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The Connection Between Man
and the Elemental World
GA 158

9 April 1912, Helsinki

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Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt
  1. The Connection Between Man and the Elemental World, tr. SOL

Öffentlicher Vortrag

Öffentlicher Vortrag

[ 1 ] Vor allen Dingen darf ich Sie um Entschuldigung bitten, wenn ich den Vortrag, den ich zu halten habe, nicht in einer der hier landesüblichen Sprachen halten kann. Es entspricht die Tatsache, daß dieser Vortrag gehalten wird, dem Wunsche der Freunde unserer Theosophischen Gesellschaft, für welche ich hierher gerufen worden bin, eine Reihe von Vorträgen vierzehn Tage hindurch zu halten, und welche die Meinung hatten, daß die Möglichkeit bestehe, innerhalb dieser Zeit auch die zwei angekündigten öffentlichen Vorträge einzufügen. Damit hängtesnatürlich zusammen, daß ich weiter werde um Entschuldigung bitten müssen, wenn mancher der Namen und manche der Bezeichnungen, die gerade aus dem Volksepos der Finnen entlehnt sind, vielleicht von mir, als der Sprache unkundig, nicht ganz richtig ausgesprochen werden. In die Geisteswissenschaft selber wird uns allerdings erst der Vortrag am nächsten Freitag hineinführen können. Die Betrachtung des heutigen Abends wird vielmehr eine Art Nachbargebiet betreffen, welches in eine geisteswissenschaftliche Beleuchtung gerückt werden kann. Allerdings von einem Gebiet soll die Rede sein, das im allertiefsten Sinn des Wortes zu den interessantesten der menschlichen geschichtlichen Betrachtung, des menschlichen geschichtlichen Nachdenkens gehört.

[ 1 ] Vor allen Dingen darf ich Sie um Entschuldigung bitten, wenn ich den Vortrag, den ich zu halten habe, nicht in einer der hier landesüblichen Sprachen halten kann. Es entspricht die Tatsache, daß dieser Vortrag gehalten wird, dem Wunsche der Freunde unserer Theosophischen Gesellschaft, für welche ich hierher gerufen worden bin, eine Reihe von Vorträgen vierzehn Tage hindurch zu halten, und welche die Meinung hatten, daß die Möglichkeit bestehe, innerhalb dieser Zeit auch die zwei angekündigten öffentlichen Vorträge einzufügen. Damit hängtesnatürlich zusammen, daß ich weiter werde um Entschuldigung bitten müssen, wenn mancher der Namen und manche der Bezeichnungen, die gerade aus dem Volksepos der Finnen entlehnt sind, vielleicht von mir, als der Sprache unkundig, nicht ganz richtig ausgesprochen werden. In die Geisteswissenschaft selber wird uns allerdings erst der Vortrag am nächsten Freitag hineinführen können. Die Betrachtung des heutigen Abends wird vielmehr eine Art Nachbargebiet betreffen, welches in eine geisteswissenschaftliche Beleuchtung gerückt werden kann. Allerdings von einem Gebiet soll die Rede sein, das im allertiefsten Sinn des Wortes zu den interessantesten der menschlichen geschichtlichen Betrachtung, des menschlichen geschichtlichen Nachdenkens gehört.

[ 2 ] Volksepen! Wir brauchen nur an einige der bekannteren Volksepen zu denken, an die Epen Homers, welche griechische Volksepen geworden sind, an die mitteleuropäische Nibelungensage und endlich an Kalewala, und sogleich wird uns aufleuchten, daß wir durch diese Volksepen tiefer in Menschenseelen und in Menschenstreben hineingeführt werden als durch irgendeine geschichtliche Forschung, so hineingeführt werden, daß uns wichtige alte Zeiten lebendig, wie gegenwärtig vor die Seele hingerückt werden, aber in einer Weise, daß sie in unmittelbarer Gegenwart uns wie die Schicksale und das Leben gegenwärtiger, um uns herum lebender Menschen berühren. Wie ungewiß und dämmerhaft sind uns geschichtlich diejenigen Zeiten des alten griechischen Volkes, von dem uns die Homerischen Epen erzählen, und wie schauen wir hinein, wenn wir den Inhalt der Ilias, der Odyssee auf uns wirken lassen, in die Seelen jener Menschen, die für die gewöhnliche Geschichtsbetrachtung eigentlich vollständig entrückt sind. Kein Wunder, daß die Betrachtung der Volksepen für diejenigen, die sich wissenschaftlich oder literarisch damit beschäftigen, etwas Rätselhaftes hat. Wir brauchen nur auf eine Tatsache in bezug auf die alten griechischen Epen hinzuweisen, die ein geistvoller Betrachter der Ilias in einem sehr schönen, erst vor wenigen Jahren erschienenen Buch über Homers Ilias wiederholt geäußert hat. Ich meine Herman Grimm, den Neffen des großen germanischen Mythen-, Sagen- und Sprachforschers Jakob Grimm. Indem Herman Grimm die Gestalten und Tatsachen der Ilias auf sich wirken ließ, fühlte er sich immer wieder und wieder veranlaßt zu sagen: Oh, dieser Homer — wir brauchen heute nicht einzugehen auf die Frage nach der Persönlichkeit des Homer — scheint, wenn er irgend etwas schildert, das einem Handwerk, einer Kunst entlehnt ist, wie wenn er Fachmann in diesem Handwerk, in dieser Kunst wäre. Schildert er eine Schlacht, einen Kampf, so scheint er völlig bekannt zu sein mit all den strategischen und militärischen Grundsätzen, die innerhalb der Kriegsführung in Betracht kommen. — Mit Recht weist Herman Grimm darauf hin, daß ein strenger Richter in solchen Dingen ein Bewunderer der sachlichen Schlachtenschilderung Homers war, nämlich Napoleon, ein Mann, der zweifellos berechtigt war, ein Urteil darüber zu fällen, ob aus dem Geist Homers heraus das Militärische unmittelbar sachgemäß und lebendig vor unsere Seele hingestellt wird oder nicht. Vom allgemein menschlichen Standpunkt aus wissen wir, wie die Gestalten plastisch, wie wenn wir sie unmittelbar vor dem physischen Auge hätten, durch Homer vor unsere Seele hingestellt werden.

[ 2 ] Volksepen! Wir brauchen nur an einige der bekannteren Volksepen zu denken, an die Epen Homers, welche griechische Volksepen geworden sind, an die mitteleuropäische Nibelungensage und endlich an Kalewala, und sogleich wird uns aufleuchten, daß wir durch diese Volksepen tiefer in Menschenseelen und in Menschenstreben hineingeführt werden als durch irgendeine geschichtliche Forschung, so hineingeführt werden, daß uns wichtige alte Zeiten lebendig, wie gegenwärtig vor die Seele hingerückt werden, aber in einer Weise, daß sie in unmittelbarer Gegenwart uns wie die Schicksale und das Leben gegenwärtiger, um uns herum lebender Menschen berühren. Wie ungewiß und dämmerhaft sind uns geschichtlich diejenigen Zeiten des alten griechischen Volkes, von dem uns die Homerischen Epen erzählen, und wie schauen wir hinein, wenn wir den Inhalt der Ilias, der Odyssee auf uns wirken lassen, in die Seelen jener Menschen, die für die gewöhnliche Geschichtsbetrachtung eigentlich vollständig entrückt sind. Kein Wunder, daß die Betrachtung der Volksepen für diejenigen, die sich wissenschaftlich oder literarisch damit beschäftigen, etwas Rätselhaftes hat. Wir brauchen nur auf eine Tatsache in bezug auf die alten griechischen Epen hinzuweisen, die ein geistvoller Betrachter der Ilias in einem sehr schönen, erst vor wenigen Jahren erschienenen Buch über Homers Ilias wiederholt geäußert hat. Ich meine Herman Grimm, den Neffen des großen germanischen Mythen-, Sagen- und Sprachforschers Jakob Grimm. Indem Herman Grimm die Gestalten und Tatsachen der Ilias auf sich wirken ließ, fühlte er sich immer wieder und wieder veranlaßt zu sagen: Oh, dieser Homer — wir brauchen heute nicht einzugehen auf die Frage nach der Persönlichkeit des Homer — scheint, wenn er irgend etwas schildert, das einem Handwerk, einer Kunst entlehnt ist, wie wenn er Fachmann in diesem Handwerk, in dieser Kunst wäre. Schildert er eine Schlacht, einen Kampf, so scheint er völlig bekannt zu sein mit all den strategischen und militärischen Grundsätzen, die innerhalb der Kriegsführung in Betracht kommen. — Mit Recht weist Herman Grimm darauf hin, daß ein strenger Richter in solchen Dingen ein Bewunderer der sachlichen Schlachtenschilderung Homers war, nämlich Napoleon, ein Mann, der zweifellos berechtigt war, ein Urteil darüber zu fällen, ob aus dem Geist Homers heraus das Militärische unmittelbar sachgemäß und lebendig vor unsere Seele hingestellt wird oder nicht. Vom allgemein menschlichen Standpunkt aus wissen wir, wie die Gestalten plastisch, wie wenn wir sie unmittelbar vor dem physischen Auge hätten, durch Homer vor unsere Seele hingestellt werden.

[ 3 ] Wie ist es mit einem solchen Volksepos, wie erweist es sich dauernd durch die verschiedenen Zeiten? Denn wahrhaftig, derjenige, der die Verhältnisse unbefangen beobachtet, wird nicht den Eindruck erhalten, daß künstliche Veranstaltungen der Menschheit, etwa eine künstliche pädagogische Zucht, das Interesse der Jahrhunderte bis in unsere Tage herein an der Ilias und Odyssee immer wieder festgehalten haben. Dieses Interesse ist ein selbstverständliches, ist ein allgemein menschliches. Nur geben uns diese Volksepen in einem gewissen Sinne eine Aufgabe an die Hand, stellen uns sogleich, wenn wir sie betrachten wollen, eine ganz bestimmte, man möchte sagen interessante Aufgabe. Sie wollen nämlich in allen ihren Einzelheiten ganz genau genommen werden. Wir fühlen es sogleich, daß uns etwas unverständlich wird in den Inhalten solcher Volksepen, wenn wir sie etwa so lesen wollen, wie wir irgendein modernes Kunstwerk, einen modernen Roman oder dergleichen lesen. Wir fühlen gleich bei den ersten Zeilen der Ilias, daß Homer genau spricht. Was schildert er uns? Er sagt es uns im Beginn. Mancherlei weiß man aus andern Darstellungen, die nicht in der Ilias enthalten sind, über Ereignisse, die sich nach rückwärts anschließen an die Tatsachen der Iliade. Homer will uns nur schildern, was er in der ersten Zeile prägnant sagt: den Zorn des Achill. Und wenn wir nun die ganze Iliade durchgehen und unbefangen betrachten, so müssen wir sagen: Nichts ist in Wahrheit darin, was nicht so bezeichnet werden kann, daß es auftritt als Tatsache, die da folgt aus dem Zorn des Achill. — Und weiter eine eigentümliche Tatsache wiederum gleich im Beginn der Iliade. Homer beginnt nicht etwa einfach mit den Tatsachen, er beginnt auch nicht mit irgendeiner persönlichen Meinung, sondern er beginnt mit etwas, was gerade eine moderne Zeit vielleicht als Phrase nehmen möchte, beginnt damit, daß er sagt: Singe mir, o Muse, von dem Zorne des Achill! — Und je tiefer wir eindringen in dieses Volksepos, desto klarer wird es uns, daß wir gar nicht Sinn und Geist und Bedeutung desselben verstehen können, wenn wir dieses Wort im Beginne nicht ernst nehmen. Dann aber müssen wir uns fragen: Was bedeutet es eigentlich?

[ 3 ] Wie ist es mit einem solchen Volksepos, wie erweist es sich dauernd durch die verschiedenen Zeiten? Denn wahrhaftig, derjenige, der die Verhältnisse unbefangen beobachtet, wird nicht den Eindruck erhalten, daß künstliche Veranstaltungen der Menschheit, etwa eine künstliche pädagogische Zucht, das Interesse der Jahrhunderte bis in unsere Tage herein an der Ilias und Odyssee immer wieder festgehalten haben. Dieses Interesse ist ein selbstverständliches, ist ein allgemein menschliches. Nur geben uns diese Volksepen in einem gewissen Sinne eine Aufgabe an die Hand, stellen uns sogleich, wenn wir sie betrachten wollen, eine ganz bestimmte, man möchte sagen interessante Aufgabe. Sie wollen nämlich in allen ihren Einzelheiten ganz genau genommen werden. Wir fühlen es sogleich, daß uns etwas unverständlich wird in den Inhalten solcher Volksepen, wenn wir sie etwa so lesen wollen, wie wir irgendein modernes Kunstwerk, einen modernen Roman oder dergleichen lesen. Wir fühlen gleich bei den ersten Zeilen der Ilias, daß Homer genau spricht. Was schildert er uns? Er sagt es uns im Beginn. Mancherlei weiß man aus andern Darstellungen, die nicht in der Ilias enthalten sind, über Ereignisse, die sich nach rückwärts anschließen an die Tatsachen der Iliade. Homer will uns nur schildern, was er in der ersten Zeile prägnant sagt: den Zorn des Achill. Und wenn wir nun die ganze Iliade durchgehen und unbefangen betrachten, so müssen wir sagen: Nichts ist in Wahrheit darin, was nicht so bezeichnet werden kann, daß es auftritt als Tatsache, die da folgt aus dem Zorn des Achill. — Und weiter eine eigentümliche Tatsache wiederum gleich im Beginn der Iliade. Homer beginnt nicht etwa einfach mit den Tatsachen, er beginnt auch nicht mit irgendeiner persönlichen Meinung, sondern er beginnt mit etwas, was gerade eine moderne Zeit vielleicht als Phrase nehmen möchte, beginnt damit, daß er sagt: Singe mir, o Muse, von dem Zorne des Achill! — Und je tiefer wir eindringen in dieses Volksepos, desto klarer wird es uns, daß wir gar nicht Sinn und Geist und Bedeutung desselben verstehen können, wenn wir dieses Wort im Beginne nicht ernst nehmen. Dann aber müssen wir uns fragen: Was bedeutet es eigentlich?

[ 4 ] Und nun die Art der Darstellung, die ganze Art, wie die Ereignisse vor unsere Seele hingebracht werden! Es waren für viele, nicht nur fachmännische, wissenschaftliche Betrachter, sondern auch für künstlerisch umfassende Geister wie Herman Grimm, eine Frage diese Worte: O singe mir, Muse, von dem Zorne des Achill. — Eine Frage, die ihnen tief zu Herzen ging. Wie spielen in dieser Ilias, geradeso wie im Nibelungenlied oder in Kalewala, die Taten geistig-göttlicher Wesenheiten zusammen — in Homers Dichtungen zunächst die Taten und Absichten und Leidenschaften der olympischen Götter — mit den Taten und Absichten und Leidenschaften von Menschen, die, wie Achill, in einem gewissen Sinne dem gewöhnlichen Menschlichen fernstehen, und wiederum mit den Leidenschaften und Absichten und Taten von Menschen, die dem gewöhnlichen Menschlichen schon naheliegen wie Odysseus oder wie Agamemnon? Wenn dieser Achill vor unsere Seele hintritt, so erscheint er uns gegenüber den Menschen, mit denen er zusammenlebt, einsam. Wir fühlen sehr bald im Fortgang der Ilias, daß wir in Achill eine Persönlichkeit vor uns haben, die eigentlich über ihre innersten Angelegenheiten mit all den andern Helden nicht recht sprechen kann. Homer führt uns auch vor, wie Achill seine eigentlichen Herzensangelegenheiten mit göttlich-geistigen Wesenheiten auszumachen hat, die nicht dem Menschenreiche angehören, wie er einsam dem Menschenreiche gegenübersteht durch den ganzen Fortgang der Iliade und wiederum nahesteht übersinnlichen, überirdischen Mächten. Und dabei wiederum das Sonderbare, daß, wenn wir all unser menschliches Fühlen in die Art und Weise von Denken und Empfinden, wie wir sie uns im Kulturprozeß erobert haben, zusammennehmen und den Blick hinlenken nach diesem Achill, er uns dann so erscheint, daß wir oftmals sagen müssen: Wie egoistisch, wie persönlich! — Eine Wesenheit, in deren Seele göttlich-geistige Impulse hereinspielen, sie handelt ganz aus dem unmittelbar Persönlichen heraus. Eine lange Zeit hindurch nimmt ein für die Griechen so wichtiger Krieg, wie der trojanische Sagenkrieg, nur dadurch seinen Fortgang, gewinnt die besonderen Episoden, welche die Iliade schildert, daß Achill für sich dasjenige ausmacht, was er persönlich auszumachen hat mit Agamemnon. Und immer sehen wir, daß überirdische Mächte hereinspielen. Wir sehen Zeus, Apollo, Athene die Impulse austeilen, sozusagen die Menschen an ihre Plätze hinstellen. Es war immer sonderbar, bevor die Aufgabe an mich kam, vom Standpunkt der Geisteswissenschaft an diese Dinge heranzutreten, wie ein sehr geistvoller Mann, mit dem ich das Glück hatte, oftmals persönlich auch über diese Dinge zu verhandeln, wie Herman Grimm mit diesen Dingen sich zurechtfand. Er hat es nicht nur in seinen Schriften, sondern oftmals im persönlichen Gespräche, und da noch viel genauer, ausgesprochen. Er sagte: Wenn wir nur das zusammennehmen, was an historischen Mächten und Impulsen in der Menschheitsentwickelung spielt, dann kommen wir nicht zurecht mit dem, was da lebt und schafft namentlich in den großen Volksepen. Daher wurde für Herman Grimm, den geistvollen Betrachter der Iliade und der Volksdichtungen überhaupt, etwas, was über die gewöhnlichen Bewußtseinskräfte des Menschen, über Verstand, Vernunft, Sinnesanschauung, über das gewöhnliche Gefühl hinausgeht, zu einer realen Macht, zu einer Macht, die schöpferisch ist ebenso wie die andern historischen Impulse. Herman Grimm sprach von einer durch die Menschheitsentwickelung durchgehenden realen schöpferischen Phantasie, sprach von einer Phantasie so, wie man von einer Wesenheit, von einer Realität spricht, von etwas, was für die Menschen waltete und was ihnen im Anfang der Zeiten, die wir beobachten können, im Werden der einzelnen Völker mehr sagen konnte als das, was die gewöhnlichen Seelenkräfte dem Menschen sagen. Wie das Hereinleuchten einer Welt, die sich nicht in den gewöhnlichen menschlichen Seelenkräften erschöpft, so sprach Herman Grimm immer die schöpferische Phantasiie an, die damit für ihn etwa die Rolle einer Mitschöpferin beim Menschenwerdeprozeß bekam.

[ 4 ] Und nun die Art der Darstellung, die ganze Art, wie die Ereignisse vor unsere Seele hingebracht werden! Es waren für viele, nicht nur fachmännische, wissenschaftliche Betrachter, sondern auch für künstlerisch umfassende Geister wie Herman Grimm, eine Frage diese Worte: O singe mir, Muse, von dem Zorne des Achill. — Eine Frage, die ihnen tief zu Herzen ging. Wie spielen in dieser Ilias, geradeso wie im Nibelungenlied oder in Kalewala, die Taten geistig-göttlicher Wesenheiten zusammen — in Homers Dichtungen zunächst die Taten und Absichten und Leidenschaften der olympischen Götter — mit den Taten und Absichten und Leidenschaften von Menschen, die, wie Achill, in einem gewissen Sinne dem gewöhnlichen Menschlichen fernstehen, und wiederum mit den Leidenschaften und Absichten und Taten von Menschen, die dem gewöhnlichen Menschlichen schon naheliegen wie Odysseus oder wie Agamemnon? Wenn dieser Achill vor unsere Seele hintritt, so erscheint er uns gegenüber den Menschen, mit denen er zusammenlebt, einsam. Wir fühlen sehr bald im Fortgang der Ilias, daß wir in Achill eine Persönlichkeit vor uns haben, die eigentlich über ihre innersten Angelegenheiten mit all den andern Helden nicht recht sprechen kann. Homer führt uns auch vor, wie Achill seine eigentlichen Herzensangelegenheiten mit göttlich-geistigen Wesenheiten auszumachen hat, die nicht dem Menschenreiche angehören, wie er einsam dem Menschenreiche gegenübersteht durch den ganzen Fortgang der Iliade und wiederum nahesteht übersinnlichen, überirdischen Mächten. Und dabei wiederum das Sonderbare, daß, wenn wir all unser menschliches Fühlen in die Art und Weise von Denken und Empfinden, wie wir sie uns im Kulturprozeß erobert haben, zusammennehmen und den Blick hinlenken nach diesem Achill, er uns dann so erscheint, daß wir oftmals sagen müssen: Wie egoistisch, wie persönlich! — Eine Wesenheit, in deren Seele göttlich-geistige Impulse hereinspielen, sie handelt ganz aus dem unmittelbar Persönlichen heraus. Eine lange Zeit hindurch nimmt ein für die Griechen so wichtiger Krieg, wie der trojanische Sagenkrieg, nur dadurch seinen Fortgang, gewinnt die besonderen Episoden, welche die Iliade schildert, daß Achill für sich dasjenige ausmacht, was er persönlich auszumachen hat mit Agamemnon. Und immer sehen wir, daß überirdische Mächte hereinspielen. Wir sehen Zeus, Apollo, Athene die Impulse austeilen, sozusagen die Menschen an ihre Plätze hinstellen. Es war immer sonderbar, bevor die Aufgabe an mich kam, vom Standpunkt der Geisteswissenschaft an diese Dinge heranzutreten, wie ein sehr geistvoller Mann, mit dem ich das Glück hatte, oftmals persönlich auch über diese Dinge zu verhandeln, wie Herman Grimm mit diesen Dingen sich zurechtfand. Er hat es nicht nur in seinen Schriften, sondern oftmals im persönlichen Gespräche, und da noch viel genauer, ausgesprochen. Er sagte: Wenn wir nur das zusammennehmen, was an historischen Mächten und Impulsen in der Menschheitsentwickelung spielt, dann kommen wir nicht zurecht mit dem, was da lebt und schafft namentlich in den großen Volksepen. Daher wurde für Herman Grimm, den geistvollen Betrachter der Iliade und der Volksdichtungen überhaupt, etwas, was über die gewöhnlichen Bewußtseinskräfte des Menschen, über Verstand, Vernunft, Sinnesanschauung, über das gewöhnliche Gefühl hinausgeht, zu einer realen Macht, zu einer Macht, die schöpferisch ist ebenso wie die andern historischen Impulse. Herman Grimm sprach von einer durch die Menschheitsentwickelung durchgehenden realen schöpferischen Phantasie, sprach von einer Phantasie so, wie man von einer Wesenheit, von einer Realität spricht, von etwas, was für die Menschen waltete und was ihnen im Anfang der Zeiten, die wir beobachten können, im Werden der einzelnen Völker mehr sagen konnte als das, was die gewöhnlichen Seelenkräfte dem Menschen sagen. Wie das Hereinleuchten einer Welt, die sich nicht in den gewöhnlichen menschlichen Seelenkräften erschöpft, so sprach Herman Grimm immer die schöpferische Phantasiie an, die damit für ihn etwa die Rolle einer Mitschöpferin beim Menschenwerdeprozeß bekam.

[ 5 ] Aber nun ist es eigentümlich, wenn wir diesen Kampfplatz der Iliade, diese Darstellung des Zornes des Achill betrachten mit all dem Hereinspielen übersinnlicher göttlich-geistiger Mächte, dann kommt man doch nicht zurecht mit einer solchen Betrachtung, wie sie Herman Grimm angestellt hat, und gerade in seinem Buche über die Iliade finden wir manches Wort der Resignation, das uns zeigt, wie der gewöhnliche Standpunkt, den man heute literarisch oder wissenschaftlich einnehmen kann, nicht mit diesen Dingen zurechtkommt. Wozu kommt Herman Grimm gegenüber der Ilias, auch gegenüber der Nibelungensage? Er kommt dazu, anzunehmen, daß den historischen Dynastien, Herrschergeschlechtern, andere vorangegangen sind. So denkt Herman Grimm tatsächlich, man möchte sagen, buchstäblich. So denkt er daran, daß etwa Zeus mit seinem ganzen Umkreis eine Art Herrschergeschlecht darstellt, das dem Herrschergeschlecht, dem Agamemnon angehört, vorangegangen sei. Er denkt also sozusagen die Menschheitsgeschichte in einer gewissen Einförmigkeit, denkt sich in den in der Ilias oder der Nibelungensage dargestellten Göttern oder Heroen uralte Menschen, welche die späteren Menschen nur dadurch darzustellen wagten, daß sie ihre Taten, ihre Charaktere in das Kleid des übermenschlichen Mythos kleideten. Es gibt vieles, mit dem man sich nicht zurechtfinden kann, wenn man eine solche Voraussetzung zugrunde legt, so vor allen Dingen die besondere Art des Eingreifens der Götter gerade bei Homer. Ich bitte Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, nur das eine zu nehmen: Thetis, die Mutter des Achill, Athene, andere Göttergestalten, wie greifen sie ein in die Ereignisse von Troja? So greifen sie ein, daß sie die Gestalt von sterblichen Menschen annehmen, diese gleichsam begeistern, diese hinführen zu ihren Taten. Sie erscheinen also nicht selber, sondern durchdringen lebendige Menschen. Lebendige Menschen figurieren nicht nur wie ihre Stellvertreter, sondern wie die Hüllen, die von unsichtbaren Mächten durchdrungen werden, die nicht in eigener Gestalt, nicht in eigener Wesenheit auf dem Kampfplatz erscheinen können. Es wäre doch sonderbar, anzunehmen, daß uralte Menschen der gewöhnlichen Art so dargestellt werden sollten, daß sie die stellvertretenden Menschen aus dem sterblichen Geschlecht wie zu ihrer Hülle nehmen müßten. Das ist nur eine der Hindeutungen, die uns alle beweisen können, daß wir in dieser Art nicht zurechtkommen mit den alten Volksepen.

[ 5 ] Aber nun ist es eigentümlich, wenn wir diesen Kampfplatz der Iliade, diese Darstellung des Zornes des Achill betrachten mit all dem Hereinspielen übersinnlicher göttlich-geistiger Mächte, dann kommt man doch nicht zurecht mit einer solchen Betrachtung, wie sie Herman Grimm angestellt hat, und gerade in seinem Buche über die Iliade finden wir manches Wort der Resignation, das uns zeigt, wie der gewöhnliche Standpunkt, den man heute literarisch oder wissenschaftlich einnehmen kann, nicht mit diesen Dingen zurechtkommt. Wozu kommt Herman Grimm gegenüber der Ilias, auch gegenüber der Nibelungensage? Er kommt dazu, anzunehmen, daß den historischen Dynastien, Herrschergeschlechtern, andere vorangegangen sind. So denkt Herman Grimm tatsächlich, man möchte sagen, buchstäblich. So denkt er daran, daß etwa Zeus mit seinem ganzen Umkreis eine Art Herrschergeschlecht darstellt, das dem Herrschergeschlecht, dem Agamemnon angehört, vorangegangen sei. Er denkt also sozusagen die Menschheitsgeschichte in einer gewissen Einförmigkeit, denkt sich in den in der Ilias oder der Nibelungensage dargestellten Göttern oder Heroen uralte Menschen, welche die späteren Menschen nur dadurch darzustellen wagten, daß sie ihre Taten, ihre Charaktere in das Kleid des übermenschlichen Mythos kleideten. Es gibt vieles, mit dem man sich nicht zurechtfinden kann, wenn man eine solche Voraussetzung zugrunde legt, so vor allen Dingen die besondere Art des Eingreifens der Götter gerade bei Homer. Ich bitte Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, nur das eine zu nehmen: Thetis, die Mutter des Achill, Athene, andere Göttergestalten, wie greifen sie ein in die Ereignisse von Troja? So greifen sie ein, daß sie die Gestalt von sterblichen Menschen annehmen, diese gleichsam begeistern, diese hinführen zu ihren Taten. Sie erscheinen also nicht selber, sondern durchdringen lebendige Menschen. Lebendige Menschen figurieren nicht nur wie ihre Stellvertreter, sondern wie die Hüllen, die von unsichtbaren Mächten durchdrungen werden, die nicht in eigener Gestalt, nicht in eigener Wesenheit auf dem Kampfplatz erscheinen können. Es wäre doch sonderbar, anzunehmen, daß uralte Menschen der gewöhnlichen Art so dargestellt werden sollten, daß sie die stellvertretenden Menschen aus dem sterblichen Geschlecht wie zu ihrer Hülle nehmen müßten. Das ist nur eine der Hindeutungen, die uns alle beweisen können, daß wir in dieser Art nicht zurechtkommen mit den alten Volksepen.

[ 6 ] Ebensowenig aber kommen wir zurecht, wenn wir etwa die Gestalten des Nibelungenliedes nehmen, jenen Siegfried aus Xanten am Niederrhein, der nach Worms an den Burgunderhof hinversetzt wird, dort wirbt um Kriemhilde, die Schwester des Gunther, und wiederum für Gunther wirbt, durch seine besonderen Eigenschaften aber nur um Brunhilde werben kann. Und wie merkwürdig werden uns solche Gestalten wie Brunhilde aus Isenland, wie Siegfried, geschildert. Siegfried wird so geschildert, daß er das sogenannte Nibelungengeschlecht überwunden hat, daß er da den Nibelungenschatz erworben, erobert hat. Durch das, was er sich durch den Sieg über die Nibelungen erworben hat, bekommt er ganz besondere Eigenschaften, die im Epos dadurch ausgedrückt werden, daß gesagt wird, er könne sich unsichtbar machen, er sei unverwundbar in gewisser Beziehung, er habe außerdem Kräfte, die der gewöhnliche Gunther nicht hat, denn dieser kann Brunhilde, die sich nicht von einem gewöhnlichen Sterblichen besiegen läßt, nicht erwerben. Durch seine besonderen Kräfte, die er als der Besitzer des Nibelungenhortes hat, besiegt Siegfried Brunhilde, und wiederum dadurch, daß er die Kräfte verbergen kann, die er entfaltet, ist er in der Lage, Brunhilde dem Gunther, seinem Schwager, zuzuführen. Und da finden wir, wie Kriemhilde und Brunhilde, die wir dann gleichzeitig am Burgunderhof erleben, zwei ganz verschiedene Charaktere sind, Charaktere, in die offenbar Dinge hereinspielen, die mit den gewöhnlichen menschlichen Seelenkräften nicht zu erklären sind. Dadurch kommen sie in Streit, dadurch kommt es auch, daß Brunhilde den getreuen Dienstmann Hagen verleiten kann, Siegfried zu töten. Das wieder weist uns auf einen Zug hin, der so merkwürdig gerade in der mitteleuropäischen Sage auftritt. Siegfried hat höhere, übermenschliche Kräfte. Diese übermenschlichen Kräfte hat er durch den Besitz des Nibelungenhortes. Sie machen ihn zuletzt nicht zu einer unbedingt sieghaften Gestalt, sondern zu einer Gestalt, die tragisch vor uns steht. Ein Verhängnis sind zugleich für den Menschen die Kräfte, die Siegfried durch den Nibelungenhort hat. Noch sonderbarer werden die Dinge, wenn wir die damit verwandte nordische Sage von Sigurd, dem Drachentöter, dazunehmen, aber aufklärend wirkt dies. Da tritt uns Sigurd, der nichts anderes ist als Siegfried, gleich entgegen als der Besieger desDrachens, der gerade dadurch den Nibelungenhort von einem alten Zwergengeschlecht erwirbt. Und Brunhilde tritt uns entgegen als eine Gestalt von übermenschlicher Natur, als eine Walkürengestalt.

[ 6 ] Ebensowenig aber kommen wir zurecht, wenn wir etwa die Gestalten des Nibelungenliedes nehmen, jenen Siegfried aus Xanten am Niederrhein, der nach Worms an den Burgunderhof hinversetzt wird, dort wirbt um Kriemhilde, die Schwester des Gunther, und wiederum für Gunther wirbt, durch seine besonderen Eigenschaften aber nur um Brunhilde werben kann. Und wie merkwürdig werden uns solche Gestalten wie Brunhilde aus Isenland, wie Siegfried, geschildert. Siegfried wird so geschildert, daß er das sogenannte Nibelungengeschlecht überwunden hat, daß er da den Nibelungenschatz erworben, erobert hat. Durch das, was er sich durch den Sieg über die Nibelungen erworben hat, bekommt er ganz besondere Eigenschaften, die im Epos dadurch ausgedrückt werden, daß gesagt wird, er könne sich unsichtbar machen, er sei unverwundbar in gewisser Beziehung, er habe außerdem Kräfte, die der gewöhnliche Gunther nicht hat, denn dieser kann Brunhilde, die sich nicht von einem gewöhnlichen Sterblichen besiegen läßt, nicht erwerben. Durch seine besonderen Kräfte, die er als der Besitzer des Nibelungenhortes hat, besiegt Siegfried Brunhilde, und wiederum dadurch, daß er die Kräfte verbergen kann, die er entfaltet, ist er in der Lage, Brunhilde dem Gunther, seinem Schwager, zuzuführen. Und da finden wir, wie Kriemhilde und Brunhilde, die wir dann gleichzeitig am Burgunderhof erleben, zwei ganz verschiedene Charaktere sind, Charaktere, in die offenbar Dinge hereinspielen, die mit den gewöhnlichen menschlichen Seelenkräften nicht zu erklären sind. Dadurch kommen sie in Streit, dadurch kommt es auch, daß Brunhilde den getreuen Dienstmann Hagen verleiten kann, Siegfried zu töten. Das wieder weist uns auf einen Zug hin, der so merkwürdig gerade in der mitteleuropäischen Sage auftritt. Siegfried hat höhere, übermenschliche Kräfte. Diese übermenschlichen Kräfte hat er durch den Besitz des Nibelungenhortes. Sie machen ihn zuletzt nicht zu einer unbedingt sieghaften Gestalt, sondern zu einer Gestalt, die tragisch vor uns steht. Ein Verhängnis sind zugleich für den Menschen die Kräfte, die Siegfried durch den Nibelungenhort hat. Noch sonderbarer werden die Dinge, wenn wir die damit verwandte nordische Sage von Sigurd, dem Drachentöter, dazunehmen, aber aufklärend wirkt dies. Da tritt uns Sigurd, der nichts anderes ist als Siegfried, gleich entgegen als der Besieger desDrachens, der gerade dadurch den Nibelungenhort von einem alten Zwergengeschlecht erwirbt. Und Brunhilde tritt uns entgegen als eine Gestalt von übermenschlicher Natur, als eine Walkürengestalt.

[ 7 ] Wir sehen also, daß zwei Arten, in Europa diese Dinge darzustellen, existieren. Die eine Art, welche unmittelbar alles an das Göttlich-Übersinnliche anknüpft, welche uns noch zeigt, wie in Brunhilde etwas gemeint ist, was unmittelbar der übersinnlichen Welt angehört, und die andere Art, welche die Sage vermenschlicht hat. Aber wir können dennoch erkennen, wie auch in dieser Art überall das Durchklingen des Göttlichen zu finden ist.

[ 7 ] Wir sehen also, daß zwei Arten, in Europa diese Dinge darzustellen, existieren. Die eine Art, welche unmittelbar alles an das Göttlich-Übersinnliche anknüpft, welche uns noch zeigt, wie in Brunhilde etwas gemeint ist, was unmittelbar der übersinnlichen Welt angehört, und die andere Art, welche die Sage vermenschlicht hat. Aber wir können dennoch erkennen, wie auch in dieser Art überall das Durchklingen des Göttlichen zu finden ist.

[ 8 ] Und nun werfen wir von diesen Sagen, von diesen Volksepen den Blick in jenes Gebiet herüber, von dem ich wahrhaftig nur als ein solcher sprechen darf, der die Dinge von außen ansehen kann, nur so, wie man sie erkennen kann, wenn man die betreffende Sprache nicht spricht. Das bitte ich in Erwägung zu ziehen, daß ich über alles das, was dem Westeuropäer in Kalewala entgegentritt, nur so sprechen kann wie derjenige, welcher den geistigen Gehalt, die großen, gewaltigen Gestalten ins Auge faßt und dem selbstverständlich äußerlich die zweifellos vorhandenen Feinheiten des Epos entgehen müssen, die dann erst herauskommen, wenn man die Sprache wirklich beherrscht, in der dasselbe abgefaßt ist. Aber auch bei einer solchen Betrachtung, wie eigentümlich tritt uns da entgegen die Dreiheit in den drei, ja,man ist eigentlich in Verlegenheit, einen Namen zu gebrauchen, man kann nicht sagen Götter, man kann nicht sagen Heroen, sagen wir also in den drei Wesenheiten: Wäinämöinen, Ilmarinen und Lemminkäinen. Eine merkwürdige Sprache sprechen diese Gestalten, wenn wir sie in ihren Charakteren miteinander vergleichen, eine Sprache, aus der wir deutlich erkennen, die Dinge, die uns gesagt werden sollen, gehen über das hinaus, was mit den gewöhnlichen menschlichen Seelenkräften ausgerichtet werden kann. Wachsen doch, wenn wir sie nur äußerlich betrachten, diese drei Gestalten ins Ungeheuerliche. Und doch wieder, was das Eigentümliche ist, indem sie ins Ungeheuerliche wachsen, steht uns jeder einzelne Zug plastisch vor Augen, so daß wir nirgends irgendwie das Gefühl haben, das Ungeheuerliche sei ein Groteskes, ein Paradoxes, überall haben wir das Gefühl, selbstverständlich muß das, was gesagt werden soll, in übermenschlicher Größe, in übermenschlicher Bedeutung auftreten. Und dann: welch Rätselhaftes im Inhalt. Etwas, was unsere Seele anspornt, an das Allermenschlichste zu denken, das aber doch wiederum über all das hinausgeht, was gewöhnliche Seelenkräfte fassen können. Ilmarinen, den man oftmals den Schmied, den über alles kunstvollen Schmied nennt, schmiedet für ein Gebiet, in dem sozusagen ältere Brüder der Menschheit oder wenigstens primitivere Menschen wohnen als die Finnen, für irgendein fremdes Gebiet auf Anstiften des Wäinämöinen den Sampo. Und wir sehen diese merkwürdige Sache zunächst, daß sich fern von dem Schauplatz, auf dem sich die Tatsachen abspielen, von denen die Rede ist, mancherlei zuträgt, daß da Zeit vergeht, und wir sehen, wie nach einer bestimmten Zeit Wäinämöinen und Ilmarinen wiederum veranlaßt werden, das zurückzuholen, was ihnen in der Fremde geblieben ist, den Sampo. Wer die eigentümliche Geistessprache, die aus diesem Schmieden des Sampo, aus diesem Entfernthalten und Wiedergewinnen desselben spricht, auf sich wirken läßt, hat unmittelbar den Eindruck — wie gesagt, ich bitte zu berücksichtigen, daß ich sozusagen als Fremder spreche und daher nur von dem Eindruck eines solchen sprechen kann —, daß das Wesentlichste, das Bedeutungsvollste in dieser grandiosen Dichtung doch das Schmieden, das Fernhalten und das spätere Wiedererringen des Sampo ist.

[ 8 ] Und nun werfen wir von diesen Sagen, von diesen Volksepen den Blick in jenes Gebiet herüber, von dem ich wahrhaftig nur als ein solcher sprechen darf, der die Dinge von außen ansehen kann, nur so, wie man sie erkennen kann, wenn man die betreffende Sprache nicht spricht. Das bitte ich in Erwägung zu ziehen, daß ich über alles das, was dem Westeuropäer in Kalewala entgegentritt, nur so sprechen kann wie derjenige, welcher den geistigen Gehalt, die großen, gewaltigen Gestalten ins Auge faßt und dem selbstverständlich äußerlich die zweifellos vorhandenen Feinheiten des Epos entgehen müssen, die dann erst herauskommen, wenn man die Sprache wirklich beherrscht, in der dasselbe abgefaßt ist. Aber auch bei einer solchen Betrachtung, wie eigentümlich tritt uns da entgegen die Dreiheit in den drei, ja,man ist eigentlich in Verlegenheit, einen Namen zu gebrauchen, man kann nicht sagen Götter, man kann nicht sagen Heroen, sagen wir also in den drei Wesenheiten: Wäinämöinen, Ilmarinen und Lemminkäinen. Eine merkwürdige Sprache sprechen diese Gestalten, wenn wir sie in ihren Charakteren miteinander vergleichen, eine Sprache, aus der wir deutlich erkennen, die Dinge, die uns gesagt werden sollen, gehen über das hinaus, was mit den gewöhnlichen menschlichen Seelenkräften ausgerichtet werden kann. Wachsen doch, wenn wir sie nur äußerlich betrachten, diese drei Gestalten ins Ungeheuerliche. Und doch wieder, was das Eigentümliche ist, indem sie ins Ungeheuerliche wachsen, steht uns jeder einzelne Zug plastisch vor Augen, so daß wir nirgends irgendwie das Gefühl haben, das Ungeheuerliche sei ein Groteskes, ein Paradoxes, überall haben wir das Gefühl, selbstverständlich muß das, was gesagt werden soll, in übermenschlicher Größe, in übermenschlicher Bedeutung auftreten. Und dann: welch Rätselhaftes im Inhalt. Etwas, was unsere Seele anspornt, an das Allermenschlichste zu denken, das aber doch wiederum über all das hinausgeht, was gewöhnliche Seelenkräfte fassen können. Ilmarinen, den man oftmals den Schmied, den über alles kunstvollen Schmied nennt, schmiedet für ein Gebiet, in dem sozusagen ältere Brüder der Menschheit oder wenigstens primitivere Menschen wohnen als die Finnen, für irgendein fremdes Gebiet auf Anstiften des Wäinämöinen den Sampo. Und wir sehen diese merkwürdige Sache zunächst, daß sich fern von dem Schauplatz, auf dem sich die Tatsachen abspielen, von denen die Rede ist, mancherlei zuträgt, daß da Zeit vergeht, und wir sehen, wie nach einer bestimmten Zeit Wäinämöinen und Ilmarinen wiederum veranlaßt werden, das zurückzuholen, was ihnen in der Fremde geblieben ist, den Sampo. Wer die eigentümliche Geistessprache, die aus diesem Schmieden des Sampo, aus diesem Entfernthalten und Wiedergewinnen desselben spricht, auf sich wirken läßt, hat unmittelbar den Eindruck — wie gesagt, ich bitte zu berücksichtigen, daß ich sozusagen als Fremder spreche und daher nur von dem Eindruck eines solchen sprechen kann —, daß das Wesentlichste, das Bedeutungsvollste in dieser grandiosen Dichtung doch das Schmieden, das Fernhalten und das spätere Wiedererringen des Sampo ist.

[ 9 ] Was mich ganz besonders merkwürdig berührt an Kalewala, ist der Schluß. Ich habe gehört, daß es Menschen gibt, welche glauben, daß dieser Schluß vielleicht eine spätere Hinzufügung sei. Für mein Gefühl gehört gerade dieser Schluß von Mariata und ihrem Sohn, dieses Hereinspielen eines ganz merkwürdigen Christentums — ich sage ausdrücklich eines ganz merkwürdigen Christentums — zu dem Ganzen. Es bekommt Kalewala dadurch, daß dieser Schluß da ist, eine ganz besondere Nuance, eine Färbung, die uns die Sache sozusagen erst recht verständlich machen kann. Ich darf sagen, daß für mein Gefühl eine so zarte, wunderbar unpersönliche Darstellung des Christentums überhaupt sich nirgends findet als am Schluß von Kalewala. Losgelöst ist das christliche Prinzip von allem Ortlichen. Das Hinkommen von Mariata zu Herodes, der uns in Kalewala als Rotus entgegentritt, ist so unpersönlich gefaßt, daß man kaum an irgendeine Ortlichkeit oder Persönlichkeit in Palästina erinnert wird. Ja, man wird, darf man sagen, nicht einmal im allergeringsten an den historischen Christus Jesus erinnert. Als eine intimste Herzenssache der Menschheit finden wir am Schlusse von Kalewala das Eindringen der edelsten Kulturperle der Menschheit in die finnische Kultur zart angedeutet. Und damit verknüpft ist der tragische Zug, der so unendlich tief wiederum auf unsere Seele wirken kann, daß Wäinämöinen in dem Augenblick, da das Christentum einzieht, wo der Sohn der Mariata getauft wird, Abschied nimmt von seinem Volk, um in eine unbestimmte Örtlichkeit zu gehen, zurücklassend seinem Volk nur den Inhalt und die Macht dessen, was er aus seiner Sangeskunst heraus zu erzählen wußte über die uralten Geschehnisse, welche das Historische dieses Volkes einschließt. Dieses Zurückziehen des Wäinämöinen gegenüber dem Sohn von Mariata erscheint mir so bedeutsam, daß man darin das lebendige Zusammenspiel von alldem sehen möchte, was auf dem Grund des finnischen Volkes, der finnischen Volksseele waltete, waltete von uralten Zeiten her in dem Moment, als das Christentum in Finnland Einlaß fand. Wie dieses uralt Waltende sich verhielt zu dem Christentum, ist so, daß man alles, was da in den Seelen spielte, mit einer wunderbaren Intimität fühlen kann. Das sage ich als etwas, von dessen Objektivität ich mir bewußt bin, das ich niemand zur Freude, niemand zur Schmeichelei sagen möchte. Wir Westeuropäer haben durch dieses Volksepos gerade eines der wunderbarsten Beispiele, wie in unmittelbarer Gegenwart die Glieder eines Volkes mit ihrer ganzen Seele leibhaftig vor uns stehen, so daß man durch Kalewala die finnische Seele in Westeuropa in einer Weise kennenlernt, daß man mit ihr völlig vertraut werden kann.

[ 9 ] Was mich ganz besonders merkwürdig berührt an Kalewala, ist der Schluß. Ich habe gehört, daß es Menschen gibt, welche glauben, daß dieser Schluß vielleicht eine spätere Hinzufügung sei. Für mein Gefühl gehört gerade dieser Schluß von Mariata und ihrem Sohn, dieses Hereinspielen eines ganz merkwürdigen Christentums — ich sage ausdrücklich eines ganz merkwürdigen Christentums — zu dem Ganzen. Es bekommt Kalewala dadurch, daß dieser Schluß da ist, eine ganz besondere Nuance, eine Färbung, die uns die Sache sozusagen erst recht verständlich machen kann. Ich darf sagen, daß für mein Gefühl eine so zarte, wunderbar unpersönliche Darstellung des Christentums überhaupt sich nirgends findet als am Schluß von Kalewala. Losgelöst ist das christliche Prinzip von allem Ortlichen. Das Hinkommen von Mariata zu Herodes, der uns in Kalewala als Rotus entgegentritt, ist so unpersönlich gefaßt, daß man kaum an irgendeine Ortlichkeit oder Persönlichkeit in Palästina erinnert wird. Ja, man wird, darf man sagen, nicht einmal im allergeringsten an den historischen Christus Jesus erinnert. Als eine intimste Herzenssache der Menschheit finden wir am Schlusse von Kalewala das Eindringen der edelsten Kulturperle der Menschheit in die finnische Kultur zart angedeutet. Und damit verknüpft ist der tragische Zug, der so unendlich tief wiederum auf unsere Seele wirken kann, daß Wäinämöinen in dem Augenblick, da das Christentum einzieht, wo der Sohn der Mariata getauft wird, Abschied nimmt von seinem Volk, um in eine unbestimmte Örtlichkeit zu gehen, zurücklassend seinem Volk nur den Inhalt und die Macht dessen, was er aus seiner Sangeskunst heraus zu erzählen wußte über die uralten Geschehnisse, welche das Historische dieses Volkes einschließt. Dieses Zurückziehen des Wäinämöinen gegenüber dem Sohn von Mariata erscheint mir so bedeutsam, daß man darin das lebendige Zusammenspiel von alldem sehen möchte, was auf dem Grund des finnischen Volkes, der finnischen Volksseele waltete, waltete von uralten Zeiten her in dem Moment, als das Christentum in Finnland Einlaß fand. Wie dieses uralt Waltende sich verhielt zu dem Christentum, ist so, daß man alles, was da in den Seelen spielte, mit einer wunderbaren Intimität fühlen kann. Das sage ich als etwas, von dessen Objektivität ich mir bewußt bin, das ich niemand zur Freude, niemand zur Schmeichelei sagen möchte. Wir Westeuropäer haben durch dieses Volksepos gerade eines der wunderbarsten Beispiele, wie in unmittelbarer Gegenwart die Glieder eines Volkes mit ihrer ganzen Seele leibhaftig vor uns stehen, so daß man durch Kalewala die finnische Seele in Westeuropa in einer Weise kennenlernt, daß man mit ihr völlig vertraut werden kann.

[ 10 ] Dies alles — warum habe ich es gesagt? Gesagt habe ich es, um zu charakterisieren, wie in den Volksepen etwas spricht, was durch gewöhnliche menschliche Seelenkräfte, selbst wenn man von der Phantasie als einer realen Macht spricht, nicht erklärt werden kann. Und wenn auch manchem das, was gesagt wird, nur wie eine Hypothese klingt,so darf da vielleicht das, was Geisteswissenschaft über das Wesen dieser Volksepen zu sagen hat, an diese Betrachtung über die Volksepen angeführt werden. Gewiß, ich bin mir bewußt, daß mit dem, was ich zu sagen habe, heute in unserer Gegenwart noch etwas getroffen ist, wozu die wenigsten Menschen ihre Zustimmung geben können. Von vielen wird es vielleicht wie eine Träumerei, wie eine Phantasterei angesehen werden; einige aber werden es wenigstens neben andern Hypothesen, die über das Werden der Menschheit aufgestellt werden, annehmen. Für denjenigen aber, der so in die Geisteswissenschaft eindringt, wie ich mir das im nächsten Vortrag zu schildern gestatten werde, wird nicht von einer Hypothese, sondern von einem wirklichen Forschungsergebnis, das sich neben andere wissenschaftliche Forschungsergebnisse hinstellen kann, gesprochen. Fremd klingen die Dinge, über die gesprochen werden muß, aus dem Grunde, weil gerade jene Wissenschaftlichkeit, welche heute glaubt, ganz fest auf dem Boden des Tatsächlichen, des Wahren zu stehen, des einzig Erreichbaren, sich nur auf das beschränkt, was äußere Sinne wahrnehmen, was der an die Sinne und das Gehirn gebundene Verstand von den Dingen erkunden kann. Und es gilt deshalb heute vielfach für unwissenschaftlich, wenn von einer Forschungsmethode gesprochen wird, welche zu andern Kräften der Seele greift, denen es möglich ist, in das Übersinnliche und in das Hereinspielen des Übersinnlichen in das Sinnliche zu schauen. Durch diese Forschungsmethode, durch Geisteswissenschaft, wird man nicht bloß zu der abstrakten Phantasie geführt, zu welcher Herman Grimm den Volksepen gegenüber geführt worden ist, sondern man wird zu etwas geführt, das weit über die Phantasie hinausgeht, was einen ganz andern Seelen- oder Bewußtseinszustand darstellt, als ihn der Mensch in dem gegenwärtigen Zeitpunkt seiner Entwickelung haben kann. Und so werden wir durch Geisteswissenschaft in einer ganz andern Weise zur menschlichen Vorzeit zurückgeführt als etwa durch die gewöhnliche Wissenschaft.

[ 10 ] Dies alles — warum habe ich es gesagt? Gesagt habe ich es, um zu charakterisieren, wie in den Volksepen etwas spricht, was durch gewöhnliche menschliche Seelenkräfte, selbst wenn man von der Phantasie als einer realen Macht spricht, nicht erklärt werden kann. Und wenn auch manchem das, was gesagt wird, nur wie eine Hypothese klingt,so darf da vielleicht das, was Geisteswissenschaft über das Wesen dieser Volksepen zu sagen hat, an diese Betrachtung über die Volksepen angeführt werden. Gewiß, ich bin mir bewußt, daß mit dem, was ich zu sagen habe, heute in unserer Gegenwart noch etwas getroffen ist, wozu die wenigsten Menschen ihre Zustimmung geben können. Von vielen wird es vielleicht wie eine Träumerei, wie eine Phantasterei angesehen werden; einige aber werden es wenigstens neben andern Hypothesen, die über das Werden der Menschheit aufgestellt werden, annehmen. Für denjenigen aber, der so in die Geisteswissenschaft eindringt, wie ich mir das im nächsten Vortrag zu schildern gestatten werde, wird nicht von einer Hypothese, sondern von einem wirklichen Forschungsergebnis, das sich neben andere wissenschaftliche Forschungsergebnisse hinstellen kann, gesprochen. Fremd klingen die Dinge, über die gesprochen werden muß, aus dem Grunde, weil gerade jene Wissenschaftlichkeit, welche heute glaubt, ganz fest auf dem Boden des Tatsächlichen, des Wahren zu stehen, des einzig Erreichbaren, sich nur auf das beschränkt, was äußere Sinne wahrnehmen, was der an die Sinne und das Gehirn gebundene Verstand von den Dingen erkunden kann. Und es gilt deshalb heute vielfach für unwissenschaftlich, wenn von einer Forschungsmethode gesprochen wird, welche zu andern Kräften der Seele greift, denen es möglich ist, in das Übersinnliche und in das Hereinspielen des Übersinnlichen in das Sinnliche zu schauen. Durch diese Forschungsmethode, durch Geisteswissenschaft, wird man nicht bloß zu der abstrakten Phantasie geführt, zu welcher Herman Grimm den Volksepen gegenüber geführt worden ist, sondern man wird zu etwas geführt, das weit über die Phantasie hinausgeht, was einen ganz andern Seelen- oder Bewußtseinszustand darstellt, als ihn der Mensch in dem gegenwärtigen Zeitpunkt seiner Entwickelung haben kann. Und so werden wir durch Geisteswissenschaft in einer ganz andern Weise zur menschlichen Vorzeit zurückgeführt als etwa durch die gewöhnliche Wissenschaft.

[ 11 ] Die gewöhnliche Wissenschaft ist es heute gewöhnt, rückblickend das Werden der Menschheit so zu betrachten, daß das, was wir heute Menschen nennen, sich nach und nach aus niedrigeren, tierähnlichen Geschöpfen heraus entwickelt hat. Geisteswissenschaft stellt sich nicht etwa dieser modernen Forschung kampfgerüstet gegenüber, sondern erkennt völlig das Große und Gewaltige der Errungenschaften dieser Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts an, das Bedeutungsvolle des Gedankens einer Umwandlung der tierischen Formen von dem Unvollkommensten zum Vollkommenen und einen Anschluß der äußeren Menschenform an die vollkommenste tierische Form. Aber sie kann bei einer solchen Betrachtung des Menschenwerdens, des Werdens der Organismen überhaupt, nicht stehenbleiben, die sich etwa darstellen würde, wenn man mit einem äußeren sinnlichen Blick dasjenige überschauen könnte, was sich im Laufe des Erdengeschehens in der organischen Welt bis zum Menschen herauf vollzogen hat. Für die Geisteswissenschaft steht heute der Mensch neben der tierischen Welt da. Wir erblicken in der Welt, die uns umgibt, die verschieden geformten tierischen Gestalten. Wir erblicken über die Erde hin ausgebreitet das in einer gewissen Weise einheitliche Menschengeschlecht. Wir haben auch in der Geisteswissenschaft einen unbefangenen Blick dafür, wie in der äußeren Form alles für die Verwandtschaft des Menschen mit den übrigen Organismen spricht, aber wir können in der Geisteswissenschaft, wenn wir das Werden der Menschheit rückwärts verfolgen, nicht so zurückgehen, daß wir in einer grauen Vorzeit etwa unmittelbar hineinlaufen lassen den Strom der Menschheit in die tierische Entwickelungsreihe. Wir finden nämlich, wenn wir von der Gegenwart in die Vergangenheit zurückgehen, daß wir nirgends unmittelbar die gegenwärtige Menschengestalt, den gegenwärtigen Menschen aus irgendeiner Tierform, die wir wiederum aus der Gegenwart kennen, anreihen dürfen.

[ 11 ] Die gewöhnliche Wissenschaft ist es heute gewöhnt, rückblickend das Werden der Menschheit so zu betrachten, daß das, was wir heute Menschen nennen, sich nach und nach aus niedrigeren, tierähnlichen Geschöpfen heraus entwickelt hat. Geisteswissenschaft stellt sich nicht etwa dieser modernen Forschung kampfgerüstet gegenüber, sondern erkennt völlig das Große und Gewaltige der Errungenschaften dieser Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts an, das Bedeutungsvolle des Gedankens einer Umwandlung der tierischen Formen von dem Unvollkommensten zum Vollkommenen und einen Anschluß der äußeren Menschenform an die vollkommenste tierische Form. Aber sie kann bei einer solchen Betrachtung des Menschenwerdens, des Werdens der Organismen überhaupt, nicht stehenbleiben, die sich etwa darstellen würde, wenn man mit einem äußeren sinnlichen Blick dasjenige überschauen könnte, was sich im Laufe des Erdengeschehens in der organischen Welt bis zum Menschen herauf vollzogen hat. Für die Geisteswissenschaft steht heute der Mensch neben der tierischen Welt da. Wir erblicken in der Welt, die uns umgibt, die verschieden geformten tierischen Gestalten. Wir erblicken über die Erde hin ausgebreitet das in einer gewissen Weise einheitliche Menschengeschlecht. Wir haben auch in der Geisteswissenschaft einen unbefangenen Blick dafür, wie in der äußeren Form alles für die Verwandtschaft des Menschen mit den übrigen Organismen spricht, aber wir können in der Geisteswissenschaft, wenn wir das Werden der Menschheit rückwärts verfolgen, nicht so zurückgehen, daß wir in einer grauen Vorzeit etwa unmittelbar hineinlaufen lassen den Strom der Menschheit in die tierische Entwickelungsreihe. Wir finden nämlich, wenn wir von der Gegenwart in die Vergangenheit zurückgehen, daß wir nirgends unmittelbar die gegenwärtige Menschengestalt, den gegenwärtigen Menschen aus irgendeiner Tierform, die wir wiederum aus der Gegenwart kennen, anreihen dürfen.

[ 12 ] Wenn wir in der Menschheitsentwickelung zurückgehen, dann finden wir zunächst, man möchte sagen, bis zu immer primitiveren Formen beim Menschen die Seelenkräfte ausgebildet, die Verstandes- und Gemüts- und Willenskräfte, die wir auch in der Gegenwart haben. Dann kommen wir zurück bis in graue Vorzeiten, von denen uns alte Dokumente nur spärlich erzählen. Selbst da, wo wir so weit zurückgehen können wie bei den Ägyptern oder den vorderasiatischen Völkern, werden wir überall in ein uraltes Menschentum zurückgeführt, welches zwar in einer gewissen Beziehung primitiver, aber auch großartiger dieselben Kräfte, Gemüts-, Verstandes- und Willenskräfte hat, die allerdings erst gegen die Gegenwart herein ihre jetzige Ausbildung gefunden haben, die wir aber als wichtigste Menschheitsimpulse, als wichtigste geschichtliche Impulse erblicken, soweit wir eben die Menschheit zunächst, indem wir diese ihre gegenwärtige Seele in Betracht ziehen, zurückverfolgen können. Da finden wir nirgends die Möglichkeit, auch den am weitesten zurückliegenden Menschenschlag etwa in eine besondere Verwandtschaft mit den heutigen tierischen Formen zu stellen. Dies, was so Geisteswissenschaft für sich behaupten muß, erkennen heute selbst schon denkende Naturforscher an. Aber indem wir weiter zurückgehen und betrachten, wie doch die menschliche Seele sich ändert, wenn wir vergleichen, wie gegenwärtig ein Mensch, sagen wir, wissenschaftlich oder sonst denkt, wie er seinen Verstand anwendet und seine Gemütskräfte wirken, wenn wir das zurückverfolgen — oh, wir können es ziemlich genau verfolgen —: in einer bestimmten Zeit leuchtete es zuerst in der Menschheit auf. Wir möchten sagen: In dem 6., 7. vorchristlichen Jahrhundert leuchtete es auf. Die gesamte Konfiguration des gegenwärtigen Fühlens und Denkens reicht eigentlich nicht weiter zurück als in jene Zeiten, von denen uns als den Zeiten der ersten griechischen Naturphilosophie erzählt wird.

[ 12 ] Wenn wir in der Menschheitsentwickelung zurückgehen, dann finden wir zunächst, man möchte sagen, bis zu immer primitiveren Formen beim Menschen die Seelenkräfte ausgebildet, die Verstandes- und Gemüts- und Willenskräfte, die wir auch in der Gegenwart haben. Dann kommen wir zurück bis in graue Vorzeiten, von denen uns alte Dokumente nur spärlich erzählen. Selbst da, wo wir so weit zurückgehen können wie bei den Ägyptern oder den vorderasiatischen Völkern, werden wir überall in ein uraltes Menschentum zurückgeführt, welches zwar in einer gewissen Beziehung primitiver, aber auch großartiger dieselben Kräfte, Gemüts-, Verstandes- und Willenskräfte hat, die allerdings erst gegen die Gegenwart herein ihre jetzige Ausbildung gefunden haben, die wir aber als wichtigste Menschheitsimpulse, als wichtigste geschichtliche Impulse erblicken, soweit wir eben die Menschheit zunächst, indem wir diese ihre gegenwärtige Seele in Betracht ziehen, zurückverfolgen können. Da finden wir nirgends die Möglichkeit, auch den am weitesten zurückliegenden Menschenschlag etwa in eine besondere Verwandtschaft mit den heutigen tierischen Formen zu stellen. Dies, was so Geisteswissenschaft für sich behaupten muß, erkennen heute selbst schon denkende Naturforscher an. Aber indem wir weiter zurückgehen und betrachten, wie doch die menschliche Seele sich ändert, wenn wir vergleichen, wie gegenwärtig ein Mensch, sagen wir, wissenschaftlich oder sonst denkt, wie er seinen Verstand anwendet und seine Gemütskräfte wirken, wenn wir das zurückverfolgen — oh, wir können es ziemlich genau verfolgen —: in einer bestimmten Zeit leuchtete es zuerst in der Menschheit auf. Wir möchten sagen: In dem 6., 7. vorchristlichen Jahrhundert leuchtete es auf. Die gesamte Konfiguration des gegenwärtigen Fühlens und Denkens reicht eigentlich nicht weiter zurück als in jene Zeiten, von denen uns als den Zeiten der ersten griechischen Naturphilosophie erzählt wird.

[ 13 ] Wenn wir weiter zurückkommen und unbefangenen Blick genug haben, finden wir, ohne noch die Geisteswissenschaft zu berühren, daß nicht nur alles gegenwärtige wissenschaftliche Denken aufhört nach rückwärts hin, sondern daß die menschliche Seele überhaupt in einer ganz andern Verfassung ist, in einer viel unpersönlicheren Verfassung, aber auch in einer solchen Verfassung, daß wir ihre Kräfte viel mehr als instinktiv ansprechen müssen. Nicht etwa so, wie wenn wir sagen wollten, daß von dieser Zeit die Menschen aus solchen Instinkten heraus gehandelt hätten wie die heutigen Tiere, aber jene Leitung durch Vernunft und Verstand, wie sie heute vorhanden ist, war nicht da. Dafür aber war eine gewisse instinktive, unmittelbare Sicherheit bei den Menschen da. Sie handelten aus unmittelbaren, elementaren Impulsen heraus, sie kontrollierten nicht durch den an das Gehirn gebundenen Verstand. Da finden wir allerdings, daß in der menschlichen Seele diejenigen Kräfte ungemischt noch walten, die wir heute abgesondert als Verstandeskräfte haben, und jene Kräfte, die wir heute sorgfältig von den Verstandes- und zur Wissenschaft führenden Kräften absondern, die Phantasiekräfte. Phantasie, Verstand und Vernunft, sie wirken in jenen alten Zeiten durcheinander. Je weiter wir zurückgehen, desto mehr finden wir, daß wir gar nicht mehr das, was da in der Seele der Menschen waltete, was da ungetrennt als Phantasie und Verstand wirkte, so ansprechen dürfen, wie wir heute eine Seelenkraft bezeichnen, wenn wir sie Phantasie nennen. Wir wissen heute ganz genau, wenn wir von der Phantasie sprechen, so sprechen wir von einer Seelenkraft, deren Ausdrücke wir nicht wiederum wirklich anwenden dürfen, denen wir nicht Realität zuschreiben dürfen. Der moderne Mensch ist sorgsam in dieser Sache, er hütet sich wohl, dasjenige, was ihm die Phantasie gibt, zusammenzumischen mit dem, was die Logik der Vernunft ihm sagt. Sehen wir auf das, was der Geist der Menschen in jenen vorhistorischen Zeiten äußert, bevor Phantasie und Verstand abgesondert auftreten, dann fühlen wir in den Seelen eine ursprüngliche, elementare, instinktive Kraft walten. Wir können in ihr Merkmale der heutigen Phantasie finden, aber das, was — wenn wir den Ausdruck gebrauchen — Phantasie damals der menschlichen Seele gab, hatte etwas mit einer Wirklichkeit, mit einer Realität zu tun. Die Phantasie war noch nicht Phantasie, sie war noch — ich darf mich nicht scheuen, den Ausdruck unmittelbar zu gebrauchen — hellsichtige Kraft, war noch ein besonderes Seelenvermögen, war die Gabe der Seele, durch die der Mensch Dinge sah, Tatsachen sah, die ihm heute in seiner Entwickelungsepoche, wo Verstand und Vernunft sich besonders ausbilden sollen, verborgen sind. Tiefer hinunter drangen jene Kräfte, die nicht Phantasie, sondern hellsichtige Kraft waren, in verborgene Kräfte und verborgene Daseinsformen, die hinter der sinnlichen Welt liegen. Das ist das, wozu uns eine unbefangene Betrachtung führen muß, daß, wenn wir rückläufig die Menschheitsentwickelung betrachten, wir uns sagen müssen: Wahrhaftig, wir müssen das Wort Evolution, Entwickelung, ernst nehmen.

[ 13 ] Wenn wir weiter zurückkommen und unbefangenen Blick genug haben, finden wir, ohne noch die Geisteswissenschaft zu berühren, daß nicht nur alles gegenwärtige wissenschaftliche Denken aufhört nach rückwärts hin, sondern daß die menschliche Seele überhaupt in einer ganz andern Verfassung ist, in einer viel unpersönlicheren Verfassung, aber auch in einer solchen Verfassung, daß wir ihre Kräfte viel mehr als instinktiv ansprechen müssen. Nicht etwa so, wie wenn wir sagen wollten, daß von dieser Zeit die Menschen aus solchen Instinkten heraus gehandelt hätten wie die heutigen Tiere, aber jene Leitung durch Vernunft und Verstand, wie sie heute vorhanden ist, war nicht da. Dafür aber war eine gewisse instinktive, unmittelbare Sicherheit bei den Menschen da. Sie handelten aus unmittelbaren, elementaren Impulsen heraus, sie kontrollierten nicht durch den an das Gehirn gebundenen Verstand. Da finden wir allerdings, daß in der menschlichen Seele diejenigen Kräfte ungemischt noch walten, die wir heute abgesondert als Verstandeskräfte haben, und jene Kräfte, die wir heute sorgfältig von den Verstandes- und zur Wissenschaft führenden Kräften absondern, die Phantasiekräfte. Phantasie, Verstand und Vernunft, sie wirken in jenen alten Zeiten durcheinander. Je weiter wir zurückgehen, desto mehr finden wir, daß wir gar nicht mehr das, was da in der Seele der Menschen waltete, was da ungetrennt als Phantasie und Verstand wirkte, so ansprechen dürfen, wie wir heute eine Seelenkraft bezeichnen, wenn wir sie Phantasie nennen. Wir wissen heute ganz genau, wenn wir von der Phantasie sprechen, so sprechen wir von einer Seelenkraft, deren Ausdrücke wir nicht wiederum wirklich anwenden dürfen, denen wir nicht Realität zuschreiben dürfen. Der moderne Mensch ist sorgsam in dieser Sache, er hütet sich wohl, dasjenige, was ihm die Phantasie gibt, zusammenzumischen mit dem, was die Logik der Vernunft ihm sagt. Sehen wir auf das, was der Geist der Menschen in jenen vorhistorischen Zeiten äußert, bevor Phantasie und Verstand abgesondert auftreten, dann fühlen wir in den Seelen eine ursprüngliche, elementare, instinktive Kraft walten. Wir können in ihr Merkmale der heutigen Phantasie finden, aber das, was — wenn wir den Ausdruck gebrauchen — Phantasie damals der menschlichen Seele gab, hatte etwas mit einer Wirklichkeit, mit einer Realität zu tun. Die Phantasie war noch nicht Phantasie, sie war noch — ich darf mich nicht scheuen, den Ausdruck unmittelbar zu gebrauchen — hellsichtige Kraft, war noch ein besonderes Seelenvermögen, war die Gabe der Seele, durch die der Mensch Dinge sah, Tatsachen sah, die ihm heute in seiner Entwickelungsepoche, wo Verstand und Vernunft sich besonders ausbilden sollen, verborgen sind. Tiefer hinunter drangen jene Kräfte, die nicht Phantasie, sondern hellsichtige Kraft waren, in verborgene Kräfte und verborgene Daseinsformen, die hinter der sinnlichen Welt liegen. Das ist das, wozu uns eine unbefangene Betrachtung führen muß, daß, wenn wir rückläufig die Menschheitsentwickelung betrachten, wir uns sagen müssen: Wahrhaftig, wir müssen das Wort Evolution, Entwickelung, ernst nehmen.

[ 14 ] Daß die Menschheit in der Gegenwart, in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden sozusagen zu ihren sie heute so hochbringenden Vernunft- und Verstandeskräften gekommen ist, das ist ein Entwickelungsergebnis. Diese Seelenkräfte haben sich aus andern heraus entwickelt. Und während diese unsere gegenwärtigen Seelenkräfte auf das beschränkt sind, was sich in der äußeren Sinneswelt darbietet, sah eine ursprüngliche Menschheit, die allerdings auf Wissenschaft im heutigen Sinn, auf Verstandesgebrauch im heutigen Sinn verzichten mußte, sah eine ursprüngliche menschliche Seelenkraft auf dem Grund aller einzelnen Völker in Untergründe des Daseins hinein, in ein Gebiet, das als ein übersinnliches hinter dem Sinnlichen liegt. Hellseherische Kräfte waren bei allen Völkern einstmals den menschlichen Seelen eigen, und aus diesen hellseherischen Kräften heraus haben sich erst die gegenwärtigen menschlichen Verstandes- und Vernunftkräfte, hat sich die gegenwärtige Art zu denken und zu fühlen gebildet. Jene Seelenkräfte, die wir in einer gewissen Weise als hellseherische Kräfte ansprechen dürfen, waren nun so, daß der Mensch zugleich fühlte: Ich bin es nicht selbst, der da in mir denkt, in mir fühlt. — Der Mensch fühlte sich wie hingegeben mit seiner ganzen Körperlichkeit und auch mit seinem Seelenwesen an höhere, übersinnliche Kräfte, die in ihm wirkten und lebten. So fühlte sich der Mensch wie ein Gefäß, durch das übersinnliche Kräfte selbst sprachen. Wenn man das bedenkt, dann begreift man auch den Sinn der Fortentwickelung der Menschheit. Die Menschen wären unselbständige Wesen geblieben, die sich nur als Gefäße, als Hüllen von Mächten und Wesenheiten hätten fühlen können, wenn sie nicht zum eigentlichen Verstandes- und Vernunftgebrauch vorgeschritten wären. Selbständiger ist der Mensch geworden durch Verstandes- und Vernunftgebrauch, zugleich aber auch für eine Weile der Entwickelung von der geistigen Welt in gewisser Beziehung abgeschnitten, abgeschnitten von den übersinnlichen Untergründen des Daseins. In der Zukunft wird das wieder anders werden. Je weiter wir zurückgehen, desto tiefer sieht durch die hellseherischen Kräfte die menschliche Seele in die Untergründe des Daseins hinein, sieht hinein, wie aus diesen Untergründen des Daseins auch diejenigen Kräfte hervorgegangen sind, die am Menschen selber in vorhistorischer Zeit gearbeitet haben, bis in einen Zeitpunkt hinein, in dem alle Verhältnisse der Erde noch ganz anders waren als heute, wo sie so waren, daß die Formen der Lebewesen viel beweglicher, viel mehr einer Art von Metamorphose unterworfen waren als heute. So müssen wir weit von dem, was man gegenwärtige menschliche Kulturzeit nennt, zurückgehen, müssen nebeneinander Menschenwerden und tierisches Werden verfolgen. Und viel weiter zurückliegend, als man heute gewöhnlich glaubt, ist die Abtrennung der tierischen Form von der menschlichen. Die tierischen Formen sind dann erstarrt, sind unbeweglicher geworden in einer Zeit, in der die menschliche Form noch durchaus weich und biegsam war und geformt und geprägt werden konnte von dem, was innerlich seelisch erlebt wurde. Da kommen wir allerdings im Menschenwerden in eine Zeit zurück, bis zu der das heutige Bewußtsein nicht reicht, aber für die noch ein anderes Bewußtsein in der Seele vorhanden war, das im Zusammenhang mit den hellseherischen Kräften steht, die eben charakterisiert worden sind. Ein solches Bewußtsein, das auf die Vergangenheit hinblicken konnte und die Menschheitsentwickelung im Herkommen aus der Vergangenheit schon in völliger Abtrennung von allem tierischen Leben sah, sah auch, wie die menschlichen Kräfte walteten, aber noch in lebendigem Zusammenhang mit den übersinnlichen Kräften, die da hereinspielten. Es sah dasjenige, was in den Zeiten, in denen zum Beispiel die Homerischen Epen entstanden sind, nur noch als ein alter Nachklang vorhanden war, und was in noch früheren Zeiten in einem viel erhöhteren Maße vorhanden war. Wenn wir hinter Homer zurückgingen, so fänden wir, daß die Menschen hellseherisches Bewußtsein hatten, das sich an menschliche vorgeschichtliche Ereignisse gleichsam erinnerte und in der Erinnerung den Hergang bei der Menschwerdung zu erzählen vermochte. Zu Homers Zeiten war dann die Sache schon so, daß man fühlte, das alte hellseherische Bewußtsein war im Schwinden, aber man fühlte noch, daß es da war. Das war eine Zeit, in der nicht der Mensch als selbständiges egoistisches Wesen von sich aus sprach, sondern in der aus ihm heraussprachen Götter, übersinnlich geistige Kräfte. So müssen wir es ernst nehmen, wenn Homer nicht von sich spricht, sondern wenn er sagt: Singe mir, o Muse, von dem Zorn des Achill! Singe in mir, höheres Wesen, Wesen, das durch mich spricht, das von mir Besitz ergreift, indem ich singe und sage. — Eine Realität ist diese erste Zeile bei Homer. Hingewiesen werden wir also nicht auf alte Herrscherdynastien, die im gewöhnlichen Sinne unserer jetzigen Menschheit ähnlich sind, sondern hingewiesen werden wir durch Homer selber darauf, daß es in der Urzeit andere Menschen gegeben hat, Menschen, in denen das Übersinnliche lebte. Und Achill ist durchaus noch eine Persönlichkeit aus der Übergangszeit vom alten Hellsehen zu der modernen Anschauungsweise, die wir schon bei Agamemnon, die wir bei Nestor und Odysseus finden, die aber dann weitergeführt wird zu einer höheren Anschauung. Nur dadurch begreifen wir Achill, wenn wir wissen, daß Homer in ihm einen Angehörigen der alten Menschheit hinstellen will, der in einer Zeit lebte, die zwischen jener Zeit liegt, wo die Menschen noch unmittelbar zu den alten Göttern hinaufreichten und der gegenwärtigen Menschheitszeit, die etwa mit Agamemnon beginnt.

[ 14 ] Daß die Menschheit in der Gegenwart, in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden sozusagen zu ihren sie heute so hochbringenden Vernunft- und Verstandeskräften gekommen ist, das ist ein Entwickelungsergebnis. Diese Seelenkräfte haben sich aus andern heraus entwickelt. Und während diese unsere gegenwärtigen Seelenkräfte auf das beschränkt sind, was sich in der äußeren Sinneswelt darbietet, sah eine ursprüngliche Menschheit, die allerdings auf Wissenschaft im heutigen Sinn, auf Verstandesgebrauch im heutigen Sinn verzichten mußte, sah eine ursprüngliche menschliche Seelenkraft auf dem Grund aller einzelnen Völker in Untergründe des Daseins hinein, in ein Gebiet, das als ein übersinnliches hinter dem Sinnlichen liegt. Hellseherische Kräfte waren bei allen Völkern einstmals den menschlichen Seelen eigen, und aus diesen hellseherischen Kräften heraus haben sich erst die gegenwärtigen menschlichen Verstandes- und Vernunftkräfte, hat sich die gegenwärtige Art zu denken und zu fühlen gebildet. Jene Seelenkräfte, die wir in einer gewissen Weise als hellseherische Kräfte ansprechen dürfen, waren nun so, daß der Mensch zugleich fühlte: Ich bin es nicht selbst, der da in mir denkt, in mir fühlt. — Der Mensch fühlte sich wie hingegeben mit seiner ganzen Körperlichkeit und auch mit seinem Seelenwesen an höhere, übersinnliche Kräfte, die in ihm wirkten und lebten. So fühlte sich der Mensch wie ein Gefäß, durch das übersinnliche Kräfte selbst sprachen. Wenn man das bedenkt, dann begreift man auch den Sinn der Fortentwickelung der Menschheit. Die Menschen wären unselbständige Wesen geblieben, die sich nur als Gefäße, als Hüllen von Mächten und Wesenheiten hätten fühlen können, wenn sie nicht zum eigentlichen Verstandes- und Vernunftgebrauch vorgeschritten wären. Selbständiger ist der Mensch geworden durch Verstandes- und Vernunftgebrauch, zugleich aber auch für eine Weile der Entwickelung von der geistigen Welt in gewisser Beziehung abgeschnitten, abgeschnitten von den übersinnlichen Untergründen des Daseins. In der Zukunft wird das wieder anders werden. Je weiter wir zurückgehen, desto tiefer sieht durch die hellseherischen Kräfte die menschliche Seele in die Untergründe des Daseins hinein, sieht hinein, wie aus diesen Untergründen des Daseins auch diejenigen Kräfte hervorgegangen sind, die am Menschen selber in vorhistorischer Zeit gearbeitet haben, bis in einen Zeitpunkt hinein, in dem alle Verhältnisse der Erde noch ganz anders waren als heute, wo sie so waren, daß die Formen der Lebewesen viel beweglicher, viel mehr einer Art von Metamorphose unterworfen waren als heute. So müssen wir weit von dem, was man gegenwärtige menschliche Kulturzeit nennt, zurückgehen, müssen nebeneinander Menschenwerden und tierisches Werden verfolgen. Und viel weiter zurückliegend, als man heute gewöhnlich glaubt, ist die Abtrennung der tierischen Form von der menschlichen. Die tierischen Formen sind dann erstarrt, sind unbeweglicher geworden in einer Zeit, in der die menschliche Form noch durchaus weich und biegsam war und geformt und geprägt werden konnte von dem, was innerlich seelisch erlebt wurde. Da kommen wir allerdings im Menschenwerden in eine Zeit zurück, bis zu der das heutige Bewußtsein nicht reicht, aber für die noch ein anderes Bewußtsein in der Seele vorhanden war, das im Zusammenhang mit den hellseherischen Kräften steht, die eben charakterisiert worden sind. Ein solches Bewußtsein, das auf die Vergangenheit hinblicken konnte und die Menschheitsentwickelung im Herkommen aus der Vergangenheit schon in völliger Abtrennung von allem tierischen Leben sah, sah auch, wie die menschlichen Kräfte walteten, aber noch in lebendigem Zusammenhang mit den übersinnlichen Kräften, die da hereinspielten. Es sah dasjenige, was in den Zeiten, in denen zum Beispiel die Homerischen Epen entstanden sind, nur noch als ein alter Nachklang vorhanden war, und was in noch früheren Zeiten in einem viel erhöhteren Maße vorhanden war. Wenn wir hinter Homer zurückgingen, so fänden wir, daß die Menschen hellseherisches Bewußtsein hatten, das sich an menschliche vorgeschichtliche Ereignisse gleichsam erinnerte und in der Erinnerung den Hergang bei der Menschwerdung zu erzählen vermochte. Zu Homers Zeiten war dann die Sache schon so, daß man fühlte, das alte hellseherische Bewußtsein war im Schwinden, aber man fühlte noch, daß es da war. Das war eine Zeit, in der nicht der Mensch als selbständiges egoistisches Wesen von sich aus sprach, sondern in der aus ihm heraussprachen Götter, übersinnlich geistige Kräfte. So müssen wir es ernst nehmen, wenn Homer nicht von sich spricht, sondern wenn er sagt: Singe mir, o Muse, von dem Zorn des Achill! Singe in mir, höheres Wesen, Wesen, das durch mich spricht, das von mir Besitz ergreift, indem ich singe und sage. — Eine Realität ist diese erste Zeile bei Homer. Hingewiesen werden wir also nicht auf alte Herrscherdynastien, die im gewöhnlichen Sinne unserer jetzigen Menschheit ähnlich sind, sondern hingewiesen werden wir durch Homer selber darauf, daß es in der Urzeit andere Menschen gegeben hat, Menschen, in denen das Übersinnliche lebte. Und Achill ist durchaus noch eine Persönlichkeit aus der Übergangszeit vom alten Hellsehen zu der modernen Anschauungsweise, die wir schon bei Agamemnon, die wir bei Nestor und Odysseus finden, die aber dann weitergeführt wird zu einer höheren Anschauung. Nur dadurch begreifen wir Achill, wenn wir wissen, daß Homer in ihm einen Angehörigen der alten Menschheit hinstellen will, der in einer Zeit lebte, die zwischen jener Zeit liegt, wo die Menschen noch unmittelbar zu den alten Göttern hinaufreichten und der gegenwärtigen Menschheitszeit, die etwa mit Agamemnon beginnt.

[ 15 ] Ebenso werden wir auf eine menschliche Vorzeit in der mitteleuropäischen Nibelungensage hingewiesen. Das zeigt uns die ganze Darstellung dieses Epos. Wir haben es da zwar schon zu tun mit Menschen unserer Gegenwart in gewisser Beziehung, aber mit solchen Menschen unserer Gegenwart, die sich noch etwas herüberbewahrt haben aus der Zeit des alten Hellsehens. All die Eigenschaften, die von Siegfried angeführt werden, daß er sich unsichtbar machen kann, daß er Kräfte hat, durch die er Brunhilde überwindet, welche ein gewöhnlicher Sterblicher nicht überwinden kann, all das zeigt uns neben dem andern, was uns von ihm mitgeteilt wird, daß wir in ihm einen Menschen haben, der wie in einer inneren menschlichen Erinnerung die Errungenschaften der alten Seelenkräfte, die mit Hellsichtigkeit und dem Verbundensein mit der Natur verknüpft waren, in das gegenwärtige Menschentum herübergetragen hat. An welchem Übergang steht Siegfried? Das zeigt uns Brunhildes Verhältnis zu Kriemhilde, der Frau des Siegfried. Es kann hier nicht näher ausgeführt werden, was die beiden Gestalten bedeuten. Aber wir kommen zurecht mit all diesen Sagen, wenn wir mit den Gestalten, die uns vorgeführt werden, bildliche Darstellungen für innere hellseherische oder erinnerte hellseherische Verhältnisse sehen. So dürfen wir in Siegfrieds Verhältnis zu Kriemhilde sein Verhältnis zu seinen eigenen Seelenkräften sehen, die in ihm walten. Seine Seele ist gewissermaßen eine Übergangsseele, und zwar dadurch, daß Siegfried sich mit dem Nibelungenschatz, das heißt, mit den hellseherischen Geheimnissen der alten Zeit noch etwas in die neue Zeit herüberbringt, was ihn aber zugleich für seine Gegenwart ungeeignet macht. So konnten leben mit diesem Nibelungenhort, das heißt mit den alten hellseherischen Kräften, die Menschen der alten Zeit. Die Erde hat ihre Bedingungen geändert. Dadurch ist Siegfried, der in seiner Seele noch einen Nachklang der alten Zeit trägt, nicht mehr hineinpassend in die Gegenwart, dadurch wird er zu einer tragischen Gestalt. Wie kann sich die Gegenwart zu dem verhalten, was für Siegfried noch lebendig ist? Für ihn ist noch etwas von den alten hellseherischen Kräften lebendig, denn als er überwunden wird, bleibt Kriemhilde zurück. Ihr wird der Nibelungenhort gebracht, sie kann ihn anwenden. Wir erfahren, daß ihr später durch Hagen der Nibelungenhort genommen wird. Wir können sehen, daß auch Brunbhilde in gewisser Weise in der Lage ist, mit den alten hellseherischen Kräften zu arbeiten. Dadurch steht sie denjenigen Menschen entgegen, die in die damalige Gegenwart hineingepaßt sind: Gunther und seinen Brüdern, Gunther vor allem, für den Brunhilde nichts übrig hat. Warum das? Nun, wir wissen aus der Sage, daß Brunhilde eine Art Walkürengestalt ist: also wiederum etwas in der menschlichen Seele, und zwar dasjenige, mit dem sich in alten Zeiten durch die hellseherischen Kräfte der Mensch noch vereinigen konnte, das sich aber zurückgezogen hat vom Menschen, unbewußt geworden ist und mit dem sich der Mensch so, wie er gegenwärtig im Verstandeszeitalter lebt, erst nach dem Tod vereinigen kann. Daher die Vereinigung mit der Walküre im Moment des Todes. Die Walküre ist die Personifikation der lebendigen Seelenkräfte, die im gegenwärtigen Menschen sind, jener Seelenkräfte, bis zu denen das alte hellseherische Bewußtsein hinkam, die aber der gegenwärtige Mensch erst erlebt, wenn er durch die Pforte des Todes tritt. Da wird er erst mit dieser Seele, die in Brunhilde dargestellt wird, vereint. Weil Kriemhilde noch etwas weiß von der alten Hellseherzeit und den Kräften, welche die Seele durch das alte Hellsehen empfängt, wird sie zu einer Gestalt, deren Zorn geschildert wird, wie in der Ilias der Zorn des Achilles. Das wird uns hinlänglich angedeutet, daß die Menschen, die in alten Zeiten noch mit hellseherischen Kräften begabt waren, nicht kontrollierten mit dem Verstand, nicht den Verstand walten ließen, sondern unmittelbar aus ihren elementarsten, intensivsten Impulsen heraus wirkten. Daher das Persönliche, das unmittelbar Egoistische, sowohl bei Kriemhilde wie bei Achill.

[ 15 ] Ebenso werden wir auf eine menschliche Vorzeit in der mitteleuropäischen Nibelungensage hingewiesen. Das zeigt uns die ganze Darstellung dieses Epos. Wir haben es da zwar schon zu tun mit Menschen unserer Gegenwart in gewisser Beziehung, aber mit solchen Menschen unserer Gegenwart, die sich noch etwas herüberbewahrt haben aus der Zeit des alten Hellsehens. All die Eigenschaften, die von Siegfried angeführt werden, daß er sich unsichtbar machen kann, daß er Kräfte hat, durch die er Brunhilde überwindet, welche ein gewöhnlicher Sterblicher nicht überwinden kann, all das zeigt uns neben dem andern, was uns von ihm mitgeteilt wird, daß wir in ihm einen Menschen haben, der wie in einer inneren menschlichen Erinnerung die Errungenschaften der alten Seelenkräfte, die mit Hellsichtigkeit und dem Verbundensein mit der Natur verknüpft waren, in das gegenwärtige Menschentum herübergetragen hat. An welchem Übergang steht Siegfried? Das zeigt uns Brunhildes Verhältnis zu Kriemhilde, der Frau des Siegfried. Es kann hier nicht näher ausgeführt werden, was die beiden Gestalten bedeuten. Aber wir kommen zurecht mit all diesen Sagen, wenn wir mit den Gestalten, die uns vorgeführt werden, bildliche Darstellungen für innere hellseherische oder erinnerte hellseherische Verhältnisse sehen. So dürfen wir in Siegfrieds Verhältnis zu Kriemhilde sein Verhältnis zu seinen eigenen Seelenkräften sehen, die in ihm walten. Seine Seele ist gewissermaßen eine Übergangsseele, und zwar dadurch, daß Siegfried sich mit dem Nibelungenschatz, das heißt, mit den hellseherischen Geheimnissen der alten Zeit noch etwas in die neue Zeit herüberbringt, was ihn aber zugleich für seine Gegenwart ungeeignet macht. So konnten leben mit diesem Nibelungenhort, das heißt mit den alten hellseherischen Kräften, die Menschen der alten Zeit. Die Erde hat ihre Bedingungen geändert. Dadurch ist Siegfried, der in seiner Seele noch einen Nachklang der alten Zeit trägt, nicht mehr hineinpassend in die Gegenwart, dadurch wird er zu einer tragischen Gestalt. Wie kann sich die Gegenwart zu dem verhalten, was für Siegfried noch lebendig ist? Für ihn ist noch etwas von den alten hellseherischen Kräften lebendig, denn als er überwunden wird, bleibt Kriemhilde zurück. Ihr wird der Nibelungenhort gebracht, sie kann ihn anwenden. Wir erfahren, daß ihr später durch Hagen der Nibelungenhort genommen wird. Wir können sehen, daß auch Brunbhilde in gewisser Weise in der Lage ist, mit den alten hellseherischen Kräften zu arbeiten. Dadurch steht sie denjenigen Menschen entgegen, die in die damalige Gegenwart hineingepaßt sind: Gunther und seinen Brüdern, Gunther vor allem, für den Brunhilde nichts übrig hat. Warum das? Nun, wir wissen aus der Sage, daß Brunhilde eine Art Walkürengestalt ist: also wiederum etwas in der menschlichen Seele, und zwar dasjenige, mit dem sich in alten Zeiten durch die hellseherischen Kräfte der Mensch noch vereinigen konnte, das sich aber zurückgezogen hat vom Menschen, unbewußt geworden ist und mit dem sich der Mensch so, wie er gegenwärtig im Verstandeszeitalter lebt, erst nach dem Tod vereinigen kann. Daher die Vereinigung mit der Walküre im Moment des Todes. Die Walküre ist die Personifikation der lebendigen Seelenkräfte, die im gegenwärtigen Menschen sind, jener Seelenkräfte, bis zu denen das alte hellseherische Bewußtsein hinkam, die aber der gegenwärtige Mensch erst erlebt, wenn er durch die Pforte des Todes tritt. Da wird er erst mit dieser Seele, die in Brunhilde dargestellt wird, vereint. Weil Kriemhilde noch etwas weiß von der alten Hellseherzeit und den Kräften, welche die Seele durch das alte Hellsehen empfängt, wird sie zu einer Gestalt, deren Zorn geschildert wird, wie in der Ilias der Zorn des Achilles. Das wird uns hinlänglich angedeutet, daß die Menschen, die in alten Zeiten noch mit hellseherischen Kräften begabt waren, nicht kontrollierten mit dem Verstand, nicht den Verstand walten ließen, sondern unmittelbar aus ihren elementarsten, intensivsten Impulsen heraus wirkten. Daher das Persönliche, das unmittelbar Egoistische, sowohl bei Kriemhilde wie bei Achill.

[ 16 ] Insbesondere interessant wird die ganze Sache in der Betrachtung der Volksepen, wenn wir zu den angeführten Volksepen Kalewala hinzunehmen. Wir werden zeigen können, heute kann das wegen der Kürze der Zeit bloß angedeutet werden, daß Geisteswissenschaft in unserer Gegenwart nur deshalb auf die alten hellseherischen Zustände der Menschheit hinweisen kann, weil es möglich wird, heute wiederum — allerdings in einer erhöhteren Weise, vom Verstand durchdrungen, nicht traumhaft — die hellseherischen Zustände durch geistige Schulung hervorzurufen. Der Mensch der Gegenwart wächst allmählich wieder in ein Zeitalter hinein, in dem aus den Tiefen der menschlichen Seele verborgene Kräfte, die wiederum ins Übersinnliche hineinweisen — allerdings nunmehr geführt von Vernunft, nicht unkontrolliert von dieser —, herauswachsen werden, wo diese Menschen ins übersinnliche Gebiet hinaufweisen werden, so daß wir die Gebiete wieder kennenlernen werden, von denen uns die alten Volksepen aus dem dumpfen Bewußtsein der alten Zeiten heraus sprechen. Daher können wir sagen: Man lernt erkennen, daß es möglich ist, eine Offenbarung der Welt zu gewinnen, nicht bloß durch die äußeren Sinne, sondern durch etwas Übersinnliches, das dem äußeren physischen Menschenleib zugrunde liegt.

[ 16 ] Insbesondere interessant wird die ganze Sache in der Betrachtung der Volksepen, wenn wir zu den angeführten Volksepen Kalewala hinzunehmen. Wir werden zeigen können, heute kann das wegen der Kürze der Zeit bloß angedeutet werden, daß Geisteswissenschaft in unserer Gegenwart nur deshalb auf die alten hellseherischen Zustände der Menschheit hinweisen kann, weil es möglich wird, heute wiederum — allerdings in einer erhöhteren Weise, vom Verstand durchdrungen, nicht traumhaft — die hellseherischen Zustände durch geistige Schulung hervorzurufen. Der Mensch der Gegenwart wächst allmählich wieder in ein Zeitalter hinein, in dem aus den Tiefen der menschlichen Seele verborgene Kräfte, die wiederum ins Übersinnliche hineinweisen — allerdings nunmehr geführt von Vernunft, nicht unkontrolliert von dieser —, herauswachsen werden, wo diese Menschen ins übersinnliche Gebiet hinaufweisen werden, so daß wir die Gebiete wieder kennenlernen werden, von denen uns die alten Volksepen aus dem dumpfen Bewußtsein der alten Zeiten heraus sprechen. Daher können wir sagen: Man lernt erkennen, daß es möglich ist, eine Offenbarung der Welt zu gewinnen, nicht bloß durch die äußeren Sinne, sondern durch etwas Übersinnliches, das dem äußeren physischen Menschenleib zugrunde liegt.

[ 17 ] Es gibt Methoden — von denen soll dann im nächsten Vortrag gesprochen werden —, durch die der Mensch das geistige übersinnliche Innere, was heute so oftmals abgeleugnet wird, von dem sinnlichen äußeren Leib unabhängig machen kann, so daß der Mensch nicht in einem bewußtlosen Zustand lebt wie etwa im Schlaf, wenn er von seinem Leibe unabhängig wird, sondern daß er Geistiges um sich herum wahrnimmt. Dadurch zeigt das moderne Hellsehen dem Menschen die Möglichkeit, erkennend in einem höheren, übersinnlichen Leib zu leben, der wie ein Gefäß den gewöhnlichen Sinnenleib ausfüllt. Man nennt ihn in der Geisteswissenschaft den ätherischen oder Ätherleib. Dieser Atherleib ruht in unserem Sinnenleib drinnen. Durch ihn kommen wir, wenn wir ihn innerlich von dem physisch-sinnlichen Leib loslösen, auch heute in jenen Zustand des Wahrnehmens, durch den wir übersinnliche Tatsachen gewahr werden. Zweierlei übersinnlicher Tatsachen werden wir gewahr. Erstens werden wir dessen gewahr im Beginn dieses hellseherischen Zustandes, wenn wir anfangen zu wissen, wir sehen nicht mehr durch unseren physischen Leib, wir hören nicht mehr durch unseren physischen Leib, denken auch nicht mehr durch das an den physischen Leib gebundene Gehirn. Da wissen wir zunächst von aller äußeren Welt noch nichts. — Ich erzähle Ihnen Tatsachen, deren genauere Begründung erst im nächsten Vortrage möglich ist. — Dafür führt uns aber die erste Stufe des Hellsehens um so mehr zu einer Anschauung unseres eigenen Atherleibes. Wir sehen ein übersinnliches Leibliches der menschlichen Natur, das dieser zugrunde liegt und das wir nicht anders ansprechen können als etwas, das wirkt und schafft wie eine Art von innerem Baumeister, innerem Werkmeister, das unseren physischen Leib lebendig durchdringt. Und dann werden wir des Folgenden gewahr.

[ 17 ] Es gibt Methoden — von denen soll dann im nächsten Vortrag gesprochen werden —, durch die der Mensch das geistige übersinnliche Innere, was heute so oftmals abgeleugnet wird, von dem sinnlichen äußeren Leib unabhängig machen kann, so daß der Mensch nicht in einem bewußtlosen Zustand lebt wie etwa im Schlaf, wenn er von seinem Leibe unabhängig wird, sondern daß er Geistiges um sich herum wahrnimmt. Dadurch zeigt das moderne Hellsehen dem Menschen die Möglichkeit, erkennend in einem höheren, übersinnlichen Leib zu leben, der wie ein Gefäß den gewöhnlichen Sinnenleib ausfüllt. Man nennt ihn in der Geisteswissenschaft den ätherischen oder Ätherleib. Dieser Atherleib ruht in unserem Sinnenleib drinnen. Durch ihn kommen wir, wenn wir ihn innerlich von dem physisch-sinnlichen Leib loslösen, auch heute in jenen Zustand des Wahrnehmens, durch den wir übersinnliche Tatsachen gewahr werden. Zweierlei übersinnlicher Tatsachen werden wir gewahr. Erstens werden wir dessen gewahr im Beginn dieses hellseherischen Zustandes, wenn wir anfangen zu wissen, wir sehen nicht mehr durch unseren physischen Leib, wir hören nicht mehr durch unseren physischen Leib, denken auch nicht mehr durch das an den physischen Leib gebundene Gehirn. Da wissen wir zunächst von aller äußeren Welt noch nichts. — Ich erzähle Ihnen Tatsachen, deren genauere Begründung erst im nächsten Vortrage möglich ist. — Dafür führt uns aber die erste Stufe des Hellsehens um so mehr zu einer Anschauung unseres eigenen Atherleibes. Wir sehen ein übersinnliches Leibliches der menschlichen Natur, das dieser zugrunde liegt und das wir nicht anders ansprechen können als etwas, das wirkt und schafft wie eine Art von innerem Baumeister, innerem Werkmeister, das unseren physischen Leib lebendig durchdringt. Und dann werden wir des Folgenden gewahr.

[ 18 ] Wir werden gewahr, daß das, was wir da an uns selber wahrnehmen, was wir als das eigentliche Lebendige unseres Ätherleibes an uns selber wahrnehmen, auf der einen Seite beschränkt, modifiziert wird durch unseren physischen Leib, daß es gleichsam nach der physischen Seite hin eingekleidet wird. Indem der Ätherleib auskleidet Augen und Ohren, auskleidet das physische Gehirn, gehören wir gewissermaßen dem irdischen Element an. Dadurch nehmen wir wahr, wie unser ätherischer Leib zum speziellen einzelnen, egoistischen Menschen wird, der in die Hülle seines physischen Leibes eingegliedert ist. Auf der andern Seite aber nehmen wir wahr, wie unser ätherischer Leib uns gerade wiederum in jene Regionen hineinführt, wo wir unpersönlich einem Höheren, Übersinnlichen gegenüberstehen, etwas, was nicht wir sind, was aber in uns mit voller Gegenwart vorhanden ist, was als geistige übersinnliche Macht und Kraft durch uns hindurch wirkt. Dadurch zerfällt für uns dann in der geisteswissenschaftlichen Betrachtung das innere Seelenleben in drei Glieder, die in drei äußere Leibeshüllen wie eingeschlossen sind, diese ausfüllend. Wir leben zunächst mit unserer Seele so, daß wir in ihr dasjenige erleben, was unsere Augen sehen, unsere Ohren hören, unsere Sinne überhaupt ergreifen können, was unser Verstand begreifen kann. Wir leben mit unserer Seele in unserem physischen Leibe. Insofern unsere Seele im physischen Leibe lebt, nennen wir sie in der Geisteswissenschaft die Bewußtseinsseele, weil erst durch das vollständige Einleben in den physischen Leib im Laufe des Menschenwerdens es möglich geworden ist, daß der Mensch zum IchBewußtsein aufgerückt ist. Dann lernt insbesondere der moderne Hellseher auch kennen das Leben der Seele in demjenigen, was wir Ätherleib genannt haben. Da lebt die Seele so im Ätherleib, daß sie zwar ihre Kräfte hat, daß da aber die Seelenkräfte so wirken, daß wir nicht sagen können, unsere persönlichen Kräfte sind es. Es sind allgemeine Menschheitskräfte, Kräfte, durch die wir den gesamten verborgenen Tatsachen der Natur viel näherstehen. Insofern die Seele diese Kräfte in einer äußeren Hülle, eben in dem Atherleib wahrnimmt, sprechen wir von der Verstandes- oder Gemütsseele als einem zweiten Seelenglied. So daß, ebenso wie wir die Bewußtseinsseele in der Hülle des physischen Leibes eingeschlossen finden, wir die Verstandes- oder Gemütsseele in dem ätherischen Leib eingeschlossen haben. Und dann haben wir einen noch feineren Leib, durch den wir hinaufragen in die übersinnliche Welt. Alles das, was wir innerlich erleben als unsere ureigensten Geheimnisse, zugleich als das, was heute dem Bewußtsein verborgen ist und was in der Zeit des alten Hellsehens als die Werdekräfte empfunden wurde im menschlichen Entwickelungsprozeß, was so empfunden wurde, als ob man zurückschauen könnte in die Ereignisse grauer Vorzeiten, alles das schreiben wir der Empfindungsseele zu, schreiben es dieser so zu, daß sie in dem feinsten menschlichen Leib eingeschlossen ist, in dem, was wir — bitte, stoßen Sie sich nicht an dem Ausdruck, nehmen Sie ihn als Terminus technicus — den astralischen Leib nennen. Es ist der Wesensteil des Menschen, der gleichsam dem Menschen dasjenige an das äußere Irdische anknüpft, was inspirierend hereinwirkt in sein Inneres, was er nicht durch die äußeren Sinne wahrnehmen kann, auch nicht wahrnehmen kann, wenn er durch sein eigenes Inneres in den Ätherleib hineinsieht, sondern was er wahrnimmt, wenn er von sich selber, von dem Ätherleib unabhängig wird und verbunden ist mit den Kräften seines Ursprungs.

[ 18 ] Wir werden gewahr, daß das, was wir da an uns selber wahrnehmen, was wir als das eigentliche Lebendige unseres Ätherleibes an uns selber wahrnehmen, auf der einen Seite beschränkt, modifiziert wird durch unseren physischen Leib, daß es gleichsam nach der physischen Seite hin eingekleidet wird. Indem der Ätherleib auskleidet Augen und Ohren, auskleidet das physische Gehirn, gehören wir gewissermaßen dem irdischen Element an. Dadurch nehmen wir wahr, wie unser ätherischer Leib zum speziellen einzelnen, egoistischen Menschen wird, der in die Hülle seines physischen Leibes eingegliedert ist. Auf der andern Seite aber nehmen wir wahr, wie unser ätherischer Leib uns gerade wiederum in jene Regionen hineinführt, wo wir unpersönlich einem Höheren, Übersinnlichen gegenüberstehen, etwas, was nicht wir sind, was aber in uns mit voller Gegenwart vorhanden ist, was als geistige übersinnliche Macht und Kraft durch uns hindurch wirkt. Dadurch zerfällt für uns dann in der geisteswissenschaftlichen Betrachtung das innere Seelenleben in drei Glieder, die in drei äußere Leibeshüllen wie eingeschlossen sind, diese ausfüllend. Wir leben zunächst mit unserer Seele so, daß wir in ihr dasjenige erleben, was unsere Augen sehen, unsere Ohren hören, unsere Sinne überhaupt ergreifen können, was unser Verstand begreifen kann. Wir leben mit unserer Seele in unserem physischen Leibe. Insofern unsere Seele im physischen Leibe lebt, nennen wir sie in der Geisteswissenschaft die Bewußtseinsseele, weil erst durch das vollständige Einleben in den physischen Leib im Laufe des Menschenwerdens es möglich geworden ist, daß der Mensch zum IchBewußtsein aufgerückt ist. Dann lernt insbesondere der moderne Hellseher auch kennen das Leben der Seele in demjenigen, was wir Ätherleib genannt haben. Da lebt die Seele so im Ätherleib, daß sie zwar ihre Kräfte hat, daß da aber die Seelenkräfte so wirken, daß wir nicht sagen können, unsere persönlichen Kräfte sind es. Es sind allgemeine Menschheitskräfte, Kräfte, durch die wir den gesamten verborgenen Tatsachen der Natur viel näherstehen. Insofern die Seele diese Kräfte in einer äußeren Hülle, eben in dem Atherleib wahrnimmt, sprechen wir von der Verstandes- oder Gemütsseele als einem zweiten Seelenglied. So daß, ebenso wie wir die Bewußtseinsseele in der Hülle des physischen Leibes eingeschlossen finden, wir die Verstandes- oder Gemütsseele in dem ätherischen Leib eingeschlossen haben. Und dann haben wir einen noch feineren Leib, durch den wir hinaufragen in die übersinnliche Welt. Alles das, was wir innerlich erleben als unsere ureigensten Geheimnisse, zugleich als das, was heute dem Bewußtsein verborgen ist und was in der Zeit des alten Hellsehens als die Werdekräfte empfunden wurde im menschlichen Entwickelungsprozeß, was so empfunden wurde, als ob man zurückschauen könnte in die Ereignisse grauer Vorzeiten, alles das schreiben wir der Empfindungsseele zu, schreiben es dieser so zu, daß sie in dem feinsten menschlichen Leib eingeschlossen ist, in dem, was wir — bitte, stoßen Sie sich nicht an dem Ausdruck, nehmen Sie ihn als Terminus technicus — den astralischen Leib nennen. Es ist der Wesensteil des Menschen, der gleichsam dem Menschen dasjenige an das äußere Irdische anknüpft, was inspirierend hereinwirkt in sein Inneres, was er nicht durch die äußeren Sinne wahrnehmen kann, auch nicht wahrnehmen kann, wenn er durch sein eigenes Inneres in den Ätherleib hineinsieht, sondern was er wahrnimmt, wenn er von sich selber, von dem Ätherleib unabhängig wird und verbunden ist mit den Kräften seines Ursprungs.

[ 19 ] So haben wir die Empfindungsseele im astralischen Leib, die Verstandes- oder Gemütsseele im ätherischen Leib und die Bewußtseinsseele im physischen Leib. In den Zeiten des alten Hellsehens waren diese Dinge mehr oder weniger instinktiv bewußt den Menschen, denn sie sahen in sich hinein, sie sahen dieses dreigliedrige Seelenwesen. Nicht daß sie sich verstandesmäßig die Seele zergliedert hätten, aber indem sie ein hellseherisches Bewußtsein hatten, stand vor ihnen die dreigliedrige Menschenseele: die Empfindungsseele im astralischen, die Verstandes- oder Gemütsseele im ätherischen und die Bewußtseinsseele im physischen Leibe. Indem sie zurückblickten, sahen sie, wie das Äußere des Menschen, die äußere Gestalt, als das Tierische längst verhärter war, sich aus dem herausentwickelte, was uns heute in seinem Ergebnis als dreifache Seelenkräfte entgegentritt. Da empfanden sie, daß diese dreifache Gliederung aus übersinnlichen schöpferischen Mächten herausgeboren ist. Sie empfanden, daß die Empfindungsseele aus übersinnlichen schöpferischen Mächten herausgeboren ist, die dem Menschen den astralischen Leib gaben, jenen Leib, den er nicht nur hat wie seinen ätherischen und physischen Leib zwischen Geburt und Tod, sondern den er mitnimmt, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet, und den er schon hatte, bevor er durch die Geburt ins Dasein trat. So sahen die alten Hellseher die Empfindungsseele verbunden mit dem astraliischen Leibe und das, was sozusagen aus den geistigen Welten inspirierend auf den Menschen wirkt und seinen astralischen Leib schafft, als die eine schöpferische Kraft, die den Menschen aus dem Weltganzen heraus bildet. Und als eine zweite schöpferische Kraft sahen sie das, was wir heute im Ergebnis der Verstandes- oder Gemütsseele haben und was den ätherischen Leib schafft so, daß dieser ätherische Leib alle äußeren Substanzen, alle äußeren Materien umwandelt, so daß sie die physische Menschengestalt im menschlichen, nicht im tierischen Sinn durchdringen können. Den schöpferischen Geist für den ätherischen Leib, der in seinen Ergebnissen in unserer Verstandesseele auftritt, sahen die alten Hellseher als eine übermenschliche kosmische Macht hereinwirken, etwa wie im Magnetismus in die physische Materie herein, so in den Menschen herein. Sie sahen hinauf in die geistigen Welten, sahen eine göttlich-geistige Macht, welche den ätherischen Leib des Menschen zimmert, schmiedet, so daß dieser ätherische Leib der Werkmeister, der Baumeister wird, der die äußere Materie umgestaltet, sie gleichsam durcheinanderbringt, sie pulverisiert, mahlt, so daß das, was sonst als Materie vorhanden ist, im Menschen sich gliedert und der Mensch die menschlichen Fähigkeiten bekommt. Die alten Hellseher sahen, wie diese schöpferische Kraft alle Materie in kunstvoller Weise umschafft, so daß sie menschliche Materie werden konnte. Dann wiederum sahen sie auf das Dritte, auf die Bewußtseinsseele, die den egoistischen Menschen eigentlich macht, welche die Umwandlung von dem physischen Leib ist, und sie schrieben diejenigen Kräfte, welche in diesem physischen Leibe walten, einzig und allein der Vererbungslinie zu, dem, was von Vater und Mutter, von Großvater und Urgroßvater abstammt, kurz, was Ergebnis der menschlichen Liebeskräfte, der menschlichen Fortpflanzungskräfte ist. Darin sahen sie die dritte schöpferische Macht. Die Macht der Liebe wirkt von Generation zu Generation.

[ 19 ] So haben wir die Empfindungsseele im astralischen Leib, die Verstandes- oder Gemütsseele im ätherischen Leib und die Bewußtseinsseele im physischen Leib. In den Zeiten des alten Hellsehens waren diese Dinge mehr oder weniger instinktiv bewußt den Menschen, denn sie sahen in sich hinein, sie sahen dieses dreigliedrige Seelenwesen. Nicht daß sie sich verstandesmäßig die Seele zergliedert hätten, aber indem sie ein hellseherisches Bewußtsein hatten, stand vor ihnen die dreigliedrige Menschenseele: die Empfindungsseele im astralischen, die Verstandes- oder Gemütsseele im ätherischen und die Bewußtseinsseele im physischen Leibe. Indem sie zurückblickten, sahen sie, wie das Äußere des Menschen, die äußere Gestalt, als das Tierische längst verhärter war, sich aus dem herausentwickelte, was uns heute in seinem Ergebnis als dreifache Seelenkräfte entgegentritt. Da empfanden sie, daß diese dreifache Gliederung aus übersinnlichen schöpferischen Mächten herausgeboren ist. Sie empfanden, daß die Empfindungsseele aus übersinnlichen schöpferischen Mächten herausgeboren ist, die dem Menschen den astralischen Leib gaben, jenen Leib, den er nicht nur hat wie seinen ätherischen und physischen Leib zwischen Geburt und Tod, sondern den er mitnimmt, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet, und den er schon hatte, bevor er durch die Geburt ins Dasein trat. So sahen die alten Hellseher die Empfindungsseele verbunden mit dem astraliischen Leibe und das, was sozusagen aus den geistigen Welten inspirierend auf den Menschen wirkt und seinen astralischen Leib schafft, als die eine schöpferische Kraft, die den Menschen aus dem Weltganzen heraus bildet. Und als eine zweite schöpferische Kraft sahen sie das, was wir heute im Ergebnis der Verstandes- oder Gemütsseele haben und was den ätherischen Leib schafft so, daß dieser ätherische Leib alle äußeren Substanzen, alle äußeren Materien umwandelt, so daß sie die physische Menschengestalt im menschlichen, nicht im tierischen Sinn durchdringen können. Den schöpferischen Geist für den ätherischen Leib, der in seinen Ergebnissen in unserer Verstandesseele auftritt, sahen die alten Hellseher als eine übermenschliche kosmische Macht hereinwirken, etwa wie im Magnetismus in die physische Materie herein, so in den Menschen herein. Sie sahen hinauf in die geistigen Welten, sahen eine göttlich-geistige Macht, welche den ätherischen Leib des Menschen zimmert, schmiedet, so daß dieser ätherische Leib der Werkmeister, der Baumeister wird, der die äußere Materie umgestaltet, sie gleichsam durcheinanderbringt, sie pulverisiert, mahlt, so daß das, was sonst als Materie vorhanden ist, im Menschen sich gliedert und der Mensch die menschlichen Fähigkeiten bekommt. Die alten Hellseher sahen, wie diese schöpferische Kraft alle Materie in kunstvoller Weise umschafft, so daß sie menschliche Materie werden konnte. Dann wiederum sahen sie auf das Dritte, auf die Bewußtseinsseele, die den egoistischen Menschen eigentlich macht, welche die Umwandlung von dem physischen Leib ist, und sie schrieben diejenigen Kräfte, welche in diesem physischen Leibe walten, einzig und allein der Vererbungslinie zu, dem, was von Vater und Mutter, von Großvater und Urgroßvater abstammt, kurz, was Ergebnis der menschlichen Liebeskräfte, der menschlichen Fortpflanzungskräfte ist. Darin sahen sie die dritte schöpferische Macht. Die Macht der Liebe wirkt von Generation zu Generation.

[ 20 ] Zu drei Mächten sahen die alten Hellseher hinauf, zu einem schöpferischen Wesen, das unsere Empfindungsseele zuletzt hervorruft, in dem es im Menschen den astralischen Leib gestaltet, der von den übersinnlichen Mächten inspiriert werden kann, weil er der Leib ist, den der Mensch hatte, bevor er ein physisches Wesen durch die Empfängnis wurde, der Leib, welchen der Mensch haben wird, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist. Dieses Kräftegebilde, können wir besser sagen, dieses gleichsam himmlische Gebilde im Menschen, das dauert, während Ätherleib und physischer Leib vorübergehen, das ist zugleich für die alten Hellseher dasjenige gewesen — das ergab ihnen ihre unmittelbare Erfahrung —, was ins menschliche Leben alle Kultur hereinbringen konnte. Deshalb sahen sie im Bringer des astralischen Leibes jene Macht, die das Göttliche hereinträgt, die selber nur aus dem Dauernden besteht, durch welches das Ewige der Welt hereinsingt und hereintönt. Und die alten Hellseher, denen — ich sage es ungescheut — die Gestalten von Kalewala entsprungen sind, haben die lebendige plastische Ausgestaltung derjenigen Schöpfungsmacht, die uns im Resultat der Empfindungsseele entgegendringt, die das Göttliche in das Menschliche hereininspiriert, hingestellt in Wäinämöinen. Wäinämöinen ist der Schöpfer jenes menschlichen Leibesgliedes, das über Geburt und Tod hinausdauert und das das Himmlische ins Irdische hereinbringt. Und wir sehen die zweite Gestalt in Kalewala: Ilmarinen. Wenn wir zurückgehen auf das alte hellseherische Bewußtsein, dann finden wir, daß Ilmarinen alles das herausschafft, was Abbild ist in seiner lebendigen Gestaltung vom ätherischen Leib aus den Kräften der Erde und aus dem, was nicht der sinnlichen Erde, sondern was den tieferen Kräften der Erde angehört. Wir sehen in Ilmarinen den Bringer desjenigen, was alle Materie umgestaltet, ummahlt. Wir sehen in ihm den Schmied der menschlichen Gestalt. Und wir sehen in dem Sampo den menschlichen Ätherleib, geschmiedet von Ilmarinen aus der übersinnlichen Welt heraus, damit die sinnliche Materie pulverisiert und dann fortgeleitet werden kann von Generation zu Generation, so daß in den Kräften, welche die dritte göttliche übersinnliche Wesenheit gibt, von Generation zu Generation durch die Liebeskräfte die menschliche Bewußtseinsseele im physischen Menschenleib fortwirkt. Diese dritte göttlich-übersinnliche Macht sehen wir in Lemminkäinen. So sehen wir tiefe Geheimnisse der Menschheitsentstehung in dem Schmieden des Sampo, sehen tiefe Geheimnisse aus dem alten hellseherischen Bewußtsein heraus auf dem Grund von Kalewala und blicken so in menschliche Vorzeiten zurück, von denen wir uns sagen dürfen: Nicht war damals das Zeitalter, wo man hätte mit Verstand die Naturerscheinungen zergliedern können. Primitiv war alles, aber im Primitiven lebte die Anschauung dessen, was hinter dem Sinnlichen steht. Nun war es so, daß, wenn diese Leiber des Menschen geschmiedet waren, wenn namentlich der ätherische Leib des Menschen, der Sampo, geschmiedet war, daß das erst eine Weile verarbeitet werden mußte, daß der Mensch nicht sogleich die Kräfte hatte, die ihm dadurch von den übersinnlichen Mächten bereitet waren. Indem der Ätherleib geschmiedet war, muß er erst innerlich sich einleben, wie wenn wir eine Maschine zubereiten, die erst fertig sein muß, gleichsam dann erst völlig ausreifen muß, um in Gebrauch zu treten. In dem Menschenwerden mußten immer — das zeigt sich bei aller Evolution — Zwischenzeiten zwischen dem Schaffen der entsprechenden Glieder und dem Gebrauch derselben sein. So hatte der Mensch seinen ätherischen Leib in ferner Urzeit geschmiedet. Dann kam eine Episode, wo dieser Ätherleib hinunter in die menschliche Natur gesandt ward. Erst später leuchtete er auf als Verstandesseele. Der Mensch lernte seine Kräfte gebrauchen als äußere Naturkräfte, er holte aus seiner eigenen Natur den verborgen gebliebenen Sampo hervor. Wir sehen in einer wunderbaren Weise bildlich dieses Geheimnis des Menschenwerdens in dem Schmieden des Sampo, in dem Verborgensein, in dem Unwirksamsein des Sampo, in der Episode, die zwischen dem Schmieden und Wiederauffinden desselben liegt. Wir sehen den Sampo erst in die menschliche Natur versenkt, dann herausgeholt zu den äußeren Kulturkräften, die erst als primitive Kräfte auftreten, wie sie im zweiten Teil von Kalewala geschildert werden.

[ 20 ] Zu drei Mächten sahen die alten Hellseher hinauf, zu einem schöpferischen Wesen, das unsere Empfindungsseele zuletzt hervorruft, in dem es im Menschen den astralischen Leib gestaltet, der von den übersinnlichen Mächten inspiriert werden kann, weil er der Leib ist, den der Mensch hatte, bevor er ein physisches Wesen durch die Empfängnis wurde, der Leib, welchen der Mensch haben wird, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist. Dieses Kräftegebilde, können wir besser sagen, dieses gleichsam himmlische Gebilde im Menschen, das dauert, während Ätherleib und physischer Leib vorübergehen, das ist zugleich für die alten Hellseher dasjenige gewesen — das ergab ihnen ihre unmittelbare Erfahrung —, was ins menschliche Leben alle Kultur hereinbringen konnte. Deshalb sahen sie im Bringer des astralischen Leibes jene Macht, die das Göttliche hereinträgt, die selber nur aus dem Dauernden besteht, durch welches das Ewige der Welt hereinsingt und hereintönt. Und die alten Hellseher, denen — ich sage es ungescheut — die Gestalten von Kalewala entsprungen sind, haben die lebendige plastische Ausgestaltung derjenigen Schöpfungsmacht, die uns im Resultat der Empfindungsseele entgegendringt, die das Göttliche in das Menschliche hereininspiriert, hingestellt in Wäinämöinen. Wäinämöinen ist der Schöpfer jenes menschlichen Leibesgliedes, das über Geburt und Tod hinausdauert und das das Himmlische ins Irdische hereinbringt. Und wir sehen die zweite Gestalt in Kalewala: Ilmarinen. Wenn wir zurückgehen auf das alte hellseherische Bewußtsein, dann finden wir, daß Ilmarinen alles das herausschafft, was Abbild ist in seiner lebendigen Gestaltung vom ätherischen Leib aus den Kräften der Erde und aus dem, was nicht der sinnlichen Erde, sondern was den tieferen Kräften der Erde angehört. Wir sehen in Ilmarinen den Bringer desjenigen, was alle Materie umgestaltet, ummahlt. Wir sehen in ihm den Schmied der menschlichen Gestalt. Und wir sehen in dem Sampo den menschlichen Ätherleib, geschmiedet von Ilmarinen aus der übersinnlichen Welt heraus, damit die sinnliche Materie pulverisiert und dann fortgeleitet werden kann von Generation zu Generation, so daß in den Kräften, welche die dritte göttliche übersinnliche Wesenheit gibt, von Generation zu Generation durch die Liebeskräfte die menschliche Bewußtseinsseele im physischen Menschenleib fortwirkt. Diese dritte göttlich-übersinnliche Macht sehen wir in Lemminkäinen. So sehen wir tiefe Geheimnisse der Menschheitsentstehung in dem Schmieden des Sampo, sehen tiefe Geheimnisse aus dem alten hellseherischen Bewußtsein heraus auf dem Grund von Kalewala und blicken so in menschliche Vorzeiten zurück, von denen wir uns sagen dürfen: Nicht war damals das Zeitalter, wo man hätte mit Verstand die Naturerscheinungen zergliedern können. Primitiv war alles, aber im Primitiven lebte die Anschauung dessen, was hinter dem Sinnlichen steht. Nun war es so, daß, wenn diese Leiber des Menschen geschmiedet waren, wenn namentlich der ätherische Leib des Menschen, der Sampo, geschmiedet war, daß das erst eine Weile verarbeitet werden mußte, daß der Mensch nicht sogleich die Kräfte hatte, die ihm dadurch von den übersinnlichen Mächten bereitet waren. Indem der Ätherleib geschmiedet war, muß er erst innerlich sich einleben, wie wenn wir eine Maschine zubereiten, die erst fertig sein muß, gleichsam dann erst völlig ausreifen muß, um in Gebrauch zu treten. In dem Menschenwerden mußten immer — das zeigt sich bei aller Evolution — Zwischenzeiten zwischen dem Schaffen der entsprechenden Glieder und dem Gebrauch derselben sein. So hatte der Mensch seinen ätherischen Leib in ferner Urzeit geschmiedet. Dann kam eine Episode, wo dieser Ätherleib hinunter in die menschliche Natur gesandt ward. Erst später leuchtete er auf als Verstandesseele. Der Mensch lernte seine Kräfte gebrauchen als äußere Naturkräfte, er holte aus seiner eigenen Natur den verborgen gebliebenen Sampo hervor. Wir sehen in einer wunderbaren Weise bildlich dieses Geheimnis des Menschenwerdens in dem Schmieden des Sampo, in dem Verborgensein, in dem Unwirksamsein des Sampo, in der Episode, die zwischen dem Schmieden und Wiederauffinden desselben liegt. Wir sehen den Sampo erst in die menschliche Natur versenkt, dann herausgeholt zu den äußeren Kulturkräften, die erst als primitive Kräfte auftreten, wie sie im zweiten Teil von Kalewala geschildert werden.

[ 21 ] So gewinnt alles dann eine tiefe Bedeutung in diesem großen Volksepos, wenn wir in ihm Schilderungen hellseherisch erworbener alter Vorgänge des Menschenwerdens sehen, des Zustandekommens der Menschennatur aus ihren verschiedenen Gliedern. Es war mir, der ich wahrhaftig — ich kann es Ihnen versichern — Kalewala erst lange, lange nachher kennenlernte, nachdem diese Tatsachen vom Werden der menschlichen Natur mir klar vor der Seele standen, eine wunderbare, überraschende Tatsache, gerade in diesem Epos das wiederzufinden, was ich mehr oder weniger theoretisch in meiner «Theosophie» darstellen konnte, die in einer Zeit geschrieben ist, als ich noch keine Zeile von Kalewala kannte. So sehen wir, wie der Menschheit Geheimnisse gerade in dem aufgehen, was Wäinämöinen gibt, er, der Schöpfer der übersinnlichen Inspirationen: die Geschichte von dem Schmieden des Ätherleibes. Aber da ist noch ein anderes Geheimnis verborgen. Ich verstehe, wohlgemerkt, nichts vom Finnischen, ich kann nur aus der Geisteswissenschaft heraus sprechen. Ich würde das Wort Sampo einzig und allein nur dadurch ausdrücken können, daß ich versuchte, ein Wort zu bilden, das auf folgende Weise entstehen könnte: In den Tieren sehen wir den ätherischen Leib so wirksam, daß er der Baumeister für die verschiedensten Gestalten wird, von den unvollkommensten zu den vollkommensten. Im menschlichen Atherleib wurde etwas geschmiedet, was alle diese tierischen Gestalten wie in einer Einheit zusammenfaßt, nur mit der einzigen Ausnahme, daß über die Erde hin der Ätherleib, das heißt der Sampo, geschmiedet wird je nach den klimatischen und andern Verhältnissen, so daß dieser Ätherleib die besonderen Volkscharaktere, die besonderen Volkseigentümlichkeiten in seinen Kräften hat, daß er das eine Volk so und das andere anders gestaltet. Der Sampo ist dasjenige für jedes Volk, was die besondere Gestalt des Atherleibes ausmacht, der gerade diese besondere Volksheit ins Leben setzt, so daß die Glieder dieser Volksheit von demselben Aussehen sind in bezug auf das, was hindurchleuchtet durch ihr Lebendiges und durch ihr Physisches. Insofern das gleiche Aussehen in der menschlichen Gestalt aus dem Ätherischen gezimmert ist, insofern liegen die Kräfte des Atherleibes in dem Sampo. In dem Sampo haben wir also das Symbolum des Zusammenhaltens des finnischen Volkes, dasjenige, was in den Tiefen der Menschlichkeit macht, daß das finnische Volkstum sich gerade in einer bestimmten Gestalt ausgelebt hat.

[ 21 ] So gewinnt alles dann eine tiefe Bedeutung in diesem großen Volksepos, wenn wir in ihm Schilderungen hellseherisch erworbener alter Vorgänge des Menschenwerdens sehen, des Zustandekommens der Menschennatur aus ihren verschiedenen Gliedern. Es war mir, der ich wahrhaftig — ich kann es Ihnen versichern — Kalewala erst lange, lange nachher kennenlernte, nachdem diese Tatsachen vom Werden der menschlichen Natur mir klar vor der Seele standen, eine wunderbare, überraschende Tatsache, gerade in diesem Epos das wiederzufinden, was ich mehr oder weniger theoretisch in meiner «Theosophie» darstellen konnte, die in einer Zeit geschrieben ist, als ich noch keine Zeile von Kalewala kannte. So sehen wir, wie der Menschheit Geheimnisse gerade in dem aufgehen, was Wäinämöinen gibt, er, der Schöpfer der übersinnlichen Inspirationen: die Geschichte von dem Schmieden des Ätherleibes. Aber da ist noch ein anderes Geheimnis verborgen. Ich verstehe, wohlgemerkt, nichts vom Finnischen, ich kann nur aus der Geisteswissenschaft heraus sprechen. Ich würde das Wort Sampo einzig und allein nur dadurch ausdrücken können, daß ich versuchte, ein Wort zu bilden, das auf folgende Weise entstehen könnte: In den Tieren sehen wir den ätherischen Leib so wirksam, daß er der Baumeister für die verschiedensten Gestalten wird, von den unvollkommensten zu den vollkommensten. Im menschlichen Atherleib wurde etwas geschmiedet, was alle diese tierischen Gestalten wie in einer Einheit zusammenfaßt, nur mit der einzigen Ausnahme, daß über die Erde hin der Ätherleib, das heißt der Sampo, geschmiedet wird je nach den klimatischen und andern Verhältnissen, so daß dieser Ätherleib die besonderen Volkscharaktere, die besonderen Volkseigentümlichkeiten in seinen Kräften hat, daß er das eine Volk so und das andere anders gestaltet. Der Sampo ist dasjenige für jedes Volk, was die besondere Gestalt des Atherleibes ausmacht, der gerade diese besondere Volksheit ins Leben setzt, so daß die Glieder dieser Volksheit von demselben Aussehen sind in bezug auf das, was hindurchleuchtet durch ihr Lebendiges und durch ihr Physisches. Insofern das gleiche Aussehen in der menschlichen Gestalt aus dem Ätherischen gezimmert ist, insofern liegen die Kräfte des Atherleibes in dem Sampo. In dem Sampo haben wir also das Symbolum des Zusammenhaltens des finnischen Volkes, dasjenige, was in den Tiefen der Menschlichkeit macht, daß das finnische Volkstum sich gerade in einer bestimmten Gestalt ausgelebt hat.

[ 22 ] So ist es aber bei jedem Volksepos. Volksepen können nur da entstehen, wo die Kultur noch in die Kräfte des Sampo eingeschlossen ist, in die Kräfte des ätherischen Leibes. Solange die Kultur von den Kräften des Sampo abhängt, so lange trägt das Volk den Stempel dieses Sampo. Dieser Ätherleib trägt daher in der ganzen Kultur den Charakter des Volkstümlichen, des Volksheitlichen. Wann konnte im Laufe des Kulturprozesses ein Bruch in dieses Volkstümliche, in dieses Volksheitliche hineinkommen? Dann konnte er hineinkommen, als etwas in dem menschlichen Kulturprozeß eintrat, das nicht für einen Menschen, für einen Stamm, für ein Volk, sondern für die ganze Menschheit ist, was aus solchen Tiefen der Menschennatur, aus solchen Feinheiten und Intimitäten herausgenommen und dem Kulturprozeß einverleibt ist, daß es für alle Menschen gilt ohne Unterschied der Nationalität, der Rasse und so weiter. Das aber war gegeben, als jene Mächte zu den Menschen sprachen, die nicht zu einem Volk sprachen, sondern zur ganzen Menschheit, jene Mächte, die nur so unpersönlich auch im Sinn der Volksheit, so fein und zart am Ende von Kalewala angedeutet werden, indem der Christus aus Mariata geboren ist. Als Er getauft wird, da verläßt Wäinämöinen das Land, da ist etwas eingetreten, was die besondere Volksheit mit dem Allgemein-Menschlichen zusammenbringt. Und hier an diesem Punkte, wo eines der bedeutendsten, prägnantesten, grandiosesten Volksepen in die Schilderung, in die ganz unpersönliche — erlauben Sie den paradoxen Ausdruck — unpalästinische Schilderung des ChristusImpulses einmündet, wird Kalewala ganz besonders bedeutsam. Da führt sie uns ganz besonders in das hinein, was empfunden werden kann da, wo die Wohltaten, das Glück des Sampo lebendig empfunden werden als fortwirkend durch alles Menschenwerden und im Zusammenwirken zugleich mit der christlichen Idee, mit dem christlichen Impuls. Das ist das unendlich Zarte am Ende von Kalewala. Das ist es auch, was uns so klar erläutert, daß dasjenige, was vor diesem Schluß in Kalewala liegt, der vorchristlichen Zeit angehört. Aber so wahr alles Allgemein-Menschliche nur immerfort bestehen wird, indem es das Individuelle bewahren wird,so wahr werden die einzelnen Volkskulturen, die ihr Wesen aus alten hellseherischen Zuständen der Völker herleiten, fortleben in dem Allgemein-Menschlichen. So wahr wird alles, was Kalewala am Schluß als Christliches andeutet, immerdar sich verbinden, seine besondere Folge behalten durch das ohne Ende Fortwirkende, das angedeutet ist in den Inspirationen von Wäinämöinen. Denn mit Wäinämöinen ist etwas gemeint, das jenem menschlichen Wesensteil angehört, der über Geburt und Tod erhaben ist, der mit dem Menschen durch alles Menschenwerden hindurchschreitet. So stellen uns solche Epen wie Kalewala etwas dar, was unvergänglich ist, was durchdrungen werden kann von dem, was christliche Idee ist, das sich aber geltend machen wird als Individuelles, das immer den Beweis liefern wird, daß das Allgemein-Menschliche, so wie das weiße Sonnenlicht in vielen Farben sich zerteilt, in den vielen Volkskulturen fortleben wird. Und weil dieses Allgemein-Menschliche in dem Wesen der Volksepen das Individuelle durchdringt, das aber in jeden Menschen hineinleuchtet, zu jedem Menschen spricht, deshalb leben die Individualitäten der Völker so sehr in dem Wesen ihrer Volksepen. Deshalb stehen so lebendig vor unseren Augen die Menschen alter Zeiten, die in ihrem Hellsehen das Wesen ihres eigenen Volkstums geschaut haben, wie es uns in allen Volksepen geschildert wird, wie wir es aber doch ganz wunderbar kennenlernen können da, wo die Menschheit in ihren Intimitäten umfaßt wird durch Umstände, wie sie im finnischen Volkstum leben, wo dieses, auf den Tiefen der Seele liegend, so dargestellt wird, daß es gleichsam unmittelbar zusammengestellt werden kann mit dem, was uns wiederum die modernste Geisteswissenschaft über die menschlichen Geheimnisse enthüllen kann.

[ 22 ] So ist es aber bei jedem Volksepos. Volksepen können nur da entstehen, wo die Kultur noch in die Kräfte des Sampo eingeschlossen ist, in die Kräfte des ätherischen Leibes. Solange die Kultur von den Kräften des Sampo abhängt, so lange trägt das Volk den Stempel dieses Sampo. Dieser Ätherleib trägt daher in der ganzen Kultur den Charakter des Volkstümlichen, des Volksheitlichen. Wann konnte im Laufe des Kulturprozesses ein Bruch in dieses Volkstümliche, in dieses Volksheitliche hineinkommen? Dann konnte er hineinkommen, als etwas in dem menschlichen Kulturprozeß eintrat, das nicht für einen Menschen, für einen Stamm, für ein Volk, sondern für die ganze Menschheit ist, was aus solchen Tiefen der Menschennatur, aus solchen Feinheiten und Intimitäten herausgenommen und dem Kulturprozeß einverleibt ist, daß es für alle Menschen gilt ohne Unterschied der Nationalität, der Rasse und so weiter. Das aber war gegeben, als jene Mächte zu den Menschen sprachen, die nicht zu einem Volk sprachen, sondern zur ganzen Menschheit, jene Mächte, die nur so unpersönlich auch im Sinn der Volksheit, so fein und zart am Ende von Kalewala angedeutet werden, indem der Christus aus Mariata geboren ist. Als Er getauft wird, da verläßt Wäinämöinen das Land, da ist etwas eingetreten, was die besondere Volksheit mit dem Allgemein-Menschlichen zusammenbringt. Und hier an diesem Punkte, wo eines der bedeutendsten, prägnantesten, grandiosesten Volksepen in die Schilderung, in die ganz unpersönliche — erlauben Sie den paradoxen Ausdruck — unpalästinische Schilderung des ChristusImpulses einmündet, wird Kalewala ganz besonders bedeutsam. Da führt sie uns ganz besonders in das hinein, was empfunden werden kann da, wo die Wohltaten, das Glück des Sampo lebendig empfunden werden als fortwirkend durch alles Menschenwerden und im Zusammenwirken zugleich mit der christlichen Idee, mit dem christlichen Impuls. Das ist das unendlich Zarte am Ende von Kalewala. Das ist es auch, was uns so klar erläutert, daß dasjenige, was vor diesem Schluß in Kalewala liegt, der vorchristlichen Zeit angehört. Aber so wahr alles Allgemein-Menschliche nur immerfort bestehen wird, indem es das Individuelle bewahren wird,so wahr werden die einzelnen Volkskulturen, die ihr Wesen aus alten hellseherischen Zuständen der Völker herleiten, fortleben in dem Allgemein-Menschlichen. So wahr wird alles, was Kalewala am Schluß als Christliches andeutet, immerdar sich verbinden, seine besondere Folge behalten durch das ohne Ende Fortwirkende, das angedeutet ist in den Inspirationen von Wäinämöinen. Denn mit Wäinämöinen ist etwas gemeint, das jenem menschlichen Wesensteil angehört, der über Geburt und Tod erhaben ist, der mit dem Menschen durch alles Menschenwerden hindurchschreitet. So stellen uns solche Epen wie Kalewala etwas dar, was unvergänglich ist, was durchdrungen werden kann von dem, was christliche Idee ist, das sich aber geltend machen wird als Individuelles, das immer den Beweis liefern wird, daß das Allgemein-Menschliche, so wie das weiße Sonnenlicht in vielen Farben sich zerteilt, in den vielen Volkskulturen fortleben wird. Und weil dieses Allgemein-Menschliche in dem Wesen der Volksepen das Individuelle durchdringt, das aber in jeden Menschen hineinleuchtet, zu jedem Menschen spricht, deshalb leben die Individualitäten der Völker so sehr in dem Wesen ihrer Volksepen. Deshalb stehen so lebendig vor unseren Augen die Menschen alter Zeiten, die in ihrem Hellsehen das Wesen ihres eigenen Volkstums geschaut haben, wie es uns in allen Volksepen geschildert wird, wie wir es aber doch ganz wunderbar kennenlernen können da, wo die Menschheit in ihren Intimitäten umfaßt wird durch Umstände, wie sie im finnischen Volkstum leben, wo dieses, auf den Tiefen der Seele liegend, so dargestellt wird, daß es gleichsam unmittelbar zusammengestellt werden kann mit dem, was uns wiederum die modernste Geisteswissenschaft über die menschlichen Geheimnisse enthüllen kann.

[ 23 ] So aber sind, meine sehr verehrten Anwesenden, zugleich solche Volksepen in ihrem Wesen der lebendige Protest gegen allen Materialismus, gegen alles Herleiten des Menschen aus bloß äußeren materiellen Kräften, materiellen Zuständen, materiellen Wesenheiten. Es berichten uns solche Volksepen, wie insbesondere Kalewala, davon, daß der Mensch seinen Ursprung und Urstand im Geistig-Seelischen hat. Deshalb kann auch eine Erneuerung, eine Wiederbefruchtung alter Volksepen im lebendigsten Sinn der spirituellen, der geistigen Kultur unermeßlich große Dienste leisten. Denn wie Geisteswissenschaft heute überhaupt eine Erneuerung des menschlichen Bewußtseins sein will in der Richtung, daß das Menschentum nicht in der Materie, sondern im Geiste wurzelt, so zeigt uns eine genaue Betrachtung eines solchen Epos wie Kalewala, daß das Beste, was der Mensch hat, auch das Beste, was der Mensch ist, aus dem Geistig-Seelischen stammt. In diesem Sinne war es mir interessant, daß eine der Runen, der Kantelen unmittelbar, ich möchte sagen, Protest erhebt gegen eine Ausdeutung dessen, was in Kalewala vorkommt, in einem materialistischen Sinn. Jenes Instrument, jenes harfenartige, mit dem die alten Sänger von den alten Zeiten sangen, im Bild wird es angedeutet so, wie wenn es aus Materialien der physischen Welt gebildet wäre. Die alten Runen aber protestierten dagegen, protestierten im geisteswissenschaftlichen Sinne, möchte man sagen, dagegen, daß aus Naturprodukten, welche die Sinne schauen können, das Saiteninstrument für Wäinämöinen zusammengefügt war. In Wahrheit, so sagt die alte Rune, stammt aus Geistig-Seelischem das Instrument, worauf der Mensch die Weisen spielt, die ihm unmittelbar aus der geistigen Welt hereinkommen. In diesem Sinn ist die alte Rune ganz im geisteswissenschaftlichen Sinn zu deuten, ein lebendiger Protest gegen die Ausdeutung dessen, wozu der Mensch imstande ist im materialistischen Sinn, eine Hindeutung darauf, daß das, was der Mensch besitzt, was sein Wesen ist und was nur symbolisch ausgedrückt wird in einem solchen Instrument, wie jenes, welches dem Wäinämöinen zugeschrieben wird, daß ein solches Instrument aus dem Geist heraus und damit überhaupt das ganze Wesen des Menschen aus dem Geist heraus stammt. Wie ein Motto für die Gesinnung der Geisteswissenschaft kann sie gelten, die alte finnische Volksrune, die uns in die deutsche Sprache in folgender Weise übersetzt ist, und in welcher ich den Grundton, die Grundnuance dessen, was der Vortrag erläutern wollte an dem Wesen der Volksepen, zusammenfassen kann:

[ 23 ] So aber sind, meine sehr verehrten Anwesenden, zugleich solche Volksepen in ihrem Wesen der lebendige Protest gegen allen Materialismus, gegen alles Herleiten des Menschen aus bloß äußeren materiellen Kräften, materiellen Zuständen, materiellen Wesenheiten. Es berichten uns solche Volksepen, wie insbesondere Kalewala, davon, daß der Mensch seinen Ursprung und Urstand im Geistig-Seelischen hat. Deshalb kann auch eine Erneuerung, eine Wiederbefruchtung alter Volksepen im lebendigsten Sinn der spirituellen, der geistigen Kultur unermeßlich große Dienste leisten. Denn wie Geisteswissenschaft heute überhaupt eine Erneuerung des menschlichen Bewußtseins sein will in der Richtung, daß das Menschentum nicht in der Materie, sondern im Geiste wurzelt, so zeigt uns eine genaue Betrachtung eines solchen Epos wie Kalewala, daß das Beste, was der Mensch hat, auch das Beste, was der Mensch ist, aus dem Geistig-Seelischen stammt. In diesem Sinne war es mir interessant, daß eine der Runen, der Kantelen unmittelbar, ich möchte sagen, Protest erhebt gegen eine Ausdeutung dessen, was in Kalewala vorkommt, in einem materialistischen Sinn. Jenes Instrument, jenes harfenartige, mit dem die alten Sänger von den alten Zeiten sangen, im Bild wird es angedeutet so, wie wenn es aus Materialien der physischen Welt gebildet wäre. Die alten Runen aber protestierten dagegen, protestierten im geisteswissenschaftlichen Sinne, möchte man sagen, dagegen, daß aus Naturprodukten, welche die Sinne schauen können, das Saiteninstrument für Wäinämöinen zusammengefügt war. In Wahrheit, so sagt die alte Rune, stammt aus Geistig-Seelischem das Instrument, worauf der Mensch die Weisen spielt, die ihm unmittelbar aus der geistigen Welt hereinkommen. In diesem Sinn ist die alte Rune ganz im geisteswissenschaftlichen Sinn zu deuten, ein lebendiger Protest gegen die Ausdeutung dessen, wozu der Mensch imstande ist im materialistischen Sinn, eine Hindeutung darauf, daß das, was der Mensch besitzt, was sein Wesen ist und was nur symbolisch ausgedrückt wird in einem solchen Instrument, wie jenes, welches dem Wäinämöinen zugeschrieben wird, daß ein solches Instrument aus dem Geist heraus und damit überhaupt das ganze Wesen des Menschen aus dem Geist heraus stammt. Wie ein Motto für die Gesinnung der Geisteswissenschaft kann sie gelten, die alte finnische Volksrune, die uns in die deutsche Sprache in folgender Weise übersetzt ist, und in welcher ich den Grundton, die Grundnuance dessen, was der Vortrag erläutern wollte an dem Wesen der Volksepen, zusammenfassen kann:

Falsches sagen die gewißlich
Und befinden sich im Irrtum,
Die da glauben, Wäinämöinen
Hab gezimmert die Kantele,
Unsere schönen Saitenspiele,
Aus den Kinnbacken des Hechtes,
Und daß Saiten er gesponnen
Aus dem Schweif des Hiisi-Rosses.
Sie ist aus der Not gezimmert,
Kummer band dann ihre Teile,
Bittere Sehnsuchtstränen spannen
Und die Leiden ihre Saiten.

Falsches sagen die gewißlich
Und befinden sich im Irrtum,
Die da glauben, Wäinämöinen
Hab gezimmert die Kantele,
Unsere schönen Saitenspiele,
Aus den Kinnbacken des Hechtes,
Und daß Saiten er gesponnen
Aus dem Schweif des Hiisi-Rosses.
Sie ist aus der Not gezimmert,
Kummer band dann ihre Teile,
Bittere Sehnsuchtstränen spannen
Und die Leiden ihre Saiten.

[ 24 ] So ist alles Wesen nicht aus Materiellem, sondern aus Geistig-Seelischem herausgeboren, so diese alte Volksrune, so wiederum die Geisteswissenschaft, welche sich hineinstellen will in den lebendigen Kulturprozeß unserer Zeit.

[ 24 ] So ist alles Wesen nicht aus Materiellem, sondern aus Geistig-Seelischem herausgeboren, so diese alte Volksrune, so wiederum die Geisteswissenschaft, welche sich hineinstellen will in den lebendigen Kulturprozeß unserer Zeit.