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The Rudolf Steiner Archive

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The Shaping of Destiny
and Life after Death
GA 157a

16 November 1915, Berlin

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Während der Kriegsjahre wurden von Rudolf Steiner vor jeden von ihm innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gehaltenen Vortrag in den vom Kriege betroffenen Ländern die folgenden Gedenkworte gesprochen:

[ 1 ] During the war years, Rudolf Steiner spoke the following words of remembrance before each lecture he gave within the Anthroposophical Society in the countries affected by the war:

[ 2 ] Wir gedenken, meine lieben Freunde, der schützenden Geister derer, die draußen stehen auf den großen Feldern der Ereignisse der Gegenwart:

[ 2 ] We remember, my dear friends, the guardian spirits of those who stand outside in the vast fields of current events:

Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit Eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the earthly people entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine with help
Upon the souls it lovingly seeks.

[ 3 ] Und zu den schützenden Geistern derer uns wendend, die infolge dieser Leidensereignisse schon durch des Todes Pforte gegangen sind:

[ 3 ] And turning to the guardian spirits of those who, as a result of these tragic events, have already passed through the gates of death:

Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit Eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings carry
The pleading love of our souls
To the beings of the spheres entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.

[ 4 ] Und der Geist, dem wir uns zu nahen suchen durch unsere Geisteswissenschaft seit Jahren, der Geist, der zu der Erde Heil und zu der Menschheit Freiheit und Fortschritt durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, Er sei mit Euch und Euren schweren Pflichten!

[ 4 ] And may the Spirit whom we have sought to draw near to through our Spiritual Science for years—the Spirit who brought healing to the Earth and freedom and progress to humanity through the Mystery of Golgotha—be with you and your heavy responsibilities!



[ 5 ] Da ich nach langer Abwesenheit zu meiner tiefen Befriedigung wiederum in Ihrer Mitte sein darf, so möchte ich die drei Vorträge dieser Woche vor allen Dingen dazu verwenden, unsere Blicke hinzuwenden auf Erkenntnisse der geistigen Welt, die in einem näheren oder entfernteren Zusammenhang stehen mit demjenigen, was uns ja aus den bedeutsamen, tief einschneidenden Zeitereignissen so sehr beschäftigen und berühren muß. Nicht zunächst auf diese Zeitereignisse selber soll der Blick geworfen werden, sondern auf dasjenige, was wohl in allen Seelen, in allen Empfindungen mit diesen Zeitereignissen wie Rätselfragen, wie bange Fragen an Menschen- und Weltenschicksal zusammenhängt: Auf jenes weitere Schicksal der Menschenseele, welchem die Menschenseele unterliegt auf demjenigen Felde des Weltendaseins, dem der Blick der Geisteswissenschaft ja auch zugewendet ist und das sich nicht erschöpft mit dem irdischen, dem materiellen Dasein, darauf soll der Blick gewendet werden. So nahe, meine lieben Freunde, liegt es uns ja in dieser Zeit, anzuklopfen an die Pforte, durch die das Menschenwesen dringt, wenn es diesen irdischen Leib in irgendeiner Form verläßt. Zu dem hin drängt es uns, zu dem das Menschenwesen aufblicken kann, wenn es einen höheren Trost, eine tiefere Kraftquelle braucht, als der Trost sein kann, der nur vom materiellen Leben kommt, als die Kraftquellen sein können, die nur innerhalb des materiellen Lebens liegen. Wie tausendfältig klopft die Stimme der geistigen Welt in unserer Zeit an unsere Herzen, auch solcher Menschen, die ja oftmals mit ihren Herzen nicht eindringen wollen in die geistige Welt, obwohl diese Herzen auch für jene Menschen die Fenster sind in die geistige Welt hinaus. Wie deutlich klopft so tausendfältig diese geistige Welt in unserer Zeit an diese Fenster, und wie muß es uns naheliegen, wiederum einmal von einem besonderen Gesichtspunkte aus zusammenzufassen mancherlei, was wir wissen können über diese geistige Welt.

[ 5 ] Since, after a long absence, I am once again able to be among you to my deep satisfaction, I would like to use this week’s three lectures above all to turn our gaze toward insights into the spiritual world that are connected, in a closer or more distant way, to what must so deeply concern and move us in light of the significant, profoundly transformative events of our time. Our gaze should not be directed primarily at these current events themselves, but rather at that which is connected in every soul, in every feeling, to these events—like riddles, like anxious questions regarding the fate of humanity and the world: Our gaze should be turned toward that broader destiny of the human soul to which the human soul is subject in that realm of worldly existence to which the gaze of Spiritual Science is also directed—a realm that is not limited to earthly, material existence. So close, my dear friends, is it to us at this time to knock on the gate through which the human being passes when it leaves this earthly body in whatever form. We are drawn toward that which the human being can look up to when it needs a higher comfort, a deeper source of strength, than the comfort that can come only from material life, than the sources of strength that lie only within material life. How a thousandfold does the voice of the spiritual world knock upon our hearts in our time, even upon the hearts of those people who often do not wish to enter the spiritual world with their hearts, even though these hearts are also windows for those people leading out into the spiritual world. How clearly this spiritual world is knocking a thousandfold at these windows in our time, and how natural it must be for us to once again summarize, from a particular perspective, the various things we can know about this spiritual world.

[ 6 ] Eine geistige Welt wird derjenige bald zugeben müssen, der über die engsten Vorurteile des Materialismus hinausgekommen ist, und engbegrenzte Vorurteile des Materialismus möchte ich die nennen, aus denen heraus das Dasein einer geistigen Welt überhaupt abgeleugnet wird. Etwas weiter ist ja schon der Blick derjenigen Menschen, die diese geistige Welt nicht ableugnen, sondern nur behaupten, man könne mit menschlichen Mitteln von dieser geistigen Welt nichts wissen. Wie gesagt, wenn man nicht auf dem ganz beschränkten materialistischen Standpunkt der ersteren Art steht und durch das menschliche Leben so weit gereift ist — und man kann bald so weit reifen —, eine geistige Welt — wenn man schon ihre Erkennbarkeit leugnen wollte — wenigstens zuzugeben, so wird man daran denken müssen, daß das Wissen, das man sich aneignen kann, und die Lebensresultate, die man erzielen kann durch die gewöhnliche materielle Welt, geringfügig sind gegenüber dem, was sich als ein weiter Reichtum 'ausbreitet in der geistigen Welt, die hinter der physisch-sinnlichen liegt.

[ 6 ] Anyone who has moved beyond the narrowest prejudices of materialism will soon have to admit the existence of a spiritual world, and I would call those the narrow-minded prejudices of materialism from which the existence of a spiritual world is denied altogether. The perspective of those who do not deny this spiritual world, but merely assert that nothing can be known about it by human means, is already somewhat broader. As I said, if one does not stand on the very limited materialistic standpoint of the former type and has matured through human life to the point—and one can soon mature to that point—where one — even if one were to deny its knowability — one must at least admit it, then one will have to consider that the knowledge one can acquire and the results one can achieve through the ordinary material world are insignificant compared to the vast wealth that lies in the spiritual world beyond the physical-sensory realm.

[ 7 ] Gewiß, es gibt in unserer Zeit engherzige materialistische Seelen, welche das ganze menschliche Wesen in so enge Grenzen fassen wollen, daß? man den Menschen anzusehen habe als nur ein wenig höher entwickelt als das Tier, aber ganz im Sinne der tierischen Entwickelung liegend. Gewiß, es gibt solche Menschen. Aber sie werden wohl immer weniger werden, denn, wie wir oftmals gesehen haben, schon die gewöhnliche Wissenschaft läßt diese Vorurteile nicht aufkommen. Und wenn man nur einmal anfängt zuzugestehen, daß im Menschenwesen noch etwas ist, was über das äußerlich Natürliche hinausragt, dann wird einem sehr bald eine Erkenntnis darüber aufgehen können, wie geringfügig, wie engbegrenzt dasjenige ist, was die physische, sinnliche Welt umfaßt, gegenüber dem Großen, Gewaltigen, das die ganze Welt umfaßt. Und wenn man dann auf den Menschen selber sieht, wenn man sich bewußst wird dessen, was im Menschen lebt und leben kann, so kann man doch nicht anders als sagen: So weit auch die geistige Welt reicht, so groß auch ihr Reichtum ist, der Mensch ist eine Art Mikrokosmos in sich. Man möge es für noch so unbekannt halten: in sein Wesen reicht herein der ganze Reichtum der geistigen Welt. Wie gesagt, mag für das sinnliche Anschauen jene Tiefe der Seele noch so verborgen sein, in die die tieferen Partien der geistigen Welt hineinreichen, sie reichen hinein in das menschliche Wesen. Der Mensch ist nicht nur, wie das sein physischer Leib ist, ein Zusammenwirken äußerer physischer Kräfte und Substanzen, der Mensch ist ein Ergebnis der ganzen Welt, ein wirklicher Mikrokosmos. Und vieles, was wir treiben, vieles, was wir aufsuchten, war ja dazu bestimmt, uns im einzelnen klarzumachen, inwiefern der Mensch ein Ergebnis der geistigen Welt ist, inwiefern in ihm wirklich zu suchen sind nicht nur die Kräfte dieser Erde, sondern die aller Himmel, könnte man sagen.

[ 7 ] Certainly, there are narrow-minded, materialistic souls in our time who wish to confine the entire human being within such narrow limits that one must regard humans as only slightly more highly developed than animals, yet entirely in line with animal evolution. Certainly, such people exist. But their numbers will likely dwindle, for, as we have often seen, even conventional science does not allow these prejudices to take root. And once one begins to concede that there is something in the human being that transcends the outwardly natural, then one will very soon come to realize how insignificant, how narrowly limited, is that which the physical, sensory world encompasses, compared to the great and mighty that encompasses the entire world. And when one then looks at the human being himself, when one becomes aware of what lives and can live within the human being, one cannot help but say: however far the spiritual world extends, however great its richness may be, the human being is a kind of microcosm in himself. One may consider it as unknown as one likes: the entire richness of the spiritual world reaches into his being. As I said, however hidden that depth of the soul may be to sensory observation—into which the deeper regions of the spiritual world reach—they do reach into the human being. The human being is not merely, as his physical body is, an interaction of external physical forces and substances; the human being is a product of the entire world, a true microcosm. And much of what we have been doing, much of what we have sought out, was indeed intended to make clear to us in detail to what extent the human being is a product of the spiritual world, to what extent one must truly seek within him not only the forces of this earth, but those of all the heavens, one might say.

[ 8 ] Wenn man aber nur einmal erfaßt wird von diesem Gedanken, dann wird einem auch klar, daß) man ja mit dem gewöhnlichen Wissen von dem Menschen im Grunde das allerwenigste weiß. Mit diesem gewöhnlichen Wissen weiß man einiges über die Gesetze der Natur, man erwirbt sich dieses Wissen zwischen Geburt und Tod. Aber man wird eben nur durch ein klein wenig Vertiefung in die Geisteswissenschaft — nicht einmal, indem man ihr Bekenner ist, sondern nur, indem man Lebensrätsel aufwirft — schon erkennen, daß man, wenn man den Menschen erkennen will, an etwas ganz anderes noch sich wenden muß als an das bißchen äußere Wissen, das man erwerben kann zwischen Geburt und Tod durch die äußeren Mittel des Leibes, durch die äußeren Sinne und den Verstand, der an das Gehirn gebunden ist.

[ 8 ] But once this thought takes hold, it becomes clear that) with our ordinary knowledge of human beings, we actually know very little indeed. With this ordinary knowledge, one knows something about the laws of nature; one acquires this knowledge between birth and death. But one comes to realize—even without being a proponent of Spiritual Science, merely by delving into it just a little — not even by professing it, but simply by posing life’s riddles — one will already recognize that if one wishes to understand human beings, one must turn to something entirely different from the scant external knowledge that can be acquired between birth and death through the body’s external means, through the external senses and the intellect bound to the brain.

[ 9 ] Nun, meine lieben Freunde, verbinden wir diesen Gedanken mit einem anderen, mit dem Gedanken, der sozusagen wie ein roter Faden durch alle unsere Betrachtungen geht: mit dem Gedanken der wiederholten Erdenleben. Was denen, die sich ein wenig beschäftigt haben mit unseren Anschauungen, bei diesem Gedanken der wiederholten Erdenleben zunächst am meisten auffallen muß, das ist, daß die Zeit, die wir hier zubringen zwischen Geburt und Tod, verhältnismäßig kurz ist gegenüber der Zeit, die wir in der geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zubringen. Von den verschiedensten Gesichtspunkten aus haben wir besprochen, daß in der Regel diese Zeit, die der Mensch zu durchleben hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, viel, viel länger ist als die verhältnismäßig kurze Zeit zwischen Geburt und Tod hier im physischen Leben.

[ 9 ] Well, my dear friends, let us connect this idea with another—the idea that runs, so to speak, like a common thread through all our reflections: the idea of repeated earthly lives. What must strike those who have given some thought to our views most immediately about this idea of repeated earthly lives is that the time we spend here between birth and death is relatively short compared to the time we spend in the spiritual world between death and a new birth. From a wide variety of perspectives, we have discussed that, as a rule, this time that a human being must live through between death and a new birth is much, much longer than the relatively short time between birth and death here in physical life.

[ 10 ] Es besteht zwischen den beiden Gedanken, die ich eben äußerte, ein Zusammenhang: das wenige, das wir uns hier erwerben an Wissen und Lebensfrüchten zwischen Geburt und Tod, das steht zu dem geistigen Reichtum der Welten, mit denen der Mensch zusammenhängt, ungefähr in demselben Verhältnis wie die kurze Zeit zwischen Geburt und Tod zu der langen Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Denn in der Tat, das wird Ihnen hervorgehen aus manchen Betrachtungen, die wir gepflogen haben, daß es ja die Aufgabe der Menschenseele ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, sich ganz andere Erkenntnisse und Kräfte anzueignen, als die Erkenntnisse und Kräfte sind, die man sich hier im physischen Leben aneignet. Wirklich, man kann sagen, meine lieben Freunde, wenn wir so hereintreten in das physische Erdenleben, wenn wir aus der geistigen Welt kommen und einverkörpert werden in den Leib, den uns die Vererbungslinie gibt von unseren Ahnen her, dann gehört es zu unserer Aufgabe, alle die Kräfte und alle die feinen Verzweigungen dieser Kräfte zu haben, die wir brauchen, um diesen unseren Leib durchzuorganisieren.

[ 10 ] There is a connection between the two thoughts I just expressed: the little knowledge and fruits of life we acquire here between birth and death stands in roughly the same relationship to the spiritual wealth of the worlds with which human beings are connected as the short time between birth and death does to the long time between death and a new birth. For indeed, as will become clear to you from many of the reflections we have made, it is the task of the human soul between death and a new birth to acquire insights and powers entirely different from those acquired here in physical life. Truly, my dear friends, one can say that when we enter physical life on Earth in this way—when we come from the spiritual world and are incarnated into the body that the hereditary line of our ancestors has given us—it is part of our task to possess all the powers and all the subtle ramifications of these powers that we need to organize our body throughout.

[ 11 ] Sehen Sie, unser Leib, so wie wir ihn bekommen, wird uns von unseren Eltern geboren. Aber mit diesem Leibe verbindet sich unser geistig-seelisches Wesen, das eine lange Zeit vorher durchgemacht hat in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt. Könnte man sehen — wenn es überhaupt berechtigt wäre, die Hypothese auch nur einen Augenblick in Erwägung zu ziehen —, was dieses äußere Menschenwesen werden kann nur durch die Kräfte der Vererbung, die Kräfte, die der Substanz eigen sind, die von den EItern uns übergeben werden, dann würden wir sehen, daß mit diesen Kräften der Mensch nicht werden kann der, der er ist. Wir müssen in diese Kräfte, die unser äußeres physisches Dasein darstellen, in diese Substanzen und Organgliederungen, in die Form, die wir von den Eltern bekommen, hineingießen dasjenige, was wir als Seele mitbringen, und es aus dem Abstrakten zu dieser individuellen Persönlichkeit machen, die wir sind. Wie gesagt, es ist eine törichte Hypothese, aber man kann sie aufstellen, um sich etwas klarzumachen: Denken wir uns einmal, was entstehen würde, wenn Sie alle nur von Ihren Eltern geboren sein könnten? Wir sehen dabei von Karma ab, sehen davon ab, daß wir natürlich in bestimmte Familien hineingeboren werden, wir sehen nur auf die physische Vererbung. Da würden Sie alle gleich sein als Menschen, da würden Sie nur den allgemeinen physischen Menschencharakter haben! Daß Sie ein ganz bestimmter individueller Mensch sind, daß soundsoviele individuelle Menschen hier vor uns sitzen, das rührt davon her, daß die allgemeine Menschheitsschablone bis in die feinste Gliederung ausziseliert ist von der geistigen Individualität, die aus der geistigen Welt kommt und untertaucht in dasjenige, was von Vater und Mutter gegeben wird. Dazu muß man ebenso, wie man Finger haben muß, um einen Gegenstand der physischen Welt zu ergreifen, und wie man eben den Gegenstand sehen muß, um ihn zu ergreifen, wie man dazu Organe haben und auch gelernt haben muß, etwas zu ergreifen — das Kind kann ja nicht einen Gegenstand ergreifen, es muß es erst lernen —, so muß man gelernt haben, sich anzuschließen all den einzelnen Organen, die unseren Organismus physisch bilden.

[ 11 ] You see, our physical body, as we receive it, is born to us from our parents. But our spiritual and soul being is connected to this body; this being has spent a long time in the spiritual world between death and rebirth. If one could see—assuming it were even justified to consider this hypothesis for a single moment—what this outer human being could become solely through the forces of heredity, the forces inherent in the substance handed down to us by our parents, then we would see that with these forces alone, the human being cannot become who he is. We must pour into these forces that constitute our outer physical existence—into these substances and organ structures, into the form we receive from our parents—that which we bring with us as a soul, and transform it from the abstract into this individual personality that we are. As I said, it is a foolish hypothesis, but one can pose it to clarify something: Let us imagine for a moment what would happen if you were all born solely from your parents? We are setting aside karma here, setting aside the fact that we are naturally born into specific families; we are looking only at physical heredity. Then you would all be the same as human beings; you would possess only the general physical human character! The fact that you are a very specific individual human being, that so many individual human beings are sitting here before us, stems from the fact that the general human template is chiseled down to its finest details by the spiritual individuality that comes from the spiritual world and merges into what is given by father and mother. For this, just as one must have fingers to grasp an object in the physical world, and just as one must first see the object in order to grasp it—and just as one must have the organs and have learned how to grasp something (after all, a child cannot grasp an object; it must first learn to do so)—so too must one have learned to connect with all the individual organs that physically constitute our organism.

[ 12 ] Nicht wahr, wir haben «im allgemeinen» Ohren, aber wir hören in individueller Weise. Wir haben «im allgemeinen» Augen, aber wir sehen in individueller Weise. Für die äußeren Organe ist es noch am wenigsten wahrnehmbar, für das innere Verhalten des Menschen aber, da fallt es schon stärker auf. Deshalb müssen wir unser Geistig-Seelisches hineinschieben in alle diese ganz allgemein gehaltenen Organe, wir müssen das ganz individuell gestalten, müssen die Kräfte, die innerlich-geistig-seelischen Handgriffe kennen, um das, was wir als Ohren, Nase, Augen, Gehirn, um all das, was wir als Vererbungsorgane erhalten haben, individuell zu gestalten. Das heißt, wir müssen, wenn wir in die physische Welt durch die Geburt eintreten, Kenntnisse haben, und nicht nur Kenntnisse, sondern praktische Möglichkeiten der Anwendung dieses ganzen Wunderbaues des Menschen, von dem wir so wenig durch äußere Wissenschaft wirklich wissen. Wir müssen zum Beispiel den ganzen feinen Bau des Gehirns innerlich kennen, weil wir ihn innerlich durchorganisieren müssen. Und alle diese geistig-seelischen Handgriffe, alles dieses, was uns möglich macht, überhaupt in einem Menschenleibe zwischen Geburt und Tod ein Mensch zu sein, all das müssen wir uns erwerben. Genau wie wir uns Geschicklichkeiten im Leben erwerben müssen, so müssen wir uns die Fähigkeit, im physischen Leben ein Mensch sein zu können, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt erwerben.

[ 12 ] Isn't it true that, “in general,” we have ears, but we hear in our own individual way? We have “in general” eyes, but we see in our own individual way. This is least noticeable in the external organs, but it becomes much more apparent in a person's inner behavior. That is why we must infuse our spiritual-soul life into all these organs, which are so generally defined; we must shape them in a wholly individual way, must know the inner spiritual-soul forces that enable us to individually shape what we have received as ears, nose, eyes, brain—all that which we have received as organs of heredity. This means that when we enter the physical world through birth, we must possess knowledge—and not merely knowledge, but practical ways to apply this entire marvelous structure of the human being, about which we know so little through external science. We must, for example, know the entire delicate structure of the brain from within, because we must organize it internally. And all these spiritual-soul processes, everything that makes it possible for us to be human beings in a human body between birth and death—all of this we must acquire. Just as we must acquire skills in life, so must we acquire the ability to be human in physical life, between death and a new birth.

[ 13 ] Das müssen wir ins Auge fassen, meine lieben Freunde, das muß uns ganz klar sein. Und wir werden uns dann auch einen Begriff machen können, was wir alles durch bloß physisches Wissen vom Menschen nicht erkennen und was wir erkennen müssen durch jenes andere Wissen, das wir uns praktisch anzueignen haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber wir wissen: Dasjenige, was wir uns aneignen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das ist ja aufgebaut auf alledem, was wir uns in den früheren Erdenleben angeeignet haben. Und so, wie geregelt ist in einer gewissen Weise unser physisches Leben hier zwischen Geburt und Tod, so ist auch in einer gewissen Weise geregelt unser Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Nicht wahr, wir treten in das physische Leben herein, man möchte sagen halb schlafend, träumend, als kleines Kind. Wir können zunächst nicht ein Gedächtnis entwickeln, wir lernen erst, ein Gedächtnis zu entwickeln. Wenn wir aber genauer zusehen, finden wir, daß in der Zeit, bis wir das Gedächtnis entwikkeln, gewisse Anpassungen an die äußere Welt erworben werden. Das Kind krabbelt zuerst und lernt dann erst greifen. Da werden gewisse Dinge erworben, systematisch erworben. Aber es wird vieles gelernt in dieser Zeit, viel mehr, als man gewöhnlich beobachtet. Dann wiederum ist jede einzelne Lebensepoche so verlaufend, daß das Spätere sich auf Früherem aufbaut. Das Menschenleben ist also auch hier zwischen Geburt und Tod in seinem Verlaufe aufgebaut, nicht nur in seinem körperlichen Bau. Ebenso geregelt ist das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Und da brauchen wir uns nur einzelnes vor die Seele zu rücken, das wir langst kennen, so werden wir gewahr werden, wie geregelt dieses Leben ist.

[ 13 ] We must face this fact, my dear friends; it must be perfectly clear to us. And we will then be able to grasp what we cannot recognize through mere physical knowledge of human beings, and what we must recognize through that other knowledge which we must acquire in practice between death and a new birth. But we know: what we acquire between death and a new birth is, after all, built upon everything we have acquired in our previous earthly lives. And just as our physical life here between birth and death is regulated in a certain way, so too is our life between death and a new birth regulated in a certain way. Isn’t it true that we enter physical life, one might say, half-asleep, dreaming, as a small child? At first we cannot develop a memory; we first learn to develop a memory. But if we look more closely, we find that in the time before we develop our memory, certain adaptations to the outer world are acquired. The child first crawls and only then learns to grasp. Certain things are acquired, systematically acquired. But much is learned during this time, far more than is usually observed. Then again, every single stage of life unfolds in such a way that what comes later builds upon what came before. Human life, then, is structured in this way between birth and death, not only in its physical form. Life between death and new birth is just as orderly. And if we simply bring to mind individual aspects that we have long known, we will become aware of how orderly this life is.

[ 14 ] Sehen Sie, das haben wir ja öfter betont, wir brauchen hier zu unserem seelischen Leben im physischen Dasein eine Vorstellung unseres Ich, die nicht abreißt, nachdem sie einmal geknüpft worden ist im zweiten, dritten, vierten Lebensjahr, an den Zeitpunkt, bis zu dem wir uns zurückerinnern. Bei Menschen, bei denen gewissermaßen dieser Ich-Faden abreißt, findet eine Störung des seelischen Gleichgewichts statt. Es gibt solche Menschen, ich habe es schon öfters erwähnt, aber das, was solche Menschen haben, ist immer eine schwere Seelenkrankheit. Es kommt vor, daß ein Mensch plötzlich herausgerissen wird aus dem Zusammenhang seines Ich. Er erinnert sich nicht an sein früheres Leben, das er gelebt hat. Er geht, sagen wir, zum Bahnhof, kauft sich ein Billett nach irgendeinem Ort. Sein Verstand funktioniert ganz ordentlich. Bei allen Übergangsstationen macht er alles Nötige ganz vernünftig. Aber er erinnert sich nicht an das, was vorher war. Sein inneres Leben ist nur ausgebreitet bis zu einem Punkte, wo er sich entschlossen hat, sich ein Billett zu kaufen und die Reise zu machen. Er reist in der Welt herum, sein Verstand ist ganz in Ordnung. Dann kommt ein Augenblick, wo er weiß: er ist «er». Vorher war sein Seelenleben gedächtnismäßig ausgelöscht. Der Verstand kann in Ordnung sein, das Gedächtnis ist ausgelöscht. Dann ist das Ich eben zerrissen, und der Mensch unterliegt einer schweren Seelenkrankheit.

[ 14 ] You see, as we have often emphasized, for our spiritual life within our physical existence, we need a mental image of ourselves that does not break off once it has been established in the second, third, or fourth year of life—the point in time as far back as we can remember. In people in whom this thread of the “I” breaks, so to speak, a disturbance of the soul’s equilibrium occurs. There are such people—I have mentioned this often—but what such people suffer from is always a serious illness of the soul. It happens that a person is suddenly torn out of the context of his “I.” He does not remember the life he has lived. He goes, let’s say, to the train station, buys a ticket to some place. His mind functions quite properly. At all the stops along the way, he does everything necessary quite sensibly. But he does not remember what came before. His inner life extends only up to the point where he decided to buy a ticket and make the journey. He travels around the world; his mind is perfectly fine. Then comes a moment when he knows: he is “himself.” Before that, his inner life had been erased from his memory. The mind may be fine, but the memory is erased. Then the self is torn apart, and the person suffers from a severe mental illness.

[ 15 ] Ich habe selbst einen Bekannten gehabt, der in einer verhältnismäßig hohen Stellung plötzlich von einer solchen Krankheit befallen wurde. Er bekam plötzlich den Drang, nachdem er alles vergessen hatte, was er selber war, herumzureisen. Er reiste, wie wir sagen würden, blindlings in der Welt herum von einem Ort zum andern und fand sich wiederum hier in Berlin in einem Asyl für Obdachlose. Da kam er wiederum darauf: Du bist der, der du bist! Die Zwischenzeit war zwar ganz verständig gewesen, aber hing nicht zusammen mit dem übrigen Leben. Dann überfiel ihn ein zweites Mal diese Krankheit; da hat er dann freiwillig den Tod gesucht, in dem Bewußtsein, in dem das Gedächtnis mit dem Ich noch ausgeschaltet war.

[ 15 ] I myself knew someone who, while holding a relatively high position, was suddenly struck by such an illness. After forgetting everything about who he was, he suddenly felt the urge to travel around. He traveled, as we would say, blindly around the world from one place to another and found himself back here in Berlin in a shelter for the homeless. Then it occurred to him again: You are who you are! The intervening period had indeed been quite lucid, but it did not connect with the rest of his life. Then this illness overtook him a second time; he then voluntarily sought death, in a state of consciousness in which memory and the ego were still shut down.

[ 16 ] Nun, sehen Sie, so wie in diesem Leben zwischen Geburt und Tod das Ich ein kontinuierlicher Faden sein muß, und in keinem Augenblick während des Tageslebens abgerissen werden darf diese Möglichkeit, sich an alles das zu erinnern, was verlaufen ist seit dem Zeitpunkt in der Kindheit, an den man sich zurückerinnert, so muß es auch sein in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Da müssen wir auch immer die Möglichkeit haben, unser Ich zu bewahren. Nun, diese Möglichkeit wird uns gegeben, und sie wird uns dadurch gegeben, daß die ersten Zeiten nach dem Tode eben so verlaufen, wie wir es öfter beschrieben haben. Die allererste Zeit nach dem Tode verläuft ja so, daß man wie in einem großen Tableau sein eben abgelaufenes Leben vor sich hat. Man umfaßt durch Tage hindurch, aber immer so, daß das Ganze da ist, gewissermaßen auf einmal sein bisheriges Leben. Man hat es wie in einem großen Panorama vor sich. Wenn man allerdings genauer zusieht, dann stellt sich heraus, daß diese Tage mit ihrem Rückblick auf das verflossene Leben sozusagen schon mit einer gewissen Nuance der Beobachtung behaftet sind. Man sieht gewissermaßen das Leben in diesen Tagen von dem Gesichtspunkte des Ich aus, man sieht besonders alles dasjenige, woran unser Ich beteiligt war. Ich will sagen, man sieht die Beziehungen, die man zu einem Menschen gehabt hat, aber man sieht diese Beziehungen zu dem Menschen in einem solchen Zusammenhange, daß man gewahr wird, welche Früchte für einen selbst diese Beziehung zu dem Menschen getragen hat. Man sieht also die Sache nicht ganz objektiv, sondern man sieht all das, was Früchte für einen selber getragen hat. Man sieht sich überall im Mittelpunkt drinnen. Und das ist unendlich notwendig, denn von diesen Tagen, wo man so alles sieht, was fruchtbar für einen geworden ist, geht aus jene innere Stärke und Kraft, die man braucht im ganzen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, um nun da den Ich-Gedanken festhalten zu können. Denn man verdankt die Kraft, das Ich festhalten zu können zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, diesem Anschauen des letzten Lebens; von dem geht diese Kraft eigentlich aus. Und insbesondere, meine lieben Freunde — ich muß das noch einmal betonen, wenn ich es auch hier schon gesagt habe -, insbesondere ist da der Moment des Sterbens von außerordentlicher Bedeutung.

[ 16 ] Now, you see, just as in this life between birth and death the “I” must be a continuous thread—and at no moment during daily life may this ability to remember everything that has transpired since the earliest point in childhood that one can recall be severed—so too must it be in the life between death and new birth. There, too, we must always have the possibility of preserving our self. Well, this possibility is given to us, and it is given to us because the first moments after death unfold exactly as we have often described. The very first moments after death unfold in such a way that one has one’s life just passed before one, as in a great tableau. One surveys it day by day, yet always in such a way that the whole is there—one’s life up to that point, as it were, all at once. One has it before one as in a vast panorama. If, however, one looks more closely, it turns out that these days, with their retrospective view of the life that has passed, are, so to speak, already imbued with a certain nuance of observation. One sees life during these days, so to speak, from the perspective of the “I”; one sees, in particular, everything in which one’s “I” was involved. I mean to say, one sees the relationships one has had with a person, but one sees these relationships with that person in such a context that one becomes aware of what fruits this relationship with that person has borne for oneself. So one does not see things entirely objectively, but rather sees everything that has borne fruit for oneself. One sees oneself at the center of everything. And this is infinitely necessary, for from these days, when one sees everything that has become fruitful for oneself, flows that inner strength and power one needs throughout the entire life between death and a new birth, in order to be able to hold fast to the ego-idea there. For one owes the power to hold onto the “I” between death and a new birth to this looking back on one’s last life; that is actually the source of this power. And in particular, my dear friends—I must emphasize this once more, even though I have already said it here—in particular, the moment of dying is of extraordinary significance.

[ 17 ] Der Tod ist etwas, was am allermeisten zwei total voneinander verschiedene Seiten hat. Der Tod von hier aus, von der physischen Welt aus gesehen, hat gewiß viele trostlose Seiten, viele schmerzliche Seiten. Aber es ist wirklich so, daß man von hier aus den Tod von der einen Seite nur ansieht, wenn man aber gestorben ist, sieht man ihn von der anderen. Da ist er das befriedigendste, vollkommenste Ereignis, das man überhaupt erlebt, denn er ist da lebendige Tatsache. Während er hier ein Beweis dafür ist, auch für unsere Empfindung, für unser Gefühl, wie hinfällig, wie vergänglich das physische Leben des Menschen ist, ist der Tod, angeblickt von der geistigen Welt aus, gerade ein Beweis dafür, daß immerdar der Geist den Sieg über alles Ungeistige davonträgt, daß immerdar der Geist das Leben ist, das unvergängliche, das nie versiegende Leben. Er ist gerade ein Beweis dafür, daß es keinen Tod gibt in Wirklichkeit, daß der Tod eine Maja, ein Schein ist. Darin liegt auch der große Unterschied zwischen dem Leben von dem Tode bis zu einer neuen Geburt und dem Leben hier von der Geburt bis zum Tode.

[ 17 ] Death is something that, above all else, has two sides that are completely different from one another. Viewed from here, from the physical world, death certainly has many bleak aspects, many painful aspects. But it is truly the case that from here we see death only from one side; yet once we have died, we see it from the other. There it is the most satisfying, most perfect event one can ever experience, for there it is a living reality. While here it is proof—even to our perception, to our feeling—of how fleeting, how transient human physical life is, death, viewed from the spiritual world, is precisely proof that the spirit always triumphs over all that is non-spiritual, that the spirit is always life—the imperishable, the never-ending life. It is precisely proof that there is no death in reality, that death is a maya, an illusion. Herein lies the great difference between the life from death to a new birth and the life here from birth to death.

[ 18 ] Denn sehen Sie, kein Mensch kann sich mit gewöhnlichen physischen Erkenntnismitteln an seine eigene Geburt erinnern. Die eigene Geburt kann niemand aus der Erfahrung beweisen, weil er sie nicht gesehen hat. Die Geburt ist etwas, das vor dem Menschenauge hier im physischen Leben nicht stehen kann. Die Geburt liegt vor der Zeit, an die man sich erinnert. Und die Geburt steht nie da. Der Tod aber - und dadurch unterscheidet er sich von der Geburt in seiner Bedeutung nach dem Tode - steht immer als das größte, bedeutendste, lebendigste, vollkommenste Ereignis vor dem geistigen Auge in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Denn der Tod ist eben das, wovon wir unser Ich-Bewußtsein nach dem Tode haben. Und ebenso wie es uns hier in unserem physischen Leben unmöglich ist, uns an unsere Geburt zu erinnern, ebenso notwendig und selbstverständlich ist es in der ganzen Zeit, die wir in der geistigen Welt verbringen, in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, daß immer der Moment, wo der Geist sich losringt von dem Leibe, vor unserem geistig-seelischen Blick steht. Denn aus diesem Tode heraus fließt uns eben im Zusammenhang mit dem, was wir hier erlebt haben, die Kraft, die wir brauchen, um uns als Ich zu fühlen. Man möchte sagen: könnten wir nicht sterben, so könnten wir ein geistiges Ich überhaupt nicht erleben. Denn daß wir ein geistiges Ich erleben, verdanken wir dem Umstande, daß wir physisch sterben können. So also liegt die Sache für unser Ich. Dieses Ich wird gestärkt und gekräftigt dadurch, daß wir die ersten Tage, in denen wir noch im Ätherleibe sind, nach dem Tode erleben. Dann wird dieser Ätherleib abgelegt, und wir erleben rücklaufend das Leben, das wir den Durchgang der Menschenseele durch die Seelenwelt nennen können, ein Leben, das nun schon länger dauert als das kurze, nur Tage andauernde Leben, das unmittelbar auf den physischen Tod folgt.

[ 18 ] For you see, no human being can recall their own birth using ordinary physical means of perception. No one can prove their own birth from experience, because they did not witness it. Birth is something that cannot appear before the human eye here in physical life. Birth lies before the time of which one has memories. And birth is never present. Death, however—and this is how it differs from birth in its significance after death—always stands before the spiritual eye as the greatest, most significant, most vivid, and most perfect event in the time between death and a new birth. For death is precisely that from which we derive our sense of self after death. And just as it is impossible for us here in our physical life to remember our birth, so too is it necessary and natural throughout the entire time we spend in the spiritual world, in the life between death and a new birth, that the moment when the spirit breaks free from the body always stands before our spiritual-soul vision. For it is precisely from this death, in connection with what we have experienced here, that the strength flows to us that we need to feel ourselves as an “I.” One might say: if we could not die, we could not experience a spiritual I at all. For the fact that we experience a spiritual I is due to the circumstance that we can die physically. This, then, is the nature of the matter for our I. This I is strengthened and invigorated by the fact that we experience the first days after death while we are still in the etheric body. Then this etheric body is shed, and we experience in retrospect the life that we might call the human soul’s passage through the soul world—a life that now lasts longer than the brief life, lasting only a few days, that immediately follows physical death.

[ 19 ] Nun ist die Meinung sehr verbreitet, daß derjenige, der in die geistige Welt hineinsehen kann, sogleich alles überschaut. Ich habe das schon oft korrigiert. Nichts macht so bescheiden, als das wirkliche Hineinsehen in die geistige Welt. Denn man kann lange hineinsehen, aber das Erforschen der einzelnen Tatsachen der geistigen Welt, das ist eben in der geistigen Welt mit den Kräften der geistigen Welt eine wirklich lange, lange Arbeit, und es ist ein Vorurteil, wenn man glaubt, daß derjenige, der in die geistige Welt hineinsieht, nun gleich über alles Auskunft geben könne. Und gerade so, wie hier in der physischen Welt nach und nach die Dinge erforscht werden, von Epoche zu Epoche, so ist das auch für das geistige Leben so, daß nach und nach die Dinge erforscht werden. Aber gerade — und jetzt möchte ich auf einen Punkt eingehen, der doch der einen oder anderen hier sitzenden Seele wichtig sein muß -, gerade die absolute Zusammenstimmung der einzelnen geistigen Tatsachen, wenn man sie so nach und nach erforscht, wie sie sich immer wieder und wiederum herausstellen von neuem, die kann auch demjenigen, der noch nicht in die geistige Welt hineinsieht, ein Beweis der Berechtigung desjenigen sein, was in ehrlichem Forschen errungen wird aus der geistigen Welt. In meiner «Geheimwissenschaft» habe ich schon bestimmte Zeiten angegeben, wie lange die einzelnen Abschnitte in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt dauern, aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus. Nun gibt es aber noch einen anderen Gesichtspunkt, den ich jetzt anführen möchte und den ich in meiner «Geheimwissenschaft» noch nicht angeführt habe, aus einem einfachen Grunde, den ich Ihnen nicht verhehlen möchte, damit Sie auch daraus entnehmen können, daß hier in ehrlicher, aufrichtiger Weise Geisteswissenschaft getrieben wird: aus dem einfachen Grunde, weil ich es dazumal noch nicht gewußt habe, sondern es erst nachher erforschen konnte. Es ergibt sich nämlich ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Leben, das als geistiges Leben hier auf dem physischen Plan entfaltet werden kann, und dem geistigen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 19 ] Now, it is a very common belief that anyone who can glimpse into the spiritual world immediately sees everything. I have corrected this misconception many times. Nothing makes one as humble as truly looking into the spiritual world. For one can look into it for a long time, but the exploration of the individual facts of the spiritual world—that is, in the spiritual world itself using the powers of the spiritual world—is truly a long, long process, and it is a prejudice to believe that anyone who looks into the spiritual world can immediately provide information about everything. And just as here in the physical world things are gradually investigated, from epoch to epoch, so it is also in spiritual life that things are gradually investigated. But precisely—and now I would like to address a point that must surely be important to one or another soul sitting here— precisely the absolute harmony of the individual spiritual facts—when one investigates them step by step, as they repeatedly emerge anew—can also serve as proof, even to those who do not yet look into the spiritual world, of the validity of what is gained through honest research from the spiritual world. In my *Secret Science*, I have already specified certain durations for the individual phases of life between death and rebirth, from various perspectives. Now, however, there is another perspective that I would like to mention here and which I have not yet mentioned in my *Secret Science*, for a simple reason that I do not wish to conceal from you, so that you may also see from this that Spiritual Science is being pursued here in an honest, sincere manner: for the simple reason that I did not know it at the time, but was only able to investigate it later. For there is a certain connection between the life that can be unfolded as spiritual life here on the physical plane and the spiritual life between death and a new birth.

[ 20 ] Sie wissen ja, daß wir unser Leben hier als physisches Leben verbringen in Wachen und Schlafen, daß wir einerseits ein volles Bewußtsein haben im Wachzustand und daß dann für den normalen Menschen ein unbewußter Zustand verläuft in der Zeit zwischen Einschlafen und Aufwachen. Sie wissen auch aus dem, was auseinandergesetzt worden ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten%», daß dieses Schlafesleben durchstrahlt werden kann von Bewußtsein, daß man hineinschauen kann in dasjenige, was zwischen dem Einschlafen und Aufwachen geschieht. Wenn man nun dazu gelangt, immer mehr und mehr kennenzulernen das Leben, das der Mensch hier zwischen Geburt und Tod verbringt im Schlafe, da lernt man ja wirklich einen ungeheuren Reichtum des Lebens kennen. Ein ungeheurer Reichtum des Menschenlebens verfließt eben für das normale menschliche Dasein in diesem unbewußten Zustande zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Da geht ungeheuer viel vor. Und dasjenige, was sehr bald auffällt in diesem Schlafesleben, das ist das, daß dieses Schlafesleben ein ungeheuer viel aktiveres Leben ist als das Leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen.

[ 20 ] As you know, we spend our lives here as physical beings in a cycle of waking and sleeping; on the one hand, we are fully conscious while awake, and for the average person, an unconscious state occurs during the time between falling asleep and waking up. You also know from what has been explained in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* that this life of sleep can be permeated by consciousness, that one can look into what happens between falling asleep and waking up. When one comes to know more and more about the life that a person spends here between birth and death in sleep, one truly comes to know an immense richness of life. An immense richness of human life flows past the normal human existence in this unconscious state between falling asleep and waking up. An immense amount is happening there. And what becomes apparent very quickly in this life of sleep is that this life of sleep is an immensely more active life than the life from waking up until falling asleep.

[ 21 ] Wir sind ja während des Schlafens in unserem Ich und Astralleibe und haben sozusagen außer uns liegen unseren physischen Leib und den Ätherleib. Nun gewiß, auch dieses äußere Leben ist ein aktives Leben, bei manchen Menschen ja sogar ein sehr aktives Leben. Es kommt einem nämlich so aktiv vor, weil wir alle die Passivitäten, die in diesem äußeren Leben sind, eigentlich gar nicht so sehr in Erwägung ziehen. Wirklich, wenn alles aus unserer Initiative hervorgehen müßte, was das äußere Leben trägt, dann würden wir uns sehr verwundern, wie anders es vor sich gehen würde. Denken Sie einmal: Sie stehen jeden Morgen auf. Sie kommen kaum zu dem Entschluß, aufzustehen, Sie tun es aus Gewohnheit. Und Sie kommen wirklich nicht zu einer genaueren Erkenntnis dessen, was das heißt, daß man so zusammenhängt mit der ganzen Welteinrichtung, daß man in gewissen Zeiten in dem einen und anderen Zustand sein Leben zubringen muß, daß das in entsprechender Weise pendeln muß - ja, wo wäre solche Überlegung, das verläuft ganz gewohnheitsmäßig. Und nun versuchen Sie einmal zu überlegen, wie vieles so verläuft, daß wir gewissermaßen als Automaten durch das Leben gehen. Dann kommen Sie darauf, zu erkennen, daß ungeheuer viel Passives ist im Leben zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen, aber viel Aktives in dem Leben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Da ist völlige Aktivität, ungeheure Aktivität. Interessant ist, daß Menschen, die verhältnismäßig träge sind im äußeren Leben zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen, gerade die geschäftigsten sind zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Da ist der Mensch ungeheuer tätig, nur im normalen Leben weiß er es nicht. Und wenn man genauer hineinsieht in das, was die Seele — also Ich und Astralleib - da treibt, so ist diese Tätigkeit wirklich mit dem ganzen Dasein des Menschen innig zusammenhängend. Wenn wir so durch das Leben schreiten, nehmen wir ja bewußt außerordentlich wenig von diesem Leben mit. Wir verarbeiten das Leben, so wie es äußerlich an uns herankommt, durchaus nicht vollständig. Ich möchte ein naheliegendes Beispiel nehmen. Sehen Sie, jetzt hören Sie sich diesen Vortrag an, der, sagen wir, eine Stunde dauert. Ja, wirklich ohne irgend jemandem nahetreten zu wollen von den lieben Freunden, die hier sitzen, darf ich sagen: Es wäre möglich, ungeheuer viel mehr in den Worten dieses Vortrages zu hören, als die einzelnen verehrten Freunde hören, die hier sitzen. Denn es wäre möglich, viel mehr zu hören, als ich selber weiß von dem, was ich sagen kann. Aber Sie werden - dieses soll nur gesagt werden, um das andere zu betonen — nach Hause gehen, Sie werden sich ins Bett legen und schlafen und morgen früh aufwachen. Und in der Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen werden Sie - allerdings ganz unbewußt für das normale Bewußtsein — vieles von dem, was Sie jetzt gar nicht in der Lage sind zu hören, verarbeiten. Sie verarbeiten es ungeheuer genau in Ihrem nächsten Schlafe, und vielleicht auch noch in den anderen Nächten verarbeiten Sie es. Man sieht die Seele in einer ganz anderen Weise zwischen Einschlafen und Aufwachen das verarbeiten, was aufgenommen wird. Und selbst wenn das vorkäme, daß jemand sehr unaufmerksam zugehört hätte, aber nur etwas hingebungsvoll wäre, so würde er schon durch das Hingebungsvolle doch mit seiner Seele verbinden dasjenige, was in dem Vortrag an geistigen Potenzen, an geistigen Impulsen liegt. Und das würde dann während des Schlafes verarbeitet, wie wir es brauchen, nicht nur für das nächste Leben bis zum Tode, sondern über den Tod hinaus.

[ 21 ] While we sleep, we are in our ego and astral body, and our physical body and etheric body lie, so to speak, outside of us. Now, certainly, this outer life is also an active life—for some people, indeed, a very active life. It seems so active to us because we don’t really take into account all the passivity that exists in this outer life. Truly, if everything that sustains our outer life had to arise from our own initiative, we would be very surprised at how differently things would unfold. Just think: you get up every morning. You hardly make a conscious decision to get up; you do it out of habit. And you really don’t come to a deeper understanding of what it means to be so interconnected with the entire structure of the world that at certain times you must spend your life in one state or another, that this must oscillate accordingly—indeed, where would such reflection be? It all proceeds entirely out of habit. And now try to consider how much of life proceeds in such a way that we go through life, so to speak, like automatons. Then you come to realize that there is an immense amount of passivity in life between waking and falling asleep, but a great deal of activity in life between falling asleep and waking up. There is complete activity, immense activity. It is interesting that people who are relatively sluggish in their outer life between waking and sleeping are precisely the busiest between sleeping and waking. There the human being is tremendously active; only in normal life does he not know it. And if one looks more closely at what the soul—that is, the I and the astral body—is doing there, this activity is truly intimately connected with the whole of the human being’s existence. As we go through life in this way, we consciously take in extraordinarily little of this life. We do not process life, as it comes to us externally, in any way completely. I would like to take an obvious example. You see, right now you are listening to this lecture, which, let’s say, lasts an hour. Yes, truly, without wishing to offend any of the dear friends sitting here, I may say: It would be possible to hear an immense amount more in the words of this lecture than the individual esteemed friends sitting here are hearing. For it would be possible to hear much more than I myself know of what I can say. But you will—this is only said to emphasize the other point—go home, lie down in bed, and sleep, and wake up tomorrow morning. And in the time between falling asleep and waking up, you will—though completely unconsciously to your normal consciousness—process much of what you are not at all able to hear right now. You process it with tremendous precision during your next sleep, and perhaps you process it on other nights as well. One sees the soul processing what has been taken in in a completely different way between falling asleep and waking up. And even if it were to happen that someone listened very inattentively, but was only somewhat devoted, they would, through that devotion alone, connect with their soul what lies in the lecture in terms of spiritual potentials and spiritual impulses. And that would then be processed during sleep, as we need it—not only for the next life until death, but beyond death.

[ 22 ] So verarbeiten wir das ganze Leben, wie es verläuft im Wachzustande, vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Alles, was wir den Tag über erleben, das verarbeiten wir während der Nacht, so daß wir sozusagen Lehren daraus ziehen, wie wir es brauchen für unser ganzes folgendes Leben über den Tod hinaus, bis in die nächste Inkarnation hinein. Wir sind unsere eigenen prophetischen Verarbeiter unseres Lebens, wenn wir in Schlaf versinken. Dieses Schlafleben ist ein tief Rätselvolles, weil es viel inniger zusammenhängt mit dem, was wir erleben, als es mit dem äußeren Bewußtsein zusammenhängen kann. Aber wir verarbeiten das alles unter dem Gesichtspunkte seiner Fruchtbarkeit für das folgende Leben. Was wir aus uns machen können dadurch, daß wir das erfahren haben, darauf geht unsere Arbeit in der Zeit zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Wenn wir in der Seele energischer, mächtiger werden oder wenn wir uns Vorwürfe zu machen haben -: wir verarbeiten das, was wir auf diese Art erleben, so, daß es Lebensfrucht wird. Sie sehen daraus, meine lieben Freunde, daß dieses Leben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen wirklich ungeheuer bedeutungsvoll ist, daß es tief einschneidet in das ganze Menschenrätsel.

[ 22 ] This is how we process our entire life as it unfolds while we are awake, from the moment we wake up until we fall asleep. Everything we experience during the day, we process during the night, so that we draw lessons from it, as it were, as we need them for our entire subsequent life beyond death, right into the next incarnation. We are our own prophetic processors of our lives when we sink into sleep. This life of sleep is deeply mysterious, because it is much more intimately connected with what we experience than it can be with our outer consciousness. But we process all of this from the perspective of its fruitfulness for the life to come. What we can make of ourselves through having experienced this is the focus of our work in the time between falling asleep and waking up. Whether we become more energetic and powerful in our souls, or whether we have cause to reproach ourselves—we process what we experience in this way so that it becomes the fruit of life. You can see from this, my dear friends, that this life between falling asleep and waking up is truly immensely significant, that it cuts deeply into the whole mystery of the human being.

[ 23 ] Nun kommt dem Geistesforscher eines Tages die Intention - ja, man kann wohl sagen, die Absicht kommt dem Geistesforscher eines Tages -, nun einmal dieses Leben des Schlafes zu vergleichen mit einem anderen Leben, mit einem außersinnlichen Leben. Und da verfällt er dann darauf, es zu vergleichen mit den Tagen, die folgen auf das Lebenstableau, im Kamaloka. Und siehe da, meine lieben Freunde — aber es ergibt sich das eben erst dem Blick der Forschung -, während man sich hier im Leben gedächtnismäßig erinnert an all das, was man im Tagesleben erlebt hat, nach dem Tode, nachdem der Moment vorbei ist, bis zu dem das Lebenstableau gedauert hat, da bekommt man ein Gedächtnis für alle seine Nächte. Und das ist ein wichtiges Geheimnis, das einem aufgeht. Man erinnert sich an alles Nachtleben. Dieser Rückgang stellt sich so dar, daß man wirklich von der letzten Nacht, die man hier verbracht hat im Leben, zur vorhergehenden und so immer weiter zurücklebt. Man erlebt da das ganze Leben wieder zurück, aber so, wie man es angeschaut hat von der Nachtseite aus. Also alles das, was man über das Leben unbewußt gedacht und geforscht hat, erlebt man wiederum im rücklaufenden Gedächtnis. Man geht sein Leben wirklich durch, aber nicht von der Tagseite aus.

[ 23 ] One day, the spiritual researcher is struck by the idea—indeed, one might well say that the intention comes to the spiritual researcher one day—to compare this life of sleep with another life, with a supersensory life. And so he then takes it upon himself to compare it with the days that follow the tableau of life, in the Kamaloka. And lo and behold, my dear friends—but this only becomes apparent to the researcher’s gaze—while here in life one recalls, through memory, all that one has experienced in daily life, after death, once the moment has passed when the tableau of life ended, one acquires a memory of all one’s nights. And this is an important secret that dawns on one. One remembers all of one’s night life. This regression takes the form of actually reliving one’s life from the last night spent here in life back to the previous one, and so on. One relives one’s entire life there, but as viewed from the night side. Thus, everything one has unconsciously thought and explored about life is experienced anew in this backward-flowing memory. One truly goes through one’s life, but not from the perspective of the day.

[ 24 ] Wie lange kann das ungefähr dauern? Nun, denken Sie sich, daß man ungefähr ein Drittel seines Lebens verschläft. Es gibt Menschen, die schlafen natürlich noch viel länger, aber im Durchschnitt ist es doch ein Drittel des Lebens, das man verschläft. Deshalb dauert auch der Rückgang ungefähr ein Drittel des verbrachten Erdenlebens, weil man die Nächte durchlebt. Denken Sie, wie wunderbar das zusammenstimmt mit den anderen Gesichtspunkten, die sich ergeben. Wir haben immer gesagt, daß das Kamaloka-Leben ungefähr ein Drittel dauert der Lebensdauer. Wenn man aber das vorher Gesagte in Betracht zieht, dann sieht man ein, daß es wiederum ein Drittel sein muß. So stimmen die Dinge zusammen! Alle einzelnen Dinge stimmen immer wieder zusammen. Das ist das Wunderbare bei der Geistesforschung: Man lernt eine Tatsache kennen, und ist sie bestimmt, so lernt man sie von einer anderen Seite kennen. Es ist so, wie wenn man auf einen Berg steigt: Da hat man eine Aussicht einmal von der einen Seite und dann von einer anderen Seite. Trotz der Verschiedenheit wird das Wesentliche immer zusammenstimmen. So können wir hier sagen: Im Erdenleben zwischen Geburt und Tod durchlebt man das Leben so, daß es einem immer abgerissen wird, daf3 es einem immer unterbrochen wird durch das Nachtleben, und man erinnert sich an das Tagesleben, an die Dinge, die man im Tagesleben erlebt hat. Aber in dem Nachtleben hat man sich in anderer Weise mit diesen Dingen beschäftigt, man hat sie, wie gesagt, nur verarbeitet. An das, woran man sich im physischen Leben nicht erinnern kann, daran erinnert man sich aber während des Kamaloka-Lebens. Das ist nun ein wichtiger Zusammenhang, und daraus werden Sie manches begreifen, was vielleicht sonst nicht so ohne weiteres zu begreifen ist.

[ 24 ] How long might that take, roughly? Well, just think about it: we spend about a third of our lives sleeping. Of course, some people sleep much longer than that, but on average, we do spend a third of our lives asleep. That is why the descent also takes about a third of one’s time spent on Earth, because one lives through the nights. Think how wonderfully this harmonizes with the other points of view that arise. We have always said that life in the Kamaloka lasts about a third of one’s lifespan. But if one takes the above into account, one realizes that it must again be a third. That is how things harmonize! All individual things harmonize time and again. That is the marvelous thing about spiritual research: one learns a fact, and if it is meant to be, one comes to know it from another perspective. It is like climbing a mountain: there one has a view from one side and then from another. Despite the differences, the essential will always align. So we can say here: In earthly life between birth and death, one lives life in such a way that it is always cut short, because it is always interrupted by night life, and one remembers day life, the things one has experienced in day life. But in the night life, one has dealt with these things in a different way; one has, as I said, merely processed them. What one cannot remember in physical life, one does remember during the Kamaloka life. This is an important connection, and from it you will understand many things that might otherwise not be so easily grasped.

[ 25 ] Sehen Sie, insbesondere in unserer jetzigen Zeit gehen ja sehr viele, verhältnismäßig junge Menschen durch die Pforte des Todes hindurch. Ich habe schon von vielen Gesichtspunkten aus gesagt, was das für eine Bedeutung hat für das gesamte Leben des Menschen. Aber sehen wir zunächst nur auf die beiden Abschnitte, die wir jetzt charakterisiert haben - auf anderes werden wir noch kommen in diesen Tagen -, auf das Leben, das nur Tage dauert, im Ätherleib, wo man das Lebenstableau vor sich hat, und dann auf das Leben der Seele in der Seelenwelt. Indem man nachtweise das vorhergehende Erdenleben durchschreitet, wird man leicht einsehen können, warum der Geistesforscher sagen muß: Schon diese beiden Abschnitte des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt sind anders für einen Menschen, der verhältnismäßig früh durch die Pforte des Todes gegangen ist, als für einen, der erst spät durch sie hindurchgegangen ist. Das geht uns ja nahe, weil jetzt so viele Menschen in verhältnismäßig frühem Alter durch die Pforte des Todes gehen.

[ 25 ] You see, especially in our time, a great many relatively young people are passing through the gates of death. I have already explained from many different perspectives what significance this has for the entirety of human life. But let us first consider only the two phases we have just described—we will address other aspects in the coming days—namely, the life that lasts only a few days in the etheric body, where one has the tableau of life before one’s eyes, and then the life of the soul in the soul world. As one passes through the previous earthly life in stages, one will easily be able to see why the spiritual researcher must say: Even these two phases of life between death and new birth are different for a person who has passed through the gate of death relatively early than for one who has passed through it only late. This is particularly relevant to us, because so many people now pass through the gate of death at a relatively early age.

[ 26 ] Sehen Sie, es ist ja so, daß wirklich die einzelnen Abschnitte, die ich angegeben habe für das physische Leben, für dieses Leben eine große Bedeutung haben. Ich habe die Lebensabschnitte angegeben: den ersten bis zum siebenten Jahre, bis zum Zahnwechsel, dann bis zum vierzehnten Jahre, zur Geschlechtsreife, dann bis zum einundzwanzigsten Jahre und so weiter, von sieben zu sieben Jahren. Und wenn Sie das ernst nehmen, was in diesen Unterscheidungen des dahinfließenden Lebens liegt, so ist uns ja das fünfunddreißigste Jahr ein wichtiger Lebensabschnitt. Bis dahin sind wir sozusagen in einer Art von Vorbereitung, während wir später die Vorbereitung beendet haben und das Leben mehr aufbauen auf Grundlage dessen, was bis zum fünfunddreißigsten Jahr vorbereitet wurde. Dieses fünfunddreißigste Lebensjahr hat eine sehr große Bedeutung. Bis dahin dauert zwar nicht gerade das körperliche, aber das seelische Wachstum bei einem Menschen, der nun wirklich seelisch wächst. Dann muß entschieden betont werden, daß manches von dem, was Reifezustand des Lebens ist, erst nach dem fünfunddreißigsten Lebensjahr gewonnen werden kann. Nun, wenn wir aber dieses fünfunddreißigste Lebensjahr von einem anderen Gesichtpunkte betrachten, dann wird es uns noch bedeutsamer erscheinen. Sehen Sie, wenn wir diese siebenjährigen Lebensepochen uns vor die Seele führen, haben wir zunächst bis zum siebenten Jahre die Ausbildung des physischen Leibes, bis zum vierzehnten Jahre die Ausbildung des Ätherleibes. Vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahr gliedert sich, gestaltet sich aus dasjenige, was wir den Astralleib nennen, dann die Empfindungsseele bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahr, die Verstandes- oder Gemütsseele bis zum fünfunddreißigsten Jahr, und dann weiter die Bewußtseinsseele bis zum zweiundvierzigsten Jahr. Und dann kommen wir zum Geistselbst, was eine Art Zurückentwickelung an dem Astralleib ist, und so weiter. Die weiteren Lebensepochen verlaufen nicht in siebenjährigen Perioden, sondern unregelmäßig. Da wird es in der Zukunft erst zu einer Regelmäßigkeit kommen. Abgesehen von dem, was die Erziehung sündigt, geht es aber bis zum fünfunddreißigsten Jahr mit einer ziemlichen Regelmäßigkeit.

[ 26 ] You see, the fact is that the individual stages I have outlined for physical life—for this life—are of great significance. I have identified the stages of life: from the first to the seventh year, until the teeth change; then until the fourteenth year, until sexual maturity; then until the twenty-first year, and so on, in seven-year increments. And if you take seriously what lies in these distinctions of the life that flows by, then the thirty-fifth year is indeed an important stage of life for us. Up to that point, we are, so to speak, in a kind of preparation, whereas later we have completed that preparation and build our lives more on the foundation of what was prepared up to the age of thirty-five. This thirty-fifth year of life is of very great significance. It is not so much the physical growth, but the spiritual growth in a person who is truly growing spiritually that continues up to that point. Then it must be strongly emphasized that some aspects of what constitutes the state of maturity in life can only be attained after the age of thirty-five. Now, however, if we consider this thirtieth year of life from a different perspective, it will appear even more significant to us. You see, when we consider these seven-year periods of life, we have, first of all, the development of the physical body up to the age of seven, and the development of the etheric body up to the age of fourteen. From the fourteenth to the twenty-first year, what we call the astral body takes shape; then the feeling soul develops until the twenty-eighth year, the intellectual or emotional soul until the thirty-fifth year, and then the conscious soul until the forty-second year. And then we come to the Spirit-Self, which is a kind of re-development of the astral body, and so on. The subsequent epochs of life do not proceed in seven-year periods, but irregularly. Only in the future will a regularity emerge. Apart from what education may disrupt, however, the process proceeds with considerable regularity up to the age of thirty-five.

[ 27 ] Nun, auffallen kann einem dasjenige, was die tiefere Bedeutung dieser ganzen Lebensentwickelung ist, namentlich dann, wenn man Menschen betrachtet, die da sterben in diesen verschiedenen Lebensaltern. Nehmen wir an - dies sei zunächst beispielsweise angeführt —, wir verfolgen die Seele eines elf-, zwölf-, dreizehnjahrigen Mädchens oder Knaben, eine Seele, die also elf-, zwölf-, dreizehnjährig durch die Pforte des Todes gegangen ist. Nach dem, was ich schon ausgeführt habe, liegt ja in einem solchen Falle das vor, daß der Ätherleib - er hätte ja in der Theorie noch die ganzen folgenden Jahre versorgen können - unverbrauchte Kräfte in sich hat. Aber auch im übrigen liegt das vor, daß der Mensch ja eigentlich während des ganzen Lebens zwischen Geburt und Tod sich vorbereitet für den Tod. Er bereitet sich wirklich vor für den Tod, denn eigentlich besteht unser ganzes Leben darin, eine Vorbereitung für den Tod zu sein insofern, als wir ja fortwährend arbeiten an der Zerstörung des Leibes. Könnten wir ihn nicht zerstören, so könnten wir es überhaupt zu keiner Vollkommenheit bringen, denn diese Vollkommenheit erkaufen wir sozusagen mit einer Zerstörung des äußeren physischen Leibes. Wenn nun der Mensch dreizehnjährig durch die Pforte des Todes geht, so leistet er eine ganz lange Zerstörungsarbeit nicht, die er eigentlich hätte leisten können. Er macht nicht mit das, was er hätte mitmachen können. Das drückt sich in einer merkwürdigen Weise aus.

[ 27 ] Now, one may begin to grasp the deeper meaning of this entire process of human development, especially when observing people who die at these various stages of life. Let us assume—to give an initial example—that we are following the soul of an eleven-, twelve-, or thirteen-year-old girl or boy, a soul that has thus passed through the gate of death at the age of eleven, twelve, or thirteen. According to what I have already explained, what we have in such a case is that the etheric body—which, in theory, could have sustained the soul for all the years to come—still possesses unused forces. But it is also the case that, in fact, throughout the entire life between birth and death, the human being is preparing for death. They truly prepare for death, for our entire life actually consists of being a preparation for death insofar as we are constantly working at the destruction of the body. If we could not destroy it, we could not achieve perfection at all, for we purchase this perfection, so to speak, through the destruction of the outer physical body. Now, when a person passes through the gate of death at the age of thirteen, they fail to carry out a very long process of destruction that they actually could have accomplished. They do not participate in what they could have participated in. This expresses itself in a remarkable way.

[ 28 ] Wenn wir eine solche Seele verfolgen, so finden wir sie in der geistigen Welt in einer bestimmten Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verhältnismäßig sehr bald in einer, ich möchte sagen, höchst bemerkenswerten Gesellschaft: Wir finden sie mitten unter denjenigen Seelen, die sich vorbereiten für ein nächstes Leben so, daß sie schon bald auf diese Erde herunterkommen müssen, also unter Seelen, die sich bald verkörpern. Unter denen leben dann solche Seelen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind im elften, zwölften, dreizehnten, vierzehnten Jahre, die werden da hineinversetzt. Und wenn man sich genauer umsieht in diesen Zusammenhängen, da stellt es sich eigentümlicherweise heraus, daß diese Seelen, die nun bald in ihr Erdenleben heruntergehen, das brauchen, was ihnen diese anderen Seelen hinauftragen können von der Erde, um sich ihrerseits wiederum an Kraft zu erstarken, die sie brauchen, um sich zu verleiblichen. Also die jugendlichen Seelen bilden eine starke Hilfe für diejenigen Seelen, die nun bald herunterkommen müssen auf die Erde.

[ 28 ] When we follow such a soul, we find it in the spiritual world, at a certain point in time between death and a new birth, relatively very soon in what I would call a most remarkable company: We find it in the midst of those souls who are preparing for their next life in such a way that they must soon descend to this earth—that is, among souls who will soon incarnate. Among them live those souls who have passed through the gate of death in their eleventh, twelfth, thirteenth, or fourteenth year; they are placed there. And if one looks more closely at these connections, it turns out, strangely enough, that these souls, who are now soon to descend into their earthly life, need what these other souls can bring up to them from the earth in order to, in turn, strengthen themselves with the power they need to incarnate. Thus, the youthful souls provide a strong support for those souls who must soon descend to Earth.

[ 29 ] Solche Hilfe, wie unter normalen Verhältnissen junge Kinder, die ganz normal waren, das heißt kein hervorragendes geistiges Leben hatten, sondern nur aufgeweckte Kinder waren, solche Hilfe, wie die leisten, kann man zum Beispiel nicht mehr leisten, wenn man im späteren Alter stirbt. Da hat man auch seine Aufgabe. Jeder muß sich seinem Karma fügen und soll nicht denken: Ich möchte in diesem oder jenem Lebensalter sterben; sondern man stirbt in dem Alter, in dem einen das Karma sterben läßt. Solche Hilfe, die man leisten kann als Seele für jene Seelen, die da erwarten ihre Inkarnation, kann man also nicht mehr leisten, wenn man im späteren Lebensalter stirbt. Das hängt damit zusammen, daß3 man in der ersten Lebenshälfte in einer gewissen Weise der geistigen Welt noch nähersteht als in der zweiten Lebenshälfte. In einer anderen Weise ist es wieder nicht der Fall; aber in einer gewissen Weise steht man der geistigen Welt näher in der ersten Lebenshälfte. Das ganze Leben verläuft nämlich so, daß, je länger man im physischen Leibe lebt, man sich desto mehr von der geistigen Welt entfernt. Ein Kind von einem Jahr steht der geistigen Welt noch sehr nahe. Es verläßt den physischen Plan und ist schnell drinnen in der geistigen Welt. Noch bis zum vierzehnten Jahr ist es so; da ist man so im physischen Leibe drinnen, daß man leicht in die Welt der Seelen kommen kann, die bald wiederum ihre Inkarnation suchen. Das bedingt, daß ein Sterben in sehr jugendlichem Alter damit verbunden ist, schon bei dem Tableau, das man da durchlebt, anderes zu erleben, als der erlebt, welcher in späterem Alter stirbt. Und da ist das fünfunddreißigste Lebensjahr eine wichtige Grenze.

[ 29 ] The kind of help that, under normal circumstances, young children who were perfectly ordinary—that is, who did not have an exceptional spiritual life but were simply bright children—provide; that kind of help can no longer be given, for example, if one dies at an advanced age. There, too, one has a task to fulfill. Everyone must submit to their karma and should not think: I would like to die at this or that age; rather, one dies at the age at which karma allows one to die. Such help, which one can provide as a soul for those souls awaiting their incarnation, can therefore no longer be provided if one dies at a later age. This is related to the fact that in the first half of life one is, in a certain sense, still closer to the spiritual world than in the second half. In another sense, this is not the case; but in a certain sense, one is closer to the spiritual world in the first half of life. For the whole course of life proceeds in such a way that the longer one lives in the physical body, the further one moves away from the spiritual world. A one-year-old child is still very close to the spiritual world. It leaves the physical plane and quickly enters the spiritual world. This remains true until the age of fourteen; by then one is so deeply embedded in the physical body that one can easily enter the world of souls who are soon seeking their next incarnation. This means that dying at a very young age entails experiencing something different in the scene one goes through than what is experienced by someone who dies at a later age. And the thirty-fifth year of life is an important threshold.

[ 30 ] Wenn man vor dem fünfunddreißigsten Lebensjahr stirbt, dann erlebt man zunächst das Lebenstableau, dann geht man das Leben durch die Nächte zurück. Aber während dieser Rückschau auf das vergangene Leben sieht man wie von «hinter dem Spiegel, wie wenn man durch das Lebenstableau durchsehen würde, die geistige Weit, die man verlassen hat, indem man geboren worden ist. Die Perspektive geht noch hin auf die geistige Welt. Hat man das fünfunddreißigste Lebensjahr überschritten, so ist das ganz anders. Man sieht nicht so hinein, wie man selber drinnen war, bevor man geboren worden ist. Das ist etwas von dem, was einem jetzt gerade so besonders auffällt, wo so viele Menschen jung sterben. Denn dieses «Die geistige Welt noch hinten sehen», das hat noch eine gewisse Bedeutung bis zum 35. Lebensjahr. Nach dem vierzehnten bis sechzehnten Lebensjahr ist es allerdings kein solch direktes Sehen mehr, aber von da ab bis zum fünfunddreißigsten Lebensjahr, wenn da gestorben wird, da ist es so, als ob in dem Lebenstableau, dem Rückblick, sich noch überall drinnen spiegeln würde das geistige Leben. Also wenn man ganz als Kind stirbt, sieht man eigentlich nicht viel von einem durchlebten Leben; da sieht man fast ganz gleich in die geistige Welt hinein. Wenn man als dreizehnjähriges Kind stirbt, so hat man schon einen Rückblick, aber dahinter liegt die geistige Welt. Man hat sie noch klar, die geistige Welt. Stirbt man noch später, so hat man sie zwar nicht unmittelbar, aber sie ist in dem enthalten, was man als eigenes Leben sieht. Man hängt also noch zusammen mit demjenigen, aus dem man herausgekommen ist, bis zum fünfunddreißigsten Jahr, so daß der, welcher vor dem fünfunddreißigsten Jahr stirbt, wirklich schon in diesen ersten Lebensabschnitten, die er da durchlebt in den Tagen, in denen er das Lebenstableau sieht, dann wiederum bei dem Rückgang durch die Seelenwelt, eigentlich durch dieses Erleben in eine Art Heimat, die er mit der Geburt verlassen hat, recht unmittelbar wiederum hineinkommt. Er hat unmittelbar das Erlebnis: Du kommst hinein in eine Welt, aus der du herausgetreten bist. Das ist von einer ungeheuren Wichtigkeit, denn jeder, der so stirbt, wird unmittelbar, wie Sie sehen, von einer gewissen Seite her leichter in die geistige Welt versetzt als einer, der später stirbt. Er trägt also aus dem Rückblick, den er hat nach dem Tode, in sein nächstes Leben zwischen Geburt und Tod ungeheuer viel Spirituelles, ungeheuer viel Geistiges hinein. Und die vielen, die in unserer jetzigen Zeit früh sterben, die werden auch von diesem Gesichtspunkte aus wichtige Träger der geistigen Wahrheiten und geistigen Erkenntnisse sein, wenn sie in einer nächsten Inkarnation wiederum herunterkommen auf die Erde.

[ 30 ] If one dies before the age of thirty-five, one first experiences the tableau of one’s life, then retraces one’s life through the nights. But during this review of one’s past life, one sees—as if from “behind the mirror,” as if looking through the tableau of life—the spiritual realm one left behind upon being born. The perspective still extends toward the spiritual world. Once one has passed the age of thirty-five, it is quite different. One no longer sees into it as one was oneself within it before being born. This is something that strikes one particularly now, when so many people die young. For this “still seeing the spiritual world behind,” it still has a certain significance up to the age of 35. After the age of fourteen to sixteen, however, it is no longer such direct seeing, but from then on until the age of thirty-five, if one dies then, it is as if the spiritual life were still reflected everywhere within the tableau of life, the look back. So if one dies as a child, one does not actually see much of a life lived; one looks almost directly into the spiritual world. If one dies as a thirteen-year-old child, one already has a retrospective view, but behind it lies the spiritual world. One still perceives it clearly, the spiritual world. If one dies even later, one does not have it immediately, but it is contained within what one sees as one’s own life. So one remains connected to the source from which one came until the age of thirty-five, so that the one who dies before the age of thirty-five truly, already in these first stages of life that one experiences in the days when one sees the tableau of life, and then again during the descent through the soul world, actually, through this experience, returns quite directly to a kind of home that they left at birth. They have the immediate experience: You are entering a world from which you have stepped out. This is of immense importance, for anyone who dies in this way is, as you can see, from a certain perspective, more easily transported into the spiritual world than one who dies later. Thus, from the retrospective view he has after death, he carries an immense amount of the spiritual, an immense amount of the spiritual into his next life between birth and death. And the many who die young in our present time will also, from this point of view, be important bearers of spiritual truths and spiritual insights when they come down to Earth again in a future incarnation.

[ 31 ] So sieht man, wie der ungeheure Schmerz, der sich ausgießt über die Welt, doch notwendig ist für den gesamten Verlauf des Daseins. Denn das Blut, das jetzt fließt, wird das Symbolum sein für eine gewisse Erfrischung des spirituellen Lebens in einer gewissen Zukunft, die der gesamten Entwickelung der Menschheit notwendig ist. Denn anders werden die Seelen, die jetzt so früh durch die Pforte des Todes gehen, herunterkommen, die meisten werden anders herunterkommen, als sie heruntergekommen wären, wenn sie im materiellen Dasein bis an die äußerste Grenze des Lebens gekommen und dann gestorben wären. Auch das ist Weisheit der Welt, daß jetzt eine Anzahl von Seelen hinweggerufen werden, damit sie schon in dem Rückblicke und Rückerleben tiefe geistige Geheimnisse auf eine dem Irdischen verwandte Art schauen können. Das ist auch Weisheit der Welt, damit diese Seelen dann erfüllt werden können mit dem, was sie stärker schauen, wenn sie es noch einmal schauen, gestärkt werden durch das kürzere irdische Leben, das sie durchgemacht haben.

[ 31 ] Thus we see how the immense suffering that is pouring out over the world is nevertheless necessary for the entire course of existence. For the blood that is now flowing will be the symbol of a certain renewal of spiritual life in a certain future, which is necessary for the overall development of humanity. For otherwise, the souls who now pass through the gate of death so early will descend; most of them will descend differently than they would have if they had reached the very limits of life in their material existence and then died. This, too, is the wisdom of the world: that a number of souls are now being called away so that, even in their looking back and reliving, they may perceive deep spiritual mysteries in a manner akin to the earthly. This, too, is the wisdom of the world, so that these souls may then be filled with what they perceive more clearly when they see it again, strengthened by the shorter earthly life they have lived.

[ 32 ] Das ist wirkliche Weisheit der Welt. Und so muß man sagen, daß vieles von dem, was uns mit Recht tief schmerzt, wenn wir den Blick bloß darauf richten können vom Gesichtspunkte des irdischen Daseins aus, daß vieles davon uns seinen versöhnenden Anblick zeigt, wenn wir es vom Gesichtspunkte des geistigen Anschauens betrachten können. Nun, so ist es mit dem ganzen Leben. Gewiß, meine lieben Freunde, der irdische Schmerz kann durch eine solche Betrachtung ja zunächst nicht vermindert werden. Er muß auch durchlebt werden. Denn das ist eben die Bedingung dafür, daß er wiederum ausgeglichen werden kann. Hätten wir ihn nicht erlebt in der physischen Welt, so könnte er nicht ausgeglichen werden. Aber wenn wir auch leiden müssen über vieles in der physischen Welt, so gibt es doch auch Augenblicke, in denen wir uns versetzen können auf die Standpunkte des Geistigen. Dann werden wir gar manches, was von niederen Gesichtspunkten aus uns schmerzvoll erscheinen muß, eben erkennen als einen Tribut, der gebracht werden muß den höheren geistigen Welten mit ihren Weisheiten, damit nicht in einseitiger, sondern in allseitiger Weise die Entwickelung der ganzen Welt und des Menschendaseins vorwärtsgehen kann.

[ 32 ] This is true wisdom of the world. And so we must say that much of what rightly causes us deep pain—when we can view it solely from the perspective of earthly existence—reveals its reconciling aspect to us when we can consider it from the perspective of spiritual contemplation. Well, that is how it is with all of life. Certainly, my dear friends, earthly pain cannot be alleviated by such contemplation at first. It must also be lived through. For that is precisely the condition for it to be balanced out again. Had we not experienced it in the physical world, it could not be balanced out. But even though we must suffer much in the physical world, there are still moments when we can place ourselves in the spiritual perspective. Then we will come to recognize many things that must appear painful to us from a lower perspective as a tribute that must be paid to the higher spiritual worlds with their wisdom, so that the development of the entire world and of human existence may proceed not in a one-sided, but in a comprehensive manner.

[ 33 ] Das Versöhnende für manchen Schmerz muß eben erst errungen werden, und dazu muß der Schmerz erst durchgemacht werden. Ersparen kann uns ja die Geisteswissenschaft gewiß den Schmerz nicht, aber sie kann uns lehren, ihn hinzutragen auf den Altar des Daseins und den Ausgleich zu suchen, und die Weisheit der Welt anzuerkennen trotz allem Schmerz, den sie um höherer Ziele willen verursachen muß. Das ist das, was uns als cine wichtige Wegzehrung für das ganze menschliche Dasein Geisteswissenschaft eben geben kann. So dürfen wir auch von diesem Gesichtspunkte aus, ich möchte sagen, so recht aus den Empfindungen, die uns die Geisteswissenschaft geben kann, hinblickend auf die auch schmerzvollen Ereignisse unserer Zeit, eben sagen, was wir oftmals hier sagten:

[ 33 ] For some pains, reconciliation must first be earned, and to do so, the pain must first be endured. Spiritual Science certainly cannot spare us the pain, but it can teach us to lay it upon the altar of existence and seek balance, and to acknowledge the wisdom of the world despite all the pain it must cause for the sake of higher goals. This is what Spiritual Science can give us as such an important provision for the whole of human existence. Thus, from this perspective—I would say, truly from the feelings that Spiritual Science can give us—as we look upon the often painful events of our time, we may say precisely what we have often said here:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht—
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of battle,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware,
Toward the realm of the spirit.