The Shaping of Destiny
and Life after Death
GA 157a
7 December 1915, Berlin
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The Shaping of Destiny and Life after Death, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Geisteswissenschaft soll uns ja auf allen Gebieten den Zusammenhang zeigen zwischen den geistigen Welten und den Welten, die wir, während wir in unserem Erdenleibe sind, wahrnehmen durch unsere Sinne, die wir zu verstehen suchen durch die Gedanken unseres Verstandes. Nun haben wir uns durch einige Betrachtungen hindurch beschäftigt insbesondere mit den Zusammenhängen, die da bestehen zwischen dem Leben, das der Mensch als Seele führt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und dem Leben, das er hier im physischen Leibe verkörpert führt. Wir halten ja immer den Gedanken fest, daß der Mensch, solange er hier innerhalb des physischen Leibes lebt, seine Gedanken nach der Sphäre richtet, die er zu durchleben hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wir halten den Gedanken fest nach dieser Sphäre gerichtet, nicht um eine bloße Neugierde zu befriedigen, sondern weil wir uns durch unsere geisteswissenschaftlichen Betrachtungen haben überzeugen können, daß das Hineindringen der Gedanken jener anderen Welt in diese Welt auch beiträgt zu dem, was diese Welt hier an erhöhenden, an durchkraftenden Gedanken für Wirken, Denken, Empfinden und so weiter sich erringen kann. Wir müssen an dem Gedanken festhalten, daß sich viele Geheimnisse des Lebens nur auflösen lassen, wenn man den Mut hat, an das Rätsel des Todes, wie man es nennen kann, heranzutreten. Nun können wir heute, um von einem ganz besonderen Gesichtspunkte aus wiederum den Zusammenhang der geistigen Welt mit der sinnlichen hier vor unser Seelenauge treten zu lassen, von einer trivialen Betrachtung, die allerdings vieles an tiefgehenden Empfindungen einschließt, ausgehen.
[ 1 ] Spiritual Science is meant to show us, in all areas, the connection between the spiritual worlds and the worlds that we perceive through our senses while we are in our earthly bodies—worlds we seek to understand through the thoughts of our intellect. Now, through a series of reflections, we have been concerned in particular with the connections that exist between the life that the human being leads as a soul between death and a new birth, and the life that he leads here in his physical body. We always hold fast to the idea that, as long as a human being lives here within the physical body, they direct their thoughts toward the sphere they must pass through between death and a new birth. We hold fast to this thought directed toward that sphere, not to satisfy mere curiosity, but because our reflections on Spiritual Science have convinced us that the penetration of thoughts from that other world into this world also contributes to what this world here can attain in terms of uplifting, life-giving thoughts for action, thinking, feeling, and so on. We must hold fast to the idea that many of life’s mysteries can only be resolved if one has the courage to approach the enigma of death, as it were. Now, in order to once again bring the connection between the spiritual world and the sensory world before the eye of our soul from a very special perspective, we can start from a trivial observation that nevertheless encompasses many profound feelings.
[ 2 ] Wir gehen aus von der Tatsache, die wir ja oftmals besprochen haben, wie der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet. Ich sage, wir gehen aus von etwas, was alltäglich ist, was aber doch mit tiefgehenden und den Menschen in seiner tiefsten Seele ergreifenden Erlebnissen zusammenhängt. Wenn wir einem Menschen hier in der physischen Welt gegenüberstehen, machen wir uns die Gedanken, die uns mit ihm verbinden können, wir bilden ihm gegenüber unsere Empfindungen, unsere Gefühle von Sympathie, von Antipathie aus, wir stehen ihm mehr oder weniger freundschaftlich oder mehr oder weniger ablehnend gegenüber, kurz, wir bilden uns hier in der physischen Welt ein gewisses Verhältnis aus zu einem anderen Menschen. Dieses Verhältnis kann durch die Bande des Blutes gegeben sein, es kann sich auch erst durch die im Leben zutagetretende Wahlverwandtschaft zur Geltung bringen. Das alleswird gefaßt werden können unter dem, was in diesem Augenblicke mit «Verhältnis zwischen Mensch und Mensch» gemeint ist.
[ 2 ] We start from the fact—which we have often discussed—of how a person passes through the gate of death. I say that we start from something that is commonplace, yet is connected to profound experiences that touch a person in the depths of their soul. When we encounter a person here in the physical world, we form the thoughts that can connect us to them; we develop our feelings toward them—our sentiments of sympathy or antipathy; we regard them with more or less friendliness or more or less hostility; in short, here in the physical world we establish a certain relationship with another human being. This relationship may be based on blood ties; it may also come to the fore only through the affinity of choice that emerges in life. All of this can be encompassed by what is meant at this moment by the “relationship between human beings.”
[ 3 ] Wenn nun der Mensch, mit dem uns irgendwelche Bande zusammengehalten haben, hinweggeht von der physischen Welt und durch die Pforte des Todes tritt, so bleibt uns von diesem Menschen zunächst die Erinnerung zurück, das heißt eine Summe von Empfindungen, Gedanken, die wir aus dem Verhältnis zu ihm in uns rege gemacht haben, die wir in uns belebt haben. Und in einer ganz anderen Weise leben von jetzt an, da der Mensch durch die Pforte des Todes von uns hinweggegangen ist, die Empfindungen, die Vorstellungen, die Gedanken, die uns mit ihm verbinden, als sie früher, da er noch mit uns den physischen Plan bewohnt hat, lebten. Als er mit uns den physischen Plan bewohnt hat, wußten wir, daß jederzeit zu dem, was wir uns in unserer Seele im Verhältnis zu ihm ausgebildet haben, die äußere physische Realität hinzutreten kann, daß wir mit unseren inneren Erlebnissen der äußeren physischen Realität gegenübertreten können. Wir müssen auch jederzeit gewärtig sein, daß der Mensch durch irgendeine neue Art, sich darzuleben, die Empfindungen, die Gefühle, die wir bisher für ihn gehabt haben, in der einen oder in der anderen Richtung verändert. Wir denken oftmals nicht an den radikalen Unterschied, der auftritt, wenn plötzlich, oder auch nicht plötzlich, der Augenblick eintritt, wo wir fortan nur noch die Erinnerung an den betreffenden Menschen in unserer Seele tragen können, wo wir wissen können: unseren Augen wird er nicht mehr erscheinen, unsere Hand wird er nicht mehr ergreifen. Das Bild, das wir von ihm gebildet haben, bleibt im wesentlichen dasjenige, was wir uns schon gebildet haben. Es ist etwas ganz Radikales, das in dem Verhältnis zweier Menschen eintritt. Wie gesagt, es ist etwas, was trivial für den Gedanken klingt, was aber tief eingreifend ist in unser Innenleben, in dem einzelnen Falle, wo es eintritt: die Tatsache, daß Erinnerung uns wird eine Menschenseele, die bisher durch ihre physische Verkörperung auf uns von außen her einen Eindruck gemacht hat.
[ 3 ] When a person with whom we have shared some bond departs from the physical world and passes through the gate of death, what remains with us of that person is, at first, the memory—that is, a sum of feelings and thoughts that we have stirred within ourselves through our relationship with them, that we have brought to life within ourselves. And from now on, since the person has passed through the gate of death and left us, the feelings, mental images, and thoughts that connect us to him live in a completely different way than they did before, when he still inhabited the physical plane with us. When he inhabited the physical plane with us, we knew that at any moment the external physical reality could join what we had formed in our souls in relation to him, that we could confront the external physical reality with our inner experiences. We must also be prepared at all times for the fact that a person, through some new way of presenting themselves, may alter the feelings and emotions we have had for them up to that point, in one direction or another. We often do not think of the radical difference that arises when, suddenly or not so suddenly, the moment arrives when from then on we can carry only the memory of that person in our soul, when we know: he will no longer appear before our eyes, he will no longer take our hand. The image we have formed of him remains essentially what we have already formed. It is something quite radical that occurs in the relationship between two people. As I said, it is something that sounds trivial to the mind, but which has a profound impact on our inner life, in the specific instance where it occurs: the fact that memory becomes for us a human soul that, until then, had made an impression on us from the outside through its physical embodiment.
[ 4 ] Aber vergleichen wir nun diese Erinnerung mit anderen Erinnerungen, die wir uns sonst aus unseren Erlebnissen bilden. Wir leben ja zu einem großen Teile unser physisches Leben in Erinnerungen aus. Wir wissen von dem, was wir erlebt haben. Sagen wir zum Beispiel, wir wissen von Ereignissen, die an uns vorübergezogen sind, von denen wir Gedanken behalten haben, wir wissen, daß wir uns durch diese Gedanken an verflossene Zeiten wenden können, in denen die betreffenden Ereignisse stattgefunden haben. Überblickenwir nun aber dasjenige, was wir so in dem größten Teile unserer Erinnerungen haben — ich sage, in dem größten Teile unserer Erinnerungen —, so tragen wir in Gedanken etwas in uns, was nicht mehr da ist: verflossene Ereignisse, Ereignisse, deren Wirklichkeit wir nicht mehr in der äußeren Welt antreffen können, die der Vergangenheit angehören.
[ 4 ] But let’s now compare this memory with other memories we usually form from our experiences. After all, we live out a large part of our physical lives through memories. We are aware of what we have experienced. Let us say, for example, that we are aware of events that have passed us by, of which we have retained thoughts; we know that through these thoughts we can turn to times past in which the events in question took place. But if we now survey what we have in the greatest part of our memories—I say, in the greatest part of our memories—we carry within us in thought something that is no longer there: past events, events whose reality we can no longer encounter in the external world, which belong to the past.
[ 5 ] Ganz anders ist vor unserem seelischen Auge, wenn wir das Geistige der Geisteswissenschaft aufgenommen haben, dasjenige, was wir Erinnerung an einen Verstorbenen nennen müssen, Erinnerung an eine Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist. Ganz anders ist das. Da tragen wir Gedanken in uns, aber für diese Gedanken ist etwas Wirkliches da, allerdings nicht in der uns zugänglichen äußeren, physischen Welt, aber in der geistigen Welt. Dasjenige, worauf sich diese Gedanken beziehen, das ist da, obzwar es nicht in die Sphäre unserer Sichtbarkeit eintreten kann. Das ist eine ganz andere Erinnerungsvorstellung als eine Erinnerungsvorstellung an etwas, was hier in der physischen Welt vergangen ist. Wenn wir die Tatsache, die hier vorliegt, im Verhältnis zu der gesamten Welt einmal betrachten wollen, so können wir sagen: Wir tragen in unserer Seele Gedanken an eine Wesenheit, die in der geistigen Welt ist. Nun wissen wir — und insbesondere muß uns das klargeworden sein aus Betrachtungen, die wir an den letzten drei Abenden, die wir hier zusammensein konnten, gehalten haben —, daß nicht nur die Sehnsuchten der Seelen, die hier verkörpert sind, hinaufgehen nach den geistigen Welten, sondern daß auch das Bewußtsein der Seelen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, die nun leben in der Welt zwischen Tod und neuer Geburt, sich heruntererstreckt auf dasjenige, was hier in der physischen Welt vorgeht. Wir können uns sagen: Diejenigen Seelen, die entkörpert in der geistigen Welt leben, bekommen von der physischen Welt hier dasjenige in ihr Bewußtsein herauf, was sie vermöge ihrer geistigen Anschauung und ihres geistigen Herabsehens eben wahrnehmen können. Ich habe in einer der letzten Betrachtungen angedeutet, wie Seelen, die noch hier im physischen Leibe verkörpert leben, wahrgenommen werden von den sogenannten toten Seelen, im Gegensatz zu der Wahrnehmung, die sie von Seelen haben, die wie sie leben in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Ich habe ausgeführt, wie die Seelen, die in der geistigen Welt leben, um eine Wahrnehmung zu haben, immer tätig sein müssen, wie sie zum Beispiel wissen: Jetzt ist eine andere Seele in deiner Nähe —, wie sie aber, um sie anzuschauen, innerlich tätig sein müssen. Sie müssen sich gleichsam das Bild konstruieren, das Bild entsteht nicht von selbst, wie es hier in der physischen Welt entsteht. Man hat in der geistigen Welt zuerst den Gedanken des «Da-seins» und muß dann gleichsam innerlich miterleben dieses «Da-sein», damit das Bild entsteht. Es ist der umgekehrte Weg.
[ 5 ] Once we have taken in the spiritual aspects of Spiritual Science, what we must call the memory of a deceased person—the memory of a soul that has passed through the gate of death—appears quite differently before our inner eye. It is quite different. We carry thoughts within us, but there is something real behind these thoughts—not in the external, physical world accessible to us, but in the spiritual world. That to which these thoughts refer is there, even though it cannot enter the sphere of our visibility. This is a completely different concept of memory than a memory of something that has passed away here in the physical world. If we wish to consider the fact before us in relation to the entire world, we can say: We carry within our soul thoughts of a being who is in the spiritual world. Now we know—and this must have become particularly clear to us from the reflections we have held over the last three evenings that we have been able to spend together here— that not only do the longings of the souls who are incarnated here ascend to the spiritual worlds, but also that the consciousness of the souls who have passed through the gate of death—who now live in the world between death and new birth—extends downward to what is taking place here in the physical world. We can say to ourselves: Those souls who live disembodied in the spiritual world receive into their consciousness from the physical world here whatever they are able to perceive by virtue of their spiritual vision and their spiritual looking down. In one of my recent reflections, I indicated how souls who still live here in a physical body are perceived by the so-called dead souls, in contrast to the perception they have of souls who, like them, live in the time between death and new birth. I have explained how the souls living in the spiritual world must always be active in order to have a perception—how, for example, they know: “Now another soul is near you”—but how, in order to look upon it, they must be inwardly active. They must, as it were, construct the image; the image does not arise of its own accord, as it does here in the physical world. In the spiritual world, one first has the thought of “being there” and must then, as it were, experience this “being there” inwardly so that the image arises. It is the reverse process.
[ 6 ] Nun ist aber doch ein bedeutsamer Unterschied in der Bildkonstruktion in bezug auf diejenigen Seelen, die auch schon in der geistigen Welt sind, und solche, die noch hier auf der Erde im physischen Leibe verkörpert sind. Während der Mensch im Leben zwischen Tod und neuer Geburt das Bild einer Seele, die auch schon in der geistigen Welt ist, ganz und gar aus sich heraus erzeugen muß, während er da ganz und gar tätig sein muß, fühlt er sich bei einer Seele, welche noch hier auf der Erde lebt, mehr passiv — das Bild kommt ihm mehr entgegen. Also die Tätigkeit ist eine geringere bei einer Seele, die noch hier auf Erden lebt, als bei einer Seele, die auch schon entkörpert ist, die innere Anstrengung ist eine geringere. Dadurch drückt sich eben der Unterschied aus für diejenigen, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt leben. Wenn Sie das nehmen, so werden Sie sich sagen: Wenn sich die Seele, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, in die geistige Welt so hineinlebt, hält sie nicht nur ihre Umschau über jene Wesen der höheren Hierarchien oder der Menschenseelen, die auch mit ihr in der geistigen Welt leben, sondern es taucht vor ihr auch die Welt der Seelen hier auf, namentlich derjenigen, zu denen sie Beziehung gehabt hat hier, bevor sie durch die Pforte des Todes geschritten ist. Es ist ja dieser bedeutsame Unterschied noch festzuhalten, daß, während hier der Mensch auf Erden im Grunde genommen das, was das Erdendasein ausmacht, immer um sich hat und nur im Geiste ergreifen kann — das «nur» ist natürlich sehr vergleichsweise nur zu nehmen — die «andere» Welt, so ist es, wenn die Seele in der geistigen Welt ist, gerade umgekehrt. Das, was sie dort von selbst sieht, das ist unsere Welt, die Welt, die von dort aus die jenseitige ist, wahrend sie sich anstrengen muß, um die eigene Welt, in der sie dann ist, immer als Wahrnehmung zu haben, um sie sich immer zu konstruieren. Also dort ist das Diesseits dasjenige, was man sich immerfort erarbeiten muß, und das Jenseits ist dasjenige, was eigentlich immer sich wie von selbst ergibt. Nun aber tauchen innerhalb dieses Jenseits — was für uns Diesseits ist, von der anderen Seite gesehen aber das Jenseits — die Menschenseelen auf mit demjenigen, was in ihnen lebt, insbesondere diejenigen Menschenseelen, zu denen Beziehungen während der Erdenzeit angeknüpft worden sind. Diese Menschenseelen treten auf. Aber innerhalb, ich möchte sagen, dieses Meeres von geistigen Wahrnehmungen, die da von der anderen Welt hier an und in den Menschenseelen gemacht werden, treten zuweilen auf die Erinnerungen an diejenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Stellen Sie sich das lebendig vor. Denken wir uns einmal hypothetisch, wir lebten in einem Zeitpunkte, in dem sich keine Seele irgendeines Toten erinnerte. Dann würden natürlich die Toten die Menschenseelen auch sehen, aber in diesen Menschenseelen würden keine Erinnerungen an die Toten leben. In dieses Meer, das sich den entkörperten Seelen darbietet, gehen nun hinein die Erinnerungen, die Erinnerungen an die Toten. Da leben sie drinnen. Das ist etwas, was durch den freien Willen der Menschen und durch die Liebe der Menschen hier hinzukommt zu dem, was der Tote von der anderen Seite immer sehen kann. Das ist also etwas, was hinzukommt.
[ 6 ] There is, however, a significant difference in the way the image is formed with regard to those souls who are already in the spiritual world and those who are still here on Earth in a physical body. While a person, in the life between death and rebirth, must create the image of a soul that is already in the spiritual world entirely from within themselves—and must be fully active in doing so—they feel more passive when it comes to a soul that is still living here on Earth; the image comes to them more readily. Thus, the activity required is less for a soul still living here on Earth than for a soul that has already shed its physical body; the inner effort is less. This is precisely how the difference is expressed for those living between death and a new birth. If you consider this, you will say to yourself: When the soul, having passed through the gate of death, enters the spiritual world in this way, it not only surveys those beings of the higher hierarchies or the human souls who also live with it in the spiritual world, but the world of souls here also appears before it, namely those with whom it had a relationship here before it passed through the gate of death. It is important to note this significant difference: while here on Earth, human beings essentially always have around them what constitutes earthly existence and can only grasp it in the spirit—the “only” here, of course, is to be taken very comparatively—the “other” world, the situation is exactly the opposite when the soul is in the spiritual world. What it sees there of its own accord is our world, the world that is the “beyond” from that perspective, whereas it must make an effort to constantly perceive the world in which it now finds itself, to constantly construct it. So there, the “here” is that which one must constantly work to attain, and the “beyond” is that which actually always presents itself as if of its own accord. But now, within this hereafter—which is the here and now for us, but seen from the other side is the hereafter—human souls appear with what lives within them, especially those human souls with whom relationships were formed during their time on earth. These human souls appear. But within, I would say, this sea of spiritual perceptions that are made here from the other world and within the human souls, memories of those who have passed through the gate of death sometimes emerge. Imagine this vividly. Let us imagine hypothetically that we lived at a time when no human soul remembered any of the dead. Then, of course, the dead would also see the human souls, but no memories of the dead would live within those human souls. Into this sea, which presents itself to the disembodied souls, now enter the memories—the memories of the dead. That is where they live. This is something that, through the free will of people and through the love of people, is added here to what the dead can always see from the other side. So this is something that is added.
[ 7 ] Sehen Sie, hier haben wir wieder einen Punkt, wo dem Geistesforscher wichtige Fragen aufgehen, wo der Geistesforscher die Frage aufwerfen muß: Was geschieht für denjenigen, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, dadurch, daß er nun eingebettet sieht in die flutenden Seelen hier in unserer Welt die Erinnerungen, die diese flutenden Seelen an die Toten haben, was geschieht dadurch, daß er diese Erinnerungen wahrnimmt? Es ist bei der Geistesforschung so, daß man, wenn einem eine solche Rätselfrage aufgeht, diese Rätselfrage zuerst gründlich erleben muß. Man muß sich hineinleben. Wenn man nun anfängt zu spekulieren, wie die Lösung einer solchen Frage sein könnte, wie die Antwort sein könnte, dann kommt man sicher zunächst auf das Falsche. Denn das Anstrengen des gewöhnlichen, an das Gehirn gebundenen Verstandes, das gibt in der Regel durchaus keine Lösung. Man kann durch dasjenige, was innere Anstrengung ist, die Lösung nur vorbereiten. Die Lösungen von Rätselfragen, die sich auf die geistige Welt beziehen, ergeben sich wirklich so, daß sie herauskommen aus der geistigen Welt wie eine Begnadung. Man muß warten. Man kann eigentlich nichts anderes tun, als in der Frage so recht leben, immer wieder und wiederum die Frage durchmeditieren, die Frage mit allen Empfindungsqualitäten, die sie entwickeln kann, in der Seele aufleben lassen und ruhig warten, bis man — der Ausdruck ist wirklich ganz richtig gebraucht — gewürdigt wird, aus der geistigen Welt heraus eine Antwort zu bekommen. Und die kommt einem in der Regel von einer ganz anderen Seite zu, als man eigentlich denkt. Es kommt aus der geistigen Welt heraus dann die Antwort im rechten Augenblick, das heißt im Augenblick, wo man die eigene Seele genügend präpariert hat, so daf3 sie die Antwort entgegennehmen kann. Daß es die rechte Antwort ist, ja das läßt sich nicht durch eine Theorie ausmachen, ebensowenig wie durch Theorie sich etwas über die physische Wirklichkeit ausmachen läßt. Das läßt sich nur durch das Erleben selber ausmachen. Diejenigen, die jede geistige Wirklichkeit immer nur ableugnen und sagen: das kann man nicht beweisen, es muß alles bewiesen werden — denen möchte ich nur die Frage stellen, ob jemals schon ein Mensch in der physischen Welt das Dasein eines Walfisches hätte beweisen können, wenn dieser nicht gefunden worden wäre. Nichts kann man beweisen, was nicht in irgendeiner Weise in Wirklichkeit aufgezeigt werden muß. So muß man auch in der geistigen Welt dasjenige erleben, was Wirklichkeit ist.
[ 7 ] You see, here we have another point where important questions arise for the spiritual researcher, where the spiritual researcher must ask: What happens to the one who has passed through the gate of death when they now perceive, embedded within the flowing souls here in our world, the memories that these flowing souls have of the dead? What happens when they perceive these memories? In spiritual research, when such a puzzling question arises, one must first experience it thoroughly. One must immerse oneself in it. If one then begins to speculate on what the solution to such a question might be, what the answer might be, one will certainly arrive at the wrong conclusion at first. For the exertion of the ordinary intellect, bound to the brain, generally yields no solution at all. Through what constitutes inner effort, one can only prepare the way for the solution. The solutions to riddle questions that relate to the spiritual world truly arise in such a way that they emerge from the spiritual world like a gift. One must wait. One can really do nothing else but live fully within the question, meditating on it again and again, allowing the question to come alive in the soul with all the qualities of feeling it can evoke, and waiting calmly until one—the expression is truly used quite correctly—is deemed worthy to receive an answer from the spiritual world. And it usually comes to one from a completely different direction than one might expect. The answer then comes from the spiritual world at the right moment—that is, at the moment when one has sufficiently prepared one’s own soul so that it can receive the answer. That it is the right answer—well, that cannot be determined by theory, any more than anything about physical reality can be determined by theory. This can only be determined through experience itself. To those who always deny any spiritual reality and say: “This cannot be proven; everything must be proven”—to them I would simply ask whether any human being in the physical world could ever have proven the existence of a whale if it had not been found. Nothing can be proven that does not have to be demonstrated in reality in some way. Thus, in the spiritual world as well, one must experience that which is reality.
[ 8 ] Nun gewiß, dasjenige, was da eintritt in das Bewußtsein als Lösung, es stellt sich, je nachdem man sich zubereitet hat in der Seele, in der verschiedensten Weise dar. Auf mannigfache Weise kann sich die Wahrheit darstellen, aber sie ist doch als die Wahrheit zu erleben. Wenn man sich diese Rätselfrage, die ich eben jetzt hingestellt habe, so recht in der Seele leben läßt, da tritt auf, scheinbar von einer ganz anderen Seite her, ein inneres Bild, welches, ich möchte sagen, den inneren Anspruch darauf macht, einem etwas zu geben über die Lösung des betreffenden Rätsels. Da kann auftreten das Bild eines Menschen, der etwa sich photographieren läßt, der sein Porträt bilden läßt. Überhaupt tritt auf das Bild irgendeiner physischen Sache, eine Nachbildung dieser physischen Sache. Und zuletzt tritt auf alles dasjenige, was man in den Bereich des Künstlerischen und auch der künstlerischen Darstellung setzen kann. WennSie sich vorstellen, wie das physische Leben verläuft, so können Sie sich sagen, dieses physische Leben verläuft so, daß der Mensch den äußeren Naturwesen und Naturereignissen gegenübersteht: die laufen ab. Ebenso laufen die menschlichen Angelegenheiten ab, dasjenige, was der Mensch sorgt und webt für seine Bedürfnisse und so weiter, dasjenige, was ihm in der Geschichte abläuft. Aber darüber hinaus sucht der Mensch etwas, was im Grunde genommen nichts zu tun hat mit dem unmittelbar Notwendigen in der Welt. Die Menschenseele wird gewahr, daß, wenn nur die Natur und die Geschichte mit den menschlichen Bedürfnisbefriedigungen ablaufen würde, das Leben öde und kahl wäre. Der Mensch schafft über den Naturlauf und über den Bedürfnislauf hinaus etwas hier im physischen Dasein. Er bekommt das Bedürfnis, nicht bloß, sagen wir, irgendeine Landschaft zu sehen, sondern diese Landschaft auch nachzubilden. Er richtet es im Leben so ein, daß jemand, der mit ihm in irgendeinem Zusammenhang steht, von ihm ein Bild bekommen kann und dergleichen mehr. Wir können, von da ausgehend, an das ganze Reich der Kunst denken, das der Mensch hier als eine höhere Wirklichkeit über die Wirklichkeit hinaus schafft zu der gewöhnlichen Natur- und Geschichtswirklichkeit hinzu. Denken Sie, was alles nicht in der Welt ware, wenn es keine Kunst gäbe, wenn die Kunst nicht hinzubringen würde zu dem, was, wir können sagen, von selbst da ist, dasjenige, was sie aus ihrem Quell zu geben vermag. Die Kunst schafft etwas, was durch Notwendigkeit nicht da zu sein brauchte. Wäre es nicht da, so könnte alles Naturnotwendige gleichwohl geschehen: Man Könnte sich denken, daß ohne irgendeine Nachbildung oder künstlerische Darstellung der Verlauf des Lebens vom Erdenanfang bis zum Erdenende ginge. Was alles die Menschen dann nicht hätten, das mag man sich ausmalen. Aber theoretisch möglich wäre es, daß unsere Erde gestraft wäre damit, daß sich auf ihr keine Kunst entwickeln könnte. Wir haben in der Kunst etwas über das Leben Hinausgehendes. Denken Sie sich alles das, was in der Kunst geschaffen ist, in der Welt stehend und die Menschen also durch die Welt gehend, dann haben Sie gewissermaßen zwei parallel laufende Prozesse: die Natur- und Geschichtsnotwendigkeiten und dasjenige, was als künstlerische Strömung hineingestellt ist.
[ 8 ] Now, certainly, whatever enters into consciousness as a solution presents itself in the most varied ways, depending on how one has prepared oneself in the soul. Truth can present itself in many different ways, but it must still be experienced as the truth. If one allows this riddle, which I have just posed, to truly take root in one’s soul, then an inner image emerges—seemingly from a completely different direction—which, I might say, makes an inner claim to offer something regarding the solution to the riddle in question. The image of a person might appear, for instance, who is having their photograph taken or their portrait painted. In general, the image of some physical object appears, a representation of that physical object. And finally, everything that can be placed within the realm of the artistic and also of artistic representation appears. If you have a mental image of how physical life unfolds, you can say to yourself that this physical life unfolds in such a way that the human being faces external natural beings and natural events: these take their course. Human affairs unfold in the same way—that which human beings care for and weave together to meet their needs and so on, that which unfolds for them in history. But beyond that, human beings seek something that, in essence, has nothing to do with the immediate necessities of the world. The human soul becomes aware that if only nature and history were to unfold with the satisfaction of human needs, life would be barren and bleak. Human beings create something here in physical existence that goes beyond the course of nature and the course of needs. They feel the need not merely, let us say, to see some landscape, but also to recreate that landscape. They arrange their lives so that someone connected to them in some way can receive a picture from them and the like. From there, we can think of the entire realm of art, which human beings create here as a higher reality beyond reality, in addition to the ordinary reality of nature and history. Think of all that would not exist in the world if there were no art, if art did not bring forth—to what, we might say, is already there of its own accord—that which it is able to give from its source. Art creates something that, by necessity, need not be there. If it were not there, everything that is naturally necessary could still happen: One could imagine that without any reproduction or artistic representation, the course of life would proceed from the beginning of the earth to its end. One can imagine all that people would then lack. But theoretically it would be possible that our earth would be punished by the fact that no art could develop on it. In art, we have something that transcends life. Imagine everything created in art existing in the world, and people thus moving through the world; then you have, so to speak, two parallel processes: the necessities of nature and history, and that which is introduced as an artistic current.
[ 9 ] Sehen Sie, so wie die Kunst gewissermaßen eine geistige Welt hereinzaubert in die physische Wirklichkeit, so zaubert die Erinnerung, die hier in der Seele Platz greift, eine andere Welt in die Welt derer, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, herein. Für die Toten könnte die Welt ablaufen, ohne daß in den Seelen hier Erinnerungen lebten, die aus Liebe, die aus allen menschlichen Verhältnissen geboren sind. Aber es würde dann für die Toten die Welt, die die ihre ist, so ablaufen, wie für uns eine Welt ablaufen würde, in der wir nichts finden könnten, was über die gewöhnliche Wirklichkeit hinausgeht. Das ist ein ungeheuer bedeutungsvoller Zusammenhang, daß durch die Gedanken der Liebe, durch die Gedanken der Erinnerung, durch all das, was uns in dieser Weise in der Seele aufgeht im Zusammenhang mit denen, die nicht mehr in der physischen Welt sind, für die, die nicht in der physischen Welt sind, dort etwas Analoges geschaffen wird demjenigen, was hier das künstlerische Schaffen ist. Und so wie der Mensch das künstlerische Schaffen aus sich heraus in der physischen Welt hier vollbringen muß, aus dem Eigenen etwas hinzutun muß, so muß wiederum für diejenigen, die in der geistigen Welt sind, das Entgegengesetzte eintreten. Es muß ihnen von der anderen Welt entgegengebracht werden, von den Seelen, die hier zurückgeblieben sind, die hier noch verkörpert sind; von den Seelen, die sie mehr passiv sehen als diejenigen Seelen, die schon mit ihnen in der geistigen Welt stehen. Was für uns Natur- und Geschichtsverlauf wären, die sich nur von selbst vollziehen, ohne Kunst, ohne all dasjenige, was der Mensch bildet über die unmittelbare Wirklichkeit hinaus, das wäre für die Toten eine Welt, in der nicht innerhalb der physischen Welt zurückgebliebene Seelen lebten mit Erinnerungen.
[ 9 ] You see, just as art, in a sense, conjures up a spiritual world within physical reality, so too does the memory that takes root here in the soul conjure up another world within the world of those who have passed through the gates of death. For the dead, the world could go on without memories living in the souls here—memories born of love, born of all human relationships. But then, for the dead, the world that is theirs would go on just as a world would go on for us in which we could find nothing that goes beyond ordinary reality. This is an immensely significant connection: that through thoughts of love, through thoughts of remembrance, through all that arises in our souls in this way in connection with those who are no longer in the physical world, something analogous to what artistic creation is here is created there for those who are not in the physical world. And just as human beings must accomplish artistic creation from within themselves here in the physical world, must add something of their own, so too must the opposite occur for those who are in the spiritual world. It must be offered to them from the other world, by the souls who have remained here, who are still incarnated here; by the souls who view them more passively than those souls who are already with them in the spiritual world. What for us would be the course of nature and history, unfolding of their own accord, without art, without all that which human beings create beyond immediate reality—that would be, for the dead, a world in which souls not remaining within the physical world lived with memories.
[ 10 ] Solche Dinge, sehen Sie, sie werden nicht gewußt innerhalb des physischen Lebens der Menschen. Man sagt so, sie werden nicht gewußt —. Sie werden nicht gewußt von dem, was das gewöhnliche Bewußtsein ist, aber von demjenigen, was tieferes unterbewußtes Bewußtsein ist, werden diese Dinge gewußt, und das Leben wurde auch immer danach eingerichtet. Warum wurde Wert darauf gelegt von den menschlichen Gemeinschaften, daß Allerseelentage, Totentage und dergleichen gefeiert werden? Und derjenige, der nicht an einem allgemeinen Totentage teilnehmen kann, hat eben seine eigenen Totentage. Warum ist das? Weil in dem unterbewußten Bewußtsein der Menschen eben das lebt, was man nennen könnte ein dunkles Bewußtsein von dem, was in die Welt hineingestellt wird dadurch, daß die Erinnerungen an die Toten belebt werden, besonders belebt werden. Wenn die offene Seele des Geistesschauers an einem Allerseelentag oder an einem Totensonntag oder dergleichen dahin geht, wo viele Menschen erscheinen mit den Erinnerungen an die Toten, so nimmt sie wahr, daß da die Toten teilnehmen, und es ist für die Toten dann so, nur natürlich entsprechend verschieden gedacht, wie wenn hier auf dem physischen Erdenrund die Menschen einen Dom besuchen und jene Formen schauen wurden, die sie nicht schauen könnten, wenn nicht aus der künstlerischen Phantasie heraus zu dem physischen Dasein etwas hinzuerschaffen worden wäre, oder wenn sie eine Symphonie hören oder dergleichen. Es ist gewissermaßen das über das gewöhnliche Maß des Daseins hinaus Entstehende, das sich in all diesen Erinnerungen darbietet. Und wie sich die Kunst hineinstellt in den physisch-historischen Menschenverlauf, so stellen sich die Erinnerungen an die Toten herein in das Bild, das die Seelen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt von ihrer Welt aus bekommen. In solchen Gebräuchen, die sich bilden innerhalb der menschlichen Gemeinschaften, drückt sich eben jenes geheime Wissen aus, das die Seelen in ihren Untergründen haben, und mancher ehrwürdige Gebrauch hängt eben mit diesem unterbewußten Bewußtsein zusammen.
[ 10 ] Such things, you see, are not known within the physical lives of human beings. One says, they are not known—. They are not known by what is ordinary consciousness, but by what is deeper subconscious consciousness, these things are known, and life has always been organized accordingly. Why did human communities place such importance on celebrating All Souls’ Day, memorial days, and the like? And those who cannot participate in a general day of remembrance for the dead have their own days of remembrance. Why is that? Because in the subconscious consciousness of human beings lives what one might call a dark awareness of what is brought into the world by the fact that memories of the dead are enlivened, especially enlivened. When the open soul of the spiritual beholder goes on All Souls’ Day or Remembrance Sunday or the like to where many people gather with memories of the dead, it perceives that the dead are present there, and for the dead it is then, though naturally conceived differently, as if here on the physical earth people were visiting a cathedral and beholding those forms they could not see were it not for the artistic imagination adding something to physical existence, or as if they were listening to a symphony or the like. It is, so to speak, that which arises beyond the ordinary measure of existence that presents itself in all these memories. And just as art inserts itself into the physical-historical course of human life, so do the memories of the dead enter into the picture that the souls receive of their world between death and a new birth. In such customs, which take shape within human communities, precisely that secret knowledge is expressed which the souls possess in their depths, and many a venerable custom is connected precisely with this subconscious consciousness.
[ 11 ] Wir stehen vor den Zusammenhängen des Lebens viel bewundernder noch, wenn wir sie durchdringen können mit dem, was uns die Geisteswissenschaft an die Hand gibt, als wenn wir sie nicht damit durchdringen können. Wenn der Tote in der Seele eines Menschen, der mit ihm in einem Verhältnis hier gestanden hat, eine Erinnerung an sich antrifft, so ist es immer so, wie wenn ihm etwas entgegentreten würde, was ihm das Leben verschönt, was ihm das Leben erhöht. Und setzt sich hier für uns Schönheit aus demjenigen zusammen, was Kunst ist, so setzt sich für die Toten Schönheit zusammen aus demjenigen, was hinaufstrahit aus den Herzen, den Seelen der an ihre Toten sich erinnernden Menschen.
[ 11 ] We view the interconnections of life with even greater admiration when we are able to penetrate them using the tools provided by Spiritual Science than when we are unable to do so. When the deceased encounters a memory of himself in the soul of a person who had a relationship with him here, it is always as if something were to meet him that beautifies his life, that elevates his life. And just as beauty for us is composed of what is art, so beauty for the dead is composed of what radiates upward from the hearts and souls of the people who remember their dead.
[ 12 ] Das ist auch ein Zusammenhang zwischen der Welt hier und der geistigen Welt dort. Und es ist dies ein solcher Gedanke, der eng zusammenhängt mit jenem anderen Gedanken, der aus vielem, vielem hervorgeht, was in der Geisteswissenschaft gepflogen werden kann, dem Gedanken von dem Wertvollen, dem Wichtigen des Erdenlebens. Geisteswissenschaft führt uns nicht dahin, die Erde mit alledem, was sie hervorbringen kann, zu verachten, sondern Geisteswissenschaft führt uns dahin, das physische Erdenleben als ein Glied zu betrachten innerhalb des gesamten Weltenlebens und als ein notwendiges Glied; als ein Glied, das auf das hin angelegt ist, was in der geistigen Welt wirkt und ohne das die geistige Welt nicht in ihrer Vollständigkeit erscheinen würde. Und wenn wir nunmehr unseren Blick sozusagen dahin wenden, daß aus unserer physischen Welt heraus die Schönheit für die Toten ersprießen muß, so schließt sich uns der Gedanke auf, daß diese Schönheit für die geistige Welt fehlen würde, wenn es nicht eine physische Welt geben könnte mit Menschenseelen, die im Leibe auch noch Gedanken, gefühlsdurchtränkte, empfindungsdurchwellte Gedanken entwickeln könnten an diejenigen, die nicht in der physischen Welt sind. Es bedeutete viel, meine lieben Freunde, wenn in alten Zeiten zum Beispiel ganze Volksstämme immer wieder und wiederum hingebungsvoll in ihren Festen an die großen Ahnen dachten, wenn sie vereinigten ihre Gefühle im Hinblick auf einen großen Ahn. Es bedeutete viel, wenn sie solche Gedenktage einrichteten, denn das war immer das Aufleuchten eines Schönen für die geistigen Welten, das heißt für die Seelen, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt standen. Und so wenig, nun, sagen wir, um milde zu sprechen, so wenig «unalbern» es wäre, wenn jemand besonderes Gefallen hier auf der Erde an seinem eigenen Bildnis, an seinem eigenen Porträt fände — das ist ja natürlich etwas Albernes, nicht wahr? —, so bedeutsam ist nun das Bild, das der Tote findet bei den hier Zurückgebliebenen von sich selber. Denn, meine lieben Freunde, das müssen wir festhalten: Unser Erdenmensch wird etwas ganz anderes für uns, wenn wir ihn, als Tote, vom Gesichtspunkte des Geistigen aus betrachten; das haben wir öfters betont. Hier sind wir innerhalb unserer Haut eingeschlossen, hier ist uns dasjenige, was wir als «wir», als «ich» bezeichnen, eben das innerhalb der Haut Eingeschlossene, was uns wert ist. Auch für den «selbstlosen» Menschen gilt das! Für die «ganz selbstlosen Menschen» gilt das vielleicht sogar um einen Grad mehr als für diejenigen, die sich weniger selbstlos dünken! Wert ist uns vor allen Dingen, was innerhalb dieser Haut eingeschlossen ist, dann kommt die übrige Welt. Wir blicken zu dieser übrigen Welt als zur Außsenwelt. Das ist aber gerade das Bedeutungsvolle, daß wir, wenn wir aus unserem Körper draußen sind, mit der Außenwelt vereinigt werden; wir leben in dieser Außenwelt. Dieses Aufgehen, dieses Sich-Ausbreiten über die Außenwelt, ich habe es öfters beschrieben. Und dasjenige, was dann sich so zu uns verhält wie jetzt die Außenwelt, das ist das, was wir gerade hier zwischen Geburt und Tod für uns ausgelebt haben. Die Außenwelt wird, wir Können sagen, gewissermaßen unsere Innenwelt; und das, was hier unsere Innenwelt ist, wird dann unsere Außenwelt. Daher diese bedeutsame Erfahrung, wie ich sie in meiner «Theosophie» berührte, beim Betreten des Geisterlandes: «Das bist du.»
[ 12 ] This is also a connection between the world here and the spiritual world there. And this is a thought that is closely linked to that other thought which arises from much, much of what can be cultivated in Spiritual Science: the thought of the value and importance of earthly life. Spiritual Science does not lead us to despise the earth with all that it can produce, but rather Spiritual Science leads us to regard physical earthly life as a link within the totality of world life and as a necessary link; as a link that is oriented toward what is at work in the spiritual world and without which the spiritual world would not appear in its completeness. And when we now turn our gaze, so to speak, to the fact that beauty for the dead must spring forth from our physical world, the thought dawns on us that this beauty would be missing from the spiritual world if there could not be a physical world with human souls capable of developing, even within the body, thoughts—thoughts imbued with feeling and rippling with sensation—toward those who are not in the physical world. It meant a great deal, my dear friends, when in ancient times, for example, entire tribes would time and again devotedly remember the great ancestors in their festivals, uniting their feelings in remembrance of a great ancestor. It meant a great deal when they established such days of remembrance, for that was always a shining of beauty for the spiritual worlds—that is, for the souls standing between death and a new birth. And just as little—well, let’s say, to put it mildly—as it would be “unfoolish” for someone here on Earth to take particular pleasure in their own likeness, in their own portrait—that is, of course, something foolish, isn’t it?—so significant is the image that the deceased finds of themselves among those left behind here. For, my dear friends, we must bear this in mind: our earthly human being becomes something quite different for us when we, as the dead, view him from the spiritual perspective; we have often emphasized this. Here we are enclosed within our skin; here, what we call “we,” what we call “I”—precisely that which is enclosed within the skin—is what is of value to us. This applies even to the “selfless” person! For the “completely selfless people,” this may even apply to a greater degree than for those who consider themselves less selfless! What is enclosed within this skin is of value to us above all else; then comes the rest of the world. We regard this rest of the world as the external world. But this is precisely what is significant: that when we are outside our body, we become united with the external world; we live in this external world. This merging, this spreading out over the external world—I have described it often. And that which then relates to us as the external world does now—that is what we have lived out for ourselves right here between birth and death. The outer world becomes, we might say, in a sense our inner world; and what is here our inner world then becomes our outer world. Hence this significant experience, as I touched upon it in my *Theosophy*, upon entering the spirit realm: “That is you.”
[ 13 ] Also unsere Innenwelt hier, die unser Ich umfaßt, auf die blicken wir dann hin, das ist die Außenwelt. Und da ist es so, daß jene Seele, die nun nicht in dieser Weise egoistisch sein kann, wie sie hier egoistisch ist, zurüuckblickt auf die Gedanken, die ihr entgegentreten als die Gedanken an sie. Das ist dasjenige, was wie eine Außenwelt ihr entgegentritt, was wirklich einverleibt sein darf in den Umfang dessen, was wir dann als das Schöne bezeichnen, als dasjenige, was uns erhebt, was uns dann erheben darf. Es kommt zu dem, was eine Außenwelt ist — nämlich die Erinnerung an das, was wir durchgemacht haben zwischen Geburt und Tod —, etwas hinzu, was nicht in diesem unserem Leben lebt, sondern was in anderen Seelen lebt, aber sich auf uns bezieht. Das ist wirklich das Hineinstellen eines über uns, das heißt über unsere Außenwelt Hinausgehenden, wie hier das Hineinstellen des Kunstwerkes etwas ist, was über die gewöhnliche, von selbst dastehende Wirklichkeit hinausgeht. So wenig «nett» es hier ist von dem Menschen, wenn er nicht nur in sich, sondern noch dazu in sein Bild verliebt ist, so selbstverständlich ist es dort, daß man zu dem, was in den Seelen, die zurückgeblieben sind, als Bild von einem auftritt und hinzukommt zu der anderen Erscheinung, die man von sich hat, daß man zu dem so steht, wie man hier etwa steht zu einem Landschaftsbild im Verhältnis zur Landschaft oder dergleichen. So ist es also, daß man, wenn einem diese Rätselfrage vor die Seele kommt, das Bild von dem Menschen und seinem Bild in den Seelen der Hinterbliebenen erhält und daß man von da aus den Weg findet zur Beantwortung einer solchen Rätselfrage. Das Spekulieren führt in der Regel zu nichts, sondern das Wartenkönnen, das geduldige Abwarten. Dasjenige, womit man sich bemühen soll, sind eigentlich mit Bezug auf die geistigen Welten die Fragen; die Antworten müssen sich durch Gnade, durch sich offenbarende Gnade der Menschenseele ergeben.
[ 13 ] So our inner world here, which encompasses our ego—that is what we then look toward; that is the external world. And it is the case that the soul, which cannot be as egotistical in that way as it is here, looks back upon the thoughts that confront it as thoughts about itself. This is what confronts it like an external world, what may truly be incorporated into the scope of what we then call beauty, that which uplifts us, that which may then uplift us. Something is added to what constitutes an external world—namely, the memory of what we have experienced between birth and death—something that does not live in this life of ours, but lives in other souls, yet relates to us. This is truly the introduction of something that goes beyond us, that is, beyond our external world, just as the introduction of the work of art here is something that goes beyond ordinary, self-contained reality. As little as it is “nice” here for a person to be in love not only with themselves but also with their own image, it is just as natural there that one relates to what appears in the souls left behind as an image of oneself and is added to the other image one has of oneself, that one stands in relation to it just as one might stand here in relation to a landscape painting in relation to the landscape or the like. So it is that when this riddle-like question arises in one’s soul, one receives the image of the person and their image in the souls of those left behind, and from there one finds the path to answering such a riddle-like question. Speculation generally leads to nothing, but rather the ability to wait, to wait patiently. What one should strive for, with regard to the spiritual worlds, are actually the questions; the answers must arise through grace, through the grace revealed by the human soul.
[ 14 ] Ich habe im Verlaufe dieser Betrachtung eben darauf aufmerksam gemacht, wie die Menschen Einrichtungen treffen, Erinnerungstage, Erinnerungsfeste im allgemeinen, die zusammenhängen mit einem tiefen, aber vom gewöhnlichen Bewußtsein nicht umfaßten Wissen. Das hängt damit zusammen, daß der Mensch überhaupt in den Untergründen seiner Seele ein dumpfes, umfassendes Wissen hat — ich habe hier schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht und daß er eigentlich das Wissen, das er mit seinem Bewußtsein umfaßt, herausholt aus seinem umfassenden Wissen. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie gescheit wir eigentlich wären, wenn wir all das mit unserem Oberbewußstsein umfassen könnten, was unser astralischer Leib umfaßt. Aber dieser Astralleib, der geht auch in einem viel höheren Sinne wissend durch das Leben, als wir gewöhnlich glauben. Wir schätzen dieses Wissen unseres Astralleibes nicht, weil wir eben nichts davon wissen; aber wir können uns wenigstens eine Vorstellung machen von diesem umfassenderen Wissen des Astralleibes, wenn wir uns das Folgende vor die Seele stellen:
[ 14 ] In the course of this discussion, I have just drawn attention to how people establish institutions, days of remembrance, and commemorative festivals in general that are connected to a deep knowledge not grasped by ordinary consciousness. This is connected to the fact that human beings possess, in the depths of their souls, a vague, comprehensive knowledge—I have pointed this out repeatedly here—and that the knowledge they grasp with their conscious mind is actually drawn from this comprehensive knowledge. I have pointed out how intelligent we actually would be if we could grasp with our conscious mind all that our astral body encompasses. But this astral body also moves through life with a much higher sense of knowledge than we usually believe. We do not value this knowledge of our astral body because we simply know nothing about it; but we can at least form a mental image of this more comprehensive knowledge of the astral body if we consider the following:
[ 15 ] Sehen Sie, wir leben so, wir können es ja sagen, gewissermaßen in den Tag hinein. Wir beurteilen die Ereignisse sehr wenig nach ihrem Zusammenhange. Würden wir sie nach ihrem Zusammenhange betrachten, so würde uns manches ganz, ganz anders erscheinen. Denken Sie doch nur einmal, es kann passieren, nicht wahr, daß wir uns irgend etwas vornehmen: Wir nehmen uns am Morgen etwas vor, was wir am Abend ausführen wollen. Mittags passiert uns irgend etwas, was uns verhindert, die Sache am Abend auszuführen. Wir ärgern uns zuweilen gründlich, daß wir die Sache am Abend nicht ausführen können. Wir sind der Meinung, daß es viel schöner, viel richtiger gewesen wäre, wenn wir die Sache hätten ausführen können. Der Astralleib mit seinem umfassenderen, aber uns nicht zum Bewußtsein kommenden Wissen, der weiß das eben anders. Der Astralleib sieht in einem solchen Falle oftmals: Wenn du die Angelegenheit, die du dir für abends vorgenommen hast, ausführst, so kommst du in eine Lage, wo du vielleicht hinfällst und dir ein Bein brichst. Es kann ja durchaus im Bereich der Möglichkeiten liegen, daß wir dem gar nicht entgehen können; wenn wir abends das, was wir uns vorgenommen haben, ausführen, so gibt es eben eine Konstellation vorher, daß wir uns ein Bein brechen. Das wissen wir in unserem Oberbewußtsein nicht, aber der Astralleib durchschaut das, und er führt uns nun in eine solche Lage, durch die wir selber verhindern, daß das eintritt, was wir abends haben ausführen wollen. Daß das eingetreten ist, worüber wir so ärgerlich waren, das ist zuweilen im Gesamtzusammenhang unseres Lebens außerordentlich weise. Aber das wird nicht aus dem Zufall herausgeboren, sondern es wird ganz aus der Weisheit unseres Astralleibes, die uns eigentlich aus dem Oberbewußtsein heraus unbewußt bleibt, gemacht. Wenn wir einsehen könnten, warum wir manches tun und einiges nicht tun, vielleicht weil wir etwas anderes nicht tun könnten oder zu etwas anderem erst geführt werden, wenn wir das alles durchschauen könnten, so würden wir immer einen Zusammenhang in unserem Leben sehen, der von einem Weiseren in uns ausgeht, als wir in unserem Oberbewußtsein sind.
[ 15 ] You see, we live—we might as well admit it—more or less from one day to the next. We rarely consider events in their broader context. If we were to view them in that context, many things would appear quite, quite different to us. Just think about it: it can happen, can’t it, that we make a plan—we decide in the morning to do something we want to carry out in the evening. Then at noon something happens that prevents us from carrying it out that evening. We sometimes get thoroughly annoyed that we can’t carry it out that evening. We believe that it would have been much nicer, much better, if we had been able to carry it out. The astral body, with its more comprehensive knowledge—which does not come to our conscious awareness—knows it differently. In such a case, the astral body often sees: If you carry out the task you have planned for the evening, you will find yourself in a situation where you might fall and break a leg. It is certainly within the realm of possibility that we cannot avoid this at all; if we carry out what we have planned in the evening, there is simply a constellation of events beforehand that leads to us breaking a leg. We are not aware of this in our higher consciousness, but the astral body sees through it, and it now leads us into a situation through which we ourselves prevent what we intended to do that evening from happening. That the very thing we were so annoyed about has occurred is, in the overall context of our lives, sometimes extraordinarily wise. But this is not born of chance; rather, it is entirely the result of the wisdom of our astral body, which actually remains unconscious to us from the perspective of our higher consciousness. If we could understand why we do some things and not others—perhaps because we could not do something else, or because we are first being led to something else—if we could see through all of this, we would always perceive a connection in our lives that emanates from a wiser part of ourselves than that which resides in our higher consciousness.
[ 16 ] Es ist schon in unserem Leben Zusammenhang, aber dieser Zusammenhang wird nicht in seiner ganzen Sphäre durchschaut. Und sobald wir uns richtig den Gedanken vor die Seele halten, wie wir eigentlich mit den geistigen Welten zusammenhängen, so wird uns die Sache schon klar. Über uns liegt ein Wesen, das im engeren Sinne zu uns gehört, ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, unser schützender Geist. Wir wenden uns sogar jetzt immer im Beginn unserer Betrachtungen an die schützenden Geister derjenigen, die draußen die großen Forderungen der Zeit unmittelbar zu erfüllen haben. Dieser schützende Geist sieht nun hinein in den Zusammenhang. Aus einem Gefühl heraus war das lange im Menschenbewußtsein rege, daß) gewisse Zusammenhänge, die wir nicht überschauen, von diesem schützenden Geist überschaut werden. Nun sind aber die Grenzen zwischen dem, was wir überschauen, und dem, was wir nicht überschauen mit unserem Bewußtsein, veränderlich. Es gibt ja wirklich Menschen hier, die dadurch mit einer gewissen inneren Zufriedenheit durch das Leben gehen, daß sie das, was an sie herankommt, eben an sich herankommen lassen, weil sie an die waltende Weisheit glauben, weil sie durchdrungen sind davon, daß auch dasjenige, worüber man so leicht ärgerlich werden kann, vom Walten der Weisheit durchtränkt ist. Es ist ja manchmal schwer, wenn etwas passiert, was so recht gegen unsere Absichten geht, an die waltende Weisheit zu glauben. Aber darin besteht gerade einer derjenigen Impulse, die uns so recht in Zusammenhang mit den Wirkungen der geistigen Welt bringen, daß wir uns hineinzufügen wissen in die waltende Weisheit, ohne bequem oder faul dadurch zu werden, ohne zu glauben, daß diese waltende Weisheit selbständig für uns handelt. Die Grenze ist also verschiebbar, und auch in bezug auf das Handeln, auf das Bilden von Absichten ist die Grenze verschiebbar. Da treten allerdings in das gewöhnliche Bewußtsein Impulse herein, die etwas Intimes, Zartes haben. Wie oft, nicht wahr, kommt es, daß wir uns etwas vornehmen für einen späteren Zeitraum. Nun kommt irgend etwas, wir haben das Gefühl, wir müssen dies tun, was eigentlich verhindert das Spätere. Wir haben das Gefühl, aus der sich bietenden Notwendigkeit heraus zu handeln und die Sache ja nicht unzart anfassen zu dürfen, denn wir wissen: Wenn wir sie unzart anfassen, dann zersplittert sie sich vor uns, dann zerstiebt sie. Wir haben neben dem, worauf wir unsere Freiheit richten, mehr oder weniger deutlich einen Menschen in uns, der sich durch das Leben durchtasten will und der glaubt, durch das, was er ertasten kann, viel mehr zu erreichen als durch dasjenige, was er mit seinen Begriffen ganz genau sich abzirkeln kann. Die Grenze ist verschiebbar.
[ 16 ] This connection already exists in our lives, but we do not fully grasp its full scope. And as soon as we truly hold the thought before our soul of how we are actually connected to the spiritual worlds, the matter becomes clear to us. Above us is a being who, in the strictest sense, belongs to us—a being from the hierarchy of the Angeloi, our guardian spirit. Even now, at the beginning of our reflections, we always turn to the guardian spirits of those who, out in the world, must directly meet the great demands of the times. This guardian spirit now looks into the connection. For a long time, a feeling has been active in human consciousness that certain connections we cannot grasp are grasped by this guardian spirit. But the boundaries between what we can grasp and what we cannot grasp with our consciousness are fluid. There are indeed people here who go through life with a certain inner contentment because they simply allow whatever comes their way to come to them, because they believe in the ruling wisdom, because they are imbued with the conviction that even that which can so easily provoke annoyance is permeated by the working of wisdom. It is, of course, sometimes difficult to believe in the ruling wisdom when something happens that goes so very much against our intentions. But this is precisely one of those impulses that truly connects us to the effects of the spiritual world—that we know how to submit to the ruling wisdom without becoming complacent or lazy as a result, without believing that this ruling wisdom acts independently on our behalf. The boundary is thus shiftable, and it is also shiftable with regard to action and the formation of intentions. Here, however, impulses enter ordinary consciousness that have something intimate and delicate about them. How often, don’t you think, does it happen that we resolve to do something at a later time? Now something comes along, we have the feeling that we must do this, which actually prevents what was planned for later. We have the feeling that we must act out of the necessity that presents itself and that we must not handle the matter roughly, for we know: if we handle it roughly, then it shatters before us, then it shatters into pieces. Alongside that toward which we direct our freedom, there is, more or less clearly, a person within us who wants to feel his way through life and who believes he can achieve much more through what he can feel than through what he can precisely define with his concepts. The boundary is shiftable.
[ 17 ] Aber die Grenze ist zuweilen noch mehr verschiebbar, und da kommt ein Punkt in Betracht, der wirklich recht ins Auge gefaßt werden soll gegenüber dem praktischen Leben. Es gibt Menschen und in gewisser Beziehung sind wir alle ergriffen von dem, was in solchen Menschen waltet —, die auch eine gewisse Sehnsucht, eine gewisse Begierde haben, sich ihr Leben zurechtzulegen, so zwischen den Zeilen des Lebens durchzugehen. Nehmen Sie einen auffallenden Fall an: Sie kennen einen Menschen, der schließt mit einem anderen Menschen Freundschaft. Sie sagen sich zunächst: Ich kann wirklich nicht recht begreifen, warum der mit diesem anderen Freundschaft schließt, es ist mir nicht durchsichtig, es herrscht keine rechte Beziehung zwischen diesen beiden Menschen, aber der tut alles, um an diesen Menschen heranzukommen. Man kann es nicht begreifen, und man merkt manchmal erst sehr lange nachher, warum das geschehen ist: Der Betreffende braucht diesen Menschen vielleicht erst viel später zu etwas. Er hat mit diesem Menschen Freundschaft geschlossen, nicht weil er an ihm etwas erlebt hat, was er gerne hatte, nicht um seiner selbst willen, sondern als Mittel für etwas, was erst später eintreten solite. Er hat sich das Leben «zurechtgerückt»: Dadurch, daß er mit ihm Freundschaft geschlossen hat, ist dieser Mensch zu etwas gekommen, wodurch er ihm später in einer Situation helfen kann. Und die Folge davon ist, daß nun wirklich das eintritt, mit Hilfe jenes sogenannten Freundes, was sonst nicht eingetreten wäre.
[ 17 ] But the boundary is sometimes even more fluid, and this brings us to a point that really deserves close attention in relation to practical life. There are people—and in a certain sense we are all moved by what prevails in such people—who also have a certain longing, a certain desire to organize their lives, to navigate through the lines of life. Consider a striking example: You know a person who befriends another person. At first you say to yourself: I really can’t quite understand why he is befriending this other person; it isn’t clear to me; there isn’t really a proper relationship between these two people, yet he does everything he can to get close to this person. You can’t understand it, and sometimes you only realize much later why it happened: The person in question may not need that person for anything until much later. He befriended that person not because he experienced something in him that he liked, not for his own sake, but as a means to an end that would only come to pass later. He has “arranged” his life: by befriending them, this person has gained something that will enable them to help him later in a certain situation. And the result is that, with the help of this so-called friend, something actually happens that otherwise would not have happened.
[ 18 ] Dehnen Sie diesen Gedanken über das Leben aus, so werden Sie sehen, wie ungeheuer verbreitet das im Leben ist, daß sich die Menschen vorher etwas zurechtlegen, das sie nicht so unmittelbar wollen, wie sie es sich zurechtlegen, sondern von dem sie wollen, daß es so ist, weil sie es eigentlich erst in den Wirkungen gebrauchen wollen. Man mußt also sagen: Es gibt Menschen, welche in diesem Sich-Zurechtlegen-des-Lebens eine — wir können jetzt nicht sagen Weisheit, denn wir werden ein inneres Widerstreben haben, dies Weisheit zu nennen —, aber welche eine ungeheure Schlauheit haben, eine ganz ungeheure Schlauheit, in früheren Stadien ihres Lebens etwas zu tun, was ihnen nicht in diesen Stadien, sondern erst in nachherigen Stadien ihres Lebens irgendwie zugute kommen soll. Und wir haben dann das Gefühl: Ich hätte den Menschen eigentlich gar nicht für so schlau gehalten, denn wenn ich mit ihm zusammenkomme, wenn ich mit ihm Gedanken austausche, wenn ich mit ihm zusammenlebe, da ist er eigentlich viel dummer, als er sein muß, wenn er sich das Leben so zurechtzimmert.
[ 18 ] If you extend this idea to life in general, you will see how incredibly widespread it is that people first devise something they do not immediately want in the way they have devised it, but rather want it to be that way because they actually intend to make use of it only through its effects. One must therefore say: There are people who, in this way of arranging their lives, possess—we cannot call it wisdom, for we would feel an inner resistance to calling it wisdom— but who possess an immense shrewdness, a truly immense shrewdness, in doing something in earlier stages of their lives that is not meant to benefit them in those stages, but only in later stages of their lives. And we then have the feeling: I actually wouldn’t have thought this person was so clever, because when I meet with them, when I exchange thoughts with them, when I live with them, they are actually much more foolish than they need to be when they arrange their lives in this way.
[ 19 ] Sehen Sie, das kommt davon her, weil in der Tat dasjenige, was der Mensch im astralischen Leibe trägt, gescheiter sein kann als das, was er in seinem gewöhnlichen Bewußtsein trägt. Wenn der Mensch stark seinen Egoismus hinunterdrängt in das Unbewußte, wenn er nicht mit einer gewissen Ursprünglichkeit lebt, sondern wenn er so sehr seinen Egoismus, ich möchte sagen, überspringen läßt, dann ergreift sein Egoismus auch sein unterbewußtes Bewußtsein, und es lebt in ihm der Mensch, der in uns allen lebt, aber der uns sonst anleitet, das Leben eben zu nehmen in elementarer, in unmittelbarer Weise: er leitet ihn dann an, das Leben zu deichseln, sich einzurichten, sich vorher die Bedingungen zu schaffen für ein Späteres. Da sehen wir walten den astralischen Leib mit seiner Gescheitheit. Aber wir sehen ihn jetzt durchtränkt, nicht von dem, was wir sonst im Leben walten sehen, sondern wir sehen von dem gewöhnlichen Bewußtsein den Egoismus hinuntergedrängt in das astralische Bewußtsein, und wir sehen, daß der Mensch eigentlich mit viel mehr scheinbarer, wie wir dann sagen, «Überlegung» durch das Leben geht, als ihm nach seinem Bewußtsein eigentlich schon zukommt. Da liegen viele gefährliche Seiten für die Entwickelung der Menschenseele, und sehr wichtig ist es, daß man sich dessen bewußt ist, daß} man in dem Augenblick, wo man herantritt an dasjenige, was in uns sonst unbewußt wirkt, versucht, nicht zu stark mit seinem Egoismus heranzutreten. Deshalb muß auch immer wieder und wiederum dieses Absehen von dem Egoismus für die Entwickelung nach der geistigen Welt hin betont werden.
[ 19 ] You see, this is because, in fact, what a person carries in their astral body can be more intelligent than what they carry in their ordinary consciousness. When a person forces his egoism down into the unconscious, when he does not live with a certain naturalness, but instead suppresses his egoism I would say, allows it to leap over, then his egoism also seizes his subconscious mind, and the human being who lives in all of us—but who otherwise guides us to take life in an elemental, immediate way—lives within him: he then guides him to harness life, to settle in, to create the conditions beforehand for a later time. There we see the astral body at work with its cleverness. But we now see it permeated, not by what we usually see at work in life, but we see egoism pushed down from ordinary consciousness into the astral consciousness, and we see that the human being actually goes through life with much more apparent, as we then say, “reflection” than is actually due to him according to his consciousness. Therein lie many dangerous aspects for the development of the human soul, and it is very important to be aware that, at the moment when one approaches that which otherwise works unconsciously within us, one must try not to approach it too strongly with one’s egoism. That is why this renunciation of egoism must be emphasized again and again for development toward the spiritual world.
[ 20 ] Da, unter unserem gewöhnlichen Bewußtsein, waltet wirklich etwas, was durchsetzt sein kann vom Bewußtsein unseres schützenden Geistes aus der Hierarchie der Angeloi, und dann kommt eben dasjenige zustande, was uns manchmal vor dem gewöhnlichen Bewußtsein der Menschen unbesonnen erscheinen lassen kann, was aber doch unter einer gewissen Regel steht, die ich in einem der Mysterien sehr einfach habe ausdrücken wollen dadurch, daß ich sagte oder durch eine Person sagen ließ: Die Herzen müssen oftmals das Karma deuten. — Wenn man aber darüber hinausgeht, über dasjenige, was das Herz deutet im Karma, wenn man den Verstand walten läßt, so setzt sich diesem Verstand zuweilen eine starke Dosis von Egoismus bei. Oder aber es kann dieser Egoismus so darinnen walten, daß wir den Menschen schlauer finden, als er uns von seinem unmittelbaren Bewußtsein heraus erscheint. Dann hat er den Egoismus hinuntergedrängt in seinen astralischen Leib. Da kommt ihm etwas, jetzt nicht von den regulären Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, sondern etwas Luziferisches in das Wirken der Seele hinein, etwas, was den Menschen eine weitere Sphäre umkreisen läßt, als er eigentlich bewußt umkreisen würde nach seiner entsprechenden Entwickelungsstufe. Wir sehen, daf3 dasjenige, was so notwendig ist zu betonen, gerade wenn man an die geisteswissenschaftliche Entwickelung herantritt, wirklich etwas Zartes und Intimes ist; denn selbstverständlich sollen wir unser Bewußtsein erweitern, aber wir sollen uns unser Bewußtsein erweiternd auch immerzu bemühen, das Hindernis hinwegzuschaffen, das durch das Hinunternehmen oder Hinaufnehmen — das ist ja ganz gleichgültig, das eine oder das andere — des Egoismus in eine tiefere oder höhere Bewußtseinssphäre entsteht.
[ 20 ] For beneath our ordinary consciousness there truly reigns something that may be permeated by the consciousness of our guardian spirit from the hierarchy of the Angeloi, and then what comes about is precisely that which can sometimes make us appear rash in the eyes of ordinary human consciousness, yet which is nevertheless subject to a certain rule that I sought to express very simply in one of the Mysteries by saying—or having a character say: “Hearts must often interpret karma.” — But if one goes beyond that, beyond what the heart interprets in karma, if one lets the intellect take the lead, then a strong dose of egoism sometimes joins this intellect. Or this egoism can prevail within it to such an extent that we find the person more cunning than they appear to us from their immediate consciousness. Then he has pushed the egoism down into his astral body. Then something enters the soul’s activity—not from the regular beings of the hierarchy of the Angeloi, but something Luciferic—something that causes the human being to revolve around a wider sphere than he would actually revolve around consciously according to his corresponding stage of development. We see that what is so necessary to emphasize, especially when approaching the development of Spiritual Science, is truly something delicate and intimate; for of course we are to expand our consciousness, but in expanding our consciousness we must also constantly strive to remove the obstacle that arises through the descent or ascent—it makes no difference whether one or the other—of egoism into a deeper or higher sphere of consciousness.
[ 21 ] Sie können fragen: Ja, wie können wir denn das? Es ist gut sagen, man solle den Egoismus nicht aus seinem gewöhnlichen Bewußtsein herausbringen. Wie kann man vermeiden, den Egoismus aus seinem gewöhnlichen Bewußtsein zu bringen? — Ja, sehen Sie, meine lieben Freunde, das kann man nicht durch Regeln, sondern das kann man nur dadurch, daß man seine Interessen erweitert. Wenn man seine Interessen erweitert, dann bekämpft man schon immer in irgendeiner Weise seinen Egoismus. Denn mit jedem neuen Interesse, das man gewinnt, geht man ein Stück aus sich heraus. Deshalb wird Geisteswissenschaft durch uns so betrieben, wie sie betrieben wird, daß nicht immer nur Rücksicht genommen wird auf dasjenige, was die Menschen nun gerade aus ihrem Egoismus heraus gerne hören wollen, sondern daß wirklich die Interessen erweitert werden. Wie oft wird immer wieder und wiederum die Frage gestellt: Warum sind die Bücher so unverständlich geschrieben? Könnte man sie nicht viel populärer schreiben? Und der eine oder andere macht Vorschläge, wie man recht, recht populär die Bücher schreiben könnte. Man muß sich eigentlich wehren dagegen, diese Popularität zu erreichen, denn sie erhöht nur den Egoismus. Wenn es gar so leicht ist, in die Geisteswissenschaft hineinzukommen, so kann eben jeder ohne Überwindung seines Egoismus hineinkommen. Aber in der Arbeit, die man geistig durchmachen muß, wenn man sich etwas anstrengt, muß man schon ein Stück von seinem Egoismus wegbringen, und so kommt man unegoistischer hinein in dasjenige, was man erreichen will durch die Geisteswissenschaft, wenn man sich etwas anstrengen muß, als wenn es ganz populär dargestellt wird. Wir haben es zum Beispiel erleben müssen, daß jemand auftrat, der sagte: Es gibt so viele Menschen, welche den ganzen Tag zu arbeiten haben. Wenn sich diese Menschen abends hinsetzen und die schweren Bücher lesen sollen, so kommen sie damit nicht zurecht. Denen sollte man doch ganz leicht lesbare Bücher liefern. — Darauf mußte man ihm sagen: Warum soll man diese Menschen verhindern, die wenige Zeit, die sie haben, dazu zu nehmen, die Bücher zu lesen, die mit voller Absicht aus den geistigen Bedingungen heraus geschrieben worden sind? Warum sollen sie diese Zeit verwenden, um Schriften zu lesen, die zwar bequem zu lesen sind, die aber, weil sie die Dinge trivialisieren, selbst wenn sie vielleicht dem Wortlaut nach dasselbe geben, dadurch, daß sie die Seelen nicht in dieselbe Lage versetzen, dennoch in das triviale Leben dasjenige herabzerren, was gerade herausführen soll aus dem trivialen Leben auch mit Bezug auf die Art und Weise, wie man es durchlebt in einer anderen Sphäre?
[ 21 ] You may ask: Yes, but how can we do that? It is easy to say that one should not remove selfishness from one’s ordinary consciousness. How can one avoid removing egoism from one’s ordinary consciousness? — Yes, you see, my dear friends, this cannot be achieved through rules, but only by broadening one’s interests. When one broadens one’s interests, one is already combating one’s egoism in some way. For with every new interest one gains, one steps a little outside of oneself. That is why we practice Spiritual Science the way we do—not merely catering to what people, out of their egoism, happen to want to hear, but truly broadening their interests. How often is the question asked again and again: Why are the books written in such an incomprehensible way? Couldn’t they be written in a much more accessible way? And one or the other makes suggestions on how the books could be written in a very, very accessible way. One must actually resist the urge to achieve this accessibility, for it only increases egoism. If it is so easy to enter into Spiritual Science, then anyone can enter without having to overcome their egoism. But in the work one must undergo spiritually—when one makes an effort—one must already set aside a portion of one’s egoism; and so one enters more selflessly into what one seeks to achieve through Spiritual Science when one must make an effort, rather than when it is presented in a completely popular manner. We have, for example, had to experience someone who said: There are so many people who have to work all day. If these people are supposed to sit down in the evening and read difficult books, they cannot cope with it. One should provide them with books that are very easy to read. — To this one had to say to him: Why should one prevent these people from using the little time they have to read books that have been written with full intention out of spiritual conditions? Why should they use this time to read writings that, while easy to read, trivialize things—even if they may convey the same meaning in words—and, by failing to place the soul in the same state, dragging down into trivial life that which is precisely meant to lead out of trivial life, including with regard to the way one lives it in a different sphere?”
[ 22 ] Das wird von ganz besonderer Wichtigkeit sein, daß man bei der Geisteswissenschaft nicht bloß das «Was», sondern das «Wie» ins Auge faßt, daß man sich wirklich allmählich bequemt, sich hineinzuleben in Vorstellungen über eine Welt, die nun einmal ganz anders ist als die gewöhnliche physische Welt, und daher auch sich angewöhnt, nach und nach, andere Vorstellungen sich zu bilden, als diejenigen sind, die man sich in so bequemer Weise aus der physischen Welt heraus gebildet hat. Und da möchte ich heute am Schlusse noch eine Vorstellung erwägen, die wir bei der nächsten Betrachtung heute in acht Tagen wieder brauchen werden. Aber ich will sie schon heute erwägen, damit Sie sehen, daß man vielleicht sogar gut tut, sich neue Worte anzueignen fur dasjenige, was in der geistigen Welt vor sich geht.
[ 22 ] It will be of particular importance in Spiritual Science not merely to consider the “what,” but also the “how”; to gradually accustom oneself to immersing in mental images of a world that is, after all, quite different from the ordinary physical world, and thus to gradually form mental images different from those we have so conveniently formed from the physical world. And here, at the end of today’s lecture, I would like to consider a mental image that we will need again in our next lecture in a week’s time. But I want to consider it today so that you can see that it may even be beneficial to acquire new words for what takes place in the spiritual world.
[ 23 ] Für die Art und Weise, wie ein Mensch zwischen Geburt und Tod lebt, haben wir ein Wort, das etwas ausdrückt im Leben, ausdrückt in Anlehnung an dasjenige, was wir sehen: das Wort «altern». Wir sehen das Kind frisch, rund, das innere Leben durch die außeren Formen fließend, wir sehen das Kind bis zu einem gewissen Jahre strotzend von innerem Leben, das sich in die äußere Form ergießt. Dann kommt die Zeit, wo das innere Leben nicht mehr so sich ergießt, wo wir Runzeln bekommen, wo es anders wird mit uns. Kurz, wir verfolgen dieses äußere Leben von der Geburt bis zum Tode nach der Art, wie sich uns der physische Leib darstellt in diesem Lebensverlauf. Das nennen wir altern aus dem ganz trivialen Grunde, weil unser physischer Leib jung ist, wenn wir geboren werden, und alt ist, wenn wir sterben.
[ 23 ] We have a word that describes the way a person lives between birth and death, a word that expresses something about life based on what we see: the word “aging.” We see the child fresh and round, with inner life flowing through the outer forms; we see the child, up to a certain age, brimming with inner life that pours into the outer form. Then comes the time when inner life no longer pours out in the same way, when we get wrinkles, when things change for us. In short, we trace this outer life from birth to death according to the way the physical body presents itself to us in the course of this life. We call this aging for the very simple reason that our physical body is young when we are born and old when we die.
[ 24 ] Mit dem Ätherleib ist es ganz anders. Unser Ätherleib, wenn wir das Wort überhaupt anwenden wollen, ist durch die Kräfte, durch die er gebildet wird, alt, wenn er zur Geburt oder Empfängnis hingeleitet wird. Er ist alt, indem wir eben erst unser physisches Leben anfangen, da ist er ausgeprägt und ausziseliert, da hat er viele, viele innere Formungen — es sind Bewegungen, aber die sind innere Formungen. Die werden ihm genommen im Verlaufe des Lebens, aber dafür wird die Kraft, zu leben, erhöht, und er ist ein Kind, wenn wir alt sterben. Der Ätherleib macht gerade die umgekehrte Entwickelung durch als der physische Leib. Wenn wir vom physischen Leibe sagen «wir altern», müßten wir vom Ätherleibe sagen «wir jüngern», und es ist gut, diesen Ausdruck zu bilden: Wir «jüngern» in bezug auf unseren Ätherleib. Wir «jüngern» wirklich in bezug auf unseren Ätherleib, so daß wir diesen Ätherleib, wenn wir geboren werden, in seiner Kraft gerichtet haben auf all dasjenige, was eingeschlossen ist in der menschlichen Haut, während er, wenn wir in einem gewissen Alter durch die Pforte des Todes gehen, eine Art Verwandtschaft hat mit dem ganzen Kosmos. Er hat die Kräfte wieder zurückbekommen, die ihm genommen waren. In dem Augenblick, wo wir Kind waren, da war sein Zusammenhang mit dem Kosmos unterbrochen, da mußte er alle seine Kräfte in den einzigen Raum hineinsenden, der in der menschlichen Haut eingeschlossen ist, da war er auf einen Punkt der Welt gleichsam zusammengedrängt. Nun wird er wiederum frisch, nun wird er wiederum in den Kosmos immer mehr und mehr hineingestellt in demselben Maße, als der physische Leib altert. Wir können sagen — der Ausdruck ist natürlich sehr übertrieben —: Während wir fahl und runzelig werden, wird der Ätherleib pausbackig und ist wiederum ein Abbild der äußeren Kraft, der äußeren schaffenden, strotzenden Kraft, wie der physische Leib ein Ausdruck ist der äußeren strotzenden, schaffenden Kraft im Anfange der Kindheit. Wir «jüngern» mit Bezug auf den Ätherleib. Und es wird schon die Notwendigkeit auch nach und nach kommen, geradezu Worte zu bilden, um die ganz andersartigen Verhältnisse der geistigen Welt wirklich auffassen zu können. Das ist wichtig, daß wir uns mit diesem radikalen Unterschied in der ganzen Anschauung der geistigen Welt gegenüber der physischen Welt bekanntmachen. An diesem Punkte wollen wir dann das nächste Mal unsere Betrachtungen anknüpfen.
[ 24 ] The situation is quite different with the etheric body. Our etheric body—if we are to use that term at all—is old by virtue of the forces that form it, even as it is being guided toward birth or conception. It is old precisely when we are just beginning our physical life; at that point it is fully formed and finely chiseled, possessing many, many inner formations—these are movements, but they are inner formations. These are taken from it in the course of life, but in return the power to live is increased, and it is a child when we die old. The etheric body undergoes precisely the opposite development as the physical body. If we say of the physical body, “we grow old,” we would have to say of the etheric body, “we grow younger,” and it is good to coin this expression: We “grow younger” with regard to our etheric body. We truly “grow younger” in relation to our etheric body, so that when we are born, we have directed the power of this etheric body toward everything enclosed within the human skin, whereas when we pass through the gate of death at a certain age, it has a kind of kinship with the entire cosmos. It has regained the powers that were taken from it. At the moment when we were children, its connection with the cosmos was interrupted; it had to send all its forces into the single space enclosed within the human skin; it was, as it were, compressed into a single point in the world. Now it becomes fresh again; now it is increasingly placed within the cosmos to the same extent that the physical body ages. We can say—the expression is, of course, very exaggerated—that while we become sallow and wrinkled, the etheric body becomes chubby and is once again a reflection of the outer force, the outer creative, bursting force, just as the physical body is an expression of the outer bursting, creative force at the beginning of childhood. We “grow younger” in relation to the etheric body. And the need will gradually arise to actually coin new terms in order to truly grasp the entirely different conditions of the spiritual world. It is important that we familiarize ourselves with this radical difference in the entire conception of the spiritual world as opposed to the physical world. We shall then take up our reflections from this point next time.
