they are, I might say, like branches on a tree. Thus certain thoughts, feelings, and impulses of the will become like branches or even like antennae, mobile antennae; these will be grouped around the “I.” So that in fact, throughout their entire life, human beings constantly leave behind what they conceive as the “I” and what extends such mobile tentacles in all directions. A ghostly jellyfish is what a person always leaves behind, throughout their entire life. But this is a very real thing, for it contains at the same time everything that the person—insofar as they conceive and feel it in their ego—has lived through. That remains. And when a person has passed through the gate of death, they gradually learn to look back upon what has been left behind, and this makes it possible for a connection to exist between what they experience after death and what they have left behind.

[ 11 ] Im Meditieren müssen wir als Erdenmenschen zunächst erreichen das Festhalten unserer Organe durch den Willen; und es beruht ja die Möglichkeit, richtig zu meditieren, darauf, daß wir wirklich unser Denken, Fühlen und Empfinden in der Meditation freimachen, so daß der Leib nicht mittut und wir dadurch so stark uns innerlich konzentrieren können, daß bloß das, was wir wollen, nicht was wir nicht wollen, sich eingräbt, sich abphotographiert gleichsam in den Weltenäther. Das müssen wir immer betonen, daß wirkliches, richtiges Meditieren ein realer Prozeß ist, ein wirklich realer Prozeß ist.

[ 11 ] In meditation, we as earthly human beings must first learn to control our bodily functions through the power of our will; and the possibility of meditating correctly depends on our truly freeing our thinking, feeling, and sensing during meditation, so that the body does not interfere and we can thereby concentrate so intensely inwardly that only what we want—not what we do not want—is imprinted, photographed, as it were, into the world ether. We must always emphasize that true, proper meditation is a real process, a truly real process.

[ 12 ] Wenn wir bedenken, daß der Mensch das zurückläßt und im Grunde die ganzen Erlebnisse in dem drinnen sind, was er zurückläßt, und daß das bleibt, so werden wir auch einsehen, daß, wenn der Mensch durch die Zeit hindurchgegangen ist, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegt, und wieder herunterkommt auf die Erde —, daß er dann noch im Weltenäther drinnen das vorfindet, was er da zurückgelassen hat. Da haben wir das real, wie sich Karma bewirkt. Es ist ja da dasjenige, was der Mensch erzeugt hat als sein Gespenst und was auf ihn nun wirkt und im Zusammenhang mit dem späteren Leben eben das bildet, was im Karma sich abspielt.

[ 12 ] When we consider that a person leaves this behind, and that essentially all their experiences are contained within what they leave behind, and that this remains, we will also come to realize that when a person has passed through the time that lies between death and a new birth, and returns to Earth—that they will still find within the world-ether what they left behind there. Here we have a real example of how karma works. For there is that which the human being has created as their ghost, and which now acts upon them and, in connection with their later life, forms precisely what unfolds in karma.

[ 13 ] Man kann erst langsam und allmählich zu der Erkenntnis dieser Dinge kommen. Weil das so ist, weil ein wirklicher Prozeß sich abspielt, der über uns hinausgeht, der in den Kosmos eingreift, daher bekommt der Meditant das Gefühl: es ist das Meditieren etwas anderes als das gewöhnliche Denken. Bei dem letzteren haben wir das Gefühl: wir sind es, die die Gedanken zusammenfügen, die den einen Gedanken zum anderen bringen; wir sind es, die da urteilen. Beim Meditieren bekommt man allmählich das Gefühl: das bist nicht bloß du, der da denkt, der meditiert, sondern da geschieht etwas, worin du zwar stehst, was aber auch sich außerhalb von dir als etwas bleibend Geschehenes abspielt. Und dieses Gefühl muß man bekommen. Gerade so, wie wenn man das Gefühl hat, daß, wenn man einen zerbrechlichen Gegenstand an die Wand wirft, nicht nur dasjenige geschieht, was vor dem Fliegen geschehen ist, sondern nachher etwas, was damit im Zusammenhange steht: er zerbricht, das geschieht, wenn er sich losgelöst hat von uns —, so bekommt man das Gefühl im Meditieren: das bist nicht du, der denkt, sondern du fachst zwar deine Gedanken an, aber dann wirbeln sie weiter, sie wirbeln und wesen. Du bist dann nicht mehr bloß der Herr von ihnen, sondern sie beginnen ein selbständiges Eigenleben und Eigenwesen. Und dieses sich wie in der Atmosphäre, wie in der Webe- und Wesens-Atmosphäre seiner Gedanken Darinnenfühlen, wie wenn die Gedanken sich sogar wie Wellen durch unser Gehirn hindurchbewegen würden —, anfangen dieses zu fühlen, das ist das, was das feste, sichere Gefühl ergibt: du stehst in einer geistigen Welt darinnen; du bist selbst nur ein webendes Glied in dem allgemeinen Weben darinnen. Und das ist wichtig, daß wir wirklich zu solcher Stille, zu solcher Seelenruhe im Meditieren kommen, daß wir zu diesem bedeutsamen Gefühl kommen: du bist nicht allein, der das macht; es wird gemacht. Du hast angefangen, diese Wellen zu bewegen, aber sie breiten sich aus um dich herum. Sie haben ein Eigenleben, dessen Mittelpunkt du nur bist.

[ 13 ] One can only come to an understanding of these things slowly and gradually. Because this is the case—because a real process is taking place that transcends us, that reaches into the cosmos—the meditator gets the feeling that meditation is something different from ordinary thinking. With the latter, we have the feeling that it is we who piece the thoughts together, who link one thought to another; it is we who are judging there. In meditation, one gradually gets the feeling that it is not merely you who is thinking, who is meditating, but that something is happening in which you are indeed involved, yet which also takes place outside of you as a lasting event. And one must arrive at this feeling. Just as when one has the feeling that, if one throws a fragile object against the wall, not only does what happened before the throw occur, but afterward something related to it: it breaks—that happens once it has detached itself from us—so in meditation you get the feeling: it is not you who thinks, but rather you do indeed set your thoughts in motion, yet then they continue to swirl; they swirl and exist. You are then no longer merely their master, but they begin to lead an independent life and existence of their own. And this feeling of being immersed in the atmosphere, in the weaving and living atmosphere of one’s thoughts—as if the thoughts were even moving through our brain like waves—beginning to feel this is what gives rise to the firm, certain feeling: you stand within a spiritual world; you yourself are merely a weaving link in the general weaving within it. And it is important that we truly attain such stillness, such peace of mind in meditation, that we arrive at this significant feeling: you are not the only one doing this; it is being done. You have begun to set these waves in motion, but they spread out around you. They have a life of their own, of which you are merely the center.

[ 14 ] Sie sehen daran, meine lieben Freunde, daß es ein Erlebnis ist, das eigentlich die Erkenntnis der geistigen Welt gibt. Und dieses Erlebnis, das muß man in aller Ruhe abwarten. Er ist von außerordentlicher Bedeutung, aber es gehört Geduld, Ausdauer, Entsagung dazu, es in aller Ruhe abzuwarten. Denn es genügt dieses Erlebnis, um die volle Überzeugung zu bekommen von dem objektiven Vorhandensein der geistigen Welt.

[ 14 ] You can see from this, my dear friends, that it is an experience that actually brings about the recognition of the spiritual world. And this experience—one must wait for it with patience. It is of extraordinary importance, but it requires patience, perseverance, and self-denial to wait for it calmly. For this experience alone is sufficient to gain full conviction of the objective existence of the spiritual world.

[ 15 ] Was Sie entnehmen können den Auseinandersetzungen, die wir eben gepflogen haben, das ist, daß diese Abwechslungszustände von Wachen und Schlafen im Grunde recht allgemein notwendige sind. Hier schlafen und wachen wir in der Weise, wie es uns eben bekannt ist. Aus dem Grunde schlafen und wachen wir, damit unser während des ganzen Tages tätiges Gehirn auch untertauchen kann in den Teil, der bei Tage die Organe versorgt und bei Nacht heraus ist und unbewußt bleibt. Dieser Rhythmus von Schlafen und Wachen muß stattfinden; aber wir haben gesehen, daß er auch stattfindet im großen Entwickelungsgange des Weltenwesens. Wenn wir jetzt unser Gehirn eigentlich schlafend haben, damit wir denken können, und die Hände wachend, das heißt unser ganzes Verhältnis mit den Händen frei, wachend haben, während wir sie im Schlafe nicht rühren, so waren wir auf dem Monde mit Bezug auf unser Gehirn recht wach, und wir haben das Schlafen gelernt; wir können gerade dadurch das Erdendenken entwickeln, daß wir das Schlafen des Gehirns gelernt haben. Während es auf dem Monde noch wach war, erreichte es hier die Möglichkeit zu schlafen; und dadurch kann der Mensch denken. Der Mittelleib wird lernen, auf dem Jupiter zu schlafen, dadurch wird das Denken ein weiteres Erlebnis werden. So gehen die Zustände zwischen Schlafen und Wachen durch die Entwickelung hindurch. Aber diese Zustände sind ganz allgemeine, sie zeigen sich auf allen möglichen Gebieten. Man kann sagen: Wo man hinschaut, sieht man, daß schlafende und wachende, abwechselnde Zustände richtig notwendig sind. Ich werde ein absonderliches Beispiel einmal dafür anführen, ein absonderliches Beispiel, das uns aber doch in unserer Zeit etwas naheliegen kann.

[ 15 ] What you can gather from the discussion we have just had is that these alternating states of wakefulness and sleep are, in essence, quite universally necessary. Here, we sleep and wake in the manner that is familiar to us. For this reason, we sleep and wake so that our brain, which is active throughout the day, can also submerge into the part that supplies the organs during the day and remains inactive and unconscious at night. This rhythm of sleeping and waking must take place; but we have seen that it also occurs in the great evolutionary process of the universe. If we now have our brain actually asleep so that we can think, and our hands awake—that is, our entire relationship with our hands free and awake—while we do not move them in sleep, then on the Moon we were quite awake with regard to our brain, and we have learned to sleep; we can develop earthly thinking precisely because we have learned the sleep of the brain. While it was still awake on the Moon, it attained the ability to sleep here; and through this, the human being can think. The middle body will learn to sleep on Jupiter, and through this, thinking will become a further experience. Thus the states between sleeping and waking pass through the course of evolution. But these states are quite general; they manifest themselves in all possible spheres. One might say: Wherever one looks, one sees that alternating states of sleeping and waking are truly necessary. I will cite a peculiar example of this, a peculiar example that may nevertheless be somewhat relevant to us in our time.

[ 16 ] Nicht wahr, Sie können, wenn Sie sich unterrichten wollen, was sich im literarischen Geistesleben im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in der Kultur abspielte, in einem literaturhistorischen Werk nachsehen, welcher Dichter bedeutend, welcher unbedeutend war; und das Bild hört auch auf an einer Stelle: nämlich die Dichter, die dann ganz unbedeutend waren, werden gar nicht erwähnt. Und der Mensch, wenn er überhaupt etwas gegenwärtig weiß, weiß nun, welche Dichter in der ersten Hälfte oder in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bedeutend oder unbedeutend waren. Das weiß man; und von manchen, die — das ist ja nicht zu leugnen — auch geschrieben haben im neunzehnten Jahrhundert, wissen viele Menschen — ich will nicht sagen alle — jetzt gar nichts mehr. Nicht wahr, es gibt schon Menschen, von denen man gar nichts mehr weiß. Nun, es wird aber gewiß eine Zeit kommen, wo man ein anderes Bild haben wird, ein völlig anderes Bild von dem, was man zum Beispiel das literarische Geistesleben des neunzehnten Jahrhunderts nennt; wo man gewiß Dichtern, denen man heute viele Seiten widmet, nur eine halbe Seite widmen wird, und einem, den man heute gar nicht erwähnt, zehn bis zwanzig Seiten. Diese Dinge werden sich ändern. Und es besteht sogar die Notwendigkeit, daß diese Dinge sich gründlich ändern. Insbesondere, wenn man mit Rücksicht darauf, daß Geisteswissenschaft etwas sein muß, was jetzt in den Kulturprozeß der Menschheit einzieht und das menschliche Wissen ergreift und durchsetzt, wenn man dies in Betracht zieht, dann wird man wissen, wie die Menschen werden umlernen, werden denken lernen müssen. Eines will ich anführen. Nicht wahr, an die Stelle der heutigen Erkenntnis, welche eigentlich nur gewonnen wird dadurch, daß man gelten läßt als einzige wirkliche Erkenntnis dasjenige, was der Mensch mit Hilfe der Leibesorganisation gewinnt, muß sich ein anderes entwickeln, ein anderes, das auch gelten läßt dasjenige, was man auf dem geistigen Initiationswege sich erringen kann. Heute steht die Sache so, daß der wahre Wissenschafter dasjenige allein gelten läßt, dasjenige allein als gesichert hält, was durch das Erkennen gewonnen wird, welches durch die Werkzeuge des Leibes gewonnen wird. Alles andere ist Phantasiegebilde. Eventuell läßt er es noch als Hypothese gelten. Aber das darf nicht sehr weit gehen, sonst nennt er auch die Hypothese schon etwas höchst Phantastisches. Also das gilt heute. Eine Zeit muß kommen, in welcher nicht nur gelten gelassen wird dasjenige, was auf dem Wege geistiger Erkenntnis errungen wird, sondern wo auch dasjenige, was in der physischen Welt erkannt wird, durchleuchtet wird und im rechten Sinne erst ergründet wird durch die geistige Erkenntnis. Das muß so kommen.

[ 16 ] Isn’t it true that if you want to learn what was happening in the literary and intellectual life of the early nineteenth century, you can look up a work of literary history to see which poets were significant and which were insignificant; and the picture stops at a certain point: namely, the poets who were completely insignificant at the time are not mentioned at all. And people, if they know anything at all today, know which poets were significant or insignificant in the first half or the middle of the nineteenth century. That is common knowledge; and of some who—this cannot be denied—also wrote in the nineteenth century, many people—I won’t say all—know absolutely nothing anymore. Isn’t it true that there are already people about whom we know absolutely nothing anymore? Well, there will certainly come a time when we will have a different picture, a completely different picture of what is called, for example, the literary and intellectual life of the nineteenth century; when we will certainly devote only half a page to poets to whom we now dedicate many pages, and ten to twenty pages to one whom we do not mention at all today. These things will change. And there is even a necessity for these things to change thoroughly. Especially when one considers that Spiritual Science must be something that now enters into the cultural process of humanity and takes hold of and permeates human knowledge—when one takes this into account, then one will know how people will have to relearn, will have to learn to think. I would like to mention one thing. Is it not true that in place of today’s knowledge—which is actually gained only by accepting as the sole true knowledge that which the human being gains with the aid of the physical body—something else must develop, something that also accepts as valid that which can be attained through the spiritual path of initiation? Today the situation is such that the true scientist accepts only that, regards only as certain, which is gained through the cognition acquired by the instruments of the body. Everything else is a figment of the imagination. At most, he may still accept it as a hypothesis. But that must not go very far; otherwise, he will already regard the hypothesis as something highly fantastical. So that is how it is today. A time must come when not only is that which is attained through spiritual knowledge accepted, but when that which is perceived in the physical world is also examined and, in the true sense, only then fathomed through spiritual knowledge. This must come to pass.

[ 17 ] Nun, man kann nicht nur vergleichsweise, sondern aller Wirklichkeit nach sagen: Wir leben jetzt in einer Zeit, in der der Mensch mit Bezug auf die Erkenntnis schläft, wenigstens die Menschen im allgemeinen; höflich zu sein ist ja sehr leicht, da ja der für Geisteswissenschaft sich Interessierende ausgeschlossen ist, der wacht also mit Bezug auf die geistige Erkenntnis. Aber die übrige Menschheit schläft mit Bezug auf die geistige Erkenntnis: sie ist schlafmützig. Und gerade das, was die allerverehrteste Wissenschaft ist, entsteht dadurch, daß sie in Wirklichkeit schlafend ist. Wir stehen in einer Zeit, wo diese wahre Wirklichkeit im allerintensivsten Sinne von der Menschheit verschlafen wird. Das hat sich vorbereitet seit langer Zeit, und, man möchte sagen, wie immer sich ein Einschlafen vollzieht vor dem Schlafe, so können wir auch beobachten, wie eine Art Traumzustand und ein Ringen mit dem Schlafe gerade im neunzehnten Jahrhundert da war. Jetzt leben wir ja in dem Zeitalter, wo mit Bezug auf das geistige Erkennen die Menscheit am meisten schläft. Jetzt schlummert sie süß. Aber es ist nicht leicht geworden, diesen Schlaf ganz völlig zu erringen, und wir sehen zum Beispiel, wie in einzelnen großen Erscheinungen in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ein Ringen mit dem Schlafe stattfindet, indem in gewissen Menschen noch ein gewisses Ahnen, ein inneres Erleben aufgeht von geistigen Wahrheiten, von geistigen Verhältnissen. Das neunzehnte Jahrhundert konnte dann in seinem weiteren Verlaufe ja nichts anderes tun, um in diesen süßen Schlummerzustand zu kommen, als Dichter, welche von der geistigen Welt noch etwas Besonderes gewußt haben, zu vergessen. Da passen sie nicht herein, in diesen geistigen Schlummerzustand.

[ 17 ] Well, one can say—not merely in a comparative sense, but in all reality—that we are now living in a time when humanity is asleep with regard to knowledge, at least people in general; after all, it is very easy to be polite, since those interested in Spiritual Science are excluded; they, therefore, remain awake with regard to spiritual knowledge. But the rest of humanity sleeps with regard to spiritual knowledge: it is drowsy. And precisely what is the most revered science arises from the fact that it is, in reality, asleep. We are living in a time when this true reality is being slept through by humanity in the most intense sense. This has been in the making for a long time, and, one might say, just as falling asleep always takes place before sleep itself, so too can we observe how a kind of dream state and a struggle with sleep was present precisely in the nineteenth century. Now we are living in the age when, with regard to spiritual knowledge, humanity is most asleep. Now it slumbers sweetly. But it has not been easy to attain this sleep completely, and we see, for example, how in certain major phenomena in the first half of the nineteenth century a struggle with sleep takes place, in that in certain people a certain premonition, an inner experience of spiritual truths and spiritual conditions still arises. As the nineteenth century progressed, it could do nothing else to enter this sweet state of slumber than to forget the poets who still knew something special about the spiritual world. They do not fit into this spiritual state of slumber.

[ 18 ] Aber ich habe schon einmal aufmerksam gemacht auf einen Dichter, Julins Mosen, der in seinem «Ritter Wahn», sogar auch in seinem «Ahasver» wirklich Dichtungen geliefert hat, aus denen wir sehen, daß in Julius Mosen ein lebendiger Zusammenhang mit der geistigen Welt lebte. Ritter Wahn, den Julius Mosen darstellt, den er einer älteren Sage nachbildete, aber den er durchdrungen hat mit gewissen Ideen, aus denen man sieht, er hatte noch einen Zusammenhang mit der geistigen Welt —, Ritter Wahn sucht auf der Erde denjenigen, der ihn aufklären kann über die Besiegung des Todes. Das ist im wesentlichen das Thema des Gedichtes von Julius Mosens «Ritter Wahn», daß der Ritter Wahn, also der, der in der gewöhnlichen Erkenntnis ist, die eine Wahnerkenntnis ist, daß dieser Ritter Wahn aufsucht jemand, der ihn aufklären kann: Wie kommt man über die Wahnerkenntnis des physischen Lebens hinaus? Und er hat eine hohe Meinung von demjenigen, der ihn darüber aufklärt. Julius Mosen gibt dann Schilderungen, die sich beziehen darauf, wie der Ritter Wahn den finden will, der ihn aufklären will über die leibfreien Erkenntnisse:

[ 18 ] But I have already drawn attention to a poet, Julius Mosen, who in his *Ritter Wahn* and even in his *Ahasver* truly produced works of poetry from which we can see that Julius Mosen maintained a living connection with the spiritual world. Ritter Wahn, whom Julius Mosen portrays—based on an older legend, but whom he has imbued with certain ideas that reveal his connection to the spiritual world—Ritter Wahn searches the earth for the one who can enlighten him about the conquest of death. This is essentially the theme of Julius Mosen’s poem “Ritter Wahn”: that Ritter Wahn—that is, the one who is in ordinary perception, which is a delusional perception—that this Ritter Wahn seeks out someone who can enlighten him: How does one transcend the delusional perception of physical life? And he holds the one who enlightens him in high regard. Julius Mosen then provides descriptions relating to how Knight Wahn seeks to find the one who will enlighten him regarding the body-free insights:

Ich will von nun durch alle Länder streifen,
Ostwärts, so weit das tapf’re Roß mich trägt,
Von Schloß zu Schloß, von Land zu Ländern schweifen

Bis unverbrüchlich einer mir kann sagen:
Ich kann den Leib dir retten vor dem Tod,
Ich kann die Macht ihm brechen und ihn schlagen.

Dem will von Ewigkeit zu Ewigkeiten
Ich dienen mit der kampferstarkten Hand,
Arbeiten ihm, gewaltig für ihn streiten.

From now on I will roam through all the lands,
Eastward, as far as my brave steed will carry me,
Wandering from castle to castle, from land to land

Until someone can tell me with certainty:
I can save your life from death,
I can break his power and defeat him.

To that one, from eternity to eternity
I will serve with my battle-hardened hand,
Work for him, fight mightily for him.

[ 19 ] Dieser Ritter Wahn sucht also Aufklärung darüber, wie man eine Erkenntnis erlangt, die nicht vom Leibe bezwungen ist, sondern die selbst den Leib bezwingt, die Ewigkeiten währt. Also diese Sehnsucht ist schon vorhanden. Und nun kämpft der Ritter Wahn — wie Julius Mosen sagt — erstens mit einem Greise «Ird». Nun, das haben die Leute nicht verstanden: Ird. Aber man hätte können im Original nachlesen den Namen, so würde man Ird nicht mit «Tod» übersetzt haben, wie der Leipziger Literaturprofessor Rudolf von Gottschall es gemacht hat. Man hätte es übersetzen müssen mit «Erde» oder mit «Welt». Nun, mit diesem Greise Ird kämpft der Ritter Wahn zuerst. Er überwindet ihn. Wir haben gesprochen das letzte Mal über die Überwindung des Irdischen durch das Geistige, den Sieg des Geistigen über Erde, Zeit und Raum. Er überwindet dann den Greis «Raum» und gelangt an die Pforte des Himmels, das heißt der geistigen Welt. Dann bekommt er die Sehnsucht, auf die Erde zurückzukommen, weil er das Leben nicht voll ausgelebt hat. Diese ganze schöne Dichtung «Ritter Wahn», die stellt uns dar, daß schon einer dagewesen ist, der gerungen hat mit dem Initiationsproblem, der etwas wußte davon, daß es ein solches Initiationsproblem gibt. Und in seinem «Ahasver» stellt Julius Mosen wiederum so etwas dar.

[ 19 ] This Knight Delusion thus seeks enlightenment on how to attain a knowledge that is not subjugated by the body, but rather subjugates the body itself, a knowledge that endures for eternity. So this longing is already present. And now Knight Wahn—as Julius Mosen says—first battles an old man named “Ird.” Well, people haven’t understood that: Ird. But one could have looked up the name in the original; then one would not have translated Ird as “Death,” as the Leipzig professor of literature Rudolf von Gottschall did. One would have had to translate it as “Earth” or “World.” Well, the Knight of Delusion first struggles with this old man Ird. He overcomes him. Last time we spoke about the overcoming of the earthly by the spiritual, the victory of the spiritual over earth, time, and space. He then overcomes the old man “Space” and reaches the gate of heaven, that is, the spiritual world. Then he feels a longing to return to earth, because he has not lived life to the full. This entire beautiful poem, “Knight Wahn,” shows us that there was already someone who wrestled with the problem of initiation, who knew something of the fact that such a problem of initiation exists. And in his “Ahasver,” Julius Mosen again depicts something similar.

[ 20 ] Nun gibt es einen anderen deutschen Dichter, Wilhelm Jordan, der öfter genannt wird, das Werk aber am wenigsten, durch das er sein Geistigstes gegeben hat: «Demiurgos.» Dieser «Demiurgos» — in den fünfziger Jahren ist das Werk erschienen — ist ein recht bedeutendes Werk, denn in diesem «Demiurgos» kommt wirklich zum Ausdruck, wie geistige Wesenheiten, geistige Mächte, gute und böse, herankommen an den Menschen, die die Menschenseele durchdringen und mit Hilfe der Menschen sich auf der Erde hier manifestieren. So daß, wenn wir einen Menschen vor uns haben, wir daran zu denken haben: dieser Mensch ist ja gewiß aus alledem bestehend, was wir kennen, aber herein in ihn wirkt das, was von höheren geistigen Wesen kommt. Und «Demiurgos» beruht zum großen Teil darauf, daß dieser Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt dargestellt wird. In drei schönen Bänden stellt Jordan in seinem «Demiurgos» dies dar, wie geistige Wesenheiten hereinspielen in die Menschenseele. Das ist das Ringen mit dem Schlafe, der dann vollständig eintritt. Das sind Menschen, in deren Träume noch hereinkommt dasjenige, was sich die Menschheit durch Geisteswissenschaft erringen muß, aus dem süßen Schlummer der rein äußerlichen, positivistischen Erkenntnis heraus. Das müssen wir wirklich als einen solchen Prozeß} ansehen, daß sich da die Menschen durch spirituelle Träume in die Faulheit, in den Faulschlaf hineinbringen.

[ 20 ] There is another German poet, Wilhelm Jordan, who is often mentioned, but whose work is least frequently cited—the very work through which he expressed his most spiritual insights: *Demiurgos*. This “Demiurgos”—the work was published in the 1950s—is a truly significant work, for in this “Demiurgos” it is truly expressed how spiritual beings, spiritual powers, both good and evil, approach human beings, penetrate the human soul, and manifest themselves here on Earth with the help of human beings. So that when we have a human being before us, we must remember: this person certainly consists of all that we know, but working within them is that which comes from higher spiritual beings. And “Demiurgos” is based largely on the depiction of this connection between the human being and the spiritual world. In three beautiful volumes, Jordan depicts in his “Demiurgos” how spiritual beings interplay within the human soul. This is the struggle with sleep, which then fully sets in. These are people into whose dreams still enters that which humanity must attain through Spiritual Science, emerging from the sweet slumber of purely external, positivistic knowledge. We must truly regard this as a process in which people, through spiritual dreams, bring themselves into laziness, into a slumber of idleness.

[ 21 ] Wenn wir uns nun fragen: Worauf beruht es denn nun eigentlich, daß? es doch noch einen Menschen gibt wie Julius Mosen, der imstande ist, spirituelle Prozesse darzustellen, der so etwas wie den Initiationsprozeß in der Reise seines «Ritter Wahn» darstellt, woher kommt denn das? Es ist sehr merkwürdig: Julius Mosen wurde krank und verbrachte einen großen Teil seines Lebens fast ganz gelähmt. Was bedeutete aber diese Lähmung? Daß der physische Leib gleichsam vertrocknend sich loslöste vom Ätherleib und Astralleib. Durch diese Lähmung war der astralische und der Ätherleib freier. Dasjenige, was wir mühevoll uns erringen müssen durch den Initiationsprozeß, das wurde bei ihm durch einen Krankheitsprozeß bewirkt. Natürlich darf dieser Krankheitsprozeß nicht als ein echter Erkenntnisprozef3 aufgefaßt werden oder als wünschenswert gar herbeigeführt werden; aber gleichsam in einer Zeit, die in die Faulheit hineinging, setzte die Weltordnung einen Menschen hinein in die Welt, dem sie ein solches Verhältnis gab zwischen den physischen und den geistig-seelischen Gliedern. So lag er da, gelähmt, er konnte kein Glied rühren, aber mit reger Seele, mit regem Geiste, die dadurch gerade frei wurden und hineindrangen in die geistige Welt. Dasjenige, was die Initiation sucht auf gesunde Weise, das wurde hier durch eine Krankheit heraufgerufen. Da lag ein Mensch einen großen Teil seines Lebens gelähmt im Bett, aber triumphierend über die Lähmung des Leibes löste sich los das Geistig-Seelische. Daher konnte dieser Mensch so etwas, was uns so spirituell anmutet, wirklich hervorbringen. Es wäre ja auch noch auf gesündere Weise zu erreichen als bei Julius Mosen, aber vielleicht gerade dadurch weniger tief.

[ 21 ] If we now ask ourselves: What is the reason, then, that there is still a person like Julius Mosen who is capable of depicting spiritual processes—who portrays something like the initiation process in the journey of his “Knight Wahn”—where does that come from? It is very strange: Julius Mosen fell ill and spent a large part of his life almost completely paralyzed. But what did this paralysis mean? That the physical body, as it were, withered away and detached itself from the etheric and astral bodies. Through this paralysis, the astral and etheric bodies were freer. What we must laboriously attain through the process of initiation was brought about in him through a process of illness. Of course, this process of illness must not be regarded as a genuine process of knowledge, nor should it be brought about as something desirable; but as it were, in an age that was slipping into laziness, the world order placed a human being into the world to whom it gave such a relationship between the physical and the spiritual-soul members. So he lay there, paralyzed, unable to move a limb, yet with a lively soul and a lively spirit, which were thereby set free and penetrated into the spiritual world. That which initiation seeks to achieve in a healthy way was brought about here through illness. There lay a human being, paralyzed in bed for a large part of his life, but triumphing over the paralysis of the body, the spiritual-soul aspect broke free. That is why this human being was able to truly produce something that strikes us as so spiritual. It could, of course, also be achieved in a healthier way than in the case of Julius Mosen, but perhaps precisely because of that, it would be less profound.

[ 22 ] Es war auch noch auf gesündere Weise zu erreichen. Es war einem Dichter möglich noch in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, den kulturhistorischen Prozeß der Menschheit wirklich so darzustellen, daß er überall in seine Gestalten hereinleuchten läßt den Zusammenhang zwischen den geistigen Welten und dem, was auf der Erde als Mensch herumgeht. Da ist eine schöne Dichtung in den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, «Alhambra» von Auffenberg. Dieser Auffenberg ist ein spiritueller Dichter, und «Alhambra» ist ein bedeutendes Werk, so daß wir drei Werke, mit «Ahasver» vier Werke: «Ritter Wahn», «Ahasver», «Demiurgos» und «Alhambra» — es müßte aber noch vieles gesagt werden von solchen, die gar nicht leicht heute zu haben sind —, so daß wir vier solche Werke haben, welche uns zeigen, wie in dieser Zeit gleichsam traumhaft schwindet gegenüber dem allgemeinen materialistischen Schlummerdasein dasjenige, was des Menschen Zusammenhang mit der geistigen Welt ist. Vorher war die Menschheit schon offen der geistigen Welt gegenüber; nur natürlich diejenigen, die sie jetzt hinterher beschreiben, die geistige Welt, die lassen die Menschen aus, diejenigen, welche ein völliges Bewußtsein von der geistigen Welt hatten. Wenn man heute eine Philosophiegeschichte schreibt, läßt man es auch aus, wenn jemand ein Bewußtsein der geistigen Welt hat, oder man erwähnt nicht dieses Zusammenwirken mit der geistigen Welt bei den hervorragendsten Gestalten.

[ 22 ] It could also be achieved in a healthier way. Even in the first half of the nineteenth century, it was possible for a poet to portray the cultural-historical process of humanity in such a way that the connection between the spiritual worlds and what walks the earth as a human being shines through in all its forms. There is a beautiful poem from the 1830s, “Alhambra” by Auffenberg. This Auffenberg is a spiritual poet, and “Alhambra” is a significant work, so that we have three works—four, including “Ahasver”: “Ritter Wahn,” “Ahasver,” “Demiurgos,” and “Alhambra” —though much more would need to be said about works that are not easily available today—so that we have four such works which show us how, in this age, humanity’s connection to the spiritual world is, as it were, dreamlike, fading away in the face of the general materialistic slumber of existence. Previously, humanity was already open to the spiritual world; only, naturally, those who now describe it—the spiritual world—omit the very people who had a complete awareness of the spiritual world. When one writes a history of philosophy today, one also omits whether someone has an awareness of the spiritual world, or one does not mention this interaction with the spiritual world in the case of the most outstanding figures.

[ 23 ] Nun ist ganz interessant ein Vergleich zwischen dem «Ritter Wahn», in dem wirklich spirituelles Leben pulst, und Jordans «Demiurgos», bei dem auch spirituelles Leben anklingt. Jordan war wohl gesund; da konnte sich nicht trennen wie bei Mosen, der den gelähmten Leib hatte, das Geistig-Seelische von dem Leibe. Die Folge davon war, daß Jordan nur während seiner beweglicheren Jugendzeit, wo er noch durch innere Energie und Elastizität und Logik das Geistig-Seelische erfaßte, zu dem Gedanken des «Demiurgos» kam; später kam er in einen grob-materialistischen Darwinismus der Kulturgeschichte hinein, der dann als ein Zug geht durch seine «Nibelungen» und so weiter. Der muß also mitmachen den Gang in das Schlummerlied des Materialismus hinein. Das ist aber das Bedeutsame, daß wir einsehen, daß unsere Zeit die Aufgabe hat, die Erkenntnis in den geistigen Prozeß, den Entwickelungsprozef3 der Menschheit hineinzuschaffen, welche einem wirklich geistigen Erkennen entspringt — die Erkenntnis, daß der Weltengeist gewissermaßen durch das tragische Geschick eines Julius Mosen angedeutet hat: Unwillkürlich kann der Mensch nicht mehr ohne weiteres in die geistige Welt hineinkommen; früher gab es die Zeiten, wo er das konnte, wo durch die rein natürliche Beschaffenheit des Menschen Geistig-Seelisches, Astralleib und Ätherleib auch freier und unabhängiger waren von dem physischen Leibe; aber diese Zeit ist vorüber. Im natürlichen Zustand muß der Mensch in unserem heutigen materialistischen Zeitalter — und das muß für den Rest des Erdendaseins so bleiben und noch immer intensiver werden — einen kompakten Zusammenhang haben zwischen GeistigSeelischem und Physisch-Leiblichem. Der läßt aber nicht zu, daß durch natürliche Verhältnisse selber der Mensch zu irgendeinem Bewußtsein der spirituellen Welt kommt. Das muß aber gerade aus dem Grunde eintreten, damit das der Wille tun kann; damit durch die Durchdringung mit dem Moment der Geisteswissenschaft der Mensch aus inneren Willensimpulsen, aus der Freiheit heraus, in der Meditation, in der Konzentration loslöst das Geistig-Seelische von dem Physisch-Leiblichen. Denn würde man auf dieselbe Weise, wie früher der Mensch, zu spirituellen Erkenntnissen kommen, so müßte man krank sein, gelähmt sein, die zweite Hälfte des Lebens mit gelähmten Gliedern zubringen. Bei der jetzigen Organisation war das notwendig. Das war früher nicht notwendig. Der Mensch brauchte da nicht gelähmt zu werden, sondern der Verband zwischen dem astralischen Leibe, dem Ätherleibe, dem physischen Leibe war so, daß hellsichtige Erkenntnis da war. Heute war sie nur möglich durch Erkrankung. Das wurde gewissermaßen als ein Wahrzeichen hingesetzt, was bei Julius Mosen zutage trat.

[ 23 ] It is quite interesting to compare *Ritter Wahn*, in which true spiritual life pulsates, with Jordan’s *Demiurgos*, in which spiritual life also resonates. Jordan was likely in good health; unlike Moses, who had a paralyzed body, he could not separate the spiritual-psychic from the physical body. The consequence of this was that Jordan only arrived at the idea of the “Demiurgos” during his more agile youth, when he still grasped the spiritual-psychic through inner energy, elasticity, and logic; later he fell into a crude, materialistic Darwinism of cultural history, which then runs as a thread through his “Nibelungen” and so on. He must therefore go along with the descent into the lullaby of materialism. But this is the significant point: that we realize our time has the task of introducing into the spiritual process, into the process of human development, a recognition that springs from truly spiritual insight—the recognition that the world spirit has, so to speak, hinted at this through the tragic fate of a Julius Mosen: Human beings can no longer enter the spiritual world spontaneously and without further ado; there were times in the past when they could do so, when, due to the purely natural constitution of human beings, the spiritual-soul, astral body, and etheric body were also freer and more independent of the physical body; but that time has passed. In our present materialistic age—and this must remain so for the rest of our earthly existence and become even more intense—human beings, in their natural state, must maintain a close connection between the spiritual-soul and the physical-bodily. Yet this connection does not allow human beings to attain any awareness of the spiritual world through natural conditions alone. But this must occur precisely for that reason, so that the will can do so; so that, through permeation with the moment of Spiritual Science, human beings may, out of inner impulses of the will, out of freedom, in meditation and concentration, detach the spiritual-soul from the physical-bodily. For if one were to arrive at spiritual insights in the same way as human beings did in the past, one would have to be ill, paralyzed, and spend the second half of one’s life with paralyzed limbs. With the current organization, that was necessary. It was not necessary in the past. There, the human being did not need to be paralyzed; rather, the connection between the astral body, the etheric body, and the physical body was such that clairvoyant insight was present. Today, it was only possible through illness. This was, so to speak, established as a hallmark, which came to light in the case of Julius Mosen.

[ 24 ] So muß man den tiefen geistigen Zusammenhang der Weltenerscheinungen gerade durch die Geisteswissenschaft sich vor die Seele rufen, muß aber auch sich klarmachen, mit welchen tiefen geisthistorischen Impulsen innig zusammenhängt dasjenige, was notwendig macht, daß die Menschen allmählich zur Geisteswissenschaft übergehen. Das wird nicht erfordert durch irgendeine Willkür eines einzelnen, sondern durch den großen Gang, den eben die weltengeistige Entwickelung durch das ganze Erdenwerden nehmen muß. Des Menschen Mission und Aufgabe ist: gegen die Zukunft hin immer mehr und mehr wirklich in spirituelles Erleben überzugehen, damit die Menschheit nicht mit der ganzen Erdenkultur vertrocknet, damit der Geist wirklich weiterleben kann auf der Erde.

[ 24 ] Thus, one must bring to mind the profound spiritual connection between worldly phenomena precisely through Spiritual Science, but one must also realize the deep historical-spiritual impulses with which is intimately connected that which makes it necessary for people to gradually turn to Spiritual Science. This is not dictated by the arbitrary will of any individual, but by the great course that the development of the world spirit must take throughout the entire history of the Earth. It is humanity’s mission and task to transition more and more into genuine spiritual experience as we look toward the future, so that humanity does not wither away along with the entire culture of the Earth, and so that the spirit may truly continue to live on the Earth.

[ 25 ] Unter den vielen Dingen, welche solch eine Erkenntnis dem Menschen nahelegen können, ist auch das, was ich schon wiederholt ausgesprochen habe: daß zahlreiche Menschen jetzt in verhältnismäßig kurzem Zeitraum hinauftragen ihr seelisches Wesen, hinauftragen so, daß sie unverbrauchte Ätherleiber haben, die noch Kräfte enthalten, die noch durch Jahrzehnte hindurch hätten die physischen Leben versorgen können, und die dadurch, daß sie jetzt durch das furchtbare historische Ereignis durch die Pforte des Todes gehen, ihre Ätherleiber unverbraucht hinaufbringen in die geistige Welt. Das werden aber die großen Mitarbeiter werden in der Spiritualisierung der menschlichen Kultur. Und neben allem übrigen hat dieses große Zeitereignis eben diese ungeheuer tiefe Bedeutung in der Menschheitsentwickelung, daß durch das Schaffen unverbrauchter Ätherleiber Kräfte hinausströmen können in unsere Erdenentwickelung, die das Geistige zu bewahrheiten in der Lage sein werden. Aber so wie es nichts helfen würde, meine lieben Freunde, wenn noch so viele Sonnen in der Welt wären, wenn die Menschen nicht aufnehmen würden durch Augen das Sonnenlicht, so wie das Wort wahr ist, das Goethe ausgesprochen hat: «Wär’ nicht das Auge sonnenhaft, nie könnt’ die Sonne es erblicken», wie eben die Sonne vergeblich scheinen würde, wenn nicht Augen da wären, ihr Licht aufzunehmen — so müssen eben aus Erdenmenschenseelen heraus die Organe erwachen, um dasjenige wirklich aufzunehmen, was als geistiges Leben herunterströmt aus dem Kosmos und auch aus der Welt, in der die Menschen das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zubringen und in der auch die unverbrauchten Ätherleiber sind. Verbinden muß sich so dasjenige, was geopfert wird durch die großen Kriegsopfer, dem geistigen kosmischen Dasein, aufgenommen muß es werden durch Menschenseelen, welche für das Geistige empfänglich sind. Und ein Furchtbares wäre es, wenn nur fortleben würde diejenige Wissenschaft, die heute sich als die einzige dünkt, die nichts anderes tut, als die äußerlich wahrnehmbaren Tatsachen registrieren, und sie verwendet, um Verstandesurteile darüber zu fällen. Wenn die Wissenschaft nur Wiederholung ist desjenigen, was ohne die Wissenschaft da ist, so kann sie sich nicht mit Göttlich-Geistigem verbinden. Nur dasjenige, was in der Menschenseele wirklich über das Sinnlich-Wahrnehmbare hinaus erwachen kann, nur das kann sich mit dem realen Göttlich-Geistigen verbinden, so daß der Entwickelungsprozeß der Erde selber geistig, spirituell-lebendig bleibt. Aller Fortschritt der Menschheit beruht auf dem Eindringen des Spirituellen in den menschlichen Seelenentwickelungsprozeß, und allein vom Geiste aus ist es zu entscheiden, ob irgend etwas wahr oder falsch ist. Man glaubt heute, man könne ohne den Geist dieses oder jenes entscheiden, dieses oder jenes beweisen; die letzte Instanz, auch über sinnliche Wahrheiten zu entscheiden, ist aber das geistige Erleben.

[ 25 ] Among the many things that such an insight can suggest to people is what I have already stated repeatedly: that numerous people are now carrying their soul-beings upward in a relatively short period of time, carrying them upward in such a way that they have unspent etheric bodies that still contain forces which could have sustained their physical lives for decades, and who, by passing through the gate of death as a result of this terrible historical event, bring their unspent etheric bodies up into the spiritual world. These, however, will become the great collaborators in the spiritualization of human culture. And besides everything else, this great event of our time has precisely this immensely profound significance in human development: that through the creation of unspent etheric bodies, forces can flow out into our earthly development that will be able to bring the spiritual to life. But just as it would be of no help, my dear friends, if there were as many suns in the world as there are, if people did not take in the sunlight through their eyes—just as the words spoken by Goethe are true: “Were the eye not sun-like, the sun could never see it,” just as the sun would shine in vain if there were no eyes to receive its light—so too must the organs awaken within the souls of earthly human beings to truly receive that which flows down as spiritual life from the cosmos and also from the world where human beings spend their lives between death and a new birth, and where the unused etheric bodies also reside. Thus must that which is sacrificed through the great war victims be connected to spiritual cosmic existence; it must be received by human souls who are receptive to the spiritual. And it would be a terrible thing if only that science were to survive which today considers itself the sole authority, doing nothing other than recording externally perceptible facts and using them to pass intellectual judgments about them. If science is merely a repetition of what exists without science, it cannot connect with the Divine-Spiritual. Only that which can truly awaken in the human soul beyond the sensually perceptible—only that can connect with the real divine-spiritual, so that the Earth’s own process of development remains spiritual and spiritually alive. All human progress rests upon the penetration of the spiritual into the process of human soul development, and it is solely from the spirit that one must decide whether anything is true or false. People today believe they can decide this or that, or prove this or that, without the spirit; yet the final authority for deciding even regarding sensory truths is spiritual experience.

[ 26 ] Als das alte geistige Erleben in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts untergegangen ist, da wurde wiederum als ein Wahrzeichen, so möchte man sagen, hingestellt dasjenige, was der Geist wirken konnte in gewissen Menschen, um das Wesenlose einer bloß auf das Äußerlich-Sinnliche gerichteten Beweisführung zu zeigen. Ein Mann, der unter dem Namen Dr. Mises schreibt, er hat gerade in dieser Zeit manches geleistet, um zu zeigen, wie man alles, alles beweisen kann und auch das Gegenteil davon beweisen kann, und wie die letzte Instanz doch nur der Zusammenhang mit dem geistigen Leben ist. Zum Beispiel hat dieser Mann mancherlei erlebt von seiten der Naturwissenschaft, der medizinischen Wissenschaft her — er war selbst Mediziner —, er hat erlebt, daß alle Augenblicke ein neues Heilmittel auftaucht für diese oder jene Krankheit. Und so hat er gerade die Zeit erlebt, als man anfing, gegen den Kropf Jodin zu verschreiben. Es war nun die Zeit, in der dieses Heilmittel ganz besondere Triumphe feierte, in der man beweisen wollte — es war in den zwanziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts — welches kostbare Mittel eigentlich Jodin ist. Da hat sich denn einmal der Dr. Mises dahintergesetzt und hat gezeigt, daß man gut beweisen kann, nach all den naturwissenschaftlichen Grundsätzen, daß das Jodin etwas Ausgezeichnetes aus dem Grunde sei, weil man eben wirklich belegen könne, daß) der Mond aus Jodin besteht. Und er hat den unwiderleglichen Beweis geliefert, daß das so sei. Er wollte damit zeigen, daß man alles, was man will, beweisen kann. Und das kann man auch. Der Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, kann wirklich Ja und Nein mit Bezug auf jede Sache beweisen. Und es ist fast immer so, daß irgendeine wissenschaftliche Ansicht auftaucht und das Gegenteil zu einer anderen Zeit da ist; daß die Menschen das Ja ebensogut beweisen können auf der einen Seite wie das Nein auf der anderen. Dasjenige aber, was nicht ein solches ahrimanisches Auf- und Absteigen der Ja-Nein-Woge, sondern der wirkliche Fortschritt der guten Göttlichkeit der Menschheitsevolution ist, das beruht auf dem Spirituellen. Und klar müssen wir uns darüber sein, daß die Gegenwart ihre besonders charakteristischen Kulturtatsachen dadurch hervorgebracht hat, daß sie die Schlafenszeit der geistigen Wissenschaft ist und daß über alledem, was sich vielfach als Wissenschaft dünkt, eben gerade der geisuge Schlummer in besonderem Maße sich ausbreitet. Er ist notwendig, dieser geistige Schlummer. Das ist keine Kritik, die ich liefere, sondern nur die Konstatierung einer Tatsache. In aller Liebe muß eben erzählt werden, muß betont werden, daß es schon notwendig war, daß eine Zeit hindurch die ganze Wissenschaft sich schlafen legte mit Bezug auf die geistige Welt. Aber jetzt ist auch wiederum die Zeit, wo heraufkommen muß das lebendige Erwachen des geistigen Lebens, dieses geistigen Lebens, dessen Sehnsucht wir ja wirklich überall empfinden. Und das ist dasjenige, was die Empfindung begründen kann, meine lieben Freunde, die uns jetzt in dieser schmerzdurchwühlten Zeit beleben muß. Insofern wir nur eine Ahnung uns verschaffen können, daß der Mensch den Weg finden kann in die geistige Welt, müssen wir diesen Weg suchen; müssen wir suchen, daß sich begegnen unsere spirituellen Gedanken mit dem, was herunterströmt von den unverbrauchten Ätherleibern. Und das wird wirklich in der Zukunft geben können ein Zurückschauen auf unsere schmerzbewegten und schicksaltragenden Tage von einer gewissen spirituellen Höhe aus. Diese spirituelle Höhe wird kommen, wenn immer mehr und mehr Menschen aus ihrem wahrhaftigen Lebensbewußtseinsinhalt die geisteswissenschaftlichen Impulse finden. Und dann wird sich eben das zutragen, was ich aus tiefster Seele immer als einen Schlußgedanken Ihnen anführte in diesen Beobachtungen hier an dieser Stelle in den letzten Zeiten, was wir als eine Hoffnung aufnehmen wollen, als eine Hoffnung, die derjenige haben kann, aber auch haben sollte, der mit Geisteswissenschaft verbunden unsere schicksalschweren Tage durchlebt:

[ 26 ] When the old spiritual experience came to an end in the first half of the nineteenth century, what the spirit was able to accomplish in certain individuals was, one might say, held up once again as a symbol to demonstrate the emptiness of an argumentation focused solely on the external and sensory. A man writing under the name Dr. Mises achieved quite a lot during this very period to demonstrate how one can prove everything—absolutely everything—and also prove the opposite of it, and how the ultimate authority is, after all, only the connection with spiritual life. For example, this man had experienced various developments in the natural sciences and medical science—he was a physician himself—and he had witnessed how a new remedy for this or that disease appeared at every turn. And so he lived through the very time when people began prescribing iodine for goiter. It was a time when this remedy was celebrating particular triumphs, a time when people sought to prove—it was in the 1820s—just how valuable a remedy iodine actually is. So Dr. Mises set to work and demonstrated that one could easily prove, according to all the principles of natural science, that iodine was something exceptional for the very reason that one could actually demonstrate that the moon consists of iodine. And he provided irrefutable proof that this was the case. He wanted to show that one can prove anything one wants. And that is indeed possible. The intellect, which is bound to the brain, can truly prove “yes” and “no” with regard to any matter. And it is almost always the case that some scientific view emerges, and the opposite is present at another time; that people can prove “yes” just as well on one side as “no” on the other. But that which is not such an Ahrimanic rise and fall of the yes-no wave, but rather the true progress of the good divinity of human evolution, is based on the spiritual. And we must be clear that the present has brought forth its particularly characteristic cultural realities precisely because it is the time of slumber for spiritual science, and that over everything that often fancies itself to be science, this spiritual slumber is spreading to a special degree. This spiritual slumber is necessary. This is not a criticism I am offering, but merely the statement of a fact. With all love, it must be said, it must be emphasized, that it was indeed necessary for a time for all of science to fall asleep with regard to the spiritual world. But now is also the time when the living awakening of spiritual life must arise—this spiritual life whose longing we truly feel everywhere. And this is what can give rise to the feeling, my dear friends, that must now enliven us in this time ravaged by pain. To the extent that we can gain even a glimmer of the idea that human beings can find the path into the spiritual world, we must seek this path; we must seek to have our spiritual thoughts meet with what flows down from the unspent etheric bodies. And this will truly make it possible in the future to look back upon our pain-filled and fateful days from a certain spiritual height. This spiritual height will come when more and more people find the impulses of Spiritual Science within the true content of their life-consciousness. And then precisely what I have always presented to you from the depths of my soul as a concluding thought in these observations here at this point in recent times will come to pass—something we wish to embrace as a hope, as a hope that anyone connected to Spiritual Science who is living through these fateful days can have, but also should have:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of battle,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware,
Toward the realm of the spirit.